Neunundzwanzigstes Hauptstück. Auflagen, welche die Hervorbringer (Producer) bezahlen.

Say übertreibt die Nachtheile, welche entstehen, wenn man eine Auflage auf eine Gewerkswaare eher in einer früheren als in einer späteren Periode ihrer Verfertigung erhebt. Die Gewerksleute, bemerkt derselbe, durch deren Hände das Gut nach und nach geht, müssen mehr Kapital anwenden, weil sie die Auflage vorschiessen müssen, was öfters mit beträchtlicher Schwierigkeit verbunden ist für einen Gewerksmann mit sehr beschränktem Kapitale und Kredite. Gegen diese Bemerkung kann keine Einwendung gemacht werden.

Ein anderer Nachtheil, bei welchem derselbe verweilt, ist der, dass in Folge der Vorauszahlung der Auflage die Zinsen dieses Vorschusses ebenfalls dem Verbraucher zur Last gerechnet werden müssen und dieser Zusatz zur Auflage zu denjenigen gehört, welche der Staatskasse nicht zu Gute kommen.

In diesem letzteren Vorwurfe kann ich Say nicht beistimmen. Der Staat, wollen wir annehmen, bedürfe gerade im Augenblick 1000 £, und erhebe sie von einem Gewerksmanne, welcher sie dem Verbraucher vor Ablauf von zwölf Monaten mit der vollendeten Waare nicht zuschieben kann. Wegen eines solchen Verzugs muss er den Preis seiner Waare erhöhen nicht blos um 1000 £, nämlich den Betrag der Auflage, sondern vermuthlich um 1100 £, wenn 100 £ der Zins für die vorausbezahlten 1000 £ sind. Allein für diese 100 £ mehr, welche der Verbraucher zahlt; hat derselbe auch einen <349> wirklichen Vortheil, insofern als seine Steuerzahlung, welche die Regirung im Augenblicke forderte und welche er doch am Ende bezahlen müsste, auf ein Jahr hinaus geschoben wurde, es war ihm daher eine Gelegenheit gegeben, dem Gewerksmann, welcher deren gerade bedurfte, die 1000 £ zu 10 % oder irgend einem anderen Zinse, worüber sie überein kommen könnten, darzuleihen. Eilfhundert Pfund Sterling, die am Ende des Jahres zahlbar wären, sind, wenn das Geld mit 10 % verzinst wird, nicht mehr als 1000 £ werth, sobald man sie augenblicklich bezahlt. Verschöbe die Regirung die Erhebung der Auflage für ein Jahr bis zur völligen Vollendung der Waare, so müsste sie vielleicht einen verzinslichen Schatzkammerschein ausstellen und so viel für Zinsen ausgeben, als der Verbraucher am Preise ersparen würde, ausgenommen denjenigen Theil des Preises, welchen der Gewerksmann wegen der Auflage zu seinem eigenen wirklichen Gewinnste noch zuzuschlagen im Stande sein möchte. Würde die Regirung 5 % Zinsen für den Schatzkammerschein bezahlen, so wird, wenn sie ihn nicht ausstellt, eine Auflage von 50 £ gespart. Erborgt der Gewerksmann den Kapitalzusatz gegen 5 % Zinsen und fordert er vom Verbraucher 10 %, so hat er von seinem Vorschusse ebenfalls 5 % über seinen üblichen Gewinnst gewonnen, so dass der Gewerksmann und die Regirung zusammen gerade so viel gewinnen oder ersparen, als der Verbraucher bezahlt.

Simonde de Sismondi, der denselben Gang der Beweisführung befolgt, wie Say, hat in seinem trefflichen Werke De la Richesse commerciale berechnet, dass eine Abgabe von 4000 Frs., die ursprünglich der Gewerksmann bezahlte, dessen Gewinnste den mässigen Satz von 10 % betragen, wenn die Gewerkswaare durch die Hände von nur fünf Personen gehen, für den Verbraucher zu einer Summe von 6734 Frs. anwachse. Diese Berechnung geht von der Annahme aus, dass derjenige, welcher die Steuer zuerst vorschoss, von dem nächsten Gewerksmanne 4400 Frs., und dieser von seinem Nachmanne 4840 Frs. erhebe, so dass bei jedem Gange 10 % des Werthes zuwachsen. Dies heisst annehmen, der W^erth der Abgabe wachse nach zusammengesetzten Zinsen, nicht nach jährlichen 10 %, sondern nach einem Zinse von 10 % bei jedem Gange von einer Hand in die <350> andere. Diese Meinung des Herrn Sismondi würde richtig sein, wenn zwischen der ersten Vorauszahlung der Steuer und dem Verkaufe der besteuerten Waare an den Verbraucher fünf Jahre verstreichen würden; allein wenn blos ein Jahr verstreichen würde, so -würde eine Entschädigung von 400 Frs., anstatt von 2734 Frs., einen Gewinn von 10 % jährlich ausmachen, für alle diejenigen, welche zur Vorauszahlung der Steuer beigetragen hätten, ob nun die Waare durch die Hände von fünf oder von fünfzig Gewerksleuten gegangen wäre. <351>