Zweites Kapitel. Die Quellen der allgemeinen Staatseinnahmen.

Die Einnahmen, durch welche nicht nur die Kosten für die Landesverteidigung und für die Behauptung des Ranges des Staatsoberhaupts, sondern auch alle anderen Bedürfnisse der Regierung, für die keine eigenen Einkünfte ausgeworfen sind, bestritten werden müssen, können entweder aus einem Fonds, der dem Staatsoberhaupt oder Staate eigentümlich gehört und vom Volkseinkommen unabhängig ist, oder zweitens aus dem Volkseinkommen herrühren.

Erste Abteilung. Die Einnahmequellen, die dem Staatsoberhaupt oder dem Staate eigentümlich gehören.

Die Fonds oder Einnahmequellen, die dem Staatsoberhaupt oder Staate eigentümlich gehören, bestehen entweder in Kapital oder Grundbesitz.

Der Staat kann, wie jeder andere Kapitalist, Einnahmen vom Kapital ziehen, indem er es entweder selbst anlegt, oder es ausleiht. In dem einen Falle ist seine Einnahme Gewinn, im anderen Zins.

Die Einnahmen eines tatarischen oder arabischen Häuptlings bestehen in Gewinn. Sie rühren hauptsächlich von der Milch und der Zunahme seiner Herden her, die er selbst als der vornehmste Hirt und Herdenbe <157> sitzer seines Stammes überwacht. Nur unter dieser frühesten und rohesten Staatsverfassung besteht der hauptsächlichste Teil der öffentlichen Einnahmen eines monarchischen Staates in Gewinn.

Kleine Republiken haben zuweilen bedeutende Einnahmen aus dem Gewinne kaufmännischer Unternehmungen gezogen. Die Republik Hamburg soll es von dem Gewinn eines Weinkellers und einer Apotheke tun1. Der Staat, dessen Regent Musse hat, das Geschäft eines Weinhändlers oder Apothekers zu treiben, kann nicht sehr groß sein. Der Gewinn einer Staatsbank ist auch für größere Staaten eine Einnahmequelle gewesen, und war es nicht nur in Hamburg, sondern auch in Venedig und Amsterdam. Derartige Einnahmen sind nach der Ansicht mancher sogar nicht unter der Würde eines so großen Reiches wie Großbritannien. Die gewöhnliche Dividende der Bank von England zu 5 1 / 2 % und ihr Kapital auf £ 10,780,000 gerechnet, beläuft sich der reine Gewinn nach Abzug der Verwaltungskosten auf £ 592,900 jährlich. Die Regierung, behauptet man, könnte dies Kapital zu 3 % Zinsen borgen, und würde also, wenn sie die Verwaltung der Bank in ihre eigene Hand nähme, einen jährlichen Reingewinn von £ 269,500 erzielen. Die geordnete, umsichtige und sparsame Verwaltuns: solcher Aristokratien wie Venedig und Am <158> sterdam eignet sich, wie die Erfahrung zeigt, zur Leitung solcher kaufmännischen Unternehmungen ganz vorzüglich. Ob aber eine Regierung, wie die englische, die, welche Vorzüge sie auch sonst haben mag, doch nie wegen ihrer Sparsamkeit berühmt war, die in Friedenszeiten in der Regel die den Monarchien vielleicht eigentümliche, fahrlässige Verschwendung übte und in Kriegszeiten stets mit all' der gedankenlosen Extravaganz handelte, in die Demokratien so leicht verfallen, ob eine solche Regierung mit Leitung eines solchen Unternehmens getrost betraut werden kann, muß mindestens viel zweifelhafter sein.

Das Postwesen ist eigentlich eine kaufmännische Unternehmung. Die Regierung schießt die Kosten für die Errichtung der verschiedenen Postämter und für den Ankauf oder die Miete der nötigen Pferde und Wagen vor, und macht sich mit einem reichlichen Gewinn von den Beförderungsgebühren bezahlt. Es ist vielleicht das einzige kaufmännische Unternehmen, das von allen Regierungen, so viel ich weiß, mit Erfolg geleitet ist. Das vorzuschießende Kapital ist nicht sehr bedeutend; etwas Greheimnisvolles ist nicht dabei, und die Erträge sind nicht nur sicher, sondern gehen auch glatt ein.

Oft aber haben sich Fürsten auch in viele andere kaufmännische Unternehmungen eingelassen, und gleich Privatpersonen ihre Umstände durch Spekulationen in gewöhnlichen Geschäften zu verbessern gesucht. Es ist ihnen fast niemals geglückt. Bei der Verschwendung, mit der die Geschäfte der Fürsten beinahe immer geführt werden, konnte es auch kaum anders sein. Die Agenten eines Fürsten betrachten den Reichtum ihres Herrn als unerschöpflich; sind unbekümmert, zu welchem Preis sie kaufen und verkaufen, unbekümmert, zu welchem Preis die Waren von einem Orte zum andern geführt werden. Diese Agenten leben oft wie Fürsten, und erwerben zuweilen, <159> trotz ihrer Verschwendung, durch Kunstgriffe der Rechnungslegung fürstliche Vermögen. So führten, wie Macchiavell erzählt, die Agenten des Lorenzo von Medici, eines Fürsten von nicht geringen Fähigkeiten, dessen Geschäfte. Die Republik Florenz war zu wiederholten Malen genötigt, die Schulden zu bezahlen, in welche ihn ihre Extravaganzen verwickelt hatten. Er fand es daher geraten, das Handelsgeschäft, dem seine Familie ursprünglich ihr Vermögen zu danken hatte, aufzugeben und wendete in seinem späteren Leben sowohl die Reste seines Privatvermögens, als auch die Einkünfte des Staates, über die er zu verfügen hatte, zu Unternehmungen und Ausgaben an, die seiner Stellung besser entsprachen.

Nichts verträgt sich weniger mit einander als der Charakter eines Kaufmanns und der eines Fürsten. Wenn der Handelsgeist der englisch-ostindischen Kompagnie diese zu sehr schlechten Regenten gemacht hat, so scheint sie andererseits ihr Herrschergeist zu ebenso schlechten Kaufleuten gemacht zu haben. So lange sie bloß Kaufleute waren, trieben sie ihre Geschäfte mit Erfolg, und vermochten den Aktionären eine mäßige Dividende zu zahlen. Seitdem sie Regenten geworden sind, mit einem Einkommen, das ursprünglich mehr als £ 3,000,000 betragen haben soll, waren sie genötigt, die Regierung um außerordentlichen Beistand anzugehen, um nur dem Bankerott zu entgehen. In ihrer früheren Lage sahen sich ihre Beamten in Indien als Handlungsgehilfen an; in ihrer gegenwärtigen Lage halten sich diese Beamten fürdie Minister eines Fürsten.

Ein Staat kann einen Teil seiner Einkünfte von Geldzinsen oder von Kapitalgewinnen erhalten. Hat er einen Schatz gesammelt, so kann er einen Teil davon an fremde Staaten oder an seine eignen Bürger ausleihen.

Der Kanton Bern bezieht aus den Darlehen, die er fremden Staaten aus seinem Schatze machte, d. h. indem <160> er ihm in Staatspapieren der verschuldeten Nationen Europas, besonders der französischen und englischen anlegte, bedeutende-Einnahmen. Die Sicherheit dieser Einnahmen hängt erstens von der Sicherheit der Fonds ab, in denen die Kapitalien angelegt wurden, d. h. von der Ehrlichkeit der Regierung, die das Anlehen gemacht hat, und zweitens von der Fortdauer des Friedens mit der verschuldeten Nation. Im Fall eines Krieges dürfte der erste Akt der Feindseligkeit seitens der verschuldeten Nation, die Ungültigkeitserklärung der Fonds ihres Gläubigers sein. Der Fall Berns ist übrigens meines Wissens der einzige, wo ein Staat an andere Geld leiht.

Die Stadt Hamburg hat eine Art öffentlichen Leihhauses, welches den Staatsbürgern zu 6 Prozent Geld auf Pfänder leiht. Dieses Leihhaus oder Lombard, wie es genannt wird, bringt angeblich dem Staate jährlich 150,000 Kronen ein, was, die Krone zu 4 1 / 2 sh. gerechnet, £ 33,750 ausmacht.

Die Regierung von Pennsylvanien erfand, ohne einen Schatz zu sammeln, ein Mittel, ihren Untertanen zwar kein Geld, aber ein Äquivalent dafür zu leihen. Indem sie Privatleuten gegen Hypotheken von doppeltem Werte, verzinsliche, nach fünfzehn Jahren rückzahlbare Creditzettel vorschoß, die wie Banknoten von Hand zu Hand gehen, und zum gesetzlichen Zahlungsmittel erklärt sind verschaffte sie sich eine mässige Einnahme, welche die jährliche Ausgabe dieser sparsamen und wohlgeordneten Regierung, etwa £ 4500, zum großen Teile bestritt. Der Erfolg eines solchen Hilfsmittel hing von drei Umständen ab; erstens von derNachfrage nach einem anderen Verkehrswerkzeuge als Gold- und Silbergeld d. h. von dem Bedarf einer solchen Menge von verbrauchbaren Waren, wie sie nicht zu beschaffen wäre, wenn man nicht den größten Teil des Gold- und Silbergeldes zu ihrem Ankauf außer Landes schickte; zweitens von <161> dem Kredit der Regierung, und drittens von der Mäßigung, mit der sie sieh dieses Mittels bediente, da der Gesamtbetrag der Kreditzettel niemals den des Gold- und Silbergeldes überstieg, welches zum Verkehr nötig gewesen wäre, wenn es keine solchen Kreditzettel gegeben hätte. Dasselbe Mittel ward bei verschiedenen Gelegenheiten von mehreren anderen amerikanischen Kolonien ergriffen; da sie es aber im Übermaße anwandten, so brachte es mehr Schaden als Nutzen.

Kapital und Kredit sind jedoch bei ihrer unsicheren und vergänglichen Natur nicht geeignet, die Hauptquellen jener sicheren, stetigen und dauerhaften Einkünfte zu sein, welche allein der Regierung Sicherheit und Würde geben können. Die Regierung keines großen Volkes, das über das Hirtenstadiumhinaus gekommen war, scheint jemals den größeren Teil seiner öffentlichen Einnahmen aus solchen Quellen geschöpft zu haben.

Grund und Boden ist ein Fonds von dauerhafterer Natur, und die Rente von Staatsländereien ist daher die Haupteinnahmequelle vieler großen Nationen gewesen, welche das Nomadenleben hinter sich hatten. Aus der Produktion oder der Rente der öffentlichen Ländereien zogen die alten Republiken Griechenlands und Italiens lange Zeit hindurch den größten Teil ihrer Einnahmen. Die Rente der Kronländereien bildete lange Zeit die Haupteinnahrae der alten Fürsten Europas.

Krieg und Vorbereitung zum Kriege sind die beiden Dinge, die in neueren Zeiten die meisten Ausgaben aller großen Staaten verursacht haben. In den alten griechischen und italischen Republiken aber war jeder Bürger Soldat, der auf seine Kosten diente und sich dazu ausrüstete. Weder das eine noch das andere verursachte also dem Staate bedeutende Ausgaben. Die Rente eines mäßigen Grundbesitzes mochte vollkommen hinreichen, alle anderen notwendigen Regierungsausgaben zu bestreiten. <162>

In den alten europäischen Monarchien bereiteten schon die Sitten und Gewohnheiten der Zeit die große Masse des Volkes hinlänglich zum Kriege vor, und wenn der Mann ins Feld zog, so mußte er nach Lehenrecht entweder auf eigene Kosten, oder auf Kosten seines Grundherrn unterhalten werden, ohne daß er dem Fürsten zur Last fiel. Die übrigen Regierungsausgaben waren meist sehr mäßig. Die Rechtspflege veranlaßte, wie bereits gezeigt, keine Ausgaben, sondern war eine Quelle von Einnahmen. Eine dreitägige Arbeit des Landvolkes vor und eine dreitägige nach der Ernte, galt als genügend, um alle Brücken, Landstraßen und sonstigen Verkehrswege herzustellen und zu unterhalten. Die Hauptausgaben des Fürsten bezogen sich in dieser Zeit auf seinen Haushalt und seine Familie. Seine Hausoffizianten waren daher auch die großen Staatsbeamten. Der Großschatzmeister nahm die Renten ein. Der Oberhofmeister und der Oberkammerherr hatten die Aufsicht über die Ausgaben seiner Familie. Die Sorge für seinen Marstall war dem Connetable und dem Marschall anvertraut. Seine Häuser waren alle in der Form von Kastellen erbaut und scheinen die Hauptfestungen gewesen zu sein, die er besaß. Ihre Kastellane sind als eine Art Militäigouverneure zu betrachten, und scheinen die einzigen Offiziere gewesen zu sein, die man in Friedenszeiten zu unterhalten brauchte. Unter diesen Umständen mochte die Rente eines großen Grundbesitzes für die gewöhnlichen Fälle wohl hinreichen, um die notwendigen Regierungsausgaben recht gut zu bestreiten.

Unter der heutigen Verfassung der zivilisierten Länder Europas würde die Rente des gesamten Grund und Bodens, wenn er in einer Hand wäre, kaum so viel Einkünfte bringen, wie jetzt selbst in Friedenszeiten vom Volk erhoben werden. Die gewöhnlichen Einnahmen Großbritanniens z. B., die zur Bestreitung der laufenden <163> Jahresausgaben, ferner zur Verzinsung und Amortisation der Staatsschulden verwendet werden, betragen jährlich mehr als £ 10 Millionen. Die Landtaxe aber, zu 4 sh. per £ bringt jährlich kaum zweiMillionen, obwohl sie, wie man annimmt, etwa den fünften Teil nicht nur der Bodenrente, sondern auch des Mietsertrages aller Häuser und des Zinsertrages aller Kapitalien Großbritanniens ausmacht, nur die dem Staate geliehenen oder die in der Landwirtschaft angelegten Kapitalien ausgenommen. Ein sehr bedeutender Teil von dem Ertrage dieser Steuer rührt von Hausrente und Kapitalzins her. Die Landtaxe der City von London z. B. beträgt (zu 4 sh. per £) £ 123,399; die vom Westminster £ 63,092; die der Paläste Whitehall und St. James £ 30,754. Alle übrigen Städte und Flecken, sowie die Hausrenten und Kapitalzinsen des Reiches tragen gleichfalls zur Landtaxe bei. Nach der Schätzung nun, die in Großbritannien für die Landtaxe angenommen worden ist, würde das gesamte Einkommen aus der Boden- und Hausrente so wie aus den Zinsen aller Kapitalien mit der angeführten Ausnahme die Summe von £10,000,000 jährlich -- soviel erhebt die Regierung selbst in Friedenszeiten vom Volke -- nicht übersteigen. Ohne Zweifel ist die Schätzung, nach der in Großbritannien die Landtaxe festgesetzt worden ist, im ganzen viel zu niedrig, obwohl sie in einzelnen Gegenden und Distrikten der Wirklichkeit sehr nahe kommen soll. Viele schätzen die bloße Bodenrente, ohne Hausrenten und Kapitalzinsen, auf zwanzig Millionen; eine sehr willkürliche Schätzung, die ebensowohl unter wie über der Wahrheit bleiben kann. Wenn aber der Grundbesitz Großbritanniens bei der jetzigen Kultur auch nur zwanzig Millionen £ Renten brächte, so würde er wahrscheinlich nicht die Hälfte, ja vieleicht nicht den vierten Teil ergeben, wenn er sich in einer Hand befände und dem <164> nachlässigen, kostspieligen und drückenden Betriebe von Agenten anvertraut wäre. Die Kronländereien Großbritanniens bringen gegenwärtig nicht den vierten Teil der Rente ein, die sich wahrscheinlich aus ihnen ziehen ließe, wenn sie das Eigentum von Privatpersonen wären. Wären die Kronländereien noch umfangreicher, so würden sie wahrscheinlich noch schlechter verwaltet werden.

Das Einkommen, welches der Volkskörper vom Grund und Boden zieht, bemißt sich nicht nach der Rente, sondern nach der Bodenproduktion. Diegesamten jährlichen Bodenprodukte eines Landes werden, nach Abzug der Saat, entweder vom Volke selbst verzehrt oder gegen andere Verbrauchsgegenstände vertauscht. Was die Bodenproduktion unter dem Niveau hält, das sie erreichen könnte, schmälert das Einkommen des Volkes noch mehr, als das Einkommen der Grundbesitzer. Die Bodenrente, der Teil der Produktion, der den Grundbesitzern gehört, wird kaum irgendwo in Großbritannien höher als auf den dritten Teil der gesamten Produktion angeschlagen. Wenn das Land, welches unter einer gewissen Kultur eine Jahresrente von £ 10 Millionen liefert, unter einer andern eine Rente von zwanzig Millionen einbringen könnte, so würde, die Rente in beiden Fällen als den dritten Teil der Produktion angenommen, das Einkommen der Grundeigentümer nur um zehn Millionen jährlich geringer sein, als es sein könnte, das Einkommen des Volkes aber um dreißig Millionen. Die Bevölkerung des Landes würde um die Zahl von Köpfen geringer sein, die dreißig Millionen £ jährlich, immer nach Abzug der Saat, je nach der Lebensweise und dem. Aufwände der verschiedenen Volksmassen, unter die sich den Rest verteilte, erhalten könnten.

Gegenwärtig gibt es keinen zivilisierten Staat in Europa, der seine meisten Einnahmen aus Staatsdomänen bezöge, aber noch gehören in allen großen Monarchien <165> Europas weite Strecken Landes der Krone. Meist sind es Waldungen, zuweilen Heiden, wo man mehrere Meilen reisen kann, ohne einen einzigen Baum zu finden: ein reiner Verlust für das Land sowohl in Bezug auf das Erträgnis wie auf die Bevölkerung. In jeder großen Monarchie Europas würde der Verkauf der Kronländereien sehr bedeutende Summen Geldes einbringen, die, zur Bezahlung der Staatsschulden verwendet, ein weit größeres Einkommen, als was die Ländereien jemals der Krone einbrachten, von Verbindlichkeiten frei machen würden. Wo sehr hoch kultivierte Güter, die zur Zeit des Verkaufes die denkbar höchste Rente liefern, die sich je von ihnen erwarten läßt, um das Dreißigfache ihres jährlichen Ertrages verkauft zu werden pflegen, werden die schlecht bewirtschafteten, niedrig verpachteten Kronländereien sicher um das Vierzig-, Fünfzigoder Sechzigfache zu verkaufen sein. Die Krone könnte das Einkommen, das dieser hohe Ertrag von Zinsverpflichtungen befreien würde, sofort, und nach Verlauf weniger Jahre wahrscheinlich noch ein zweites Einkommen beziehen. Sind die Kronländereien in Privathänden, so werden sie in wenigen Jahren gut angebaut und bewirtschaftet sein. Die Zunahme ihrer Produkte würde, durch Vermehrung des Einkommens und des Verbrauchs des Volkes, die Bevölkerung des Landes steigern, und mit dem Einkommen und dem Verbrauch des Volkes müssen die Einnahmen der Krone aus Zöllen und Steuern steigen.

Die Einkünfte aus Kronländereien scheinen zwar den Einzelnen nichts zu kosten, kosten aber in Wahrheit das Volk mehr, als vielleicht irgend eine andere Staatseinnahme von gleichem Betrage. Es würde in allen Fällen vorteilhaft für das Volk sein, diese Einnahmen durch andere zu ersetzen, und die Ländereien an Privatleute zu verkaufen.

Grundstücke, die dem Vergnügen und der Pracht <166> dienen, Parks, Gärten, öffentliche Spaziergänge u. s. w., ein Besitz, der überall nur als kostspielig, nicht als Einnahmequelle betrachtet wird, sind die einzigen, die dem Staate gehören sollten.

Da mithin öffentliche Kapitalien und Ländereien, die beiden Einnahmequellen, die dem Fürsten oder Staat eigentümlich gehören können, falsche und unzulängliche Fonds zur Bestreitung der notwendigen Ausgaben eines großen zivilisierten Staates sind, so bleibt nur übrig, daß diese Ausgaben größtenteils durch Steuern der einen oder anderen Art bestritten werden; d. h. das Volk muß einen Teil seines Privateinkommens steuern, um dem Fürsten oder Staat ein öffentliches Einkommen zu gewähren.

Dass die Bodenrente eine falsche Einkommensart ist, ist richtig. Aber sie ist allgemein falsch, weil diese Einkommensart parasitär ist. Dass der Staat nur Parksbesitzen sollte, ist falsch, weil das Land dem Land gehört.

Zweite Abteilung. Von den Steuern.

Das Privateinkommen der Einzelnen entspringt, wie im ersten Buche dieser Untersuchung gezeigt worden, schließlich aus drei Quellen, der Rente, dem Gewinn und dem Arbeitslohn. Jede Steuer muß zuletzt aus einer oder der anderen dieser drei Einkommensarten oder aus allen ohne Unterschied bezahlt werden. Ich werde mich bemühen zu zeigen, welche Steuern am besten auf die Rente, zweitens, welche am besten auf den Gewinn, drittens, welcheauf den Arbeitslohn, und viertens, welche auf alle drei Quellen des Privateinkommens ohne Unterschied fallen sollten. Die gesonderte Betrachtung dieser vier Steuerarten wird die zweite Abteilung unseres Kapitels in vier Artikel zerfallen lassen, wovon drei wieder eigene Unterabteilungen erfordern. Viele Steuern werden, wie sich aus der folgenden Darstellung ergeben <167> wird, nicht aus dem Fonds oder der Einkommensquelle bezahlt, auf welche sie fallen sollten.

Ehe ich auf die Untersuchung der einzelnen Steuern eingehe, muß ich folgende vier Grundsätze bezüglich der Besteuerung vorausschicken.

I. Die Untertanen eines jeden Staats sollten zum Unterhalt der Regierung möglichst genau im Verhältnis zu ihrer Leistungsfähigkeit beitragen, d. h. im Verhältnis zu dem Einkommen, das sie unter dem Schutze des Staates genießen. Die Staatsausgaben sind für die einzelnen, was die Verwaltungskosten für die Teilhaber eines großen Besitzes sind, die sämtlich nach Verhältnis ihres Anteils dazu steuern müssen. In der Beobachtung oder Vernachlässigung dieses Grundsatzes besteht die sogenannte Gleichheit oder Ungleichheit der Besteuerung. Jede Steuer, die zuletzt nur auf eine der drei oben erwähnten Einkommensarten fällt, ist wie hier ein für alle mal bemerkt werden mag, notwendig insofern eine ungleiche, als sie nicht die beiden anderen trifft. In der folgenden Darstellung der verschiedenen Steuern werde ich diese Art von Ungleichheit nur noch selten erwähnen und meine Bemerkungen meist auf diejenige Ungleichheit beschränken, die dadurch entsteht, daß eine Steuer selbst die besondere Einkommensart, auf die sie gelegt ist, ungleich belastet.

II. Die Steuer, die jeder einzelne zu zahlen hat, sollte feststehen und nicht willkürlich sein. Die Zeit und Art der Zahlung, die zu zahlende Summe müssen dem Steuerpflichtigen, wie jedem anderen klar und deutlich sein. Wo es anders ist, steht jeder Steuerpflichtiire mehr oder weniger in der Gewalt des Steuererhebers, der einen verhaßten Steuerzahler stärker belasten oder durch Androhung einer solchen Belastung Geschenke oder Sporteln erpressen kann. Die Unbestimmtheit der Besteuerung befördert die Unverschämtheit und Ver <168> derbnis einer Klasse von Menschen, die schon ohnehin, auch wenn sie sich weder unverschämt noch verderbt zeigen, unbeliebt sind. Ein fester Steuersatz ist so wichtig, daß, wie die Erfahrung aller Nationen lehrt, selbst eine sehr auffallende Ungleichheit kein so großes Übel ist wie die geringste Unsicherheit.

III. Jede Steuer sollte zu der Zeit und in der Weise erhoben werden, wann und wie der Steuerpflichtige sie am bequemsten bezahlen kann. Eine Steuer auf die Grund- oder Hausrente, zahlbar an dem Zeitpunkt, an dem diese Renten einzugehen pflegen, sind für den Steuerpflichtigen am bequemsten. Steuern auf Waren, wie es Luxusartikel sind, werden am Ende alle von dem Verbraucher und in der Regel auf eine Weise bezahlt, die ihm sehr bequem ist. Er bezahlt sie nach und nach, wie er sie gerade braucht. Da es ihm frei steht, zu kaufen oder nicht zu kaufen, so ist es seine eigne Schuld, wenn ihm solche Steuern unbequem werden.

IV. Jede Steuer sollte so eingerichtet sein, daß sie möglichst wenig Erhebungskosten verursacht. Die Erhebung kannauf viererlei Art zu kostspielig werden. Erstens, wenn sie eine große Zahl von Beamten erfordert, deren Gehälter den größten Teil des Steuerertrages aufzehren, und deren Sporteln dem Volke vielleicht noch eine weitere Steuer aufbürden. Zweitens kann sie den Gewerbebetrieb hemmen, und den Leuten gewiße Beschäftigungen verschränken, die sehr vielen Unterhalt und Arbeit geben könnten. Während sie die Leute zum Zahlen zwingt, veimindert sie oder zerstört vielleicht einen Fonds, der sie hätte in Stand setzen können, bequemer zu zahlen. Drittens kann sie durch Beschlagnahme und andere Strafen, denen diejenigen verfallen, die sich bei einem Versuche die Steuer zu hinterziehen, betreten lassen, diese oft zu Grunde richten und dadurch dem Vorteil ein Ende setzen, den der Staat sonst von der Anlage ihrer Kapitalien gehabt haben würde. Eine un <169> verständige Steuer reizt zum Schmuggel; die Bestrafung des Schmuggels muß aber mit dem Grade der Versuchung gleichen Schritt halten; das Gesetz jedoch schafft, im Widerspruch mit allen Grundsätzen der Gerechtigkeit, zuerst die Versuchung, und straft dann die, die ihrerliegen; ja es verschärft gewöhnlich die Strafe im Verhältnis zu demselben Umstände, der sie mildern sollte, nämlich der Versuchung zum Verbrechen.2 Viertens kann die Steuer die Pflichtigen häufigen Besuchen und gehässigen Ausforschungen seitens der Erheber unterwerfen und sie dadurch höchst unnötigen Beunruhigungen, Plackereien und Bedrückungen aussetzen; und wenn auch die Plackereien nicht eigentlich Kosten sind, so sind sie doch sicherlich den Kosten gleich, mit denen sich jeder gern von ihnen loskaufen möchte. Auf eine oder die andere dieser vier Arten kann eine Steuer oft für das Volk um so viel lästiger sein, als für den Staat vorteilhaft. Die augenscheinliche Gerechtigkeit und Nützlichkeit der vorstehenden Grundsätze hat sie mehr oder weniger der Beachtung aller Völker empfohlen. Alle Völker haben sich bemüht, nach bester Einsicht ihre Steuern so gleich, so fest, so bequem hinsichtlich der Zahlungsfrist und der Zahlungsart, und im Verhältnis zu dem Ertrage, den sie dem Staat einbringen sollen, so wenig drückend zu machen, als es sich irgend tun ließ. Die folgende kurze Übersicht über einige Steuern, die in verschiedenen Zeiten und Ländern bestanden haben, wird zeigen, daß nicht alle Nationen in ihren desfallsigen Bemühungen gleich erfolgreich gewesen sind.

Erster Artikel. Rentensteuern. Steuern auf die Bodenrente.

Eine Steuer auf die Bodenrente kann entweder nach einem gewißen Kanon aufgelegt werden, so daß ieder <170> Distrikt auf eine gewiße Rente geschätzt wird, welche Schätzung später nicht veränderhch ist, oder sie kann so aufgelegt werden, daß sie sich mit jeder Veränderung der wirklichen Grundrente ändert, und mit der Verbesserung oder dem Nachlaß der Kultur steigt oder fällt. Eine Grundsteuer, die, wie die Großbritanniens, auf jeden Distrikt nach einem gewißen unveränderlichen Kanon gelegt ist, muß, wenn sie auch bei ihrer Einführung vollkommen gleichmäßig war, notwendig im Laufe der Zeit ungleichmäßig werden, je nach der Verbesserung oder Vernachlässigung der Kultur in den verschiedenen Landesteilen. In England war die Schätzung, nach der durch Akte 4 Wilhelms und Marias die Grafschaften und Kirchspiele zur Grundsteuer herangezogen wurden, schon von vorn herein höchst ungleichmäßig. Diese Steuer verstießt also insofern gegen den ersten der obenerwähnten vier Grundsätze. Den drei anderen ist sie vollkommen gemäß. Sie ist genau festgelegt. Der Zahlungstermin, der mit dem der Pachtzahlung zusammenfällt, ist für den Besteuerten so bequem wie möglich. Wenn auch der Grundherr in allen Fällen der eigentliche Steuerzahler ist, so wird die Steuer doch in der Regel vom Pächter vorgeschoßen, von dem der Grundherr sie bei der Pachtzahlung sich anrechnen lassen muß. Diese Steuer wird durch eine viel geringere Beamtenzahl erhoben, als jede andere nahezu ebenso einträgliche Steuer Da die Steuer jedes Bezirkes nicht mit der faktischen Rente steigt, so hat der Staat an den Gewinnen der Wirtschaftsverbesserungen des Grundherrn keinen Auteil. Freilich tragen diese Verbesserungen zuweilen dazu bei, die anderen Grundherren des Districtes zu entlasten; aber die dadurch bisweilen auf einem Gute veranlaßte Steuererhöhung ist stets so gering, daß sie niemals von diesen Verbesserungen abhalten, noch die Bodenproduktion unter das Niveau drücken kann, das sie sonst erreichen <171> würde. Da sie mithin keine Verminderung der Menge herbeiführt, so kann sie auch den Pieis der Produkte nicht steigein. Sie hemmt den Fleiß des Volkes nicht. Sie unterwirft den Grundherrn keiner anderen Last, als der unvermeidlichen, die Steuer zu zahlen.

Der Vorteil jedoch, der sich für den Grundherrn aus der Unveränderlichkeit des Schätzungswerts, nach dem alle Ländereien Großbritanniens zur Grundsteuer veranlagt sind, ergibt, rührt hauptsächlich von einigen Umständen her, die mit der Natur der Steuer gar nichts zu tun haben.

Er rührt zum Teil von der großen Blüte fast aller Landesteile her, da seit der Zeit der ersten Abschätzung die Renten fast aller Güter Großbritanniens fortwährend gestiegen sind. Die Grundherren haben also fast alle die Differenz gewonnen, die zwischen der Steuer, die sie nach der gegenwärtigen Rente ihrer Güter würden zahlen müssen, und derjenigen, die sie nach der alten Schätzung wirklich zahlen, besteht. Wäre der Verlauf umgekehrt gewesen, wären die Renten in Folge Verfalls der Kultur allmählich gesunken, so würden die Grundheiren fast sämtlich diese Differenz verloren haben. Bei dem Gange der Dinge aber, wie er seit der Revolution eintrat, ist die Unveränderlichkeit der Schätzung für den Grundherrn vorteilhaft und für den Staat nachteilig gewesen. Bei einem anderen Verlauf würde der umgekehrte Fall eingetreten sein.

Wie die Steuer in Geld zahlbar ist, so ist auch der Scliätzungswert in Geld ausgedrückt. Seit der ersten Abschätzung ist der Wert des Silbers ziemlich gleich geblieben, und weder im Münzfüße, noch im Schrot und Korn ist eine Veränderung eingetreten. Wäre das Silber beträchtlich im Werte gestiegen, wie dies in den der Entdeckung der amerikanischen Minen vorhergehenden beiden Jahrhunderten der Fall war, so <172> möchte sich das Feststellen der Schätzung für den Grundherrn sehr drückend erwiesen haben. Wäre das Silber beträchtlich im Werte gesunken, wie es wenigstens ein Jahrhundert lang nach der Entdeckung jener Minen sicherlich der Fall war, so würde dasselbe Feststehen der Schätzung diesen Zweig der Staatseinnahmen sehr verkürzt haben. Wäre der Münzfuß bedeutend verändert worden, so daß dieselbe Menge Silber einen niedrigeren oder einen höheren Nennwert erhalten hätte; wäre z. B. eine Unze Silber, anstatt zu 5 sh. 2 d. ausgeprägt zu werden, zu 2 sh. 7 d. oder zu 10 sh. 4 d. ausgeprägt worden, so wäre in dem einen Falle das Einkommen des Grrundherrn, in dem anderen das des Staates geschädigt worden.

Unter anderen Umständen, als den wirklich eingetretenen, konnte mithin jenes Feststehen der Schätzung entweder für die Steuerpflichtigen oder für den Staat sehr unangenehm sein. Im Laufe der Zeit müssen aber solche Umstände dann und wann eintreten. Wenn nun auch die Staaten wie alle anderen Menschenwerke sich bisher alle als vergänglich erwiesen haben, so erstrebt doch jeder Staat die Unvergänglichkeit. Jede Verfassung also, die ebenso dauerhaft sein soll wie der Staat selbst, sollte nicht nur in gewißen Fällen, sondern in allen passen, d. h, sie sollte nicht den vorübergehenden, gelegentlichen oder zufälligen, sondern den notwendigen und darum immer gleichbleibenden Verhältnissen entsprechen.

Eine Steuer auf die Bodenrente, die den Veränderungen der Rente folgt und je nach den Fortschritten oder der Vernachlässigung der Bodenkultur steigt oder fällt, ist von den sog. Physiokraten als die gerechteste aller Steuern empfohlen worden . Alle Steuern, behaupten sie, fallen zuletzt auf die Grundrente und sollten daher gleichmässig auf den Fonds gelegt werden, der sie schließlich bezahlen muß. Daß alle Steuern möglichst gleich <173> mäßig auf den Fonds fallen sollten, der sie schließlich bezahlen muß, ist gewiß richtig; allein es wird auch ohne Erörterung der metaphysischen Argumente, mit denen sie ihre sehr sinnreiche Theorie zu unterstützen suchen, aus der folgenden Übersicht hinlänglich klar werden, welche Steuern zuletzt auf die Grundrente, und welche auf einen anderen Fonds fallen.

In dem venetianischen Gebiet ist alles verpachtete Ackerland mit 10 pCt. der Rente besteuert3. Die Pachtkontrakte werden in ein öffentliches Register eingetragen, das die Steuerbehörden führen. Bewirtschaftet der Eigentümer sein Land selbst, so wird es nach einer billigen Schätzung veranschlagt, und es wird ihm ein Fünftel der Steuer erlassen, sodaß er statt zehn nur acht Prozent der Rente zahlt. Diese Grundsteuer ist gewiß gleichmäßiger (more equal) als die englische. Sie ist aber nicht so genau festgelegt, und ihre Schätzung mag für den Grundbesitzer oft mit viel mehr Beschwerlichkeiten verknüpft sein. Auch ihre Erhebung ist wohl viel kostspieliger. Indessen ließe sich vielleicht ein Verwaltungssystem ersinnen, das ebenso jene Unsicherheit großenteils verhütete, wie auch die Kosten ermäßigte.

Der Grundherr und der Pächter könnten z. B. beide dazu angehalten werden, ihren Kontrakt in ein öffentliches Register eintragen zu lassen. Gegen Verhehlung oder falsche Angabe der Pachtbedingungen ließen sich angemessene Strafen verhängen, und wenn ein Teil der Geldbussen an denjenigen der beiden Kontrahenten gezahlt würde, der die Verhehlung oder falsche Angabe des anderen anzeigte and bewiese, so würde das beide wirksam abschrekken, sich mit einander zur Schädigung der Staatseinnahmen zu verbinden. Alle Bedingungen der Pacht könnten durch eine derartige Eintragung hinlänglich bekannt werden. <174>

Manche Gutsherren nehmen, anstatt eine Pacht zu erheben, eine einmalige Abfindungssumme. Diese Praxis gleicht dem Verfahren eines Verschwenders, der für eine Summe baren Geldes ein künftiges Einkommen von weit höherem Betrage verkauft. Es ist mithin fast in allen Fällen für den Gutsherrn nachteilig. Aber auch für den Pächter ist es oft, und für den Staat ist es stets nachteilig. Es entzieht dem Pächter häufig einen so großen Teil seines Kapitals und macht ihn dadurch zu Wirtschaftsverbesserungen so unfähig, daß es ihm schwerer wird, eine kleine Rente zu zahlen, als ihm sonst die Bezahlung einer größeren geworden wäre. Was aber seine Fähigkeit zu Kulturverbesserungen vermindert, drückt unvermeidlich den wichtigsten Teil der Staatseinnahmen unter das Niveau, das sonst hätte erreicht werden können. Durch eine erheblich höhere Besteuerung solcher Abfindungssummen könnte diese schädliche Praxis zu nicht geringem Vorteil aller dabei beteiligten Parteien, des Gutsherrn, des Pächters und des Staates, eingeschränkt werden.

Manche Kontrakte schreiben dem Pächter gewisse Kulturmethoden und gewisse Fruchtfolgen während der Dauer der Pacht vor. Diese Bedingung, die gewöhnlich durch die (meist sehr wenig begründete) Einbildung des Gutsherrn, er verstehe es besser, veranlaßt ist, sollte stets als eine Zusatzrente betrachtet werden; als eine Naturalrente statt einer Geldrente. Zur Verhütung dieser im allgemeinen törichten Praxis könnte man diese Art von Rente höher veranschlagen, und also auch höher besteuern als gewöhnliche Geldrenten.

Manche Gutsherren verlangen statt einer Geldrente eine Naturalrente in Getreide, Vieh, Geflügel, Wein, Ol u. s. w. ; andere fordern eine in Diensten zu leistende Rente. Solche Renten sind für den Pächter stets nachteiliger, als für den Grundherrn vorteilhaft, und ent <175> ziehen der Tasche des ersteren mehr, als sie in die des letzteren tun. Überall wo sie üblich sind, sind die Pächter arm und bettelhaft, und zwar fast genau in dem Verhältnis ihres Vorkommens. Durch höhere Veranschlagung und folglich höhere Besteuerung dieser, als gewöhnlicher Geldrenten, könnte eine so schädliche Praxis vielleicht abgeschafft werden.

Wenn der Grundherr einen Teil seines Grundbesitzes selbst bewirtschaften will, könnte die Rente nach einer billigen Schätzung der benachbarten Pächter und des Gutsherrn angeschlagen, und ihm, wie im Venetianischen, ein mäßiger Nachlaß an der Steuer bewilligt werden, soweit die Rente der selbstbewirtschafteten Länder eine gewisse Summe nicht übersteigt. Es ist von Wichtigkeit, den Gutsherrn zu eigner Bewirtschaftung aufzumuntern. Sein Kapital ist in der Regel größer, als das des Pächters, und er vermag mit weniger Geschick oft einen größeren Ertrag zu erzielen. Der Grundherr kann Versuche anstellen, und ist in der Regel dazu geneigt. Mißlingen sie, so bereiten sie ihm nur einen mäßigen Verlust; gelingen sie, so befördern sie die Kultur des ganzen Landes. Doch darf der Steuernachlaß ihn nicht zur Bewirtschaftung einer übermäßigen Fläche ermutigen. Wenn die meisten Gutsherren versucht wären, ihren gesamten Besitz selbst zu bewirtschaften, so würde sich das Land (anstatt mit besonnenen und fleißigen Pächtern, die durch ihr eigenes Interesse veranlaßt sind, so zu wirtschaften, wie es ihr Kapital und ihre Kenntnisse gestatten) mit trägen und liederlichen Verwaltern füllen, deren schlechte Bewirtschaftung die Bodenkultur bald herunter bringen, und den Jahresertrag zum Schaden nicht nur der Einkünfte ihrer Herren, sondern auch des wichtigsten Teils der Staatseinnahmen vermindern würde.

Ein Verwaltungssystem, wie das oben geschilderte <176> dürfte einer Steuer dieser Art alle Unbestimmtheit nehmen, welche den Steuerpflichtigen drückt oder belästigt, und zugleich der Landwirtschaft eine Richtung geben, welche der Bodenkultur sehr förderlich sein könnte.

Die Erhebungskosten einer veränderlichen Grundsteuer würden ohne Zweifel etwas größer sein, als diejenigen einer feststehenden. Die Anstellung von Beamten zur Führung der Register und Abschätzung der Ländereien, die der Eigentümer selbst bewirtschaften will, würde einige Kosten verursachen, doch dürften sie sehr mäßig und weit geringer sein als die Hebungskosten vieler anderen Steuern, die im Vergleich mit den Erträgen einer solchen Steuer vielleicht nur sehr unbedeutende Einnahmen liefern.

Der wichtigste Einwand gegen veränderliche Grundsteuern ist der, daß sie Meliorationen hinderlich werden können. Der Gutsherr wird gewiß zu Meliorationen weniger geneigt sein, wenn der Staat, der nichts zu den Kosten beitrug, an dem Gewinne der Melioration Teil haben will. Diesem Einwand ließe sich vielleicht dadurch begegnen, daß man dem Gutsherrn gestattete, vor dem Beginn der Melioration den dermaligen Wert seiner Ländereien von Steuerbeamten, in Verbindung mit Gutsbesitzern und Pächterr der Umgegend nach beiderseitiger Wahl, veranschlagen zu lassen, welcher Anschlag so lange die Grundlage der Besteuerung zu bilden hätte, bis die volle Entschädigung des Kostenaufwandes erreicht ist. Ein Hauptvorteil einer derartigen Grundsteuer besteht darin, daß der Staat die Bodenkultur fördern wird, weil dadurch seine Einnahmen steigen. Der dem Gutsherrn zu seiner Entschädigung bewilligte Zeitraum dürfte mithin nicht viel länger sein, als für den Zweck nötig ist, damit das Staatsinteresse durch die Hinausschiebung des Ziels nicht geschwächt wird. Immerhin ist es jedoch besser, wenn der Termin etwas zu lang, als zu kurz ist. <177> Das Interesse des Staates an der Beförderung der Bodenkultur kann dieser nie so vorteilhaft sein, wie die geringste Entmutigung des Gutsherrn ihr nachteilig werden kann. Die Fürsorge des Staates kann im besten Falle doch nur in einer ganz allgemeinen und unbestimmten Beobachtung der Umstände bestehen, die zum besseren Anbau seines Gebiets dienen können. Die Fürsorge des Gutsherrn hingegen besteht in einer ganz speziellen und minutiösen Bemühung, jeden Fuß breit seines Landes aufs vorteilhafteste auszunutzen. Der Staat sollte sich darauf beschränken, durch alle ihm zu Gebote stehenden Mittel die Bemühungen des Gutsherrn und Pächters zu ermutigen, und zwar dadurch, daß er beide ihre Interessen auf ihre eigne Weise und nach ihrem eignen Ermessen verfolgen läßt ; daß er beiden die vollkommenste Sicherheit gewählt, die Früchte ihres Fleißes uneingeschränkt zu genießen; und daß er beiden für alle ihre Produkte den ausgedehntesten Markt verschafft, indem er im eignen Lande die leichtesten und sichersten Verbindungswege herstellt und die uneingeschränkteste Freiheit der Ausfuhr nach anderen Ländern gewährt.

Wenn durch ein solches Verwaltungssystem die Grundsteuer so eingerichtet werden könnte, um die Bodenkultur nicht nur nicht zu entmutigen, sondern sie im Gegenteil zu befördern, so bereitete sie dem Gutsherrn keine andere Last, als die unvermeidliche, überhaupt Steuer zahlen zu müssen.

Bei allen Veränderungen der Lage, bei fortschreitender und sinkender Bodenkultur, bei allen Schwankungen des Silberwerts und des Münzfußes, würde sich eine solche Steuer von selbst und ohne Zutun der Regierung der jedesmaligen Lage der Dinge bequem anpassen und stets gleich gerecht und billig sein. Sie würde daher weit richtiger als dauernde und unabänderliche Einrich <178> tung oder als sogenanntes Grundgesetz des Staates einzuführen sein, als eine Steuer, die stets nach einer feststehenden Schätzung erhoben würde.

Einige Staaten haben, anstatt des so einfachen und naheliegenden Mittels eines Registers über die Pachtkontrakte, das mühsame und kostspielige Mittel einer wirklichen Vermessung und Abschätzung sämtlicher Ländereien gewählt. Sie fürchteten vermutlich, Verpächter und Pächter könnten übereinkommen, die kontraktlichen Bedingungen zu verheimlichen und dadurch den Fiskus zu hintergehen. Das Doomesday-book scheint aus einer sehr genauen Vermessung dieser Art hervorgegangen zu sein.

In den alten Landesteilen Preußens ist die Grundsteuer nach einer wirklichen Vermessung und Abschätzung, die von Zeit zu Zeit nachgeprüft und abgeändert wird, aufgelegt.4 Nach dieser Abschätzung zahlen weltliche Besitzer 20--25 % die Kirche 40 -- 45 % ihres Einkommens. In Schlesien geschah die Vermessung und Abschätzung auf Befehl des jetzigen Königs und zwar, wie es heißt, mit großer Genauigkeit. Danach wurden die Ländereien des Bischofs von Breslau zu 25 % ihrer Rente, die übrigen Einkünfte der Kirche beider Bekenntnisse zu 50 %, die Komtureien des deutschen und des Maltheser-Ordens zu 40, alle adligen Güter zu 38 1 / 3 , Bauerngüter zu 35 1 / 3 eingeschätzt.5

Die Vermessung und Abschätzung Böhmens soll das Werk von mehr als hundert Jahren gewesen sein. Es wurde erst nach dem Frieden von 1748 auf Befehl derjetzigen Kaiserin-Königin vollendet. Die Vermessung des Herzogtums Mailand, die zur Zeit Karls VI. be <179> gonnen war, wurde erst nach 1760 vollendet. Sie gilt für die genaueste, die jemals gemacht worden ist. Die Vermessung Savoyens und Piemonts wurde auf Befehl des letztverstorbenen Königs von Sardinien vorgenommen.

In Preußen ist das Einkommen der Kirche weit höher besteuert, als das der weltlichen Eigentümer. Das Einkommen der Kirche belastet größtenteils die Grundrente. Selten wird ein Teil davon auf Bodenverbesserung verwendet oder so benutzt, um das Einkommen des Volkskörpers irgendwie zu vermehren. Aus diesem Grunde hielt es vermutlich Seine preußische Majestät für billig, daß es erheblich mehr zur Erleichterung der Staatslasten beisteuere. In einigen Ländern sind die Kirchengüter von allen Steuern frei; in anderen sind sie viel geringer besteuert als andere Ländereien. Im Herzogtum Mailand sind die Ländereien, welche die Kirche vor 1575 besaß, nur zum dritten Teil ihres Wertes besteuert.

In Schlesien sind adelige Güter um 3 % höher besteuert als Bauerngüter. Wahrscheinlich dachte der König, daß die Ehrenrechte und Privilegien mancherlei Art, die mit den ersteren verknüpft sind, den Besitzer hinreichend für eine kleine Erhöhung der Steuer schadlos halte, während gleichzeitig die niedrigere Stellung der letzteren durch eine geringere Besteuerung etwas erleichtert werden könnte. In anderen Ländern erschwert das Steuersystem diese Ungleichheit, anstatt sie zu erleichtern. In Sardinien und in den Provinzen Frankreichs, die der Grundsteuer unterworfen sind, fällt die Steuer lediglich auf die Bauerngüter, und die adeligen Güter sind steuerfrei.

Eine nach einer allgemeinen Vermessung und Abschätzung veranlagte Grundsteuer muß, so gleichmäßig sie auch anfänglich gewesen sein mag, nach sehr kurzer <180> Zeit ungleichmäßig werden. Um dies zu verhüten, ist eine beständige peinliche Aufmerksamkeit der Regierung auf alle Veränderungen im Zustande und Ertrage jedes einzelnen Gutes im Lande nötig. Die Regierungen Preußens, Böhmens, Sardiniens und des Herzogtums Mailand üben sie in der Tat; allein sie ist der Natur einer Regierung so wenig angemessen, daß sie wahrscheinlich nicht lange dauern oder, wenn es geschieht, mit der Zeit mehr Belästigungen und Scherereien verursachen wird, als sie den Steuerpflichtigen Erleichterung gewähren mag.

Im Jahre 1666 war die Landschaft von Montauban nach einer, wie es heißt, sehr genauen Vermessung und Abschätzung zur Grundsteuer eingeschätzt. 1727 war die Besteuerung ganz ungleichmäßig geworden. Um diesem Übelstande abzuhelfen, wußte die Regierung kein besseres Mittel, als der ganzen Landschaft eine Zuschlagssteuer von 120,000 Livres aufzulegen. Diese Zuschlagssteuer wird in den einzelnen der Steuer unterworfenen Bezirken nach dem alten Maßstabe veranlagt, aber nur von denen erhoben, die dermalen zu niedrig, und zur Erleichterung derer verwendet, die zu hoch eingeschätzt sind. Zwei Bezirke z. B., von denen der eine unter den gegenwärtigen Verhältnissen auf 900, der andere aber auf 1100 Livres veranschlagt sein sollte, sind nach der alten Besteuerung beide auf 1000 Livres eingeschätzt. Durch die Zuschlagstaxe werden diese beiden Bezirke auf je 1100 Livres eingeschätzt; sie wird aber nur von dem zu niedrig eingeschätzten Bezirk erhoben und lediglich zur Erleichterung des zu hoch eingeschätzten verwendet, der mithin nur 900 Livres bezahlt. Die Regierung gewinnt und verliert nichts durch die Zuschlagstaxe, die lediglich dazu verwendet wird, den aus der alten Einschätzung entspringenden Ungleichheiten abzuhelfen. Die Verwendung <181> liegt ziemlich in den Händen des Intendanten und muß daher sehr willkürlich sein.

Steuern auf den Boden-Ertrag.

Steuern auf den Bodenertrag sind im Grunde Steuern auf die Rente, und wenn sie auch ursprünglich der Pächter (farmer) vorschießt, so zahlt sie schließlich doch der Grundbesitzer. Wenn ein gewißer Teil des Ertrags für eine Steuer vorweg zu zahlen ist, so berechnet der Pächter möglichst genau den durchschnittlichen Betrag und rechnet ihn von der Pachtsumme ab, zu deren Zahlung er sich versteht. Kein Pächter wird verabsäumen, den Kirchenzehnten, der eine Grundsteuer dieser Art ist, nach seinem durchschnittlichen Jahresbetrage zu berechnen.

Der Zehnte und jede andere Grundsteuer dieser Art sind unter dem Scheine vollkommener Gleichmäßigkeit (equality) sehr ungleichmäßige Steuern, da ein bestimmter Teil des Ertrags unter verschiedenen Verhältnissen sehr verschiedenen Teilen der Rente gleich ist. Auf fruchtbarem Boden ist oft der Ertrag so groß, daß die Hälfte vollkommen hinreicht, dem Pächter sein Kapital mit dem in der Gegend üblichen Gewinne zurückzuerstatten. Die andre Hälfte oder, was auf dasselbe hinauskommt, ihren Betrag könnte er dem Grundbesitzer als Rente zugestehen, wenn der Zehnte nicht wäre. Wird ihm aber ein Zehntel des Ertrags als Zehnt abgenommen, so muß er einen Erlaß von 1 / 5 der Rente fordern, oder das Kapital wird ihm nicht mit dem üblichen Gewinne zurückerstattet. In diesem Falle wird also die Rente des Grundbesitzers, anstatt sich auf die Hälfte oder 5 / 10 des Gesamtbetrages zu belaufen, nur 4 / 10 betragen. Auf dürftigem Boden ist <182> dagegen der Ertrag manchmal so gering, und die Kulturkosten so groß, daß 4 / 5 des Gesamtertrags erforderlich sind, um dem Pächter sein Kapital samt dem üblichen Gewinne zu erstatten. In diesem Falle kann sich die Rente des Grundherrn, wenn es auch keinen Zehnten gibt, doch nicht auf mehr als 1 / 5 oder 2 / 10 des Gesamtertrages belaufen. Entrichtet aber der Pächter 1 / 10 des Ertrages als Zehnten, so muß er einen gleichen Nachlaß an der Rente des Gutsherrn fordern, die so auf 1 / 10 des Gesamtertrages herabgesetzt wird. Bei der Rente fruchtbarer Ländereien mag der Zehnte manchmal kaum 1 / 5 , oder 4 sh. auf ein Pfund betragen, während er auf dürftigem Boden vielleicht die Hälfte oder 10 sh. auf ein Pfand verschlingt.

Die beiden Renter, der Grundrentner und der Kirchenrentner, verhalten sich verschieden. Der Grundeigentümer verurteilt den Pächter dazu, nicht mehr Profit zu haben, als der Pächter des unfruchtbarsten Bodens hat. Das hat Ricardo zur Grundlage seiner Rententheorie gemacht. Der Zehnte fordert dagegen nur einen prozentualen Anteil am Profit. Bei beiden handelt es sich um parasitäres Einkommen, aber das des Grundeigentümers ist zusätzlich noch unverschämt.

Wie der Zehnte die Rente oft sehr ungleichmäßig besteuert, so ist er stets ein großes Hindernis für Meliorationen seitens des Gutsherrn, wie für Kulturverbesserungen seitens des Pächters. Der eine kann die wichtigsten Meliorationen, die gewöhnlich die kostspieligsten sind, nicht herzustellen wagen, und der andere nicht die wertvollsten Produkte, die auch gewöhnlich am kostspieligsten sind, zu pflanzen, sobald die Kirche, die nicht zu den Kosten beiträgt, sehr erheblich am Gewinn teilnimmt. Der Anbau von Krapp beschränkte sich lange Zeit des Zehnten wegen auf die Niederlande, die als reformiertes Land von dieser verderblichen Steuer frei waren und für diesen nützlichen Farbstoff Europa gegenüber eine Art von Monopol besassen. Die neuerlichen Versuche, den Anbau dieser Pflanze in England einzuführen, sind nur in Folge des Statuts möglich gewortlen, wonach Acker, die mit Krapp bestellt sind statt der Zehnten nur 5 sh. pro Acre zahlen.

Da die Bodenverbesserungen nach Ablauf des Pachtvertrags unentgeltlich in die Hände des Bodenbesitzers übergehen, hält eher dieser den Pächter von Bodenverbesserungen ab als die Kirche.

Wie in Europa die Kirche, so wird in vielen Ländern Asiens der Staat vorzugsweise durch eine Steuer auf den <183> Bodenertrag unteihalten. In China bestehen die Haupteinnahmen des Staats in dem zehnten Teile des gesamten Bodenertrags; der Anschlag ist jedoch so mäßig, daß er in vielen Provinzen 1 / 30 des gewöhnlichen Ertrages nicht übersteigen soll. Die Grundsteuer oder Grundrente, welche der muhamedanischen Regierung Bengalens gezahlt zu werden pflegte, ehe das Land in die Hände der englisch-ostindischen Kompagnie gekommen war, soll sich auf etwa 1 / 5 des Ertrages belaufen haben. Die Grundsteuer des alten Ägyptens soll gleichfalls 1 / 5 betragen haben.

In Asien soll diese Art Grundsteuer das Interesse des Staats an der Bodenkultur rege erhalten. Die Herrscher Chinas, Bengalens unter der muhamedanischen Regierung und des alten Agyptens sollen demgemäß eifrigst bedacht gewesen sein, gute Straßen und schiffbare Kanäle anzulegen und zu unterhalten, um die Menge und den Wert der Bodenprodukte durch Beschaffung eines ausgedehnten Absatzgebietes möglichst zu steigern. Der Kirchenzehnte wird in so vielen Bruchteilen entrichtet, daß kein Empfänger des Zehnten ein derartiges Interesse haben kann. Der Pfarrer eines Kirchspiels würde niemals seine Rechnung dabei finden, eine Straße oder einen Kanal nach einem entfernten Teil des Landes herzustellen, um für die Produkte seines Kirchspiels den Markt zu erweitern. Zum Unterhalt des Staates bestimmt, haben solche Steuern einige Vorteile, die ihre Nachteile bis auf einen gewißen Grad aufwiegen können; zum Unterhalte der Kirche bestimmt, sind sie nur von Nachteilen begleitet.

Gehört das Land dem Land, so ist ein mäßiger Zehnter auf die Bodenerträge eine Einkunft, die dem allgemeinen Konsumtionsfonds dient und damit gerechtfertigt.

Steuern auf den Bodenertrag können in natura oder nach einer gewissen Schätzung in Geld erhoben werden. Für den Pfarrer eines Kirchspiels oder einen wenig bemittelten Besitzer, der auf seinem Gute lebt, kann es zuweilen vorteilhaft sein, seinen Zehnten resp. seine Rente <184> in natura zu empfangen. Die zu erhebende Menge und der Bezirk, in welchem sie erhoben wird, sind so klein, daß beide die Erhebung und Verteilung des ihnen zustehenden Teiles überwachen können. Ein reicher Mann dagegen, der in der Hauptstadt wohnt, würde in Gefahr sein, durch die Nachlässigkeit und noch mehr durch die Unterschleife seiner Verwalter und Agenten viele Verluste zu haben, wenn die Rente eines entlegenen Gutes in dieser Art gezahlt würde. Der Verlust des Staates in Folge der Mißbräuche und Hinterziehungen der Steuererheber würde notwendigerweise noch größer sein. Die Beamten des sorglosesten Privatmanns sind immerhin wohl noch mehr überwacht, als die Beamten des sorgsamsten Fürsten; und eine in natura bezahlte Staatseinnahme würde unter der Mißwirtschaft der Erheber so zusammenschmelzen, daß nur ein sehr kleiner Teil dessen, was vom Volke erhoben wurde, jemals in die Schatzkammer des Fürsten gelangen würde. Ein Teil der Staatseinnahmen Chinas soll jedoch in dieser Art bezahlt werden. Die Mandarinen und die anderen Steuererheber finden ohne Zweifel ihren Vorteil dabei, diesen Erhebungsmodus, der weit mehr gemißbraucht werden kann, als jede Zahlung in Geld, fortdauern zu lassen.

Eine Steuer auf den Bodenertrag, die in Geld erhoben wird, kann entweder nach einer mit allen Schwankungen des Marktpreises wechselnden Schätzung, oder nach einer festen Taxe erhoben werden, so daß z. B. ein Scheffel Weizen immer zu dem nämlichen Geldpreise angeschlagen wird, gleichgültig welches der Marktpreis, ist. Der Ertrag einer auf die erstere Weise erhobenen Steuer wird nur nach den Schwankungen der Bodenproduktion, nach der Verbesserung oder dem Verfall des Ackerbaues wechseln; der Ertrag einer auf letztere Art erhobenen Steuer wird nicht nur nach den Schwankungen <185> der Bodenproduktion, sondera auch nach den Schwankungen des Wertes der edlen Metalle und des Feingehalts der Münzen wechseln. Der Ertrag der ersteren wird stets im gleichen Verhältnis zu dem Werte des Bodenproduktes stehen; der Ertrag der letzteren kann zu verschiedenen Zeiten in sehr verschiedenen Verhältnissen zu diesem stehen.

Wenn anstatt eines bestimmten Teils vom Bodenertrage oder von dessen Wert, als Ausgleichung für alle Steuern oder Zehnten eine bestimmte Geldsumme zu bezahlen ist, so erhält die Steuer genau den Charakter der englischen Grundsteuer. Sie steigt und fällt nicht mit der Grundrente; sie spornt weder zur Melioration an, noch hält sie davon ab.

Vielmehr bläst sie dem Grundeigentümer Puderzucker in den Hintern.

Der Zehnte in den meisten Kirchspielen, welche den sogenannten Modus (Zehnten in Geld) an Stelle aller anderen Zehnten zahlen, ist eine Steuer dieser Art. Während der muhamedanischen Herrschaft von Bengalen wurde in den meisten Distrikten anstatt der Naturalleistung eines Fünftels vom Ertrage ein Modus und, wie man sagt, ein sehr mäßiger bezahlt. Einige Beamte der ostindischen Kompagnie verwandelten in den ihnen unterstehenden Provinzen diesen Modus unter dem Verwände, die öffentlichen Einnahmen auf ihren richtigen Wert zurückzuführen, in eine Naturalleistung. Unter ihrer Verwaltung schreckte die Veränderung wahrscheinlich vom Anbau ab und gab neue Gelegenheiten zu Mißbräuchen in der Erhebung der Steuern, deren Ertrag seit der Verwaltung der Kompagnie stark gesunken sein soll. Die Beamten der Kompagnie haben vielleicht dabei gewonnen; vermutlich aber ebenso auf Kosten ihrer Herren wie des Landes.

Steuern auf die Hausrente.

Die Rente eines Hauses läßt sich in zwei Teile scheiden, deren einer füglich die Baurente genannt wer <186> den kann, während der andere gewöhnlich die Grundrente heißt.

Die Baurente ist der Zins oder Gewinn von dem auf den Bau des Hauses verwendeten Kapital. Soll das Geschäft eines Bauherrn mit anderen Geschäften auf gleichem Fuße stehen, so muß diese Rente hinreichend sein, um ihm erstens dieselben Zinsen zu bringen, die er von seinem Kapital erhalten hätte, wenn er es auf gute Sicherheit auslieh, und um zweitens das Haus in gutem Stande zu erhalten oder was auf dasselbe hinauskommt, in einer gewissen Reihe von Jahren das Baukapital wieder zu ersetzen. Die Baurente oder der gewöhnliche Baugewinn richtet sich daher überall nach den üblichen Geldzinsen. Bei einem Zinsfuß von 4 % mag die Hausrente, die außer der Grundrente noch 6 oder 6 1 / 2 % auf die Baukosten einbringt, ein genügender Gewinn für den Bauherrn sein. Bei einem Zinsfuß von 5 % wird der Gewinn etwa 7 oder 7 1 / 2 % betragen müssen. Wenn das Geschäft des Bauherrn im Verhältnis zum Geldzins einen weit größeren Gewinn bringt, als diesen, so wird den anderen Geschäften bald soviel Kapital entzogen werden, um ihn wieder auf ein richtiges Niveau zu bringen. Bringt es viel weniger ein, so werden andere Geschäfte ihm bald soviel Kapital entziehen, um den Gewinn wieder zu steigern

Der Überschuß über diesen billigen Gewinn fällt natürlich auf die Grundrente und ist, wenn der Eigentümer des Grund und Bodens und der Eigentümer dos Gebäudes verschiedene Personen sind, meist vollständig an den ersteren zu zahlen. Diese überschüssige Miete ist der Preis, den der Bewohner des Hauses für wirkliche oder vermeintliche Vorteile der Lage zahlt. Häuser auf dem Lande in weiter Entfernung von einer großen Stadt, wo es Bauplätze im Überfluß gibt, ergeben keine Grundrente oder nicht mehr als das Grundstück <187> bei Verwendung zum Ackerbau einbringen würde. Bei Landhäusern in der Nähe einer großen Stadt ist die Grundrente zuweilen weit höher, und hier wird die Annehmlichkeit oder Schönheit der Lage oft sehr teuer bezahlt. Am höchsten sind die Grundrenten gewöhnlich in der Hauptstadt, und zwar in den Teilen von ihr, wo die Nachfrage nach Häusern am größten ist, gleichviel aus welchem Grunde, sei es wegen Handel und Wandel, des Vergnügens und der Gesellschaft wegen oder aus Eitelkeit und Mode.

Eine Steuer auf die Hausrente, die von dem Mieter zu zahlen und der Gesamtrente jedes Hauses angepaßt ist, kann die Baurente nicht treffen, wenigstens nicht für lange Zeit. Erhält der Bauherr nicht seinen billigen (reasonable) Gewinn, so muß er das Geschäft aufgeben, das durch die steigende Nachfrage nach Gebäuden in kurzem den Geschäftsgewinn wieder auf das Niveau der Gewinne anderer Geschäfte gebracht sehen würde. Auch kann eine solche Steuer nicht gänzlich auf die Grundrente fallen, sondern wird sich so verteilen, daß sie teils auf den Mieter, teils auf den Eigentümer des Grund und Bodens fällt.

Angenommen z. B., es meine jemand für Hausmiete jährlich £ 60 ausgeben zu können, und nun werde auf die Miete eine Steuer von 4 sh. per £ d. h. von 1 / 5 gelegt. In diesem Falle wird ihn eine Wohnung von £ 60 jährlicher Miete £ 72 kosten, £ 12 mehr, als er in seinen Verhältnissen dafür ausgeben zu können glaubt. Er wird sich daher mit einem schlechteren Hause begnügen, das nur £ 50 Miete kostet, was nebst den £ 10 Steuerdie Summe von £ 60 ausmacht, die er bezahlen zu können meint; er gibt also um die Steuer bezahlen zu können, einen Teil der weiteren Annehmlichkeiten auf, die ihm ein Haus gewährt hätte, das £ 10 Miete mehr kostete. Ich sage, er gibt einen Teil dieser <188> weiteren Annehmlichkeiten auf; denn er wird kaum genötigt sein, sie ganz preiszugeben, sondern er wird in Folge der Steuer für £ 50 jährlich eine bessere Wohnung erhalten, als er sie dafür erhalten würde, wenn die Steuer nicht wäre. Denn wie die Steuer durch Beseitigung dieses Konkurrenten die Konkurrenz für Wohnungen von £ 60 Miete vermindert, so vermindert sie auch die Konkurrenz bei Wohnungen von £ 50 Miete, und so fort bis zu den niedrigsten Mieten, für welche letztere allerdings durch die Steuer eine Zeit lang die Konkurrenz vermehrt wird. Die Mieten aller Wohnungen aber, für welche die Konkurrenz geringer wird, müssen notwendig mehr oder weniger fallen. Da jedoch diese Minderung die Baurente nicht beeinträchtigen kann, wenigstens nicht auf längere Zeit, so muß sie zuletzt vollständig auf die Grundrente fallen. Die Steuer wird schließlich also teils vom Mieter, der einen Teil seiner Bequemlichkeit aufgeben muß, teils vom Grundeigentümer, der einen Teil seines Einkommens aufopfern muß, zu bezahlen sein. In welchem Verhältnis sich die Steuer unter beide verteilen wird, ist nicht leicht zu bestimmen; je nach den Umständen wird sie sich wohl sehr verschieden verteilen.

Die Ungleichheit, womit eine derartige Steuer die Eigentümer verschiedener Grundrenten treffen könnte, würde lediglich von der zufälligen Ungleichheit jener Verteilung herrühren. Die Ungleichheit hingegen, womit sie die Miete verschiedener Häuser treffen könnte, würde nicht bloß von dieser, sondern von einer weiteren Ursache herrühren. Das Verhältnis der Ausgaben für Miete zu den Gesamtausgaben ist je nach den Vermögensverhältnissen verschieden. Am höchsten ist es vielleicht bei den höchsten Einkommonsstufen, und sinkt allmählich, so daß es in der Regel bei der niedrigsten Einkommensstufe am niedrigsten ist. Die Lebens <189> notdurft (necessaries of life) veranlaßt die größten Ausgaben der Armen. Es wird ihnen sauer, nur das liebe Brot zu verdienen, und der größte Teil ihres kleinen Einkommens geht für Nahrungsmittel auf. Die Hauptausgaben der Reichen fallen auf Luxus und Nichtigkeiten, und ein prächtiges Haus verschönt den übrigen Luxus und Tand, den sie besitzen, und setzt ihn ins vorteilhafteste Licht. Im Allgemeinen werden daher Mietssteuern auf den Reichen am schwersten fallen, und darin liegt nichts Unbilliges. Es ist nicht unbillig, daß der Reiche zu den öffentlichen Bedürfnissen nicht nur nach Verhältnis seiner Einkünfte, sondern etwas mehr steuert.

Die Hausrente ist zwar in einigen Beziehungen der Bodenrente ähnlich, unterscheidet sich aber in einer Beziehung wesentlich von ihr. Die Bodenrente wird für die Benutzung eines produktiven Gegenstandes gezahlt. Der Boden, für den sie gezahlt wird, produziert sie. Die Hausrente wird für die Benutzung eines unproduktiven Gegenstandes gezahlt. Weder das Haus, noch der Grund auf dem es steht, produziert etwas. Wer die Rente zahlt, muß sie mithin einer anderen von diesem Gegenstande verschiedenen und unabhängigen Einkommensquelle entnehmen. Soweit die Steuer auf die Mieter fällt, muß sie der nämlichen Quelle entnommen werden wie die Rente selbst, nämlich ihrem Einkommen, rühre es von Arbeitslohn, Gewinn oder Bodenrente her. Soweit sie auf die Mieter fällt, gehört sie zu den Steuern, die nicht nur auf eine, sondern ohne Unterschied auf alle drei Einkommensquellen fallen, und hat in jeder Beziehung denselben Charakter wie Verbrauchssteuern. Im Allgemeinen gibt es vielleicht keinen Verbrauchsgegenstand, nach dem sich dieWohlhabenheit oder Dürftigkeit eines Menschen besser beurteilen ließe, als nach der Miete, die er zahlt. Eine angemessene Steuer auf <190> diese Ausgabe könnte vielleicht bedeutendere Einnahmen liefern, als bisher irgendwo in Europa daraus gezogen wurden. Wäre die Steuer freilich sehr hoch, so würden die meisten Leute ihr möglichst zu entgehen suchen und sich mit kleineren Wohnungen begnügen, um ihre Ausgaben auf andere Dinge zu verwenden.

Die Hausrente kann leicht mit hinlänglicher Genauigkeit durch ein ähnliches Verfahren bestimmt werden, wie das, wodurch die gewöhnliche Bodenrente festzustellen ist. Unbewohnte Häuser sollten keine Steuer zahlen. Eine Steuer auf diese würde gänzlich auf den Besitzer fallen, der dadurch für eine Sache besteuert würde, die ihm weder Vorteil noch Einnahmen bringt. Häuser, die vom Besitzer selbst bewohnt werden, sollten nicht nach den Kosten des Baues, sondern nach der Rente veranschlagt werden, die sie nach einer billigen Schätzung etwa einbringen würden, wenn sie einem Mieter überlassen wären. Nach den Baukosten veranschlagt, würde eine Steuer von 3 oder 4 sh. auf das £ in Verbindung mit anderen Steuern fast alle reichen und großen Familien dieses und ich glaube jedes anderen zivilisierten Landes zu Grunde richten. Wer die städtischen Gebäude und Landhäuser der reichsten und größten Familien dieses Landes genau prüft, wird finden, daß ihre Hausrente schon bei einem Satze von 6 1 / 2 oder 7 % der ursprünglichen Baukosten beinahe dem ganzen Reineinkommen von ihrem Grundbesitz gleich käme. Es ist der gehäufte Aufwand mehrerer Generationen auf Gegenstände allerdings von großer Schönheit und Pracht, aber im Vergleichzu ihren Herstellungskosten sehrgeringem Tauschwerte verwendet.

Grundrenten (von Häusern) sind ein noch geeigneteres Steuerobjekt, als die Mieten. Eine Steuer auf die Grundrenten würde die Mieten nicht erhöhen. Sie würde gänzlich auf den Besitzer der Grundrente fallen <191> der stets als Monopolist auftritt und die größte Rente fordert, die er für die Benutzung seines Grundstücks erhalten kann. Es ist dafür mehr oder weniger zu erhalten, je nachdem die Mitbewerber reicher oder ärmer sind und für die Laune, gerade den bestimmten Fleck zu erwerben, mehr oder weniger ausgeben können. Die größte Anzahl reicher Konkurrenten befindet sich in allen Ländern in der Hauptstadt, und hier sind desshalb stets die höchsten Grundrenten zu finden. Da das Vermögen dieser Konkurrenten durch eine Steuer auf die Grundrenten in keiner Hinsicht gesteigert würde, so würden sie vermutlich nicht geneigt sein, für die Benutzung des Platzes mehr zu bezahlen. Ob die Steuer vom Mieter oder vom Grundeigentümer vorzuschiessen wäre, ist ziemlich gleichgültig. Je mehr der Mieter Steuer zahlen muß, desto weniger wird er für den Grund und Boden zahlen wollen, so daß die schließliche Bezahlung der Steuer vollständig auf den Besitzer der Grundrente fällt. Die Grundrenten unbewohnter Häuser sollten unbesteuert bleiben.

Sowohl Grundrenten (von Häusern) wie die Bodenrente sind eine Einkommensart, die der Besitzer meistens ganz mühelos bezieht. Wenn ihm auch ein Teil davon zur Betreitung der Staatsausgaben genommen wird, so schädigt das den Gewerbfleiß nicht. Der Jahresertrag des Bodens und der Arbeit des Volkes, der wahre Reichtum und das wahre Einkommen der großen Masse des Volkes kann nach einer solchen Steuer gleich groß bleiben wie zuvor. Hausrenten und die gewöhnliche Bodenrente sind mithin wohl diejenige Einkommensart, die am besten eine sie allein treffende Steuer ertragen kann.

Grundrenten (von Häusern) scheinen in dieser Beziehung ein geeigneteres Steuerobjekt zu sein, als selbst die gewöhnliche Bodenrente. Die letztere hängt vielfach wenigstens zum Teil von der Sorgfalt und Wirtschaft <192> lichkeit des Gutsherrn ab, die durch eine sehr hohe Steuer leicht beeinträchtigt werden könnten. Grundrenten (von Häusern) verdanken, soweit sie die gewöhnliche Bodenrente übersteigen, dies lediglich der guten Regierung, die durch Beförderung des Gewerbfleißes, sei es des ganzen Volks oder der Bewohner gewißer Orte, diese in Stand setzt, für den Baugrund so viel mehr zu zahlen, als er wert ist, und seinen Besitzer für den Entgang seiner Nutzung so viel mehr zu entschädigen. Nichts kann gerechtfertigter sein, als daß ein Fonds, der sein Dasein der guten Regierung des Staates verdankt, besonders besteuert wird und zum Unterhalt dieser Regierung etwas mehr beisteuert, als die meisten anderen Fonds.

In vielen europäischen Ländern sind zwar Steuern auf die Hausrenten gelegt, aber ich kenne keines, in dem die Grundrenten als ein gesondertes Steuerobjekt betrachtet worden wären. Wahrscheinlich stießen sich die Finanzkünstler an die Schwierigkeit der Ermittelung, welcher Teil der Rente als Grundrente und welcher als Baurente zu betrachten sei. Es dürfte indessen nicht sehr schwer sein, diese beiden Teile der Rente von einander zu unterscheiden.

In Großbritannien gilt die Hausrente als gleichmäßig mit der von der sogenannten jährlichen Landtaxe betroffenen Bodenrente besteuert. Die Schätzung, nach der die einzelnen Kirchspiele und Distrikte zu dieser Steuer herangezogen sind, ist stets dieselbe. Sie war von Anfang an höchst ungleichmäßig und ist es noch heute. In dem größeren Teile des Königreichs trifft diese Steuer die Hausrente noch leichter, als die Bodenrente. Nur in wenigen Distrikten, die ursprünglich hoch veranschlagt waren und in denen die Hausrenten bedeutend gefallen sind, soll die Landtaxe von 3 oder 4 sh. auf das £ die wirkliche Hausrente in gleichem Ver <193> hältnis treffen. Nicht vermietete Häuser unterliegen zwar gesetzlich der Steuer, sind aber in den meisten Distrikten durch die Nachsicht der Einschätzungsbehörden davon befreit, wodurch zuweilen die Besteuerung der einzelnen Häuser eine etwas andere wird, während der Distrikt immer dieselbe Steuer aufzubringen hat. Steigerungen der Rente durch neue Gebäude, Reparaturen usw. kommen dem Distrikt zu gute und verursachen weitere Schwankungen in der Besteuerung der einzelnen Häuser.

In Holland sind alle Häuser zu 2 1 / 2 % ihres Werts besteuert, gleichgültig welche Rente sie einbringen und ob sie vermietet sind oder nicht. Es liegt eine Härte darin, den Eigentümer für ein unbewohntes Haus, von dem er keine Einkünfte hat, Steuer zahlen zu lassen, namentlich eine so hohe Steuer. In Holland, wo der gewöhnliche Zinsfuß nicht über 3 % ist, müssen 2 1 / 2 % des Hauswertes in den meisten Fällen mehr als ein Drittel der Baurente, vielleicht mehr als ein Drittel der ganzen Rente betragen. Allerdings soll der Anschlag, nach dem die Häuser eingeschätzt werden, zwar sehr ungleich sein, doch immer unter ihrem wirklichen Wert bleiben. Wenn ein Haus umgebaut oder erweitert wird, wird eine neue Schätzung vorgenommen und die Steuer demgemäß verändert.

Die Erfinder der Steuern, welche in England wiederholt auf die Häuser gelegt wurden, scheinen es für sehr schwer gehalten zu haben, die wirkliche Rente der Häuser mit einiger Sicherheit festzustellen, und regelten daher die Steuer nach etwas augenfälligerem, womit, wie sie annahmen, die Rente meist im Verhältnis stehe.

Die erste Steuer dieser Art war das Herdgeld, eine Steuer von 2 sh. auf jeden Herd. Um zu ermitteln, wie viel Herde in einem Hause seien, mußte der Steuererheber alle Räume besichtigen, eine Durchsuchung, die die Steuer <194> so verhaßt machte, daß sie bald nach der Revolution als ein Brandmal der Sklaverei abgeschafft wurde.

Die nächste Steuer dieser Art war eine Steuer von 2 sh. auf jedes Wohnhaus. Ein Haus von zehn Fenstern hatte 4 sh. mehr, eins von zwanzig Fenstern und darüber hatte 8 sh. zu bezahlen. Diese Steuer wurde in der Folge dahin abgeändert, daß Häuser von zwanzig bis neunundzwanzig Fenstern 10 sh., Häuser von dreißig und mehr Fenstern 20 sh. zu zahlen hatten. Die Zahl der Fenster kann in den meisten Fällen von außen gezählt werden, und in allen, ohne daß jeder Raum des Hauses betreten werden muß. Der Besuch der Steuereinnehmer war daher bei dieser Steuer weniger anstößig als bei dem Herdgelde.

Diese Steuer wurde in der Folge abgeschafft und durch die Fenstersteuer ersetzt, die gleichfalls schon manche Veränderungen und Erhöhungen erfahren hat. Die Fenstersteuer, wie sie gegenwärtig (Januar 1775) besteht, legt außer der Abgabe von 3 sh. auf jedes Haus in England und von 1 sh. in Schottland noch eine weitere Abgabe auf jedes Fenster auf, die in England von 2 d., dem niedrigsten Satze bei Häusern von nicht mehr als sieben Fenstern, stufenweise bis zu 2 sh., dem höchsten Satze bei Häusern von fünfundzwanzig und mehr Fenstern, steigt.

Der Haupteinwand gegen alle solche Steuern ist ihre Ungleichheit, eine Ungleichheit der schlimmsten Art, da sie oft weit schwerer auf den Armen, als auf den Reichen fällt. Ein Haus von £ 10 Miete in einer Provinzialstadt hat manchmal mehr Fenster, als ein Haus von £ 500 Miete in London, und obgleich der Bewohner des ersteren wahrscheinlich ein weit ärmerer Mann ist als der des letzteren, muß er dennoch bei einer solchen Steuer mehr zum Unterhalt des Staates beitragen, als dieser. Solche Steuern sind daher der ersten der oben <195> aufgestellten vier Grundregeln schnurstracks zuwider. Gegen die übrigen drei scheinen sie nicht gerade zu verstoßen.

Die natürliche Wirkung der Fenstersteuer, sowie aller übrigen Häusersteuern ist die, die Mieten niedriger zu machen. Je mehr jemand an Steuer zahlt, desto weniger kann er offenbar an Miete zahlen. Dennoch sind seit der Einführung der Fenstersteuer in fast allen Städten Großbritanniens, die ich kenne, die Hausmieten im ganzen mehr oder weniger gestiegen. Der Bedarf ist beinahe überall so sehr gestiegen, daß er die Mieten mehr steigerte, als die Fenstersteuer sie ermäßigen konnte -- einer der vielen Beweise von der großen Wohlfahrt des Landes und dem wachsenden Einkommen seiner Bewohner. Ohne die Fenstersteuer würden die Mieten wahrscheinlich noch mehr in die Höhe gegangen sein.

Zweiter Artikel.

Steuern auf den Gewinn oder auf das aus Kapital herrührende Einkommen.

Das Einkommen oder der Gewinn (revenue or profit) aus Kapital zerfällt naturgemäß in zwei Teile: den, welcher den Zins zahlt und dem Besitzer des Kapitals gehört, und den überschüssigen Teil (surplus part), der über das Zinserfordernis hinausgeht.

Dieser letztere Teil des Gewinnes ist offenbar kein Gegenstand, der durch direkte Besteuerung zu treffen ist. Er ist der Ersatz und meistenteils nur ein sehr mäßiger Ersatz für die Gefahr und Mühe der Kapitalanlage. Der Unternehmer muß diesen Ersatz haben, oder er kann das Geschäft ohne Verletzung seines Interesses nicht fortsetzen. Wird er also direkt nach Verhältnis des ganzen Gewinns besteuert, so muß er entweder seinen Gewinn <196> satz erhöhen, oder die Steuer auf den Zins wälzen, d. h. weniger Zinsen zahlen. Erhöht er seinen Gewinnsatz nach Verhältnis der Steuer, so wird die Steuer zwar vollständig von ihm vorgeschossen, am Ende aber je nach der Kapitalanlage von einer oder der andern zweier verschiedener Klassen von Leuten bezahlt werden. Ist es als Wirtschaftskapital in der Landwirtschaft angelegt, so kann er seinen Gewinnsatz nur durch Einbehaltung eines größeren Anteils am Bodenertrag erhöhen; und da dies nur durch Erniedrigung der Rente geschehen kann, so wird die schließliche Zahlung der Steuer auf den Gutsherrn fallen. Ist es in Handel oder Industrie angelegt, so kann der Unternehmer seinen Gewinnsatz nur durch Erhöhung des Preises seiner Waren steigern, und in diesem Falle werden die Verbraucher schließlich die Steuer zahlen. Erhöht er den Satz seines Gewinnes nicht, so muß er die ganze Steuer auf den Gewinnteil überwälzen, der zur Zinszahlung bestimmt ist: er kann für geliehenes Kapital nicht soviel Zins zahlen, und die Steuer fiele mithin schließlich auf den Zins. So weit er sich nicht auf die eine Weise von der Steuer befreien kann, muß er es auf die andere tun.

Eine Mehrwertsteuer muss naturgemäß auf irgendjemanden abgewälzt werden, so die Botschaft Smith's. Ob der Bankier oder der Landlord ein Einsehen haben?

Zinsen scheinen auf den ersten Blick direkter Besteuerung ebenso fähig zu sein, wie die Bodenrente. Gleich dieser sind sie ein Reinertrag, der nach voller Entschädigung der Gefahren und Mühen der Kapitalanlage übrig bleibt. Wie eine Steuer auf die Bodenrente die Renten nicht erhöhen kann, weil der Reinertrag, der nach Ersatz des Wirtschaftskapitals nebst dessen billigem Gewinn übrig bleibt, nach der Steuer nicht größer sein kann, als vorher, so kann aus demselben Grunde eine Steuer auf den Zins den Zinsfuß nicht steigern, da die Menge von Kapital oder Geld im Lande gleich der Menge des Bodens als die nämliche, nach der Steuer wie vor ihr anzunehmen ist. Der üb <197> liche Gewinnsatz wird, wie im ersten Buche gezeigt wurde, überall durch das Verhältnis der Menge des anzulegenden Kapitals zu der Menge der Geschäfte, die damit betrieben werden sollen, bestimmt. Die Menge der Geschäfte, die mit dem Kapital betrieben werden sollen, kann aber durch eine Steuer auf den Zins weder vermehrt noch vermindert werden. Wenn daher die Menge des anzulegenden Kapitals dadurch weder vermehrt noch vermindert wird, so bleibt der übliche Gewinnsatz notwendig derselbe. Der Teil des Gewinnes, der zum Ersatz der Gefahren und Mühen des Unternehmers erforderlich ist, wird aber gleichfalls derselbe bleiben, da diese Gefahren und Mühen in keiner Hinsicht verändert wurden. Mithin wird der Rest, der dem Kapitalbesitzer zukommt und den Zins zahlt, notwendig auch derselbe bleiben. Auf den ersten Blick scheint sonach der Zins direkter Besteuerung ebenso fähig sein, wie die Bodenrente. Indessen lassen zwei Umstände den Zins als ein viel weniger geeignetes Objekt direkter Besteuerung erscheinen als die Bodenrente.

Erstens kann die Menge und der Wert des Grund und Bodens, den jemand besitzt, niemals ein Geheimnis sein, und ist jederzeit mit großer Genauigkeit zu ermitteln, wogegen das Kapital, das jemand besitzt, nie einigermaßen genau zu ermitteln und überdies beständigen Schwankungen unterworfen ist. Selten vergeht ein Jahr, oft nicht ein Monat und manchmal kaum ein Tag, wo nicht ein Kapitalbesitz zu- oder abnimmt. Ein Eindringen in jedermanns Privatverhältnisse, das behufs Steueranpassung alle Schwankungen des Vermögens überwachte, wäre eine Quelle endloser und unerträglicher Belästigungen.

Zweitens läßt sich Grund und Boden nicht fortführen, Kapital dagegen ganz leicht. Der Grundbesitzer ist notwendig ein Bürger des Landes, in dem sein Gut <198> liegt, der Besitzer eines Kapitals ist ganz eigentlich ein Bürger der Welt und an kein bestimmtes Land gebunden. Er wird ein Land, in dem er unbequemen Nachforschungen ausgesetzt ist, um zu einer lästigen Steuer eingeschätzt zu werden, gern verlassen und sein Kapital in ein anderes Land übertragen, wo er nach Belieben Geschäfte treiben oder sein Vermögen genießen kann. Durch Entfernung seines Kapitals würde er aber all dem Gewerbfleiß, den es in dem Lande unterhielt, ein Ende machen. Kapital kultiviert den Boden; Kapital beschäftigt Arbeit. Eine Steuer, welche die Vertreibung von Kapital aus einem Lande bewirkt, würde sonach alle Quellen des Einkommens für Staat und Volk austrocknen . Nicht bloß die Kapitalgewinne, sondern auch die Bodenrente und der Arbeitslohn würden durch die Entfernung des Kapitals mehr oder weniger vermindert werden.

Die Völker, welche das Einkommen aus Kapital zu besteuern suchten, haben daher auf genaue Ermittelung verzichten und sich mit sehr oberflächlichen und deshalb mehr oder weniger willkürlichen Schätzungen begnügen müssen. Die ausnehmende Ungleichheit und Unsicherheit einer derartigen Steuer kann nur durch ihre ausnehmende Mäßigkeit ausgeglichen werden, infolge deren sich ein jeder so tief unter seinem wirklichen Einkommen eingeschätzt findet, daß es ihn wenig kümmert , wenn sein Nachbar auch etwas niedriger eingeschätzt ist.

Durch die sogenannte Landtaxe in England sollte das Kapital nach demselben Verhältniss wie Grund und Boden besteuert werden. Da die Grundsteuer 4 sh. per £ oder 1 / 5 der vorausgesetzten Rente betrug, sollte auch das Kapital mit 1 / 5 des vorausgesetzten Zinses besteuert werden. Als die gegenwärtige Landtaxe eingeführt wurde, war der gesetzliche Zinsfuß 6 % je £ 100 sollten also 24 sh., den fünften Teil von £ 6, zahlen. <199> Seit der gesetzliche Zinsfuß auf 5 % ermäßigt wurde, werden je £ 100 Kapital nur mit 20 sh. besteuert. Die durch die sogenannte Landtaxe aufzubringende Summe wurde unter das platte Land und die bedeutendsten Städte so verteilt, daß der größere Teil auf das Land, und von dem auf die Städte entfallenden Anteil der größere Teil auf die Häuser fiel. Was noch vom Kapital oder den Gewerben der Städte zu besteuern blieb -- denn landwirtschaftliche Kapitalien sollten nicht besteuert werden -- , blieb weit hinter dem wahren Betrag dieser Kapitalien zurück. Die Ungleichheiten der ursprünglichen Einschätzung störten daher wenig. Die Gemeinden und Distrikte sind für Grundbesitz, Häuser und Kapitalien noch immer nach der ursprünglichen Veranlagung eingeschätzt; und die fast allgemeine Wohlfahrt des Landes, die an den meisten Orten den Wert aller jener Dinge sehr bedeutend erhöht hat, hat jene Ungleichheiten noch unwichtiger werden lassen. Da auch der Steuersatz für jeden Distrikt unverändert geblieben ist, so ist auch die Ungewißheit der Steuer, soweit sie das Kapital jedes einzelnen trifft, bedeutend abgeschwächt und ohne Erheblichkeit. Wenn die meisten Grundstücke Englands nicht zu ihrem halben Werte zur Landtaxe eingeschätzt sind, ist es das meiste Kapital vielleicht kaum zum fünfzigsten Teil seines wirklichen Werts. In manchen Städten ist die ganze Landtaxe auf die Häuser gelegt: so in Westminster, wo Kapitalien und Gewerbe frei sind. Anders ist es in London.

In allen Ländern hat man eine strenge Untersuchung der Vermögensverhältnisse sorgfältig vermieden.

In Hamburg6 muß jeder Einwohner dem Staate 1 / 4 % von seinem gesamten Besitz zahlen; und da das Vermögen der Hamburger hauptsächlich in Kapital besteht, so kann man diese Steuer als eine Steuer auf das Kapital betrachten. Jedermann schätzt sich selbst ein und hinterlegt <200> jährlich in Gegenwart eines Beamten eine Summe Geldes, die, wie er zu beeiden hat, 1 / 4 % seines Vermögens beträgt, dessen Betrag er jedoch nicht anzugeben und nicht untersuchen zu lassen braucht. Diese Steuer wird, wie man allgemein annimmt, mit großer Gewissenhaftigkeit entrichtet. In einer kleinen Republik, wo das Volk vollkommenes Vertrauen zu seiner Obrigkeit hat, von der Notwendigkeit der Steuer zum Unterhalt des Staates überzeugt ist und an ihre redliche Verwendung glaubt, läßt sich eine solche auf Treu und Glauben erhobene, freiwillige Zahlung zuweilen erwarten. Sie ist auch den Hamburgern nicht ausschließlich eigen.

Der Kanton Unterwalden in der Schweiz wird oft durch Stürme und Überschwemmungen verwüstet, und ist dadurch unvorgesehenen Ausgaben ausgesetzt. Bei solchen Gelegenheiten versammelt sich das Volk, und jedermann, heißt es, gibt mit größter Offenheit sein Vermögen an, um demgemäß besteuert zu werden. In Zürich schreibt das Gesetz in Notfällen Besteuerung des Einkommens vor, das jedermann auf Eid anzugeben hat. Daß ein Betrug dabei vorkommen könne, wird gar nicht angenommen. In Basel erwachsen die Staatseinnahmen hauptsächlich aus einem geringen Ausfuhrzoll. Die Bürger schwören, daß sie alle drei Monate die gesetzlichen Steuern zahlen wollen: die Kaufleute und selbst die Gastwirte haben die Waren, die sie innerhalb oder außerhalb des Gebiets verkaufen, anzugeben und die Aufstellung nebst dem darauf entfallenden Steuerbetrage nach drei Monaten an den Schatzmeister zu senden. Eine Schädigung der Einnahmen befürchtet man durch dieses Vertrauen nicht.7

Die eidliche Angabe des Vermögensstandes wird in diesen Schweizerkantonen für keine Härte gehalten, während sie in Hamburg als eine sehr große Härte gilt. Kaufleute, die an gefahrvollen Unternehmungen beteiligt <201> sind, zittern bei dem Gedanken, den Stand ihres Vermögens jederzeit angeben zu müssen, da der Verlust ihres Kredits und das Mißlingen ihrer Unternehmungen nur zu oft die Folge davon sein würde. Nüchterne und sparsame Leute hingegen, die allen solchen Unternehmungen fremd sind, haben keinen Anlaß zur Verheimlichung.

In Holland wurde bald nach der Erhebung des verstorbenen Prinzen von Oranien zum Statthalter eine Vermögenssteuer von 2 % oder der sogenannte fünfzigste Pfennig aufgelegt. Jeder Bürger schätzte sich selbst ein, und zahlte seine Steuer in derselben Weise wie in Hamburg; und sie wurde, wie man annimmt, im allgemeinen mit großer Gewissenhaftigkeit entrichtet. Das Volk hatte damals große Zuneigung zu der neuen Regierung, die es eben durch einen allgemeinen Aufstand eingesetzt hatte. Die Steuer war nur einmal zu bezahlen, um dem Staat in seiner augenblicklichen Not zu helfen. In der Tat war sie zu hoch, um dauernd erhoben werden zu können. In einem Lande, wo der übliche Zinsfuß kaum 3 % übersteigt, macht eine Steuer von 2 % 13 sh. 4 d. auf das £ reinen Einkommens vom Kapital. Wenige Leute würden die Steuer zahlen können, ohne ihr Kapital mehr oder weniger anzugreifen. In besonderen Notfällen mag das Volk wohl aus patriotischem Eifer eine große Anstrengung machen, und selbst einen Teil seines Kapitals hergeben, um dem Staate zu helfen. Aber unmöglich kann dies längere Zeit geschehen, da die Steuer die Leute bald so vollständig zu Grunde richten würde, daß sie den Staat gar nicht mehr unterstützen könnten.

Die durch die Landtaxe in England dem Kapital auferlegte Steuer soll zwar das Kapital verhältnismäßig treffen, aber es nicht vermindern oder teilweise vernichten. Sie soll nur eine der Steuer auf die Bodenrente entsprechende Steuer auf die Geldzinsen sein, und beide sollen 4 sh. auf das £ betragen. Die Hamburger <202> Steuer und die noch mäßigeren Unterwaldener und Züricher Steuern sollen ebenso nicht Steuern auf das Kapital, sondern nur auf den Zins oder das Nettoeinkommen vom Kapital sein. Die holländische aber sollte eine Steuer auf das Kapital sein.

Steuern auf den Gewinn aus bestimmten Geschäften.

In einigen Ländern sind besondere Steuern auf die Gewinne vom Kapital gelegt, bald wenn es in gewissen Industriezweigen, bald wenn es in der Landwirtschaft verwendet wird.

Zu der ersteren Art gehören in England die Abgaben der Höker und Hausierer, auf Lohnkutschen und Sänften, so wie die, welche die Bierwirte für die Erlaubnis des Kleinverkaufs von Bier und Spirituosen Getränken zahlen müssen. Während des letzten Krieges wurde eine ähnliche Steuer auf Kaufläden in Vorschlag gebracht. Da dieser Krieg zum Schutze des Handels unternommen worden sei, so müßten, sagteman, dieKaufleute, die davon den Gewinn zögen, auch zu seinen Kosten beitragen. Eine Steuer auf die Gewinne der in Geschäften angelegten Kapitalien kann jedoch nie die Gewerbtreibenden selber treffen, die im Durchschnitt ihren billigen Gewinn haben müssen, und bei freier Konkurrenz selten mehr als diesen Gewinn haben können, sondern fällt stets auf die Abnehmer, die in dem Preise der Waren die Steuer, die der Geschäftsmann vorschießt, gewöhnlich noch mit einem Zuschlag zahlen müssen.

Eine derartige Steuer wird, falls sie die Größe der Geschäfte berücksichtigt, schließlich vom Verbraucher gezahlt und verursacht dem Geschäftsmann keine Last. Berücksichtigt sie die Größe der Geschäfte nicht, <203> sondern belastet alle gleich, so wird sie zwar auch in diesem Falle zuletzt von dem Abnehmer gezahlt, begünstigt aber den großen und drückt den kleinen Geschäftsmann. Die Steuer von wöchentlich 5 sh. für jede Lohnkutsche und von 10 sh. jährlich für jede Mietsänfte ist, da sie von den Besitzern der Kutschen und Sänften nur vorgeschossen wird, dem Umfang ihrer Geschäfte ziemlich entsprechend. Sie begünstigt weder den großen Besitzer, noch drückt sie den kleineren. Die Steuer von 20 sh. jährlich für eine Schankermächtigung auf Bier, von 10 sh. auf spirituose Getränke, und von noch 40 sh. auf Wein, muß, da sie überall gleich bleibt, für die großen Geschäftsleute vorteilhaft und für die kleineren drückend sein. Den ersteren wird es leichter werden, als den letzteren, die Steuer in dem Preise ihrer Waren wieder einzubringen. Die Mäßigkeit der Steuer läßt jedoch ihre Ungleichheit weniger hervortreten, und viele mögen es nicht unrichtig finden, der Vermehrung kleiner Bierhäuser Einhalt zu tun. Die Steuer auf Läden sollte nach der geäußerten Absicht gleichmäßig aufgelegt werden, und es hätte sich auch schwerlich anders tun lassen. Es wäre nicht möglich gewesen, die Steuer auf einen Laden mit einiger Sicherheit nach dem Umfange des darin betriebenen Geschäfts einzurichten, ohne ein Untersuchungsverfahren, wie es in einem freien Lande nicht ertragen wird. Wäre die Steuer hoch gewesen, so würde sie den kleinen Geschäftsmann erdrückt und fast den ganzen Kleinhandel in die Hände der großen Kaufleute gebracht haben. Nach Beseitigung der Konkurrenz der kleineren, würden die großen ein Monopol genossen, und wie alle Monopolisten sich bald verständigt haben, ihre Gewinne noch mehr zu erhöhen, als es zur Bezahlung der Steuer nötig gewesen wäre. Ihre schließliche Bezahlung würde, anstatt auf den Händler, auf den Verbraucher gefallen sein, mit star <204> kern Zuschlag zu Gunsten des Händlers. Aus diesen Gründen ließ man auch das Projekt fallen, und führte statt dessen die Subsidie von 1759 ein.

Was man in Frankreich Personalsteuer nennt, ist wohl die erheblichste der auf die landwirtschaftlichen Gewinne in Europa erhobenen Steuern. In den gesetzlosen Zeiten des Feudalwesens mußte sich der Staat begnügen, diejenigen zu besteuern, welche zu schwach waren, ihm die Steuerzahlung zu verweigern. Die großen Barone waren zwar geneigt, ihm in besonderen Fällen beizustehen, verweigerten aber, sich einer dauernden Steuer zu unterwerfen, und der Staat war nicht stark genug, sie dazu zu zwingen. Die meisten Bauern waren Leibeigene, und nur ganz allmählich wurden sie in den meisten Ländern frei. Die einen erwarben kleine Güter als Bauernlehn, bald unter dem Könige, bald unter einem anderen großen Herrn , wie die alten Copy-holders in England. Andere erhielten, ohne Eigentum zu erwerben, die Grundstücke, welche sie bewirtschafteten, auf eine Reihe von Jahren in Pacht, und wurden auf diese Weise von ihrem Herrn weniger abhängig. Die Großen scheinen den Grad von Wohlstand und Unabhängigkeit, zu dem diese niedere Klasse von Leuten gelangt war, mit neidischem und verächtlichem Unwillen gesehen und gern eingewilligt zu haben, daß der Landesherr sie besteuere. In einigen Ländern war diese Steuer auf Grundstücke beschränkt, die als Eigentum besessen wurden; und in diesem Falle hieß sie real (taille réelle) . Die von dem verstorbenen König von Sardinien eingeführte Grundsteuer, und die taille in den Provinzen Languedoc, Provence, Dauphiné und Bretagne, der Generalité von Montauban und den Elektionen von Agen und Condom, so wie in einigen anderen Distrikten Frankreichs sind Steuern auf bäuerliches Grundeigentum. In anderen Ländern wurde die Steuer auf die angenommenen Ge <205> winne der Pächter, ob von adligen oder Bauerngütern gelegt; und in diesemFalle hieß die Steuer persönlich (taille personelle). Von dieser Art ist die Taille in den meisten derjenigen Provinzen Frankreichs, welche die pais d'élektion heißen. Die Realsteuer ist, als nur auf einem Teile der Ländereien ruhend, notwendig ungleich, aber sie ist nicht immer, wenn auch zuweilen, willkürlich. Die Personalsteuer hingegen muß, da sie den Gewinnen einer Klasse von Leuten entsprechen soll, deren Gewinne sich nur erraten lassen, notwendig sowohl willkürlich wie ungleich sein.

In Frankreich beträgt gegenwärtig (1775) die Personalsteuer in den zwanzig Bezirken, welche die pais d'élektion heißen, 40,107,239 Livres8. Das Verhältnis, nach dem diese Summe auf die verschiedenen Provinzen verteilt wird, wechselt von Jahr zu Jahr nach dem Ernteausfall oder anderen Umständen, durch die die Zahlungsfähigkeit der einzelnen Provinzen vermehrt oder vermindert wird. Jede Generatlité ist wieder in eine gewisse Anzahl von Élections geteilt, und das Verhältnis, nach welchem die der ganzen Generatlité aufgelegte Summe unter die verschiedenen Élections verteilt wird, wechselt gleichfalls von Jahr zu Jahr je nach der Steuerfähigkeit, über welche dem Ministerium berichtet wird. Das Ministerium kann jedoch unmöglich selbst bei den besten Absichten, die Steuern der wirklichen Steuerfähigkeit der einzelnen Bezirke mit einiger Genauigkeit anpassen. Unkunde und falsche Mitteilungen müssen auch das redlichste Ministerium stets mehr oder weniger irre führen. Der Anteil, den jede Gemeinde zu der Steuer des Bezirks, und jeder einzelne zur Steuer seiner Gemeinde beizutragen hat, ändern sich gleicherweise von Jahr zu Jahr, je nachdem es die Umstände vermeintlich erfordern. Das Urteil darübersteht in dem eines Falle den Beamten der Élection, in dem <206> anderen denen der Gemeinde zu, und beide Kategorien stehen mehr oder weniger unter der Leitung und dem Einflüsse des Intendanten. Hier leiten nicht bloß Unkunde und falsche Mitteilungen, sondern auch Freundschaft, Parteihaß und Privatrache die Einschätzungsbeamten. Kein der Steuer Unterworfener kann mit Sicherheit wissen, wieviel er zu bezahlen haben wird, bevor er zur Steuer eingeschätzt ist; ja er kann es nicht einmal, nachdem er schon eingeschätzt worden. Wenn jemand besteuert wurde, der steuerfrei hätte bleiben sollen, oder wenn jemand übermäßig besteuert wurde, so müssen zwar beide einstweilen zahlen, aber die Gemeinde hat, wenn jene sich beschweren und damit durchkommen, sie im folgenden Jahre zu entschädigen. Wird einer der Steuerpflichtigen bankerott oder zahlungsunfähig, so muß der Erheber dessen Steuer vorschießen, und die Gemeinde hat ihn im nächsten Jahre zu entschädigen. Sollte der Erheber selbst bankerott werden, so muß die Gemeinde, die ihn gewählt hat, bei dem Generaleinnehmer der Élection, für ihn haften. Da es aber für letzteren sehr lästig sein würde, mit der ganzen Gemeinde zu prozessieren, so wählt er sich nach seinem Belieben fünf oder sechs der reichsten Steuerpflichtigen aus, und nötigt sie zu ergänzen, was durch die Zahlungsunfähigkeit des Einnehmers ausgefallen ist, während die Gemeinde hinterher die fünf oder sechs entschädigen muß. Diese Nachbesteuerungen sind stets ein Zusatz zur Steuer des betreffenden Jahres, in dem sie aufgelegt werden.

Wenn eine Steuer auf den Kapitalgewinn bestimmter Geschäftszweige gelegt wird, so sind die Gewerbtreibenden sorgfältig darauf bedacht, nicht mehr Waren an den Markt zu bringen, als sie zu einem Preise verkaufen können, der hinreicht, um ihnen die vorgelegte Steuer zu ersetzen. Manche entziehen dem Geschäft einen Teil ihrer Kapitalien, und der Markt wird spär <207> licher versorgt als zuvor. Der Preis der Waren steigt und die schließliche Bezahlung der Steuer fällt auf den Verbraucher. Wird aber auf die Gewinne landwirtschaftlicher Kapitalien eine Steuer gelegt, so liegt es nicht im Interesse der Landwirte, dieser Anlage einen Teil ihres Kapitals zu entziehen. Jeder Landwirt bewirtschaftet eine bestimmte Menge Land, wofür er Rente zahlt. Zum gehörigen Anbau dieses Landes ist eine bestimmte Menge von Kapital notwendig, und wenn der Landwirt einen Teil dieses notwendigen Kapitals zurückzöge, würde er weder die Rente, noch die Steuer zu zahlen vermögen. Es erleichtert ihm die Steuerzahlung, wenn er die Menge seiner Produkte vermindert und mithin den Markt spärlicher versorgt. Die Steuer wird es ihm niemals ermöglichen, den Preis seiner Produkte derart zu erhöhen, um sich durch Abwälzung der Steuer auf den Konsumenten bezahlt zu machen. Der Landwirt muß aber so gut wie jeder andere Geschäftsmann seinen billigen Gewinn haben, oder das Geschäft aufgeben. Nach Auflegung einer solchen Steuer kann er diesen billigen Gewinn nur vermittelst eines Abzugs an der Rente des Gutsherrn erhalten. Je mehr er Steuer zahlen muß, desto weniger kann er Rente zahlen. Eine während der Dauer des Pachtkontrakts aufgelegte derartige Steuer kann ohne Zweifel den Pächter sehr in Not bringen oder gar zu Grunde richten . Bei der Erneuerung der Pacht muß sie stets auf den Gutsherrn fallen.

In den Ländern, wo die Personalsteuer herrscht, ist der Landwirt gewöhnlich nach dem angenommenen Wirtschaftskapital eingeschätzt. Oft scheut er sich deshalb ein gutes Gespann Pferde oder Ochsen zu halten, und sucht mit dem elendesten Gerät auszukommen. Sein Mißtrauen in die Gerechtigkeit der Besteuerung ist so groß, daß er Armut vorschützt und für zahlungs <208> unfähig gelten will, aus Furcht, zu viel zahlen zu müssen. Mit dieser schlechten Politik wahrt er vielleicht nicht immer sein Interesse am besten; und er verliert wahrscheinlich durch die Verminderung seiner Produktion mehr, als er an der Steuer erspart. Obgleich in Folge der schlechten Kultur der Markt sicherlich etwas kärglicher versorgt wird, so kann doch das dadurch veranlaßte geringe Steigen des Preises den Pächter nicht für die Verminderung seiner Produktion entschädigen, geschweige denn ihn in Stand setzen, dem Gutsherrn mehr Rente zu bezahlen. Staat, Pächter und Gutsherr, alle leiden mehr oder weniger durch diesen verschlechterten Anbau. Daß die Personalsteuer die Bodenkultur in vieler Beziehung beeinträchtigt, und also die Hauptquelle des Wohlstandes jedes großen Landes austrocknet, habe ich schon in dem dritten Buche dieser Untersuchung zu bemerken Gelegenheit gehabt.

Die sogenannten Kopfsteuern in den südlichen Provinzen Nordamerikas und auf den westindischen Inseln, die jährliche Steuer von so und so viel für jeden Neger, sind eigentlich eine Steuer auf die Gewinne von einer bestimmten im Ackerbau angelegten Kapitalsart. Da die Pflanzer größtenteils zugleich Landwirte und Gutsherren sind, so fällt die schließliche Bezahlung der Steuer auf sie in ihrer Eigenschaft als Gutsherren ohne jeden Ersatz.

Steuern von so und so viel auf den Kopf der Leibeigenen scheinen früher in ganz Europa üblich gewesen zu sein, und bestehen noch jetzt im russischen Reiche. Wahrscheinlich aus diesem Grunde sind Kopfsteuern oft als Zeichen der Sklaverei angesehen worden. Jede Steuer aber ist für den, der sie zahlt, ein Zeichen nicht der Sklaverei, sondern der Freiheit. Sie bedeutet allerdings, daß er der Regierung Untertan ist, aber auch, daß er selbst Eigentum besitzt und daher nicht Eigentum <209> eines Herrn sein kann. Eine Kopfsteuer auf Sklaven ist von einer Kopfsteuer auf freie Leute durchaus verschieden. Die letztere wird von den Personen gezahlt, auf die sie gelegt ist; die erstere von anderen. Die letztere ist entweder ganz willkürlich oder ganz ungleich, ja meist beides; die erstere kann zwar in gewißer Hinsicht ungleich sein, da die Sklaven von verschiedenem Werte sind, ist aber in keiner Hinsicht willkürlich. Jeder Herr, der die Anzahl seiner Sklaven kennt, weiß genau, was er zu zahlen hat. Diese wesentlich verschiedenen Steuern sind jedoch, da sie denselben Namen tragen, als gleichartig betrachtet worden.

Die Steuern, welche in Holland auf männlichen und weiblichen Dienstboten ruhen, sind nicht Kapital-, sondern Aufwandssteuern, und gleichen insofern den Verbrauchsabgaben. Die neuerdings in Großbritannien eingeführte Steuer von 1 Guinee für jeden männlichen Bedienten ist von derselben Art. Sie fällt am schwersten auf den Mittelstand. Ein Mann von £ 200 jährlicher Einkünfte kann einen Bedienten halten; ein Mann von £ 10,000 wird nicht fünfzig halten. Den Armen trifft diese Steuer nicht.

Steuern auf die Gewinne des in einzelnen Geschäften angelegten Kapitals können niemals den Geldzins beeinflußen. Niemand wird denen, die ein besteuertes Gewerbe treiben, sein Geld für weniger Zins leihen, als denen, die ein unbesteuertes treiben. Steuern hingegen, die die Gewinne aller Geschäftskapitalien treffen, werden, wo sie einigermaßen sorgfältig abgemessen werden, in vielen Fällen auf die Geldzinsen fallen. Der Vingtième oder zwanzigste Pfennig in Frankreich ist eine ähnliche Steuer wie die sogenannte Landtaxe in England, und wie diese auf das aus Grundbesitz, Häusern und Kapitalien entspringende Einkommen gelegt. Sofern sie das Kapital trifft, wird sie zwar nicht mit großer <210> Strenge, aber doch weit, genauer abgemessen als der Teil der englischen Landtaxe, der auf denselben Fond gelegt ist. Sie fällt in vielen Fällen ganz auf die Geldzinsen. Eine beliebte Geldanlage ist in Frankreich die Rente, eine Annuität, die der Schuldner jederzeit gegen Rückzahlung der vorgeschossenen Summe tilgen, deren Rückzahlung jedoch der Gläubiger, außer in gewissen Fällen, nicht fordern kann. Der Vingtième scheint den Kurs dieser Annuitäten nicht berührt zu haben, obgleich er von allen diesen genau erhoben wird.

Zusatz zu dem ersten und zweiten Artikel.

Steuern auf den Kapitalwert von Land, Häusern und beweglichem Eigentum.

Solange Eigentum im Besitze derselben Person bleibt, bezweckten dauernde Steuern darauf niemals, den Kapitalwert zu vermindern oder einen Teil des Kapitals zu nehmen, sondern nur einen Teil des daraus herrührenden Einkommens. Wenn aber Eigentum den Besitzer wechselt, wenn es von Verstorbenen auf Lebende, oder von Lebenden auf Lebende übergeht, sind oft Steuern darauf gelegt worden, die unvermeidlich einen Teil seines Kapital wertes nehmen.

Der Übergang von Eigentum aller Art vom Verstorbenen auf den Lebenden und der Übergang unbeweglichen Eigentums, von Land und Häusern, von dem Lebenden auf den Lebenden sind ihrer Natur nach öffentliche und notorische Akte, die nicht lange verborgen bleiben können. Solche Akte können also unmittelbar besteuert werden. Der Übergang von Kapital oder beweglichem Eigentum vom Lebenden auf den Lebenden mittelst Darlehen ist oft eine geheime Abmachung und kann es stets sein, läßt sich also auch nicht leicht <211> direkt besteuern. Indirekt ist es auf zweierlei Art besteuert worden: erstens dadurch, daß die Schuldverschreibung einer Stempelgebühr unterworfen wurde, ohne die sie keine Rechtskraft besaß; zweitens durch das Erfordernis, sie, gleichfalls bei Strafe der Ungültigkeit, in ein öffentliches oder geheimes Register eintragen zu lassen und für diese Registrierung eine bestimmte Gebühr zu entrichten. Stempel- und Registergebühren wurden auch oft bei Eigentumsübertragungen von Verstorbenen auf Lebende und bei Vermögensübertragungen unbeweglichen Eigentums von Lebenden auf Lebende gefordert, Übergänge, die leicht hätten direkt besteuert werden können.

Die durch Augustus bei den alten Römern eingeführte Vicesima hereditatum, der zwanzigste Pfennig (5 %) von Erbschaften, war eine Steuer auf den Eigentumsübergang vom Verstorbenen auf den Lebenden. Nach Dio Cassius (lib. 55), der von ihr am bestimmtesten redet, wurde sie von allen Erbschaften, Vermächtnissen und Schenkungen auf den Todesfall gezahlt, außer von den nächsten Verwandten oder Armen.

Eine ähnliche Steuer ist die holländische Erbschaftssteuer. Erbschaften von Seitenverwandten werden je nach dem Verwandtschaftsgrade zu 5 bis zu 30 % des Erbschaftsbetrages besteuert. Testamentarische Schenkungen oder Legate an Seitenverwandte unterliegen denselben Abgaben; solche zwischen Ehegatten dem fünfzigsten Pfennig; Erbschaften der Aszendenten nur dem zwanzigsten. Die Erbfolge in gerader Linie, die der Deszendenten, zahlt gar keine Steuer. Der Tod eines Vaters ist für noch unversorgte Kinder selten mit einer Vermehrung, oft aber mit einer Verminderung ihres Einkommens verbunden, infolge Verlustes seines Gewerbes, seines Amtes oder einer etwaigen Leibrente, in deren Besitz er war. Eine Steuer, die ihren Verlust noch <212> dadurch erschwerte, daß sie ihnen einen Teil der Erbschaft entzöge, würde grausam und tyrannisch sein. Anders kann es zuweilen bei den Kindern sein, die in der römischen Rechtssprache emanzipiert heißen, d. h. die ihren Anteil schon erhalten haben, selbst Familie besitzen und von eigenen Fonds leben. Was von der väterlichen Erbschaft an solche Kinder kommt, ist ein tatsächlicher Zusatz zu ihrem Vermögen, und kann also wohl ohne andere Schädigung, als die, welche mit allen solchen Abgaben verknüpft ist, einer Steuer unterworfen werden.

Die Gefälle des Feudalrechts waren Steuern auf den Übergang von Land von Verstorbenen auf Lebende, und zwischen Lebenden. In alten Zeiten bildeten sie überall einen der bedeutendsten Zweige der Staatseinnahmen.

Der Erbe eines unmittelbaren Kronvassallen zahlte bei Empfang des Lehns eine gewisse Abgabe, in der Regel eine Jahresrente. War der Erbe minderjährig, so fielen während der Minderjährigkeit, die sämtlichen Renten des Gutes an den Lehnsherrn, der nur verpflichtet war, für den Unterhalt des Minderjährigen zu sorgen und, wenn eine Witwe vorhanden war, das Wittum auszuzahlen. Wurde das Mündel großjährig, so hatte der Lehnsherr auf eine weitere Abgabe Anspruch, die ebenfalls gewöhnlich die Rente eines Jahres betrug. Eine lange Minderjährigkeit, die gegenwärtig so oft große Güter schuldenfrei macht und den früheren Glanz der Familie wieder herstellt, konnte damals eine solche Wirkung nicht haben. Nicht die Entlastung, sondern die Vernachlässigung des Guts war die gewöhnliche Folge einer langen Minderjährigkeit.

Nach dem Feudalgesetz konnte der Vassall ohne Zustimmung des Lehnsherrn nicht verkaufen, welcher letztere für diese Zustimmung in der Regel eine Summe Geldes forderte. Anfangs willkürlich, wurde sie später in vielen Ländern auf einen gewissen Teil des Kauf <213> preises festgesetzt. In einigen Ländern, in denen die meisten übrigen Lehensgewohnheiten abgekommen sind, ist diese Steuer noch bestehen geblieben und macht einen sehr bedeutenden Teil der Staatseinnahmen aus. Im Kanton Bern beträgt sie den sechsten Teil des Preises bei adeligen und den zehnten Teil bei anderen Gütern. Im Kanton Luzern herrscht die Steuer nicht allgemein, sondern nur in gewissen Distrikten; wenn aber jemand sein Gut verkauft, um den Kanton zu verlassen, zahlt er 10 % des Kaufpreises. Ähnliche Steuern gibt es in vielen anderen Ländern; sie machen bald einen größeren, bald einen geringeren Teil der Staatseinnahmen aus.

Verkäufe können auch direkt durch Stempel oder Registergebühren besteuert werden, entweder dem Werte des Objektes entsprechend oder unabhängig davon.

In Großbritannien sind die Stempelsteuern höher oder niedriger nicht sowohl nach dem Werte des übertragenen Eigentums -- ein Stempel von 18 d. oder einer halben Krone genügt für Verschreibungen über die größte Geldsumme -- , als nach der Art des Dokuments. Die teuersten Stempelbogen sind von £ 6 und werden hauptsächlich bei Schenkungen der Krone und bei gewissen Prozessen ohne Rücksicht auf den Wert des Streitgegenstandes verwendet. Für Registrierung von Urkunden oder Instrumenten werden in Großbritannien nur Schreibgebühren bezahlt, die kaum mehr als eine mäßige Entschädigung für die Mühwaltung betragen. Die Krone bezieht keine Einnahmen davon.

In Holland gibt es sowohl Stempelsteuern als Eintragsgebühren, die sich zuweilen aber nicht immer nach dem Wert des übertragenen Eigentums richten. Alle Testamente müssen auf Stempelpapier geschrieben werden, dessen Preis sich nach dem testierten Besitz richtet, so daß es Stempelbogen von drei Pence oder <214> drei Stüver bis zu 300 Gulden, etwa £ 27 10 sh., gibt. Wird ein niedrigerer Stempel benutzt, als der vorgeschriebene, so wird die Erbschaft eingezogen. Außer den Wechseln und einigen anderen Handelspapieren sind alle Urkunden, Verschreibungen und Verträge einer Stempelgebühr unterworfen, die jedoch nicht im Verhältnis mit dem Werte des Gegenstandes steigt. Verkäufe von Grundbesitz und Häusern sowie Hypotheken müssen registriert werden und zahlen an den Staat 2 1 / 2 % der Kaufsumme oder des Hypothekenbetrags. Diese Gebühr erstreckt sich auch auf den Verkauf der Schiffe mit oder ohne Verdeck von mehr als zwei Tonnen Last. Subhastationen unterliegen gleichfalls der Abgabe von 2 1 / 2 %.

In Frankreich gibt es Stempelsteuern und Registergebühren. Die ersteren werden als ein Zweig der Akzise (excise) angesehen, und in den Provinzen, wo sie üblich sind, von den Akzisebeamten erhoben. Die Registergebühren gehören zum Einkommen der Krone und werden von anderen Beamten erhoben.

Die Besteuerung durch Stempel- und Registergebühren ist eine sehr moderne Erfindung, aber im Laufe eines Jahrhunderts sind die Stempelsteuern in Europa fast allgemein, und die Registergebühren sehr gebräuchlich geworden. Nichts lernen die Regierungen geschwinder von einander, als die Kunst, den Leuten das Geld aus der Tasche zu ziehen.

Erbschaftssteuern fallen endlich und unmittelbar auf den Erben. Steuern auf den Verkauf von Grundbesitz fallen lediglich auf den Verkäufer. Der Verkäufer ist fast stets zum Verkauf genötigt, und muß daher den Preis nehmen, den er erhalten kann. Der Käufer ist kaum je gezwungen zu kaufen, und wird daher nur einen Preis geben, der ihm paßt. Er berechnet, was ihn das Land mit der Steuer kosten wird. Je mehr er Steuer zahlen muß, desto weniger wird er für den Kauf geben wollen. <215> Solche Steuern fallen daher fast stets auf Leute in bedrängter Lage und worden dadurch oft höchst grausam und drükkend.

Ist er nicht rührend?

Steuern auf den Verkauf neugebauter Häuser, bei denen das Gebäude ohne den Grund und Boden verkauft wird, fallen in der Regel auf den Käufer, weil der Erbauer seinen Gewinn haben muß, oder sein Geschäft einstellen müßte. Wenn er also die Steuer vorschießt, so muß der Käufer sie ihm gewöhnlich wieder bezahlen. Steuern auf den Verkauf alter Häuser fallen dagegen aus demselben Grunde, wie die auf den Verkauf von Grundbesitz, gewöhnlich auf den Verkäufer, der durch Verhältnisse oder durch Not zum Verkauf gezwungen ist. Die Zahl der jährlich zum Verkauf ausgebotenen neuerbauten Häuser richtet sich mehr oder weniger nach der Nachfrage. Ohne eine Nachfrage, die dem Erbauer außer dem Kostenersatz noch einen Gewinn verspricht, wird er keine Häuser mehr bauen. Die Zahl der zum Verkauf kommenden alten Häuser hängt dagegen von Zufällen ab, die größtenteils mit der Nachfrage in keiner Verbindung stehen. Zwei oder drei große Bankerotte in einer Handelsstadt werden viele Häuser zum Verkauf bringen, die zu jedem Preise verkauft werden müssen. Steuern auf den Verkauf von Grundrenten (von Häusern) fallen lediglich auf den Vorkäufer und zwar aus demselben Grunde, wie die Steuern auf den Verkauf von Land. Stempel und Registergebühren auf Schuldverschreibungen und Darlehen fallen lediglich auf den Borger, und werden tatsächlich auch immer von ihm gezahlt. Stempelsteuern für Prozesse fallen auf die Prozessierenden, und vermindern für beide Teile den Wert des streitigen Gegenstandes. Je mehr es kostet, einen Besitz zu erlangen, desto geringer muß der Nettowert nach der Erwerbung sein.

Alle Steuern auf Eigentumsübertragungen bewirken, sofern sie den Kapitalwert dieses Eigentums vermin <216> dern, eine Schwächung der zum Unterhalt produktiver Arbeit bestimmten Fonds und sind alle mehr oder weniger unwirtschaftliche Steuern, die die Staatseinnahmen, die fast nur unproduktive Arbeiter unterhalten, auf Kosten des Volkskapitals erhöhen, das nur produktive Arbeiter unterhält.

Solche Steuern sind, selbst wenn sie sich dem Werte des übertragenen Eigentums anpassen, dennoch ungleich, da die Übertragung bei Gütern von gleichem Wert nicht oieich häufig ist. Passen sie sich diesem Werte nicht an, wie es mit den meisten Stempel- und Registergebühren der Fall ist, so wird die Ungleichheit noch größer. Dagegen sind sie nicht willkürlich, sondern in allen Fällen vollkommen klar und bestimmt, oder können es wenigstens sein. Obwohl sie zuweilen eine Person treffen, die nicht sehr zahlungsfähig ist, so ist doch der Zahlungstermin in den meisten Fällen hinreichend bequem. Wenn die Zahlung fällig wird, hat der Pflichtige meist das Geld. Die Erhebung dieser Abgaben ist mit sehr geringen Kosten verbunden, und sie unterwerfen die Steuerpflichtigen im allgemeinen keinem andern Nachteil, als dem stets unvermeidlichen, die Steuer eben zahlen zu müssen.

In Frankreich hört man über die Stempelsteuer wenig Klagen, wohl aber über die Registergebühren, die sogenannte Contrôle. Sie geben, wie man behauptet, Anlaß zu vielen Erpressungen seitens der Beamten der Generalpächter, welche die Steuer erheben, die sehr willkürlich und nicht genau bestimmt ist. In den meisten Pamphleten gegen das gegenwärtige französische Finanzsystem machen die Mißbräuche der Kontrolle einen Hauptangriffspunkt aus. Unbestimmtheit scheint jedoch nicht im Wesen dieser Steuern begründet zu sein. Wenn die landläufigen Klagen begründet sind, so entsteht der Mißbrauch nicht sowohl aus dem Wesen der Steuer, als <217> aus der ungenauen Fassung des Wortlauts der Edikte oder Gesetze, welche sie anordnen.

Die Eintragung der Hypotheken, sowie überhaupt aller Rechte auf unbewegliches Eigentum, ist für das Publikum sehr vorteilhaft, da sowohl die Gläubiger wie die Käufer dadurch gesichert werden. Die Registrierung der meisten anderen Urkunden ist für die einzelnen oft unbequem und selbst gefährlich, ohne dem Publikum Vorteil zu verschaffen. Register, die anerkanntermaßen geheim bleiben müssen, sollten sicherlich nicht existieren. Der Kredit der Privaten sollte niemals von so zweifelhaften Umständen abhängig gemacht werden, wie es die Rechtschaffenheit und Treue niederer Finanzbeamten ist. Wo aber die Registrierungsgebühren eine Quelle der Staatsfinanzen geworden sind, haben sich die bezüglichen Ämter meist ohne Ende vermehrt, sowohl für Dokumente, die registriert werden sollten, wie für die, die es nicht sollten. In Frankreich gibt es verschiedene Sorten geheimer Register, ein Mißbrauch, der zwar keine notwendige, aber eine sehr natürliche Folge solcher Steuern ist.

Stempelgebühren wie die englischen auf Spielkarten und Würfel, auf Zeitungen und Zeitschriften usw. sind eigentlich Verbrauchssteuern; ihre schließliche Bezahlung fällt auf die Personen, die solche Waren brauchen oder verzehren. Auch die Stempelgebühren für die Erlaubnisscheine für den Bier-, Wein- und Branntwein-Ausschank fallen, obgleich sie der Absicht nach vielleicht die Gewinne der Schankwirte treffen sollten, schließlich doch gleichfalls auf die Abnehmer jener Getränke. Diese Steuern tragen zwar denselben Namen und werden von denselben Beamten und in gleicher Art erhoben, wie die Stempelsteuern auf die Eigentumsübertragungen, sind aber von ganz verschiedener Natur und fallen auf ganz andere Fonds. <218>

Dritter Artikel. Steuern auf den Arbeitslohn.

Der Lohn der unteren Klassen der Arbeiter wird, wie ich im ersten Buche zu zeigen suchte, überall durch zwei Umstände bestimmt: durch die Nachfrage nach Arbeit und durch den gewöhnlichen oder Durchschnittspreis der Lebensmittel. Je nachdem die Nachfrage nach Arbeit zunimmt, sich gleich bleibt oder abnimmt, d. h. eine zunehmende, sich gleich bleibende oder abnehmende Bevölkerung fordert, bestimmt sie den Unterhalt des Arbeiters und läßt ihn reichlich, mäßig oder kärglich ausfallen. Der gewöhnliche oder Durchschnittspreis der Lebensmittel bestimmt die Menge Geldes, die dem Arbeiter gezahlt werden muß, um ihn in den Stand zu setzen, diesen reichlichen, mäßigen oder kärglichen Unterhalt zu kaufen. Solange mithin die Nachfrage nach Arbeit, und der Preis der Lebensmittel unverändert bleiben, kann eine direkte Steuer auf den Arbeitslohn keine andere Wirkung haben, als diesen etwas höher als die Steuer zu steigern. Nehmen wir z. B. an, die Nachfrage nach Arbeit und der Preis der Lebensmittel sei an einem bestimmten Platze derartig, daß dadurch der gewöhnliche Wochenlohn auf 10 sh. bestimmt wird, und es werde nun auf diesen Lohn eine Steuer von einem Fünftel, 4 sh. auf das £ gelegt. Bliebe die Nachfrage nach Arbeit und der Preis der Lebensmittel unverändert, so würde es immerhin nötig sein, daß der Arbeiter an diesem Orte soviel Unterhaltsmittel erwerbe, wie mit 10 sh. wöchentlich gekauft werden können, d. h. daß er nach Abzug der Steuer 10 sh. wöchentlich übrig behalte. Zu diesem Behnfe muß der Preis der Arbeit bald steigen, und zwar nicht bloß auf 12 sh., sondern auf 12 1 / 2 sh. ; d. h. damit er eine Steuer von einem Fünftel <219> bezahlen kann, muß sein Lohn nicht bloß um ein Fünftel, sondern um ein Viertel, und so in allen Fällen nicht bloß im Verhältnis der Steuer, sondern in einem höheren steigen. Beträgt die Steuer z. B. ein Zehntel, so muß der Arbeitslohn nicht bloß um ein Zehntel, sondern um ein Achtel steigen.

Eine direkte Steuer auf den Arbeitslohn kann daher, wenn der Arbeiter sie auch vielleicht aus eigner Tasche zahlt, doch nicht eigentlich. als von ihm vorgelegt betrachtet werden, wenigstens nicht, wenn die Nachfrage nach Arbeit und der Durchschnittspreis der Lebensmittel dieselben bleiben, wie zuvor. In allen solchen Fällen wird nicht nur die Steuer, sondern etwas mehr als die Steuer, tatsächlich von dem vorgeschossen, der ihn beschäftigt, und. ihre schließliche Zahlung fällt je nach den Umständen auf verschiedene Personen. Die durch eine solche Steuer veranlaßte Steigerung des Lohns der Fabrikarbeiter wird von dem Fabrikanten vorgeschossen, der sowohl berechtigt wie genötigt wäre, sie mit einem Gewinn auf den Preis seiner Waren zu schlagen. Die schließliche Bezahlung dieser Lohnsteigerung, sowie des Zuschlagsgewinnes des Fabrikanten, fällt also auf den Konsumenten. Die durch eine solche Steuer veranlaßte Steigerung des Lohns für ländliche Arbeit wird von dem Landwirt vorgeschossen, der-, um dieselbe Zahl von Arbeitern zu unterhalten wie früher, ein größeres Kapital verwenden muß. Um dieses größere Kapital nebst dem üblichen Kapitalgewinn zurückzuerhalten, muß er einen größeren Teil, bezw. den Preis eines größeren Teils der Bodenprodukte für sich behalten, und folglich dem Gutsherrn weniger Rente zahlen. Die Lohnsteigerung, sowie der Zuschlagsgewinn des Pächters, wird also in diesem Falle schließlich vom Gutsherrn zu bestreiten sein. In allen Fällen muß eine direkte Steuer auf den Arbeitslohn mit der Zeit eine <220> größere Schmäleruung der Bodenrente und eine größere Preiserhöhung der Industrieartikel bewirken, als aus der richtigen, einen gleichen Ertrag bringenden Besteuerung teils der Grundrente und teils von Verbrauchsgegenständen hervorgegangen sein würde.

Wenn direkte Steuern auf den Arbeitslohn nicht immer ein verhältnismäßiges Steigen dieses Lohnes bewirkt haben, so geschah es, weil sie in der Regel ein bedeutendes Sinken der Nachfrage nach Arbeitskräften veranlaßten. Verfall der Gewerbtätigkeit, Abnahme der Arbeitsgelegenheit für den Armen, Verminderung des Jahresertrags von Boden und Arbeit waren in der Regel die Folge solcher Steuern. In Folge dessen muß jedoch der Preis der Arbeit stets höher sein, als er sonst unter den jeweiligen Verhältnissen der Nachfrage sein würde; und dieser höhere Preis, sowie der Gewinn derer, die ihn vorschiessen, muß schließlich stets von den Grundbesitzern und Konsumenten gezahlt werden.

Eine Steuer auf den Lohn ländlicher Arbeit erhöht den Preis der Rohprodukte des Bodens nicht im Verhältnis zur Steuer, aus demselben Grunde, aus dem auch eine Steuer auf den Pächtergewinn jenen Preis nicht in diesem Verhältnis erhöht.

So töricht und verderblich solche Steuern auch sind, so bestehen sie doch in vielen Ländern . In Frankreich ist der Teil der Taille, der auf die Arbeit der Arbeiter und Tagelöhner auf den Dörfern gelegt ist, ganz eigentlich eine Steuer dieser Art. Ihr Lohn wird nach dem gewöhnlichen Satze des Bezirks, in dem sie wohnen, berechnet, und, um sie nicht zu schwer zu belasten, wird ihr Jahreseinkommen auf nur zweihundert Arbeitstage im Jahr angenommen. Die Steuer der Einzelnen schwankt von Jahr zu Jahr je nach den Umständen, über die der Steuererheber oder der Beamte, <221> den der Intentant ihm beigesellt, zu befinden hat. In Böhmen wird nach dem Finanzsystem vom Jahre 1748 die Arbeit der Handwerker sehr hoch besteuert. Sie werden in vier Klassen geteilt. Die höchste Klasse zahlt 100 Gulden jährlich; die zweite Klasse 70, die dritte 50, und die vierte, welche die Dorfhandwerker und die niedrigste Klasse der stcädtischen Handwerker umfaßt, 25 Gulden.

Die Bezahlung der künstlerischen und gelehrten Berufe steht, wie ich im ersten Buche zu zeigen suchte, mit den Löhnen der niederen Gewerbe in einem gewißen Verhältnisse. Eine Steuer darauf könnte mithin keine andere Wirkung haben, als sie um etwas mehr, als im Verhältnis der Steuer, zu steigern. Geschähe es nicht, so würden die Künste und gelehrten Berufe, als nicht mehr auf dem Niveau der übrigen Gewerbe, so vielfach aufgegeben werden, daß sie bald auf dies Niveau zurückkehren dürften.

Die Gehälter der Ämter werden nicht wie die Erträgnisse der Geschäfte durch die freie Konkurrenz bestimmt, und stehen daher nicht immer im richtigen Verhältnis zu dem, was der Charakter der Beschäftigung erfordert. Sie sind vielleicht in den meisten Ländern höher als erforderlich; denn die Personen, welche an der Spitze der Regierung stehen, sind in der Regel geneigt, sowohl sich selbst als auch ihre Untergebenen etwas reichlich zu bezahlen. Diese Gehälter können daher in den meisten Fällen recht gut eine Steuer ertragen. Überdies sind die Personen, welche öffentliche Amter, zumal die einträglicheren, einnehmen, in allen Ländern beneidet; und eine Steuer auf ihre Gehälter ist stets, selbst wenn sie etwas höher wäre als auf andere Einkommensarten, eine sehr populäre Steuer. In England z. B., wo die Landtaxe alle anderen Einkommensarten zu 4 sh. per £ treffen sollte, war es sehr populär, auf die Gehälter über <222> £ 100 eine tatsächliche Steuer von 5 1 / 2 sh. per £ zu legen; wovon nur die Apanagen der Prinzen, die Gehälter der Offiziere der Armee und Flotte, und einige andere, dem Neide weniger anstößige, ausgenommen waren. Andere direkte Steuern auf den Arbeitslohn gibt es in England nicht.

Vierter Artikel. Steuern, welche alle Arten des Einkommens ohne Unterschied treffen sollen.

DieSteuern, welche auf alle Einkommensarten ohne Unterschied fallen sollen, sind Kopfsteuern und Steuern auf Verbrauchsgegenstände. Sie müssen ohne Unterschied von jedem beliebigen Einkommen der Steuerpflichtigen bezahlt werden, von der Rente ihres Landes, dem Gewinn ihres Kapitals, oder vom Lohn ihrer Arbeit.

Kopfsteuern.

Wenn man versucht, Kopfsteuern dem Vermögen oder Einkommen der Steuerpflichtigen anzupassen, so werden sie durchaus willkürlich. Der Vermögensstand eines Mannes ändert sich von Tag zu Tag, und kann ohne Nachforschungen, die unerträglicher wären als jede Steuer, und wenigstens einmal jährlich erneuert werden müßten, nur erraten werden. Die Einschätzung hängt mithin meistenteils von dem guten oder dem üblen Willen der Einschätzenden ab und muß daher durchaus willkürlich und unbestimmt sein.

Werden Kopfsteuern nicht nach dem mutmaßlichen Vermögen, sondern nach dem Range der Steuerpflichtigen bemessen, so werden sie völlig ungleich, da die Vermögensgrade in denselben Rangstufen oft ungleich sind. <223>

Versucht man sonach, solche Steuern gleichmäßig zu gestalten, so werden sie willkürlich und unbestimmt; und ungleichmäßig, wenn man versucht, sie festzulegen und der Willkür zu entheben. Die Steuer sei leicht oder schwer, Unbestimmtheit ist immer ein großes Übel. Bei einer leichten Steuer läßt man sich einen ziemlichen Grad von Ungleichheit gefallen, bei einer schweren ist sie ganz unerträglich.

Bei den verschiedenen Kopfsteuern, die in England unter der Regierung Wilhelms III. üblich waren, wurden die Steuerpflichtigen meist nach ihremRange eingeschätzt als Herzöge, Marquis, Earls, Viscounts, Barone, Esquires, Gentlemen, älteste und jüngste Söhne von Peers usw. Alle Ladenhalter und Geschäftsleute, die auf ein Einkommen von mehr als £ 300 geschätzt waren, d. h. die Wohlhabenderen, waren gleichmäßig eingeschätzt, wie groß auch der Unterschied ihres Vermögens sein mochte. Ihr Rang wurde mehr beachtet als ihr Vermögen. Manche, die zur ersten Kopfsteuer nach ihrem mutmaßlichen Vermögen eingeschätzt waren, wurden später nach ihrem Range besteuert. Die Anwälte verschiedenen Grades, die bei der ersten Kopfsteuer zu 3 sh. per £ ihres mutmaßlichen Einkommens angesetzt waren, wurden in der Folge als Gentlemen besteuert. Bei der Auflegung einer Steuer, die nicht sehr schwer war, fand man erhebliche Ungleichheiten weniger unerträglich, als irgend welche Unbestimmtheit.

Bei der in Frankreich seit Anfang dieses.Tahrhunderts ununterbrochen erhobenen Kopfsteuer sind die höchsten Stände des Volkes nach ihrem Range mit einem unveränderlichen Tarif angesetzt, die niederen Stände nach ihrem mutmaßlichenVermögen, das jährlich eingeschätzt wird. Die Mitglieder des obersten Gerichtshofs, die Richter und übrigen Beamten der höheren Gerichtshöfe, die Offiziere der Armee u.s.w. sind in der ersteren <224> Weise besteuert; die unteren Klassen des Volkes in den Provinzen nach der zweiten. In Frankreich unterwerfen sich die Großen gern einer erheblichen Ungleichheit der Besteuerung, die für sie nicht sehr schwer ist, würden aber die willkürliche Einschätzung durch einen Intendanten nicht ertragen. Die unteren Stände müßen in diesem Lande geduldig die Behandlung leiden, die ihre Oberen ihnen angedeihen lassen.

In England brachten die verschiedenen Kopfsteuern niemals die erwartete Samme ein. In Frankreich entspricht sie stets den Erwartungen. Die milde Regierung Englands begnügte sich mit dem, was die Steuer eben eintrug, und trieb sie weder von denen ein, die sie nicht bezahlen konnten, noch von denen, die sie nicht bezahlen wollten -- und deren gab es viele -- und die bei der nachsichtigen Vollziehung des Gesetzes nicht dazu gezwungen wurden. Die strengere Regierung Frankreichs besteuert jede Provinz mit einer bestimmten Summe, welche der Intendant nehmen muß, wo er sie findet. Beschwert sich eine Provinz über zu hohe Einschätzung, so kann sie im nächsten Jahre einen der Überlastung des vorhergehenden Jahres entsprechenden Nachlaß erhalten, aber einstweilen muß sie zahlen. Um die seiner Provinz auferlegte Summe sicher zu erhalten, ist der Intendant berechtigt, sie mit einer höheren Summe zu veranlagen, damit die Zahlungsunfähigkeit einiger sich durch die höhere Belastung der Übrigen ausgleiche, und bis 1765 war die Feststellung dieses Überschusses gänzlich seinem Ermessen überlassen . Dann nahm das Ministerium diese Befugnis an sich. Die Kopfsteuer in den Provinzen ist, wie der Verfasser der Mémoires etc. bemerkt, soweit sie den Adel und die kraft ihrer Privilegien von der Taille Befreiten betrifft, sehr gering. Am höchsten belastet sie die der Taille <225> unterworfenen, die zu der Kopfsteuer nach demselben Verhältnis herangezogen sind, wie zur Taille.

Soweit Kopfsteuern von den unteren Volksklassen erhoben werden, sind sie direkte Steuern auf den Arbeitslohn und von allen Nachteilen solcher Steuern begleitet.

Die Erhebung der Kopfsteuern verursacht nur geringe Kosten, und wo sie mit Strenge beigetrieben werden, gewähren sie dem Staate sehr sichere Einnahmen. Daher sind sie in Ländern, wo Freiheit, Wohlstand und Sicherheit der niederen Volksklassen wenig geachtet werden, sehr gebräuchlich. Im Allgemeinen jedoch ist es nur ein sehr kleiner Teil der Staatseinnahmen, der in einem großen Lande je aus solchen Steuern gezogen wurde, und die größte Summe, die sie jemals eingebracht haben, hätte stets auf eine andere, für das Volk zuträglichere Art orewonnen werden können.

Verbrauchssteuern.

Die Unmöglichkeit, die Leute durch Kopfsteuern nach Verhältnis ihres Einkommens zu besteuern, scheint zu der Erfindung der Verbrauchssteuern Veranlassung gegeben zu haben. Da der Staat nicht weiß, wie das Einkommen seiner Untertanen direkt und im richtigen Verhältnis zu besteuern ist, sucht er es indirekt durch Besteuerung ihrer Ausgaben zu treffen, die mutmaßlich meist ihrem Einkommen entsprechen werden. Dies geschieht durch Besteuerung der Verbrauchsgegenstände, die entweder Lebensbedürfnisse oder Luxusartikel sind.

Unter Lebensbedürfnissen verstehe ich nicht bloß Waren, die zum Lebensunterhalt unentbehrlich sind, sondern auch alle die, ohne welche nach Landessitte anständige Leute, selbst des niedrigsten Standes, nicht bestehen können. Ein leinenes Hemd z. B. ist streng genommen kein unentbehrliches Lebensbedürfnis. Die Griechen und <226> Römer lebten, denke ich, recht behaglich, obwohl sie kein Leinenzeug besaßen. Aber heutzutage würde fast in allen europäischen Ländern ein anständiger Tagelöhner sich schämen, öffentlich ohne ein leinenes Hemd zu erscheinen, dessen Mangel jenen schimpflichen Grad von Armut bezeichnet, zu dem, wie man annimmt, niemand ohne denschlechtesten Lebenswandel herabsinken kann. Ebenso hat die Gewohnheit in England lederne Schuhe zu einem dringenden Lebensbedürfnis gemacht. Die ärmste anständige Person, Mann oder Frau, würde sich schämen, öffentlich ohne sie zu erscheinen. In Schottland sind sie nach Landessitte ein Lebensbedürfnis der Männer selbst des niedrigsten Standes, nicht aber der Weiber niederen Standes, die barfuß gehen können, ohne Anstoß zu erregen. In Frankreich sind sie weder für Männer noch für Frauen notwendig; die niederste Klasse beider Geschlechter geht ohne Bedenken bald in Holzschuhen, bald barfuß. Unter Lebensbedürfnissen vorstehe ich also nicht bloß die Dinge, welche die Natur, sondern auch die, welche die hergebrachten Regeln des Anstandes für die niedersten Volksklassen unentbehrlch gemacht haben. Alle übrigen Dinge nenne ich Luxusgegenstände, ohne durch diese Benennung den geringsten Tadel auf ihren mäßigen Verbrauch werfen zu wollen. Z. B. Bier und Ale in Großbritannien, und Wein selbst in den Weinländern, nenne ich Luxusgegenstände. Ein Mann jeden Ranges kann sich des Genusses dieser Getränke gänzlich enthalten, ohne sich einem Tadel auszusetzen. Die Natur macht sie zum Lebensunterhalt nicht notwendig, und die Sitte es nicht unanständig, ohne sie zu leben.

Da der Arbeitslohn überall teils durch die Nachfrage nach Arbeitskräften, teils durch den Durchschnittspreis der Lebensbedürfnisse bestimmt wird, so muß jede Erhöhung dieses Durchschnittspreises notwendig auch <227> den Lohn erhöhen, so daß der Arbeiter dennoch im Stande bleibt, die Menge Lebensbedürfnisse zu kaufen, die der Stand der wachsenden, stationären oder sinkenden Nachfrage für ihn nötig macht. (Siehe Buch I, Kap. 8.) Eine Steuer auf diese Artikel erhöht notwendig ihren Preis noch etwas mehr, als um den Betrag der Steuer, weil der Verkäufer, der die Steuer vorlegt, sie mit einem Gewinne wiedererhalten muß. Eine solche Steuer muß also eine dieser Preiserhöhung entsprechende Erhöhung des Arbeitslohnes veranlassen.

So wirkt also eine Steuer auf die dringenden Bedürfnisse des Lebens ganz in derselben Weise, wie eine direkte Steuer auf den Arbeitslohn. Wenn sieder Arbeiter auch aus eigner Tasche bezahlt, so kann er doch nicht eigentlich, wenigstens nicht für die Dauer als sie vorlegend gelten. Sie muß ihm im Laufe der Zeit stets vom Arbeitgeber in dem erhöhten Lohne vorgeschossen werden. Der Arbeitgeber wird, wenn er ein Fabrikant ist, den erhöhten Arbeitslohn nebst einem Gewinn auf den Preis seiner Waren schlagen, so daß die schließliche Bezahlung der Steuer sowie des Aufschlags auf den Konsumenten fällt.

Also auf den, der sie bereits von seinem Lohn bezahlt hat.

Ist der Arbeitgeber ein Landwirt, so fällt die schließliche Bezahlung der Steuer nebst dem gleichen Aufschlage auf die Rente des Grundbesitzers.

Anders ist es mit Steuern auf das, was ich Luxusgegenstände nenne, selbst auf die der Armen. Die Preiserhöhung der besteuerten Waren wird hier nicht notwendig ein Steigen des Arbeitslohns veranlassen. Eine Steuer auf den Tabak z. B., obwohl er eine Luxusware des Armen wie des Reichen ist, wird den Lohn nicht steigern. Obgleich in England die Steuer dreimal, und in Frankreich fünfzehnmal so viel beträgt, als sein ursprünglicher Preis, so scheinen diese hohe Abgaben auf den Arbeitslohn doch gar keinen Einfluß zu haben. Dasselbe <228> läßt sich von den Steuern auf Tee und Zucker sagen, die in England und Holland Verbrauchsgegenstände der niedersten Volksklassen geworden sind, und auf Schokolade, die in Spanien ein solcher Gegenstand geworden sein soll. Die verschiedenen Steuern, welche in Grroßbritannien im Laufe dieses Jahrhunderts auf spirituose Getränke gelegt wurden, haben keinen ersichtlichen Einfluß auf den Arbeitslohn geübt. Die durch eine Zuschlagssteuer von 3 sh. auf das Faß veranlaßte Preissteigerung des Porters hat den Lohn gewöhnlicher Arbeit in London nicht erhöht. Dieser betrug vor der Steuer 18 -- 20 d. täglich, und beträgt heute noch ebensoviel. Der hohe Preis solcher Waren vermindert nicht notwendig die Fähigkeit der unteren Volksklassen, eine Familie zu erhalten. Auf den haushälterischen und fleißigen Armen wirken Steuern auf solche Waren wie Luxusgesetze, und machen ihn geneigt, den Gebrauch von Überflüßigkeiten, die er sich nicht mehr leicht verschaffen kann, einzuschränken oder ganz aufzugeben. Seine Fähigkeit, eine Familie zu erhalten, wird durch diese erzwungene Sparsamkeit, oft nicht nur nicht vermindert, sondern erhöht. Haushälterische und fleißige Arme haben im Allgemeinen die zahlreichsten Familien, und befriedigen hauptsächlich den Bedarf an nützlicher Arbeit. Alle Armen sind freilich nicht haushälterisch und fleißig, und die Lüderlichen und Unordentlichen versagen sich den Genuß solcher Dinge auch nach der Preiserhöhung nicht, ungeachtet der Not, in die sie ihre Familien dadurch stürzen. Solche unordentlichen Leute ernähren jedoch selten zahlreiche Familien, da ihre Kinder gewöhnlich durch Verwahrlosung, schlechte Behandlung, ungesunde Nahrung oder Mangel zu Grunde gehen. Wenn sie in Folge kräftiger Körperbeschaffenheit die Not überwinden, der sie durch den schlechten Lebenswandel ihrer Eltern ausgesetzt sind, so untergräbt doch in der Regel das schlechte Bei <229> spiel ihre Sittlichkeit, sodaß sie, anstatt nützliche Glieder der Gesellschaft, durch ihre Laster und Missetaten ein öffentlicher Schaden werden. Wenn somit der höhere Preis des Luxusbedarfs der Armen auch die Not unordentlicher Familien etwas vergrößert und ihre Fähigkeit Kinder aufzuziehen, vermindert, so wird er doch wahrscheinlich die nützliche Bevölkerung des Landes nicht sehr vermindern.

Jede Steigerung des Durchschnittspreises der Lebensbedürfnisse, die nicht durch eine verhältnismäßige Steigerung des Arbeitslohnes ausgeglichen wird, muß notwendig die Fähigkeit der Armen, zahlreiche Familien zu ernähren und dadurch dem Bedarf an Arbeitskräften abzuhelfen, mehr oder weniger vermindern, mag die Nachfrage wachsen, stillstehen, oder sinken, d. h. eine wachsende, stillstehende, oder sinkende Volkszahl erheischen.

Steuern auf Luxusartikel verteuern keine anderen als die besteuerten Waren selbst. Steuern auf Lebensbedürfnisse verteuern durch die Steigerung des Arbeitslohns alle Industrieerzeugnisse, und vermindern dadurch ihren Absatz und Verbrauch. Steuern auf Luxusartikel werden schließlich von den Verbrauchern der besteuerten Waren bezahlt, ohne Ersatz. Sie fallen ohne Unterschied auf jede Einkommensart, den Arbeitslohn, Kapitalgewinn und die Bodenrente. Steuern auf Lebensbedürfnisse werden, insofern sie den Arbeiter treffen, zuletzt teils von den Grundbesitzern in der geschmälerten Rente von ihren Ländereien, teils von reichen Konsumenten, wie Grundbesitzern oder anderen, im erhöhten Preis der Industrieerzeugnisse bezahlt, und stets mit einem beträchtlichen Aufschlage. Der erhöhte Preis solcher Industrieerzeugnisse, die tatsächliche Lebensbedürfnisse und für den Verbrauch der Armen bestimmt sind, grober Wollenzeugo z. B., muß dem Armen durch eine fernere Erhöhung <230> seines Lohnes ersetzt werden. Wenn daher die mittleren und höheren Stände ihr Interesse verständen, sollten sie sich stets allen Steuern auf Lebensbedürfnisse, sowie allen direkten Steuern auf den Arbeitslohn widersetzen. Die schließliche Bezahlung der einen wie der anderen Steuer fällt lediglich auf sie, und stets mit einem beträchtlichen Aufschlag. Sie fallen am schwersten auf die Grundbesitzer, die stets in doppelter Eigenschaft zahlen, als Grundbesitzer durcli die Schmälerung ihrer Rente, und als reiche Konsumenten durch die Vermehrung ihrer Ausgaben. Die Bemerkung Sir Matthias Dekkers, daß gewisse Steuern sich im Preise gewisser Waren zuweilen vier- oder fünfmal wiederholen und häufen, ist in Betreff der Steuern auf Lebensbedürfnisse vollkommen richtig. Im Preise des Leders z. B. hast du nicht bloß die Steuer auf das Leder deiner eignen Schuhe, sondern auch einen Teil der Steuer auf die Schuhe des Schuhmachers und Gerbers zu zahlen. Du mußt auch die Steuer auf das Salz, die Seife und die Lichter bezahlen, die diese Arbeiter verbrauchen, während sie in deinem Dienste arbeiten, und die Steuer auf das Leder, das der Salzsieder, der Seifensieder und der Lichterzieher verbrauchen, während sie in ihrem Dienst arbeiten.

In Großbritannien sind die hauptsächlichsten Steuern auf Lebensbedürfnisse die auf die eben erwähnten vier Waren, Salz, Leder, Seife und Lichter.

Salz ist ein sehr alter und sehr allgemeiner Gegenstand der Besteuerung. Es wurde schon unter den Römern besteuert und unterliegt heute, glaube ich, in allen europäischen Ländern einer Steuer. Die von dem einzelnen jährlich verbrauchte Menge Salz ist so klein, und kann so allmählich gekauft werden, daß, wie man gedacht zu haben scheint, niemand selbst eine ziemlich hohe Steuer darauf sonderlich empfinden kann. In England ist der Bushel mit 3 sh. 4 d. besteuert, also etwa zum drei <231> fachen Preise. In anderen Ländern ist die Steuer noch höher. Leder ist ein tatsächhches Lebensbedürfnis. Der Gebrauch der Leinwand macht auch die Seife dazu. In Ländern, wo die Winterabende lang sind, gehören Lichter zu den notwendigen Geschäftsutensilien. Leder und Seife sind in Großbritannien mit 1 1 / 2 d. per Pfund besteuert, Lichter mit 1 d.; Steuern, die auf den Preis des Leders 8 -- 10 %, auf den der Seife 20 -- 25 % und auf den der Lichter 14 -- 15 % betragen, und zwar niedriger als die Salzsteuer, aber doch noch hoch genug sind. Da alle diese Artikel wirkliche Lebensbedürfnisse sind, so vermehren so hohe Steuern die Ausgaben des haushälterischen und fleißigen Armen, und müssen deshalb den Lohn seiner Arbeit mehr oder weniger steigern. In einem Lande, wo die Winter so kalt sind wie in Großbritannien, ist Brennmaterial während dieser Jahreszeit im vollsten Sinne des Wortes ein Lebensbedürfnis, nicht bloß zur Zubereitung der Speisen, sondern auch für eine behagliche Existenz vieler Arbeiterklassen, die im Hause arbeiten; und Kohlen sind die billigsten Brennmaterialien. Der Preis des Brennmaterials hat einen solchen Einfluß auf den der Arbeit, daß in ganz Großbritannien die Industrie sich hauptsächlich auf die Kohlenbezirke beschränkt, da andere Landesteile wegen des höheren Preises dieses Artikels nicht so billig zu arbeiten vermögen. Überdies ist die Kohle für manche Industrien, wie für die Glas-, Eisen-, und sonstige Metallindustrie ein unentbehrliches Material. Wenn in einem Falle Prämien gerecht sein könnten, so könnten sie auf den Transport von Kohlen aus den Teilen des Landes, wo sie im Überfluß vorhanden sind, nach denen, wo sie mangeln, zu billigen sein. Die Gesetzgebung indessen hat anstatt einer Prämie eine Steuer von 3 sh. 3 d. auf die Tonne auf dem Seeweg beförderter Kohlen gelegt, was bei den meisten Sorten mehr als <232> 60 % des Preises an der Zeche ausmacht. Zu Lande oder in der Binnenschifffahrt befördert, bezahlen die Kohlen keine Abgabe. Wo sie naturgemäß wohlfeil sind, werden sie steuerfrei verbraucht, wo sie naturgemäß teuer sind, belastet man sie mit einer hohen Steuer.

Solche Steuern verteuern zwar den Lebensunterhalt und mithin den Arbeitslohn, verschaffen aber der Regierung bedeutende Einnahmen, die sie auf andere Weise nicht so leicht finden würde. Man mag daher guten Grund haben sie beizubehalten. Die Prämie auf die Ausfuhr von Getreide bringt, soweit sie beim gegenwärtigen Stande des Ackerbaus diesen notwendigen Artikel verteuert, all' die gleichen schlimmen Wirkungen hervor, und verursacht der Regierung, anstatt ihr Einnahmen zu verschaffen, oft eine sehr bedeutende Ausgabe. Die hohen Einfuhrzölle auf Getreide, die in Jahren einer Mittelernte einem förmlichen Einfuhrverbot gleichkommen, und das absolute Verbot der Einfuhr lebenden Viehes oder gesalzenen Fleisches, das jetzt nur wegen der Teurung Irland und den britischen Kolonien gegenüber zeitweise aufgehoben ist, haben alle die schlechten Wirkungen der Steuern auf Lebensbedürfnisse und bringen dem Staat keine Einnahme. Zur Aufhebung solcher Maßregeln scheint nur nötig zu sein, das Publikum von der Nichtsnutzigkeit des Systems, infolge dessen sie getroffen wurden, zu überzeugen.

In vielen anderen Ländern sind die Steuern auf die Lebensbedürfnisse noch höher als in Großbritannien. In vielen Ländern wird vom Mehl in der Mühle und vom Brot beim Bäcker eine Steuer erhoben. In Holland soll, der Geldpreis des Brotes in den Städten durch solche Steuern verdoppelt sein. Auf dem Lande zahlt man anstatt ihrer per Kopf einen gewissen Betrag, der sich nach der Sorte Brotes lichtet, die dort verzehrt wird. Wer Weizenbrot konsumiert, zahlt 3 Gulden 15 Stüver. <233> Diese, sowie einige andere ähnliche Steuern sollen durch Verteuerung der Arbeit die meisten holländischen Industrien zu Grunde gerichtet haben9. Ähnliche Steuern, obwohl nicht ganz so hoch, bestehen im Mailändischen, im Genuesischen, im Herzogtum Modena, in den Herzogtümern Parma, Piacenza und Guastalla und im Kirchenstaate. Ein bekannter französischer Schriftsteller10 schlug vor, durch Setzung dieser verderblichsten aller Steuern an Stelle der meisten anderen, die Finanzen seines Landes zu reformieren. Es gibt nichts so Albernes, sagt Cicero, was nicht einmal von einem Philosophen behauptet worden wäre.

Steuern auf Fleisch sind noch häufiger als die auf Brot. Es kann allerdings zweifelhaft erscheinen, ob Fleisch irgendwo zu den unentbehrlichen Lebensbedürfnissen gehört. Getreide und andere Pflanzenarten können, wie die Erfahrung lehrt, mit Hilfe von Milch, Käse und Butter (oder, wo Butter nicht zu haben ist, Öl) ohne Fleisch die reichlichste, gesundeste, nahrhafteste und stärkendste Speise abgeben. Nirgends fordert der Anstand, daß ein Mensch Fleisch esse, wie er an den meisten Orten fordert, daß er ein leinenes Hemd oder ein Par lederne Schuhe trage.

Verbrauchsgegenstände, ob Lebensbedürfnisse oder Luxusartikel, können auf zweierlei Art besteuert werden. Entweder kann der Konsument für den Gebrauch gewisser Güter eine jährliche Summe zahlen, oder die Güter können, während sie sich noch in den Händen des Verkäufers befinden und ehe sie an den Konsumenten gelangen, besteuert werden. Die Dinge, die man lange gebrauchen kann, bevor sie verbraucht sind, werden am besten in ersterer Art besteuert; diejenigen, deren Ver <234> brauch ein sofortiger oder doch ein rascher ist, in der anderen. Die Steuern auf Kutschen und Silbergerät sind Beispiele der ersteren Besteuerungsart; die meisten übrigen Akzise- und Zollabgaben sind Beispiele der letzteren.

Eine Kutsche kann, wenn man sie schont, zehn bis zwölf Jahre vorhalten. Sie könnte ein für allemal besteuert werden, bevor sie den Wagen Fabrikanten vorläßt; aber für den Käufer ist es sicherlich bequemer, für tlas Recht, eine Kutsche zu halten, i 4 jähilich, als auf einmal £ 40 -- 48 zu zahlen, d. h. die Summe, die ihn wahrscheinlich die Steuer in der Zeit kosten wird, während der er die Kutsche benutzt. Ein Silberservice kann länger als ein Jahrhundert vorhalten. Für den Verbraucher ist es sicherlich leichter, jährlich 5 sh. für je hundert Unzen Silbergerät, etwa 1 % vom Wert, zu entrichten, als diese lange Annuität durch Zahlung des 25 -- 30 fachen Betrags abzulösen, wodurch der Preis wenigstens um 25 -- 30 % erhöht werden würde. Die verschiedenen Haussteuern werden sicherlich bequemer durch mäßige Jahreszahlungen, als durch eine hohe Steuer von gleichem Betrage auf den Bau oder Verkauf des Hauses entrichtet.

Es war der bekannte Vorschlag Sir Matthias Deckers, alle Gegenstände, auch die, deren Verbrauch ein sofortiger oder doch sehr rascher ist, auf diese Weise zu besteuern, so daß der Verkäufer nichts vorschießt, sondern der Konsument für die Erlaubnis, gewisse Grüter zu verbrauchen, eine bestimmte jährliche Summe zahlt. Der Zweck dieses Planes war, die verschiedenen Zweige des auswärtigen Handels, besonders den Zwischenlumdel, durch Beseitioung aller Ein- und Ausfuhrzölle zu fördern und den Kaufmann in den Stand zu setzen, sein Kapital und seinen Kredit gänzlich auf den Ankauf und Transport der Waren zu verwenden, ohne einen Teil davon für Zölle vorlegen zu müssen. Der Plan, Waren eines <235> sofortigen oder raschen Verbrauchs auf diese Weise zu besteuern, unterliegt jedoch folgenden vier wichtigen Einwänden. Erstens würde die Steuer ungleich oder dem Aufwand und Konsum der Steuerpflichtigen nicht so entsprechend sein, wie bei der gewöhnlichen Besteuerungsart. Die von den Verkäufern vorgeschossenen Steuern auf Ale, Wein und spirituose Getränke werden zuletzt von den verschiedenen Konsumenten genau im Verhältnis ihres Verbrauchs gezahlt. Wenn dagegen die Steuer durch Lösung einer Lizenz, die Getränke zu trinken, zu bezahlen wäre, so würde der Nüchterne im Verhältnis viel höher besteuert werden als der Trunkenbold. Eine Familie, die große Gastfreiheit übt, würde viel geringer besteuert sein, als eine, die weniger Gäste bei sich sähe. Zweitens würde diese Besteuerungsart der Lösung einer Lizenz für den Verbrauch gewisser Waren auf ein Jahr, Halbjahr oder Vierteljahr, einen der Hauptvorteile der Steuern auf Waren schnellen Verbrauchs, die stückweise Bezahlung, sehr beeinträchtigen. In dem jetzigen Preise von 3 1 / 2 d. für ein Maß Porter mögen die verschiedenen Steuern auf Malz, Hopfen und Bier nebst dem Gewinn, den der Brauer für ihren Vorschuß darauf schlägt, etwa 1 1 / 2 d. betragen. Wenn ein Arbeiter diese 1 1 / 2 d. bequem erübrigen kann, so kauft er sich ein Maß Porter. Kann er es nicht, so begnügt er sich mit einer Pinte (der Hälfte eines Maßes), und da ein Pfennig erspart ein Pfennig gewonnen ist, so gewinnt er durch seine Mäßigkeit einen Heller. Er zahlt die Steuer stückweise, wie und wann er sie zahlen kann, und jeder Zahlungsakt ist vollkommen freiwillig und er kann ihn vermeiden, wenn er will. Drittens würden solche Steuern weniger als Aufwandgesetze wirken. Sobald die Lizenz einmal gekauft wäre, würde die Steuer, ob der Käufer viel oder wenig tränke, dieselbe bleiben. Viertens würde die einmalige <236> in jährlichen, halb- und vierteljährlichen Terminen zu leistende Zahlung der gleichen Steuer, die jetzt meistens nach und nach ganz bequem bezahlt wird, den Arbeiter oft in große Verlegenheit setzen. Diese Besteuerungsart könnte mithin offenbar ohne den lästigsten Druck niemals eine dem jetzigen Ertrage annähernd gleiche Einnahme bringen. Dennoch sind in manchen Ländern Waren eines sofortigen oder sehr schnellen Verbrauchs in dieser Art besteuert. In Holland zahlt jeder so und so viel für eine Lizenz zum Teetrinken. Die Steuer auf Brot, die auf den Dörfern in derselben Weise erhoben wird, habe ich bereits erwähnt.

Die Akziseabgaben sind hauptsächlich auf Waren heimischer Produktion und heimischen Verbrauches und zwar nur auf einige Gegenstände von allgemeinstem Gebrauche gelegt. Eine Unsicherheit hinsichtlich der Waren, die diesen Abgaben unterliegen, oder hinsichtlich der Abgabe, der eine Warensorte unterliegt, kann niemals platzgreifen. Sie fallen fast lediglich auf die von mir als Luxusgegenstände bezeichneten Artikel, stets ausgenommen die vier obenerwähnten Abgaben auf Salz, Seife, Leder, Lichter, und vielleicht die auf grünes Flaschenglas.

Die Zollabgaben sind weit älter als die Akziseabgaben. Den (englischen) Namen Customs (Herkommen) scheinen sie erhalten zu haben, weil sie herkömmliche (customary) Zahlungen bezeichneten, die seit undenklicher Zeit in Brauch waren. Ursprünglich scheinen sie als Steuern auf die Gewinne der Kaufleuto betrachtet worden zu sein. Während der barbarischen Zeiten der Feudalanarchie wurden die Kaufleute gleich allen übrigen Einwohnern der Städte für wenig besser als freigelassene Leibeigne angesehen, deren Personen verachtet und deren Gewinne beneidet waren. Der Adel, mit dessen Zustimmung die Gewinne seiner eignen Lehnsleute einer Schätzung unterworfen wurden, war es gern <237> zufrieden, daß der Staat auch eine Klasse von Leuten besteuerte, an derenSchutz er noch weit weniger interessiert war. In jenen Zeiten der Unwissenheit begriff man nicht, daß die Gewinne der Kaufleute kein Gegenstand sind, der sich direkt besteuern läßt, d. h. daß die schließliche Bezahlung aller solcher Steuern mit einem erheblichen Aufschlag auf die Verbraucher fallen muß.

Die Gewinne fremder Kaufleute wurden mit noch ungünstigerem Auge betrachtet, als die der englischen. Es war daher natürlich, daß man die der ersteren noch höher besteuerte, als die der anderen. Die Unterscheidung zwischen den Abgaben fremder und englischerKaufleute, die anfänglich aus Unwissenheit getroffen war, wurde aus Monopolsucht fortgesetzt, um unseren Kaufleuten sowohl auf den heimischen wie auf den ausländischen Märkten einen Vorteil zu verschaffen.

Mit dieser Unterscheidung wurden die alten Zölle gleichmäßig auf alle Sorten von Waren, Lebensbedürfnisse wie Luxusgegenstände, Importe wie Exporte gelegt. Warum, scheint man gedacht zu haben, sollten die Verkäufer einer Warensorte günstiger behandelt werden als die einer anderen, oder warum der Exporteur günstiger als der Importeur?

Die alten Zölle zerfielen in drei Abteilungen. Der erste und vielleicht älteste aller Zölle war der auf Wolle und Leder. Er scheint hauptsächlich oder lediglich ein Ausfuhrzoll gewesen zu sein. Als die Wollenmanufaktur in England aufkam, wurde, um den Staat für den Verlust des Zolls auf Wolle durch dio Ausfuhr von Wollenzeugen schadlos zu halten, ein gleicher Zoll auf die letzteren gelegt. Die anderen beiden Abteilungen waren erstens ein Zoll auf Wein, der auf die Tonne berechnet wurde und daher Tonnengeld hieß, und zweitens ein Zoll auf alle anderen Waren, der nach dem mutmaßlichen Werte in Pfund Sterling berechnet wurde und <238> deshalb Pfuudgeld hieß. In dem 17. Regierungsjahr Eduards III. wurden alle aus- und eingeführten Waren, mit Ausnahme von Wolle, rohen Häuten, Leder und Wein, die besonderen Zöllen unterworfen waren, mit 6 d. per £ verzollt. Im vierzehnten Regierungsjahre Richards II. wurde dieser Zoll auf 1 sh. per £ erhöht, drei Jahre später aber wieder auf 6 d. heruntergesetzt, dann im zweiten Regierungsjahre Heinrichs IV. auf 8 d., und in seinem vierten Regierungsjahr auf 1 sh. erhöht, um bis ins neunte Regierungsjahr Wilhelms III. unverändert zu bleiben. Die Tonnen- und Pfundgelder wurden dem Könige gewöhnlich durch ein und dieselbe Parlamentsakte bewilligt, und hießen die Subsidie der Tonnen- und Pfundgelder. Da die Subsidie der Pfundgelder so lange 1 sh. per £ oder 5 % betragen hatte, so bekam das Wort Subsidie in der Zollsprache überhaupt die Bedeutung eines allgemeinen Zolles von 5 %. Diese Subsidie, welche jetzt die alte Subsidie heißt, wird noch immer nach dem im zwölften Regierungsjahre Karls II. eingeführten Wertansatz (book of rates) erhoben. Die Methode, durch ein book of rates den Wert der diesem Zolle unterworfenen Waren festzustellen, soll noch vor Jakob I. eingeführt sein. Die neue, in dem 9. und 10. Regierungsjahre Wilhelms III. aufgelegte Subsidie bestand in einem Zuschlag von 5 % auf die meisten Waren. Die Eindrittel- und die Zweidrittel-Subsidie machten zusammen weitere 5 % aus. Die Subsidie von 1747 kam als vierte Subsidie von 5 % zu den meisten Waren hinzu und die von 1759 wurde als fünfte auf einzelne Waren gelegt. Außer diesen fünf Subsidien wurde gelegentlich noch eine große Menge anderer Zölle auf einzelne Waren gelegt, bald um die Staatsbedürfnisse zu befriedigen, bald um, nach den Grundsätzen des Merkantilsystems, den Handel des Landes zu regeln.

Dieses System wurde allmählich mehr und mehr Mode <239> Die alte Subsidie war ohne Unterschied auf die Ausfuhr wie auf die Einfuhr gelegt. Die vier folgenden Subsidien, sowie die anderen seitdem gelegentlich auf einzelne Waren gelegten Zölle bezogen sich mit wenigen Ausnahmen nur auf die Einfuhr. Die meisten früheren Ausfuhrzölle von heimischen Boden- und Industrieerzeugnissen sind gemildert, meist aber ganz aufgehoben. Auf manche Waren zahlte man sogar Ausfuhrprämien. Auch wurden bei der Wiederausfuhr fremder Waren die bei der Einfuhr gezahlten Zölle entweder ganz oder zum Teil zurückerstattet. Von der alten Subsidie auf die Einfuhr wird nur die Hälfte bei der Ausfuhr zurückerstattet; die späteren Subsidien und Auflagen werden dagegen bei den meisten Waren voll zurückgegeben. Diese zunehmende Begünstigung der Ausfuhr und Erschwerung der Einfuhr hat nur wenige Ausnahmen hauptsächlich betreffs gewisser Rohstoffe zur Fabrikation erlitten. Diese wollen unsere Kaufleute und Fabrikanten gern so billig wie möglich haben, ihre Konkurrenten in anderen Ländern aber sollen sie so teuer wie möglich bezahlen. Deshalb sind ausländische Rohstoffe wie z. B. spanische Wolle, Flachs und rohes Leinengarn zollfrei. Die Ausfuhr der Rohstoffe heimischer Produktion und die Produkte unserer Kolonien wurde bald verboten, bald höheren Zöllen unterworfen. Die Ausfuhr englischer Wolle wurde verboten; die Ausfuhr von Biberfellen, Biberhaaren, und Senegalgummi wurde höheren Zöllen unterworfen, nachdem Großbritannien durch die Eroberung von Kanada und Senegal beinahe das Monopol dieser Waren erhalten hatte.

Daß dasMerkantilsystem dem Einkommen der großen Masse des Volkes, der jährlichen Produktion des Landes nicht sehr günstig war, habe ich im vierten Buche dieser Untersuchung zu zeigen gesucht. Nicht günstiger scheint <240> es für die Staatseinnahmen, wenigstens soweit sie von den Zöllen abhängen, gewesen zu sein.

Infolge dieses Systems ist die Einfuhr verschiedener Warengattungen gänzlich verboten worden. In manchen Fällen verhinderte das Verbot die Einfuhr dieser Waren völlig, in anderen wurde sie durch die Beteiligung der Importeure an dem Schmuggel sehr bedeutend vermindert. Die Einfuhr ausländischer Wollwaren ist verhütet, die fremder Seidenzeuge und Sammete bedeutend vermindert worden. In beiden Fällen hat es die Zolleinnahme beseitigt.

Die hohen Zölle, die auf die Einfuhr vieler Gattungen ausländischer Waren gelegt werden, um ihren Verbrauch in Großbritannien zu erschweren, haben vielfach nur zur Begünstigung des Schmuggels gedient, in allen Fällen aber die Zolleinnahmen unter das Niveau gebracht, das sie bei mäßigeren Zöllen erreicht haben würden. Der Ausspruch Swifts, daß in der Arithmetik der Zölle zweimal zwei mitunter nicht vier, sondern nur eins macht, ist in Betreff so hoher Zölle vollkommen wahr, die nie aufgelegt worden wären, wenn uns das Merkantilsystem nicht gelehrt hätte, die Besteuerung vielfach als ein Instrument nicht der Staatseinnahmen, sondern des Monopols anzuwenden.

Die Prämien, welche zuweilen auf die Ausfuhr heimischer Produkte und Industrieerzeugnisse, und die Rückzölle, die auf die Wiederausfuhr der meisten ausländischen Waren gezahlt werden, haben zu vielen Betrügereien und zu einer Art Schmuggel Anlaß gegeben, die für die Staatseinnahmen noch verderblicher ist. Es. ist notorisch, daß man, um die Prämie oder den Rückzoll zu erhalten, die Waren manchmal verschifft und in See geschickt hat, um sie bald darauf in einer anderen Gegend des Landes heimlich wieder einzuführen. Die Verkürzung der Zolleinahmen durch die Prämien und Rückzölle, die <241> vielfach durch Betrug erlangt werden, ist sehr bedeutend. Der Bruttoertrag der Zölle belief sich im Jahre 1754 auf £ 5,068,000. Die aus diesen Einnahmen gezahlten Prämien betrugen, obgleich in diesem Jahre auf Getreide keine Prämie gewährt wurde, £ 167,800; die Rückzölle £ 2,156,800, Prämien und Rückzölle zusammen £ 2,324,600. Infolge dieser Abzüge betrug die Zolleinnahme nur £ 2,743,400, und nach weiterem Abzug von £ 287,900 für Gehälter und andere Verwaltungskosten bleibt als reine Zolleinnahme für jenes Jahr £ 2,455,500. Die Verwaltungskosten belaufen sich mithin auf 5 -- 6 Prozent der Bruttoeinnahme und auf mehr als zehn Prozent der nach Abzug der Prämien und Rückzölle bleibenden Einnahme.

Bei diesen hohen Zöllen auf fast alle Einfuhren schmuggeln unsre Importeure so viel und verzollen so wenig wie sie können. Unsre Exporteure dagegen geben mehr an, als sie ausführen, sei es aus Eitelkeit und um für große Verkäufer zollfreier Waren zu gelten, sei es um Prämien oder Rückzölle zu gewinnen. Infolge dieser betrügerischen Handlungen erscheinen in unseren Ausweisen die Ausfuhren weit größer als die Einf uhren zum unaussprechlichen Behagen der Politiker, die die Volkswohlfahrt nach ihrer sogenannten Handelsbilanz messen.

Alle Einfuhren, die nicht, wie es bei einigen wenigen der Fall ist, ausdrücklich ausgenommen sind, unterliegen Zöllen. Waren, die nicht im Zolltarif aufgeführt sind, werden zu 4 sh. 9 9 / 20 d. auf jede 20 sh. des vom Importeur eidlich anzugebenden Wertes verzollt, d. h. ungefähr zum Betrage der fünf Subsidien. Der Zolltarif ist sehr umfassend und enthält eine Menge Artikel, die selten vorkommen und daher wenig bekannt sind. Es ist deshalb oft zweifelhaft, unter welchen Artikel eine bestimmte Ware fällt, und welchen Zoll sie folglich entrichten soll. Mißgriffe in diesem Punkte richten zuweilen den Zoll <242> beamten zu Grunde, und verursachen dem Importeur viel Mühe, Kosten und Plackerei. Im Punkte der Durchsichtigkeit, Genauigkeit und Bestimmtheit stehen daher die Zölle den Akziseabgaben weit nach.

Damit die Staatsangehörigen nach Verhältnis ihrer Ausgaben zu den Staatseinnahmen beitragen, ist es nicht nötig, daß jeder einzelne Artikel dieser Ausgaben besteuert werde. Die durch die Akzise erhobene Summe dürfte die Steuerpflichtigen ebenso gleichförmig treffen, wie die durch die Zölle aufgelegte; und die Akziseabgaben sind nur auf wenige Artikel von allgemeinstem Gebrauch und Konsum gelegt. Viele Leute sind der Meinung, daß bei richtiger Handhabung auch die Zölle ohne allen Verlust für die Staatseinnahmen und zu großem Vorteil für den auswärtigen Handel auf wenige Artikel beschränkt werden können.

Die auswärtigen Waren allgemeinsten Gebrauchs und Konsums sind in Großbritannien dermalen hauptsächlich fremde Weine und Branntweine, einige Produkte Amerikas und Westindiens, Zucker, Rum, Tabak, Kakao usw. und einige ostindische Waren, Tee, Kaffee, Porzellan, allerlei Gewürz, manche Sorten Manufakte usw. Diese verschiedenen Artikel gewähren gegenwärtig wohl den größten Teil der Zolleinnahmen. Die Steuern, die gegenwärtig auf auswärtige Industrieartikel bestehen, haben mit Ausnahme der wenigen in der obigen Aufzählung enthaltenen, meistenteils nicht einen fiskalischen, sondern den monopolistischen Zweck, unseren Kaufleuten einen Vorteil auf dem inländischen Markte zu verschaffen. Durch Entfernung aller Verbote und Unterwerfung aller auswärtigen Industrieerzeugnisse unter so mäßige Steuern, wie sie erfahrungsgemäß bei allen Artikeln die größten Einnahmen liefern, würden unsere Arbeiter noch immer einen beträchtlichen Vorsprung auf dem einheimischen Markte behalten, und viele Artikel <243> die gegenwärtig gar keine oder nur sehr geringfügige Einnahmen liefern, würden sehr bedeutende gewähren.

Hohe Steuern bringen oft, teils weil sie den Verbrauch vermindern, teils weil sie den Schmuggel befördern, der Regierung geringere Einnahmen, als sie aus mäßigeren Steuern zu erhalten wären.

Rührt die Verminderung der Einnahmen von der Verminderung des Verbrauchs her, so gibt es nur eine Abhülfe, und das ist die Ermäßigung der Steuer.

Rührt die Verminderung der Einnahmen aber von der Ermutigung her, die dem Schmuggel zu teil wird, so mag es zweiMittel dagegen geben; entweder die Schwächung des Reizes zum Schmuggel oder die Verstärkung seiner Schwierigkeit. Der Reiz zum Schmuggel kann nur durch Ermäßigung der Steuer vermindert werden, und die Schwierigkeit zu schmuggeln kann nur durch Einsetzung eines Verwaltungssystems vergrößert werden, das geeignet ist, ihn zu verhüten.

Die Akzisegesetze beengen und verhindern, wie die Erfahrung zu lehren scheint, die Tätigkeit der Schmuggler weit wirksamer, als die Zollgesetze. Durch Einführung eines der Akziseverwaltung möglichst ähnlichen Verwaltungssystems in das Zollwesen dürfte die Schwierigkeit des Schmuggelns bedeutend erhöht werden, und diese Änderung wäre, nach dem Urteil Vieler, sehr leicht.

Dem Importeur zollpflichtiger Waren, meint man, könnte gestattet werden, nach freier Wahl sie in ein eignes Lagerhaus zu bringen, oder sie in einem auf seine oder auf Staatskosten errichteten Lagerhause, das unter Verschluß des Zollbeamten bhebe, und nur in seiner Gegenwart geöffnet werden dürfte, niederzulegen. Brächte der Kaufmann die Waren in sein eignes Lagerhaus, so müßte der Zoll sogleich bezahlt und niemals ein Rückzoll bewilligt werden ; das Lagerhaus selbst aber müßte dem Besuch und der Untersuchung des Zollbeamten je <244> derzeit unterworfen sein, damit er sich überzeugen künne, in wie weit die in dem Hause gelagerte Warenmenge mit der verzollten übereinstimmt. Brächte der Kaufmann die Waren in ein öffentliches Lagerhaus, so müßte nicht eher ein Zoll davon gezahlt werden, bis sie für die heimische Verzehrung daraus genommen würden. Zum Zwecke der Ausfuhr, die durch geeignete Mittel nachzuweisen wäre, müßten sie zollfrei herausgenommen werden dürfen. Die Verkäufer solcher Waren, ob Groß- oder Kleinhändler, müßten jederzeit des Besuches der Zollbehörde gewärtig und verpflichtet sein, durch Zeugnisse die Verzollung der in ihren Läden oder Lagerhäusern befindlichen Warenmenge nachzuweisen. Die sogenannte Akziseabgabe auf eingeführten Rum wird gegenwärtig auf dieseWeise erhoben, und dasselbe System könnte vielleicht auf alle Einfuhrzölle ausgedehnt werden, vorausgesetzt daß diese Zölle, gleich den Akziseabgaben, sich nur auf wenige Waren des allgemeinsten Gebrauchs und Konsums beschränkten. Erstreckten sie sich, wie jetzt, auf fast alle Sorten von Waren, so ließen sich nicht leicht öffentliche Lagerhäuser von hinlänglichem Umfange errichten, und Waren von sehr delikater Natur, oder deren Behandlung viel Sorgfalt erfordert, können von dem Kaufmann mit Sicherheit nur auf seinem eignen Lager aufbewahrt werden.

Wenn durch ein solches Verwaltungssystem der Schmuggel selbst bei ziemlich hohen Zöllen vermieden werden könnte ; und wenn die Zölle erhöht oder ermäßigt würden, je nachdem sie die größte Einnahme erwarten lassen; wenn also die Besteuerung nur als ein Mittel zu Finanzzwecken und niemals als ein Werkzeug des Monopols angewendet würde, so ist es nicht unwahrscheinlich, daß aus den Einfuhrzöllen weniger Warensorten allgemeinsten Gebrauchs und Konsums eine dem gegenwärtigen Reinertrage der Zölle wenigstens gleichkommende <245> Einnahme zu ziehen wäre, und daß so den Zöllen derselbe Grad von Einfachheit und Bestimmtheit gegeben werden könnte, wie den Akziseabgaben. Was der Staat jetzt an Rückzöllen bei der Wiederausfuhr von ausländischen Waren, die heimlich wieder ins Land gebracht werden, verliert, würde unter diesem System erspart. Käme zu dieser schon sehr bedeutenden Ersparnis noch die Aufhebung aller Ausfuhrprämien, soweit sie nicht Rückzölle sind, so kann nicht wohl bezweifelt werden, daß der Reinertrag der Zölle dem bisherigen reichlich gleich sein würde.

Wenn bei einem solchen Systemwechsel die Staatseinnahmen keinen Verlust erleiden, so würde dagegen Handel und Industrie (the trade and manufactures) sicherlich dabei sehr bedeutend gewinnen. Der Handel mit den zollfreien Waren, der bei weitem größten Zahl, wäre vollkommen frei, und könnte von und nach allen Teilen der Welt mit allem Vorteil, der irgend möglich ist, betrieben werden. Diese Kategorie würde alle Lebensbedürfnisse und alle Rohstoffe umfassen. Soweit die freie Einfuhr der Lebensdürfnisse ihren durchschnittlichen Geldpreis auf dem inländischen Markte ermäßigt, würde sie auch den Geldpreis der Arbeit ermäßigen, ohne irgenwie ihre tatsächliche Belohnung zu schmälern. Der Wert des Geldes richtet sich nach der Menge der Lebensbedürfnisse, die man damit kaufen kann; der Wert der Lebensbedürfnisse aber ist ganz unabhängig von der Menge des Geldes, die für sie zu erhalten ist. Der verminderte Geldpreis der Arbeit würde notwendig von einer verhältnismäßigen Ermäßigung des Preises aller einheimischen Industrieerzeugnisse begleitet sein, die dadurch auf allen ausländischen Märkten leichteren Absatz finden würden. Noch mehr würde der Preis mancher Industrieerzeugnisse durch die freie Einfuhr der Rohstoffe ermäßigt werden. Könnte man rohe Seide aus China und Hindostan zoll <246> frei einführen, so könnten die Seidenwaren in England die französischen und italienischen weit unterbieten, und es fehlte dann der Anlaß, die Einfuhr fremder Seidenwaren und Sammete zu verbieten. Die Wohlfeilheit ihrer Waren würde unseren Arbeitern nicht nur den Besitz des heimischen, sondern auch die Verfügung über den ausländischen Markt in hohem Maße sichern. Auch der Handel in den zollpflichtigen Waren würde weit vorteilhafter zu betreiben sein, als dies jetzt der Fall ist. Wenn diese Waren aus dem öffentlichen Lagerhause zur Ausfuhr zollfrei geliefert würden, so wäre der Handel in ihnen vollkommen frei. Der Zwischenhandel in allen Warengattungen würde unter diesem System jeden möglichen Vorteil genießen. Werden die Waren für den heimischen Verbrauch ausgeliefert, so braucht der Importeur den Zoll nicht eher zu bezahlen, als bis er sie an einen Händler oder Verbraucher verkauft hat, und kann sie mithin jederzeit wohlfeiler ablassen, als wenn er den Zoll im Augenblick der Einfuhr hätte vorlegen müssen, und so würde auch der auswärtige Handel zur inneren Konsumtion selbst in zollpflichtigen Waren auf diese Weise weit vorteilhafter betrieben werden, als es jetzt möglich ist.

Es war derZweck des berühmten Steuerreformplans Sir Robert Walpoles, bei Wein und Tabak ein dem hier vorgeschlagenen ziemlich ähnliches System einzuführen. Aber obwohl die damals im Parlament eingebrachte Bill nur diese beiden Waren betraf, glaubte man doch allgemein, es sei damit auf die Einleitung zu einem viel weiter gehenden Plane abgesehen. Parteiwesen im Bunde mit dem Interesse der Schmuggler erhob so gewaltigen Lärm gegen diese Bill, daß der Minister es für geraten hielt, sie fallen zu lassen, und keiner seiner Nachfolger, aus Furcht denselben Lärm zu erregen, den Mut hatte, den Plan wieder aufzunehmen. <247>

Die Zölle auf die Einfuhr ausländischer Luxusgegenstände fallen nur zuweilen auf den Armen, hauptsächlich aber auf Leute der mittleren und höheren Stände. Dahin gehören z. B. die fremden Weine, Kaffee, Schokolade, Tee, Zucker usw.

Die Zölle auf die billigeren Luxusgegenstände heimischer Produktion fallen ziemlich gleichmäßig auf alle Stände im Verhältnis ihres Verbrauchs. Der Arme zahlt die Zölle auf Malz, Hopfen, Bier und Ale, die er selbst verbraucht; der Reiche zahlt sie für sich und seine Dienerschaft.

Der Gesamtverbrauch der unteren Stände ist, wie beachtet werden muß, in allen Ländern nicht nur der Menge, sondern auch dem Werte nach größer als die der mittleren und höheren Stände. Die Gesamtausgaben der niederen Stände sind weit größer als die der höheren Stände. Erstens wird fast das gesamte Kapital eines Landes unter die niederen Stände jährlich als Lohn für produktive Arbeit verteilt. Zweitens wird ein großer Teil der aus der Bodenrente und dem Kapitalgewinn herrührenden Einkünfte jährlich unter dieselbe Klasse als Lohn und Unterhalt der Dienstboten und anderer unproduktiver Arbeiter verteilt. Ein Teil der Kapitalgewinne gehört drittens der nämlichen Volksklasse als Einnahme, die aus der Anlage ihrer kleinen Kapitalien herrülirt. Der Betrag der von kleinen Krämern und Geschäftsleuten aller Art jährlich gemachten Gewinne ist überall sehr bedeutend und macht einen beträchtlichen Teil des Jahresertrags aus. Viertens und letztens gehört selbst ein Teil der Grundrente demselben Stande: ein beträchtlicher Teil denen, die etwas unter dem Mittelstande stehen, und ein kleiner Teil sogar dem niedersten Stande; denn zuweilen besitzen Arbeiter einen oder zwei Morgen Land. Im einzelnen genommen sehr klein, sind die Ausgaben der niederen Stände <248> zusammengenommen, bei weitem der größte Teil der Gesamtausgaben des Volks; und was von der jährlichen Produktion des Landes für den Verbrauch der höheren Stände übrig bleibt, ist stets nicht nur an Menge, sondern auch an Wert viel geringer. Die Verbrauchssteuern, welche hauptsächlich auf die Ausgaben der oberen Stände, also den geringeren Teil der Jahresproduktion fallen, werden mithin viel weniger ergeben, als diejenigen, welche ohne Unterschied auf die Ausgaben aller Stände oder vorwiegend auf die der unteren Stände, d. h. entweder ohne Unterschied auf die gesamte Jahresproduktion oder vorwiegend auf den größeren Teil von ihr fallen. Deshalb ist die Akzise auf die Materialien und die Verfertigung gegohrener und spirituoser Getränke unter allen Verbrauchssteuern bei weitem die ergiebigste; und diese Abgaben fallen zu einem erheblichen Teil oder fast ausschließlich auf die Ausgaben der gewöhnlichen Leute. Im Jahre 1774/75 betrug der Rohertrag dieser Steuergattung £ 3,341,387.

Man muß jedoch stets festhalten, daß nur die Luxus- und nicht die notwendigen Ausgaben der unteren Volksklassen besteuert werden dürfen. Die schließliche Bezahlung jeder auf ihre notwendigen Ausgaben gelegten Steuer würde lediglich auf die oberen Stände, auf den kleineren Teil der Jahresproduktion, und nicht auf den größeren fallen. Eine solche Steuer muß in allen Fällen entweder den Arbeitslohn erhöhen, oder die Nachfrage nach Arbeitskräften vermindern. Sie kann den Arbeitslohn nicht erhöhen, ohne die schließliche Zahlung der Steuer auf die oberen Stände zu werfen. Sie kann die Nachfrage nach Arbeitskräften nicht vermindern, ohne die jährliche Produktion des Landes, den Fonds, aus welchem alle Steuern am Ende gezahlt werden müssen, zu vermindern. Wie sehr aber auch eine derartige Steuer die Nachfrage nach Arbeitskräften ermäßigen mag, <249> so muß sie doch stets den Arbeitslohn über das Niveau erheben, das er sonst bei gleicher Nachfrage einnehmen würde, und die schließliche Bezahlung des erhöhten Lohnes fällt in allen Fällen auf die höheren Stände. Gegohrene und spirituose Getränke, die nicht zum Verkauf, sondern zum eigenen Gebrauch gebraut oder destilliert werden, unterliegen in Großbritannien keiner Akzise. Diese Befreiung, die den Zweck hat, den Familien die lästigen Besuche und Nachforschungen der Steuereinnehmer zu ersparen, läßt die Last dieser Steuern oft weit leichter auf die Reichen als auf die Armen fallen. Es ist allerdings nicht sehr üblich, zum bloßen Privatgebrauch zu destillieren. Auf dem Lande aber brauen viele mittlere und fast alle reichen und großen Familien ihr eigenes Bier. Ihr starkes Bier kostet sie also per Faß 8 sh. weniger, als den Brauer, der sowohl von der Steuer wie von seinen anderen Auslagen seinen Gewinn haben muß. Solche Familien trinken mithin ihr Bier wenigstens 9 oder 10 sh. per Faß billiger, als gewöhnliche Leute, für die es überall bequemer ist, ihr Bier im kleinen aus der Brauerei oder dem Bierhause zu entnehmen. Ebenso ist Malz, das für den eigenen Verbrauch einer Familie gemacht wird, von den Visitationen der Steuereinnehmer frei; doch muß in diesem Falle die Familie sich mit 7 1 / 2 sh. per Kopf abfinden, soviel wie die Akziseabgabe für zehn Bushel Malz beträgt; eine Menge, die vollkommen für den Durchschnittsverbrauch einer mäßigen Familie ausreicht. Allein in reichen und großen Familien, wo ländliche Gastfreiheit herrscht, macht das von der Familie selbst genossene Bier nur einen kleinen Teil des gesamten Verbrauchs des Hauses aus. Indessen ist, sei es wegen jener Beschränkung oder aus anderen Gründen, es lange nicht so üblich, für den Privatgebrauch zu mälzen als zu brauen. Es ist schwer, einen vernünftigen Grund zu finden, warum diejenigen. <250> die zu ihrem Pivatgebrauche brauen oder destillieren, nicht gleichfalls einer Abfindung unterworfen werden sollten.

Es ist oft gesagt worden, daß größere Einnahmen als jetzt aus all' den hohen Steuern auf Malz, Bier und Ale gewonnen werden, durch eine viel leichtere Steuer auf Malz zu erhalten seien, da die Gelegenheit zu Unterschleifen in den Brauereien viel günstiger sei, als in den Malzhäusern, und diejenigen, die für ihren Privatgebrauch brauen, von allen Steuern oder Beschränkungen befreit sind, diejenigen, die für ihren Privatgebrauch Malz machen, aber nicht.

In der Londoner Porter-Brauerei werden aus einem Quarter Malz gewöhnlich mehr als 2 1 / 2 , zuweilen 3 Fässer (barrels) Porter gebraut. Die verschiedenen Steuern auf Malz belaufen sich auf 6 sh. vom Quarter; die auf starkes Bier und Ale betragen 8 sh. vom Faß. In der Porter-Brauerei machen also die verschiedenen auf Malz, Bier und Ale gelegten Steuern 26 -- 30 sh. auf das Produkt von einem Quarter Malz aus. In den Brauereien auf dem Lande, die für den Verkauf brauen, werden aus dem Quarter Malz selten weniger als 2 Fässer starkes und 1 Faß schwaches Bier, oft 2 ^l-i Faß starkes Bier gemacht. Die verschiedenen Steuern auf schwaches Bier betragen per Faß 1 sh. 4d. Bei der Brauerei auf dem Lande betragen daher die verschiedenen Steuern selten weniger als 23 sh. 4 d., oft 26 sh. von dem Produkte eines Quarters Malz. Im Durchschnitt kann man also den Gesamtbetrag der Steuern auf Malz, Bier und Ale im Königreich auf mindesten 24 -- 25 sh. vom Produkte eines Quarters Malz schätzen. Bei einer Beseitigung aller Steuern auf Bier und Ale und Verdreifachung der Malzsteuer, d. h. ihrer Erhöhung von 6 auf 18 sh. vom Quarter Malz würden, wie man sagt, größere Einnahmen erzielt werden als jetzt aus all' jenen höheren Steuern. <251>

£ . sh. d.
1772 brachte die alte Malzsteuer 722,023 11 11
die Zuschlagssteuer 356,776 7 9 3 / 4
1773 brachte die alte Steuer 561,627 3 7 1 / 2
die Zuschlagssteuer 278,650 15 3 3 / 4
1774 brachte die alte Steuer 624,614 17 5 3 / 4
die Zuschlagssteuer 310,745 2 8 1 / 2
1775 brachte die alte Steuer 657,357 -- 8 1 / 4
die Zuschlagssteuer 323,785 12 6 1 / 4
4) 3,835,580 12 - 3 / 4
Durchschnitt dieser vier Jahre 958,895 3 - 3 / 16
1772 brachte die Landakzise 1,243,128 5 3
die Londoner Brauerei 408,260 7 2 3 / 4
1773 brachte die Landakzise 1,245,808 3 3
die Londoner Brauerei 405,406 17 10 1 / 2
1774 brachte die Landakzise 1,246,373 14 5 1 / 2
die Londoner Brauerei 320,601 18 - 1 / 4
1775 brachte die Landakzise 1,214,583 6 1
die Londoner Brauerei 463,670 7 - 1 / 4
4) 6,547,832 19 2 1 / 4
Durchschnitt dieser vier Jahre 1,636,958 4 9 1 / 2
Dazu den Durchschnitt der Malzsteuer 958,895 3 - 3 / 16
Gesamtertrag 2,595,853 7 9 14 / 16
Bei Verdreifachung der Malzsteuer oder Erhöhung von 6 auf 18 sh., würde diese Steuer allein ergeben 2,876,685 9 - 9 / 16
Also mehr 280,832 1 2 14 / 16

Tatsächlich ist in der alten Malzsteuer eine Steuer von 4 sh. auf den OxhoftZider und eine andere von 10 sh. auf das Faß Mumme inbegriffen. 1774 brachte die Steuer auf produzierten Zider nur £ 3,083, wahrscheinlich <252> etwas weniger als gewöhnlich, da alle Steuern auf Zider in diesem Jahre weniger als gewöhnlich brachten. Die Steuer auf Mumme, obgleich weit höher, ist wegen des geringen Verbrauchs noch weniger einträglich. Um aber den gewöhnlichen Betrag dieser beiden Steuern auszugleichen, wird unter der sogenannten Landakzise noch begriffen: erstens die alte Akzise von 6 sh. 8 d. auf den Oxhoft Zider; zweitens eine gleiche Steuer auf den Oxhoft Obstessig; drittens eine Steuer von 8 sh. 9 d. auf den Oxhoft Weinessig; endlich eine Steuer von 11 d. auf die Gallone Meth: und der Ertrag dieser verschiedenen Steuern wird wahrscheinlich den Ertrag der sogenannten Malzsteuer auf Zider und Mumme reichlich aufwiegen. Malz wird nicht nur zum Bier- und Alebrauen, sondern auch bei der Bereitung der Branntweine und Spirituosen gebraucht. Wenn die Malzsteuer auf 18 sh. vom Quarter erhöht wurde, so würde es vielleicht nötig sein, an den anderen Akziseabgaben auf diese Sorten Branntweine und Spirituosen etwas nachzulassen. In den sogenannten Malzspriten macht das Malz gewöhnlich nur den dritten Teil aus; die beiden anderen Teile sind rohe Gerste, oder 1 / 3 Gerste und 1 / 3 Weizen. Bei der Destillation der Malzsprite ist sowohl die Gelegenheit als die Versuchung zum Unterschleif weit größer als in einer Brauerei oder einem Malzhause; die Gelegenheit, weil die Ware von geringerem Umfang und größerem Wert ist, und die Versuchung, weil die Abgaben höher sind und sich auf 3 sh. 10 2 / 3 d.11 für die Gallone belaufen. Durch Erhöhung der Steuer auf Malz und ihre Ermäßigung auf die Destillation würde sowohl die Gelegenheit wie die <253> Versuchung zum Unterschleif geringer werden, was eine weitere Vermehrung der Staatseinnahmen veranlassen dürfte.

Vor einiger Zeit beabsichtigte man, den Verbrauch spirituoser Getränke, wegen ihrer vorausgesetzten Gefährlichkeit für Gesundheit und Sittlichkeit einzuschränken. Dieser Absicht gemäß würde der Steuernachlaß auf die Destillation nicht so groß sein dürfen, um den Preis dieser Getränke zu ermäßigen. Spirituose Getränke dürfen so teuer bleiben, wie je; aber gleichzeitig sollte das gesunde und stärkende Bier erheblich wohlfeiler werden. So könnte das Volk von einer der Lasten, über die es sich jetzt am meisten beklagt, teilweise befreit werden, während gleichzeitig die Staatseinnahmen sich beträchtlich vermehrten.

Die Einwürfe des Dr. Davenant gegen diese Veränderung im bestehenden System der Akziseabgaben scheinen ohne Grund zu sein. Seine Einwürfe sind, daß die Steuer, anstatt sich wie jetzt ziemlich gleichmäßig auf den Gewinn des Mälzers, des Brauers und des Schankwirtes zu verteilen, lediglich auf den des Mälzers fallen würde, daß der Mälzer den Betrag der Steuer nicht so leicht in dem erhöhten Preise des Malzes zurückerhalten könnte, wie der Brauer und der Schankwirt in dem erhöhten Preise des Getränkes ; und daß endlich eine so hohe Steuer auf Malz die Rente und den Gewinn von Gerstenland vermindern würde.

Keine Steuer kann auf die Dauer den Gewinnsatz in einem Geschäfte vermindern, da alle Geschäfte einer Gegend einander die Wage halten müssen, die jetzigen Abgaben von Malz, Bier und Ale haben keinen Einfluß auf die Gewinne der betr. Geschäftsleute, welche sämtlich die Steuer samt einem Gewinn in dem erhöhten Preise ihrer Waren zurückerhalten. Allerdings kann eine Steuer die besteuerte Ware so teuer machen, daß <254> ihr Verbrauch abnimmt. Allein das Malz wird im Bier verbraucht, und eine Steuer von 18 sh. per Quarter Malz kann dieses Getränk nicht wohl teurer machen, als es die jetzigen Steuern tun, die sich auf 24 -- 25 sh. belaufen. Im Gegenteil würden diese Getränke wahrscheinlich wohlfeiler werden, und ihr Verbrauch eher zunehmen als abnehmen.

Es ist nicht wohl einzusehen, warum es dem Mälzer schwerer werden sollte, in dem erhöhten Preis seines Malzes 18 sh. zurückzuerhalten, als jetzt dem Brauer, 24 -- 25, auch wohl 30 sh. im Preise des Biers. Allerdings würde der Mälzer statt einer Steuer von 6 sh . eine von 1 8 sh . per Quarter Malz vorzulegen haben. Der Brauer aber ist jetzt genötigt, eine Steuer von 24 -- 25, auch wohl 30 sh. per Quarter Malz, den er zum Brauen braucht, vorzuschießen. Es kann für den Mälzer nicht nachteiliger sein, eine geringere Steuer vorzuschießen, als es gegenwärtig für den Brauer ist, eine höhere auszulegen. Der Malzvorrat, den der Mälzer auf seinen Böden hat, erfordert nicht immer eine längere Zeit zum Absatz, als der Biervorrat eines Brauers. Die Umsätze des ersteren sind also nicht langsamer als die des letzteren. Sollte aber wirklich für den Mälzer aus der Nötigung, eine höhere Steuer vorzuschiessen, ein Nachteil entstehen, so ließe sich dem leicht dadurch abhelfen, daß ihm einige Monate länger Kredit gegeben würde, als jetzt dem Brauer gegeben zu werden pflegt.

Die Rente und der Gewinn von Gerstenland können nicht geringer werden, wenn der Bedarf an Gerste nicht geringer wird. Ein Systemwechsel, der die Abgaben von einem zu Bier verbrauten Quarter Malz von 24 -- 25 auf 18 sh. herabsetzt, würde aber diesen Bedarf eher vermehren als vermindern. Überdies muß die Rente und der Gewinn von Gerstenland denen von anderem gleich fruchtbaren und gleich gut angebauten Lande stets nahezu <255> gleichstehen. Wären sie geringer, so würde bald ein Teil des Gerstenlandes zu anderen Zwecken verwendet werden; wären sie größer, so würde bald mehr Land mit Gerste bebaut werden. Wenn der gewöhnliche Preis eines Bodenproduktes ein sogenannter Monopolpreis ist, so setzt eine Steuer die Rente und den Gewinn des betr. Bodens herab. Eine Steuer auf das Produkt jener kostbaren Weinberge, deren Wein so weit hinter der wirksamen Nachfrage zurückbleibt, daß sein Preis stets unverhältnismäßig höher ist, als der der Produkte anderen gleich fruchtbaren und gleich gut angebauten Bodens, würde allerdings die Rente und den Gewinn jener Weinberge vermindern. Da der Preis der Weine schon der höchste ist, der sich von der gewöhnlich an den Markt kommenden Menge erhalten läßt, so kann er nicht wohl höher steigen, wenn nicht die Menge geringer wird, und diese läßt sich nicht ohne noch größeren Verlust verringern, weil das Land nicht zu einer anderen ebenso wertvollen Produktion verwendet werden kann. Mithin würde die ganze Last der Steuer auf die Rente und den Gewinn, oder eigentlich nur auf die Rente des Weinberges fallen. Als man den Vorschlag machte, eine neue Steuer auf Zucker zulegen, klagten unsere Zuckerpflanzer häufig, daß die volle Steuer nicht auf den Konsumenten, sondern auf den Produzenten falle, da sie durchaus nicht im Stande seien, ihren Zucker nach Einführung der Steuer teurer zu verkaufen, als vorher. Der Preis war, scheint es, vor der Steuer ein Monopolpreis gewesen, und der Grund, der beweisen sollte, daß der Zucker kein geeignetes Steuerobjekt sei, bewies vielmehr, daß er es war: denn die Gewinne der Monopolisten sind, wenn man sie treffen kann, gewiß unter allen Steuerobjekten das geeignetste. Der gewöhnliche Preis der Gerste ist aber niemals ein Monopolpreis gewesen, und die Rente und der Gewinn von Gerstenboden war <256> niemals unverhältnismäßig höher, als der von anderem gleich fruchtbaren und gleich gut angebauten Boden. Die Steuern auf Malz, Bier und Ale haben niemals den Preis der Gerste ermäßigt, haben niemals die Rente und den Gewinn von Gerstenland vermindert. Der Preis des Malzes ist stets im Verhältnis zu den darauf gelegten Steuern gestiegen, und diese nebst den Abgaben von Bier und Ale haben beständig den Preis dieser Waren für den Konsumenten erhöht, oder, was auf dasselbe hinauskommt, ihre Beschaffenheit verringert. Die schließliche Bezahlung dieser Steuern ist beständig auf den Konsumenten und nicht auf den Produzenten gefallen.

Die einzigen, die bei dem hier vorgeschlagenen Systemwechsel Schaden erleiden würden, wären die, welche für ihren Hausgebrauch brauen. Aber die Befreiung dieser höheren Klassen von sehr hohen Steuern, die von armen Arbeitern und Handwerkern bezahlt werden müssen, ist gewiß höchst ungerecht, und sollte aufgehoben werden, auch wenn jener Systemwechsel nicht zu Stande käme. Wahrscheinlich aber war es das Interesse dieser höheren Stände, das bisher einem Systemwechsel entgegenstand, der unvermeidlich sowohl die Staatseinnahmen vermehrt, als auch dem Volke Erleichterung verschafft hätte.

Außer den Zoll- und Akziseabgaben gibt es noch andere Steuern, welche die Preise in ungleicher und mehr indirekter Weise beeinflußen. Hierher gehören die Steuern, die in Frankreich Péages heißen, die in der angelsächsischen Zeit Passagezölle genannt wurden, und die ursprünglich zu demselben Zweck erhoben worden zu sein scheinen, wie unsere Chausseegelder, oder die Zölle auf Kanal- und Flußschifffahrt, nämhch um die Straßen und Wasserwege in gutem Stande zu erhalten. Abgaben zu solchen Zwecken werden am richtigsten nach dem Umfang oder Gewicht der Waren erhoben. Da sie ursprünglich ört <257> liche und provinzielle, nur zu örtlichen und provinziellen Zwecken verwendete Abgaben waren, blieb ihre Verwaltung meistenteils der Stadt, der Gemeinde oder der Gutsherrschaft überlassen, wo sie erhoben wurden; und diese letzteren galten auf die eine oder andere Weise für die Verwendung als verantwortlich. In vielen Ländern nahm der Landesherr, der ganz unverantwortlich ist, die Verwaltung dieser Abgaben an sich; und erhöhte zwar in den meisten Fällen die Abgabe, vernachläßigte aber vielfach ihre Verwendung. Wenn die Wegezölle in Großbritannien jemals eine Einnahmequelle der Regierung werden sollten, so können wir aus dem Beispiel vieler anderer Völker lernen, was die wahrscheinliche Folge davon sein würde. Solche Zölle werden ohne Zweifel zuletzt von dem Konsumenten gezahlt; aber der Konsument ist nicht im Verhältnis seiner Ausgaben besteuert, wenn er nicht nach dem Werte, sondern nach dem Umfang oder Gewicht der Waren, die er verbraucht, zahlt. Werden solche Abgaben nicht nach dem Umfang oder Gewicht, sondern nach dem mutmaßlichen Werte der Güter bemessen, so werden sie eigentlich eine Art von Binnenzöllen, die den wichtigsten aller Handelszweige, den inneren Handel des Landes, sehr bedeutend hemmen.

In manchen kleinen Staaten werden ähnliche Abgaben von Waren erhoben, die auf dem Land- oder Wasserwege aus einem fremden Lande in ein anderes gehen und ihr Gebiet berühren. Sie heißen Transitzölle. Einige der kleinen italienischen Staaten, die am Po und den in ihn mündenden Flüssen liegen, beziehen Einnahmen aus derartigen Zöllen, die lediglich von Fremden bezahlt werden und vielleicht die einzigen Steuern sind, die ein Staat auf die Untertanen eines anderen Staates legen kann, ohne der Industrie oder dem Handel seiner eigenen Untertanen zu schaden. Der bedeutendste Tran <258> sitzoll in der Welt ist der Zoll, der vom Könige von Dänemark von den Handelsschiffen, die den Sund passieren, erhoben wird.

Steuern auf Luxusgegenstände, wie die meisten Zoll- und Akziseabgaben, fallen zwar sämtlich ohne Unterschied auf alle Einkommensarten, und werden schließlich, d. h. ohne Ersatz von den Verbrauchern der besteuerten Waren bezahlt; aber sie fallen nicht immer gleich oder verhältnismäßig auf das Einkommen der einzelnen. Da jeder seinen Verbrauch in der Hand hat, so steuert er auch mehr nach seinem Belieben, als im Verhältnis seines Einkommens; der Verschwender steuert mehr, der Sparsame weniger. Während seiner Minderjährigkeit trägt ein Reicher durch seinen Verbrauch in der Regel sehr wenig zum Unterhalt des Staates bei, unter dessen Schutz er große Einnahmen bezieht. Wer im Auslande lebt, trägt durch seinen Verbrauch gar nichts zum Unterhalt der Regierung des Landes bei, in dem die Quelle seiner Einnahmen liegt. Wenn es in einem solchen Lande keine Landtaxe noch eine bedeutende Steuer auf die Übertragungen beweglichen oder unbeweglichen Eigentums gibt, wie es in Irland der Fall ist, so beziehen solche außerhalb des Landes wohnenden ein großes Einkommen unter dem Schutze einer Regierung, zu deren Unterhalt sie nicht einen einzigen Schilling beitragen. Diese Ungleichheit ist wahrscheinlich am größten in einem Lande, das einem anderen in gewissen Beziehungen unterworfen und von ihm abhängig ist. Die Leute, die den ausgedehntesten Besitz in dem abhängigen Lande haben, werden es dann gewöhnlich vorziehen, in dem regierenden Lande zu wohnen. Genau in dieser Lage befindet sich Irland, und man kann sich daher nicht wundern, daß der Vorschlag einer Steuer auf die Abwesenden in diesem Lande so sehr populär ist. Einige Schwierigkeit würde freilich die Bestimmung haben, <259> welche Art oder welcher Grad von Abwesenheit jemanden der Steuer unterwirft, oder mit welchem Zeitpunkt die Steuer beginnen und enden soll. Abgesehen jedoch von diesem ganz eigentümlichen Verhältnis wird jede Ungleichheit in der Besteuerung der einzelnen, die aus Verbrauchssteuern entstehen kann, durch denselben Umstand, der diese Ungleichheit veranlaßt, reichlich ausgeglichen; durch den Umstand nämlich, daß jedermanns Besteuerung eine ganz freiwillige ist, da es jeder in der Hand hat, die besteuerte Ware zu verbrauchen oder nicht. Wo daher derartige Steuern richtig bemessen und auf die richtigen Waren gelegt sind, werden sie mit weniger Murren gezahlt, als jede andere. Wenn sie von dem Kaufmann oder Fabrikanten vorgeschossen werden, so trennt sie der Verbraucher, der sie schließlich zahlt, bald gar nicht mehr vom Preise der Waren, und denkt fast nicht daran, daß er eine Steuer zahlt.

Solche Steuern sind vollkommen feststehend oder können es sein, d. h. sie können so bemessen werden, daß kein Zweifel bleibt, was und wann gezahlt werden muß. Die Unbestimmtheit, die zuweilen in den Zöllen Großbritanniens oder anderer Länder platzgreift, entspringt nicht aus der Natur dieser Abgaben, sondern aus ungenauem oder ungeschicktem Ausdruck des Gesetzes.

Steuern auf Luxusartikel werden in der Regel stückweise, d. h. je nachdem der Zahlungspflichtige die Ware, auf die die Steuer gelegt ist, kauft, gezahlt. In Beziehung auf Zeitpunkt und Art der Zahlung sind sie unter allen Steuern die bequemsten. Im Ganzen entsprechen mithin solche Steuern den drei ersten Besteuerungsgrundsätzen so gut, wie irgend eine, aber sie verstoßen in jeder Beziehung gegen die vierte.

Sie erfordern im Verhältnis zu ihrem Erträgnis mehr Erhebungskosten als fast jede andere Steuer, und zwar tun sie es in den sämtlichen vier Richtungen, in denen es überhaupt geschehen kann. <260>

Erstlich erfordert ihre Erhebung bei der einsichtigsten Veranlagung eine große Zahl von Zoll- und Akzisebeamten, deren Gehälter und Sporteln eine tatsächliche Steuer sind, die dem Staate nichts einbringt. Doch sind, wie anzuerkennen ist, diese Kosten in Großbritannien mäßiger, als in den meisten anderen Ländern. Im Jahre 1774/75 belief sich der Bruttoertrag der verschiedenen unter der Verwaltung der Akzisekommission in England stehenden Abgaben auf £ 5,507,308, und die Erhebungskosten betrugen wenig mehr als 5 1 / 2 %. Von diesem Bruttoertrage müssen jedoch die Zahlungen für Prämien und Rückzölle abgezogen werden, wodurch der Reinertrag unter fünf Millionen sinkt(genau £ 4,975,652 19 sh. 6 d.). Die Erhebung der Salzsteuer, die unter einer anderen Verwaltung steht, ist weit kostspieliger. Der Reinertrag der Zölle ergibt noch nicht £ 2 1 / 2 Millionen und die Erhebungskosten betragen mehr als 10 %, wozu noch die Nebeneinnahmen der Zollbeamten kommen, die überall weit größer sind als ihre Gehälter und in manchen Häfen das Doppelte und Dreifache davon ausmachen. Wenn also die Gehälter und die anderen Nobenausgaben mehr als 10 % des Nettoerträgnisses der Zölle ausmachen, so können die gesamten Erhebungskosten inklusive der Sporteln, auf mehr als 20 oder 30 % angenommen werden. Die Akzisebeamten haben wenige oder gar keine Nebeneinnahmen, und die erst in neuerer Zeit organisierte Verwaltung dieses Finanzzweiges ist im Allgemeinen weniger verderbt, als die Zollverwaltung, in die sich allmählich viele Mißbräuche eingeschlichen und in ihr festgesetzt haben. Bei einer Auflage der Steuern, die jetzt vom Malz und Bier erhoben werden, ließen sich allein auf das Malz, wie man annimmt, mehr als £ 50,000 jährlich an den Erhebungskosten sparen. Durch Beschränkung der Zölle auf wenige Warensorten und ihre Erhebung nach Art der Akziseabgaben könnte <261> an den Erhebungskosten der Zölle wahrscheinlich eine noch weit größere Ersparnis gemacht werden.

Zweitens verursachen Verbrauchssteuern für gewisse Gewerbszweige notwendig Hemmnisse und Störungen. Da sie stets den Preis der besteuerten Waren steigern, so schädigen sie ihren Verbrauch, und mithin ihre Erzeug-ung. Ist es eine Ware heimischer Herkunft oder Industrie, so wird weniger Arbeit auf ihre Hervorbringung verwendet. Ist es eine ausländische Ware, deren Preis durch die Steuer erhöht wird, so gewinnen allerdings die gleichartigen Waren, die im Lande hergestellt werden, einen Vorteil auf dem inneren Markt, und es kann dadurch eine größere Menge heimischen Gewerbfleisses auf ihre Herstellung verwendet werden. Wenn aber diese Preiserhöhung einer ausländischen Ware auch den heimischen Fleiß in einem Gewerbszweige ermuntert, so schädigt es ihn notwendig in fast allen anderen. Je teurer der Birminghamer Fabrikant seinen ausländischen Wein kauft, desto billiger verkauft er notwendig den Teil seiner Metallwaren, mit dem oder, was auf dasselbe hinauskommt, mit dessen Preise er jenen Wein bezahlt. Dieser Teil seiner Metallwaren wird also für ihn weniger wert, und er hat weniger Ermutigung, ihn herzustellen. Je teurer die Konsumenten in einem Lande die überschüssigen Produkte eines anderen bezahlen, um so billiger müssen sie notwendig den Teil ihrer eigenen überschüssigen Produkte verkaufen, mit dem oder, was auf dasselbe hinauskommt, mit dessen Preise sie jene bezahlen. Dieser Teil ihrer eigenen überschüssigen Produkte wird für sie weniger wert, und sie haben weniger Ermutigung, seine Menge zu steigern. Alle Steuern auf Verbrauchsgegenstände haben daher die Neigung, die Menge produktiver Arbeit unter das Maß herabzudrücken, das sie sonst erreichen würde, sei es, daß sie auf Herstellung der besteuerten <262> Waren gerichtet würde, wenn sie heimische Waren sind, oder auf Herstellung solcher Waren, mit denen ausländische Gegenstände gekauft werden. Auch verändern solche Steuern immer mehr oder weniger die natürliche Richtung des nationalen Gewerbfleisses, und leiten ihn in einen andern Kanal, als in den er von selbst geflossen sein würde.

Drittens gibt die Hoffnung, sich solchen Steuern durch Schmuggel entziehen zu können, oft Veranlassung zu Beschlagnahmen und Geldstrafen, die den Schmuggler gänzlich zu Grunde richten, eine Person, die, obwohl zweifellos äusserst tadelnswert als Übertreter der Gesetze ihres Landes, doch oft unfähig ist, die Gesetze der natürlichen Gerechtigkeit zu verletzen, und in jeder Beziehung ein vortrefflicher Bürger gewesen sein würde, wenn nicht die Gesetze des Landes zu einem Verbrechen gemacht hätten, was die Natur niemals dazu stempelte. Unter verderbten Regierungen, die wenigstens im Verdacht stehen, zu viel unnützen Aufwand zu machen und die Staatseinnahmen höchlichst zu mißbrauchen, werden die sie schützenden Gesetze wenig geachtet. Wenige Leute machen sich aus dem Schmuggel ein Gewissen, wenn sie ohne Meineid eine leichte und sichere Gelegenheit dazu finden. Gewissensbedenken vorzuschützen gegen den Kauf geschmuggelter Waren, der gleich wohl eine offenbare Förderung der Gesetzesübertretung und des diese fast stets begleitenden Meineids ist, würde in den meisten Ländern für eines jener pedantischen Scheinheiligkeitsstückchen gelten, die, anstatt bei irgend jemandem Vertrauen zu finden, die Person, die sie zu hegen vorgibt, gar noch in den Verdacht bringen können, ein größerer Schelm zu sein, als die meisten Leute ihrer Umgebung. Durch diese Nachsicht des Publikums wird der Schmuggler oft bestärkt, ein Gewerbe fortzusetzen, das er als gewissermaßen unschuldig betrachten gelernt hat; und wenn die <263> Schwere der Finanzgesetze auf ihn fallen will, so verteidigt er oft gewaltsam, was er als sein rechtmäßiges Eigentum anzusehen gewohnt ist. Aus einem unbesonnenen, der er anfänglich vielleicht eher als ein Verbrecher war, wird er zuletzt nur zu oft einer der kühnsten und entschlossensten Übertreter der Gesetze der Gesellschaft. Durch den Untergang des Schmugglers wird sein Kapital, das zuvor produktive Arbeit beschäftigt hatte, von den Einnahmen entweder des Staats oder der Steuerbeamten verschlungen, und unterhält nun unproduktive Arbeit, zur Beeinträchtigung des allgemeinen Volkskapitals und des nützlichen Fleißes, den es sonst unterhalten hätte. Viertens unterwerfen solche Steuern wenigstens die Geschäftsleute, die mit den besteuerten Waren zu tun haben, häufigen Besuchen und gehässigen Nachforschungen der Steuereinnehmer, und setzen sie dadurch zweifellos manchmal Erpressungen, und stets Belästigungen und Plackereien aus; und wenn diese, wie bereits bemerkt, streng genommen auch keine Kosten sind, so kommen sie doch den Kosten gleich, die jeder gern anwenden würde, um sich davon zu befreien. Die Akzisegesetze, obwohl wirksamer ihrem Zwecke dienend, sind in dieserHinsicht lästiger als die Zölle. Hat ein Kaufmann zollpflichtige Waren eingeführt, den Zoll bezahlt und sie in sein Lagerhaus gebracht, so ist er meist keiner weiteren Belästigung von Seiten der Zollbeamten ausgesetzt. Anders bei akzisepflichtigen Waren, wo die betreffenden Geschäftsleute vor den Besuchen und Nachforschungen der Steuerbearaten niemals Ruhe haben. Die Akziseabgaben sind daher auch unpopulärer als die Zölle, und ebenso die Akzisebeamten, die zwar im Allgemeinen vielleicht ebenso wie die Zollbeamten nur ihre Pflicht tun, aber in der Regel, da ihre Pflicht sie zwingt, den Leuten oft sehr beschwerlich zu werden, eine gewisse Rauheit annehmen, welche die andern nicht haben. Übrigens mag dieser Vorwurf <264> vielleicht nur von den betrügerischen Geschäftsleuten ausgehen, deren Schmuggel durch ihre Wachsamkeit entweder verhindert oder entdeckt wird.

Indessen belästigen die Übelstände, die von Verbrauchssteuern vielleicht bis auf einen gewissen Grad unzertrennlich sind, in Großbritannien das Volk so wenig, wie es in irgend einem Lande von annähernd ebenso kostspieliger Verwaltung der Fall sein kann. Unsere Zustände sind nicht vollkommen und können verbessert werden: aber sie sind so gut oder besser als die der meisten unserer Nachbarn.

In Folge der Anschauung, daß Verbrauchssteuern Steuern auf den Gewinn der Kaufleute seien, wurden sie in einigen Ländern bei jedem neuen Verkauf der Waren wiederholt. Wurde der Gewinn des Importeurs oder des Fabrikanten besteuert, so schien die Billigkeit zu fordern, daß auch der Gewinn aller derer, die zwischen jenen und dem Verbraucher stehen, besteuert werde. Die berufene spanische Alcavala scheint auf diesem Grundsatze zu beruhen. Anfänglich eine Steuer von 10, später von 14 %, beträgt sie gegenwärtig nur 6 % auf den Verkauf beweglichen wie unbeweglichen Eigentums; und sie wiederholt sich, so oft das Eigentum verkauft wird. Die Erhebung dieser Steuer erfordert eine Menge von Beamten zur Überwachung des Warentransports nicht bloß aus einer Provinz in die andere, sondern auch aus einem Laden in den anderen. Sie unterwirft nicht bloß gewisse Geschäftsleute, sondern Alle, Landwirte, Fabrikanten, Kaufleute und Krämer, den unaufhörlichen Besuchen und Nachforschungen der Steuereinnehmer. Ein Land mit einer solchen Steuereinrichtung kann Nichts für den Verkauf in der Ferne erzeugen. Die Produktion jedes Landesteils muß sich lediglich nach dem Konsum der Umgegend richten. Der Alcavala mißt deshalb Ustariz den Verfall der spanischen Industrie <265> bei. Er hätte ihr auch der. Verfall des Ackerbaus zuschreiben Ivönnen, da sie nicht bloß auf Gewerbserzeugnisse, sondern auch auf die Rohprodukte des Bodens gelegt ist.

Im Königreich Neapel ruht eine ähnliche Steuer von 3 % auf allen Verträgen, und folglich auch auf Kaufverträgen. Sie ist nicht nur geringer als die spanische Steuer, sondern stellt es auch den meisten Städten und Gemeinden frei, an ihrer Stelle eine Abfindungssumme zu zahlen. Diese erheben sie wie sie wollen, und gewöhnlich so, daß dadurch der innere Verkehr des Ortes keine Störung erleidet. Die neapolitanische Steuer ist daher nicht entfernt so schädlich wie die spanische.

Das gleichförmige Besteuerungssvstem, das bis auf wenige unbedeutende Ausnahmen in allen Teilen des vereinigten Königreichs von Großbritannien herrscht, läßt den inneren Handel, sowohl den Binnen- wie den Küstenhandel, fast gänzlich frei. Der Binnenhandel ist beinahe vollkommen frei, und die meisten Waren können von einem Ende des Königreichs zum anderen verführt werden, ohne eines Erlaubnisscheins oder Passierzettels zu bedürfen, und ohne Nachfragen oder Untersuchungen der Finanzbeamten ausgesetzt zu sein. Einige Ausnahmen sind vorhanden, doch sind sie nicht der Art, daß sie irgend einem wichtigen Zweige des Binnenhandels ein Hinderniß bereiteten. Güter, die nach der Küste geführt werden, brauchen allerdings Zertifikate. Meist ganz zollfrei aber sind alle Waren mit alleiniger Ausnahme der Steinkohlen. Diese Freiheit des inneren Verkehrs, die Wirkung der Gleichförmigkeit des Besteuerungssystems, ist vielleicht eine derHauptursachen des Wohlstandes Großbritanniens, da jedes große Land notwendig der beste und ausgedehnteste Markt für die meisten Produkte seines Fleisses ist. Könnte dieselbe Freiheit, in Folge derselben Gleichförmigkeit, auf Irland und die Kolonien ausgedehnt <266> werden, so würde die Macht des Staates und der Wohlstand jedes seiner Teile wahrscheinlich noch größer sein, als gegenwärtig.

In Frankreich erfordern die Finanzgesetze der verschiedenen Provinzen eine Menge von Finanzbeamten, um nicht nur die Grenzen des Königreichs, sondern auch die Grenzen fast aller einzelnen Provinzen zu umringen und die Einfuhr gewisser Waren zu verhindern oder einem Zoll zu unterwerfen, zu nicht geringer Unterbrechung des inneren Verkehrs. Einige Provinzen dürfen für die gabelle oder Salzsteuer eine Abfindungsumme zahlen, andere sind ganz von ihr befreit. Einige Provinzen sind von dem Tabaksmonopol frei, das im größten Teile des Königreichs die Generalpächter ausbeuten. Die Aides, die der englischen Akzise entsprechen, sind in den verschiedenen Provinzen verschieden; einige sind davon befreit und zahlen eine Abfindung. Da, wo sie gelten und verpachtet sind, gibt es viele örtliche Abgaben, die sich nicht über eine Stadt oder einen Distrikt hinaus erstrecken. Die Traites, die unseren Zöllen entsprechen, teilen das Königreich in drei große Teile: erstens in die dem Tarif von 1664 unterworfenen Provinzen, welche die Provinzen der fünf großen Pachtungen heißen und die Picardie, Normandie und die meisten zentralen Provinzen des Reiches umfassen; zweitens in die dem Tarif von 1667 unterworfenen, »als ausländisch betrachteten« Provinzen, welche die meisten Grenzprovinzen umfassen; und drittens in die »effektiv ausländischen« Provinzen, d.h. die, welche, weil ihnen der freie Verkehr mit dem Auslande gestattet ist, in ihremVerkehr mit den übrigen f ranzösischen Provinzen denselben Zöllen unterworfen sind, wie das Ausland. Es sind dies das Elsaß, die drei Bistümer Metz, Toul und Verdun, und die drei Städte Dünkirchen, Bayonne und Marseille. Sowohl in den Provinzen der fünf großen Pachtungen (so genannt wegen einer alten <267> Einteilung der Zölle in fünf große Gattungen, deren jede ursprünglich besonders verpachtet wurde, die aber jetzt vereinigt sind), als in den »als ausländisch betrachteten« Provinzen gibt es viele örtliche Abgaben, die sich nicht über eine Stadt oder einen Distrikt hinaus erstrecken. Einige solche gibt es sogar in den als Ausland behandelten. Provinzen, besonders in der Stadt Marseille. Es braucht nicht bemerkt zu werden, wie sehr einesteils die Verkehrsbeschränkungen und anderenteils die Finanzbeamten vermehrt werden müssen, um die Grenzen dieser verschiedenen Provinzen und Distrikte, die so verschiedenen Besteuerungsarten unterworfen sind, zu bewachen.

Abgesehen von den allgemeinen Hemmnissen, die aus einem so verwickelten Finanzsystem entspringen, ist der Handel mit Wein, nächst dem Getreide wohl dem wichtigsten Produkt Frankreichs, in den meisten Provinzen besonderen Beschränkungen unterworfen, wegen der Begünstigung, welche man den Weinbergen gewisser Provinzen und Distrikte vor denen anderer zu Teil werden ließ. Die durch ihre Weine berühmtesten Provinzen dürften diejenigen sein, in denen der Handel mit diesem Artikel den wenigsten Beschränkungen dieser Art unterliegt. Der ausgedehnte Markt, dessen sich diese Provinzen erfreuen, fördert sowohl den Anbau der Weinberge, als auch die spätere Zubereitung ihrer Weine.

So verschiedene und verwickelte Finanzgesetze sind aber nicht bloß Frankreich eigen. Das kleine Herzogtum Mailand ist in sechs Provinzen geteilt, in deren jeder hinsichtlich der verschiedenen Verbrauchsgegenstände ein anderes Besteuerungsystem besteht. Das noch kleinere Gebiet des Heizogs von Parma zerfällt in drei oder vier Provinzen, deren jede ebenfalls ihr System für sich hat. Unter einer so albernen Verwaltung konnte nur die große Fruchtbarkeit des Bodens und das <268> glückliche Klima diese Länder davor bewahren, nicht gar bald in die tiefste Armut und Barbarei zu versinken. Verbrauchssteuern können entweder durch eine Verwaltung erhoben werden, deren Beamte von der Regierung angestellt und ihr unmittelbar verantwortlich sind, in welchem Falle die Staatseinnahmen von Jahr zu Jahr je nachdem verschiedenen Ertrage der Steuer schwanken werden; oder man kann sie für eine bestimmte Summe verpachten (??) und den Pächter seine Beamten selbst anstellen lassen, die zwar die Steuer in der vom Gesetz vorgeschriebenen Weise zu erheben haben, aber unter seiner Aufsicht stehen und ihm verantwortlich sind. Die beste und sparsamste Methode der Steuererhebung wird die Verpachtung niemals sein. Der Pächter muß außer der Summe, die zur Zahlung der ausbedungenen Rente, zur Besoldung der Beamten und zu den sämtlichen Verwaltungskosten erforderlich ist, von dem Steuerertrage stets einen gewissen Gewinn ziehen, der wenigstens den Vorschüssen die er macht, der Gefahr die er läuft, der Mühe die er über sich nimmt, und der Kenntnis und Geschicklichkeit entspricht, welche die Leitung eines so verwickelten Geschäfts erheischt. Die Regierung kann durch eigene Verwaltung wenigstens diesen Gewinn ersparen, der fast stets ein übermäßiger ist. Einen bedeutenden Teil der Staatseinnahmen zu pachten, erheischt entweder ein großes Kapital oder großen Kredit, ein Umstand, der allein schon die Konkurrenz für ein solches Unternehmen auf eine sehr kleine Zahl von Personen einschränkt. Von den wenigen, die das Kapital oder den Kredit besitzen, hat eine noch kleinere Anzahl, die nötigen Kenntnisse und Erfahrungen, ein anderer Umstand, der die Konkurrenz noch weiter einschränkt. Die sehr wenigen, die in der Lage sind, Konkurrenten zu werden, finden es vorteilhafter, sich zu einigen, Teilhaber anstatt Konkurrenten zu werden und, wenn die <269> Pacht zur Versteigerung kommt, eine Summe zu bieten, die weit hinter dem wirklichen Werte zurückbleibt. In Ländern, wo die Staatseinnahmen verpachtet werden, sind die Pächter gewöhnlich die reichsten Leute. (??) Schon ihr Reichtum reizt den öffentlichen Unwillen; und die Eitelkeit, welche fast immer solche schnell erworbene Reichtümer begleitet, die törichte Prahlerei, mit der sie diesen Reichtum zu entfalten pflegen, reizt diesen Unwillen noch mehr.

Die Pächtervon Staatseinnahmen finden die Gesetze, welche die Versuche einer Steuerhinterziehung bestrafen, niemals zu streng. Sie haben kein Herz für die Steuerzahler, die nicht ihre Untertanen sind, und deren allgemeiner Bankerott ihr Interesse wenig schädigt, wenn er einen Tag nach Ablauf ihrer Pacht eintritt. In Fällen der höchsten Not, wenn dem Staat am pünktlichen Empfang seiner Einkünfte am meisten gelegen ist, unterlassen sie selten zu klagen, daß es ihnen ohne strengere Gesetze, als die dermaligen, unmöglich sei, auch nur die bisherige Pacht zu zahlen. In diesen Momenten der Not ist ein Streit um ihre Forderungen nicht möglich, und so werden die Finanzgesetze nach und nach immer strenger und strenger. Die grausamsten sind stets in Ländern zu finden, wo die meisten Staatseinnahmen verpachtet sind; die mildesten in denen, wo sie unter Staatsverwaltungstehen. Selbst ein schlechter Regent fühlt mehr Mitleid für sein Volk, als von den Pächtern seiner Einnahmen zu erwarten ist. Er weiß, daß die dauernde Größe seiner Familie von dem Wohlstande seines Volks abhängt, und er wird daher diesen Wohlstand niemals um eines augenblicklichen persönlichen Vorteils willen wissentlich untergraben. Anders die Pächter der Staatseinnahmen, deren Größe oft die Folge des Ruins und nicht des Wohlstandes des Volkes ist.

Zuweilen werden Steuern nicht bloß verpachtet, <270> sondern der Pächter erhält überdies das Monopol der besteuerten Ware. In Frankreich wird die Tabak- und Salzsteuer auf diese Weise erhoben. In solchen Fällen erhebt der Pächter statt eines, zwei übermäßige Gewinne vom Volke: den Gewinn des Pächters und den noch übermäßigeren des Monopolisten. Da der Tabak ein Luxusgegenstand ist, so kann ihn jeder kaufen oder nicht kaufen, wie es ihm gefällt. Salz aber, das ein Lebensbedürfnis ist, muß jedermann vom Pächter kaufen, und wenn er es nicht täte, würde er es von einem Schmuggler kaufen müssen. Die Steuern auf beide Waren sind ganz außerordentlich hoch. DieVersuchung zum Schmuggel ist daher für viele Leute unwiderstehlich, während gleichzeitig die Strenge des Gesetzes und die Wachsamkeit der Beamten denen, welche der Versuchung erliegen, fast sicheres Verderben bringen. Der Schmuggel von Salz und Tabak bringt jedes Jahr etliche hundert Menschen auf die Galeeren, und nicht wenige an den Galgen. Die in dieser Weise erhobenen Steuern liefern der Regierung sehr bedeutende Einnahmen. 1767 war der Tabak in Frankreich für 22,541,278, das Salz für 36,492,404 Livres jährlich verpachtet. In beiden Fällen sollte die Pacht 1768 anfangen und sechs Jahre dauern. Wer das Blut des Volkes im Vergleich mit den Einkünften des Fürsten für nichts achtet, mag vielleicht diese Methode der Besteuerung gutheißen. Ähnliche Steuern und Monopole von Salz und Tabak gibt es in vielen anderen Ländern, besonders in Osterreich und Preußen und in den meisten italienischen Staaten.

In Frankreich rühren die meisten dermaligen Kroneinnahmen aus acht verschiedenen Quellen her: der Grundsteuer, der Kopfsteuer, den beiden Vingtièmes, der Salzsteuer, der Akzise, den Zöllen, den Domänen und dem Tabaksmonopol. Die fünf letzteren sind in den meisten Provinzen verpachtet. Die drei ersteren werden überall <271> durch eine unmittelbare Staatsbehörde erhoben, und es ist allgemein anerkannt, daß sie im Verhältnis zu ihrem Bruttoertrag eine größere Einnahme liefern, als die anderen fünf, deren Verwaltung viel verschwenderischer und kostspieliger ist.

Die französischen Finanzen bedürfen in ihrer gegenwärtigen Verfassung dreier sehr einleuchtender Reformen. Erstens könnten durch Abschaffung der Grundsteuer und der Kopfsteuer und die Vermehrung der Zahl der Vingtièmes, bis ihr Erträgnis dem Betrage dieser drei Steuern gleichkommt, die Kroneinnahmen unverändert bleiben, die Erhebungskosten bedeutend verringert werden, die durch die Grundsteuer und die Kopfsteuer veranlaßten Plackereien der unteren Volksklassen ganz verhütet und die höheren Stände doch nicht höher belastet werden, als sie es jetzt sind. Die Vingtieme ist, wie bereits bemerkt, eine ganz ähnliche Steuer, wie die englische Landtaxe. Die Last der Grundsteuer fällt anerkanntermaßen schließlich auf die Grundeigentümer, und da die Kopfsteuer den Grundsteuerpflichtigen in demselben Verhältnis wie die Grundsteuer auferlegt ist, muß auch die schließliche Zahlung der Kopfsteuer auf die Grundeigentümer fallen. Wenn daher die Anzahl der Vingtiemes so weit erhöht würde, um noch so viel wie jene beiden Steuern einzubringen, so könnten die höheren Stände nicht stärker belastet sein, als sie es jetzt sind. Einzelne würden freilich wegen der großen Ungleichheit, mit der die Grundsteuer veranlagt ist, stärker belastet werden, und die Interessen sowie der Widerstand dieser begünstigten Personen ist wahrscheinlich das Hindernis, das dieser und jeder ähnlichen Reform entgegensteht. Zweitens könnte durch Uniformierung der Salzsteuer, der Akzise, der Zölle und der Tabakssteuer die Steuererhebung weniger kostspielig, und der innere Verkehr das Landes ebenso frei gestaltet werden, wie in England. Drittens <272> und letztens könnten durch Unterstellung all' dieser Steuern unter Staatsverwaltung die ungeheuren Gewinne der Generalpächter den Staatseinnahmen hinzugefügt werden. Der Widerstand der Privatinteressen wird jedoch die beiden letzteren Reformen wahrscheinlich ebenso wirksam verhindern, wie die erstere.

Das französische Besteuerungssystem steht in jeder Beziehung dem britischen nach. In Großbritannien werden von weniger als acht Millionen Einwohnern jährlich £ 10 Millionen erhoben, ohne daß man sagen könnte, daß irgend ein Stand überbürdet sei. Nach den tatsächlichen Erhebungen des Abbé Expilly und nach den Bemerkungen des Verfassers des Versuchs über den Getreidehandel und die Getreidepolitik, enthält Frankreich mit Einschluß der Provinzen Lothringen und Bar ungefähr 23 oder 30 Millionen, also dreimal soviel Einwohner wie Großbritannien. Boden und Klima Frankreichs sind besser als in Großbritannien. Das Land ist schon viel länger kultiviert und daher reichlicher versehen mit allen Dingen, die lange Zeit erfordern, um zu entstehen und sich zu häufen, wie großen Städten und bequemen und wohlgebauten Häusern in Stadt und Land. Bei diesen Vorzügen ließe sich erwarten, daß in Frankreich eine Staatseinnahme von dreißig Millionen so bequem aufgebracht werden könne, wie zehn Millionen in Großbritannien. In den Jahren 1765 und 1768 betrugen nach den besten, obwohl allerdings sehr unvollständigen Nachrichten, die ich habe erhalten können, die gesamten Staatseinnahmen Frankreichs zwischen 308 und 325 Millionen Livres,. d. h. noch nicht £ 15 Millionen, nicht die Hälfte dessen, was sie betragen müßten, wenn die Bevölkerung in demselben Verhältnis zu ihrer Zahl steuerte, wie die britische. Dennoch leidet anerkanntermaßen das französische Volk unter einem weit größeren Steuerdruck, als <273> das britische, und doch ist Frankreich nächst Großbritannien derjenige europäische Staat, der sich der mildesten Regierung erfreut.

In Holland sollen die hohen Steuern auf dringende Lebensbedürfnisse die hauptsächlichsten Industrien zu Grunde gerichtet haben, und werden allmählich wohl auch die Fischerei und den Schiffsbau schädigen. In Großbritannien sind die Steuern auf dringende Lebensbedürfnisse unbeträchtlich und haben bisher keine Industrie zu Grunde gerichtet. Die britischen Steuern, welche die Industrie am härtesten treffen, sind die Einfuhrzölle auf gewisse Rohstoffe, besonders Rohseide. Die Einnahmen der Generalstaaten und der verschiedenen Städte sollen übrigens mehr als £ 5,250,000 betragen, und da die Einwohnerzahl der Vereinigten Provinzen kaum mehr als ein Drittel der britischen Volksmenge beträgt, so müssen sie im Verhältnis zur Bevölkerung weit stärker besteuert sein.

Nachdem alle geeigneten Steuerobjekte erschöpft sind, müssen, wenn die Not des Staates dennoch neue Steuern erheischt, solche auf ungeeignete Objekte gelegt werden. Die Besteuerung der dringenden Lebensbedürfnisse kann daher der Weisheit jener Republik nicht zum Vorwurf gereichen, die zur Erlangung und Erhaltung ihrer Unabhängigkeit kostspielige Kriege führen und aller Sparsamkeit ungeachtet große Schulden machen mußte. Die eigentümlichen Länder Holland und Seeland erheischen überdies große Kosten, um nur ihre Existenz zu bewahren und nicht von der See verschlungen zu werden, was zur erheblichsten Vermehrung der Steuerlast in diesen beiden Provinzen beitragen mußte. Die republikanische Regierungsform scheint die Hauptstütze der gegenwärtigen Größe Hollands zu sein. Die großen Kapitalisten, die großen kaufmännischen Familien haben entweder direkten Anteil an der <274> Verwaltung oder indirekten Einfluß auf sie. Aus Gründen der Achtung und des Ansehens, die sie dieser Lage verdanken, leben sie gern in einem Lande, wo ihre Kapitalien, wenn sie sie selbst anlegen, weniger Gewinn und, wenn sie sie darleihen, weniger Zinsen bringen, und wo sie mit den mäßigen Einkünften, die ihnen daraus erwachsen, weniger Bedürfnisse und Genüsse des Lebens erkaufen können, als in irgend einem anderen europäischen Lande. Der Aufenthalt so reicher Leute erhält, trotz aller Nachteile, einen gewissen Grad von Gewerbfleiß im Lande aufrecht. Ein Unglück des Staats, welches die republikanische Regierungsform zerstören, die ganze Verwaltung in die Hände des Adels und Militärs bringen und so die Wichtigkeit jener reichen Kaufleute gänzlich aufheben sollte, würde es diesen bald verleiden, in einem Lande zu leben, wo sie nicht mehr so geachtet wären. Sie würden ihren Aufenthalt und ihre Kapitalien nach einem anderen Lande verlegen, und Industrie und Handel Hollands würden bald den Kapitalien folgen, durch die sie im Schwung erhalten wurden. <275>


1. Siehe Mémoires concernant les Droits et Impositions en Europe. Tome I., page 73. Dieses Werk wurde auf Befehl des französischen Hofes zum Gebrauch einer Kommission zusammengetragen, die vor einigen Jahren behufs einer Finanzreform niedergesetzt war. Die Darstellung der französischen Steuern, welche drei Quartbände füllen, kann als vollkommen zuverlässig gelten, diejenige der Steuern anderer europäischer Völker wurde nach den Berichten der französischen Gesandten an den verschiedenen Höfen zusammengestellt. Sie ist weit kürzer und wahrscheinlich nicht so zuverlässig, wie die Darstellung der französischen Steuern.

2. Siehe: Sketches of the History of man. Vol. I.page 273 a. seq.

3. Mémoires concernant les Droits. pag. 240. 241.

4. Memoires conc. les Droits. T. I. pg. 114 -- 116.

5. Wie Garve bemerkt, sind diese Angaben des Verf. durchaus unrichtig; namentlich waren die Grundsteuern der bäuerlichen Güter höher, als die der adeligen. Anm. des Übers.

6. Memoires concernant les Droits. T. I. pg. 74.

7. Memoires conc. les Droits. T. I. pg., 163. 166. 171.

8. Mémoircs coinc. les Droits. Tom. II. pag 17.

9. Mémoiros concernant les droits etc. p. 210. 211.

10. Le Réformateur (Par Cliquot de Blervache.) Amst. 1756.

11. Die Steuer auf Weingeist beträgt zwar nur 2 sh. 6 d. auf die Gallone, mit Hinzurechnung der Steuer auf die Branntweine, aus denen jener destilliert wird, kommen aber 3 sh. 10 2 / 3 d. heraus. Sowohl der Branntwein wie der Weingeist werden jetzt, um Betrug zu verhüten, nach ihrem Gehalt besteuert.