Einundzwanzigstes Hauptstück. Wirkungen der Kapitalansammlnng auf Gewinnste und Zinsen.

Aus der Darstellung, welche von dem Kapitalgewinnste gegeben worden ist, wird hervorgehen, dass keine Kapitalansammlung den Gewinnst auf die Dauer erniedrigen kann, wenn nicht gewisse bleibende Ursachen für das Steigen des Arbeitslohnes vorhanden sind. Würden die Mittel zur Unterhaltung von Arbeit verdoppelt, verdreifacht oder vervierfacht, dann würde es nicht lange seine Schwierigkeit haben, sich die erforderliche Händezahl zu verschaffen, um sie mit diesen Mitteln zu beschäftigen; aber zufolge der steigenden Schwierigkeit, die Nahrungsmittel des Landes fortwährend zu erhöhen, würden Mittel von demselben Tauschwerthe wahrscheinlich nicht dieselbe Menge von Arbeit unterhalten. Könnte man die Bedürfnissmittel des Arbeiters beständig mit derselben Leichtigkeit vermehren, so könnte es keine dauerhafte Veränderung im Gewinnst- oder Lohnsatze geben, zu was für einem Betrage auch immer Kapital angesammelt werden möchte. A. Smith schreibt indessen allgemein gleichförmig das Sinken der Gewinnste der Kapitalansammlung und dem aus derselben entstehenden Mitbewerbe zu, ohne irgend Rücksicht zu nehmen auf die steigende Schwierigkeit der Herbeischaffung der Nahrung für die Vermehrung der Arbeiterzahl, welche der Kapitalzusatz anstellen wird. »Die Vermehrung des Kapitals,« sagt er, »welche den Arbeitslohn erhöht, strebt den Gewinnst herabzusetzen. Wann die Kapitalien <257> vieler reichen Handelsleute in einem und demselben Handelsgeschäfte angewendet werden, so verursacht ihr wechselseitiger Mitbewerb natürlich eine Verringerung des Gewinnstes in demselben; und wann eine gleiche Kapitalvermehrung bei allen verschiedenen Gewerben in derselben Gesellschaft ins Werk gesetzt wird, so muss derselbe Mitbewerb in sämmtlichen die nämliche Wirkung hervorbringen.« (Smith 1.9.Anfang) A. Smith spricht hier vom Steigen des Arbeitslohnes, allein dies ist ein zeitweises Steigen, welches daher rührt, dass die Vermögensmittel vermehrt sind, bevor noch die Bevölkerung gestiegen ist; und er scheint nicht zu sehen, dass zur nämlichen Zeit, da das Kapital vermehrt wird, auch die mittelst desselben zu vollführende Arbeit im nämlichen Verhältnisse wächst. Say hat jedoch auf das Genügendste dargethan, dass es keinen Kapitalbetrag gibt, der nicht in einem Lande angewendet werden kann, weil die Nachfrage in der Hervorbringung ihre Grenzen hat. Niemand bringt hervor, ausgenommen in der Absicht, zu verbrauchen oder zu verkaufen, und Niemand verkauft jemals, ausser in der Absicht, andere Güter zu kaufen, welche für ihn unmittelbar brauchbar sind oder zu künftiger Hervorbringung beitragen können. Dadurch, dass er hervorbringt, wird er nothwendiger Weise entweder Verzehrer seiner eigenen Güter oder Käufer und Verzehrer der Güter irgend einer anderen Person. Es ist nicht anzunehmen, dass er auf die Länge der Zeit über die Güter übel berathen sei, welche er mit dem grössten Vortheile hervorbringen kann, um das Eine, was er beabsichtigt, nämlich den Besitz anderer Güter, zu erlangen; und desshalb ist es nicht wahrscheinlich, dass er in Einem fort ein Gut hervorbringen wird, nach welchem keine Nachfrage ist. 1 <258>

Es kann in einem Lande kein Kapitalbeirag angesammelt werden, welcher nicht hervorbringend angelegt werden kann, es sei denn, dass der Arbeitslohn in Folge des Steigens der Preise der Bedürfnisse dermaassen in die Höhe ginge und folglich so wenig als Kapitalgewinnst übrig bliebe, dass der Beweggrund zur Kapitalansammlung verschwände.2 So lange die Kapitalgewinnste hoch sind, haben die Menschen einen Beweggrund zur Kapitalansammlung. So lange Jemand irgend eine gewünschte Befriedigung noch unerfüllt hat, wird er auch Begehr nach mehr Gütern haben; und es wird dieser ein wirksamer Begehr sein, so lange als er irgend einen neuen Tauschwerth als Gegengabe anzubieten hat. Würden für 100,000 £, welche Jemand besitzt, jährlich 10,000 £ gegeben, so würde er sie nicht in eine Kiste verschliessen, sondern entweder seine Ausgaben um 10,000 £ stärker machen, sie selbst hervorbringend anwenden oder sie irgend einer anderen Person zu diesem Behufe darleihen; in jedem Falle würde der Begehr steigen, wenn gleich nach verschiedenen Gegenständen. Verstärkte er seine Ausgaben, so würde sein wirksamer Begehr vermuthlich nach Gebäuden, Hausrath oder sonstigen solchen Genüssen gehen. Wendete er seine 10,000 £ selbst hervorbringend an, so würde sein wirksamer Begehr nach Nahrung, Kleidung und Rohstoffen gehen, was wieder neue Arbeiter in Beschäftigung setzen würde; allein es würde immerhin Begehr vorhanden sein.3 <259>

Erzeugnisse werden stets durch Erzeugnisse oder Dienste erkauft; das Geld ist blos das Mittel, wodurch man den Tausch bewirkt. Es kann zuviel von einem bestimmten Gute hervorgebracht werden, woran ein solcher Ueberfluss auf dem Markte sein kann, dass das auf dasselbe verwendete Kapital nicht erstattet wird; allein dies kann nicht mit Bezug auf alle Güter der Fall sein; die Nachfrage nach Getreide ist durch die Mäuler begrenzt, welche es zu verzehren vorhanden sind; die Nachfrage nach Schuhen und Röcken durch die Personen, welche sie tragen wollen; allein wenn auch ein Gemeinwesen oder ein Theil eines solchen so viel Getreide, so viel Röcke und Schuhe hätte, als es zu verbrauchen vermöchte oder wünschte, so kann dies nicht von jedem Gute gesagt werden, das durch die Natur oder Kunst hervorgebracht wird. Die Einen würden mehr Wein verzehren, wenn sie im Stande wären, sich ihn zu verschaffen. Andere, die genug Wein haben, würden gerne die Menge ihres Hausrathes vermehren oder dessen Art und Beschaffenheit verbessern. Wieder. Andere möchten gerne ihre Landgüter verschönem oder ihre Häuser erweitern. Der Wunsch, alles dieses oder etwas davon zu thun, ist in eines Jeden Brust gepflanzt; nichts ist dazu erforderlich als die Mittel, und nichts kann diese Mittel geben, als eine Erweiterung der Hervorbringung. Hätte <260> ich Nahrungs- und andere Bedürfnissmittel zur Verfügung, so würde es mir nicht lange an Arbeitern fehlen, die mich in den Besitz mancher von denjenigen Gegenständen setzten, welche mir am brauchbarsten oder erwünschtesten sind.

Ob diese Vermehrung der Erzeugnisse und die daraus erfolgende Nachfrage, welche sie veranlasst, die Gewinnste herabsetzen wird oder nicht, hängt ganz allein vom Steigen des Arbeitslohnes ab; und das Steigen des Arbeitslohnes, ausgenommen für kurze Zeit, wieder von der Leichtigkeit, womit dieNahrungs- und anderen Bedürfnissmittel der Arbeiter hervorgebracht werden. Ich sage: ausgenommen für kurze Zeit, weil es keine ausgemachtere Sache gibt als die, dass das Angebot an Arbeitern am Ende immer zu den Mitteln für ihre Unterhaltung im Verhältnisse steht.

Es gibt nur einen einzigen Fall, der aber auch nur zeitweise eintritt, in welchem die Kapitalansammlung bei niedrigem Preise der Nahrungsmittel von einem Sinken der Gewinnste begleitet sein kann; und dies ist, wann die Mittel zur Unterhaltung der Arbeit viel schneller zunehmen als die Bevölkerung;. - der Arbeitslohn wird alsdann hoch und der Gewinn niedrig, sein,. Würde sich Jedermann des Gebrauchs von Luxusgegenständen entschlagen und blos auf die Kapitalansammlung bedacht sein, so könnte eine solche Menge von Bedürfnissmitteln hervorgebracht werden, dass sie nicht unmittelbar verzehrt werden könnten. An Gütern, die der Menge nach so beschränkt sind, könnte es ohne Zweifel; einen allgemeinen Ueberfluss geben und folglich weder eine Nachfrage, nach der Zunahme der Menge solcher Güter vorhanden sein, noch ein Gewinn aus der Anwendung von mehr Kapital hervorgehen. Hörten die Menschen auf zu verzehren, so würden sie auch aufhören hervorzubringen. Dieses Zugeständniss widerspricht dem allgemeinen Grundgesetze nicht. In einem Lande wie England zum Beispiel ist es schwer anzunehmen, dass man eine Neigung bekäme, das ganze Kapital und die Arbeit des Landes auf die Hervorbringung von Bedürfnissraitteln allein zu verwenden.

Wann Handelsleute ihre Kapitalien im auswärtigen Handel oder im Zwischenhandel anlegen, so ist es stets Folge freier Wahl und nicht der Nothwendigkeit; es geschieht, weil ihre <261> Gewinnste in diesem Geschäfte etwas höher als im Binnenhandel ausfallen werden.

A. Smith hat richtig bemerkt, »dass das Verlangen nach Nahrung bei jedem Menschen durch den engen Raum des menschlichen Magens begrenzt ist, dagegen aber das Verlangen nach Bequemlichkeiten und Verschönerungen in Wohnung, Anzug, Gespann und Hausgeräth kein bestimmtes Ziel oder Ende zu haben scheint.«4 Die Natur hat denn also nothwendiger Weise den Betrag des Kapitals, welches zu irgend einer Zeit mit Nutzen Im Ackerbaue verwendet werden kann, begrenzt, aber dem Betrage des Kapitals, das angewendet werden kann, um sich »die Bequemlichkeiten und Verschönerungen« des Lebens zu verschaffen, hat sie keine Grenze gesetzt. Sich diese Annehmlichkeiten in grösster Fülle zu verschaffen, ist es, was die Menschen vor Augen haben; und ganz allein, weil der auswärtige Handel oder der Zwischenhandel jenes Ziel besser erreichen hilft, lassen sie sich lieber in diese Geschäfte ein, als dass sie die dazu erforderlichen Güter oder deren Ersatzmittel im Vaterlande selbst verfertigen. Indessen, wären wir zufolge besonderer Umstände von der Kapitalanlage im auswärtigen Handel oder Zwischenhandel ausgeschlossen, so müssten wir, wenn gleich mit weniger Vortheil, das Kapital im eigenen Vaterlande anlegen; und da es für das Verlangen nach »Bequemlichkeiten und Verschönerungen von Wohnung, Anzug, Gespann und Hausrath« keine Grenze gibt, so kann es auch keine für das Kapital geben, welches man, um sich dieselben zu verschaffen, anwenden möchte, ausgenommen diejenige, welche unserem Vermögen, die Arbeiter, welche sie hervorbringen, zu unterhalten, gesetzt ist.

A. Smith redet übrigens vom Zwischenhandel, als einem nicht aus freier Wahl, sondern aus Nothwendigkeit betriebenen Geschäfte; gleich als ob das in demselben angelegte Kapital todt liegen würde, wenn es nicht so angewendet wäre, gleich als ob das Kapital im Binnenhandel in Ueberfluss gerathen könnte, wenn es nicht auf einen bestimmten Betrag beschränkt wäre. Er sagt: »Wenn der Kapitalstock eines Landes bis zu einem solchen Grade angewachsen ist, dass es nicht ganz zur Vorsorge für die einheimische Verzehrung und zum <262> Unterhalte der hervorbringenden Arbeit dieses besonderen Landes verwendet werden kann, so ergiesst sieh der überschüssige Theil desselben natürlich von selbst in den Zwischenhandel und wird angewendet, um anderen Ländern die nämlichen Dienste zu leisten.«

»Ungefähr sechsundneunzig Tausend Oxhoft Tabak werde» jährlich mit einem Theile des Erzeugnissüberflusses der britlischen Gewerb- und Betriebsamkeit angekauft. Allein die Nachfrage in Grossbrilannien bedarf ihrer vielleicht nicht mehr als vierzehn Tausend. Könnten nun die übrigen zweiundachtzig. Tausend nicht ins Ausland versendet und für etwas bei uns mehr Begehrtes ausgetauscht werden, so würde die Einfuhr derselben unmittelbar eingestellt werden und mit ihr die hervorbringende Arbeit aller Bewohner von Grosbritannien, welche gegenwärtig mit derBereitung der Güter beschäftigt sind, mit welchen jene zweiundachtzig Tausend Oxhoft jährlich erkauft werden.« 5Allein, könnte nicht dieser Theil der hervorbringenden Arbeit Grossbritanniens zur Verfertigung irgend einer anderen Gattung von Gütern verwendet werden, mit welchen etwas bei uns mehr Begehrtes angekauft werden könnte? Und wenn dies, nicht sein könnte, könnten wir nicht diese hervorbringende Arbeit, wenn auch mit weniger Vortheil, zur Verfertigung der begehrten Güter im Inlande selbst oder wenigstens zur Verfertigung von Ersatzmitteln dafür anwenden? Wenn wir Sammet brauchten, könnten wir es nicht versuchen, ihn selbst zu machen? Und wenn wir darin nicht glücklich wären, könnten wir nicht mehr Tuch oder sonst einen für uns wünschenswerthen Artikel verfertigen?

Wir verfertigen Waaren und kaufen damit im Auslande Güter ein, weil wir so eine grössere Menge bekommen können, als wenn wir dieselben im Inlande selbst machen würden. Nehmt uns diesen Handel, und wir werden unmittelbar wieder für uns selbst Waaren verfertigen. Allein diese Meinung A. Smith's weicht von allen seinen allgemeinen Lehren über diesen Gegenstand ab. »Wenn uns ein auswärtiges Land mit einem Gute wohlfeiler versorgen kann, als wir es uns selbst zu machen vermöchten, so ist es besser, wir kaufen es demselben <263> mit einem Theile des Erzeugnisses unserer eigenen Gewerb- und Betriebsamkeit ab, die auf eine Weise angewendet ist, welche uns einigen Vortheil bringt. Die allgemeine Gewerb- und Betriebsamkeit des Landes ist immer im Verhältnisse zu dem Kapitale, welches sie anwendet und wird folglich dadurch nicht vermindert, sondern es wird ihr überlassen werden, den Weg ausfindig zu machen, auf welchem es mit dem grössten Vortheile angewendet werden kann.« Smith quelle

Dagegen wieder: »Diejenigen also, welche über mehr Nahrungsmittel, als sie selbst zu verzehren vermögen, zu verfügen haben, sind stets bereit, den Ueberfluss, oder, was dasselbe ist, den Preis desselben gegen Annehmlichkeiten anderer Art zu vertauschen. Was nach Befriedigung des begrenzten Verlangens noch übrig ist, wird zur Erfüllung derjenigen Wünsche hingegeben, welchen nicht völlig Genüge geleistet werden kann, sondern insgesammt eine Grenze abgeht. Die Armen strengen sich, um ihre Nahrung zu erwerben, an, diese Gelüste der Reichen zu befriedigen; und damit sie es um so gewisser erreichen, so wetteifern sie mit einander in der Wohlfeilheit und Vollkommenheit ihrer Leistungen. Die Zahl der Arbeiter wächst mit der Zunahme der Nahrungsmittel oder mit der wachsenden Verbesserung und Bepflanzung von Boden; und da die Natur ihrer Beschäftigung die äusserste Vertheilung der Arbeilen zulässt, so nimmt die Menge von Stoff, welche sie aufarbeiten können, in viel grösserem Verhältnisse zu, als ihre Anzahl selbst. Daher kommt eine Nachfrage nach jeder Art von Stoff, welche der menschliche Erfindungsgeist entweder zum Nutzen oder zur Verschönerung an Wohnung, Anzug, Gespann oder Hausrath anwenden kann; eine Nachfrage nach Fossilien und Mineralien, die in den Eingeweiden der Erde enthalten sind, nach Edelmetallen und Edelsteinen.« Smith 1.11..230

Es folgt denn also aus diesen Zugeständnissen, dass der Nachfrage, und dass auch der Kapilalanwendung, so lange sie noch irgend Gewinn gibt, keine Grenze gesetzt ist und dass, ein wie grosser Ueberfluss an Kapital auch entstehen mag, es dennoch keine angemessene Ursache vom Sinken des Gewinnes gibt, als ein Steigen des Arbeitslohnes; und man kann weiter <264> noch beifügen, dass die einzige angemessene und beständige Ursache der Erhöhung des Arbeitslohnes die Zunahme der Schwierigkeit ist, die für die steigende Anzahl der Arbeiter erforderlichen Nahrungs- und anderen Bedürfnissmittel herbeizuschaffen.

A. Smith hat richtig bemerkt, dass es äusserst schwer sei, den Kapitalgewinnstsatz zu bestimmen. »Der Gewinn ist so schwankend, dass es selbst in einem besonderen Gewerbe, und vielmehr in Gewerben im Allgemeinen, schwer sein würde, den Durchschnittssatz desselben anzugeben. Mit irgend einem Grade von Genauigkeit zu beurtheilen, von welchem Belaufe derselbe früher oder in entfernten Zeitabschnitten gewesen sein mag, muss vollends ganz unmöglich sein.« Da es indessen einleuchtend ist, dass man für die Benutzung von Geld viel geben wird, wenn man viel damit gewinnen kann; so zieht er daraus den Schluss, dass »der marktmässige Zinssatz uns dazu führen werde, uns einigen Begriff von dem Gewinnstsatze zu bilden, und dass die Geschichte des Zinses uns auch die Geschichte des Gewinnstes vermitteln werde.«6 Ohne Zweifel müssten wir, wenn der marktmässige Zinssatz für irgend einen beträchtlichen Zeitabschnitt genau bekannt werden könnte, auch ein erträglich richtiges Kennzeichen haben, nach welchem das Fortschreiten des Gewinnstes zu schätzen wäre.

Allein in allen Ländern hat sich der Staat aus missverstandenen Begriffen von Staatsklugheit in die Sache gemischt, um einen billigen und freien marktmässigen Zinssatz nicht aufkommen zu lassen, indem er schwere und verderbliche Strafen allen denjenigen auferlegte, welche einen grösseren, als den vom Gesetze bestimmten, Zinssatz nehmen sollten. Wahrscheinlich sind zwar diese Gesetze in allen Ländern umgangen worden, allein die Geschichte gibt uns wenig Aufklärung in diesem Betreff und gibt Mittheilungen mehr über den gesetzlichen und festgesetzten Zinsfuss, als über den marktmässigen. Während des gegenwärtigen Krieges haben die Schatzkammer- und Seeamtsscheine häufig zu einem so hohen Disconto gestanden, dass die Käufer derselben 7,8 % oder noch mehr Zins für ihr Geld erhielten. Anleihen sind von der Regirung zu mehr als 6 % aufgenommen worden und Einzelne haben sich auf indirektem <265> Wege häufig genöthigt gesehen, mehr als 10 % Zins für Geld zu geben; und dennoch war während des nämlichen Zeitabschnittes der gesetzliche Zinsfuss gleichförmig 5 %. Zum Behufe der Belehrung kann daher nur Wenig Gewicht darauf gelegt werden, welches der feste und gesetzliche Zinsfuss sei, so lange wir finden, dass derselbe so beträchtlich vom marktmässigen Zinsfusse abweicht. A. Smith berichtet uns, dass vom 37. Regirungsjahre Heinrich's VIII. bis zum 21. Jacobs I. fortwährend 10 % der gesetzliche Zinsfuss war. Alsbald nach der Restauration ward er auf 6 % und durch die Acte des 12. Regirungsjahrs der Königin Anna auf 5 % herabgesetzt. Er denkt, der gesetzliche Zinsfuss folge dem marktmässigen und gehe demselben nicht voraus. Vor dem amerikanischen Kriege borgte die Regirung zu 3 % und Leute von Kredit in der Hauptstadt und in anderen Theilen des Königreichs zu 3 1 / 2 , 4 und 4 1 / 2 %. Der Zinsfuss, obgleich zuletzt und beständig durch den Gewinnstsatz bestimmt, ist doch zeitweisen Veränderungen zufolge anderer Ursachen unterworfen. Mit einer jeden Schwankung in Menge und Tauschwerth des Geldes wechseln natürlich auch die Güterpreise. Auch wechseln sie, wie wir bereits gezeigt haben, zufolge der Veränderung im Verhältnisse zwischen Angebot und Nachfrage, wenn auch bei der Hervorbringung weder grössere Leichtigkeit noch Schwierigkeit herrschen sollte. Wann die Marktpreise der Güter wegen überflüssigen Angebots, verminderter Nachfrage oder wegen einer Erhöhung des Tauschwerthes des Geldes sinken, so häuft der Gewerksuntemehmer natürlich eine ungewöhnliche Menge vollendeter Güter an, indem er sie nicht gern zu sehr herabgedrückten Preisen verkauft. Um nun seine regelmässigen Zahlungen zur Zeit machen zu können, für welche er vom Verkaufe seiner Güter abzuhängen pflegte, so sucht er auf Kredit zu borgen, und ist öfters gezwungen einen gesteigerten Zins zu zahlen. Indessen dauert dies nur eine gewisse Zeit; denn, entweder sind des Gewerksunternehmers Erwartungen wohl begründet und es steigt der Marktpreis seiner Waaren, oder er macht die Entdeckung, dass die Nachfrage bleibend geringer ist, und er widersteht nicht länger mehr dem Laufe der Dinge: die Preise gehen herab und Geld und Zins erreichen wieder ihren wirklichen Tauschwerth. <266> Wenn durch die Entdeckung eines neuen Bergwerkes, durch Missbräuche im Bankwesen oder aus irgend einer anderen Ursache die Geldmenge bedeutend vermehrt wird, so ist die letzte Wirkung eine Steigerung der Waarenpreise im Verhältnisse der Vermehrung der Geldmenge; allein wahrscheinlich tritt da immer eine Zwischenzeit ein, in welcher auf den Zinsfuss einige Wirkung geäussert wird.

Der Preis der Staatspapiere ist kein stetiges Kennzeichen zur Beurtheilung des Zinsfusses. In Kriegszeiten ist der Papiermarkt mit fortwährenden Staatsanleihen dermaassen überladen, dass der Preis der Papiere nicht Zeit hat, auf seinen gehörigen Stand zu kommen, ehe eine neue Fundirungsoperation Statt gefunden hat, oder die Voraussicht von Staatsereignissen wirkt schon auf ihn. In Friedenszeiten dagegen treiben die Operationen des Tilgfonds und die Abneigung einer besonderen Menschenklasse gegen eine andere Anlage ihrer Kapitalien, als die sie bisher gewöhnt waren, die sie für sicher halten und in welcher die Zinsen mit möglichster Regelmässigkeit bezahlt werden, den Preis der Papiere in die Höhe und drücken demzufolge den Zinsfuss derselben unter den allgemeinen marktmässigen herab. Es ist dabei noch bemerkenswerth, dass der Staat für verschiedene Papiere auch sehr verschiedene Zinsen entrichtet. Während 100 £ Kapital in einer 5 %igen Verschreibung um 95 £ verkauft werden, so wird ein Schatzkammerschein von 100 £ zuweilen um 100 £ 5 sh. verkauft, und doch wird auf diesen Schatzkammerschein nicht mehr Zins jährlich als 4 £ 11 sh. 3 d. bezahlt; das Eine von diesen Papieren bringt dem Käufer bei. obigen Preisen über 5 1 / 4 %, das Andere nur wenig mehr als 4 1 / 2 % Zins ein; eine gewisse Menge solcher Schatzkammerscheine wird von den Bankern als eine sichere und leicht umsetzbare Geldanlage gesucht; würden sie um Vieles über diese Nachfrage hinaus vermehrt, so würden sie im Preise wahrscheinlich um eben so viel herabgehen, als die 5 %igen Verschreibungen. Ein 3 %iges Papier wird immer verhältnissmässig theurer verkauft werden als ein 5 %iges, denn das Schuldkapital Beider kann nur al Pari oder mit 1 00 £ Geld für 100 £ Verschreibung zurück bezahlt werden. Der marktmässige Zinsfuss kann auf 4 % fallen und der Staat würde dann dem <267> Inhaber einer 5 %igen Verschreibung al Pari zahlen, wenn er sich nicht dazu verstände, 4 % oder irgend einen niedrigeren Zins als 5 % zu nehmen: der Staat würde aus einer solchen Bezahlung der Inhaber der 3 %igen Papiere keinen Vortheil ziehen, bis der marktmässige Zinsfuss unter 3 % jährlich gesunken wäre. Zur Verzinsung der Staatsschuld werden grosse Geldsummen viermal jährlich auf wenige Tage aus dem Umlaufe gezogen. Da diese Nachfrage nach Geld nur zeitweise Statt findet, so wirkt sie selten auf die Preise; sie wird allgemein durch die Zahlung eines hohen Zinsfusses überwogen.7. <268>


1. A. Smith spricht von Holland, das ein Beispiel vom Sinken der Gewinnste zufolge der Kapitalanhäufung und der daher rührenden Ueberbesetzung jedes Geschäftes darbiete. »Die Regirung macht dort Anleihen zu 2 % und Privatleute von gutem Kredite zu 3 %.« (Smith 1.9.127) Aber man sollte doch bedenken, dass Holland genöthigt war, fast alles Getreide, was es verbrauchte, einzuführen, und dass es durch hohe Auflagen auf die Bedürfnisse der Arbeiter weiter auch den Arbeitslohn steigerte. Diese Thatsachen werden den niedrigen Gewinnst- und Zinssatz in Holland zur Genüge erklären.

2. Stimmt das Folgende mit Say's Grundsatze wohl recht überein? - »In je grösserem Ueberflusse die verfügbaren Kapitalien, im Verhältnisse zur Menge und Ausdehnung der Anlagsplätze für sie, vorhanden sind, um so mehr wird der Zinssatz von Kapitalanleihen herabgehen.« Buch II. Hptst. 8. Wenn Kapital bis zu einem jeden Belaufe in einem Lande angelegt werden kann, wie kann man es überflüssig nennen, im Vergleiche mit der Menge und Ausdehnung der Anlagsplätze für dasselbe?

3. A. Smith sagt: »Wann das Erzeugniss irgend eines besonderen Gewerbszweiges die Summe überschreitet, welche der Begehr des Landes erheischt, so muss der Ueberschuss ins Ausland versendet und gegen etwas ausgetauscht werden, wonach im Inlande gerade Nachfrage ist. Ohne solche Ausfuhr muss einTheil der hervorbringenden Arbeit des Landes aufhören und der Werth seines jährlichen Erzeugnisses abnehmen. Der Boden und die Arbeit Grossbritanniens bringt jährlich mehr Getreide, Wollenstoffe und Stahlwaaren hervor, als der Begehr auf dem Binnenmärkte erheischt. Der Ueberschuss muss demnach ins Ausland gesendet und gegen etwas ausgetauscht werden, wonach im Inlande gerade Nachfrage ist. Einzig und allein mittelst solcher Ausfuhr vermag dieser Ueberschuss einen Werth zu gewinnen, der hinreicht, um die Hervorbringungsarbeit und -Kosten zu vergüten.« Es möchte Einer durch obige Stelle leicht auf den Gedanken kommen, dass A. Smith behauptete, wir befänden uns gewissermaassen in der Nothwendigkeit, einen Ueberschuss an Getreide, Wollenstofifen und Stahlwaaren hervorbringen zu müssen, und dass das Kapital, welches diese Dinge hervorbringe, nicht auf eine andere Weise angewendet werden könnte. Allein es ist immer Sache der freien Wahl, auf welche Weise ein Kapital angelegt werden soll, und desshalb kann es auch auf die Länge der Zeit keinen Ueberschuss an irgend einem Gute geben; denn, gäbe es einen solchen, so würde er unter seinen natürlichen Preis sinken, und das Kapital in ein einträglicheres Geschäft übertragen werden. Kein Schriftsteller hat genügender und geschickter als Dr. Smith das Streben des Kapitals dargethan, sich aus Geschäften zurückzuziehen, in denen die hervorgebrachten Güter durch ihren Preis nicht die ganze Auslage, die nöthig ist, um sie hervorund auf den Markt zu bringen, nebst dem üblichen Gewinnste erstatten. I. Buch. 10. Hptst. (Smith 2.5.133, 134 )

4. Smith 1.11.229, 230

5. Smith 2.5.134

6. Smith 1.9.122, 123

7. »Alle Arten von Staatsanleihen,« bemerkt Say, »sind von dem Nachtheile begleitet, dass sie Kapital oder Kapitaltheile den hervorbringenden Geschäften entziehen, um sie der Verzehrung zu widmen; und wann sie in einem Lande Statt finden, dessen Regirung nicht viel Vertrauen einflösst, so haben sie noch den ferneren Nachtheil, den Kapitalzins zu steigern. Wer würde wohl dem Landbaue, dem Gewerkswesen und dem Handel zu 5 % jährlich Geld leihen, wenn ein Anleihender gefunden werden kann, der bereit ist, einen Zins von 7 oder 8 % zu zahlen? Diejenige Art von Einkommen, welche man Kapitalgewinn nennt, würde dann auf Kosten der Zehrer steigen. Die Verzehrung würde wegen des Steigens der Erzeugnisspreise abnehmen und die anderen hervorbringenden Dienste würden weniger gesucht, schlechter bezahlt werden. Das ganze Volk, mit Ausnahme der Kapitalisten, würde bei einem solchen Stande der Dinge zu leiden haben.« Auf die Frage, »wer den Pächtern, Gewerksunternehmern und Handelsleuten zu 5 % Zins jährlich Geld leihen werde, wenn ein anderer Anleihender, der weniger Kredit hat, 7 oder 8 % geben würde?« - antworte ich, dass dies jeder kluge und vernünftige Mann thun würde. Wenn da, wo der Gläubiger ausserordentlich Gefahr läuft, der Zinsfuss 7 oder 8 % beträgt, ist dies eine Ursache, dass er an denjenigen Plätzen, wo man vor solchen Gefahren sicher jst, eben so hoch sein sollte? Say gibt zu, dass der Zinsfuss vom Gewinnstsatze abhängt; aber daraus folgt nicht, dass der Gewinnstsatz sich nach dem Zinsfusse richte. Das Eine ist die Ursache, das Andere die Wirkung, und es ist unmöglich, wegen gewisser Umstände, dieselben ihre Plätze wechseln zu lassen.