Dreissigstes Hauptstück. Ueber den Einfluss der Nachfrage und des Angebots auf den Preis.

Die Hervorbringungskosten sind es, welche zuletzt den Preis der Güter bestimmen, und nicht, wie man öfters gesagt hat, das Verhältniss zwischen Angebot und Nachfrage. Das Verhältniss zwischen Angebot und Nachfrage kann wirklich auf einige Zeit den Markttauschwerth eines Gutes berühren, bis es in grösserer oder geringerer Menge angeboten wird, je nachdem die Nachfrage gestiegen oder gesunken ist; allein diese Wirkung wird blos von vorübergehender Dauer sein.

Verringert die Hervorbringungskosten der Hüte, und ihr Preis wird zuletzt auf ihren neuen natürlichen Preis herabgehen, wenn auch die Nachfrage verdoppelt, verdreifacht oder vervierfacht wäre. Verringert die Unterhaltungskosten der Menschen durch Verminderung des natürlichen Preises der Nahrung und Kleidung, wodurch das Leben erhalten wird, und der Arbeitslohn wird zuletzt sinken, unerachtet die Nachfrage nach Arbeitern sehr steigen kann.

Die Meinung, dass der Preis der Güter einzig und allein von dem Verhältnisse zwischen Angebot und Nachfrage abhänge, ist fast ein Axiom in der öffentlichen Wirthschaftslehre geworden und die Quelle vieler Irrthümer in dieser Wissenschaft gewesen. Diese Meinung ist es, was Buchanan zu der Behauptung brachte, der Arbeitslohn stehe nicht unter dem Einflusse <352> des Steigens oder Sinkens der Preise der Lebensmittel, sondern blos unter jenem der Nachfrage und des Angebots von Arbeit; und eine Auflage auf den Arbeitslohn werde diesen selbst nicht steigern, weil sie das Verhältniss der Nachfrage nach Arbeitern zu dem Angebole an solchen nicht verändere.

Man kann nicht sagen, die Nachfrage nach einer Waare nehme zu, wenn keine grössere Menge davon gekauft oder verbraucht wird; und dennoch kann unter solchen Umständen ihr Geldtauschwerth steigen. So würde, wenn der Tauschwerth des Geldes im Fallen wäre, der Preis eines jeden Gutes steigen, denn ein jeder von den Mitbewerbern würde geneigt sein, mehr Geld als vorher auf deren Ankauf zu verwenden; aber wenngleich nun ihr Preis um 10 oder 20 % stiege, ohne dass mehr davon gekauft würde als vorher, so würde man meines Erachtens doch nicht sagen können, die Veränderung im Preise der Waare sei durch die Vergrösserung der Nachfrage nach derselben veranlasst worden. Ihr natürlicher Preis, ihre Hervorbringungskosten in Geld, würden wirklich durch den veränderten Tauschwerth des Geldes verändert, und es würde sich der Preis der Waare, ohne eine Zunahme der Nachfrage danach, natürlich nach diesem neuen Tauschwerthe richten.

»Wir haben gesehen,« sagt Say , »dass die Hervorbringungskosten den niedrigsten Preis bestimmen, auf welchen die Dinge herabgehen können: den Preis, unter welchem sie nicht auf die Länge der Zeit verbleiben können, weil die Hervorbringung derselben dann entweder ganz und gar eingestellt oder vermindert würde.«1

Später sagt er, da die Nachfrage nach Gold seit der Entdeckung der Goldgruben in einem noch stärkeren Verhältnisse als das Angebot gestiegen sei, »so sei dessen Preis in Gütern, anstatt im Verhältnisse von zehn zu eins, im Verhältnisse von vier zu eins gefallen;« d. h. anstatt im Verhältnisse der Erniedrigung des natürlichen Preises sei er im Verhältnisse des Ueberschusses des Angebotes über die Nachfrage gesunken.2 <353>

»Der Werth jeder Waare steigt immer in geradem Verhältnisse zur Nachfrage und in umgekehrtem. Verhältnisse zum Angebote.«

Die nämliche Meinung hat auch der Graf von Lauderdale geäussert.

»Könnten wir, was die Werthsveränderungen, für welche jede Sache von Werth empfänglich ist, betrifft, für einen Augenblick annehmen, irgend ein Stoff besitze inneren und festen Werth, dergestalt, dass eine angenommene Menge davon beständig unter allen Umständen von gleichem Werthe wäre, so würde der Grad des Werlhes aller Dinge, wenn er durch ein solches feste Maass bestimmt wäre, sich nach dem Verhältnisse zwischen ihrer Menge und der Nachfrage nach derselben verändern, und jede Waare einer Werthsveränderung wegen vier verschiedener Umstände unterworfen sein:

  1. »Sie würde einer Werthserhöhung unterliegen, zufolge einer Verringerung ihrer Menge.«
  2. »Einer Werthserniedrigung, zofolge einer Vermehrung ihrer Menge.«
  3. »Sre könnte eine Werthsvermehrung erleiden, zufolge des Umstandes einer vergrösserten Nachfrage.«
  4. »Ihr Werth könnte aus Mangel an Nachfrage verringert werden.«

»Da es jedoch klar ist, dass keine Waare einen festen und inneren Werlh haben kann, so dass sie als Werthsmaass für alle anderen Waaren dienlich wäre, so fanden sich die Menschen veranlasst, zum praktischen Werthsmaasse diejenige Waare auszusuchen, welche diesen vier Quellen der Veränderungen, die die einzigen Ursachen der Werthsveränderung sind, am wenigsten unterliegt.«

»Wann wir daher in der gewöhnlichen Sprache den Werth <354> irgend einer Waare ausdrücken, so kann derselbe in einem Zeitabschnitte von demjenigen, was er in einem anderen ist, zufolge von acht verschiedenen Umständen verschieden sein:«

  1. »Zufolge der vier oben erwähnten Umstände, in Beziehung auf die Waare, deren Werth wir ausdrücken wollen.«
  2. »Zufolge derselben vier Umstände, in Beziehung auf die Waare, welche wir zum Werthsmaasse angenommen haben.«3

Dies gilt von monopolisirten Waaren, und wirklich auch vom Marktpreise aller anderen Waaren für eine bestimmte Zeit. Sollte sich die Nachfrage nach Hüten verdoppeln, so würde der Preis derselben sogleich steigen, aber dieses Steigen würde nur vorübergehend sein, wenn nicht die Hervorbringungskosten der Hüte oder ihr natürlicher Preis gestiegen wäre. Sollte der natürliche Preis des Brodes zufolge einer grossen Entdeckung in der Landwirthschaft um 50 % fallen, so würde die Nachfrage nicht sehr steigen, denn Niemand würde mehr verlangen, als um seinem Bedürfnisse zu genügen, und da die Nachfrage nicht steigen würde, so würde es auch das Angebot nicht thun; denn eine Waare wird eigentlich nicht angeboten, weil sie hervorgebracht werden kann, sondern weil Nachfrage nach derselben Statt findet. Hier haben wir denn also einen Fall, wo Angebot und Nachfrage sich kaum verändert haben, oder wenn sie stiegen, in demselben Verhältnisse in die Höhe gegangen sind; und doch wird der Preis des Brodes um 50 % herabgegangen sein, und dazu noch in einer Zeit, wo der Tauschwerth des Geldes unverändert geblieben war.

Waaren, welche zum Monopole entweder eines Einzelnen oder einer Gesellschaft gemacht sind, verändern ihren Tauschwerth nach dem Gesetze, welches Lord Lauderdale dargelegt hat: sie sinken im Verhältnisse als die Verkäufer ihre Menge vermehren, und steigen im Verhältnisse der Kauflust der <355> Käufer; ihr Preis steht in keiner nothwendigen Verbindung mit ihrem natürlichen Tauschwerthe: aber die Preise der Waaren, welche der freien Mitbewerbung unterliegen, und deren Menge in mässigem Grade vergrössert werden kann, hängen zuletzt, nicht von dem Stande der Nachfrage und des Angebots, sondern von den vermehrten oder verminderten Hervorbringungskosten ab. <356>


1. Buch II. Hptst. 4.

2. Wenn Gold und Silber bei ihrer wirklich vorhandenen Menge blos zur Verfertigung von Geräthschaften und Schmucksachen dienten, so würden sie im Ueberflusse vorhanden und viel wohlfeiler sein, als sie jetzt sind: mit anderen Worten, wir müssten, wenn wir sie gegen andere Güter austauschten, eine verhältnissmässig grössere Menge derselben hingeben. Da aber eine grosse Menge von diesen Metallen zu Geld gebraucht wird und dieser Theil davon zu nichts anderem dient, so bleibt weniger für Geräthe und Kostbarkeiten übrig; dieser Mangel nun erhöht ihren Tauschwerth. Say Buch I. Hptst. 21. § 3.

3. An Inquiry into the Nature and Origin of Public Wealth p. 13. (Untersuchung über Natur und Ursprung des öffentlichen Wohlstandes.)