Zweiunddreissigstes Hauptstück. Malthus' Ansichten über die Rente.

Obschon auf früheren Blättern dieses Buches die Natur der Rente mit einiger Ausführlichkeit abgehandelt worden ist: so halte ich mich doch für verbunden, einige Ansichten über diesen Gegenstand herauszuheben, welche mir irrig zu sein scheinen und zugleich um so wichtiger sind, als sie sich in den Schriften eines Mannes finden, dem manche Zweige der Wirthschaftslehre unter allen Männern unserer Zeit am meisten zu verdanken haben. Ich bin so glücklich, eine Gelegenheit zu haben, um meine Bewunderung über Malthus' Versuch über Bevölkerung (Essay on Population) auszudrücken. Die Angriffe der Gegner dieses grossen Werkes haben blos dazu gedient, seine Tüchtigkeit zu beweisen; und ich bin überzeugt, dass sein gerechter Ruhm mit der Ausbildung der Wissenschaft wachsen wird, für welche es eine ausnehmende Zierde ist. Ausserdem hat Malthus die Grundgesetze der Rente zur Genüge auseinandergesetzt, und gezeigt, dass sie im Verhältnisse der verglichenen Vorzüge der verschiedenen angebauten Bodenarten, sei es in Betreff der Ergiebigkeit oder der Lage, steigt oder fällt, und viel Licht über viele schwierige, mit der Rente in Verbindung stehende Punkte verbreitet, welche vorher entweder ganz unbekannt oder sehr unvollkommen verstanden waren; jedoch scheint er mir auch in einige Irrthümer verfallen zu sein, deren Heraushebung seine Autorität um so nothwendiger macht, als die Biederkeit seines Charakters dieselbe nicht zu einem missfälligen Geschäfte macht. <369> Einer von diesen Irrthümern liegt in der Annahme, die Rente sei ein reiner Gewinn und eine neue Schaffung von Vermögen.

Ich stimme nicht mit allen Ansichten Buchanan's in Betreff der Rente überein; aber denjenigen, welche er in folgender Stelle, die Malthus aus dessen Werk entnommen hat, darlegt, stimme ich ganz und gar bei; und desshalb muss ich auch von Malthus' Erläuterung derselben abweichen.

»Aus diesem Gesichtspunkte kann sie (die Rente) keinen Zusatz zu dem allgemeinen Kapitale des Gemeinwesens bilden, da der fragliche reine Ueberschuss nichts mehr ist, als ein von einer Klasse auf die andere übertragenes Einkommen; und es ist klar, dass aus diesem einzigen Umstande der Besitzveränderung kein Fond entstehen kann, aus welchem sich Abgaben entrichten lassen. Das Einkommen, welches für die Bodenerzeugnisse bezahlt wird, ist bereits vorhanden in den Händen derjenigen, welche diese Erzeugnisse kaufen; und es würde auch, wenn der Preis der Unterhaltsmittel niedriger wäre, doch in ihren Händen bleiben, wo es just ebenso zur Besteuerung bereit läge, als wann es in Folge höherer Preise auf den Grundeigenthüroer übertragen ist.«

Nach verschiedenen Bemerkungen über den Unterschied zwischen Roherzeugnissen und Gewerkswaaren, fragt Malthus : »Ist es denn nun möglich, mit de Sismondi die Rente als blosses Erzeugniss der Arbeit, das einen reinen Nennwerth hat, und als ein blosses Ergebniss derjenigen Preiserhöhung anzusehen, welche der Verkäufer in Folge einer besonderen Bevorrechtigung erlangt? oder mit Buchanan sie nicht als einen Zusatz zum Volksvermögen, sondern blos als eine Werthsübertragung zu betrachten, welche allein den Grundherren zum Vortheil und den Zehrern zum verhältnissmässigen Nachtheile gereicht?«1

Ich habe meine Meinung über diesen Gegenstand bereits in der Abhandlung über die Rente auseinander gesetzt, und habe nun blos hinzuzufügen, dass die Rente eine Schaffung von Tauschwerthen, wie ich letzteres Wort verstehe, und keine Schaffung von Vermögen ist. Wenn der Preis des Getreides. <370> wegen der Schwierigkeit, eine gewisse Menge hervorzubringen, von 4 £ auf 5 £ für den Quarter steigen sollte, so wird eine Million Quarter einen Tauschwerth von 5,000,000 £ anstatt von 4,000,000 £ haben, und da dieses Getreide nicht nur gegen mehr Geld, sondern auch gegen mehr von jedem anderen Gute ausgetauscht werden wird, so werden die Besitzer einen grosseren Betrag an Tauschwerth haben: und da gar keiner einen geringeren haben wird, so wird die ganze Gesellschaft im Besitze eines grösseren Tauschwerthes sein und in diesem Sinne ist die Rente eine Schaffung von Tauschwerth. Allein dieser Tauschwerth ist insofern blos Nennwerth, als er das Vermögen, d. h. die Bedürfnissmittel, Bequemlichkeiten und Genüsse der Gesellschaft, nicht vermehrt. Wir müssen genau die nämliche Menge und nicht mehr Güter und dieselbe Million Quarter Weizen wie vorher haben; aber die Wirkung davon, dass er zu 5 £ für den Quarter anstatt zu 4 £ berechnet wird, ist die, dass ein Theil vom Tauschwerthe des Getreides und der Güter von ihren früheren Besitzern auf die Grundherren übergetragen wird. Die Rente ist daher eine Schaffung von Tauschwerth, aber keine Schaffung von Vermögen; sie setzt nichts zu den Hilfsquellen des Landes zu, sie setzt es nicht in den Stand, Flotten und Kriegsheere zu erhalten; denn das Land würde mehr verfügbare Mittel haben, wenn der Boden desselben besser wäre, und es könnte, ohne eine Rente zu bewirken, das nämliche Kapital anwenden.

Es muss denn also zugegeben werden, dass Sismondi und Buchanan , - denn beider Ansichten sind in der Hauptsache ganz dieselben, - ganz Recht haben, wenn sie die Rente als einen blossen Nennwerth betrachten, welcher keinen Zusatz zum Volksvermögen bildet, sondern blos eine Uebertragung von Tauschwerthen, die allein den Grundherren zum Vortheile und den Zehrern zum verhältnissmässigen Nachtheile gereiche.

An einer anderen Stelle seiner »Untersuchung« bemerkt Malthus, »die unmittelbare Ursache der Rente sei offenbar der Ueberschuss des Preises über die Hervorbringungskosten, zu welchem die Roherzeugnisse auf dem Markte abgesetzt würden;« und an einer anderen Stelle sagt er, »als Ursachen des hohen Preises der Roherzeugnisse Hessen sich drei anführen.: - <371>

»Erstens und hauptsächlich, eine solche Beschaffenheit des Bodens, mittelst welcher derselbe eine grössere Menge Lebensbedürfnisse liefern kann, als zum Unterhalte der zu seinem Anbaue verwendeten Personen erforderlich ist.«

»Zweitens, diejenige den Lebensmitteln besonders eigene Beschaffenheit, dass sie sich ihre Nachfrage selbst verschaffen können, oder eine Anzahl von Begehrern hervor zu rufen vermögen, die zur Menge hervorgebrachter Lebensmittel in Verhältniss steht.«

»Und drittens, der vergleichsweise Mangel am ergiebigsten Boden.« Indem Malthus vom hohen Preise des Getreides spricht, versteht er offenbar nicht darunter den Preis für den Quarter oder Bushel, sondern vielmehr den Ueberschuss des Preises, um den das ganze Erzeugniss abgesetzt wird, über seine Hervorbringungskosten, und schliesst in den Ausdruck »Hervorbringungskosten« immer den Gewinn wie auch den Arbeitslohn mit ein. Einhundertundfunfzig Quarter Getreide zu 3 £ 10 sh. für den Quarter würden dem Grundherrn eine grössere Rente abwerfen, als hundert Quarter zu 4 £, vorausgesetzt dass die Hervorbringungskosten in beiden Fällen dieselben sind.

Ein hoher Preis, wenn der Ausdruck in diesem Sinne gebraucht wird, kann denn also nicht eine Ursache der Rente genannt werden; man kann nicht sagen, »die unmittelbare Ursache der Rente sei offenbar der Ueberschuss des Preises, zu dem das Roherzeugniss auf dem Markte abgesetzt werde, über die Hervorbringungskosten,« denn dieser Ueberschuss ist selbst die Rente. Die Rente bezeichnet Malthus als »denjenigen Theil vom Tauschwerthe des ganzen Erzeugnisses, welcher dem Eigenthümer des Bodens übrig bleibt, nachdem alle Anbaukosten jeder Gattung, mit Einschluss der Gewinnste vom angewendeten Kapitale, wie man sie nach dem üblichen und gewöhnlichen Gewinnstsatze des landwirthschaftlichen Kapitals zu seiner Zeit schätzt, abgezogen sind.« Die Summe nun, um welche dieser Ueberschuss verkauft werden mag, ist die Geldgrundrente; sie ist dasjenige, was Malthus unter »dem Ueberschusse des Preises, zu dem das Roherzeugniss auf dem Markte abgesetzt wird, über die Hervorbringungskosten,« versteht; und in einer Untersuchung über die Ursachen, welehe den Preis des Roherzeugnisses im <372> Vergleiche mit den Hervorbringungskosten in die Höbe treibenmögen, untersuchen wir die Ursachen, welche die Rente in die Höhe treiben mögen.

In Bezug auf die erste Ursache, welche Malthus vom Steigen der Rente angeführt hat, nämlich »eine solche Beschaffenheit des Bodens, mittelst welcher derselbe eine grössere Menge Lebensbedürfnisse liefern kann, als zum Unterhalte der zu seinem Anbaue verwendeten Personen erforderlich ist,« macht er folgende Bemerkung: »Wir möchten wissen, warum die Verzehrung und das Angebot im Stande ist, den Preis so sehr über die Hervorbringungskosten hinaus zu steigern, und die eigentliche Ursache davon ist augenscheinlich die Ergiebigkeit der Erde bei Hervorbringung der Lebensbedürfnisse. Man vermindere diese Fülle, man verringere die Ergiebigkeit des Bodens, und jener Ueberschuss wird auch abnehmen; man vermindere jene immer mehr, und letzterer wird verschwinden.« Richtig, der Ueberschuss an Lebensmitteln wird abnehmen und verschwinden, aber dies ist nicht die Frage. Diese ist vielmehr, ob der Ueberschuss ihres Preises über ihre Hervorbringungskosten abnehmen und verschwinden wird, denn davon hängt die Geldgrundrente ab. Ist Malthus seiner Behauptung gewiss, dass, weil der Ueberschuss der Menge abnimmt und verschwindet, desshalb auch »die Ursache des hohen Preises der Lehensbedürfnisse, wie er die Hervorbringungskosten übersteigt, eher vom Ueberflusse als vom Mangel an solchen herrührt? und dass derselbe nicht blos von dem durch künstliche Monopolien verursachten hohen Preise, sondern auch von dem hohen Preise derjenigen eigenthümlichen Erzeugnisse der Erde wesentlich verschieden ist, welche nicht mit der Nahrung in Berührung stehen und natürliche und nothwendige Monopolgegenstände genannt werden können?

Gibt es denn keine Umstände, unter welchen die Fruchtbarkeit des Bodens und die Fülle seiner Erzeugnisse abnehmen kann, ohne eine Verringerung des Ueberschusses ihres Preises über die Hervorbringungskosten, d. h. eine Herabsetzung der Rente zu verursachen? Gibt es solche, alsdann ist Malthus' Behauptung zu allgemein; denn er scheint mir als ein allgemeines Gesetz, das unter allen Umständen wahr sei, aufzustellen, dass <373> die Rente mit der Zunahme der Ergiebigkeit des Bodens steige und mit der Abnahme derselben falle.

Malthus würde ohne Zweifel Recht haben, wenn, auf einem gegebenen Landgute, im Verhältnisse als der Boden reichlichen Ertrag lieferte, an den Grundherrn ein grösserer Antheil vom ganzen Erzeugnisse bezahlt würde: aber es ist das Gegentheil der Fall: So lange nur der ergiebigste Boden in Anbau ist, empfängt der Grundherr den kleinsten Antheil am ganzen Erzeugnisse, sowie auch den geringsten Tauschwerth, und nur wann Boden geringerer Güte erforderlich wird, um die steigende Bevölkerung zu ernähren, steigt auch stufenweise beides, nämlich der Antheil des Grundherrn am ganzen Erzeugnisse und der Tauschwerth, den er empfängt.

Gesetzt; die Nachfrage nach Getreide gehe auf eine Million Quarter und diese sei der Ertrag des wirklich in Anbau befindlichen Bodens. Angenommen nun, die Ergiebigkeit all' dieses Bodens nehme dergestalt ab, dass ganz dieselben Ländereien nur 900,000 Quarter ertrügen. Weil nun aber die Nachfrage auf eine Million Quarter geht, so würde der Getreidepreis steigen und es müsste nothwendig zu Boden geringerer Güte eher die Zuflucht genommen werden, als wenn der bessere Boden fortan noch eine Million Quarter lieferte. Allein diese Nothwendigkeit, Boden von geringerer Güte in Anbau zu nehmen, ist es, was das Steigen der Rente verursacht, und sie wird dieselbe erhöhen, obgleich die Menge an Getreide, welche der Grundherr empfängt, vermindert wird. Die Rente steht, dies muss man bedenken, nicht in Verhältniss zur Ergiebigkeit des angebauten Bodens an und für sich, sondern zu dessen vergleichsweiser Ergiebigkeit. Jedwede Ursache, welche dem Anbaue schlechteren Bodens Kapital zutreibt, muss die Rente erhöhen; denn die Ursache der Rente ist, wie Malthus in seinem dritten Satze behauptet, »der vergleichsweise Mangel am ergiebigsten Boden.« Der Preis des Getreides steigt natürlich mit der Schwierigkeit der Hervorbringung der letzten Theile des Getreidebedarfs und der Tauschwerth der ganzen auf einem bestimmten Landgule hervorgebrachten Menge wird steigen, obgleich die Menge abgenommen hat. Allein da die Hervorbringungskosten auf dem fruchtbareren Boden nicht zunehmen werden, <374> so lange Arbeitslohn und Gewinnst zusammen genommen immer noch vom nämlichen Tauschwerthe2 sind, so ist es einleuchtend, dass der Ueberschuss des Preises über die Hervorbringungskosten, oder mit anderen Worten, die Rente mit der Abnahme der Ergiebigkeit des Bodens steigen muss, es sei denn, dass durch eine grosse Verminderung des Kapitals der Bevölkerung und der Nachfrage entgegengewirkt wird. Die Behauptung des Malthus scheint denn also nicht richtig zu sein; die Rente steigt oder fällt nicht unmittelbar und nothwendig mit der Zuoder Abnahme der Fruchtbarkeit des Bodens; aber seine gesteigerte Ergiebigkeit setzt ihn in Stand, für die Zukunft eine erhöhte Rente zu entrichten. Boden von sehr geringer Fruchtbarkeit kann niemals eine Rente abwerfen; Boden von mittelmässiger Ergiebigkeit kann, sowie die Bevölkerung steigt, dazu gebracht werden, dass er eine mässige Rente abwirft; Boden von grosser Fruchtbarkeit, dass er eine hohe Rente trägt; allein etwas anderes ist es, im Stande sein, eine Rente abzuwerfen, und etwas anderes, wirklich eine Rente bezahlen. Die Rente kann in einem Lande, wo die Ländereien ausserordentlich ergiebig sind, niedriger sein, als in einem Lande, wo sie einen mässigen Ertrag liefern; denn sie ist mehr in Verhältniss zur vergleichsweisen Fruchtbarkeit als zur Fruchtbarkeit an und für sich, - zum Tauschwerthe der Erzeugnisse, und nicht zu ihrer Menge.3 <375>

Malthus nimmt an, die Rente eines Bodens, welcher jene eigenthümlichen Erzeugnisse der Erde, die man natürliche und nothwendige Monopolsgegenstände nennen kann, hervorbringt, richte sich nach einem Gesetze, das wesentlich von jenem verschieden sei, nach welchem sich die Rente eines Bodens richtet, der Lebensbedtlrfnisse liefert. Er meint, bei dem Ersteren sei die Seltenheit seiner Erzeugnisse die Ursache einer hohen Rente, bei dem Letzteren aber sei es der Reichthum seiner Erzeugnisse, der die nämliche Wirkung hervorbringe.

Diese Unterscheidung scheint mir nicht wohl begründet zu sein, denn Ihr würdet, durch Vermehrung der Erzeugnissmenge, die Rente eines Bodens, welcher seltene Weine trägt, sicherlich ebenso, wie die Rente eines Getreidefeldes, erhöhen, wenn zu gleicher Zeit die Nachfrage nach diesem eigenthümlichen Gute stiege; und ein reichliches Angebot an Getreide würde ohne gleiche Zunahme der Nachfrage danach die Rente des Getreidefeldes erniedrigen, anstatt erhöhen. Von was für einer Natur der Boden auch sein mag, eine hohe Rente muss von einem hohen Preise seiner Erzeugnisse abhängig sein; ist aber der hohe Preis vorhanden, so muss die Rente hoch sein im Verhältnisse zur Fülle und nicht zur Spärlichkeit des Ertrages.

Wir befinden uns nicht in der Nothwendigkeit, fortwährend eine grössere Menge von einer Waare hervorzubringen, als welche begehrt wird. Würde durch Zufall eine grössere Menge hervorgebracht, so würde sie unter ihren natürlichen Preis sinken, und folglich die Hervorbringungskosten nebst dem üblichen und gewöhnlichen Kapitalgewinnste nicht bezahlen: so würde nun das Angebot zurückgehalten, bis es sich der Nachfrage gleichstellte und der Marktpreis auf den natürlichen stiege.

Malthus scheint mir zu sehr geneigt zu sein, zu glauben, die Bevölkerung steige blos nach dem vorhandenen Vorrathe von Nahrungsmitteln, - »die Nahrungsmittel seien es, die sich ihre eigene Nachfrage verschaffen,« - zuerst sei es die Versorgung mit Nahrung, was zur Ehe aufmuntere, anstatt dass er in Betracht ziehen sollte, dass die allgemeine Zunahme der Bevölkerung durch Zunahme des Kapitals, durch die daraus hervorgehende Nachfrage nach Arbeit und Erhöhung des Arbeitslohnes <376> bestimmt wird, und die Hervorbringung von Nahrungsmitteln nur die Wirkung dieser Nachfrage ist.

Die Lage der Arbeiter wird dadurch verbessert, dass sie mehr Geld oder von irgend einer anderen Waare, in welcher der Lohn entrichtet wird und welche im Tauschwerthe nicht gefallen ist, bekommen. Das Steigen der Bevölkerung und die Zunahme der Nahrungsmittel wird wohl allgemeinhin, aber nicht nothwendig, die Wirkung hohen Arbeitslohnes sein. Die verbesserte Lage der Arbeiter, als Folge des grösseren Tauschwerthes, welcher ihnen bezahlt wird, bestimmt sie nicht nothwendig, zu heirathen und die Versorgung einer Familie auf sich zu nehmen, - sie werden einen Theil ihres grösseren Lohnes dazu verwenden, sich selbst reichlich mit Nahrungs- und anderen Bedürfnissmitteln zu versorgen, - aber mit dem Reste können sie, wenn sie Gefallen daran haben, Güter kaufen, die zu ihren Genüssen beitragen, - Stühle, Tische und Stahlwaaren, oder bessere Kleider, Zucker und Tabak. Die Erhöhung ihres Lohnes wird dann also von keiner anderen Wirkung begleitet sein, als von der Zunahme der Nachfrage nach einigen von diesen Gütern; und wenn die Klasse der Arbeiter nicht wirklich zunimmt, so wird ihr Lohn beständig hoch bleiben. Allein obschon dies die Folge hohen Lohnes sein kann, so sind dennoch die Freuden der häuslichen Gemeinschaft so gross, dass man im Leben ohne Ausnahme findet, dass auf eine verbesserte Lage der Arbeiter eine Zunahme der Bevölkerung erfolgt; und blos weil dies sich so verhält, so entsteht, mit der bereits erwähnten unbedeutenden Ausnahme, eine neue und vergrösserte Nachfrage nach Nahrungsmitteln. Diese Nachfrage ist denn also die Wirkung vermehrten Kapitals und gestiegener Bevölkerung, aber nicht die Ursache davon, - nur weil die Ausgaben des Volkes diese Richtung nimmt, übersteigt der Marktpreis der Bedürfnisse ihren natürlichen Preis und wird die erforderliche Menge Nahrung hervorgebracht; und weil die Masse des Volkes wächst, so fällt auch der Arbeitslohn wieder.

Welchen Grund kann ein Pachter haben, mehr Getreide zu pflanzen, als wirklich begehrt wird, wenn die Folge davon eine Herabdrückung seines Marktpreises unter den natürlichen Preis und folglich eine Verkürzung um einen Theil seines Ge <377> winnstes ist, indem dieser unter den allgemeinen Satz herabgesetzt wird? »Hätten,« sagt Malthus, »die Lebensbedürfnisse, die wichtigsten Erzeugnisse des Bodens, nicht die Eigenthümlichkeit, dass sie eine Zunahme der Nachfrage schaffen, welche zu ihrer vergrösserten Menge im Verhältnisse steht, so würde solch' eine vergrösserte Menge ein Sinken ihres Tauschwerthes verursachen.4 Wie reichlich auch das Erzeugniss eines Landes sein möchte, seine Bevölkerung kann in Stillstand bleiben; und dieser Reichthum ohne verhältnissmässige Nachfrage und mit einem sehr hohen Preise der Arbeit in Getreide, welcher unter solchen Umständen eintreten würde, kann den Preis der Roherzeugnisse, wie auch der Gewerkswaaren, auf die Hervorbringungskosten herabdrücken.«

»Könnte den Preis der Roherzeugnisse auf die Hervorbringungskosten herabdrücken?« Stehen dieselben immer auf eine gewisse Zeitlänge entweder über oder unter diesem Preise? Behauptet Malthus nicht selbst, dass es niemals so sei? »Ich hoffe,« sagt derselbe, »dafür entschuldigt zu werden, dass ich mich ein Bisschen lange bei dieser Lehre verweilte und dem Leser in verschiedenen Gestalten zeigte, dass das Getreide, in Betreff der wirklich hervorgebrachten Menge, gleich wie die Gewerkswaaren; zu seinem nothwendigen Preise bezahlt wird, weil ich es für eine Wahrheit von der höchsten Wichtigkeit halte, die von den Volkswirthen, von A. Smith und all' den Schriftstellern übersehen worden ist, die den Satz aufgestellt haben, dass die Roherzeugnisse immer zu einem Monopolpreise verkauft würden.«

»Jedes grosse Land kann als im Besitze von einer Stufenreihe von Maschinen zur Hervorbringung von Getreide und Rohstoffen angesehen werden, inbegriffen in dieser Stufenreihe nicht nur alle verschiedenen Arten armen Bodens, an welchem jedes Landesgebiet im Allgemeinen Ueberfluss hat, sondern auch das geringere Maschinenwesen, von dem man sagen kann, es werde angew endet, wann man gutem Boden immer mehr und <378> mehr Ertrag abdringe. Sowie der Preis der Roherzeugnisse zu steigen fortfährt, so werden die geringeren Maschinen allmälig in Bewegung gesetzt; und sowie der Preis der Roherzeugnisse fällt, so werden sie allmälig ausser Thätigkeit gesetzt. Die hier angewendete Erläuterung dient dazu, um auf einmal die Nothwendigkeit des wirklichen bestehenden Getreidepreises für das wirklich bestehende Erzeugniss und die verschiedene Wirkung darzuthun, welche aus einer starken Herabsetzung des Preises einer besonderen Gewerkswaare und aus einer starken Verringerung des Preises der Roherzeugnisse hervorgeht.«5

Wie sind diese Stellen mit derjenigen in Einklang zu bringen, welche behauptet, wenn die Lebensbedürfnisse nicht die Eigenthümlichkeit hätten, eine zur Vermehrung ihrer Menge in Verhältniss stehende Zunahme der Nachfrage zu schaffen, dann und zwar dann allein werde die hervorgebrachte reichliche Menge den Preis der Roherzeugnisse auf die Hervorbringungskosten herabsetzen? Steht das Getreide niemals unter seinem natürlichen Preise, so ist es auch niemals in reichliche <379> rem Maasse vorhanden, als die wirkliche Bevölkerung zu ihrer eigenen Verzehrung bedarf.

Ricardo kritisiert Malthus unter dem Mantel der Umarmung. Marx nennt Malthus weniger verblümt einen Plagiator.

Es kann kein Vorrath angelegt werden für die Verzehrung Anderer; es kann also niemals durch seine Wohlfeilheit und Fülle ein Vermehrungs -Anreiz für die Bevölkerung sein. Im Verhältnisse, als das Getreide wohlfeil hervorgebracht werden kann, wird auch der höhere Arbeitslohn eher Familien erhalten können. In Amerika steigt die Bevölkerung reissend, weil Nahrung zu einem wohlfeilen Preise hervorgebracht werden kann, und nicht weil schon zum voraus für ein reichliches Angebot gesorgt ist. In Europa steigt die Bevölkerung im Vergleiche langsamer, weil die Nahrung nicht zu einem geringen Tauschwerthe hervorgebracht werden kann. Bei dem herkömmlichen und gewöhnlichen Laufe der Dinge geht die Nachfrage nach allen Gütern ihrem Angebote voraus. Indem Malthus sagt, das Getreide sinke, wie die Gewerkswaaren, auf den Hervorbringungspreis, wenn es keine Begehrer aufbringen könne, kann er nicht meinen, es werde die Rente ganz verschlungen; denn er hat selbst ganz richtig bemerkt, dass das Getreide im Preise nicht herabgehen würde, wenn auch alle Grundherren die Rente aufgäben; die Rente ist die Wirkung und nicht die Ursache des hohen Preises, und es befindet sich immer eine Bodenklasse in Anbau, welche gar keinerlei Rente abwirft und deren Getreideerwachs durch seinen Preis blos den Arbeitslohn und Gewinnst einträgt.

In folgender Stelle hat Malthus eine gute Auseinandersetzung der Ursachen der Erhöhung des Preises der Roherzeugnisse in reichen und fortschreitenden Ländern gegeben, mit welcher ich Wort für Wort übereinstimme; aber er scheint mir darin von einigen Behauptungen abzuweichen, welche er in seinem Versuche über die Rente aufgestellt hat. »Ich nehme keinen Anstoss, zu behaupten, dass, unabhängig von den Unregelmässigkeiten im Umlaufsmittel eines Landes, und von anderen vorübergehenden und zufälligen Umständen, die Ursache des vergleichweise hohen Geldpreises des Getreides im vergleichsweise hohen Sachpreise oder in der grösseren Menge Kapital und Arbeit liegt, welche zu seiner Hervorbringung angewendet werden muss; und dass die Ursachen, warum der Sachpreis des Getreides in Ländern, welche bereits reich sind und an Wohl <380> fahrt und Bevölkerung noch zunehmen, höher und fortwährend im Steigen begriffen ist, in der Nothwendigkeit zu finden sind, beständig zu ärmerem Boden, zu Maschinen seine Zuflucht zu nehmen, welche ins Werk zu setzen grössere Ausgaben erfordert und welche folglich bewirken, dass jeder neue Zusatz zu dem Roherzeugnisse des Landes mit grösseren Kosten erkauft werden muss; kurz, diese Ursachen sind in der wichtigen Wahrheit zu finden, dass das Getreide in einem fortschreitenden Lande mit einem Preise bezahlt wird, der nothwendig ist, um das wirklich vorhandene Angebot herbei zu schaffen; und dass der Preis im Verhältnisse steigt, wie dieses Angebot schwieriger und schwieriger wird.«

Hier ist ganz richtig behauptet, dass der Sachpreis eines Gutes von der grösseren oder geringeren Menge Arbeit und Kapital (d. h. angesammelter Arbeit) abhängt, welche zu seiner Hervorbringung angewendet werden muss. Der Sachpreis hängt nicht, wie Manche behauptet haben, vom Geldwerthe ab; noch, wie Andere gesagt haben, vom Tauschwerthe gegen Getreide, Arbeit oder irgend ein anderes Gut, einzeln genommen, oder gegen alle Güter insgesammt; sondern, wie Malthus richtig sagt, »von der grösseren (oder geringeren) Menge Kapital und Arbeit, welche zu dessen Hervorbringung angewendet werden müssen.«

Unter den Ursachen des Steigens der Rente erwähnt Malthus auch »eine solche Zunahme der Bevölkerung, dass der Arbeitslohn erniedrigt wird.« Allein wenn mit dem Fallen des Arbeitslohnes der Gewinnst steigt und wenn diese beiden zusammen genommen immer gleichen Tauschwerth haben,6) so kann kein Sinken des Arbeitslohnes die Rente steigern, denn es wird weder den Antheil am Erzeugnisse noch dessen Tauschwerth erniedrigen, welcher dem Pachter und Arbeiter zusammen zufällt, und deshalb auch für den Grundherrn keinen grösseren Antheil und keinen grösseren Tauschwerth übrig lassen. Im Verhältnisse als weniger für Arbeitslohn hinweg genommen wird, fällt für den Gewinnst mehr ab und umgekehrt. Diese Theilung wird vom Pachter und seinen Arbeitern bewerkstelligt, ohne Dazwischenkunft des Grundherrn; und in der <381> That ist dies auch eine Angelegenheit, die für ihn kein Interesse haben kann, ausgenommen insofern eine Theilung für neue Kapitalansammlung und für weitere Nachfrage nach Boden günstiger sein kann, als die andere. Fällt der Arbeitslohn, dann steigt der Gewinnst und nicht die Rente. Steigt der Arbeitslohn, dann fällt der Gewinnst und nicht die Rente.

Wie der Geldwucher ausschließlich eine Sache zwischen Kapitalist und Kapitalist ist, so der Bodenwucher. Ebenso ist die Beziehung zwischen Mindestlohn und Mehrlohn ausschließlich eine Sache zwischen Arbeiter und Kapitalist.

Das Steigen der Rente und des Arbeitslohnes und das Fallen des Gewinnstes sind im Allgemeinen Wirkungen einer und derselben Ursache, nämlich der steigenden Nachfrage nach Nahrungsmitteln, der grösseren, zu ihrer Hervorbringung erforderlichen, Arbeitsmenge und des daraus hervorgehenden hohen Preises derselben. Würde der Grundherr auf seine ganze Rente verzichten, so würde davon der Arbeiter nicht den mindesten Vortheil haben. Wäre es den Arbeitern möglich, ihren ganzen Lohn aufzugeben, so würden die Grundherren davon gar keinen Vortheil ziehen; aber der Pachter würde in beiden Fällen Alles einnehmen und behalten, was Jene nicht genommen hätten. Es ist in diesem Werke mein Streben gewesen, darzuthun, dass ein Sinken des Arbeitslohnes keine andere Wirkung habe, als den Gewinnst zu erhöhen. Jede Zunahme der Gewinnste ist günstig für die Ansammlung von Kapital und für das weitere Steigen der Bevölkerung, und sie wird daher, aller Wahrscheinlichkeit nach, schliesslich zu einer Erhöhung der Rente führen.

Eine andere Ursache des Steigens der Rente sind nach Malthus »solche landwirthschaftliche Verbesserungen oder eine solche Zunahme der gewerblichen Anstrengungen, dass die Arbeiterzahl, welche nöthig war, um eine gegebene Wirkung hervorzubringen, verringert wird.« Hiegegen habe ich die nämliche Einwendung, welche ich gegen jene Stelle hatte, die von der Fruchtbarkeit des Bodens, als der Ursache des unmittelbaren Steigens der Rente, spricht. Beides, die Verbesserung im Ackerbaue und die höhere Ergiebigkeit, gibt dem Boden eine Fähigkeit, in einer späteren Zeit eine höhere Rente zu geben, weil es bei demselben Preise der Nahrungsmittel eine grössere Menge davon geben wird. Allein ehe die Bevölkerung im nämlichen Verhältnisse gestiegen ist, würde die Vermehrung der Nahrungsmittel nicht erfordert werden und deshalb die Rente sinken und nicht steigen. Die Menge, welche unter den <382> alsdann vorhandenen Umständen verzehrt werden könnte, vermöchte man entweder mit weniger Händen oder mit weniger Boden zu liefern, der Preis der Roherzeugnisse würde sinken und Kapital vom Boden zurückgezogen werden.7 Nichts kann die Rente in die Höhe treiben, als eine Nachfrage nach neuem Boden geringerer Beschaffenheit oder eine Ursache, welche eine Abänderung in der verglichenen Fruchtbarkeit des bereits im Anbaue befindlichen Bodens veranlasste.8 Verbesserungen im Akkerbaue und in der Arbeitstheilung sind allem Boden gemein: sie steigern die Menge der Roherzeugnisse an sich, welche man von einem jeden Boden bezieht, verrücken aber vermuthlich die gegenseitigen Verhältnisse, welche vorher unter den Bodenarten bestanden haben, nicht viel.

Malthtus hat mit Recht eine Erklärung über Dr. Smith's Irrthum in der Behauptung gegeben, dass das Getreide von einer so eigenthümlichen Natur sei, dass seine Hervorbringung nicht mit denselben Mitteln aufgemuntert werden könne, womit <383> die Hervorbringung aller anderen Güter mehr geweckt werden kann. Er bemerkt: »Man will den mächtigen Einfluss der Getreidepreise auf den Preis der Arbeit im Durchschnitte einer beträchtlichen Anzahl von Jahren durchaus nicht leugnen; allein, dass dieser Einfluss nicht so gross sei, dass er die Anlage von Kapital auf den Boden oder die Zurücknahme desselben von letzterem verhüte, was gerade hier die Frage ist, dies wird hinlänglich klar werden durch eine kurze Untersuchung über die Art und Weise, wie die Arbeit bezahlt und auf den Markt gebracht wird und durch eine Betrachtung der Folgerungen, zu denen die Annahme der Behauptung A. Smith's unausweichlich führen würde.«9

Malthus sucht hierauf zu zeigen, dass Nachfrage und hohe Preise die Hervorbringung von Roherzeugnissen eben so wirksam aufmuntern, als Nachfrage und hohe Preise irgend anderer Güter zur Hervorbringung der letzteren ermuntern. In dieser Ansicht stimme ich, wie man aus demjenigen ersehen wird, was ich von den Wirkungen der Prämien gesagt habe, mit ihm völlig überein. Ich habe die Stelle aus Malthus ' »Betrachtungen über Korngesetze« blos in der Absicht angeführt, um zu zeigen, in welch' verschiedenem Sinne der Ausdruck Sachpreis hier und in seiner anderen Gelegenheitsschrift »Gründe einer Ansicht« u., s. w. gebraucht ist. In jener Stelle sagt uns Malthus , »es sei offenbar ein Steigen des Sachpreises allein, was die Hervorbringung des Getreides aufmuntern könne« und unter dem Sachpreise versteht er augenscheinlich die Erhöhung seines Tauschwerthes verhältnissmässig gegen alle anderen Dinge, oder mit anderen Worten, das Steigen des Marktpreises über seinen natürlichen Preis oder dessen Hervorbringungskosten. Versteht er dies unter dem Sachpreise, so ist, obgleich ich es nicht geeignet finde, es so zu benennen, die Ansicht von Malthus unzweifelhaft richtig; das Steigen des Marktpreises des Getreides ist es, was allein zu seiner Hervorbringung aufmuntert, denn man kann als allgemein wahres Grundgesetz annehmen, dass die einzige Aufmunterung zu einer Vermehrung der Hervorbringung <384> eines Gutes der Markttauschwerth ist, wenn er dessen natürlichen oder nothwendigen Tauschwerth übersteigt.

Allein dies ist nicht die Bedeutung, welche Malthus bei anderen Gelegenheiten dem Ausdrucke Sachpreis (real price) beilegt. In dem Versuche über die Rente sagt Malthus : »Unter dem wirklichen Baupreise (real growing price) des Getreides verstehe ich die wirkliche Menge Arbeit und Kapital, welche angewendet worden ist, um die letzten Zusätze hervorzubringen, welche zum volkswirthschaftlichen Erzeugnisse gemacht worden sind.« An einer anderen Stelle behauptet derselbe, »die Ursache des hohen verglichenen Sachpreises des Getreides sei die grössere Menge Kapital und Arbeit, welche angewendet werden müsse, um es hervorzubringen.«10 Gesetzt, wir nähmen in der vorhergehenden Stelle diese Begrififsbestimmung von Sachpreis zu Grunde, würde sie alsdann nicht also lauten? - »Es ist offenbar das Steigen der Menge Arbeit und Kapital, welche zur Hervorbringung des Getreides verwendet werden müssen, was allein zur Hervorbringung desselben aufmuntern kann.« Dies würde so viel sagen, als: es sei offenbar der natürliche oder nothwendige Preis des Getreides, was zu dessen Hervorbringung aufmuntere, - ein Satz, der nicht behauptet werden könnte. Nicht der Preis, um welchen das Getreide hervorgebracht werden kann, hat irgend einen Einfluss auf die hervorgebrachte Menge, sondern der Preis, zu welchem es verkauft werden kann. Es wird im Verhältnisse zu dem Grade des Ueberschusses seines Preises über die Hervorbringungskosten Kapital auf den Boden angelegt oder von demselben zurückgezogen. Ist dieser Ueberschuss so gross, dass er von dem angewendeten Kapitale einen grösseren als den allgemeinen Kapitalgewinn gibt, so wird dem Boden Kapital zufliessen; ist er <385> aber so gering, dass er weniger Gewinn gibt, so wird Kapital vom Boden zurückgezogen werden.

Also wird zur Hervorbringung des Getreides nicht durch eine Aenderung im Sachpreise, sondern durch eine solche im Marktpreise desselben aufgemuntert. Nicht, »weil eine grössere Menge Kapital und Arbeit auf dessen Hervorbringung verwendet werden muss,« - (Malthus ' richtige Begriffsbestimmung von Sachpreis,) - wird mehr Kapital und Arbeit auf den Boden angelegt, sondern weil der Marktpreis über dessen Sachpreis steigt, und, der grösseren Lasten ungeachtet, den Anbau des Bodens zur vortheilhafteren Kapitalanlage macht.

Nichts kann richtiger sein, als folgende Bemerkungen von Malthus zu A. Smith 's Maassstab des Tauschwerthes. » A. Smith war zu dieser Kette von Urtheilen augenscheinlich von seiner Gewohnheit verleitet worden, die Arbeit als Maassstab des Tauschwerthes anzusehen und das Getreide als Maass der Arbeit. Allein dass das Getreide ein sehr ungenaues Maass der Arbeit ist, zeigt die Geschichte unseres eigenen Landes vollständig, wo man finden wird, dass die Arbeit, verglichen mit Getreide, grosse und auffallende Veränderungen, nicht blos von Jahr zu Jahr, sondern von Jahrhundert zu Jahrhundert, und auf zehn, zwanzig und dreissig Jahre zusammen genommen, erfahren hat. Und dass weder die Arbeit noch irgend ein anderes Gut ein genaues Maass des Sachtauschwerthes abgeben kann, wird jetzt als eine der unbestreitbaren Lehren der Volkswirthschftslehre betrachtet und folgt auch wirklich aus der richtigen Begriffsbestimmung des Tauschwerthes.«

Wenn weder Getreide noch Arbeit genaue Maasse für den Sachtausch werth abgeben, was sie offenbar auch nicht sind, was für ein anderes Gut dient dann dazu? - sicherlich keines. Wenn denn nun der Ausdruck Sachpreis der Güter irgend eine Bedeutung hat, so muss es diejenige sein, welche Malthus in dem Versuche über die Rente angenommen hat, - er muss gemessen werden nach der verhältnissmässigen Menge Kapital und Arbeit, die nöthig ist, um sie hervorzubringen.

Malthus sagt in seiner »Untersuchung über die Natur der Rente,« »unabhängig von den Unregelmässigkeiten des Umlaufs <386> mittels eines Landes und anderer vorübergehenden und zafälligen Umstände sei die Ursache des hohen verglichenen Geldpreises des Getreides sein hoher verglichener Sachpreis oder die grössere Menge Kapital und Arbeit, welche auf dessen Hervorbringung verwendet werden muss.«11

Dies ist, wie ich begreife, die richtige Erklärung aller anhaltenden Preisveränderungen, sei es des Getreides oder irgend eines anderen Gutes. Ein Gut kann im Preise auf die Dauer nur steigen, entweder weil eine grössere Menge Kapital und Arbeit auf seine Hervorbringung verwendet werden muss, oder weil das Geld im Tauschwerthe gesunken ist; und andererseits es kann im Preise blos fallen, entweder weil eine geringere Menge Kapital und Arbeit zu seiner Hervorbringung angewendet werden kann, oder weil das Geld im Tauschwerthe gestiegen ist.

Eine Veränderung, welche aus dem letzteren Gliede eines jeden dieser beiden Wechselsätze, aus einem veränderten Tauschwerthe des Geldes entsteht, ist auf einmal allen Gütern gemein; aber eine Veränderung, die aus der ersteren Ursache entsteht, ist auf das besondere Gut beschränkt, welches mehr oder weniger Arbeit zu seiner Uervorbringung erfordert. Durch Gestattung der freien Getreideeinfuhr oder durch Verbesserungen im Ackerbau würden die Roherzeugnisse im Preise herabgedrückt werden; allein der Preis keiner anderen Waare würde dadurch getroffen werden, ausgenommen im Verhältnisse zu dem Sinken des Sachtauschwerthes oder der Hervorbringungskosten derjenigen Roherzeugnisse, welche bei der Verfertigung jener mit einliefen.

Da Malthus dieses Grundgesetz anerkannt hat, so kann er, denk' ich, nicht folgerichtig annehmen, der ganze Geldwerth aller Waaren müsse in einem Lande genau im Verhältnisse zum Sinken des Gelreidepreises herabgehen. Wäre das in dem Lande verbrauchte Getreide von einem Tauschwerthe von zehn Millionen jährlich und der Tauschwerth der Gewerksgüter und ausländischen Waaren zwanzig Millionen, zusammen dreissig Millionen, so wäre der Schluss nicht zulässig, dass die jährliche <387> Ausgabe auf fünfzehn Millionen herab gehe, weil das Getreide um 50 % oder von zehn auf fünf Millionen gesunken sei.

Der Tauschwerth der Roherzeugnisse, welche bei der Verfertigung dieser Gewerksgüter mit einlaufen, könnte zum Beispiel 20 % des ganzen Tauschwerthes der Letzteren nicht übersteigen und desshalb würde das Sinken des Tauschwerthes der Gewerkswaaren, anstatt von 20 auf 10 Millionen, nur von 20 auf 18 Millionen Statt finden; und nach der Preiserniedrigung des Getreides um 50 % würde der ganze Betrag der jährlichen Auslage, anstatt von 30 auf 15 Millionen nur von 30 auf 23 Millionen sinken.12

Dies, sag' ich, würde ihr Tauschwerth sein, wenn man es als möglich annähme, dass bei so wohlfeilem Getreidepreise nicht mehr Getreide und andere Güter verzehrt würden. Allein alle diejenigen, welche zur Hervorbringung von Getreide auf denjenigen Ländereien, welche fernerhin nicht mehr bebaut werden, Kapital verwendet hatten, können dasselbe zur Hervorbringung von Gewerksartikeln anlegen, und nur ein Theil dieser Gewerksartikel wird im Austausch gegen ausländisches Getreide hingegeben werden, da unter einer anderen Unterstellung kein Vortheil durch Einfuhr und niedrige Preise bezogen würde. Wir würden einen Zusatz an Tauschwerth dieser ganzen Menge der so hervorgebrachten und nicht ausgeführten Gewerksgüter zu dem vorherigen Tauschwerthe haben, so dass die wirkliche Tauschwerths, auch die Geldwerths-Verminderung aller Güter im Lande, Getreide mit inbegriffen, blos dem Verluste der Grundherren zufolge der Verringerung ihrer Renten gleich sein würde, während die Menge der Genussmittel bedeutend vermehrt würde.

Anstatt also auf diese Weise die Wirkung einer Erniedrigung des Tauschwerthes der Roherzeugnisse in Betrachtung zu nehmen, wie Malthus vermöge seiner vorausgeschickten Behaup <388> tung hätte thun sollen, sieht er sie für ganz dasselbe an, als wie ein Steigen des Tauschwerthes des Geldes um 100 % und schliesst daraus, als ob alle Waaren auf die Hälfte ihres früheren Preises sänken.

»Während der zwanzig; Jahre von 1794 bis 1813.« sagt er, »war der Durchschnittspreis des brittischen Getreides für den Quarter ungefähr dreiundachtzig Schillinge; während der zehn Jahre bis 1813 war er zweiundneunzig Schillinge; und während der letzten fünf von jenen zwanzig Jahren einhundertundacht Schillinge. Im Laufe jener zwanzig Jahre erborgte die Regirung nahe an fünfhundert Millionen wirkliches Kapital, wofür sie mit Ausschluss des Tilgfonds nach ungefährem Durchschnitte 5 % Zinsen einging. Sollte aber das Getreide auf fünfzig Schillinge für den Quarter und andere Waaren auch verhältnissmässig fallen, so würde die Regirung, anstatt ungefähr 5 %, wirklich sieben, acht, neun, und für die letzten zweihundert Millionen zehn Procent Zinsen bezahlen.«

»Wider diese ausserordentliche Freigebigkeit gegen die Kapilalisten würde ich nicht geneigt sein eine Einwendung zu machen, wenn es nicht nothwendig wäre zu sehen, von wem dies bezahlt werden muss; und ein Nachdenken für nur einen Augenblick wird uns zeigen, dass es nur von den gewerbtreibenden Klassen der Gesellschaft und von den Grundherren, d. h. von allen denjenigen bezahlt werden kann, deren Nominaleinkommen sich mit den Veränderungen im Maassstabe des Tauschwerthes verändert. Die Nominaleinkünfte dieses Theils der Gesellschaft werden, im Vergleiche mit dem Durchschnittspreise der letzten fünf Jahre, um die Hälfte abnehmen und von diesem nominell verringerten Einkommen werden sie den nämlichen Nominalbetrag an Abgaben zu zahlen haben.«13

Für's Erste glaube ich bereits gezeigt zu haben, dass das Nominaleinkommen des ganzen Landes nicht in dem Verhältnisse verringert werden wird, in welchem Malthus hier behauptet; es folgt daraus, dass das Getreide um 50 % fiel, noch nicht, dass Jedermanns Einkommen (im Tauschwerthe um 50 % ver <389> ringert wird;14 das reine Einkommen kann wirklich im Tauschwerthe gestiegen sein.

Für's Zweite denke ich, der Leser werde mir darin beistimmen, dass die vermehrte Last, wenn man die Vermehrung zugibt, nicht ausschliesslich »auf die Grundherren und Gewerbe treibenden Klassen der Gesellschaft« fallen würde; der Kapitalist trägt durch seine Ausgaben auch seinen Theil zur Deckung der öffentlichen Lasten auf demselben Wege, wie die anderen Klassen der Gesellschaft, bei. Bekäme denn nun das Geld wirklich einen höheren Tauschwerth, so würde er, obschon er einen grösseren Tauschwerth einnimmt, ebenfalls einen grösseren Tauschwerth in Steuern bezahlen, und es kann daher nicht richtig sein, dass die ganze Vermehrung des Sachtauschwerthes der Zinsen »von den Grundherren und Gewerbe treibenden Klassen« bezahlt werde.

Indessen ist die ganze Gedankenreihe von Malthus auf schwachen Grund gebaut; sie unterstellt, weil das rohe Einkommen des Landes abnehme, desshalb müsse das reine Einkommen ebenfalls und im nämlichen Verhältnisse sinken. Es ist Eine von den Aufgaben dieses Werkes gewesen, darzuthun, dass mit jedem Sinken des Sachtauschwerthes der Bedürfnisse der Arbeitslohn herabgehe und der Kapitalgewinnst steige, - mit anderen Worten, dass von einem gegebenen jährlichen Tauschwerth ein geringerer Antheil an die arbeitende Klasse und ein grösserer an diejenigen abgegeben werde, deren Kapital diese beschäftigt. Gesetzt, der Tauschwerth der in einem besonderen Gewerke hervorgebrachten Waaren sei 1000 £ und werde unter den Herrn und seine Arbeiter in dem Verhältnisse vertheilt, dass 800 £ den Arbeitern und 200 £ dem Herrn zufallen; sänke nun der Tauschwerth dieser Waaren auf 900 £ und würde am Arbeitslohne 100 £ gespart, weil die Preise der Bedürfnisse gesunken wären, so würde das reine Einkommen des Herrn um nichts geschmälert und er könnte darum just mit eben so <390> viel Leichtigkeit nach der Preiserniedrigung denselben Steuerbetrag entrichten, wie vorher.15

Es ist von Wichtigkeit, klar zwischen rohem und reinem Einkommen zu unterscheiden, denn vom reinen Einkommen der Gesellschaft werden alle Steuern bezahlt. Angenommen, alle Güter des Landes, alles Getreide, alle Roherzeugnisse, alle Gewerksartikel u. s. w., welche im Laufe eines Jahres auf den Markt gebracht werden können, hätten einen Tauschwerth von 20 Millionen, und zur Erlangung dieses Tauschwerthes sei die Arbeit einer gewissen Menge von Leuten nöthig, und die unumgänglichen Bedürfnisse dieser Arbeiter erforderten eine Ausgabe von 10 Millionen: dann würde ich sagen, das rohe Einkommen einer solchen Gesellschaft sei 20, das reine Einkommen derselben 10 Millionen. Aus dieser Annahme folgt nicht, dass die Arbeiter nur 10 Millionen für ihre Arbeit bekommen. Sie können 12 - 14 oder 15 Millionen bekommen und in solchem Falle ein reines Einkommen von 2 - 4 oder 5 Millionen haben. Der Rest würde zwischen den Grundherren und Kapitalisten vertheilt; aber das ganze reine Einkommen würde 10 Millionen nicht überschreiten. Gesetzt, eine solche Gesellschaft bezahle 2 Millionen, an Steuern, dann wird ihr reines Einkommen auf 8 Millionen verringert.

Gesetzt nun, das Geld bekomme einen Mehrwerth um ein Zehnttheil, so würden alle Güter und der Preis der Arbeit fallen, weil die unumgänglichen Bedürfnisse der Arbeiter einen Theil dieser Güter ausmachen, und das rohe Einkommen würde demzufolge auf 18, das reine auf 9 Millionen vermindert werden. Gingen die Steuern im gleichen Verhältnisse herunter und würden nur 1,800,000 £ anstatt 2 Millionen £ erhoben, <391> so würde das reine Einkommen weiter, auf 7,200,000 £, verringert werden, von genau demselben Tauschwerthe wie die vorherigen 8 Millionen, und darum würde die Gesellschaft durch diese Ereignisse weder gewinnen noch verlieren. Gesetzt aber, nach der Erhöhung des Geldwerthes würden dennoch 2 Millionen Steuern forterhoben, so würde die Gesellschaft um 200,000 £ ärmer sein auf das Jahr, denn die Steuern wären wirklich um ein Neuntheil erhöhet worden. Eine Aenderung des Geldwerthes der Güter in Folge der Aenderung des Tauschwerthes des Geldes, dabei dennoch Erhebung des nämlichen Geldbetrages an Steuern, ist unzweifelhaft eine Vermehrung der Lasten der Gesellschaft.

Angenommen aber, von jenen 10 Millionen reinen Einkommens bezögen die Grundherren 5 Millionen und es würden in Folge von Erleichterung der Hervorbringung oder von Getreide-Einfuhr die nothwendigen Kosten der Artikel an Arbeit um 1 Million verringert: dann wird die Rente um 1 Million abnehmen und die Preise der Gesammtheit der Güter werden ebenfalls um diesen Betrag herabgehen, aber das reine Einkommen wird noch gerade so gross sein, wie vorher. Das rohe Einkommen wird, es ist wahr, nur 19 Millionen, und die nothwendige Ausgabe, um dieselben herbeizuschaffen, werden 9 Millionen betragen, aber das reine Einkommen wird 10 Millionen betragen. Nun aber angenommen, dass 2 Millionen als Steuern von diesem verminderten rohen Einkommen erhoben werden, - wird die Gesellschaft im Ganzen reicher oder ärmer sein? - Gewiss, reicher. Denn nach Bezahlung der Steuern wird sie, wie vorher, noch ein klares Einkommen von 8 Millionen auf den Ankauf von Gütern zu verwenden besitzen, welche in der Menge gestiegen und im Preise gefallen sind, im Verhältniss von 20 zu 19. Nicht blos also könnte die gleiche Besteuerung fortdauern, sondern sogar eine höhere, und dennoch die Gesammtheit des Volkes mit Bedürfnissen und Annehmlichkeiten besser versorgt werden.

Wenn das reine Einkommen der Gesellschaft nach Entrichtung der nämlichen Geldsteuer so gross ist wie vorher und die Grundbesitzer zufolge des Fallens der Rente eine Million einbüssen, so müssen die übrigen hervorbringenden Klassen grös <392> sere Geldeinkünfte haben, trotz des Sinkens der Preise. Der Kapitalist wird alsdann doppelt bevortheilt sein; das Getreide und frische Fleisch, welches er und seine Familie verzehrt, wird im Preise herabgehen; auch werden die Löhne seines Gesindes, seiner Gärtner und Arbeiter aller Art geringer werden; seine Pferde und sein Vieh wird weniger kosten und mit geringerer Ausgabe unterhalten werden. Alle Artikel, in welche Roherzeugnisse als wesentliche Bestandtheile des Werthes übergehen, werden herabgehen. Dieser Gesammtbelauf von Ersparnissen an Ausgaben vom Einkommen wird für ihn zu derselben Zeit, da sein Geldeinkommen vermehrt wird, doppelt vortheilhaft sein und ihn in Stand setzen, nicht nur sich mehr Genüsse zu verschaffen, sondern auch mehr Steuern zu zahlen, falls es gefordert werden sollte. Die Vermehrung seines Verbrauchs an besteuerten Gegenständen wird den, zufolge der Verringerung ihrer Renten, verminderten Begehr der Grundherren mehr als blos ausgleichen. Dieselben Bemerkungen gelten auch von den Pächtern und den Geschäftsleuten jeder Art.

Allein man mag sagen, das Einkommen des Kapitalisten werde nicht erhöhet, die den Grundherren an der Rente abgezogene Million werde in höheren Löhnen an die Arbeiter bezahlt! Sei an dem so! Aber, es wird keinen Unterschied in der Beweisführung machen. Die Lage der Gesellschaft wird verbessert und dieselbe kann die nämlichen Geldlasten leichter tragen; es beweist, was immerhin wünschenswert her ist, nämlich, dass die Lage einer anderen, und zwar höchst wichtigen, Klasse der Gesellschaft durch die neue Vertheilung hauptsächlich bevortheilt wird. Alles, was dieselbe über die 9 Millionen hinaus bekommt, bildet einen Theil des reinen Einkommens des Landes und kann nicht ausgegeben werden ohne Erhöhung des Einkommens, der Wohlfahrt und der Macht. Man mag das reine Einkommen vertheilen, wie man will; man mag der einen Klasse ein wenig mehr, der anderen etwas weniger geben; aber vermindert wird dasselbe nicht; es wird dennoch eine grössere Menge von Gütern mittelst derselben Arbeit hervorgebracht, obgleich der Belauf des rohen Geldtauschwerthes dieser Güter vermindert wird. Aber das reine Geldeinkommen des Landes, der Fond, aus welchem die Steuern bezahlt und Ge <393> nüsse beschafft werden, wird mehr als vorher dazu dienen, die vorhandene Bevölkerung zu erhalten, dieselbe mit Genüssen und Wohlthaten zu versorgen, und einen jeden Betrag der Besteuerung zu tragen.

Dass der Kapitalbesitzer durch ein starkes Sinken des Tauschwerthes des Getreides in Vortheil kommt, kann nicht bezweifelt werden: aber wenn Niemand dadurch in Nachtheil geräth, so ist dies kein Grund, um das Getreide zu vertheuern: denn die Gewinnste der Kapitalbesitzer sind volkswirthschaftliche Gewinnste und vermehren, wie alle anderen Gewinnste, den wirklichen Wohlstand und die Macht des Landes. Kommen dieselben ungerechter Weise in Vortheil, so lasse man den Grad, in welchem dies geschieht, genau ausmitteln, und es ist dann Sache der Gesetzgebung, ein Abhilfsmittel zu ersinnen; aber keine Staatsmaassregel kann unkluger sein, als uns selbst von den grossen Vortheilen auszuschliessen, welche aus der Wohlfeilheit des Getreides und reichlicher Hervorbringung entstehen, blos weil die Kapitalbesitzer einen ungebührlichen Antheil an der Vermehrung derselben haben.

Man hat es doch noch nie versucht, die Kapitalzinsen nach dem Geldwerthe des Getreides zu regeln. Wenn Gerechtigkeit und Treue und Glaube eine solche Regelung erforderten, so haben wir eine grosse Schuld an die alten Kapitalbesitzer; denn sie haben mehr als ein Jahrhundert hindurch die nämlichen Geldzinsen bekommen, obgleich der Getreidepreis sich vielleicht verdoppelt oder verdreifacht hat.

Allein es ist ein grosser Irrthum, anzunehmen, die Lage der Kapitalbesitzer (stockholder) werde mehr verbessert als die der Pächter, Gewerksunternehmer und anderer Kapitalisten des Landes. Sie werden im Gegentheil thatsächlich weniger bevortheilt.

Die Kapitalbesitzer bekommen unzweifelhaft dieselbe Gelddividende, während nicht nur der Preis der Roherzeugnisse und der Arbeit fällt, sondern auch die Preise mancher anderer Dinge, in welche Roherzeugnisse als Bestandtheile übergehen. Dies ist jedoch ein Vortheil, wie ich schon behauptet habe, welchen sie in Gemeinschaft mit allen anderen Personen geniessen, die dasselbe Geldeinkommen auszugeben haben; ihr Geldeinkommen wird nicht vermehrt, das Einkommen der Päch <394> ter. Gewerksunternehmer und anderer Beschäftiger von Arbeit dagegen wird es und folglieh werden sie doppelt bevortheilt.

Es mag gesagt werden: obschon es wahr sein möge, dass die Kapitalisten durch das Steigen der Gewinnste zufolge des Fallens der Löhne in Vortheil kommen, so werde doch ihr Einkommen durch das Sinken des Geldwerthes ihrer Artikel verringert. Was verringert denn dasselbe? Nicht eine Veränderung im Geldwerthe, denn nichts ist als sich einstellend angenommen, was denselben verändern könnte. Auch nicht eine Verminderung der zur Hervorbringung ihrer Artikel erforderlichen Arbeitsmenge, denn keine Ursache dieser Art hat gewirkt, und wenn sie es hätte, so würde sie nicht die Geldgewinnste, wenngleich die Geldpreise, verringern. Aber die Roherzeugnisse, aus welchen ihre Artikel verfertigt werden, sind als im Preise herabgegangen angenommen worden, und folglich werden die Artikel aus diesem Grunde fallen. Sicherlich, sie werden fallen, aber ihr Sinken wird nicht von einer Verminderung des Geldeinkommens ihrer Hervorbringer begleitet sein. Wenn dieselben ihre Artikel für weniger Geld verkaufen, so geschieht es lediglich, weil einer der Stoffe, woraus sie verfertigt sind, im Tauschwerthe gesunken ist. Wenn der Tuchmacher sein Tuch für 900 anstatt für 1000 £ verkauft, so wird sein Einkommen nicht geringer, wenn die Wolle, woraus es verfertigt worden, im Tauschwerthe um 100 £ herabgegangen ist.

Malthus sagt: »Es ist wahr, dass die letzten Zusätze zu dem landwirthschaftlichen Erzeugnisse eines vorschreitenden Landes keine grosse Rente mit sich führen; und gerade dieser Umstand ist es, der es einem reichen Lande gelegen macht, von seinem Getreide einiges einzuführen, wenn es versichert sein kann, ein entsprechendes Angebot zu erlangen. Aber auf alle Fälle muss die Einfuhr fremden Getreides ermangeln, volkswirthschaftlich gerathen zu sein, wenn es nicht um so viel wohlfeiler, als das Getreide, das im Inlande gezogen werden kann, ist, dass es die Gewinnste und Rente des geringen Getreides, welches es verdrängt, erreicht.«16 <395>

Diese Bemerkung von Malthus ist ganz richtig, allein eingeführtes Getreide muss stets um so viel wohlfeiler als das im Inlande zu erbauende sein, dass es die Gewinnste und die Rente desjenigen Getreides, welches es verdrängt, erreicht. Geschähe dies nicht, so könnte die Einfuhr desselben von Niemand mit Vortheil unternommen werden.

Da die Rente eine Wirkung des hohen Getreidepreises ist, so ist der Verlust der Rente eine Wirkung des niedrigen Getreidepreises. Auswärtiges Getreide tritt niemals mit solchem einheimischen Getreide in Mitbewerbung, das eine Rente abwirft; das Sinken des Preises trifft unabänderlich die Grundherren so lange, bis die ganze Rente verschlungen ist; - sinkt derselbe noch mehr, so wird er nicht einmal mehr die gewöhnlichen Kapilalgewinnste abwerfen; das Kapital wird alsdann behufs einer anderen Anlage den Boden verlassen und das Getreide, das vorher auf demselben gebaut worden war, wird dann und erst dann eingeführt werden. Aus dem Verluste der Rente geht ein Verlust an Tauschwerth, an geschätztem Geldwerthe hervor, aber auch ein Gewinn an Wohlstand. Der Betrag der Roh- und anderer Erzeugnisse zusammengenommen wird zunehmen; zufolge der grösseren Leichtigkeit, mit welcher sie hervorgebracht werden, werden sie zwar der Menge nach zunehmen, aber im Tauschwerthe sinken.

Zwei Menschen wenden gleiche Kapitalien an, - der Eine im Ackerbaue, der Andere in Gewerken. Das Eine im Ackerbaue bringt einen jährlichen reinen Tauschwerth von 1200 £ hervor, von denen 1000 £ als Gewinnst zurückbehalten und 200 £ als Rente bezahlt werden; das Andere in Gewerken liefert einen blossen jährlichen Tauschwerth von 1000 £. Gesetzt nun, man könne durch Einfuhr dieselbe Getreidemenge, welche 1200 £ kostet, mit Waaren herbeischaffen, die nur 950 £ kosten, und es werde demzufolge das im Ackerbaue angelegte Kapital in Gewerke übergezogen, wo es einen Tauschwerth von 1000 £ hervorbringen kann; so wird das reine Einkommen des Landes von geringerem Tauschwerthe, von 2200 £ auf 2000 £ herabgesetzt, sein, aber nicht nur die nämliche Menge Gewerkswaaren und Getreide zur eigenen Verzehrung des Landes bereit liegen, sondern auch zu dieser Menge noch ein solcher <396> Zusatz, als man mit 50 £ - nämlich mit dem Unterschiede zwischen dem Tauschwerthe, zu welchem dessen Gewerkswaaren an das Ausland verkauft wurden, und dem Tauschwerthe des Getreides, welches vom Auslande erkauft wurde. - kaufen kann. Dies nun ist gerade die Frage in Betretf der Vortheile der Einfuhr oder des Selbstanbaues des Getreides; es kann niemals eingeführt werden, bis die Menge davon, welche man aus dem Auslande durch Anwendung eines gegebenen Kapitals erhält, diejenige Menge übersteigt, welche dasselbe Kapital uns selbst im Inlande zu erbauen in Stand setzt. - nicht blos die Menge, welche dem Pachter zu Theil wird, sondern auch diejenige, welche dem Grundherrn als Rente gegeben wird.

Malthus sagt: »Es ist von A. Smith mit Recht bemerkt worden, es könne eine in den Gewerken angewendete gleiche Menge hervorbringender Arbeit niemals eine so grosse Wiederhervorbringung verursachen, als wie im Ackerbaue.« Spricht A. Smith vom Tauschwerthe, dann hat er Recht; spricht er aber vom Vermögen, was der wichtige Punkt ist, so ist er im Irrthume, denn er hat selbst den Regriff von Vermögen so bestimmt, dass es aus den Bedürfnissen, Bequemlichkeiten und Genüssen des menschlichen Lebens bestehe. Eine Art von Bedürfnissen und Bequemlichkeiten lässt mit der anderen keine Vergleichung zu: der Gebrauchswert kann durch keinen bekannten Maassstab gemessen werden, er wird von verschiedenen Personen verschieden geschätzt.

Druck von Breitkopf und Härtel in Leipzig.


1. An Inquiry into the Nature and Progress of Rent. p. 15. (Untersuchung über die Natur und Fortschritte der Rente.)

2. S. Hauptstück VI, wo ich zu zeigen gesucht habe, dass, welcherlei Leichtigkeit oder Schwierigkeit bei der Hervorbringung von Getreide bestehen mag, der Arbeitslohn und Gewinnst zusammen genommen vom nämlichen Tauschwerthe sein werden. Wann der Arbeitslohn steigt, so geschieht es immer auf Kosten des Gewinnstes, und wenn jener sinkt, so steigt dieser.

3. Malthus hat in einer kürzlichen Veröffentlichung bemerkt, ich hätte ihn an dieser Stelle missverstanden, da er nicht habe sagen wollen, dass die Rente unmittelbar und nothwendig mit der Zu- oder Abnahme der Fruchtbarkeit des Bodens steige und falle. Ist an dem so, dann habe ich ihn gewiss missverstanden. Seine Worte sind: »Man vermindere diese Fülle, man vermindere die Fruchtbarkeit des Bodens, und der Ueberschuss (die Rente) wird abnehmen; man vermindere dieselben noch weiter, und sie wird verschwinden.« Malthus stellt diese Behauptung nicht bedingungsweise, sondern an und für sich bestimmt auf. Ich stritt dagegen, was ich als seine Behauptung verstanden hatte, nämlich dass eine Abnahme der Fruchtbarkeit des Bodens mit einer Zunahme der Rente unvereinbar sei.

4. Von was für einer vergrösserten Menge sipricht hier Malthus? Wer hat sie hervor zu bringen? Wer kann einen Grund haben, sie hervorzubringen, ehe eine Nachfrage nach der Vermehrung vorhanden ist?

5. S. Inquiry u. s. w. »In allen fortschreitenden Ländern ist der mittlere Preis des Getreides niemals höher, als was nöthig ist, um die durchschnittliche Zunahme des Erzeugnisses fortwährend zu besorgen.« S. Observations. p. 21.
»Bei der Anlegung frischen Kapitals auf den Boden, um die Bedürfnisse einer steigenden Bevölkerung zu decken, mag dasselbe angewendet werden, um mehr Boden unter den Pflug zu bringen oder um den bereits in Anbau befindlichen zu verbessern, hängt die Hauptfrage immer von den zu erwartenden Erträgnissen dieses Kapitals ab; und der Rohertrag kann um nichts verringert werden, ohne den Beweggrund zu dieser Kapitalanlage zu schwächen. Jede Preiserniedrigung, welche nicht ganz und unmittelbar durch ein verhältnissmässiges Sinken der nothwendigen Auslagen auf einem Pachtgute aufgewogen wird, jede Auflage auf den Boden, jede Besteuerung des landwirthschaftlichen Kapitals, jede Abgabe von den Bedürfnissen des Pachters wird hiebei in Anschlag genommen; und wenn, nach Abzug aller dieser Auslagen, der Preis des Erzeugnisses nicht eine gehörige Vergütigung des angewendeten Kapitals, nach dem allgemeinen Gewinnstsatze, und eine Rente, die mindestens der Rente des Bodens in seinem vorherigen Zustande gleich kommt, übrig lässt, so kann kein hinreichender Beweggrund zur Unternehmung der entworfenen Verbesserung vorhanden sein.« S. Observations p. 22.

6. S. Hauptstück VI.

7. S. Hauptstück II.

8. Es ist nicht nothwendig, bei jeder Gelegenheit zu bemerken, sondern es muss stets bekannt sein, dass, was den Preis der Roherzeugnisse und das Steigen der Renten anbelangt, dieselben Ergebnisse hervorgehen werden, ob nun ein Kapitalzusatz von gegebenem Betrage auf neuen Boden, von welchem keine Rente entrichtet wird, oder auf bereits angebauten Boden angelegt wird, wenn der von beiden bezogene Ertrag der Menge nach genau der nämliche ist. S. Hptst. II.
Say hat in seinen Anmerkungen zu der französischen Uebersetzung dieses Werkes, welche mir erst, seitdem diese Ausgabe unter der Presse ist, zu Gesicht kam, zu zeigen gesucht, dass es niemals angebauten Boden gebe, der keine Rente bezahle, und schliesst, nachdem er sich in diesem Punkte Genüge geleistet hat, dass er alle Schlussfolgerangen, welche aus dieser Lehre sich ergeben, umgeworfen habe. Er führt z. B. an, ich habe Unrecht, dass ich sage, Auflagen auf Roherzeugnisse fielen nicht auf die Rente, sondern durch die Erhöhung der Preise der Roherzeugnisse auf den Zehrer. Er behauptet, sie müssen auf die Rente fallen. Allein ehe Say diese Behauptung als richtig annehmen kann, muss er auch zeigen, dass auf den Boden, für welchen keine Rente entrichtet wird, kein Kapital angelegt wird (S. den Anfang dieser Note und des Hauptstücks II); dies hat er aber nicht versucht. Er hat in seinen Anmerkungen nirgends diese wichtige Lehre widerlegt oder auch nur berücksichtigt. In seiner Anmerkung zur Seite 182 des zweiten Bandes der französischen (ersten) Ausgabe scheint er gar nicht zu wissen, dass sie aufgestellt worden ist.

9. Betrachtungen über die Korngesetze p. 4. (Observations on Corn Laws.)

10. Als ich Malthus diese Stelle zeigte, zur Zeit, da diese Blätter gerade in die Druckerei gingen, bemerkte derselbe, »er habe an diesen beiden Stellen den Ausdruck Sachpreis aus Unachtsamkeit anstatt Hervorbringungskosten gebraucht.« Man wird aus dem bereits Gesagten ersehen, dass es mir scheint, er habe an beiden Stellen den Ausdruck Sachpreis in seinem wahren und richtigen Verstände gebraucht und ihn nur in dem früheren Falle unrichtig angewendet.

11. S. p. 40.

12. Die Gewerksgüter könnten wirklich nicht in solchem Verhältnisse herabgehen, weil, unter den angenommenen Umständen, eine neue Vertheilung der Edelmetalle unter den verschiedenen Ländern Statt finden würde. Unsere wohlfeilen Waaren würden gegen Getreide und Gold ausgeführt werden, bis die Ansammlung von Gold dessen Tauschwerth herab drükken und den Geldpreis der Waaren steigern würde.

13. The grounds of an opinion (Gründe einer Ansicht u. s. w.) p. 36.

14. Malthus nimmt in einem anderen Theile desselben Werkes an, die Waaren veränderten sich um 25 oder 20 %, wann das Getreide eine Veränderung von 33 1 / 3 % erleide.

15. Von reinem und rohem Erzeugniss spricht Say folgendermaassen: »Der ganze hervorgebrachte Werth ist das rohe Erzeugniss, dieser Werth nach Abzug der Hervorbringungskosten ist das reine Erzeugniss.« Bd. II. S. 491 . - Es kann also kein reines Erzeugniss geben, weil nach Say's Ansicht, die Hervorbringungskosten aus der Rente, dem Arbeitslohn und dem Gewinnste bestehen. Auf S. 508 sagt derselbe: »der Werth des Erzeugnisses, der Werth der hervorbringenden Dienste, der Werth der Hervorbringungskosten sind demgemäss gleiche Werthe, wann den Dingen ihr natürlicher Verlauf gelassen wird.« Zieht man vom Ganzen das Ganze ab, so bleibt nichts übrig.

16. The grounds of an opinion (Gründe einer Ansicht) p. 36.