Siebenundzwanzigstes Hauptstück. Vom Umlaufsmittel (Currency) und Von den Banken.

So viel ist bereits über Umlaufsmittel geschrieben worden, dass unter Denjenigen, welche solchen Gegenständen ihre Aufmerksamkeit widmen, nur die Befangenen mit den wahren Grundgesetzen desselben unbekannt sind. Ich werde daher nur eine kurze Uebersicht über einige von den allgemeinen Gesetzen geben, welche dessen Menge und Tauschwerth bestimmen.

Gold und Silber haben, wie alle anderen Waaren, nur Tauschwerth im Verhältnisse der Arbeitsmenge, welche erforderlich ist; um sie hervor und auf den Markt zu bringen. Gold ist ungefähr funfzehnmal theurer als Silber, nicht weil eine grössere Nachfrage danach stattfindet, noch weil das Angebot an Silber funfzehnmal grösser ist als an Gold, sondern einzig und allein, weil eine funfzehnmal so grosse Arbeitsmenge erforderlich ist, um sich eine gegebene Menge davon zu verschaffen.

Die Menge Geld, welche in einem Lande angewendet werden kann, muss von seinem Tauschwerthe abhängen: Wäre Gold allein für den Güterumlauf verwendet, so würde nur ein Funfzehntheil von derjenigen Menge erforderlich sein, welche nothwendig wäre, wenn man zu dem nämlichen Zwecke vom Silber Gebrauch machte.

Ein Geldumlauf kann nie so reichlich sein, dass es eine Ueberfüllung gäbe; denn, setzt man seinen Tauschwerth herab, <321> so vermehrt man im nämlichen Verhältnisse seine Menge, und erhöhet man dessen Tauschwerth, so verringert man seine Menge.

So lange der Staat Geld münzt und keinen Schlagschatz darauf schlägt, bleibt das Geld auf demselben Tauschwerthe, wie jedes andere Stück des nämlichen Metalls von gleichem Gewichte und Feingehalte; wenn aber der Staat für die Münzung einen Schlagschatz erhebt, so übersteigt das gemünzte Geldstück allgemeinhin den Tauschwerth des ungemünzten Metallstückes um den ganzen Betrag des erhobenen Schlagschatzes, weil eine grössere Arbeitsmenge, oder, was dasselbe ist, der Tauschwerth des Erzeugnisses einer grösseren Arbeitsmenge erforderlich ist, um es sich zu verschaffen.

So lange der Staat allein münzt, kann es für diese Last des Schlagschatzes keine Grenze geben; denn durch Beschränkung der Münzmenge kann die Münze auf jeden denkbaren Tauschwerth gesteigert werden.

Dies ist das Grundgesetz, auf dem der Umlauf des Papiergeldes beruht; die ganze Ausgabe für Papiergeld kann als Schlagschatz betrachtet werden. Obschon dasselbe keinen inneren Werth hat, so ist dennoch sein Tauschwerth, wenn man seine Menge beschränkt, so gross wie jener einer Münze von gleicher Benennung oder des Metalls in dieser Münze. Nach dem nämlichen Grundgesetze würde auch, namentlich bei einer Beschränkung ihrer Menge, eine geringhaltige Münze zu dem Tauschwerthe umlaufen, den sie haben müsste, wenn sie das Gewicht und die gesetzliche Feinheit hätte, und nicht nach dem Tauschwerthe der Menge von Metall, welclie sie wirklich enthielte. In der Geschichte des brittischen Münzwesens finden wir übereinstimmend hiemit bestätigt, dass das Umlaufsmittel niemals in demselben Verhältnisse entwerthet, als es geringhaltig war; die Ursache hievon war, dass es niemals im Verhältnisse zu seinem verringerten inneren Werthe vermehrt wurde.1

Kein Punkt ist bei der Einführung von Papiergeld wichtiger, als ganz von den Folgen durchdrungen zu sein, welche <322> aus dem Grundgesetze der Beschränkung der Menge hervorgehen. Man wird nach fünfzig Jahren von jetzt an kaum glauben, dass die Bankdirektoren und -Beamten in unserer Zeit im Parlamente und vor den Parlamentsausschüssen ernstlich behauptet haben, dass die Umsetzungen von Banknoten durch die Bank von England, wie ungehindert durch eine etwaige Befugniss der Noteninhaber, gegen die Noten Münze oder Barren zu verlangen, sie auch geschähen, gar keinen Einfluss auf die Preise der Waaren, Barren oder ausländischen Wechsel hätten, noch auch nur haben könnten.

Nach der Errichtung von Banken hat der Staat nicht mehr allein die Macht zu münzen oder Geld in Umlauf zu setzen. Das Umlaufsmittel kann in Wirklichkeit durch Papier ebenso gut wie durch Münze vermehrt werden; so dass, wenn ein Staat damit umginge, sein Geld zu verschlechtern und dessen Menge zu verringern, er dessen Tauschwerth nicht halten könnte, weil die Banken eine gleiche Macht haben würden, zu der Gesammtmenge von Umlaufsmitteln noch das Ihrige hinzuzufügen.

Aus diesen Grundgesetzen wird man ersehen, dass das Papiergeld, um ihm seinen Tauschwerth zu sichern, keineswegs in Baarschaft zahlbar zu sein braucht; es ist blos nothwendig, dass seine Menge nach dem Tauschwerthe des Metalles geregelt werde, welches zum Grund- und Richtmaassstabe desselben erklärt ist. Wäre dieser Maassstab Gold von gegebenem Gewichte und Feingehalte, so könnte das Papiergeld mit jedem Sinken des Tauschwerthes des Goldes, oder, was den Wirkungen nach Eines und dasselbe ist, mit jedem Steigen der Güterpreise vermehrt werden.

»Durch Umsetzung einer zu grossen Menge von Papiergeld,« sagt Dr. Smith, »deren Ueberfluss beständig auf der Rückkehr war, um gegen Gold und Silber eingewechselt zu werden, war die Bank von England mehrere Jahre hinter einander genöthigt, jährlich für zwischen achtmalhunderttausend und einer Million, oder im Durchschnitte ungefähr achtmalhundertfünfzigtausend Pfund Sterling Gold zu münzen. Zum Behufe dieser grossen Münzung war die Bank, in Folge des abgenutzten und herabgesetzten Zustandes, in welchen die Goldmünze seit einigen Jahren verfallen war, häufig genöthigt, ungemünztes Gold zu dem hohen Preise von vier Pfund Sterling für die Unze zu <323> kaufen, welches sie alsbald nachher in Münzen zu 3 £ 17 sh. 10 1 / 2 d. für die Unze umsetzte, so dass sie auf diese Weise zwei und ein halb und drei % an der Münzung einer so sehr grossen Summe verlor. Obgleich nun also die Bank keinen Schlagschatz bezahlte, obgleich die Regirung eigentlich die Kosten der Münzung trug, so vermochte die Freigebigkeit der Regirung dennoch die Ausgaben der Bank nicht ganz zu verhüten.«2

Nach dem oben angegebenen Grundgesetze scheint es mir ganz klar zu sein, dass, wenn man das so zurückgekommene Papiergeld nicht wieder in Umlauf gesetzt hätte, der Tauschwerth des gesammten Umlaufsmittels, des herabgesetzten wie auch der neuen Goldmünze, wieder gehoben worden wäre, worauf alle Nachfrage bei der Bank aufgehört haben würde.

Buchanan jedoch ist nicht dieser Meinung, denn er sagt: »die grosse Ausgabe, welcher die Bank zu jener Zeit ausgesetzt war, wurde veranlasst, nicht, wie Dr. Smith sich vorzustellen scheint, durch ein unkluges Umsetzen von Papiergeld, sondern durch den verschlechterten Zustand des Umlaufsmittels und den daraus hervorgehenden hohen Preis der Barren. Die Bank war, man wird dies bemerken, da sie keinen anderen Weg hatte, um sich Guineen zu verschaffen, als Barren zum Behufe der Ausprägung zur Münzstätte zu schicken, immer gezwungen, neu gemünzte Guineen gegen die zurückgekommenen Noten umzusetzen; und da nun das Umlaufsmittel allgemein im Gewichte mangelhaft und der Preis der Barren verhältnissmässig hoch war, so wurde es vortheilhaft, diese vollwichtigen Guineen gegen das Bankpapier aus der Bank zu ziehen, sie in Barren umzuschmelzen und mit Gewinn wieder gegen Bankpapier zu verkaufen, um dieses dann hinterher zur Bank gegen neues Angebot von Guineen zurück zu bringen, welche man alsdann abermals schmolz und als Barren verkaufte. Diesem Ablaufe von Baarschaft muss die Bank immer ausgesetzt sein, so lange das Umlaufsmittel im Gewichte mangelhaft ist, da aus dem beständigen Umtausche von Papier gegen Baarschaft ein leichter und zugleich sicherer Gewinnst entspringt. Es kann indessen bemerkt werden, dass, welcher Unbequemlichkeit und Ausgabe die Bank durch den Abzug ihrer Baarschaft damals auch ausgesetzt war, man es doch niemals für noth <324> wendig erachtete, die Verpflichtung, für ihre Noten Geld zu zahlen, aufzuheben.«

Buchanan meint offenbar, das gesammte Umlaufsmittel müsse nothwendiger Weise auf den Gleichstand mit dem Tauschwerthe der verschlechterten Geldstücke zurück gebracht werden; allein sicherlich kann durch Verminderung der Menge des Umlaufsmittels die Gesammtmasse, welche übrig bleibt, bis auf den Tauschwerth der besten Geldstücke erhöht werden.

Dr. Smith scheint sein eigenes Grundgesetz in seinen Ansichten über das Kolonialumlaufsmittel vergessen zu haben. Anstatt die Entwerthung dieses Papiergeldes dem zu grossen Ueberflusse daran zuzuschreiben, frägt er, ob, wenn man die Versicherung der Kolonien für dieses Papiergeld als vollkommen gut zugebe, hundert Pfund Sterling, die nach fünfzehn Jahren, von jetzt an gerechnet, zahlbar seien, gleichen Tauschwerth wie hundert Pfund hätten, die man sogleich bezahle? Ich antworte Ja, wenn das Papiergeld nicht in zu grosser Fülle vorhanden ist.

Die Erfahrung zeigt übrigens, dass weder ein Staat noch eine Bank jemals die unbeschränkte Macht Papiergeld in Umlauf zu setzen, gehabt hat, ohne dieselben zu missbrauchen: in allen Staaten sollte daher die Umsetzung von Papiergeld einer Beschränkung und Aufsicht unterworfen sein; und nichts scheint hiezu so geeignet zu sein, als dass man die Umsetzer von Papiergeld der Verbindlichkeit, ihre Noten entweder in Goldmünzen oder Goldbarren zu bezahlen, unterwerfe.

3 [»Das Publikum gegen jede andere Veränderungen in dem Tauschwerthe des Umlaufsmittels sichern, als diejenigen sind, welchen der Maassstab desselben selbst unterworfen ist, und zu gleicher Zeit den Güterumlauf mit einem wenigst kostspieligen Umlaufsmittel besorgen, heisst den vollkommensten Zustand erreichen, in den ein Umlaufsmitlel gebracht werden kann, und wir würden alle diese Vortheile besitzen, wenn wir die Bank <325> zur Einlösung ihrer Noten mit ungemünztem Golde oder Silber nach dem Gewichte und Preise in der Münzstätte, anstatt mit Guineen verpflichteten; durch dieses Mittel würde man verhüten, dass das Papier jemals unter den Tauschwerth der Barren falle, ohne dass zugleich eine Herabsetzung seiner Menge erfolgte. Um ein Steigen des Papiers über den Tauschwerth der Barren zu verhindern, müsste die Bank auch verpflichtet sein, ihr Papier gegen ungemünztes Gold von gesetzlichem Gewichte und Feingehalte zum Preise von 3 £ 17 sh, für die Unze auszugeben. Um der Bank nicht zu viel Verlegenheit zu bereiten, dürfte die Geldmenge, welche man bei der Bank gegen Papier zum Münzstattpreise von 3 £ 17 sh. 10 1 / 2 d. verlangen, oder die Geldmenge, welche man für Papier an die Bank zum Preise von 3 £ 17 sh. hingeben dürfte, nie weniger als zwanzig Unzen betragen. Mit anderen Worten, die Bank müsste verpflichtet sein, eine ihr angebotene Menge Goldes, die nicht weniger als zwanzig Unzen betrüge, zu 3 £ 17 sh.4 für die Unze zu kaufen, und eine ihr abgeforderte Goldmenge zu 3 £ 17 sh. 10 1 / 2 d. zu verkaufen. So lange die Bank es in ihren Händen hat, die Menge ihres Papiers zu regeln, könnte unmöglich eine Unbequemlichkeit für sie aus einer solchen Bestimmung entstehen.«

»Die vollkommenste Freiheit der Aus- und Einfuhr jeder Art von Barren müsste zu gleicher Zeit gestattet sein. Diese Geschäfte in Barren würden von sehr geringer Anzahl sein, wenn die Bank ihre Darleihen und Papierumsetzungen nach der von mir öfters erwähnten Richtschnur, nämlich nach dem Preise der Barren von gesetzlichem Gewichte und Feingehalte regelte, <326> ohne auf die Menge von Papier an sich, die im Umlauf ist, zu sehen.«

»Der Zweck, welchen ich im Auge habe, würde in hohem Grade erreicht werden, wenn die Bank verbunden wäre, ihre Noten gegen ungemünztes Metall von gesetzlichem Gewichte und Feingehalte und zum Münzstattpreise einzulösen, obschon sie sich nicht in der Nothwendigkeit befände, eine ihr angebotene Metallmenge um die festzusetzenden Preise anzukaufen, besonders wenn die Münzstätte dem Publikum zur Ausprägung von Geld immer offen stände: denn diese Bestimmung ist hauptsächlich nur vorgeschlagen, um zu verhindern, dass der Tauschwerth des Geldes von jenem der Barren um mehr abweiche, als um den kleinen Unterschied zwischen den Preisen, zu denen die Bank kaufen und verkaufen müsste, - was eine Annäherung zu derjenigen Gleichförmigkeit in seinem Tauschwerthe sein würde, welche als so wünschenswerth anerkannt ist.«

»Würde die Bank die Menge ihres Papiers launenhaft beschränken, so würde sie dessen Tauschwerth steigern; und es könnte scheinen, als ob das Gold unter die Grenzen falle, zu denen ich vorgeschlagen habe, dass es die Bank kaufen solle. Das Gold könnte in diesem Falle zur Münzstätte gebracht werden und das von dort zurückbekommene Geld würde, wenn es in Umlauf gekommen wäre, dessen Tauschwerth verringern und hernach wieder dem gesetzlichen Maassstabe gleichstellen; allein dies würde weder so gefahrlos, noch so wohlfeil, noch so leicht geschehen, wie durch die Mittel, welche ich vorgeschlagen habe und gegen welche die Bank keine Einwendung zu machen haben kann, da es zu ihrem eigenen Vortheile gereicht, den Umlauf lieber selbst mit Papier zu versehen, als andere zu verpflichten, denselben mit Münzen zu versorgen.«

»Unter einem solchen Systeme und mit einem so eingerichteten Umlaufsmittel würde die Bank keinerlei Verlegenheit ausgesetzt sein, ausgenommen bei denjenigen ausserordentlichen Ereignissen, wann ein allgemeiner panischer Schrecken das Land befangen hält, und wann Jedermann nach dem Besitze von Edelmetall als dem geeignetsten Mittel, sein Eigenthum zu sichern oder zu verbergen, strebt. Gegen solche Schrecknisse haben die Banken in keinem Systeme eine Sicherstellung; <327> sie sind denselben vermöge ihrer eigenen Nalur gerade ausgesetzt, da es zu keiner Zeit in einer Bank oder in einem Lande so viel baare Münze oder Barren geben kann, als die Geldliebhaber eines solchen Landes zu fordern berechtigt sind. Zöge Jedermann an ein und demselben Tage sein Guthaben aus den Händen seines Bankers zurück, so würde eine Menge von Banknoten, die vielmal grösser wäre als die im Umlauf befindliche, unzureichend sein, um solch' eine Nachfrage zu befriedigen. Ein Schreckniss dieser Art war die Ursache der Krisis vom Jahre 1797; und keineswegs, wie man angenommen hat, die grossen Vorschüsse, welche die Bank der Regirung gemacht hatte. Weder die Bank noch die Regirung verdienten in jener Zeit Vorwürfe; es war die Ansteckung des furchtsamen Theils der Bevölkerung von der ungegründeten Furcht, was den Anlauf zur Bank veranlasste, und derselbe würde auch ebenso Statt gefunden haben, wenn die Bank der Regirung gar keine Vorschüsse gemacht und zweimal soviel Kapital, als gegenwärtig gehabt hätte. Hätte die Bank mit ihren Baarzahlungen fortgefahren, so würde sich wahrscheinlich der Schrecken schon gelegt haben, ehe ihr Münzvorrath erschöpft gewesen wäre.«

»Bei der bekannten Ansicht der Bankdirektoren in Betreff der Regel für die Umsetzung von Papiergeld kann man sagen, dass sie ihre Vollmacht ohne grosse Rücksichtslosigkeit ausgeübt haben. Es ist klar, dass sie ihren eigenen Grundsatz mit äusserster Behutsamkeit befolgt haben. Nach dem jetzigen Stande der Gesetzgebung haben sie die Befugniss, ohne irgend eine Art von Aufsicht, ihren Geldumlauf, wie sie es geeignet finden, in beliebigem Maasse zu vermehren oder zu vermindern: eine Befugniss, welche man weder dem Staate selbst, noch irgend Jemandem in demselben zugestehen sollte, da keine Sicherheit für die Gleichförmigkeit des Tauschwerths des Umlaufsmittels vorhanden sein kann, wann dessen Vermehrung und Verringerung einzig und allein von dem Willen der Umsetzer desselben abhängt. Dass die Bank die Befugniss habe, den Geldumlauf auf die engsten Grenzen zu beschränken, wird nicht geleugnet, selbst nicht von denjenigen, welche mit den Bankdirektoren in der Meinung übereinstimmen, sie seien nicht befugt, dessen Menge ohne Grenzen zu vermehren. Obschon ich fest über <328> zeugt bin, dass es sowohl dem Interesse als dem Wunsche der Bank zuwider ist, von dieser Befugniss zum Nachtbeile des Publikums Gebrauch zu machen, so kann ich doch, wenn ich die schädlichen Folgen betrachte, welche aus einer plötzlichen und starken Verminderung des Geldumlaufs, sowie auch aus einer starken Vermehrung desselben hervorgehen könnten, nicht umhin, die Leichtigkeit zu bedauern, womit der Staat der Bank die Waffe eines so furchtbaren Vorrechtes in die Hand gegeben hat. «

»Die Unbequemlichkeit, welcher die Landbanken vor der Einstellung der Baarzahlungen unterworfen waren, muss zu Zeiten sehr gross gewesen sein. Zu allen Zeiten der Unruhe oder auch nur der Erwartung von Unruhe musslen sie sich in die Nothwendigkeit versetzt sehen, sich mit Guineen zu versorgen, um für jeden Bedarf vorbereitet zu sein, der sich einstellen könnte. Bei diesen Gelegenheiten erhielt man bei der Bank Guineen für die grösseren Noten, und Guineen wurden den Landbanken auf eigene Kosten und Gefahr durch vertraute Geschäftsführer zugeschickt. Nachdem sie so all' diese Dienste, zu denen sie bestimmt waren, geleistet hatten, wandten sie ihren Weg wieder nach London und wurden aller Wahrscheinlichkeit nach wieder in der Bank untergebracht, vorausgesetzt, dass sie keinen solchen Gewichtsverlust erlitten hatten, dass sie unter der gesetzlichen Währung standen.«

»Würde der nun vorgeschlagene Plan, die Banknoten in Barren zu zahlen, angenommen, so würde es erforderlich sein, entweder dasselbe Vorrecht auch auf die Landbanken auszudehnen, oder die Banknoten zum gesetzlichen Zahlungsmittel zu machen , in welchem letzteren Falle es keine Aenderung in dem Gesetze in Betreff der Landbanken geben würde, da sie, gerade wie jetzt schon, ihre Noten, auf Verlangen, mit Noten der Bank von England bezahlen müssten.«

»Das Ersparniss würde beträchtlich sein, welches Statt finden würde, wenn die Guineen nicht dem Gewichtsverluste zufolge der Reibung unterworfen wären, welche sie auf ihren wiederholten Reisen erleiden müssen, so wie wenn die Versendungskosten aufhörten; allein bei weitem der grösste Vortheil würde, was die kleineren Zahlungen betrifft, daraus hervor <329> gehen, dass man den Umlauf des Landes, sowie auch Londons mit Papier, diesem sehr wohlfeilen, anstatt mit Gold, diesem sehr werthvollen Zahlmittel besorgte, und dadurch das Land in Stand setzte, alle Vortheile zu gemessen, welche man aus der hervorbringenden Anwendung eines Kapitals von diesem Betrage erlangen kann. Wir dürften sicherlich nicht zu entschuldigen sein, wenn wir einen so entschiedenen Vortheil abweisen würden, es sei denn, dass bestimmte besondere Nachtheile nachgewiesen werden könnten, welche aus der Einführung des wohlfeileren Zahlungsmittels wahrscheinlich gleichfalls hervorgehen würden.«]

Ein Umlaufsmittel ist in seinem vollkommensten Zustande, wenn es ganz aus Papiergeld besteht, aber aus Papiergeld von gleichem Tauschwerthe wie das Gold, als dessen Vertreter es sich bekennt. Der Gebrauch von Papier anstatt von Gold setzt an die Stelle des kostspieligsten Umlaufsmittels das wohlfeilste und setzt das Land in Stand, ohne Verlust für die Einzelnen, alles Gold, das es vorher hiezu verwendete, für Rohstoffe, Geräthschaften und Nahrungsmittel umzutauschen, wodurch sowohl sein Vermögen als auch seine Genüsse vermehrt werden.

Aus dem Gesichtspunkte des ganzen Volkes betrachtet, ist es nicht von Wichtigkeit, ob die Regirung oder die Bank dieses gut eingerichtete Papiergeld ausgibt; es wird im Ganzen das Volksvermögen in gleichem Maasse vermehren, ob es nun von der Einen oder Anderen aus in Umlauf gesetzt ist; aber anders verhält es sich mit Bezug auf das Interesse der Einzelnen. In einem Lande, wo der Zinsfuss 7 % beträgt, und wo der Staat jährlich für eine besondere Ausgabe 70,000 £ bedarf, ist es eine Frage von Bedeutung für die einzelnen Landesbewohner, ob sie jährlich zum Behufe der Zahlung dieser 70,000 £ besteuert werden müssen, oder ob sie diese Summe ohne Steuern aufbringen können. Gesetzt, es sei eine Million erforderlich, um eine Expedition auszurüsten. Gäbe der Staat eine Million Papiergeld aus und zöge dafür eine Million Münze zurück, so würde dieselbe ohne irgend eine Last für das Volk ausgerüstet werden; gäbe aber die Bank eine Million Papier aus und borgte sie der Regirung jene Million zu 7 % Zinsen, indem sie eine Million Münze aus dem Umlaufe zöge, so würde das <330> Land mit einer beständigen Auflage von jährlich 70.000 £ belastet sein; das Volk würde die Steuer entrichten, die Bank würde sie empfangen, und die Gesellschaft würde in beiden Fällen so reich bleiben, als wie zuvor; die Expedition würde durch eine Verbesserung unseres Systems wirklich ausgerüstet werden, indem wir nämlich ein Kapital vom Tauschwerthe einer Million in Gestalt von Waaren hervorbringend machten, anstatt es in Gestalt von Münzen nichthervorbringend liegen zu lassen; allein der Vortheil würde immer zu Gunsten der Umsetzer der Papiere sein; und insofern der Staat das Volk vertritt, würde das Volk die Steuer gespart haben, wenn der Staat und nicht die Bank jene Million in Umlauf gesetzt hätte.

Ich habe bereits bemerkt, es würde, wenn eine vollständige Sicherheit vor dem Missbrauche der Befugniss zur Umsetzung von Papiergeld vorhanden wäre, in Rücksicht auf das Volksvermögen im Ganzen ganz gleichgiltig sein, wer dasselbe in Umlauf setzte; und nun habe ich gezeigt, das Interesse des Publikums verlange geradezu, dass es der Staat, und keine Gesellschaft von Handelsleuten und Bankern umsetze. Allein die Gefahr hiebei ist, dass diese Befugniss wahrscheinlich eher missbraucht würde, wenn sie in der Hand der Regirung, als wenn sie in den Händen einer Bankgesellschaft wäre. Eine Gesellschaft, sagt man, würde mehr unter der Aufsicht der Gesetze stehen, und, wenngleich es ihr Interesse sein könnte, ihre Umsetzungen über die geziemenden Grenzen hinaus auszudehnen, so würde sie doch darin, durch die Befugniss der Einzelnen, für die Noten Barren oder Münzen zu fordern, beschränkt und zurückgehalten werden. Man befürchtet, dieses Hinderniss möchte nicht lange beachtet bleiben, wenn die Regirung das ausschliessliche Becht des Papiergeldumsatzes hätte; die Regirung sei nur zu geeignet, mehr die Bequemlichkeit der Gegenwart als die Sicherheit der Zukunft in Betracht zu ziehen, und könnte daher aus den angeführten Gründen der leicht füglichen Ausführung nur zu sehr geneigt sein, diese Hindernisse, durch deren Höhe ihre Papiergeldumsätze unter Aufsicht gehalten würden, zu entfernen.

Unter einer willkürlichen Herrschaft würde diese Einwendung ein grosses Gewicht haben, aber in einem freien Staate, <331> mit aufgeklärter Gesetzgebung, könnte man, unter den erforderlichen Schranken der Einlösbarkeit der Noten auf beliebiges Verlangen der Inhaber, ohne Gefahr die Befugniss, Papiergeld in Umlauf zu setzen, in die Hände von Beamten, die zu diesem besonderen Zwecke ausgesucht und angestellt wären, legen und diese könnten sogar von der Aufsicht der Minister ganz unabhängig gestellt werden.

Der Tilgfond der Staatsschuld wird von Beamten verwaltet, die nur dem Parlamente verantwortlich sind, und die Verwendung des ihrer Thätigkeit anvertrauten Geldes geht mit der äussersten Regelmässigkeit vor sich; welcher Grund kann nun wohl vorhanden sein, zu zweifeln, ob die Papiergeldumsätze mit gleicher Treue geleitet würden, wenn sie unter eine ähnliche Verwaltung gestellt wären?

Bei der »Tilgung« der Staatsschuld hat Smith hellsichtiger geurteilt ( quelle ).

Man kann wohl sagen, wenngleich der dem Staate, und folglich dem Publikum aus der Umsetzung von Papiergeld erwachsende Vortheil hinlänglich einleuchtend sei, in so fern dadurch ein Theil der Staatsschuld, wofür das Volk Zinsen zahle, in eine unverzinsliche Schuld verwandelt werde, so würde dies doch für den Handel nachtheilig sein, in so fern dadurch den Handelsleuten die Gelegenheit benommen werde, Geld zu erborgen und ihre Wechsel bezahlt zu erhalten, eine Art und Weise, auf welche zum Theile auch Banknoten in Umlauf gesetzt würden.

Dies heisst indessen annehmen, es könne kein Geld erborgt werden, wenn die Bank es nicht darleihe, und der Zinsfuss und Gewinn hänge vom Betrage der Geldumsetzungen und von dem Kanale ab, durch den dasselbe in Umlauf gesetzt werde. Allein sowie ein Land keinen Mangel an Kleidern, Wein oder sonst einem Gute haben wird, wenn es die Mittel hat, sie zu bezahlen, gerade ebenso würde kein Mangel an darzuleihendem Gelde entstehen, wenn die Geldsuchenden gute Versicherung darböten und bereit waren, den üblichen Verkehrszinsfuss dafür zu bezahlen.

In einem anderen Theile dieses Werkes habe ich zu zeigen gesucht, dass der wirkliche Tauschwerth eines Gutes nicht bestimmt wird durch die zufälligen Vortheile, welche von Einigen seiner Hervorbringer genossen werden, sondern durch die wirk <332> lichen Schwierigkeiten, welche sich dem am wenigsten begünstigten Hervorbringer entgegenstellen. So ist es in Rücksicht des Zinses von Gelddarleihen; dieser wird nicht durch den Zinsfuss, zu welchem die Bank borgt, sei er nun 5, 4 oder 3 %, bestimmt, sondern durch den Gewinnstsatz, welcher durch die Kapitalanwendung bezogen werden kann und von der Menge oder dem Tauschwerthe des Geldes völlig unabhängig ist.

Der Zins in Geld wird durch den Mehrwert bestimmt. Der Zinssatz wird bestimmt durch die durchschnittliche Profitrate aller in einer Periode erwirtschafteten Mehrwerte, sodass der individuelle Profit mit dem allgemeinen Zinsfuß multipliziert, die Masse des Zinses ist. Die ist natürlich erheblich geringer, als sie die Wucherer seit Menschengedenken fordern, wie es Ricardo hier auch andeutet.

Mag die Bank eine, zehn oder hundert Millionen borgen, sie wird dadurch den üblichen Verkehrszinsfuss nicht auf die Dauer verändern; sie wird nur den Tauschwerth des Geldes, welches auf diese Weise in Umlauf käme, abändern. In einem Falle könnte zehn oder zwanzigmal mehr Geld erforderlich sein, um das nämliche Geschäft zu betreiben, als in dem anderen Falle von Nöthen wäre. Die Geldgesuche bei der Bank hängen also von der Vergleichung zwischen dem Gewinnstsatze, welcher aus der Anwendung des Geldes bezogen werden kann, und demjenigen Zinssatze ab, zu welchem es die Bank herzuleihen Willens ist. Verlangt sie weniger als den Verkehrszinsfuss, so gibt es keinen Betrag von Geld, den sie nicht anbringen könnte, - nimmt sie aber mehr Zins, als den gewöhnlichen Verkehrszinsfuss, so werden sich nur Lumpen und Verschwender finden, um bei ihr Geld zu leihen. Demgemäss finden wir, dass, wann der gemeine Zinsfuss 5 % übersteigt, um welche die Bank gemeiniglich Darleihen gibt, das Discontamt mit Geldsuchenden belagert ist, und im Gegentheile, wann der gemeine Zinsfuss zeitweise unter 5 % steht, die Verwalter dieses Amts keine Beschäftigung haben.

Der Grund daher, warum man sagt, dass die Bank in den letzten zwanzig Jahren den Handel so sehr unterstützt habe, indem sie den Handelsleuten mit Geld ausgeholfen habe, ist der, weil sie während jenes ganzen Zeitabschnittes Geld unter dem gemeinen Zinsfusse, unter dem Zinssatze vorgeschossen hat, zu welchem es die Handelsleute sonstwo geborgt bekommen konnten; allein ich gestehe, dies scheint mir eher eine Einwendung gegen diese Anstalt, als ein Beweis für dieselbe zu sein.

Was dürften wir von einer Anstalt sagen, welche regelmässig die Hälfte der Tuchmacher mit ihrer Wolle unter dem <333> Marktpreise versorgte? Von welchem Nutzen würde sie für das Gemeinwesen sein? Sie würde unseren Handel nicht erweitern, weil die Wolle gleichfalls gekauft worden wäre, wenn sie auch den Marktpreis dafür verlangt hätte. Sie würde den Preis des Tuches für den Verbraucher nicht verringern, weil der Preis, wie ich vorher gesagt habe, sich nach den Hervorbringungskosten auf Seiten der am wenigst begünstigten Hervorbringer richtet. Die einzige Wirkung würde denn also sein, dass sie die Gewinnste eines Theiles der Tuchmacher über den allgemeinen und gewöhnlichen Gewinnslsatz anschwellte. Die Anstalt würde um ihre gebührenden Gewinnste gebracht und ein anderer Theil des Gemeinwesens in demselben Grade bevortheilt werden. Dies nun ist ganz die Wirkung unserer Bankanstalten; ein Zinsfuss ist vom Gesetze festgestellt, der unter demjenigen steht, zu welchem man auf dem Geldmarkte Anleihen bekommen kann, und zu diesem Zinsfusse ist die Bank gehalten zu borgen oder sie muss es ganz bleiben lassen. Nach der Natur ihrer Einrichtung besitzt sie ungeheure Mittel, über welche sie nur auf diesem Wege verfügen kann; und ein Theil der Handelsleute des Landes geniessen unbilliger Weise und zum Nachtheile des Landes den Vortheil, indem sie in Stand gesetzt sind, sich mit einem Geschäftsmittel unter weniger Aufopferung zu versorgen, als diejenigen, welche blos unter dem Einflusse des Marktpreises stehen.

Das gesammte Gewerbswesen, welches das ganze Volk betreiben kann, hängt von der Menge Kapital, d. h. Rohstoffe, Maschinen, Nahrungsmittel, Schiffen u. s. w. ab, welche in der Hervorbringung verwendet werden. Nachdem ein gut bestelltes Papiergeld in Umlauf gesetzt ist, können jene Dinge durch Bankgeschäfte weder vermehrt noch vermindert werden. Würde nun der Staat das Papiergeld des Landes in Umlauf setzen, so würde es keine Aenderung in der Ausdehnung der Geschäfte geben, obgleich derselbe weder einen Wechsel discontiren, noch dem Publikum auch nur einen Schilling darleihen würde; denn wir würden die nämliche Menge Rohstoffe, Maschinen, Nahrungsmittel und Schiffe haben; und es ist sogar wahrscheinlich, dass die nämliche Geldsumme, nicht immer zu 5 %, dem gesetzlichen Zinsfusse, wann es unter dem Zins-Marktsatze sein kann, son <334>

dem zu 6, 7 oder 8 %, dem aus der freien Mitbewerbung auf dem Geldmarkte zwischen den An- und Darleihenden hervorgehenden Zinsfusse, ausgeliehen werden könnte.

A. Smith spricht von den Vortheilen, welche die Handelsleute von der vorzüglicheren schottischen Art, dem Handel mittelst Kassenrechnungen Erleichterung zu gewähren, vor jenen nach der englischen Art, voraus haben. Die Kassenrechnungen sind Credite, welche die schottischen Banken ihren Kunden, ausser den Wechseldiscontirungen, welche sie für dieselben besorgen, eröffnen; allein da der Banker, im Verhältnisse, als er Geld vorschiesst und auf einem Wege in Umlauf setzt, beschränkt ist, auf dem anderen Wege soviel in Umlauf zu bringen, so ist es schwer zu begreifen, worin der Vortheil besteht. Fasst der ganze Umlauf nur eine Million Papier, so wird auch nur eine Million in Umlauf gesetzt werden; und es kann in Wirklichkeit weder für den Banker noch für den Handelsmann von Wichtigkeit sein, ob dieser ganze Betrag durch Discontirung von Wechseln, oder ob nur ein Theil davon auf diese Art und der Rest mittelst der Kassenrechnungen in Umlauf kommt.

Es dürfte vielleicht nothwendig sein, einige wenige Worte über die beiden Metalle Gold und Silber, welche zum Umlaufsmittel gebraucht werden, zu sagen, besonders da diese Frage in manchem Kopfe die klaren und einfachen Grundgesetze des Umlaufsmittels zu verwirren scheint. »In England,« sagt Dr. Smith , »war Gold noch lange Zeit, nachdem es zu Geld ausgemünzt worden, nicht als gesetzliches Zahlungsmittel angesehen. Das Verhältniss zwischen den Tauschwerthen des Gold- und Silbergeldes war durch kein Staatsgesetz oder keine öffentliche Bekanntmachung festgesetzt: sondern es wurde der Feststellung durch den Geldmarkt überlassen. Wenn ein Schuldner Zahlung in Gold anbot, so konnte der Gläubiger eine solche Zahlung entweder ganz und gar zurückweisen, oder davon etwas nach einer solchen Schätzung des Goldes annehmen, auf welche er und sein Schuldner übereinkommen konnten.«5

Bei diesem Stande der Sachen ist es einleuchtend, dass eine Guinee bald 22 sh. oder mehr, bald 19 sh. oder weniger gelten konnte, denn dies hing gänzlich von der Veränderung im gegenseitigen Markttauschwerthe des Goldes und Silbers ab. <335> Dabei wurden alle Veränderungen im Tauschwerthe des Goldes, so wie auch jene im Tauschwerthe des Silbers, in Goldmünzen berechnet, - es hatte den Anschein, als ob das Silber unveränderlich und als ob nur das Gold einem Steigen und Fallen im Tauschwerthe unterworfen sei. Hienach konnte, wenngleich eine Guinee zu 22 sh. anstatt zu 18 sh. angebracht wurde, das Gold im Tauschwerthe nicht verändert sein, die Veränderung des Tauschwerthes konnte ganz auf Seite des Silbers stattgefunden haben, und folglich 22 sh. nicht mehr Tauschwerth haben als 18 sh. vorher. Und es konnte im Gegentheile auch die ganze Tauschwerthsveränderung beim Golde stattgefunden haben: eine Guinee, welche 18 sh. werth war, konnte auf den Tauschwerth von 22 sh. gestiegen sein.

Wenn wir nun den Fall setzen, das Silbergeld sei durch Beschneiden verschlechtert und noch dazu der Menge nach vermehrt worden, so könnte eine Guinee 30 sh. gelten; denn das Silber in 30 sh. von so verschlechtertem Gelde könnte von keinem grösseren Tauschwerthe sein, als das Gold in einer Guinee. Das Silbergeld würde, wenn es wieder zu seinem Tauschwerthe, den es in der Münzstätte erhielt, hergestellt würde, wieder steigen; allein es würde den Anschein haben, als ob das Gold falle, denn eine Guinee würde wahrscheinlich nicht mehr Tauschwerth haben, als 21 solcher guter Schillinge.

Ist nun Gold ebenfalls als gesetzliches Zahlungsmittel erklärt, und jedem Schuldner freigestellt, eine Schuld, durch Zahlung von 420 sh. oder 20 Guineen für jede 21 £, die er schuldet, abzutragen; so wird derselbe in dem Einen oder im Anderen abzahlen, je nachdem er seine Schuld am wohlfeilsten tilgen kann. Kann er mit fünf Quarter Weizen sich so viel ungemünztes Gold verschaffen, als die Münzstätte ihm in zwanzig Guineen ausprägt, und für den nämlichen Weizen so viel Silber im ungemünzten Zustande, als ihm die Münzstätte zu 430 sh. ausprägt, so wird er vorziehen, in Silber zu zahlen, weil er auf diese Art der Zahlung seiner Schuld mit zehn Schilling im Gewinnste sein würde. Könnte er dagegen aber mit jenem Weizen so viel Gold erlangen, als zu zwanzig und einer halben Guinee ausgeprägt würde, und nur so viel Silber, als zu 420 sh. ausgemünzt würde, so würde er natürlich die Zahlung seiner <336> Schuld in Gold vorziehen. Könnte die Menge Goldes, welche er sich so verschaffen könnte, blos zu 20 Guineen, und die Menge Silbers nur zu 420 sh. ausgemünzt werden, so würde es für ihn durchaus einerlei sein, mit was für Geld er, ob mit Gold oder Silber, seine Schuld bezahlte. Dies alles ist daher nicht Sache des Zufalls; nicht, weil Gold besser geeignet ist, den Güterumlauf eines reichen Landes zu besorgen, wird das Gold stets zum Behufe der Schuldenzahlung vorgezogen, sondern ganz einfach darum, weil es ein Interesse des Schuldners ist, seine Schulden so zu tilgen.

Vor dem Jahre 1797, dem Jahre der Einstellung der Baarzahlungen bei der Bank, war das Gold lange Zeit hindurch im Vergleiche mit Silber so wohlfeil, dass es der Bank von England und allen anderen Schuldnern nützlicher war, Gold und kein Silber auf dem Markte zu kaufen, in der Absicht, um es in die Münzstätte zu bringen, damit es ausgeprägt werde, weil sie in diesem gemünzten Metalle ihre Schulden wohlfeiler abtragen konnten. Das Silbergeld war während eines grossen Theils jener Zeit sehr verschlechtert, allein es war in einer gewissen Spärlichkeit vorhanden, und sank folglich gemäss dem Grundgesetze, das ich vorhin auseinandergesetzt habe, niemals in seinem laufenden Tauschwerthe. Obschon es so verschlechtert war, so lag es doch noch im Interesse der Schuldner, in Goldmünze zu zahlen. Wäre wirklich die Menge dieses verschlechterten Silbergeldes ausserordentlich gross gewesen, oder hätte die Münzstätte solche verschlechterte Stücke in Umlauf gesetzt, so könnte es das Interesse der Schuldner gefordert haben, in diesem verschlechterten Gelde zu zahlen; allein dessen Menge war in Schranken gehalten, es behielt seinen Tauschwerth und folglich war Gold als wirklicher Maassslab des Umlaufsmittels in Gebrauch.

Dass dem so war, ist noch nirgend geleugnet worden; allein man hat behauptet, es sei durch das Gesetz so gemacht worden, welches erklärte, dass das Silber für eine Schuld von mehr als 25 £ nicht gesetzliches Zahlmittel sein dürfe, es sei denn nach dem Gewichte, dem Münzfusse gemäss.

Allein dieses Gesetz verhinderte keinen Schuldner, seine Schuld, wenn ihr Betrag auch noch so gross gewesen wäre, in <337> Silbergeld zu bezahlen, das frisch aus der Münzstätte kam; dass der Schuldner nicht in diesem Metalle bezahlte, ist nicht Zufall noch Zwang, sondern ganz Folge freier Wahl; es sagte ihm nicht zu, Silber zur Münzstätte zu bringen, sondern Gold. Es ist wahrscheinlich, dass, wenn die in Umlauf befindliche Menge dieses verschlechterten Silbergeldes ausserordentlich gross und dabei gesetzliches Zahlungsmittel gewesen, eine Guinee wieder dreissig Schillinge werth gewesen wäre; allein dann wären es die verschlechterten Schillinge gewesen, die im Tauschwerthe fielen, und nicht die Guineen, die im Tauschwerthe stiegen.

Es ergibt sich denn also, dass wir, so lange diese beiden Metalle für Schulden von irgend einem Betrage zugleich gesetzliches Zahlungsmittel waren, einem fortwährenden Wechsel in dem Haupttauschwerthsmaasse unterworfen waren. Bald musste es Gold bald Silber sein, durchaus nach den Veränderungen im gegenseitigen Tauschwerthe der beiden Metalle, und in solchen Zeiten musste dasjenige Metall, welches nicht das Tauschwerthsmaass war, eingeschmolzen und aus dem Umlaufe gezogen werden, da sein Tauschwerth im ungemünzten Zustande grösser als in der Münzform war. Dies war ein Uebelstand, dessen Entfernung höchst wünschenswerth sein musste; aber so langsam ist der Fortschritt der Verbesserung, dass, obgleich die Nothwendigkeit davon durch Locke unwidersprechlich dargethan und von allen Schriftstellern über das Geldwesen nach ihm bezeichnet worden ist, ein besseres System nicht eingeführt wurde, bis in der Parlamentssitzung a. 1816, wo eine Parlamentsacte festsetzte, dass nur Gold gesetzliches Zahlungsmittel für Summen von mehr als vierzig Schillingen sein solle.

Dr. Smith scheint über die Wirkungen der Giltigkeit zweier Metalle als Umlaufsmittel und gesetzliches Zahlungsmittel für Schulden gewissen Betrags nicht ganz sicher gewesen zu sein; denn er sagt, »in Wirklichkeit bestimme, während des Bestandes irgend eines Verhältnisses zwischen den gegenseitigen Tauschwerthen der verschiedenen Münzmetalle, der Tauschwerth des kostbarsten Metalls den Tauschwerth sämmtlicher Münzen.«6 Weil Gold zu seiner Zeit das Zahlungsmittel war, in welchem es den Schuldnern zusagte, ihre Schulden zu berichtigen, so <338> dachte er, es habe eine gewisse innerliche Beschaffenheit dafür und bestimme immer den Tauschwerth der Silbermünze.

Bei der Umgestaltung der Goldmünzen im Jahre 1774 brachte man eine neue, frisch aus der Münzstätte kommende, Guinee nur für einundzwanzig verschlechterte Schillinge aus; dagegen zur Zeit der Regirung des Königs Wilhelm, als das Silbergeld gerade in dem nämlichen Zustande war, galt eine ebenfalls neue, frisch aus der Münzstätte kommende, Guinee dreissig Schillinge. Dazu bemerkt Buchanan : »Hier ist denn nun eine besondere Thatsache, von welcher die gewöhnlichen Theorien des Umlaufsmittels keine Erklärung geben; die Guinee gilt in einer Zeit dreissig Schillinge, ihren inneren Werth in einem verschlechterten Silbergelde, und hinterher gilt sie blos einundzwanzig solche verschlechterte Schillinge. Es ist klar, dass in der Zwischenzeit zwischen diesen beiden Zeitabschnitten mit dem Stande des Umlaufsmittels eine grosse Veränderung vorgegangen sein muss, wofür Dr. Smith's Hypothese keine Erklärung enthält.«

Mir scheint, die Schwierigkeit könne sehr einfach gelöst werden, wenn man diesen verschiedenen Stand des Tauschwerthes der Guineen in den zwei verschiedenen Zeitabschnitten mit den verschiedenen Mengen des umlaufenden verschlechterten Silbergeldes in ursachliche Verbindung setzt. Zur Zeit der Regirung des Königs Wilhelm war das Gold nicht gesetzliches Zahlungsmittel, es lief blos zu einem übereinkunftsmässigen Tauschwerthe um. Alle grossen Zahlungen wurden wahrscheinlich in Silber gemacht, besonders da man vom Papiergelde und von dem Bankgeschäfte wenig verstand. Die Menge dieses verschlechterten Silbergeldes überstieg die Menge Silbergeld, welche in Umlauf erhalten worden wäre, wenn blos verschlechtertes Geld im Gebrauch gewesen wäre; und folglich war es so gut entwerthet als verschlechtert. Dagegen überstieg in der späteren Zeit, als das Gold gesetzliches Zahlungsmittel war, auch noch Banknoten zu Zahlungen gebraucht wurden, die Menge verschlechterten Silbergeldes die Menge der frisch von der Münzstätte gekommenen Silbermünzen nicht, welche in Umlauf gewesen wären, wenn es kein verschlechtertes Silbergeld gegeben hätte; daher war das Geld, wenngleich verschlechtert, <339> doch nicht entwerthet. Buchanan 's Erklärung ist etwas anders; er ist der Meinung, ein Aushilfsumlaufsmittel sei keiner Entwerthung unterworfen, wohl aber das eigentliche Hauptumlaufsmittel. Zur Zeit der Regirung des Königs Wilhelm sei das Silber eigentliches Hauptumlaufsmittel, und der Entwerthung unterworfen gewesen. Im Jahre 1774 sei es ein Aushilfsumlaufsmittel gewesen und habe folglich seinen Tauschwerth behalten. Allein die Entwerthung hängt nicht davon ab, ob ein Umlaufsmittel blos aushilfsweises oder eigentliches Hauptzahlungsmittel ist, sondern ganz und gar davon, ob es in zu grosser Menge vorhanden ist.7

Gegen einen mässigen Schlagschatz kann nicht viel eingewendet werden, besonders bei dem Gelde, das zu kleineren Zahlungen gebraucht wird. Das Geld wird im Tauschwerthe <340> allgemeinhin um den vollen Betrag des Schlagschatzes erhöht, und desshalb ist dieser eine Auslage, welche auf keine Weise, so lange die Geldmenge nicht übermässig gross ist, diejenigen trifft, welche sie zahlen. Es ist jedoch zu bemerken, dass in einem Lande, wo es Papiergeld gibt, obgleich diejenigen, welche solches Papiergeld in Umlauf setzen, es auf Begehren der Inhaber mit Baarschaft zu zahlen verbunden sind, doch sowohl ihre Noten als die Münzen um den vollen Betrag des Schlagschatzes entwerthet werden könnten, welcher von derjenigen Münze genommen wird, welche allein gesetzliches Zahlungsmittel ist, ehe das Hinderniss, welches den Umlauf des Papiers in Schranken holt, wirkt. Wäre z. B. der Schlagschatz bei Goldmünzen 5 %, so könnte das Umlaufsmittel bei einer starken Umsetzung von Banknoten im Tauschwerthe wirklich um 5 % sinken, ehe es das Interesse der Noteninhaber würde, Münze zu verlangen, um sie alsdann in Barren umzuschmelzen; eine Werthsverringerung, welcher wir nie ausgesetzt sein würden, wenn entweder von Goldmünzen kein Schlagschatz genommen würde, oder, falls ein Schlagschatz erhoben würde, die Noteninhaber, anstatt Münzen, für dieselben vielmehr Barren zum Münzstattpreise von 3 £ 17 sh. 10 1 / 2 d. fordern würden. Wenn also die Bank nicht verpflichtet werden sollte, ihre Noten mit Barren oder Münze zu bezahlen, je nachdem es der Inhaber derselben verlangt, so ist das neuliche Gesetz, welches von Silbermünzen einen Schlagschatz von 6 % oder vier Pence für die Unze gestattet und dagegen befiehlt, dass das Gold von der Münzstätte ohne Prägekosten ausgemünzt werden solle, das geeignetste, da es jeder unnöthigen Veränderung des Umlaufsmittels wirksame Hindernisse in den Weg legt. <341>


1. Was ich von der Goldmünze sage, ist auf die Silbermünze gleich anwendbar; allein es ist unnöthig, beide bei jeder Gelegenheit zu erwähnen.

2. Smith 2.2.39

3. Dieser und die folgenden, in den Klammern enthaltenen Paragraphen sind aus der Gelegenheitsschrift Ricardo's entnommen, die den Titel führt: »Vorschläge zu einem wohlfeilen und sicheren Umlaufsmittel.« (Proposals for an economical and secure currency.)

4. Der Preis von 3 £ 17 sh., der hier erwähnt wurde, ist, wie sich von selbst versteht, ein willkürlicher. Es könnte vielleicht gute Gründe geben, ihn entweder ein wenig höher oder ein wenig niedriger zu stellen. Indem ich 3 £ 17 sh. annehme, wünsche ich nur den Grundsatz zu beleuchten. Der Preis müsste so festgesetzt werden, dass es das Interesse des Goldverkäufers würde, das Gold lieber an die Bank zu verkaufen, als es zum Behufe der Ausprägung zur Münzstätte zu bringen.
Dieselbe Bemerkung gilt auch von der besonders herausgehobenen Goldmenge von zwanzig Unzen. Es können wohl gute Gründe vorhanden sein, zehn oder dreissig anzunehmen.

5. Smith 1.5.45

6. Smith 1.5.56

7. Es wurde kürzlich im Parlamente von Lord Lauderdale behauptet, die Bank könne bei der bestehenden Münzordnung ihre Noten mit Baarschaft nicht bezahlen, weil der gegenseitige Tauschwerth der beiden Metalle von der Art sei, dass es im Interesse aller Schuldner liege, ihre Schulden mit Silber- und nicht mit Goldmünzen zu bezahlen, während das Gesetz allen Bankgläubigern das Recht gebe, für die Banknoten Gold zu fordern. Dieses Gold, meint seine Herrlichkeit, könne mit Vortheil ausgeführt werden, und die Bank werde, um den gehörigen Vorrath zu erhalten, genöthigt sein, dasselbe immer mit einer Prämie zu kaufen und al Pari zu verkaufen. Wenn jeder andere Schuldner in Silber zahlen könnte, so würde Lord Lauderdale Recht haben, allein das kann ja keiner, wenn seine Schuld 40 Schillinge überschreitet. Dies würde demnach die umlaufende Menge Silbermünzen in Schranken halten (wenn die Regirung es sich vorbehalten hätte, die Ausmünzung dieses Metalls einzustellen, wann sie es gerade für gut hielte), weil, wenn zu viel Silber ausgeprägt würde, sein Tauschwerth gegen Gold herabginge und es Niemand an Zahlungs-Statt bei Schulden von mehr als 40 Schillingen annähme, ohne zugleich eine Entschädigung für dessen niedrigeren Tauschwerth zu bekommen. Zur Zahlung einer Schuld von 100 £ würden hundert Sovereigns oder Banknoten im Betrage von 100 £ erforderlich sein, dagegen aber 105 £ in Silbergeld. Es gibt denn also zwei Hindernisse einer übermässig grossen Menge von Silbermünzen, erstens das direkte Hinderniss, welches die Regirung zu gewisser Zeit in den Weg legen kann, mehr Ausmünzungen zu verhüten; zweitens kein Beweggrund des Interesses würde irgend Jemanden bestimmen, Silber zur Münzstätte zu bringen, wenn er es könnte, denn, wenn es ausgeprägt wäre, so würde es nicht nach seinem Münzstatttauschwerthe, sondern nach seinem Markttauschwerthe umlaufen.