Sechstes Hauptstück. Von den Gewinnsten.

Nachdem nun dargethan worden ist, dass die Gewinnste des Grundvermögens (profits of stock) in verschiedenen Geschäften unter einander im Verhältnisse stehen und insgesammt ein Streben haben, sich in gleichem Grade und gleicher Richtung zu verändern, so bleibt uns noch zu betrachten übrig, welches denn die Ursache der fortwährenden Veränderungen im Gewinnstsatze und der daraus folgenden fortwährenden Veränderungen im Zinssatze sei.

Wir haben gesehen, dass sich der Getreidepreis1 nach der zu seiner Hervorbringung erforderlichen Arbeitsmenge in Verbindung mit demjenigen Theile des Kapitals richte, der keine Rente bringt. Wir haben ferner auch gesehen, dass alle Gewerkswaaren im Preise steigen und sinken, je nachdem mehr oder weniger Arbeit zu ihrer Hervorbringung nothwendig wird. Weder der Pachter, welcher diejenige Bodenklasse bebaut, die den Preis regelt, noch der Gewerksmann (manufacturer), welcher Güter verfertigt, opfert einen Theil seines Erzeugnisses als Rente. Der ganze Tauschwerth ihrer Güter wird nur in zwei Abtheilungen gebracht: die Eine macht den Gewinn aus dem Kapitale, die Andere den Lohn für die Arbeit aus.

Ricardo vergisst wieder das konstante Kapital, das ebenso einen Teil des Warenwerts bildetl

Gesetzt, Getreide und Gewerksgüter würden immer zu dem <83> selben Preise verkauft, dann würden die Gewinnste hoch oder niedrig sein, im Verhältnisse als der Arbeitslohn hoch oder niedrig wäre. Allein angenommen, das Getreide steige im Preise, weil mehr Arbeit zu seiner Erzeugung erforderlich wäre, dann wird diese Ursache den Preis der Gewerkserzeugnisse nicht steigern, zu deren Hervorbringung nicht mehr Arbeit erfordert würde. Wenn daher der Arbeitslohn derselbe bleibt, so bleibt auch der Gewinn der Gewerksleute derselbe; aber wenn, wie sicherlich wahr ist, der Arbeitslohn mit dem Steigen des Getreidepreises in die Höhe geht, dann müssen ihre Gewinnste nothwendiger Weise fallen.

Wenn ein Gewerksunternehmer seine Güter immer um dasselbe Geld, z. B. um 1000 £, verkauft, so hängt sein Gewinn von dem Preise der zu ihrer Verfertigung nöthigen Arbeit ab. Sein Gewinn wird kleiner, wenn der Arbeitslohn auf 800 £ steigt, als wenn er bisher nur 600 £ bezahlte. Im Verhältnisse also, als der Arbeitslohn steigt, fällt der Gewinn. Aber wenn der Preis der Roherzeugnisse steigen würde, so kann man fragen, ob der Pachter nicht wenigstens denselben Gewinnstsatz beziehe, obschon er mehr für Arbeitslohn bezahlen müsse? Gewiss nicht: denn er wird nicht blos, in Gemeinschaft mit dem Gewerksunternehmer, jedem Arbeiter, den er verwendet, mehr Arbeitslohn zu zahlen haben, sondern auch gezwungen sein, entweder Rente zu entrichten oder eine grössere Arbeiterzahl zu beschäftigen, um dasselbe Erzeugniss zu bekommen; und das Steigen des Preises der Roherzeugnisse wird nur zu dieser Rente oder grösseren Arbeiterzahl im Verhältnisse stehen und ihn nicht für das Steigen des Lohnes entschädigen.

Den Absatz habe ich nicht verstanden. Wieso soll der Pächter bei steigendem Lohn und sinkendem Profit eine Rente zahlen, während er im Moment keine zahlt? Und warum sollte er bei steigendem Lohn mehr Arbeiter einstellen? Und wo soll der höhere Mehrwert herkommen, wenn er nicht gleichzeitig mehr Boden bekommt.

Wenn beide, der Gewerksmann und der Pachter, 10 Menschen anstellen, einen jeden mit einem jährlichen Lohne, der von 24 auf 25 £ steigt, dann ist die ganze Summe, die ein Jeder bezahlt, 250 anstatt 240 £, Dies ist nun freilich der ganze Mehrbetrag, den der Gewerksmann aufwenden muss, um die gleiche Menge von Gütern zu erlangen; aber der Pachter ganz neuen Bodens (the farmer on new land) würde vermuthlich einen Arbeiter mehr anstellen und also auch 25 £ als Arbeitslohn mehr bezahlen müssen, und der Pachter schon alten Bodens (the farmer on the old land) genau denselben Mehrbetrag von 25 £, aber als Rente; ohne jenen Arbeitszusatz würde das Ge <84> treide nicht gestiegen sein, noch sich die Rente erhöhet haben. Der Eine hat daher 275 £ blos für Arbeitslohn, der Andere aber für Rente und Lohn zusammengenomnen zu bezahlen; ein jeder 25 £ mehr als der Gewerksmann; für diese letzten 25 £ wird der Pachter durch die Erhöhung des Preises der Roherzeugnisse entschädigt und desshalb stellt sich sein Gewinn jenem des Gewerksuntemehmers noch gleich. Da diese Behauptung wichtig, ist, so will ich sie noch mehr zu beleuchten suchen.

Wir haben dargethan, dass in früheren Zuständen der Gesellschaft sowohl des Grundherrn als des Arbeiters Antheil am Tauschwerthe des Erzeugnisses der Erde nur klein ist; und dass er im Verhältnisse zu den Fortschritten des Volkswohlstandes und zu der Vermehrung der Schwierigkeiten der Versorgung mit Nahrungsmitteln zunimmt. Wir haben femer auch gezeigt, dass, obschon der Tauschwerth des Antheiles des Arbeiters durch den hohen Tauschwerth der Nahrungsmittel gesteigert wird, sein Antheil der Wirklichkeit nach sinkt, während jener des Grundherrn nicht blos im Werthe erhöhet wird, sondern auch der Menge nach steigt.

Die übrig bleibende Menge von Bodenerzeugnissen, nach der Befriedigung des Grundherrn und Arbeiters, gehört nothwendig dem Pachter und macht seinen Kapitalgewinnst aus. Allein man kann anführen: dass er, obgleich mit dem Fortschreitein der Gesellschaft sein verhältnissmässiger Antheil an dem Erzeugnisse kleiner werde, so gut wie der Grundherr und Arbeiter, im Verhältnisse als dasselbe im Tauschwerthe steige, nichts destoweniger doch auch einen grösseren Tauschwerth bekommen dürfte.

Man kann zum Beispiele sagen, dass, wann das Getreide von 4 auf 10 £ steige, die vom besten Boden bezogenen 180 Quarter um 1800 £ anstatt um 720 £ verkauft werden können, und desshalb, obgleich gezeigt werden könne, dass der Grundherr und Arbeiter einen grösseren Tauschwerth für Rente und Lohn empfangen, dennoch der Tauschwerth des Gewinnes des Pachters eben so erhöhet werden dürfte. Inzwischen dies ist unmöglich, wie ich nun darzuthun suchen will.

Zuerst, der Preis des Getreides steigt nur im Verhältnisse zur vermehrten Schwierigkeit seines Anbaues auf Boden schlechterer Beschaffenheit. <85>

Es ist bereits bemerkt worden, dass, wenn die Arbeit von 10 Menschen, auf Boden einer gewissen Beschaffenheit, 180 Quarter Weizen erlangt und sein Tauschwerth 4 £ für den Quarter oder 720 £ im Ganzen ist, und wenn die Arbeit von weiteren 10 Menschen auf demselben oder anderem Boden blos 170 Quarter zu jenen hervorbringt, der Weizen von 4 £ auf 4 £ 4 sh. 8 d. steigen werde; denn 170 : 180 = 4 £ : 4 £. 4 sh. 8d. Mit anderen Worten, da in dem einen Falle zur Gewinnung von 170 Quarter die Arbeit von 10 Menschen erforderlich ist, und im anderen blos jene von 9,44, so muss das Steigen so wie von 9,44 : 10 oder wie 4 £:4 £ 4 sh. 8 d. sein. Auf dieselbe Weise liesse sich zeigen, dass, wenn die Arbeit von 10 weiteren Menschen nur 160 Quarter hervorbrächte, der Preis weiter auf 4 £ 10 sh. steigen würde; wenn nur 150, auf 4 £ 16 sh. u. s. w.

Aber wann 180 Quarter gewonnen werden, auf einem

Boden, der keine Rente bezahlt, und wann der

Preis 4 £ per Quarter ist, so werden sie verkauft um 720 £.

Und wann 170 Quarter gewonnen werden, auf

einem Boden, der keine Rente bezahlt, und wann

der Preis auf 4 £ 4 sh. 8 d. gestiegen ist, so

werden sie noch verkauft um 720 £.
Ebenso ertragen 160 Quarter zu 4 £ 10 sh 720 £.
Und 150 Quarter zu 4 £ 16 sh. die gleiche Summe 720 £.

Nun ist es einleuchtend, dass, wenn von diesen gleichen Tauschwerthen der Pachter zu einer Zeit verbunden ist einen Arbeitslohn zu bezahlen, welcher nach dem Weizenpreise von 4 £ bestimmt ist, und zu anderen Zeiten nach höheren Preisen, sich sein Gewinnstsatz im Verhältnisse zum Steigen des Getreidepreises verringern wird.

In diesem Falle, denk' ich, ist es desshalb klar bewiesen, dass ein Steigen des Getreidepreises, welches den Geldlohn des Arbeiters in die Höhe treibt, den Geldwerth des Gewinnstes des Pachters herabsetzt.

Allein die Lage des Pachters alten und besseren Bodens wird in keiner Beziehung hievon verschieden sein; auch er wird erhöheten Arbeitslohn zu bezahlen haben, und wird keineswegs mehr von dem Tauschwerthe seines Erzeugnisses erübrigen, als 720 £, wie hoch auch immer sein Preis sein mag, und diese <86> sind unter ihn selbst und seine immer gleiche Arbeiterzahl zu vertheilen: im Verhältnisse also, in welchem diese mehr erlangen, muss er weniger für sich erübrigen.

War der Getreidepreis 4 £, so gehörten die 180 Quarten ganz dem Anbauer (cultivator) und er verkaufte sie um 720 £. Stieg das Getreide auf 4 £ 4 sh. 8 d., so war er gehalten von den 180 Quarter den Tauschwerth von 10 Quarter als Rente zu entrichten, folglich brachten ihm die übrig bleibenden 170 Quarter nicht mehr als 720 £ ein; stieg er ferner noch auf 4 £ 10 sh., so bezahlte er 20 Quarter oder ihren Tauschwerth als Rente und behielt blos 160 Quarter übrig, welche ihm die nämliche Summe von 720 £ einbrachten.

Man wird demnach einsehen, dass, was auch immer für ein Steigen des Getreidepreises Statt finden mag, in Folge der Nothwendigkeit einer Anwendung von mehr Arbeit und Kapital, um noch einen Zusatz zu der bisherigen Menge von Erzeugnissen zu erlangen, ein solches Steigen dem Tauschwerthe nach stets durch die Vergrösserung der Rente oder Vermehrung der angewendeten Arbeit ausgeglichen werden wird; so dass der Pachter, ob nun das Getreide um 4 £, 4 £ 10 sh. oder 5 £ 2 sh. 10 d. verkauft wird, für dasjenige, was ihm nach Entrichtung der Rente noch übrig bleibt, denselben wirklichen Tauschwerth empfangen wird. Ebenso sehen wir daher, dass er, das Erzeugniss, welches ihm gehört, mag nun 180, 170, 160 oder 150 Quarter betragen, für dasselbe immer die gleiche Summe von 720 £ erlangt; denn der Preis steigt im umgekehrten Verhältnisse zur Menge.

Die Rente fällt demnach, - das ergibt sich hieraus - immer auf den Verzehrer und niemals auf den Pachter; denn, sollte das Erzeugniss seines Pachtgutes in Einem fort 180 Quarter sein, bei dem Steigen des Preises, dann würde er für sich selbst den Tauschwerth einer geringeren Menge übrig behalten und den Tauschwerth einer grösseren Menge seinem Grundherrn geben; aber der Abzug würde immer nur so gross sein, dass ihm die gleiche Summe von 720 £ verbliebe.

Ferner wird man auch einsehen, dass in allen Fällen die nämliche Summe von 720 £ zu Arbeitslohn und Gewinnst vertheilt werden muss. Uebersteigt der Tauschwerth der Roh <87> erzeugnisse des Bodens jenen Tauschwerth, so gehört der Mehrbetrag, wie gross er auch sein mag, zur Rente. Gibt es gar keinen solchen Mehrbetrag, so wird es auch keine Rente geben. Mag der Arbeitslohn oder Gewinn steigen oder fallen, immer ist es die Summe von 720 £, aus welcher beide entrichtet werden müssen. Einerseits kann der Gewinn nie so hoch steigen, dass er so viel von jenen 720 £ verschlänge, dass nicht genug übrig bliebe, um die Arbeiter mit den unumgänglichen Bedürfnissen versehen zu können; anderseits kann der Arbeitslohn niemals so hoch steigen, dass kein Theil von jener Summe als Gewinnst übrig bliebe.

Die vorigen Absätze ab dem letzten ich Element nochmal lesen und durchrechnen und Ricardos Prämissen suchen. Auch den folgenden Rest des Kapitels nochmal langsam durchrechnen, wo Ricardo Zahlenbeispiele bringt.

Was mich bei Ricardos Rente irritiert: Er trägt die Genesis der Differentialrente mit einer solchen Sicherheit vor, dass Quellen zu haben scheint, die ihm seine Theorie ohne Zweifel erscheinen lassen. Aber er benennt die Quellen nicht, so dass man ihm glauben kann oder nicht

In jedem Falle also wird sowohl der landwirthschaftliche als auch der Gewerksgewinn durch ein Steigen im Preise der Roherzeugnisse verringert, wenn es von einem Steigen des Arbeitslohnes begleitet ist2. Wenn der Pachter keinen grösseren Tauschwerth für das Getreide bekommt, welches ihm nach Entrichtung der Rente noch übrig bleibt, wenn der Gewerksmann für die Güter, welche er verfertigt, keinen grösseren Tauschwerth erlangt, und wenn beide einen grösseren Tauschwerth im Arbeitslohn bezahlen müssen, kann dann irgend ein Satz klarer dargelegt sein, als der, dass der Gewinnst mit einem Steigen des Arbeitslohnes fallen muss?

Der Pachter hat daher, obschon er selbst nichts an der Rente des Grundherrn bezahlt, da sie sich immer nach dem Preise der Erzeugnisse richtet und unabänderlich auf die Zehrer fällt, ein sehr entschiedenes Interesse, die Rente oder vielmehr den natürlichen Preis der Erzeugnisse niedrig zu halten. Als Verzehrer roher Erzeugnisse und solcher Dinge, in welchen Roherzeugnisse als Bestandtheile enthalten sind, hat er, in Gemeinschaft mit allen anderen Zehrern, einen Vortheil dabei, dass er den Preis niedrig hält. Aber am meisten ist er sachlich betheiligt bei einem hohen Getreidepreise, da dieser auf den Arbeitslohn Einfluss hat. Mit jeder Erhöhung des Getreidepreises wird er auch <88> von einer gleichen und unveränderlichen Summe von 720 £ mehr Arbeitslohn an die 10 Menschen zu zahlen haben, welche er, der Annahme gemäss, beständig beschäftigt. Wir haben in der Abhandlung vom Arbeitslohne gesehen, dass dieser unabänderlich mit dem Steigen des Preises der Roherzeugnisse in die Höhe geht. Auf Grund der daselbst zu Hilfe genommenen Berechnung wird man ersehen, dass, wenn der Weizen zu 4 £ per Quarter steht, der Arbeitslohn jährlich 24 £ betragen wird.

£ sh. d. £ sh. d.
Wenn der 4 4 8 so würde der 24 14 0
Weizen 4 10 0 Arbeitslohn 25 10 0
steht zu 4 16 0 betragen 26 8 0
5 2 0 27 8 6

Von der unveränderlichen Summe von 720 £, welche unter die Arbeiter und Pächter zu vertheilen. ist, würden,

£ sh. d. £ sh. £ sh. d.
Wenn der 4 0 0 240 0 und 480 0 0
Preis des 4 4 8 die Ar- 247 0 die 473 0 0
Weizens 4 10 0 beiter 255 0 Pächter 465 0 0
beträgt 4 16 0 bekom- 264 0 456 0 0
5 2 10 men 274 5 445 15 1)

Tabellenfußnote:

1 ) Die 4 80 Quarter Getreide werden, nach den oben erwähnten Veränderungen im Tauschwerthe des Getreides, in folgenden Verhältnissen unter die Grundherren, Pächter und Arbeiter vertheilt:

Preis per Quarter. Rente Gewinn Arbeitslohn Zusammen
£ sh. d. in Weizen. in Weizen. in Weizen. Quarter.
4 0 0 0 Qrtr. 120,0 Qr. 600, Qr
4 4 8 10 Qrtr. 111,7 Qr. 58,3 Qr
4 10 0 20 Qrtr. 103,4 Qr. 56,6 Qr 180
4 16 0 30 Qrtr. 95,0 Qr. 55,0 Qr
5 2 10 40 Qrtr. 86,7 Qr. 53,3 Qr

und, unter denselben Umständen, wird die Geldrente, der Arbeitslohn und der Gewinnst sein, wie folgt:

Preis per Quarter. Rente Gewinn Arbeitslohn Zusammen
£ sh. d. £ sh. d. £ sh. d. £ sh. d. £ sh. d.
4 0 0 0 0 0 480 0 0 240 0 0 720 0 0
4 4 8 42 7 6 473 0 0 247 0 0 762 7 6
4 10 0 90 0 0 465 0 0 255 0 0 810 0 0
4 16 0 144 0 0 456 0 0 264 0 0 864 0 0
5 2 10 205 13 4 445 15 0 274 5 0 925 13 4

<89>

Und setzt man, dass das ursprüngliche Kapital des Pachters 3000 £ war, so betrüge sein Gewinn, wenn er im ersten Falle 480 £ ist, 16 %. Fiele er aber auf 473 £, dann betrüge er 15,7 %

Bei 465 £ 15,5 %
456 15,2
445 14,8

Allein der Gewinnst satz wird noch tiefer sinken, weil das Kapital des Pachters, wie man sich erinnern muss. grossentheils aus Roherzeugnissen besteht, als wie aus Getreide, Heustöcken, ungedroschenem Weizen und Gerste, Pferden und Kühen, welche sämmtlich zufolge des Steigens der Preise der Erzeugnisse in die Höhe gehen. Sein Gewinn für sich allein wird sinken von 480 £ auf 445 £ 15 sh.; aber, wenn aus dem Grunde, den ich gerade aufgestellt habe, sein Kapital von 3000 £ auf 3200 £ steigen sollte, so wird sein Gewinnstsatz, sobald das Getreide zu 5 £ 2 sh. 10 d. steht, unter 14 % betragen.

Wenn ein Gewerksmann nun so 3000 £ in seinem Geschäfte angewendet hat, so muss er wegen des Steigens des Arbeitslohnes sein Kapital vergrössern, um dasselbe Geschäft fortführen zu können. Wenn seine Güter vorher um 720 £ verkauft wurden, so werden sie fortan zu demselben Preise abgesetzt werden; aber der Arbeitslohn, welcher zuvor 240 £ betrug, wird auf 274 £ 5 sh. steigen, sobald das Getreide zu 5 £ 2 sh. 10 d. steht. Im ersten Falle wird er einen Gewinn von 480 £ an den 3000 £ haben, im zweiten einen solchen von 445 £ 15 sh. an dem vergrösserten Kapitale, und desshalb wird sich sein Gewinn dem veränderten Gewinnstsatze des Pachters gleich stellen.

Es gibt wenige Güter, welche nicht mehr oder weniger durch das Steigen des Preises der Roherzeugnisse berührt werden, weil bei der Verfertigung der Meisten Rohstoffe aus dem Boden mit einlaufen. Baumwollenwaaren, Leinewand und Tuch werden sämmtlich mit dem Weizen im Preise steigen; aber sie steigen wegen der grösseren Arbeitsmenge, welche auf die Rohstoffe verwendet wird, aus welchen sie gemacht werden und keineswegs, weil der Gewerksmann den Arbeitern, welche er bei Verfertigung derselben anwendete, mehr hat bezahlen müssen.

In allen Fällen steigen die Güter, weil mehr Arbeit auf sie verwendet wurde, und nicht, weil die auf sie verwendete Arbeit <90> in einem höheren Tauschwerthe steht. Goldsachen und Artikel von Eisen, Silber ucd Kupfer steigen nicht, weil keines der Roherzeugnisse der Erdoberfläche bei ihrer Verfertigung mit unterläuft.

Man kann sagen, ich habe es für ausgemacht angenommen, dass der Geldlohn mit dem Preise der Roherzeusnisse steige, allein dies sei durchaus keine nothwendige Folge, denn die Arbeiter können sich auch mit weniger Genüssen begnügen. Es ist wahr, dass der Arbeitslohn vorher auf einer grossen Höhe gestanden haben und eine Herabsetzung um etwas erleiden kann. Ist dem also, so wird das Fallen des Gewinnstes verhindert werden: aber es ist unmöglich zu begreifen, dass der Geldpreis der Arbeit fallen oder stille stehen sollte bei einem stufenweise wachsenden Preise der Bedürfnisse; und darum kann man für ausgemacht annehmen, dass. unter gewöhnlichen Umständen, im Preise der Bedürfnisse kein anhaltendes Steigen Statt findet, ohne dass es eine Erhöhung des Arbeitslohnes veranlasst oder eine solche schon vorher gegangen ist.

Die Wirkungen auf den Gewinnst würden die nämlichen oder fast die nämlichen gewesen sein, wenn irgend eine Erhöhung des Preises derjenigen anderen Bedürfnisse, mit Ausnahme der Nahrungsmittel, vorhanden gewesen wäre, auf welche der Arbeitslohn verwendet wird. Die Nothwendigkeit der Bezahlung eines erhöheten Preises solcher Bedürfnisse, in welcher sich der Arbeiter befindet, würde ihn zwingen, mehr Lohn zu verlangen; und was eben den Arbeitslohn erhöhet, setzt nothwendig den Gewinnst herab. Allein angenommen, der Preis von Seidenwaaren, Sammeten, Hausrath und irgend anderen Gütern, deren der Arbeiter nicht bedarf, gehe in die Höhe, zufolge der auf sie verwendeten grösseren Arbeilsmenge, würde dies die Gewinnste nicht berühren? Sicherlich nicht; denn nichts kann die Gewinnste treffen, als das Steigen des Arbeitslohnes; Seidenwaaren und Sammete werden vom Arbeiter nicht verbraucht und können desshalb auch den Arbeitslohn nicht in die Höhe treiben.

Man verstehe mich wohl, ich spreche vom Gewinnste im Allgemeinen. Ich habe bereits bemerkt, dass der Marktpreis eines Gutes seinen natürlichen oder nolhwendigen Preis über <91> schreiten kann, in so fern dasselbe in geringerer Menge hervorgebracht werden kann, als die neue Nachfrage danach erfordert. Dies ist jedoch nur eine zeitweise Erscheinung. Der hohe Gewinnst von dem zur Hervorbringung dieses Gutes verwendeten Kapitale wird natürlich zu diesem Geschäfte Kapital herbeiziehen; und sobald als die erforderlichen Gewerbsmittel herbeigeschafft sind und die Menge dieses Gutes gehörig angewachsen ist, wird sein Preis sinken und die Gewinnste dieses Geschäftes werden sich dem allgemeinen Stande der Gewinnste gleich stellen. Ein Sinken des allgemeinen Gewinnstsatzes ist gar nicht unvereinbar mit einem besonderen Steigen des Gewinnstes in besonderen Unternehmungen. Just durch die Ungleichheit der Gewinnste wird das Kapital von einer Anlage in die andere hinüber gezogen. Während nun der allgemeine Gewinnst im Fallen ist und sich in Folge der Erhöhung des Arbeitslohnes und der Zunahme der Schwierigkeit, die wachsende Bevölkerung mit den Bedürfnissen zu versorgen, allmälig auf einen niedrigeren Stand setzt, so kann doch der Gewinnst des Pachters, für eine Zwischenzeit von einiger geringer Dauer, über dem früheren Stande sein. Es kann eben so auch einem besonderen Zweige des ausländischen und Kolonialhandels auf eine gewisse Zeit ein ausserordentlicher Sporn gegeben werden; aber die Zulassung dieser Thatsache entkräftet auf keinen Fall die Lehre, dass der Gewinnst vom hohen oder niedrigen Arbeitslohne, der Arbeitslohn vom Preise der Bedürfnisse . und der Preis der Bedürfnisse hauptsächlich vom Preise der Nahrungsmittel abhängt, weil alle anderen Erfordernisse meistens ohne Grenze vermehrt werden können.

Man muss sich erinnern, dass die Preise auf dem Markte sich stets verändern, und hauptsächlich nach dem verglichenen Stande der Nachfrage und des Angebotes. Obgleich Tuch um 40 sh. p. Yard geliefert werden und dabei den gewöhnlichen Gewinn geben kann, so kann es doch auf 60 bis 80 sh. steigen, wegen eines allgemeinen Modewechsels oder aus einer anderen Ursache, welche plötzlich und unerwartet die Nachfrage erhöhet oder das Angebot vermindert. Die Tuchmacher werden auf einige Zeit ungewöhnlichen Gewinn machen, aber es wird natürlich diesem Gewerke Kapital zufliessen, bis Nachfrage und <92> Angebot wieder in ihrem richtigen Gleichgewichte stehen, in welchem Falle alsdann der Preis des Tuches wieder auf 40 sh., seinen natürlichen oder nothwendigen Preis, herabsinken wird. Auf die nämliche Weise kann das Getreide mit jeder Zunahme der Nachfrage danach so hoch steigen, dass es dem Pachter mehr als den allgemeinen Gewinn einbringt. Ist dabei fruchtbarer Boden in Fülle vorhanden, dann wird der Preis des Getreides wieder auf sein früheres Maass zurück sinken, nachdem das erforderliche Kapital zu seiner Hervorbringung angewendet worden ist, und der Gewinnst wird wieder sein wie zuvor; ist aber dabei kein Ueberfluss an fruchtbarem Boden, ist zur Hervorbringung des Mehrbedarfes an Getreide mehr als die gewöhnliche Menge von Kapital und Arbeit erforderlich, dann wird das Getreide nicht auf seinen vorherigen Preisstand sinken. Sein natürlicher Preis wird erhöhet werden, und der Pachter wird, anstatt anhaltend einen grösseren Gewinn zu erlangen, sich genöthigt sehen, sich mit dem geringeren Satze zu begnügen, welcher, eine unausweichliche Folge der Erhöhung des Arbeitslohnes ist, die durch das Steigen des Preises der Bedürfnisse veranlasst wurde.

Das natürliche Streben des Gewinnstes ist demnach, zu sinken; denn bei dem Fortschreiten der Gesellschaft und des Volkswohlstandes erlangt man den erforderlichen Mehrbedarf an Nahrungsmitteln durch Aufopferung von mehr und mehr Arbeit. Diesem Streben, dieser Schwerkraft des Gewinnstes, wird zum Glücke von Zeit zu Zeit entgegen gewirkt durch die Verbesserungen im Maschinenwesen, welche mit der Hervorbringung der Bedürfnisse zusammenhängen, so wie durch Entdeckungen in der Landwirthschaftslehre, welche uns in Stand setzen, einen Theil der früher nöthig gewesenen Arbeit aufzugeben und deshalb den Preis des ersten Bedürfnisses der Arbeiter herabzusetzen. Das Steigen des Preises der Bedürfnisse und des Arbeitslohnes hat jedoch auch seine Grenzen; denn sobald der Arbeitslohn (nach dem früher angenommenen Falle) den 720 £., der ganzen Einnahme des Pachters, gleich käme, dann müsste auch die Kapitalansammlung ein Ende haben; denn kein Kapital kann alsdann noch irgend einen Gewinnst abwerfen und keine Vermehrung der Arbeit kann begehrt werden und folglich wird <93> die Bevölkerung ihren höchsten Standpunkt erreicht haben. Wirklich wird schon lange vor diesem Zeitabschnitte der sehr niedrige Gewinnstsatz alle Kapitalansammlung zum Stillstande gebracht haben, und schier das ganze Erzeugniss des Landes, nach Bezahlung der Arbeiter, wird Eigenthum der Grundeigenthümer, der Zehnt- und der Steuererheber sein.

Lege ich nun die früher gebrauchte, freilich sehr unvollkommene Grundlage hier wieder meiner Rechnung zu Grunde, so wird sich also ergeben, dass, sobald das Getreide zu 20 £. p. Quarter steht, das ganze Reineinkommen des Landes den Grundherren zukommt, denn alsdann wird zur Hervorbringung von 36 Quarter dieselbe Arbeitsmenge erforderlich sein, welche ursprünglich zur Gewinnung von 180 Quarter nöthig war, da 20 £ : 4 £ = 180 : 36. Der Pachter nun, welcher ursprünglich 180 Quarter hervorbrachte (wenn es einen solchen gäbe, denn das alte und neue auf den Boden verwendete Kapital wird dermaassen unter einander geworfen sein, dass man es auf keine Weise unterscheiden kann), wird verkaufen die

180 Q. zu 20 £., um 3600 £.
für den Grundherrn
Ab den Tauschwerth als Rente, nämlich den 2880 £.
von 144 Q. Unterschied zwischen
36 und 180 Qr.
36 Q . 720 £.
Ab den Tauschwerth
von 36 Q . für die 10 Arbeiter
als Lohn 720 £,
wobei nichts mehr als Gewinnst übrig bleibt. Ich habe angenommen, dass zu
diesem Preise von 20 £ die Arbeiter fortan, ein jeder 3 Quarter jährlich, verzehren; also im
Ganzen 60 £.
Und dass sie für andere Güter ausgeben 12 £.
wobei auf jeden Arbeiter kommen 72 £.

also zehn Arbeiter jährlich 720 £ kosten.

Bei allen diesen Berechnungen habe ich blos das Grundgesetz zu beleuchten gesucht und es ist kaum nothwendig zu bemerken, dass meine ganze Grundlage blos aufs Gerathewohl <94> und hauptsächlich zum Behufe der beispielsweisen Erläuterung zur Hand genommen wurde. Die Ergebnisse, obgleich verschieden dem Grade nach, würden im Grundgesetze dieselben sein, wenn ich mich auch noch so genau daran begeben hätte, den Unterschied der Arbeiterzahl, welche erforderlich wäre, um den allmälig mit der Volkszahl steigenden Bedarf an Getreide zu erlangen, die Mengen, welche von den Arbeitersfamilien verzehrt werden u. s. w. u. s. w. zu bestimmen. Mein Zweck war, den Gegenstand zu vereinfachen. Deshalb habe ich auch auf das Steigen der Preise anderer Bedürfnisse, als der Nahrungsmittel der Arbeiter, keine Rücksicht genommen, ein Steigen, welches eine Folge vom erhöheten Tauschwerthe der Rohstolffe, aus welchen sie verfertigt werden, wäre und fernerhin den Arbeitslohn noch mehr in die Höhe triebe und den Gewinnst herabsetzte.

Ich habe bereits gesagt, dass, lange bevor dieser Preisstand anhaltend geworden, kein Beweggrund zur Kapitalansammlung mehr da sei; denn nicht ein einziger Mensch sammelt sich anders als in der Aussicht Kapitalien, um sie hervorbringend zu machen, und blos bei dieser Verwendung wirken sie auf den Gewinnst. Ohne solchen Beweggrund kann es keine Kapitalansammlung geben und folglich nie ein solcher Stand der Preise stattfinden. Der Pachter und Gewerksmann kann eben so wenig ohne Gewinn, als der Arbeiter ohne Lohn leben. Ihre Lust zur Kapitalansammlung wird mit jeder Verringerung des Gewinnstes abnehmen und wird vollends verschwinden, wenn ihre Gewinnste so klein sind, dass sie ihnen nicht einmal eine genügsame Vergütung für ihre Mühe und ihr Wagniss einbringen, welchen sie bei der hervorbringenden Anwendung ihres Kapitals nothwendig begegnen müssen.

Dagegen aber muss ich auch bemerken, dass der Gewinnstsatz viel reissender fällt, als ich in meiner Berechnung geschätzt habe: denn bei einem Tauschwerthe der Erzeugnisse, wie ich ihn unter den angenommenen Umständen gesetzt habe, wird der Tauschwerth des Vermögensstammes des Pachters sehr erhöhet, da er nothwendiger Weise aus vielen Gütern besteht, welche im Tauschwerthe gestiegen sind. Bevor das Getreide von 4 £ auf 12 £ steigen konnte, musste sein Kapital vermuth <95> lich im Tauschwerthe schon verdoppelt und 6000 £ anstatt 3000 £ werth sein. Wäre nun sein Gewinnst 180 £ oder 6 % vom ursprünglichen Kapitale, so würde in dieser Zeit derselbe in der Wirklichkeit nicht höher als zu 3 % stehen; denn 6000 £ zu 3 % geben 480 £; und nur unter diesen Bedingungen könnte ein neuer Pachter mit 6000 £ Geld in der Tasche auf das Pachtgeschäft eingehen.

Manche Gewerbe würden aus derselben Quelle mehr oder weniger Vortheil schöpfen. Der Brauer, Brenner, Tuchmacher, der Leinenweber würden zum Theile für die Abnahme ihrer Gewinnste durch die Erhöhung des Tauschwerthes ihrer aus rohen und verarbeiteten Stoffen bestehenden Kapitalien entschädigt werden; aber der Verfertiger von Eisen- und Stahlwaaren, Goldsachen und manchen anderen Waaren, so wie auch diejenigen, deren Kapitalien sämmtlich in Geld bestehen, werden dem völligen Sinken des Gewinnstsatzes unterworfen sein, ohne irgend eine Entschädigung.

Wir sollten also erwarten, dass, wenn auch der Kapitalgewinnstsatz zufolge der Kapitalanhäufung auf dem Boden abnähme, dennoch der Gesammtbetrag der Gewinnste steigen werde. Gesetzt also, es falle bei wiederholten Kapitalanhäufungen von 100,000 £ der Gewinnstsatz von 20 auf 19, auf 18, auf 17 % mit beständiger Abnahme, so dürften wir erwarten, dass der Gesammtbetrag dieser Gewinnste, welche diese auf einander folgenden Kapitaleigenthümer beziehen, fort und fort im Zunehmen sei; dass er grösser sein würde, wenn das Kapital 200,000 £, als wenn es 100,000 £ wäre; noch grösser, wenn es 300,000 £ wäre; und so fort immer mit jeder Vergrösserung des Kapitales zunehme, wenn auch nach einem abnehmenden Gewinnstsatze.

Der tendentielle Fall der Profitrate mit zunehmenden konstanten Kapitalanteil im Verhältnis zum variablen Kapitalteil.

Allein diese zunehmende Reihe ist nur für eine gewisse Zeit lang richtig; so sind 19 % von 200,000 £ mehr als 20 % von 100,000 £, ferner auch 18 % von 300,000 £ mehr als 19 % von 200,000 £; aber nachdem Kapital zu einem grossen Betrage angesammelt und der Gewinnst gefallen ist, verringert die fernere Ansammlung den Gesammtgewinnst. So setze man, die Ansammlung betrage 1,000,000 £ und der Gewinnstsatz 7 %; wird nun zu jener Million noch ein Kapitalzusatz von 100,000 £ gemacht und sinkt der Gewinnstsatz auf 6 %, so werden die <96> Kapitaleigenihümer 66,000 £ oder 4000 £ weniger, als vorher, beziehen, obgleich der Gesammtbelauf des Kapitals von 1,000,000 £ auf 1,100,000 £ erhöhet worden ist.

Es kann indess, so lange das Kapital immer noch einen Gewinnst bringt, keine Kapitalansammlung stattfinden, ohne zugleich eine Erhöhung sowohl der Menge als auch des Tauschwerthes der Erzeugnisse zu bewirken. Durch Anwendung von 100,000 £ Zusatzkapital wird kein Theil des früheren Kapitals weniger hervorbringend werden. Das Erzeugniss des Bodens und der Arbeit des Landes muss zunehmen und sein Tauschwerth in die Höhe getrieben werden, nicht blos durch den Tauschwerth des Zusatzes, der zu der frtiheren Erzeugnissmenge noch hinzu gebracht wird, sondern auch durch den neuen Tauschwerth; welcher dem ganzen Bodenerzeugnisse durch die steigende Schwierigkeit der Hervorbringung des letzten Theiles davon gegeben wird. Wird nun die Ansammlung von Kapital doch sehr gross, ungeachtet dieses erhöheten Tauschwerthes, so wird dieser in der Art vertheilt, dass ein geringerer Tauschwerth als zuvor zu den Gewinnsten geschlagen, während Derjenige, welcher der Rente und dem Arbeitslohne zugedacht ist, erhöhet wird. Demnach werden mit den allmäligen Kapitalzusätzen von 100,000 £, mit dem Sinken des Gewinnstsatzes von 20 auf 19, auf 18, auf 17 % u. s. w. die jährlichen Erzeugnisse der Menge nach grösser werden und einen höheren Tauschwerth haben, als die ganze Werthsvermehrung beträgt, welche das Zusatzkapital hervorzubringen berechnet ist. Von 20,000 £ wird er auf mehr als 39,000 £ steigen und alsdann zu mehr denn 57,000 £ und wann das angewendete Kapital, wie vorhin angenommen wurde, eine Million beträgt, so wird, wenn noch 100,000 £ dazu angelegt werden und der Gesammtgewinnst wirklich kleiner als zuvor ist, nichts desto weniger das Einkommen des Landes um 6000 £ vermehrt werden, aber eigentlich nur das Einkommen der Grundherren und der Arbeiter; sie werden mehr als den Mehrbetrag des Erzeugnisses erlangen und vermöge ihrer Stellung im Stande sein, selbst noch die früheren Erringnisse des Kapitalisten anzugreifen.

Gesetzt denn, der Getreidepreis sei 4 £ p. Quarter, und der Pachter erhalte deshalb, wie früher berechnet wurde, von <97> jeden 720 £, die ihm nach Entrichtung der Rente noch übrig bleiben, 480 £ für sich und bezahle 240 £ an seine Arbeiter. Stiege nun der Getreidepreis auf 6 £ p. Quarter, so würde er seinen Arbeitern 300 £ bezahlen müssen und selbst nur 420 £ als Gewinnst behalten dürfen; er würde an sie 300 £ bezahlen müssen, damit sie in Stand kämen, dieselbe Menge von Lebensmitteln, wie vorher, und nicht mehr verbrauchen zu können. Wenn nun das angewendete Kapital so gross wäre, dass es hunderttausendmal 720 £ oder 72,000,000 £ eintrüge, so würde der Gesammtgewinnst 48,000,000 £ sein, wann der Weizen zu 4 £ p. Quarter stände; und wenn zufolge der Anwendung eines grösseren Kapitals, bei einem Weizenpreise von 6 £ p. Quarter, 105,000 mal 720 £ oder 75,600,000 £ erlangt würden, so würde der Gewinnst wirklich von 48,000,000 £ auf 44,100,000 £ oder 105,000 mal 420 £ fallen und der Arbeitslohn von 24,000,000 £ auf 31,500,000 £ steigen. Der Arbeitslohn würde steigen, weil im Verhältnisse zum Kapitale mehr Arbeiter angewendet würden; und jeder Arbeiter würde mehr Geldlohn empfangen; allein die Lage desselben würde, wie wir bereits gezeigt haben, schlechter sein, in so fern als er nur über eine kleinere Menge von Landeserzeugnissen zu verfügen vermöchte. Die einzigen wirklich Gewinnenden würden die Grundherren sein; sie würden höhere Renten empfangen, erstens weil die Erzeugnisse in höherem Tauschwerthe ständen, und zweitens weil sie auch einen sehr vergrösserten Antheil erhalten würden.

Obgleich ein grösserer Tauschwerth hervorgebracht worden, so wird doch ein grösserer verhältnissmässiger Antheil von dem Reste dieses Tauschwerthes nach Entrichtung der Rente von den Hervorbringern verzehrt und dieser, aber auch dieser allein, regelt den Gewinnst. Während der Boden im Ueberflusse erträgt, kann der Arbeitslohn auf einige Zeit steigen und es können die Hervorbringer mehr verzehren, als ihren gewohnten Antheil; aber der Vergrösserungsreiz, welchen die Bevölkerung alsdann bekommt, wird alsbald die Arbeiter zu der gebräuchlichen Verzehrung zurück zwingen. Sobald jedoch ärmlicher Boden in Anbau genommen oder mehr Kapital und Arbeit auf den alten Boden verwendet wird, mit einem geringeren Ertrage an Erzeugnissen, so muss die Wirkung bleibend sein. Ein <98> grösserer verhältnissmässiger Antheil von dem Reste des Erzeugnisses, der, nach Entrichtung der Rente, unter die Eigenthümer des Kapitals und die Arbeiter zu vertheiien ist, wird dann den Letzteren zugetheilt. Ein Jeder kann, und wird auch vermuthlich, eine geringere Menge an und für sich haben; aber da im Verhältnisse zu dem ganzen vom Pachter zurückbehaltenen Erzeugnisse mehr Arbeiter angestellt sind, so wird der Tauschwerth eines grösseren verhältnissmässigen Antheils des ganzen Erzeugnisses durch den Arbeitslohn verschlungen, (absorbed) und folglich der Tauschwerth eines geringeren solchen Antheiles dem Gewinnste zugetheilt werden. Dieser wird nothwendiger Weise kraft der Gesetze der Natur, welche der hervorbringenden Kraft des Bodens ihre Grenzen gesetzt haben, ständig werden.

So kommen wir denn doch zu der nämlichen Schlussfolgerung, welche wir früher schon aufzustellen versuchten: - nämlich dass in allen Ländern, und zu allen Zeiten, der Gewinnst von der Arbeitsmenge abhängt, welche, um die Arbeiter mit ihren Redürfnissen zu versorgen, auf denjenigen Boden oder in Verbindung mit demjenigen Kapitale erforderlich ist, welche keine Rente liefern. Die Wirkungen der Kapitalansammlung werden daher in verschiedenen Ländern auch verschieden sein und hauptsächlich von der Fruchtbarkeit des Bodens abhängen. Wie ausgedehnt auch ein Land sein mag, wo der Boden von ärmlicher Beschaffenheit und die Einfuhr von Nahrungsmitteln verboten ist, so werden doch die mässigsten Kapitalansammlungen von grossen Herabsetzungen des Gewinnstsatzes und von einem raschen Steigen der Rente begleitet sein; und im Gegentheile ein kleines, aber fruchtbares Land kann, namentlich wenn es die freie Einfuhr von Nahrungsmitteln gestattet, ein grosses Kapitalvermögen, ohne irgend eine bedeutende Verringerung des Gewinnstsatzes oder Erhöhung der Grundrente, ansammeln. In dem Hauptstücke vom Arbeitslohne haben wir zu zeigen uns bemüht, dass der Geldpreis der Güter durch ein Steigen des Arbeitslohnes nicht in die Höhe getrieben werden könne, gleichgiltig, ob man annehme, das Gold, der Geldstoff, sei das Erzeugniss des Landes selbst, oder es werde vom Auslande eingeführt. Allein wenn auch an dem anders wäre, wenn die Preise der Güter durch hohen Arbeitslohn bleibend in die Höhe <99> getrieben würden, so würde der aufgestellte Satz dennoch nicht weniger wahr sein, nämlich dass hoher Arbeitslohn unausweichlich die Lohnherren trifft, indem er sie um einen Theil ihres wirklichen Gewinnstes beraubt. Gesetzt, der Hutmacher, der Strumpfwirker und der Schuster bezahlten, ein jeder, 10 £ Arbeitslohn mehr für die Verfertigung einer besonders gegebenen Menge ihrer Waaren, und der Preis der Hüte, Strümpfe und Schuhe nähme um so viel zu, als hinreicht, um den entsprechenden Gewerksleuten die 10 £ zu erstatten; so würde ihre Lage nicht besser sein, als wenn kein solches Steigen der Preise stattgefunden hätte. Wenn der Strumpfwirker seine Strümpfe um 110 £ anstatt um 100 £ verkaufte, so würde sein Gewinnst dem Geldbetrage nach ganz derselbe sein, wie zuvor; aber da er im Verkehre für die gleiche Summe ein Zehntheil Hüte, Schuhe und andere Waaren weniger bekäme und mit dem früheren Betrage seiner Ersparnisse bei höherem Arbeitslohne weniger Arbeiter anstellen könnte, und bei gestiegenem Preise weniger Rohstoffe einzukaufen vermöchte, so würde er in keiner besseren Lage sein, als wenn sein Geldgewinnst sich dem Betrage nach wirklich verringert hätte und jedes Ding bei seinem früheren Preise stehen geblieben wäre. So habe ich mich also bemüht, darzuthun, erstens dass ein Steigen des Arbeitslohnes den Preis der Güter nicht erhöhe, aber unausweichlich den Gewinnst herabsetze; und zweitens, dass, wenn die Preise der Güter gesteigert werden könnten, dennoch die Wirkung auf den Gewinnst dieselbe sein werde; und dass wirklich nur der Tauschwerth des Mittels, nach welchem die Preise und Gewinnste geschätzt werden, herabgesetzt werde. <100>


1. Der Leser wird gebeten, im Gedächtnisse zu halten, dass ich, um den Gegenstand klarer zu machen, das Geld als im Tauschwerthe unveränderlich ansehe, und desshalb auch annehme, eine jede Preisveränderung lasse sich auf eine Veränderung im Tauschwerthe der Güter zurückführen.

2. Der Leser weiss wohl, dass wir die zufälligen Veränderungen ganz ausser Betracht lassen, welche von schlechten und guten Jahreszeiten oder vom Begehre herrühren, welcher zufolge plötzlicher Erscheinungen im Stande der Bevölkerung steigt oder fällt. Wir sprechen vom natürlichen und ständigen, nicht aber vom zufälligen und schwankenden Preise des Getreides.