Zehntes Kapitel. Lohn und Gewinn in den verschiedenen Verwendungen der Arbeit und des Kapitals.

Im Ganzen müssen die Vorteile oder Nachteile bei den verschiedenen Verwendungen der Arbeit und des Kapitals in der nämlichen Gegend entweder ganz gleich sein, oder doch beständig nach Ausgleichung streben.

Im vorigen Kapitel hat Smith ohne Beweis den Zinsfuß als eine Richtlinie für die allgemeine Profitrate nahegelegt. Das zehnte Kapitel ist laut Dietz Verlag das Kapitel, in dem Smith den von Marx behaupteten Beweis führt, »daß sie [die individuellen Profitraten] sich durch allerlei wirkliche oder vom Vorurteil akzeptierte Kompensationsgründe ausgleichen und daher, als nur scheinbare und verschwindende Verschiedenheiten, für die Untersuchung der allgemeinen Verhältnisse nicht in Rechnung kommen.« (../sgmlwerke/me25/me25_151.html#S151). Nach Lektüre des zehnten Kapitels glaube ich, dass das ein Tippfehler ist und die Herausgeber der MEW das neunte Kapitel meinen. Jedoch wird auch dort Marx' Behauptung nicht belegt.

Wäre in der nämlichen Gegend irgend eine Verwendung (employment) offenbar mit mehr oder weniger Vorteil verknüpft, als die übrigen Verwendungen, so würden in dem einen Falle sich so viele Leute dazu drängen, und in dem andern so viele sie aufgeben, daß ihre Vorteile bald auf das Niveau der übrigen kämen. Dies würde wenigstens in einer Gesellschaft der Fall sein, wo man den Dingen ihren natürlichen Lauf ließe, wo vollkommene Freiheit waltete, und wo es Jedermann frei stände, sowohl seine Beschäftigung nach Belieben zu wählen, wie sie so oft zu wechseln, als es ihm gut dünkt. Jeden würde sein Interesse bestimmen, vorteilhafte Geschäfte zu suchen und unvorteilhafte zu meiden.

Geldlohn und Geldgewinn sind freilich in Europa überall je nach den verschiedenen Verwendungen von Arbeit und Kapital äußerst verschieden. Allein diese Verschiedenheit rührt teils von gewissen Umständen in den Verwendungen selbst her, die entweder wirklich oder wenigstens in der Einbildung der Einzelnen bei <138> den Einen den geringen Geldgewinn ersetzen, und bei den Anderen einen großen Geldgewinn aufwiegen; teils von der Politik Europas, die nirgends den Dingen vollständige Freiheit läßt.

Die gesonderte Betrachtung dieser Umstände und jener Politik scheidet dieses Kapitel in zwei Abteilungen.

Erste Abteilung. Verschiedenheiten, die aus der Natur der Verwendungen selbst entspringen.

Die folgenden fünf Umstände sind es, soweit ich beobachten konnte, hauptsächlich, die einen geringen Geldgewinn in einigen Geschäften ersetzen, und einen großen in anderen aufwiegen: erstens die Annehmlichkeit oder Unannehmlichkeit der Geschäfte selbst; zweitens die Leichtigkeit und Wohlfeilheit, oder die Schwierigkeit und Kostspieligkeit, sie zu erlernen ; drittens die Beständigkeit oder Unbeständigkeit der Arbeit in ihnen; viertens das geringe oder große Vertrauen, welches man auf die Leute setzen muß, die das Geschäft ausüben, und fünftens die Wahrscheinlichkeit oder Unwahrscheinlichkeit eines Erfolgs in ihnen.

Erstens, der Arbeitslohn schwankt, je nachdem das Geschäft leicht oder schwer, reinlich oder unreinlich, ehrenvoll oder verachtet ist. So verdient an den meisten Orten ein Schneidergeselle im ganzen Jahre weniger, als ein Webergeselle: weil seine Arbeit leichter ist. Ein Webergeselle verdient weniger, als ein Schmiedegeselle: weil seine Arbeit zwar nicht immer leichter, aber viel reinlicher ist. Ein Schmiedogeselle, obgleich ein gelernter Handwerker, verdient in zwölf Stunden kaum so viel, wie ein Bergmann, der nur ein Tagelöhner ist, <139> in acht: weil seine Arbeit nicht ganz so schmutzig und weniger gefährlich ist, auch bei Tageslicht und über der Erde verrichtet wird. Die Ehre macht bei allen ehrenvollen Gewerben ein gut Teil der Belohnung aus. Vom Gesichtspunkte des Geldgewinns werden sie, wie ich gleich zeigen werde, im Allgemeinen zu schlecht bezahlt. Die Anrüchigkeit hat eine entgegengesetzte Wirkung. Das Gewerbe eines Fleischers hat etwas Rohes und Abstoßendes; aber es ist an den meisten Orten gewinnbringender, als die meisten anderen Geschäfte. Das abscheulichste von allen Geschäften, das des Scharfrichters, wird im Verhältnis zu der Arbeitsmenge, die es erfordert, besser bezahlt, als irgend ein anderes gewöhnliches Geschäft.

Jagd und Fischfang, die wichtigsten Beschäftigungen der Menschen im rohen Zustande der Gesellschaft, werden im zivilisierten Zustande ihre angenehmsten Vergnügungen, und sie treiben dann zum Zeitvertreib, was sie früher aus Not taten. Im gesitteten Zustande der Gesellschaft sind es deshalb nur Arme, die aus dem, was Anderen zum Zeitvertreib dient, ein Geweibe machen. Die Fischer waren arm seit der Zeit Theokrits.1 Ein Wildschütz in Großbritannien ist stets ein ganz armer Mann. In allen Ländern, wo die Strenge der Gesetze keine Wildschützen duldet, befindet sich der berechtigte Jäger in keiner viel besseren Lage. Aus natürlicher Lust an diesen Beschäftigungen widmen sich ihnen mehr Menschen, als bequem davon leben können, und das Produkt ihrer Arbeit kommt im Verhältnis zu ihrer Menge immer zu wohlfeil zu Markte, um den Arbeitern mehr als das kärglichste Auskommen zu verschaffen.

Widerwärtigkeit und Anrüchigkeit des Geschäfts berührt den Kapitalgewinn ebenso, wie den Arbeitslohn. <140> Der Inhaber einer Schenke oder Kneipe, der nie Herr in seinem eigenen Hanse und der Brutalität jedes Trunkenbolds ausgesetzt ist, treibt weder ein sehr angenehmes, noch ein sehr geachtetes Geschäft. Aber es gibt kaum ein gewöhnliches Gewerbe, bei dem ein kleines Kapital so großen Gewinn abwirft.

Zweitens, der Arbeitslohn schwankt je nach der Leichtigkeit und Wohlfeilheit, oder der Schwierigkeit und Kostspieligkeit, das Geschäft zu erlernen.

Wenn eine kostspielige Maschine errichtet ist, wird die durch sie gelieferte ungemein umfangreiche Arbeit das für ihre Herstellung bis zu ihrer Abnutzung ausgelegte Kapital wenigstens mit den gewöhnlichen Gewinnen wieder ersetzen müssen. Ein Mensch, der mit viel Arbeit und Zeit zu einem der Geschäfte erzogen wurde, die ungewöhnliche Fertigkeit und Geschicklichkeit erfordern, kann mit einer solchen kostspieligen Maschine verglichen werden. Die erlernte Arbeit wird, wie zu erwarten ist, ihm über den üblichen Lohn für gemeine Arbeit alle Kosten seiner Erziehung wenigstens mit dem gewöhnlichen Gewinn eines gleich wertvollen Kapitals wieder ersetzen. Auch muß dies in Anbetracht der höchst Ungewissen Dauer des menschlichen Lebens, wie der gewisseren Dauer einer Maschine, in angemessener Zeit geschehen.

Der Unterschied zwischen den Löhnen erlernter und gewöhnlicher Arbeit beruht auf diesem Grundsatze.

Die europäische Gewerbepolitik betrachtet die Arbeit aller Künstler, Handw-erker und Fabrikarbeiter als gelernte Arbeit, und die der ländlichen Arbeiter als gemeine Arbeit. Hierbei scheint vorausgesetzt zu werden, daß die Arbeit der Ersteren eigener und feiner sei, als die der Letzteren. In manchen Fällen mag es so sein, in den meisten aber ist es, wie ich sogleich zeigen werde, ganz anders. Die europäischen Gesetze und Gewohn <141> heiten legen daher, um Jemanden zur Ausübung der einen Art von Arbeit zu befähigen, ihm den Zwang einer Lehrzeit auf, obwohl nicht überall mit gleicher Strenge. Die andere Art Arbeit lassen sie für Jedermann frei und offen. Während der Dauer der Lehrzeit gehört die ganze Arbeit des Lehrlings dem Meister. Häufig muß er auch von seinen Eltern oder Verwandten beköstigt, und fast immer von ihnen gekleidet werden. Auch wird dem Meister gewöhnlich eine Geldsumme dafür bezahlt, daß er ihn sein Gewerbe lehrt. Wer kein Geld geben kann, gibt Zeit, d. h. er bindet sich auf mehr als die gewöhnliche Zahl von Jahren -- ein Abkommen, das zwar wegen der gewöhnlichen Trägheit der Lehrlinge für den Meister nicht immer von Vorteil, für den Lehrling aber stets von Nachteil ist. In der ländlichen Arbeit erlernt dagegen der Arbeiter, während er mit den leichteren Teilen des Geschäfts zu tun hat, seine schwereren Teile und verdient auf allen Stufen seiner Beschäftigung durch eigene Arbeit seinen Unterhalt. Darum ist es auch billig, daß in Europa der Lohn der Künstler, Handwerker und Fabrikarbeiter etwas höher sei, als der der gemeinen Arbeiter. Er ist es auch in der Tat, und wegen ihres größeren Gewinnes sieht man die städtischen Arbeiter vielfach als eine höhere Volksklasse an. Doch ist der Vorrang gewöhnlich sehr gering; der tägliche oder wöchentliche Verdienst eines Gesellen in den gewöhnlichen Gewerbszweigen, wde z. B. in den Fabriken der groben Leinenund Wollenzeuge, beträgt an den meisten Orten durchschnittlich wenig mehr, als der Tagelohn gemeiner Arbeiter. Freilich ist ihre Beschäftigung stetiger und gleichmäßiger, und die Summe ihres Verdienstes mag, das ganze Jahr zusammengenommen, etwas größer sein. Aber höher scheint sie sich offenbar nicht zu belaufen, als daß sie gerade die höheren Kosten der Ausbildung deckt. <142> In den freien Künsten und gelehrten Berufsarten ist die Erziehung noch langwieriger und kostspieliger. Die Belohnung der Maler und Bildhauer, der Juristen und Arzte in Geld muß deshalb eine viel reichlichere sein, und ist es in der Tat.

Der Gewinn des Kapitals scheint durch die Leichtigkeit oder Schwierigkeit der Erlernung des Geschäfts, in das Kapital gesteckt wird, nur sehr wenig berührt zu werden. Die verschiedenen Arten, wie Kapital in großen Städten gewöhnlich angelegt wird, scheinen in der Tat fast gleich leicht oder gleich schwer zu erlernen. Der eine Zweig des auswärtigen oder inneren Handels kann nicht wohl ein verwickelteres Geschäft sein, als der andere.

Drittens, der Arbeitslohn in den verschiedenen Beschäftigungen schwankt je nach der Beständigkeit oder Unbeständigkeit der Beschäftigung.

Die Beschäftigung ist in einem Gewerbe viel beständiger, als in anderen. In den meisten Gewerben kann ein Geselle fast sicher sein, alle Tage des Jahres Beschäftigung zu finden, wenn er arbeitsfähig ist. Ein Maurer dagegen kann weder bei hartem Frost, noch bei schlechtem Wetter arbeiten, und seine Beschäftigung hängt zu allen andern Zeiten von den zufälligen Bestellungen seiner Kunden ab; er ist folglich oft der Gefahr ausgesetzt, ohne Arbeit zu sein. Sein Verdienst, so lange er beschäftigt ist, muß ihm daher nicht nur für die Zeit, in der er nichts zu tun hat, den Unterhalt verschaffen, sondern ihn auch einigermaßen für jene Augenblicke der Angst und des Kleinmuts schadlos halten, die der Gedanke an eine so prekäre Lage bisweilen in ihm erwecken muß. Während demgemäß der Gesamtverdienst der meisten industriellen Arbeiter auf den Tag berechnet nicht viel mehr als den Tagelohn gemeiner Arbeit <143> beträgt, ist der Lohn der Maurer gewöhnlich anderthalb oder noch einmal so hoch. Wo gemeine Arbeiter vier oder fünf Schilling die Woche verdienen, verdienen Maurer oft sieben bis acht; wo die ersteren sechs, da verdienen die letzteren oft neun bis zehn, und wo die ersteren neun bis zehn verdienen, wie in London, verdienen die letzteren in der Regel fünfzehn bis achtzehn. Dennoch scheint keine Art gelernter Arbeit leichter zu erlernen, als die der Maurer. In London sollen zuweilen die Sänftenträger während des Sommers als Maurer beschäftigt sein. Mithin ist der hohe Lohn dieser Arbeiter nicht sowohl eine Belohnung für ihre Geschicklichkeit, als eine Entschädigung für die Unbeständigkeit ihres Erwerbs.

Ein Zimmermann scheint noch eher ein eigneres und künstlicheres Gewerbe zu treiben, als ein Maurer. Dennoch ist sein Tagelohn an den meisten Orten etwas niedriger. Seine Beschäftigung hängt zwar auch stark von den zufälligen Bestellungen seiner Kunden ab, aber doch nicht so völlig, und ist der Gefahr nicht ausgesetzt, durch das Wetter unterbrochen zu werden.

Wenn Gewerbe, die in der Regel unausgesetzte Beschäftigung bieten, dies an bestimmten Orten nicht tun, so steigt der Lohn der Arbeiter immer ein gut Teil über ihr gewöhnliches Yerhältnis zum Lohn gemeiner Arbeit. In London können fast alle Handwerksgesellen gerade so wie Tagelöhner an anderen Orten, von ihren Meistern von Tag zu Tag oder von Woche zu Woche angenommen oder entlassen werden. Die niedrigste Klasse der Handwerker, die Schneidergesellen, verdienen demgemäß dort eine halbe Krone (2 1 / 2 Schilling) täglich, während als Tagelohn für gemeine Arbeit nur achtzehn Pence gerechnet werden. In kleinen Städten und auf dem Lande kommt der Lohn der Schneidergesellen oft kaum dem für gemeine <144> Arbeit gleich; in London aber sind sie oft viele Wochen ohne Beschäftigung, besonders im Sommer. Wenn zu der Unbeständigkeit der Beschäftigung noch die Schwierigkeit, Unannehmlichkeit und Unreinlichkeit der Arbeit kommt, so erhöht dies bisweilen den Lohn der gemeinsten Arbeit über den der geschicktesten Handwerker. Ein Bergmann, der im Gedinge arbeitet, soll in Newcastle gewöhnlich doppelt, und in manchen Teilen Schottlands dreimal so viel verdienen, als der Tagelohn für gemeine Arbeit beträgt. Sein hoher Lohn entspringt aus der Schwierigkeit, Unannehmlichkeit und Unreinlichkeit seiner Arbeit zugleich. Die Dauer seiner Beschäftigung hängt dagegen fast ganz von ihm selbst ab. Die Kohlenträger in London treiben ein Geschäft, das an Schwierigkeit, Schmutz und Unannehmlichkeit dem der Bergleute fast gleichkommt, und ihre Beschäftigung ist wegen der unvermeidlichen Unregelmäßigkeit im Anlangen der Kohlenschiffe meist sehr unbeständig. Wenn daher die Bergleute doppelt und dreimal so viel verdienen, als für gemeine Arbeit bezahlt wird, so dürfte es nicht unbillig erscheinen, daß Kohlenträger zu Zeiten vier bis fünfmal so viel verdienen. In der Untersuchung, welche man vor einigen Jahren über ihre Lage anstellte, ergab sich, daß sie nach dem Satze, nach welchem sie damals bezahlt wurden, sechs bis zehn Schiling des Tages verdienen konnten. Sechs Schilling sind etwa viermal soviel, wie der Lohn für gemeine Arbeit in London, und in jedem Geschäft kann der niedrigste gewöhnliche Verdienst stets als der der Mehrzahl angesehen werden. So übermäßig jener Verdienst auch erscheinen mag, so würde doch, wenn er mehr als hinreichend wäre, um alle die unangenehmen Umstände des Geschäfts auszugleichen, in einem Gewerbe, das kein ausschließliches Privilegium hat, bald ein so großer Zufluß von Mitbewerbern ein <145> treten, daß der Verdienst bald auf einen niedrigeren Satz zurückschnellen würde.

Die Beständigkeit oder Unbeständigkeit der Beschäftigung kann auf den gewöhnlichen Kapitalgewinn in einem Geschäftszweige keinen Einfluß üben. Ob das Kapital beständig verwendet wird oder nicht, hängt nicht vom Geschäft, sondern vom Geschäftstreibenden ab.

Viertens, der Arbeitslohn schwankt je nach dem größeren oder geringeren Vertrauen, das in den Arbeiter gesetzt werden muß.

Der Lohn der Goldschmiede und Juweliere ist überall höher, als der vieler anderer Arbeiter, nicht allein von gleicher, sondern von weit höherer Begabung: nämlich wegen der kostbaren Materialien, die ihnen anvertraut werden.

Dem Arzte vertrauen wir unsere Gesundheit, dem Sachwalter und Advokaten unser Vermögen und mitunter unser Leben und unsern guten Ruf an. Ein solches Vertrauen könnte man nicht mit Sicherheit auf Leute setzen, die sich in einer sehr mittelmäßigen oder schlechten Lage befinden. Darum muß ihre Belohnung der Art sein, daß sie ihnen den gesellschaftlichen Rang verschafft, den ein so großes Vertrauen erfordert. Wird zu diesem Umstände noch die lange Zeit und die Kostspieligkeit ihrer Erziehung gerechnet, so muß dies notwendig den Preis ihrer Arbeit noch mehr erhöhen.

Legt Jemand nur sein eigenes Kapital in einem Geschäfte an, so kann von einem in ihn gesetzten Vertrauen keine Rede sein, und der Kredit, den er bei anderen Leuten findet, hängt nicht von der Natur seines Geschäfts, sondern von der Meinung ab, welche sie von seinem Glück, seiner Rechtschaffenheit und Klugheit hegen. Die verschiedenen Gewinnsätze in den verschiedenen Geschäftszweigen können also nicht aus <146> den verschiedenen Graden des Vertrauens entspringen, das man auf die Greschäftstreibenden setzt.

Fünftens, der Arbeitslohn in den mancherlei Beschäftigungen schwankt je nach der Wahrscheinlichkeit oder Unwahrscheinlichkeit des Erfolgs in ihnen.

Die Wahrscheinlichkeit, daß Jeder zu dem Geschäft, das er erlernt hat, sich auch befähigt zeigen werde, ist in den verschiedenen Erwerbszweigen sehr verschieden. Bei den meisten Handwerkern ist der Erfolg fast sicher; äußerst unsicher hingegen ist er in den freien Berufsarten. Gieb deinen Sohn zu einem Schuhmacher in die Lehre, und es unterliegt kaum einem Zweifel, daß er ein Paar Schuhe machen lernen wird; laß ihn aber die Rechte studieren, und es steht zwanzig gegen eins, ob er so weit kommen wird, von seinem Beruf leben zu können. In einer ganz ehrlichen Lotterie müßten die, welche die Treffer ziehen, den ganzen Verlust derer, auf die die Nieten fallen, gewinnen. In einer Berufsart, wo zwanzig ihr Ziel verfehlen, während nur Einer es erreicht, müßte dieser Eine alles gewinnen, was die verunglückten Zwanzig gewonnen haben sollten. Der Anwalt, der vielleicht erst im vierzigsten Jahre anfängt, aus seinem Beruf einigen Erwerb zu ziehen, würde die Vergütung nicht allein für seine eigene so langwierige und kostspielige Erziehung, sondern auch für die der zwanzig Andern erhalten müssen, die wahrscheinlich niemals durch ihren Beruf etwas erwerben werden. So übermäßig auch die Gebühren des Anwalts zuweilen erscheinen mögen, so erreicht ihre wirkliche Bezahlung doch niemals diese Höhe. Man berechne für einen bestimmten Ort, wie viel die Arbeiter in einem gewöhnlichen Geschäft, z. B. in dem Schuhmacheroder Weberhandwerk jährlich ungefähr gewinnen, und wie viel sie jährlich ausgeben, so wird man finden, daß die erstere Summe gewöhnlich größor ist, als die letztere. Man mache aber die <147> selbe Berechnung bei allen Anwälten und denen, die es werden wollen, und man wird finden, daß ihre jährlichen Gewinne zu ihren jährlichen Ausgaben in umgekehrtem Verhältnis stehen, auch wenn man die ersteren so hoch und die letzteren so niedrig als möglich anschlägt. Folglich ist die Lotterie der Juristerei sehr weit davon entfernt, eine ganz ehrliche Lotterie zu sein; und dieser wie viele andere freie und ehrenvolle Berufe werden vom Gesichtspunkte des Goldgewinns aus offenbar zu schlecht bezahlt.

Diese Berufsarten halten gleichwohl den übrigen die Wage, und die besten und strebsamsten Köpfe drängen sich trotz dieser entmutigenden Umstände mit Eifer zu ihnen. Zu ihrer Empfehlung dient zweierlei: erstens das Verlangen nach dem Ansehen, welches denen zu Teil wird, die es in ihrem Beruf zu etwas Hervorragendem bringen, und zweitens das natürliche Vertrauen, das Jeder mehr oder weniger auf seine Fähigkeiten und sein gutes Glück setzt.

In einem Berufe hervorzuragen, in welchem es nur Wenige zur Mittelmäßigkeit bringen, ist der entscheidendste Beweis von dem, was man Genie oder höhere Talente nennt. Die allgemeine Bewunderung, die so hervorragenden Fähigkeiten zu Teil wird, macht immer, je nach dem Grade des Ansehens, einen größeren oder kleineren Teil ihrer Belohnung aus. Einen erheblichen Teil der Belohnung bildet sie in dem Berufe eines Arztes; einen noch größeren vielleicht in dem eines Anwalts; beinahe die ganze Belohnung aber macht sie bei Dichtern und Philosophen aus.

Es gibt einige höchst angenehme und schöne Talente, die ihrem Besitzer eine gewisse Bewunderung eintragen, deren Ausübung für Geld aber, sei es mit Recht oder aus Vorurteil, für eine Art von öffentlicher Selbstentwürdigung angesehen wird. Darum muß der <148> Geldlohn derjenigen, die von ihnen in dieser Weise Gebrauch machen, groß genug sein, um sie nicht blos für die auf die Ausbildung ihrer Talente verwendete Zeit, Arbeit und Kosten, sondern auch für die Geringschätzung, welche mit ihrer Verwertung als Unterhaltsmittel verknüpft ist, schadlos zu halten. Die übermäßigen Gehalte der Schauspieler, Opernsänger, Operntänzer u. s. w. beruhen auf diesen beiden Gründen: auf der Seltenheit und Schönheit ihrer Talente, und auf der Geringschätzung, mit der man ihre Verwertung betrachtet. Es scheint beim ersten Anblick abgeschmackt, daß wir ihre Personen verachten und ihre Talente doch mit der verschwenderischsten Freigebigkeit belohnen. Aber gerade, weil wir das Eine tun, müssen wir notwendig auch das Andere tun. Sollte sich einmal die öffentliche Meinung oder das Vorurteil über diese Erwerbsarten ändern, so würde sich ihre Geldbelohnung bald verringern. Es würden sich dann mehr Leute darauf legen, und der Wettbewerb würde den Preis der Arbeit schnell herunterdrücken. Denn wenn solche Talente auch durchaus nicht gewöhnlich sind, so sind sie doch keineswegs so selten, als man es denkt. Viele, die es verschmähen, davon Gebrauch zu machen, besitzen sie in großer Vollkommenheit, und viele Andere würden fähig sein, sie zu erwerben, wenn sich daraus mit Ehren etwas erzielen ließe.

Der übertriebene Begriff der meisten Menschen von ihren Fähigkeiten ist ein altes Übel, auf das von den Denkern und Sittenlehrern aller Zeiten hingewiesen wird. Ihre alberne Einbildung auf ihr gutes Glück hat man weniger beachtet, und doch ist diese wo möglich noch allgemeiner. Es gibt keinen Menschen, der, so lange er leidlich gesund und wohlauf ist, nicht seinen Teil davon hätte. Die Aussicht auf Gewinn wird von Jedermann mehr oder weniger überschätzt, die Chance <149> des Verlustes aber von den Meisten zu gering und kaum von irgend Jemandem, so lange er leidlich gesund und wohlgemut ist, nach ihrem wahren Wert angeschlagen. Daß die Aussicht auf Gewinn überschätzt wird, kann man ans dem allgemeinen Erfolg der Lotterien ersehen. Eine vollkommen ehrliche Lotterie, wobei der ganze Gewinn dem ganzen Verlust gleichkommt, ist nie dagewesen und wird nie vorkommen, sonst hätte der Unternehmer keinen Vorteil davon. In den Staatslotterien sind die Lose tatsächlich den Preis nicht wert, den die Abnehmer dafür zahlen, und dennoch werden sie im Handel gewöhnhch noch mit einem Aufschlag von zwanzig, dreißig und mitunter vierzig Prozent verkauft. Die eitle Hoffnung, einen der großen Gewinne zu treffen, ist die alleinige Ursache dieser Nachfrage. Selbst die nüchternsten Leute sehen darin selten eine Torheit, eine kleine Summe für die Aussicht zu bezahlen, daß man zehn oder zwanzig tausend Pfund gewinnen kann, und doch weiß man, daß auch die kleine Summe vielleicht zwanzig bis dreißig Prozent mehr beträgt, als die Gewinnwahrscheinlichkeit wert ist. In einer Lotterie, in welcher kein Gewinn mehr als zwanzig Pfund betrüge, würde, auch wenn sie in anderer Hinsicht einer vollkommen ehrlichen weit näher käme, als die gewöhnlichen Staatslotterien, doch nicht eine gleiche Nachfrage nach Losen stattfinden. Um mehr Aussicht auf einen der großen Gewinne zu haben, kaufen Manche mehrere Lose und Andere kleine Anteile an vielen Losen. Und doch gibt es keinen gewisseren mathematischen Satz, als den, daß die Wahrscheinlichkeit zu verlieren, um so größer ist, auf je mehr Lose man setzt. Besetze alle Lose in der Lotterie , und du wirst gewiß verlieren; und je größer die Zahl deiner Lose ist, desto näher kommst du der Sicherheit des Verlustes.

Daß die Verlustwahrscheinlichkeit oft zu gering <150> und fast nie so hoch angeschlagen wird, als sie es verdient, ersieht man aus dem sehr massigen Gewinne der Versicherer. Soll das Versichern gegen Feuers- oder Seegefahr überhaupt ein Geschäft sein, so muß die gewöhnliche Prämie hinreichen, die gewöhnlichen Verluste zu decken, die Kosten der Verwaltung zu tragen und einen solchen Gewinn zu liefern, wie ihn ein in jedem andern Geschäft angelegtes gleiches Kapital abwerfen müßte. Wer nicht mehr als dies bezahlt, bezahlt offenbar nur den wirklichen Wert der Gefahr, oder den niedrigsten Preis, zu welchem diese zu versichern er billiger Weise erwarten kann. Wenn nun aber auch Viele durch Versicherung einiges Geld gewonnen haben, so haben doch nur sehr Wenige ein großes Vermögen damit gemacht; und schon aus diesem Umstände ergibt sich klar genug, daß die gewöhnliche Bilanz von Gewinn und Verlust (the ordinary balance of profit and loss) in diesem Geschäft nicht vorteilhafter ist, als in anderen gewöhnlichen Gewerben, durch die so viele Leute Vermögen erwerben. So mäßig auch die Versicherungsprämie gewöhnlich ist, so schätzen doch Viele die Gefahr zu gering, als daß sie Lust hätten, sie zu bezahlen. Im ganzen Königreich sind durchschnittlich unter zwanzig Häusern neunzehn, oder vielleicht unter hundert neunundneunzig gegen Feuersgefahr nicht versichert. Die Seegefahr ist für die meisten Leute beunruhigender, und das Verhältnis der versicherten zu den unversicherten Schiffen ist weit größer. Dennoch gehen zu allen Jahreszeiten und selbst in Kriegszeiten Viele ohne Versicherung in See. Mitunter geschieht dies vielleicht nicht aus Unvorsichtigkeit. Wenn eine große Gesellschaft oder auch ein reicher Kaufmann zwanzig oder dreißig Schiffe auf dem Meere hat, so versichert so zu sagen eines das andere. Die auf alle gesparte Prämie kann Verluste, wie sie im gewöhnlichen Laufe der Dinge wahrscheinlich eintreten, reichlich ausgleichen. Aber in den <151> meisten Fällen ist die Vernachlässigung der Versicherung der Schiffe, gleich der der Häuser, nicht der Effekt einer so feinen Berechnung, sondern lediglich gedankenlose oder vermessene Verachtung der Gefahr.

Die Verachtung der Gefahr und die vermessene Hoffnung auf Erfolg sind in keiner Periode des Lebens reger, als in dem Alter, in welchem junge Leute ihren Beruf wählen. Wie wenig dann die Furcht vor Mißgeschick imstande ist, der Hoffnung auf gutes Glück die Wage zu halten, zeigt sich noch klarer in der Bereitwilligkeit gewöhnlicher Leute, sich als Soldaten oder zum Seedienst einschreiben zu lassen, als in dem Eifer junger Leute besseren Standes, in die sogenannten freien Berufsarten einzutreten.

Was ein gemeiner Soldat verlieren kann, ist deutlich genug. Dennoch lassen sich junge Freiwillige, ohne der Gefahr zu achten, zu keiner Zeit so gern anwerben, als beim Beginn eines neuen Krieges ; und obgleich sie kaum irgend welche Aussicht auf Beförderung haben, spiegeln sie sich in ihrer jugendlichen Phantasie doch tausend Gelegenheiten, Ehre und Auszeichnung zu gewinnen, vor, die niemals eintreffen. Diese romantischen Hoffnungen sind der ganze Preis, für den sie ihr Blut verkaufen. Ihr Sold ist geringer, als der Lohn gewöhnlicher Arbeiter, und im aktiven Dienst sind ihre Beschwerden weit größer.

Die Lotterie der Marine ist nicht ganz so unvorteilhaft, als die des Landdienstes. Der Sohn eines geachteten Arbeiters oder Handwerkers geht oft mit väterlicher Einwilligung zur See; läßt er sich aber als Soldat anwerben, so geschieht es immer ohne sie. Auch andere Leute sehen einige Möglichkeit, im ersten Beruf Glück zu machen; im andern sieht Keiner, als allein der Betreffende, eine solche Chance. Der große Admiral ist weniger ein Gegenstand öffentlicher Bewunderung, als <152> der große General, und der glücklichste Erfolg im Seedienst verspricht ein weniger glänzendes Vermögen und Ansehen, als ein gleicher Erfolg auf dem Lande. Derselbe Unterschied zieht sich durch alle unteren Rangstufen beider Dienste. Nach den Ranglisten steht ein Kapitän in der Flotte einem Obersten in der Armee gleich; aber in der gemeinen Schätzung steht er ihm nicht gleich. Da die großen Gewinne in der Lotterie geringer sind, müssen die kleineren desto zahlreicher sein. Daher gewinnen auch gemeine Matrosen öfter einiges Vermögen und Beförderung, als gemeine Soldaten; und die Hoffnung auf diese Gewinne ist es, was dieses Gewerbe hauptsächlich empfiehlt. Obgleich die Geschicklichkeit und Fertigkeit der gemeinen Matrosen weit größer ist, als die fast jedes Handwerkers, und obgleich ihr ganzes Leben eine fortlaufende Reihe von Mühseligkeiten und Gefahren ist, erhalten sie doch, so lange sie gemeine Matrosen bleiben, für alle diese Geschicklichkeit und Fertigkeit, für alle diese Mühseligkeiten und Gefahren kaum eine andere Belohnung, als das Vergnügen, jene üben und diese überwinden zu können. Ihr Lohn ist nicht größer, als der gemeiner Arbeiter an dem Hafen, in dem der Lohn des Matrosen bedungen wird. Da sie beständig von Hafen zu Hafen gehen, so gleichen die monatlichen Löhne derer, welche aus allen Häfen Großbritanniens absegeln, einander viel mehr als der Lohn anderer Arbeiter an diesen verschiedenen Orten; und der Lohnsatz des Hafenplatzes, von und nach welchem die meisten segeln, d. h. des Hafens von London, bestimmt den Satz für alle übrigen. In London beträgt der Lohn der meisten Arbeiterklassen etwa das Doppelte des Lohns, den sie in Edinburg erhalten. Aber die Matrosen, die aus dem Hafen von London segeln, verdienen selten über drei oder vier Schilling monatlich mehr, als die, welche aus dem Hafen von Leith abfahren, und oft ist der Unterschied <153> nicht einmal so groß. In Friedenszeiten und in der Handelsmarine schwankt der Londoner Preis zwischen einer Guinee und etwa siebenandzwanzig Schilling für den Kalendermonat. Ein gemeiner Arbeiter kann in London, nach dem Satze von neun oder zehn Schilling die Woche, zwischen vierzig und fünfundvierzig Schilling im Kalendermonat verdienen. Freilich erhält der Matrose außer seinem Lohn noch Kost; aber ihr Wert wird wohl nicht immer den Unterschied zwischen seiner Bezahlung und der gemeiner Arbeiter übersteigen, und wenn es mitunter der Fall, ist dieses Mehr doch für den Matrosen kein reiner Gewinn, weil er es nicht mit Weib und Kind teilen kann, die er daheim von seinem Lohne erhalten muß.

Die dem Abenteurerleben so eigenen Gefahren und Errettungen bei eines Haares Breite scheinen, anstatt die jungen Leute zu entmutigen, ihnen vielmehr oft ein Gewerbe reizvoll zu machen. Eine zärtliche Mutter aus den unteren Volksklassen fürchtet oft schon, ihren Sohn in einer Hafenstadt zur Schule zu schicken, aus Besorgnis, daß der Anblick der Schiffe und die Gespräche und Abenteuer der Matrosen ihn zum Seedienst veiiocken mochten. Die entfernte Aussicht auf Gefahren, aus denen wir durch Mut und Gewandtheit uns zu befreien hoffen können, ist uns nicht unangenehm, und steigert den Arbeitslohn in keinem Geschäfte. Anders verhält es sich mit Gefahren, gegen die Mut und Gewandtheit nichts nützen. In Gewerben, die als sehr ungesund bekannt sind, ist der Arbeitslohn immer ziemlich hoch. Ungesundheit ist eine Widerwärtigkeit, und ihr Einfluß auf den Arbeitslohn ist unter diese allgemeine Rubrik einzureihen.

Bei allen Kapitalanlagen schwankt der gewöhnliche Gewinnsatz mehr oder weniger, je nach der Gewißheit oder Ungewißheit des Wiedereingangs. Dieser ist im <154> Allgemeinen im inneren Handel weniger ungewiß als im auswärtigen, und in einigen Zweigen des auswärtigen weniger, als in anderen: so z. B. in dem Handel nach Nordamerika weniger, als in dem nach Jamaika. Der gewöhnliche Gewinnsatz steigt stets mehr oder weniger mit der Gefahr; doch scheint er nicht in genauem Verhältnis mit ihr oder so, daß er sie völlig ausgleicht, zu steigen. Bankerotte sind in den gefährlichsten Handelszweigen am häufigsten. Das gefährlichste aller Gewerbe, das eines Schmugglers , führt, obgleich es im Falle des Gelingens wahrscheinlich das gewinnreichste ist, ganz sicher zum Bankerott. Die vermessene Hoffnung auf Erfolg scheint hier ebenso zu wirken, wie in allen anderen Fällen, und in diese gefährlichen Gewerbe so viele Abenteurer zu verlocken, daß der Wettbewerb ihren Gewinn tiefer drückt, als zur Ausgleichung der Gefahr geschehen dürfte. Um sie vollständig auszugleichen, müßte der gewöhnliche Ertrag außer dem üblichen Kapitalgewinn nicht nur alle zufälligen Einbußen decken, sondern den Abenteurern auch eine Art Versicherungsprämie als Überschuß abwerfen. Wäre der gewöhnliche Ertrag für dies Alles zureichend, so würden Bankerotte in diesem Gewerbe nicht häufiger sein, als in anderen.

Von den fünf Umständen, welche den Arbeitslohn verschieden gestalten, berühren also nur zwei den Kapitalgewinn : nämlich die Annehmlichkeit oder Unannehmlichkeit des Geschäfts und die Gefahr oder Sicherheit, welche mit ihm verbunden ist. Was die Annehmlichkeit oder Unannehmlichkeit betrifft, so ist der Unterschied in dem bei Weitem größeren Teile der Kapitalanlagen gering oder fällt ganz fort, ist aber beträchtlich in den verschiedenen Arbeitszweigen; und wenn der übliche Kapitalgewinn auch mit der Gefahr steigt, so scheint er doch nicht immer genau im Ver <155> hältnis zu ihr zu steigen. Aus allem diesem dürfte folgen, daß in ein und derselben Gesellschaft oder Gegend der Durchschnittssatz des Gewinnes in den verschiedenen Kapitalanlagen eher auf die gleiche Höhe kommen müßte, als der Geldlohn der verschiedenen Sorten von Arbeit.

Weiß der Himmel, woraus das folgt, aber hier ist mit Ausnahme des einleitenden Satzes der erste Satz, der eine Ahnung von Rechtfertigung gibt, dieses Kapitel als die Quelle von Marx' Behauptung zu sehen.

Und so ist es auch. Der Unterschied zwischen dem Verdienst eines gewöhnlichen Arbeiters und dem eines viel beschäftigten Anwalts oder Arztes ist offenbar weit größer, als die Differenz zwischen dem üblichen Kapitalgewinn in zwei verschiedenen Gewerbszweigen. Überdies ist der scheinbare Unterschied in dem Gewinn verschiedener Geschäfte gewöhnlich eine Täuschung, die daraus entspringt, daß man nicht immer das, was als Lohn betrachtet werden sollte, von dem unterscheidet, was als Gewinn zu betrachten ist.

Apothekergewinn ist zum Sprichwort geworden, um etwas besonders Übermässiges zu bezeichnen. Der scheinbar hohe Gewinn ist gleichwohl oft nur ein billiger Arbeitslohn. Die Geschicklichkeit eines Apothekers ist viel eigenerer und zarterer Natur als die eines Handwerkers, welcher es auch sei, und das Vertrauen, welches man auf ihn setzt, ist von weit größerer Wichtigkeit. Er ist der Arzt der Armen in allen Fällen, und der Reichen, wenn das Leiden oder die Gefahr nicht sehr groß ist. Darum muß sein Lohn dieser Geschicklichkeit und diesem Vertrauen angemessen sein, und er ergiebt sich gewöhnlich aus dem Preise, zu dem er seine Waren verkauft. Aber die sämtlichen Waren, die der beschäftigtste Apotheker in einer großen Stadt in einem Jahr verkauft, kosten ihn vielleicht nicht mehr als dreißig oder vierzig Pfund. Verkauft er sie nun auch mit drer oder vierhundert oder tausend Prozent Gewinn, so mag das oft doch nicht mehr sein, als der billige Lohn für seine Arbeit, den er auf nichts anderes schlagen kann, als auf den Preis seiner Waren. <156> Der größere Teil des scheinbaren Gewinnes ist in der Tat Arbeitslohn, in der Maske eines Gewinns.

In einer unbedeutenden Hafenstadt kann ein kleiner Krämer vierzig oder fünfzig Prozent auf ein Kapital von einem einzigen Hundert Pfund gewinnen, während ein bedeutender Großhändler an demselben Platze auf ein Kapital von zehntausend Pfund kaum acht bis zehn Prozent macht. Das Geschäft des Krämers kann für die Bequemlichkeit der Einwohner nötig sein, und die Beschränktheit des Marktes eine größere Kapitalanlage in dem Geschäfte nicht zulassen. Allein der Mann muß nicht nur von seinem Handel leben, sondern auch den Fähigkeiten, die man bei ihm voraussetzt, angemessen leben. Abgesehen davon, daß er ein kleines Kapital nötig hat, muß er auch lesen, schreiben und rechnen können, und vielleicht fünfzig bis sechzig verschiedene Arten von Waren, ihre Preise, ihre Qualität und die Märkte, wo sie am wohlfeilsten zu haben sind, leidlich kennen. Kurz, er muß alle die Kenntnisse besitzen, die einem Großhändler nötig sind, und es hindert ihn nichts als der Manugel eines hinreichenden Kapitals, selbst ein Großhändler zu werden. Dreißig oder vierzig Pfund jährlich können nicht als eine zu große Belohnung für die Arbeit eines solchen Mannes betrachtet werden. Man ziehe dies von dem anscheinend großen Gewinn seines Kapitals ab, und es wird vielleicht kaum mehr übrig bleiben, als der übliche Kapitalgewinn. Auch in diesem Falle ist der größte Teil des scheinbaren Gewinnes wirklicher Arbeitslohn.

Der Unterschied zwischen dem scheinbaren Gewinn des Klein- und des Großhandels ist in der Hauptstadt weit geringer, als in kleinen Städten. Wo zehntausend Pfund im Kramhandel angelegt werden können, macht der Lohn für des Krämers Arbeit nur einen sehr geringen Zusatz zu dem wirklichen Gewinn eines so großen <157> Kapitals aus. Der scheinbare Gewinn des großen Kleinhändlers kommt daher hier dem Gewinn des Großhändlers weit näher. Aus diesem Grunde sind auch Waren, die im Einzelnen verkauft werden, in der Hauptstadt im Allgemeinen ebenso wohlfeil und oft noch wohlfeiler, als in kleinen Städten und Flecken. Materialwaren (grocery goods) z. B. sind im Allgemeinen viel wohlfeiler; Brot und Fleisch oft ebenso wohlfeil. Es kostet nicht mehr, die Materialwaren in eine große Stadt, als in einen Marktflecken zu bringen, aber es kostet viel mehr, Korn und Vieh dahin zu bringen, da dies meistenteils aus einer viel größeren Entfernung herbeigeschafft werden muß. Da der Einkaufspreis der Materialwaren an beiden Orten derselbe ist, so sind sie da am wohlfeilsten, wo der geringste Gewinn darauf geschlagen wird. Der Einkaufspreis von Brot und Fleisch ist in der großen Stadt höher, als in dem Landorte, und obgleich der Gewinn geringer ist, so sind sie dort zwar nicht immer wohlfeiler, aber oft ebenso wohlfeil. Bei solchen Artikeln, wie Brot und Fleisch, erhöht derselbe Grund, der den scheinbaren Gewinn verringert, den Einkaufspreis. Der Umfang des Marktes verringert durch Gestattung größerer Kapitalanlagen den scheinbaren Gewinn; die Notwendigkeit jedoch, ihn aus größerer Entfernung zu versorgen, erhöht den Einkaufspreis. Diese Verringerung des einen und Erhöhung des andern scheint in den meisten Fällen einander ziemlich aufzuwiegen, und dies ist wahrscheinlich der Grund, warum die Brot- und Fleischpreise im größten Teile des Königreiches so ziemlich die nämlichen sind, obgleich die Korn- und Viehpreise in den verschiedenen Teilen des Landes gewöhnlich sehr verschieden sind.

Obgleich der Kapitalgewinn sowohl beim Groß- wie beim Kleinhandel in der Hauptstadt gewöhnlich geringer ist, als in kleinen Städten und Flecken, so wird doch <158> in der ersteren aus kleinen Anfängen oft ein großes Vermögen erworben, was in den letzteren fast nie der Fall ist. In kleinen Städten und Flecken kann wegen der Beschränktheit des Marktes der Handel nicht immer so ausgedehnt werden, wie das Kapital sich vergrößert. Daher kann an solchen Orten, selbst wenn der Gewinnsatz eines Einzelnen sehr hoch ist, doch die Summe des Gewinns und folglich auch des jährlich zurückgelegten Kapitals nie sehr groß sein. In großen Städten kann das Geschäft sich mit dem Kapital vergrößern, und der Kredit eines sparsamen und emporkommenden Mannes wächst noch schneller, als sein Kapital. Sein Geschäft dehnt sich nach Verhältnis beider aus, die Summe seines Gewinns richtet sich nach der Ausdehnung seines Geschäfts, und die Summe des jährlich zurückgelegten Kapitals nach dem Betrage seines Gewinns. Doch werden auch in großen Städten selten in einem regelmäßigen, altbegründeten und wohlbekannten Geschäftszweige große Vermögen erworben, außer durch ein langes Leben voll Fleiß, Sparsamkeit und Rührigkeit. Schnell werden zuweilen an solchen Orten Reichtümer im sogenannten Spekulationshandel erworben. Der Spekulant betreibt keinen regelmässigen, altbegründeten oder wohlbekannten Geschäftszweig. Er ist in dem einen Jahre Kornhändler, im anderen Weinhändler, und im folgenden Zucker-, Tabakoder Teehändler. Er ergreift jedes Geschäft, wenn er erwartet, es werde ungewöhnlich gewinnreich sein, und er gibt es wieder auf, wenn er voraussieht, daß sein Gewinn wahrscheinlich auf das Niveau der anderen Geschäftszweige zurückgeht. Seine Gewinne und Verluste können daher in keinem regelmäßigen Verhältnis zu denen eines soliden und wohlbekannten Geschäftszweiges stehen. Ein kühner Wagehals kann zuweilen durch zwei oder drei glückliche Spekulationen ein bedeutendes Vermögen erwer <159> ben; aber ebenso wahrscheinlich kann er durch zwei oder drei unglückliche es verlieren. Ein solches Geschäft kann nur in großen Städten getrieben worden. Nur an Orten des ausgedehntesten Verkehrs und der vielseitigsten Verbindungen sind die dazu erforderlichen Nachrichten einzuziehen.

Die fünf oben erwähnten Umstände verursachen zwar erhebliche Ungleichheiten im Arbeitslohn und Kapitalgewinn, aber keine in der Gesamtheit der wirklichen oder eingebildeten Vorteile und Nachteile der einen Kapitals- oder Arbeitsverwendung vor der andern. Jene Umstände sind der Art, daß sie in einigen für den kleinen Gewinn schadlos halten und in anderen einen großen aufwiegen.

Damit indeß diese Gleichheit in der Gesamtheit ihrer Vorteile und Nachteile platzgreifen könne, sind selbst da, wo die vollkommenste Freiheit herrscht, drei Dinge nötig. Erstens müssen die Gewerbe in der Umgebung wohlbekannt und altbegründet sein; zweitens müssen sie in ihrem gewöhnlichen oder so zu sagen natürlichen Zustande sein; und drittens müssen sie das einzige oder hauptsächlichste Geschäft derer sein, die sich damit befassen.

Erstens, diese Gleichheit kann nur in solchen Gewerben stattfinden, die in ihrer Umgebung wohlbekannt und seit langer Zeit begründet sind.

Unter sonst gleichen Umständen ist der Arbeitslohn in neuen Gewerben in der Regel höher, als in alten. Wenn ein Unternehmer einen neuen Fabrikzweig einzuführen sucht, muß er zuerst die nötigen Arbeiter durch einen höheren Lohn, als den, den sie in ihrem eigenen Gewerbe verdienen können, oder den sein neues Gewerbe eigentlich bieten kann, aus anderen Geschäften weglocken, und er muß eine geraume Zeit verstreichen lassen, ehe er es wagen darf, sie auf das gewöhnliche Maß herabzusetzen. Manu <160> fakturen, für welche die Nachfrage durchaus von der Mode und Phantasie abhängt, wechseln beständig und dauern selten lange genug, um als altbegründete Manufakturen angesehen werden zu können. Solche hingegen, deren Nachfrage aus dem täglichen Gebrauch und Bedarf entspringt, sind der Veränderung weniger unterworfen, und dieselbe Form und dasselbe Fabrikat kann Jahrhunderte lang gesucht werden. Der Arbeitslohn in Manufakturen der ersteren Art ist daher wahrscheinlich höher, als in denen der letzteren Art. Birmingham hat besonders Manufakturen der ersteren, Sheffield der letzteren Art; und der Arbeitslohn an diesen beiden Orten soll jenem Unterschiede im Wesen ihrer Manufakturen angemessen sein.

Die Einführung einer neuen Manufaktur, eines neuen Handelszweiges oder einer neuen Landwirtschaftsmethode ist immer eine Spekulation, von der sich der Unternehmer außergewöhnliche Gewinne verspricht. Diese Gewinne sind zuweilen sehr groß ; manchmal aber, vielleicht sogar am häufigsten, gerade das Gegenteil davon: aber im Allgemeinen stehen sie zu den Gewinnen anderer alten Geschäfte der Umgegend in keinem regelmäßigen Verhältnis. Gelingt das Unternehmen, so ist der Gewinn im Anfang gewöhnlich sehr hoch. Wird das Gewerbe oder die Praxis aber erst einmal überall eingeführt und wohlbekannt, so führt der Wettbewerb den Gewinn auf das Niveau der übrigen Gewerbe zurück.

Zweitens, jene Gleichheit in der Gesamtheit der Vorteile und Nachteile der verschiedenen Arbeits- und Kapitalanlagen kann nur in ihrem gewöhnlichen, oder so zu sagen natürlichen Zustande platzgreifen.

Die Nachfrage nach fast allen Arten von Arbeit ist einmal größer und ein andermal geringer, als gewöhnlich. In dem einen Falle steigen die Vorteile des Geschäftes über, in dem anderen fallen sie unter das <161> gewöhnliche Maß. Die Nachfrage nach ländlicher Arbeit ist zur Zeit des Mähens und der Ernte größer, als während des übrigen Jahres, und der Lohn steigt mit der Nachfrage. Im Kriege, wo vierzig oder fünfzig tausend Matrosen aus dem Kauffahrteidienst für den Dienst des Königs ausgehoben werden, steigt notwendig die Nachfrage nach Matrosen für die Handelsmarine mit ihrer Seltenheit, und ihr Lohn steigt in solchen Fällen gewöhnlich von einer Guinee und siebenundzwanzig Schilling monatlich bis zu vierzig Schilling und drei Pfund hinauf. In einem verfallenden Gewerbszweige dagegen begnügen sich viele Arbeiter lieber mit einem geringeren Lohn, als er sonst der Natur ihres Geschäfts angemessen wäre, als daß sie ihr altes Gewerbe aufgäben. Der Kapitalgewinn schwankt mit dem Preise der Waren, in denen das Kapital angelegt ist. Steigt der Preis einer Ware über seinen gewöhnlichen oder Durchschnittssatz, so steigt auch der Gewinn wenigstens eines Teils vom Kapital, der im Markttransport Verwendung findet, über sein gehöriges Maß, und fällt der Preis, so sinkt auch der Gewinn darunter. Alle Waren sind Preisveränderungen ausgesetzt, aber die einen mehr, die anderen weniger. Bei allen Waren, welche durch menschlichen Fleiß hervorgebracht werden, wird die Menge des jährlich aufgewendeten Fleißes notwendig durch die jährliche Nachfrage bestimmt, und zwar so, daß das durchschnittliche Jahreserzeugnis dem durchschnittlichen Jahresverbrauch so nahe als möglich kommt. In einigen Gewerben wird, wie bereits bemerkt, mit der nämlichen Arbeitsmenge stets die nämliche oder doch beinahe die nämliche Warenmenge hervorgebracht. So wird in der Leinen- und Wollenmanufaktur eine gleiche Zahl von Händen jährlich so ziemlich die gleiche Menge Leinen- und Wollenzeuge herstellen. Die Veränderungen im Marktpreise solcher Waren können <162> daher nur aus einer zufälligen Veränderung in der Nachfrage entspringen. Eine Landestrauer steigert den Preis der schwarzen Zeuge. Aber wie die Nachfrage nach den meisten Sorten glatter Leinen- und Wollenzeuge sich ziemlich gleich bleibt, so auch ihr Preis. Doch gibt es andere Gewerbe, in denen die gleiche Arbeitsmenge nicht immer die gleiche Warenmenge herstellen wird. So wird dieselbe Arbeitsmenge in verschiedenen Jahren sehr verschiedene Mengen Korn, Wein, Hopfen, Zucker, Tabak u. dgl. hervorbringen. Der Preis solcher Waren ändert sich mithin nicht blos nach den Schwankungen der Nachfrage, sondern auch nach den weit größeren und häufigeren Schwankungen der Menge und ist folglich äußerst veränderlich. Der Gewinn der Händler aber muß notwendig mit dem Preise der Waren schwanken. Die Tätigkeit des Spekulanten wendet sich hauptsächlich solchen Waren zu. Er sucht sie aufzukaufen, wenn er voraussieht, daß ihr Preis wahrscheinlich steigen wird, und zu verkaufen, wenn er zu fallen droht.

Drittens, diese Gleichheit in der Gesamtheit der Vorteile und Nachteile der verschiedenen Arbeits- und Kapitalanlagen kann nur in solchen Gewerben stattfinden, die das einzige oder doch hauptsächlichste Geschäft derer sind, welche sich damit befassen.

Wenn jemand seinen Unterhalt aus einem Geschäft zieht, das nicht seine volle Zeit in Anspruch nimmt, so ist er oft in Stunden der Muße bereit, in einem anderen für einen geringeren Lohn zu arbeiten, als es sonst die Natur des Geschäfts erlauben würde.

In vielen Teilen Schottlands kommen noch eine Art Leute vor. Cotters oder Cottagers (Häusler) genannt, die allerdings vor einigen Jahren noch häufiger waren, als jetzt. Sie sind eine Art außer dem Hause beschäftigter Dienstleute der Grundherren und Pächter. <163> Der übliche Lohn, den sie von ihren Herren empfangen, besteht in einem Hause, einem kleinen Gremüsegarten, Gras, um eine Kuh zu halten, und etwa einem oder zwei Morgen schlechten Ackerlandes. Hat der Herr ihre Arbeit nötig, so gibt er ihnen außerdem noch zwei Peck (etwas mehr als einen Scheffel) Hafermehl die Woche, im Werte von etwa sechzehn Pence. Während eines großen Teils des Jahres hat er wenig oder gar keine Arbeit für sie, und die Bestellung ihrer eigenen kleinen Besitzung ist nicht hinreichend, ihre verfügbare Zeit auszufüllen. Als diese Häusler noch zahlreicher waren, als jetzt, sollen sie ihre erübrigte Zeit gern Jedem für einen geringen Entgelt hingegeben und für weniger Lohn gedient haben, als andere Arbeiter. In alten Zeiten scheinen sie über ganz Europa verbreitet gewesen zu sein. In schlecht kultivierten und spärlich bewohnten Ländern konnten die meisten Gutsbesitzer und Pächter sich die ungewöhnliche Zahl Hände, welche der Landbau zu gewissen Zeiten erheischt, auf keine andere Weise verschaffen. Der Tag- oder Wochenlohn, den solche Arbeiter gelegentlich von ihren Herren erhielten, war offenbar nicht der ganze Preis ihrer Arbeit. Ihre kleine Stelle machte einen beträchtlichen Teil davon aus. Doch scheint dieser Tag- oder Wochenlohn von vielen Schriftstellern, welche die Preise der Arbeit und der Lebensmittel in alten Zeiten gesammelt und beide als wunderbar niedrig darzustellen beliebt haben, als der ganze Lohn angesehen worden zu sein.

Das Produkt solcher Arbeit kommt oft wohlfeiler zu Markt, als es sonst angemessen wäre. Strümpfe werden in vielen Teilen Schottlands weit billiger gestrickt, als sie anderwärts auf dem Stuhl gewirkt werden können. Sie sind die Arbeit von Dienstboten und Arbeitern, die ihren Hauptverdienst aus einer anderen Beschäftigung ziehen. Mehr als tausend Paar <164> Strümpfe werden jährlich von den Shetlandsinseln nach Leith gebracht, deren Preis fünf bis sieben Pence das Paar beträgt. In Learwick, der kleinen Hauptstadt der Shetlandsinseln, sind, wie man mir versichert, zehn Pence täglich der gewöhnliche Preis für gemeine Arbeit. Auf denselben Inseln strickt man wollene Strümpfe zum Werte von einer Guinee das Paar und darüber.

Das Spinnen des Leinengarns wird in Schottland fast ebenso wie das Stricken der Strümpfe von Dienstboten betrieben, die hauptsächlich zu anderen Zwecken gemietet werden. Wer mit dem einen oder anderen dieser Geschäfte seinen ganzen Lebensunterhalt gewinnen wollte, dürfte kaum das liebe Brot verdienen. In den meisten Teilen Schottlands ist die eine gute Spinnerin, die in der Woche zwanzig Pence verdienen kann.

In reichen Ländern ist der Markt in der Regel so ausgedehnt, daß jedes Gewerbe hinreichend ist, die Arbeit und das Kapital derer, welche sich ihm widmen, ganz in Anspruch zu nehmen. Beispiele davon, daß Leute von einem Geschäfte leben und daneben aus einem anderen einen kleinen Gewinn ziehen, kommen hauptsächlich in armen Ländern vor. Folgenden ganz ähnlichen Fall jedoch findet man in der Hauptstadt eines der reichsten Länder. Ich glaube, es gibt keine Stadt in Europa, in welcher der Hauszins teurer wäre als in London, und doch kenne ich keine Hauptstadt, in der ein möbliertes Zimmer so wohlfeil zu mieten ist. Ein Zimmer in London ist nicht nur viel wohlfeiler als in Paris, sondern auch viel wohlfeiler als in Edinburg, und zwar bei derselben Ausstattung, und befremdlicher Weise ist gerade die Höhe des Hauszinses der Grund jener Wohlfeilheit der möbherten Zimmer. Die Höhe des Hauszinses in London rührt nicht nur von den Ursachen her, die ihn in allen großen Hauptstädten teuer machen, -- von der teuren Arbeit, den teuren Baumaterialien, die ge <165> wöhnlich aus weiter Ferne herbeigebracht werden müssen, und vor Allem von der hohen Grundrente, da jeder Grundeigentümer als Monopolist verfährt, und oft für einen einzigen Morgen schlechten Bodens in der Stadt eine höhere Rente fordert, als man für hundert Morgen des besten Bodens auf dem Lande erhalten kann, -- sondern sie entspringt zum Teil aus den besonderen Gebräuchen und Gewohnheiten der Bewohner, wonach jeder Hausvater ein ganzes Haus von oben bis unten mieten muß. Eine »Wohnung« in England heißt so viel, wie Alles, was unter demselben Dache enthalten ist. In Frankreich, Schottland und vielen anderen Teilen Europas bedeutet es oft nicht mehr, als ein einzelnes Stockwerk. Ein Gewerbsmann in London ist genötigt, in dem Stadtteile, in dem seine Kunden wohnen, ein ganzes Haus zu mieten. Sein Laden ist zur ebenen Erde; er selbst aber schläft mit seiner Familie unter dem Dache, und sucht einen Teil seines Hauszinses dadurch zu bezahlen, daß er die beiden mittleren Stockwerke an Aftermieter abläßt. Den Unterhalt seiner Familie hofft er durch sein Gewerbe, nicht durch seine Mieter zu bestreiten, wohingegen Leute, welche in Paris und Edinburg Zimmer vermieten, gewöhnlich keine anderen Unterhaltsmittel haben, und der Preis der Zimmer nicht nur den Hauszins, sondern die ganzen Ausgaben der Familie bestreiten muß.

Zweite Abteilung. Ungleichheiten, welche durch die europäische Wirtschaftspolitik veranlaßt sind.

Dies sind die in der Gesamtheit der Vorteile und Nachteile bei den verschiedenen Arbeits- und Kapitalanlagen vorkommenden Ungleichheiten, welche die Ab <166> wesenheit eines der drei oben erwähnten Erfordernisse auch da veranlaßt, wo die vollkommenste Freiheit herrscht. Aber andere viel bedeutendere Ungleichheiten veranlaßt die europäische Wirtschaftspolitik dadurch, daß sie den Dingen nicht ihre volle Freiheit läßt.

Dies geschieht vornehmlich auf dreierlei Weise. Erstens dadurch, daß in gewissen Gewerben die Konkurrenz auf eine geringere Anzahl von Mitwerbern beschränkt wird, als sich sonst damit befassen würden; zweitens dadurch, daß in anderen die Mitwerber über das natürliche Maß vermehrt werden und drittens dadurch, daß die freie Bewegung von Arbeit und Kapital, sowohl von Grewerbe zu Gewerbe, als von Ort zu Ort gehemmt wird.

Erstens, die europäische Wirtschaftspolitik veranlaßt eine sehr bedeutende Ungleichheit in der Gesamtheit der Vorteile und Nachteile bei den verschiedenen Arbeitsund Kapitalanlagen dadurch, daß sie in gewissen Gewerben die Konkurrenz auf eine geringere Anzahl von Mitwerbern beschränkt, als sich sonst damit befassen würden.

Die ausschließlichen Zunftprivilegien sind das hauptsächlichste Mittel, dessen sie sich zu diesem Zwecke bedient.

Das ausschließliche Privilegium eines zünftigen Gewerbes schränkt notwendig in der Stadt, in der es betrieben wird, den Wettbewerb auf diejenigen ein, die zur Zunft gehören. Das notwendige Erfordernis zur Erlangung des Zunftrechts besteht gewöhnlich darin, daß man in der Stadt unter einem gehörig qualifizierten Meister gelernt hat. Die Zunftordnungen bestimmen öfters die Zahl der Lehrlinge, welche einem Meister zu halten gestattet ist, und fast immer die Zahl der Jahre, die ein Lehrling dienen muß. Die Absicht dieser beiden Bestimmungen geht dahin, die Konkur <167> renz auf eine geringere Anzahl einzuschränken, als sich sonst auf das Geschäft einlassen würden. Die Beschränkung der Zahl der Lehrlinge beschränkt den Wettbewerb direkt; eine lange Lehrzeit tut es mehr indirekt, aber ebenso wirksam durch die vermehrten Kosten der Ausbildung.

In Sheffield kann zufolge eines Ortsstatuts der Zunft kein Messerschmidt zu gleicher Zeit mehr als einen Lehrling halten. In Norfolk und Norwich kann kein Webermeister, bei Strafe von fünf Pfund monatlich, mehr als zwei Lehrlinge haben. In ganz England und den englischen Kolonien darf ein Hutmacher nicht mehr als zwei Lehrlinge haben, bei Strafe von fünf Pfund monatlich, die halb dem Fiskus und halb dem Angeber zufallen. Diese beiden Bestimmungen sind, obgleich sie durch ein allgemeines Staatsgesetz bestätigt sind, offenbar von demselben Zunftgeiste diktiert, der die Sheffielder Verordnung eingegeben hat. Kaum waren die Seidenwirker in London ein Jahr lang eine Zunft, als sie auch schon eine Verordnung erließen, die jedem Meister untersagte, mehr als zwei Lehrlinge zu gleicher Zeit zu haben. Es bedurfte einer eigenen Parlamentsakte, um dieses Ortsstatut umzustoßen.

In früherer Zeit scheinen sieben Jahre in ganz Europa der übliche Zeitraum gewesen zu sein, der für die Dauer der Lehrjahre in den meisten zünftigen Gewerben festgesetzt war. Alle diese Zünfte wurden früher Universitäten genannt, was in der Tat der eigentliche lateinische Name für jede Körperschaft ist. Die Universität der Schmiede, die Universität der Schneider u.s.w., sind Ausdrücke, denen man in den vergilbten Dokumenten alter Städte oft begegnet. Als jene besonderen Korporationen, die man noch jetzt Universitäten nennt, gegründet wurden, hat man augenscheinlich die Anzahl der Jahre, die man studieren mußte, um den Grad eines Magisters der freien Künste <168> zu erlangen, von den Feststellungen der Lehrzeit in den gewöhnlichen Gewerben, deren Vereinigungen viel älter waren, kopiert. Wie man sieben Jahre unter einem gehörig qualifizierten Meister gearbeitet haben mußte, wenn man in einem gewöhnlichen Gewerbe die Berechtigung, Meister zu werden und selber Lehrlinge zu halten erwerben wollte, so mußte man auch sieben Jahre unter einem gehörig qualifizierton Meister studiert haben, um das Recht zu erwerben, in den freien Künsten Magister, Lehrer oder Doktor (früherhin gleichbedeutende Wörter) zu werden, und Schüler oder Lehrlinge (ursprünglich ebenfalls gleichbedeutende Ausdrücke) zu haben, die unter dem Meister studierten.

Durch ein Statut aus dem fünften Jahre Elisabeths, gewöhnlich das Lehrzeitstatut genannt, wurde bestimmt, daß in Zukunft Niemand ein zu jener Zeit in England betriebenes Handwerk, Gewerbe oder Geschäft treiben sollte, wenn er nicht zuvor darin wenigstens sieben Lehrjahre bestanden hätte; und was früher bloßes Ortsstatut einzelner Zünfte gewesen war, wurde nun in England allgemeines Staatsgesetz für alle in Marktstädten betriebenen Geschäfte. Die Worte des Statuts lauten zwar ganz allgemein, und scheinen das ganze Königreich zu umfassen, doch ist seine Wirkung durch Auslegung auf die Marktstädte beschränkt worden, weil man dafür hielt, daß auf dem Lande dieselbe Person verschiedene Gewerbe müsse treiben können, auch ohne in jedem sieben Jahre gelernt zu haben, da Handwerker für den Bedarf der Einwohner nötig, und diese doch nicht immer zahlreich genug sind, um einen Mann, der nur sein Handwerk betreibt, zu ernähren.

Ferner ist durch eine strenge Auslegung der Worte die Wirkung dieses Statuts auf die Gewerbe beschränkt worden, welche in England vor dem fünften Regierungsjahre Elisabeths bestanden haben, und niemals auf solche <169> ausgedehnt worden, die seit jener Zeit erst eingeführt worden sind. Diese Beschränkung hat zu einigen Unterscheidungen Anlaß gegeben, die als Maßregeln der Wirtschaftspolitik betrachtet, so töricht als möglich erscheinen. So ist z. B. entschieden worden, daß ein Wagner seine Wagenräder weder selbst machen, noch durch Gesellen machen lassen darf, sondern sie von einem Radmachermeister kaufen muß , weil letzteres Handwerk schon vor dem fünften liegierungsjahre Elisabeths existiert hat. Dagegen kann ein Radmacher, wenn er auch niemals bei einem Wagner in der Lehre gewesen ist, selbst Wagen machen oder von Gesellen machen lassen, weil das Gewerbe eines Wagners in dem Statut nicht inbegriffen ist, da es in England zur Zeit, als jenes erlassen worden ist, noch nicht bestanden hat. Viele Gewerbe zu Manchester, Birmingham und Wolverhampton sind dem Statut ebenfalls nicht unterworfen, weil sie vor dem fünften Regierungsjahre Elisabeths in England nicht betrieben worden sind.

In Frankreich ist die Dauer der Lehrjahre in verschiedenen Städten und Gewerben verschieden. In Paris sind bei vielen fünf Jahre der vorgeschriebene Zeitraum; ehe Jemand jedoch das Recht erhält, das Gewerbe als Meister zu treiben, muß er in vielen Gewerben noch fünf Jahre als Gehilfe gearbeitet haben. In dieser Zeit heißt er der Geselle (companion) seines Meisters, und die Zeit selbst heißt seine Gesellenschaft (companionship).

In Schottland gibt es kein allgemeines Gesetz, das die Dauer der Lehrjahre überhaupt bestimmte; die Zeit ist in den einzelnen Zünften verschieden. Wo sie lang ist, kann in der Regel ein Teil von ihr durch eine kleine Geldsumme abgelöst werden. Auch ist in den meisten Städten eine sehr mäßige Summe hinreichend, um die Zunftgerechtigkeit zu erkaufen. Die Weber von leinenen und hänfenen Zeugen -- das Hauptgewerbe <170> des Landes -- sowie alle die für sie beschäftigten Handwerker, wie die Verfertiger der Spinnräder, Haspeln usw., können ihr Gewerbe in jeder korporierten Stadt treiben, ohne etwas dafür zu zahlen. In allen korporierten Städten steht es Jedermann frei, an einem vom Gesetz bestimmten Wochentage Fleisch zu verkaufen. Drei Jahre sind in Schottland die gewöhnliche Zeit der Lehrjahre selbst in manchen recht schwierigen Gewerben ; und im Allgemeinen kenne ich kein Land in Europa, in dem die Zunftgesetze so wenig drückend wären.

Wie das Eigentum, das Jeder an seiner Arbeit hat, die ursprüngliche Grundlage alles anderen Eigentums ist, so ist es auch die heiligste und unverletzlichste. Das Erbteil eines armen Mannes liegt in der Kraft und Geschicklichkeit seiner Hände: ihn zu hindern, diese Kraft und Geschicklichkeit so anzuwenden, wie er es passend findet, ohne dadurch seinen Nächsten zu schädigen, ist eine klare Verletzung dieses heiligsten Eigentums. Es ist ein offenbarer Eingriff in die rechtmäßige Freiheit sowohl des Arbeiters, wie derer, die ihn beschäftigen wollen. Wie es den Einen hindert, das zu arbeiten, wozu er sich am geschicktesten weiß, so hindert es die Anderen, Solche zu beschäftigen, die ihnen geeignet erscheinen. Das Urteil darüber, ob Jemand sich für die Arbeit eignet, kann sicherlich den Arbeitgebern überlassen werden, deren Interesse es so nahe angeht. Die erheuchelte Ängstlichkeit des Gesetzgebers, sie könnten einen ungeeigneten Menschen beschäftigen, ist offenbar ebenso ungehörig wie lästig.

Smith ahnt nicht, wie recht er damit hat, die Arbeit mit einem heiligen Eigentumsrecht in Verbindung zu setzen (nicht wahr, er selbst sagt, dass der volle Arbeitertrag im Urzustand dem arbeiter gehört, quelle). Allerdings hat das nichts mit der Abschaffung der Zunftgesetze zu tun, sondern mit dem primären Eigentum des Arbeiters, das ihm vor Jahrtausenden geraubt worden ist und dass er bis heute noch nicht wiederbekommen hat.

Die Anordnung einer langen Lehrzeit kann keine Sicherheit gewähren, daß nicht oft mangelhafte Arbeit zum Verkauf komme. Wenn dies geschieht, so ist gewöhnlich Betrug und nicht Ungeschicklichkeit daran Schuld ; gegen Betrug aber kann auch die längste Lehrzeit keinen Schutz bieten. Zur Abstellung dieses Miß <171> brauchs sind ganz andere Vorkehrungen erforderlich. Die Marke auf Geschirr von Gold und Silber und die Stempel auf Leinen- und Wollenzeug geben dem Käufer eine weit größere Sicherheit, als irgend ein Lehrlingsstatut. Auf jene sieht er in der Regel, aber niemals hält er es der Mühe wert, zu untersuchen, ob der Arbeiter eine siebenjährige Lehrzeit bestanden habe.

Die Anordnung einer langen Lehrzeit hat nicht den Erfolg, die jungen Leute an Fleiß zu gewöhnen. Ein Geselle, der nach dem Stück arbeitet, wird wahrscheinlich fleißig sein, weil er von seinem Fleiße Vorteil hat; ein Lehrling wird voraussichtlich faul sein, und ist es fast immer, weil er kein unmittelbares Interesse hat fleißig zu sein. In den niedrigeren Geschäften besteht der Reiz der Arbeit durchaus nur in ihrem Lohn. Wer am frühesten in der Lage ist, die Früchte der Arbeit zu genießen, wird auch am schnellsten Geschmack daran finden und sich frühzeitig an Fleiß gewöhnen. Ein junger Mensch faßt natürlich eine Art Abneigung gegen die Arbeit, wenn er lange Zeit keinen Gewinn aus ihr zieht. Die Knaben, welche auf Kosten der öffentlichen Armenpflege in die Lehre gegeben werden, müssen in der Regel eine längere Reihe von Jahren, als sonst üblich, darin bleiben, und werden gewöhnlich Faullenzer und Taugenichtse.

Bei den Alten war das Lehrlingswesen ganz unbekannt. Dagegen machen die gegenseitigen Pflichten des Meisters (master) und Lehrlings (apprentice) in jedem modernen Gesetzbuch einen starken Artikel aus. Das römische Recht schweigt darüber gänzlich, und ich kenne kein griechisches oder lateinisches Wort, und ich darf wohl behaupten, es gibt keines, welches den Begriff ausdrückt, den wir heute mit dem Worte Lehrling verbinden, nämlich einen Dienenden, der in einem bestimmten Gewerbe eine Reihe von Jahren hindurch zum Vorteil eines <172> Meisters zu arbeiten verpflichtet ist unter der Bedingung, daß der Meister ihn dies Gewerbe lehrt.

Eine lange Lehrzeit ist durchaus unnötig. Künste, die weit höher stehen, als gewöhnliche Handwerke, wie z. B. die Uhrmacherkunst, enthalten keine Geheimnisse, die einen langen Unterrichtskursus erforderten. Die erste Erfindung so schöner Maschinen, und auch die Erfindung einiger zu ihrer Verfertigung nötigen Werkzeuge mußte allerdings das Ergebnis eines tiefen Nachdenkens und langer Zeit sein, und kann mit Recht zu den glücklichsten Früchten des menschlichen Geistes gezählt werden. Aber nachdem sie einmal erfunden und vollkommen bekannt sind, kann es kaum den Unterricht einiger Wochen erfordern, einen jungen Menschen mit der Handhabung der Werkzeuge und dem Bau der Maschinen vertraut zu machen. Vielleicht reichen schon ein paar Tage dazu hin, und in den gewöhnlichen Handwerken ist dies sicher der Fall. Die Fertigkeit der Hand kann allerdings selbst in gewöhnlichen Handwerken nicht ohne viele Übung und Erfahrung erworben werden. Aber ein junger Mensch würde viel fleißiger und aufmerksamer sein, wenn er von Anfang an als Geselle arbeitete und nach Verhältnis seiner geringen Leistungen bezahlt würde, seinerseits aber die Rohstoffe bezahlte, die er etwa aus Ungeschicklickeit und Unerfahrenheit zuweilen verdirbt. Seine Ausbildung würde auf diese Weise gewöhnlich erfolgreicher und stets weniger langwierig und kostspielig sein. Der Meister würde dabei allerdings verlieren. Er würde den Lohn des Lehrlings, den er jetzt spart, volle sieben Jahre hindurch verlieren. Am Ende wäre vielleicht auch der Lehrbursche selbst im Verluste: denn er würde in einem so leicht erlernten Gewerbe mehr Konkurrenten haben, und sein Lohn würde, sobald er ein ausgelernter Handwerker geworden, viel geringer sein, als jetzt. Dieselbe <173> Zunahme des Wettbewerbs würde ebenso den Gewinn der Meister wie den Lohn der Arbeiter vermindern. Die Geschäfte, die Gewerbe, die Geheimnisse würden alle dabei verlieren. Aber das Publikum würde dabei gewinnen, da alle Handwerkserzeugnisse viel wohlfeiler zu Markte kämen.

Gerade um dieses Sinken des Preises und folgeweise des Lohnes und Gewinnes durch Hemmung der freien Konkurrenz, die zu einem solchen führen würde, zu verhindern, sind alle Zünfte und die meisten Zunftgesetze eingeführt worden. Zur Errichtung einer Zunft bedurfte es in früheren Zeiten an vielen Orten Europas keiner anderen Genehmigung, als der der korporierten Stadt, in welcher sie eingeführt wurde. In England war zwar auch ein Privilegium des Königs nötig; aber dieses Vorrecht der Krone scheint mehr den Zweck gehabt zu haben, Geld von dem Untertanen zu erpressen, als die allgemeine Freiheit gegen drückende Monopole zu schützen. Wenn dem Könige eine Geldsumme gezahlt wurde, scheint das Privilegium in der Regel gern bewilligt worden zu sein, und wenn eine Klasse von Gewerbsleuten es für angemessen hielt, ohne ein Privilegium als Zunft aufzutreten, so wurden solche unächte Gilden, wie man sie nannte, nicht immer ihrer Vorrechte beraubt, sondern nur genötigt, für die Erlaubnis, ihre ursurpierten Rechte auszuüben, jährlich eine Geldsumme an den König zu entrichten. Die unmittelbare Aufsicht über alle Zünfte und über die Ortsstatuten, welche sie behufs ihrer Verwaltung zu erlassen für gut fanden, hatte die korporierte Stadt, in der sie sich befanden, zu führen; und die Disziplin, in der sie gehalten wurden, ging in der Regel nicht von der Regierung, sondern von der größeren Körperschaft aus, deren untergeordnete Teile oder Glieder sie waren. Die Regierung der korporierten Städte war durch <174> aus in den Händen der Geschäftsleute und Handwerker, und es lag offenbar im Interesse jeder Klasse, zu verhindern, daß der Markt, wie sie sich auszudrücken pflegten, mit den Produkten ihres besonderen Gewerbszweiges überführt wurde, was in Wirklichkeit nichts Anderes heißt, als daß er niemals vollständig versorgt wurde. Jede Klasse war beeifert, zu diesem Zweck geeignete Verordnungen zu erlassen, und war, was ihr erlaubt wurde, gern bereit, auch den andern Klassen zu gestatten. Durch solche Verordnungen wurde freilich jede Klasse gezwungen, die Waren, die sie brauchte, von einer anderen Klasse in der Stadt etwas teurer zu kaufen, als es sonst nötig gewesen wäre. Zum Ersatz konnte sie aber auch die ihrigen um so viel teurer verkaufen, so daß es, wie man zu sagen pflegt, so lang wie breit war, und in dem Handel der verschiedenen Klassen innerhalb der Stadt keine durch jene Verordnungen Etwas verlor. Aus dem Verkehr mit dem Lande dagegen zogen sie großen Gewinn, und in diesem Verkehr besteht das ganze Geschäft, das jede Stadt aufrecht erhält und bereichert.

Jede Stadt bezieht ihren ganzen Unterhalt und alle Rohstoffe für ihren Gewerbfleiß von dem Lande. Sie bezahlt dafür besonders auf zweierlei Art: erstens dadurch, daß sie einen Teil dieser Rohstoffe verarbeitet und nach dem Lande zurückschickt, in welchem Falle ihr Preis durch den Lohn der Arbeiter und den Gewinn ihrer Meister oder unmittelbaren Arbeitgeber vermehrt wird, und zweitens dadurch, daß sie einen Teil sowohl der rohen wie der verarbeiteten Produkte anderer Länder oder entfernter Gegenden desselben Landes in die Stadt einführt und wieder nach dem platten Lande ausführt, in welchem Falle gleichfalls der ursprüngliche Preis dieser Güter um den Lohn der Fuhrleute oder Schiffer, und um den Gewinn der Kaufleute, die letztere <175> beschäftigen, erhöht wird. In den Gewinnen aus dem ersteren dieser Handelszweige besteht der Vorteil, den die Stadt von ihren Gewerben hat, und in den Gewinnen aus dem letzteren besteht der Vorteil des in- und ausländischen Handels. Der Lohn der Arbeiter und der Gewinn der verschiedenen Arbeitgeber ist Alles, was in beiden Fällen gewonnen wird. Daher dienen alle Verordnungen, welche diesen Lohn und diesen Gewinn über ihren sonstigen Stand zu erhöhen bezwecken, nur dazu, daß die Stadt mit weniger Arbeit das Produkt einer größeren Arbeit des platten Landes kaufen kann. Sie geben den Geschäftsleuten und Handwerkern der Stadt ein Übergewicht über die Gutsbesitzer, Pächter und Arbeiter des platten Landes, und heben die natürliche Gleichheit auf, welche sonst in dem zwischen ihnen stattfindenden Verkehr Platz greifen würde. Das ganze Jahresprodukt der Arbeit der Gesellschaft verteilt sich jährlich unter diese beiden Klassen der Bevölkerung, und durch jene Verordnungen erhalten die Städter einen größeren und die Landbewohner einen kleineren Anteil, als er ihnen sonst zufallen würde.

Der Preis, den die Stadt für die Jahr für Jahr eingeführten Lebensmittel und Rohstoffe wirklich bezahlt, besteht in der Menge der Industrieerzeugnisse und anderen Waren, die jährlich von ihr ausgeführt wird. Je teurer die letzteren verkauft werden, desto wohlfeiler werden die ersteren gekauft, und der städtische Gewerbfleiß wird desto gewinnbringender, je weniger es der ländliche ist.

Woher kommt das Wohkstandsgefälle zwischen Stadt und Land?

Daß der städtische Gewerbfleiß in ganz Europa einträglicher ist, als der ländliche, davon kann man sich, ohne auf sehr genaue Berechnungen einzugehen, leicht durch eine einfache, in die Augen fallende Beobachtung überzeugen. In jedem Lande Europas findet man wenigstens hundert Leute, die in Handel und Ge <176> werbe, den eigentlich städtischen Beschäftigungen, klein angefangen haben und dabei reich geworden sind, gegen einen, der durch Landwirtschaft, d. h. Vermehrung der Rohprodukte durch Verbesserung und Kultur des Bodens dazu gelangte. Es muß also in dem einen Falle offenbar der Fleiß besser belohnt und der Arbeitslohn und Kapitalgewinn größer sein, als in dem anderen. Da aber Kapital und Arbeit naturgemäß die einträglichste Beschäftigung suchen, so ziehen sie sich so viel als möglich nach der Stadt, und verlassen das Land.

Die Städter können vermöge ihres nahen Beisammenwohnens sich leicht mit einander vereinbaren. Selbst die unbedeutendsten Gewerbe sind daher hier oder dort zu Zünften zusammengetreten, und wo sie keine Zunft bildeten, war doch der Zunftgeist, die Eifersucht gegen Fremde, die Abneigung, Lehrlinge anzunehmen, oder ihr Gewerbsgeheimnis mitzuteilen, im Allgemeinen unter ihnen stark, und lehrte sie oft, durch freiwillige Verbindungen und Übereinkünfte den freien Wettbewerb, den sie nicht durch Verordnungen verbieten konnten, zu hemmen. Gewerbe, die nur wenige Hände beschäftigen, treffen solche Verabredungen am leichtesten. Ein halbes Dutzend Wollkämmer reicht wohl hin, um tausend Spinnern und Webern das Material zu liefern. Wenn sie übereinkommen, keine Lehrlinge zu nehmen, so können sie nicht nur das ganze Geschäft an sich reißen, sondern auch die gesamte Manufaktur in eine Art von sklavischer Abhängigkeit bringen, und den Preis ihrer Arbeit weit höher treiben, als er ihrer Natur nach wäre.

Die Bewohner des platten Landes können in ihrer Zerstreuung über verschiedene Orte nicht leicht derartige Vereinigungen zu Stande bringen. Sie haben nicht nur niemals eine Zunft gebildet, sondern der Zunftgeist ist auch niemals unter ihnen herrschend geworden. Nie hat man Lehrjahre zur Erlernung der Landwirtschaft, des <177> großen ländlichen Gewerbes, für nötig gehalten. Und doch gibt es nächst den schönen Künsten und freien Berufsarten vielleicht kein Gewerbe, das eine solche Mannigfaltigkeit von Kenntnissen und Erfahrungen voraussetzt. Die zahllosen Bücher, die darüber in allen Sprachen geschrieben worden sind, können uns den Beweis liefern, daß die Landwirtschaft unter den weisesten und unterrichtetsten Nationen niemals für eine ganz leicht zu begreifende Sache gehalten worden ist. Und in allen diesen Büchern würde man vergebens jene Kenntnis der mancherlei zusammengesetzten Handgriffe suchen, die jeder gewöhnliche Landmann zu besitzen pflegt, so affektiert hochmütig auch die verächtlichen Verfasser einiger dieser Bücher von ihnen sprechen. Dagegen gibt es kaum irgend ein gewöhnliches Handwerk, dessen Fertigkeiten sich nicht in einem Büchlein von wenigen Seiten so vollständig und deutlich darstellen ließen, als es durch Wort und Zeichnung überhaupt möglich ist. In der Geschichte der Gewerbe (Histoire des Arts et Métiers), welche jetzt von der französischen Akademie der Wissenschaften herausgegeben ward, sind einige von ihnen auf diese Art beschrieben worden. Überdies erfordert die Leitung derjenigen Tätigkeiten, die sich nach jedem Wetterwechsel und an deren Zufällen richten müssen, viel mehr Urteil und Vorsichtigkeit, als bei immer ganz oder beinahe gleichbleibenden Handlungen erforderlich ist. Aber nicht nur die Kunst des Landwirts: die allgemeine Leitung der landwirtschaftlichen Operationen, sondern auch viele untergeordnete Zweige der ländlichen Arbeit erfordern viel mehr Geschicklichkeit und Erfahrung, als die meisten Handwerke. Der Mann, der Messing und Eisen bearbeitet, arbeitet mit Werkzeugen und Rohstoffen, deren Beschaffenheit sich immer völlig oder beinahe gleichbleibt. Der Mann dagegen, der den Boden mit einem Gespann Pferden oder Ochsen pflügt, <178> arbeitet mit Werkzeugen, deren Gesundheit, Kraft und Temperament in verschiedenen Fällen sehr verschieden sind. Die Beschaffenheit der Stoffe, die er bearbeitet, ist eben so verschieden, wie es seine Werkzeuge sind, und beide müssen mit vielem Urteil und großer Vorsicht behandelt werden. Der gewöhnliche Bauer, der in der Regel als ein Muster von Einfalt und Dummheit angesehen wird, ermangelt dieses Urteils und dieser Vorsicht nur selten. Allerdings ist er weniger an geselligen Umgang gewöhnt, als der in der Stadt lebende Handwerker: seine Stimme und Sprache ist rauher und für den, der nicht daran gewöhnt ist, schwerer zu verstehen; aber sein Verstand, der sich täglich mit einer größeren Mannigfaltigkeit von Gegenständen beschäftigen muß, ist in der Regel dem der Anderen, deren ganze Aufmerksamkeit vom Morgen bis zum Abend an eine oder zwei höchst einfache Verrichtungen gefesselt ist, weit überlegen. Wie sehr in der Tat die niederen Volksklassen auf dem Lande denen in der Stadt überlegen sind, weiß Jeder, der durch Geschäfte oder Neugierde veranlaßt war, viel mit beiden zu verkehren. Darum sollen auch in China und Hindostan der Rang und die Löhne der Landleute höher sein, als die der meisten Handwerker. Verhinderten dies nicht die Zunftgesetze und der Zunftgeist, so wäre es wahrscheinlich aller Orten so.

Die Überlegenheit, welche der städtische Gewerbfleiß in ganz Europa über den ländlichen behauptet, hat freilich ihren Grund nicht ausschließlich in den Zünften und Zunftgesetzen; sie wird auch durch andere Maßregeln aufrecht erhalten. Die hohen Steuern auf fremde Industrieerzeugnisse und alle von auswärtigen Kaufleuten eingeführten Waren haben denselben Zweck. Die Zunftgesetze ermöglichen es den Städtern, ihre Preise zu erhöhen, ohne befürchten zu müssen, durch die freie Konkurrenz ihrer eignen <179> Landsleutebedrängt zu werden; jene andern Maßregeln sichern sie gleicher Weise gegen die Konkurrenz der Fremden. Diese doppelte Preiserhöhung muß am Ende von den Gutsbesitzern, Pächtern und Bauern bezahlt werden, die sich selten der Errichtung solcher Monopole widersetzt haben. Sie haben gewöhnlich weder Neigung noch Geschick, Vereinigungen zu bilden und lassen sich leicht durch das Geschrei und die Sophisterei der Kaufleute und Gewerbetreibenden überreden, daß das Privatinteresse eines Teils, und noch dazu eines untergeordneten Teils der Gesellschaft, das allgemeine Interesse des Ganzen sei.

In Großbritannien scheint die Überlegenheit des städtischen Gewerbfleißes über den ländlichen früher viel größer gewesen zu sein, als jetzt. Der Lohn der ländlichen Arbeit kommt jetzt dem der gewerblichen, und der Gewinn der auf den Landbau verwendeten Kapitalien dem in Gewerben angelegten näher, als es im vorigen Jahrhundert, oder im Anfang des gegenwärtigen der Fall gewesen sein soll. Dieser Umschwung kann als die notwendige, wenn auch sehr späte Folge des außerordentlichen Sporns angesehen werden, den man der städtischen Industrie zu Teil werden ließ. Das in den Städten aufgehäufte Kapital wird mit der Zeit so groß, daß es sich nicht länger mit dem alten Gewinn in den eigentlich städtischen Industriezweigen anlegen läßt. Der städtische Gewerbfleiß hat wie alles andere seine Grenzen, und das Anwachsen der Kapitalien steigert den Mitbewerb und ermäßigt dadurch notwendig den Gewinn. Das Sinken des Gewinnes in der Stadt treibt das Kapital aufs Land hinaus, wo es eine neue Nachfrage nach ländlicher Arbeit hervorruft und dadurch notwendig ihren Lohn erhöht. Dann verstreut es sich so zu sagen über das flache Land und wird durch seine Anlegung im Ackerbau dem Lande, auf dessen Kosten <180> es sich ursprünglich in der Stadt bedeutend angesammelt hatte, zum Teil wieder erstattet. Daß überall in Europa die größten Verbesserungen des Landes solchen Ergießungen des ursprünglich in den Städten aufgehäuften Kapitals beizumessen sind, werde ich später zeigen, und ich werde dann auch dartun, daß, obschon einige Länder auf diesem Wege einen hohen Grad von Reichtum erlangt haben, dieser Weg selbst doch notwendig langsam, ungewiß, unzähligen störenden und unterbrechenden Zufällen ausgesetzt und der natürlichen und vernünftigen Ordnung in jeder Beziehung entgegengesetzt ist. Die Interessen, Vorurteile, Gesetze und Gewohnheiten, die dazu Veranlassung geben, werde ich im dritten und vierten Buche dieser Untersuchung, so vollständig und klar ich es vermag, auseinandersetzen.

Leute desselben Gewerbes kommen, selbst auch nur zur Erholung und zum Vergnügen selten zusammen, ohne daß ihre Unterhaltung mit einer Verschwörung gegen das Publikum oder einem Plane zur Erhöhung der Preise endigt. Es ist allerdings nicht möglich, solchen Zusammenkünften durch ein Gesetz vorzubeugen, das ausführbar oder mit Freiheit und Gerechtigkeit verträglich wäre. Wenn aber das Gesetz Leute desselben Gewerbes nicht hindern kann, zuweilen zusammenzukommen, so sollte es wenigstens Nichts tun, diese Zusammenkünfte zu erleichtern, geschweige denn, sie zu fordern.

Eine Verordnung, welche alle Angehörigen desselben Gewerbes in einer Stadt verpflichtet, ihre Namen und Wohnungen in ein öffentliches Registereintragen zu lassen, erleichtert jene Zusammenkünfte. Sie bringt Individuen in Berührung mit einander, die ohne dies vielleicht niemals mit einander bekannt geworden wären, und gibt jedem die Richtung an, wo er seinesgleichen finden kann. <181>

Eine Verordnung, die die Angehörigen eines Gewerbes ermächtigt, sich selbst Steuern aufzulegen, um für ihre Armen, Kranken, Witwen und Waisen zu sorgen, zeitigt ein gemeinsames Interesse an der Verwaltung und macht dadurch jene Zusammenkünfte erforderlich.

Eine Zunft aber macht sie nicht allein notwendig, sondern gibt auch den Beschlüssen der Mehrheit eine bindende Kraft für das Ganze. In einem freien Gewerbe kann eine wirksame Verbindung nur durch die einmütige Zustimmung aller einzelnen Gewerbtreibenden zustande kommen, und kann nicht länger dauern, als Alle eines Sinnes bleiben. Die Mehrheit einer Zunft aber kann Statuten mit Strafandrohungen begleiten, wodurch die Konkurrenz wirksamer und dauernder eingeschränkt wird, als durch irgend eine freiwillige Verbindung.

Das Vorgeben, daß Zünfte zur besseren Leitung des Gewerbes notwendig seien, entbehrt aller Begründung. Die wahre und wirksame Aufsicht, die über einen Arbeiter geführt wird, geht nicht von seiner Zunft, sondern von seinen Kunden aus. Die Furcht, seine Arbeit zu verlieren, hält ihn vom Betruge ab, und zügelt seine Nachlässigkeit. Ein Zunftmonopol schwächt notwendig die Kraft dieser Aufsicht. Eine bestimmte Klasse von Arbeitern muß dann beschäftigt werden, mögen sie ihre Sache gut oder schlecht machen. Dies ist der Grund, warum in mancher großen korporierten Stadt selbst in den notwendigsten Gewerbszweigen keine erträglichen Arbeiter aufzutreiben sind. Will man eine Arbeit ordentlich ausgeführt sehen, so muß man sie in den Vorstädten machen lassen, wo die Arbeiter kein ausschliessliches Privilegium haben, sondern nur auf ihren Ruf angewiesen sind, und man muß sie dann, so gut es geht, in die Stadt einschmuggeln.

Auf diese Weise führt die europäische Wirtschaftspolitik durch die Einschränkung der Konkurrenz auf <182> eine geringere Zahl von Mitwerbern, als sich sonst einzustellen geneigt finden würde, zu einer sehr bedeutenden Ungleichheit in der Gesamtheit der Vorteile und Nachteile bei den verschiedenen Arbeits- und Kapitalsanlagen.

Zweitens, die europäische Wirtschaftspolitik bringt durch Steigerung der Konkurrenz in einigen Geschäften über ihr natürliches Maß, eine andere gerade entgegengesetzte Ungleichheit in der Gesamtheit der Vorteile und Nachteile bei den verschiedenen Arbeits- und Kapitalsanlagen hervor.

Man hat es für so wichtig gehalten, eine gehörige Zahl junger Leute für bestimmte Berufsarten auszubilden, daß bald die Behörden, bald der fromme Sinn mildtätiger Privatleute eine Menge von Stipendien, Kostgeldern, Stiftungen usw. zu diesem Zwecke gegründet hat, die viel mehr junge Leute zu diesen Berufsarten heranbilden, als sich sonst dazu drängen würden. In allen christlichen Ländern, glaube ich, wird die Ausbildung der meisten Geistlichen auf diese Weise bestritten. Nur sehr wenige werden ganz auf ihre eigenen Kosten gebildet. Letzteren verschafft daher ihre lange, mühselige und kostspielige Erziehung nicht immer eine angemessene Belohnung, da der geistliche Stand mit Leuten überfüllt ist, die, um nur eine Anstellung zu bekommen, gern ein viel geringeres Gehalt annehmen, als eine derartige Ausbildung sonst fordern könnte; und die Konkurrenz der Armen nimmt auf diese Weise den Reichen ihren Lohn weg. Es wäre ungehörig, einen Pfarrverweser oder Kaplan mit dem Gesellen in einem gemeinen Handwerk zu vergleichen. Ein wesentlicher Unterschied in der Bezahlung eines Pfanverwesers oder Kaplans und dem Lohne eines Gesellen besteht jedoch nicht. Sie werden alle drei für ihre Arbeit nach Maßgabe des Vertrages bezahlt, den sie mit ihren Vorgesetzten gemacht haben. Bis nach der Mitte des vierzehnten Jahr <183> hunderts waren in England fünf Mark, die ungefähr so viel Silber enthielten, als zehn Pfund unseres jetzigen Geldes, das übliche Gehalt eines Pfarrverwesers oder eines besoldeten Gemeindepfarrers, wie es in den Dekreten verschiedener Landeskonzilien festgesetzt ist. Zu dieser Zeit wurden fünf Pence, die so viel Silber enthielten, als unser jetziger Schilling, als Tagelohn eines Maurermeisters, und drei Pence, d. h. neun Pence unseres jetzigen Geldes, als der eines Maurergesellen erklärt2. Der Lohn dieser beiden Handwerker wird also, unter der Voraussetzung, daß Letztere den dritten Teil des Jahres keine Beschäftigung haben, einem Pfarrverwesergehalt vollständig gleich gekommen sein. Durch ein Statut aus dem zwölften Regierungsjahre der Königin Anna, Kapitel 12, wird verordnet: »daß da aus Mangel an genügendem Unterhalt und hinlänglicher Aufmunterung für die Pfarrverweser an manchen Orten die Pfarren nicht besetzt sind, der Bischof ermächtigt ist, durch ein mit seiner Unterschrift und seinem Siegel versehenes Dokument ein hinreichendes festes Gehalt anzuweisen, das nicht mehr als fünfzig und nicht weniger als zwanzig Pfund des Jahres betragen darf.« Vierzig Pfund werden gegenwärtig für ein sehr gutes Pfarrverwesergehalt angesehen, und es gibt trotz jener Parlamentsakte noch manche Pfarrverweserstellen unter zwanzig Pfund Jahrgehalt. Schuhmachergesellen in London verdienen jährlich bis zu vierzig Pfund, und es wird sich schwerlich ein Handwerker irgend einer Art in dieser Hauptstadt finden, der nicht mehr als zwanzig verdiente. Die letztere Summe übersteigt in der Tat nicht den Verdienst gewöhnlicher Arbeiter in manchen Landgemeinden. So oft das Gesetz versucht, den Lohn der Arbeiter zu regeln, hat es ihn stets eher erniedrigt, als erhöht. Dagegen hat das Ge <184> setz bei vielen Gelegenheiten das Grehalt der Pfarrverweser zu erhöhen und um der Würde der Kirche willen die Rektoren der Kirchspiele zu verpflichten gesucht, ihnen mehr als den elenden Unterhalt zu geben, den sie anzunehmen bereit waren. In beiden Fällen aber scheint das Gesetz gleich unwirksam geblieben zu sein, und hat nie weder das Gehalt der Pfarrverweser auf das beabsichtigte Maß zu erhöhen, noch den Lohn der Arbeiter so weit herunter zu drücken vermocht, weil es jene nicht hindern konnte, sich bei der Dürftigkeit ihrer Lage und der Menge ihrer Mitbewerber mit einem geringeren, als dem gesetzlichen Jahrgehalt zu begnügen, und weil es andrerseits diese nicht hindern konnte, mehr als den gesetzlichen Lohn zu nehmen, da ihnen der Wettbewerb derer, die sich von ihrer Arbeit Gewinn versprachen, gern mehr bewilligte.

Die großen Pfründen und sonstigen geistlichen Ehrenstellen halten die Ehre der Kirche trotz der ärmlichen Umstände einiger ihrer niederen Glieder aufrecht. Auch bietet die dem Stande gezollte Achtung letzteren für die Ärmlichkeit ihrer Geldbelohnung einigen Ersatz. In England und in allen römisch-katholischen Ländern ist das Los der Kirche in der Tat weit günstiger, als es nötig wäre. Das Beispiel der schottischen, genfer und einiger anderen protestantischen Kirchen kann uns überzeugen, daß in einem geachteten Berufe, in welchem die Ausbildung so wohlfeil erworben wird, schon die Hoffnung auf weit geringere Pfründen dem geistlichen Stande eine hinlängliche Zahl von gelehrten, anständigen und achtbaren Leuten zuführen wird.

Wenn für Berufsarten, in denen es keine Pfründen gibt, z. B. die Jurisprudenz und Medizin, eine gleiche Zahl Leute auf öffentliche Kosten ausgebildet würde, so würde die Konkurrenz bald so groß werden, daß der Geldlohn sich bedeutend niedriger stellen müßte. <185> Es würde dann nicht der Mühe lohnen, seinen Sohn auf eigene Kosten zu einem solchen Stande erziehen zn lassen, der vielmehr gänzlich denen überlassen würde, die ihre Erziehung öffentlichen Stiftungen verdankten und wegen ihrer Menge und Dürftigkeit sich im Allgemeinen mit recht elendem Lohn begnügen müßten, zum Schaden der jetzt so achtbaren Stände des Rechtsgelehrten und Arztes.

Die wenig glückliche Klasse von Leuten, die man gewöhnlich Literaten nennt, befindet sich ziemlich genau in der Lage, in welcher Rechtsgelehrte und Arzte sich wahrscheinlich unter der obigen Voraussetzung befinden würden. In allen europäischen Ländern sind die meisten von ihnen für den Kirchendienst erzogen worden, aber durch verschiedene Gründe verhindert, in den geistlichen Stand zu treten. Sie haben also ihre Bildung in der Regel auf öffentliche Kosten erhalten, und ihre Menge ist überall so groß, daß dadurch der Preis ihrer Arbeit auf eine höchst klägliche Belohnung zusammenzuschrumpfen pflegt.

Vor der Erfindung der Buchdruckerkunst bestand die einzige Arbeit, durch die ein Literat mit seinem Talente etwas erwerben konnte, darin, daß er öffentlicher oder Privatlehrer wurde, d. h. anderen Leuten die wissenswerten und nützlichen Kenntnisse mitteilte, die er sich erworben hatte. Und dies ist sicherlich noch ein ehrenwerteres, nützlicheres und in der Regel auch einträglicheres Geschäft, als die Schriftstellerei für einen Buchhändler, wozu die Buchdruckerkunst Veranlassung gegeben hat. Es sind wenigstens eben so viel Zeit, Studium, Geist, Kenntnisse und Fleiß dazu erforderlich, ein ausgezeichneter Lehrer der Wissenschaften, als ein hervorragender Arzt oder Rechtsgelehrter zu werden. Doch steht der übliche Lohn eines tüchtigen Lehrers in keinem Verhältnis zu dem eines Rechtsgelehrten oder <186> Arztes, weil das Geschäft des einen mit dürftigen Leuten, die auf öffentliche Kosten ausgebildet wurden, überfüllt ist, während in die beiden anderen Geschäfte sich nur Wenige eindrängen, die nicht auf eigene Kosten studiert haben. So gering aber auch der übliche Lohn öffentlicher und Privatlehrer erscheint, so würde er doch ohne Zweifel noch geringer sein, wenn nicht die Konkurrenz der noch dürftigeren Gelehrten abginge, die fürs Brot schreiben. Vor der Erfindung der Buchdruckerkunst scheinen Schüler und Bettler so ziemlich gleichbedeutende Ausdrücke gewesen zu sein. Die Rektoren der Universitäten stellten vor dieser Zeit ihren Studenten oft Erlaubnisscheine zum Betteln aus. Im Altertum, wo keine Stiftungen der erwähnten Art dürftige Leute zu gelehrten Berufsarten ausbilden ließen, war anscheinend die Bezahlung tüchtiger Lehrer viel beträchtlicher. Isokrates wirft in seiner sogenannten Rede gegen die Sophisten den Lehrern seiner Zeit einen Widerspruch vor. »Sie machen, sagt er, ihren Schülern die glänzendsten Versprechungen und wollen sie lehren, weise, glücklich und gerecht zu sein, verlangen aber für einen so wichtigen Dienst nur einen lumpigen Lohn von vier oder fünf Minen. Wer Weisheit lehrt -- fährt er fort -- sollte doch selbst weise sein; wenn aber einer einen solchen Handel für solch einen Preis abschließt, so beweist er augenscheinlichste Torheit«. An dieser Stelle wird er gewiß den Lohn nicht größer gemacht haben, als er wirklich war. Vier Minen sind aber so viel, wie dreizehn Pfund, sechs Schilling und acht Pence; fünf Minen sind sechzehn Pfund, dreizehn Schilling und vier Pence. Es wurde also damals den hervorragendsten Lehrern in Athen eine Summe gezahlt, die wenig hinter dem größeren Betrage zurückgeblieben sein wird. Isokrates selbst verlangte zehn Minen, oder dreiunddreißig Pfund, sechs Schilling <187> und acht Pence von jedem seiner Schüler. Bei seinen Vorträgen in Athen soll er hundert Zuhörer gehabt haben. Ich verstehe dies von der Anzahl, denen er gleichzeitig Vorträge hielt, oder die, wie wir das nennen, einen Kursus bei ihm hörten, und diese Anzahl wird in einer so großen Stadt bei einem so berühmten Lehrer, der noch dazu eine Wissenschaft, die Rhetorik, vortrug, die damals eine Modewissenschaft war, durchaus nicht ungewöhnlich groß erscheinen. Er muß mithin in jedem Kursus tausend Minen oder £ 3333, 6 sh. 8 d. eingenommen haben. Auch von Plutarch wird an einer Stelle angegeben, daß tausend Minen sein Didaktron oder gewöhnliches Honorar gewesen sei. Viele andere berühmte Lehrer jener Zeit scheinen ein großes Vermögen erworben zu haben. Gorgias schenkte dem Tempel von Delphi seine eigene Statue aus gediegenem Golde. Wir brauchen allerdings nicht anzunehmen, daß sie lebensgroß gewesen sei. Der Fuß, auf dem er, sowie Hippias und Protagoras, zwei andere ausgezeichnete Lehrer jener Zeit, lebten, war nach Plato glänzend bis zur Prahlerei. Plato selbst soll großen Aufwand gemacht haben. Nachdem Aristoteles Erzieher des Alexander gewesen und sowohl von diesem, als von seinem Vater Philipp, wie alle Zeugnisse bekunden, aufs Glänzendste belohnt worden war, hielt er es doch noch der Mühe für wert, nach Athen zurückzukehren, um seine Vorträge wieder aufzunehmen. Lehrer der Wissenschaftenwaren zu jener Zeit anscheinend weniger häufig, als ein oder zwei Menschenalter später, wo der Wettbewerb wahrscheinlich sowohl den Preis ihrer Arbeit als auch die Bewunderung für ihre Person etwas ermäßigt hatte. Doch scheinen die hervorragendsten unter ihnen noch immer einen Grad von Achtung genossen zu haben, wie ihn heutigen Tages kein Mann gleichen Standes irgendwo erreicht. Die Athener betrauten den <188> Akademiker Karneades und den Stoiker Diogenes mit einer feierlichen Gesandtschaft nach Rom, und wenn ihre Stadt damals auch schon von ihrer früheren Größe herabgesunken war, so war sie doch immer noch eine unabhängige und ansehnliche Republik. Überdies war Karneades ein Babylonier von Geburt, und da niemals ein Volk eifersüchtiger als die Athener darüber wachte, keine Fremden zu öffentlichen Würden zuzulassen, so muß ihre Achtung für ihn sehr groß gewesen sein.

Im Ganzen ist übrigens dieser Umschwung für das Publikum vielleicht eher vorteilhaft als schädlich. Der Stand eines öffentlichen Lehrers ist dadurch etwas herabgesetzt worden; aber die Wohlfeilheit der gelehrten Erziehung ist sicherlich ein Vorteil, der diesen kleinen Übelstand weit überwiegt. Auch würde davon das Publikum noch viel größeren Gewinn haben, wenn die Einrichtungen der gelehrten Schulen und Universitäten vernünftiger wären, als sie es jetzt durchweg in Europa sind.

Drittens, die europäische Wirtschaftspolitik bringt durch Hemmung der freien Bewegung der Arbeit und des Kapitals sowohl von Geschäft zu Geschäft, als von Ort zu Ort, in manchen Fällen eine sehr schädliche Ungleichheit in der Gesamtheit der Vorteile und Nachteile ihrer Anlagen hervor.

Das Lehrlingsgesetz hemmt die freie Arbeitsbewegung von einem Geschäft zum anderen sogar an ein und demselben Orte. Die ausschließenden Zunftprivilegien hemmen sie von einem Orte zum anderen sogar in ein und demselben Geschäfte.

Es kommt häufig vor, daß, während den Arbeitern in dem einen Gewerbe hoher Lohn gegeben wird, sie in einem anderen mit der nackten Existenz vorlieb nehmen müssen. Das eine gedeiht und hat einen steten Begehr nach frischen Arbeitskräften; das andere hin <189> gegen verfällt und der Überfluß an Arbeitskräften nimmt stets zu. Zwei solche Gewerbe können bald in einer und derselben Stadt, bald in einer und derselben Gegend sein, ohne daß sie im Stande wären, einander nur die geringste Hilfe zu leisten. In dem einen Falle, ist das Lehrlingsgesetz hinderlich und in dem anderen sowohl dieses als die ausschließende Zunft. Gleichwohl sind in vielen Gewerben die Operationen einander so ähnlich, daß die Arbeiter leicht aus dem einen in das andere übertreten könnten, wenn jene abgeschmackten Gesetze es nicht verhinderten. Das Weben glatter Leinenzeuge und glatter Seidenzeuge ist z. B. fast ganz dasselbe. Das Weben glatter Wollenwaren ist etwas Anderes, aber der Unterschied ist so unbedeutend, daß ein Seiden- oder Leinweber in wenigen Tagen ein ganz guter Tuchweber werden könnte. Geriete nun eines dieser drei Hauptgewerbe in Verfall, so könnten die Arbeiter leicht in einem der beiden anderen, deren Lage glücklicher ist, Zuflucht finden, und ihr Lohn würde weder in dem blühenden Gewerbe zu hoch, noch in dem verfallenden zu niedrig werden. Die Leinweberei steht zwar in England laut einem besonderen Statut Jedermann offen ; da sie aber in den meisten Gegenden des Landes wenig betrieben wird, so kann sie den Arbeitern anderer verfallender Gewerbe keine allgemeine Zuflucht bieten, und diese haben überall, wo das Lehrlingsgesetz in Geltung ist, keine andere Wahl, als entweder dem Kirchspiel zur Last zu fallen, oder sich als Tagelöhner zu verdingen, wozu sie sich vermöge ihrer bisherigen Gewohnheiten weit weniger schicken, als zu irgend einem anderen Gewerbszweige, der mit dem ihrigen einige Ähnlichkeit hat. Darum ziehen sie es denn auch in der Regel vor, dem Kirchspiel zur Last zu fallen. Alles, was die freie Bewegung der Arbeit von einem Geschäfte zum andern hemmt, hemmt auch die des Kapitals, da die Größe des Kapitals, das in einem Ge <190> schäftszweige angelegt werden kann, sehr von der Menge der Arbeit abhängt, die in ihm aufgewendet wird. Doch legen Zunftgesetze dem freien Umlauf des Kapitals von einem Orte zum anderen weniger Hindernisse in den Weg, als der Arbeit. Für einen reichen Kaufmann ist es überall leichter, in einer korporierten Stadt ein Handelsprivilegium zu erlangen, als für einen armen Handwerker die Erlaubnis, in ihr arbeiten zu dürfen.

Die Hemmung, die Zunftgesetze der freien Bewegung der Arbeit auflegen, ist, glaube ich, allen Teilen Europas gemein; diejenige aber, welche durch die Armengesetze bewirkt wird, ist, so viel ich weiß, nur England eigentümlich. Sie besteht in der Schwierigkeit für einen armen Mann, sich in einem andern Kirchspiel als dem, zu welchem er gehört, niederlassen oder auch nur sein Geschäft treiben zu dürfen. Durch Zunftgesetze wird nur die freie Bewegung der Arbeit der Handwerker und industriellen Arbeiter gehemmt; die Erschwerung der Niederlassung aber hemmt auch die der gemeinen Arbeit. Es ist der Mühe wert, den Ursprung, Fortschritt und gegenwärtigen Zustand dieses Übels, vielleicht des größten der englischen Wirtschaftspolizei, kurz zu berichten.

Inlandsasylschmarotzer

Als durch die Aufhebung der Klöster die Armen der Unterstützung dieser frommen Häuser beraubt worden waren, wurde nach einigen anderen fruchtlosen Versuchen zu ihren Gunsten durch ein Gesetz aus dem 43. Jahre Elisabeths, Kapitel 2, verordnet, daß jedes Kirchspiel für seine Armen zu sorgen verpflichtet sein, und jährlich Armenaufseher bestellt werden sollten, die in Gemeinschaft mit den Kirchenvorstehern eine diesem Zwecke angemessene Summe durch eine Kirchspielsteuer zu erheben hätten.

Dieses Gesetz legte jedem Kirchspiel die unerläßliche Pflicht auf, für seine Armen zu sorgen. Es ent <191> stand dadurch die wichtige Frage, wer denn als Armer eines Kirchspiels zu betrachten sei. Diese Frage wurde nach einigem Schwanken endlich durch Statut aus dem 13. und 14. Regierungsjahre Karls II. entschieden, in dem verordnet war, daß vierzig Tage eines ungestörten Aufenthalts Jedem die Ansässigkeit in einem Kirchspiel erwerben sollten; doch sollte innerhalb dieser Zeit zwei Friedensrichtern das Recht zustehen, auf Klage seitens der Kirchenvorsteher oder Armenaufseher, jeden neuen Einwohner in das Kirchspiel, in dem er zuletzt rechtmäßig ansässig gewesen, zu verweisen, wenn er nicht entweder eine Pachtung von zehn Pfund jährlicher Pacht übernehmen oder dem Kirchspiel eine ausreichende Bürgschaft stellen könne, daß er ihm nicht zur Last fallen werde.

Dieses Gesetz soll manche Betrügereien veranlaßt haben. Kirchspielbeamte bestachen mitunter ihre eigenen Armen, heimlich in ein anderes Kirchspiel auszuwandern, und hielten sie vierzig Tage lang daselbst verborgen, damit sie die Ansässigkeit gewönnen, um das Kirchspiel, dem sie eigentlich angehörten, von ihnen zu befreien. Darum verordnete ein Statut aus dem ersten Regierungsjahre Jakobs II., daß die vierzig Tage ungestörten Aufenthalts, die zur Erwerbung der Ansässigkeit erforderlich waren, erst von dem Augenblick an gerechnet werden sollten, an dem Jemand einem der Vorsteher oder Armenaufseher des Kirchspiels, in dem er künftig wohnen wollte, schriftlich seinen Wohnort und die Stärke seiner Familie angemeldet hätte.

Indeß waren die Kirchspielsbeamten gegen ihr eigenes Kirchspiel nicht immer ehrlicher, als sie es gegen fremde gewesen waren, und drückten hie und da bei solchen Einnistungen die Augen zu, indem sie zwar die Anmeldung in Empfang nahmen, aber nicht die erforderlichen Schritte taten. Da man annahm, daß jeder Einwohner eines Kirchspiels ein Interesse daran <192> haben müsse, der Belastung durch solche Eindringlinge so viel als möglich vorzubeugen, so wurde im dritten Regierungsjahre Wilhelms III. ferner verordnet, daß die vierzig Aufenthaltstage erst von dem Tage an gerechnet werden sollten, an dem die schriftliche Anmeldung Sonntags in der Kirche unmittelbar nach dem Gottesdienste öffentlich verlesen worden sei.

»Am Ende«, sagt Dr. Burn, »wurde diese Art der Ansässigkeit, die man erst durch einen vierzigtägigen Aufenthalt nach der öffentlichen Verlesung der schriftlichen Anmeldung erwerben konnte, nur sehr selten erlangt, und der Zweck dieser Anordnungen ist nicht sowohl der, Jemand die Ansässigkeit zu erleichtern, als vielmehr die Ansässigkeit von Leuten, die heimlich in das Kirchspiel kommen, zu hintertreiben ; denn sich anmelden heißt nur, das Kirchspiel nötigen, sie wieder wegzuschaffen. Ist aber die Lage Jemandes der Art, daß es zweifelhaft bleibt, ob er wirklich zurückgeschickt werden dürfe oder nicht, so wird er durch seine Anmeldung das Kirchspiel nötigen, ihm entweder dadurch, daß es ihn vierzig Tage bleiben läßt, eine unbestrittene Ansässigkeit zu bewilligen, oder dadurch, daß es ihn wegschafft, die Sache vor den Richter zu bringen.«

Dieses Statut machte es also für einen armen Mann fast unmöglich, auf die frühere Weise durch vierzigtägigen Aufenthalt einen festen Wohnsitz zu gewinnen. Damit es aber nicht den Anschein habe, als sollten die gewöhnlichen Leute gänzlich von der Ansiedelung in einem anderen Kirchspiel ausgeschlossen werden, wurden vier andere Arten festgesetzt, wie ohne eine abgegebene oder öffentlich verlesene Anmeldung die Ansässigkeit gewonnen werden könne. Erstens konnte man sie erwerben, wenn man zu den Kirchspielsabgaben zugezogen wurde und sie bezahlte; zweitens, wenn man auf ein Jahr zu einem Kirchspielsamte gewählt wurde und es diese Zeit über versah ; drittens, wenn man im <193> Kirchspiel seine Lehrzeit bestand; viertens endlich, wenn man dort auf ein Jahr in Dienst genommen wurde und ein ganzes Jahr lang in diesem Dienste verblieb.

Auf eine der beiden ersteren Arten ist indessen die Ansässigkeit nur durch einen öffentlichen Akt des ganzen Kirchspiels zu erlangen, das dabei wohl auf die Folgen Acht gibt, die daraus hervorgehen, wenn es einen neuen Ankömmling, der keine anderen Unterhaltsmittel als seine Arbeit hat, durch Zuziehung zu den Abgaben oder durch Wahl zu einem Amte bei sich aufnimmt.

Auf eine der beiden letzteren Arten kann hingegen kein Verheirateter Ansässigkeit erwerben. Ein Lehrling ist schwerlich jemals verheiratet, und es ist ausdrücklich bestimmt, daß kein verheirateter Dienstbote durch Anstellung auf ein Jahr Ansässigkeit erwerben solle. Die Hauptwirkung, welche die Einführung einer durch Dienst zu erlangenden Ansässigkeit gehabt hat, hat namentlich darin bestanden, daß die alte Gewohnheit, auf ein Jahr zu mieten, die früher in England so herkömmlich war, daß noch bis auf den heutigen Tag das Gesetz in jedem Falle, wo kein bestimmter Zeitraum ausgemacht worden, annimmt, daß der Dienstbote auf ein Jahr gemietet sei, großenteils außer Übung gekommen ist. Die Arbeitgeber sind nicht immer willens, ihren Dienstboten durch Mieten auf ein Jahr die Ansässigkeit zu verschaffen, und die Dienstboten mögen sich nicht immer so vermieten, weil sie, da stets der letzte Wohnsitz die früheren aufhebt, die ursprüngliche Ansässigkeit in ihrer Heimat, wo ihre Eltern und Verwandten wohnen, dadurch einbüßen könnten.

Ein selbständiger Arbeiter, sei er Tagelöhner oder Handwerker, wird offenbar nicht leicht eine neue Ansässigkeit durch Lehr- oder Dienstjahre erwerben. Wendet sich eine solche Person mit ihrem Gewerbe in ein neues Kirchspiel, so setzt sie sich, wie gesund <194> und fleißig sie auch sein mag, der Gefahr aus, nach der Laune eines Kirchenvorstehers oder Armenaufsehers wieder entfernt zu werden, wenn sie nicht entweder für zehn Pfund im Jahre eine Pachtung übernimmt -- was für jemanden, der nur von seiner Arbeit lebt, unmöglich ist -- oder eine zwei Friedensrichtern genügend erscheinende Bürgschaft bietet, daß sie dem Kirchspiel nicht zur Last fallen werde. Welche Sicherheit sie fordern wollen, ist freilich ganz ihrem Gutdünken überlassen ; aber sie können nicht wohl weniger als dreißig Pfund verlangen, da eine Verordnung vorhanden ist, nach der sogar der Kauf eines Freigutes von weniger als dreißig Pfund Wert kein Ansässigkeitsrecht geben soll, weil es nicht hinreichend sei, das Kirchspiel vor der Armenbelastung zu sichern. Diese Bürgschaft wird aber jemand, der von seiner Arbeit lebt, kaum je geben können, und doch wird oft noch eine viel größere gefordert.

Um jedoch einigermaßen die freie Bewegung der Arbeit, die durch jene verschiedenen Gesetze fast gänzlich aufgehoben war, wiederherzustellen, ist man auf die sogenannten Zertifikate verfallen. Im achten und neunten Regierungsjahre Wilhelms III. wurde festgesetzt, daß, wenn jemand aus dem Kirchspiel, in dem er zuletzt rechtmäßig ansässig war, ein von den Kirchenvorstehern und Armenaufsehern unterschriebenes und von zwei Friedensrichtern bestätigtes Zertifikat mitbringt, jedes andere Kirchspiel ihn aufzunehmen verbunden ist; daß er nicht schon darum, weil er wahrscheinlich später zur Last fallen würde, sondern nur, wenn er wirklich zur Last fällt, entfernt werden darf; und daß dann das Kirchspiel, welches das Zertifikat ausstellte, verpflichtet sein soll, die Kosten des Unterhalts und der Fortschaffung zu tragen. Um aber dem Kirchspiel, wohin ein mit einem Zertifikat ausgestatteter <195> Mann sich wendet, die ausreichendste Bürgschaft zu geben, wurde durch dasselbe Gesetz ferner verordnet, daß der Mann das Niederlassungsrecht nur dann erhalten solle, wenn er eine Pachtung für zehn Pfund jährlich übernehme, oder unentgeltlich ein Jahr lang ein Kirchspielamt verwalte. Er konnte mithin weder durch Anmeldung, noch durch Dienst, Lehrlingschaft oder Zahlung der Kirchspielabgaben dazu gelangen. Auch wurde im zwölften Regierungsjahre der Königin Anna (Stat. I. c. 18.) noch verordnet, daß weder die Dienstboten noch die Lehrlinge solcher auf Grund von Zertifikaten zugelassener Leute in dem Kirchspiel Ansässigkeit erwerben können.

Inwiefern diese Erfindung die freie Bewegung der Arbeit, die durch die früheren Statute fast gänzlich aufgehoben war, wiederhergestellt habe, ersieht man aus der folgenden sehr verständigen Bemerkung des Dr. Burn. »Offenbar«, sagt er, »liegen verschiedene gute Gründe vor, von Personen, die sich an einem Orte niederlassen wollen, Zertifikate zu verlangen, namentlich damit die Inhaber nicht durch Lehrlingsschaft, Dienst, Anmeldung, oder Zahlung der Kirchspielsteuern ansässig werden; damit sie weder Lehrlinge, noch Dienstboten ansässig machen können, damit man ferner, sobald sie dem Kirchspiel zur Last fallen, genau weiß, wohin man sie zu bringen und an wen man sich wegen der Fortschaffungsund Unterhaltskosten in dieser Zeit zu halten hat; und damit endlich, wenn sie krank werden, und nicht fortgeschafft werden können, das Kirchspiel, von dem das Zertifikat ausgestellt ist, den Unterhalt erstattet -- was alles ohne ein Zertifikat nicht geschehen kann. Aber diese Gründe sind ebenso viele Gründe für die Kirchspiele, in gewöhnlichen Fällen keine Zertifikate auszustellen; denn es ist nur zu wahrscheinlich, daß sie ihre Inhaber zurückerhalten werden, <196> und dies noch dazu in einer schlechteren Lage«. Die Moral dieser Bemerkung scheint zu sein, daß das Kirchspiel, in dem ein Armer sich niederlassen will, stets Zertifikate fordert, daß aber von dem, welches er zu verlassen gedenkt, nur sehr selten solche bewilligt werden. »Es liegt hierin«, sagt derselbe einsichtsvolle Schriftsteller in seiner Geschichte der Armengesetze , »eine große Härte«, indem es in die Macht eines Kirchspielbeamten gestellt ist, einen Menschen gewißermaßen für sein ganzes Leben gefangen zu halten, mag es für ihn auch noch so nachteilig sein, an dem Orte bleiben zu müssen, an dem er das Unglück hatte, sogenannte Ansässigkeit zu erwerben, oder mag er sich die größten Vorteile von einem Aufenthalte am fremden Orte versprechen«.

Obgleich ein Zertifikat kein Zeugnis des guten Betragens enthält und nur bescheinigt, daß sein Inhaber dem oder dem Kirchspiel angehöre, so steht es doch ganz im Belieben der Kirchspielsbeamten, es zu verweigern oder zu gewähren. Es sind, erzählt Dr. Burn, einmal gerichtliche Schritte getan worden, um die Kirchenvorsteher und Armenaufseher zur Ausstellung eines Zertifikats zu nötigen, aber der Gerichtshof der King's Bench hat den Antrag verworfen.

Der sehr ungleiche Arbeitspreis, den wir häufig in England an gar nicht weit von einander liegenden Orten finden, hat seinen Grund wahrscheinlich in den Hindernissen, welche das Ansässigkeitsgesetz einem Armen, der ohne Zertifikat mit seinem Gewerbe von einem Kirchspiel in das andere wandern möchte, entgegenstellt. Ein einzelner, gesunder und fleißiger Mann wird zwar hie und da ohne ein Zertifikat geduldet; aber wenn ein Mann mit Weib und Kind es versuchen wollte, würde er sicher in den meisten Kirchspielen entfernt werden, und selbst der einzelne Mann würde, wenn er sich <197> später verheiratete, in der Regel ausgewiesen werden. Daher kann dem Mangel an Arbeitern in dem einen Kirchspiel nicht immer durch den Überfluß in einem anderen abgeholfen werden, wie das in Schottland und wohl in allen anderen Ländern, in denen die Ansässig keit keine Schwierigkeiten bietet, so unablässig geschieht. Wenn auch in solchen Ländern zuweilen der Lohn in der Nähe einer großen Stadt, oder wo sonst eine außergewöhnliche Nachfrage nach Arbeit besteht, ein wenig steigt, und umgekehrt je nach der größeren Entfernung von solchen Plätzen sinkt, bis er wieder den gewöhnlichen Satz des Landes erreicht, so begegnet man doch niemals so plötzlichen, unerklärlichen Verschiedenheiten im Arbeitslohn benachbarter Orte, wie bisweilen in England, wo es oft für einen Armen schwieriger ist, die künstlichen Schranken eines Kirchspiels zu überschreiten, als einen Meeresarm oder hohen Gebirgsrücken, d. h. natürliche Grenzen, die in anderen Ländern zuweilen die Lohnsätze sehr deutlich von einander scheiden.

Einen Mann, der sich Nichts hat zu Schulden kommen lassen, aus dem Kirchspiel, in dem er wohnen will, zu entfernen, ist eine offenbare Verletzung natürlicher Freiheit und Gerechtigkeit. Dennoch hat das gemeine Volk Englands, das auf seine Freiheit so eifersüchtig ist, aber gleich dem gemeinen Volke der meisten anderen Länder nie recht weiß, worin sie besteht, diesen Druck, dem es hilflos erliegt, jetzt schon länger als ein Jahrhundert ruhig ertragen. Haben auch zuweilen denkende Männer das Ansässigkeitsgesetz als ein öffentliches Unglück beklagt, so hat es doch niemals einen so allgemeinen Schrei des Unwillens heivorgerufen, wie die generellen Verhaftsbefehle, die ohne Zweifel auch ein Mißbrauch sind, aber doch nicht leicht einen so allgemeinen Druck zur Folge hatten. Ich wage zu <198> behaupten, daß es in England kaum einen einzigen armen Mann von vierzig Jahren gibt, der nicht zu irgend einer Zeit seines Lebens durch dies unselige Ansässigkeitsgesetz sich grausam bedrückt gefühlt hätte.

Ich schließe dieses lange Kapitel mit der Bemerkung, daß es zwar vor alters üblich war, den Lohn festzusetzen und zwar anfänglich durch allgemeine für das ganze Königreich gültige Gesetze und später durch besondere Anordnungen der Friedensrichter in jeder Grafschaft, -- daß diese beiden Gewohnheiten aber jetzt gänzlich abgekommen sind. »Nach der Erfahrung von mehr als vierhundert Jahren,« sagt Dr. Burn, »scheint es endlich Zeit zu sein, alle Versuche, unter feste Regeln zu bringen, was seiner Natur nach jeder genauen Begrenzung unfähig scheint, aufzugeben; denn wenn alle Arbeiter in einem Gewerbe gleichen Lohn erhalten, hört der Wetteifer auf, und für Fleiß und Talent wäre kein Raum mehr.«

Dennoch wird zuweilen noch versucht, durch besondere Parlamentsakte den Lohn für bestimmte Gewerbe und Orte festzustellen. So verbietet eine Akte aus dem 8. Regierungsjahre Georgs III. unter schwerer Geldstrafe allen Schneidermeistern in London und fünf Meilen im Umkreise, mehr als zwei Schilling, sieben und einen halben Pence täglich an Arbeitslohn zu zahlen, es sei denn zur Zeit einer allgemeinen Landestrauer, -- und eben so den Gesellen, mehr als diesen Lohn anzunehmen. So oft die Gesetzgebung sich dazu herbei läßt, die Unstimmigkeiten zwischen den Meistern und ihren Arbeitern auszugleichen, ist sie stets von den Meistern beraten. Wenn daher die Bestimmung zu Gunsten der Arbeiter ausfällt, so ist sie stets gerecht und billig; öfters aber, wenn sie zugunsten der Meister ausfällt, ist sie es nicht. So ist das Gesetz, welches in einigen Gewerben die Meister verpflichtet, ihre Ar <199> beiter in Geld und nicht in Waren zu bezahlen, ganz gerecht und billig; denn es legt den Meistern keine wirkliche Last auf, sondern nötigt sie nur, den Geldwert zu bezahlen, den sie in Waren bezahlen zu wollen vorgaben, aber nicht immer wirklich bezahlten. Dieses Gesetz ist zugunsten der Arbeiter; dagegen die Akte aus dem achten Regierungsjahre Georgs III. zugunsten der Meister. Wenn die Meister sich zusammentun, um den Lohn ihrer Arbeiter herabzusetzen, so schließen sie gewöhnlich privatim einen Bund oder eine Übereinkunft, bei Strafe nicht mehr als einen bestimmten Lohn zu geben. Wollten die Arbeiter eine entgegengesetzte Übereinkunft derselben Art schließen, bei Strafe jenen Lohn nicht anzunehmen, so würde sie das Gesetz sehr strenge bestrafen. Verführe es wirklich unparteiisch, so müßte es gegen die Meister ebenso handeln. Aber die Akte aus dem achten Regierungsjahre Georgs III. erteilt gerade der Regel, welche die Meister durch derartige Verbindungen zuweilen einzuführen suchen, gesetzliche Kraft, Die Klage der Arbeiter, daß dadurch der geschickteste und fleißigste Arbeiter mit dem mittelmäßigen auf eine gleiche Stufe gesetzt werde, scheint durchaus wohlbegründet.

In früheren Zeiten war es auch üblich, den Gewinn der Kaufleute und anderer Händler durch Festsetzung des Preises für Lebensmittel und andere Waren zu regeln. Die Brottaxe ist, so viel ich weiß, der letzte Rest dieses alten Brauchs. Wo es eine geschlossene Zunft gibt, da mag es gut sein, den Preis der ersten Lebensbedürfnisse festzusetzen; wo dies aber nicht der Fall ist, wird die Konkurrenz ihn weit besser regeln, als irgend eine Taxe. Die durch ein Gesetz aus dem 31. Regierungsjahre Georgs II. eingeführte Methode, eine Brottaxe festzusetzen, konnte in Schottland wegen eines Mangels im Gesetze nicht <200> zur Ausführung gebracht werden, insofern die Vollziehung auf dem Amte eines Marktschreibers ruhte, das in Schottland nicht vorhanden ist. Dieser Mangel wurde erst im dritten Regierungsjahre Georgs III. gehoben. Inzwischen stiftete der Mangel einer Taxe keinen merklichen Schaden, und ihre Einführung hat an den wenigen Orten, an denen sie bestand, keinen merklichen Vorteil gewährt. In den meisten schottischen Städten gibt es jedoch eine Bäckerzunft, die ausschließliche Berechtigungen in Anspruch nimmt, ohne daß diese jedoch strenge gewahrt würden.

Das Verhältnis zwischen den verschiedenen Lohn-und Gewinnsätzen in den einzelnen Arbeits-und Kapitalanlagen erleidet, wie schon bemerkt wurde, durch den Reichtum oder die Armut, durch einen fortschreitenden, stillstehenden oder zurückgehenden Zustand der Gesellschaft keine großen Veränderungen. Obwohl solche Revolutionen in der öffentlichen Wohlfahrt den Lohn- und Gewinnsatz im Ganzen treffen, so müssen sie ihn am Ende doch in allen verschiedenen Anlagearten gleichmäßig treffen. Das Verhältnis zwischen ihnen muß daher das nämliche bleiben, und kann durch solche Umwälzungen wenigstens nicht für lange Zeit gestört werden.

Der letzte Absatz ist wieder so etwas wie ein Beleg für die Quellenangabe des Dietz Verlags. Aber das Kapitel kann nicht das sein, was Marx im Auge hat, weil hier kein ausführlicher Beweis von der Ausgleichung der Profitrate geführt worden ist, sondern von Löhnen in den diversen Berufen gehandelt wurde. <201>


1. S. Idylle 21.

2. S. das Arbeitergesetz aus dem rünrundzwanzigston Kegierungsjahre Eduards III.