Vierundzwanzigstes Hauptstück. Adam Smith's Lehre von der Grundrente.

»Blos solche Bodenerzeugmisse,« sagt A. Smith, »können gemeiniglich auf den Markt gebracht werden, deren gewöhnlicher Preis hinreichend ist, um das Kapital, welches angewendet werden muss, um sie auf den Markt zu bringen, sammt dem üblichen Gewinnste zu ersetzen. Beträgt der gewöhnliche Preis mehr, so fliesst der überschüssige Theil natürlich der Grundrente zu. Beträgt derselbe aber nicht mehr, so ergibt sich, obschon die Erzeugnisse auf den Markt gebracht werden können, für den Grundherrn keine Rente. Ob der Preis mehr betrugt oder nicht, das hängt von der Nachfrage ab.«1

Diese Stelle würde natürlich den Leser glauben machen, ihr Verfasser könne die Natur der Rente nicht missverstanden und derselbe müsse eingesehen haben, dass die Art und Beschaffenheit des Bodens, dessen Anbau die Bedürfnisse des Landes erheischten, »von dem gewöhnlichen Preise seiner Erzeugnisse,« oder mit anderen Worten, »davon abhänge, ob derselbe hinreichend sei, um das Kapital, welches angewendet werden muss, um ihn zu bebauen, sammt dem üblichen Gewinnste zu ersetzen.«

Allein derselbe hatte die Ansicht: »es gebe Bodenerzeugnisse, nach denen die Nachfrage immer so stark sein müsse, dass sie einen höheren Preis erhalten, als hinreicht, um sie auf <295> den Markt zu bringen;« und er betrachtet die Nahrungsmittel als solche Bodenerzeugnisse.

Er sagt: »der Boden bringe fast in jeder Lage mehr Nahrungsmittel hervor, als hinreichend sei, um alle die Arbeit, die erforderlich sei, um sie auf den Markt zu bringen, auf die reichlichste Art, wie nur immer dergleichen Arbeit unterhalten werde, zu unterhalten. Auch sei der Ueberschuss zudem immer mehr als hinreichend, um das Kapital, welches dieser Arbeit Beschäftigung gebe, sammt seinem Gewinnste zu erstatten. Deshalb bleibe immer Einiges als Rente für den Grundherrn übrig.«

Allein was für einen Beweis gibt er hievon? - keinen anderen, als die Behauptung: »dass die allerödesten, Moorgründe in Norwegen und Schottland eine Art Weide für das Vieh geben, dessen Milch und Nachwuchs immer mehr als hinreichend sei, nicht nur um alle zu dessen Wartung erforderliche Arbeit zu unterhalten und dem Pachter oder Eigenthümer der Heerde oder des Stapels den üblichen Gewinn zu verschaffen, sondern auch für den Grundherrn eine kleine Rente abzuwerfen.«2 Nun hiegegen kann man mir wohl einen Zweifel erlauben; ich glaube denn doch, dass es in einem jeden Lande, von dem rohesten bis zu dem verfeinertsten, Boden solcher Art und Beschaffenheit gibt, der keinen Ertrag abwirft, welcher einen mehr als hinreichenden Tauschwerth hätte, um das auf ihn verwendete Kapital nebst dem in diesem Lande gewöhnlichen und üblichen Gewinnste einzubringen. Wir wissen Alle, dass dies in Amerika der Fall ist, und dennoch behauptet nicht ein Einziger, dass die Gesetze, welche die Rente bestimmen, in Europa andere seien, als in jenem Welttheile. Allein wenn es wahr wäre, dass England im Bodenanbaue so weit vorgeschritten sei, dass es daselbst zur Zeit keine Ländereien mehr gebe, die keine Rente ertragen, so würde es nicht minder wahr sein, dass es ehedem daselbst solche Ländereien gegeben haben muss, und dass es für diese Frage ganz ohne Bedeutung ist, ob es daselbst solche gibt oder nicht; denn es ist, wenn in Grossbritannien Kapital auf Boden verwendet wird, der blos Ersatz für das Kapital sammt dem üblichen Gewinnste leistet, ganz einerlei, ob es auf alten oder auf neuen Boden verwendet wird. Wenn ein Pachter einen Grundpachtvertrag auf sieben oder vierzehn Jahre <296> eingeht, so kann er sich immer vornehmen, auf das Pachtgut ein Kapital von 10,000 £ zu verwenden, da er wohl weiss, dass er bei den bestehenden Preisen des Getreides und anderer Roherzeugnisse denjenigen Theil seines Kapitals, welchen er auszulegen hat, wieder erlangen, seine Rente entrichten, und den aligemeinen Gewinnstsatz beziehen kann. Er wird keine 11,000 £ anwenden, es sei denn, dass die letzten 1000 £ so hervorbringend angelegt werden könnten, dass sie ihm den üblichen Kapitalgewinnst eintrügen. Bei seinem Ueberschlage, ob er sie anwenden solle oder nicht, zieht er blos in Betracht, ob der Preis der Roherzeugnisse gross genug ist, um ihm seine Auslagen und Gewinnste einzubringen, denn er weiss wohl, dass er nicht mehr Rente zu entrichten hat. Sogar nach Ablauf seiner Pachtzeit wird seine Rente nicht in die Höhe getrieben werden; denn, wenn sein Grundherr mehr Rente haben wollte, weil noch dieser Kapitalzusatz von 1000 £ angelegt sei, so würde er ihn zurückziehen, weil er der Annahme gemäss durch dessen Anwendung nur den gewöhnlichen und üblichen Gewinnst bezieht, den er auch mit jeder anderen Anlage des Kapitals machen würde; und darum kann er sich auch nicht dazu verstehen, für jenen Kapitalzusatz eine Rente zu bezahlen, es sei denn, dass der Preis der Roherzeugnisse noch weiter stiege, oder, was dasselbe ist, dass der übliche und allgemeine Gewinnstsatz fiele.

Wäre A. Smith's umfassender Geist auf diese Thatsache gerichtet gewesen, so würde er nicht behauptet haben, die Rente bilde Einen der Bestandtheile des Preises der Roherzeugnisse; denn der Preis wird überall durch den Ertrag jenes letzten Kapitaltheiles, für den gar keine Rente entrichtet wird, bestimmt. Hätte er diesem Grundsatze seine Aufmerksamkeit gewidmet, so würde er keinen Unterschied zwischen dem Gesetze gemacht haben, welches die Bergwerks- und die Bodenrente regelt.

»Ob eine Kohlengrube z. B.,« sagt er, »eine Rente geben kann, hängt theils von ihrer Ergiebigkeit und theils von ihrer Lage ab. Von einem Bergwerke irgend einer Art kann man sagen, dass es entweder ergiebig oder unergiebig sei, je nachdem die Menge von Mineralien, welche mittelst einer gewissen <297> Arbeilsmenge gefördert werden kann; grösser oder kleiner ist, als was aus anderen Bergwerken derselben Art mittelst der nämlichen Arbeitsmenge gefördert werden kann. Manche Kohlengruben, die vortheilhaft gelegen sind, können wegen ihrer Unergiebigkeit gar nicht bebaut werden. Der Ertrag zahlt die Auslagen nicht. Sie können weder Gewinn noch Rente geben. Es gibt welche, deren Ertrag blos hinreicht, die Arbeit zu bezahlen, und das zu ihrer Bebauung verwendete Kapital sammt dem gewöhnlichen Gewinnste zu erstatten. Sie geben dem Unternehmer des Anbaues einigen Gewinnst, aber dem Grundherrn keine Rente. Sie können von Niemanden als von dem Grundherrn mit Vortheil bebaut werden, der, Selbstunternehmer, den gewöhnlichen Gewinnst von dem Kapitale bezieht, das er in sie gesteckt hat. Manche Kohlengruben in Schottland werden auf diese Art bebaut, und können es auf keine andere werden. Der Grundherr wird Niemanden gestatten, sie zu bebauen, ohne dass ihm eine Rente bezahlt wird, und Niemand vermag davon eine Rente zu bezahlen.«

»Andere Kohlengruben in demselben Lande können, obgleich sie ergiebig genug wären, wegen ihrer Lage nicht bebaut werden. Es könnte aus der Grube mittelst der gewöhnlichen, oder sogar einer noch geringeren als der gewöhnlichen Arbeitsmenge, eine Menge von Mineral ausgebeutet werden, welche zur Deckung der Bebauungskosten hinreichte; aber in dem Landesinneren, das schwach bevölkert und weder mit guten Land- noch Wasserstrassen versehen ist, würde diese Menge keinen Absatz finden.«3 Das ganze Grundgesetz von der Rente ist hier bewunderungswürdig und durchsichtig auseinander gesetzt, aber jedes Wort ist auf die Bodenrente ebenso anwendbar wie auf die Bergwerksrente; und dennoch behauptet er: »es verhalte sich anders mit Grundeigenthum oberhalb der Erdrinde. Das Verhältniss des Ertrages und seiner Rente richte sich gerade nach seiner absoluten und nicht nach seiner relativen Fruchtbarkeit.«4 Allein gesetzt, es gebe keinen Boden, welcher keine Rente abwerfe; alsdann würde der Betrag der Rente des schlechtesten Bodens in geradem Verhältnisse stehen zu dem Ueberschusse des Tauschwerthes der Erzeugnisse über die Kapitalauslage und den gewöhnlichen Kapitalgewinnst: das <298> nämliche Gesetz würde auch die Rente von Boden von etwas besserer Beschaffenheit oder günstigerer Lage bestimmen und darum würde auch die Rente dieses Bodens jene des geringeren wegen der höheren Vorzüge, die jener besitzt, übersteigen; das Nämliche kann auch vom Boden der dritten Klasse gesagt werden, und so fort, bis zum allerbesten. Ist es also nicht ebenso gewiss, dass die verhältnissmässige Fruchtbarkeit des Bodens denjenigen Theil vom Erzeugnisse bestimmt, der als Bodenrente entrichtet werden muss, als wie, dass die verhältnissmässige Ergiebigkeit der Gruben denjenigen Theil ihrer Ausbeute bestimmt, der als Bergwerksrente abgegeben werden muss?

Nachdem A. Smith erklärt hat, es gebe Bergwerke, welche allein von den Eigenthümern bebaut werden könnten, weil sie blos so viel ertrügen, als hinreichend sei, um die Bebauungskosten sammt dem üblichen Gewinnste des angewendeten Kapitals zu decken, so sollte man erwarten, dass er zugeben werde, diese besonderen Bergwerke seien es, die den Preis der Erzeugnisse regeln. Wenn die alten Gruben nicht mehr hinreichen, um die erforderliche Kohlenmenge herbeizuschaffen, so geht der Preis der Kohlen in die Höhe und fährt fort zu steigen, bis der Eigenthümer einer neuen und weniger ergiebigen Grube findet, dass er durch Bebauung seiner Grube den üblichen Kapilalgewinnst beziehen kann. Ist seine Grube erträglich ergiebig, so wird jenes Steigen nicht gross sein, ehe es sein Vortheil erheischt, sein Kapital so anzulegen; ist sie aber nicht erträglich ergiebig, so ist einleuchtend, dass der Preis fortfahren muss zu steigen, bis er ihm die Mittel zur Zahlung seiner Auslagen und zur Erlangung des gewöhnlichen Kapitalgewinnstes verschafft. Es ergibt sich denn also, dass es stets die wenigst ergiebige Grube ist, welche den Preis der Kohlen bestimmt. A. Smith ist jedoch anderer Meinung; er bemerkt: »die allerergiebigste Kohlengrube bestimme den Preis der Kohlen bei allen übrigen Gruben der Nachbarschaft. Sowohl der Eigenthümer der Grube als auch ihr Unternehmer fänden, der Eine, dass er eine grössere Rente, der Andere, dass er einen grösseren Gewinn beziehen könne, wenn sie alle ihre Nachbarn durch einen etwas geringeren Preis verdrängen könnten. Ihre Nachbarn seien alsbald gezwungen, ihre Kohlen zu dem nämlichen Preise herzugeben, <299> obgleich sie es nicht so gut können und obgleich es ihre Rente und ihren Gewinnst in Einem fort verringere und zuweilen ganz hinweg nehme. Einige Werke würden dann ganz und gar verlassen, andere lieferten keine Rente und könnten blos von dem Eigenthümer bebaut werden.«5 Allein nähme die Nachfrage nach Kohlen ab, oder könnte durch neue Verfahrungsarten ihre Menge vergrössert werden, so würde der Preis herabgehen und manche Grube verlassen werden; auf jeden Fall jedoch muss der Preis hoch genug sein, um die Auslagen und den Gewinnst derjenigen Grube einzubringen, welche, ohne mit einer Rente belastet zu sein, bebaut wird. Folglich ist es die wenigst ergiebige Grube, welche den Preis bestimmt. A. Smith hat dies auch selbst wirklich an einer anderen Stelle behauptet, denn er sagt: »der niedrigste Preis, zu welchem Kohlen für eine beträchtliche Zeit abgesetzt werden können, ist, wie bei allen anderen Waaren, derjenige, welcher eben hinreicht, um sammt dem gewöhnlichen Gewinnste das Kapital zu erstatten, welches angewendet werden muss, um sie auf den Markt zu bringen. Bei einer Kohlengrube, von welcher der Grundherr keine Rente bekommen kann, sondern welche er entweder selbst bebauen oder geradezu ganz aufgeben muss, muss der Preis der Kohlen im Allgemeinen ungefähr jenem Preise gleich kommen.« 6

Allein derselbe Umstand, welcher es nothwendig machen würde, die Gruben, von denen gar keine oder nur eine sehr mässige Rente bezogen wird, zu verlassen, nämlich der Ueberfluss und desshalb die Wohlfeilheit der Kohlen, von welcher Ursache er auch herrühren mag, würde, wenn zugleich der nämliche Ueberfluss an Roherzeugnissen vorhanden wäre und folglich dieselbe Wohlfeilheit derselben bestände, es nothwendig machen, die Bebauung derjenigen Ländereien aufzugeben, von denen entweder gar keine oder nur eine sehr mässige Rente entrichtet würde. Würden z. B. die Kartoffeln die allgemeine und gewöhnliche Nahrung des Volkes, wie es der Reis in einigen Ländern ist, so würde ein Viertheil oder die Hälfte des nun bebauten Bodens vermuthlich unmittelbar, verlassen werden; denn, wenn, wie A. Smith sagt, »ein Acre Kartoffeln sechstausend Pfunde tüchtiger Nahrung, dreimal so viel als ein Acre <300> Weizen, hervorbringt,«7 so könnte selbst in beträchtlicher Zeit keine solche Volksvermehrung stattfinden, dass die Menge von Nahrungsmitteln, welche nun auf den zuvor zum Weizenbaue verwendeten Boden gezogen werden könnten, verzehrt würden: es würde demzufolge viel Boden verlassen werden und die Rente herabgehen; und es könnte, bevor sich die Bevölkerung nicht verdoppelt oder verdreifacht hätte, nicht die gleiche Bodenmenge in Anbau und die Rente nicht so hoch sein, wie vorher.

Auch würde dem Grundherrn kein grösserer Theil vom Rohertrage bezahlt werden, ob dieser nun in Kartoffeln bestände, welche dreihundert Menschen nähren, oder in Weizen, welcher nur hundert Menschen nährt; denn, obschon die Hervorbringungskosten um sehr viel abnehmen würden, wenn der Arbeitslohn hauptsächlich durch den Preis der Kartoffeln und nicht durch jenen des Weizens bestimmt würde, und obschon also der übrig bleibende Theil des ganzen Rohertrages nach Bezahlung der Arbeiter beträchtlich grösser wäre, so würde dennoch kein Theil des Mehrbetrags in die Rente, sondern vielmehr der ganze Mehrbetrag unabänderlich in den Gewinnst fliessen, - da der Gewinnst zu allen Zeiten steigt, wann der Arbeitslohn fällt, und dagegen sinkt, wenn dieser steigt. Mag man Weizen oder Kartoffeln bauen, die Rente richtet sich nach einem und demselben Gesetze, - sie ist immer gleich dem Unterschiede zwischen den, mittelst gleicher Kapitalien erzielten Erzeugnissmengen, entweder von demselben Boden gleicher, oder von Boden verschiedener Beschaffenheit; und die Rente wird, so lange Ländereien von gleicher Beschaffenheit bebaut werden und keine Veränderung ihrer verglichenen Fruchtbarkeit oder Vorzüge eintritt, immer zu dem Rohertrage in gleichem Verhältnisse stehen.

A. Smith behauptet übrigens, der verhältnissmässige Antheil, welcher dem Grundherrn zufalle, werde wegen einer Verminderung der Hervorbringungskosten grösser werden, und derselbe werde desshalb einen grösseren Antheil, wie auch eine grössere Menge von einem reichlichen als von einem spärlichen Ertrage, erlangen. »Ein Reisfeld,« sagt er, »bringt eine viel grössere Menge Nahrung hervor, als das fruchtbarste Getreidefeld. Zwei Ernten jährlich, von dreissig bis sechzig Bushel <301> eine jede, soll der gewöhnliche Ertrag eines Acre sein. Wenn nun auch seine Anpflanzung mehr Arbeit erheischt, so verbleibt doch noch ein weit grösserer Ueberschuss nach der Bezahlung der Arbeit. In denjenigen Reissländern, wo Reiss die allgemeine und beliebte pflanzliche Nahrung des Volkes ist und wo die Pflanzer hauptsächlich mit Reiss erhalten werden, muss auch dem Grundherrn ein grösserer Antheil an dem grösseren Ueberschusse zufallen als in Getreideländern.« 8

Buchanan bemerkt ebenfalls: »es sei ganz klar, dass wenn irgend ein anderes Erzeugniss, welches der Boden in grösserem Ueberflusse als Getreide liefere, allgemeine Nahrung des Volkes würde, die Rente des Grundherrn, im Verhältnisse zu seinem grösseren Ueberflusse, steigen müsse.«

Würden Kartoffeln die allgemeine Nahrung des Volkes, dann würden lange Zeit hindurch die Grundherren einen ausserordentlichen Abzug an der Rente zu erdulden haben. Sie würden wahrscheinlich kaum so viel Unterhallsmittel bekommen, als sie jetzt beziehen, während dieselben im Tauschwerthe erst noch auf einen Dritttheil ihres jetzigen Tauschwerthes herunter gehen würden. Dagegen würden sämmtliche Gewerkswaaren, für welche ein Theil der Rente des Grundherrn ausgegeben wird, kein anderes Sinken erleiden, als dasjenige, welches von dem Fallen des Preises der Rohstoffe herrührt, aus denen sie verfertigt sind, und also nur von der grösseren Fruchtbarkeit des Bodens ausgeht, der alsdann zu ihrer Hervorbringung verwendet wird.

Wann zufolge der Zunahme der Bevölkerung Boden von derselben Beschaffenheit wie vorher in Anbau genommen würde, so würde der Grundherr nicht nur denselben verhältnissmässigen Antheil am Ertrage wie vorher bekommen, sondern dieser verhältnissmässige Antheil würde auch von demselben Tauschwerthe sein, wie vorher. Die Rente würde dann also dieselbe sein, wie zuvor; der Gewinn übrigens weit höher, weil der Preis der Nahrungsmittel und folglich der Arbeitslohn weit niedriger wäre. Hohe Gewinnste sind der Kapitalansammlung günstig. Die Nachfrage nach Arbeit würde noch weiter steigen <302> und die Grundherren würden wegen der erhöheten Nachfrage nach Grund und Boden auf die Dauer im Vortheile sein.

Wirklich, ein und derselbe Boden kann viel höher ausgenutzt werden, wenn auf demselben eine solche Fülle von Nahrungsmitteln hervorgebracht werden kann, und demzufolge würde derselbe, im Fortschritte der Gesellschaft, viel höhere Renten ermöglichen, und eine weit grössere Bevölkerung ernähren, als vorher. Dies könnte nicht verfehlen, für die Grundherren höchst vortheilhaft zu sein, und stimmt mit dem Grundgesetze überein, welches diese Untersuchung, denk' ich, ohne Zweifel erwiesen hat, dass alle aussergewöhnlichen Gewinnste ihrer Natur nach nur von beschränkter Dauer sind, da der ganze Ueberschuss des Bodenerzeugnisses, nach Abzug eines mässigen blos zur Kapitalansammlung ermunternden Gewinnstes, dem Grundherrn schliesslich zufallen muss.

Bei einem so niedrigen Preise der Arbeit, wie er durch ein so reichliches Erzeugniss verursacht wird, würde nicht nur der schon bebauete Boden ein viel grösseres Erzeugniss liefern, sondern auch die Anlegung eines viel grösseren Kapitals gestatten; es würde von demselben ein grösserer Tauschwerth bezogen und es könnte gleichzeitig Boden geringerer Güte mit hohem Gewinn in Anbau genommen werden, zum grossen Nutzen nicht nur für den Grundherrn, sondern auch für die ganze Klasse der Verzehrer. Die Maschine, welche die bedeutendsten Verbrauchsgegenstände hervorbringt, würde verbessert und wohl bezahlt werden, im Verhältniss, wie ihre Leistungen begehrt wären. Dieser Vortheile würden sich in erster Linie die Arbeiter, Kapitalisten und Zehrer zu erfreuen haben aber im Laufe der Zunahme der Bevölkerung würden sie auch auf die Eigenthümer des Bodens übertragen werden.

Unabhängig von diesen Verbesserungen, an welchen die Gesammtheit ein unmittelbares und die Grundherren ein mittelbares Interesse haben, ist das Interesse des Grundherrn stets jenem der Zehrer und der Gewerbsunternehmer entgegengesetzt. Das Getreide kann in Einem fort auf einem hohen Preise stehen, blos weil mehr Arbeit zu seiner Hervorbringung nothwendig ist, <303> weil seine Hervorbringungskoslen grösser sind. Die nämliche Ursache treibt auch unabänderlich die Rente in die Höhe; es liegt daher im Interesse des Grundherrn, dass die Hervorbringungskosten des Getreides grösser werden. Dies jedoch ist nicht das Interesse des Zehrers; dieser wünscht, dass das Getreide im Verhältnisse zu Geld und Waaren wohlfeil sein möge, denn immer wird das Getreide mit Geld oder Waaren gekauft. Auch liegt es nicht im Interesse des Gewerksunternehmers, dass das Getreide im Preise hoch stehe, denn ein hoher Getreidepreis wird einen hohen Arbeitslohn verursachen, aber nicht den Preis seiner Artikel steigern. Es muss daher nicht blos mehr von seinen Artikeln, oder, was auf dasselbe hinaus kommt, nicht blos der Tauschwerth von mehr von seinen Artikeln im Tausche für das Getreide hingegeben werden, welches er verbraucht, sondern es muss auch mehr von seinen Artikeln oder der Tauschwerth von mehr von seinen Artikeln an seine Arbeiter als Lohn abgegeben werden, - wofür der Gewerksunternehmer keinen Ersatz erhalten wird. Alle Bürgerklassen, mit Ausnahme der Grundherren, gerathen daher durch das Steigen des Getreidepreises in Nachtheil. Die Geschäfte zwischen den Grundherren und dem Publikum verhalten sich nicht wie die Handelsgeschäfte, in welchen, wie man sagt, der Verkäufer und Käufer zugleich gewinnen, sondern der Verlust ist ganz auf der einen und der Gewinnst ganz auf der anderen Seite; und wenn das Getreide durch Einfuhr wohlfeiler zu erlangen wäre, so wird der Verlust in Folge der Nichteinfuhr auf der einen Seite grösser, als der Gewinn auf der anderen.

A. Smith macht niemals einen Unterschied zwischen einem niedrigen Tauschwerthe des Geldes und einem hohen Tauschwerthe des Getreides und kommt daher auf die Behauptung, das Interesse der Grundherren sei dem des übrigen Theils des Gemeinwesens nicht entgegengesetzt. Im ersteren Falle steht das Geld gegen alle Waaren niedrig; und im anderen das Getreide gegen alle Waaren hoch. Im ersten Falle haben Getreide und Waaren beständig dieselben gegenseitigen Tauschwerthe; im zweiten steht das Getreide gegen die Waaren so wie gegen Geld höher.

Die folgende Bemerkung von A. Smith ist auf einen niedri <304> gen Tauschwerth des Geldes anwendbar, aber ganz und gar unanwendbar auf einen hohen Tauschwerth des Getreides. »Wäre die Einfuhr (von Getreide) zu allen Zeiten frei, so würden unsere Pächter und Herren vom Lande vermuthlich, ein Jahr ins andere gerechnet, für ihr Getreide weniger Geld als gegenwärtig bekommen, da die Einfuhr wirklich die meiste Zeit hindurch gesperrt ist; allein das Geld, welches sie einnähmen, würde von grösserem Tauschwerthe sein, würde mehr Güter von allen anderen Gattungen kaufen und mehr Arbeit beschäftigen. Ihr wirkliches Vermögen, ihr wirkliches Einkommen, würde deshalb das nämliche sein, wie jetzt, obgleich es in einer geringeren Silbermenge ausgedrückt wäre; und sie würden weder ausser Stand gesetzt noch entmuthigt werden, so viel Getreide, als gegenwärtig, zu bauen. Im Gegentheile, da das Steigen des Sachwerthes des Silbers, in Folge der Erniedrigung des Geldpreises des Getreides, den Geldpreis aller anderen Waaren etwas herabsetzt, so verschafft; es der Gewerb- und Betriebsamkeit desjenigen Landes, in dem es Statt findet, einigen Vortheil auf allen auswärtigen Märkten und bewirkt dadurch eine Ermunterung und Erweiterung dieser Gewerb- und Betriebsamkeit. Allein die Ausdehnung des einheimischen Getreidemarktes muss zu der allgemeinen Gewerb- und Betriebsamkeit des Landes, wo das Getreide wächst, oder zur Anzahl derjenigen, welche etwas anderes hervorbringen, um es gegen Getreide zu vertauschen, im Verhältnisse stehen. Allein in jedem Lande ist der einheimische Markt, wie er der nächste und bequemste ist, auch gleicher Weise der grösste und wichtigste für das Getreide. Dies Steigen des Sachwerthes des Silbers, welches eine Folge der Erniedrigung des mittleren Geldpreises des Getreides ist, veranlasst desshalb eine Erweiterung des grössten und wichtigsten Marktes für das Getreide, und dadurch eine Ermunterung, anstatt Entmuthigung seines Anbaues.«9

Ein hoher oder niedriger Geldpreis des Getreides, welcher aus dem Ueberflusse und der Wohlfeilheit des Goldes und Silbers entsteht, ist für den Grundherrn von keiner Wichtigkeit, da, just wie A. Smith auseinander setzt, jede Art von Erzeugnissen dadurch in gleichem Maasse getroffen wird; dagegen <305> gereicht ein vergleichsweise hoher Getreidepreis dem Grundherrn zu allen Zeiten zum Vortheile, erstens, gibt ihm derselbe eine grössere Menge Getreide als Rente, und, zweitens wird der Grundherr für jedes gleiche Maass Getreide nicht nur eine Verfügung über eine grössere Geldmenge, sondern auch über eine grössere Menge von jeder anderen Waare, welche man mit Geld kaufen kann, bekommen. <306>


1. Smith 1.11.203

2. Smith 1.11.205

3. Smith 1.11.231, 232

4. Smith 1.11.243

5. Smith 1.11.234

6. Smith 1.11.234

7. Smith 1.11.223, 224

8. Smith 1.11.223

9. Smith 4.5.42