Erstes Hauptstück. Vom Werthe.

I. Abtheilung.

Der Werth eines Gutes, oder die Menge eines anderen Gutes, gegen welche man dasselbe vertauscht, richtet sich nach der verhältnissmässigen Menge von Arbeit, welche zu seiner Hervorbringung erforderlich ist, und nicht nach der grösseren oder geringeren Vergütigung, welche für diese Arbeit gegeben wurde.

Es ist von A. Smith die Bemerkung gemacht worden, dass das Wort Werth zwei verschiedene Bedeutungen habe, und bald die Nutzbarkeit eines besonderen Gegenstandes, bald sein Vermögen, andere Güter eintauschen zu können, ausdrücke, welches der Besitz jenes Gegenstandes mit sich bringt. In erster Bedeutung kann man ihn Gebrauchswerth, in der anderen Tauschwerth nennen.

Smith 1.4.39

»Die Dinge - fährt derselbe fort - welche den grössten Gebrauchswerth haben, besitzen häufig wenig oder gar keinen Tauschwerth; und, umgekehrt, diejenigen, welche den grössten Tauschwerth besitzen, haben wenig oder gar keinen Gebrauchswerth.« Wasser und Luft sind über alle Maassen nützlich; sie sind in der That zum Leben unentbehrlich, und doch kann man, unter gewöhnlichen Verhältnissen, für sie im Tauschverkehre gar nichts erlangen. Gold dagegen, wenngleich von unbedeutendem Nutzen im Vergleiche mit Luft oder Wasser, Vermag man gegen eine grosse Menge anderer Güter auszutauschen.

Die Nutzbarkeit ist darum nicht der Maassstab des Tauschwerthes, obgleich sie für ihn unbedingt wesentlich ist. Wenn <2> ein Gut auf keine Weise nutzbar wäre, mit anderen Worten, wenn ein solches auf keine Weise zu unserem Wohlsein beitragen könnte, so würde es alles Tauschwerthes baar und ledig sein, wie selten es auch wäre, oder wie gross auch die Menge von Arbeit sein müsste, die man zu seiner Erlangung anzuwenden hätte.

Die Güter leiten, wenn sie Nutzbarkeit besitzen, ihren Tauschwerth von zwei Quellen ab: nämlich von ihrer Seltenheit und von der Menge der Arbeit, die erfordert wird, um sie zu erlangen.

Es gibt Güter, deren Tauschwerth einzig und allein durch ihre Seltenheit bestimmt wird. Keinerlei Arbeit kann ihre Anzahl vergrössern und desshalb vermag ihr Tauschwerth nicht durch gesteigertes Angebot verringert zu werden. Seltene Bildsäulen und Gemälde, seltene Bücher und Münzen, Weine von eigenlhümlicher Güte, welche nur aus Trauben gewonnen werden können, die, auf einem ganz besonderen Boden gewachsen sind, von welchem es nur eine sehr geringe Menge gibt, sind alle von dieser Gattung. Ihr Tauschwerth ist von der, ursprünglich zu ihrer Hervorbringung nothwendigen, Arbeit ganz und gar unabhängig und wechselt blos mit dem Wechsel im Wohlstande und in den Neigungen derjenigen, welche sie zu besitzen wünschen.

Diese Güter machen aber nur einen sehr geringen Theil derjenigen Gütermasse aus, welche täglich auf dem Markte umgetauscht werden. Bei weitem den grössten Theil dieser Güter, welche Gegenstand unserer Wünsche sind, verschafft man sich durch Arbeit; und sie lassen sich nicht nur in einem einzigen Lande, sondern noch in manchen anderen vervielfältigen, fast ohne bestimmbare Grenze für ihre Menge, wenn wir nur geneigt sind, die zu ihrer Erlangung erforderliche Arbeit anzuwenden.

Indem wir nun so von Gütern, von deren Tauschwerthe und von den Gesetzen sprechen, welche ihren gegenseitigen Preis bestimmen, so meinen wir immer nur solche Güter, welche durch die Anwendung menschlicher Gewerb- und Betriebsamkeit vermehrt werden können, und auf deren Hervorbringung die Mitbewerbung ohne Einschränkung wirkt.

Auf den frühesten Stufen der Entwickelung der Gesellschaft <3> hängt der Tauschwerth dieser Güter, oder die Regel, welche bestimmt, wie viel von dem Einen im Tauschverkehre für ein Anderes hingegeben werden darf, fast ausschliesslich von der verglichenen Arbeitsmenge ab, welche auf ein jedes verwendet worden war.

Smith 1.5.41

»Der Sachpreis eines jeden Dinges, sagt A. Smith , mit anderen Worten, was ein jedes Ding dem Menschen, der desselben bedarf, wirklich kostet, ist die Beschwerde und Mühe, die er ausstand, um sich dasselbe zu verschaffen. Was ein jedes Ding für denjenigen, der es sich verschafft hat und desselben zu seinem Gebrauche oder zum Austausche gegen irgend eine andere Sache bedarf, wirklich werth ist, besteht in der Beschwerde und Mühe, welche er sich durch dessen Eintauschung ersparen und auf einen Anderen überwälzen kann.« »Arbeit war der uranfängliche Preis, das ursprüngliche Kaufgeld, welches man für alle Dinge bezahlte.«

Smith 1.5.42

»In diesem frühesten und rohen Zustande der Gesellschaft, welcher beiden, sowohl der Anhäufung von Vermögensstamm, als auch der Aneignung von Grundeigenthum, vorausging, scheint das gegenseitige Verhältniss der Arbeitsmengen, welche zur Erlangung verschiedener Gegenstände erforderlich waren, der einzige Umstand gewesen zu sein, der eine Regel für den gegenseitigen Austausch des Einen gegen das Andere abgeben konnte. Wenn z. B. bei einem Jägervolke das Erlegen eines Bibers, zweimal so viel Arbeit kostet, als die Erlegung eines Hirsches, so wird ein Biber natürlich gegen zwei Hirsche vertauscht werden oder zwei Hirsche werth sein. Denn es ist sachgemäss, dass, was gewöhnlich das Erzeugniss zweier Tage oder Stunden Arbeit ist, auch doppelt so viel werth sein muss, als dasjenige, was üblicher Weise ein Erzeugniss eines Tages oder einer Stunde Arbeit ist.«1

Dass dies wirklich die Grundlage des Tauschwerthes aller Dinge ist, ausgenommen derjenigen, welche durch die menschliche Gewerb- und Betriebsamkeit nicht vermehrt werden können, ist eine Wahrheit von grösster Wichtigkeit für die Volkswirthschaftslehre. Denn aus keiner Quelle entspringen so viele Irrthümer und Meinungsverschiedenheiten in dieser Wissenschaft, <4> als aus den unbestimmten Bedeutungen, welche man dem Worte »Werth« beilegt.

Wenn die in Gütern verwirklichte Arbeitsmenge den Tauschwerth dieser Güter bestimmt, so muss auch jede Vermehrung jener Arbeitsmenge den Tauschwerth desjenigen Gutes erhöhen, auf welches dieselbe angewendet wurde, eben so wie jede Verminderung der Arbeitsmenge denselben auch erniedrigen muss.

A. Smith, welcher die erste Quelle des Tauschwerthes so scharf gezeichnet hat und eigentlich in Uebereinstimmung damit zu der festen Behauptung gezwungen war, dass alle Dinge mehr oder weniger Tauschwerth erhalten, je nachdem mehr oder weniger Arbeit auf ihre Hervorbringung verwendet wurde, hat nichts desto weniger selbst einen anderen Maassstab des Tauschwerthes aufgestellt und spricht von Dingen, die mehr oder weniger Tauschwerth hätten, im Verhältnisse als sie mehr oder weniger von diesem Maassstabe einzutauschen vermöchten. Bald spricht er vom Getreide, bald von der Arbeit, als solchem Maassstabe, nicht etwa von der auf die Hervorbringung eines Gegenstandes verwendeten Menge von Arbeit, sondern von der Arbeitsmenge, über welche derselbe auf dem Markte verfügen kann; als ob dies zwei gleichbedeutende Ausdrücke wären, und als ob, weil nun einmal die Arbeit eines Menschen doppelten Erfolg (doubly efficient), habe und derselbe demgemäss zweimal so viel von einem Gute hervorbringen könne, derselbe nothwendiger Weise auch doppelt so viel als die frühere Arbeitsmenge im Tausche dafür erhalten müsste. Wenn dem wirklich so wäre, wenn die Belohnung des Arbeiters jedesmal im Verhältnisse zu demjenigen stände, was er hervorgebracht hat, alsdann würden die auf ein Gut verwendete Arbeitsmenge, und diejenige, welche er mit jenem Gute zu erkaufen vermöchte, einander gleich sein und eine jede würde genau als Maassstab für die Veränderungen des Tauschwerthes anderer Dinge dienen können. Allein diese Arbeitsmengen sind sich nicht gleich; die Erste ist unter vielen Umständen ein unveränderlicher Maassstab, der ganz genau die Veränderungen des Tauschwerthes anderer Dinge anzeigt, die Andere dagegen ist just so vielen Schwankungen unterworfen, als die Güter selbst, welche man damit vergleicht. Nachdem A. Smith sehr <5> gründlich das Unzureichende eines veränderlichen Vergleichsmittels wie Gold und Silber ist, um den veränderlichen Tauschwerth anderer Dinge zu bestimmen, gezeigt hatte, so wählte er doch selber, indem er bei Getreide oder Arbeit stehen blieb, ein nicht weniger veränderliches Vergleichsmittel.

Gold und Silber sind ohne Zweifel Werthsschwankungen zufolge der Entdeckung neuer und ergiebigerer Bergwerke unterworfen; allein solche Entdeckungen sind selten und ihre Folgen, wenn auch mächtig, sind doch auf Zeitabschnitte von verhältnissmässig kurzer Dauer beschränkt. Sie unterliegen ebenso auch Wertschwankungen zufolge der Verbesserungen in der Fertigkeit und Maschinerie, womit man die Bergwerke ausbeutet, da nämlich in Folge solcher Verbesserungen eine grössere Menge davon durch die nämliche Arbeitsmenge gewonnen werden kann. Ferner erleiden sie Werthschwankungen zufolge der Verringerung der Ausbeute, nachdem die Bergwerke eine Reihe von Zeitaltern hindurch die Welt damit versorgt haben. Aber welchen von diesen Gründen der Werthsschwankungen unterliegt das Getreide nicht? Aendert sich sein Tauschwerth nicht ebenso gut auf der einen Seite, zufolge der Verbesserungen im Landbaue, in den Maschinen und Ackergeräthschaften, als wie zufolge der Entdeckung neuer fruchtbarer Erdstriche, welche in anderen Ländern neu angebaut werden und auf den Tauschwerth des Getreides auf jedem Markte wirkten können, wo die Einfuhr frei ist? Ist es, auf der anderen Seite, nicht Werthserhöhungen unterworfen, zufolge von Einfuhrverboten, vom Steigen der Bevölkerung und des Wohlstandes und von grösserer Schwierigkeit der Befriedigung des steigenden Begehrs, alles dies nach Berechnung der Arbeitsmenge, die noch weiter angewendet werden muss, um Boden geringerer Güte zu bebauen? Ist nicht der Tauschwerth der Arbeit in demselben Maasse veränderlich, da auf ihn, so gut wie auf den Tauschwerth anderer Dinge, nicht blos das Verhältniss zwischen Angebot und Begehr, welches gleichförmig mit jeder Veränderung im Zustande des Gemeinwesens wechselt, sondern auch die Veränderung im Preise der Lebensmittel und anderer Bedürfnisse wirkt, für welche der Arbeitslohn ausgegeben wird?

In einem und demselben Lande kann zur Hervorbringung <6> einer gegebenen Menge von Lebensmitteln und anderen Bedürfnissen zu einer Zeit doppelt so viel Arbeit erforderlich sein, als zu einer anderen und späteren; und dennoch ist es möglich, dass sich die Löhnung der Arbeiter sehr wenig verringert. Wäre der Arbeitslohn in dem früheren Zeitabschnitte eine gewisse Menge Lebensmittel und anderer Bedürfnisse, so könnte er wahrscheinlich nicht mehr bestehen, sobald diese Menge herabgesetzt würde. Lebensmittel und andere Bedürfnisse können in diesem Falle um 100 % gestiegen sein, wenn man sie nach zu ihrer Hervorbringung nothwendiger Arbeitsmenge schätzt, während sich ihr Tauschwerth kaum erhöht haben dürfte, wenn man ihn nach, der für sie einzutauschenden Arbeitsmenge misst.

Dieselbe Bemerkung kann man mit Bezug auf zwei oder mehrere Länder machen. In Amerika und Polen bringt, auf dem zuletzt in Anbau genommenen Boden, die Jahresarbeit einer gegebenen Anzahl von Menschen weit mehr Getreide hervor, als in England auf gleichbeschaffenem Boden. Setzt man nun in diesen drei Ländern alle anderen Bedürfnisse als gleich wohlfeil voraus, würde man da nicht einen sehr bedeutenden Fehlschluss machen, wenn man annähme, dass die Getreidemenge, womit man den Arbeiter löhnete, in einem jeden dieser drei Länder mit der Leichtigkeit der Hervorbringung in geradem, gleichem Verhältnisse stehe?

Könnten die Schuhe und Kleidungsstücke der Arbeiter vermittelst verbesserter Maschinerie mit nur einem Viertheile so viel Arbeit, als jetzt zu ihrer Herstellung erfordert wird, verfertigt werden, so würden sie wahrscheinlich um 75 % sinken; allein dass der Arbeiter demzufolge fortan dauernd vier Röcke oder vier Paar Schuhe statt eines einzigen tragen könne, ist so weit entfernt wahr zu sein, dass sogar sein Arbeitslohn über kurz oder lang sich, kraft der Wirkungen der Mitbewerbung und der steigenden Bevölkerung, dem neuen Tauschwerthe der Bedürfnisse anpassen wird, für welchen man ihn ausgibt. Würden sich diese Verbesserungen auf alle Gegenstände des Verzehres der Arbeiter ausdehnen, so würden wir sie wahrscheinlich nach Verfluss von sehr wenigen Jahren, wenn überhaupt im Besitze einer Vermehrung ihrer Genüsse, nur im Besitze einer <7> geringen; sehen, wenn auch der Tauschwerth dieser Güter, verglichen mit einem anderen Gute, in dessen Verfertigung keine solche Verbesserung eingeführt ist, eine sehr beträchtliche Verringerung erlitten hätte und wenn sie auch das Erzeugniss einer sehr beträchtlich verminderten Menge Arbeit wären.

Smith I.5.45

Es kann daher nicht richtig sein, mit A. Smith zu sagen, »dass, weil eine Arbeit bald eine grössere bald eine geringere Gütermenge einzutauschen vermöge, der Tauschwerth der Güter und nicht jener der Arbeit, welche sie eintausche, sich verändere;« und folglich, »dass die Arbeit, allein niemals wechselnd im eigenen Tauschwerthe, allein der letzte und wirkliche Maassstab sei, nach welchem der Tausctwerth aller Güter zu allen Zeiten und an allen Orten geschätzt und verglichen werden könne.«

ebd. S. 41

Es ist dagegen ganz richtig, was A. Smith früher gesagt hat, nämlich, »dass das Verhältniss der zur Erlangung verschiedener Gegenstände erforderlichen Arbeitsmengen der einzige Umstand zu sein scheine, der eine Regel für den Umtausch derselben gegen ein Anderes abgeben könne;« oder mit anderen Worten, dass die verglichene Menge derjenigen Güter, welche die Arbeit hervorbringt, ihren gegenwärtigen oder vergangenen gegenseitigen Tauschwer,th bestimme, und keineswegs die verglichenen Mengen derjenigen Güter, welche dem Arbeiter im Verkehre für seine Arbeit gegeben werden.

Zwei Güter wechseln im gegenseitigen Tauschwerthe und wir wünschen zu wissen, in welchem derselben die Veränderung wirklich stattgefunden hat. Vergleichen wir den jetzigen Tauschwerth des Einen mit Schuhen, Strümpfen, Hüten, Eisen, Zucker und allen anderen Gütern, so finden wir, dass dasselbe für genau dieselbe Menge dieser Dinge wie vorher vertauscht wird. Vergleichen wir das Andere mit diesen nämlichen Gütern, so finden wir, dass es sich in Bezug zu allen denselben verändert hat. Wir können dann mit grosser Wahrscheinlichkeit folgern, dass die Veränderung in diesem Gute, und nicht in den Gütern, mit welchen wir es verglichen haben, vorgegangen ist. Untersuchen wir dann alle Umstände, welche mit der Hervorbringung dieser verschiedenen Güter verbunden sind, genauer, so finden wir, dass genau dieselbe Menge von Arbeit und Kapital zur Hervorbringung der Schuhe, Strümpfe, Hüte, <8> des Eisens, Zuckers u. s. w. nöthig gewesen ist, dass aber dieselbe Menge wie vorher zur Hervorbringung des einen Gutes, dessen Tauschwerth sich verändert hat, nicht nöthig ist. Die Wahrscheinlichkeit wird in Gewissheit verwandelt und wir sind sicher, dass die Veränderung in dem einen Gute vorgegangen ist. Wir entdecken dann die Ursache seiner Veränderung.

Wenn ich fände, dass eine Unze Goldes für eine geringere Menge aller oben aufgezählten Güter und mancher anderen ausgetauscht würde, und wenn ich ausserdem noch fände, dass in Folge der Entdeckung einer neuen und ergiebigeren Mine, oder zufolge einer angewendeten Maschinen-Einrichtung von grossem Nutzen, eine gegebene Menge Goldes mittelst weniger Arbeit gewonnen werden könne, so dürfte ich mit gutem Grunde sagen, dass die grössere Leichtigkeit der Gewinnung oder die geringere erforderliche Arbeitsmenge zur Erlangung des Goldes die Ursache seiner Tauschwerths -Veränderung im Verhältnisse zu anderen Gütern sei. Auf gleiche Weise würde es, wenn die Arbeit im Tauschwerthe beträchtlich fiele, im Verhältniss zu allen anderen Dingen, und wenn ich fände, dass jenes Fallen eine Folge eines überschüssigen Angebots (an Arbeit), veranlasst durch die grosse Leichtigkeit, womit Getreide und die anderen Bedürfnisse der Arbeiter hervorgebracht werden, sei, wie ich begreife, ganz richtig sein, zu sagen, dass das Getreide und die Bedürfnisse im Tauschwerthe herabgegangen seien in Folge der wenigeren, zu ihrer Hervorbringung erforderlichen Arbeit, und dass dieser Leichtigkeit der Versorgung der Arbeiter mit ihrem Unterhalte ein Sinken des Tauschwerths der Arbeit gefolgt sei. Nein, sagen A. Smith und Malthus , in dem das Gold betreffendon Falle wäre es richtig, die Veränderung als ein Sinken seines Tauschwerths zu bezeichnen, weil das Getreide und die Arbeit keine Veränderung erlitten hätten; und da das Gold über weniger von denselben, so wie von allen anderen Dingen, als vorher, verfüge, so sei es richtig, zu. sagen, alle Dinge seien unverändert geblieben und das Gold allein habe sich geändert; allein wenn Getreide und Arbeit herabgehen, Dinge, welche wir als unseren Maassstab des Tauschwerths gewählt haben, trotz allen Veränderungen, welchen sie anerkanntermaassen unterworfen sind, so wäre es doch höchst ungeeignet, <9> so zu sprechen. Die richtige Behauptung würde sein, dass Getreide und Gold fest geblieben und alle anderen Gegenstände im Tauschwerthe gestiegen sind.

Gegen diese Sprache erhebe ich Widerspruch. Ich finde, dass genau so, wie in dem Falle mit dem Golde, die Ursache der Veränderung zwischen Getreide und anderen Dingen in der geringeren erforderlichen Menge von Hervorbringungsarbeit liegt; bei richtiger Schlussfolgerung muss ich die Veränderung des Getreides und der Arbeit ein Sinken ihres Tauschwerthes nennen, und nicht ein Steigen des Tauschwerthes der mit denselben verglichenen Dinge. Wenn ich einen Arbeiter auf eine Woche zu miethen habe und ich demselben anstatt 10 Schillingen nur 8 bezahle, während eine Veränderung des Tauschwerthes des Geldes nicht eingetreten ist, so kann der Arbeiter vermuthlich mehr Nahrung und Bedürfnissgegenstände mit seinen 8 Schillingen als vorher mit den 10 erlangen: allein dies rührt nicht von einem Steigen des wirklichen Tauschwerthes seines Lohnes, wie A. Smith und neuerdings Malthus behaupten, sondern von einem Herabgehen des Tauschwerthes aller der Dinge her, für welche der Arbeitslohn ausgegeben wird, vollkommen verschiedene Dinge. Gleichwohl sagt man mir nach, weil ich dies ein Herabgehen des wirklichen Tauschwerthes des Arbeitslohnes nenne, ich nehme eine neue und nicht gebräuchliche Ausdrucksweise an, welche mit den wahren Grundsätzen der Wissenschaft unvereinbar sei.

Angenommen, ein Arbeiter werde für die Arbeit während einer Woche, wenn der Getreidepreis 80 Schilling beträgt, mit einem Buschel Getreide und, wenn der Preis auf 40 Schilling fällt, mit einem und einem Viertel-Buschel bezahlt. Angenommen ferner, er brauche wöchentlich einen halben Buschel Getreide für seine Familie und vertausche den Rest gegen andere Dinge, als Brennstoff, Seife, Lichte, Thee, Zucker, Salz u. s. w. Wenn dann die übrigen 3 / 4 Buschel, in dem einen Fall, ihm nicht so viel an vorstehenden Waaren verschaffen können, wie 1 / 2 Buschel in dem anderen, - was er eben nicht kann, wird dann die Arbeit im Tauschwerthe gestiegen oder gefallen sein? - Gestiegen, müsste A. Smith sagen, weil ihm Getreide der Maassstab ist, und der Arbeiter mehr Getreide für seine wöchent <10> liche Arbeit bekommt. Gefallen, sollte A. Smith sagen, »weil der Tauschwerth eines Dinges von der Macht, andere Güter zu kaufen, welche der Besitz dieses Gegenstandes verleiht, abhängig ist« ( Smith 1.5, S. 47f ) und die Arbeit weniger Macht, solche andere Güter zu kaufen, besitzt.

II. Abtheilung. Arbeit von verschiedenen Beschaffenheiten verschieden vergütet. Dies keine Ursache von Veränderung im verhältnissmässigen Tauschwerthe der Güter.

Indessen, wenn ich von der Arbeit, als Grundlage alles Tauschwerthes, und von einer verhältnissmässigen Menge von Arbeit, als dem fast ausschliesslich den gegenseitigen Tauschwerth der Güter bestimmenden Moment, spreche, darf man nicht unterstellen, dass ich die verschiedenen Beschaffenheiten der Arbeit und die Schwierigkeit der Vergleichung einer Stunde oder eines Tages Arbeit in der einen Beschäftigung mit der Arbeit gleicher Dauer in einer anderen ausser Augen lasse. Die Würdigung, welche verschiedenen Beschaffenheiten der Arbeit zu Theil wird, findet ihre Ausgleichung schon auf dem Markte mit genügender Genauigkeit für alle praktischen Zwecke und hängt viel von der vergleichsweisen Geschicklichkeit der Arbeiter und von der Anstrengung der vollbrachten Arbeit ab. Die Stufenleiter, die einmal gebildet ist, ist weniger Abänderung unterworfen. Wenn ein Tag Arbeit eines Goldarbeiters mehr werth ist als die Tagesarbeit eines gemeinen Arbeiters, so ist dies schon langeher ausgeglichen und auf der Werths-Skala auf die richtige Stufe gesetzt.2 <11>

Vergleicht man nun den Tauschwerth eines und desselben Gutes aus verschiedenen Zeitabschnitten, so braucht man die Geschicklichkeit und den inneren Werth der Arbeit an sich, wie sie zur Hervorbringung dieses besonderen Gutes erfordert werden, kaum in Betracht zu ziehen, denn sie wirken beide in beiden Perioden gleich. Eine Gattung von Arbeit aus einer gegebenen Zeit wird dabei mit sich selbst aus einer anderen Zeit verglichen; thut man einen Zehntheil, Fünftheil oder Viertheil zu oder ab, so wird eine, zur Ursache in geradem Verhältnisse stehende, Wirkung auf den verglichenen Tauschwerth des Gutes entstehen.

Hat jetzt ein Stück Tuch den Tauschwerth von zwei Stücken Leinewand und ist sein Tauschwerth nach zehn Jahren, von jetzt an gerechnet, gleich vier Stücken Leinewand, so dürfen wir kecklich daraus schliessen, dass entweder mehr Arbeit zur Verfertigung des Tuches, oder weniger zur Hervorbringung der Leinewand nöthig wurde, oder dass beide Ursachen wirkten.

Da die Untersuchung, auf welche ich des Lesers Aufmerksamkeit zu ziehen wünsche, sich auf die Wirkung der Veränderungen im gegenseitigen Tauschwerthe der Güter und keineswegs auf jene im absoluten Werthe (eines jeden für sich) bezieht, so kommt wenig auf die Erforschung des verglichenen Grades der Schätzung an, in welcher die verschiedenen Gattungen der menschlichen Arbeit stehen. Wir können ganz ruhig <12> annehmen, dass, wie gross auch ursprünglich ihre Ungleichheit, wie verschieden auch das Talent, die Geschicklichkeit oder die Zeit gewesen sein mag, welche zur Erlangung einer gewissen Art von Fertigkeit erfordert wurde, jener Grad dennoch von einem Geschlechtsalter zum anderen sich ungefähr gleich bleibt. Wenigstens ist seine Veränderung von einem Jahre zum anderen sehr unbeträchtlich und kann folglich nur geringen Einfluss auf den gegenseitigen Tauschwerth der Waaren für kurze Zeitabschnitte haben.

»Das Verhältniss zwischen dem verschiedenen Betrage des Arbeitslohnes und Gewinnstes in den verschiedenen Anwendungen von Arbeit und Kapital scheint, wie bereits bemerkt worden ist, durch Reichthum oder Armuth, durch Fortschreiten, Stillstehen oder Rückgang des Zustandes der Gesellschaft nicht sehr berührt zu werden. Solche Umwälzungen in der öffentlichen Wohlfahrt müssen am Ende den allgemeinen Betrag des Arbeitslohnes und Gewinnstes, wenn sie ihn berühren, in allen verschiedenen Gewerben gleichmässig berühren. Das Verhältniss zwischen denselben muss darum das nämliche bleiben und kann durch solche Umwälzungen, wenigstens für beträchtliche Zeit, nicht geändert werden.«3

III. Abtheilung. Nicht blos die unmittelbar auf Güter verwendete Arbeit berührt ihren Werth, sondern auch die auf die Geräthe, Werkzeuge, und Gebäude, welche diese Arbeit unterstützten, verwendete Arbeit

Gerade eben in dem frühen Zustande (der Gesellschaft], auf welchen A. Smith Bezug nimmt, ist einiges Kapital, obgleich möglicher Weise vom Jäger selbst verfertigt und angesammelt, nothwendig, um ihn in Stand zu setzen, sein Wild zu erlegen. Ohne eine Waffe konnte weder der Biber noch <13> der Hirsch getödtet werden, und darum musste der Tauschwerth dieser Thiere nicht blos durch zur Tödtung erforderliche Zeit und Arbeit, sondern auch durch die zur Ausrüstung des Jägers nöthige Zeit und Arbeit, zur Anschaffung der Waffe, womit die Tödtung bewirkt wurde, nöthige Zeit und Arbeit bestimmt werden.

Gesetzt, die Waffe zur Erlegung des Bibers wäre mittelst mehr Arbeit verfertigt, als zur Zusammensetzung jener, die zur Tödtung des Hirsches gebraucht wird, erforderlich ist, aus Rücksicht auf die grössere Schwierigkeit, dem ersteren Thiere nahe zu kommen, und auf die daraus folgende Nothwendigkeit, es um so sicherer aufs Korn nehmen zu müssen; alsdann würde natürlicher Weise ein Biber von mehr Tauschwerth sein als zwei Hirsche, und gerade genau aus dem Grunde, weil, in Allem zusammen, mehr Arbeit zu dessen Erlegung erforderlich sein würde. Oder gesetzt, zur Herstellung beider Waffen sei dieselbe Menage Arbeit nöthig, aber diese seien von ungleicher Dauerhaftigkeit, dann würde von dem dauerhafteren Geräthe nur ein kleiner Tauschwerthstheil auf das Gut übergehen, ein viel grösserer Tauschwerthstheil des weniger dauerhaften Geräthes würde in dem Gute angelegt werden, zu dessen Hervorbringung dasselbe beigetragen hat.

Alle zur Erlegung des Bibers und Hirsches nothwendigen Geräthschaften könnten auch einer einzigen Klasse von Menschen angehören und das Geschäft der Erlegung dürfte von einer anderen versehen werden; und trotzdem würden ihre verglichenen Preise zur wirklich verwendeten Arbeit im Verhältnisse stehen, sowohl was die Bildung des Kapitals, als was die Erlegung der Thiere anbelangt. Unter verschiedenen Verhältnissen von Ueberfluss oder Mangel an Kapital, in Vergleichung mit der Arbeit, unter verschiedenen Verhältnissen von Ueberfluss oder Mangel an Nahrungs- und sonstigen wesentlichen Lebensbedürfnissen dürften Diejenigen, welche einen gleichen Tauschwerth in Kapital für ein oder das andere Geschäft geliefert haben, die Hälfte, einen vierten oder einen achten Theil des Erzeugnisses in Beschlag nehmen, der Rest würde als Arbeitslohn an Diejenigen bezahlt, welche die Arbeit geleistet haben; allein diese Theilung vermag nicht auf den gegenseitigen Tauschwerth dieser <14> Güter einzuwirken, weil Gewinnst und Arbeitslohn in beiden Geschäften von ganz gleicher Wirkung sein würden, ob nun der Kapitalgewinnst grösser oder geringer, 50, 20 oder 10 % sei, oder ob der Arbeitslohn hoch oder niedrig stehe.

Wenn man sich nun auch die Beschäftigungen der Gesellschaft ausgedehnter vorstellt, wie einige Mitglieder für Kähne und Fischereigeräthe sorgen, andere für die Saat und unbehilfliche Ackerwerkzeuge, wie man sie anfänglich gebraucht, so wird sich dennoch der nämliche Grundsatz bewähren, dass der Tauschwerth der Güter in geradem Verhältnisse zur Hervorbringungsarbeit steht; nicht blos zur Arbeit, welche auf die Erzeugung unmittelbar, sondern auch zu jener, welche auf die Geräthe oder Maschinen verwendet wurde, die erforderlich sind, um die besondere Arbeit zu bewirken, bei welcher sie gebraucht werden.

Blicken wir aber auf einen Zustand der Gesellschaft, in welchem grössere Verbesserungen eingeführt sind und Gewerbe und Handel blühen, so werden wir wieder finden, dass die Güter ihren Tauschwerth gleichförmig nach diesem Grundsatze verändern: schätzen wir so den Tauschwerth der Strümpfe, so werden wir erkennen, dass derselbe, im Vergleiche mit jenem anderer Dinge, von der Gesammtmenge der zu ihrer Verfertigung und auf den Markt-Bringung nothwendigen Arbeit abhängt.

Ricardo rechnet die Zirkulationsarbeit mit zum Warenwert, während Marx sie als unproduktive und nicht werterzeugende Arbeit bezeichnet.

Da ist erstens Arbeit erforderlich zur Bebauung des Bodens, auf welchem die rohe Baumwolle wächst; zweitens, zur Versendung der Baumwolle in dasjenige Land, wo die Strümpfe gewebt werden, eine Arbeitsmenge, welche noch einen Theil von derjenigen in sich schliesst, die erforderlich ist, um das Schiff zu bauen, auf welchem sie verschickt wird und welches mit den Frachtstükken beladen wird; drittens, für den Spinner und Weber; viertens, ein Theil der Arbeit des Maschinenbauers, Schmieds und Zimmermanns, welche die Werkgebäude und Maschinen herstellen, durch deren Hilfe sie verfertigt werden; fünftens, die Arbeit des Kleinhändlers und mancher anderer Personen, welche weiter einzeln aufzuzählen unnöthig ist. Die Gesammtsumme dieser verschiedenen Arten von Arbeit bestimmt die Menge von anderen Dingen, gegen welche die Strümpfe ausgetauscht werden können, während dieselbe Betrachtung der <15> verschiedenen Arbeitsmengen, die auf diese anderen Dinge verwendet worden sind, gerade so die Menge der anderen Dinge regelt, welche für die Strümpfe gegeben werden darf.

Um uns vollends zu überzeugen, dass dieses der wirkliche Urgrund des Tauschwerthes ist, lasset uns annehmen, es sei eine Verbesserung erfunden in den Mitteln, um die Arbeit in einem von den verschiedenen Prozessen abzukürzen, welche die rohe Baumwolle durchlaufen muss, ehe die fertigen Strümpfe auf den Markt kommen, um gegen andere Dinge verhandelt zu werden, und die Wirkungen beobachten, welche alsdann erfolgen. Bedürfte man wenigerer Menschen, um die rohe Baumwolle zu bauen; oder würden weniger Schiffsleute bei der Verschiffung oder weniger Schiffszimmerleute zum Baue des Schiffes, auf welchem sie uns zugeschickt wird, erfordert; ebenso weniger Hände für den Bau der Werkgebäude und Maschinen; oder würden diese, wenn sie erbaut sind, wirksamer gemacht; alsdann müssten die Strümpfe unausweichlich im Tauschwerthe sinken und würden demzufolge die Verfügung über weniger andere Dinge gewähren. Sie müssten fallen, weil eine geringere Menge Arbeit zu ihrer Hervorbringung erforderlich wäre, und würden für eine geringere Menge von denjenigen Dingen hingegeben werden, bei deren Erzeugung keine solche Abkürzung der Arbeit stattgefunden hätte.

Eine Ersparniss an Arbeit ermangelt niemals, den Tauschwerth einer Waare zu verringern, geschehe sie nun in der zur Verfertigung des Gutes selbst nöthigen Arbeit, oder an jener, die zur Bildung des Kapitals erforderlich ist, mit dessen Beistande es hervorgebracht wird. In jedem Falle müsste der Preis der Strümpfe sinken, ob nun weniger Menschen, aIs Bleicher, Spinner und Weber, überhaupt weniger zur unmittelbaren Verfertigung nothwendige Menschen, oder weniger Schiffs- und Fuhrleute, Maschinenbauer und Schmiede, überhaupt dabei mehr mittelbar beschäftigte Menschen, angewendet werden. In dem einen Falle fiele alsdann die ganze Arbeitsersparniss auf die Strümpfe, eben weil jener Theil der Arbeit gänzlich für sie allein bestimmt ist; in dem anderen aber nur ein Theil, indess der Rest auf alle jene anderen Güter zu fallen käme, zu deren <16> Hervorbringung die Werkgebäude, Maschinen und Frachtgeschäfte auch noch dienen.

Angenommen, auf den frühesten Stufen der Gesellschaft seien Bogen und Pfeile des Jägers von gleichem Tauschwerthe und gleicher Dauerhaftigkeit, wie der Kahn und die Geräthschaften des Fischers, weil beide das Erzeugniss gleicher Arbeitsmenge seien. Unter solchen Umständen würde der Tauschwerth des Hirsches, des Erzeugnisses von einem Tage Jägersarbeit, genau dem Tauschwerthe der Fische, des Ergebnisses von einem Tage Fischersarbeit, gleich sein. Der verglichene Tauschwerth der Fische und des Wildprets würde ganz und gar durch die Menge von Arbeit bestimmt, welche sich in jedem verwirklicht hat, wie gross nun auch der Betrag des Erzeugnisses oder wie hoch oder niedrig auch der allgemeine Stand des Arbeitslohnes oder Gewinnstes sein möchte. Wenn z. B. die Kähne und Fischereigeräthe einen Tauschwerth von 100 £ hätten, und zehn Jahre lang aushielten, und wenn beim Fischen zehn Menschen verwendet würden, deren Arbeit jährlich 100 £ kostete und welche in einem Tage zwanzig Lachse fingen; wenn ferner ebenso die Waffen des Jägers auch 100 £ werth wären und ebenfalls zehn Jahre aushielten, und wenn gerade auch zehn Menschen verwendet würden, welche jährlich 100 £ Arbeitslohn bekämen und täglich zehn Hirsche schössen; alsdann würde der natürliche Preis eines Hirsches zwei Lachse sein, gleichgiltig, ob derjenige Theil des Errungenen, welcher den Menschen, die das Geschäft verrichtet haben, zufliesst, gross oder klein ist. Derjenige Theil, welcher als Arbeitslohn bezahlt wird, ist aber von grösster Wichtigkeit bei der Frage über den Gewinnst; denn man wird auf den ersten Blick einsehen, dass die Gewinnste hoch oder niedrig sein müssen, genau im Verhältnisse, als der Arbeitslohn niedrig oder hoch steht; allein dies kann den gegenseitigen Tauschwerth der Fische und des Wildprets nicht im Geringsten berühren, da der Arbeitslohn in beiden Beschäftigungen zu gleicher Zeit hoch oder niedrig ist. Wollte der Jäger die Bezahlung eines grossen Theils oder des Tauschwerthes von einem grossen Theile seines Wildes für Arbeitslohn als ein Mittel vorschützen, um den Fischer zu bewegen, dass er ihm mehr Fische für sein Wildpret gebe, so <17> würde dieser entgegnen, dass er von der nämlichen Ursache gerade so wie er betroffen sei; und desshalb wird, unter allen Veränderungen im Gewinnste und Arbeitslohn, unter allen Wirkungen der Kapitalanhäufung (accumulation of capital), so lange der Eine noch durch einen Tag Arbeit dieselbe Menge Fische und der Andere dieselbe Menge Wildpret erringt, das natürliche Verhältniss des Umtausches bestehen bleiben, nämlich ein Hirsch für zwei Lachse.

Dass wir die Akkumulation des Kapitals, den Profit und die Lohnarbeit bei den Jägern und Sammlern finden, liegt daran, dass Ricardo die kapitalistische Produktionsweise als die natürliche Produktionsweise ansieht. Aber bei ihm ist das weniger lästig, weil er es versteht, die Gesetze der kapitalistischen Produktionsweise rein darzustellen. Und gewissermaßen ist das oben von Ricardo als das »von grösster Wichtigkeit« angesprochene Gesetz, dass der Reiche wenig hat, wenn der Arme viel hat und dass der Reiche viel hat, wenn der Arme wenig hat, tatsächlich ein Gesetz, dessen »Natürlichkeit« alle Epochen überdauert hat.

Sobald mit der gleichen Menge Arbeit weniger Fische oder mehr Wild erlangt wird, so muss der Tauschwerth der Fische im Vergleiche mit jenem des Wildes steigen. Wenn dagegen umgekehrt mit der nämlichen Arbeitsmenge weniger Wild, aber mehr Fische gewonnen werden, so wird auch der Tauschwerth des Wildprets gegen jenen der Fische steigen.

Gäbe es irgend ein anderes Gut, welches unveränderlich im Tauschwerthe wäre, so würden wir im Stande sein, durch Vergleichung des Tauschwerthes der Fische und des Wildprets mit jenem dieses anderen Gutes, zu ermitteln, wie viel von jener Veränderung einer Ursache, die den Tauschwerth der Fische bestimmt, und einer anderen, welche den Tauschwerth des Wildprets bestimmt, zuzuschreiben wäre.

Gesetzt, das Geld sei dieses Gut. Wenn nun ein Lachs 1 £ und ein Hirsch 2 £ werth wäre, so würde ein Hirsch zwei Lachse werth sein. Aber ein Hirsch kann auf den Tauschwerth von drei Lachsen kommen, wenn entweder mehr Arbeit zu seiner Erlangung oder weniger zum Fange des Lachses erforderlich wäre oder diese beiden Ursachen zu gleicher Zeit wirkten. Hätten wir diesen unveränderlichen Maassstab, so vermöchten wir ganz gut anzugeben, in welchem Grade die eine oder die andere dieser Ursachen wirke. Wenn der Lachs fortan noch für 1 £ verkauft würde, während der Hirsch auf 3 £ stiege, so könnten wir daraus schliessen, dass mehr Arbeit zur Erlangung eines Hirsches erforderlich sei. Wenn ein Hirsch fortan zu 2 £ stände, und der Lachs mit 13 sh. 4 d. bezahlt würde, so könnten wir sicher sein, dass weniger Arbeit zur Erlangung eines Lachses nöthig sei. Stiege aber ein Hirsch auf 2 £ 10 sh. und fiele der Lachs auf 16 sh. 8 d., so dürften wir überzeugt sein, dass beide Ursachen zur Hervorbringung der <18> Veränderung im gegenseitigen Tauschwerthe dieser Güter zusammen gewirkt haben.

Keine Veränderung im Stande des Arbeitslohnes vermag eine Veränderung im gegenseitigen Tauschwerthe dieser Güter hervorzubringen; denn angenommen, der Lohn stiege, so würde doch in keinem dieser Geschäfte mehr Arbeit erforderlich sein, es würde für dieselbe nur ein höherer Preis bezahlt werden, und die nämlichen Erwägungen, welche den Jäger und Fischer bestimmten, eine Erhöhung des Tauschwerthes des Wildes und der Fische zu versuchen, würden auch den Bergwerksbesitzer veranlassen, den Tauschwerth des Goldes zu steigern. Dieser Antrieb wirkt mit gleicher Stärke bei allen diesen drei Geschäften, und die gegenseitige Stellung der in denselben Beschäftigten ist dieselbe noch wie vor dem Steigen des Arbeitslohnes, der gegenseitige Tauschwerth von Wild, Fisch und Gold wird unverändert fortbestehen. Der Arbeitslohn kann um 20 % steigen und die Gewinnste können demzufolge in grösserem oder geringerem Verhältniss fallen, ohne die geringste Aenderung im gegenseitigen Tauschwerthe dieser Güter.

Angenommen nun, man könne mit derselben Arbeit und dein nämlichen stehenden Kapitale mehr Fische, aber nicht mehr Gold oder Wild, erlangen, so würde der verglichene Tauschwerth der Fische im Vergleiche mit Gold oder Wildpret fallen. Wenn, anstatt nur zwanzig, fünfundzwanzig Lachse das Ergebniss von einem Tage Arbeit würden, dann würde der Preis eines Lachses anstatt 1 £ nur 16 sh. sein und 2 1 / 2 Lachse, anstatt nur zwei, im Tausche für einen Hirsch gegeben werden, aber der Preis des letzteren würde immer noch wie vorher zu 2 £ stehen. Auf dieselbe Weise würde der verglichene Tauschwerth des Fisches in die Höhe gehen, wenn mit demselben Kapitale und derselben Arbeitsmenge weniger Fische erlangt würden. Die Fische würden demnach im Tauschwerthe steigen oder fallen, einzig und allein, weil mehr oder weniger Arbeit zur Erlangung einer gegebenen Menge davon erfordert wird; sie können auch niemals über oder unter das Verhältniss der erforderlichen vergrösserten oder verringerten Arbeit steigen oder fallen.

Wenn wir denn einen unveränderlichen Maassstab hätten, <19> womit wir im Stande wären, die Veränderungen der Tauschwerthe anderer Güter zu bemessen, so würden wir finden, dass die äusserste Grenze, bis zu welcher hinauf derselbe anhaltend steigen könnte, wenn diese Güter unter den angenommenen Umständen hervorgebracht würden, in geradem Verhältnisse zu dem Arbeitszusatze stehen müsste, der zu ihrer Hervorbringung nöthig wäre, und dass derselbe auch nicht um den geringsten Grad steigen könnte, wenn nicht mehr Arbeit zu ihrer Hervorbringung erforderlich wäre. Eine Erhöhung des Arbeitslohnes würde die Güter weder in ihrem Geldwerthe, noch in ihrem verglichenen Tauschwerthe gegen andere Güter steigern, deren Hervorbringung keines Arbeitszusatzes bedürfte, dasselbe Verhältniss des stehenden und umlaufenden Kapitals (circulating capital) und stehendes Kapital (fixed capital) von der nämlichen Dauerhaftigkeit anwendete. Ist mehr oder weniger Arbeit zur Hervorbringung der anderen Güter erforderlich, so wird dies, wie wir bereits gezeigt haben, unmittelbar eine Veränderung in ihrem verglichenen Tauschwerthe veranlassen; allein eine solche Aenderung rührt von der veränderten erforderlichen Arbeitsmenge und nicht von dem Steigen des Arbeitslohnes her.

IV. Abtheilung. Das Grundgesetz, dass die Menge der Hervorbringungsarbeit den gegenseitigen Tauschwerth der Güter bestimmt, wird durch die Anwendung von Maschinen als stehendem Kapitale beträchtlich umgestaltet.

In der vorigen Abtheilung wurde angenommen, dass die Waffen und Geräthe, welche zur Erlegung des Hirsches und Lachses erforderlich sind, gleich dauerhaft und das Ergebniss gleicher Arbeitsmenge seien, und wir haben gesehen, dass die Veränderungen im gegenseitigen Tauschwerthe des Hirsches und Lachses allein von der wechselnden Menge der Erlangungsarbeit abhängen. Allein in jedem Zustande der Gesellschaft können die in den verschiedenen Gewerbszweigen angewendeten Werkzeuge, Geräthe, Gebäude und Maschinen von verschiedener <20> Dauerhaftigkeit sein und verschiedene Mengen von Hersteliungsarbeit erfordern. Diese Verschiedenheit der Dauerhaftigkeit des stehenden Kapitals und der Verhältnisse bei Verbindung der beiden Kapital-Arten bringt eine andere Ursache von Veränderungen im gegenseitigen Tauschwerthe der Güter, ausser der grösseren oder geringeren Hervorbringungsarbeit, zu Stande, nämlich das Steigen oder Fallen des Tauschwerthes der Arbeit.

Die Nahrung und Kleidung der Arbeiter, die Gebäude, in denen sie arbeiten, die Geräthe, welche ihre Arbeit unterstützen, sind sämmtlich vergänglicher Natur. Jedoch herrscht ein grosser Unterschied in Betreff der Zeit der Dauer dieser verschiedenen Kapitalien. Eine Dampfmaschine hält länger als ein Schiff, dieses länger als die Arbeiterkleidung und diese wieder länger als die Nahrung.

Je nachdem nun das Kapital schnell vergänglich ist und häufiger Erneuerung bedarf, oder aber nur einer geringen langsamen Abnutzung unterliegt, wird es in umlaufendes oder stehendes Kapital eingetheilt.4 Ein Brauer, dessen Gebäude und Maschinen werthvoll und dauerhaft sind, sagt man, beschäftigt feinen grossen Theil stehendes Kapital, dagegen aber ein Schuster, dessen Kapital hauptsächlich zur Zahlung des Arbeitslohnes verwendet wird, der wieder für Nahrung und Kleidung, also für vergänglichere Güter, als die Gebäude und Maschinen sind, ausgegeben wird, einen grossen Theil seines Kapitals als umlaufendes.

Marx ist die Grenzziehung gelungen, indem er zwischen dem lebendigen und dem toten Kapital unterscheidet. Er nennt sie das konstante und variable Kapital. Das konstante Kapital umfasst die Maschinen und Rohstoffe, also sowohl fixes wie umlaufendes Kapital, während das variable Kapital allein der Arbeitslohn ist. Der entscheidende Unterschied zwischen diesen beiden Kapitalarten ist, dass das konstante Kapital nur bereits bestehenden Wert auf die Ware überträgt, während das variable Kapital Neuwert schafft.

Auch ist noch zu bemerken, dass das umlaufende Kapital in sehr ungleicher Zeit umlaufen oder seinem Anwender wieder erstattet werden kann. Der Saatweizen ist für den Landwirth stehendes Kapital in Vergleichung mit dem Weizen des Bäckers, der daraus Brode bereitet. Ersterer scharrt denselben in den Boden und kann ihn vor Ablauf eines Jahres nicht ersetzt bekommen. Der Andere kann denselben in Mehl verwandeln lassen, an seine Kunden ihn in Gestalt von Brod verkaufen und so sein Kapital wieder frei machen, denselben Gang erneuern oder jede Woche ein anderes Geschäft anfangen! <21>

Zwei Gewerbe können im Ganzen einen gleichen Betrag von Kapital anwenden, aber es kann sehr verschieden vertheilt sein, je nachdem ein Theil stehendes, ein anderer Theil umlaufendes ist.

In dem einen Gewerbe kann nur sehr wenig Kapital als umlaufendes, d. h. zur Unterhaltung der Arbeit, der grösste Theil desselben dagegen in Maschinen, Geräthen, Gebäuden und dergl., als Kapital von verhältnissmässig stehendem und dauerhaftem Charakter angelegt sein. In einem anderen kann der nämliche Kapitalbetrag vorzugsweise zum Unterhalte der Arbeit und nur sehr geringen Theils in Geräthen, Maschinen und Gebäuden angelegt sein. Ein Steigen des Arbeitslohnes kann nicht verfehlen, die unter solchen Umständen hervorgebrachten Güter ungleich zu treffen.

Dagegen können zwei Gewerbsunternehmer (manufacturers) einen ganz gleichen Betrag stehenden und umlaufenden Kapitals anwenden, aber die Dauerhaftigkeit des ersteren kann sehr ungleich sein. Der Eine kann Dampfmaschinen im Werthe von 10,000 £, der Andere Schiffe vom nämlichen Tauschwerth haben.

Wenn sie keine Maschinen, sondern blos Arbeit bei der Hervorbringung anwendeten und dieselbe Zeitlänge brauchten, ehe sie ihre Güter auf den Markt bringen, so würde der Tauschwerth derselben genau der angewendeten Menge von Arbeit entsprechen.

Wenn sie stehendes Kapital von gleichem Tauschwerthe und gleicher Dauerhaftigkeit anwendeten, dann würde auch der Tauschwerth der Güter gleich sein und sich mit der grösseren oder geringeren Hervorbringungsarbeit ändern.

Aber obschon unter gleichen Umständen hervorgebrachte Güter ihren gegenseitigen Tauschwerth aus einer anderen Ursache als wegen einer Vermehrung oder Verminderung der Hervorbringungsarbeit des Einen oder Anderen nicht ändern, so werden sie, in Vergleichung mit anderen, nicht mittelst derselben verhältnissmässtgen Menge stehenden Kapitals hervorgebrachten, Gütern ihren Tauschwerth auch aus der anderen erwähnten Ursache ändern, nämlich wegen eines Steigens des Tauschwerthes der Arbeit, wenngleich weder mehr noch weniger Arbeit auf die Hervorbringung des einen oder anderen ver <22> wendet worden wäre. Gerste und Hafer werden das gegenseitige Tauschwerthsverhältniss bei Veränderung des Arbeitslohnes behalten. Baumwollen- und Wollenwaaren desgleichen, wenn sie beide unter genau gleichen Umständen hergestellt werden. Dagegen aber wird zufolge Steigens oder Fallens des Arbeitslohnes, Gerste mehr oder weniger Tauschwerth in Vergleichung mit Baumwollenwaaren, und Hafer in Vergleichung mit Wollenwaaren, bekommen.

Gesetzt, zwei Unternehmer beschäftigen, ein jeder auf ein Jahr, 100 Leute zur Herstellung zweier Maschinen und ein Anderer die gleiche Zahl zur Hervorbringung von Getreide, so werden die beiden Maschinen am Jahresschluss denselben Tauschwerth haben wie das Korn, wenn dieselben mittelst gleicher Arbeitsmenge hervorgebracht sind. Gesetzt nun, der eine der Maschinenbesitzer verwende eine derselben im nächsten Jahre, ebenfalls unter Beschäftigung von 100 Leuten zur Herstellung von Wollenwaaren, und der Andere die andere auch unter Beistand von 100 Leuten zur Herstellung von Baumwollenwaaren, während der Landwirth fortfährt, seine 100 Leute mit Getreidebau zu beschäftigen. Im zweiten Jahre werden sie alle drei dieselbe Menge von Arbeit verwendet haben, aber die Waaren. und Maschinen zusammengenommen des Wollenwaarenfabrikanten, sowie die des Baumwollenwaarenfabrikanten, werden das Ergebniss der einjährlichen Arbeit von 200 Leuten, oder besser, der zweijährlichen Arbeit von 100 Leuten sein. Während das Getreide mittelst der einjährlichen Arbeit von 100 Leuten hervorgebracht wird, muss also, wenn das Getreide 500 £ Werth hat, die Maschine und die Wollenwaaren zusammen einen Werth von 1000 £ und die Maschine nebst den Baumwollenwaaren ebenfalls den doppelten Werth des Getreides haben. Indessen dieselben müssen mehr als den doppelten Werth des Getreides haben, weil der Gewinnst vom Kapitale der Wollen- und Baumwollenwaarenfabrikanten vom ersten Jahre zum Kapital geschlagen worden ist, während der des Landwirths ausgegeben und genossen wurde. Demgemäss werden die betreffenden Güter auf Grund der verschiedenen Grade der Dauerhaftigkeit der Kapitalien oder, was das Nämliche ist, auf Grund der Dauer der Zeit, bis eine Art derselben auf den Markt gebracht werden <23> kann, einen Tauschwerth bekommen, nicht lediglich genau nach dem Verhäitniss der auf sie verwendeten Arbeit, also nicht blos wie 2:1, sondern etwas mehr, zur Ausgleichuug der erforderlichen längeren Zeitdauer, bis die meistwertige Art derselben auf den Markt gebracht werden kann.

Nicht nur die in der Maschine aufgehäufte Arbeit und die lebendige Arbeit der an den Maschinen Arbeitenden, sondern auch noch der Profit, der beim Verkauf der Maschinen realisiert worden ist (und der Profit, der bei der jetzigen Arbeit an der Maschine erwirtschaftet wird), erscheinen anteilig im Wert der Ware. Marx bewundert Ricardo zu Recht. Denn in diesem kurzen Absatz sagt Ricardo, dass nicht nur ein Mehrwert, sondern zwei Mehrwerte anteilige Teile des Warenwerts sind, der Profit des Maschinenfabrikanten und der Profit des Fabrikanten, der die Maschine anwendet. Ricardo macht hier noch keine Annahme über den Gesamtwert der Maschine, sondern zeigt nur, dass sie in einem Jahr genau den Wert auf das Produkt überträgt, den die an ihr Arbeitenden mit Hilfe der Machine neu schaffen, nämlich £ 500. Marx kritisiert Ricardo, wenn es um den Gesamtwert geht, zu dem er erst jetzt kommt.

Angenommen, jeder Arbeiter bekomme einen Jahreslohn von 50 £, oder es würden 5000 £ Kapital bei 10 % Gewinnst angewendet, so wird am Schlusse des ersten Jahres der Tauschwerth einer jeden Maschine so gut wie des Getreides 5500 £ sein. Im zweiten Jahre werden die Fabrikanten und derLandwirth wieder ein Jeder 5000 £ auf Arbeit anlegen und ihre Güter wieder zu 5500 £ verkaufen; aber die Anwender der Maschinen müssen, wenn sie dem Landwirth gleichstehen sollen, nicht blos 5500 £ für die gleichen Kapitalien zu 5000 £, die auf Arbeit verwendet wurden, sondern noch 550 £ dazu bekommen, als Gewinnst von 5500 £, welche sie in Maschinen angelegt haben, und sie müssen demzufolge ihre Waaren zu 6,050 £ verkaufen. Hiebei wenden Kapitalisten jährlich genau dieselbe Arbeitsmenge auf Hervorbringung ihrer Güter an und dennoch haben ihre Erzeugnisse verschiedenen Tauschwerth wegen der verschiedenen Höhe des stehenden Kapitals oder der Menge darin angesammelter Arbeit, welche ein Jeder beziehungsweise in Anwendung brachte. Die Wollen- und Baumwollenwaaren haben gleichen Tauschwerth, als Erzeugnisse gleicher Mengen von Arbeit und von stehendem Kapital. Das Getreide aber hat nicht denselben Tauschwerth wie jene Artikel, weil es, was das Kapital betrifft, unter anderen Umständen gewonnen wird.

Die Lohnsumme des ersten Jahres von 5.000 Pfund und die £ 500 Mehrwert, die im Maschinenwert erscheinen, sind die Lohn- und Mehrwertsummen der Maschinenbauarbeiter. Jedoch sind die £ 5.500 nicht der Wert der ganzen Maschine, sondern nur der Lohn- und Mehrwertanteil (v + m), also das, was im Jahr an Neuwert durch Arbeit entstanden ist. Die vernutzten Rohstoffe und das andere konstante Kapital zur Herstellung der Maschine vernachlässigt Ricardo hier, um einen Anfang zu haben, der allein aus Neuwerten besteht. Die v + m = £ 5.500 aus dem ersten Jahr des Maschinenbauers werden zum C = £ 5.500, dem gesamten konstanten Kapital zum Beginn des zweiten Jahrs des Maschinenanwenders, der ebenfalls £ 5.000 Lohn anwendet. Wenn die Maschine 10 % ihres Werts jährlich auf die Waren überträgt, und der Lohnarbeiter ebenfalls 10 % Gewinn (Mehrwert) zeugt, so sind das £ 550 Wertabgabe und £ 500 Gewinn, also £ 1.050 c + m und £ 5.000 Lohn, macht £ 6.050 c + v + m, wobei c nur das in einem Jahr vernutzte konstante Kapital ist, nämlich 10 % von £ 5.500.

Diese Lesart ist mit der Zerlegung des Gesamtkapitals möglich, wie sie Marx entwickelt hat. Mit ihr lässt sich dieser dunkle Absatz Ricardos »ohne Rest« auflösen. Vor allem bleibt hier klar, dass der Mehrwert allein aus der Arbeit stammt.

Allein, wie wird der gegenseitige Tauschwerth durch ein Steigen des Tauschwerthes der Arbeit getroffen? Es leuchtet ein, dass die gegenseitigen Tauschwerthe der Wollen- und Baumwollenwaaren keine Veränderung erleiden, denn was, unter den angenommenen Umständen, die Einen trifft, muss gleichmässig auch die Anderen treffen. Auch die gegenseitigen Tauschwerthe des Weizens und Hafers werden keine Aenderung erleiden, weil sie, was das stehende und umlaufende Kapital anbelangt, unter gleichen Umständen gewonnen werden. Dagegen muss der gegenseitige Tauschwerth zwischen Getreide <24> einerseits und Wollen- oder Baumwollenwaaren andererseits, in Folge der Zunahme des Tauschwerthes der Arbeit, eine Veränderung erfahren.

Es gibt kein Steigen des Tauschwerthes der Arbeit ohne Sinken der Gewinnste. Wenn das Getreide zwischen dem Landwirth und den Arbeitern vertheilt würde, so würde der grössere Theil diesen zufliessen. der kleinere jenem verbleiben. Ebenso würde, wenn die Wollen- und Baumwollenwaaren zwischen die Arbeiter und den Lohnherrn verlheilt würden, der grössere Theil den Ersteren gegeben werden und der geringere dem Letzteren verbleiben. Gesetzt nun, dass in Folge einer Zunahme des Lohnes die Gewinnste von 10 auf 9 % herabgehen, so werden die Fabrikanten, anstatt 550 £ zu dem gemeinen Preise ihrer Waaren von 5500 £ als Gewinn vom stehenden Kapital zuzuschlagen, nur 9 % dieses Kapitalbetrags oder 495 £ in Ansatz bringen, folglich wird der Preis 5995 anstatt 6050 £ betragen. Da das Getreide immer noch zu 5500 £ verkauft wird, so werden die Fabriksartikel, auf welche mehr stehendes Kapital verwendet ist, gegen das Getreide oder andere Waaren, auf welche weniger stehendes Kapital verwendet ist. verhältnissmässig herabgehen. Alle Güter, welche durch theure Maschinen oder in theueren Gebäuden verfertigt werden oder eine geraume Zeit, bis sie auf den Markt gebracht werden können, bedürfen, werden im verglichenenTauschwerthe herabgehen, während alle diejenigen, welche hauptsächlich mittelst Arbeit hervor- oder schneller auf den Markt gebracht werden, steigen werden.

Wenn der Mehrwert m um £ 55 sinkt, steigt der Lohn v um ebendiesen Betrag. Da die Ware zum Gesamtwert von c + v + m verkauft wird, bleibt ihr Preis unverändert, wenn sich die Größenbeziehung zwischen v und m ändert.

Der Leser mag vielleicht entgegnen, dass diese Ursache der Werthsveränderung der Güter in ihren Wirkungen verhältnissmässig schwach sei. Ich habe angenommen, dass bei einem Steigen des Lohnes, welches ein Sinken des Gewinnstes um 1 % verursache, unter solchen Umständen hervorgebrachte Güter im gegenseitigen Tauschwerthe sich nur um 1 % verändern würden; sie sinken bei einer so grossen Verminderung der Gewinnste von 6050 auf 5995 £. Die grösste Wirkung, welche in Folge des Steigens des Lohnes auf den gegenseitigen Tauschwerth dieser Güter eintreten kann, wird 6 oder 7 % nicht übersteigen. Denn die Gewinnste können, unter irgend was für <25> Umständen, wahrscheinlich dauernd und allgemein eine tiefere Erniedrigung nicht ertragen.

So verhält es sich nicht hinsichtlich der anderen starken Ursache der Veränderungen des Tauschwerthes der Güter, nämlich mit der Vermehrung oder Verminderung der zur Hervorbringung nöthigen Arbeitsmenge. Wenn zur Hervorbringung des Getreides 80 anstatt 100 Leute erforderlich würden, so würde der Tauschwerth des Getreides um 20 % oder von 5500 auf 4400 £ herabgehen. Wenn zur Herstellung der Wollenwaaren die Arbeit von 80 Leuten statt von 100 genügte, so würden dieselben von 6050 auf 4400 £ sinken.

Die »4400« sind ein Tippfehler oder Übersetzungsfehler. Denn bei Ricardo heißt es: »If to produce the cloth, the labour of eighty instead of one hundred men would suffice, cloth would fall from £6,050 to £4,950. «

Das konstante Kapital des Baumwollfabrikanten ist C = £ 5.500. Bei dem Jahresverschleiß von c = 550, v = 4.000, m = 400 macht das zusammen £ 4.950 und nicht £ 4.400, wie der Übersetzer annimmt. Die Auslegung mit Marx scheint sich zu bewähren. Ricardo zieht den Mehrwert allein aus der lebendigen Arbeit.

Eine Veränderung des dauernden Gewinnstsatzes (the permanent rate of profits) um einen grossen Betrag ist nur die Folge von Ursachen, die im Laufe von Jahren wirken, während Aenderungen in der Menge von Hervorbringungsarbeit sich täglich ereignen können. Eine jede Verbesserung im Maschinenwesen, in Werkzeugen, Gebäuden, in Schaffung von Rohstoffen erspart Arbeit und setzt uns in Stand, das Gut, auf welches dieselbe Anwendung findet, leichter herzustellen, und verändert also seinen Tauschwerth. Obschon es ein Fehler wäre, die Wirkung eines Steigens oder Fallens der Arbeit gänzlich ausser Acht zu lassen, bei der Würdigung der Ursachen der Veränderungen des Tauschwerthes der Güter, so wäre es doch gleich unrichtig, demselben zu viel Bedeutung beizumessen. Ich werde daher im weiteren Verfolge dieses Buches, obschon ich auf diese Ursache der Veränderung Bezug nehmen werde, alle die grossen Veränderungen in Betracht ziehen, welche im verglichenen Tauschwerthe von Gütern, die mittelst grösserer oder geringerer, von Zeit zu Zeit erforderlicher Arbeitsmenge hervorzubringen sind, Platz greifen.

Es ist kaum nöthig zu sagen, dass Güter, welche dieselbe Hervorbringungsarbeit in sich schliessen, ihren Tauschwerth ändern werden, wenn sie nicht in derselben Zeit auf den Markt gebracht werden können.

Angenommen, ich beschäftige 20 Leute ein Jahr lang mit einem Aufwand von 1000 £ zur Herstellung eines Gutes, ich beschäftige am Jahresschlusse noch auf ein folgendes Jahr 20 Leute mit demselben Aufwande von 1000 £ zur feineren Ausarbeitung oder Vervollkommnung desselben Gutes, und bringe <26> dasselbe am Ende der zwei Jahre auf den Markt, so muss mein Gut bei 10 % Gewinnst zu 2310 £ verkauft werden. Denn ich habe 1000 £ Kapital auf ein Jahr und 2100 £ Kapital auf noch ein Jahr mehr angelegt. Ein Anderer beschäftigt genau die nämliche Menge Arbeit, aber er verwendet sie ganz im ersten Jahre: er verwendet 40 Leute mit einem Aufwande von 2000 £ und am Ende des ersten Jahres verkauft er das Gut mit 10 % Gewinnst zu 2200 £. Hiebei sind also zwei Güter von gleicher Hervorbringungsarbeit vorhanden, das Eine verkauft sich zu 2310 £, das Andere zu 2200 £.

Dieser Fall scheint von dem vorigen verschieden zu sein, er ist es aber in der That nicht. In beiden Fällen rührt der höhere Preis des einen Gutes von der längeren Zeit her, welche vergehen muss, bis dasselbe auf den Markt gebracht werden kann. Im vorigen Falle sind die Maschinen und Wollenwaaren von mehr als dem doppelten Tauschwerthe des Getreides, obgleich nur die doppelte Menge von Arbeit auf dieselben verwendet ist. Im zweiten Falle ist das eine Gut mehr werth als das andere, obschon auf dessen Hervorbringung nicht mehr Arbeit verwendet ist als auf das andere. Der Unterschied im Tauschwerthe rührt von den Gewinnsten her, welche als Kapital angesammelt sind (profits being accumulated as capital), und die Werthserhöhung ist eine gerechte Entschädigung auf die Zeit, während welcher die Gewinnste vorenthalten werden.

Akkumulation des Kapitals bedeutet, dass der Mehrwert des laufenden Jahres nicht vom Kapitalisten verzehrt wird, sondern teilweise oder ganz in die erweiterte Produktion investiert wird. Dabei muss - alle Umstände als gleichbleibend angenommen -, wenn 10 % mehr in das variable Kapital investiert wird als im laufenden Jahr, ebenso 10 % mehr in das konstante Kapital investiert werden, sozusagen die Werkbank um 10 % verlängert werden, damit alle Arbeiter daran ihren Platz finden.

So ergibt sich denn, dass die Theilung des Kapitals in stehendes und umlaufendes nach verschiedenen Verhältnissen in verschiedenen Gewerben eine beträchtliche Umgestaltung der Regel veranlasst, welche allgemein in Anwendung ist, wenn Arbeit fast ausschliesslich zur Hervorbringung (production) verwendet wird, nämlich der Regel, dass Güter niemals ohne Anwendung von mehr oder weniger Arbeit zu ihrer Hervorbringung im Tauschwerthe wechseln, indem, wie in dieser Abtheilung nachgewiesen ist, ohne Aenderung in der Arbeitsmenge, das Steigen ihres Tauschwerthes allein ein Sinken des Tauschwerthes derjenigen Güter bewirken wird, zu deren Hervorbringung stehendes Kapital angewendet ist. Je grösser das angewendete stehende Kapital ist, um so tiefer wird das Sinken sein. <27>

Je mehr das konstante Kapital die Produktivkraft der Arbeit erhöht, in desto kürzerer Zeit wird die gleiche Menge Waren produziert. Damit reduziert sich der Wert der einzelnen Ware und damit der Wert der Arbeitskraft, weil nun für weniger Geld die zum Leben nötigen Waren gekauft werden können.

V. Abtheilung. Das Grundgesetz, dass der Tauschwerth nicht mit dem Steigen und Fallen des Arbeitslohnes wechsele, wird ebenso umgestaltet durch die ungleiche Dauerhaftigkeit des Kapitals und durch die ungleiche Schnelligkeit, mit welcher es seinem Anwender erstattet wird (is returned to its employer).

In der vorigen Abtheilung haben wir angenommen, dass von zwei Kapitalien in zwei verschiedenen Beschäftigungen die Verhältnisse des stehenden und umlaufenden Kapitals verschieden seien. Jetzt lasst uns aber den Fall setzen, dass jenes Verhältniss der Theilung zwar gleich, aber das Kapital von ungleicher Dauerhaftigkeit sei. Im Verhältnisse als das stehende Kapital weniger dauerhaft ist, nähert es sich der Natur des umlaufenden. Ea wird verbraucht und sein Tauschwerth in kürzerer Zeit wieder geschaffen, um dem Gewerbsunternehmer das Kapital zu erhalten. Wir haben bereits gesehen, dass im Verhältnisse, als in einem Gewerbe das stehende Kapital vorwiegend ist, wenn der Arbeitslohn steigt, der Tauschwerth der in demselben verfertigten Güter verhältnissmässig niedriger ist, als der Tauschwerth der Erzeugnisse derjenigen Gewerbe, in welchen das umlaufende Kapital überwiegt. Im Verhältnisse zur geringeren Dauerhaftigkeit des stehenden Kapitals und als es der Natur des umlaufenden näher tritt, wird von derselben Ursache die nämliche Wirkung hervorgebracht.

Wenn ein stehendes Kapital nicht von dauerhafter Natur ist, so erfordert seine Instandhaltung jährlich viel Arbeit. Aber die hiezu verwendete Arbeit ist als wirklich auf das verfertigte Gut verwendet anzusehen, welches einen Tauschwerth im Verhältniss zu derselben haben muss. Habe ich eine Maschine von 20,000 £ Werth, die mittelst sehr wenig Arbeit zur Hervorbringung von Gütern mitwirken kann, und kostet die Instandhaltung derselben nur unbedeutend Arbeit, bei einem allgemeinen Gewinnstsatze von 10 %, so brauche ich zum Preise der Artikel nicht viel mehr als 2000 £ zuzuschlagen, wegen der Anwendung der Maschine. Wenn aber die Instandhaltung derselben viel kostete, wenn die zu dieser erforderliche Arbeit jährlich 50 Leute erheischte, so würde ich dem Preise meiner Güter einen Zusatz geben müssen, gleich demjenigen, welchen ein anderer Gewerb <28> treibender bekommen müsste, der 50 Leute zur Herstellung anderer Güter verwendet und gar keine Maschine braucht.

Allein ein Steigen des Lohnes wird Güter, welche mittelst rasch verbrauchter Maschinen hergestellt werden, und solche, weiche mit langsam verbrauchten Maschinen hergestellt werden, nicht gleich berühren. Bei Herstellung der Einen wird viel Arbeit beständig auf das hervorgebrachte Gut übertragen werden, bei Herstellung der Anderen nur wenig. Jegliches Steigen des Lohnes oder, was dasselbe ist, jegliches Sinken der Gewinnste wird den verglichenen Tauschwerth derjenigen Güter, welche mittelst dauerhaften Kapitals hergestellt werden, herabdrücken und den verglichenen Tauschwerth derjenigen, welche mittelst vergänglicheren Kapitals hervorgebracht werden, verhältnissmässig erhöhen. Ein Sinken des Arbeitslohnes wird ganz genau die entgegengesetzte Wirkung äussern.

S. Anm. S. 24

Ich habe bereits gesagt, dass stehendes Kapital von verschiedener Dauerhaftigkeit ist. Nehmen wir eine Maschine an, welche, in einem besonderen Geschäfte angewendet, auf ein Jahr die Arbeit von 100 Leuten leisten kann, aber nur ein Jahr dauert. Gesetzt, die Maschine koste 5000 £ und der Lohn der 100 Leute koste ebenfalls 5000 £ jährlich, so ist klar, dass es für den Unternehmer gleichgiltig ist, ob er die Maschine anwendet oder die Leute beschäftigt. Gesetzt aber, der Lohn steige und die Arbeit der 100 Leute koste jährlich 5500 £, so liegt es auf der Hand, dass der Unternehmer nicht zögern wird, dass es in seinem Interesse liegt, die Maschine anzuschaffen und seine Artikel durch diese herstellen zu lassen. Aber wird nicht auch die Maschine im Preise auf 5500 £ steigen in Folge des Steigens des Lohnes? Sie wird es, wenn auf ihre Herstellung kein Kapital verwendet und ihrem Verfertiger kein Gewinnst zu bezahlen ist. Wäre, beispielsweise, die Maschine das Erzeugniss der Arbeit von 100 Leuten, bei einem Jahre Herstellungszeit und einem Lohne von 50 £ für jeden Mann, folglich ihr Preis 5000 £. Stiege dieser Lohn auf 55 £, so sollte der Preis 5500 £ sein. Allein dies wird nicht der Fall sein. Entweder müssen weniger als 100 Leute verwendet oder sie kann zu 5000 £ nicht gekauft werden, denn aus den 5000 £ müsste der Gewinnst für die Kapitalauslage für Beschäftigung <29> der Leute bezahlt werden. Angenommen nunmehr, dass nur 85 Leute zu 50 £ Lohn für den Mann oder 4250 £ im Ganzen aufs Jahr gebraucht und dass die 750 £, welche der Verkauf der Maschine über den an die Leute gegebenen Lohn einbringen würde, den Gewinnst für die Kapitalanlage des Maschinenbauers ausmachen würden. Wenn der Lohn um 10 % stiege, so würde derselbe 425 £ Kapital mehr, folglich 4675 £ statt nur 4250 £, anlegen müssen, auf welches Kapital er nur 325 £ Gewinnst beziehen würde, wenn er fortführe, seine Maschine für 5000 £ zu verkaufen.

Nun sagt auch Ricardo, dass der Wert der Ware bei steigendem Lohn und sinkendem Mehrwert sich nicht ändert. Allerdings vergisst er bei der Bestimmung des Warenwerts wieder das konstante Kapital, weil er den Warenwert nur aus Lohn und Profit zusammensetzt.

Aber dies ist der Fall bei allen Gewerbtreibenden und Kapitalisten, das Steigen des Lohnes trifft sie sämmtlich. Wenn daher der Maschinenbauer den Preis der Maschine in Folge des Steigens des Lohnes erhöhen würde, so würde eine ungewöhnliche Menge von Kapital zur Herstellung solcher Maschinen angelegt werden, bis ihr Preis wieder den gemeinüblichen Gewinnstsatz einbrächte5 . Wir sehen also, dass die Maschinen nicht im Preise steigen werden zufolge des Steigens der Löhne. Der Gewerbtreibende indessen, der bei einem allgemeinen Steigen des Arbeitslohnes zu einer Maschine seine Zuflucht nehmen kann, welche die Kosten der Hervorbringung seines Artikels nicht vermehren wird, würde sich besonderer Vortheile erfreuen, wenn er den bisherigen Preis für seine Waaren beibehalten könnte. Allein er wird, wie wir bereits gesehen haben, gezwungen werden, seinen Preis herabzusetzen oder es wird Kapital in seinen Gewerbszweig hineinströmen, bis sein Gewinnst bis auf den allgemeinen Stand desselben hinabgesunken sein wird. Somit zieht das Volk Vortheil vom Maschinenwesen. Diese stummen Werkthätigen (Maschinen) sind allerwege das <30> Erzeugniss von viel weniger Arbeit, als diejenige ist, welche sie ersetzen, selbst wenn sie von demselben Geldwerthe sind. In Folge ihres Einflusses werden wenigere Personen durch eine Preissteigerung der Lebensmittel, welche den Arbeitslohn erhöht, getroffen. Es wird, wie in den früheren Beispielen, fünf und achtzig anstatt 100 Leute treffen und das daraus hervorgehende Ersparniss zeigt sich in der Verminderung des Preises des hergestellten Gutes. Weder Maschinen noch durch dieselben hergestellte Güter steigen im wirklichen Tauschwerthe, aber alle durch Maschinen verfertigten Güter gehen herab und zwar im Verhältnisse der Dauerhaftigkeit derselben.

So wird man denn eingesehen haben, dass auf den frühesten Stufen der Gesellschaft, vor der Einführung von Maschinen oder dauerhaften stehenden Kapitales, die Güter, welche durch gleiches Kapital hervorgebracht werden, auch fast von ganz gleichem Tauschwerthe sind und in diesem vergleichsweise gegen jedes andere steigen oder fallen, ganz allein nach dem grösseren oder geringeren Betrage der Arbeit, welche zu ihrer Hervorbringung nothwendig ist. Aber nach Einführung dieser kostspieligen und dauerhaften Werkzeuge werden Güter, wenn sie auch vermittelst der Anwendung gleichen Kapitals verfertigt sind, doch sehr ungleichen Tauschwerth haben; und obgleich sie immerfort gegen alle anderen steigen oder fallen müssen, im Verhältnisse als mehr oder weniger Arbeit zu ihrer Hervorbringung nöthig wird, so sind sie doch einer anderen, aber kleineren Veränderung im Tauschwerthe vermöge des Steigens und Fallens des Arbeitslohnes und Gewinnstes unterworfen. So lange als die Güter, welche um 5000 £ verkauft werden, das Erzeugniss eines Kapitals sein können, das im Betrage demjenigen gleich kommt, durch welches andere Güter hervorgebracht werden, die man für 10,000 £ verkauft, werden die Gewinnste der Gewerbe auch dieselben sein; aber sie werden ungleich sein, wenn die Güterpreise nicht mit dem Steigen oder Fallen des Gewinnstsatzes wechseln.

Es zeigt sich ebenfalls, dass, im Verhältnisse zur Dauerhaftigkeit des in einem Zweige der Hervorbringung angelegten Kapitales, die verhältnissmässigen Preise dieser Güter, auf welche solch' ein dauerhaftes Kapital angewendet wird, sich <31> umgekehrl wie der Arbeitslohn verändern. Sie werden fallen, wenn der Arbeitslohn in die Höhe, und steigen, wenn derselbe heruntergeht. Und andererseits werden die Preise derjenigen Güter, welche hauptsächlich durch Arbeit mit weniger Kapital oder mittelst stehenden Kapitals von wenigerer Dauerhaftigkeit als das Mittel, in welchem der Preis geschätzt wird, hervorgebracht werden, steigen, wenn der Arbeitslohn herabgeht, und fallen, wenn derselbe steigt.

VI. Abtheilung. Ueber einen unveränderlichen Maassstab des Tauschwerthes.

Wenn Güter sich im verglichenen Tauschwerthe (relative value) ändern, so ist es wünschenswerth, Mittel zu haben, um feststellen zu können, welche davon im wirklichen Tauschwerthe gefallen und welche gestiegen sind, und dies kann nur geschehen durch Vergleichung des Einen nach dem Anderen mit einem unveränderlichen Grund- und Richtmaassstabe des Tauschwerthes, welcher selbst keiner der Schwankungen unterworfen ist, welchen andere Guter ausgesetzt sind. Der Besitz eines solchen Maassstabes ist unmöglich, weil es kein Gut gibt, welches nicht selbst denselben Veränderungen unterworfen ist, wie die Dinge, deren Tauschwerth festgestellt werden soll, d. h. es gibt keines, zu dessen Hervorbringung nicht mehr oder weniger Arbeit erforderlich wäre. Wenn aber die Ursache der Veränderung im Tauschwerthe eines Mittels beseitigt werden könnte, - wenn es möglich wäre, dass zur Hervorbringung unseres Geldes z. B. zu allen Zeiten die gleiche Arbeitsmenge erfordert würde, so würde dasselbe dennoch nicht ein vollkommenes Grund- und Richt- oder unveränderliches Maass des Tauschwerthes sein, weil, wie ich bereits zu zeigen gesucht habe, dasselbe verhältnissmässigen Veränderungen zufolge des Steigens oder Fallens der Löhne, auf Grund der verschiedenen Mengen stehenden Kapitals, welches zu seiner Hervorbringung und zur Herstellung derjenigen <32> Güter, deren Tauschwerthsänderungen wir zu bestimmen wünschen, unterworfen ist. Dasselbe kann zudem auch Veränderungen zufolge derselben Ursache unterliegen auf Grund verschiedener Grade der Dauerhaftigkeit des auf dasselbe und auf die mit demselben zu vergleichenden Güter verwendeten stehenden Kapitals, oder die Zeit, welche erforderlich ist, um das Eine auf den Markt zu bringen, kann länger oder kürzer sein, als diejenige, welche für die Güter, deren Werthsveränderungen ermittelt werden sollen, behufs ihrer Aufbringung auf den Markt erforderlich ist. Alle diese Umstände machen ein Gut, auf welches man seine Absicht richten mag, zu einem vollkommen genauen Tauschwerthsmaasse untauglich.

Wenn wir z. B. das Gold als Grund- und Richtmaass nehmen wollten, so ist einleuchtend, dass dasselbe nur ein Gut ist, welches unter denselben Zufälligkeilen, wie jedes andere, zu erlangen ist und Arbeit und stehendes Kapital zu diesem Behufe erheischt. Wie bei jedem anderen Gute können auch bei seiner Hervorbringung Verbesserungen in Ersparniss an Arbeit angewendet werden und folglich kann es im verhältnissmässigen Tauschwerthe gegen andere Dinge hauptsächlich auf Grund der grösseren Leichtigkeit seiner Hervorbringung herabgehen.

Gesetzt, diese Ursache der Veränderung werde entfernt, und es werde stets dieselbe Arbeitsmenge zur Herbeischaffung des Goldes erfordert, so würde dasselbe dennoch nicht ein vollkommenes Tauschwerthsmaass sein, mittelst dessen wir genau die Veränderungen bei anderen Dingen ermitteln könnten. Denn dasselbe würde nicht mit genau derselben Verbindung stehenden und umlaufenden Kapitals wie alle anderen Dinge hervorgebracht; auch nicht mittelst stehenden Kapitals von derselben Dauerhaftigkeit wie diese; noch würde dasselbe genau dieselbe Länge der Zeit zur Aufbringung auf den Markt erheischen. Dasselbe würde ein vollkommenes Tauschwerthsmaass für alle Dinge sein, welche genau unter den nämlichen Umständen, wie es selbst, hervorgebracht würden, aber für keine anderen. Wenn dasselbe z. B. unter denselben Umständen hervorgebracht würde, welche wir als zur Herstellung von Wollen- und Baumwollenwaaren nöthig angenommen haben, so würde es ein voll <33> kommener Tauschwerthsmaassstab für die Gegenstände sein, aber nicht für Getreide, Kohlen und andere Güter, welche mit einem grösseren oder kleineren Betragt stehenden Kapitals hergestellt werden; weil, wie wir gezeigt haben, jedwede Veränderung im ständigen Gewinnstsatze einen Einfluss auf den gegenseitigen Tauschwerth aller dieser Güter haben muss, unabhängig von einer Aenderung in der zu deren Hervorbringung angewendeten Menge von Arbeit. Würde Gold unter denselben Umständen wie Getreide hervorgebracht, so würde dasselbe, selbst wenn sie sich niemals änderten, aus den nämlichen Gründen nicht ein vollkommener Maassstab für den Tauschwerth der Wollen- und Baumwollenwaaren sein. Also kann weder Gold noch irgend ein anderes Gut jemals ein vollkommener Tauschwerthsmaassstab für alle Dinge sein. Allein ich habe schon bemerkt, dass die Wirkung einer Veränderung im Gewinnstsatze auf den verhältnissmässigen Preis der Dinge nur eine geringe ist, dass weitaus die bedeutendsten Wirkungen durch die wechselnden Mengen der Hervorbringungsarbeit hervorgerufen werden, und dass wir desshalb, wenn wir diese einflussreiche Veränderungsursache von der Hervorbringung des Goldes beseitigt annehmen, am Golde wahrscheinlich einen theoretisch möglichst annähernden Grund- und Richtmaassstab für den Tauschwerth besitzen. Kann das Gold denn nicht als ein Gut angesehen werden, welches mit solchen Antheilen von beiden Arten des Kapitals hervorgebracht wird, wie solche der durchschnittlichen Menge von Kapitalien bei der Hervorbringung der meisten Güter am nächsten kommen? Können nicht jene Antheile so nahezu gleich entfernt von den beiden Extremen sein, von dem Einen, wenn wenig stehendes Kapital gebraucht, und von dem Anderen, wenn wenig Arbeit verwendet ist, um die richtige Mitte zwischen beiden zu bilden?

Wenn ich nun mich selbst als im Besitze eines, dem ganz unverändei:lichen sich am nächsten annähernden, Grund- und Richtmaasses befindlich annehmen kann, so ist der Vortheil hieven, dass ich von den Veränderungen anderer Dinge sprechen kann, ohne mich bei jeder Gelegenheit durch die Betrachtung der möglichen Aenderung des Tauschwerthes dieses Mittels, in <34> welchem der Preis und der Tauschwerth geschätzt werden, verwirren zu lassen.

Um nun die Untersuchung über diesen Gegenstand zu erleichtern, nehme ich das Gold als unveränderlich an, obschon ich zugebe, dass Goldgeld den meisten Veränderungen anderer Dinge und demgemäss allen Veränderungen seines Preises unterliegt, welche durch irgend eine Veränderung des Tauschwerthes des Gutes, von welchem ich reden mag, veranlasst werden.

Bevor ich diesen Gegenstand verlasse, mag die Bemerkung am Platze sein, dass A. Smith und alle ihm folgenden Schriftsteller, ohne eine mir bekannte Ausnahme, behaupten, dass ein Steigen des Preises der Arbeit gleichförmig ein Steigen des Preises aller Güter zur Folge habe. Es ist mir hoffentlich gelungen zu beweisen, dass eine solche Meinung unbegründet ist und dass blos diejenigen Güter im Preise steigen werden, welche mit weniger stehendem Kapital hervorgebracht werden, als das Mittel, in welchem die Preise geschätzt werden, und dass alle diejenigen Güter, welche mit mehr stehendem Kapital hervorgebracht werden, bestimmt im Preise herabgehen werden, wenn der Arbeitslohn steigt. Umgekehrt, wenn der Arbeitslohn herabgeht, so werden allein diejenigen Güter im Preise fallen, welche mit einem geringeren Antheile stehenden Kapitals hervorgebracht werden, als das Mittel, in welchem man die Preise schätzt, und dass alle diejenigen, welche mit einem grösseren Antheile stehenden Kapitals hergestellt werden, bestimmt im Preise steigen werden.

Ich muss auch noch bemerken, dass ich nicht gesagt habe, dass das eine Gut, welches eine Arbeit von 1000 £ Kosten in sich schliesst, während ein anderes Arbeit von 2000 £ Kosten erfordert hat, 1000 £ und dieses andere 2000 £ Tauschwerth haben werde. Ich habe vielmehr gesagt, dass ihr gegenseitiger Tauschwerth wie 2 : 1 sein und dass sie gegenseitig nach diesem Verhältnisse ausgetauscht werden. Es ist für die Wahrheit dieser Lehre nicht von Bedeutung, ob das Eine dieser Güter zu 1100 £, das Andere zu 2200 £, oder das Eine zu 1500 £ und das Andere zu 3000 £ verkauft wird. Diese Frage unter <35> suche ich jetzt nicht, ich behaupte blos, dass ihre gegenseitigen Werthe durch die gegenseitigen Mengen von Arbeit bestimmt werden, welche auf ihre Hervorbringung verwendet werden6.

VII. Abtheilung. Verschiedene Wirkungen der Veränderungen im Tauschwerthe des Geldes, des Mittels, in welchem der Preis stets ausgedrückt wird, oder der Veränderungen im Tauschwerthe der Güter, welche mit Geld erkauft werden.

Obgleich ich, wie bereits auseinandergesetzt, noch Gelegenheit haben werde, das Geld als im Tauschwerthe unveränderlich zu betrachten, um noch besonders die Ursachen der gegenseitigen Veränderungen des Tauschwerthes anderer Dinge darzulegen, so wird es von Nutzen sein, die verschiedenen Wirkungen zu bezeichnen, welche hervorgehen aus der Veränderung der Preise der Güter in Folge der bereits angedeuteten Ursachen, namentlich zufolge der zu ihrer Hervorbringung erforderten verschiedenen Arbeitsmengen und der Veränderungen im Tauschwerthe des Geldes selbst.

Da das Geld ein veränderliches Gut ist, so wird das Steigen des Geldlohns häufig durch ein Sinken des Tauschwerthes des Geldes verursacht werden. Ein Steigen des Lohnes aus dieser Ursache wird in der That unabänderlich von einem Steigen des Preises der Güter begleitet sein. Allein man wird in solchen <36> Fällen finden; dass die Arbeit und alle Güter gegenseitig keine Aenderung erfahren haben und die Veränderung sich auf das Geld beschränkt hat.

Das Geld ist ein Gut, welches man aus einem fremden Lande bezieht, es ist das allgemeine Tauschmittel unter den gebildeten Völkern, und es ist ebenso unter die Länder in Verhältnissen vertheilt, welche fortwährendem Wechsel unterworfen sind sowohl mit jeder Verbesserung im Handel und Maschinenwesen als auch mit jeder Vergrösserung der Schwierigkeit, die Nahrungs- und andere Bedürfnissmittel für die wachsende Bevölkerung herbeizuschaffen. Bei der Auseinandersetzung der Grundgesetze, wonach sich Tauschwerth und Preis richtet, muss man sorgfältig diejenigen Veränderungen, welche das Gut selbst betreffen, von denjenigen unterscheiden, welche durch eine Veränderung in demjenigen Mittel veranlasst werden, in welchem der Tauschwerth geschätzt oder der Preis ausgedrückt wird.

Ein Steigen des Arbeitslohnes, in Folge einer Veränderung im Tauschwerthe des Geldes, bringt eine allgemeine Wirkung auf den Preis hervor und deshalb hat es keinerlei Wirkung auf den Gewinnst. Im Gegentheile, ein Steigen des Arbeitslohnes, als Folge von dem Umstände, dass der Arbeiter freigebiger belohnt wird, oder von der Schwierigkeit, die Bedürfnisse zu befriedigen, wozu der Arbeitslohn wieder verausgabt wird, trägt, ausgenommen in einigen Fällen, nichts zur Erhöhung der Preise bei, wohl aber wirkt es sehr auf Erniedrigung der Gewinnste. In dem einen Falle wird kein grösserer Theil der jährlichen Arbeit des Landes dem Unterhalte der Arbeiter gewidmet, dagegen aber im anderen.

Je nach der Vertheilung des ganzen Erzeugnisses vom Boden eines Landgutes unter die drei Klassen der Grundherren, Kapitalisten und Arbeiter haben wir das Steigen oder Fallen der Rente, des Gewinnstes und des Arbeitslohnes zu beurtheilen, und keineswegs nach dem Tauschwerthe, zu welchem das Erzeugniss in demjenigen Mittel geschätzt wird, das unleugbar Veränderungen unterliegt.

Nicht die Menge des Erzeugnisses an sich, welche von jeder dieser Klassen bezogen wird, ist es, wonach man ohne Fehler über den Stand des Gewinnstes, der Rente und des Arbeits <37> lohnes urtheilen kann, sondern vielmehr die Menge von Arbeit, welche erfordert wird, um dieses Erzeugniss zu erlangen. Durch Verbesserungen im Maschinenwesen und Ackerbaue kann das Gesammterzeugiyss verdoppelt werden; allein wenn sich Arbeitslohn, Rente und Gewinn ebenfalls verdoppeln, so stehen alle drei unter sich im nämlichen Verhältnisse wie zuvor, und von keinem kann man sagen, es habe sich im Verhältnisse zu. den anderen verändert. Wenn dagegen der Arbeitslohn nicht an der ganzen Vergrösserung des Erzeugnisses Antheil genommen, wenn derselbe, anstatt sich zu verdoppeln, blos um die Hälfte zugenommen hat, wenn die Rente ebenso, anstatt sich zu verdoppeln, nur um drei Viertheile gewachsen und der Rest der Zunahme zum Gewinn geschlagen wäre, alsdann würde, glaube ich, man mit Recht sagen können, dass Rente und Arbeitslohn gesunken seien, während der Gewinnst stieg. Denn, hätten wir einen unveränderlichen Grund- und Richtmaassstab für den Tauschwerth dieses Erzeugnisses, so würden wir finden, dass der Arbeiterklasse und den Grundherren ein geringerer, der Kapitalistenklasse aber ein grösserer Tauschwerth zugefallen sei, als zuvor. Wir würden z. B. finden, dass, obschon sich die Menge der Güter an sich verdoppelt hat, dieselbe doch genau das Erzeugniss der früheren Arbeitsmenge ist. Wenn von jedem Hundert Hüte, Kleider oder Quarter Getreide, die hervorgebracht wurden, vorher

die Arbeiter

25

die Grundherrn

25

und die Kapitalisten

50

zusammen

100

bezogen, und wenn, nachdem sich die Menge dieser Güter verdoppelt . hat, von jedem Hundert

die Arbeiter blos

22

die Grundherrn

22

und die Kapitalisten

56

zusammen

100

bekämen; so darf ich wohl in diesem Falle sagen, dass Arbeitslohn und Rente gefallen, und die Gewinnste gestiegen seien, obgleich in Folge des Ueberflusses an Gütern der Antheil der <38> Arbeiter und Grundherren im Verhältnisse von 25 zu 44 gestiegen ist.

Weil die Warenmenge sich verdoppelt hat, kann nun für 22 das gekauft werden, was früher 44 gekostet hat.

Der Arbeitslohn ist nach seinem Sachwerthe, nämlich nach der Menge von Arbeit und Kapital anzuschlagen, welche angewendet wurden, um ihn hervorzubringen, und nicht nach dem Nennwerthe, nämlich in Kleidern, Hüten, Geld oder Getreide. Unter den angenommenen Umständen würden die Güter auf die Hälfte ihres früheren Tauschwerthes, und wenn das Geld seinen Tauschwerth nicht verändert hätte, ebenso auf die Hälfte ihres früheren Preises gesunken sein. Wenn nun nach diesem Schätzungsmittel, das sich in seinem Werthe nicht verändert hat, gefunden würde, dass der Arbeitslohn gefallen sei, so würde dies nicht im Geringsten ein Fallen dem Sachwerthe nach sein, denn derselbe würde dem Arbeiter eine grössere Menge wohlfeiler Güter liefern, als sein früherer Lohn.

Die Veränderung im Tauschwerthe des Geldes, wenn sie auch gross wäre, bewirkt keine Veränderung im Gewinnstsatze. Denn, gesetzt, die Güter des Gewerbsuntemehmers steigen von 1000 auf 2000 £ oder um 100 %, so wird, wenn sein Kapital, worauf die Veränderungen im Tauschwerthe des Geldes so viel Einfluss haben als auf den Tauschwerth des ganzen Erzeugnisses, wenn seine Maschinen, Werkgebäude und sein Gewerbsvermögen ebenfells um 100 % steigen, sein Gewinnstsatz derselbe verbleiben und der Unternehmer wird dieselbe Menge und nicht mehr von dem Erzeugnisse der Arbeit des Landes zu Gebote haben.

Kann derselbe mit einem Kapitale von gegebenem Tauschwerthe durch Erspamiss an Arbeit die Menge seiner Erzeugnisse verdoppeln, und sinken diese auf die Hälfte ihres früheren Preises, so werden sie im nämlichen Verhältnisse zu dem Kapitale, das sie hervorbrachte, stehen, wie zuvor, und die Gewinnste werden sich folglich noch auf dem nämlichen Stande befinden.

Ist durch ein zufälliges Ereigniss zur nämlichen Zeit, wann derselbe die Menge seiner Erzeugnisse bei der Anwendung desselben Kapitals verdoppelt, der Tauschwerth des Geldes um die Hälfte vermindert, so wird das Erzeugniss zu doppelt so hohem Geldwerthe verkauft werden, als zuvor; aber auch das Kapital, welches zu ihrer Hervorbringung verwendet ist, wird den zwei <39> fachen Geldwerth gegen früher haben, und desshalb wird in diesem Falle der Tauschwerth der Erzeugnisse auch im nämlichen Verhältnisse zum Tauschwerthe des Kapitals stehen wie vorher. Und wenn gleich das Erzeugniss doppelt so gross ist, so wird die Rente, der Arbeitslohn und der Gewinn sich nur so weit verändern, als die Verhältnisse, nach welchen dieses doppelt so grosse Erzeugniss unter die drei Klassen, die daran Antheil nehmen, vertheilt wird. <40>


1. Buch I. Hauptst. 5.

2. »Allein wenn auch die Arbeit der wirklich Maassstab des Tauschwerthes aller Güter ist, so ist sie doch nicht derjenige, wonach der Tauschwerth derselben gemeiniglich geschätzt wird. Es ist oft schwierig, das Verhältniss zwischen zwei verschiedenen Mengen von Arbeit zu bestimmen. Die Zeit, welche auf zwei verschiedene Arten von Werken verwendet wurde, vermag nicht immer allein dieses Verhältniss zu bestimmen. Die verschiedenen Grade der bestandenen Mühseligkeit und der entwickelten Geschicklichkeit müssen gleichfalls in Berechnung gezogen werden. So kann mehr Arbeit in dem beschwerlichen Werke von einer Stunde, als dem leichten von zwei Stunden, oder in einer Stunde Beschäftigung in einem Gewerbe, welches 10 Lehrjahre voraussetzt, mehr, als in einem monatlichen Gewerbsfleisse bei einem gewöhnlichen leichten Geschäfte enthalten sein. Inzwischen ist es nicht leicht, ein genaues Maass zu finden, sei es in der Mühseeligkeit oder Geschicklichkeit. In der That, man gibt auch bei dem gegenseitigen Umtausche verschiedener Erzeugnisse verschiedener Arten von Arbeit gemeiniglich für beide etwas ab und zu. Man findet sich ab, nicht nach einem genauen Maassstabe, sondern durch Dingen und Feilschen auf dem Markte, nach einer gewissen Art von roher Gleichheit, welche, wenn auch nicht genau, doch hinreichend ist, um die Geschäfte des gemeinen Lebens zu führen.« - Natur und Ursachen des Wohlstandes der Völker. Buch I. Hauptst. 10. Tippfehler: Smith 1.5.48

3. Natur und Ursachen des Wohlstandes der Völker. Buch I. Hauptstück 10. Smith 1.10.200

4. Eine nicht wesentliche Eintheilung, bei welcher auch die Grenzlinie nicht genau gezogen werden kann.

5. Man ersieht hieraus, woher es kommt, dass alte Länder beständig Maschinenwesen anwenden müssen und neue Länder Arbeit verwenden. Mit einer jeden Schwierigkeit bei Versorgung der Menschen mit dem Lebensunierhalte steigt natürlich die Arbeit im Tauschwerthe, und mit jeder Preiserhöhung für die Arbeit entstehen neue Versuchungen, Maschinen in Anwendung zu bringen. Diese Schwierigkeit der Versorgung der Menschen mit dem Lebensunterhalte ist beständig wirksam in alten Ländern, in neuen Ländern dagegen kann eine sehr starke Bevölkerungszunahme stattfinden, ohne die geringste Erhöhung des Arbeitslohns. Es kann ebenso leicht sein, die 7., 8. und 9. Million Menschen wie die 2., 3. und 4. Million zu versorgen.

6. Malthus bemerkt über diese Lehre: »Wir haben in der That die Macht, nach Willkür die Arbeit, welche auf ein Gut verwendet worden ist, dessen wirklichen Werth zu nennen, allein dadurch gebrauchen wir Wörter in einem anderen Sinne, als in welchem sie üblicher Weise gebraucht werden; wir haben mit einmal die wichtige Unterscheidung zwischen Kosten und Werth, und machen es fast unmöglich, mit Klarheit den eigentlichen Antrieb zur Hervorbringung von Vermögen darzulegen, welcher in der That von dieser Unterscheidung abhängt.« Malthus scheint zu denken, es gehöre zu meiner Lehre, dass Kosten und Tauschwerth eines Gutes Eins und dasselbe seien. Es ist so, wenn er mit dem Worte Kosten »die Hervorbringungskosten« einschltesslich der Gewinnste meint. Allein in vorstehender Stelle meint er es nicht so und desshalb hat er mich nicht klar verstanden.