Sechstes Kapitel. Über Handelsverträge.

Wenn ein Volk sich durch einen Vertrag verbindlich macht, entweder aus einem fremden Lande die Einfuhr gewisser Waren zu erlauben, die es aus allen andern verbietet, oder die Waren des einen Landes von Zöllen zu befreien, denen es die Waren anderer Länder unterwirft, so muß das Land, oder müssen wenigstens die Kaufleute und Fabrikanten des Landes, dessen Handel so bevorzugt wird, aus dem Vertrage notwendig großen Vorteil ziehen. Diese Kaufleute und Fabrikanten genießen in dem Lande, welches sie so begünstigt, eine Art Monopol. Das Land wird für ihre Waren ein ausgedehnterer und vorteilhafterer Markt: ausgedehnter, weil es bei der Ausschließung oder höheren Belastung der Waren anderer Völker mehr von den ihrigen entnimmt; vorteilhafter, weil die Kaufleute des bevorzugten Landes, da sie eine Art Monopol genießen, ihre Waren oft zu einem besseren Preise verkaufen werden, als wenn sie dem freien Wettbewerb mit allen anderen Völkern ausgesetzt wären.

Wie vorteilhaft aber auch solche Handelsverträge für die Kaufleute und Fabrikanten des bevorzugten Landes sein können, für die des begünstigenden Landes sind sie notwendiger Weise nachteilig. Durch sie wird einem fremden Volke ein Monopol gegen sie zugestanden, und sie müssen oft die fremden Waren, die sie brauchen, teurer kaufen, als wenn der Wettbewerb anderer Na <54> tionen frei gegeben wäre. Der Teil der eignen Erzeugnisse, womit ein solches Volk fremde Waren einkauft, muß folglich wohlfeiler verkauft werden, weil, wenn zwei Dinge gegen einander ausgetauscht werden, die Wohlfeilheit des einen eine notwendige Folge, oder vielmehr dasselbe Ding ist wie der teure Preis des andern. Daher wird offenbar der Tauschwert seines Jahresertrags durch jeden solchen Handelsvertrag vermindert. Doch kann diese Verminderung kaum zu einem wirklichen Verluste werden, sondern ist nur eine Verringerung des Gewinns, der sonst zu erzielen gewesen wäre. Wenn auch das Volk seine Waren wohlfeiler verkauft, als es sonst geschehen würde, so wird es sie doch nicht leicht unter den Herstellungskosten oder, wie im Fall der Prämien, für einen Preis verkaufen, der das auf die Herstellung der Ware verwendete Kapital nebst dem gewöhnlichen Kapitalgewinn nicht zurückerstattet. Geschähe es, so könnte der Handel nicht lange dauern. Selbst das begünstigende Land kann daher noch bei dem Handel gewinnen, obwohl weniger, als bei freier Konkurrenz.

Manche Handelsverträge sind jedoch aus ganz anderen Gründen für vorteilhaft gehalten worden; und zuweilen haben Handelsstaaten gewissen Waren eines fremden Volkes ein Monopol gegen sich zugestanden, weil sie im Gesamtverkehr jährlich mehr zu verkaufen als zu kaufen, und sich jährlich eine Bilanz in Gold und Silber zuzuwenden hofften. Nach diesem Grundsatz ist der 1703 durch Herrn Methuen abgeschlossene Handelsvertrag zwischen England und Portugal so viel gepriesen worden. Folgendes ist die wörtliche Übersetzung dieses nur aus drei Artikeln bestehendes Vertrages:

Art. I. S. M. der König von Portugal verspricht in seinem und seiner Nachfolger Namen, in alle Zukunft die Einfuhr der wollenen Tücher <55> und anderen Wollwaren der Briten auf dem Fuße zu gestatten, wie es vor dem Verbot üblich war; jedoch unter der Bedingung:

Art. II. Daß nämlich S. k. M. von Großbritannien in seinem eignen und seiner Nachfolger Namen verbunden sein soll, in alle Zukunft die Einfuhr der portugiesischen Weine nach Großbritannien zu gestatten, so daß zu keiner Zeit, ob zwischen den Reichen Britannien und Frankreich Friede oder Krieg ist, von diesen Weinen unter dem Namen eines Zolles oder einer Abgabe oder unter irgend welchem Titel, unmittelbar oder mittelbar, die Weine mögen in Pipen oder Oxhoften oder anderen Gefäßen nach Großbritannien gebracht werden, irgend etwas weiter gefordert werden darf, als für eine gleiche Menge oder Maß französischen Weines gefordert wird, mit Abzug oder Erlaß eines Drittels der Zölle oder Abgaben. Wenn aber jemals der vorerwähnte Abzug oder Erlaß der Zollgebühren auf irgend eine Weise geschmälert oder verletzt werden sollte, so soll S. M. der König von Portugal berechtigt und befugt sein, wiederum die Einfuhr der wollenen Tücher und anderen britischen Wollwaren zu verbieten.

Art. III. Die Herren Bevollmächtigten versprechen und nehmen es auf sich, daß ihre oben genannten Herren diesen Vertrag genehmigen, und daß die Ratifikationen binnen zwei Monaten ausgewechselt werden.

Durch diesen Vertrag macht sich die Krone von Portugal anheischig, die englischen Wollwaren auf demselben Fuße zuzulassen, wie vor dem Verbote, d. h. die Zölle, welche vor diesem Zeitpunkte entrichtet wurden, nicht zu erhöhen. Aber sie macht sich nicht anheischig, <56> sie unter besseren Bedingungen zuzulassen, als die Wollenwaren anderer Nationen, z. B. Frankreichs und Hollands. Die Krone von Großbritannien hingegen macht sich anheischig, die portugiesischen Weine gegen Zahlung von nur Zweidrittel des Zolles zuzulassen, der für französische gezahlt wird, die mit ihnen am meisten konkurrieren. Insoweit ist also dieser Vertrag offenbar für Portugal vorteilhaft und für Großbritannien nachteilig.

Dennoch hat man ihn als ein Meisterstück der englischen Handelspolitik gepriesen. Portugal erhält jährlich aus Brasilien eine größere Menge Gold, als es in seinem inneren Verkehr in Gestalt Von Münzen oder Geschirr gebrauchen kann. Der Überschuß ist zu wertvoll, als daß man ihn müßig liegen und im Kasten verschlossen halten möchte; da er aber im Lande selbst keinen vorteilhaften Markt findet, so muß er trotz aller Verbote außer Landes geschickt und gegen etwas, wofür im Lande ein vorteilhafter Markt besteht, vertauscht werden. Ein großer Teil davon kommt jährlich nach England, entweder für englische oder solche Waren anderer europäischer Völker, die ihre Zahlungen durch England erhalten. Nach Berichten des Herrn Baretti bringt das wöchentliche Paketboot aus Lissabon durchschnittlich in der Woche mehr als £ 50,000 Gold nach England. Die Summe ist wahrscheinlich übertrieben; sie würde im Jahre mehr als £ 2,600,000 betragen, was mehr ist, als Brasilien liefern soll.

Vor einigen Jahren waren unsere Kaufleute mit der Krone Portugal unzufrieden. Gewisse Privilegien, die ihnen nicht vertragsmäßig, sondern aus freiem Willen der Krone, obwohl wahrscheinlich auf Ansuchen und gegen weit größere Begünstigungen an Verteidigung und Schutz seitens der britischen Krone, verliehen worden waren, wurden geschmälert und widerrufen. Die Leute, die sonst am eifrigsten waren, das portugiesische <57> Geschäft zu loben, waren deshalb damals eher geneigt, es als minder vorteilhaft darzustellen, als man es für gewöhnlich hielt. Der bei weitem größte Teil, fast die gesamte jährliche Goldeinfuhr sei, behaupteten sie nun, nicht für Rechnung Großbritanniens, sondern anderer europäischer Völker, da die jährlich in Großbritannien eingeführten portugiesischen Früchte und Weine beinahe den ganzen Wert der dorthin geschickten britischen Waren deckten.

Nehmen wir aber auch an, das Ganze gehe für Rechnung Großbritanniens, und es belaufe sich auf eine weit größere Summe, als Herr Baretti meint, so würde dieser Handel deshalb doch noch nicht vorteilhafter sein, als ein anderer, bei dem wir für denselben Exportbetrag einen gleichen Wert an verbrauchbaren Waren erhielten..

Nur ein sehr kleiner Teil dieser Einfuhr dürfte als Jahreszuwachs zu dem Geschirr oder den Münzen des Reichs Verwendung finden. Das Übrige muß außer Landes geschickt und gegen allerlei Verbrauchswaren ausgetauscht werden. Wenn aber diese Verbrauchswaren unmittelbar gegen Erzeugnisse englischer Industrie eingetauscht würden, so wäre dies für England vorteilhafter, als erst mit diesen Erzeugnissen portugiesisches Gold, und dann mit diesem Golde jene Verbrauchswaren zu kaufen. Ein direkter auswärtiger Handel ist humer vorteilhafter als einer auf Umwegen, und um fremde Waren von gleichem Werte auf den heimischen Markt zu bringen, bedarf es bei dem einen weit geringerer Kapitalien als beim anderen. Wenn ein kleinerer Teil englischen Fleißes verwendet wird, um Waren für den portugiesischen Markt, und ein größerer, um Waren für andere Märkte hervorzubringen, wo in England begehrte Verbrauchswaren zu haben sind, so ist letzteres für England vorteilhafter. Es würde dann eines <58> weit geringeren Kapitals bedürfen, um sowohl das ihm nötige Gold, als auch die Verbrauchswaren anzuschaffen. Es würde mithin Kapital erspart werden, das man zu anderen Zwecken verwenden und mit dem man eine neue Menge Gewerbfleiß erwekken und einen größeren Jahresertrag erzielen könnte.

Wäre Großbritannien auch vom Handel mit Portugal gänzlich ausgeschlossen, so würde es ihm doch keineswegs schwer fallen, sich alles Gold zu verschaffen, dessen es jährlich zu Gerät, zu Münzen oder zum auswärtigen Handel bedarf. Gold ist wie jede andere Ware stets an einem oder dem anderen Orte für seinen Preis zu erhalten, wenn man diesen Preis nur zahlen kann. Überdies würde der jährliche Überschuß an Gold in Portugal doch außer Landes gehen und, falls ihn Großbritannien nicht aufnähme, von einem anderen Volke ausgeführt werden, das ihn gern für seinen Preis wiederverkaufen würde, gerade wie es Großbritannien gegenwärtig macht. Wenn wir Gold von Portugal kaufen, so kaufen wir es allerdings aus erster Hand, während, wenn wir es von einer anderen Nation mit Ausnahme Spaniens kauften, wir es aus zweiter Hand kaufen und etwas teurer bezahlen müßten; allein der Unterschied wäre gewiß zu unbedeutend, als daß er die Aufmerksamkeit des Staats verdienen sollte.

Fast all' unser Gold, sagt man, kommt aus Portugal. Mit anderen Völkern ist die Handelsbilanz gegen uns oder doch nicht sehr für uns. Allein wir sollten bedenken, daß, je mehr Gold wir aus. einem Lande einführen, wir notwendig um so weniger aus allen anderen einführen können. Die wirksame Nachfrage nach Gold, wie nach allen anderen Waren ist in jedem Lande auf eine gewisse Menge beschränkt. Werden neun Zehntel dieser Menge aus dem einen Lande eingeführt, so bleibt nur noch ein Zehntel aus allen übrigen einzuführen. <59> Je mehr Gold aus diesem oder jenem Lande jährlich über den Bedarf an Geschirr und Münzen eingeführt wird, desto mehr muß nach anderen Ländern wieder ausgeführt werden, und je mehr jener höchst unbedeutende Gegenstand der neueren Politik, die Handelsbilanz, mit diesem oder jenem Lande zu unseren Gunsten steht, um so mehr muß sie mit vielen anderen Ländern gegen uns stehen.

Dennoch war es diese törichte Ansicht, England könne nicht ohne den portugiesischen Handel bestehen, was Frankreich und Spanien am Ende des letzten Krieges ohne alle Beleidigung oder Herausforderung veranlaßte, vom Könige von Portugal zu verlangen, daß er allen britischen Schiffen seine Häfen verschließe und zur Sicherung dieses Verlangens französische oder spanische Garnisonen in sie aufnehme. Hätte sich der König diesen schimpflichen Bedingungen unterworfen, die ihm sein Schwager, der König von Spanien, stellte, so wäre dadurch Britannien eines weit größeren Übels ledig geworden, als der Verlust des portugiesischen Handels ist, der Last nämlich, einen höchst schwachen Bundesgenossen zu unterstützen, der zu seiner Verteidigung so wenig Mittel in Händen hatte, daß die ganze Macht Englands, wenn sie auch allein zu diesem Zweck aufgeboten worden wäre, ihn vielleicht nicht in einem zweiten Feldzug hätte verteidigen können. Der Verlust des portugiesischen Handels würde ohne Zweifel die darin engagierten Kaufleute, die vielleicht ein oder zwei Jahre lang keine gleich vorteilhaften Kapitalanlagen hätten ausfindig machen können, in Verlegenheit gebracht haben, allein darin würde auch wahrscheinlich der ganze Nachteil bestanden haben, den England von diesem merkwürdigen Stück Handelspolitik zu leiden gehabt hätte.

Die große jährliche Einfuhr an Gold und Silber ist weder für Geräte noch Münzen, sondern für den aus <60> wärtigen Handel bestimmt. Ein indirekter Außenhandel läßt sich vorteilhafter mittelst dieser Metalle, als mittelst der meisten anderen Waren betreiben. Als allgemeine Handelsinstrumente sind sie am leichtesten für alle anderen umzusetzen, und wegen ihres geringen Umfangs bei großem Werte kostet es weniger, sie von einem Orte zum anderen zu schaffen, und sie verlieren durch den Transport weniger an ihrem Werte. Unter allen Waren, die im Auslande zu keinem anderen Zwecke gekauft werden, als in einem anderen Lande wieder gegen andere Waren umgesetzt zu werden, ist daher keine so bequem wie Gold und Silber-. Der Hauptvorteil des portugiesischen Handels für Großbritannien besteht mithin in der Erleichterung des indirekten Außenhandels -- ein Vorteil, der zwar nicht von kapitaler Bedeutung, aber immerhin beträchtlich ist.

Daß die mögliche Jahreszunahme an Gerät oder Münzen im Königreich nur eine sehr geringe jährliche Einfuhr an Gold und Silber erfordern könnte, scheint klar genug; und wenn wir keinen direkten Handel mit Portugal hätten, würde diese geringe Quantität leicht hier oder dort zu haben sein.

So bedeutend auch das Gewerbe der Goldschmiede in Großbritannien ist, so wird doch der größte Teil des neuen Geräts, das sie jährlich verkaufen, aus anderem alten Gerät geschmolzen, sodaß die jährliche Zunahme an Gold waren des Königreichs nicht sehr groß sein kann, und nur eine sehr geringe jährliche Einfuhr erfordern würde.

Dasselbe ist der Fall mit der Münze. Niemand wird der. Ansicht sein, daß auch nur der größere Teil der jährlichen Ausbringung, die vor der letzten Umprägung der Goldmünzen zehn Jahre lang jährlich über £ 800,000 in Gold betrug, ein jährlicher Zuwachs zu dem bisherigen Umlauf gewesen sei. In einem Lande, wo die <61> Prägungskosten von der Regierung bestritten werden, kann der Wert der Münze, auch wenn sie ihr volles gesetzliches Gewicht an Gold und Silber hat, niemals viel größer sein, als der Wert einer gleichen Menge Rohmetall, weil es nur die Mühe, nach der Münze zu gehen, und ein paar Wochen Geduld erfordert, um sich für eine Menge ungemüuzten Goldes und Silbers eine gleiche Menge in Münzen zu verschaffen. Indessen ist fast überall das meiste Kurantgeld mehr oder weniger abgeschliffen oder sonstwie gegen sein Normalgewicht verschlechtert. In Großbritannien war dies vor der letzten Umprägung ziemlich stark der Fall, da das Gold über zwei Prozent, und das Silber über acht Prozent unter seinem Normalgewicht war. Wenn aber für 44 Guineen, die ihr volles Gewicht, nämlich ein Pfund Gold hatten, nur sehr wenig mehr als ein Pfund ungemünztes Gold zu haben war, so war für 44 Guineen, an deren Vollwichtigkeit etwas fehlte, kein Pfund Gold zu kaufen, und es mußte etwas zugelegt werden, um das Fehlende zu ergänzen. Der Marktpreis des Barrengoldes war also damals dem Münzpreise, d. h. £ 46 14 sh. 6 d., nicht gleich, sondern ungefähr £ 47 14 sh. und zuweilen £ 48. So lange jedoch das meiste Geld in diesem verschlechterten Zustande war, konnte man mit 44 Guineen frisch aus der Münze nicht mehr Waren kaufen, als mit andern gewöhnlichen Guineen, weil sie sich in den Kassen der Kaufleute mit dem übrigen Gelde vermengten und die Differenz nicht der Mühe lohnte, sie auszuscheiden. Gleich anderen Guineen galten sie nicht mehr als £ 46 14 sh. 6 d. Kamen sie hingegen in den Schmelztiegel, so brachten sie beinah ein volles Pfund Gold, welches jederzeit für £ 47 14 sh. bis £ 48 in Gold- und Silberstücken, die alle Zwecke der Münze ebenso gut wie die eingeschmolzenen erfüllten, verkauft werden konnte. Das Einschmelzen neuer Münzen war da <62> her offenbar vorteilhaft und wurde auch so unverzüglich vorgenommen, daß keine Vorsicht der Regierung es verhindern konnte. Die Arbeiten der Münze glichen deswegen dem Gewebe der Penelope: was am Tage gemacht war, wurde des Nachts wieder vernichtet. Die Münze war in Tätigkeit nicht sowohl um täglich die Münzen zu vermehren, als um den vorzüglichsten Teil von ihnen, der täglich eingeschmolzen wurde, wieder zu ergänzen. Müßten die Privatleute, die ihr Gold und Silber in die Münze bringen, die Prägungskosten selbst tragen, so würde das den Wert dieser Metalle ebenso erhöhen, wie die Fasson den Wert der Gold- und Silberwaren erhöht. Gemünztes Gold und Silber hätte dann einen höheren Wert als ungemünztes. Der Schlagschatz würde, wenn er nicht übermäßig hoch wäre, dem Rohmetall den ganzen Wert der Abgabe hinzufügen, da die Regierung überall das ausschließliche Münzprivilegium hat und kein Geldstück wohlfeiler auf den Markt kommen kann, als wofür sie es zu liefern für gut findet. Wäre die Abgabe freilich übermäßig hoch, d. h. betrüge sie weit mehr als den wirklichen Wert der Arbeit und Kosten der Prägung, so würden sowohl im Lande, als außerhalb durch den großen Unterschied zwischen dem Werte der Barren und dem der Münze Falschmünzer gereizt werden, so viel Geld nachzumachen, daß der Wert des von der Regierung hergestellten Geldes sänke. Doch hat man in Frankreich, obgleich der Schlagschatz dort acht Prozent beträgt, keinen merklichen Nachteil dieser Art beobachtet. Die Gefahren, denen ein Falschmünzer überall ausgesetzt ist, wenn er sich in dem Lande aufhält, dessen Geld er nachmacht, und denen seine Agenten und Korrespondenten ausgesetzt sind, wenn er sich in einem anderen Lande aufhält, sind viel zu groß, um wegen sechs oder sieben Prozent übernommen zu werden. <63>

Der französische Schlagschntz erhöht den Wert der Münze über ihren Goldgehalt. So wurde durch das Edikt vom Januar 17261 der Münzpreis des feinen Goldes von 24 Karat auf 740 Livres 9 Sous 1 1 / 11 Denier für eine Mark von acht Pariser Unzen festgestellt. Die französische Goldmünze enthält, mit einigem Spielraum für das Remedium, 21 3 / 4 Karat Feingold und 2 1 / 4 Karat Zusatz. Die Mark Standardgold ist also ungefähr nur 671 Livres 10 Deniers wert. In Frankreich wird aber diese Mark Standardgold zu 30 Louisdor à 24 Livies, mithin zu 720 Livres ausgeprägt. Folglich erhöht die Prägung den Wert einer Mark Standardbullion um die Differenz zwischen 671 Livres 10 Deniers und 720 Livres, d. h. um 48 Livres 19 Sous und 2 Deniers.

Ein Schlagschatz wird in vielen Fällen den Gewinn vom Einschmelzen neuer Münzen ganz aufheben, jedenfalls aber ihn verringern. Dieser Gewinn entspringt stets aus dem Unterschied zwischen der Menge Metalls, die das Kurantgeld haben sollte, und der, die es wirklich hat. Beträgt diese Differenz weniger als den Schlagschatz, so entsteht Verlust anstatt Gewinn; ist sie dem Schlagschatz gleich, so findet weder Gewinn noch Verlust statt; ist sie größer als der Schlagschatz, so wird beim Einschmelzen einiger Gewinn bleiben, aber weniger, als wenn es keinen Schlagschatz gäbe. Wenn z. B. vor der letzten Umprägung der Goldmünzen ein Schlagschatz von fünf Prozent genommen worden wäre, so würde das Einschmelzen der Goldmünze mit einem Verlust von drei Prozent vorknüpft gewesen sein; hätte er zwei Prozent betragen, so wäre weder Gewinn noch Verlust zu machen gewesen; hätte er ein Prozent be <64> tragen, so konnte man einen Gewinn machen, aber nur von einem Prozent, nicht von zwei. Überall, wo das Geld zugezählt und nicht zugewogen wird, ist mithin ein Schlagschatz das wirksamste Vorbeugungsmittel gegen das Einschmelzen der Münze, und eben deswegen auch gegen ihre Ausfuhr. Eingeschmolzen oder ausgeführt werden aber gewöhnlich nur die schwersten und besten Stücke, weil an ihnen der meiste Gewinn zu machen ist.

Das Gesetz, das die Prägung, um die Privatleute hierzu zu ermutigen, für abgabenfrei erklärte, wurde zuerst unter Karl II. auf eine beschränkte Zeit gegeben und später verschiedene Male bis zum Jahre 1769 verlängert, und wurde von dieser Zeit an dauernd. Die englische Bank muß oft Barren nach der Münze schicken, um ihre Kassen wieder mit Geld zu füllen, und sie glaubte wahrscheinlich, es sei für sie vorteilhafter, wenn die Prägung auf Kosten der Regierung, statt auf ihre eigenen erfolgte. Vermutlich erfolgte auch die dauernde Festsetzung des erwähnten Gesetzes seitens der Regierung aus Gefälligkeit gegen jene große Gesellschaft. Sollte jedoch der Gebrauch, das Gold zu wägen, abkommen, wie es bei seiner Unbequemlichkeit sehr wahrscheinlich ist, und die englische Goldmünze wieder nach Zahl genommen werden, wie es vor der letzten Umprägung der Fall war, so dürfte die Bank vielleicht finden, daß sie in diesem, wie in manchen anderen Fällen, ihr eigenes Interesse keineswegs verstanden habe.

Da vor der letzten Umprägung das englische Goldgeld um 2 % zu leicht war und kein Schlagschatz genommen wurde, so war es um 2 % weniger wert als die Menge Standardbiillion, die es eigentlich enthalten sollte. Wenn daher die Bank Goldbarren kaufte, um sie ausmünzen zu lassen, so mußte sie dafür 2 % mehr bezahlen, als sie nach der Prägung wert waren. <65> Hätte hingegen ein Schlagschatz von 2 % bestanden, so würde das gewöhnliche Goldgeld, obwohl um 2 % zu leicht, dennoch mit der Menge gesetzlichen Goldes, die es hätte enthalten sollen, gleichen Wert gehabt haben; denn der Wert der Fasson hätte in diesem Falle ersetzt, was an Gewicht abging. Freilich hätte die Bank den Schlagschatz zu zahlen gehabt, der 2% betrug, genau soviel, aber auch nicht mehr, wie jetzt.

Wenn der Schlagschatz 5 % betragen hätte, und das Goldgeld nur um 2 % zu leicht gewesen wäre, so hätte die Bank auf den Preis der Goldbarren 3 % gewonnen: da sie aber einen Schlagschatz von 5% zu zahlen gehabt hätte, so würde ihr Verlust auf das ganze Geschäft ebenfalls genau 2 % betragen haben.

Hätte der Schlagschatz nur 1 % betragen, und wäre das Goldgeld um 2 % zu leicht gewesen, so hätte die Bank auf den Preis der Barren nur 1 % verloren. Da sie aber auch den Schlagschatz von 1 % zu zahlen hatte, so würde ihr Verlust ebenso wie in allen übrigen Fällen sich genau auf 2 % belaufen haben.

Wenn ein mäßiger Schlagschatz bestanden und gleichzeitig die Münze ihr volles Normalgewicht gehabt hätte, wie es seit der letzten Umprägung der Fall war, so würde die Bank den Verlust am Schlagschatz am Barrenpreise wieder einbringen, und ihren Verlust am Barrenpreise am Schlagschatz. Sie würde bei dem Geschäft weder verlieren noch gewinnen, und würde in diesem, wie in allen obigen Fällen, genau in derselben Lage sein, als wenn kein Schlagschatz bestände.

Ist die Abgabe von einer Ware so mäßig, daß sie nicht zum Schmuggel reizt, so schießt der damit handelnde Kaufmann zwar die Abgabe vor, aber bezahlt sie nicht eigentlich, da er sie im Preise der Ware wiedererhält. Die Abgabe wird am Ende von dem letzten Käufer oder Verbraucher bezahlt. Das <66> Geld dagegen ist eine Ware, mit Bezug auf die jeder Kaufmann ist. Niemand kauft sie in einer andern Absicht, als um sie wieder zn verkaufen, und es gibt für sie gewöhnlich keinen letzten Käufer oder Verbraucher. Ist daher die Abgabe für das Prägen so mäßig, daß sie nicht zur Falschmünzerei reizt, so schießt zwar jedermann die Abgabe vor, aber am Ende bezahlt sie niemand, da sie ein jeder in dem erhöhten Werte der Münze wiedererhält.

Ein mäßiger Schlagschatz würde daher in keinem Falle die Kosten der Bank oder eines Privatmannes, der seine Barren zur Ausprägung in die Münze bringt, vermehren, und der Mangel eines mäßigen Schlagschatzes wird sie in keinem Falle vermindern. Es mag ein Schlagschatz genommen werden oder nicht, so kostet, wenn das Kurant sein volles Normalgewicht hat, die Prägung niemand etwas, und wenn es weniger enthält, so muß die Prägung stets die Differenz zwischen der Quantität Bullion, welche in ihr enthalten sein sollte, und der, welche in ihr wirklich enthalten ist, kosten.

Wenn also der Staat die Prägungskosten bestreitet, so nimmt er nicht nur eine kleine Ausgabe auf sich, sondern verliert auch ein kleines Einkommen, das er durch eine angemessene Abgabe erhalten könnte; und weder der Bank noch den Privatleuten kommt diese nutzlose Großmut zu gute.

Doch würden die Bankdirektoren die Einführung eines Schlagschatzes, wodurch ihnen kein Gewinn erwächst, sondern nur kein Verlust entsteht, wahrscheinlich nur ungern sehen. Bei der dermaligen Beschaffenheit der Goldmünze, und solange sie nach Gewicht genommen wird, würden sie durch eine solche Veränderung nichts gewinnen. Sollte aber der Gebrauch, die Goldmünze zu wägen, einmal abkommen, wie es <67> sehr wahrscheinlich ist, und die Goldmünze wieder so schlecht werden, wie vor der letzten Umprägung, so würde der Gewinn oder richtiger die Ersparnis der Bank durch den auferlegten Schlagschatz wahrscheinlich recht bedeutend sein. Die Bank von England ist die einzige Gesellschaft, die eine bedeutende Menge Barren in die Münze schickt, und die jährliche Prägung fällt ihr ganz oder beinahe ganz zur Last. Wenn diese jährliche Prägung nur die unvermeidlichen Verluste und die Abnutzung der Münze zu ersetzen hätte, so würden die Kosten schwerlich mehr als £ 50,000 oder höchstens 100,000 betragen. Wenn aber die Münze unter ihr Normalgewicht sinkt, so müssen die Prägungen auch noch die großen Lücken ausfüllen, die die Ausfuhr und der Schmelztiegel fortwährend in dem Umlauf machen. Deshalb betrug in den zehn oder zwölf Jahren vor der letzten Umprägung der Goldmünze die jährliche Ausbringung im Durchschnitt mehr als £ 850,000. Hätte auf die Goldmünze ein Schlagschatz von 4 oder 5 % bestanden, so hätte dies wahrlich selbst in den damaligen Verhältnissen sowohl die Ausfuhr als das Einschmelzen wirksam verhindert. Die Bank würde, statt jedes Jahr etwa 2 % auf die Barren zu verlieren, aus denen mehr als £ 850,000 gemünzt werden mußten, oder statt einen jährlichen Verlust von mehr als £ 21,250 zu erleiden, wahrscheinlich nicht den zehnten Teil dieses Verlustes zu tragen gehabt haben.

Die vom Parlament jährlich bewilligten Münzkosten betragen nur £ 14,000 jährlich, und die wirklichen Kosten an Gehältern für die Münzbeamten betragen, wie man versichert, in der Regel kaum die Hälfte dieser Summe. Die Ersparnis einer so kleinen Summe oder auch der Gewinn einer nicht viel größeren ist, sollte man glauben, zu unbedeutend, um die ernstliche Be <68> achtung der Regierung zu verdienen. Dagegen ist die jährliche Ersparnis von £ 18 bis 20,000 in einem Falle, der nicht unwahrscheinlich ist, der früher öfters vorkam und sehr wahrscheinlich wieder eintreten wird, ein Gegenstand, der selbst für eine so große Gesellschaft, wie es die Bank von England ist, Beachtung verdient.

Einige von den vorstehenden Erörterungen hätten vielleicht besser in den Kapiteln des ersten Buches ihre Stelle gefunden, die von dem Ursprung und Nutzen des Geldes und von dem Unterschiede zwischen dem Sach- und Nominalpreise der Waren handeln. Da jedoch das Gesetz, das die Privatleute zur Prägung von Münzen ermuntern soll, seinen Ursprung aus den vulgären Vorurteilen herleitet, die durch das Merkantilsystem in Aufnahme gekommen sind, so hielt ich es für geeigneter, sie auf dieses Kapitel zu versparen. Nichts konnte dem Geiste dieses Systems angemessener sein, als eine Art von Prämie auf die Produktion von Geld, dieses vermeintlichen Hauptbestandteils des Volkswohlstandes. Sie ist eines seiner vielen merkwürdigen Mittel, das Land zu bereichern. <69>


1. Siehe: Dictionnaire des Monnoies, tom. II. article Seigneurage, p. 489, par M. Abot de Bazinghen. Conseiller Commissaire à la Cour des Monnoies à Paris.