Zweites Kapitel. Das Geld als ein besonderer Zweig des Gesamtkapitals der Gesellschaft, oder die Unterhaltungskosten des Nationalkapitals (the National Capital).

In dem ersten Buche ist gezeigt worden, daß der Preis der meisten Waren in drei Teile zerfällt, von denen einer den Arbeitslohn, ein anderer den Kapitalgewinn und ein dritter die Grundrente bezahlt; daß es zwar einige Waren gibt, deren Preis nur von zweien jener Teile, dem Arbeitslohn und Kapitalgewinn, herrührt, und daß er in einigen wenigen lediglich aus dem Arbeitslohn besteht, daß aber der Preis jeder Ware sich notwendig in einen oder den anderen oder in alle drei Teile auflöst, und daß Alles, was nicht Rente oder Lohn ist, notwendig für irgend jemanden Gewinn sein muß.

Da laut Smith auch aus den Maschinen und Werkzeugen Gewinn gezogen werden kann, ist seine Behauptung, es gäbe Waren, deren Wert allein aus dem Lohn und dem Profit bestehen, nachvollziehbar. Da aber der Profit allein aus der Arbeit und nicht aus den Maschinen ist, muss diese Behauptung fallen. Der Wert der Maschinen und Werkzeuge muss als ein eigener Wertbestandteil aufgenommen werden.

Da dies, wie bemerkt, bezüglich jeder einzelnen Ware, für sich betrachtet, der Fall ist, so muß es auch bezüglich aller Waren, die das jährliche Gesamtprodukt des Bodens und der Arbeit in einem Lande bilden, der Fall sein, wenn man sie als Einheit betrachtet. Der ganze Preis oder Tauschwert dieses Jahresprodukts muß in die nämlichen drei Teile zerfallen und sich unter die verschiedenen Einwohner des Landes entweder als Arbeitslohn, Kapitalgewinn oder Grundrente verteilen.

Obwohl nun der Gesamtwert des jährlichen Boden- und Arbeitsertrags eines Landes sich in dieser Weise <17> unter die verschiedenen Bewohner verteilt, so kann man doch, wie man in der Rente eines Privatguts zwischen der rohen und der reinen Rente unterscheidet, auch in dem Einkommen der Gesamtheit aller Einwohner denselben Unterschied machen.

Die rohe Rente eines Guts umfaßt alles, was vom Pächter gezahlt wird; die reine Rente ist das, was nach Abzug der Wirtschafts-, Unterhaltungs- und sonstigen Kosten für den Grundeigentümer übrig bleibt, oder was er ohne Schaden für das Gut dem für den unmittelbaren Verbrauch bestimmten Vorrat zuweisen, oder für seine Tafel, seine Kleider, die Ausschmückung und Möblierung seines Hauses, für seine Genüsse und Vergnügungen ausgeben kann. Sein wirkliches Vermögen richtet sich nicht nach seinem rohen, sondern nach seinem reinen Einkommen.

Das rohe Einkommen aller Einwohner eines Landes umfaßt das gesamte Jahresprodukt ihres Bodens und ihrer Arbeit; das reine Einkommen dasjenige, was ihnen nach Abzug der Unterhaltungskosten, erstens ihres stehenden und zweitens ihres umlaufenden Kapitals, übrig bleibt, oder das, was sie, ohne ihr Kapital anzugreifen, dem für ihren unmittelbaren Verbrauch bestimmten Vorrat zuweisen, oder auf Lebensunterhalt, Komfort und Genuß verwenden können. Auch ihr wirklicher Reichtum richtet sich nicht nach ihrem rohen, sondern nach ihrem reinen Einkommen.

Smith sagt hier etwas umständlich, dass das konstante und das meiste zirkulierende Kapital kein Gewinn ist, sondern Kosten sind. Sie sind nicht vom Warenwert abzuziehen, sondern hinzuzuaddieren, wenn es um den Warenwert geht. Sie sind abzuziehen, wenn es um die Einkünfte geht.

Die ganzen Kosten für den Unterhalt des stehenden Kapitals müssen offenbar von dem reinen Einkommen (net revenue) der Gesellschaft ausgeschlossen werden. Weder die zur Instandhaltung der nützlichen Maschinen und Werkzeuge, der gewinntragenden (profitable) Gebäude usw. nötigen Materialien, noch das Produkt der zur Bearbeitung dieser Materialien erforderlichen Arbeit können zum reinen Einkommen gerechnet werden. Allerdings kann <18> der Preis dieser Arbeit einen Teil von ihm bilden, wenn die hierbei beschäftigten Arbeiter ihren ganzen Lohn ihrem für den unmittelbaren Verbrauch bestimmten Vorrat zuweisen können. Bei anderen Arbeitsgattungen geht sowohl der Preis als das Produkt der Arbeit in diesen Vorrat über, der Preis in den Vorrat der Arbeiter, das Produkt in den anderer Leute, deren Lebensunterhalt, Komfort und Genuß durch die Arbeit jener bereichert werden.

Der Zweck des stehenden Kapitals besteht darin, die Produktivkräfte der Arbeit zu erhöhen und eine gleiche Zahl Arbeiter zu weit größeren Arbeitsleistungen zu befähigen. Auf einem Gute, wo alle nötigen Gebäude, Zäune, Abzugsgräben, Verbindungswege usw. im besten Zustande sind, wird eine gleiche Zahl Arbeiter und Arbeitstiere einen weit größeren Ertrag erzielen,, als auf einer Fläche von gleicher Größe und gleicher Güte, wo diese Einrichtungen mangelhaft sind. In Fabriken wird eine gleiche Zahl Hände, wenn sie durch die besten Maschinen unterstützt wird, eine weit größere Menge Waren hervorbringen, als mit unvollkommeneren Werkzeugen. Zweckmäßige Ausgaben für irgend ein stehendes Kapital machen sich immer mit großem Gewinn wieder bezahlt, und vermehren den Jahresertrag um einen weit größeren Wert, als den der dafür aufgewendeten Kosten. Immerhin jedoch nehmen diese Kosten einen gewissen Teil jenes Ertrags in Anspruch. Eine gewisse Quantität von Materialien und die Arbeit einer gewissen Anzahl von Arbeitern, die unmittelbar auf Vermehrung der Lebensmittel, Kleider und Wohnungen, kurz der Unterlialtsmittel und Genüsse der Gesellschaft hätten verwendet werden können, werden so zu einer anderen Beschäftigung gebraucht, die zwar höchst vorteilhaft, aber von jener doch sehr verschieden ist. Aus diesem Grunde werden alle Fortschritte in der <19> Mechanik, die eine gleiche Zahl von Arbeitern instand setzen, eine gleiche Menge Arbeit (an equal quantity of work) mit wohlfeileren und einfacheren als den früher üblichen Maschinen herzustellen, stets als vorteilhaft für jede Gesellschaft betrachtet. Eine gewisse Menge von Materialien und die Arbeit einer gewissen Zahl von Arbeitern, die früher erforderlich waren, um die komplizierteren und kostspieligeren Maschinen zu bedienen, können nun zur Vermehrung der Arbeitsmenge (to augment the quantity of work) verwendet werden, zu deren Herstellung die Maschine nur behilflich ist.

Smith drückt sich verquer aus: Vermehrt werden die Waren, die in der gleichen Zeit also mit derselben Menge Arbeit hergestellt werden. Und mit verminderter Arbeit stellen die Arbeiter die gleiche Menge her wie fürher ohne die Maschinen. Tatsächlich behält er im gewissen Sinne recht, denn kein Mittel hat die maßlose Verlängerung des Arbeitstages mehr befördert als die moderne Maschinerie.

Der Unternehmer einer großen Fabrik, der jährlich tausend Pfund Sterling auf seine Maschinen verwendet, wird, wenn er diese Ausgabe auf fünfhundert ermäßigen kann, die übrigen fünfhundert zum Ankauf einer größeren Menge von Rohstoffen verwenden, deren Verarbeitung mehr Arbeitskräfte beansprucht. Die Arbeitsmenge, zu deren Herstellung seine Maschinen nur behilflich waren, wird sich daher vergrößern, und mit ihr auch der Vorteil und Genuß, den die Gesellschaft aus diesen Arbeiten zieht.

Der genussreiche 16 Stundentag hat sich in der großen Industrie auf den 24 Stundentag erweitert.

Die Unterhaltungskosten des stehenden Kapitals in einem Lande können füglich mit den Unterhaltungskosten eines Gutes verglichen werden. Diese Ausgaben müssen oft bestritten werden, damit der Ertrag des Guts und folglich die rohe und reine Rente des Grundherrn nicht sinkt. Können aber diese Ausgaben durch richtigere Verwendung vermindert werden ohne Verringerung des Ertrags, so bleibt die rohe Rente mindestens die nämliche, und die reine Rente ist selbstverständlich größer geworden.

Wenn aber die gesamten Unterhaltskosten des stehenden Kapitals vom reinen Einkommen der Gesellschaft ausgeschlossen werden müssen, so liegt doch der Fall bei den Unterhaltskosten des umlaufenden Kapitals anders. Von den vier Teilen, aus welchen das letztere besteht, dem Gelde, den Lebensmitteln, den Rohstoffen <20> und Fabrikaten (money, provisions, materials, and finished work), werden die drei letzteren, wie schon bemerkt, ihm regelmäßig entzogen, und entweder dem stehenden Kapital der Gesellschaft, oder dem für die unmittelbare Verzehrung bestimmten Vorrat einverleibt. Alles, was von den Verbrauchsgegenständen nicht zum Unterhalt des ersteren dient, geht in den letzteren über, und macht einen Teil des reinen Einkommens der Gesellschaft aus. Daher entzieht die Unterhaltung jener drei Teile des umlaufenden Kapitals dem reinen Einkommen der Gesellschaft keinen andern Teil des Jahresertrags, als den, der zur Unterhaltung des stehenden Kapitals erforderlich ist. (?)

Das umlaufende Kapital einer Gesellschaft ist in dieser Beziehung von dem eines einzelnen ganz verschieden. Dasjenige eines einzelnen macht durchaus keinen Teil seines reinen Einkommens aus, das gänzlich in seinen Gewinnen bestehen muß. Obwohl aber das umlaufende Kapital jedes einzelnen einen Teil desjenigen der Gesellschaft bildet, der er angehört, so muß es darum doch nicht einen Teil des reinen Volkseinkommens bilden. Die Waren eines Kaufmanns kann man nicht zu seinem für den unmittelbaren Verbrauch bestimmten Vorrat rechnen, aber sie können in den Vorrat anderer übergehen, die jenem ihren Wert samt Gewinn aus anderweitigen Einkünften erstatten, ohne dadurch in seinem oder ihrem Kapital irgend eine Verminderung herbeizuführen.

Das Geld ist daher der einzige Teil des umlaufenden Kapitals der Gesellschaft, dessen Unterhaltung eine Verminderung ihres reinen Einkommens bewirken kann.

Das stehende Kapital und der im Geld bestehende Teil des umlaufenden Kapitals haben in ihrem Einfluß auf das Einkommen der Gesellschaft eine große Ähnlichkeit miteinander.

Wie erstens die Maschinen und Werkzeuge usw. <21> gewisse Ausgaben erst für ihre Anschaffung, dann für ihre Unterhaltung erfordern, die zwar einen Teil des rohen Einkommens ausmachen, aber vom reinen Einkommen der Gesellschaft abgehen; so muß auch der in einem Lande umlaufende Geldvorrat gewisse Ausgaben erst für seine Anschaffung, dann für seine Unterhaltung erfordern, der ebenso zwar einen Teil des rohen Einkommens der Gesellschaft bildet, aber von ihrem reinen Einkommen abgeht. Eine gewisse Menge sehr wertvoller Stoffe, Gold und Silber, und sehr künstlicher Arbeit findet, statt den zum unmittelbaren Verbrauch bestimmten Vorrat, den Lebensunterhalt, Komfort und Genuß der Einzelnen zu vermehren, ihre Aufgabe in der Unterhaltung des wichtigen, aber kostspieligen Verkehrswerkzeugs, durch das jeder einzelne in der Gesellschaft seinen Lebensunterhalt, Komfort und Genuß im geeigneten Verhältnisse regelmäßig zugeteilt erhält.

Wie zweitens die Maschinen, Werkzeuge usw., die das stehende Kapital eines einzelnen oder einer Gesellschaft ausmachen, weder einen Teil ihres rohen noch ihres reinen Einkommens bilden, so bildet das Geld, durch dessen Vermittelung das gesamte Einkommen der Gesellschaft regelmäßig unter alle ihre einzelnen Glieder verteilt wird, selbst keinen Teil dieses Einkommens . Das große Umlaufsrad ist von den Waren, die durch seine Vermittelung in Umlauf gesetzt sind, ganz verschieden. Das Einkommen der Gesellschaft besteht lediglich in diesen Waren, und nicht in dem Rade, das sie in Umlauf setzt. Bei einer Berechnung des rohen oder des reinen Einkommens der Gesellschaft muß stets von ihrem jährlichen Geld- und Güterumlauf der Gesamtwert des Geldes abgezogen werden, von dem nicht ein einziger Pfennig einen Einkommensteil bilden kann. <22>

Nur die Unklarheit der Ausdrucksweise kann diesen Satz zweifelhaft oder paradox erscheinen lassen. Wird er gehörig erklärt und aufgefaßt, so ist er fast selbstverständlich.

Wenn wir von einer Summe Geldes reden, so meinen wir entweder nur die Metallstücke, aus denen sie besteht, oder setzen sie in eine dunkle Beziehung zu den Waren, die man dafür haben kann, oder zu der Kaufkraft, die ihr Besitz verleiht. So wollen wir, wenn wir sagen, daß das umlaufende Geld Englands auf achtzehn Millionen berechnet werde, nur den Betrag der Metallstücke ausdrücken, auf die einige Schriftsteller den Umlauf geschätzt haben. Sagen wir aber, es stehe sich jemand auf fünfzig oder hundert Pfund jährlich, so wollen wir in der Regel nicht nur den Betrag der Metallstücke, die er jährlich einnimmt, sondern auch den Wert der Waren ausdrücken, die er jährlich kaufen oder verbrauchen kann. Wir wollen damit sagen, wie er lebt oder leben könnte, d. h. welche Menge und Beschaffenheit von Lebens- und Genußmitteln er sich nach seinen Verhältnissen gestatten dürfe.

Wenn man unter einer Summe Geldes nicht nur den Betrag der Metallstücke, aus denen sie besteht, verstanden wissen, sondern sie in eine dunkle Beziehung zu den Waren, die dafür zu haben sind, setzen will, so wird das Vermögen oder Einkommen, das sie in diesem Falle bezeichnet, nur der einen der beiden Bedeutungen, welche das Wort doppelsinnig einschließt, gerecht und zwar der letzteren mehr als der ersteren, d. h. dem Begriffe des Geldwertes mehr, als dem des Geldes.

So kann der, dessen Wocheneinnahme in einer Guinee besteht, im Laufe der Woche damit eine gewisse Menge Lebens- und Genußmittel kaufen. Je nach der Größe dieser Menge ist auch sein wirkliches Vermögen, seine wirkliche Wocheneinnahme groß oder klein. Seine <23> Wocheneinnahme ist sicherlich nicht gleich der Guinee und dem, was dafür zu haben ist, sondern nur dem einen oder dem anderen dieser beiden gleichen Werte, und zwar dem letzteren mehr als dem ersteren, dem Werte der Guinee mehr als der Guinee selbst.

Wenn jemandem sein Gehalt nicht in Gold, sondern in einer wöchentlichen Anweisung auf eine Guinee gezahlt würde, so bestände sein Einkommen gewiß nicht in dem Stück Papier, sondern in dem, was er dafür haben kann. Eine Guinee ist als eine auf alle Geschäftsleute der Gegend ausgestellte Anweisung auf eine bestimmte Menge von Lebens- und Genußmitteln anzusehen. Das Einkommen desjenigen, dem sie gezahlt wird, besteht nicht sowohl in dem Goldstück, als in dem, was er dafür haben oder wogegen er es vertauschen kann. Könnte es gegen nichts vertauscht werden, so würde es, wie eine Anweisung auf einen Zahlungsunfähigen nicht mehr wert sein, als ein ganz unbrauchbares Stück Papier.

Wenn auch das Wochen- oder Jahreseinkommen aller einzelnen Einwohner eines Landes ebenso in Geld gezahlt werden kann und in Wirklichkeit auch oft in Geld gezahlt wird, so ist doch ihr wirkliches Vermögen, das wirkliche Wochen- oder Jahreseinkommen aller zusammengenommen groß oder klein je nach der Menge der verbrauchsfähigen Waren, die sie mit dem Gelde kaufen können. Das ganze Einkommen aller einzelnen zusammengenommen ist offenbar nicht gleich dem Gelde und den verbrauchsfähigen Waren, sondern nur dem einen oder dem anderen dieser beiden Werte, und zwar dem letzteren mehr, als dem ersteren.

Wenn wir also oft das Einkommen jemandes durch die Metallstücke ausdrücken, die er jährlich einnimmt, so geschieht es deshalb, weil der Betrag dieser Stücke die Größe ihrer Kaufkraft oder den Wert der Waren <24> bestimmt, die er jährlich verzehren kann. Gleichwohl betrachten wir sein Einkommen als in seiner Kauf- oder Verbranchskraft bestehend und nicht in den Geldstücken, die sie ihm verleihen.

Wenn dies schon bezüglich eines Einzelnen klar genug ist, so ist es dies noch mehr bezüglich eines Volks. Der Betrag der Metallstücke, die ein Einzelner jährlich einnimmt, kommt oft genau seinem Einkommen gleich, und ist darum auch der kürzeste und beste Ausdruck für seinen Wert; aber der Betrag der Metallstücke, die in einem Volke umlaufen, kann niemals dem Einkommen aller seiner Glieder gleich sein. Da die nämliche Guinee, mit der heute das Wochengehalt des einen bezahlt wird, morgen dazu dienen kann, das eines anderen, und übermorgen das eines dritten zu bezahlen, so muß der Betrag der jährlich in einem Lande umlaufenden Metallstücke stets einen weit geringeren Wert haben, als die jährliche Summe der Einkommen. Aber die Kaufkraft, oder die Waren, die nach und nach mit dieser Einkommenssumme gekauft werden können, müssen stets genau denselben Wert haben, wie diese Einkommen; und ebenso ist es mit dem Einkommen der einzelnen, denen sie gezahlt werden. Dies Einkommen kann mithin nicht in den Metallstücken bestehen, deren Betrag so weit unter seinem Werte bleibt, sondern muß in der Kaufkraft bezw. in den Waren bestehen, die damit, wie nun eben jene Stücke von Hand zu Hand gehen, nach und nach gekauft werden können.

Das Geld , das große Rad des Umlaufs (the great wheel of circulation), das große Werkzeug des Verkehrs, bildet also, gleich allen anderen Werkzeugen, keinen Teil im Einkommen des Volks, dem es gehört, obgleich es einen Teil und zwar einen sehr wertvollen Teil des Kapitals bildet; und obschon die Metallstücke, aus denen es besteht, während ihres <25> jährlichen Umlaufs an jedermann das ihm zukommende Einkommen verteilen, so machen sie selbst doch keinen Teil dieses Einkommens aus.

Drittens und letztens haben die Maschinen und Werkzeuge usw., die das stehende Kapital bilden, die weitere Ähnlichkeit mit dem in Geld bestehenden Teil des umlaufenden Kapitals, daß ebenso, wie jede Ersparnis in den Herstellungs- und Unterhaltskosten der Maschinen, die die Produktivkraft der Arbeit nicht vermindert, das reine Einkommen des Volkes vermehrt, auch jede Ersparnis in den Anschaffungs- und Unterhaltungskosten des Geldumlaufs das Volkseinkommen vermehrt.

Es ist deutlich genug, und teilweise auch schon auseinandergesetzt worden, auf welche Art jede Ersparnis in den Unterhaltungskosten des stehenden Kapitals das reine Volkseinkommen vermehrt. Das Kapital eines Unternehmers zerfällt notwendig in sein stehendes und sein umlaufendes Kapital. Bleibt sein Gesamtkapital das nämliche, so muß notwendig der eine Teil um so größer werden, je kleiner der andere wird. Das umlaufende Kapital beschafft die Rohstoffe und den Arbeitslohn, und setzt das Geschäft in Gang. Daher muß jede die Produktivkraft der Arbeit nicht vermindernde Ersparnis in den Unterhaltungskosten des Kapitals, den das Geschäft in Gang bringenden Fonds und folglich auch den Jahresertrag des Bodens und der Arbeit, das wirkliche Einkommen eines jeden Volkes, vermehren.

Das fixe Kapital und das umlaufende Kapital, das kein Lohn ist, stellen nur Kosten dar. Das lebendige Kapital, das sich in Arbeit darstellt, stellt neben den Kosten alle Überschüsse dar.

Der Gebrauch des Papiers an Stelle des Gold- und Silbergeldes ersetzt ein sehr kostspieliges Verkehrswerkzeug durch ein weit weniger kostbares und zuweilen ebenso geeignetes. Der Umlauf wird durch ein neues Rad bewirkt, das anzuschaffen und zu erhalten weniger kostet als das alte. In welcher Weise jedoch diese Tätigkeit sich vollzieht und das rohe oder reine Ein <26> kommen der Gesellschaft vergrößert, erfordert eine weitere Erklärung.

Es gibt verschiedene Arten von Papiergeld; doch sind die Banknoten die bekannteste Art und scheinen auch für den Zweck am besten geeignet.

Hat man in einem Lande soviel Vertrauen zu dem Vermögen, der Rechtschaffenheit und Klugheit eines Bankiers, um zu glauben, daß er seine Noten stets bei Vorzeigen auszahlen werde, so erhalten diese durch die Sicherheit, daß zu jeder Zeit Geld dafür zu haben ist, dieselbe Gangbarkeit wie Gold- und Silbergeld.

Angenommen, ein Bankier leiht an seine Kunden Noten im Betrage von £ 100.000. Da diese Noten alle Dienste des Geldes tun, so bezahlen ihm seine Schuldner die nämlichen Zinsen, als ob er ihnen ebensoviel Geld geliehen hätte. Aus diesen Zinsen zieht er seinen Gewinn. Wenn auch manche Noten zurückkommen und Zahlung fordern, so bleiben die meisten doch Monate und Jahre lang ununterbrochen im Umlauf. Obschon daher gewöhnlich £ 100,000 seiner Noten umlaufen, reichen doch £ 20,000 in Gold und Silber oft vollkommen hin, um allen Zahlungsanforderungen zu entsprechen. £ 20,000 in Gold und Silber verrichten demgemäß dieselben Dienste wie sonst £ 100,000. Mittelst der Noten können dieselben Tausche vollzogen werden, kann dieselbe Menge Verbrauchsgegenstände umlaufen und an ihre eigentlichen Verbraucher gelangen, als durch einen gleichen Wert an Gold und Silbergeld. Man kann demnach £ 80,000 in Gold und Silber am Umlauf des Landes sparen, und wenn gleichzeitig von vielen Banken und Bankiers mehr derartige Unternehmungen gemacht werden, so läßt sich der ganze Umlauf mit dem fünften Teil des Goldes und Silbers bewirken, das ohne sie nötig gewesen wäre. <27>

Angenommen, das ganze umlaufende Geld eines Landes belaufe sich zu einer gewissen Zeit auf eine Million Pfund Sterling, die hinreichend sind, das ganze Jahresprodukt des Bodens und der Arbeit in Umlauf zu bringen. Angenommen ferner, daß später verschiedene Banken und Bankiers auf den Inhaber lautende Noten im Betrag von einer Million ausgeben, und um gelegentlichen Zahlungsanforderungen zu entsprechen, £ 200,000 in ihren Kassen behalten -- so würden £ 800,000 in Gold und Silber und eine Million in Banknoten, also £ 1,800,000 in Papier und Gold zusammen im Umlauf sein. Das jährliche Boden- und Arbeitsprodukt des Landes hatte aber nur eine Million zum Umlauf und zur Verteilung an die Verbraucher erfordert, und dieses Jahresprodukt kann sich nicht unmittelbar durch jene Bankoperationen vermehren. Eine Million wird mithin auch nachher hinreichend sein, es in Umlauf zu halten. Da die in den Verkehr kommenden Waren sich nicht vermehrt haben, wird auch die nämliche Menge Geldes hinreichen, sie zu kaufen und zu verkaufen. Der Umlaufskanal, wenn ich mich dieses Ausdrucks bedienen darf, wird genau derselbe bleiben, wie zuvor. Eine Million war nach unserer Annahme hinreichend, diesen Kanal zu füllen; was daher über diese Summe hinaus sich in ihn ergießt, kann nicht darin bleiben, sondern muß überfließen. Wenn sich £ 1,800,000 in ihn ergießen, müssen £ 600,000 überfließen, da um diese Summe das Umlaufserfordernis des Landes überschritten ist. Da aber diese Summe, die man im Lande nicht braucht, doch zu wertvoll ist, als daß man sie müßig liegen lassen möchte, so wird sie ins Ausland gehen, um dort die gewinnreiche Anlegung zu suchen, die sie im Lande nicht finden kann. Nun aber kann das Papier nicht ins Ausland gehen, weil es in weiter Ferne von den emittierenden Banken und von dem Lande, in dem <28> die Barzahlung gesetzlich erzwungen werden kann, bei gewöhnlichen Zahlungen nicht angenommen zu werden pflegt. Daher wird Gold und Silber im Betrag von £ 800,000 ins Ausland gehen, und der heimische Umlaufskanal bleibt, statt mit der Million Metall, die ihn früher füllte, mit einer Million Papier gefüllt.

Wenn aber auch eine so große Menge Gold und Silber ins Ausland geht, so wird es doch nicht umsonst gegeben und die Besitzer machen den fremden Völkern kein Geschenk damit. Sie tauschen vielmehr für das Geld ausländische Waren ein, um entweder den Verbrauch anderer Länder, oder den der eigenen damit zu versorgen.

In ersterem Falle, wenn also das Gold und Silber im sogenannten Zwischenhandel Verwendung findet, ist jeder Gewinn, den die Besitzer der edlen Metalle erzielen, eine Vermehrung des reinen Einkommens ihres eignen Landes und bildet einen neuen Fonds für ein neues Geschäft; die inländischen Geschäfte werden nun mit Papier betrieben und Gold und Silber sind in einen Fonds für jenen neuen Handelszweig verwandelt.

Wendet man hingegen das Gold und Silber dazu an, ausländische Waren für den inneren Verbrauch zu kaufen, so kann man entweder Waren kaufen, die voraussichtlich von müßigen, nichts produzierenden Leuten verzehrt werden, wie Weine, Seide usw., oder man kauft frische Vorräte von Rohstoffen, Werkzeugen und Lebensmitteln, um damit eine weitere Zahl fleißiger Leute zu unterhalten und zu beschäftigen, die den Wert ihres Jahresverbrauchs mit einem Gewinn wieder erzeugen.

Wird das überschüssige Gold und Silber auf erstere Art verwendet, so befördert es die Verschwendung, vermehrt den Aufwand und Verbrauch, ohne die Produktion zu vergrößern oder einen dauernden Fonds zur <29> Fortsetzung dieses Aufwandes herzustellen, und ist für das Volk in jeder Weise schädlich.

Wird es auf die letztere Art verwendet, so befördert es die Industrie, und vergrößert zwar den Verbrauch des Volkes, verschafft aber einen dauernden Fonds zur Fortsetzung dieses Verbrauchs, indem die Verbraucher den ganzen Wert ihrer Jahreskonsumtion mit Gewinn wieder erzeugen. Das rohe Einkommen des Volkes, der Jahresertrag seines Bodens und seiner Arbeit, wird um den ganzen Wert vermehrt, den der Fleiß jener Arbeiter den zu veredelnden Rohstoffen verleiht, und das reine Volkseinkommen erhöht sich um so viel, als von diesem Werte nach Abzug der Unterhaltungskosten für Werkzeuge und Geräte übrig bleibt.

Daß der größte Teil des Goldes und Silbers, das durch jene Bankoperationen ins Ausland getrieben und zum Kauf ausländischer Waren für den inländischen Verbrauch verwendet wird, zum Ankauf dieser zweiten Warenkategorie dient und dienen muß, ist nicht bloß wahrscheinlich, sondern fast unvermeidlich. Obschon mancher mitunter seinen Aufwand bedeutend vermehrt, ohne daß sein Einkommen sich vergrößert, so wird doch schwerlich ein ganzer Stand, eine ganze Volksklasse so handeln ; denn wenn auch nicht immer das Verhalten der einzelnen von den Regeln gewöhnlicher Klugheit geleitet wird, so beeinflussen sie doch stets die Handlungen der großen Mehrzahl. Das Einkommen der müssigen Rentner, als Stand oder Klasse betrachtet, kann nun durch jene Bankoperationen nicht im Mindesten zunehmen, und mithin werden sich ihre Ausgaben durch diese im allgemeinen auch nicht vergrößern, obschon die einzelner es tun können, und es zuweilen wirklich tun. Wenn somit die Nachfrage der müssigen Rentner nach ausländischen Waren so ziemlich die nämliche bleibt, wie zuvor, so wird wohl nur ein sehr <30> kleiner Teil des durch jene Bankoperationen ins Ausland getriebenen und zum Ankauf fremder Waren für den inländischen Verbrauch angewendeten Geldes zum Ankauf der von jenen gebrauchten Waren dienen. Der größte Teil wird vielmehr zum Unterhalt der Gewerbtätigkeit und nicht des Müßiggangs dienen.

Bei der Berechnung des Umfangs der Gewerbtätigkeit, die das Umlaufskapital eines Volkes zu beschäftigen vermag, kommen nur diejenigen Teile von ihm in Betracht, die in Lebensmitteln, Rohstoffen und Fabrikaten bestehen; der andere, der in Geld besteht und nur dazu dient, die drei ersteren in Umlauf zu setzen, muß stets in Abzug gebracht werden. Um Gewerbfleiß in Bewegung zu setzen, sind drei Dinge erforderlich: Stoffe zur Veredlung, Werkzeuge zur Bearbeitung der Rohstoffe und Lohn oder Vergütung, um deren wegen gearbeitet wird. Geld ist weder ein Rohstoff zur Veredlung noch ein Werkzeug der Arbeit; der Lohn des Arbeiters ward zwar gewöhnlich in Geld bezahlt, sein wirkliches Einkommen aber besteht, wie das aller anderen Leute, nicht in Geld, sondern in Geldes wert, nicht in den Metallstücken, sondern in dem, was für sie zu haben ist.

Der Umfang der Gewerbtätigkeit, die ein Kapital zu beschäftigen vermag, muß offenbar der Zahl von Arbeitern gleich sein, die es mit Rohstoffen, Werkzeugen und den der Natur der Arbeit angemessenen Unterhaltsmitteln zu versorgen vermag. Geld kann dazu nötig sein, die Rohstoffe, die Werkzeuge und den Unterhalt der Arbeiter zu kaufen. Aber die Summe von Gewerbfleiß, die das ganze Kapital unterhalten kann, ist gewiß nicht beiden, dem Gelde samt den Rohstoffen, Werkzeugen und Unterhaltsmitteln gleich, sondern nur dem einen oder dem anderen dieser beiden Werte und zwar dem letzteren mehr als dem ersteren.

Wenn an die Stelle des Gold- und Silbergeldes <31> Papier tritt, so kann die Summe von Rohstoffen, Werkzeugen und Unterhaltsmitteln, die das ganze umlaufende Kapital zu verschaffen vermag, um den ganzen Wert des sonst zu ihrem Ankauf verwendeten Goldes und Silbers zunehmen. Der ganze Wert des großen Umlaufs- und Verteilungsrades tritt zu den Gütern hinzu, die durch seine Vermittelung umliefen und verteilt wurden. Diese Tätigkeit gleicht gewissermaßen der eines großen Fabrikunternehmers, der infolge einer mechanischen Erfindung seine alten Maschinen aufgibt, und den Unterschied zwischen ihrem Preise und dem der neuen Maschinen zu seinem Umlaufskapital, dem Fonds, aus dem er Materialien und Arbeitslohn anschafft, hinzuschlägt.

Das Verhältnis zu bestimmen, in welchem das umlaufende Geld eines Landes zum Gesamtwert des durch seine Vermittlung umlaufenden Jahresertrags steht, ist vielleicht unmöglich. Von einigen ist es auf ein fünftel, von anderen auf ein zehntel, ein zwanzigstel, oder selbst ein dreißigstel dieses Wertes geschätzt worden. Wie klein aber auch das Verhältnis des umlaufenden Geldes zum Gesamtwert des Jahresertrages sein mag, so muß doch sein Verhältnis zu demjenigen Teile dieses Ertrags, der zum Unterhalt der Gewerbtätigkeit dient -- und das ist eben nur ein Teil und oft ein nur geringer Teil des Gesamtertrags -- stets sehr groß sein. Wird daher durch die Stellvertretung des Papiers das zum Umlauf erforderliche Gold und Silber vielleicht auf ein fünftel der früheren Menge zurückgeführt, so muß es, wenn der Wert des größeren Teils der übrigen vier fünftel zu den dem Unterhalt der Gewerbtätigkeit dienenden Fonds hinzukommt, die Summe dieser Gewerbtätigkeit und folglich den Wert des jährlichen Boden- und Arbeitsertrags sehrbedeutend vermehren.

Etwas der Art ist in den letzten 25 oder 30 Jahren <32> in Schottland durch die Gründung neuer Bankgesellschaften fast in jeder größeren Stadt, ja sogar in manchen Landstädtchen, vor sich gegangen. Die Wirkungen waren genau die oben beschriebenen. Die Geschäfte des Landes werden fast ausschließlich mit dem Papier jener Bankgesellschaften geführt, womit Käufe und Zahlungen aller Art gemacht zu werden pflegen. Silber kommt nur selten vor, außer beim Wechseln einer Zwanzigschillingnote, und Gold noch seltener. Obgleich nicht alle jene Gesellschaften tadelfrei geblieben sind und ihre Gebahrungen durch eine Parlamentsakte geregelt werden mußten, so hat das Land doch offenbar großen Gewinn aus ihrem Betrieben gezogen. Man versichert, daß der Handel Glasgows sich seit den fünfzehn Jahren der Gründung der dortigen Banken verdoppelt habe, und daß der Handel Schottlands seit der Errichtung der beiden öffentlichen Banken in Edinburgh, von denen die Bank von Schottland durch eine Parlamentsakte 1695, und die königliche Bank durch einen königlichen Freibrief 1727 gegründet wurde, um mehr als das vierfache gestiegen sei. Ob der Handel Schottlands im allgemeinen oder Glasgows insbesondere während einer so kurzen Zeit wirklich so stark zugenommen hat, weiß ich nicht. Ist es aber geschehen, so scheint dieser Erfolg zu groß zu sein, als daß er sich aus jener Ursache allein erklären ließe. Indeß steht die Tatsache fest, daß Handel und Industrie Schottlands innerhalb dieses Zeitraums sehr bedeutend gestiegen sind; und daß die Banken viel dazu beigetragen haben, ist nicht zu bezweifeln.

Der Wert des in Schottland vor der Union (1707) umlaufenden und unmittelbar nach ihr zum Zweck einer Umprägung in die Bank von Schottland gelieferten Silbergeldes betrug £ 411,117 10 sh. 9 d. Über die Goldmünzen war keine Berechnung aufzutreiben, doch <33> geht aus den alten schottischen Münzberichten hervor, daß der Wert des jährlich gemünzten Goldes den des Silbers etwas überstieg. Sehr viele, die an der Zurückzahlung zweifelten, brachten damals ihr Silber nicht zur Bank von Schottland1; auch lief einiges englisches Geld um, das nicht eingefordert wurde. Der Gesamtwert des vor der Union in Schottland umlaufenden Goldes und Silbers kann daher auf mindestens eine Million £ veranschlagt werden. Dies dürfte so ziemlich der ganze Umlauf des Landes gewesen sein; denn obwohl die Bank von Schottland, die damals noch ohne Konkurrenz war, vorher eine nicht unbeträchtliche Menge Noten im Umlauf hatte, so war sie doch im Verhältnis zum Ganzen nur unbedeutend. Gegenwärtig kann man den ganzen Umlauf Schottlands auf mindestens zwei Millionen veranschlagen, wovon wahrscheinlich kaum eine halbe Million in Gold und Silber besteht. Obwohl aber der Umlauf an Gold und Silber so bedeutend abgenommen hat, scheint doch der wahre Wohlstand des Landes keineswegs gelitten zu haben; im Gegenteil haben sich Ackerbau, Industrie und Handel, hat sich der Jahresertrag seines Bodens und seiner Arbeit offenbar gehoben. Die meisten Banken geben ihre Noten mittelst Wechseldiskont, d. h. Geldvorschuß auf Wechsel vor der Verfallzeit aus. Von der vorzuschießenden Summe werden die gesetzlichen Zinsen bis zum Verfalltage des Wechsels abgezogen. Die Bezahlung des fälligen Wechsels erstattet der Bank den Vorschuß nebst einem Zinsgewinn zurück. Der Bankier, der dem Kaufmann, dessen Wechsel er diskontiert, nicht Gold und Silber, sondern seine eigenen Noten gibt, hat den Vorteil, daß er um den ganzen Betrag erfahrungsmäßig im Umlauf bleibender Noten mehr diskontieren kann, wodurch er an einer um soviel größeren Summe Zinsen macht. <34>

Der noch immer nicht sehr bedeutende schottische Handelsverkehr war zu der Zeit, als die beiden ersten Banken gegründet wurden, noch viel geringfügiger, und diese Gesellschaften würden wenig Geschäfte gemacht haben, wenn sie sich auf Wechseldiskont beschränkt hätten. Sie ersannen deshalb eine andere Methode ihre Noten auszugeben, indem sie nämlich sogenannte Kassakonten (cash accounts) einrichteten, d. h. jedem, der zwei Leute von unzweifelhaftem Kredit und gutem Grundbesitz als Bürgen für die Rückzahlung stellen konnte, bestimmte Summen, z. B. zwei oder dreitausend Pfund, kreditierten. Kredite dieser Art werden, glaube ich, überall in der Welt von Banken und Bankiers bewilligt, aber die leichten Bedingungen, die die schottischen Banken hinsichtlich der Rückzahlung stellen, sind, so viel ich weiß, ihnen eigentümlich und waren vielleicht die Hauptursache sowohl der guten Geschäfte, die sie machten, als auch des Nutzens, den das Land daraus zog.

Wer einen solchen Kredit bei einer dieser Gesellschaften hat, und z. B. tausend Pfund von ihr borgt, kann diese Summe in Raten zu zwanzig und dreißig Pfund zurückzahlen, wobei die Zinsen von dem Tage der Einzahlung an abgerechnet werden. Alle Kaufleute, überhaupt fast alle Geschäftsleute finden es daher vorteilhaft, sich Kassakonten bei ihnen zu verschaffen, und sind dadurch selbst dabei interessiert, die Geschäfte jener Gesellschaften zu fördern, ihre Noten bereitwillig bei allen Zahlungen anzunehmen und andere Leute zu bewegen, dasselbe zu tun. Wenn die Geschäftsfreunde der Banken Geld von ihnen wünschen, so schießen letztere es gewöhnlich in ihren Noten vor. Diese Noten geben die Kaufleute ihrerseits an die Gewerbtreibenden für Waren in Zahlung, die Gewerbtreibenden geben sie für Rohstoffe und Lebensmittel an die Pächter, die Pächter als Rente an die Grundeigen <35> tümer, die Grundeigentümer zahlen sie für Bedarfs- und Luxusartikel an die Kaufleute, und die Kaufleute endlich schicken sie an die Banken zurück, um ihre Kassenkonten zu begleichen, oder ihr Darlehen zurückzuzahlen, und so werden fast alle Geschäfte des Landes mittelst jener Noten geführt. Daher das große Geschäft jener Gesellschaften.

Mittelst der Kassenkonten kann jeder noch so vorsichtige Kaufmann größere Geschäfte treiben, als es ihm sonst möglich wäre. Von zwei Kaufleuten, von denen einer in London, der andere in Edinburgh wohnt, und die beide Kapitalien in dem nämlichen Geschäftszweige angelegt haben, kann der Edinburgher ohne Unvorsichtigkeit größere Geschäfte treiben, und mehr Leute beschäftigen, als der Londoner. Der Letztere muß zu Hause oder bei seinem Bankier, der ihm keine Zinsen dafür gibt, immer eine beträchtliche Summe bereit halten, um für die Ware, die er kauft, auf Verlangen sofort Zahlung leisten zu können. Angenommen, diese Summe belaufe sich gewöhnlich auf £ 500, so muß der Wert der Waren in seinem Lager um £ 500 geringer sein, als es nötig wäre, wenn er nicht diese Summe unbeschäftigt liegen lassen müßte. Setzt er gewöhnlich seine Vorräte einmal jährlich um, so wird er, da er diese Summe unbeschäftigt lassen muß, im Jahr für £ 500 Waren weniger verkaufen, als er es sonst könnte. Sein jährlicher Gewinn wird daher um den Betrag geringer sein, den er durch den Verkauf von Waren im Werte von £ 500 hätte erwarten können, und die Anzahl der Leute, denen er zu tun gibt, ward um soviel kleiner sein, als durch £ 500 mehr hätten beschäftigt werden können. Der Edinburgher Kaufmann dagegen braucht kein Geld zur Deckung gelegentlicher Forderungen unbeschäftigt liegen zu lassen. Er deckt solche durch sein Kassenkonto bei der Bank, und erstattet nach und <36> nach die geborgte Summe mit dem bei ihm eingehenden Geld oder Papier zurück. Er kann daher ohne jede Unvorsichtigkeit mit dem nämlichen Kapital fortwährend eine prößere Menge Waren auf Lager halten, als der Londoner Kaufmann, und dadurch sowohl für sich selbst einen größeren Gewinn ziehen, als auch eine größere Zahl fleißiger Leute, von denen er die Waren entnimmt, beschäftigen. Daher der große Vorteil, den das Land aus jenen Unternehmungen zieht.

Man sollte zwar glauben, daß die Leichtigkeit des Wechseldiskonts den englischen Kaufleuten Vorteile biete, die den Kassenkonten der schottischen Kaufleute gleichkommen. Aber man darf nicht vergessen, daß die schottischen Kaufleute ihre Wechsel eben so leicht diskontieren können wie die englischen, und außerdem noch den Vorteil ihrer Kassenkonten haben.

Der Gesamtwert des Papiergeldes, das in einem Lande mit Leichtigkeit umzulaufen vermag, kann den Wert des Goldes und Silbers nicht übersteigen, dessen Stelle es ersetzen oder das bei gleichem Verkehr umlaufen würde, falls es kein Papiergeld gäbe. Sind beispielsweise Zwanzigschillingnoten das niedrigste Papiergeldzeichen, so kann ihre Summe, die mit Leichtigkeit umläuft, die Summe des Goldes und Silbers nicht übersteigen, welche erforderlich wäre, die im Lande vorkommenden jährlichen Umsätze von zwanzig Schilling und darüber zu bewirken. Übersteigt einmal das umlaufende Papier diese Summe, so muß der Überschuß, da er weder ins Ausland gesendet, noch in dem inneren Umlauf verbraucht werden kann, sofort in die Banken zurückkehren, um gegen Gold imd Silber ausgetauscht zu werden. Viele würden einsehen, daß sie mehr Papier haben, als sie zum Geschäftsbetriebe im Lande brauchen, und da sie es nicht ins Ausland schicken können, Barzahlung dafür fordern. In Gold und Silber umgewechselt <37> können sie das Geld leicht zu Sendungen ins Ausland gebrauchen; in Gestalt des Papiers dagegen hat es für sie keinen Nutzen. Es würde deshalb alsbald ein Sturm auf die Banken entstehen und der ganze Betrag des überflüssigen Papiers zur Einlösung vorgelegt werden ; und wenn sie Schwierigkeiten machten, so würde noch um einen weit größeren Betrag sturmgelaufen werden: denn der Lärm, den die Weigerung hervorbrächte, würde den Sturm notwendig vermehren.

Außer den Kosten, die allen Geschäftszweigen gemeinsam sind, wie Hausmiete, Lohn der Gehilfen und Buchhalter usw., erwachsen einer Bank noch besondere Kosten hauptsächlich dadurch, daß sie erstens jederzeit eine große Summe zur Befriedigung der gelegentlichen Forderungen seitens der Noteninhaber unverzinslich liegen haben und zweitens die Kassen, sobald sie geleert sind, wieder füllen muß.

Eine Bankgesellschaft, die mehr Papier ausgiebt, als im Umlauf des Landes zu verwenden ist, und zu der der Überschuß fortwährend zurückkehrt, müßte die in der Kasse gehaltene Menge Gold und Silbers, nicht nur im Verhältnis jenes Übermaßes ihres Umlaufs, sondern in noch weit größerem Verhältnisse vermehren, da ihre Noten weit schneller zurückkehren, als das Verhältnis jenes Übermaßes es mit sich bringt. Die Gesellschaft müßte also die erstere Ausgabe nicht nur nach Verhältnis der forzierten Geschäftszunahme, sondern nach weit größerem Verhältnis vermehren.

Auch müssen die Barbestände der Gesellschaft, wenn sie auch viel größer sind, sich doch weit schneller leeren, als wenn das Geschäft in verständige Grenzen eingeschränkt wird, und nicht nur stärkere, sondern auch dauerndere und ununterbrochenere Ausgaben erfordern, um wieder gefüllt zu werden. Und die auf diese Weise fortwährend in großen Mengen ihren Kassen <38> entnommene Münze kann auch im Umlaufe des Landes nicht verwendet werden. Sie tritt an die Stelle eines Papiergeldes, von dem schon zu viel vorhanden war, um im Umlauf verwendet werden zu können, und übersteigt daher gleichfalls den Bedarf. Da man aber diese Münze nicht wird müßig liegen lassen wollen, so muß sie in der einen oder anderen Gestalt ins Ausland gesendet werden, um dort die gewinnbringende Verwendung zu finden, die ihr im Lande nicht zu Teil wird; und diese beständige Ausfuhr von Gold und Silber muß notwendig die Kosten, die die Bank für Anschaffung frischen Goldes und Silbers zur Füllung ihrer Kassen aufwenden muß, die sich so schnell leeren, noch erhöhen. Eine solche Gesellschaft muß daher je nach dem Übermaße der Geschäftsausdehnung die zweite Art ihrer Unkosten noch mehr erhöhen, als die erstere.

Angenommen, die Noten einer Bank, die der Umlauf des Landes leicht aufnehmen und verwenden kann, machten genau £ 40,000 aus, und diese Bank müßte, um den gelegentlichen Forderungen zu entsprechen, jederzeit £ 10,000 in Gold und Silber vorrätig haben. Sollte diese Bank versuchen, £ 44,000 in Umlauf zu setzen, so würden die £ 4000, die sie mehr ausgiebt, als der Umlauf leicht aufnehmen und verwenden kann, fast eben so schnell zu ihr zurückkehren, als sie ausgegeben wurden. Um den gelegentlichen Forderungen zu entsprechen, müßte die Bank also jederzeit nicht nur £ 11,000, sondern £ 14,000 in der Kasse haben. Sie würde auf diese Weise an den Zinsen der den Umlauf übersteigenden £ 4000 nichts gewinnen, und die ganzen Unkosten für beständige Anschaffung von £ 4000 in Gold und Silber, die eben so schnell wieder gehen, wie sie kommen, verlieren.

Hätten alle Banken stets ihr Interesse verstanden und gewahrt, so würde der Umlauf niemals mit Papiergeld überfüllt worden sein. Aber dies war eben nicht <39> immer der Fall und der Umlauf wurde oft genug mit Papiergeld überfüllt.

Durch Ausgabe einer zu großen Masse Papier, dessen Überschuß stets zurückkehrte, um gegen Gold und Silber ausgetauscht zu werden, sah sich die Bank von England genötigt, jährlich zwischen £ 800,000 und 1,000,000 oder durchschnittlich £ 850,000 Gold prägen zu lassen. Zu diesem Ende war die Bank, weil seit einigen Jahren die Goldmünzen stark abgenutzt und verschlechtert waren, oft genötigt, Goldbarren zu dem hohen Preise von £ 4 für die Unze zu kaufen, die sie bald darauf als Münze zu £ 3 17 sh. 10 1 / 2 d. wieder ausgab, wobei sie also zwischen 2 1 / 2 und 3% verlor, ein bei einer so großen Summe sehr bedeutender Verlust. Obgleich die Bank keinen Schlagschatz zahlte, und eigentlich die Regierung die Kosten der Ausmünzung trug, so konnte diese Freigebigkeit des Staates doch nicht die Unkosten der Bank verhüten.

Die schottischen Banken sahen sich durch ähnliche Überschreitungen genötigt, beständig Agenten in London zu halten, um Geld für sie zu beschaffen, was selten ohne einen Verlust von 1 1 / 2 bis 2% abging. Dazu kamen noch 3 / 4 % oder 15 sh. auf £ 100 für Fracht und Versicherung. Die Agenten aber waren nicht immer im Stande, die Kassen ihrer Auftraggeber so rasch zu füllen, als sie sich geleert hatten. In diesem Falle ergriffen die Banken das Auskunftsmittel, auf ihre Korrespondenten in London Wechsel in Höhe der benötigten Summen zu ziehen. Zogen später die Korrespondenten ihrerseits Wechsel in gleichem Betrage, samt Zinsen und Provision, auf die Banken, so vermochten manche von ihnen, bei der Verlegenheit, in die sie durch den übermäßigen Umlauf geraten waren, die Tratten oft auf keine andre Art zu bezahlen, als indem sie eine zweite Serie von Wechseln entweder auf den nämlichen oder auf andere Korrespondenten in London zogen; <40> und so machte ein und dieselbe Summe, oder vielmehr Wechsel von ein und derselben Summe, mitunter mehr als zwei oder drei Reisen, wobei die schuldende Bank stets die Zinsen und Provisionen auf die ganze sich häufende Summe zu bezahlen hatte. Selbst solche schottische Banken, die niemals eine besonders große Unvorsichtigkeit an den Tag legten, sahen sich manchmal in die Notwendigkeit versetzt, dieses verderbliche Auskunftsmittel (this ruinous resource) zu ergreifen.

Das Goldgeld, das von der Bank von England oder von den schottischen Banken im Austausch gegen denjenigen Teil ihres Papiers gezahlt wurde, der den Umlaufsbedarf des Landes überstieg, wurde, da es gleichfalls diesen Bedarf überstieg, bald im gemünzten Zustande, bald eingeschmolzen und als Barren ins Ausland gesandt, oder auch eingeschmolzen und zu dem hohen Preise von £ 4 für die Unze an die Bank von England verkauft. Man suchte mit aller Sorgfalt nur die neuesten, schwersten und besten Stücke aus, um sie fortzusenden oder einzuschmelzen. Im Lande selbst hatten diese schweren Stücke als Münze keinen höheren Wert, als die leichten; sie erhielten ihn aber, wenn sie entweder ins Ausland geschickt oder im Lande selbst zu Barren eingeschmolzen wurden. Die Bank von England fand zu ihrem Erstaunen, daß trotz ihrer großen Ausmünzungen sich alljährlich wieder derselbe Mangel an Münze zeigte, wie im Vorjahr, und daß, trotz der großen Menge guter und neuer Münzen, die die Bank jährlich ausbrachte, der Zustand der Münzen, statt besser zu werden, mit jedem Jahre schlechter wurde. Mit jedem Jahre war man von neuem genötigt, beinahe die nämliche Menge Gold ausmünzen zu müssen, wie im Vorjahre, und dabei wurden die Kosten dieser großen jährlich wiederkehrenden Ausmünzung durch das fortwährende Steigen des Goldbarrenpreises, der wegen der Abnutzung und Be <41> schneidung des Geldes immer höher wurde, von Jahr zu Jahr größer. Die Bank von England muß nämlich durch die eigne Versorgung mit barem Gelde indirekt das ganze Reich damit versorgen, wohin es aus der Bank auf den verschiedensten Wegen beständig abfließt. So viel Bargeld daher auch erforderlich war, um den übermäßigen Umlauf schottischen und englischen Papiergeldes aufrecht zu erhalten, und so große Lücken auch dieser übermäßige Umlauf in der für das Reich nötigen Münze hervorbrachte: die Bank von England mußte für ihre Beschaffung sorgen. Allerdings bezahlten auch die Schotten ihre Unvorsichtigkeit teuer; aber die Bank von England hatte nicht nur ihre eigene, sondern auch die noch weit größere Unvorsichtigkeit fast aller schottischen Banken sehr teuer zu bezahlen.

Die ursprüngliche Ursache dieses übermäßigen Papierumlaufs war die Spekulationswut einiger verwegenen Spekulanten in beiden Teilen des vereinigten Königreichs.

Eine Bank vermag den Handel- oder Gewerbtreibenden weder ihr ganzes Betriebskapital, noch auch nur einen erheblichen Teil von ihm, sondern nur denjenigen Teil vernünftiger Weise vorzuschießen, den sie ohne jenen Vorschuß unbeschäftigt zur Befriedigung einlaufender Forderungen in barem Gelde liegen haben müßten. Übersteigt das Papiergeld, das die Bank vorschießt, niemals diesen Betrag, so kann es auch niemals den Betrag des Goldes und Silbers übersteigen, das im Lande umlaufen würde, wenn es kein Papiergeld gäbe; oder mit andern Worten: es kann die Menge nicht übersteigen, die der Umlauf des Landes mit Leichtigkeit aufnehmen und verwenden kann.

Diskontiert eine Bank einem Kaufmann einen reellen von einem wirklichen Gläubiger auf einen wirklichen Schuldner ausgestellten Wechsel, der am Verfalltag pünktlich bezahlt wird, so schießt sie ihm nur einen <42> Teil des Betrages vor, den er sonst unbeschäftigt in barem Gelde bei sich liegen lassen müßte, um einlaufende Forderungen befriedigen zu können. Die Bezahlung des Wechsels am Verfalltage erstattet der Bank den Betrag ihres Vorschusses mit Zinsen zurück. Die Kassen der auf Geschäfte mit solchen Kunden beschränkten Bank gleichen einem Teich, aus dem zwar stets Wasser abfließt, aber in den auch stets wieder ebenso viel hineinfließt, so daß der Teich ohne alle weitere Sorge oder Wartung immer gleich oder beinahe gleich voll bleibt. Die Kassen einer solchen Bank wieder zu füllen, kann nur wenig oder gar keine Unkosten verursachen.

Jedoch auch ohne seinen Betrieb übermäßig auszudehnen, kann ein Kaufmann oft in den Fall kommen, bares Geld zu brauchen, für das er keine Wechsel zu diskontieren hat. Schießt ihm die Bank, die gewöhnlich seine Wechsel diskontiert, in solchen Fällen auch noch diese Summe auf sein Kassenkonto vor und gestattet unter den leichten Bedingungen der schottischen Banken ratenweise Rückzahlung, so überhebt sie ihn gänzlich der Notwendigkeit, einen Teil seines Kapitals zur Befriedigung einlaufender Forderungen unbeschäftigt in barem Gelde liegen zu haben. Er befriedigt sie aus seinem Kassenkonto. Doch hat die Bank bei solchen Kunden sehr genau darauf zu achten, ob innerhalb eines kurzen Zeitraums, z. B. von vier, fünf, sechs oder acht Monaten, der Betrag der Ratenzahlungen dem Betrag der Vorschüsse gleichkommt oder nicht. Ist ersteres der Fall, so kann die Bank ohne Gefahr mit solchen Kunden die Geschäfte fortsetzen. Denn wenn auch in diesem Falle der Abzug aus den Kassen fortwährend sehr stark ist, so wird doch der Zugang wenigstens eben so stark sein, so daß aller Wahrscheinlichkeit nach die Kassen sich ohne weitere Sorge auf annähernd gleichem Bestände erhalten und kaum Unkosten für Geldbeschaffung <43> erfordern werden. Bleibt dagegen der Betrag der Rückzahlungen gewöhnlich weit hinter den Vorschüssen zurück, so kann die Bank mit derartigen Kunden die Geschäfte nicht mit Sicherheit fortsetzen, falls sie ihre Gebahrungen nicht ändern. Der fortdauernde Abzug aus ihren Kassen muß in diesem Falle weit größer sein, als der Zugang, so daß die Kassen, wenn sie nicht mit großen Kosten beständig wieder ergänzt werden, bald gänzlich erschöpft sein müssen.

Deshalb waren die schottischen Banken lange Zeit eifrig darauf bedacht, von allen ihren Kunden oftmalige und regelmäßige Rückzahlungen zu fordern, und es lag ihnen wenig an Geschäftsverbindungen mit Leuten, die so groß ihr Vermögen oder Kredit sein mochte, doch, wie sie sich ausdrückten, keine häufigen und regelmäßigen Geschäfte mit ihnen machten. Durch diese Behutsamkeit erreichten sie, abgesehen davon, daß sie ungewöhnliche Kosten für Ergänzung ihrer Barbestände ersparten, zwei andere sehr wesentliche Vorteile.

Erstens waren sie durch ihre Behutsamkeit in Stand gesetzt, sich über die guten und schlechten Vermögensumstände ihrer Schuldner hinreichend auf dem Laufenden zu halten, ohne andere Auskunft zu brauchen, als ihre eignen Bücher sie darboten: denn die Schuldner sind meist mit der Rückzahlung pünktlich oder saumselig, je nachdem sie sich in guten oder schlechten Umständen befinden. Ein Privatmann, der sein Geld vielleicht an ein halbes Dutzend oder ein Dutzend Schuldner ausleiht, kann entweder selbst oder durch Agenten ihr Verhalten und ihre Lage beobachten. Aber eine Bankgesellschaft, die vielleicht an fünfhundert Leute Geld ausleiht, und deren Aufmerksamkeit stets auf sehr verschiedene Dinge gerichtet ist, kann sich über die Gebahrungen und Umstände ihrer meisten Schuldner nur aus ihren eignen Büchern unterrichten. Diesen Vorteil hatten auch wahrschein <44> lich die schottischen Banken im Auge, wenn sie häufige und regelmäßige Rückzahlungen von ihren Kunden verlangten.

Zweitens sicherten sie sich durch diese Behutsamkeit gegen die Möglichkeit, mehr Papier auszugeben, als der Umlauf des Landes leicht aufnehmen und gebrauchen konnte. Bemerkten sie, daß die Rückzahlungen eines Kunden innerhalb eines kurzen Zeitraums den Bankvorschüssen gleich kamen, so konnten sie sicher sein, daß das Papiergeld, das sie ihm vorgeschossen hatten, niemals die Menge Gold und Silber überstieg, die er ohne ihren Vorschuß zur Deckung einlaufender Forderungen hätte halten müssen, und daß folglich das Papiergeld, das auf diese Weise in Umlauf gebracht war, niemals die Menge Gold und Silber überstieg, die in dem Lande umgelaufen sein würde, wenn es kein Papiergeld gegeben hätte. Die Häufigkeit, Regelmäßigkeit und Höhe der Rückzahlungen zeigte hinlänglich, daß der Betrag ihrer Vorschüsse niemals den Teil seines Kapitals überstieg, den er ohne sie zur Deckung einlaufender Forderungen, d.h. um sein übriges Kapital in beständiger Beschäftigung erhalten zu können, in barem Gelde hätte liegen haben müssen. Nur dieser Teil seines Kapitals kehrt nach und nach in Papier oder Münze an den Geschäftsmann zurück, und geht ebenso wieder von ihm fort. Überschreiten in der Regel die Vorschüsse der Bank diesen Teil seines Kapitals, so können seine allmählichen Rückzahlungen dem Betrag ihrer Vorschüsse nicht gleich kommen. Der durch seine Geschäfte fortwährend herbeigeführte Rückfluß in die Kassen der Bank hätte dem infolge der nämlichen Geschäfte bewirkten Abzug aus ihnen nicht gleichkommen können. Wenn die Vorschüsse an Banknoten die Menge Gold und Silber, die der Kaufmann ohne jene Vorschüsse zur Befriedigung gelegentlicher Forderungen hätte <45> zurückbehalten müssen, überstiegen, so konnten sie bald die ganze Menge Gold und Silber übersteigen, die (bei gleichbleibendem Verkehr) im Lande umgelaufen sein würde, falls es kein Papieigeld gab, und folglich die Menge, die der Umlauf des Landes leicht aufzunehmen und zu verwenden vermochte; und nun würde das überschüssige Papiergeld sofort zur Bank zurückgekehrt sein, um gegen Gold und Silber ausgewechselt zu werden. Dieser zweite, ebenso wichtige Vorteil wurde vielleicht nicht von allen schottischen Banken so gut begriffen wie der erste.

Wenn die kreditwürdigen Geschäftsleute eines Landes teils durch die Bequemlichkeit des Wechseldiskonts, teils durch die Kassonkonti der Notwendigkeit überhoben sind, einen Teil ihres Kapitals für gelegentliche Forderungen unbeschäftigt bar liegen zu haben, so können sie füglich keinen weiteren Beistand von den Banken und Bankiers erwarten, die ohne Verletzung ihres eignen Interesses und ihrer Sicherheit nicht weiter gehen können, als bis zu diesem Punkte. Eine Bank kann ihres eignen Interesses wegen einen Geschäftsmann nicht das ganze Betriebskapital, oder auch nur seinen größten Teil vorschießen, weil, wenn auch das Kapital stets in Form von Geld zu ihm zurückkehrt und ihn ebenso verläßt, doch zu große Zeiträume zwischen dem Wiedereingehen des Ganzen und dem Fortgang des Ganzen liegen, und seine Eückzahlungen nicht in so kurzen Zwischenräumen, wie es der Bank lieb sein muß, den Vorschüssen gleichkommen könnten. Noch weniger aber könnte eine Bank ihm einen bedeutenden Teil seines stehenden Kapitals vorschießen, des Kapitals, das der Unternehmer eines Eisenwerkes zur Herstellung der Schmieden, Hämmer, Werkstätten, Magazine, Wohngebäude für die Arbeiter usw. braucht; oder das der Bergwerksunternehmer braucht, um die Schachte <46> abzuteufen, Pumpwerke aufzustellen, Wege und Fahrstraßen zu machen usw.; oder das der Landwirt zu Kulturverbesserungen, Abzugsgräben, Einzäunungen, zur Düngung und Bestellung unbebauter Felder, zu Wirtschaftsgebäuden und ihrem Zubehör an Ställen, Speichern usw. braucht. Die Erträgnisse des stehenden Kapitals gehen fast stets langsamer ein als die des umlaufenden, und solche Ausgaben machen sich, selbst bei der größten Vor- und Umsicht in ihrer Verwendung, doch gewöhnlich erst nach vielen Jahren wieder bezahlt, eine viel zu lange Zeit, um für eine Bank annehmbar zu sein. Kaufleute und andere Unternehmer können gewiß viele ihrer Pläne recht gut mit geborgtem Gelde ausführen. Zur Sicherstellung ihrer Gläubiger muß jedoch ihr eignes Kapital in diesem Falle groß genug sein, um so zu sagen das Kapital der anderen zu versichern, das heißt, um es unwahrscheinlich zu machen, daß die Gläubiger einen Verlust erleiden werden, selbst wenn der Ertrag weit hinter den Hoffnungen der Unternehmer zurückbleiben sollte. Aber auch dann sollte das Geld, das man erst nach mehreren Jahren zurück zu zahlen beabsichtigt, nicht von einer Bank, sondern auf Obligationen und Hypotheken von Privatleuten geborgt werden, die von den Zinsen ihres Geldes leben wollen, ohne es in eignen Geschäften anzulegen, und die ihre Kapitalien deshalb gern an Leute von gutem Kredit ausleihen und Jahre lang stehen lassen. Freilich wäre eine Bank, die ihre Gelder ohne Kosten an Stempel und für Notariatsgebühren verleiht und die Rückzahlung unter so leichten Bedingungen wie die schottischen Banken gestattet, ein sehr willkommener Gläubiger für solche Unternehmer; allein die letzteren wären sehr ungeeignete Schuldner für eine Bank.

Schon vor mehr als fünfundzwanzig Jahren betrug das von den verschiedenen schottischen Banken ausge <47> gebene Papiergeld so viel, oder eher noch etwas mehr, als der Umlauf des Landes leicht aufnehmen und verwenden kann. Schon damals also hatten diese Gesellschaften den schottischen Handel- und Gewerbtreibenden all' den Beistand geleistet, den Banken und Bankiers, ohne gegen ihr eignes Interesse zu handeln, leisten können. Sie hatten sogar etwas mehr getan. Sie hatten das Geschäft etwas übertrieben, und sich Verluste, oder wenigstens die Gewinnreduktion zugezogen, die bei der geringsten derartigen Geschäftsübertreibung nicht ausbleiben kann. Die Handel- und Gewerbtreibenden aber, die von den Banken und Bankiers soviel Beistand erhalten hatten, wünschten noch mehr zu erhalten. Sie schienen zu glauben, daß die Banken ihren Kredit auf jede mögliche Summe ausdehnen könnten, ohne daß es sie mehr koste, als ein par Ries Papier. Sie klagten über die Engherzigkeit und Mutlosigkeit der Bankdirektoren, die, wie sie sagten, ihre Kredite nicht nach der Ausdehnung der geschäftlichen Unternehmungen im Lande einrichteten, und verstanden ohne Zweifel unter der Ausdehnung der geschäftlichen Unternehmungen die Ausdehnung ihrer eigenen Pläne, die sie weder mit ihrem eigenen Kapital, noch mit dem auf Obligationen und Hypotheken bei Privatleuten genommenen Kredit bestreiten konnten. Sie erachteten die Banken durch ihre Ehre verpflichtet, das Fehlende herzugeben, und sie mit allem Kapital zu versehen, das sie zu ihren Unternehmungen brauchten. Ganz anderer Meinung waren jedoch die Banken, und da sie sich weigerten, ihren Kredit soweit auszudehnen, so nahmen manche jener Geschäftsleute ihre Zuflucht zu einem Mittel, das ihren Zwecken eine Zeit lang, zwar nicht so billig aber doch ebenso wirksam diente, als es der größte Bankkredit vermocht hätte. Dies Mittel war kein anderes, als der wohlbekannte Notbehelf, den unglückliche Geschäftsleute bisweilen ergreifen, wenn sie <48> am Rande des Bankerotts stehen. Diese Art Geld aufzubringen war in England längst bekannt, und soll während des letzten Krieges, wo die hohen Geschäftsgewinne mächtig zur Überspekulation verleiteten, in größtem Maßstabe angewendet worden sein. Aus England wurde diese Methode nach Schottland verpflanzt, wo sie im Verhältnis zu dem sehr beschränkten Verkehr und dem sehr mäßigen Kapital des Landes bald in einer weit größeren Ausdehnung gehandhabt wurde, als jemals in England.

Die Wechselreiterei ist allen Geschäftsleuten so wohl bekannt, daß es unnötig scheinen könnte, sie näher zu erklären. Da indessen dies Buch manchem in die Hand kommen kann, der kein Geschäftsmann ist, und da selbst Geschäftsleute den Einfluß dieses Mittels auf das Bankwesen nicht immer genau kennen, so will ich es möglichst faßlich zu erklären suchen.

Die Handelsgebräuche, die in Europa zu einer Zeit eingeführt wurden, als die unzureichenden Gesetze die Erfüllung von Verträgen noch nicht erzwangen, und die in den beiden letzten Jahrhunderten in die Gesetze aller europäischen Nationen übergegangen sind, erteilten den Wechseln so außerordentliche Vorrechte, daß auf sie weit eher Geld zu haben ist, als auf jede andere Schuldverschreibung, zumal sie in kurzer Zeit, etwa in zwei oder drei Monaten nach dem Tage der Ausstellung zahlbar sind. Wenn der Akzeptant den Wechsel bei Vorzeigung am Verfalltage nicht zahlt, so erklärt er sich in demselben Augenblicke dadurch für bankerott. Der Wechsel wird protestiert, und geht an den Aussteller zurück, der, wenn er nicht sofort zahlt, gleichfalls für bankerott gilt. Ist der Wechsel, ehe er in die Hände dessen kommt, der ihn dem Akzeptanten zur Zahlung präsentiert, durch die Hände einiger anderen Personen gegangen, die sich nachein <49> ander seine Valuta in Geld oder Waren auszahlten und zur Bekräftigung, daß jeder von ihnen die Valuta erhalten habe, den Wechsel girierten, d. h. ihre Namen auf die Rückseite des Wechsels schrieben, so wird jeder Girant seinerseits wieder dem Eigner des Wechsels für die Valuta verantwortlich, und ist mangels Zahlung ebenfalls sogleich bankerott. Wenn daher auch der Aussteller, der Akzeptant und die Giranten des Wechsels sämtlich Leute von zweifelhaften Kredit wären, so gewährt doch die Kürze des Zahlungstermins dem Besitzer des Wechsels eine gewisse Sicherheit. Denn wenn sie auch vielleicht sämtlich am Rande des Bankerotts stehen, läßt sich doch nicht erwarten, daß sie alle miteinander in so kurzer Zeit bankerott werden. Das Haus ist baufällig, sagt ein müder Wanderer zu sich selbst, und wird nicht mehr lange stehen ; aber es wird doch wohl nicht heute Nacht einfallen, und so will ich es wagen, heute darin zu schlafen.

Nehmen wir an, A. in Edinburgh ziehe einen Wechsel auf B. in London, zahlbar zwei Monate nach dato. Eigentlich schuldet B. in London dem A. in Edinburgh Nichts, aber er ist damit einverstanden, den Wechsel des A. unter der Bedingung zu akzeptieren, daß er vor dem Zahltage einen Rückwechsel für dieselbe Summe nebst Zinsen und Provision, gleichfalls zahlbar zwei Monate nach dato, auf A. in Edinburgh ziehen darf. Nun zieht B. vor Ablauf der ersten zwei Monate diesen Rückwechsel auf A. in Edinburgh, der seinerseits vor Ablauf der anderen zwei Monate einen gleichfalls zwei Monate nach dato zahlbaren zweiten Wechsel auf B. in London zieht; und vor Ablauf der dritten zwei Monate nimmt wieder B. in London einen Rückwechsel auf A. in Edinburgh, gleichfalls zwei Monate nach dato zahlbar. Diese Praxis ist manchmal nicht Monate lang, sondern Jahre lang getrieben worden, <50> indem der Wechsel immer mit den aufgehäuften Zinsen und Provisionen für alle früheren Wechsel an A. in Edinburgh zurückkehrte. Die Zinsen betrugen fünf Prozent im Jahr, und die Provisionen mindestens ein halb Prozent bei jeder Tratte. Da die Provisionen sich mindestens sechsmal im Jahre wiederholten, so kostete das Geld, das A. durch dieses Mittel aufbrachte, ihn notwendig mehr als acht Prozent jährlich, ja zuweilen noch viel mehr, wenn entweder der Preis der Provision stieg, oder er Zinseszins für die Zinsen und Provisionen der früheren Wechsel zahlen mußte. Diese Praxis nannte man: Geld durch Umlauf aufbringen.

In einem Lande, wo der gewöhnliche Kapitalgewinn bei den meisten kaufmännischen Unternehmungen zwischen sechs und zehn Prozent beträgt, mußte eine Spekulation schon sehr glücklich ausfallen, wenn sie so viel einbringen sollte, um nicht nur die enormen Kosten des dazu erforderlichen Geldes, sondern auch noch einen ordentlichen Gewinn für den Unternehmer abzuwerfen. Dennoch sind große und weitaussehende Unternehmen unternommen und Jahre lang durchgeführt worden, ohne andere Kapitalien als die mit so enormen Kosten aufgebrachten. Die Projektenmacher sahen gewiß in ihren goldenen Träumen die großen Gewinne vor sich; allein beim Erwachen, entweder am Ende ihrer Unternehmungen, oder wenn sie nicht mehr imstande waren, sie weiter zu führen, dürften sie selten so glücklich gewesen sein, den Gewinn zu finden.2 <51>

Die Wechsel, die A. in Edinburgh auf B. in London zog, diskontierte er regelmäßig zwei Monate vor der Verfallzeit bei einer Bank oder einem Bankier in Edinburgh, und die Rückwechsel, welche B. in London auf A. in Edinburgh zog, diskontierte dieser ebenso regelmäßig bei der Bank von England oder bei Londoner Bankiers. Die Vorschüsse auf solche Reitwechsel wurden in Edinburgh in Noten der schottischen Banken, oder in London, wenn sie bei der Bank von England diskontiert <52> wurden, in Noten dieser Bank ausgezahlt. Wurden nun auch die Wechsel, auf welche diese Noten vorgeschossen waren, sämtlich zur Verfallzeit eingelöst, so wurde doch der auf den ersten Wechsel vorgeschossene Betrag den Banken niemals wirklich wiedererstattet, weil immer, ehe ein Wechsel fällig war, ein anderer Wechsel in etwas höherem Betrage gezogen wurde, und die Diskontierung dieses Wechsels unumgänglich nötig war, damit der fällige Wechsel gezahlt werden konnte. Diese Zahlung war also durchaus eine nur scheinbare. Der durch diese Wechselreiterei aus den Kassen der Banken geleitete Abzug wurde niemals durch einen wirklichen Zugang wiederersetzt.

Die auf solche Reitwechsel ausgegebenen Noten beliefen sich zuweilen auf das ganze Betriebskapital eines großen, weitaussehenden landwirtschaftlichen, kaufmännischen oder industriellen Unternehmens, statt lediglich auf den Teil, den der Unternehmer, wenn es kein Papiergeld gegeben hätte, für gelegentliche Forderungen bar hätte liegen haben müssen. Folglich stellte das meiste Papiergeld einen Überschuß über den Betrag des Goldes und Silbers dar, das im Lande umgelaufen wäre, wenn es kein Papiergeld gäbe; es war also in größerer Menge vorhanden, als der Umlauf des Landes leicht aufnehmen und gebrauchen konnte, und kehrte aus diesem Grunde unmittelbar zu den Banken zurück, um gegen Gold und Silber umgewechselt zu werden, das diese sich dann verschaffen mußten, wie sie eben konnten. Es war ein Kapital, das jene Projektenmacher in sehr schlauer Weise den Banken nicht nur ohne deren Wissen und Willen, sondern vielfach auch ohne daß sie die leiseste Ahnung davon hatten, daß sie es in Wahrheit vorschössen, entzogen hatten.

Wenn zwei Leute, die fortwährend auf einander ziehen, ihre Wechsel stets bei demselben Bankier dis <53> kontieren, so wird er sogleich entdecken, wie es mit ihnen steht, und deutlich sehen, daß sie ihr Geschäft nicht mit einem eigenen, sondern mit dem von ihm vorgeschossenen Kapital treiben. Diese Entdeckung ist jedoch keineswegs so leicht, wenn sie ihre Wechsel bald hier bald da diskontieren, und wenn nicht immer die nämlichen zwei Leute auf einander ziehen, sondern unter einem großen Kreise von Spekulanten abwechseln, die es vorteilhaft finden, einander in dieser Manier, Geld aufzubringen, beizustehen und es deshalb möglichst schwer zu machen, den Unterschied eines wirklichen und eines erdichteten Wechsels zu erkennen, d. h. eines Wechsels, der von einem wirklichen Gläubiger auf einen wirklichen Schuldner gezogen ist, und eines Wechsels, für welchen es eigentlich keinen anderen wirklichen Gläubiger giebt, als die Bank, die ihn diskontierte, und keinen anderen wirklichen Schuldner als den Spekulanten, der das Geld brauchte. Kommt auch ein Bankier dahinter, so ist es zuweilen schon zu spät und er hat die Wechsel dieser Spekulanten schon in so großem Betrage diskontiert, daß er sie durch die Weigerung, ferner zu diskontieren, notwendig bankerott machen und sich durch ihren Untergang sein eigenes Verderben bereiten würde. Er kann es daher für seine eigene Sicherheit nötig finden, noch einige Zeit in dieser gefährlichen Lage zu verbleiben, indem er sich nur nach und nach zurückzuziehen sucht, und täglich mehr Schwierigkeiten mit dem Diskontieren macht, um die Spekulanten allmählich zu zwingen, sich entweder an andere Bankiers zu wenden, oder auf andere Manier Geld aufzubringen, so daß er selbst baldmöglichst aus diesem Kreise herauskommt. Die Schwierigkeiten, die die Bank von England, die angesehensten Bankiers in London, und sogar die vorsichtigeren schottischen Banken einige Zeit nachdem sie alle schon zu weit gegangen waren, erhoben, schreckte <54> die Spekulanten nicht nur auf, sondern versetzte sie in die höchste Wut. Ihre eigne Not, die allerdings durch die vorsichtige und unerläßliche Zurückhaltung der Banken zuerst veranlaßt war, nannten sie die Not des Landes; und diese Not des Landes, sagten sie, habe man nur der Unwissenheit, Engherzigkeit und schlechten Leitung der Banken zu verdanken, die den hochherzigen Unternehmungen derer, die das Land zu verschönern, zu fördern und zu bereichern strebten, keine hinreichende Unterstützung zu teil werden ließen. Sie schienen die Banken für verpflichtet zu halten, so lange und so viel zu leihen, als sie zu borgen wünschten. Die Banken aber schlugen den einzigen Weg ein, auf dem es noch möglich war, ihren eigenen und den öffentlichen Kredit des Landes zu retten, indem sie sich weigerten, denen ferner zu kreditieren, die schon zu viel Kredit erhalten hatten.

Mitten in diesem Lärm und in dieser Not wurde in Schottland eine neue Bank zu dem ausdrücklichen Zwecke errichtet, der Not des Landes abzuhelfen. Das Vorhaben war edel, aber die Ausführung unbesonnen, und man hatte das Wesen und die Ursachen der Not, die man zu heben gedachte, wohl nicht richtig gewürdigt. Diese Bank zeigte sich sowohl in Bewilligung von Kassenkonten als auch im Diskontieren von Wechseln liberaler als jede andere. In Betreff der Wechsel scheint sie fast keinen Unterschied zwischen wirklichen und Reitwechseln gemacht, sondern beide gleichmäßig diskontiert zu haben. Es war der erklärte Grundsatz dieser Bank, auf jede leidliche Sicherheit das ganze Kapital für solche Arten von Anlagen vorzustrecken, aus denen es nur träge und spät wieder eingeht, namentlich für Verbesserungen der Bodenkultur. Solche Verbesserungen zu fördern, sollte der hauptsächlichste der gemeinnützigen Zwecke sein, zu deren Verwirklichung <55> die Bank gegründet worden war. Durch ihre Liberalität in Bewilligung von Kassenkonten und im Diskontieren von Wechseln gab sie ohne Zweifel eine große Menge von Banknoten aus. Diese Banknoten kehrten aber, da der größte Teil über das Maß hinausging, das der Umlauf des Landes leicht aufnehmen und gebrauchen kann, fast eben so schnell wie sie ausgegeben waren, zu ihr zurück, um gegen Grold und Silber umgewechselt zu werden. Ihre Kassen waren niemals vollständig versehen. Das durch zwei Subskriptionen aufgebrachte Kapital betrug £ 160,000, wovon nur 80° eingezahlt wurden. Diese Summe war in mehreren Terminen einzuzahlen. Ein großer Teil der Aktionäre erhielt sogleich nach der ersten Einzahlung ein Kassenkonto bei der Bank, und die Direktoren, die sich für verpflichtet hielten, gegen ihre eigenen Teilnehmer dieselbe Liberalität zu beobachten, mit der sie gegen alle anderen Leute verfuhren, gestatteten vielen von ihnen, auf das Kassenkonto so viel zu borgen, als sie in allen folgenden Terminen einzuzahlen hatten. Diese Einzahlungen brachten daher nur soviel in die eine Kasse, als einen Augenblick vorher aus der anderen genommen war. Aber wenn die Barbestände der Bank auch noch so groß gewesen wären, der übermäßige Umlauf mußte sie doch schneller aufzehren, als sie sich wieder ergänzen ließen, wenn man nicht zu dem verderblichen Mittel greifen wollte, auf London zu ziehen und den Wechsel samt Zinsen und Provision am Verfalltage durch eine neue Tratte auf denselben Platz zu zahlen. Bei dieser schlechten Verfassung ihrer Kassenbestände soll sie schon wenige Monate nach Beginn des Geschäftes gezwungen gewesen sein, zu diesem Notbehelf zu greifen. Die Liegenschaften der Aktionäre waren mehrere Millionen wert, und sie hafteten durch ihre Unterschrift unter die Gründungsur <56> kunde für alle Verpflichtungen der Bank. Mittelst des großen Kredits, den ein so bedeutendes Unterpfand notwendig verschaffen mußte, war die Bank imstande, trotz ihrer zu großen Liberalität das Geschäft länger als zwei Jahre zu betreiben. Als sie es einstellen mußte, hatte sie etwa £ 200,000 Banknoten im Umlauf, zu dessen Aufrechthaltung sie, da die Noten fortwährend ebenso schnell zurückkehrten, als sie ausgegeben waren, Wechsel auf London zog, deren Zahl und Betrag ohne Unterlaß wuchs und bei Einstellung des Geschäfts mehr als £, 600,000 betrug. In etwas mehr als zwei Jahren hatte also die Bank an allerlei Leute über £ 800,000 zu 5% vorgeschossen. An den £ 200,000 ihres Notenumlaufs können die 5% vielleicht als reiner Gewinn betrachtet werden, wovon nur die Verwaltungskosten abzuziehen sind. Dagegen zahlte sie auf die £ 600,000, für die sie fortwährend Wechsel auf London zog, mehr als 8% Zinzen und Provision, und verlor folglich an mehr als drei Vierteln ihres ganzen Umsatzes mehr als 3%.

Die Tätigkeit dieser Bank scheint gerade das Gegenteil von dem hervorgebracht zu haben, was ihre Gründer und Leiter beabsichtigt haben. Diese wollten die hochherzigen Unternehmungen -- denn als solche wurden sie von ihnen betrachtet -- , die damals in verschiedenen Teilen des Landes gemacht wurden, unterstützen, und zugleich das gesamte Bankgeschäft an sich reißen, um die übrigen schottischen Banken, besonders die Edinburgher, deren Zurückhaltung im Diskontieren Mißfallen erregt hatte, zu verdrängen. Sicherlich gewährte die Bank den Spekulanten eine Zeitlang Erleichterung und setzte sie in Stand, ihre Projekte etwa zwei Jahre länger fortzusetzen, als es ihnen sonst möglich gewesen wäre; aber sie ermöglichte ihnen dadurch nur, sich um so tiefer in Schulden zn stürzen. <57> so daß, als der Tag des Verderbens kam, sowohl sie als ihre Gläubiger um so schwerer betroffen wurden. Statt die Not zu lindern, welche die Spekulanten über sich und über das Land gebracht hatten, dienten die Operationen der Bank in der Tat nur dazu, sie für lange Zeit zu verschärfen. Es wäre für die Spekulanten selbst, für ihre Gläubiger und für das Land weit besser gewesen, wenn die meisten von ihnen schon zwei Jahre früher hätten aufhören müssen. Dagegen brachte die zeitweilige Unterstützung, die die Bank den Spekulanten gewährte, den übrigen schottischen Banken eine wirkliche, dauernde Hilfe. Die sich mit Wechselreiterei abgaben, nahmen, da die übrigen Banken Reitwechsel nicht mehr diskontieren wollten, ihre Zuflucht zu der neuen Bank, wo sie mit offenen Armen aufgenommen wurden. Dadurch wurde es den übrigen Banken möglich, mit Leichtigkeit aus diesem verhängnisvollen Kreise herauszutreten, während sie sonst schwerlich ohne bedeutenden Verlust, oder gar ohne dauernde Schädigung ihres Kredits davon gekommen wären.

Mit der Zeit haben also die Geschäfte dieser Bank die wirkliche Not des Landes, die sie zu lindern gedachte, vermehrt; hingegen die sehr große Not ihrer Mitbewerber, die sie zu stürzen beabsichtigte, völlig beseitigt.

Bei Eröffnung der Bank glaubten viele, sie werde ihre Kassen, so schnell sie sich auch leerten, leicht durch Anleihen wieder füllen können, die sie auf die Sicherheiten derer, denen sie ihr Papier vorschoß, aufnähme. Die Erfahrung belehrte sie jedoch, glaube ich, bald, daß diese Art von Geldbeschaffung viel zu langsam sei, um den Zwecken der Bank zu entsprechen, und daß die Kassen, die von vornherein nicht ausreichend waren und sich so schnell vollends leerten, durch nichts anderes wieder zu füllen seien, als. durch das verderbliche Mittel Wechsel auf London zu ziehen, die, wenn <58> sie fällig wurden, durch andere Tratten auf denselben Platz nebst Zinsen und Provision gezahlt werden mußten. Hätte die Bank aber auch auf dem ersteren Wege so schnell Geld aufbringen können, als nötig war, so mußte sie doch durch jede derartige Handlung verlieren, statt zu gewinnen, so daß sie sich als Handelsgesellschaft mit der Zeit doch ruiniert haben würde, wenn vielleicht auch nicht so schnell wie durch die kostspielige Wechselreiterei. An ihren Noten konnte sie keinen Zinsgewinn machen, da diese über das Maß hinausgingen, das der Umlauf des Landes aufnehmen und gebrauchen konnte, und ebenso schnell, als sie ausgegeben waren, zur Umwechselung gegen Gold und Silber zurückkehrten, weshalb die Bank stets von neuem Geld aufnehmen mußte. Hingegen mußten alle Unkosten für diese Aufnahmen, für die Anstellung von Agenten zur Beschaffung von Geld, für die Verhandlung mit den Darleihern und für die Ausfertigung der Verträge usw. von ihr getragen werden und in der Bilanz einen reinen Verlust ergeben. Der Plan, ihre Kassen auf diese Weise zu füllen, würde dem eines Mannes gleichen, der einen Teich besitzt, aus dem stets Wasser abfließt, ohne daß es durch einen Zufluß ersetzt wird, und der ihn dadurch immer gleichmäßig voll erhalten will, daß er eine Menge Leute anstellt, die mit Eimern aus einer mehrere Meilen entfernten Quelle unablässig Wasser zutragen, um ihn wieder zu füllen.

Hätte sich diese Tätigkeit aber auch für die Bank als ausführbar und gewinnbringend erwiesen, so würde doch das Land keinen Vorteil daraus gezogen, im Gegenteil nur einen beträchtlichen Verlust davon gehabt haben. Diese Handhabung konnte die Menge des auszuleihenden Geldes nicht im mindesten vermehren, sondern nur die Bank zu einer Art allgemeinen Leihamts für das ganze Land machen. Wer Geld borgen wollte, mußte, <59> statt zu den Privatleuten zu gehen, die ihr das Geld geliehen hatten, sich an die Bank wenden. Nun ist aber eine Bank, die vielleicht an fünfhundert den Direktoren meist so gut wie unbekannte Personen Geld ausleiht, schwerlich in der Wahl ihrer Schuldner vorsichtiger, als ein Privatmann, der sein Geld nur wenigen Leuten leiht, die er kennt und auf deren Besonnenheit und Solidität er sich verlassen zu können glaubt. Die Schuldner einer solchen Bank, wie die, deren Leitung ich hier beschrieben habe, waren wohl meist eitle Projektenmacher, Wechselreiter, die das Geld zu schwindelhaften Unternehmungen verwandten, die sie bei allem Beistand, der ihnen gewährt wurde, doch kaum auszuführen vermochten, und die, wenn sie wirklich ausgeführt wurden, doch niemals die verursachten Kosten wieder eingebracht und niemals einen Fonds geschaffen haben würden, der so viel Arbeit, wie auf sie verwendet war, hätte unterhalten können. Die besonnenen und soliden Schuldner von Privatleuten dagegen verwenden das geborgte Geld viel eher zu nüchternen, ihren Kapitalien angemessenen Unternehmungen, die zwar weniger großartig und wunderbar, dafür aber um so solider und gewinnbringender sind, alle für sie gemachten Auslagen mit reichem Gewinn zurückerstatten und dadurch einen Fonds schaffen, aus dem eine weit größere Menge Arbeit erhalten werden kann, als auf sie selbst verwendet war. Der glückliche Erfolg der erwähnten Tätigkeit würde mithin, ohne das Kapital des Landes im geringsten vergrößert zu haben, im Gegenteil einen großen Teil von ihm aus besonnenen und gewinnreichen Unternehmungen auf unbesonnene und keinen Gewinn bringende gelenkt haben.

Daß die schottische Industrie (industry) aus Mangel an Geld darniederliege, war die Ansicht des berufenen Law. Diesem Geldmangel gedachte er durch Errichtung einer besonderen Art von Bank abzuhelfen, die, wie er ge <60> glaubt, zu haben scheint, Papier im Betrage des Gesamtwertes aller Ländereien des Landes ausgeben könne. Das schottische Parlament hielt jedoch das Projekt, das ihm zuerst vorgelegt wurde, zur Annahme für nicht geeignet. Später wurde es mit einigen Abänderungen vom Herzog von Orleans, dem damaligen Regenten Frankreichs, angenommen. Der Gedanke, daß es möglich sei, Papiergeld in jedem beliebigen Umfange zu vermehren, lag dem sogenannten Missisippi-Projekte, vielleicht dem schwindelhaftesten Bank- und Börsenjobberprojekt, das die Welt je gesehen hat, zu Grunde. Die verschiedenen Leistungen dieses Projekts hat Du Verney in seiner »Prüfung der politischen Reflexionen über Handel und Finanzen des Herrn Du Tot« so vollständig, klar und scharfsinnig entwickelt, daß ich sie hier nicht schildern will. Die Prinzipien, auf denen es beruhte, hat Law selbst in einer Abhandlung über Geld und Handel, die er in Schottland veröffentlichte, als er sein Projekt zuerst vorlegte, entwickelt. Die glänzenden, aber phantastischen Ideen, die in diesem und einigen anderen Büchern über die gleichen Prinzipien vorgetragen werden, machen immer noch auf viele Leute Eindruck, und haben vielleicht zum Teil jene Ausschreitungen im Bankwesen mit veranlaßt, die neuerdings in Schottland und anderwärts zu beklagen gewesen sind.

Die Bank von England ist die größte Zettelbank in Europa. Sie wurde infolge einer Parlamentsakte durch ein Patent vom 27. Juli 1694 errichtet. Damals schoß sie der Regierung die Summe von £ 1,200,000 vor gegen eine Annuität von £ 100,000, oder £ 96,000 jährlicher Zinsen zu 8% und £ 4000 für die jährlichen Verwaltungskosten. Es läßt sich denken, daß der Kredit der neuen durch die Revolution eingesetzten Regierung sehr gering gewesen sein muß, wenn sie <61> genötigt war, zu einem so hohen Zinsfuß Geld aufzunehmen.

Im Jahre 1697 wurde der Bank gestattet, ihr Kapital durch eine neue Einzahlung von £ 1,001,171 10 sh. zu vergrößern. Ihr Gesamtkapital betrug mithin damals £ 2,101,171 10 sh. Jene Einzahlung sollte, wie es hieß, den Staatskredit heben. Im Jahre 1696 standen die Tailles (Koupons) auf vierzig, fünfzig und sechzig Prozent, und die Banknoten auf zwanzig Prozent Disagio3. Während der zu dieser Zeit vorgenommenen großen Silberumprägung hielt es die Bank für geraten, die Zahlung ihrer Noten zu suspendieren, was diese natürlich diskreditierte.

Infolge einer Akte aus dem siebenten Jahre der Königin Anna (c. 7.) schoß die Bank der Schatzkammer die Summe von £ 400,000 vor, so daß die Gesamtschuld mit Einschluß der auf die Annuität von £ 96,000 Zinsen und £ 4000 Verwaltungskosten vorgeschossenen, jetzt £ 1,600,000 ausmachte. Im Jahre 1708 war mithin der Kredit der Regierung so gut wie der der Privatleute, da sie zu sechs Prozent, dem damals gesetzlichen und üblichen Zinsfuß, entleihen konnte. Infolge derselben Akte tilgte die Bank Schatzkammerscheine im Betrage von £ 1,775,027 17 sh. 10 1 / 2 d. zu 6% Zinsen, und durfte gleichzeitig ihr Kapital durch neue Zeichnungen verdoppeln. Dasselbe betrug mithin 1708 £ 4,402,343, wovon der Regierung £ 3,375,027 17 sh. 10 1 / 2 d. geliehen waren.

Durch die Einzahlung von 15% wurde im Jahre 1709 ein Kapital von £ 656,204 1 sh. 9 d., und durch eine andere von 10%, im Jahre 1710 ein Kapital von £ 501,448 12 sh. 11 d. eingeschossen. Infolge dieser beiden Einzahlungen belief sich also das Kapital der Bank auf £ 5,559,995 14 sh. 8 d. <62>

Infolge einer Akte aus dem dritten Regierungsjahre Georgs I. (c. 8.) lieferte die Bank £ 2,000,000 in Schatzkammerscheinen zur Tilgung ein, wonach sich also die der Regierung geliehene Summe auf £ 5,375,027 17 sh. 10 d. belief. Infolge der Akte aus dem folgenden Regierungsjahre Georgs I. (c. 21.) kaufte die Bank von der Südsee-Gesellschaft Aktien im Betrage von £ 4,000,000, und vergrößerte ihr Kapital infolge der Aktienzeichnungen für dies Unternehmen 1722 um £ 3,400,000. Die Vorschüsse der Bank an die Regierung beliefen sich also nun auf £ 9,375,027 17 sh. 10 d., und ihr Kapital nur auf £ 8,959,995 14 sh. 8 d. Dies war das erste Mal, daß die Summe, die die Bank dem Staate geliehen hatte und wofür sie Zinsen empfing, ihr Kapital, d. h. die Summe, für welche den Aktionären eine Dividende gezahlt wird, überstieg; oder mit anderen Worten, daß die Bank anfing, außer dem Dividenden-Kapital noch ein anderes zu haben, von dem sie keine Dividende zahlte, was seitdem immer der Fall geblieben ist. Im Jahre 1746 hatte die Bank aus verschiedenen Anlässen dem Staat £ 11,686,800 vorgeschossen, und ihr dividendenpflichtiges Kapital war durch verschiedene Nachforderungen und Zeichnungen bis auf £ 10,780,000 gestiegen. Das Verhältnis dieser beiden Summen zu einander ist seitdem das nämliche geblieben. Infolge der Akte aus dem vierten Regierungsjahre Geoigs III. (c. 25.) zahlte die Bank der Regierung für die Erneuerung ihres Patents £ 110,000, ohne Zinsen oder Rückzahlung zu erwarten, sodaß also jene beiden anderen Summen durch diese Zahlung nicht verändert wurden.

Die Dividende ist je nach den Änderungen im Zinsfuß, je nach den Zinsen, die sie zu verschiedenen Zeiten für das vom Staate geliehene Geld empfing, so wie nach anderen Umständen, verschieden gewesen. Der Zinsfuß fiel nach und nach von acht auf 3%. <63> Die Dividende der Bank hat seit einigen Jahren 5 1 / 2 % betragen.

Die Zahlungsfähigkeit der Bank von England kommt der der britischen Regierung gleich. Was sie dem Staate vorgeschossen hat, müßte erst verloren gehen, ehe ihre Gläubiger einen Verlust erleiden könnten. Keine andere Bankgesellschaft kann durch eine Parlamentsakte gegründet werden, oder wenigstens darf keine aus mehr als sechs Teilnehmern bestehen. Die Bank von England betätigt sich nicht nur als eine gewöhnliche Bank, sondern als eine große Staatsmaschine. Sie empfängt und bezahlt den größten Teil der den Staatsgläubigern zukommenden Rente, setzt die Schatzkammerscheine in Umlauf, und schießt der Regierung den jährlichen Betrag der oft erst nach einigen Jahren bei ihr eingehenden Grund- und Malzsteuer vor. Bei diesen verschiedenen Operationen mag die Bank bisweilen durch ihre Verpflichtungen gegen den Staat, ohne Schuld der Direktion, genötigt worden sein, den Umlauf mit Papiergeld zu überfüllen. Sie diskontiert auch kaufmännische Wechsel, und hat bei verschiedenen Gelegenheiten den Kredit der größten Häuser nicht nur in England, sondern auch in Hamburg und Holland aufrecht erhalten. Einmal, 1763, soll sie in einer einzigen Woche etwa £ 1,600,000, meist in Barren, vorgeschossen haben; doch vermag ich weder die Größe der Summe noch die Dauer der Zeit zu verbürgen. In anderen Fällen sah sich diese große Gesellschaft in die Notwendigkeit versetzt, in halben Schillingen zu zahlen.

Die einsichtigsten Bankoperationen können nicht durch Vergrößerung der Kapitalien, sondern nur dadurch die Industrie des Landes fördern, daß sie einen größeren Teil dieser Kapitalien tätig und produktiv machen, als es ohne sie geschehen könnte. Der Teil seines Kapitals, den ein Geschäftsmann unbeschäftigt bar in der Kasse haben muß, um einlaufende Forderungen da <64> mit befriedigen zu können, ist ein totes Kapital, welches, solange es in dieser Lage bleibt, weder für seinen Eigentümer noch für das Land etwas produziert. Verständige Bankoperationen setzen den Geschäftsmann in Stand, sein totes Kapital in ein tätiges und einträgliches zu verwandeln: in Rohstoffe zur Verarbeitung, in Werkzeuge und Lebensmittel zum Unterhalt der Arbeit -- in ein Kapital, das sowohl ihm als dem Lande etwas einbringt. Das Gold- und Silbergeld, das in einem Lande umläuft und durch dessen Vermittelung die Produkte des Bodens und der Arbeit alljährlich in Umlauf gesetzt und an die Verbraucher verteilt werden, ist ebenso wie das bare Geld des Geschäftsmanns durchaus ein totes Kapital. Es ist ein sehr kostspieliger Teil vom Kapital des Landes, der dem Lande nichts einbringt. Wenn nun verständige Bankoperationen Papier an die Stelle eines großen Teils der edlen Metalle setzen, so ist das Land imstande, jenes tote Kapital größtenteils in ein tätiges und einträgliches, dem Lande etwas einbringendes Kapital zu verwandeln. Das in einem Lande umlaufende Gold- und Silbergeld kann mit einer Landstraße verglichen werden, die alles Gras und Korn des Landes in Umlauf setzt und auf den Markt bringt, selbst aber keinen Halm produziert. Verständige Bankoperationen stellen, wenn ich ein so kühnes Bild gebrauchen darf, eine Art Straße durch die Luft her und setzen dadurch das Land gleichsam in den Stand, einen großen Teil seiner Landstraßen in gute Weiden und Kornfelder zu verwandeln, und dadurch den Jahresertrag des Bodens und der Arbeit beträchtlich zu vermehren. Doch ist zuzugeben, daß Handel und Gewerbe des Landes, obwohl sie sich dadurch steigern lassen, doch auf den Dädalusflügeln des Papiergeldes nicht etwa so sicher sind, als wenn sie auf dem festen Grunde von Gold und Silber wandeln. Außer den Unfällen, denen sie durch den Unverstand der Lenker <65> dieses Papieiumlaufs ausgesetzt sind, können sie noch von manchen anderen betroffen werden, vor denen sie keine Klugheit oder Geschicklichkeit jener Lenker bewahren kann.

So würde z. B. ein unglücklicher Krieg, in welchem der Feind sich der Hauptstadt und folglich auch des Schatzes bemächtigte, auf dem der Kredit des Papiergeldes beruht, in einem Lande, wo der ganze Umlauf in Papier bestände, eine weit größere Verwirrung hervorbringen, als in einem anderen, wo der Umlauf meist durch Gold und Silber bewirkt wird. Indem das allgemein gebräuchliche Verkehrsmittel seinen Wert verlöre, würden die Umsätze nur noch durch unmittelbaren Tausch oder auf Kredit erfolgen können. Da alle Steuern bisher in Papiergeld bezahlt wurden, so würde der Fürst nicht wissen, womit er seine Truppen bezahlen, oder seine Magazine wieder füllen sollte, und der Zustand des Landes weit verzweifelter sein, als wenn der Umlauf meist in Gold und Silber bestanden hätte. Deshalb sollte ein Fürst, der sein Gebiet jederzeit im besten Verteidigungszustande erhalten will, nicht nur jene übermäßige Vermehrung des Papiergeldes verhüten, durch die die emittierenden Banken sich selbst zugrunde richten, sondern auch eine Vermehrung, durch die der Umlauf des Landes zumeist mit Papier angefüllt wird, nicht zugeben.

Der Umlauf jedes Landes läßt sich als in zwei verschiedene Zweige zerfallend betrachten, nämlich als Umlauf zwischen den Verkäufern unter einander, und als Umlauf zwischen den Verkäufern und Verbrauchern. Obgleich das nämliche Geld, gleichviel ob Papier- oder Metallgeld, bald in dem einen, bald in dem anderen Umlauf verwendet wird, so erfordert doch jeder von ihnen, da beide Zirkulationen stets zu gleicher Zeit vor sich gehen, einen bestimmten Geldvorrat der einen <66> oder andern Art zum Betrieb. Der Wert der zwischen den verschiedenen Verkäufern umlaufenden Güter kann niemals den Wert der zwischen den Verkäufern und den Verbrauchern umlaufenden übersteigen, weil alles, was von den Verkäufern gekauft wird, zum schließlichen Absatz an die Verbraucher bestimmt ist. Da der Umlauf zwischen den Verkäufern im großen betrieben wird, so ist für jeden einzelnen Umsatz gewöhnlich eine sehr bedeutende Summe nötig, wogegen die im allgemeinen kleinen Umsätze zwischen den Verkäufern und Käufern oft nur sehr geringe Beträge erfordern: ein Schilling oder manchmal sogar ein halber Penny reicht dazu hin. Kleine Beträge laufen aber weit schneller um, als große. Ein Schilling wechselt die Besitzer viel öfter als eine Guinee, und ein halber Penny noch viel öfter als ein Schilling. Obgleich daher die jährlichen Käufe aller Verbraucher dem Werte nach denen aller Verkäufer mindestens gleich sind, so können sie doch gewöhnlich mit einer weit geringeren Menge Geldes gemacht werden, weil dieselben Stücke bei den einen wegen des schnelleren Umlaufs mehr Käufe vermitteln als bei den anderen.

Papiergeld kann nun so eingerichtet werden, daß es sich entweder ziemlich ausschließend auf den Umlauf unter den Verkäufern beschränkt, oder sich auch auf einen großen Teil des Umlaufs unter den Verkäufern und Verbrauchern ausdehnt. Wo keine Banknoten unter £ 10 in Umlauf sind, wie in London, da beschränkt sich das Papiergeld von selbst ziemlich ausschließend auf den Umlauf zwischen den Verkäufern. Wenn eine Zehnpfundnote in die Hände eines Verbrauchers kommt, so ist er gewöhnlich genötigt, sie im ersten besten Laden, wo er für fünf Schilling etwas kauft, zu wechseln, so daß sie oft schon in die Hände eines Verkäufers zurückkehrt, ehe der Verbraucher den vierzigsten Teil des Geldes verausgabt hat. Wo dagegen <67> Banknoten in so kleinen Summen, wie zwanzig Schilling, ausgegeben werden, wie in Schottland, da erstreckt sich das Papiergeld auf einen ansehnlichen Teil des Umlaufs zwischen den Verkäufern und Verbrauchern. Vor der Parlamentsakte, die dem Umlauf der Zehn- und Fünfschillingnoten Einhalt tat, füllte es einen noch größeren Teil jenes Umlaufs aus. In Nordamerika wurde Papiergeld gewöhnlich in so kleinen Beträgen wie ein Schilling ausgegeben und füllte fast den ganzen Umlauf aus. In Yorkshire wurden sogar Sixpences in Papier ausgegeben.

Wo die Ausgabe von Banknoten in so kleinen Beträgen erlaubt und üblich ist, werden viele Leute von geringem Vermögen in den Stand gesetzt und ermutigt, Bankiers zu werden. Jemand, dessen Fünfpfund-, ja dessen Zwanzigschilling-Noten von jedermann zurückgewiesen werden würden, wird seine auf einen so geringen Betrag wie ein Sixpence ausgestellten Noten unbedenklich angenommen sehen. Doch können die bei so bettelhaften Bankiers häufig vorkommenden Bankerotte sehr bedeutenden Schaden anrichten und manchmal großes Unglück über viele arme Leute bringen, die deren Zettel in Zahlung angenommen haben.

Es wäre vieleicht besser, wenn nirgends im Reiche Banknoten unter fünf Pfund Sterling ausgegeben würden. Dann würde sich das Papiergeld wahrscheinlich überall auf den Umlauf unter den Verkäufern beschränken, wie es gegenwärtig in London der Fall ist, wo keine Banknoten unter zehn Pfund ausgegeben werden. In den meisten Teilen des Reichs sind fünf Pfund eine Summe, die, wenn auch nicht viel mehr als die Hälfte der Waren dafür zu haben ist, als in London für zehn, in der Provinz doch für ebenso groß gilt und ebenso selten auf einmal ausgegeben wird, als zehn Pfund im reichen London. <68>

Wo Papiergeld meist auf den Umlauf zwischen den Verkäufern beschränkt ist, wie in London, da ist stets Gold und Silber reichlich vorhanden. Wo es sich hingegen auf einen großen Teil des Umlaufs zwischen Verkäufern und Konsumenten erstrekt, wie in Schottland und noch mehr in Nordamerika, da vertreibt es das Gold und Silber fast ganz aus dem Lande, indem beinahe alle gewöhnlichen Geschäfte des inneren Verkehrs mit Papier betrieben werden. Die Unterdrückung der Zehn- und Fünfschillingnoten half dem Mangel an Gold und Silber in Schottland etwas ab, und die Unterdrückung der Zwanzigschillingnoten würde ihm wahrscheinlich noch mehr abhelfen. In Amerika sollen, seit einige der papiernen Umlaufsmittel unterdrückt worden sind, die edlen Metalle in größerer Menge vorhanden sein, wie dies ebenso vor der Einführung dieser Umlaufsmittel der Fall gewesen sein soll.

Wenn aber auch das Papiergeld fast ganz auf den Umlauf zwischen den Verkäufern beschränkt ist, können doch Banken und Bankiers der Industrie und dem Handel des Landes denselben Beistand gewähren, als wenn das Papiergeld fast den ganzen Umlauf ausfüllt. Das bare Geld, das ein Verkäufer in seiner Kasse haben muß, um gelegentliche Forderungen befriedigen zu können, ist lediglich für den Umlauf zwischen ihm und anderen Verkäufern, von denen er Waren kauft, bestimmt. Er hat nicht nötig, Geld für den Umlauf zwischen ihm und den Verbrauchern in seiner Kasse zu halten, da diese seine Kunden sind und ihm bares Geld bringen, nicht aber von ihm wegholen. Wenn daher Papiergeld nur in solchen Beträgen ausgegeben werden dürfte, daß es fast ganz auf den Umlauf zwischen den Verkäufern beschränkt wäre, so würden die Banken und Bankiers doch immer noch teils durch Diskontierung reeller Wechsel, teils durch Darlehen auf Kassenkonten <69> die Mehrzahl jener Verkäufer der Notwendigkeit entheben können, einen beträchtlichen Teil ihres Kapitals unbeschäftigt und bar in der Kasse zu halten, um gelegentliche Forderungen befriedigen zu können. Sie könnten immer noch den größten Beistand gewähren, den überhaupt Banken und Bankiers Geschäftsleuten füglich leisten können.

Privatleute daran zu hindern, die Noten eines Bankiers, ob auf einen großen oder kleinen Betrag ausgestellt, in Zahlung zu nehmen, wenn sie dazu bereit sind, oder einem Bankier die Ausgabe solcher Noten zu verbieten , obgleich die Leute zu ihrer Annahme bereit sind, sei -- könnte man sagen -- eine offenbare Verletzung der natürlichen Freiheit, die das Gesetz nicht schwächen, sondern aufrecht halten soll, und in gewisser Beziehung können solche Maßregeln in der Tat als Verletzungen der natürlichen Freiheit betrachtet werden; allein Handlungen der natürlichen Freiheit weniger einzelnen, die die Sicherheit der ganzen Gesellschaft gefährden, werden durch die Gesetze aller Staaten eingeschränkt und müssen eingeschränkt werden, in den freiesten nicht weniger als in den despotischsten Staaten. Die Nötigung, Brandmauern zu errichten, damit das Weitergreifen des Feuers verhindert werde, ist eine ganz ähnliche Verletzung der natürlichen Freiheit, wie die hier empfohlene Regelung des Bankwesens.

Ein Papiergeld, das in Banknoten besteht, von Leuten zweifellosen Kredits ausgegeben wird, auf Vorlangen unbedingt eingelöst werden muß und tatsächlich stets gegen Metall eingelöst wird, wenn es zur Präsentation kommt, ist in jeder Rücksicht dem Gold- und Silbergeld an Wert gleich, weil zu jeder Zeit Gold- und Silbergeld dafür zu haben ist. Man muß für solches Papier ebenso wohlfeil kaufen oder verkaufen als für Gold und Silber. <70>

Man hat behauptet, das Papiergeld erhöhe durch Vermehrung der Menge und der infolge davon eintretenden Wertverminderung des Gesamtumlaufs notwendig den Geldpreis der Waren. Da jedoch das hinzutretende Papier stets eine ebenso große Menge Gold und Silber dem Umlauf entzieht, so vergrößert das Papiergeld nicht notwendig die Menge des Gesamtumlaufs. Seit dem Anfang des letzten Jahrhunderts bis auf die gegenwärtige Zeit waren in Schottland die Lebensmittel niemals wohlfeiler, als im Jahre 1759, obgleich es damals infolge des Umlaufs der Zehn- und Fünf Schillingnoten mehr Papiergeld im Lande gab als jetzt. Das Verhältnis zwischen dem Preise der Lebensmittel in Schottland und England ist jetzt dasselbe, wie vor der starken Vermehrung der schottischen Banken. Das Getreide ist in England meist ebenso wohlfeil als in Frankreich, obgleich im ersteren Lande eine große Menge Papiergeld umläuft, und in letzterem fast gar keins. 1751 und 1752, als Hume seine »Politischen Abhandlungen« veröffentlichte, und bald nach der starken Vermehrung des Papiergeldes in Schottland, trat allerdings eine sehr empfindliche Steigerung der Lebensmittelpreise ein, woran indes wahrscheinlich nicht die Vermehrung des Papiergeldes, sondern die schlechte Ernte schuld war.

Anders freilich verhält es sich mit Noten, deren sofortige Einlösung entweder von dem guten Willen der Emissionshäuser, oder von einer Bedingung abhängt, die ihr Inhaber nicht immer zu erfüllen imstande ist, oder deren Zahlung nur nach einer bestimmten Reihe von Jahren gefordert werden könnte, und die in der Zwischenzeit keine Zinsen tragen. Ein solches Papiergeld würde ohne Zweifel mehr oder weniger unter den Wert des Goldes und Silbers sinken, je nachdem die Schwierigkeit und Unsicherheit einer sofortigen <71> Einlösung für größer oder geringer gälte, oder je nachdem der Zeitpunkt der Zahlbarkeit näher oder ferner läge.

Vor mehreren Jahren beliebten die schottischen Banken in ihre Noten eine sogenannte Optionsklausel zu setzen, durch welche sie dem Inhaber je nach Wahl der Direktoren die Zahlung entweder sogleich bei Vorzeigung, oder erst sechs Monate nachher mit Zinsvergütung für diese sechs Monate versprachen. Die Direktoren einiger Banken machten bald von dieser Klausel Gebrauch, bald drohten sie, wenn gerade für eine große Zahl ihrer Noten Gold und Silber verlangt wurde, sie würden davon Gebrauch machen, falls man sich nicht mit einem Teil des Verlangten begnüge. Die Noten dieser Banken machten damals den größten Teil der Zahlungsmittel in Schottland aus, und die Unsicherheit der Zahlung verringerte natürlich ihren Wert gegen Gold- und Silbergeld. Während der Dauer dieses Mißbrauchs, der hauptsächlich 1762, 1763 und 1764 überhand nahm, war der Wechselkurs zwischen London und Dumfries bisweilen vier Prozent gegen Dumfries, obgleich diese Stadt keine dreißig Meilen von Carlisle entfernt liegt, wo der Wechselkurs auf London al pari stand. In Carlisle wurden nämlich die Wechsel in Gold und Silber bezahlt, in Dumfries dagegen in schottischen Banknoten, die wegen der unsicheren Einlösbarkeit gegen Gold und Silber um vier Prozent niedriger standen, als das Bargeld. Die nämliche Parlamentsakte, durch welche die Zehn- und Fünfschillingnoten abgeschafft wurden, beseitigte auch jene Klausel, und brachte dadurch den Kurs zwischen England und Schottland auf seinen natürlichen Satz, d. h. auf denjenigen, den der Gang des Handels und die Rimessen herbeiführen.

Beim Papiergeld von Yorkshire hing die Bar <72> zahlung so kleiner Beträge, wie ein Sixpence, mitunter von der Bedingung ab, daß der Inhaber für den ganzen Betrag einer Guinee Noten zum Umwechseln an das Emissionshaus bringen müsse -- eine Bedingung, die die Inhaber der kleinen Noten oft unmöglich erfüllen konnten und die deshalb das Papier entwerten mußte. Eine Parlamentsakte erklärte daher alle solche Klauseln für ungesetzlich und schaffte ebenso, wie in Schottland, alle Banknoten unter 20 sh. ab.

Das nordamerikanische Papiergeld bestand nicht in Banknoten, die auf Verlangen an den Inhaber zahlbar waren, sondern in einem Staatspapier, dessen Zahlung erst einige Jahre nach der Ausgabe gefordert werden konnte; und obgleich die Kolonialregierungen den Inhabern dieser Papiere keine Zinsen zahlten, erklärten sie es gleichwohl zum gesetzlichen Zahlungsmittel für den vollen Wert seiner Bezeichnung und machten es auch wirklich dazu. Wenn man aber auch die Papiere der Kolonien für vollkommen gut hält, so sind doch z. B. £ 100, die erst in 15 Jahren zahlbar werden, in einem Lande, wo 6% Zinsen üblich sind, kaum mehr als £ 40 baren Geldes wert. Einen Gläubiger zu zwingen, ein solches Papier für eine bare Schuld von £ 100 anzunehmen, war daher eine so große Ungerechtigkeit, wie sie wohl kaum je von der Regierung eines anderen sich frei nennenden Landes begangen worden ist. Das Verfahren trägt den Stempel eines Plans betrügerischer Schuldner, ihre Gläubiger zu prellen, an sich und war es auch nach der Versicherung des ehrlichen und biederen Dr. Douglas. Die Regierung von Pennsylvanien glaubte zwar bei ihrer ersten Papiergeldausgabe 1722 ihr Papier durch Strafandrohungen gegen alle die, die im Preise ihrer Waren je nach Zahlung in Kolonialpapier oder in Gold und Silber einen Unterschied machten, auf gleichen Fuß mit den edlen Metallen setzen <73> zu können, allein diese Maßnahme war ebenso tyrannisch und noch weniger wirksam als diejenige, zu deren Unterstützung sie getroffen wurde. Ein positives Gesetz kann wohl einen Schilling zu einem gesetzlichen Zahlungsmittel für. eine Guinee machen, weil es die Gerichtshöfe anweisen kann, den Schuldner, der so bezahlt, zu entlasten; aber kein positives Gesetz kann einen Mann, der Waren verkauft und dem es freisteht, sie zu verkaufen oder nicht, dazu zwingen, als Bezahlung einen Schilling für eine Guinee zu nehmen. Trotz aller Maßregeln dieser Art ergab sich aus dem Wechselkurs mit Großbritannien, daß £ 100 in einigen Kolonien unter Umständen £ 130, in anderen gar £ 1100 galten; ein Unterschied im Wert, der sich nach dem Unterschiede der in den verschiedenen Kolonien ausgegebenen Menge Papiergeldes, sowie nach der größeren oder geringeren Wahrscheinlichkeit und den Fristen der endlichen Einlösung und Wiederbezahlung richtete.

Kein Gesetz konnte mithin gerechter sein, als die in den Kolonien mit so großem Unrecht gescholtene Parlamentsakte, nach welcher künftig kein Papiergeld gesetzliches Zahlungsmittel sein solle.

Pennsylvanien war in seiner Papiergeldausgabe stets maßvoller als alle anderen unserer Kolonien. Sein Papiergeld soll daher niemals unter den Wert des Goldes und Silbers gesunken sein, das in der Kolonie vor der Ausgabe des Papiergeldes in Umlauf gewesen war. Vor dieser Emission hatte die Kolonie schon den Nennwert ihrer Münzen erhöht, und durch eine Akte ihrer Volksvertretung verordnet, daß 5 sh. sterl. in der Kolonie für 6 sh. 3 d., und später für 6 sh. 8 d. genommen werden sollten. Mithin stand 1 £ Kolonialgeld selbst zu der Zeit, als der Umlauf in Gold und Silber bestand, mehr als 30 % unter dem Werte eines £ Sterling, und es fiel auch selten über 30 % unter diesen <74> Wert, als der Umlauf in Papier bestand. Der Vorwand für diese Erhöhung des Nennwertes war die Verhütung der Ausfuhr von Grold und Silber, die man dadurch zu erreichen glaubte, daß man gleiche Metallmengen in der Kolonie größere Summen darstellen ließ, als im Mutterlande. Man fand aber bald, daß der Preis aller Waren aus dem Mutterlande genau im Verhältnis der Erhöhung des Nennwerts stieg, sodaß ihr Gold und Silber ebenso schnell ausgeführt wurde, wie früher.

Da das Papiergeld der Kolonien bei Bezahlung der Provinzialsteuern für den vollen Wert genommen wurde, zu dem es ausgegeben war, so erhielt es durch diesen Gebrauch notwendig einen höheren Wert, als es bei der wirklichen und vorausgesetzten Entferntheit des Einlösungstermins gehabt haben würde. Dieser zusätzliche Wert war größer oder geringer, je nachdem die Menge des ausgegebenen Papiers die Summe, die bei Zahlung der Steuern einer jeden Kolonie zu verwenden war, mehr oder weniger überstieg; und sie überstieg diese Summe in allen Kolonien sehr bedeutend.

Wenn ein Fürst verordnete, daß ein gewisser Teil der Steuern in einer bestimmten Art Papiergeldes entrichtet werden solle, so könnte er dadurch diesem Gelde einen bestimmten Wert geben, selbst wenn der Wiederbezahlungstermin ganz vom Willen des Fürsten abhinge; und wenn die Papier ausgebende Bank seine Menge stets etwas unter dem zu diesem Zweck erforderlichen Betrag hielte, so könnte die Nachfrage danach so groß werden, daß es sogar ein Agio erhielte, d. h. etwas teurer bezahlt würde, als das Gold- und Silbergeld, für das es ausgegeben wurde. Auf diese Weise erklären manche das Agio der Bank zu Amsterdam, d. h. den Umstand, daß das Bankogeld einen höheren Wert hat als Kurant, obgleich ersteres nicht nach Belieben des Eigentümers aus der Bank genommen werden kann. <75> Die meisten ausländischen Wechsel, sagen sie, müssen in Bankogeld, d. h. durch Übertragung in den Büchern der Bank gezahlt werden, und die Direktoren der Bank halten, so wird behauptet, die Menge des Bankogeldes stets unter der Summe, die zu jenem Zwecke erforderlich ist. Dies, sagt man, sei der Grund, weshalb das Bankogeld ein Agio von vier oder fünf Prozent gegen Kurant trage. Diese Sache ist jedoch, wie sich später zeigen wird, fast gänzlich grundlos.

Ein Papiergeld, das unter den Wert des Gold- und Silbergeldes sinkt, vermindert dadurch nicht den Wert dieser Metalle, oder verursacht nicht, daß mit gleichen Mengen jener Metalle kleinere Warenmengen gekauft werden können. Das Verhältnis zwischen dem Wert von Gold und Silber und dem der Waren aller Art hängt niemals von der Beschaffenheit oder Menge des in einem Lande umlaufenden Papiergeldes ab, sondern von dem Reichtum oder der Armut der Bergwerke, die zur Zeit den großen Markt der Handelswelt mit diesen Metallen versorgen; es hängt von dem Verhältnis zwischen der Arbeitsmenge ab, die erforderlich ist, um eine bestimmte Menge Gold und Silber, und der Arbeitsmenge, die erforderlich ist, um eine bestimmte Menge aller anderen Waren auf den Markt zu bringen.

Wenn die Bankiers verhindert werden, umlaufende, d. h. an den Inhaber zahlbare Noten unter einem gewissen Wertbetrag auszugeben, und wenn man ihnen die Verpflichtung auferlegt, ihre Banknoten sofort und unbedingt bei Vorzeigung zu bezahlen, so kann ihr Geschäft in allen anderen Beziehungen ohne Schaden für das Publikum vollkommen frei gegeben werden. Die jüngste Vermehrung der Bankgesellschaften in beiden Teilen des vereinigten Königreichs, die viele so stark beunruhigt, vermehrt die Sicherheit des Publikums, statt sie zu vermindern. Sie zwingt alle <76> Gesellschaften, umsichtiger zu sein, ihr Papiergeld nicht über das richtige Verhältnis zu ihrer Kasse auszudehnen, und sich vor jenen tückischen Stürmen auf die Bank in Acht zu nehmen, die ihnen die Nebenbuhlerschaft so vieler Mitbewerber stets zuzuziehen bereit ist. Sie schränkt ferner den Umlauf jeder einzelnen Gesellschaft auf einen engeren Kreis ein, und führt ihre Noten auf eine kleinere Anzahl zurück. Durch die Verteilung des Gesamtpapierumlaufs über eine größere Zahl von Beteiligten wird das Falliment einer einzelnen Gesellschaft, -- ein Ereignis, das immerhin einmal eintreten kann, -- dem Publikum weniger verderblich. Auch zwingt dieser freie Wettbewerb alle Bankiers zu einer liberaleren Behandlung ihrer Kunden, damit sie ihnen nicht von den Mitbewerbern abspenstig gemacht werden. Wenn im Allgemeinen jeder Geschäftszweig oder jede Arbeitsteilung für das Publikum von Vorteil ist, so wird es der freiere und allgemeinere Wettbewerb stets noch mehr sein. <77>


1. Siehe Ruddiman's Vorrede zu Andersons Diplomata Scotiae.

2. Die im Texte beschriebene Methode war keineswegs die gewöhnlichste oder die kostspieligste, wie jene Abenteurer zuweilen »Geld durch Umlauf aufbrachten«. Häufig setzte A. in Edinburgh den B.in London dadurch in Stand, den ersten Wechsel zu zahlen, daß er wenige Tage vor der Verfallzeit einen zweiten Wechsel, der auf drei Monate zu laufen hatte, auf den nämlichen B. in London zog, diesen an seine eigene Order zahlbaren Wechsel in Edinburgh al pari verkaufte, und mit der Valuta Wechsel auf London, zahlbar nach Sicht an die Order von B., kaufte und diesem zuschickte. Gegen das Ende des letzten Krieges stand der Wechselkurs zwischen Edinburgh und London oft drei Prozent zum Nachteil Edinburghs und jene Wechsel auf Sicht mußten also den A. dasselbe Agio kosten. Diese Transaktion, wenigstens viermal im Jahre wiederholt, und stets mit einer Provision von wenigstens einem Prozent belastet, mußte mithin den A. wenigstens vierzehn Prozent im Jahre kosten. Ein andermal setzte A. den B. dadurch in Stand, den ersten Wechsel zu zahlen, daß er wenige Tage vor der Verfallzeit einen zweiten Zweimonats-Wechsel nicht auf B., sondern auf eine dritte Person, z. B. auf C. in London zog. Dieser Wechsel wurde an die Order von B. gestellt, der ihn, sobald er von C. akzeptiert worden, bei einem Bankier in London diskontierte; A. aber setzte den C. dadurch in Stand zu zahlen, daß er wenige Tage vor der Verfallzeit einen dritten Zweimonats-Wechsel entweder auf seinen ersten Korrespondenten B. oder auf eine vierte oder fünfte Person D. oder E. zog. Dieser dritte Wechsel wurde an die Order von C. gestellt, der ihn, sobald er akzeptiert war, auf dieselbe Weise bei einem Londoner Bankier diskontierte. Da diese Tätigkeiten sich wenigstens sechsmal im Jahre wiederholten, und da jedesmal eine Provision von wenigstens einem halben Prozent, sowie die üblichen Zinsen auf fünf Prozent hinzukamen, so mußte diese Manier, Geld aufzubringen, ebenso wie die im Texte beschriebene, den A. etwas mehr als acht Prozent ko.sten. Weil jedoch der Wechselkurs zwischen Edinburgh und London gespart wurde, war sie etwas weniger kostspielig als die oben erwähnte, erforderte hingegen einen soliden Kredit bei mehr als einem Londoner Hause, ein Vorteil, den viele dieser Abenteurer sich nicht leicht verschaffen konnten.

3. James Postlethwaite's History of the Public Revenue, p. 301.