Zweiundzwanzigstes Hauptstück. Ansfuhrprämien und Einfuhrverbote.

Eine Prämie auf die Ausfuhr von Getreide geht darauf hinaus, dessen Preis für den ausländischen Verzehrer herabzudrücken, aber auf den Preis desselben auf dem inländischen Markte hat sie keinen bleibenden Einfluss.

Gesetzt, der Getreidepreis müsse in England, um den üblichen und allgemeinen Kapitalgewinnst zu geben, 4 £ für den Quarter sein; alsdann könnte es nicht in auswärtige Länder ausgeführt werden, wo es nur 3 £ 15 sh. für den Quarter gilt. Würde aber auf den Quarter eine Ausfuhrprämie von 10 sh. bewilligt, so könnte es auf dem ausländischen Markte zu 3 £ 10 sh. gegeben werden, und der Getreidebauer würde folglich einen ganz gleichen Gewinn beziehen, möchte derselbe es im Auslande zu 3 £ 10 sh., oder im Inlande zu 4 £ absetzen.

Eine Prämie, welche den Preis des brittischen Getreides im Auslande unter die Hervorbringungskosten des Getreides in demselben herabsetzte, würde also natürlich die Nachfrage nach brittischem Getreide vergrössern und die Nachfrage nach dem eigenen Getreide jenes Auslandes vermindern. Diese Vergrösserung der Nachfrage nach brittischem Getreide würde, nicht ermangeln, seinen Preis auf eine Zeit auf dem einheimischen Markte zu steigern, und während dieser Zeit verhüten, dass er auf dem fremden Markte so tief herab gehe, als es die Prämie zu bewirken vermöchte. Allein die Ursachen, welche so auf den Marktpreis des Getreides in England wirken würden, hätten <269> nicht den geringsten Einfluss auf dessen natürlichen Preis oder wirkliche Hervorbringungskosten . Getreide zu bauen, würde weder mehr Arbeit noch mehr Kapital erfordern, und demzufolge würde der landwirthschaftliche Kapitalgewinnst, wenn er zuvor dem anderen Gewerbskapitalgewinnste blos gleich war, nach dem Steigen des Preises beträchtlich über demselben stehen. Mittelst Steigerung des landwirtbschaftlichen Kapitalgewinnstes wird die Prämie als eine Aufmunterung für den Ackerbau wirken und es wird Kapital aus den Gewerken zurück gezogen werden, um auf den Boden verwendet zu werden, bis die vergrösserte Nachfrage für den ausländischen Markt befriedigt sein wird, worauf alsdann der Getreidepreis auf dem einheimischen Markte wieder auf seinen natürlichen und nothwendigen Preis herabgehen und der Gewinnst ebenfalls wieder auf seinem gewöhnlichen und gebräuchlichen Stande stehen wird. Die Vergrösserung des Angebots an Getreide wird, da sie auf den ausländischen Markt wirkt, seinen Preis auch in demjenigen Lande erniedrigen, in welches dasselbe ausgeführt wird, und dadurch den Gewinnst des Ausführers auf den niedrigsten Satz beschränken, bei dem er den Handel treiben kann.

Die schliessliche Wirkung einer Ausfuhrprämie auf Getreide ist also nicht eine Erhöhung oder Erniedrigung des Getreidepreises auf dem einheimischen Markte, sondern eine Erniedrigung desselben zu Gunsten des ausländischen Verzehrers um den ganzen Betrag der Prämie, wenn der Getreidepreis vorher auf dem ausländischen Markte nicht niedriger gestanden hatte als auf dem einheimischen, - und um ein wenigeres, wenn der Getreidepreis auf dem einheimischen Markte höher als auf dem ausländischen gewesen war.

Ein Schriftsteller hat im fünften Bande des Edinburger Review in einer Abhandlung über die Ausfuhrprämie auf Getreide recht klar ihre Wirkungen auf die ausländische und einheimische Nachfrage auseinandergesetzt. Er hat auch richtig bemerkt, dass sie nicht ermangeln würde, dem Ackerbaue in dem ausführenden Lande Aufmunterung zu geben; allein er scheint von dem allgemeinen Irrthume befangen zu sein, welcher auch Dr. Smith und, wie ich glaube, die meisten anderen Schriftsteller über diesen Gegenstand irregeführt hat. Derselbe <270> nimmt an, der Getreidepreis werde, weil er den Arbeitslohn zuletzt bestimme, darum auch die Preise aller anderen Güter bestimmen. Er sagt: »Die Prämie wird durch Erhöhung des Pachtgewinnstes als eine Aufmunterung auf die Landwirthschaft wirken; sie wird durch Steigerung des Getreidepreises für die Zehrer im Inlande eine Zeit lang ihr Vermögen, sich dieses Lebensbedürfniss zu verschaffen, vermindern und auf diese Weise ihren wirklichen Wohlstand verringern. Es ist indessen einleuchtend, dass diese letzte Wirkung blos auf einige Zeit eintreten muss: der Lohn der arbeitenden Zehrer hatte sich zuvor durch den Mitbewerb fest gestellt und dieselbe Ursache wird ihn wieder auf denselben Satz stellen, indem sie den Geldpreis der Arbeit und, durch diesen, jenen der anderen Güter nach dem Verhältnisse des Geldpreises des Getreides steigert. Die Ausfuhrprämie wird desshalb zuletzt den Geldpreis des Getreides auf dem einheimischen Markte erhöhen; indessen nicht geradezu, sondern mittelst einer ausgebreiteten Nachfrage auf dem ausländischen Markte und einer erfolgenden Erhöhung des Sachpreises im Inlande: und dieses Steigen des Geldpreises wird, sobald es sich einmal auf andere Waaren ausgedehnt hat, natürlich aufgehalten werden.« 1

Wenn es mir jedoch gelungen ist, darzuthun, dass es nicht das Steigen des Geldlohnes der Arbeit ist, was die Güterpreise erhöhet, sondern dass ein solches Steigen stets die Gewinnste erniedrigt, so wird daraus folgen, dass die Güterpreise in Folge einer Prämie nicht steigen.

Allein ein zeitweises Steigen des Getreidepreises, das durch eine vergrösserte Nachfrage von Seiten des Auslandes verursacht ist, würde auf den Geldpreis der Arbeit keinen Einfluss haben. Das Steigen des Getreides ist durch einen Mitbewerb um dasjenige Angebot veranlasst, welches zuvor ausschliesslich dem einheimischen Markte verblieben war. Wird der Gewinn gesteigert, so wird noch mehr Kapital auf den Ackerbau verwendet und es entsteht ein grösseres Angebot; aber bis dasselbe entsteht, ist der hohe Preis unumgänglich nothwendig, um die Verzehrung ins Verhältniss zum Angebote zu bringen, was durch das Steigen des Arbeitslohnes verhindert würde. Das <271> Steigen des Getreides ist die Folge seines unzureichenden Vorraths und das Mittel, wodurch die Nachfrage von Seiten der einheimischen Käufer vermindert wird. Wäre der Arbeitslohn gestiegen, so würde der Mitbewerb wachsen, und ein weiteres Steigen des Getreidepreises nöthig werden. Bei dieser Aufzählung der Wirkungen einer Prämie ist kein Vorkommniss angenommen worden, welches den natürlichen Preis des Getreides, durch den zuletzt dessen Marktpreis bestimmt wird, steigert; denn es ist nicht der Fall gesetzt worden, dass, um eine gewisse Erzeugnissmenge zu sichern, ein Arbeitszusatz auf den Boden erforderlich sein würde, und doch vermag dies allein den natürlichen Preis zu erhöhen. Wäre der natürliche Preis des Tuches 20 sh. per Yard, so könnte eine starke Zunahme der ausländischen Nachfrage den Preis auf 25 sh. oder noch höher bringen, aber die Gewinnste, welche der Tuchmacher alsdann machte, würden nicht ermangeln, Kapital nach dieser Richtung zu ziehen, und wenn die Nachfrage zwei-, drei- oder viermal so gross würde, so würde dennoch schliesslich das Angebot hergestellt werden und das Tuch auf seinen natürlichen Preis von 20 sh. herabgehen. Ebenso auch beim Angebot von Getreide; dasselbe würde, wenn wir auch 2, 3 oder 800,000 Quarter jährlich ausführten, doch zuletzt zu seinem natürlichen Preise hervorgebracht werden, der sich niemals verändert, wenn zu der Hervorbringung des Getreides nicht eine andere Arbeitsmenge nöthig wird.

Vielleicht sind A. Smith's Schlüsse in keinem Theile seines mit Recht gefeierten Werkes mehr Einwendungen ausgesetzt, als in dem Hauptstücke über Prämien. Zuerst handelt er vom Getreide, als einem Gute, dessen Hervorbringung in Folge einer Ausfuhrprämie nicht erweitert werden kann; er nimmt eben in Einem fort an, dass eine solche blos auf die wirklich hervorgebrachte Menge wirke und kein Reizmittel zu weiterer Hervorbringung sei. »In Jahren des Ueberflusses,« sagt er, »erhebt und erhält eine solche, indem sie eine ausserordentliche Ausfuhr veranlasst, nothwendig den Getreidepreis auf dem einheimischen Markte über den Satz hinaus, auf den derselbe nach der Natur der Sache fallen würde. In Jahren des Mangels dagegen muss jedoch, wenn auch die Prämie häufig aufgehoben <272> wird, die starke Ausfuhr, welche sie in den Jahren des Ueberflusses veranlasst, häufig mehr oder weniger verhindern, dass der Ueberfluss des einen Jahres den Mangel des anderen errleichtere. In beiden Jahren, sowohl in jenem des Ueberflusses als in jenem des Mangels, geht desshalb die Prämie nothwendig darauf hinaus, den Geldpreis des Getreides um etwas höher hinauf zu treiben, als es sonst auf dem einheimischen Markte geschehen würde.« 2 (Smith 4.5.4)

A. Smith scheint völligüberzeuigt gewesen zu sein, dass die Richtigkeit seiner Gedankenfolge gänzlich von der Thatsaehe abhängt, ob das Steigen, »des Geldpreises »des Getreides dadurch, dass es diese Waare für den Pachter nutzbringender macht, nicht nothwendig die Hervorbringung desselben aufmuntert.«

»Ich antworte,« sagt er, »dass dies der Fall sein könnte, wenn die Wirkung der Prämie wäre, den Sachpreis des Getreides <273> zu erhöhen, oder den Pachter in Stand zu setzen, mit einer gleichen Menge davon eine grössere Arbeiterzahl auf dieselbe Weise zu unterhalten, sei dies nun reichlich, mässig oder spärlich, als wie andere Arbeiter gemeiniglich in seiner Nachbarschaft unterhalten werden.« 3

Verzehrten die Arbeiter nichts als Getreide und wäre der Antheil, welchen sie erhielten, der allergeringste, welcher zu ihrer Erhaltung erforderlich wäre, so könnte einiger Grund zu der Annahme vorhanden sein, dass die an die Arbeiter entrichtete Menge unter keinerlei, Umständen verringert werden könnte; allein der Geldlohn der Arbeit steigt zuweilen gar nicht und steigt niemals im Verhältniss des Geldpreises des Getreides, weil Getreide nur ein Theil, obgleich ein wichtiger Theil, der Verzehrung der Arbeiter ist. Würde die Hälfte des Lohnes auf Getreide verwendet, und die andere Hälfte auf Seife, Lichter, Feuerung, Thee, Zucker, Kleidung u. s. w., auf Gegenstände, bei welchen vorausgesetzter Maassen kein Steigen des Preises Statt findet, so ist es einleuchtend, dass die Arbeiter ganz so gut bezahlt wären, mit einem und einem halben Bushel Weizen, wenn der Bushel 16 sh. kostete, als sie es mit 2 Bushel waren, da der Bushel 8 sh. kostete, oder mit 24 sh. in Geld eben so gut als vorher mit 16 sh. Ihr Arbeitslohn würde blos um 50 % steigen, obgleich das Getreide um 100 % gestiegen wäre; und es würde demgemäss ein hinreichender Beweggrund zur Anlage von mehr Kapital auf den Boden vorhanden sein, wenn die Gewinnste in anderen Gewerben sich gleich blieben. Aber solch' ein Steigen des Arbeitslohnes würde auch Gewerksunternehmer veranlassen, ihre Kapitalien aus den Gewerken zurückzuziehen und auf den Boden anzuwenden; denn während der Pachter den Preis seines Erzeugnisses um 100 % erhöhete, und sein Arbeitslohn nur um 50 % stiege, müsste der Gewerksunternehmer ebenfalls den Lohn um 50 % erhöhen, während er keineswegs im Steigen seiner Gewerkswaaren irgend eine Entschädigung für seine grösseren Hervorbringungskosten hätte: von den Gewerken würde folglich dem Ackerbaue Kapital zuströmen, bis das Angebot den Getreidepreis wieder auf 8 sh. für den Bushel und den Arbeitslohn auf 16 sh. für die Woche herabdrücken würde, worauf alsdann der Gewerksunternehmer <274> den nämlichen Gewinn wie der Pachter beziehen und der Kapitalstrom aufhören würde, sich in einer von beiden Richtungen zu bewegen. Dies ist in der That die Art und Weise, wie der Anbau von Getreide beständig ausgedehnt und der gesteigerte Bedarf auf dem Markte herbeigeschafft wird. Die Mittel zur Unterhaltung von Arbeit nehmen zu und der Arbeitslohn wird erhöht. Die behagliche Lage der Arbeiter bestimmt sie zur Ehe, - die Bevölkerung wächst und die Nachfrage nach Getreide steigert den Preis desselben vergleichsweise zu anderen Dingen, - es wird mehr Kapital mit Vortheil auf den Ackerbau verwendet und es strömt demselben immer noch mehr zu, bis endlich das Angebot dem Begehre gleich steht, worauf alsdann der Preis wieder herabgeht und der landwirthschaftliche und werkmännische Gewinnst wieder ins Gleichgewicht gebracht wird.

Ob übrigens der Arbeitslohn nach dem Steigen des Getreidepreises stetig oder ob er mässig oder erstaunlich gestiegen sei, ist bei dieser Frage von gar keiner Wichtigkeit, denn Arbeitslohn zahlt der Gewerksunternehmer so gut wie der Pachter und desshalb werden in dieser Beziehung durch das Steigen des Getreidepreises beide gleich getroffen. Aber ungleich werden sie getroffen im Gewinnste, in so fern als der Pachter seine Erzeugnisse um einen gestiegenen Preis verkauft, während der Gewerksunternehmer die seinigen so theuer absetzt, als wie vorher. Indessen ist es die Ungleichheit der Gewinnste, welche immer die Veranlassung gibt, dass von einem Geschäfte das Kapital in ein anderes übertragen, desshalb mehr Getreide hervorgebracht und weniger Gewerkswaaren verfertigt werden. Die Gewerkswaaren würden desshalb, weil weniger verfertigt würden, im Preise nicht steigen, denn ein Angebot an solchen würde durch den Tausch gegen ausgeführtes Getreide herbei geschafft.

Wenn eine Prämie den Getreidepreis in die Höhe treibt, so thut sie dies entweder vergleichsweise mit den Preisen anderer Güter, oder aber nicht. Ist das Erstere der Fall, so lässt sich der höhere Gewinn der Pächter und die Versuchung zur Uebertragung von Kapital aus anderen Gewerben auf den Ackerbau nicht leugnen, bis der Getreidepreis wegen überflüssi <275> gen Angebots wieder gesunken ist. Treibt sie aber denselben, im Vergleiche mit anderen Gütern nicht in die Höhe, wo übertrifft dann der Nachtheil für den einheimischen Zehrer die Last der Steuerzahlung? Wenn der Gewerksunternehmer für sein Getreide einen höheren Preis bezahlt, so erhält er seinen Ersatz in dem höheren Preise, zu welchem er seine Waare, mit der er zuletzt sein Getreide kauft, absetzt.

Der Irrthum A. Smith's kommt gerade aus derselben Quelle, aus welcher jener des Schriftstellers im Edinburger Review entspringt; denn beide denken: »der Geldpreis des Getreides bestimme den aller anderen im Inlande erzeugten Güter.«4 »Er bestimmt,« sagt A. Smith, »den Geldpreis der Arbeit, welche immer so gross sein muss, dass er den Arbeiter in Stand setzt, eine Menge Getreide zu kaufen, welche ausreicht, um ihn und seine Familie reichlich, mässig öder spärlich zu erhalten, wie eben die vorschreitenden, stillstehenden oder sinkenden Verhältnisse der Gesellschaft den Lohnherrn zwingen, ihn zu erhalten. Indem er den Geldpreis aller anderen Arten von rohen Bodenerzeugnissen bestimmt, richtet er auch den der Rohstoffe fast aller Gewerke. Dadurch, dass er den Geldpreis der Arbeit richtet; bestimmt er auch jenen der Gewerkskunst und -Betriebsamkeit; und indem er beide bestimmt, setzt er auch den Geldpreis der vollendeten Gewerkserzeugnisse fest. Der Geldpreis der Arbeit und einer jeden Sache, die das Erzeugniss von Boden oder Arbeit ist, muss nothwendig im Verhältnisse der Geldpreise des Getreides steigen und fallen.«5

Diese Ansicht von A. Smith habe ich vorhin zu widerlegen versucht. Indem er das Steigen der Waarenpreise als eine nothwendtge Folge der Erhöhung der Getreidapreise betrachtet, urtheilt er, als ob es kein anderes Mittel gäbe, womit die gestiegene Auslage gedeckt werden könnte. Er hat die Betrachtung des Gewinnstes, dessen Verringerung dieses Mittel bildet, ohne die Waarenpreise zu erhöhen, gänzlich vernachlässigt. Wäre diese Ansicht A. Smith's begründet, so könnte der Gewinnst niemals wirklich fallen, was auch immer für eine <276> Kapitalansammlung Statt fände. Könnte, sobald der Arbeitslohn stiege, der Pachter den Getreidepreis erhöhen, und der Tuchmacher, Hutmacher, Schuhmacher und jeder andere Gewerksunternehmer ebenfalls den Preis seiner Erzeugnisse im Verhältnisse jener Erhöhung steigern, so würden sie, obgleich in Geld geschätzt alle in die Höhe gegangen sein könnten, dennoch fortwährend noch unter einander gegenseitig den nämlichen Tauschwerth haben. Jedes von diesen Gewerben könnte noch über die nämliche Menge von Gütern der Anderen verfügen wie zuvor, was, so lange Güter und nicht Geld das Vermögen ausmachen, der einzige Umstand ist, der für sie von Wichligkeit sein könnte: die ganze Erhöhung der Preise der Roherzeugnisse und Güter würde Niemandem als denjenigen nachtheilig sein, deren Eigenthum in Gold imd Silber bestände, oder deren jährliches Einkommen in einer bestimmten Menee von Edelmetallen, sei es in Gestalt von Barren oder Münzen, bezahlt würde. Angenommen, der Gebrauch des Geldes sei gänzlich bei Seite gesetzt und der ganze Tauschverkehr sei blosser Waarentausch. Könnte unter solchen Umständen das Getreide im Tauschwerthe gegen andere Dinge steigen? Könnte es dies, dann ist es nicht wahr, dass der Tauschwerth des Getreides den Tauschwerth der anderen Waaren bestimmt; denn um dies zu bewirken, dürfte es nicht im Tauschwerth gegen sie Veränderungen unterliegen. Könnte es aber jenes nicht, so muss man darauf bestehen, dass das Getreide, mag es nun von reichem oder armem Boden, mit viel oder wenig Arbeit, mit oder ohne Hilfe von Maschinen gewonnen werden, immerhin gegen eine gleiche Menge von allen anderen Waaren ausgetauscht werde.

Ich kann indessen nicht umhin, zu bemerken, dass A. Smith obgleich seine allgemeinen Lehren mit dieser übereinstimmen, welche ich so eben aufgestellt habe, doch in einem Theile seines Werkes eine richtige Darstellung der Natur des Tauschwerthes gegeben zu haben scheint. Er sagt: »das Verhältniss zwischen dem Tauschwerthe von Gold und Silber und jenem von Gütern jeder anderen Gattung hängt in allen Fällen von dem Verhältnisse zwischen der Menge von Arbeit, welche erforderlich ist, um eine gewisse Menge von Gold und Silber auf den Markt zu bringen, und <277> jener, welcher nothwendig ist, um eine gewisse Menge von irgend einer anderen Art von Gütern dahin zu bringen, ab.«6 Erkennt er hiemit nicht völlig an, dass, wenn eine Zunahme in der Arbeitsmenge, welche erfordert wird, um eine gewisse Art von Gütern auf den Markt zu bringen, Statt findet, während eine solche in der Arbeitsmenge, die erforderlich ist, um eine andere Art von Gütern dahin zu liefern, nicht Statt findet, die erstere Art von Gütern im verglichenen Tauschwerthe steigt? Wenn nicht mehr Arbeit erheischt wird, um entweder Tuch oder Gold auf den Markt zu bringen, so werden sie sich in ihrem gegenseitigen Tauschwerthe nicht verändern; wenn aber mehr Arbeit erforderlich ist, um Getreide und Schuhe auf den Markt zu liefern, werden dann nicht Getreide und Schuhe im Tauschwerthe gegen Tuch und Goldgeld steigen?

A. Smith ist dagegen fern er der Meinung, eine Wirkung der Prämie sei auch eine theilweise Herabsetzung des Tauschwerthes des Geldes. »Diejenige Herabsetzung des Tauschwerthes des Silbers,« sagt er, »welche aus der Ergiebigkeit der Gruben hervorgeht, und im grösseren Theile der Handelswelt ganz oder fast ganz gleich wirkt, ist von sehr geringen Folgen für ein besonderes Land. Die daraus erfolgende Erhöhung aller Geldpreise macht die Empfänger derselben zwar wirklich nicht reicher, aber auch nicht wirklich ärmer. Ein Silbergeschirr wird wirklich wohlfeiler, und jede andere Sache bleibt genau in demselben Tauschwerthe, als wie vorher.« Diese Bemerkung ist ganz vollkommen richtig.

»Allein diese Herabsetzung des Tauschwerthes des Silbers, welche, als Folge der besonderen Lage oder der Staatseinrichtungen eines besonderen Landes, blos in diesem Lande Statt findet, ist von sehr bedeutenden Folgen, sie dient, weit entfernt irgend Jemanden wirklich reicher zu machen, vielmehr dazu. Jedermann wirklich ärmer zu machen. Das Steigen aller Waaren im Geldpreise, welches in diesem Falle jenem Lande eigenthümlich ist, entmuthigt mehr oder weniger jede Art von Gewerb- und Betriebsamkeit, welche in demselben im Gange ist, und setzt fremde Völker in Stand, indem sie fast alle Arten Güter für eine geringere Silbermenge liefern können, als die eigenen Gewerksleute jenes Landes sie geben können, diese <278> Letzteren nicht blos auf dem ausländischen, sondern auch selbst auf dem einheimischen Markte aus dem Felde zu schlagen.«7

Ich habe sonst wo zu zeigen gesucht, dass eine theilweise Herabsetzung des Tauschwerthes des Geldes, welche zugleich die landwirthschaftlichen Erzeugnisse und die Gewerkswaaren treffen solle, unmöglich auf die Dauer bestehen könne. Sagen, das Geld sei theilweise entwerthet, in diesem Sinne, ist so viel als, alle Waaren hätten hohe Preise; allein, so lange Gold und Silber ganz frei auf dem wohlfeilsten Markte Ankäufe machen können, werden sie gegen die wohlfeileren Güter anderer Länder ausgeführt werden und die Verringerung ihrer Menge wird ihren Tauschwerth im Inlande in die Höhe bringen; die Waaren werden dann wieder ihr übliches Gleichgewicht im Preise erlangen, und die für die ausländischen Märkte passenden werden wie vorher ausgeführt werden.

Gegen eine Prämie kann demnach, denk' ich, aus diesem Grunde nichts eingewendet werden.

Wenn nun also eine Prämie den Getreidepreis im Vergleiche mit allen anderen Dingen steigert, so wird der Pachter bevortheilt werden und mehr Boden in Anbau kommen; wenn sie aber den Tauschwefth des Getreides, verglichen mit anderen Dingen, nicht erhöhet, dann wird mit ihr auch kein anderer Nachtheil verbunden sein, als der, dass die Prämie bezahlt werden muss, ein Nachtheil, den ich weder zu verheimlichen, noch zu gering anzuschlagen wünsche.

Dr. Smith stellt den Satz auf: »die Herren vom Lande schienen das Benehmen der Gewerksuntemehmer nachgeahmt zu haben, indem sie hohe Einfuhrzölle und Ausfuhrprämien auf Getreide ausgewirkt hätten.« Durch die nämlichen Mittel hätten beide den Tauschwerth ihrer Waaren zu steigern gesucht. »Sie beachteten nicht den grossen und wesentlichen Unterschied, den die Natur zwischen Getreide und fast jeder anderen Güterart geschaffen hat. Wann Ihr durch Eines der obigen Mittel unsere Gewerksuntemehmer in Stand setzt, ihre Güter um einen etwas besseren Preis abzusetzen, als sie auf andere Art dafür erlangen könnten, so erhöhet Ihr nicht blos den Nennpreis, sondern auch den Sachpreis dieser Güter. Ihr steigert den Gewinnst nicht blos dem Namen, sondern auch der Sache nach, <279> das wirkliche Vermögen und Einkommen dieser Gewerksuniernehmer, Ihr muntert diese Letzteren wirklich auf. Allein, wann Ihr durch ähnliche Einrichtungen den Nenn- oder Geldpreis des Getreides steigert, so erhöbet Ihr nicht dessen Sachwerth, so vermehrt Ihr nicht das wirkliche Vermögen unserer Pächter oder Herren vom Lande, so ermuntert Ihr nicht zum Getreidebaue. Die Natur der Dinge hat dem Getreide einen Sachwerth aufgestempelt, welcher nicht durch blose Veränderung seines Geldpreises abgeändert werden kann. Durch die ganze Welt hindurch ist dieser Werth der Arbeitsmenge gleich, welche es uns verschaffen kann.«8

Ich habe bereits zu zeigen gesucht, dass der Marktpreis des Getreides unter einer, durch die Wirkungen einer Prämie gesteigerten Nachfrage seinen natürlichen Preis übersteigen werde, bis der erforderliche Zusatz zum Angebote herbeigeschafft sei; und dass er alsdann wieder auf den natürlichen Preis zurück sinken werde. Aber der natürliche Preis des Getreides ist nicht so feststehend, wie der natürliche Preis der Gewerkswaaren, denn bei einer grossen Zunahme der Nachfrage nach Getreide muss Boden schlechterer Beschaffenheit in Anbau genommen werden, auf welchem zur Hervorbringung einer gewissen Menge mehr Arbeit erfordert wird, und alsdann wird der natürliche Preis des Getreides in die Höhe gehen. Desshalb wird durch eine fortwährende Ausfuhrprämie auf Getreide zu einem beständigen Steigen des Getreidepresses Veranlassung gegeben, und dies ermangelt, wie idi sonstwo gezeigt habe,9 niemals, die Rente in die Höhe zu treiben. Die Herren vom Lande haben denn also nicht blos einen vorübergehenden, sondern ihren bleibenden Vortheil bei den Verboten der Getreideeinfuhr und bei den Ausfuhrprämien auf Getreide; aber die Gewerksuntemehmer haben keinen bleibenden Vortheil von den Ausfuhrprämien auf ihre Waaren, ihr Vortheil ist vielmehr ganz vorübergehend.

Eine Ausfuhrprämie auf Gewerkswaaren wird ohne Zweifel, wie Dr. Smith behauptet, den Marktpreis derselben, aber nicht ihren natürlichen Preis, erhöhen. Die Arbeit von 200 Menschen <280> wird doppelt so viel von diesen Gütern hervorbringen, als 100 vorher hervorbringen konnten; und folglich würden sie, wenn die erforderliche Kapitalmenge angewendet würde, um die begehrte Menge Gewerkswaaren herbeizuschaffen, wieder auf ihren natürlichen Preis zurücksinken und aller Vortheil vom hohen Marktpreis aufhören. Die Gewerksuntemehmer geniessen also nur in der Zwischenzeit, nach dem Steigen des Marktpreises ihrer Waaren und vor der Herbeischaffung des grösseren Angebotes, hohe Gewinnste; denn sobald sich die Preise gesetzt haben, sinken auch die Gewinnste auf den allgemeinen Gleichstand zurück.

Anstatt desshalb mit A. Smith darin überein zu stimmen, dass die Herren vom Lande kein so grosses Interesse an dem Verbote der Getreideeinfuhr hätten, als die Gewerksuntemehmer an dem Verbote der Einfuhr von Gewerksgütern haben, behaupte ich vielmehr, dass sie ein weit höheres Interesse haben; denn ihr Vortheil ist bleibend, während jener der Gewerksuntemehmer nur vorübergehend ist. Dr. Smith bemerkt, die Natur habe zwischen dem Getreide und anderen Gütern einen grossen und wesentlichen Unterschied geschaffen, allein die eigentliche Schlussfolgerung aus diesem Umstände ist gerade das Umgekehrte von demjenigen, was er daraus ableitet; denn gerade diesem Unterschiede ist es zuzuschreiben, dass es eine Rente gibt, und dass die Herren vom Lande ein Interesse am Steigen des natürlichen Preises des Getreides haben. Anstatt das Interesse des Gewerksuntemehmers mit jenem des Herrn vom Lande zu vergleichen, sollte Dr. Smith es vielmehr mit dem des Pachters verglichen haben, das von jenem seines Grundherrn sehr verschieden ist. Die Gewerksuntemehmer haben kein Interesse beim Steigen des natürlichen Preises ihrer Waaren, noch haben die Pächter ein solches am Steigen des natürlichen Preises des Getreides oder anderer Roherzeugnisse, obgleich diese beiden Bürgerklassen im Vortheile sind, so lange der Marktpreis ihrer Erzeugnisse ihren natürlichen überschreitet. Im Gegentheile, die Grundherren haben ein höchst entschiedenes Interesse am Steigen des natürlichen Preises des Getreides; denn das Steigen der Rente ist eine unausweichliche Folge von der Schwierigkeit der Hervorbringung von Roh <281> erzeugnissen, ohne welche der natürliche Preis nicht steigen könnte. Da nun Ausfuhrprämien auf Getreide und Einfuhrverbote gegen Getreide die Nachfrage vermehren und uns zum Anbau ärmeren Bodens antreiben, so verursachen sie nothwendig eine vergrösserte Schwierigkeit der Hervorbringung.

Die einzige Wirkung der Ausfuhrprämie, sei es von Gewerksgütern oder von Getreide, ist die, dass sie einen Theil des Kapitals einem Geschäfte zuführt, welches derselbe bei natürlichem Gange nicht aufsuchen würde. Sie verursacht eine verderbliche Vertheilung der allgemeinen Vermögensmittel der ganzen Gesellschaft, - sie besticht einen Gewerksunternehmer, damit er ein vergleichsweise unvortheilhafteres Geschäft beginnt oder fortsetzt. Sie ist die schlechteste Art der Besteuerung, denn sie gibt dem Auslande nicht Alles, was sie dem Inlande entzieht, da der Verlustüberschuss durch die weniger vortheilhafte Vertheilung des gesammten Kapitals vollständig gemacht wird.

Merkwürdig, ich habe Ricardos Ansicht über die Ausfuhrprämie ganz anders im Gedächtnis, als er sie hier äußert. Oben ( quelle ) hat er sie als eine segensreiche Einrichtung geschildert.

Wenn, auf diese Weise, der Getreidepreis in England 4 £ und in Frankreich 3 £ 15 sh. ist, so wird ihn eine Prämie zuletzt in Frankreich auf 3 £ 10 sh. herabsetzen, und in England auf demselben Stande von 4 £ erhalten. Für jeden ausgeführten Quarter zahlt England 10 sh. Steuer. An jedem nach Frankreich eingeführten Quarter gewinnt Frankreich blos 5 sh., so dass der Tauschwerth von 5 sh. auf den Quarter für die Welt geradezu verloren geht, in Folge einer Vertheilung der Vermögensmittel, welche eine Verminderung der Hervorbringung, wahrscheinlich zwar nicht an Getreide, aber an irgend einem anderen Gegenstande des Bedürfnisses oder Genusses, verursacht.

Buchanan scheint die Trüglichkeit der Ansichten Dr. Smih's über die Prämie eingesehen zu haben, und zu der letzten Stelle, welche ich angeführt habe, bemerkt er sehr verständig: »Indem Dr. Smith behauptet, die Natur habe dem Getreide einen Sachwerth aufgestempelt, welcher nicht durch blosse Veränderung seines Geldpreises abgeändert werden könne, so verwechselt er den Gebrauchswerth mit dem Tauschwerthe. Ein Bushel Weizen ernährt in Zeiten des Mangels nicht'mehr Menschen als in Zeiten des Ueberflusses; aber ein Bushel Weizen wird, wann es an solchem mangelt, für eine grössere Menge von Gegen <282> ständen des Luxus und der Bequemlichkeit ausgetauscht werden, als wenn Ueberfluss daran ist; und die Grundeigenthümer, welche über Ueberschttsse von Nahrungsmitteln zu verfügen haben, werden desshalb in Zeiten des Mangels reichere Leute sein; sie werden ihre Uebersehüsse gegen einen grösseren Werth an anderen Genüssen austauschen, als wann Getreide in grösserem Ueberflusse vorhanden ist. Es ist desshalb ungegründet, zu behaupten, dass, wenn die Prämie eine gesteigerte Getreideausfuhr veranlasse, dieselbe nicht auch ein wirkliches Steigen des Preises verursache.« Buchanan's Ansichten über diese Seite der Prämien scheinen mir im Ganzen vollkommen klar und befriedigend zu sein.

Buchanan hat jedoch, denk' ich, keine richtigeren Meinungen als Dr. Smith , oder der Schriftsteller im Edinburger Review, in Betreff des Einflusses einer Erhöhung des Preises der Arbeit auf Gewerkswaaren . Vermöge seiner eigenthümlichen Ansichten, welche ich sonstwo erwähnt habe, denkt derselbe, der Preis der Arbeit stehe nicht im Zusammenhang mit dem Preise des Gretreides und der wirkliche Tauschwerth des Getreides könne und werde, ohne auf den Preis der Arbeit zu wirken, in die Höhe gehen; allein wenn die Arbeit eine Einwirkung erlitte, so würde er mit A. Smith und dem Schriftsteller im Edinburger Review annehmen, dass auch die Preise der Gewerkswaaren steigen würden; und alsdann sehe ich nicht ein, wie er ein solches Steigen des Getreides von einem Sinken des Tauschwerths des Geldes unterscheiden wollte, oder wie er auf eine andere Schlussfolgerung als die des Dr. Smith kommen könnte. In einer Anmerkung zu S. 276 des ersten Bandes von A. Smith 's Untersuchungen über die Natur und Ursachen des Volkswohlstandes bemerkt Buchanan : »Allein der Preis des Getreides bestimmt nicht den Geldpreis aller anderen rohen Bodenerzeugnisse. Derselbe bestimmt weder den Preis der Metalle, noch verschiedener anderer nutzbarer Stoffe, wie z. B. der Steinkohlen, des Holzes, der Steine u. s. w.; und da er den Preis der Arbeit nicht bestimmt, so bestimmt er auch den Preis der Gewerkswaaren nicht; so dass die Prämie, insoweit sie den Getreidepreis in die Höhe treibt, ohne Zw:eifel ein wirklicher Vortheil für den Pachter ist. Daher darf <283> auf diesen Grund hin die Einführung der Prämien nicht beurtheilt werden. Man muss zugeben, dass sie den Ackerbau durch Steigerung der Getreidepreise aufmuntern; und dann kommt die Frage: ob der Ackerbau auf diese Art aufgemuntert werden soll?« - Es ist denn also nach Buchaunan die Prämie ein wirklicher Vortheil für den Pachter, weil sie den Preis der Arbeit nicht erhöht; aber wenn sie dies thäte, so würde sie die Preise aller Dinge verhältnissmässig steigern, und alsdann bedürfte es keiner besonderen Auftnunterung für den Ackerbau.

Man muss übrigens zugeben, dass eine Ausfuhrprämie auf irgend eine Waare darauf hinaus geht, den Tauschwerth des Geldes in einem geringen Grade herabzusetzen. Was die Ausfuhr erleichtert, veranlasst Geldansammlung im Lande; und, im Gegentheile, was der Ausfuhr Hindernisse in den Weg legt, veranlasst eine Verminderung der Geldmenge im Lande. Die allgemeine Wirkung der Besteuerung, mittelst der Erhöhung der Preise der besteuerten Güter, ist eine Verringerung der Ausfuhr und desshalb eine Hemmung des Geldzuflusses; und nach dem nämlichen Grundgesetze befordert eine Prämie den Geldzufluss. Dies ist vollständiger bei den allgemeinen Bemerkunggen über Besteuerung auseinander gesetzt worden.

Die nachtheiligen Folgen des Handelssystems sind von Dr. Smith vollständig auseinander gesetzt worden; das ganze Ziel dieses Systems war die Steigerung der Waarenpreise auf dem einheltnischen Markte mittelst der Verhütung ausländischen Mitbewerbes; aber es war den landwirthschaftlichen Klassen nicht nachtheiliger als jedem anderen Theile des Gemeinwesens, Dadurch dass es Kapital in Kanäle hinein zwang, wohin es sonst nicht geflossen sein würde, verringerte es den ganzen Betrag der hervorgebrachten Güter. Der Preis, obgleich fortwährend höher, wurde nicht durch Mangel, sondern durch die Schwierigkeit der Hervorbringung so erhalten; und darum setzten die Verkäufer die Waaren, obgleich sie dieselben zu höherem Preise verkauften, nachdem die erforderliche Kapitalmenge zu ihrer Hervorbringung angewendet war, dennoch nicht mit höheren Gewinnsten ab.10 <284>

Die Gewerksunternehmer selbst, als Zehrer, hätten einen grösseren Preis für solche Waaren zu bezahlen und darum kann man eigentlich nicht wohl sagen, »die durch Beides (nämlich die Zunftgesetze und hohe Einfuhrzölle auf fremde Waaren) veranlasste Preiserhöhung werde allenthalben am Ende von den Grundherren, Pächtern und Arbeitern des Landes bezahlt.«

Diese Bemerkung ist um so nöthiger, als in unseren Tagen von den Herren vom Lande die Autorittit A. Smith's angeführt wird, um die Auflage ähnlicher hoher Einfuhrzölle auf das ausländische Getreide auszuwirken. Weil die Hervorbringungskosten und somit auch die Preise verschiedener Gewerkswaaren für den Zehrer durch einen Irrthum in der Gesetzgebung in die Höhe getrieben wurden, so wurde das Land, unter dem Vorgeben der Gerechtigkeit, aufgefordert, sich ruhig frischen Erpressungen zu unterwerfen. Weil wir alle einen höheren Preis für unsere Leinewand, Musseline und Kattune geben, hält man es für gerecht, dass wir auch einen höheren Preis für unser Getreide bezahlen. Weil wir, bei der allgemeinen Vertheilung der Arbeit in der Welt, verhindert haben, dass wir den grössten Betrag an Erzeugnissen durch die in den Gewerksgütern enthaltene Arbeit erlangen; sollen wir uns weiter noch selbst durch Verminderung der hervorbringenden Kräfte der im Angebote an Roherzeugnissen enthaltenen Arbeit bestrafen. Es <285> würde viel klüger sein, wenn wir die Irrthtümer anerkennen würden, zu welchen uns eine missverstandene Staatsklugheit verführt hat, und wenn wir sofort anfingen, nach und nach auf die gesunden Grundsätze eines allgemein freien Verkehrs zurückzukommen.11

»Ich habe schon,« bemerkt Say , »als ich von der uneigent lich sogenannten Handelsbilanz redete, Gelegenheit gehabt, zu bemerken, dass, wenn es einem Handelsmanne besser zusagt, lieber Edelmetalle als irgend andere Güter ins Ausland auszuführen, es auch der Staatsvortheil erheischt, dass er solche ausführe, weil der Staat allein durch die Kanäle seiner Bürger gewinnt oder verliert; und dass, was den auswärtigen Handel anbelangt, dasjenige, was dem Einzelnen am meisten zusagt, auch dem Staate am förderlichsten ist; und desshalb thut man, wenn man der Ausfuhr von Edelmetallen, zu welcher Einzelne geneigt sind, Hindemisse in den Weg legt, nichts mehr, als sie zwingen, an deren Stelle irgend eine andere, den Einzelnen und dem Staate weniger Gewinn bringende, Waare zu setzen. Es ist indessen zu bemerken, dass ich sage: blos was den auswärtigen Handel anbelangt; weil die Gewinnste, welche die Kaufleute in ihren Handelsgeschäften mit ihren Landsleuten machen, eben so wie diejenigen, welche im ausschliesslichen Handel mit den Kolonien gemacht werden, nicht rein Gewinnste für den Staat sind. Im Handel zwischen einzelnen Einwohnern eines und desselben Landes gibt es keinen anderen Gewinn, als den Werth einer hervorgebrachten Nutzbarkeit, que la valeur d'une utilité produite« 12. Ich vermag die hier ge <286> machte Unterscheidung zwischen den Gewinnsten des Binnen- und auswärtigen Handeis nicht einzusehen. Aller Handel hat die Vermehrung der Erzeugnisse zum Gegenstande. Wenn ich es, zum Behufe des Ankaufs einer Pipe Wein, in meiner Macht hätte, ungemünztes Edelmetall auszuführen, welches mit dem Tauschwerthe des Erzeugnisses von 100 Tagen Arbeit gekauft wäre, und wenn aber die Regirung durch das Verbot der Ausfuhr von ungemünztem Edelmetalle mich zwänge, meinen Wein mit einer Waare zu kaufen, welche mit dem Tauschwerthe des Erzeugnisses von 105 Tagen Arbeit bezahlt wäre, so würde das Erzeugniss der fünftägigen Arbeit für mich, und, durch mich, für den Staat verloren sein. Wenn aber diese Verhandlungen zwischen einzelnen Bewohnern verschiedener Provinzen eines und desselben Landes Statt finden, so würde derselbe Vortheil daraus sowohl für den Einzelnen, als auch, durch ihn, für das Land erwachsen, wenn er in der Wahl derWaaren, mit denen er seine Einkäufe machte, ungestört wäre; es würde aber daraus für Beide derselbe Nachtheil entstehen, wenn der Einzelne vom Staate gezwungen wäre, seine Einkäufe mit der wenigst vortheilhaften Waare zu machen. Wenn ein Gewerksunternehmer mitteist desselben Kapitals mehr Eisen aufarbeiten könnte, wo es Steinkohlen im Ueberflusse gibt, als wo Mangel an solchen ist, so würde das Land um diesen Unterschied im Vortheile sein. Wenn dagegen Steinkohlen nirgend im Ueberflusse vorhanden wären und derselbe Eisen einführte und diesen Mehrbetrag an Eisen mittelst der Verfertigung einer Gewerkswaare durch dasselbe Kapital und die nämliche Arbeit erlangen könnte, so würde er auf gleiche Weise sein Land um diesen Mehrbetrag an Eisen in Vortheil setzen. Im sechsten Hauptstücke dieses Werkes <287> habe ich zu zeigen gesucht, dass aller Handel, der auswärtige wie der Binnenhandel, durch Vermehrung der Menge und nicht durch Erhöhung des Tauschwerthes der Erzeugnisse Vortheile bringt. Wir werden keinen grösseren Tauschwerth haben, ob wir nun den vortheilhaftesten auswärtigen und Binnenhandel treiben oder ob wir zufolge unserer Fesselung durch gesetzliche Verbote gezwungen sind, uns selbst mit dem wenigst vortheilhaften zu begnügen. Der Gewinnstsatz und der hervorgebrachte Tauschwerth wird der nämliche sein. Der Vortheil löst sich stets in denjenigen auf, welchen Say allein dem Binnenhandel zuzuschreiben scheint; es gibt in beiden Fällen keinen änderen Gewinn, als den des Tauschwerthes einer utilité produite. <288>


1. Smith 4.5.7?

2. An einem anderen Orte sagt er: »Welch' eine Ausdehnung der ausländische Markt auch durch die Prämie erlangen kann, es muss in jedem einzelnen Jahre insgesammt auf Kosten des einheimischen Marktes geschehen; denn jeder Buschel Getreide, der unter Unterstützung der Prämie ausgeführt wird und ohne die Prämie nicht ausgeführt worden wäre, würde auf dem einheimischen Markte fortbestanden haben zur Vergrösserung der Verzehrung und zur Erniedrigung des Preises dieser Waare. Die Getreide-, wie jede andere Ausfuhrprämie, - es ist dies wohl zu bemerken, - legt dem Volke zwei verschiedene Steuern auf: erstens die Steuer, welche es, um die Prämie geben zu können, zahlen muss; und zweitens, die Steuer, welche vom gesteigerten Preise der Waare auf dem einheimischen Markte herrührt und, da die Gesammtheit des Volks Getreidekäufer ist, auch bei dieser besonderen Waare von der Gesammtheit bezahlt werden muss. Bei dieser einzelnen Waare ist desshalb die zweite Steuer bei weitem die drückendste von beiden.« »Für jede fünf Schillinge, welche das Volk zur Zahlung der ersten Steuer beitragen muss, hat es demnach sechs Pfund vier Schilling zur Entrichtung der zweiten zu geben. a »Die ausserordentliche Getreideausfuhr also, welche eine Folge der Prämie ist, vermindert nicht blos in einem einzelnen Jahre den Markt und die Verzehrung im Inlande just um so viel, als sie dieselben im Auslande vergrössert, sondern ihr Endergebniss in Folge der durch sie bewirkten Zurückhaltung der Bevölkerung und Gewerb- und Betriebsamkeit des Landes ist, dass sie die stufenweise Ausdehnung des einheimischen Marktes aufhält und verhindert und dadurch in der Länge der Zeit den ganzen Getreidemarkt und -Verbrauch eher verringert als vermehrt.« (Smith 4.5.5, 6)

3. Smith 4.5.6

4. Derselben Meinung ist auch Say . Buch III. Hptst. 8.

5. Smith 4.5.7

6. Smith 2.2.75

7. Smith 4.5.8, 9

8. Smith 4.5.14, 15

9. S. Hauptstück von der Rente.

10. Say erachtet den Vortheil der inländischen Gewerksunternehmer für mehr als blos vorübergehend. »Eine Regirung, welche die Einfuhr gewisser ausländischer Güter geradezu verbietet, errichtet ein Monopol zu Gunsten derjenigen, welche solche Güter im Inlande hervorbringen, und zum Nachtheile derjenigen, welche sie verbrauchen; mit anderen Worten, diejenigen im Inlande, welche sie hervorbringen, indem sie ein ausschliessliches Vorrecht zum Verkaufe derselben haben, können ihren Verkaufspreis über den natürlichen Preis steigern; und die Verbraucher im Inlande sind, da sie dieselben sonstwo nicht bekommen können, gezwungen, sie zu einem höheren Preise zu kaufen.« Buch I. Hptst. 17.
Allein wie können sie anhaltend den Marktpreis ihrer Güter über dem natürlichen Preise halten, wenn einem Jeden von ihren Mitbürgern freisteht, auch in das Geschäft einzutreten? Sie sind wohl vor ausländischem, aber nicht vor dem einheimischen Mitbewerbe sicher gestellt. Der wirkliche Uebelstand, welcher für das Land aus solchen Monopolien, wenn man sie so nennen kann, entsteht, liegt nicht in der Steigerung des Marktpreises solcher Güter, sondern in der Erhöhung des Sach- und natürlichen Preises. Dadurch dass die Hervorbringungskosten vermehrt werden, wird auch ein Theil der Arbeit des Landes weniger hervorbringend angewendet.

11. »Blos der Handelsfreiheit bedarf es, um ein Land, wie Grossbritannien, das an allen Erzeugnissen der Gewerbsamkeit Ueberfluss hat und allen Waarenbedürfnissen jedes Landes entspricht, vor der Möglichkeit des Mangels sicher zu stellen. Die Völker der Erde sind nicht dazu verurtheilt, durch den Würfel zu entscheiden, welches von ihnen sich der Hungersnoth unterwerfen soll. In der Welt ist immer Ueberfluss an Nahrung. Um einer beständigen Fülle zu geniessen, haben wir blos unsere Verbote und Hemmnisse abzuschaffen, und aufzuhören, der gütigen Weisheit der Vorsehung entgegen zu handeln.« S. Encyclopaedia Britannica, Artikel »Corn Laws and Trade« (Getreidegesetze und Getreidehandel).

12. Buch 1. Hptst. 22. § 1. - Sind die folgenden Stellen nicht im Widerspruche mit dieser oben angeführten ? - »Ausserdem dass der Binnenbandel, obgleich weniger bemerkt (weil er sich in verschiedenen Händen findet), der beträchlichste ist, ist er auch der vortheilhafteste. Die in demselben umgetauschten Waaren sind nothwendiger Weise die Erzeugnisse eines und desselben Landes.« Buch I. Hptst. 9.
»Die englische Regirung hat nicht bemerkt, dass die vortheilhaftesten Verkäufe diejenigen sind, welche ein Land an sich selbst macht, weil sie nicht Statt finden können, ohne dass vom Volke zwei Werthe geschaffen sind, der Werth, welcher verkauft wird, und der Werth, mit welchem der Kauf geschieht.« Buch I. Hptst. 7.
Ich werde im 26. Hauptstück die Richtigkeit dieser Meinung prüfen.