Drittes Hauptstück. Von der Bergwerksrente.

Die Metalle werden, wie andere Dinge, durch Arbeit erlangt. Der Sache nach erzeugt sie eigentlich die Natur, aber die Arbeit des Menschen zieht sie aus dem Sohoosse der Erde hervor und bereitet sie für unseren Gebrauch zu.

Bergwerke bezahlen, so gut als wie der Ackerboden, im Allgemeinen ihrem Eigenthümer eine Rente; und diese ist, so gut als wie Rente vom Ackerboden, die Folge, und niemals die Ursache des hohen Tauschwerthes ihrer Erzeugnisse.

Wenn da ein Ueberfluss an gleich ergiebigen Bergwerken wäre, welche sich Einer ausschliesslich aneignen könnte, so könnten sie keinem Rente geben; der Tauschwerth ihrer Erzeugnisse würde von der Arbeitsmenge abhängen, welche nothwendig ist, um die Metalle zu gewinnen und auf den Markt zu bringen.

Dagegen aber gibt es Bergwerke verschiedener Art und Beschaffenheit, welche bei gleicher Menge von Arbeit sehr verschiedene Ausbeute liefern. Das aus der ärmsten bebauten Grube gewonnene Metall muss im geringsten Falle einen Tauschwerth haben, der gross genug ist, nicht blos um Kleidung, Nahrung und anderen Lebensbedarf für die Bergleute herbeischaffen und das Erzeugniss auf den Markt bringen zu können, sondern auch demjenigen, welcher das für den Betrieb des Unternehmens nothwendige Kapital vorschiesst, den gemeinüblichen ordentlichen Gewinn zu geben. Der Kapitalertrag des ärmsten Bergwerks, welches keine Rente bezahlt, regelt die <59> Rente von allen anderen ergiebigeren Bergwerken. Was dieses Bergwerk so erträgt, wird als der gebräuchliche Kapitalgewinnst angenommen. Was nun die anderen Bergwerke mehr als dieses ertragen, wird nothwendiger Weise als Rente an die Eigenthümer bezahlt. Da dies demgemäss das nämliche Grundgesetz ist, wie jenes, welches wir bereits in Betreff der Rente des Ackerbodens dargelegt haben, so wird es nicht nothwendig sein, uns weiter darüber zu verbreiten.

Es reicht schon die Bemerkung hin, dass dasselbe allgemeine Gesetz, welches den Tauschwerth der Roherzeugnisse und der Gewerkswaaren bestimmt, auch auf die Metalle anwendbar ist; denn ihr Tauschwerth hängt nicht von dem Gewinnstsatze, nicht vom Stande des Arbeitslohnes, auch nicht von der Bergwerksrente, sondern von der ganzen Arbeitsmenge ab, welche nöthig ist, um die Metalle zu gewinnen und auf den Markt zu bringen.

Gleich dem Tauschwerthe eines jeden anderen Gutes ist auch der Tauschwerth der Metalle Veränderungen unterworfen. Es mögen Verbesserungen an den bergmännischen Geräthschaften und Maschinen gemacht werden, welche die Arbeit beträchtlich abkürzen; es mögen neue ergiebigere Lager und Gänge entdeckt werden, aus welchen mittelst derselben Arbeit mehr Metall gefördert werden kann; oder es mögen die Erleichterungen bei der Versendung auf den Markt vermehrt werden. In einem jeden dieser Fälle werden die Metalle im Tauschwerthe sinken und desshalb für eine geringere Menge anderer Dinge umgetauscht werden. Auf der anderen Seite wird der Tauschwerth des Metalls, im Vergleiche mit dem Tauschwerthe anderer Dinge, mit der Schwierigkeit seiner Gewinnung beträchtlich zunehmen, sie mag nun von der grösseren Teufe, in welcher die Grube abgebaut werden muss, von der Ansammlung von Grubenwassern, oder von anderen Zufälligkeiten herrühren.

Man hat daher schon mit Recht die Bemerkung gemacht, dass, so ehrlich auch die Münzen eines Landes nach dem gesetzlichen Münzfusse geprägt seien, das Gold- und Silbergeld nicht blos zufälligen und zeitweisen, sondern auch anhaltenden und natürlichen Schwankungen im Tauschwerthe unterworfen sei.

Durch die Entdeckung von Amerika und durch die reichhaltigen Bergwerke, an denen es Ueberfluss hat, wurde auf den <60> natürlichen Preis der Edelmetalle eine sehr grosse Wirkung hervorgebracht. Mancher glaubt, dass diese Wirkung noch nicht beendigt sei. Inzwischen ist es doch wahrscheinlich, dass alle diese Wirkungen auf den Tauschwerth der Metalle, insoweit sie von der Entdeckung Amerikas herrühren, längst ihr Ende erreicht haben. Und wenn sich seit einigen Jahren in ihrem Tauschwerthe ein Sinken eingestellt hat, so ist es den Verbesserungen in der Art des Grubenbaues zuzuschreiben.

Woher dies nun auch immer kommen mochte, die Wirkung war so leise und allmälig, dass man im Handel und Wandel, wo doch das Gold und Silber das allgemeine Mittel zur Schätzung des Tauschwerthes aller anderen Dinge ist, davon wenig Unbequemlichkeit verspürt hat. Diese Edelmetalle sind zwar ohne Zweifel ein veränderliches Tauschwerthsmaass, aber doch ist wahrscheinlich kein Gut weniger Veränderungen unterworfen. Dieser und die anderen Vortheile, welche diesen Metallen eigen sind, als ihre Härte, Hämmerbarkeit, Theilbarkeit und andere mehr, haben denselben allenthalben als Geldstoff in den gebildeten (civilized) Länden den Vorzug gesichert.

Wenn gleiche Mengen Arbeit, mit gleichen Mengen stehenden Kapitals, zu allen Zeiten aus einem Bergwerke, welches keine Rente abwirft, gleiche Mengen Goldes ziehen könnten, so würde das Gold ein nahezu unveränderliches Tauschwerthsmaass sein. Seine Menge würde zwar wirklich mit dem Begehre danach zunehmen, aber sein Tauschwerth unveränderlich sein und es selbst ganz vorzüglich gut zur Messung des wechselnden Tauschwerthes aller anderen Dinge befunden werden. Ich habe schon in einem früheren Theile dieses Werkes das Gold, als mit dieser Gleichförmigkeit begabt, angesehen und in dem folgenden Hauptstücke will ich diese Voraussetzung noch fortgelten lassen. Wenn ich daher von den Veränderungen des Preises rede, so ist dies immer so zu verstehen, dass die Veränderung in dem Gute selbst, und nicht in dem Mittel, in welchem dasselbe geschätzt wird, liege. <61>