Dreiundzwanzigstes Hauptstück. Ueber die Prämien auf die Hervorbringung.

Es mag nicht unbelehrend sein, die Wirkungen einer auf die Hervorbringung roher Erzeugnisse und anderer Güter gesetzten Prämie zu betrachten, um die Anwendung der Grundsätze, welche ich aufzustellen versucht habe, in Betreff des Kapitalgewinnstes, des jährlichen Erzeugnisses von Boden und Arbeit und der gegenseitigen Preise der Gewerkswaaren und Roherzeugnisse, zu beobachten. Nehmen wir fürs Erste an, es sei auf alle Güter eine Steuer gelegt, zu dem Zwecke, um einen Fond zu bilden, welcher dazu bestimmt wäre, dass die Regirung eine Prämie auf die Hervorbringung von Getreide gebe. Da die Regirung von solch' einer Steuer nichts ausgeben würde und alles, was einer Klasse des Volkes abgenommen würde, einer anderen wieder zuflösse, so würde das Volk im Ganzen durch solch' eine Steuer und Prämie weder reicher noch ärmer werden. Es würde leicht zugegeben werden, dass alsdann die Auflage auf die Güter, mittelst deren jener Fond gebildet würde, den Preis der besteuerten Güter erhöhen würde; alle Verzehrer dieser Güter würden desshalb zu jenem Fond beitragen; mit anderen Worten, da ihr natürlicher oder nothwendiger Preis erhöhet wäre, so würde dies auch ihr Marktpreis werden. Allein aus derselben Ursache, warum der natürliche Preis dieser Güter erhöhet würde, sänke der natürliche Preis des Getreides; ehe die Prämie auf die Hervorbringung bezahlt wurde, erhielten die Pächter einen hinreichend grossen Preis für ihr Getreide, <289> als nothwendig ist, um ihnen ihre Rente und Auslagen zu erstatten und den allgemeinen Gewinnstsatz zu verschaffen; nachdem die Prämie aber eingeführt wäre, würden sie mehr als diesen Gewinnstsatz erlangen, es sei denn, dass der Preis des Getreides um so viel sänke, als die Prämie betrüge. Die Wirkung der Steuer und Prämie würde denn also in der Erhöhung der Waarenpreise um so viel, als die von ihnen erhobene Steuer betrüge, und in einer Herabsetzung des Getreidepreises um so viel, als die bezahlte Prämie ausmachte, bestehen. Man wird aber noch bemerken, dass in der Vertheilung des Kapitals zwischen Ackerbau und Gewerken keine bleibende Veränderung bewirkt werden könnte, weil es weder im Betrage des Kapitals noch in der Grösse der Bevölkerung eine Veränderung' gäbe und folglich genau die nämliche Nachfrage nach Brod und Gewerkswaaren vorhanden wäre. Nach dem Herabgehen des Getreidepreises würden die Gewinnste der Pächter nicht höher sein, als der allgemeine Gleichstand derselben; auch würden nach dem Steigen der Preise der Gewerkswaaren die Gewinnste der Gewerksunternehmer nicht niedriger sein; die Prämie würde folglich weder irgend eine grössere Kapitalanlage auf den Boden zur Hervorbringung von Getreide, noch eine geringere zur Verfertigung von Gewerksgütern veranlassen. Aber wie würde das Interesse der Grundherren berührt werden? Nach den nämlichen Grundgesetzen, nach welchen eine Auflage auf Roherzeugnisse die Getreiderente des Bodens verringern würde, ohne die Geldrente zu verändern, würde die Prämie auf Hervorbringung, welche das gerade Gegentheil einer Auflage ist, die Getreiderente steigern, ohne die Geldrente zu verändern.1 Bei der nämlichen Geldrente würde der Grundherr einen höheren Preis für seine Gewerkswaaren und einen niedrigeren für sein Getreide zu zahlen haben; derselbe würde also nicht reicher und nicht ärmer sein.

Ob nun solch' eine Maassregel irgend einen Einfluss auf den Arbeitslohn haben würde, hängt von der Frage ab, ob der Arbeiter beim Einkaufe von Waaren so viel zur Steuer beitrage, als er in Folge der Wirkungen der Prämien am niedrigen Preise <290> seiner Nahrung gewänne. Wären diese beiden Grössen gleich, so würde der Arbeitslohn unverändert bleiben; wären aber die besteuerten Waaren nicht diejenigen, welche der Arbeiter verbraucht, so würde sein Lohn herabgehen und sein Lohnherr den Unterschied gewinnen. Indessen ist dies kein wirklicher Vortheil für den Lohnherrn; es würde zwar, wie jede Verringerung des Arbeitslohnes, seinen Gewinnstsatz erhöhen; aber der Lohnherr würde auch, im Verhältnisse als der Arbeiter weniger zu dem Fond, aus welchem die Prämie bezahlt wurde und welcher, was man nicht vergessen darf, vergrössert werden muss, beitrüge, mehr dazu beitragen; mit anderen Worten, er würde in seinen Auslagen so viel zu der Steuer beitragen, als er durch die Wirkungen der Prämie und des höheren Gewinnstsatzes zusammen genommen gewänne. Er bezieht einen höheren Gewinnstsatz, um sich zu entschädigen, nicht nur für die Entrichtung seines eigenen Antheils an der Steuer, sondern auch des Steuerantheils seines Arbeiters; die Vergütigung, welche er für seines Arbeiters Steuerantheil erhält, erscheint im geringeren Lohne, oder, was ganz dasselbe ist, in seinem höheren Gewinnste; die Vergütigung für seinen eigenen Steuerbetrag erscheint in der Verringerung des Preises des Getreides, welches er verzehrt, die eine Folge der Prämie ist.

Hier wird es wohl am Platze sein, die verschiedenen Wirkungen zu bemerken, welche, durch eine Aenderung in der wirklichen Arbeit oder im natürlichen Tauschwerthe des Getreides und durch eine solche im verglichenen Tauschwerthe des Getreides in Folge der Besteuerung und der Prämie, auf den Gewinnst hervor gebracht werden. Geht der Getreidepreis zufolge einer Veränderung in seinem Arbeitspreise herab, so wird nicht blos der Kapitalgewinnstsatz, sondern die Lage des Kapitalisten auch eine Veränderung erleiden. Mit seinem grösseren Gewinnste wird derselbe nicht mehr haben zur Bezahlung der Gegenstände, für welche der Gewinnst ausgegeben wird, was jedoch nicht geschieht, wie wir bereits gesehen haben, wann jenes Sinken künstlich durch eine Prämie verursacht ist. Bei einem wirklichen Sinken des Tauschwerthes des Getreides, welches daher rührt, dass weniger Arbeit erforderlich ist, um Einen der wichtigsten Verzehrungsgegenstände des Menschen hervor <291> zubringen, ist die Arbeit hervorbringender geworden. Mit dem nämlichen Kapitale wird die nämliche Arbeit in Anwendung gebracht und eine Vermehrung der Erzeugnisse ist der Erfolg; daher wird nicht nur der Gewinnstsatz erhöhet, sondern auch die Lage seines Empfängers verbessert werden; jeder Kapitalist wird nicht nur ein grösseres Geldeinkommen haben, wenn er das gleiche Geldkapital anlegt, sondern, wenn er dieses Geld ausgibt, wird es ihm auch eine grössere Waarenmenge verschaffen; seine Genüsse werden vermehrt werden. Im Falle einer Prämie hat er zur Ausgleichung des Vortheils, welchen er aus dem Sinken einer Waare bezieht, den Nachtheil, einen mehr als verhältnissmässig höheren Preis für eine andere bezahlen zu müssen; er nimmt einen höheren Gewinnstsatz ein, um einen höheren Preis bezahlen zu können; so dass seine Lage der Wirklichkeit nach durchaus nicht verbessert, wiewohl auch nicht verschlechtert, ist: denn, obschon er einen höheren Gewinnstsatz einnimmt, so hat er doch nicht die Verfügung über mehr Erzeugnisse des Bodens und der Arbeit des Landes. Ist das Sinken des Tauschwerthes des Getreides durch natürliche Ursachen hervorgebracht, so wirkt ihm das Steigen anderer Waaren nicht entgegen; im Gegentheile, sie gehen herab, weil die Rohstoffe gesunken sind, aus denen sie verfertigt werden: ist aber das Sinken des Getreides durch künstliche Mittel hervorgebracht, so wirkt ihm stets eine wirkliche Erhöhung des Tauschwerthes irgend einer anderen Waare entgegen, so dass, wenn man das Getreide wohlfeiler kauft, andere Güter theurer bezahlt werden.

Dies ist denn nun ein fernerer Beweis, dass aus Auflagen auf Bedürfnisse, weil sie den Arbeitslohn erhöhen und den Gewinnstsatz erniedrigen, kein besonderer Nachtheil hervorgeht. Die Gewinnste werden wirklich geringer, aber nur um den Steuerantheil der Arbeiter, der auf alle Fälle entweder vom Lohnherrn oder vom Verzehrer des Erzeugnisses der Arbeit des Arbeiters bezahlt werden muss. Ob man 50 £ jährlich vom Einkommen des Lohnherrn hinwegnimmt, oder die Preise der Waaren, welche er braucht, um 50 £ erhöhet, kann keine anderen Folgen für ihn oder für das Gemeinwesen haben, als wie es alle anderen Klassen gleichmässig treffen kann. Würden sie zu den Preisen <292> der Waaren geschlagen, so kann sich ein Geizhals der Steuer dadurch entziehen, dass er sich den Gebrauch derselben versagt; werden sie mittelbar von Jedermanns Einkommen hinweg genommen, so kann er der Zahlung seines gehörigen verhältnissmässigen Antheils an den öffentlichen Lasten nicht entgehen.

Eine Prämie auf die Hervorbringung von Getreide würde denn also keinen wirklichen Einfluss auf das jährliche Erzeugniss des Bodens und der Arbeit des Landes ausüben, obgleich sie das Getreide verhältnissmässig wohlfeil und die Gewerkswaaren verhältnissmässig theuer machen würde. Allein gesetzt nun, es werde eine entgegengesetzte Maassregel ergriffen, nämlich eine Steuer vom Getreide erhoben, um einen Fond für Prämien auf die Hervorbringung von Gewerkswaaren zusammen zu bringen.

In einem solchen Falle ist es einleuchtend, dass das Getreide theuer, und die Gewerkswaaren wohlfeil würden; die Arbeit würde auf demselben Preise stehen bleiben, wenn die Arbeiter durch die Wohlfeilheit der Gewerkswaaren um so viel in Vortheil kämen, als sie durch die Theuerheit des Getreides benachtheiligt würden; geschähe dies aber nicht, so würde der Arbeitslohn steigen und der Gewinnst sinken, während die Geldrente die nämliche bliebe, wie zuvor; der Gewinnst würde fallen, weil, wie wir bereits auseinander gesetzt haben, dies die Art und Weise wäre, auf welche der Steuerantheil des Arbeiters durch den Lohnherrn bezahlt würde. Durch das Steigen des Arbeitslohnes würde der Arbeiter für die Steuer entschädigt, welche er in dem erhöheten Preise des Getreides bezahlte; gäbe er keinen Theil seines Lohnes für Gewerkswaaren aus, so würde er auch keinen Theil an der Prämie nehmen; die Prämie käme ganz dem Lohnherrn zu Statten, und die Steuer würde zum Theile von den Arbeitern bezahlt; die Arbeiter würden in der Gestalt des Lohnes eine Vergütigung für die vergrösserten Lasten, die ihnen aufgelegt wären, erhalten, und so würde der Gewinnstsatz herabgesetzt. In diesem Falle fände dabei eine verwickelte Maassregel Statt, die kein Resultat irgend einer Art in volkswirthschaftlicher Hinsicht hervor brächte.

Bei Erörterung dieser Frage haben wir absichtlich den Einfluss einer solchen Maassregel auf den auswärtigen Handel ausser <293> Acht gelassen; wir haben vielmehr ein vereinzeltes Land angenommen, das mit anderen Ländern keine Handelsverbindung hat. Wir haben gesehen, dass, da die Nachfrage nach Getreide und Waaren im Lande die nämliche bliebe, was auch immer für eine Richtung die Prämie nehmen könnte, keine Versuchung entstände, Kapital von einem Geschäfte in ein anderes zu übertragen: allein dies würde nicht länger der Fall sein, wenn das Land auswärtigen Handel hätte und dieser Handel frei wäre. Durch Veränderung des verhältnissmässigen Tauschwerthes der Waaren und des Getreides, durch die so mächtige Einwirkung auf ihre natürlichen Preise, würden wir einen starken Anreiz zur Ausfuhr derjenigen Waaren, deren natürlicher Preis verringert wäre, und einen gleichen Anreiz zur Einfuhr derjenigen Waaren veranlassen, deren natürlicher Preis erhöhet wäre, und so könnte solch' eine Finanzmaassregel die natürliche Vertheilung der Geschäfte gänzlich abänderen; sicherlich zum Vortheile des Auslandes, aber zum Verderben desjenigen Landes, in welchem eine so unkluge Maassregel ergriffen worden wäre. <294>


1. 1) S. Hauptstück 9.