Fünftes Kapitel. Über Ausfuhrprämien (Anfang Band III der deutschen Ausgabe).

Ausfuhrprämien sind in Großbritannien oft verlangt und manchmal für die Erzeugnisse bestimmter heimischer Gewerbzweige (branches of domestic industry) bewilligt worden. Vermittelst ihrer, behauptet man, werden unsere Kaufleute und Fabrikanten in den Stand gesetzt, ihre Waren so billig oder billiger zu verkaufen, als ihre Nebenbuhler auf den auswärtigen Märkten. Auf diese Weise, sagt man, wird eine größere Menge exportiert und folglich die Handelsbilanz mehr zu Gunsten des eigenen Landes gewendet. Wir können unseren Geschäftsleuten kein Monopol auf dem fremden Markte geben, wie wir es auf dem heimischen getan haben; wir können die Ausländer nicht zum Kauf ihrer Waren zwingen, wie wir es mit unseren Landsleuten getan haben. Das beste Auskunftsmittel, meinte man, sei also, sie dafür zu bezahlen, wenn sie kaufen. Auf diese Art will das Merkantilsystem das ganze Land bereichern und mittelst der Handelsbilanz alle unsere Taschen füllen.

Doch gibt man zu, daß Prämien nur für die Geschäftszweige bewilligt werden sollten, welche ohne sie nicht betrieben werden könnten. Jeder Geschäftszweig aber, in dem der Kaufmann seine Waren für einen Preis verkaufen kann, der ihm das Gesamtanlagekapital nebst dem gewöhnlichen Gewinn ersetzt, kann ohne Prämien betrieben werden und kann also keine Begünstigung ver <2> langen. Nur die Geschäfte fordern Prämien, in denen der Kaufmann genötigt ist, seine Waren für einen Preis zu verkaufen, der ihm sein Kapital nebst dem gewöhnlichen Gewinn nicht ersetzt, oder in denen er genötigt ist, sie unter den wirklichen Herstellungskosten zu verkaufen. Die Prämie wird bewilligt, um diesen Verlust gutzumachen und ihn zu ermutigen ein Geschäft fortzusetzen oder vielleicht zu beginnen, dessen mutmaßliche Kosten größer sind, als das Erträgnis, das einen Teil des Anlagekapitals aufißt und Eigenschaften hat, die, wenn alle anderen Geschäftszweige ihm glichen, bald kein Kapital mehr im Lande lassen würde.

Die Geschäfte, die mittelst Prämien betrieben werden, sind die einzigen, welche zwischen zwei Völkern längere Zeit hindurch auf solche Art betrieben werden können, daß das eine von ihnen stets und regelmäßig einen Verlust erleidet oder seine Waren unter ihren Herstellungskosten verkauft. Wenn die Prämie dem Kaufmann den sonst zu erleidenden Verlust nicht ersetzte, so würde sein Interesse ihn bald nötigen, sein Kapital auf andere Weise anzulegen, d. h. ein Geschäft ausfindig zu machen, in dem der Preis der Waren ihm das Anlagekapital nebst dem gewöhnlichen Gewinn ersetzt. Der Erfolg der Prämien kann, wie derjenige aller anderen Hilfsmittel des Merkantilsystems, nur der sein, die Geschäfte eines Landes in einen viel unvorteilhafteren Kanal zu drängen, als der, in den sie von selbst einströmen würden.

Der geist- und kenntnisreiche Verfasser der Tracts upon the corn trade hat sehr klar bewiesen, daß, seit auf die Getreideausfuhr zuerst Prämien bewilligt worden sind, der Wert des ausgeführten Getreides nach ganz mäßigem, den des eingeführten nach sehr hohem Anschlag um eine viel größere Summe überstiegen hat, als die gesamten w ährend dieses Zeitraums gezahlten Prämien <3> betragen haben. Dies, meint er gemäß den Grundsätzen des Merkantilsystems, sei ein klarer Beweis, daß der gewaltsam betriebene Kornhandel wohltätig für die Nation sei; der Wert der Ausfuhr überschritt den der Einfuhr um eine viel größere Summe, als die gesamten außergewöhnlichen Kosten, die das Publikum zu tragen hatte, um die Ausfuhr zu ermöglichen. Er bedenkt nicht, daß diese außerordentlichen Kosten, d.h. die Prämie, der kleinste Teil der Kosten sind, welche die Getreideausfuhr dem Publikum tatsächlich verursacht. Das von den Landwirten zur Getreideerzeugung verwendete Kapital muß ebenfalls in Rechnung gezogen werden. Ersetzt nicht der Preis des auf ausländischen Märkten verkauften Getreides nicht allein die Prämie, sondern auch dieses Kapital nebst dem Kapitalgewinn, so verliert das Volk die Differenz, oder das Nationalvermögen ist um soviel vermindeit. Der wahre Grund jedoch, weswegen man eine Prämie glaubte bewilligen zu müssen, lag in der Voraussetzung, daß der Preis dies nicht zu tun vermöge. Der durchschnittliche Preis des Getreides, hat man gesagt, ist seit der Einführung der Prämie bedeutend gefallen. Daß der durchschnittliche Getreidepreis gegen Ende des vorigen Jahrhunderts zu sinken begann und damit auch während der ersten 64 Jahre dieses Jahrhunderts fortfuhr, habe ich bereits zu zeigen gesucht. Allein dieses Ergebnis muß, seine Tatsächlichkeit vorausgesetzt, trotz der Prämie eingetreten und kann nicht eine Folge von ihr sein. Es ist in Frankreich so gut wie in England eingetreten, obwohl in Frankreich nicht allein keine Prämie bestand, sondern bis 1764 die Getreideausfuhr durchaus verboten war. Dieser allmählich sinkende Mittelpreis des Getreides ist mithin wahrscheinlich weder der einen noch der anderen Maßnahme zu verdanken, sondern jenem allmählichen unmerklichen Steigen des Silberwerts, das ich in seinem <4> auf dem europäischen Markt während dieses Jahrhunderts stattgefundenen Auftreten im ersten Buche nachzuweisen gesucht habe. Es scheint vollkommen unmöglich, daß die Prämie jemals zur Ermäßigung des Getreidepreises beitragen könne.

In Jahren reicher Ernten hält, wie bereits bemerkt worden ist, die Prämie durch ihre Wirkung auf eine außerordentliche Ausfuhr den Preis des Getreides auf dem heimischen Markte notwendig über dem Niveau, auf das es naturgemäß fallen würde. Diese Wirkung war der eingestandene Zweck der Maßregel. In Jahren schlechter Ernten muß, obwohl dann die Zahlung der Prämie oft eingestellt wird, gleichwohl die große Ausfuhr, die sie in Jahren reicher Ernten veranlaßt, häufig mehr oder weniger verhindern, daß die Fülle eines Jahres den Mangel eines anderen deckt. Sowohl in Jahren reicher, wie in Jahren spärlicher Ernten strebt daher die Prämie notwendig dahin, den Geldpreis des Getreides etwas höher zu steigern, als er sonst auf dem inneren Markte sein würde.

Daß bei dem dermaligen Zustande des Ackerbaus die Prämie notwendig diese Neigung haben muß, wird, denke ich, von keinem vernünftigen Manne bestritten werden. Allein viele Leute haben geglaubt, daß sie den Ackerbau befördern werde, und zwar auf zweierlei Weise, erstlich durch Öffnung eines ausgedehnteren fremden Marktes für das Getreide des Landwirts, wodurch, wie man meint, die Nachfrage und mithin auch die Erzeugung dieser Ware gesteigert wird ; und zweitens dadurch, daß sie ihm einen besseren Preis verschafft, als er bei dem dermaligen Zustand des Ackerbaus sonst erwarten könnte, was, wie man behauptet, gleichfalls den Ackerbau fördere. Diese doppelte Begünstigung müsse, glaubt man, in einer langen Reihe von Jahren eine solche Zunahme der Erzeugung veranlassen, daß der Preis auf dem heimischen Markte weit mehr sinkt, <5> als die Prämie ihn bei dem Stand, den der Ackerbau am Ende dieses Zeitraums einnehmen wird, steigern kann. Ich antworte, daß, wie sehr auch der Markt durch die Prämie ausgedehnt werden möge, es doch in jedem Jahre durchaus nur auf Kosten der heimischen Märkte geschieht, da jeder Scheffel Getreide, der infolge der Prämie ausgeführt wird, und der ohne die Prämie nicht ausgeführt werden würde, auf dem heimischen Markte geblieben wäre, um den Verbrauch zu vermehren und den Preis zu ermäßigen. Die Kornprämie, wie jede andere Prämie, legt, wie man beachten muß, dem Volk zwei verschiedene Steuern auf; erstlich die Steuer, die es aufbringen muß, um die Prämie zu zahlen, und zweitens die Steuer, die aus dem erhöhten Preis der Ware auf dem heimischen Markte entspringt und die, da für Korn das gesamte Volk Käufer ist, bei dieser Ware vom gesamten Volke bezahlt werden muß. Bei dieser besonderen Ware ist mithin die zweite Steuer bei weitem die höchste der beiden Besteuerungen. Nehmen wir an, ein Jahr ins andere gerechnet, die Prämie von 5 sh. auf die Ausfuhr eines Quarter Weizens steigere seinen Preis auf dem heimischen Markte nur um 6 d. für den Scheffel oder 4 sh. für den Quarter, so würde selbst bei dieser sehr mäßigen Annahme die ganze Masse des Volks über die die Prämie zahlende Steuer hinaus noch weitere 4 sh. auf jeden vom Volke selbst verzehrten Quarter zahlen. Nach dem sehr gut unterrichteten Verfasser der Tracts upon the corn trade verhält sich aber das ausgeführte Getreide zu dem im Lande verbrauchten nur wie 1 zu 31. Für je 4 sh., die man zur Zahlung der ersten Steuer beiträgt, muß man also £ 6 4 sh. zur Zahlung der zweiten beitragen. Eine so ungemein schwere Steuer auf das erste Lebensbedürfnis muß entweder die Nahrungsmenge der Arbeiter herabsetzen, oder eine der Erhöhung des Geld <6> preises entsprechende Steigerung ihrer Geldlöhne veranlassen. Sofern sie auf die erstere Weise wirkt, muß sie die Fähigkeit der Arbeiter herabsetzen, Kinder aufzuziehen und zu unterrichten, und mithin den Bevölkerungszuwachs des Landes hemmen. Soweit sie auf die andere Weise wirkt, muß sie die Fähigkeit der Arbeitgeber verringern, eine so große Anzahl zu beschäftigen, wie sie es sonst könnten, und mithin den Gewerbfleiß des Landes einschränken. Die durch die Prämien veranlaßte außerordentliche Getreideausfuhr vermindert daher in jedem Jahr nicht allein den heimischen Markt genau in dem Umfang, wie sie den auswärtigen Markt und den auswärtigen Verbrauch ausdehnt, sondern indem sie den Zuwachs der Bevölkerung und der Industrie des Landes hemmt, treibt sie schließlich dahin, die allmähliche Ausdehnung des heimischen Marktes zu verkümmern und sonach mit der Zeit den gesamten Markt und Verbrauch von Getreide eher zu vermindern als zu vermehren.

Die Erhöhung des Geldpreises jedoch, meint man, müsse dadurch, daß der Getreidebau für den Landwirt gewinnreicher werde, notwendig die Produktion begünstigen.

Ich antworte, daß dies der Fall sein könnte, wenn die Wirkung der Prämie die wäre, den Sachpreis des Korns zu steigern oder den Landwirt zu befähigen, mit einer gleichen Menge davon eine größere Zahl von Arbeitern in derselben, ob reichlichen, mäßigen oder dürftigen Weise zu erhalten, in der andere Arbeiter der Gegend unterhalten werden. Aber es ist klar, daß weder die Prämie noch sonst eine menschliche Einrichtung einen solchen Erfolg haben kann. Nicht der Sachwert, sondern nur der Nominalpreis dos Korns kann durch die Prämie erheblich geändert werden. Und obwohl die Steuer, welche diese Maßnahme dem gesamten Volk auferlegt <7> für die Steuerzahler sehr drückend sein dürfte, ist sie für die Empfänger doch von sehr geringem Nutzen.

Die tatsächliche Wirkung der Prämie ist nicht sowohl, den Sachwert des Getreides zu steigern, als den Sachwert des Silbers zu erniedrigen; d. h. eine gleiche Menge davon für eine geringere Menge nicht allein Korns, sondern aller anderen heimischen Waren austauschen zu können; denn der Geldpreis des Getreides bestimmt den Preis aller anderen heimischen Waren.

Er regelt den Geldpreis der Arbeit, der stets ein solcher sein muß, daß der Arbeiter imstande ist, eine für seinen eigenen wie für den Unterhalt seiner Familie hinreichende Menge Getreides zu kaufen, nach Maßgabe des reichlichen, mäßigen oder dürftigen Unterhalts, der je nach der voranschreitenden, stillstehenden oder sinkenden Lage des Volks geboten ist.

Er regelt den Geldpreis aller anderen Rohprodukte des Bodens, der in jeder Kulturperiode zu dem des Getreides in einem bestimmten Verhältnisse stehen muß, wenn auch dies Verhältnis in verschiedenen Zeiträumen ein ungleiches ist. Er regelt z. B. den Geldpreis von Gras und Heu, Fleisch und Pferdefutter, folglich der Landfracht oder des Hauptverkehrsmittels im Binnenlande.

Durch Regelung des Geldpreises aller anderen Rohprodukte des Bodens regelt er den der Rohstoffe fast aller Fabrikate. Durch Regelung des Geldpreises der Arbeit regelt er den des Handwerks und der Fabrikation und durch Regelung beider den der gesamten Industrie. Der Geldpreis der Arbeit und aller Erzeugnisse des Bodens oder der Arbeit muß im Verhältnis zum Geldpreise des Getreides steigen oder fallen.

Obwohl mithin infolge der Prämie der Pächter imstande ist, sein Getreide für 4 sh. den Scheffel anstatt für 3 1 / 2 zu verkaufen und seinem Grundherrn eine verhältnismäßig höhere Geldrente zu zahlen, so werden <8> doch, wenn infolge dieser Steigerung des Getreidepreises 4 sh. nicht mehr heimische Waren aller anderen Art kaufen, als ehedem 3 1 / 2 sh., weder die Verhältnisse des Pächters noch die des Grundherrn dadurch verbessert. Der Pächter wird nicht imstande sein, auf mehr Kulturverbesserungen zu denken, der Grundherr nicht, besser zu leben. Beim Ankauf ausländischer Waren mag ihnen die Erhöhung des Getreidepreises einigen Nutzen verschaffen; beim Ankauf heimischer Waren kann er ihnen keinen Nutzen bringen. Und fast die gesamten Ausgaben des Pächters und die meisten des Grundherrn bestehen in Ausgaben für heimische Waren.

Die Silberentwertung, die aus der Ergiebigkeit der Minen hervorgeht und die in der ganzen Handelswelt gleichmäßig oder ziemlich gleichmäßig wirkt, ist für jedes einzelne Land eine Sache von geringer Bedeutung. Das dadurch herbeigefühlte Steigen aller Geldpreise kann diejenigen, die sie empfangen, nicht reicher, aber auch nicht ärmer machen. Ein Silberservice wird tatsächlich billiger, jedes andere Ding aber behält genau seinen früheren Sachwert.

Die Silberentwertung hingegen, die die Wirkung entweder besonderer Umstände oder der politischen Maßnahmen eines einzelnen Landes ist und nur in diesem Lande platzgreift, ist eine Sache von sehr großer Bedeutung und muß, weit entfernt, irgend jemanden wirklich reicher zu machen, vielmehr jedermann ärmer machen. Das Steigen im Geldpreise aller Waren, das in diesem besonderen Fall dem Lande allein eigentümlich ist, muß mehr oder weniger alle Arten des darin betriebenen Gewerbfleißes schädigen und auswärtige Nationen in den Stand setzen, fast alle Arten von Waren um eine geringere Silbermenge zu liefern, als es die Arbeiter des betreffenden Landes zu tun vermögen, und <9> diese daher nicht allein auf dem auswärtigen, sondern sogar auf dein heimischen Markte zu unterbieten.

Spanien und Portugal sind als Besitzer der Minen in der Lage, die Verteiler des Goldes und Silbers an alle anderen europäischen Länder zu sein. Diese Metalle müssen daher naturgemäß in Spanien und Portugal etwas billiger sein, als in allen anderen Ländern Europas; doch kann derUnterschied sich nicht höher belaufen, als auf die Fracht- und Versicherungskosten; und die Frachtkosten sind wegen des großen Wertes und geringen Umfangs dieser Metalle nicht von Belang, und die Versicherungskosten sind dieselben, wie bei allen anderen Waren von gleichem Wert. Spanien und Portugal könnten daher durch ihre besondere Lage nur sehr wenig leiden, wenn sie nicht ihre Nachteile durch politische Maßnahmen erschwerten.

Spanien belastete durch Besteuerung und Portugal durch Verbot der Gold- und Silberausfuhr diese Ausfuhr mit den Kosten des Schmuggels, und der Wert dieser Metalle in anderen Ländern wurde um diese gesamten Kosten erhöht. Wenn man einen Fluß abdämmt, so muß, sobald das Bett voll ist, ebenso viel Wasser über den Damm fließen, als wenn der Fluß nicht eingedämmt worden wäre. Das Verbot der Ausfuhr kann keine größere Menge Gold und Silber in Spanien und Portugal zurückhalten, als die das Jahresprodukt ihres Bodens und ihrer Arbeit ihnen in Münze, Geschirr, Vergoldungen und anderen Zierraten von Gold und Silber zu verwenden gestatten wird. Haben sie diese Menge gewonnen, so ist das Bett gefüllt, und was später hineinfließt, muß überströmen. Die jährliche Ausfuhr von Gold und Silber aus Spanien und Portugal kommt daher nach allen Schätzungen, trotz jener Hemmungen, tier gesamten Jahreseinfuhr nahezu gleich. Da jedoch das Wasser hinter dem Damm stets tiefer sein muß, als <10> vor ihm, so muß die Menge Gold und Silber, die diese Hemmungen in Spanien und Portugal zurückhalten, im Verhältnis zum Jahresertrag ihres Bodens und ihrer Arbeit größer sein, als in anderen Ländern. Je hoher und stärker der Damm, desto größer muß der Unterschied in der Tiefe des Wassers vor und hinter ihm sein. Je höher die Steuer, je höher die Strafen auf die Übertretung des Verbots, je wachsamer und eifriger die Polizei, die die Ausführung des Gesetzes beaufsichtigt, desto größer muß der Unterschied zwischen dem Verhältnis des Goldes und Silbers zum Jahresertrag von Boden und Arbeit in Spanien und Portugal und dem in anderen Ländern sein. In der Tat soll dieses Mißverhältnis sehr groß sein und man soll oft eine Verschwendung von Silbergeräten in Häusern finden, in denen sonst nichts anzutreffen ist, was sich in anderen Ländern gewöhnlich mit dieser Art von Reichtumsentfaltung verbindet. Die Billigkeit des Goldes und Silbers, oder was dasselbe ist, die Teurung aller Waren, die das notwendige Ergebnis dieses Überflußes an edlen Metallen ist, schädigt sowohl die Landwirtschaft, wie die Industrie Spaniens und Portugals, und befähigt fremde Länder, sie mit vielen Sorten von Rohprodukten und mit fast allen Sorten von Fabrikaten um eine geringere Menge von Gold und Silber zu versorgen, als wofür sie selbst sie im Lande erzeugen oder vorfertigen könnten. Die Steuer und das Verbot wirken auf zwei verschiedene Arten. Sie ermäßigen nicht allein den Wert der edlen Metalle in Spanien und Portugal sehr erheblich, sondern, indem sie eine gewisse Menge dieser Metalle, die sonst nach anderen Ländern geströmt sein würde, zurückhalten, müssen sie deren Wert in den anderen Ländern etwas über dem Niveau erhalten, das er sonst erreichen würde, und dadurch diesen Ländern in ihrem Handel mit Spanien und Portugal einen doppel <11> ten Vorteil verleihen. Man öffne die Schleusen und sogleich wird oberhalb des Damms weniger und unterhalb mehr Wasser stehen, und bald wird an beiden Orten das Gleichgewicht hergestellt sein. Man beseitige die Steuer und das Verbot, und die Menge des Goldes und Silbers wird sich in Spanien und Portugal bedeutend vermindern, in anderen Ländern dagegen sich etwas vermehren und der Wert dieser Metalle, sein Verhältnis zum Jahresertras: des Bodens und der Arbeit wird bald in allen Ländern ins Gleichgewicht kommen. Der Verlust, den Spanien und Portugal durch diese Ausfuhr ihres Goldes und Silbers erleiden könnten, wäre nur ein nomineller und eingebildeter. Der nominelle Wert ihrer Waren und des Jahresprodukts ihres Bodens und ihrer Arbeit würde sinken und durch eine geringere Menge Silber als ehedem ausgedrückt oder dargestellt werden. Aber sein wahrer Wert würde der gleiche sein wie ehedem und hinreichen, die nämliche Menge von Arbeit zu unterhalten, zu beherrschen und zu verwenden. Da der nominelle Wert ihrer Waren sinken würde, so würde der Sachwert des ihnen verbleibenden Goldes und Silbers steigen, und eine kleinere Menge dieser Metalle würde dieselben Zwecke des Verkehrs und des Umlaufs erfüllen, welche eine größere Menge verrichtet hatte. Das Gold und Silber, das nach dem Auslande ginge, würde nicht umsonst dahin gehen, sondern einen gleichen Betrag an Waren dieser oder jener Art zurückbringen. Diese Waren würden auch nicht lediglich Luxusartikel sein, die nur von müßigen im Ersatz für ihre Verzehrung nichts erzeugenden Leuten verbraucht werden, denn der Sachwert und das Einkommen müßiger Leute würden durch diese außergewöhnliche Ausfuhr von Gold und Silber nicht vermehrt. Diese Waren würden aller Wahrscheinlichkeit nach meistenteils in Rohstoffen, Werkzeugen und Lebensmitteln behufs Be <12> schäftigung und Unterhalt fleißiger Leute bestehen, die den vollen Wert ihres Verbrauchs mit Gewinn wiedererzeugen. Ein Teil des toten Volkskapitals würde so in lebendiges Kapital umgewandelt werden und eine größere Menge Fleiß in Bewegung setzen, als vorher beschäftigt wurde. Der Jahresertrag von ihrem Boden und ihrer Arbeit würde sofort ein wenig zunehmen und in einigen Jahren wahrscheinlich sehr bedeutend zugenommen haben; und ihr Gewerbfleiß wäre so von einer der drückendsten Lasten befreit, denen er jetzt erliegt.

Die Ausfuhrprämie auf Getreide wirkt notwendig genau ebenso, wie diese törichte Politik Spaniens und Portugals. Welches auch der dermalige Stand des Ackerbaus sei, sie macht unser Getreide auf dem inländischen Markt etwas teurer und auf dem ausländischen etwas billiger, als es sonst sein würde; und da der durchschnittliche Geldpreis des Getreides mehr oder weniger den aller anderen Waren bestimmt, so entwertet sie das Silber in dem einen Lande erheblich und steigert seinen Wert ein wenig im andern. Sie setzt die Ausländer, besonders die Holländer, in den Stand, nicht allein billiger zu essen, als sie es sonst könnten, sondern auch zuweilen billiger, als unsere eigene Bevölkerung, wie wir von einem vortrefflichen Gewährsmann, Sir Matthew Dekker, belehrt werden. Sie hindert unsere Arbeiter, ihre Waren für eine so geringe Silbermenge zu liefern, wie sie es sonst tun könnten und ermöglicht den Holländern, die ihrigen für eine geringere Menge zu liefern. Sie macht unsere Fabrikate auf allen Märkten etwas teurer und die ihrigen etwas billiger, als sie es sonst sein würden, und gibt folglich ihrer Industrie einen doppelten Vorteil über die unsrige.

Da die Prämie auf dem heimischen Markte nicht sowohl den Sach- als den Nominalpreis unseres Getreides <13> steigert, da sie nicht die Arbeitsmenge, die eine gewisse Getreidemenge unterhalten und beschäftigen kann, sondern nur die Silbermenge, die dafür auszutauschen ist, vermehrt, so benachteiligt sie unsere Industrie, ohne unserer Landwirtschaft irgendwie einen bedeutenden Dienst zu leisten. Allerdings bringt sie etwas mehr Geld in die Taschen der Landwirte und es ist vielleicht etwas schwierig, die meisten von ihnen zu überzeugen, daß dies nicht ein sehr bedeutender Dienst sei. Aber, wenn dieses Geld in seinem Werte sinkt, und die Menge der Arbeit, der Lebensmittel und aller Waren heimischen Ursprungs, die man damit kaufen kann, in demselben Grade geringer wird, wie das Geld in seiner Menge steigt, dann wird der Dienst kaum mehr als nominell und eingebildet sein.

Im ganzen Staate gibt es vielleicht nur eine Klasse von Leuten, denen die Prämie einen erheblichen Dienst geleistet hat oder leisten konnte. Dies waren die Getreidehändler, die Getreide aus- und einführen. In Jahren mit reichen Ernten veranlaß te natürlich die Prämie eine größere Ausfuhr als sonst platzgegriffen haben würde, und, indem sie eine Ausgleichung zwischen den reichen Vorräten des einen und den dürftigen des anderen Jahres verhinderte, veranlaßte sie in Jahren geringerer Ernten eine größere Einfuhr, als sonst nötig gewesen wäre. In beiden Fällen steigerte sie die Geschäfte des Getreidehändlers; und in Jahren des Mangels ermöglichte sie ihm nicht allein eine größere Menge einzuführen, sondern auch sie für einen besseren Preis und folglich mit einem größeren Gewinn zu verkaufen, als er es sonst hätte tun können, wenn die Fülle des einen Jahres sich mit dem Mangel eines anderen mehr oder weniger hätte ins Gleichgewicht setzen können. Unter dieser Klasse von Leuten habe ich demgemäß den größten Eifer für die Fortdauer oder Erneuerung der Prämie gefunden. <14>

Unsere Landedelleute, als sie auf die Einfuhr fremden Getreides die in Zeiten mäßiger Ernten einem Verbot gleichkommenden hohen Zölle legten und die Prämie einführten, scheinen das Verfahren unserer Fabrikanten nachgeahmt zu haben. Durch die eine Einrichtung sicherten sie sich das Monopol des heimischen Marktes und durch die andere suchten sie zu verhüten, daß der Markt mit ihren Waren jemals überführt werde. Durch beide Veranstaltungen suchten sie den Sachwert ihrer Waren in der gleichen Weise zu steigern, wie unsere Fabrikanten durch die gleichen Veranstaltungen den Sachwert der verschiedenen Fabrikate gesteigert haben. Sie waren sich wohl nicht des großen wesentlichen Unterschieds bewußt, den die Natur zwischen Getreide und fast jeder anderen Art von Waren gemacht hat. Wenn man durch das Monopol des einheimischen Marktes oder durch eine Ausfuhrprämie unsere Wollen- und Leinenweber in den Stand setzt, ihre Waren zu einem etwas besseren Preise zu verkaufen, als sie sonst dafür erhalten könnten, so erhöht man nicht nur den Nominal-, sondern auch den Sachpreis dieser Waren. Man macht sie einer größeren Menge Arbeit und Lebensmittel gleichwertig; man erhöht nicht bloß den nominellen, sondern den tatsächlichen Gewinn, das wirkliche Vermögen und Einkommen dieser Fabrikanten, und ermöglicht ihnen, entweder besser zu leben, oder eine größere Menge Arbeiter in diesen Industriezweigen zu beschäftigen. Man begünstigt diese Industriezweige tatsächlich, und lenkt eine größere Menge Gewerbsamkeit in sie hinein, als sich ihnen von selbst zugewendet hätte. Erhöht man dagegen durch dergleichen Veranstaltungen den Nominal- oder Geldpreis des Getreides, so erhöht man keineswegs seinen Sachwert; man vermehrt nicht das wahre Vermögen, die wahren Einkünfte unserer Pächter oder Landjunker und befördert auch ebensowenig den Ge <15> treidebau, denn man setzt jene nicht in den Stand, mehr Arbeiter zu unterhalten und zu beschäftigen. Die Natur der Dinge hat das Getreide mit einem wirklichen Werte gestempelt, der durch die bloße Änderung seines Geldpreises nicht verändert werden kann. Keine Ausfuhrprämie, kein Monopol auf dem inländischen Markte kann diesen Wert erhöhen: der freieste Wettbewerb kann ihn nicht erniedrigen. In der ganzen Welt ist dieser Wert der Arbeitsmenge gleich, die damit erhalten werden kann, und an jedem einzelnen Orte der Arbeitsmenge, die er dort gewöhnlich unterhalten kann, gleichviel, ob er je nach den örtlichen Bedingungen einen reichlichen, mäßigen oder spärlichen Unterhalt gewährt. Nach Tuch oder Leinwand richtet sich der Wert aller übrigen Waren nicht; nach Getreide wohl. Der Sachwert jeder anderen Ware wird zuletzt immer nach dem Verhältnis ihres durchschnittlichen Geldpreises zum durchschnittlichen Geldpreise des Getreides gemessen und bestimmt. Der Sachwert des Getreides schwankt aber nicht mit jenen Schwankungen seines durchschnittlichen Geldpreises, die sich zuweilen von einem Jahrhundert zum andern ereignen. Mit ihnen schwankt nur der Sachwert des Silbers.

Gegen Ausfuhrprämien auf inländische Waren läßt sich erstlich der allgemeine Einwand erheben, der überhaupt alle die Mittel des Merkantilsystems trifft, daß sie einen Teil der Landesindustrie in einen minder vorteilhaften Kanal drängen, als in den er von selbst strömen würde; zweitens aber sind sie dem besonderen Einwurf ausgesetzt, daß sie die Industrie nicht nur in einen minder vorteilhaften, sondern in einen geradezu schädlichen Kanal drängen, da ein Handel, der nur mittelst Prämien betrieben werden kann, notwendig ein Handel mit Verlust ist. Gegen die Prämie auf die Getreideausfuhr ist aber noch der weitere Einwand zu <16> machen, daß sie ihren Zweck, die Hervorbringung dieser Ware zu befördern, in keiner Weise erreichen kann. Als daher unsere Landedelleute die Einführung der Prämie verlangten, ahmten sie zwar hierin unseren Kaufleuten und Fabrikanten nach, handelten aber nicht mit jenem vollen Verständnis des eigenen Interesses, das das Verhalten der beiden anderen Klassen zu leiten pflegt. Sie belasteten das Staatseinkommen mit einer sehr bedeutenden Ausgabe und legten dem ganzen Volke eine sehr schwere Steuer auf; aber sie erhöhten den Sachwert ihrer eigenen Ware keineswegs, schwächten durch Entwertung des Silbers bis auf einen gewissen Grad den allgemeinen Gewerbfleiß des Landes, und verzögerten dadurch mehr oder weniger die Verbesserung ihrer eigenen Ländereien, die vom allgemeinen Gewerbfleiße des Landes durchaus abhängig ist.

Will man die Produktion einer Ware begünstigen, so würde, sollte man meinen, eine Prämie auf die Erzeugung unmittelbarer zum Ziele führen, als eine Prämie auf die Ausfuhr. Sie würde überdies dem Volke nur die eine Abgabe auferlegen, die es zur Zahlung der Prämie beitragen muß. Statt den Preis der Ware auf dem heimischen Markte zu steigern, würde sie ihn erniedrigen, und statt dem Volke eine zweite Auflage aufzubürden, würde sie ihm wenigstens zum Teil dasselbe wiedereinbringen, was es zur ersten Abgabe beigetragen hatte. Indes sind Prämien auf die Produktion nur sehr selten bewilligt worden. Die Vorurteile des Merkantilsystems haben den Glauben genährt, daß der Volkswohlstand unmittelbarer durch die Ausfuhr als durch die Produktion entstehe, und daber wurde jene als das direktere Mittel, Geld ins Land zu bringen, mehr begünstigt. Auch zeige die Erfahrung, sagt man, daß Prämien auf die Produktion eher zu Betrügereien führen, als Ausfuhrprämien. Wie weit dies richtig ist, weiß <17> ich nicht, daß aber Ausfuhrprämien zu mancherlei betrügerischen Zwecken mißbraucht worden sind, ist hinlänglich bekannt. Es liegt jedoch nicht im Interesse der Kaufleute und Fabrikanten, der Haupterfinder aller dieser Kunstmittel, daß der heimische Markt mit ihren Waren überführt werde, wie es Produktionsprämien wohl öfters veranlassen könnten. Ausfuhrprämien setzen sie in den Stand, den Überschuß außer Landes zu schicken, und den Preis des auf dem heimischen Markte Zurückbleibenden hoch zu erhalten, und verhüten dadurch eine Überführung. Sie sind daher unter allen Kunstmitteln des Merkantilsystems dasjenige, von dem sie am meisten eingenommen sind. Ich weiß, daß verschiedene Fabrikanten unter einander die Verabredung getroffen hatten, auf die Ausfuhr eines gewissen Teils ihrer Waren aus ihrer eigenen Tasche eine Prämie zu geben. Dieses Mittel schlug so gut an, daß es, trotz der sehr bedeutenden Vermehrung der Erzeugung den Preis ihrer Waren auf dem heimischen Markte verdoppelte. Die Wirkung der Getreideprämie müßte hiervon merkwürdig verschieden gewesen sein, wenn sie den Geldpreis des Getreides ermäßigt hätte.

Übrigens ist etwas einer Produktionsprämie Ähnliches allerdings in einigen Fällen bewilligt worden. Die Prämien für den Herings- und Wallfischfang lassen sich wohl als etwas derartiges ansehen. Sie haben, wie man annehmen kann, geradezu den Zweck, die beiden Sachen auf dem heimischen Markte etwas wohfeiler zu machen, als sie es sonst sein würden. In anderen Beziehungen haben sie unleugbar dieselbe Wirkung, wie die Ausfuhrprämien. Mit ihrer Hilfe wird ein Teil des Landeskapitals dazu verwendet, Waren auf den Markt zu bringen, deren Preis die Kosten nebst dem gewöhnlichen Kapitalgewinn nicht einbringt.

Wenn aber die Fischereiprämien nichts zur Be <18> reicherung der Nation beitragen, so tun sie doch vielleicht etwas für ihre Verteidigungsfähigkeit, indem sie die Zahl ihrer Seeleute und Schiffe vermehren. Dies kann bisweilen durch solche Prämien viel wohlfeiler geschehen, als durch Unterhalt einer großen stehenden Flotte, wenn ich mich dieses Ausdruckes nach der Analogie von stehenden Heeren bedienen darf.

Trotz dieser guten Gründe für die Sache machen mich doch folgende Betrachtungen geneigt, zu glauben, daß das Parlament wenigstens bei Bewilligung der einen dieser Prämien stark getäuscht worden ist.

Erstens scheint die Heringsbüsen-Prämie zu groß zu sein. Vom Anfang der Winterfischerei 1771 bis zu. Ende der Winterfischerei 1781 betrug die Prämie auf den Heringsfang 30 sh. per Schiffstonne. Die Anzahl der während dieser elf Jahre durch die Büsen-Fischerei Schottlands gewonnenen Fässer belief sich auf 378,347. Die frischgefangenen und auf der See selbst eingesalzenen Heringe heißen Sea-Sticks. Sie müssen, um verkäuflich zu sein, umgepackt und nochmals gesalzen werden, und man rechnet, daß drei Fässer frischer Heringe zwei Fässer verkäuflicher Heringe ausmachen. Nach dieser Berechnung beträgt also die Anzahl der in jenen elf Jahren gewonnenen Fässer Kauf beringe 252,231 1 / 3 . Die Prämie betrug £ 155,463 11 sh., oder 8 sh. 2 1 / 4 d. das Faß Sea-Sticks und 12 sh. 3 3 / 8 d. das Faß Kaufheringe.

Das zum Pökeln gebrauchte Salz ist teils schottisches, teils fremdes, und wird den Fischern steuerfrei überlassen. Die Akzise von schottischem Salze ist gegenwärtig 1 sh. 6 d., die von fremden Salze 10 sh. per Bushel. Ein Faß Heringe erfordert etwa 1 1 / 4 Bushel ausländisches oder 2 Bushel schottisches Salz. Bei Einfuhr behufs Wiederausfuhr zahlen die Heringe diese Abgabe nicht ; bei Einfuhr zum inländischen Verbrauch bezahlt das Faß Heringe, gleichviel ob mit fremdem oder mit schottischem Salze gepökelt, nur 1 sh. Dies <19> war die frühere schottische Abgabe von einem Bushel Salz, d. h. von der Menge, die man nach mäßigem Anschlage auf ein Faß Heringe rechnete. Ausländisches Salz wird in Schottland fast nur zum Einzalzen der Fische gebraucht. Gleichwohl belief sich die Menge eingeführten Salzes vom 5. April 1771 bis dahin 1782 auf 936,974 Busheis zu je 84 Pfund, wogegen die Menge schottischen den Fischern aus den Salzwerken gelieferten Salzes nicht mehr als 168,226 Bushel zu je 56 Pfund betrug. Hieraus ergibt sich also, daß man hauptsächlich ausländisches Salz verwendete. Auf jedes Faß Heringe wird außerdem eine Ausfuhrprämie von 2 sh. 8 d. gegeben, und mehr als Zweidrittel der gefangenen Heringe wird ausgeführt. Nimmt man alles dies zusammen, so hat in jenen elf Jahren jedes mit schottischem Salze eingemachte Faß Heringe den Staat bei der Ausfuhr 17 sh. 11 3 / 4 d., und bei der Einfuhr zum inländischen Verbrauch 14 sh. 3 3 / 4 d., jedes mit fremden Salze zugerichtete Faß bei der Ausfuhr £ 1 7 sh. 5 3 / 4 d., und bei der Einfuhr zum heimischen Verbrauch £ 1 3 sh. 9 3 / 4 d. gekostet. Der Preis eines Fasses guter Kaufheringe schwankt zwischen 17 und 18 bis 24 und 25 sh. Durchschnittlich kostet es also etwa eine Guinee.1

Die Prämie auf die Heringsfischerei ist zweitens eine Raumprämie und richtet sich nach dem Tonnengehalt des Schiffes, nicht nach der Betriebsamkeit oder dem guten Erfolge der Fischerei, und es liegt daher der Gedanke nahe, daß man nur allzuoft Schiffe ausgerüstet hat, nicht um Fische, sondern um die Prämie zu fangen. Im Jahre 1759, in dem die Prämie 50 sh. per Tonne betrug, brachte die ganze schottische Büsenfischerei nur vier Fässer frische Heringe ein. In diesem Jahre kostete den Staat jedes Faß frische Heringe bloß an Prämien £ 113 15 sh., jedes Faß Kaufheringe aber £ 159 7 sh. 6 d. <20>

Drittens scheint die Art Fischerei, auf die die Prämie gegeben wird, (mittelst Busenoder Deckschiffen von 20 bis 80 Tons), der Lage Schottlands nicht so angemessen zu sein, wie der Hollands, woher auch diese Betriebsart entlehnt sein mag. Holland liegt in großer Entfernung von den Meeren, die man als Hauptsammelplätze der Heringe kennt, und kann deshalb diese Fischerei nur in Deckschiffen treiben, die Wasser und Lebensmittel genug für eine weite Seereise fassen können. Die Hebriden und shetländischen Inseln, sowie die Nord- und Nordwestküste von Schottland hingegen, in deren Nähe die Heringsfischerei hauptsächlich betrieben wird, sind überall von Seearmen durchschnitten, die ziemlich weit ins Land hineinragen und in der Sprache des Landes See-Lochs heißen. Diese See-Lochs suchen die Heringe während ihrer Züge in diesen Gegenden vorzugsweise auf; denn die Züge dieser und auch wohl vieler anderen Fische sind nicht ganz regelmäßig und beständig. Dieser eigentümlichen Lage Schottlands scheint mithin die Fischerei in Booten am besten zu entsprechen, da die Fischer die Heringe gleich nach dem Fang zur Pökelung oder zum Verbrauch im frischen Zustande an die Küste bringen können. Allein die große Begünstigung, die eine Prämie von 30 sh. per Tonne der Büsenfischerei gewährt, muß notwendig die Bootfischerei entmutigen, da diese ohne eine solche Prämie die eingesalzenen Fische nicht zu demselben Preise auf den Markt bringen kann, wie die Büsenfischerei. Daher ist die Bootfischerei, die vor der Einführung der Büsenprämie sehr ansehnlich war, und eine ebenso große Zahl Seeleute beschäftigt haben soll, wie die Büsenfischerei gegenwärtig, jetzt fast ganz in Verfall geraten. Ich kann allerdings den früheren Umfang dieser nunmehr zu Grunde gerichteten und aufgegebenen Fischerei nicht bestimmt angeben, denn da den Booten keine <21> Prämie gegeben wurde, so sind von den Zoll- und Salinenbeamten keine Register darüber geführt worden. Viertens machen die Heringe in vielen Teilen Schottlands zu gewissen Jahreszeiten einen nicht unbedeutenden Teil der Volksnahrung aus. Eine ihren Preis auf dem heimischen Markte ermäßigende Prämie könnte vielen unserer Mitbürger, die nicht in Überfluß leben, ihre Lage erleichtern. Aber die Büsenprämie trägt zu einem so guten Zwecke nichts bei. Sie hat die zur Versorgung des heimischen Marktes am besten geeignete Bootfischerei zu Grunde gerichtet, und die Ausfuhrprämie von 2 sh. 8 d. auf das Faß führt den größten Teil, mehr als 2 / 3 des Fangs aus dem Lande hinweg. Vor dreißig bis vierzig Jahren, ehe die Büsenprämie eingeführt war, kosteten, wie mir versichert wird, frische Heringe gewöhnlich 16 sh. per Faß. Vor zehn bis fünfzehn Jahren, ehe die Bootfischerei ganz vernichtet war, soll der Preis zwischen 15 und 20 sh. geschwankt haben. In den letzten fünf Jahren stand er im Durchschnitt 25 sh. per Faß. Indessen mag dieser hohe Preis von dem tatsächlichen Mangel an Heringen an der schottischen Küste herrühren. Auch muß ich bemerken, daß die Fässer, die gewöhnlich mit den Heringen zusammen verkauft werden und deren Preis in allen oben angegebenen Preisen mit eingeschlossen ist, seit dem Beginn des amerikanischen Krieges doppelt so teuer geworden sind und statt etwa 3 sh. deren 6 kosten. Und ferner muß ich bemerken, daß die Berechnungen, die ich über die Preise früherer Zeit erhalten habe, keineswegs übereinstimmend sind, und daß ein alter sehr erfahrener und zuverlässiger Mann mir versichert hat, vor mehr als 50 Jahren sei der gewöhnliche Preis eines Fasses guter Kaufheringe eine Guinee gewesen. Dies kann, glaube ich, auch jetzt noch als der Durchschnittspreis angesehen werden. Darin jedoch stimmen alle Nach <22> richten überein, daß der Preis durch die Büsenprämie auf dem heimischen Markte nicht ermäßigt worden ist. Wenn die Unternehmer von Fischereien, nachdem ihnen so reichliche Prämien bewilligt worden sind, ihre Ware immer noch zu demselben, oder wohl gar zu einem noch höheren Preise als früher verkaufen, so sollte man erwarten, daß ihre Gewinne sehr groß wären; und wahrscheinlich haben auch manche dabei sehr viel gewonnen. Im Allgemeinen scheint es aber, wie ich mit gutem Grunde annehmen kann, nicht der Fall zu sein. Die gewöhnliche Wirkung solcher Prämien ist die, Leute zu einem Geschäfte zu reizen, das sie nicht verstehen und wobei sie durch Nachlässigkeit und Unkenntnis mehr verlieren, als ihnen durch die äußerste Freigebigkeit des Staates wieder ersetzt werden kann. Im Jahre 1750 wurde durch dieselbe Akte, die zuerst die Prämie von 30 sh. auf die Tonne einführte (23. Geo. II. c. 24), eine Aktiengesellschaft (a joint-stock company) mit einem Kapital von £ 500,000 gegründet, deren Teilnehmer (außer allen übrigen Begünstigungen, der erwähnten Kaumprämie, der Ausfuhrprämie von 2 sh. 8 d. auf das Faß, dem abgabenfreien Britischen und fremden Salze) während eines Zeitraums von vierzehn Jahren für die Aktie von £ 100 (for every hundred pounds which they subscribed and paid in to the stock of the society) jährlich £ 3 in halbjährigen Raten vom Staat erhalten sollten. Abgesehen von dieser großen Gesellschaft, deren Gouverneur und Direktoren ihren Sitz in London hatten, verstattete das Gesetz die Bildung von Fischereikammern in allen Häfen des Reichs, unter der Bedingung, daß mindestens £ 10,000 gezeichnet würden, die auf eigne Gefahr und Kosten zu verwalten wären. Diesen Kammern wurden die nämlichen Jahresrenten und Begünstigungen aller Art zugestanden, die die große Gesellschaft genoß. Die Subskription zu letzterer war sehr bald geschlossen, und in verschiedenen Häfen des Reichs wurden Fischereikammern errichtet. Trotz aller Begünstigungen ver <23> loren jedoch fast alle Gesellschaften, große wie kleine, ihr ganzes Kapital oder den größten Teil davon. Jetzt ist kaum noch eine Spur von ihnen vorhanden, und der Heringsfang wird nun ganz oder fast ausschließlich von Privatunternehmern betrieben.

Wenn ein Industrieerzeugnis für die Volksverteidigung nötig ist, so mag es allerdings nicht immer klug sein, sich in der Versorgung mit ihm von den Nachbarn abhängig zu machen; und wenn eine solche Industrie nicht anders im Lande erhalten werden könnte, so mag es vernünftig sein, zu ihrer Unterstützung alle anderen Zweige des Gewerbfleißes zu besteuern. Die Ausfuhrprämien auf britisches Segeltuch und Schießpulver lassen sich vielleicht aus diesem Grunde verteidigen.

Wenn es aber auch nur sehr selten verständig sein kann, den Gewerbfleiß der großen Masse des Volks zu besteuern, um eine besondere Klasse von Fabrikanten zu unterstützen, so mag doch im Übermute des Glücks, wenn der Staat ein so großes Einkommen hat, daß er nicht weiß, was er damit anfangen soll, die Bewilligung von Prämien an begünstigte Industrien ebenso natürlich sein, wie jeder andere nutzlose Aufwand. Bei den Staatsausgaben wie bei dem Aufwand der Privatleute entschuldigt großer Reichtum oft große Torheit. Aber sicherlich wäre es mehr als gewöhnliche Albernheit, eine solche Verschwendung in Zeiten allgemeiner Not fortzusetzen.

Was man Prämie nennt, ist zuweilen nichts anderes als ein Rückzoll und folglich den Einwendungen gegen die Prämien nicht unterworfen. So ist z. B. die Prämie auf die Ausfuhr raffinierten Zuckers als Rückzoll auf den braunen und Muscovado-Zucker, die Prämie auf ausgeführte Seidenzeuge als Rückzoll auf die eingeführte rohe und gezwirnte Seide, die Prämie auf ausgeführtes Pulver als Rückzoll auf den eingeführten Schwefel und Salpeter zu betrachten. In der Sprache des Zollamtes <24> heißen freilich nur diejenigen Vergütungen Rückzölle, welche für solche Waren gegeben werden, die man in derselben Gestalt wieder ausführt, in der sie eingeführt wurden; wenn die Form durch Bearbeitung so verändert ist, daß die Ware einen anderen Namen erhält, heißen sie Prämien.

Preise, die der Staat ausgezeichneten Handwerkern und Fabrikanten erteilt, unterliegen gleichfalls den gegen die Prämien erhobenen Einwendungen nicht. Da sie ungewöhnliches Geschick und Talent ermuntern sollen, so dienen sie dazu, den Wetteifer der Arbeiter in ihren Geschäften rege zu erhalten, und sie sind auch nicht bedeutend genug, um einem Gewerbe einen größeren Teil des Nationalkapitals zuzuwenden, als ihm von selbst zuströmen würde. Sie heben das natürliche Gleichgewicht der Gewerbe nicht auf, sondern bewirken nur, daß die Arbeiten in einem jeden möglichst tüchtig und vollkommen werden. Überdies ist die Ausgabe, die sie verursachen, sehr gering, die für die Prämien dagegen sehr groß. Die Getreideprämie allein hat den Staat manchmal in einem einzigen Jahre über £, 300,000 gekostet.

Prämien nennt man zuweilen Belohnungen, wie Rückzölle zuweilen Prämien. Allein man muß in allen Fällen auf die Natur der Sache sehen, ohne sich um das Wort zu kümmern.

Abschweifung über den Kornhandel und die Korngesetze.

Ich kann dies Kapitel über die Ausfuhrprämien nicht schließen, ohne zu bemerken, daß die Lobsprüche, die man dem die Prämie auf die Getreideausfuhr einführenden Gesetze und dem damit verbundenen System von Anordnunaen erteilt hat, durchaus unverdient sind. <25> Eine genaue Untersuchung des Wesens des Getreidehandels und der hauptsächlichchsten darauf bezüglichen britischen Gesetze wird die Wahrheit dieser Behauptung dartun. Die Wichtigkeit dieses Gegenstandes muß die Länge der Abschweifung rechtfertigen.

Das Geschäft des Getreidehändlers besteht aus vier verschiedenen Zweigen, die, wenn sie auch zuweilen von ein und derselben Person betrieben werden, doch ihrer Natur nach vier ganz verschiedene und gesonderte Geschäfte sind, nämlich erstens das Geschäft des inländischen Händlers, zweitens des Importeurs zum einheimischen Verbrauch, drittens des Exporteurs zum auswärtigen Verbrauch, viertens des Zwischenhändlers, der Getreide einführt, um es wieder auszuführen.

I. Das Interesse des inländischen Händlers und das des Volkes im Ganzen sind, so entgegengesetzt beide auch auf den ersten Anblick scheinen mögen, doch selbst in Jahren des größten Mangels genau dieselben. Im Interesse des Händlers liegt es, den Preis seines Getreides so hoch zu steigern, wie der tatsächliche Mangel an Getreide es erfordert; aber es kann niemals in seinem Interesse liegen, ihn höher zu steigern. Durch einen höheren Preis schreckt er vom Verbrauch ab, und nötigt Jedermann, namentlich die niederen Volksklassen, zu sparsamer Haushaltung. Wird durch zu hohe Preise der Verbrauch so sehr eingeschränkt, daß die Vorräte größer werden, als der Verbrauch, und noch einige Zeit vorhalten, nachdem schon die nächste Ernte eingebracht wird, so läuft er Gefahr, nicht nur einen großen Teil seines Getreides durch natürliche Ursachen zu verlieren, sondern auch das Übrige zu einem niedrigeren Preise, als er einige Monate früher dafür hätte bekommen können, losschlagen zu müssen. Wird hingegen durch zu niedrige Preise der Verbrauch so wenig eingeschränkt, daß die Vorräte des Jahres den Verbrauch nicht decken, so <26> verliert er nicht nur einen Teil des Gewinns, den er sonst hätte machen können, sondern setzt auch das Volk der Gefahr aus, vor Ende des Jahres, statt der bloßen Beschwerden einer Teurung, geradezu die Schrecken einer Hungersnot zu erfahren. Es liegt im Interesse des Volks, daß sein täglicher, wöchentlicher und monatlicher Verbrauch mit dem Vorrat des Jahres in möglichst genauem Verhältnis stehe, und das Interesse des inländischen Händlers ist das nämliche. Versorgt er das Volk in diesem Verhältnis, soweit er es zu beurteilen vermag, so kann er hoffen, all' sein Getreide zu dem höchsten Preise und mit dem höchsten Gewinn zu verkaufen; und seine Kenntnis vom Ausfall der Ernte und von seinem täglichen, wöchentlichen und monatlichen Absatz läßt ihn mit mehr oder weniger Genauigkeit beurteilen, wie weit das Volk wirklich versorgt ist. Ohne das Interesse des Volkes im Auge zu haben, wird er durch seinen eigenen Vorteil getrieben, das Volk selbst in Zeiten des Mangels ähnlich zu behandeln, wie ein vorsichtiger Schiffskapitän zuweilen seine Matrosen behandeln muß. Sieht dieser voraus, daß die Lebensmittel wahrscheinlich nicht ausreichen werden, so setzt er seine Leute auf schmale Kost. Selbst wenn er dies zuweilen aus allzu großer Vorsicht ohne wirkliche Not tut, sind doch die Beschwerden, welche die Mannschaft dadurch erleidet, höchst unbedeutend gegen die Gefahr und das Unheil, welchen sie bei einem minder ängstlichen Verfahren ausgesetzt wären; und wenn der inländische Händler aus Habsucht den Preis des Getreides öfters etwas höher steigert, als die Unzulänglichkeit der Ernte es erfordert, so sind doch alle Beschwerden, die das Volk durch sein Verfahren erleiden kann, die es aber vor einer Hungersnot am Ende des Jahres sichern, nur unbedeutend gegen die Leiden, denen es durch ein anfänglich zu sorgloses <27> Geschäft an seinem Anfang ausgesetzt wäre. Der Getreidehändler selbst leidet wahrscheinlich am meisten durch jene Habsucht, und zwar nicht bloß wegen des Unwillens, den er allgemein gegen sich erregt, sondern besonders dadurch, daß ihm, wenn er auch den Folgen dieses Unwillens entgeht, eine große Menge Getreide liegen bleibt, die er, falls die nächste Ernte reichlich ausfällt, zu einem weit niedrigeren Preise losschlagen muß, als er früher dafür hätte erhalten können.

Wäre es freilich möglich, daß eine große Gesellschaft von Kaufleuten die ganze Ernte eines ausgedehnten Landes in ihren Besitz brächte, so könnte es vielleicht in ihrem Interesse liegen, damit ebenso zu verfahren, wie die Holländer mit den molukkischen Gewürzen verfahren sollen, nämlich einen beträchtlichen Teil davon zu vernichten oder wegzuwerfen, um das Übrigbleibende in hohem Preise zu erhalten. Allein es ist selbst durch gewaltsame Gesetze kaum möglich, bei dem Getreide ein so ausgedehntes Monopol einzuführen, und wenn das Gesetz den Handel frei läßt, so ist unter allen Waren das Getreide gerade am wenigsten geeignet, durch die Kraft weniger großer Kapitalien aufgekauft und monopolisiert zu werden. Nicht nur ist sein Wert viel zu groß, als daß die Kapitalien einiger Privatleute hinreichten, es anzukaufen, aber selbst wenn sie groß genug dazu wären, so macht die Art und Weise seiner Produktion einen solchen Aufkauf ganz unausführbar. Da Getreide in jedem zivilisierten Lande diejenige Ware ist, deren jährlicher Verbrauch der größte, so wird auch auf seine jährliche Hervorbringung mehr Fleiß verwendet, als auf die Hervorbringung irgend einer anderen Ware. Auch verteilt es sich nach der Ernte unter eine größere Anzahl von Besitzern, als jede andere Ware, und diese Besitzer können niemals wie eine Anzahl unabhängiger Fabrikanten auf einem Flecke zusammen <28> gebracht werden, sondern sind über das ganze Land zerstreut. Diese ersten Besitzer versorgen entweder unmittelbar die Verbraucher in ihrer Nachbarschaft oder inländische Händler, die diese Verbraucher versorgen. Mithin sind die inländischen Getreidehändler einschließlich der Landwirte und Bäcker notwendig zahlreicher, als die Verkäufer irgend einer anderen Ware, und ihr zerstreuter Aufenthalt macht es zugleich ganz unmöglich, daß sie sich in eine allgemeine Verbindung einlassen. Wenn daher in einem Jahre des Mangels einer oder der andere unter ihnen weit mehr Getreide liegen hat, als er zu dem laufenden Preise vor Ende des Jahres abzusetzen hoffen kann, so wird er niemals daran denken, diesen Preis zu seinem eigenen Schaden und bloß zum Vorteil seiner Rivalen und Konkurrenten zu halten, sondern wird ihn lieber sofort herabsetzen, um nur sein Getreide noch vor der neuen Ernte los zu werden. Dieselben Beweggründe, dieselben Interessen, die so das Verfahren des einen Getreidehändlers leiten, müssen auch das aller übrigen bestimmen, und sie sämtlich nötigen, ihr Getreide zu dem Preise zu verkaufen, der nach ihrem Ermessen dem Mangel oder Überflüsse des Jahres entspricht.

Wer die Geschichte der Teuerungen und Hungersnöte, die im Laufe des gegenwärtigen oder der beiden vorigen Jahrhunderte den oder jenen Teil von Europa heimgesucht haben, und von denen einigen wir ziemlich genaue Nachrichten besitzen, mit Aufmerksamkeit prüft, der wird, glaube ich, finden, daß niemals eine Teuerung durch eine Verabredung unter den inländischen Getreidehändlern, sondern lediglich durch wirklichen Mangel entstand, und daß dieser zwar oft in einzelnen Gegenden durch Verheerungen eines Krieges, in den meisten Fällen aber durch schlechten Ernteausfall veranlaßt wurde; und daß eine Hungersnot niemals <29> aus anderen Ursachen entsprungen ist, als durch verfehlte Mittel einer Regierung, dem Übelstande einer Teuerung abzuhelfen.

In einem ausgedehnten Getreidelande, unter dessen einzelnen Teilen ein freier Handel und Verkehr stattfindet, kann selbst der durch die ungünstigsten Ernten veranlaßte Mangel niemals so groß sein, daß er eine Hungersnot hervorbrächte, und auch der kümmerlichste Ernteausfall, wenn man damit nur sparsam und haushälterisch umgeht, wird ein Jahr lang ebensoviel Leute erhalten, als mit einer mittelguten Ernte in reichlicherem Maße ernährt zu werden pflegen. Das ungünstigste Wetter für die Ernte ist die übermäßige Dürre oder Nässe. Da aber Getreide sowohl auf Höhen wie in Niederungen, auf zur Nässe, wie zur Dürre geneigten Feldern wächst, so ist die Dürre oder die Nässe, die dem einen Teile des Landes schadet, einem anderen günstig, und wenn die Ernte in nassen wie in trockenen Jahren viel geringer ausfällt, als gewöhnlich in einem gemäßigten Jahre, so wird doch in beiden der Verlust, den die eine Gegend des Landes erleidet, einigermaßen durch den Gewinn ausgeglichen, der einer anderen zufällt. In Reisländern freilich, wo die Frucht nicht nur einen sehr feuchten Boden erfordert, sondern während des Wachsens eine Zeitlang unter Wasser stehen muß, sind die Wirkungen einer Dürre allerdings weit schrecklicher. Allein auch in solchen Ländern ist die Dürre wohl selten so allgemein, um notwendig eine Hungersnot zu veranlassen, wenn die Regierung freien Handel gestattet. Die Dürre, welche vor einigen Jahren in Bengalen herrschte, würde wahrscheinlich eine sehr große Teuerung bewirkt haben; aber einige falsche Maßregeln, einige unverständige Einschränkungen des Reishandels seitens der Beamten der ostindischen Kompagnie trugen vielleicht dazu bei, diese Teuerung in eine Hungersnot zu vorwandeln. <30>

Verordnet die Regierung, um dem Übelstande einer Teuerung abzuhelfen, daß alle Getreidehändler ihr Korn zu einem von ihr bestimmten und als mäßig angenommenen Preise verkaufen sollen, so bewirkt sie damit nur, daß sie es entweder gar nicht zu Verkauf bringen, was zuweilen noch beim Beginn des Erntejahres eine Hungersnot veranlassen kann, oder daß, wenn sie es auf den Markt bringen, das Volk in den Stand gesetzt und dadurch ermuntert wird, den Vorrat so schnell zu konsumieren, daß dadurch notwendig vor dem Ende des Erntejahres eine Hungersnot entstehen muß. Wie die unbegrenzte, unbeschränkte Freiheit des Getreidehandels das einzige wirksame Vorbeugungsmittel gegen das Elend einer Hungersnot ist, so ist sie auch das beste Mittel, um das Übel einer Teuerung zu lindern: denn das Übel eines faktischen Mangels kann nicht geheilt, sondern nur gelindert werden. Kein Handel verdient mehr den vollen Schutz des Gesetzes, und keiner bedarf seiner mehr, weil kein anderer Handel dem Volkshasse in solchem Grade ausgesetzt ist.

In Jahren des Mangels schreiben die niederenVolksklassen ihre Not der Habsucht des Getreidehändlers zu, der dadurch der Gegenstand ihres Hasses und Unwillens wird. Statt bei solchen Gelegenheiten Gewinn machen zu können, gerät er daher vielmehr in Gefahr, gänzlich zu Grunde gerichtet zu werden und seine Magazine vom Volke geplündert und zerstört zu sehen. Und doch kann der Getreidehändler nur in Jahren des Mangels, wo die Preise hoch stehen, seinen Hauptgewinn zu machen hoffen. Er hat gewöhnlich mit einigen Landwirten Kontrakt, wonach ihm diese eine gewisse Reihe von Jahren eine gewisse Menge Getreide zu einem bestimmten Preise liefern müssen. Dieser vereinbarte Preis richtet sich in der Regel nach dem, was als mäßig und billig gilt, d. h. nach dem gewöhnlichen Durchschnitts <31> preise, der vor den letzten Teurungsjahren in der Regel etwa 28 sh. per Quarter Weizen betrug und bei anderen Getreidesorten im Verhältnis dazu stand. Folglich kauft der Getreidehändler in Jahren des Mangels einen großen Teil seines Getreides zu dem gewöhnlichen Preise ein, und verkauft ihn dann zu einem weit höheren. Daß jedoch dieser außerordentliche Gewinn nur gerade hinreichend ist, sein Gewerbe mit anderen Gewerben auf gleichen Fuß zu setzen, und die mancherlei Verluste wieder auszugleichen, die er zu anderen Zeiten teils durch das leichte Verderben seiner Ware, und teils durch das häufige und unvorhergesehene Schwanken ihres Preises zu erleiden hatte, scheint schon aus dem einzigen Umstände klar hervorzugehen, daß bei diesem Handel große Reichtümer nicht häufiger als bei jedem anderen erworben werden. Der Volkshaß jedoch, der dies Geschäft in Jahren des Mangels, in denen es doch allein sehr einträglich sein kann, verfolgt, macht angesehene und reiche Leute abgeneigt, sich damit zu befassen. So bleibt es einer niederen Klasse von Händlern überlassen ; und Müller, Bäcker, Mehlhändler und Mehlagenten, so wie eine Anzahl kleiner Höker sind beinahe die einzigen Mittelspersonen, die auf dem heimischen Markte zwischen Erzeugern und Verbrauchern stehen.

Die frühere europäische Wirtschafspolitik scheint diesen Volkshaß gegen ein für das Gemeinwohl so heilsames Geschäft, anstatt ihn zu hindern, vielmehr gebilligt und befördert zu haben.

Durch einen Erlaß Eduards VIII. (5. 6. cap. 14) wurde verordnet, daß jeder, der Getreide zum Zwecke des Wiederverkaufs ankaufe, als ein widerrechtlicher Aufkäufer angesehen, und das erste Mal mit zweimonatlichem Gefängnis und dem Verluste des Werts des Getreides das zweite Mal mit sechsmonatlichen Gefängnis und dem Verlust des doppolten Werts, das dritte Mal aber mit dem <32> Pranger und Gefängnis nach Ermessen des Königs bestraft werden und alle seine Habe verwirkt haben solle. Die frühere Wirtschaftspolitik der meisten anderen europäischen Länder war nicht besser als die Englands.

Unsere Vorfahren scheinen geglaubt zu haben, daß die Leute ihr Getreide vom Landwirt billiger kaufen würden, als vom Händler, der, wie sie fürchteten, über den Preis hinaus, den er dem Landwirt bezahlte, einen unmäßigen Gewinn für sich selbst fordern werde. Sie suchten deshalb sein Geschäft gänzlich zu vernichten und womöglich alle Mittelsmänner zwischen Erzeuger und Verbraucher zu beseitigen. Dies war der Sinn der vielen Beschränkungen, welche sie dem Handel derjenigen auflegten, die sie Aufkäufer nannten, ein Handel, der nur auf erlangte Konzession und nach geführtem Nachweis der Solidität ausgeübt werden durfte und dessen Konzession durch das Statut Eduards VI. dem Ermessen dreier Friedensrichter anheimgegeben war. Aber selbst diese Beschränkung hielt man später für ungenügend und durch ein Statut Elisabeths wurde das Recht der Konzessionserteilung den vierteljährlichen Gerichtssitzungen vorbehalten.

Die frühere Politik Europas suchte in dieser Weise die Landwirtschaft, das Hauptgeschäft des platten Landes, nach ganz anderen Grundsätzen, als denen, die sie bezüglich der Industrie, des Hauptgeschäfts der Städte, einführte, zu regeln. Indem man dem Landwirt keine anderen Kunden ließ, als die Verbraucher oder ihre unmittelbaren Beauftragten, die Höker und Fuhrleute, suchte man ihn zu zwingen, das Geschäft nicht allein eines Landwirts, sondern auch das eines Getreidehändlers zu treiben. Dem Industriellen hingegen verbot man vielfach, kaufmännische Geschäfte zu treiben, d. h. seine eignen Erzeugnisse im einzelnen zu verkaufen. Durch die eine Anordnung glaubte man das allgemeine <33> Interesse des Landes zu fördern und das Korn billig zu machen, ohne wohl recht zu wissen, wie dies geschehen werde; durch die andere meinte man das Geschäft einer besonderen Menschenklasse, nämlich der Krämer, zu befördern, welche, wie man glaubte, durch den Fabrikanten um soviel unterboten werden würden, daß ihr Geschäft zu Grunde gehen würde, wenn man ihm den Kleinhandel verstatten wollte.

Indessen, wenn auch dem Industriellen verstattet worden wäre, einen Laden zu halten, und seine Waren im Einzelnen zu verkaufen, so hätte er den gewöhnlichen Kaufmann doch nicht unterbieten können. Das Kapital, das er in seinem Laden anlegte, mußte er seiner Fabrik entziehen. Um sein Geschäft auf demselben Fuß wie andere Leute zu betreiben, mußte er einerseits den Gewinn eines Fabrikanten und anderseits den eines Kaufmanns erzielen. Nimmt man z. B. an, daß in der Stadt, wo er lebt, 10 % der gewöhnliche Gewinn, sowohl in der Fabrikation, wie im Kleinhandel sei, so muß er in diesem Fall auf jedes Stück seiner Waren, die er im Laden verkauft, einen Gewinn von 20 % schlagen. Brachte er sie aus seiner Fabrik in den Laden, so mußte er sie zu dem Preise anschlagen, wofür er sie an einen Händler, der sie von einem Großhändler bezog, verkaufen konnte. Berechnete er sie niedriger, so verlor er einen Teil des Gewinns aus seinem industriellen Kapital. Verkaufte er sie in seinem Laden, so verlor er, wenn er nicht denselben Preis gewann, wozu ein Kaufmann sie verkauft haben würde, einen Teil des Gewinns aus seinem im Handel angelegten Kapital. Es könnte zwar scheinen, als machte er auf dasselbe Stück Ware einen doppelten Gewinn; allein da diese Ware nacheinander einen Teil zweier verschiedener Kapitalien ausmacht, so machte er auf das darin angelegte Gesamtkapital nur den einfachen Gewinn, und wenn er weniger als <34> seinen Gewinn erzielte, so verlor er, d. h. sein Gesamtkapital war nicht so vorteilhaft angelegt, wie das meiste Kapital seiner Nachbarn.

Wieder der schwierige Fall, den Profit des Kaufmanns richtig zu bestimmen. Smith sieht, dass der Manufakturbesitzer, der zugleich Kaufmann sein will, einen Teil des Warenwerts als kaufmännisches Kapital verwenden muss, betrachtet aber sowohl den Manufakturgewinn als auch den Kaufmannsgewinn als »Aufschlag«, was in beiden Fällen falsch ist. Die Praxis belehrt uns: Der produktive Kapitalist gibt dem Händler einen Rabatt auf den Gesamtwarenwert, der das konstante Kapital, die Löhne und den Mehrwert enthält. Aus diesem Nachlass bestreitet der Kaufmann sowohl seine Kosten, als auch erzielt er seinen Gewinn aus ihm. Hat der Manufakturkapitalist selbst verkauft, so hat er die gleichen Kosten wie der Kaufmann, und Manufaktur- und Kaufmanngewinn, die der ursprüngliche ungeteilte Manufakturgewinn sind, fallem ihm allein zu.

Was man dem Fabrikanten verbot, dazu verpflichtete man gewissermaßen den Landwirt: sein Kapital zwischen zwei verschiedene Geschäfte zu teilen; einen Teil davon in Kornböden und Scheunen zu stecken, und die gelegentliche Nachfrage des Marktes zu befriedigen, und den andern zur Bodenkultur zu verwenden. Wie er jedoch den letzteren Teil nicht für weniger als den üblichen Gewinn des landwirtschaftlichen Kapitals anlegen durfte, so konnte er auch den ersteren nicht für weniger als den üblichen Gewinn des Handelskapitals anlegen. Gleichviel ob das Kapital, das tatsächlich zur Betreibung des Getreidehandels diente, der Person gehörte, die ein Landwirt hieß, oder der Person, die ein Großhändler hieß, war in beiden Fällen ein gleicher Gewinn erforderlich, um seinen Besitzer für die bezügliche Anlage schadlos zu halten, sein Geschäft auf das Niveau anderer Geschäfte zu stellen und ihn zu verhindern, an der möglichst schleunigen Vertauschung des Geschäfts mit einem andern ein Interesse zu haben. Der Landwirt, der auf diese Art genötigt war, das Geschäft eines Getreidehändlers zu treiben, konnte sein Getreide nicht billiger verkaufen, als jeder andere Getreidehändler es unter Voraussetzung freier Konkurrenz hätte tun müssen.

Der Geschäftsmann, der sein Gesamtkapital in einem einzigen Geschäftszweig anlegen kann, hat denselben Vorteil, wie der Arbeiter, der seine ganze Arbeit auf eine einzige Verrichtung verwendet. Wie der letztere eine Fertigkeit erwirbt, die ihm mit seinen zwei Händen eine größere Arbeitsleistung ermöglicht, so erwirbt der erstere eine so leichte und bequeme Methode der Geschäftsführung, daß er mit demselben Kapital ein <35> weit größeres Geschäft treiben kann. Wie der eine sein Produkt in der Regel viel billiger ablassen kann, so kann der andere in der Regel seine Ware etwas billiger lassen, als wenn sein Vermögen und seine Aufmerksamkeit auf verschiedene Gegenstände zerstreut wären. Die meisten Fabrikanten könnten ihr Erzeugnis nicht so billig im Detail verkaufen, wie ein umsichtiger und tätiger Kaufmann, dessen Hauptgeschäft darin besteht, die Ware bei dem Großhändler zu kaufen, um sie im Detail wieder zu verkaufen Noch weniger könnten die meisten Landwirte ihr Getreide so billig im Kleinen verkaufen, um die Bewohner einer vielleicht vier oder fünf Meilen entfernten Stadt zu versorgen, wie ein umsichtiger und tätiger Getreidehändler, dessen einziges Geschäft darin besteht, Getreide im Großen zu kaufen, es in einem Magazin aufzubewahren und im Kleinen wieder zu verkaufen.

Die Verordnung, die dem Fabrikanten verbot, das Geschäft eines Kaufmanns zu treiben, suchte diese Teilung der Kapitalanlage schneller zu erzwingen, als sie sonst erfolgt sein würde. Die Verordnung, die den Landwirt nötigte, das Geschäft eines Getreidehändlers zu treiben, suchte diese Teilung aufzuschieben. Beide Verordnungen waren ersichtlich Verletzungen der natürlichen Freiheit und mithin ungerecht. Jedes Volk hat das Interesse, daß Dinge dieser Art niemals erzwungen oder gehemmt werden. Der Mann, der seine Arbeit oder sein Kapital auf mehrere Arten verwendet, als seine Lage nötig macht, kann niemals seinen Nachbar unterbieten, noch schädigen, er kann sich nur selbst schädigen und tut es in der Regel. Ein Allerweltskünstler wird niemals reich (Jack of all trades will never be rich), sagt das Sprichwort. Das Gesetz aber sollte es einem jeden überlassen, sein eigenes Interesse selbst wahrzunehmen, da er in seiner besonderen Lage in der <36> Regel besser beurteilen kann, als der Gesetzgeber, was ihm frommt. Das Gesetz, das den Landwirt nötigte, das Geschäft eines Getreidehändlers zu treiben, war indessen das bei weitem gefährlichere von beiden.

Es verhinderte nicht allein die für jedes Volk so vorteilhafte Teilung der Kapitalanlagen, sondern hemmte auch die Bodenkultur. Indem der Landwirt genötigt wurde, zwei Geschäfte statt eines zu treiben, zwang es ihn, sein Kapital in zwei Teile zu teilen, von denen nur einer zur Kultur verwendet werden konnte. Hätte er die Freiheit gehabt, seine ganze Ernte sofort nach Einbringung an einen Kornhändler zu verkaufen, so hätte sein Gesamtkapital sofort auf den Grund und Boden und zum Ankauf von mehr Vieh, zur Dingung von mehr Arbeitern und zu Meliorationen verwendet werden können. Durch die Nötigung, sein Korn im Kleinen zu verkaufen, war er gezwungen, einen großen Teil seines Kapitals in Scheunen und Magazinen fest liegen zu lassen, und er konnte daher die Kultur nicht mit demselben Kapital wie sonst betreiben. Dies Gesetz hemmte daher notwendig die Bodenkultur und mußte das Getreide, anstatt es billiger zu machen, seltener und daher teurer machen, als es sonst gewesen wäre.

Nach dem Geschäft des Landwirts ist das des Getreidehändlers in Wahrheit dasjenige, welches, wenn gehörig geschützt und ermutigt, das meiste zur Getreideproduktion beitragen würde. Es würde das Geschäft des Landwirts ebenso unterstützen, wie das Geschäft des Großhändlers das des Fabrikanten unterstützt.

Der Grossist ermöglicht dem Fabrikanten dadurch, daß er ihm einen willigen Markt darbietet, daß er ihm seine Waren sofort nach Fertigstellung abnimmt und zuweilen ihm sogar Vorschüsse darauf macht, sein ganzes Kapital, und manchmal mehr als dies, beständig in seinem Gewerbe zu erhalten und mithin eine größere Menge <37> Waren zu fabrizieren, als wenn er sich mit dem Verkauf an die unmittelbaren Verbraucher oder auch nur an die Kleinhändler abgeben müßte. Da das Kapital des Großhändlers in der Regel auch hinreicht, um das vieler Fabrikanten zu ersetzen, so wird durch diesen Verkehr zwischen ihm und ihnen das Interesse des großen Kapitalisten angeregt, die Besitzer zahlreicher kleiner Kapitalien zu unterstützen und ihnen in dem Verlust und den Mißgeschicken beizustehen, die sich sonst für sie verderblich erweisen könnten.

Ein ähnlicher Verkehr zwischen den Landwirten und Getreidehändlern würde für die Landwirte von gleich wohltätigem Erfolg sein. Sie würden ihre ganzen Kapitalien, und sogar noch mehr, beständig zur Bodenkultur verwenden können. Bei Unfällen, denen kein Geschäft mehr ausgesetzt ist, als das ihrige, würden sie in ihrem gewöhnlichen Kunden, dem reichen Getreidehändler, jemand finden, der sowohl ein Interesse wie die Mittel hätte, ihnen zu helfen; und sie würden nicht, wie jetzt, gänzlich von der Nachsicht des Grundherrn oder der Gnade seines Agenten abhängig sein.

Offenbar haben sich die Grundeigentümer mit ihrem Einfluss auf den Gesetzgeber, die Untertänigkeit ihrer Pächter so gesichert.

Wäre es möglich, was es vielleicht nicht ist, diesen Verkehr allgemein und plötzlich herzustellen; wäre es möglich, mit einem Mal das gesamte landwirtschaftliche Kapital des Reiches auf seinen eigentlichen Zweck, die Bodenkultur, zu richten und es jeder andern Anlage, der es jetzt gewidmet sein mag, zu entziehen; und wäre es möglich, mit einem Mal ein anderes fast gleich großes Kapital zu beschäftigen, um eintretenden Falls die Arbeiten jenes großen Kapitals zu unterstützen, so kann man sich kaum vorstellen, wie ausgedehnt und plötzlich die Fortschritte eintreten würden, die dieser Umschwung allein auf der gesamten Fläche des Landes hervorbringen würde.

Das Statut Eduards VI. suchte mithin durch möglichste Beseitigung aller Mittelsmänner zwischen Er <38> zeuger und Verbraucher ein Geschäft zu vernichten, dessen freie Betreibung nicht allein das beste Mittel gegen die Nachteile einer Teuerung, sondern auch das beste Vorbeugungsmittel gegen ein solches Unglück ist, da nach dem Greschäft des Landwirts kein Geschäft soviel zur Getreideproduktion beiträgt, als das des Getreidehändlers. Die Strenge dieses Gesetzes wurde nachgehends durch verschiedene andere Statuten gemildert, die nach und nach den Aufkauf von Getreide erlaubten, wenn der Preis des Weizens 20, 24, 32 und 40 sh. für den Quarter nicht überstieg. Endlich wurde durch ein Statut Karls II. (15 c. 7) der Aufkauf beziehungsweise Kauf von Getreide behufs Wiederverkauf gestattet, solange der Preis des Weizens nicht 48 sh. für den Quarter überstieg und der Preis der anderen Getreidearten im Verhältnis war, und für alle Personen erlaubt erklärt, die nicht Vorkäufer wären, d. h. es nicht auf demselben Markt innerhalb dreier Monate wieder verkauften. Durch dieses Statut ist dem Binnenhandel in Getreide alle Freiheit zugestanden, deren dies Geschäft sich bisher erfreut hat. Das Statut aus dem zwölften Regierungsjahre des jetzt regierenden Königs, das fast alle früheren Gesetze gegen die Aufkäufer und Vorkäufer aufhebt, hebt die Beschränkungen dieses besonderen Statuts nicht auf, die also noch heute in Geltung sind.

Indessen bekräftigt das Statut gewissermaßen zwei recht alberne Volksvorurteile.

Erstlich setzt es voraus, daß, wenn der Preis des Weizens bis auf 48 sh. gestiegen ist und der Preis der anderen Getreidearten im Verhältnis, der Aufkauf von Getreide dem Volke zum Schaden gereichen könne. Aber aus dem, was darüber bereits gesagt worden ist, geht klar genug hervor, daß Getreide von den inländischen Händlern zu keinem Preise so aufgekauft werden kann, um das Volk zu schädigen, und überdies sind 48 sh. für den Quarter zwar als ein sehr hoher Preis anzusehen, in <39> Jahren des Mangels aber doch ein Preis, der unmittelbar nach der Ernte, wenn von der neuen Ernte kaum irgend etwas verkauft sein und selbst die Unwissenheit nicht annehmen kann, daß ein Teil davon zum Schaden des Volks aufgekauft sein möge, oft eingetreten ist. Zweitens setzt es voraus, daß es einen gewissen Preis gibt, zu welchem Getreide den Vorkauf anlocke, d. h. zum Kauf behufs baldmöglichsten Wiederverkaufs auf demselben Markte zum Schaden des Volkes anreize. Allein wenn immer ein Händler Getreide aufkauft, um es bald darnach auf demselben Markte wieder zu verkaufen, so muß er der Meinung sein, daß der Markt während des ganzen Erntejahres nicht wieder so reichlich versorgt sein werde, wie in diesem Augenblick, und daß mithin der Preis bald steigen müsse. Wenn er sich darin irrt und der Preis nicht steigt, verliert er nicht allein den ganzen Gewinn von dem so angelegten Kapital, sondern auch einen Teil des Kapitals selbst in den Kosten und Verlusten, die die Aufbewahrung des Getreides notwendig nach sich zieht. Er schädigt sich mithin viel nachdrücklicher selbst, als er sogar die Leute schädigen kann, die er hindert, sich an dem bestimmten Markttage zu versorgen; denn sie können später, an einem anderen Markttage, sich genau so billig versorgen. War seine Spekulation richtig, so schädigt er die Masse des Volks nicht, sondern erweist ihr sogar einen sehr wichtigen Dienst. Indem er ihr die Nachteile einer Teuerung etwas früher fühlbar macht, als sonst geschehen würde, verhütet er, daß man sie später so drückend fühlt, wie es sicher der Fall sein würde, wenn der billige Preis zu schnellerer Verzehrung ermutigt hätte, als dem tatsächlichen Mangel an Getreide entsprach. Ist der Mangel ein tatsächlicher, so kann es für das Volk nichts besseres geben, als wenn sich seine Nachteile möglichst über alle Monate, Wochen <40> und Tage des Jahres gleichmäßig verteilen. Das Interesse des Getreidehändlers veranlaßt ihn, so sorgfältig als möglich hierauf bedacht zu sein, und da keine andere Person dasselbe Interesse, dieselbe Kenntnis oder dasselbe Geschick hat, es mit der Sorgfalt zu tun, wie er, so sollte diese höchst wichtige Handelstätigkeit ihm gänzlich überlassen werden, oder mit anderen Worten: der Getreidehandel sollte, wenigstens soweit es sich um die Versorgung des Marktes handelt, vollkommen frei gegeben werden.

Die volkstümliche Furcht vor dem Aufkauf und Vorkauf kann mit der Furcht und dem Verdacht der Zauberei verglichen werden. Die Unglücklichen, welche man dieses Verbrechens anklagte, waren nicht unschuldiger an den ihnen zur Last gelegten Unglücksfällen, als diejenigen, welche man des Aufkaufs und Vorkaufs anklagte. Das Gesetz, welches allen Verfolgungen wegen Zauberei ein Ende setzte und jedem die Macht benahm, seiner Bosheit gegen Nachbarn in Beschuldigungen dieser Art Luft zu machen, scheint tatsächlich diesen Befürchtungen und Verdächtigungen dadurch ein Ende gesetzt zu haben, daß es den Hauptgrund beseitigte, der ihnen zur Nahrung und Stütze diente. Das Gesetz, welches die gänzliche Freiheit des inneren Getreidehandels wiederherstellte, würde sich wahrscheinlich ebenso wirksam erweisen, um der volkstümlichen Furcht vor Aufkauf und Vorkauf ein Ende zu setzen.

Das erwähnte Statut Karls II. hat mit allen seinen Mängeln vielleicht mehr dazu beigetragen, den heimischen Markt reichlich zu versorgen und den Akkerbau zu befördern, als irgend ein anderes englisches Gesetz. Aus diesem Gesetz hat der Binnenhandel in Getreide all' die Freiheit und den Schutz entnommen, deren er sich bisher erfreut, und sowohl die Versorgung des heimischen Marktes wie die Interessen des Ackerbaus <41> werden durch den Binnenhandel weit wirksamer begünstigt, als durch den Einfuhr- oder Ausfuhrhandel.

Das Verhältnis der in Großbritannien eingeführten Durchschnittsmengen aller Getreidearten zu dem des Verbrauchs überschreitet, nach den Berechnungen des Verfassers der Abhandlungen über den Kornhandel, nicht das Verhältnis von 1 : 570. Für die Versorgung des heimischen Marktes steht mithin die Bedeutung des Binnenhandels im Verhältnis zur Einfuhr wie 570 : 1.

Die durchschnittliche britische Ausfuhr aller Getreidearten übersteigt nach demselben Schriftsteller nicht 1 / 31 der Jahresproduktion. Für die Beförderung des Ackerbaus durch Beschaffung eines Marktes für das heimische Produkt steht mithin die Wichtigkeit des Binnenhandels zu der des Ausfuhrhandels im Verhältnis von 30 : 1.

Ich habe kein großes Vertrauen zu politischen Rechenkünsten und bin nicht gewillt, die Genauigkeit dieser Schätzung zu verbürgen. Ich erwähne sie nur, um zu beweisen, von wie geringer Bedeutung nach der Ansicht der urteilsfähigsten und erfahrensten Leute der Außenhandel in Korn dem Binnenhandel gegenüber ist. Die große Billigkeit des Getreides in den der Einführung der Prämie unmittelbar vorhergehenden Jahren kann vielleicht mit Grund bis zu einem gewissen Grade der Wirksamkeit des Statuts Karls II. zugeschrieben werden, welches etwa 25 Jahre vorher erlassen wurde und daher vollkommen Zeit gehabt hatte, seine Wirkung zu üben.

Wenige Worte werden alles, was ich hinsichtlich der anderen drei Zweige des Getreidehandels zu sagen habe, hinreichend erläutern.

II. Das Geschäft desjenigen, der Getreide einführt, trägt offenbar zur unmittelbaren Versorgung des inländischen Marktes bei und muß insofern der großen Masse des Volks unmittelbaren Nutzen schaffen. Es <42> ermäßigt allerdings den durchschnittlichen Geldpreis des Getreides, aber nicht seinen Sachwert, d. h. die Menge Arbeit, die damit unterhalten werden kann. Wäre die Einfuhr zu allen Zeiten frei, so würden unsere Pächter und Landedelleute wahrscheinlich, ein Jahr ins andere gerechnet, aus ihrem Getreide weniger Geld lösen als jetzt, wo die Einfuhr die meiste Zeit hindurch so gut wie verboten ist; aber das eingenommene Geld würde mehr Wert haben, zum Ankauf von mehr Waren aller Art dienen, und mehr Arbeit in Bewegung setzen. Ihr wirkliches Vermögen, ihr wirkliches Einkommen würde also dasselbe bleiben, wie jetzt, wenn es auch durch eine kleinere Silbermenge ausgedrückt würde, und sie wären weder außer Stande noch ohne Antrieb, ebensoviel Getreide zu bauen, wie jetzt. Im Gegenteil, da das Steigen im Sachwerte des Silbers infolge des verringerten Geldpreises für Getreide auch den Geldpreis aller anderen Waren etwas verringert, so erlangt der Gewerbfleiß des betreffenden Landes Vorteile auf allen ausländischen Märkten, und der Gewerbfleiß wird mithin befördert und gesteigert. Der Umfang des heimischen Getreidemarktes muß aber mit dem allgemeinen Gewerbfleiß des Landes, d. h. mit der Zahl derjenigen in Verhältnis stehen, die anderes hervorbringen und also etwas anderes oder, was dasselbe ist, den Wert von etwas anderem besitzen, wofür sie Getreide eintauschen können. Nun ist in jedem Lande der heimische Markt nicht nur der nächste und bequemste, sondern auch der größte und wichtigste Getreidemarkt. Daher erweitert das infolge des verminderten Geldpreises von Getreide eintretende Steigen des Silberwerts den größten und wichtigsten Getreidemarkt, und befördert somit den Getreidebau, statt ihn zu entmutigen.

Durch Akte Karls II. 22, cap. 13, wurde die Einfuhr des Weizens, wenn der Preis auf dem inländischen <43> Markte 53 sh. 4 d, für den Quarter nicht überstieg, mit einem Zoll von 16 sh. und wenn der Preis £ 4 nicht überstieg, mit einem Zoll von 8 sh. für den Quarter belegt. Der erstere Preis ist seit länger als einem Jahrhundert nur in Zeiten sehr großen Mangels, der letztere aber, soviel ich weiß, niemals eingetreten. Dennoch war der Weizen, bis er über den letzteren Preis stieg, durch dieses Statut einem sehr hohen Zoll, und bis er über den ersteren stieg, einem Zoll unterworfen, der einem Verbot gleichkam. Die Einfuhr der übrigen Getreidearten war ebenfalls durch Zölle eingeschränkt, die nach Verhältnis des Wertes fast gleich hoch waren.

Fußnote

Vor dem 13. Regierungsjahre des jetzigen Königs galten folgende Einfuhrzölle :
Bodenerzeugnisse. Zölle. Zölle.
Bohnen bis 28 sh. pr.qr. 19 sh. l0d., bis 40 sh. -- l6sh.8d dann 12d.
Gerste bis28sh. pr.qr. 19 sh. l0d., bis 32sh. -- 16 sh. dann 12d.
Die Malzeinfuhr ist durch die jährliche Malzsteuer-Bill verboten.
Hafer bis 16 sh. pr. qr. 5 sh. 10 d., darüber 9 1 / 2 d.
Erbsen bis 40 sh. pr. qr. 16 sh. -- d., darüber 9 3 / 4 d.
Roggen bis 36 sh. pr. qr. 19 sh. 10 d., bis 40sh. -- 16sh.8 d. dann 12d.
Weizen bis 44 sh. pr. qr. 21 sh. 9d., bis 53sh. 4d.-- 17sh. dann 8sh.
und über £ 4 ungefähr 1 sh. 4d.
Buchweizen bis 32sh. pr. qr. 16sh. -- d.

Diese verschiedenen Zölle wurden zum Teil durch die Akte 22. Regierungsjahr Karls ll. an Stelle der alten Subsidie, teils durch die neue Subsidie, durch die Eindrittel- und Zweidrittelsubisidie und durch die Subsidie vom Jahre 1747 auferlegt.

Spätere Gesetze erhöhten diese Zölle noch mehr.

Die Not, die die strenge Ausführung dieser Gesetze in teuren Jahren über das Volk gebracht haben würde, wäre wahrscheinlich sehr groß gewesen: allein sie wurden unter solchen Umständen gewöhnlich aufgehoben, und die Einfuhr fremden Getreides für eine beschränkte Zeit erlaubt. Die Notwendigkeit solcher Auskunftsmittel beweist hinlänglich die Unzweckmäßigkeit dieser ganzen Gesetzgebung. <44>

Die Einfuhrbeschränkungen bestanden zwar schon vor der Ausfuhrprämie, sind aber von demselben Geiste und denselben Grundsätzen eingegeben, aus denen später die Prämie hervorging. So schädlich an sich diese und manche andere Einfuhrbeschränkungen sind, so wurden sie doch in der Folge, nach Einführung der Prämie, notwendig. Hätte fremdes Getreide zollfrei oder gegen einen kleinen Zoll eingeführt werden können, wenn der Weizen unter 48 sh. oder nicht viel darüber stand, so konnte es auch mittelst der Prämie wieder ausgeführt werden, woraus dem Staatseinkommen ein großer Schaden erwachsen und die ganze Einrichtung, die den Zweck hatte, den Markt für das inländische Erzeugnis, nicht aber für das ausländische zu erweitern, ihrem Zweck entfremdet worden wäre.

III. Das Geschäft dessen, der Getreide ausführt, trägt zur reichlichen Versorgung des heimischen Marktes unmittelbar nichts bei, wohl aber mittelbar. Woher auch in der Regel diese Versorgung erfolgt, ob aus dem heimischen Produkt oder aus der Einfuhr, so kann diese doch, wenn nicht in der Regel mehr Getreide gebaut oder eingeführt als verzehrt wird, niemals sehr reichlich sein. Kann aber der Überschuß nicht ausgeführt werden, so werden die Produzenten es sich angelegen sein lassen, niemals mehr zu bauen, und die Importeure, niemals mehr einzuführen, als der Verbrauch des heimischen Marktes erfordert. Dieser Markt wird höchst selten überfüllt, wohl aber in der Regel mangelhaft versorgt sein, da die Leute, die ihn zu versorgen haben, in der Regel fürchten müssen, daß ihnen ihre Ware liegen bleiben könne. Das Verbot der Ausfuhr schränkt den Anbau des Landes auf den Bedarf seiner Einwohner ein; die Freiheit der Ausfuhr gestattet der Kultur eine Ausdehnung, die auf Versorgung fremder Völker Bedacht nimmt. <45>

Nach der Akte Karls II. 12, cap. 4, war die Getreideausfuhr erlaubt, so oft der Preis des Weizens nicht höher als 40 sh. und der der übrigen Bodenerzeugnisse nach Verhältnis war. Durch die Akte 15 desselben Fürsten wurde diese Freiheit bis zu dem Preise von 48 sh. für den Quarter Weizen, und durch die Akte 22 bis zu allen höheren Preisen ausgedehnt. Allerdings mußte bei der Ausfuhr ein Pfundgeld an den König entrichtet werden; allein das Getreide war in dem Zolltarif so niedrig angeschlagen, daß dieser Pfundzoll beim Weizen nur 1 sh., beim Hafer 4 d. und bei allen übrigen Bodenerzeugnissen (5 d. für den Quarter betrug. Durch die Akte 1 Wilhelms und Marias, dieselbe, die die Prämie einführte, wurde dieser geringe Zoll, wenn der Quarter Weizen nicht mehr als 48 sh. kostete, dem Wesen nach, und durch die Akte 11 und 12 Wilhelms II. cap. 24, bei allen höheren Preisen ausdrücklich abgeschafft.

Auf diese Weise wurde das Geschäft des ausführenden Händlers nicht nur durch eine Prämie begünstigt, sondern auch weit freier gestaltet, als das des inländischen Kornhändlers. Kraft des letzten jener Statute durfte Getreide zu jedem Preise zur Ausfuhr aufgekauft werden, zum inländischen Verkauf hingegen nur dann, wenn der Preis des Quarters nicht über 48 sh. betrug. Und doch kann, wie oben gezeigt wurde, das Interesse des inländischen Getreidehändlers niemals dem Interesse der großen Masse des Volkes widerstreiten, wogegen das des einführenden dies nicht allein kann, sondern es zuweilen wirklich tut. Wenn in seinem Lande Teurung besteht, in einem Nachbarlande aber Hungersnot, so liegt es in seinem Interesse, dem letzteren soviel Getreide zuzuführen, daß die Übelstände der Teurung dadurch bedeutend gesteigert würden. Die reichliche Versorgung des heimischen Marktes war nicht der unmittelbare Zweck jener Statute, sondern man beabsichtigte, unter dem <46> Vorwande, den Ackerbau zu fördern, den Geldpreis des Getreides möglichst zu steigern, und dadurch möglichst eine beständige Teurung auf dem heimischen Markte zu veranlassen. Durch Erschwerung der Einfuhr beschränkte man die Versorgung dieses Marktes sogar in teuren Zeiten auf das heimische Erzeugnis und verhinderte durch Begünstigung der Ausfuhr selbst bei so hohem Preis wie 48 sh., daß auch bei ziemlicher Teurung die ganze Ernte im Lande blieb. Die auf eine bestimmte Zeit gegebenen Gesetze, die die Getreideausfuhr auf bestimmte Zeit verboten und die Einfuhrzölle außer Kraft setzten, -- Hilfsmittel, zu denen Großbritannien schon so häufig hat seine Zuflucht nehmen müssen, -- beweisen hinlänglich die Unzweckmäßigkeit des ganzen Systems. Wäre das System gut gewesen, so hätte man sich nicht so oft genötigt gesehen, es zu verlasssen. Wenn alle Völker das liberale System der freien Aus- und Einfuhr befolgten, so würden die verschiedenen Staaten eines Erdteils den verschiedenen Provinzen eines großen Reichs gleichen. Wie unter den verschiedenen Provinzen eines großen Reichs die Freiheit des Binnenhandels Vernunft- und erfahrungsgemäß nicht nur das beste Gegenmittel gegen eine Teurung, sondern auch das wirksamste Vorbeugungsmittel gegen eine Hungersnot ist, so würde auch die Freiheit des Ein- und Ausfuhrhandels unter den verschiedenen Staaten eines Weltteils es sein. Je größer der Weltteil, je leichter der Verkehr unter seinen einzelnen Teilen, desto weniger würde ein einzelner Teil jenen Landplagen unterworfen sein, weil dem Mangel des einen Landes wahrscheinlich durch die Fülle eines andern abgeholfen werden könnte. Allein nur sehr wenige Länder haben dies liberale System seinem ganzen Umfange nach angenommen. Die Freiheit des Getreidehandels ist fast überall mehr oder weniger und in manchen Ländern durch so alberne <47> Maßregeln beschränkt, daß oft das unvermeidliche Mißgeschick einer Teurung in die schreckliche Landplage einer Hungersnot verwandelt wird. Der Gretreidebedart solcher Länder kann oft so groß und dringend werden, daß ein kleiner benachbarter Staat, in welchem gleichzeitig eine mäßige Teurung herrscht, es nicht wagen könnte, sie zu versorgen, ohne sich selbst dem gleichen furchtbaren Übel auszusetzen. Die elende Wirtschaftspolitik des einen Landes kann es also für das andere bis zu einem gewissen Grade gefährlich und unklug machen, eine bessere Wirtschaftspolitik einzuführen. Indessen würde die unbeschränkte Ausfuhrfreiheit in großen Staaten weit weniger gefährlich sein, weil ihre Produktion viel grüßer ist und die Versorgung nicht leicht durch die Ausfuhr erheblich geschmälert werden könnte. In einem Schweizerkanton oder einem der kleinen italienischen Staaten mag es zuweilen unerlässlich sein, die Getreideausfuhr zu beschränken ; in so großen Ländern aber, wie Frankreich oder England, schwerlich jemals. Den Landwirt hindern, seine Ware jederzeit auf den besten Markt zu schikken, heißt offenbar die gewöhnlichen Vorschriften der Gerechtigkeit einer Vorstellung vom öffentlichen Wohl, einer Art Staatsraison aufopfern; ein Akt gesetzgeberischer Gewalt, der nur in den dringendsten Fällen geübt werden sollte, und nur dann verzeihlich ist. Der Preis, bei dem die Getreideausfuhr verboten wird, sollte, wenn sie doch einmal verboten werden soll, wenigstens stets sehr hoch sein.

Die Korngesetze lassen sich mit den Gesetzen über religiöse Angelegenheiten vergleichen. Die Menschen fühlen sich bei allem, was sich auf ihre Erhaltung in diesem oder auf ihre Seligkeit in einem zukünftigen Leben bezieht, so sehr interessiert, daß die Regierung ihren Vorurteilen nachgeben und, um die öffentliche <48> Ruhe zu erhalten, dasjenige System einführen muß, das sie gutheißen. Vielleicht gerade deshalb finden wir so selten ein vernünftiges System hinsichtlich dieser beiden Angelegenheiten von grundlegender Wichtigkeit.

IV. Das Geschäft des Zwischenhändlers, der fremdes Getreide einführt, um es wieder auszuführen, trägt zur reichlichen Versorgung des heimischen Marktes bei. Es ist zwar nicht geradezu der Zweck seines Handels, sein Getreide im Lande zu verkaufen ; aber er wird sich dazu im Allgemeinen gern verstehen und wird es hier sogar für einen viel niedrigeren Preis verkaufen, als er auf einem auswärtigen Markte erwarten könnte, da er auf diese Weise die Kosten des Ein- und Ausladens, der Fracht und Versicherung erspart. Die Einwohner des Landes, das durch den Zwischenhandel das Magazin und Vorratshaus für andere Länder wird, können nur selten selbst in Mangel geraten. Wenn daher auch der Zwischenhandel dazu beiträgt, den durchschnittlichen Geldpreis des Getreides auf dem heimischen Markte zu ermäßigen, so wird er doch seinen Sachwert nicht verringern, sondern nur den Sachwert des Silbers etwas steigern.

Der Zwischenhandel war in Großbritannien im gewöhnlichen Fall durch die hohen Einfuhrzölle auf Getreide, für die meistenteils keine Rückzölle gegeben werden, tatsächlich verhindert; in den außerordentlichen Fällen aber, wenn eine schlechte Ernte es nötig machte, die Zölle außer Geltung zu setzen, war die Ausfuhr verboten. Durch dieses System war mithin der Zwischenhandel in allen Fällen tatsächlich ausgeschlossen.

Die mit der Ausfuhrprämie zusammenhängende Gesetzgebung scheint daher die Lobsprüche, die man ihr erteilt hat, keineswegs zu verdienen. Die Kultur und der Wohlstand Großbritanniens, die man diesen Gesetzen so oft zugeschrieben hat, lassen sich leicht aus anderen <49> Ursachen erklären. Die Sicherheit für jedermann, die Früchte seiner Arbeit zu genießen, ist allein hinreichend, diesen und zwanzig anderen törichten Handelsregelungen zum Trotz ein Land blühend zu machen; und diese Sicherheit wurde durch die Revolution fast zu derselben Zeit, als die Prämie eingeführt wurde, hergestellt. Das natürliche Bestreben jedes Menschen, seine Lage zu verbessern, ist, wenn es sich frei und sicher geltend machen darf, ein so mächtiger Antrieb, daß es ganz allein und ohne Beistand nicht nur das Volk zu Wohlstand und Blüte führen, sondern auch hundert schmähliche Hindernisse, mit denen die Torheit menschlicher Gresetze sie nur allzu oft zu hemmen suchte, überwinden kann, obwohl der Erfolg solcher Hindernisse stets mehr oder weniger die Freiheit beschränkt oder die Sicherheit vermindert. In Großbritannien ist der Gewerbfleiß vollkommen sicher, und obgleich weit davon entfernt, vollkommen frei zu sein, doch ebenso frei oder noch freier als in irgend einem Lande Europas.

Obschon die Periode der größten Blüte und Fortschritte Großbritanniens erst nach jener mit der Prämie zusammenhängenden Gesetzgebung eintrat, dürfen wir sie deswegen doch nicht diesen Gesetzen zuschreiben. Jene Periode ist auch später gekommen als die Nationalschuld, und doch ist diese ganz gewiß nicht die Ursache jener.

Obgleich das mit der Prämie zusammenhängende System von Gesetzen genau dieselbe Neigung hat, wie die Wirtschaftspolitik Spaniens und Portugals, nämlich den Wert der edlen Metalle zu ermäßigen, so ist doch Großbritannien ohne Zweifel eines der reichsten Länder Europas, während Spanien und Portugal vielleicht zu den ärmsten gehören. Diese Verschiedenheit der Lage erklärt sich leicht aus zwei Ursachen. Erstens müssen <50> in Spanien der Ausfuhrzoll auf Gold und Silber, in Portugal das Ausfuhrverbot und die Kosten der in beiden so armen Ländern, die jährlich über £ 6,000,000 einführen, zur Überwachung dieser Gesetze erforderlichen Polizei nicht nur unmittelbarer, sondern auch gewaltsamer auf die Entwertung jener Metalle wirken, als die Korngesetze in Großbritannien. Zweitens aber hat die schlechte Politik dieser Länder kein Gegengewicht an der allgemeinen Freiheit und Sicherheit des Volks. Der Gewerbfleiß ist dort weder frei noch sicher, und die bürgerliche und kirchliche Verfassung Spaniens und Portugals ist der Art, daß sie allein schon hinreichen würde, ihre jetzige Armut zu verewigen, selbst wenn ihre Handelsverordnungen so weise wären, wie sie zum größten Teil albern und töricht sind.

Die Akte 13 des jetzigen Königs, c. 48, hat bezüglich der Korngesetze ein neues System eingeführt, das in manchen Beziehungen besser, aber in einem oder zwei Punkten nicht so gut ist wie das frühere.

Durch dieses Statut werden die hohen Zölle auf das zum heimischen Verbrauch eingeführte Getreide, sobald der Preis von Mittelweizen auf 48 sh. für den Quarter, von Mittel-Roggen, Erbsen oder Bohnen auf 32 sh., von Gerste auf 24 sh. und von Hafer auf 16 sh. gestiegen ist, aufgehoben und statt dessen ein kleiner Zoll von nur 6 d. auf den Quarter Weizen, und das übrige Getreide nach Verhältnis, gelegt. Bei allen diesen Getreidearten, besonders aber beim Weizen, ist so der innere Markt der ausländischen Zufuhr zu weit geringeren Preisen geöffnet als früher.

Nach demselben Statut hört die frühere Prämie von 5 sh. für Weizenausfuhr auf, sobald der Preis auf 44 sh. für den Quarter steigt, während sie vorher erst bei 48 sh. aufhörte; die Prämie von 2 1 / 2 sh. für Ausfuhr <51> der Gerste bei 22 sh. statt erst bei 24 sh., die Piämie von 2 1 / 2 sh. für Ausfuhr von Hafergrütze bei 14 sh. statt früher erst bei 15 sh. Die Prämie auf Roggen ist von 3 1 / 2 sh. auf 3 sh. herabgesetzt worden, und hört auf, sobald der Preis auf 28 sh. steigt, anstatt wie früher erst bei 32 sh. Wenn Prämien so unzweckmäßig sind, wie ich es zu beweisen suchte, so ist es immer um so besser, je früher sie aufhören und je niedriger sie sind.

Dasselbe Statut gestattet auch bei den niedrigsten Preisen die zollfreie Einfuhr des Getreides behufs Wiederausfuhr, vorausgesetzt, daß es in der Zwischenzeit in einem Lagerhause, das unter gemeinsamen Verschlusse des Fiskus und des Importeurs steht, gelagert wird. Diese Freiheit erstreckt sich allerdings nur auf fünfundzwanzig Häfen Großbritanniens; allein diese sind die wichtigsten, und in den meisten übrigen dürften sich schwerlich zu diesem Zwecke geeignete Lagerhäuser finden.

Insofern ist dies Gesetz offenbar eine Verbesserung des früheren Systems. Allein durch dasselbe Gesetz wird eine Prämie von 2 sh. auf den Quarter auf die Ausfuhr von Hafer bewilligt, wenn der Preis 14 sh. nicht übersteigt. Früher wurde auf die Ausfuhr dieser Getreideart ebenso wenig, wie auf die der Erbsen oder Bohnen eine Prämie gegeben. Ferner wird durch dasselbe Gesetz die Ausfuhr des Weizens verboten, wenn der Preis auf 48 sh., der Gerste, wenn er auf 22 sh., und des Hafers, wenn er auf 14 sh. steigt. Diese Preise scheinen sämtlich viel zu niedrig, und überdies scheint es unangemessen zu sein, die Ausfuhr bei den nämlichen Preisen zu verbieten, bei denen die zur gewaltsamen Hebung der Ausfuhr gegebene Prämie aufholt. Entweder sollte man die Prämie schon bei einem viel niedrigeren Preise aufhören lassen, oder die Ausfuhr erst bei einem weit höheren erlauben. Insofern <52> scheint also dies Gesetz schlechter zu sein als das frühere System. Trotz aller seiner Mängel können wir aber doch vielleicht von ihm sagen, was man von den Gesetzen Solons sagte, daß, wenn es auch nicht an sich das beste, es doch das beste ist, das die Interessen, Vorurteile und Gesinnungen der Zeit zulassen. Es kann vielleicht für die Zukunft einem besseren Gesetz den Weg bahnen. <53>


1. Siehe die Berechnung am Ende dieses Bandes.