Zwanzigstes Hauptstück. Werth und Vermögen (Value and Riches), ihre unterscheidenden Eigenthümlichkeiten.

»Ein Mensch ist reich oder arm,« sagt A. Smith »je nach dem Grade, in welchem er sich den Genuss der Bedürfnisse, Gemächlichkeiten und Annehmlichkeiten des menschlichen Lebens verschaffen kann.« 1

Der Tauschwerth unterscheidet sich denn also wesentlich vom Vermögen, denn er hängt nicht von der Reichlichkeit, sondern von der Schwierigkeit oder Leichtigkeit der Hervorbringung ab. Die Arbeit einer Million Menschen in Gewerken wird immer den nämlichen Tauschwerth, aber nicht immer das nämliche Vermögen hervorbringen. Durch die Erfindung von Maschinen, durch Erhöhung der Geschicklichkeit, durch bessere Arbeitstheilung oder durch Entdeckung neuer Märkte, auf denen ein vortheilhafterer Tausch bewirkt werden kann, kann eine Million Menschen das Doppelte oder Dreifache des Betrags an Vermögen, an »Bedürfnissen, Gemächlichkeiten und Annehmlichkeiten,« bei dem einen Zustande der Gesellschaft hervorbringen, welchen es bei einem anderen schaffen könnte, aber damit wird sie dem Tauschwerthe nichts zusetzen, denn jedes Ding steigt oder fällt im Tauschwerthe im Verhältnisse der Schwierigkeit oder Leichtigkeit seiner Hervorbringung oder mit anderen Worten, im Verhältnisse der zu seiner Hervorbringung angewendeten Arbeitsmenge. Gesetzt, mit einem gegebenen Kapitale bringe die Arbeit einer gewissen Menschenzahl 1000 Paar Strümpfe hervor. <243> und mittelst Erfindungen von Maschinen könne dieselbe Menschenxahl 2000 Paare liefern oder sie liefere nur 1000 Paare und könne noch ausserdem 500 Hüte machen; alsdann wird der Tauschwerth der 2000 Paar Strümpfe oder der 1000 Paar Strümpfe und 500 Hüte nicht mehr und nicht weniger betragen, als jener der 1000 Paar Strümpfe vor der Einführung der Maschinen; denn sie werden das Erzeugniss der nämlichen Arbeitsmenge sein. Allein der Tauschwerth der allgemeinen Masse von Gütern wird nichts desto weniger vermindert werden; denn, obgleich der Tauschwerth der grösseren, in Folge der Verbesserungen hervorgebrachten, Menge genau der nämliche sein wird, als wie der Tauschwertb der geringeren Menge, welche hervorgebracht worden wäre, gewesen sein würde, wenn keine Verbesserung Statt gefunden hätte, so wird auch eine Wirkung auf den noch nicht verbrauchten Theil der Güter geäussert werden, welche vor der Verbesserung verfertigt waren; der Tauschwerth dieser Güter wird herabgesetzt werden, in so weit als sie, Menge für Menge, auf den Gleicbgewichtsstand mit den, unter allen Vortheilen der Verbesserung, hervorgebrachten Gütern sinken müssen; und die Gesellschaft wird trotz der vergrösserten Gütermenge, trotz ihres vermehrten Vermögens und trotz ihrer vervielfachten Genussmittel, einen geringeren Betrag an Tauschwerth haben. Durch fortwährend zunehmende Erleichterung der Hervorbringnng verringern wir beständig den Tauschwerth einiger der zuvor hervorgebrachten Güter, obschon wir durch dieselben Mittel nicht blos das Volksvermögen vergrössem, sondern auch die Kraft der zukünftigen Hervorbringung erhöhen. Manche Irrthümer in der Volkswirthschaftstehre sind aus Irrthümern über diesen Gegenstand, darauf dass man die Vermehrung des Vermögens und die Vermehrung des Tauschwerthes für eine und dieselbe Sache ansah, und aus unrichtigen Begriffen darüber, was der Grundmaassstab des Tauschwerthes sei, hervorgegangen. Der Eine sieht das Geld für den Maassstab des Tauschwertbes an, und seiner Meihung nach wird ein Volk reicher oder ärmer im Verhältnisse als alle Gattungen seiner Güter gegen mehr oder weniger Geld ausgetauscht werden können. Andere stellen, das Geld als ein sehr passendes Mittel zum Behufe des Tausches, aber nicht als ein geeig <244> netes Maass vor, wonach der Tauschwerth anderer Dinge zu schätzen sei; der wirkliche Maassstab des Tauschwerthes ist nach ihrer Ansicht das Getreide2, und ein Land ist ihnen reich oder arm, je nachdem seine Güter für mehr oder weniger Getreide3 umgetauscht werden. Dagegen gibt es wieder Andere, welche ein Land für reich oder arm ansehen, je nach der Menge von Arbeit, welche es kaufen kann. Aber warum sollte Gold oder Getreide oder Arbeit mehr der Grundmaassstab des Tauschwerthes sein, als Kohlen oder Eisen? - mehr als Kleider, Seife, Lichter und die anderen Bedürfnisse des Arbeiters? - Kurz, warum sollte irgend ein Gut oder alle Güter zusammen genommen der Maassstab sein, wann ein solcher selbst Schwankungen im Tauschwerthe ausgesetzt ist? Getreide so gut als wie Gold kann verhältnissmässig gegen andere Dinge je nach der Schwierigkeit oder Leichtigkeit der Hervorbringung im Tauschwerthe um 40, 20 oder 30 % wechseln, warum dürfen wir nun immer fort sagen, dass es diese anderen Dinge sind, die im Tauschwerthe verändert sind, und nicht das Getreide? Blos dasjenige Gut ist im Tauschwerthe unveränderlich, welches zu allen Zeilen dieselbe Aufopferung an Mühe und Arbeit erfordert, um hervorgebracht zu werden. Von solch' einem Gute haben wir keine Kenntniss, aber wir können voraussetzungsweise darüber urtheilen und sprechen, als ob wir ein solches hätten; und können so unsere wissenschaftlichen Kenntnisse verbessern, indem wir genau die unbedingte Unbrauchbarkeit aller der Maassstäbe zeigen, welche bisher angenommen worden <245> sind. Allein angenommen, ein jeder von denselben sei ein richtiger Maassstab des Tauschwerthes, so würde er noch kein solcher des Vermögens sein, denn das Vermögen hängt nicht vom Tauschwerth ab. Ein Mensch ist reich oder arm, je nach der Menge von Bedürfnissmitteln und Gegenständen des Wohllebens, worüber er gebieten kann; und ob nun der Tauschwerth derselben gegen Geld, Getreide oder Arbeit hoch oder niedrig sein mag, sie werden gleichmässig zu dem Genusse ihres Besitzers beitragen. Es rührt von der Verwechselung der Begriffe von Tauschwerth und Wohlstand oder Vermögen her, dass man behauptete, durch Verminderung der Menge der Güter, d. h. der Bedürfnisse, Gemächlichkeiten und Genüsse des menschlichen Lebens könne das Vermögen vergrössert werden. Wäre der Tauschwerth der Maassstab des Vermögens, so könnte dies nicht geleugnet werden, weil der Tauschwerth der Güter mit ihrer Seltenheit steigt; hat aber A. Smith Recht, besteht das Vermögen in Bedürfnissen und Genüssen, dann kann es durch Verringerung ihrer Menge nicht vermehrt werden.

Es ist wahr, dass der Mensch im Besitze eines seltenen Gutes reicher ist, wenn er mittelst desselben über mehr Bedürfnisse und Genüsse des menschlichen Lebens gebieten kann; allein da der allgemeine Vermögensstamm, aus welchem das Vermögen jedes einzelnen Menschen gezogen wird, in seiner Grösse verringert wird um Alles, was ein Einzelner demselben entnimmt, so müssen die Antheile anderer Leute in demselben Verhältnisse kleiner werden, als jener begünstigte Einzelne im Stande ist, sich eine grössere Menge anzueignen.

Lasset das Wasser selten werden, sagt Lord Lauderdale, und im ausschliesslichen Besitze eines Einzelnen sein, und Ihr werdet das Vermögen desselben vergrössern, weil das Wasser alsdann Tauschwerth haben wird; und wenn das Volksvermögen die Gesammtheit des Vermögens der Einzelnen ist, so werdet Ihr durch dieselben Mittel auch das Volksvermögen vergrössern. Ihr werdet ohne Zweifel das Vermögen der Einzelnen vermehren, aber in so weit als der Pachter einen Theil seines Getreides, der Schuster einen Theil seiner Schuhe und Jedermann einen Theil seiner Besitzthümer aufwenden muss, blos um sich mit Wasser zu versehen, welches sie vorher umsonst hatten, so <246> sind sie ärmer um die ganze Menge der Güter, weiche sie diesem Zwekke widmen müssen, und der Eigenthümer des Wassers ist genau um den Betrag ihres Verlustes reicher gemacht. Die nämliche Menge Wassers und die nämliche Menge Güter wird von der ganzen Gesellschaft genossen, aber sie werden verschieden vertheilt. Dies heisst übrigens eher ein Wassermonopol, als einen Wassermangel annehmen. Sollte das Wasser selten werden, dann würde das Vermögen des ganzen Landes und der Einzelnen wirklich geringer, in so weit als sie um einen Theil Eines ihrer Genüsse gebraucht würden. Der Pachter würde nicht blos weniger Getreide gegen andere Güter, welche ihm noth wendig oder wünscbenswerth sein können, zu vertauschen haben, sondern er würde wie jeder andere Einzelne auch in dem Genüsse Einer seiner wesentlichsten Behaglichkeiten verkürzt sein. Nicht blos würde da eine verschiedene Vertheilung des Vermögens, sondern ein wirklicher Verlust an Wohlstand Statt finden.

Man kann also von zwei Ländern, welche genau die nämliche Menge von allen Bedürfnissen und Behaglichkeiten des Lebens besitzen, sagen, dass sie gleich reich sind, aber der Tauschwerth ihres entsprechenden Vermögens würde von der vergleichsweisen Leichtigkeit oder Schwierigkeit, womit sie hervorgebracht wären, abhängen. Denn wenn ein verbesserter Theil einer Maschine uns in Stand setzte, zwei Paar Strümpfe, statt nur eines einzigen, ohne Arbeitszusatz zu machen, so würde die zweifache Menge davon im Tausche für ein Yard Tuch gegeben werden. Wäre eine ähnliche Verbesserung in der Tuchmacherei gemacht, so würden Strümpfe und Tuch in dem nämlichen Verhältnisse als wie zuvor gegenseitig umgetauscht werden, aber beide im Tauschwerthe gesunken sein; denn bei einem Austausche derselben gegen Hüte, Gold oder andere Waaren im Allgemeinen, müsste das Doppelte der früheren Menge von ihnen hingegeben werden. Dehnet die Verbesserung auf die Hervorbringung des Goldes und jedes anderen Gutes aus, und sie werden dann ihre früheren Tauschwerthsverhältnisse wieder erlangen. Da wird dann jährlich die doppelte Menge von Waaren im Lande hervorgebracht werden und das <247> Vermögen des Landes noch einmal so gross sein, aber dasselbe wird im Tauschwerthe nicht zugenommen haben.

Obschon A. Smith die richtige Erklärung vom Reichthume gegeben hat, was ich mehr als einmal bemerkte, so setzt er ihn hinterher doch anders auseinander und sagt: »dass ein Mensch reich oder arm sein müsse, je nach der Menge von Arbeit, welche er kaufen könne.«4 Diese Erklärung ist nun von der anderen wesentlich verschieden und sicherlich unrichtig; denn gesetzt die Gold- und Silbergruben würden ergiebiger, so dass Gold und Silber zufolge der grösseren Leichtigkeit ihrer Gewinnung im Tauschwerthe fielen; oder der Sammet könne mit so viel weniger Arbeit verfertigt werden, dass er auf die Hälfte seines früheren Tauschwerthes sänke; so würde das Vermögen aller derjenigen, welche diese Waaren kauften, grösser sein; der Eine könnte die Menge seines Silbergeschirrs vermehren, ein Anderer doppelt so viel Sammet kaufen als sonst; allein mit dem Besitze dieses Mehr an Silbergeschirr und Sammet könnten sie nicht mehr Arbeit beschäftigen als vorher; denn, da der Tauschwerth des Sammets und Silbergeschirres geringer wäre, so müssten sie verhältnissmässig mehr von diesen Vermögenstheilen daran setzen, um einen Tag Arbeit zu kaufen. Das Vermögen kann daher nicht nach der Menge Arbeit geschätzt werden, welche man damit kaufen kann.

Aus dem Gesagten wird man ersehen, dass das Vermögen eines Landes auf zwei Wegen vermehrt werden kann: es kann vermehrt werden durch Anwendung eines grösseren Theils Einkommen zur Haltung hervorbringender Arbeit, was nicht blos die Menge, sondern auch den Tauschwerth der Gütermasse erhöht; oder es kann vermehrt werden, ohne Anwendung einer grösseren Menge von Arbeit, dadurch dass man die nämliche Arbeitsmenge hervorbringender macht, was die Reichlichkeit, aber nicht den Tauschwerth der Güter vergrössert.

In dem ersten Falle würde ein Land nicht blos reich werden, sondern auch der Tauschwerth seines Vermögens zunehmen. Es würde reich werden durch Sparsamkeit, durch Verringerung seiner Ausgaben für Gegenstände des Luxus und Genusses, und durch Anwendung dieser Ersparnisse zur Wiederhervorbringung. <248>

Im zweiten Falle wird nicht nothwendig eine Verringerung der Ausgaben für Luxusgegenstände und Genüsse, noch eine Anwendung einer grosseren Menge hervorbringender Arbeit Statt finden; sondern es würde mittelst der nämlichen Arbeit mehr hervorgebracht werden; das Vermögen würde zunehmen, aber nicht der Tauschwerth steigen. Von diesen beiden Arten der Vermögensvermehrung muss die Letztere vorgezogen werden, weil sie ohne gänzliche Entziehung und ohne Verringerung der Genüsse, welche die Erstere stets begleitet, dieselbe Wirkung hervorbringt. Kapital ist derjenige Theil des Vermögens eines Landes, welcher mit dem Zwecke zukünftiger Hervorbringung angewendet wird, und es kann auf dieselbe Weise wie Vermögen vermehrt werden. Ein Kapitalzusatz wird in der Hervorbringung zukünftigen Vermögens gleich wirksam sein, man mag es mittelst Verbesserungen in Geschicklichkeit und Maschinen oder mittelst wiederhervorbringender Verwendung von mehr Einkommen erworben haben; denn das Vermögen richtet sich immer nach der Menge hervorgebrachter Güter, ohne irgend Rücksicht auf die Leichtigkeit, womit die bei der Hervorbringung gebrauchten Werkzeuge herbeigeschafft worden sein können. Eine gewisse Menge Tücher und Lebensmittel wird die nämliche Menschenmenge unterhalten und beschäftigen und desshalb die Ausführung der gleichen Menge von Werken besorgen, mögen sie nun durch die Arbeit von 100 oder von 200 Menschen hervorgebracht werden; allein sie werden vom doppelten Tauschwerthe sein, wenn auf ihre Hervorbringung 200 Menschen verwendet worden sind.

Say scheint mir in seiner Definition von Vermögen und Werth, trotz der Berichtigungen in der vierten und letzten Ausgabe seines Werkes »Traité d'Economie politique« besonders unglücklich gewesen zu sein. Er hält diese beiden Worte für synonym und erachtet einen Menschen für reich, im Verhältniss als er den Tauschwerth seines Besitzes vermehrt und über eine Fülle von Gütern verfügen kann. »Der Tauschwerth der Einkünfte, - so bemerkt er, - ist vermehrt, wenn sie ihm, ohne Angabe, durch was für Mittel, eine grössere Menge von Erzeugnissen verschaffen können.« Nach Say würde das Tuch im Tauschwerthe auf das Doppelte steigen, wenn die Schwierigkeit <249> des Tuchmachens verdoppelt und desshalb das Tuch gegen eine doppelt so grosse Menge von Gütern, als zuvor, umgetauscht würde. Darin stimme ich ihm vollkommen bei. Allein, wenn eine besondere Leichtigkeit in der Hervorbringung der Güter und keine Vermehrung der Schwierigkeit des Tuchmachens vorhanden wäre und das Tuch demzufolge, wie vorher, gegen die doppelte Menge von Gütern ausgetauscht würde, so würde Say immer noch sagen, dass der Tauschwerth des Tuches verdoppelt sei, während er, nach meiner Ansicht, sagen müsste, dass das Tuch seinen vorherigen Tauschwerth behalten habe und diese besonderen Güter auf die Hälfte ihres Tauschwerthes herabgegangen seien. Muss sich Say nicht mit sich selbst in Widerspruch befinden; wenn er sagt, zwei Säcke Getreide könnten, zufolge von Erleichterung in der Hervorbringung, mit den nämlichen Mitteln, wie früher nur Einer, hervorgebracht werden, jeder Sack sinke also auf die Hälfte seines früheren Tauschwerthes, und dennoch behauptet, der Tuchmacher, welcher sein Tuch gegen zwei Säcke Getreide vertausche, empfange das Doppelte des Tauschwerthes als früher, als er mit seinem Tuche nur einen Sack Getreide eintauschen konnte? Wenn zwei Säcke vom nämlichen Tauschwerthe sind, wie früher Einer, so empfängt er offenbar denselben Tauschwerth und nicht mehr, - er erlangt in der That das Doppelte der Vermögensmenge, das Doppelte der Menge von Brauchbarkeiten, das Doppelte desjenigen, was A. Smith Gebrauchswerth nennt, aber nicht das Doppelte an Tauschwerth, und darum kann Say nicht Recht haben, wenn er Tauschwerth Vermögen und Brauchbarkeit für synonym erklärt. Ich kann mich wirklich auf manche Stellen in Say's Werk zur Unterstützung meiner eigenen Lehre vom wesentlichen Unterschiede zwischen Tauschwerth und Vermögen berufen, aber an anderen Stellen ist eine ganz entgegengesetzte Lehre aufgestellt. Ich kann mich mit diesen Stellen nicht vereinigen, und ich ziehe dieselben in ihren Gegensätzen gegen einander aus, damit Say , wenn er mir die Ehre erweisen will, von meinen Bemerkungen in einer späteren Ausgabe seines Werks Notiz zu nehmen, solche Auslegungen seiner Ansichten geben kann, welche die durch Andere wie durch mich empfundenen Schwierigkeiten des Verständnisses beseitigen können: <250>

  1. Bei dem gegenseitigen Austausche zweier Erzeugnisse tauschen wir blos die hervorbringenden Dienste, welche zu ihrer Hervorbringung geleistet worden sind. S. 504.
  2. Es gibt keine andere wirkliche Theuerheit, als welche von den Hervorbringungskosten herrtührt. Eine wirklich theuere Sache ist eine solche, welche viel kostet, um sie hervorzubringen. S. 497.
  3. Der Werth aller derjenigen hervorbringenden Dienste, welche zur Hervorbringung eines Erzeugnisses verbraucht werden müssen, stellt die Kosten der Hervorbringung derselben dar. S. 505.
  4. Die Brauchbarkeit bestimmt die Nachfrage nach einem Gute, aber die Hervorbringungskosten bestimmen die Ausdehnung der Nachfrage nach demselben. Wenn seine Brauchbarkeit dessen Werth nicht auf die Standhöhe der Hervorbringungskosten erhebt, so ist das Gut nicht werth, was es kostet; es ist ein Beweis dafür, dass die hervorbringenden Dienste zur Hervorbringung eines Gutes von höherem Werthe angewendet werden könnten. Die Besitzer der Quellen der Hervorbringung, d. h. diejenigen, welche die Verfügung über Arbeit, Kapital oder Boden haben, sind beständig damit beschäftigt, die Hervorbringungskosten mit dem Werthe der hervorgebraditen Gegen;stände, oder, was auf dasselbe hinauskommt, den Werth der verschiedenen Güter zu vergleichen; weil die Hervorbringungskosten nichts anderes sind als der Werth der zu ihrer Herstellung verbrauchten hervorbringenden Dienste und weil der Werth eines hervorbringenden Dienstes nichts anderes ist, als der Werth des mittelst desselben hergestellten Gutes. Der Werth eines Gutes, der Werth eines hervoribringenden Dienstes, der Werth der Hervorbringungskosten, - sie sind sämmtlich gleiche Werthe, wenn jedem Ding sein natürlicher Lauf gelassen wird.
  5. Der Werth der Einkünfte ist vermehrt, wenn sie (ohne Angabe, durch was für Mittel) eine grössere Menge von Erzeugnissen verschaffen können. <251>
  6. Der Preis ist das Maass des Werths der Dinge und ihr Werth das Maass ihrer Brauchbarkeit. Bd. II. S. 4.
  7. Freier gegenseitiger Umtausch der Dinge zeigt zur Zeit, am Platze, und auf dem Standpunkte der Gesellschaft, worin und worauf wir uns befinden, den Werth, welchen wir den Tauschgegenständen beimessen. S. 466.
  8. Hervorbringen heisst Werth schaffen, dadurch, dass man einem Ding Brauchbarkeit gibt oder dessen Brauchbarkeit erhöhet und damit eine Nachfrage danach veranlasst, welche die erste Ursache seines Werthes ist. Bd. II. S. 487.
  9. Hervorgebrachte Brauchbarkeit stellt ein Erzeugniss dar. DerTauschwerth, welcher daraus hervorgeht, ist nur das Maass seiner Brauchbarkeit, das Maass der Hervorbringung, welche stattgefunden hat. S. 490.
  10. Die Brauchbarkeit, welche das Volk eines besonderen Landes in einem Erzeugnisse findet, kann nicht anders als nach dem Preise, welchen es dafür gibt, geschätzt werden. S. 502.
  11. Dieser Preis ist das Maass der Brauchbarkeit, die es nach dem Urtheile der Mensdien hat, das Maass der Befriedigung, welche sie von dem Verbrauche des Gegenstandes herleiten, weil sie den Verbrauch dieser Brauchbarkeit nicht vorziehen würden, wenn sie für denselben Preis, den diese kostet, eine Brauchbarkeit anschaffen könnten, welche ihnen mehr Befriedigung gewähren würde. S. 506.
  12. Die Menge aller anderen Güter, welche eine Person unmittelbar im Tausche für ein Gut, welches sie hingeben will, bekommen kann, ist zu allen Zeiten ein unbestreitbarer Werth. Bd. II. S. 2.

Wenn es keine andere Theuerheit gibt, als welche von den Hervorbringungskosten herrührt (Nr. 2), wie kann dann vom Steigen des Tauschwerthes die Rede sein (Nr. 5), wenn die Hervorbringungskosten nicht vergrössert sind? und hauptsächlich weil das Gut gegen Mehr von einem wohlfeilen Gute, gegen Mehr von einem Gute, dessen Hervorbringungskosten abgenommen haben, ausgetauscht wird? Wenn ich 2000 mal mehr <252> Tuch für ein Pfund Gold als für ein Pfund Eisen gebe, beweist dies, dass ich dem Golde 2000 mal mehr Brauchbarkeit zuschreibe als dem Eisen? Gewiss nicht, es beweist nur, wie Say zugibt (Nr. 4), dass die Hervorbringungskosten des Goldes 2000 mal grösser sind als die des Eisens. Wären die Hervorbringungskosten der beiden Metalle gleich, so würde man denselben Preis für beide geben; aber wenn die Brauchbarkeit der Maassstab des Tauschwerthes wäre, so würde man wahrscheinlich für das Eisen mehr geben. Es ist die Mitbewerbung der Hervorbringer, »welche beständig damit beschäftigt sind, die Hervorbringungskosten mit dem Werthe des hervorgebrachten Gegenstandes zu vergleichen« (Nr. 4), was den Tauschwerth der verschiedenen Güter regelt. Wenn ich einen Schilling für einen Laib Brod und 21 Schillinge für eine Guinee gebe, so ist es kein Beweis dafür, dass dies nach meiner Schätzung der vergleichsweise Maassstab ihrer Brauchbarkeit sei.

In Nr. 4 behauptet Say , mit kaum einer Abweichung, meine Lehre vom Werthe. In seinen »hervorbringenden Diensten« begreift er die Dienste des Bodens, des Kapitals und der Arbeit; ich begreife in denselben nach meiner Ansicht nur das Kapital und die Arbeit, und schliesse den Boden gänzlich aus. Unsere Meinungsverschiedenheit geht von der Verschiedenheit unserer Auffassung der Rente aus: ich sehe die Rente immer als Ergebniss eines theilweisen Monopols an, und bin der Ansicht, dass sie niemals den Preis bestimmt, sondern eher eine Folge desselben ist. Wenn alle Grundherren auf die Rente verzichteten, so würden, nach meiner Meinung, die Bodenerzeugnisse nicht wohlfeiler werden, weil immerfort ein Theil dieser Erzeugnisse auf einem Boden hervorgebracht wird, für welchen eine Rente nicht bezahlt wird, oder bezahlt werden kann, indem der Ueberschuss des Erzeugnisses gerade nur hinreicht, den Kapitalgewinnst zu bezahlen.

Schliesslich, obschon Niemand geneigter ist als ich, den Vortbeil der wirklichen Fülle und Wohlfeilheit der Güter für alle Klassen der Verbraucher hoch anzuschlagen, so kann ich Say doch nicht beistimmen, indem er den Tauschwerth eines Gutes nach der Menge von anderen Gütern schätzt, gegen welche dasselbe ausgetauscht werden kann. Ich bin der Ansicht eines <253> ausgezeichneten Schriftstellers, des Destutt de Tracy welcher sagt: »um irgend ein Ding zu messen, muss man dasselbe vergleichen mit einer ganz bestimmten Menge desselben Dinges, welches wir als Grund- und Richtmaassstab, als Einheit, annehmen. Also um eine Länge, ein Gewicht, einen Tauschwerth zu messen, ist zu ermitteln, wie oftmal sie Meter, Gramme, Franken, mit einem Worte, Einheiten derselben Art enthalten.« Ein Frank ist nicht Tauschwerthsmaass für ein Ding überhaupt, sondern für eine Menge Metall, aus welchem Franken verfertigt werden, unerachtet Franken und das zu messende Ding zu einem anderen Maassstabe, welcher beiden gemein ist, in Beziehung gesetzt werden können. Dies können sie, denk' ich, denn sie sind beide ein Ergebniss von Arbeit, und desshalb ist Arbeit der gemeinsame Maassstab, nach welchem sie sowohl in ihrem wirklichen als auch in ihrem verglichenen Tauschwerthe geschätzt werden können. Dies erscheint auch, wie ich so glücklich bin zu sagen, als die Meinung Destutt de Tracy's 5. Er sagt: »Da es gewiss ist, dass unsere Natur- und sittlichen Anlagen allein unser ursprüngliches Vermögen sind, so ist die Anwendung derselben, Arbeit irgend einer Art, unser ursprünglicher Schatz, und mittelst dieser Anwendung werden all die Dinge geschaffen, welche wir Vermögen nennen, sowohl diejenigen, welche am nothwendigsten, als auch diejenigen, welche am meisten blos angenehm sind. Ausserdem ist sicher, dass alle diese Dinge nur die Arbeit darstellen, welche sie geschaffen hat, und wenn sie einen Tauschwerth oder zwei verschiedene Tauschwerthe haben, so können sie dieselben nur von dem der Arbeit herleiten, von welcher sie herrühren.«

Indem Say von den Vorzügen und Mängeln des grossen Werkes von A. Smith spricht, beschuldigt er denselben des Irrthums, »dass er allein der Arbeit des Menschen das Vermögen, Werthe hervorzubringen, zuschreibe. Eine genauere Zerlegung zeige uns, dass der Werth von der Arbeitsthätigkeit oder viel <254> mehr von der Gewerbsamkeit des Menschen in Verbindung mit der Thätigkeit der Hillskräfte, welche die Natur darbiete, und mit jener des Kapitals herrühre. Seine Unbekanntschaft mit diesem Grundgesetze lasse ihn die wahre Lehre vom Einflusse des Maschinenwesens auf die Hervorbringung von Vermögen nicht aufstellen.«

Im Gegensatze zu Meinung A. Smith's spricht Say im vierten Hauptstück des ersten Buches, von dem Werthe, welcher den Gütern gegeben wird durch die Hilfskräfte der Natur, wie der Sonne, der Luft, des Druckes der Atmosphäre u. s. w., die bdld die Arbeit des Menschen ersetzen und bald in der Hervorbringung mit ihm zusammeniwirken.6 Allein diese Hilfskräfe der Natur geben, obgleich sie den Gebrauchswerth bedeutend erhöhen, einem Gute nimmermehr Tauschwerth, von welchem Letzteren Say spricht: sobald als Ihr mit Hilfe der Maschinen oder naturwissenschaftlicher Kenntnisse die Hilfskräfte der Natur zwinget, die Arbeit zu leisten, welche vorher der Mensch gethan hat, so sinkt demzufolge der Tauschwerth solcher <255> Arbeit. Wenn zehn Menschen bisher eine Getreidemühle trieben und dann entdeckt würde, dass die Arbeit dieser zehn Menschen mit Hilfe von Wind oder Wasser gespart werden kann, so würde das Mehl, zum Theil das Erzeugniss der durch die Mühle vollführten Arbeit, unmittelbar im Verhältniss zu der ersparten Arbeitsmenge fallen; und die Gesellschaft würde um die Güter, welche fortan die Arbeit der zehn Menschen hervorbringen könnte, reicher werden, da die zu ihrer Unterhaltung bestimmten Vermögensmittel nicht im geringsten geschmälert sind. Say übersieht beständig den wesentlichen Unterschied zwischen Gebrauchs- und Tauschwerth.

Say beschuldigt Dr. Smith er habe den Werth übersehen, welcher den Gütern durch die Hilfskräfte der Natur und durch Maschinen gegeben werde, weil er behauptete, dass der Werth aller Diage von der Arbeit des Menschen herrührte; allein es scheint mir nicht, dass diese Anschuldigung so ausgemacht ist, denn A. Smith unterschätzt nirgend die Dienste, welche uns diese Kräfte der Natur und Maschinen leisten, aber er unterscheidet streng die Natur des Werthes, den sie den Gütern geben: sie sind uns nämlich dienlich, indem sie die Fülle an Erzeugnissen erhöhen, die Menschen reicher machen, den Gebrauchswerth steigern; allein da sie ihr Werk unentgeldlich verrichten, da für die Benutzung der Luft, Wärme und des Wassers, deren Beistand sie uns gewähren, nichts bezahlt wird, so setzen sie auch dem Tauschwerthe nichts zu. <256>


1. Smith 1.5

2. A. Smith sagt, »dass der Unterschied zwischen dem Sach- und Nennpreise der Güter und Arbeit nicht Gegenstand reiner Speculation sei, sondern zuweilen von beträchtlichem Nutzen für die Ausübung sein könne.« (Smith 1.5.Anfang) Ich stimme mit ihm überein; allein der Sachpreis der Arbeit und Güter ist durch ihren Preis in Gütern, A. Smith 's Sachmaassstab, nicht mehr als durch ihren Preis in Gold und Silber, A. Smith 's Nennmaassstab, zu bestimmen. Der Arbeiter empfängt nur dann einen wirklich hohen Preis für seine Arbeit, wann er mit seinem Lohne das Erzeugniss eines grossen Theiles Arbeit eintauschen wird.

3. Buch I. Hptst. 2 seines Traité führt Say an, dass jetzt das Silber von demselben Tauschwerthe sei, wie unter der Regirung Ludwigs XIV., »weil man mit der nämlichen Silbermenge die nämliche Menge von Getreide kaufe.«

4. Smith 1.5.Anfang

5. Elemens d'Idéologie. Bd. IV. S. 99. In diesem Werke hat de Tracy eine brauchbare und gute Abhandlung über die allgemeinen Grundgesetze der Volkswirthschaft geliefert, nur muss ich zu meinem Bedauern beifügen, dass er mit seiner Autorität die Begriffe Say's von Werth, Vermögen und Brauchbarkeit unterstützt.

6. »Der erste Mensch, welcher es lernte, wie man die Metalle durch Feuer erweiche, ist nicht der Schöpfer des Werthes, welchen dieser Prozess dem geschmolzenen Metalle gibt. Dieser Werth ist das Ergebniss der naturgemässen Wirksamkeit des Feuers, welche zur Gewerbsamkeit und zum Kapitale derjenigen noch hinzukommt, die sich diese Kenntniss zu Nutzen machten.«
»Aus diesem Irrthum hat A. Smith die falsche Folgerung gezogen, dass der Werth aller Erzeugnisse die neue oder frühere Arbeit eines Menschen vorstelle, oder mit anderen Worten, dass Vermögen nichts anderes sei, als angehäufte Arbeit, woraus derselbe eine zweite eben so falsche Folgerung gezogen hat, nämlich, dass Arbeit der einzige Maassstab des Vermögens oder des Werthes der Erzeugnisse sei.« Hptst. 4. Die Folgerungen, mit welchen Say schliesst, sind seine eigenen und nicht die des Dr. Smith; sie sind richtig, wenn zwischen Tauschwerth und Vermögen kein Unterschied gemacht wird, und Say macht an dieser Stelle keinen: allein, wenn auch A. Smith, welcher den Reichthum dahin erklärte, dass er in einer Fülle von Bedürfnissmitteln, Gemächlichkeiten und Genüssen des menschlichen Lebens bestehe, zugegeben haben würde, dass Maschinen und Hilfskräfte der Natur den Reichthum des Landes sehr bedeutend vermehren könnten, so würde er noch nicht zugestanden haben, dass sie den Tauschwerth um irgend etwas erhöhen.