Zweites Hauptstück. Von der Rente.

Es bleibt aber nun noch zu betrachten übrig, ob die Aneignung von Grund und Boden und die erfolgende Bildung der Rente eine Veränderung im gegenseitigen Tauschwerthe der Güter veranlasst, unabhängig von der zur Hervorbringung nöthigen Arbeitsmenge. Um diese Seite des Gegenstandes verstehen zu können, müssen wir über die Natur der Rente und über die Gesetze, nach welchen sie steigt oder fällt, Untersuchungen anstellen.

Rente ist derjenige. Theil des Erzeugnisses der Erde, welcher dem Grundherrn für die Benutzung der ursprünglichen und unzerstörbaren Kräfte des Bodens (the original and indestructible powers of the soil) bezahlt wird. Sie wird öfters aber mit dem Zinse und Kapitalgewinnste vermischt und in der Sprache des gemeinen Lebens wird das Wort auch zur Bezeichnung dessen gebraucht, was vom Pachter jährlich an den Grundherrn überhaupt entrichtet wird. Wenn von zwei neben einander liegenden Landgütern von gleicher Flächenausdehnung und natürlicher Fruchtbarkeit das Eine alle Gemächlichkeiten landwirthschaftlicher Gebäude besässe und zudem gehörig entwässert und gedüngt, auch vortheilhaft durch Hecken, Zäune und Mauern abgetheilt wäre, während das Andere gar keine von diesen Vortheilen besässe; so würde natürlich mehr Vergütung für die Benutzung des Ersteren, als für jene des Letzteren bezahlt werden, und dennoch wird man in beiden Fällen die Vergütung Rente heissen. Allein es ist einleuchtend, <41> dass blos ein Theil des jährlich für das verbesserte Pachtgut entrichteten Geldes für die ursprünglichen und unverwüstlichen Kräfte des Bodens gegeben würde; der andere Theil würde für die Nutzung des Kapitals bezahlt, welches zur Verbesserung des Bodens und zur Erbauung derjenigen Gebäude ausgelegt worden ist, die zur sicheren Aufbewahrung der Erzeugnisse erforderlich sind. A. Smith spricht zuweilen von der Rente in dem strengen Wortverstande, in welchem ich sie zu nehmen wünsche, aber noch öfter in dem Sinne, wie ihn das gemeine Leben gebraucht. Er erzählt uns, dass der Begehr nach Bauholz und sein daher rührender hoher Preis in den mehr südlichen Gegenden Europas verursacht habe, dass für Wälder in Norwegen eine Rente bezahlt werde, welche zuvor keine ertragen hätten. Ist es aber nun nicht einleuchtend, dass die Person, welche dasjenige entrichtete, was er so Rente nennt, dieses in Rücksicht auf die werthvollen Güter bezahlte, welche damals auf der Bodenfläche standen, und dass sich dieselbe nebst einem Gewinnste durch den Verkauf des Bauholzes wieder bezahlt macht? Wenn aber nach der Entfernung des Bauholzes wirklich dem Grundherrn für die Benutzung des Bodens durch eine neue Pflanzung von Bauholz oder anderen Erzeugnissen, je nach der Aussicht auf zukünftigen Begehr, noch eine Vergütung bezahlt würde, dann dürfte man sie mit Recht Rente nennen, eben weil sie für die hervorbringenden Kräfte des Bodens gegeben würde. Aber in dem von A. Smith angegebenen Falle war die Vergütigung für die gestattete Hinwegnahme und Veräusserung des Bauholzes entrichtet worden, und keineswegs für die erlaubte Anpflanzung des Bodens. In demselben Sinne spricht er von der Rente der Kohlengruben und Steinbrüche. Von diesen gilt aber dieselbe Bemerkung, nämlich dass die für die Grube und den Bruch gegebene Vergütigung für den Tauschwerth der Steinkohlen oder Steine, die daraus gewonnen werden können, bezahlt wird und mit den ursprünglichen unzerstörbaren Kräften des Bodens in gar keiner Verbindung steht. Dies ist eine Unterscheidung von grosser Wichtigkeit bei einer Untersuchung über Rente und Gewinn. Denn es hat sich gezeigt, dass die Gesetze, welche die fortschreitende Bildung der Rente regeln, himmelweit von denjenigen verschieden sind, welche die Ent <42> wickelung der Gewinnste leiten, und selten in derselben Richtung wirksam sind. In allen vorgeschrittenen Ländern wird zuweilen dasjenige, was jährlich an den Grundherrn entrichtet wird, weil es zugleich die Eigenthümlichkeit und das Wesen der Rente und des Gewinnstes in sich vereinigt, durch die Wirkung sich entgegenwirkender Ursachen im Stillstande erhalten, und schreitet alsdann zu anderen Zeiten wieder vorwärts oder zurück, je nachdem eben die eine oder die andere dieser Ursachen die Oberhand erlangt. Im ferneren Verlaufe dieses Werkes möchte ich, wenn von der Grundrente die Sprache ist, so verstanden werden, als spreche ich von derjenigen Vergütigung, welche an den Grundeigenthümer für die Benutzung der ursprünglichen unzerstörbaren Kräfte des Bodens entrichtet wird.

Bei der ersten Ansiedelung auf einem Landstriche, auf welchem sich ein Ueberfluss an reichem und fruchtbarem Boden findet, wovon nur ein kleiner Theil zum Baue der Lebensmittel für die dermalige Bevölkerung erforderlich ist oder mit dem Kapitale bebauet werden kann, das der Bevölkerung zu Gebote steht, wird es keine Rente geben. Denn Niemand wird etwas für die Benutzung von Boden bezahlen, wann er in solchem Ueberflusse vorhanden ist, dass es viel herrenlosen Boden gibt, welcher einem Jeden, der nur zum Anbaue desselben Lust hat, zu Gebote steht.

Nach den allgemein bekannten Grundgesetzen von Begehr und Angebot kann für die Benutzung solchen Bodens, aus dem angeführten Grunde, keine Rente bezahlt werden, ebenso wie für den Gebrauch von Luft und Wasser oder irgend einer anderen Gabe der Natur, welche in unbegränzter Menge vorhanden ist, auch nichts gegeben wird. Mit einer gegebenen Menge von Stoff, mit Hilfe des Druckes der Luft, und mit der Federkraft des Dampfes können Maschinen Arbeit verrichten und die menschliche Arbeit sehr bedeutend abkürzen; aber für den Gebrauch dieser natürlichen Hilfsmittel bezahlt man nichts, weil sie unerschöpflich sind und Jedermann frei zu Gebote stehen. Auf dieselbe Art machen der Brauer, Brenner, Färber ohne Unterlass Gebrauch von Luft und Wasser zum Behufe der Hervorbringung ihrer Güter, allein, da ihre Menge grenzenlos ist, <43> so haben sie keinen Preis.1 Wenn aller Boden die nämlichen Eigenthümlichkeiten hätte, wenn seine Flächenausdehnung keine Grenzen hätte, wenn derselbe allgemein von gleicher Beschaffenheit wäre, so könnten für dessen Benutzung keine Lasten bedungen werden, ausgenommen wo er mit seiner Lage ganz besondere Vortheile gewährete. Es wird demnach blos aus dem Grunde eine Rente entrichtet, weil der Boden nicht in unendlicher Menge und allgemein gleicher Beschaffenheit vorhanden ist und bei zunehmender Bevölkerung Boden von geringerer Beschaffenheit oder weniger vortheilhafter Lage zum Anbaue genommen wird. Sobald in Folge des Fortschreitens der Gesellschaft, Boden von Fruchtbarkeit zweiten Grades zum Anbaue genommen wird, so beginnt die Rente unmittelbar auf jenem erster Güte und der Betrag dieser Rente richtet sich nach dem Unterschiede der Beschaffenheiten dieser zweierlei Bodenarten.

Sobald Boden dritter Klasse angebaut wird, so beginnt die Rente der zweiten und richtet sich wie vorher nach dem Unterschiede in ihren hervorbringenden Kräften. Zugleich aber wird die Rente vom Boden erster Klasse steigen, denn sie muss immer über jener der zweiten Klasse stehen, nach dem Unterschiede zwischen dem Erzeugnisse, welches sie bei einer gegebenen Menge von Kapital und Arbeit liefern. Mit jedem Schritte der Zunahme der Bevölkerung, welcher ein Land zwingt, seine Zuflucht zu Boden geringerer Beschaffenheit zu nehmen, um sich in Stand zu setzen, die gehörige Menge Nahrungsmittel zu ziehen, muss auch die Rente jedes fruchtbareren Bodens in die Höhe gehen. <44>

Gesetzt also, Boden No. 1, 2, 3 gebe, bei gleichem Kapitale und gleicher Arbeit, einen Reinertrag von 100, 90, 80 Quarter Getreide. In einem neuen Lande, wo imVergleiche mit der Bevölkerung Ueberfluss an fruchtbarem Boden ist und also blos Boden No. 1 bebaut zu werden braucht, wird der ganze Reinertrag dem Bebauer zufallen und den Gewinnst von dem Kapitale ausmachen, welches er anlegt. Sobald aber die Bevölkerung so zugenommen hat, dass Boden No. 2 angebaut werden muss, von welchem nach Abzug des Unterhaltes der Arbeiter nur 90 Quarter Getreide gewonnen werden, so fängt die Rente von No. 1 an. Denn entweder muss es zwei verschiedene Gewinnstsätze vom landwirthschaftlichen Kapitale geben oder es müssen 10 Quarter oder ihr Tauschwerth von dem Reinertrage von No. 1 in irgend einer anderen Absicht abgezogen werden. Ob der Eigenthümer des Bodens oder irgend eine andere Person den Boden No.1 bebaut ist gleichgiltig, auf jeden Fall bilden diese 10 Quarter die Rente. Denn der Bebauer des Bodens No. 2 wird mit seinem Kapitale dasselbe Ergebniss erlangen, ob er nun Boden No. 1 bebaut, und 10 Quarter Rente entrichtet, oder ob er Boden No. 2 bebaut und keine Rente zu bezahlen hat. Auf dieselbe Weise kann gezeigt werden, dass, sobald Boden No. 3 in Anbau gebracht wird, die Rente vom Boden No. 2 aus 10 Quarter oder dem Werthe von 10 Quarter bestehen muss, während die Rente von No. 1 auf 20 Quarter steigen wird; denn der Bebauer von No. 3 wird denselben Gewinn haben, ob er 20 Quarter Rente von No. 1, oder 10 Quarter als Rente von No. 2 entrichtet oder aber No. 3 bebaut, ohne Rente bezahlen zu müssen.

Weil das Grundeigentum das Monopol auf ein Stück des Planeten ist, liegt es in der Macht des Grundeigentümers zu bestimmen, dass die Profite aller Pächter gleich zu sein haben, nämlich so niedrig, wie der Profit auf dem unfruchtbarsten Boden ist. Jeder darüber hinausgehende Profit ist bei ihm abzuliefern. Dabei erfüllt der Grundeigentümer die wichtige gesellschaftliche Funktion, die Profite und damit die Brotpreise gleich zu machen. Der Brotpreis richtet sich nicht nach der höchsten, sondern nach der niedrigsten Bodenproduktivität. Das Gesetz der Ökonomie, wonach die höchste Produktivität preisbestimmend ist, scheint auf den Kopf gestellt.

Es geschieht öfters und in der That gewöhnlich, dass man vor dem Anbaue von No. 2, 3, 4, 5 oder noch schlechteren Bodens, auf den bereits angebauten Boden das Kapital hervorbringender verwendet. Es kann sich vielleicht finden, dass, durch Verdoppelung des ersten auf Boden No. 1 verwendeten Kapitals, das Erzeugniss, wenn auch nicht gerade doppelt so gross, aber doch um 85 Quarter grösser werden und diese Menge dasjenige überschreiten kann, was durch Anwendung des nämlichen Kapitals auf Boden No. 3 erzielt werden könnte.

In einem solchen Falle wird man es vorziehen, auf den <45> alten Boden Kapital zu verwenden; und es wird gleichfalls eine Rente verschaffen. Denn sie ist stets der Unterschied zwischen den Reinerträgen zweier gleichen Mengen von Kapital und Arbeit in ihrer Anwendung auf den Boden. Wenn ein Pachter mit einem Kapitale von 1000 £ von seinem Boden 100 Quarter Weizen zieht, und mit der Anwendung von noch einmal 1000 £ auf demselben Boden noch 85 Quarter mehr, so wird es sein Grundherr beim Ausgange des Pachtvertrages in seiner Gewalt haben, ihn zu einer Rentezahlung von 15 Quarter oder zur Entrichtung eines Gleichwerthes für die Vermehrung der Rente zu vermögen; denn zwei verschiedene Gewinnstsätze kann es nicht geben. Ist er mit einem Minderertrage des zweiten Kapitals von 1000 £ um 15 Quarter zufrieden, so ist es der Fall, weil für dasselbe keine vortheilhaftere Anlage gefunden werden kann. Der allgemeine Gewinnstsatz wird in diesem Verhältnisse stehen, und wenn der erste Pachter zurücktritt, so wird sich eine andere Person finden, welche Dasjenige, was diesen Gewinnst überschreitet, dem Eigenthümer des Bodens, aus welchem sie es bezieht, zu geben Willens ist.

Dieses Beispiel hört sich so an, als wende der Pächter statt 1000 £ mit einem Ertrag von 100 £ ein Kapital von 2000 £ mit einem Ertrag von 185 £ an. Da ein gegebenes Stück Land nicht 85% mehr Korn liefert als es liefern kann, muss es sich um die sukzessive Anlage von 2 mal 1000 £ handeln, von denen die zweite nur einen um 15% geminderten Ertrag ergibt.

In diesem, wie in dem anderen Falle, bezahlt das zuletzt angewendete Kapital keine Rente. Denn wegen der grösseren hervorbringenden Kräfte der ersten 1000 £ werden 15 Quarter als Rente entrichtet, für die Anlage der zweiten 1 000 £ aber nichts. Würde nun noch ein drittes Kapital von 1000 £ auf denselben Boden angewendet, mit einem Ertrage von 75 Quarter, dann würde auch für das zweite Kapital von 1000 £ eine Rente bezahlt werden und sie würde dem Unterschiede zwischen dem Erträgnisse der beiden letzteren Kapitalien gleich sein, nämlich 10 Quarter betragen. Zu gleicher Zeit würde die Rente von den ersten 1000 £ Kapital von 15 auf 25 Quarter steigen, während die letzten 1000 £ Kapital gar keine Rente geben würden.

Dieses Beispiel ergibt rechnerisch nur Sinn, wenn derselbe Boden sukzessiv ausgelaugt wird und in der Summe dasselbe Ergebnis wie die gleichzeitig angewandten gleichen Kapitale auf unterschiedlich fruchtbaren Böden hätte. Reich rechnerisch in Ordnung, aber wie soll das vor sich gehen? Das wären mehrfache Nachforderungen, weil sich die Rentenänderungen nacheinander in der Zeit ergäben. Eine rückwirkende Rentenänderung ist so absurd wie eine rückwirkende Brotpreisänderung. Marx dreht das Beispiel um und lässt die Erträge auf demselben Boden sukzessiv steigen.

Wenn nun also gutes Gelände in viel grösserem Ueberflusse vorhanden, als zur Erzeugung der Nahrungsmittel für eine steigende Bevölkerung erforderlich ist, oder auch, wenn ins Unendliche hinaus Kapital ohne Ertragsverminderung auf alten Boden angewendet werden könnte, dann würde kein Steigen der Rente stattfinden können. Denn sie geht ohne Ausnahme <46> aus der Anwendung eines Arbeitszusatzes von einem verhältnissmässig geringeren Erträgnisse hervor.

Der fruchtbarste und günstigst gelegene Boden wird zuerst angebaut und der Tauschwerth seines Ertrages wird auf dieselbe Weise, wie der Tauschwerth aller anderen Güter, bestimmt durch die Gesammtmenge verschiedenartiger Arbeit, von der Ersten bis zur Letzten, welche nothwendig ist, um denselben hervor- und auf den Markt zu bringen. Sowie Boden von geringerer Beschaffenheit in Anbau genommen wird, so steigt der Tauschwerth des rohen Erzeugnisses, weil mehr Arbeit zu dessen Hervorbringung erfordert wird.

Der Tauschwerth aller Güter, seien sie Erzeugnisse der Gewerke, des Bergbaues oder der Landwirthschaft, wird stets bestimmt, nicht durch die geringere Arbeitsmenge, welche unter höchst günstigen und unter solchen Verhältnissen, welche ausschliesslich von Denjenigen genossen werden, die besondere Geschicklichkeiten in hervorbringenden Geschäften besitzen, zu ihrer Hervorbringung hinreicht, sondern durch die grössere Menge von Arbeit, welche nothwendig auf deren Hervorbringung von Denjenigen verwendet wird, die keine solche besonderen Geschicklichkeiten besitzen und mit der Hervorbringung derselben unter den ungünstigsten Verhältnissen fortfahren.

Dieses absurde »Gesetz« gilt nur bei Waren aus der Bestimmung der Bodenrente, wie Ricardo sie schildert. Hier müssen die Verbraucher einen höheren Preis für Waren aus fruchtbarem Boden zahlen, obwohl die dort produzierten Lebensmittel mit weniger Arbeit gewonnen werden, als auf unfruchtbarem Boden, also einen geringeren Wert pro Stück haben.

Man versteht unter diesen ungünstigsten Verhältnissen jene, unter welchen der nothwendige Bedarf an Erzeugnissen es gebietet, die Hervorbringungsarbeiten fortzusetzen.

So werden in einer Wohlthätigkeitsanstalt, worin die Armen durch den Stiftungsfond der Wohlthäter beschäftigt werden, die allgemeinen Preise der Güter, welche aus diesen Arbeiten hervorgehen, nicht durch die ganz besonderen Geschicklichkeiten dieser Arbeitsleute, sondern durch die gemeinen, gewöhnlichen, natürlichen Schwierigkeiten bestimmt, welche sich jedem anderen Gewerksmanne entgegenstellen. Derjenige Gewerksmann, welchem keine von jenen Geschicklichkeiten zu Statten käme, würde alsbald vom Markte vertrieben sein, wenn das Angebot, welches jene begünstigten Arbeitsleute auf denselben bringen, dem Bedarfe des Gemeinwesens Genüge leistete. Allein wenn er sein Gewerbe forttriebe, so könnte dies nur unter der Bedingung geschehen, dass er aus demselben den <47> gewöhnlichen allgemeinen Kapitalgewinnstsatz bezöge. Und dies könnte blos geschehen, wenn seine Güter zu einem Preise verkauft würden, welcher zu der auf ihre Hervorbringung verwendeten Arbeit im Verhältnisse stände.2

Es ist gewiss, dass auf dem besten Boden noch und fortan mit der gleichen Arbeit die gleiche Menge von Erzeugnissen, wie zuvor, erlangt werden kann; aber ihr Tauschwerth wird in Folge der verringerten Erträgnisse in die Höhe getrieben, welche Diejenigen beziehen, welche neue Arbeit und frisches Kapital auf weniger fruchtbaren Boden verwenden. Wenn nun auch die Vortheile, welche fruchtbarer Boden vor geringerem voraus hat, auf keinen Fall verloren gehen, sondern vielmehr blos von dem Landwirthe oder Zehrer auf den Grundherrn übergehen, so wird der verglichene Tauschwerth der Roh-Erzeugnisse doch <48> fortfahren, beständig über seinem früheren Stande zu bleiben, und bewirken, dass sie gegen mehr Hüte, Kleider, Schuhe etc. ausgetauscht werden, auf deren Hervorbringung kein solcher Arbeitszusatz verwendet zu werden brauchte, so lange nämlich, als mehr Arbeit für Boden niederer Klasse erforderlich ist, und als derselbe uns in Stand setzt, uns mit dem gestiegenen Bedarfe an solchen Roh-Erzeugnissen zu versehen.

Der Grund also, warum die Roh-Erzeugnisse im verglichenen Tauschwerthe steigen, ist der, dass mehr Arbeit auf die Hervorbringung des letzten Theiles davon verwendet, und nicht der, dass dem Grundherrn eine Rente (rent) entrichtet wird. Der Tauschwerth des Getreides wird durch die Menge von Arbeit, welche zum Behufe seiner Hervorbringung auf diese Klasse von Boden verwendet wird, oder durch denjenigen Theil des Kapitals, welcher keine Rente bezahlt, bestimmt; das Getreide steht nicht hoch, weil eine Rente entrichtet wird, sondern es wird eine Rente entrichtet, weil das Getreide hoch steht, und man hat mit Recht die Bemerkung gemacht, dass, selbst wenn die Grundherren auf die ganze Rente verzichten würden, doch keine Herabsetzung des Getreidepreises erfolgen würde. Solch' eine Maassregel würde nur die Pächter in Stand setzen, wie Herren zu leben, aber keineswegs die Arbeitsmenge verringern, welche erforderlich ist, um Roh-Erzeugnisse von dem unergiebigsten angebauten Boden zu gewinnen.

Je höher die Produktivität, desto niedriger die Preise, weil mit größerer Produktivität in der gleichen Zeit mehr oder bessere Waren produziert werden. Der bessere Boden hat von Natur aus eine höhere Produktivität. Der Pächter kann also mit weniger Arbeit die gleiche Menge Früchte ernten wie der Pächter auf weniger fruchtbarem Boden. Wenn er die Chance hat, seinem mehr arbeitenden Kollegen durch niedrigere Preise die Kundschaft auszuspannen, wird er sie nutzen, wenn er selbst die Grundrente einstecken würde. Er tut es nicht, weil ihm das sein Grundherr verbietet.

Nichts ist gewöhnlicher, als dass man von den Vortheilen reden hört, welche der Boden vor jeder anderen Quelle nützlicher Erzeugnisse voraus habe, eben wegen des Ueberschusses, welchen derselbe unter der Gestalt der Rente gewähre. Indess gibt derselbe, gerade wenn er im Ueberflusse vorhanden, am fruchtbarsten und ertragreichsten ist, keine Rente. Blos wenn seine Kräfte schwinden, und wenn er für die Arbeit weniger Ertrag liefert, wird ein Theil vom Ur-Erzeugnisse (the original produce) der fruchtbareren Bodenflächen als Rente auf die Seite geschafft.

Die Minderung der Bodenfruchtbarkeit ist zwar eine andere Herleitung der »Differentialrente«, als Ricardo sie oben gegeben hat (als Umstieg vom fruchtbaren auf den weniger fruchtbaren Boden), aber im Ergebnis bleibt sie sich gleich als Differenz zwischen zwei verschieden fruchtbaren Böden, deren Rahm vom Grundeigentümer abgeschöpft wird.

Es ist wirklich sonderbar, dass gerade diese Eigenschaft des Bodens, die doch eigentlich als eine Unvollkommenheit hätte bezeichnet werden sollen, wenn man ihn mit den natürlichen Hilfsmitteln der Gewerke vergleicht, als dasjenige hervorgehoben werden konnte, was ihm einen absonderlichen Vorzug gebe. Wäre <49> Luft, Wasser, Federkraft des Dampfes und Druck der Luft von verschiedener Art und Beschaffenheit; könnten sie in ausschliesslichen Besitz genommen werden und wäre eine jede Art und Beschaffenheit in mässigem Vorrathe vorhanden, dann würden sie so gut wie der Boden eine Rente geben, so wie sie nämlich allmälig mit abnehmender Güte nach einander in Benutzung genommen würden. Mit jeder Anwendung einer schlechteren Art davon müsste jedesmal auch der Tauschwerth der Güter, bei deren Verfertigung sie gebraucht wurden, steigen, weil eben gleiche Mengen von Arbeit immer weniger hervorbrächten. Der Mensch würde mehr im Schweisse seines Angesichtes arbeiten, aber die Natur weniger vollbringen, und der Boden nicht mehr länger einen Vorzug geniessen, just wegen seiner beschränkten Kräfte.

Wenn der Ueberschuss des Erzeugnisses, welchen der Boden in der Gestalt der Rente erträgt, ein Vortheil ist, so ist zu wünschen, dass mit jedem Jahre die neu gefertigten Maschinen weniger wirkten, als die alten; denn dies würde ohne Zweifel nicht blos den Gewerkgwaaren, welche durch diese, sondern auch jenen, welche durch die anderen Maschinen im ganzen Königreiche verfertigt werden, einen höheren Tauschwerth geben und es würde alsdann allen Denjenigen, welche die hervorbringendsten Maschinen besitzen, eine Rente bezahlt werden.3 <50> Das Steigen der Rente ist immer die Folge des zunehmenden Wohlstandes in einem Lande und der Schwierigkeit, die steigende Bevölkerung mit den gehörigen Nahrungsmitteln zu <51> versehen. Dasselbe ist ein Zeichen, aber niemals eine Ursache des Wohlstandes; denn dieser nimmt oft reissend zu, während die Rente entweder im Stillstande oder im Fallen begriffen ist. Die Rente geht am schnellsten in die Höhe, wenn der verfügbare Boden in seinen hervorbringenden Kräften nachlässt. Der Volkswohlstand nimmt in denjenigen Ländern am reissendsten zu, wo der verfügbare Boden am fruchtbarsten, und wo die Einfuhr am ungehindertsten ist, durch landwirthschaftliche Gewerbsverbesserungen das Erzeugniss ohne Vergrösserung der verhältnissmässigen Arbeitsmenge vermehrt werden kann und folglich die Zunahme der Rente gering ist.

Wären die hohen Getreidepreise die Wirkung, und nicht die Ursache der Rente, so würden sie darunter leiden, je nachdem die letztere hoch oder niedrig stände; die Rente wäre ein Bestandtheil des Getreidepreises. Allein dasjenige Getreide, welches durch die grösste Arbeitsmenge erzeugt wurde, ist der Bestimmer der Getreidepreise; und die Rente ist auch nicht im Mindesten ein Bestandtheil der letzteren und kann es auch nicht sein. 4. A. Smith kann also nicht Recht haben, da er annimmt, die ursprüngliche Regel, wonach sich der Tauschwerth der Güter bestimme, nämlich die verglichene Arbeitsmenge, durch welche sie hervorgebracht werden, könne durch die Aneignung von Grundeigenthum und Zahlung einer Rente gänzlich umgeändert werden. Rohstoffe wandeln in die Zusammensetzung der meisten Güter hinein, aber ihr Tauschwerth, so gut wie der des Getreides, wird durch die Hervorbringungsfähigkeit desjenigen Theiles des Kapitals, der zuletzt auf den Boden verwendet wurde und keine Rente bezahlt, bestimmt; und darum ist die Rente kein Bestandtheil des Preises der Güter.

Denn der Preisbestimmer ist der rentenlose Boden, so die treuherzige Begründung. Das ist der Höchstpreis, zu dem alle Pächter verkaufen müssen, auch wenn die Produktivität ihres Bodens einen niedrigeren Wert bewirkt. Würden die Pächter ihre Warenwerte nach der Produktivität messen, bliebe keine Rente übrig. Dann würden uns die Landlords ganz schnell davon überzeugen, dass die Rente sehr wohl ein Teil des Preises ist. Allerdings würden dann Pächter mit niedrigerer Produktivität vom Markt geworfen, so dass nur der fruchtbarste Boden bebaut würde. Hier muss der Staat gegensteuern.

Bisher haben wir die Wirkungen der natürlichen Fortschritte des Volkswohlstandes und der Bevölkerung auf die Rente betrachtet, in einem Lande, wo der Boden von manchfacher her <52> vorbringender Kraft ist, und wir haben gesehen, dass mit jedem neuen Kapitalzusatze, welchen man auf den Boden anzuwenden gezwungen ist, die Rente steigen muss. Es folgt aus denselben Grundgesetzen, dass gewisse Umstände und Verhältnisse der Gesellschaft, welche es unnöthig machen, einen so grossen Kapitalbetrag auf den Boden zu verwenden, und welche daher den letzten Kapitalzusatz hervorbringender machen, die Rente erniedrigen müssen. Dieselbe Wirkung muss natürlicher Weise auch eine grosse Abnahme des Volkskapitals haben, welche wirklich der Sache nach den Fond des Landes verringert, der zur Unterhaltung der Arbeit bestimmt ist. Die Bevölkerung regelt sich selbst nach dem Fond, welcher zu ihrer Beschäftigung bestimmt ist, und nimmt daher zu oder ab mit der Zuoder Abnahme des Kapitals. Jede Verringerung des Kapitals hat daher auch nothwendig einen geringeren wirksamen Begehr nach Getreide, ein Sinken des Preises und eine Verminderung des Bodenanbaues und der Pflanzung zur Folge. Umgekehrt wird, so wie die Kapitalanhäufung die Rente steigert, auch die Kapitalverringerung die Rente senken. Boden von geringerer Fruchtbarkeit wird in der Folge verlassen, der Tauschwerth der Erzeugnisse wird fallen und Boden von höherer Fruchtbarkeit wird der zuletzt in Anbau genommene und derjenige sein, welcher dann keine Rente entrichtet.

Dieselbe Wirkung kann indess hervorgebracht werden, wann der Volkswohlstand und die Bevölkerung eines Landes gestiegen sind, wenn nämlich diese Zunahme von solchen hervorstechenden Verbesserungen im Ackerbaue begleitet ist, welche ebenso eine Verringerung der Nothwendigkeit des Anbaues ärmeren Bodens oder der Auslage des nämlichen Kapitals für den Anbau der fruchtbareren Bodentheile bewirken.

Ist eine Million Quarter Getreide zur Unterhaltung einer gegebenen Bevölkerung erforderlich und wird dieselbe von Boden erster, zweiter und dritter Klasse bezogen; wird später eine Verbesserung erfunden, wodurch sie schon auf Boden No. 1 und 2 gewonnen werden kann, ohne dass man No. 3 bedarf: so ist es einleuchtend, dass die unmittelbare Folge davon ein Sinken der Rente sein muss. Denn No. 2 wird fortan anstatt No. 3 bebaut, ohne eine Rente zu bezahlen, und die Rente von No. 1 <53> wird, anstatt der Unterschied zwischen dem Erzeugnisse von No. 3 und No. 1, blos jener zwischen dem Erzeugnisse von No. 2 und No. 1 sein. Bei der nämlichen und nicht grösseren Bevölkerung kann kein Begehr nach mehr Getreide entstehen; das Kapital und die Arbeit, die vorher auf No. 3 verwendet wurden, wird jetzt der Hervorbringung anderer, für das Gemeinwesen wünschenswerther, Güter gewidmet und kann keine erhöhende Wirkung auf die Rente äussern, es müssten denn die Rohstoffe, aus welchen sie bereitet werden, ohne unvortheilhaftere Kapitalanlage auf den Boden nicht zu erlangen sein, in welchem Falle aber No. 3 wieder bebaut werden muss.

Es ist ausser allem Zweifel, dass das Sinken des verhältnissmässigen Preises der Roherzeugnisse zufolge der Verbesserung der Landwirthschaft, oder vielmehr der Anwendung von weniger Arbeit auf den Ackerbau, natürlich zu einer grösseren Kapitalanhäufung führen muss, denn die Kapitalgewinnste müssen sich dabei mächtig vermehren. Diese Kapitalanhäufung muss eine Vermehrung der Nachfrage nach Arbeit, also höheren Arbeitslohn, grössere Bevölkerung, einen weiteren Begehr nach Roherzeugnissen und ausgedehnteren Anbau von Boden herbeiführen. Jedoch erst nach der Vergrösserung der Bevölkerung, d. h. also, nachdem No. 3 in Anbau genommen worden ist, wird die Rente so hoch sein als zuvor. Eine beträchtliche Zeit wird aber vorübergegangen sein, begleitet von einer wirklichen Verminderung der Rente.

Allein die Verbesserungen im Ackerbaue sind von doppelter Art: solche, welche die hervorbringenden Kräfte des Bodens vermehren, und solche, die uns in Stand setzen, vermittelst Verbesserung unserer Geräthschaften, die Bodenerzeugnisse mit weniger Arbeit zu erlangen. Beide führen zu einem Sinken der Preise der Roherzeugnisse; beide berühren die Rente, aber nicht in gleichem Maasse. Veranlassen sie kein Sinken des Preises der Roherzeugnisse, dann sind sie auch keine Verbesserungen; denn es ist die wesentliche Eigenschaft einer Verbesserung, die vorher zur Hervorbringung eines Gutes nöthig gewesene Arbeitsmenge zu verringern, und diese Verringerung kann ohne Sinken des Preises oder verhältnissmässigen Tauschwerthes der Roherzeugnisse nicht Statt finden. <54>

Die Verbesserungen, welche die hervorbringenden Kräfte des Bodens vermehren, sind solche, wie z. B. eine umsichtigere Fruchtfolge oder bessere Wahl des Düngers. Solche Verbesserungen setzen uns geradezu in Stand, auf kleinerer Bodenfläche dieselbe Menge von Erzeugnissen zu ziehen. Wenn ich, durch Einführung der Rüben in die Fruchtfolge, ausserdem dass ich mein Getreide beziehe, auch noch meine Schaafe füttern kann, so wird der Boden, auf welchem sonst dieselben gefüttert wurden, entbehrlich und es wird dieselbe Menge von Roherzeugnissen auf einer kleineren Bodenfläche erzielt. Wenn ich eine Düngungsart entdecke, welche mich in Stand setzt, auf einem Stücke Grund und Boden um 20 % mehr Getreide zu erbauen, so werde ich wenigstens doch einen Theil meines Kapitals von dem unfruchtbarsten Theile meines Landgutes zurückziehen. Allein es ist, wie ich vorhin bemerkte, nicht nothwendig, dass gerade Boden ausser Anbau gesetzt werden muss, um die Rente herabzusetzen; es ist vielmehr hiezu hinreichend, dass allmälig nacheinander Kapitalzusätze auf denselben Boden mit verschiedenem Ergebnisse angewendet seien und derjenige davon, welcher das unbedeutendste Ergebniss liefert, zurückgezogen werde. Wenn ich, durch Einführung des Rübenbaues oder durch den Gebrauch eines kräftigeren Düngers, mit geringerem Kapitale dasselbe Erzeugniss erlangen kann, ohne den Unterschied zwischen den hervorbringenden Kräften der allmälig nach einander angewendeten Kapitalzusätze zu verändern, so werde ich die Rente erniedrigen; denn ein verschiedener und hervorbringenderer Kapitalzusatz gibt den Maassstab ab, nach welchem alle anderen bemessen werden. Wenn z. B. die allmälig nach einander angelegten Kapitalzusätze 100, 90, 80, 70 ertrügen, so würde meine Rente 60 betragen, oder den Unterschied zwischen

70 und 100 = 30 100
70 und 90 = 20 während das Erzeugniss wäre 90
70 und 80 = 10 80
60 70
340

und so lange ich diese allmäligen Kapitalzusätze anwendete. <55> würde sich die Rente gleich bleiben, wenn gleich das Erzeugniss eines jeden eine gleiche Vermehrung erlitte. Wenn anstatt 100, 90, 80, 70, das Erzeugniss 125, 115, 105, 95 würde, so bliebe die Rente 60 oder der Unterschied zwischen

95 und 125 = 30 125
95 und 115 = 20 während das Erzeugniss wäre 115
95 und 105 = 10 105
60 95
440

Jedoch eine solche Zunahme des Erzeugnisses ohne entsprechende Zunahme der Nachfrage5 kann kein Beweggrund zur Anwendung so vielen Kapitals auf den Boden sein; ein Kapitalzusatz wird zurückgenommen werden und es wird folglich der nunmehr Letzte 105 anstatt 95 ertragen und die Rente auf 30 herabgehen oder auf den Unterschied zwischen

105 und 125 = 20 während das Erzeugniss im- 125
105 und 115 = 10 mer noch dem Bedarfe der 115
30 Bevölkerung genügen, näm - 105
lich = 345 Quarter sein wird, 345

denn die Nachfrage geht blos nach 340 Quarter.

Aber es gibt landwirthschaftliche Verbesserungen, welche den verhältnissmässigen Tauschwerth der Erzeugnisse verkleinern können, ohne die Getreiderente zu verringern, obgleich sie die Geldgrundrente erniedrigen. Solche Verbesserungen erhöhen die hervorbringenden Kräfte des Bodens nicht, aber sie setzen uns in Stand, ihre Erzeugnisse mit weniger Arbeit zu erlangen. Sie sind mehr auf die Bildung des landwirthschaftlichen Kapitals, als auf den Bodenanbau selbst gerichtet. Von dieser Art sind Verbesserungen der landwirthschaftlichen Geräthe, wie z. B. <56> des Pfluges und der Dreschmaschine, Sparsamkeit im Gebrauche der Wirthschaftspferde, und bessere Kenntnisse in der Thierheilkunde. Weniger Kapital, was dasselbe ist als wie weniger Arbeit, wird auf den Boden angewendet; aber um dasselbe Erzeugniss zu bekommen, darf nicht weniger Boden angebaut werden. Ob jedoch Verbesserungen dieser Art die Getreiderente berühren, hängt von der anderen Frage ab, ob der Unterschied zwischen den Erzeugnissen der verschiedenen allmälig hinter einander angelegten Kapitalzusätze zugenommen hat, sich gleich geblieben ist oder abgenommen hat. Wenn vier Kapitalanlagen, 50, 60, 70, 80 auf den Boden verwendet sind, von welchen jede dasselbe Ergebniss liefert, und wenn mich irgend eine Verbesserung in der Form solchen Kapitals in den Stand setzen würde, von einem jeden derselben 5 zurückzuziehen, so dass sie nur 45, 55, 65, 75 betrügen, so würde mit der Getreiderente keine Aenderung vor sich gehen; wenn mich aber die Verbesserungen in den Stand setzten, den ganzen letzten Kapitalzusatz, welcher am wenigsten einträgt, zu sparen, so würde die Getreiderente unmittelbar fallen, weil nämlich der Unterschied zwischen dem fruchtbarsten und wenigst fruchtbaren Kapitale abgenommen hätte. Denn dieser Unterschied macht die Rente aus.

Ohne die Beispiele zu vermehren, hoffe ich, ist genug gesagt worden, um darzuthun, dass Alles, was die Ungleichheit der Grösse der Erzeugnisse der allmälig nach einander auf den alten oder auf neuen Boden angewendeten Kapitalzusätze vermindert, die Rente zu erniedrigen strebt; und dass Alles, was jene Ungleichheit vergrössert, nothwendig die entgegengesetzte Wirkung hervorbringen muss und die Rente zu erhöhen strebt.

Indem wir von der Rente des Grundherrn sprachen, haben wir sie vorzüglich als einen Theil des ganzen Erzeugnisses, welches mit einem gegebenen Kapital auf einem gegebenen Landgute gewonnen wird, betrachtet, ohne Rücksicht auf dessen Tauschwerth zu nehmen. Aber so lange dieselbe Ursache, nämlich die Schwierigkeit der Hervorbringung, den Tauschwerth der Roherzeugnisse und folglich auch den als Rente an den Grundherrn entrichteten Theil derselben erhöht, ist es klar, dass der Grundherr durch die Schwierigkeit der Hervorbringung doppelt in Vortheil kommt. Erstens empfängt derselbe einen <57> grösseren Antheil und zweitens ist das Gut, womit er bezahlt wird, von grösserem Tauschwerthe.

Fußnote (bis zum Ende des Kapitels):

Um dies klar zu machen und um darzuthun, in welchem Grade die Getreideund Geldgrundrente sich verändere, lasset uns den Fall setzen, dass die Arbeit von 10 Menschen auf Boden von gewisser Beschaffenheit 180 Quarter Weizen hervorbringe und dessen Werth zu 4 £ p. Quarter, also im Ganzen zu 720 £ stehe; ferner dass die Arbeit von 10 weiteren Menschen auf demselben oder anderem Boden nur 170 Quarter dazu hervorbringe. In diesem Falle würde der Weizen von 4 £ auf 4 £ 4 sh. 8 d. steigen, denn 170 : 180 = 4 £ : 4 £ 4 sh. 8 d. Oder da in dem einen Falle zur Hervorbringung von 170 Quarter die Arbeit von 10 Menschen, im anderen aber nur von 9,44 Menschen erforderlich ist, so muss das Steigen des Preises = 9,44 : 10 oder 4 £ : 4 £ 4 sh. 8 d. sein. Wenn noch einmal 10 Menschen angestellt würden und der Ertrag

160 wäre, so stiege der Preis auf 4 £ 10 sh. 0 d.
150 4 £ 16 sh. 0 d.
140 5 £ 2 sh. 10 d.

Wenn nun vom Boden, der 180 Quarter bei einem Preise von 4 £ ertrug, keine Rente bezahlt wurde, so wird der Tauschwerth von 10 Quarter als Rente entrichtet werden müssen, sobald blos 170 Quarter hervorgebracht werden können. Dies macht zu 4 £ 4 sh. 8 d. p. Quarter 42 £ 7 sh. 6 d.

20 Quarter, wenn 160 gewonnen werden, was zu
4 £ 10 sh. 0 d. macht 90 £
30 Quarter, wenn 150 5 £ 16 sh. 0 d. macht 144 £
40 Quarter, wenn 140 5 £ 2 sh. 10 d. macht 205 £ 13 sh. 4 d.
Die Getreiderente würde nun steigen im Verhältnisse von 100
200
300
400
Und die Geldgrundrente im Verhältnisse von 100
212
340
1485

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1. »Die Erde ist, wie wir bereits gesehen haben, nicht das einzig Wirkende der Natur, welches eine hervorbringende Kraft hat, aber sie ist wirklich oder doch beinahe das Einzige, welches eine Anzahl von Menschen für sich mit Ausschluss von Anderen in Besitz nimmt, und dessen Wohlthaten sie sich zu eigen machen. Das Wasser der Ströme und der See hat ebenfalls hervorbringende Kraft, mit welcher es unsere Maschinen treibt, unsere Boote weiter trägt, unsere Fische nährt. Der Wind, welcher unsere Mühlen treibt, und ebenfalls der Strahl der Sonne arbeitet für uns. Aber zum Glücke durfte sich bis jetzt noch Niemand unterstehen zu sagen: »der Wind und die Sonne sind mein und für den Dienst, den sie leisten, muss mir etwas bezahlt werden.« I. B. Say Econ. politique Band II. S. 124.

2. Hat nicht Say in folgender Stelle vergessen, dass es die Hervorbringungskosten sind, weiche zuletzt den Preis bestimmen? »Das Erzeugniss der Landbauarbeit hat diese ganz besondere Eigenthümlichkeit, dass es nicht theurer wird, wenn seine Menge abnimmt, weil die Bevölkerung stets zu gleicher Zeit sinkt, wenn sich die Menge der Nahrungsmittel verringert, und weil folglich die Menge dieser Erzeugnisse, welche man begehrt, zu gleicher Zeit das Angebot herabdrückt, üeberdies, hat man nicht wahrgenommen, dass das Getreide auf jenen Plätzen theurer ist, wo es unangebautes Gelände in Fülle gibt, als in völlig urbar gemachten Ländern. England und Frankreich waren um Vieles unvollkommener angebaut im Mittelalter, als jetzt, sie brachten viel weniger Roh-Erzeugnisse hervor: nichtsdestoweniger kann man durch eine Vergleichung mit dem Tauschwerthe anderer Dinge sich überzeugen, dass das Getreide damals nicht theurer bezahlt wurde, als jetzt. War die Menge der Erzeugnisse geringer, so war es auch die Bevölkerung; die Schwäche des Begehrs hob die Wirkung der Niedrigkeit des Angebotes auf.« Economic politique Bd. II. S. 338.
Indem Say von der Ansicht durchdrungen ist, dass der Preis der Güter durch den Preis der Arbeit bestimmt werde, und mit Recht annimmt, dass Wohlthätigkeitsanstalten jeder Art die Bevölkerung über den Stand zu erhöhen streben, den sie sonst einhalten würde, und folglich den Arbeitslohn herabdrücken; so äussert er noch: »Ich vermuthe, dass die Wohlfeilheit der Güter, welche von England kommen, zum Theile durch die zahlreichen Wohlthätigkeitsanstalten verursacht wird, welche in diesem Lande bestehen.« Economic polit. Bd. II. S. 277. Dies ist die feste Meinung eines Mannes, der behauptet, dass der Arbeitslohn die Preise der Dinge bestimme.

3. »Im Ackerbaue, sagt A. Smith j arbeitet die Natur vereint mit dem Menschen, und obgleich ihre Arbeit nichts kostet, so hat ihr Erzeugniss doch seinen Tauschwerth, so gut als das des kostspieligsten Arbeitsmannes. « Die Arbeit der Natur wird bezahlt, nicht weil sie viel, sondern weil sie wenig thut. Im nämlichen Verhältnisse, als sie mit ihren Gaben karger wird, erzwingt sie auch für ihr Werk einen höheren Preis. Wo sie grossmüthig wohlthätig ist, arbeitet sie immer umsonst. »Das Arbeitsvieh in der Landwirthschaft veranlasst nicht blos, wie die Arbeiter in den Gewerken, die Wiedergewinnung eines Tauschwerthes, welcher seiner eigenen Abnutzung oder dem dasselbe anwendenden Kapitale sammt Gewinnst seines Eigenthümers gleichkommt, sondern noch eines viel grösseren. Ueber das Kapital des Pachters sammt seinem Gewinnste hinaus verursacht es noch die Hervorbringung der Rente für den Grundherrn. Diese kann als das Erzeugniss jener Naturkräfte betrachtet werden, deren Benutzung der Grundherr dem Pachter leiht. Sie ist grösser oder kleiner je nach der angenommenen Ausdehnung jener Kräfte, oder mit anderen Worten, je nach der natürlichen oder künstlich gesteigerten Fruchtbarkeit des Bodens. Was nach Abzug der Abgleichung alles dessen, was als Menschenwerk angesehen werden kann, noch übrig bleibt, ist das Werk der Natur. Es ist selten weniger als ein Viertheil und oft mehr als ein Dritttheil des ganzen Erzeugnisses. Eine gleiche Menge von hervorbringender Arbeit in den Gewerken kann keine so grosse neue Hervorbringung veranlassen. In diesen thut die Natur nichts, und der Mensch Alles; und das neu Gewonnene muss stets zur Stärke der wirkenden Ursachen, welche es schaffen, in geradem Verhältnisse stehen. Das landwirthschaftliche Kapital setzt daher nicht blos eine grössere Menge hervorbringender Arbeit in Bewegung als ein gleiches Gewerkskapital, sondern es gibt auch noch dazu neben der Menge von hervorbringender Arbeit, die es anwendet, dem jährlichen Erzeugnisse des Bodens und der Arbeit eines Landes, dem wirklichen wahrhaftigen Vermögen und Einkommen seiner Bewohner einen viel höheren Werth. Unter allen Arten der Kapitalverwendung ist diese für die Gesellschaft bei weitem die vortheilhafteste.« Buch II. Hauptst. 5. (Smith 2.5.121 )
Thut die Natur in den Gewerken wirklich nichts für den Menschen? Sind die Wind- und Wasserkräfte, die unsere Maschinen in Bewegung setzen, und die Schifffahrt unterstützen, denn gar nichts? Der Druck der Luft, die Federkraft des Dampfes, welche uns in Stand setzen, die staunenswürdigsten Maschinen wirken zu machen, - sind sie nicht Gaben der Natur? nicht zu gedenken der Wirkungen der Hitze bei Enthärtung und Schmelzung der Metalle, der Zersetzung der Luft beim Färben und Gähren. Es kann kein Gewerk angeführt werden, in welchem die Natur dem Menschen nicht Hilfe leistet, und dazu nicht edelmüthig und unentgeltlich.
In seinen Bemerkungen zu dieser aus A. Smith angeführten Stelle sagt Buchanan: »Ich habe im vierten Bande bei den Bemerkungen über hervorbringende und nicht hervorbringende Arbeit zu zeigen gesucht, dass der Ackerbau nicht mehr als irgend jeder andere Gewerbsbetrieb das Volksvermögen vergrössert. I ndem A. Smith bei der Gewinnung der Rente als eines so grossen Vortheils für die bürgerliche Gesellschaft verweilt, denkt er nicht daran, dass die Rente eine Wirkung der hohen Preise ist, und dass dasjenige, was der Grundherr auf diesem Wege gewinnt, in seinem ganzen Betrage auf Kosten des Gemeinwesens gewonnen wird. Aus der Gewinnung der Rente entsteht kein Gewinn an sich und rein für die bürgerliche Gesellschaft; es gewinnt dabei nur eine Bürgerklasse auf Kosten der anderen. Die Meinung, der Ackerbau gebe ein Erzeugniss und eine Rente, weil die Natur mit der menschlichen Gewerb- und Betriebsamkeit bei den Vorgängen in der Pflanzung zusammenwirkt, ist nichts als Einbildung. Nicht von dem Erzeugnisse, sondern von dem Preise desselben kommt die Rente her; und diesen Preis erlangt man, nicht weil die Natur bei der Hervorbringung mitwirkt, sondern weil er dasjenige ist, was die Verzehrung nach ihrem Begehre für das Angebot zu geben für angemessen hält.«

4. Das klare eigentliche Verständniss dieses Grundgesetzes ist, ich bin dessen überzeugt, von der allergrössten Wichtigkeit für die Volkswirthschaflslehre.

5. Man wird mich hoffentlich nicht so verstehen, als unterschätze ich die Wichtigkeit aller Arten Verbesserungen in der Landwirthschaft für die Grundherren. Ihre unmittelbare Wirkung ist Verminderung der Rente. Allein da dieselben einen starken Antrieb zur Vermehrung der Bevölkerung geben und uns gleichzeitig in Stand setzen, ärmeren Boden mit weniger Arbeit zu bebauen, so sind sie schliesslich für die Grundherren von ungeheuerem Votheil. Indessen, eine Zeitperiode muss verstreichen, während welcher sie denselben wirklich nachtheilig sind.