Neunzehntes Hauptstück. Von den plötzlichen Veränderungen in den Kanälen des Handels.

Ein grosses, Gewerke treibendes. Land ist zeitweisen Wechseln und Zufällen, die durch den Uebergang des Kapitals von einem Geschäfte zu einem anderen verursacht werden, besonders ausgesetzt. Die Nachfrage nach landwirthschaftlichen Erzeugnissen ist gleichförmig, sie steht nicht unter dem Einflusse von Mode, Vorurtheil oder Laune. Zur Erhaltung des Lebens ist Nahrung nothwendig und die Nachfrage nach Nahrungsmitteln muss bestehen zu allen Zeiten und in allen Ländern. Anders verhält es sich mit den Gewerkswaaren (manufactures); die Nachfrage nach einer bestimmten Gewerkswaare unterliegt nicht blos den Bedürfnissen, sondern auch dem Geschmacke und der Laune der Käufer. Dabei kann eine neue Steuer den verhältnissmässigen Vortheil, welchen ein Land vorher in Fertigung einer bestimmten Waare besass, zerstören; oder der Einfluss des Krieges kann die Fracht und Versicherung bei deren Versendung so steigern, dass sie nicht länger mehr mit dem einheimischen Gewerkswesen desjenigen Landes, welchem sie früher zugeführt wurde, in Mitbewerb treten kann. In allen solchen Fällen werden Diejenigen, welche bei der Verfertigung solcher Waaren beschäftigt sind, beträchtliche Noth und ohne Zweifel manchen Verlust erleiden; dies wird fühlbar sein, nicht blos während der Zeit des Wechsels, sondern auch die ganze Zwischenzeit hindurch, während welcher die Unternehmer in der Ueber <233> tragung ihrer Kapitalien und der Arbeit, über die sie verfügen können, von einem Geschäfte in das andere begriffen sind.

Auch wird nicht allein in demjenigen Lande Noth empfunden werden, wo solche Schwierigkeiten entstehen, sondern auch in Ländern, welchen das Erstere zuvor seine Waaren zugeführt hat. Kein Land kann lange einführen, ohne auch auszuführen, oder lange ausführen, ohne auch einzuführen. Wenn sich denn nun ein Umstand einstellen sollte, welcher auf die Dauer verhinderte, dass ein Land den üblichen Betrag an ausländischen Waaren einfuhrt, so wird er nothwendiger Weise die Verfertigung mancher von denjenigen Waaren verringern, welche gewöhnlich ausgeführt wurden; und wenn auch der gesammte Tauschwerth der Erzeugnisse des Landes wahrscheinlich nur wenigv verändert werden wird, indem noch das gleiche Kapital in Anwendung ist, so werden sie doch nicht in gleicher Menge vorhanden und eben so wohlfeil sein; und es wird während des Wechsels der Geschäfte beträchtliche Noth empfunden werden. Wenn wir, durch Anwendung von 10,000 £ auf die Verfertigung von Baumwollenwaaren für Ausfuhr, jährlich 3000 Paare seidener Strümpfe zu einem Tauschwerthe von 2000 £ einführten, und durch die Unterbrechung des auswärtigen Handels gezwungen werden sollten, dieses Kapital aus dem Baumwollengeschäfte heraus zu ziehen und es zur Verfertigung von. Strümpfen selber zu verwenden, so müssten wir, vorausgesetzt, dass kein Theil des Kapitals zu Grunde gegangen ist, doch noch Strümpfe von einem Tauschwerthe von 2000 £ erhalten; allein anstatt 3000 würden wir nur 2500 Paare haben. Bei Uebertragung. des Kapitals aus dem Baumwollengeschäfte auf das Strumpfgeschäft möchte viele Noth erduldet werden, aber den Tauschwerth des Volksvermögens würde sie nicht beträchtlich schmälern, wenn sie auch die Menge unserer jährlichen Erzeugnisse verringern dürfte.1 <234>

Der Ausbruch eines Krieges nach langem Frieden oder der Eintritt des Friedens nach langem Kriege verursacht allgemein im Handel beträchtliche Noth. Derselbe verändert die Natur der Geschäfte, auf welche vorher die Kapitalien der Länder verwendet waren, in hohem Grade; und während der Zwischenzeit, in welcher sie sich in die Lagen, welche neue Umstände zu den vortheilhaftesten gemacht haben, versetzten, ist viel stehendes Kapital unangelegt, geht vielleicht ganz und gar verloren und sind Arbeiter ohne volle Beschäftigung. Die Dauer dieser Noth wird länger oder kürzer sein nach der Stärke der Abneigung, welche die meisten Menschen gegen das Verlassen derjenigen Anwendung ihres Kapitals haben, an welche sie lange her gewöhnt waren. Oefters wird sie noch dazu verlängert durch die Hemmnisse und Verbote, welchen die abgeschmackten Eifersüchteleien (absurd jealousies) ihr Dasein geben, die unter den verschiedenen Staaten der Handelswelt herrschen.

Die Noth, welche von einer Veränderung des Handelsganges herrührt, wird irriger Weise öfters für diejenige genommen, welche eine Abnahme des Volkskapitals und einen rückgängigen Zustand der Gesellschaft begleitet; und es würde vielleicht schwer sein, ein Kennzeichen ausfindig zu machen, woran man sie genau von einander unterscheiden kann.

Wann indessen solch' eine Noth unmittelbar auf einen Uebergang vom Kriege zum Frieden folgt, so wird uns die Kenntniss vom Dasein einer solchen Ursache Grund geben zu glauben, dass die Mittel für Erhaltung der Arbeit eher aus ihrem gewöhnlichen Kanäle abgeleitet, als der Sache nach geschmälert sind und dass nach Bedrängnissen von zeitweiser Dauer das <235> Volk wieder im Wohlstande vorschreiten werde. Dabei darf man nicht vergessen, dass der rückgängige Zustand stets eine unnatürliche Lage der Gesellschaft ist. Der Mensch reift von der Jugend zur Mannheit, nimmt dann wieder ab und stirbt; allein das ist nicht der Gang der Völker. Wann diese in den Zustand der höchsten Kraft gelangt sind, so kann ihr weiteres Vorschreiten wirklich gehemmt werden, aber ihr natürliches Streben ist, Zeitalter hindurch dauernd, ihren Wohlstand und ihre Bevölkerung unvermindert zu erhalten.

In reichen und mächtigen Ländern, wo grosse Kapitalien im Maschinenwesen angelegt sind, wird in Folge einer Veränderung des Handelsganges mehr Noth empfunden werden, als in ärmeren Ländern, wo ein verhältnissmässig weit geringerer Betrag stehenden, und ein weit grösserer umlaufenden Kapitals vorhanden ist und folglich mehr Arbeit durch Menschenhand gethan wird. Es ist nicht so schwer, ein umlaufendes, als wie ein stehendes Kapital aus einem Geschäfte zurück zu ziehen, in dem es angelegt sein mag. Es ist öfters unmöglich, die Maschinen, welche für ein Gewerk gebaut worden sein mögen, zu den Zwecken eines anderen zu verwenden; dagegen aber kann Kleidung, Nahrung und Wohnung des Arbeiters in dem einen Geschäfte zum Unterhalte des Arbeiters in einem anderen verwendet werden, oder der nämliche Arbeiter kann die nämliche Nahrung, Kleidung und Wohnung bekommen, während sich seine Anstellung verändert hat. Dies ist übrigens ein Uebelstand, dem ein reiches Volk sich unterwerfen muss; und man würde nicht mehr Grund haben, sich darüber zu beklagen,, als ein reicher Handelsmann, wenn er darüber jammern wollte, dass sein Schiff den Seegefahren ausgesetzt, während seines Nachbars Hütte von aller solcher Gefahr frei sei.

Von Zufällen dieser Gattung, obgleich in niedrigerem Grade, ist selbst die Landwirthschaft nicht ausgenommen. Der Krieg, welcher in einem Handelsstaate den Völkerhandel unterbricht, verhindert häufig die Getreideausfuhr aus Ländern, wo dasselbe mit wenig Kosten hervorgebracht werden kann, in andere, die nicht so günstig gelegen sind. Unter solchen Umständen wird eine ungewöhnliche Menge Kapitals auf die Landwirthschaft verwendet, und das Land, welches vorher eingeführt hat, wird <236> unabhängig von auswärtiger Unterstützung. Bei der Beendigung des Kriegs werden die Hindernisse der Einfuhr entfernt, und es beginnt dann ein für den einheimischen Pflanzer verderblicher Mitbewerb, aus welchem er sich ohne Aufopferung eines grossen Theiles seines Kapitals nicht zurück zu ziehen vermag. Die beste Staatsmaassregel würde sein, für eine gewisse Anzahl von Jahren auf die Einfuhr fremden Getreides einen Zoll zu legen, um dem einheimischen Pflanzer die gelegene Zeit zu lassen, damit er sein Kapital allmälig vom Boden zurück, ziehen könnte.2 Auf diese Weise könnte nun das Land wohl nicht die vortheilhafteste Vertheilung des Kapitals bewirken, allein die Steuer, welcher es für einige Zeit unterworfen wäre, würde einer besonderen Bürgerklasse zum Vortheile gereichen, deren Kapitalvertheilung für Herbeischaffung des Bedarfs an Nahrungsmitteln höchst nützlich war, so lange die Einfuhr stockte. Wenn <237> solche Anstrengungen in Zeiten der Noth die Gefahr des Verfalls bei Beendigung der Schwierigkeiten nach sich zögen; so würde das Kapital sich vor einer solchen Anwendung scheuen. Ausser den üblichen Kapitalgewinnsten würden die Pächter auch eine Entschädigung für das Wagniss erwarten, welches sie bei einer plötzlichen Einfuhr von Getreide laufen würden, und deshalb würde der Preis für den Verzehrer, in Jahreszeiten, wann das grösste Angebot noth wendig wäre, gesteigert werden, nicht blos um die höheren Kosten des einheimischen Getreidebaues, sondern auch um die Versicherung, welche er im Preise für das besondere Wagniss zu zahlen haben würde, welchem diese Kapitalanlage ausgesetzt wäre. Ungeachtet nun der Wohlstand eines Landes mehr befördert würde, wenn man, mit welcher Kapitalaufopferung es auch geschehen könnte, die Einfuhr des wohlfeilen Getreides erlaubte, so würde es dennoch vielleicht rathsam sein, sie auf wenige Jahre mit einem Zolle zu belegen.

Bei Untersuchung der Frage über die Rente fanden wir, dass mit einer jeden Zunahme des Angebotes an Getreide und dem darauf erfolgenden Sinken seines Preises Kapital vom ärmeren Boden zurück gezogen wird; und dass Boden von besserer Beschaffenheit, welcher alsdann keine Rente geben würde, der Maassstab würde, nach dem der natürliche Preis des Getreides bestimmt würde. Zu 4 £ für den Quarter könnte Boden von geringerer Beschaffenheit, den man mit No. 6 bezeichnen könnte, bebaut werden; zu 3 £ 10 sh. No. 5; zu 3 £ No. 4 und so weiter. Wenn das Getreide in Folge anhaltenden Ueberflusses auf 3 £ 10 sh. fiele, so würde das auf No. 6 angelegte Kapital nicht mehr angelegt bleiben; denn es könnte blos, so lange das Getreide zu 4 £ stünde, selbst ohne eine Rente zu zahlen, den allgemeinen Gewinnst geben: deshalb würde dasselbe zur Verfertigung solcher Waaren verwendet werden, gegen welche als das auf No. 6 gebaute Getreide eingekauft und eingeführt werden würde. In dieser Anlage würde es nothwendiger Weise seinem Eigenthümer mehr eintragen, oder aber aus der anderen nicht zurückgezogen werden; denn, könnte derselbe mehr Getreide erlangen durch dessen Anbau auf einem Boden, für den er keine Rente bezahlte, als durch Ver <238> fertigung einer Waare, womit er es kaufte, so könnte sein Preis nicht unter 4 £ stehen.

Man hat indessen gesagt, Kapital könne nicht vom Boden zurückgezogen werden; es nehme die Gestalt von Auslagen an, zu denen man nicht wieder kommen könne, als für's Düngen, Einhägen, Entwässern u. dgl., welche nothwendiger Weise vom Boden unzertrennlich sind. Dies ist in einem gewissen Grade richtig; allein das Kapital, welches in Rindvieh, Schaafen, Heuund Getreideschobern; Wagen u. s. w. besteht, kann zurückgezogen werden; und es wird immerfort ein Gegenstand vdrthschaftlicher Berechnung sein, ob man diese Dinge, ungeachtet des niedrigen Getreidepreises, auf den Boden angewendet lassen, oder ob man sie verkaufen und ihren Tauschwerth in ein anderes Geschäft übertragen soll.

Gesetzt übrigens, die Sache verhielte sich, wie behauptet wird, und kein Theil des Kapitals könnte zurückgezogen werden;3 so würde der Pachter fortfahren, Getreide zu bauen und dazu gerade die nämliche Menge, zu welchem Preise er es immer absetzen könnte; denn es könnte nicht in seinem Interesse <239> sein, weniger zu bauen, und er würde, wenn er sein Kapital nicht so anwendete, aus demselben durchaus keinen Ertrag ziehen. Getreide könnte nicht eingeführt werden, weil er es lieber wohlfeiler als um 3 £ 10 sh. geben würde, als dass er es gar nicht verkaufte, und der Voraussetzung gemäss könnte es der Einführer nicht unter diesem Preise lassen. Wenngleich nun alsdann die Pächter, welche Boden von dieser Art und Beschaffenheit bebaueten, durch das Sinken des Tauschwerthes des Gutes, welches sie hervorbringen, ohne Zweifel in Nachtheil kämen, - wie würde darunter das Land leiden ? Wir würden genau die nämliche Menge eines jeden Gutes hervorgebracht haben, aber die Roherzeugnisse und das Getreide würde um einen viel wohlfeileren Preis verkauft werden. Das Kapital des Landes besteht in seinen Gütern, und da diese die nämlichen sein würden, wie vorher, so würde auch die Wiederhervorbringung in demselben Betrage fortgehen. Dieser niedrige Getreidepreis würde indessen blos den üblichen Kapitalgewinnst bei dem Boden No. 5 geben, welcher alsdann keine Rente bezahlen würde, und die Rente des besseren Bodens würde sinken; der Arbeitslohn ebenfalls, und die Gewinnste würden steigen.

Wie tief indessen auch der Getreidepreis sinken möchte; es würde, wenn vom Boden nicht Kapital zurückgezogen werden könnte und die Nachfrage nicht stiege, keine Einfuhr stattfinden; denn es würde im Inlande eben so viel als vorher hervorgebracht werden. Wenngleich eine verschiedene Vertheilung des Erzeugnisses geschähe, einige Klassen bevortheilt und andere benachtheiligt würden, so würde die Gesammthervorbringung doch ganz dieselbe bleiben und das Volk, im Ganzen genommen, nicht reicher und nicht ärmer sein.

Es ergibt sich jedoch immer aus einem verhältnissmässig niedrigeren Getreidepreise der Vortheil, dass die Vertheilung des wirklichen Erzeugnisses mehr geeignet ist, die Mittel zur Beschäftigung von Arbeit zu vermehren, in so weit der hervorbringenden Klasse mehr unter dem Namen Gewinnst, der nichthervorbringenden weniger unter dem Namen Rente zufällt.

Dies ist richtig, selbst wenn das Kapital nicht vom Boden zurückgezogen werden kann und darauf angewendet werden <240> oder gar unbenutzt liegen gelassen werden muss: allein, wenn ein grosser Theil des Kapitals zurückgezogen werden kann, wie dies offenbar auch geschehen könnte, so wird derselbe nur zurückgezogen werden, sobald er dem Eigenthümer, nachdem er zurückgezogen ist, mehr eintragen wird, als so lange er dort gelassen wird, wo er war; er wird nur dann zurückgezogen werden, wann er sowohl für den Eigenthümer als für das Volk sonst irgendwo hervorbringender angelegt werden kann. Er bescheidet sich, denjenigen Theil seines Kapitals, welcher nicht vom Boden getrennt werden kann, aufzugeben, weil er mit dem anderen, der hinweg genommen werden kann, einen grösseren Tauschwerth und eine grössere Menge von Roherzeugnissen erlangen kann, als wenn er jenen Theil nicht aufgäbe. Sein Fall ist ganz dem eines Menschen ähnlich, welcher in seinem Gewerke mit grossen Auslagen Maschinen errichtet hat, Maschinen, welche hinterher noch durch neuere Entdeckungen dermaassen verbessert werden, dass die von ihm verfertigten Gewerkswaaren im Tauschwerthe um sehr viel sinken. Es würde durchaus für ihn Gegenstand der Berechnung sein, ob er die alten Maschinen, unter Verlust ihres ganzen Tauschwerthes,. entfernen und die vervollkommneteren errichten, oder ob er sich auch fernerhin mit den im Vergleiche schwachen Kräften behelfen solle. Wer würde, unter solchen Umständen, demselben rathen, sich des Gebrauches der besseren Maschinen zu entschlagen, weil dies den Tauschwerth der alten verringern oder vernichten würde? und doch ist dies die Schlussweise derjenigen, welche wünschten, dass wir die Getreideeinfuhr verboten, weil dieselbe den Theil des Kapitals der Pächter, welche für immer in den Boden versenkt ist, verschlechtern oder vernichten würde. Sie sehen nicht ein, dass die Schlusswirkung alles Handels die Vermehrung der Hervorbringung ist und dass man durch Vermehrung der Hervorbringung, wenn man auch theilweisen Verlust veranlasst, doch die allgemeine Wohlfahrt erhöhet. Um sich treu zu bleiben, müssten sie eigentlich suchen, alle Verbesserungen in Landwirthschaft und Gewerken und alle Erfindungen im Maschinenwesen zurück zu halten; denn obgleich dieselben zum allgemeinen Reichthume und somit zur allgemeinen Wohlfahrt beitragen, so ermangeln <241> sie doch nicht, im Augenblicke ihrer Einführung den Werth eines Theiles der vorhandenen Kapitalien der Pächter und Gewerksunternehmer zu verschlechtern oder zu vernichten.4

Die Landwirlhschaft ist, wie alle anderen Gewerbe und besonders in einem Handelsstaate, einer Gegenwirkung unterworfen, welche, in entgegengesetzter Richtung, auf die Wirkung eines starken Anreizes folgt. So zieht, wann Krieg die Einfuhr des Getreides unterbricht, der erfolgende hohe Preis des Letzteren Kapital auf den Boden; wegen der hohen Gewinnste, welche solch' eine Anlage desselben einbringt; dies verursacht wahrscheinlich, dass mehr Kapitalien angelegt and mehr Roherzeugnisse auf den Markt gebracht werden, als die Nachfrage im Lande erfordert. In solchem Falle sinkt der Getreidepreis zufolge der Wirkungen der Ueberfüllung des Marktes, und es wird viel Noth für den Ackerbau veranlasst, bis das durchschnittliche Angebot mit der durchschnittlichen Nachfrage ins Gleichgewicht gebracht ist. <242>


1. »Der Handel setzt uns in Stand, eine Waare an dem Orte, wo sie zu finden ist, zu bekommen, und an einen Ort, wo sie gebraucht zu werden pflegt, zu bringen; derselbe gibt uns demgemäss die Macht, den Tauschwerth einer Waare um den ganzen Unterschied zwischen dem Preise am ersteren und dem Preise am letzteren Orte zu vermehren.« Say, Bd. II. 458. - Ganz richtig! Allein wie wird der Waare diese Tauschwerthsvermehrung beigebracht? - Dadurch, dass zu den Hervorbringungskosten erstens die Versendungsausgaben und zweitens der Gewinnst für die Kapitalvorauslagen des Kaufmanns zugeschlagen werden. Die Waare wird aus demselben Grunde, wie jede andere, mehr werth, weil nämlich mehr Arbeit auf ihre Hervorbringung und Herbeischaffung, bevor sie der Gebraucher kauft, verwendet worden ist. Dies muss als Einer der Vortheile des Handels erwähnt werden. Bei näherer Untersuchung des Sachverhältnisses wird man finden, dass sich die ganze wohlthätige Wirksamkeit des Handels in den uns durch denselben gewährten Mitteln und Wegen besteht, nicht sowohl mehrwerthige, als vielmehr nützlichere Gegenstände anzuschaffen.

2. Im letzten Supplementbande zur Encyclopaedia Britannica, unter dem Artikel »Corn Laws and Trade« sind folgende treffliche Ansichten und Bemerkungen enthalten: »Wenn wir in späterer Zeit einmal an die Zurückwendung unserer Schritte denken, in der Absicht, uns Zeit zu verschaffen, um vom Anbaue unserer armen Felder Kapital zurück zu ziehen und dasselbe in nutzbringenderen Geschäften anzulegen, so mag eine allmälig abnehmende Zollskale, angenommen werden. Der Preis, zu welchem auswärtiges Getreide zollfrei zugelassen werden dürfte, kann mit einer Abnahme von 80 sh., seiner gegenwärtigen Grenze, an bei 4 oder 5 sh. für den Quarter jährlich, bis auf 50 sh. angesetzt werden, von wo an die Häfen ohne Gefahr geöffnet und das Einschränkungssystem für immer aufgehoben werden könnte. Wann dieses glückliche Ereigniss sich eingestellt haben wird, so wird es nicht mehr länger nöthig sein, der Natur Gewalt anzuthun. Das Kapital und die Unternehmung des Landes wird in diejenigen Zweige der Gewerb- und Betriebsamkeit geleitet werden, in welchen unsere natürliche Lage, unser Volkscharakter, oder unsere Staatseinrichtungen uns befähigen, uns auszuzeichnen. Das Getreide Polens, und die rohe Baumwolle von Carolina wird gegen die Birminghamer Waaren und gegen die Mussline von Glasgow ausgetauscht werden. Der angeborene Handelsgeist, dasjenige, was die Völkerwohlfahrt fortwährend sichert, ist ganz und gar unvereinbar mit der finsteren und oberflächlichen Staatsklugheit des Monopols. Die Völker der Erde sind gleichsam Provinzen eines und desselben Königreiches, - ein freier und ungehinderter Verkehr ist die gleiche Quelle des allgemeinen und des örtlichen Vortheils.« Der ganze Artikel ist sehr der Aufmerksamkeit werth; er ist sehr lehrreich, ist gut geschrieben, und beweist, dass der Verfasser seines Gegenstandes völlig Meister ist.

3. Alles in den Boden festangelegte Kapital muss am Schlusse der Pachtzeit dem Grundherrn und nicht dem Pachter zugehören. Was der Grundherr bei der Wiederverpachtung für dieses Kapital an Vergütigung empfängt, erscheint in der Gestalt der Rente; aber eine Rente kann nicht entrichtet werden, wenn mit einem gegebenen Kapital mehr Getreide aus dem Auslande bezogen, als im Inlande auf diesem Boden erbaut werden kann. Wenn die Verhältnisse der Gesellschaft die Getreideeinfuhr erfordern und 1000 Quarter mittelst gegebenen Kapitals beschafft werden können, und wenn dieser Boden, unter Anwendung des gleichgrossen Kapitals, 1100 Quarter liefert, so werden nothwendig 100 Quarter zur Rente gehen; wenn aber 1200 Quarter aus dem Auslande zu erlangen sind, so wird dieser Boden ausser Anbau gesetzt werden, denn er wird nicht einmal den gemeinüblichen Gewinnstsatz abwerfen. Allein dies ist kein Nachtheil, wie gross auch das auf den Boden verwendete Kapital gewesen sein mag. Ein solches Kapital wird angelegt in Erwartung einer Vermehrung des Erzeugnisses, welches, wie man bedenken muss, der Zweck ist. Von welcher Bedeutung kann es denn nun für die Gesellschaft sein, ob die Hälfte ihres Kapitals im Werthe gesunken oder selbst vernichtet ist, wenn dieselbe eine grössere jährliche Hervorbringung bekommt? Diejenigen, welche in diesem Falle den Kapitalverlust beklagen, wünschen, dass der Zweck den Mitteln geopfert werde.

4. Unter die besten Veröffentlichungen über die Unklugheit der Verbote der Getreideeinfuhr kann des Majors Torrens Essay on the External Corn Trade (Versuch über den auswärtigen Getreidehandel} eingereihet werden. Seine Beweise und Gründe scheinen mir unwiderlegt und unwiderlegbar zu sein.