Einunddreissigstes Hauptstück. Ueber Maschinenwesen.

Im gegenwürtigen Hauptstück will ich in einige Untersuchung eintreten über den Einfluss des Maschinenwesens auf die Interessen der verschiedenen Klassen der Gesellschaft, einen Gegenstand von grosser Wichtigkeit, welcher bisher noch nicht auf eine solche Weise erörtert worden zu sein scheint, dass es zu sicheren oder befriedigenden Ergebnissen geführt hätte. Ich muss meine Ansichten über diese Frage um so mehr darlegen, als dieselben, bei weiterer Ueberlegung, eine beträchtliche Aenderung erfahren haben; und obschon ich meines Wissens niemals etwas über Maschinenwesen veröffentlicht habe, was ich zurückzunehmen hätte, so habe ich doch auf anderem Wege Lehren unterstützt, welche ich nun für irrig erachte. Es ist mir darum zur Pflicht geworden, meine jetzigen Anschauungen einer Prüfung zu unterziehen, mit meinen Gründen für dieselben.

Von jeher, seit ich meine Aufmerksamkeit volks- und staatswirthschaftlichen Fragen zugewendet habe, bin ich der Meinung gewesen, dass eine Anwendung von Maschinen in irgend einem Zweige der Hervorbringung, welche Ersparung an Arbeit zur Folge hat, etwas allgemein Gutes ist, nur begleitet von dem Grade von Ungelegenheit, welcher in den meisten Fällen mit der Uebertragung von Kapital und Arbeit aus einer Unternehmung in eine andere verbunden ist. Es erschien mir, als ob die Grundherren, vorausgesetzt, dass sie dieselbe Geld-Grundrente haben, durch die Verminderung der Preise der Güter, für die sie die Grundrente ausgeben, bevortheilt <357> wurden, indem die Verminderung der Preise nothwendig eine Wirkung der Anwendung von Maschinen sei. Der Kapitalist werde; dachte ich, vorkommenden Falls genau auf dieselbe Weise bevortheilt werden. In der That werde der Erfinder der Maschine oder wer dieselbe zuerst nutzbar anwendete, sich einer Erhöhung des Vortheils durch grossen Gewinnst auf gewisse Zeit zu erfreuen haben. Allein im Verhältniss, wie die Maschinen allgemein in Gebrauch kommen, werde der Preis des hervorgebrachten Gutes, zufolge der Mitbewerbung, auf dessen Hervorbringungskosten herabgehen, während der Kapitalist das nämliche Einkommen wie früher beziehe und nur des allgemeinen Vortheils als Ge- und Verbraucher theilhaftig werde, indem er in Stand gesetzt werde, mit demselben Geldeinkommen über eine grössere Menge von Behaglichkeit und Genüssen zu verfügen. Die Arbeiterklasse, dacht' ich, werde vom Gebrauche der Maschinen ebenso Vortheil haben, indem sie mit demselben Geldlohne die Mittel zur Anschaffung von mehr Gütern haben werde, und ich dachte, dass keine Lohnverminderung eintreten werde, weil der Kapitalist die Mittel besitzen werde, die nämliche Menge von Arbeit zu begehren und zu beschäftigen wie vorher, obschon er genöthigt sein dürfte, dieselbe zur Hervorbringung eines neuen oder irgendwie anderen Gutes zu verwenden. Wenn, in Folge verbesserten Maschinenwesens, mittelst der nämlichen Menge von Arbeit die Menge der Strümpfe vervierfacht werden könne und die Nachfrage nach Strümpfen sich nur verdoppele, so würden nothwendiger Weise Arbeiter aus dem Strumpfgeschäft entlassen werden. Allein da das Kapital, welches sie beschäftigt hatte, noch vorhanden sei und da es im Interesse derjenigen, welche es hätten, liege, dasselbe hervorbringend anzuwenden, so dauchte mir, dasselbe würde zur Hervorbringung irgend eines anderen der Gesellschaft nützlichen Gutes verwendet werden, für welches es an Nachfrage nicht gebrechen könne. Denn ich war und bin noch tief durchdrungen von der Wahrheit der Bemerkung A. Smith's, dass »das Verlangen nach Nahrung bei jedem Menschen durch den engen Raum des menschlichen Magens begrenzt ist, aber das Verlangen nach Bequemlichkeiten und Verschönerungen der Wohnung, Kleidung, des Fuhrwerks und des Hausraths keine Grenze oder <358> sichere Schranke zu haben scheint.«1 Da es mir nun schien, dass die vorherige Nachfrage nach Arbeit fortbestehen und dass der Arbeitslohn nicht niedriger sein werde, so dachte ich, die Arbeiterklasse würde, ebenso wie die anderen Klassen, an dem Vortheile der aus der Anwendung des Maschinenwesens hervorgehenden Verwohlfeilerung der Güter theilnehmen.

Dies waren meine Ansichten und sie sind es unverändert auch noch, was den Grundherrn und den Kapitalisten betrifft. Allein ich bin überzeugt, dass die Ersetzung menschlicher Arbeit durch Maschinen für die Interessen der Arbeiterklasse oft sehr nachtheilig ist.

Mein Irrthum entstand aus der Voraussetzung, dass immer, wenn das reine Einkommen der Gesellschaft zunehme, auch das rohe Einkommen derselben steige. Jetzt aber habe ich Grund zu der Ueberzeugung, dass der eine Fond, aus welchem die Grundherren und Kapitalisten ihr Einkommen beziehen, zunehmen kann, während der andere, nämlich derjenige, von welchem die Arbeiterklasse vornehmlich abhängt, abnehmen kann, und hieraus folgt, wenn ich nicht irre, dass dieselbe Ursache, welche das reine Einkommen des Landes erhöhen mag, gleichzeitig die Bevölkerung vermehren und die Lage des Arbeiters verschlechtern kann.

Nehmen wir an, ein Kapitalist wendet ein Kapital im Werthe von 20,000 £ an und betreibt das Geschäft des Landwirths und des Fabrikanten von nöthigen Lebensbedürfnissen vereinigt. Nehmen wir ferner an, dass 7000 £ von diesem Kapital in stehendem Kapital, nämlich in Gebäuden, Geräthschaften u. s. w., und der Rest mit 13,000 £ als umlaufendes Kapital zur Unterhaltung von Arbeit angelegt werde. Nehmen wir dazu noch an, dass die Gewinnste 10 Proc. betragen und demgemäss, dass das Kapital des Kapitalisten jedes Jahr in seinen ursprünglichen Zustand der Wirkungsfähigkeit gebracht werde und einen Gewinnst von 2000 £ abwerfe.

Mit jedem Jahre beginnt der Kapitalist seine Gewerbthätigkeit mit einem Besitze an Nahrungs- und anderen Bedürfnissmittein im Werthe von 13,000 £, welche er im Laufe des Jahres sämmtlich an seine eigenen Arbeiter zu derselben Geldsumme verkauft; und er bezahlt in derselben Zeit an dieselben <359> den gleichen Geldbetrag an Arbeitslohn. Am Jahresschlusse bringen dieselben wieder Nahrungs- und andere Bedürfnissmittel im Werthe von 15,000 £ in seinen Besitz, von welchen er selbst 2000 £ verzehrt oder nach Gefallen zu seinem Vergnügen und sonst zu seinen Gunsten verwendet. Was das Ergebniss anbelangt, so beträgt sein rohes Einkommen des Jahres 15,000 £ und das reine 2000 £. Angenommen aber, der Kapitalist verwende die eine Hälfte seiner Arbeiter im nächstfolgenden Jahre auf die Herstellung einer Maschine und die andere auf Hervorbringung von Nahrungs- und anderen Bedürfnissmitteln wie gewöhnlich. Während dieses Jahres würde derselbe wie bisher 13,000 £ für Arbeitslohn ausgeben und für denselben Betrag an Nahrungs- und anderen Bedürfnissmitteln an seine Arbeiter verkaufen. Aber was würde der Fall im nächsten Jahre sein?

Während die Maschine hergestellt wird, wird nur die Hälfte der herkömmlichen Menge von Nahrungs- und anderen Bedürfnissmitteln erlangt werden und diese werden nur die Hälfte des Werths der Menge darstellen, welche früher hervorgebracht worden ist. Die Maschine mag 7500 £ und die Nahrungs- und anderen Bedürfnissmittel mögen auch 7500 £ werth und demgemäss wird das Kapital des Kapitalisten eben so gross sein wie vorher. Denn ausser diesen beiden Werthen wird er noch sein stehendes Kapital von 7000 £ haben, was zusammen das ganze Kapital von 20,000 £ und 2000 £ Gewinnst ausmacht. Nach Abzug dieser letzteren Summe für seine eigenen Ausgaben wird er kein grösseres umlaufendes Kapital als 5500 £ haben, mittelst dessen er nachher seine Gewerbsthätigkeit fortsetzen soll. Und desshalb werden seine Mittel zur Anwendung von Arbeit im Verhältniss von 13,000 £ zu 5,500 £ verringert sein und folglich wird alle die Arbeit überflüssig werden, welche vorher mittelst der 7500 £ beschäftigt worden war.

Die verminderte Menge von Arbeit, welche der Kapitalist verwenden kann, muss in der That unter Beistand der Maschinen und nach Abzug der Kosten ihrer Ausbesserung, einen Werth gleich 7500 £ hervorbringen, sie muss das umlaufende Kapital nebst dem Gewinnste von 2000 £ vom ganzen Kapital ersetzen. Allein wenn dies geschehen ist; wenn das reine Ein <360> kommen nicht abgenommen hat. von welcher Bedeutung ist es für den Kapitalisten, ob das rohe Einkommen einen Werth von 3000, 10.000 oder 15.000 £ hat?

In diesem Falle nun wird das rohe Einkommen von einem Werthe von 15,000 auf 7500 £ gefallen sein, obgleich das reine Einkommen nicht abgenommen hat, obgleich dessen Kraft Güter zu kaufen, bedeutend vermehrt sein kann. Und da die Macht die Bevölkerung zu versorgen und Arbeit zu beschäftigen allerwege vom Roherzeugnisse eines Volks und nicht von dessen reinem Einkommen abhängig ist, so wird nothwendiger Weise eine Abnahme der Nachfrage nach Arbeit eintreten, die Bevölkerung überschüssig werden und die Lage der arbeitenden Klassen Verkümmerung und Verarmung sein.

Da indessen die Macht, vom Einkommen zu ersparen und zum Kapital zu schlagen, von der Ausgiebigkeit des reinen Einkommens zur Befriedigung des Bedarfs des Kapitalisten abhängig sein muss, so ergibt sich nothwendig aus der Verminderung des Preises der Güter zufolge der Einführung der Maschinen, dass er bei demselben Bedarfe die Mittel zu Ersparnissen und die Leichtigkeit der Verwandlung von Einkommen in Kapital vermehrt haben würde. Aber mit jeder Kapitalvermehrung würde er mehr Arbeiter beschäftigen und damit einen Theil des anfänglich ausser Arbeit gesetzten Volks nachher wieder beschäftigen. Und wenn die zufolge der Anwendung von Maschinen gesteigerte Hervorbringung gross genug ist, um, in der Gestalt des reinen Erzeugnisses, ebensoviel Nahrungs- und andere Bedürfnissmittel zu gewähren, als vorher in der Form des rohen Erzeugnisses vorhanden waren, so würde dieselbe Möglichkeit, die ganze Bevölkerung zu beschäftigen, obwalten und also ein Uebermaass an Bevölkerung nicht nothwendig vorhanden sein.

Alles, was ich darzuthun wünsche, ist, dass die Erfindung und Anwendung des Maschinenwesens von einer Verminderung des rohen Erzeugnisses begleitet sein kann und dass, wenn dies der Fall ist, es nachtheilig für dieArbeiterklassen werden wird, insofern als ein Theil derselben ausser Beschäftigung kommen und die Bevölkerung, in Vergleichung mit den Mitteln zu ihrer Beschäftigung, zu gross werden wird. <361>

Der von mir angenommene Fall ist der weitaus einfachste, den ich wählen konnte. Allein es würde keinen Unterschied in dem Ergebnisse machen, wenn wir annähmen, dass das Maschinenwesen in einem Manufakturgeschäfte. z.B. eines Tuch- oder Baumwollenwaarenfabrikanten, eingeführt würde. Wenn in einem Tuchgeschäfte nach der Einführung der Maschinen, weniger Tuch hervorgebracht würde; denn ein Theil der Menge, über welche zur Bezahlung einer grossen Gesammtheit von Arbeitern verfügt wurde, würde, von deren Lohnherren nicht mehr gebraucht werden. In Folge der Anwendung von Maschinen würde für ihn erforderlich sein, nur einen Werlh wiederhervoraubringen, welcher dem verbrauchten Werthe, nebst dem Gewinnste vom ganzen Kapital, gleich käme. Dies können 7500 £ ebenso gut bewirken, wie es 15,000 £ vorher bewirkt haben; der Fall würde in keiner Hinsicht verschieden sein von dem vorherigen Beispiel. Man kann indessen sagen, die Nachfrage nach Tuch werde ebenso gross sein wie zuvor, und fragen, woher das entsprechende Angebot kommen werde? Allein von wem würde dann das Tuch begehrt werden? Von den Landwirthen und Hervorbringern anderer Bedürfnissgegenstände, welche ihre Kapitalien zur Hervorbringung derartiger Gegenstände, als Mittel zur Anschaffung von Tuch, verwendeten. Sie gaben dem Tuchmacher Getreide und andere Bedürfnissgegenstände für sein Tuch und dieser wendete sie seinen Arbeitern zu, für das Tuch, welches ihm ihre Thätigkeit zugebracht hat.

Dieses Geschäft würde nunmehr aufhdren; der Tuchmacher würde der Nahrung und Kleidung nicht bedürfen, da er weniger Leute zu beschäftigen und über weniger Tuch zu verfügen hat. Die Landwirthe und Andere, welche nur Bedttrfntssgegenstände als Mittel zu einem Zwecke herverbrächten, könnten nicht länger mittelst einer solchen Anwendung ihrer Kapitalien Tuch bekommen und würden darum entweder ihre Kapitalien zum Tuchmachen verwenden oder an Andere ausleihen, damit das wirklich begehrte Gut geliefert werden könnte. Und die Hervorbringung desjenigen, was zu bezahlen Niemand die Mittel hätte oder wonach keine Nachfrage bestände, würde aufhören. Dies nun führt zu demselben Ergebnisse. Die Nachfrage nach Arbeit würde abnehmen und die zur Unterhaltung der Arbeit <362> nötigen Güter würden nicht femer in derselben Fülle hervorgebracht werden.

Wenn diese Anschauungen richtig sind, so folgt daraus:

  1. dass die Erfindung und nutzbare Anwendung der Maschinen immerhin zu einer Vermehrung des reinen Erzeugnisses eines Landes führt, obgleich dieselbe, nach einer unbeträchtlichen Zwischenzeit, den Werth dieses reinen Erzeugnisses weder vermehren kann, noch vermehren wird;
  2. dass eine Vermehrung des reinen Erzeugnisses eines Landes mit einer Verminderung des rohen Erzeugnisses vereinbar ist und dass die Beweggründe zur Anwendung von Maschinen immer ausreichend sind, um dieselbe zu sichern, wenn sie das reine Erzeugniss vermehren wird, obgleich dieselbe die Menge des rohen Erzeugnisses und den Werth desselben, Beide, vermindern kann und häufig muss;
  3. dass die Meinung der Arbeiterklasse, die Anwendung von Maschinen sei ihren Interessen häufig verderblich, nicht auf Vorurtheil und Irrthum beruht, sondern mit den richtigen Grundgesetzen der Volks- und Staatswirthschaft übereinstimmt;
  4. dass, wenn die in Folge der Anwendung der Maschinen verbesserten Mittel der Hervorbringung das reine Erzeugniss dermaassen vermehren, dass das rohe Erzeugniss nicht verringert wird (ich meine jedesmal die Menge und nicht den Werth der Güter), die Lage aller Klassen verbessert werden wird. Der Grundherr und der Kapitalist werden Nutzen ziehen, nicht durch ein Steigen der Rente und des Gewinnstes, sondern durch die Vortheile bei der Verausgabung ihrer Renten und Gewinnste für die im Werthe sehr beträchtlich herabgegangenen Güter, während die Lage der Arbeiterklasse ebenfalls erheblieh verbessert werden wird; a) in Folge der gestiegenen Nachfrage nach Gesinde, b) in Folge des Anreizes zu Ersparnissen vom Einkommen, welches ein so reichliches reines Erzeugniss liefern wird, und c) in Folge des niedrigen <363> Preises aller Verbrauchsgegenstände, für welche ihr Lohn verausgabt werden wird.

Unabhängig von der Betrachtung über die Erfindung und den Gebrauch der Maschinen, auf welche unsere Aufmerksamkeit soeben gerichtet wurde, haben die Arbeiter kein geringes Interesse an der Art und Weise, wie das reine Einkommen des Landes verwendet wird, wenngleich dasselbe, in allen Fällen, zur Lebensverbesserung und zu Genüssen derjenigen verwendet wird, welche es redlich verdienen.

Wenn ein Grundherr, oder ein Kapitalist, sein Einkommen auf die Weise eines Altadligen, zur Haltung einer grossen Anzahl Lakaien oder Gesinde, ausgibt, so wird er viel mehr Arbeit Beschäftigung gewähren, als wenn er dasselbe für feine Kleider oder kostbaren Hausrath, auf Wagen, auf Pferde, oder zur Anschaffung was irgend für anderer Luxusgegenstände verwendet.

In beiden Fällen möchte das reine Einkommen dasselbe sein, so auch das rohe, aber das Erstere würde in verschiedenen Gütern angelegt werden. Wenn mein Einkommen 40,000 £ wäre, so würde nahezu die nämliche Menge hervorbringender Arbeit beschäftigt werden, möchte ich dasselbe in feinen Kleidern und köstlichem Hausrath u. s. w. oder in einer Menge Nahrung und Kleidung von gleichem Werthe anlegen. Wenn ich jedoch mein Einkommen in Gütern der ersteren Art anlegte, so würde nicht mehr Arbeit in späterer Folge beschäftigt werden: ich würde mich meines Hausraths und meiner Kleider erfreuen und damit wäre es zu Ende; wenn ich dagegen mein Einkommen in Nahrung und Kleidung anlegte und wenn mein Sinn nach Haltung von Gesinde stände, so würden alle diejenigen, welche ich so mittelst meines Einkommens von 10,000 £ beschäftigen könnte oder mittelst der Nahrung und Kleidung, welche man dafür kaufen könnte, zu der vorherigen Nachfrage nach Arbeitern noch hinzu kommen und dieser Zugang würde blos desshalb Platz greifen, weil ich gerade diese Art der Verwendung meines Einkommens gewählt hätte. Da nun die Arbeiter bei der Nachfrage nach Arbeit interessirt sind, so müssen sie natürlich wünschen, dass möglichst viel Einkommen der Aus <364> gabe für Luxusgegenstände entzogen werde, um für Haltung von Gesinde ausgegeben werden zu können.

Auf dieselbe Weise beschäftigt ein Land, welches in einem Kriege begriffen und welches genöthigt ist, grosse Flotten und Armeen zu unterhalten, bedeutend viel mehr Menschen als nach dem Kriege und wann die jährlichen Ausgaben, welche derselbe mit sich bringt, aufhören.

Wenn ich nicht während des Krieges mit einer Steuer von 500 £ herangezogen würde, welche für Leute in den Stellungen als Soldaten und Matrosen abgegeben werden, so würde ich diesen Theil meines Einkommens wahrscheinlich für Hausrath. Kleider. Bücher u. s. w. ausseben und es würde die nämliche Menge von Arbeit auf Hervorbringung angewendet werden, möchte sie auf dem einen oder anderen Wege aussegeben werden. Denn die Nahrung und Kleidung der Soldaten und Matrosen würde den nämlichen Belauf von Gewerb- und Betriebsamkeit zu deren Hervorbringen erfordern, wie die mehr zum Wohlleben bestimmten Güter. Allein in dem Falle des Krieges würde ein Mehrbegehr an Leuten als Soldaten und Matrosen vorhanden sein, und demzufolge ist ein Krieg, welcher mit Hilfe des Einkommens geführt wird, und nicht mit Hilfe des Kapitals des Landes, vortheilhaft für die Vermehrung der Bevölkerung.

Bei Beendigung des Krieges, wann der Theil meines Einkommens mir wieder zukommt und wie zuvor zum Ankaufe von Wein, Hausrath oder anderen Luxusgegenständen ausgegeben wird, wird die Bevölkerung, welche vorher unterhalten und durch den Krieg herbeigeführt worden war, einen Ueberschuss zeigen; und es wird, in Folge seines Einflusses auf den Rest der Bevölkerung und seiner Mitbewerbung um Beschäftigung, der Werth des Arbeitslohnes sinken und die Lage der Arbeiterklasse sehr wesentlich verschlechtem.

Es gibt einen anderen bedauemswerthen Fall von Möglichkeit einer Zunahme des reinen Einkommens eines Landes und selbst seines rohen Einkommens nebst einer Verringerung der Nachfrage nach Arbeit, nämlich, wenn die Arbeit von Pferden an Stelle der Arbeit von Menschen gesetzt wird. Wenn ich in meiner Landwirthschaft einhundert Leute beschäftigte und wenn <365> ich fände, dass die Nahrung für fünfzig dieser Leute der Unterhaltung von Pferden zugewendet werden und dies mir einen grösseren Ertrag an rohem Einkommen bringen könnte, nach Abzug der Zinsen des für Anschaffung der Pferde zu verwendenden Kapitals, so würde es für mich von Vortheil sein, Pferde an Stelle der Leute zu setzen und ich würde demgemäss auch verfahren. Allein dies läge nicht im Interesse der Leute, und, obschon das Einkommen, welches ich bezöge, so sehr vermehrt würde, dass es mich in Stand setzte, sowohl die Leute als auch die Pferde zu beschäftigen, so ist doch einleuchtend, dass die Bevölkerung überschüssig und die Lage der Arbeiter im Allgemeinen verschlimmert werden würde. - Es ist begreiflich, dass der Arbeiter, unter gewissen Umständen, in der Landwirthschaft nicht beschäftigt werden könnte; aber wenn das Erzeugniss des Bodens zufolge der Ersetzung der Leute durch Pferde vergrössert würde, so würde der Arbeiter in Manufacturen oder als Gesinde Anstellung finden können.

Die vorstehenden Behauptungen werden, wie ich hoffe, nicht zu der Folgerung verleiten, dass das Maschinenwesen nicht gefordert werden sollte. Um das Grundgesetz zu beleuchten, habe ich angenommen, dass das verbesserte Maschinenwesen urplötzlich auf einmal entdeckt und in ganzer Ausdehnung angewendet worden sei. Aber in der Wirklichkeit treten diese Entdeckungen nach und nach auf und wirken mehr auf Anwendung des schon ersparten und angesammelten Kapitals, als auf Zurückziehung von Kapital aus bisheriger Anlage.

Mit jedweder Vermehrung des Kapitals und der Bevölkerung wird die Nahrung allgemein (im Preise) steigen, zufolge der schwieriger werdenden Hervorbringung derselben. Eine Folge dieses Steigens ist ein Steigen des Arbeitslohns und jede Lohnsteigerung hat das Streben zur Folge, erspartes Kapital in grösserem Verhältnisse als bisher zur Anwendung von Maschinen anzulegen. Maschinenwesen und Arbeit befinden sich beständig in gegenseitiger Mitbewerbung (in constant competition) und jenes kann häufig nicht eher ausgeführt werden, als bis die Arbeit (im Preise) steigt.

In Amerika und in anderen Ländern, wo die Menschen-Nahrung leicht beschafft werden kann, herrscht nicht annähernd eine so grosse Veranlassung zur Anwendung des Maschinenwesens <366> wie in England, wo die Nahrung (im Preise) hoch steht und deren Hervorbrinung viel Arbeit kostet. Dieselbe Ursache, welche die Arbeit (im Preise) steigert, erhöhet nicht den Werth der Maschine und demzufolge wird, mit jeder Kapitalvermehrung, ein verhältnissmäasig grösserer Betrag von demselben dem Maschinenwesen zugewendet. Die Nachfrage nach Arbeit wird fortfahren zu steigen mit einer Zunahme des Kapitdls, jedoch nicht im Verhältnisse dieser Zunahme. Das Verhältniss wird nothwendigerweise ein abnehmendes sein.2

Ich habe vorhin auch bemerkt, dass die Zunahme des reinen Einkommens, geschätzt in Gütern, welches immer die Folge verbesserten Maschinenwesens ist, zu neuen Ersparnissen und Ansammlungen führen wird. Diese Ersparnisse, dies muss im Auge behalten werden, sind jährliche und müssen alsbald einen Fond schaffen, weit grösser, als das rohe Einkommen, welches ursprünglich in Folge der Entdeckung der Maschine eingebüsst <367> wurde, wenn die Nachfrage nach Arbeit dieselbe bleibt wie zuvor, und die Lage des Volkes wird auch fernerhin verbessert werden durch die steigenden Ersparnisse, welche demselben das vermehrte reine Einkommen noch gestattet.

Die Anwendung von Maschinen könnte niemals ohne Nachtheil in einem Staate zurückgehalten werden; denn wenn das Kapital nicht das höchste reine Einkommen, welches der Gebrauch des Maschinenwesens abwerfen wird, abwerfen darf, so wird es aus dem Lande geschafft werden und dies wäre eine weit ernsthaftere Zurückhaltung der Nachfrage nach Arbeit, als die allerausgedehnteste Anwendung von Maschinen. Denn, während ein Kapital im Inlande angewendet wird, muss dasselbe Nachfrage nach irgend welcher Arbeit hervorrufen; die Maschinen können nicht ohne Hilfe von Menschen in Betrieb sein, ohne die Zuthat der Arbeit derselben ist es nicht möglich. Durch die Anlegung eines Theiles eines Kapitals in verbesserten Maschinen wird eine Abnahme an der steigenden Nachfrage nach Arbeit hervorgebracht; durch Hinwegschaffung derselben in ein anderes Land würde die Nachfrage (nach Arbeit) ganz vernichtet werden.

Die Preise der Güter werden durch deren Hervorbringungskosten bestimmt. Durch Anwendung des Maschinenwesens werden diese Hervorbringungskosten vermindert, und folglich kann man dieselben auf auswärtigen Märkten zu wohlfeilerem Preise verkaufen. Wenn man gleichwohl den Gebrauch der Maschinen beseitigte, während andere Länder denselben beförderten, so wäre man gezwungen sein Geld auszuführen, im Austausche gegen fremde Güter, bis man die natürlichen Preise der eigenen Güter auf den Betrag der Preise anderer Länder herabgebracht hätte. Im Tauschverkehr mit diesen Ländern würde man ein Gut; welches uns zwei Tage Arbeit kostest, für ein Gut; welches im Auslande einen Tag Arbeit kostet, vielleicht hingeben und dieser nachtheilige Tausch wäre eine Folge des diesseitigen Gesetzes. Denn das Gut, welches man ausführt und uns zwei Tage Arbeit gekostet hat, würde uns nur einen Tag Arbeit gekostet haben, wenn wir die Anwendung des Maschinenwesens, dessen Dienste die Nachbarn sich wohlweislicher zu eigen gemacht haben, nicht beseitigt hätten. <368>


1. Smith 1.11.229, 230

2. »Die Nachfrage nach Arbeit hängt von der Zunahme des umlaufenden und nicht des stehenden Kapitals ab. Wäre es richtig, dass diese beiden Kapitalarten zu allen Zeiten and in allen Ländern in gleichem Verhältniss blieben, dann würde allerdings folgen, dass die Anzahl der beschäftigten Arbeiter im Verhältniss stehe zum Wohlstand des Staates. Allein eine solche Behauptung hat nicht den Anschein der Wahrscheinlichkeit. Wie die Künste gepflegt werden und die Civilisation sich verbreitet, nimmt das stehende Kapital ein grösseres und grösseres Verhältniss gegenäber dem umlaufenden an. Der Betrag des zur Hervorbringung eines Stückes brittischen Muslins verwendeten stehenden Kapitals ist wenigstens hundertmal, vielleicht tausendmal grösser, als das zur Hervorbringung eines gleichen Stückes indischen Muslins. Und das Verhältniss des angewendeten umlaufenden Kapitals ist um das Hundert- oder Tausendfache kleiner. Es ist leicht zu begreifen, dass, unter gewissen Umständen, das ganze jährliche Ersparniss eines betriebsamen Volkes dem stehenden Kapital zuwächst, in welchem Falle jenes Erspamiss keine Einwirkung auf Vermehrung der Nachfrage nach Arbeit ausüben wird.« Barton, On the Condition of the Labouring Classe of Societj'. p. 16.
Es ist, denke ich, nicht leicht einzusehen, dass, unter Umständen, eine Vermehrung des Kapitals nicht sollte begleitet sein von einer vermehrten Nachfrage nach Arbeit. Das Meiste, was man sagen kann, ist, dass die Nachfrage in abnehmendem Verhältniss stattfinden wird. Barton hat in obiger Schrift, denk' ich, eine richtige Ansicht über einige der Wirkungen der Zunahme des stehenden Kapitals auf die Lage der Arbeiterklasse gewonnen. Seine Abhandlung enthält viele werthvolle Aufklärung.