Achtzehntes Hauptstück. Armensteuern.

Wir haben gesehen, dass Auflagen auf Roherzeugnisse und auf die Gewinnste des Pachters auf die Verzehrer der Roherzeugnisse fallen; denn, wenn er es nicht in seiner Gewalt hätte, sich selbst durch eine Steigerung des Preises zu entschädigen; würde die Auflage seinen Gewinnst unter den allgemeinen Gleichstand der Gewinnste herabsetzen und ihn zwingen, sein Kapital in ein anderes Geschäft überzutragen.

Also, folgert jeder Arbeiterfreund, müssen die Steuern auf die Gewinne der Kapitalisten abgeschafft werden.

Wir haben ferner gesehen, dass er die Auflage nicht durch Abzug an seiner Rente auf den Grundherrn übertragen könne, weil derjenige Pachter, welcher keine Rente entrichte, gleichmässig mit dem Anbauer besseren Bodens der Auflage unterworfen sei, gleichgiltig, ob sie auf die Roherzeugnisse oder auf die Gewinnste der Pächter gelegt wäre. Ich habe ebenfalls zu zeigen gesucht, dass, wenn eine Steuer allgemein sei und alle Gewinnste, sei es in Gewerken oder Landwirthschaft, gleich treffe, dieselbe weder auf den Preis der Waaren noch der Roherzeugnisse wirke, aber unmittelbar so wie auch zuletzt vom Hervorbringer bezahlt werde. Eine Auflage auf die Rente würde, wie bemerkt, auf den Grundherrn allein fallen und könnte auf keine Weise auf den Pachter gewälzt werden.

Die Armensteuer ist eine Abgabe, welche die Natur aller dieser Auflagen theilt und unter verschiedenen Umständen auf den Verzehrer der Roherzeugnisse und Waaren, auf die Kapitalgewinnste und auf die Grundrente fällt. Sie ist eine Abgabe, <227> welche mit besonderer Schwere auf die Gewinnste der Pächter fällt, und deshalb so angesehen werden kann, als wirke sie auf den Preis der Roherzeugnisse. Je nach dem Grade, in welchem dieselbe gleichmässig auf den Gewerks- und landwirthschaftlichen Gewinnsten haftet, wird sie eine allgemeine Auflage auf den Kapitalgewinnst sein und keine Veränderung im Preise der Roh- und Gewerkserzeugnisse hervorbringen. Im Verhältnisse zu des Pachters Unvermögen, sich selbst durch Steigerung des Preises der Roherzeugnisse für denjenigen Theil der Steuer zu entschädigen, der besonders ihn trifft, wird sie eine Auflage auf die Rente sein und vom Grundherrn bezahlt werden. Um nun die Wirkung der Armensteuer zu einer besonderen Zeit kennen zu lernen, müssen wir Gewissheit haben, ob sie zu dieser Zeit in gleichem oder ungleichem Grade die Gewinnste des Pachters und Gewerksunternehmers trifft; und ebenfalls ob die Umstände von der Art sind, dass sie den Pachter in Stand setzen, den Preis der Roherzeugnisse zu steigern.

Man lehrt, die Armensteuern würden von dem Pachter im Verhältnisse zu seiner Rente erhoben, und demgemäss werde der Pachter, welcher eine sehr niedrige oder überhaupt gar keine Rente bezahle, nur wenig oder gar nichts von denselben tragen. Wenn dies wahr wäre, so würden die Armensteuern, in so fern sie von der landwirthschaftlichen Klasse entrichtet werden, ganz und gar auf den Grundherrn fallen und könnten nicht auf den Verzehrer der Roherzeugnisse übergewälzt werden. Allein ich halte dies nicht für wahr; die Armensteuer wird nicht im Verhältnisse der Rente erhoben, welche ein Pachter wirklich an den Grundherrn entrichtet; sie steht im Verhältnisse zu dem jährlichen Werthe seines Bodens, ob nun dieser jährliche Werth demselben durch das Kapital des Grundherrn oder des Pachters gegeben wird.

Wenn zwei Pächter in dem nämlichen Kirchspiele Boden von zwei verschiedenen Klassen pachteten, der Eine jährlich für 50 Acres des allerfruchtbarsten Bodens eine Rente von 100 £, und der Andere für 1000 Acres des wenigst fruchtbaren Bodens eine Rente von demselben Betrage von 100 £ bezahlte, so würden sie den nämlichen Betrag an Armensteuem geben, im Falle dass keiner von Beiden den Boden zu verbessern suchte; wenn <228> aber der Pachter des armen Bodens, unter Voraussetzung einer sehr langen Pachtzeit, bewogen würde, mit einer grossen Auslage die hervorbringenden Kräfte seines Bodens durch Düngung, Entwässerung, Einhägung u. dgl. zu verbessern, so würde derselbe zu den Armensteuem, nicht im Veriiältnisse der wirklich an den Grundherrn bezahlten Rente, sondern des wirklichen jährlichen Werthes des Bodens beitragen. Die Steuer könnte der Rente gleichkommen, oder sie überschreiten; allein, ob sie dies thäte oder nicht, jedenfalls würde der Grundherr nichts von der Steuer bezahlen. Sie würde vorher schon von dem Pachter mit in Anschlag gebracht sein; und seine Verbesserungen würden nicht unternommen worden sein, wenn der Preis seiner Erzeugnisse nicht genügte, um ihn für alle seine Auslagen nebst der hinzukommenden Last der Armensteuem zu entschädigen. Es ist denn also klar, dass die Armensteuer in diesem Falle von dem Zehrer getragen wird; denn, bestände keine Armensteuer, so würden dieselben Verbesserungen unternommen worden, und der übliche und allgemeine Gewinnstsatz würde bei einem niedrigeren Getreidepreise vom angewandten Kapitale eingegangen sein.

Auch würde es bei dieser Frage nicht den geringsten Unterschied machen, wenn der Grundherr selbst diese Verbesserungen ausgeführt und seine Rente von 100 auf 500 £ erhöhet hätte; die Armensteuer würde gleichfalls dem Zehrer aufgebürdet werden; denn, ob der Grundherr eine grosse Geldsumme auf seinen Boden verwenden möchte, würde von der Rente, oder was man so nennt, abhängen, welche er als Entschädigung dafür erhielte; und dies dagegen würde wieder von dem Preise des Getreides oder anderer Roherzeugnisse abhängen, nämlich ob derselbe hoch genug wäre, um nicht blos die erhöhete Rente, sondern auch die Armensteuer zu decken, welcher der Boden unterworfen sein würde. Wenn zu gleicher Zeit alles Gewerkskapital im nämlichen Verhältnisse wie das vom Pachter oder Grundherrn zum Behufe der Boden Verbesserung verwendete Kapital zu den Armensteuem beitrüge, alsdann würde sie nicht länger mehr eine einseitige Auflage auf die Gewinnste vom Kapitale des Pachters oder Grundherrn, sondern, eine solche auf das Kapital aller Hervorbringer sein; und des <229> halb könnte sie dann auch nicht länger mehr auf den Verzehrer der Roherzeugnisse oder auf den Grundherrn abgewälzt werden. Des Pachters Gewinnste würden die Wirkung der Armensteuer nicht mehr fühlen, als die des Gewerksunternehmers; und der Erstere könnte sie um nichts mehr, denn der Letztere, als Grund für die Erhöhung des Preises seiner Waaren geltend machen. Nicht das allgemein unbedingte, sondern das verglichen verhältnissmässige Fallen der Gewinnste ist es, was verhütet, dass Kapital in einem besonderen Geschäfte angelegt werde; der Unterschied im Gewinnste ist es, welcher das Kapital von einer Anlage in eine andere hinüber treibt.

Es muss übrigens beachtet werden, dass, bei dem wirklichen Bestande der Armensteuern, im Verhältnisse zu den entsprechenden Gewinnsten ein viel grösserer Betrag derselben auf den Pachter als auf den Gewerksunternehmer fällt; denn der Pachter ist im Verhältnisse der wirklichen Erzeugnisse, die er gewinnt, der Gewerksunternehmer aber nur im Verhältnisse des Werthes der Gebäude, in denen er arbeitet, ohne irgend eine Rücksicht auf den Werth der Maschinen, der Arbeit oder des Kapitals, welches er anwenden mag, besteuert. Aus diesem Umstände folgt, dass der Pachter in Stand gesetzt wird, den Preis seiner Erzeugnisse um diesen ganzen Unterschied zu erhöhen. Denn, da die Steuer ungleich und insbesondere auf seine Gewinnste fällt, so würde er weniger Antrieb haben, sein Kapital dem Boden zu widmen, als es in einem anderen Geschäfte anzuwenden, wenn nicht der Preis der Roherzeugnisse erhöhet würde. Wenn dagegen die Armensteuer mit grösserem Gewichte auf den Gewerksunternehmer als auf den Pachter gefallen wäre, so würde er in Stand gesetzt sein, den Preis seiner Güter um den Betrag des Unterschiedes zu steigern, aus demselben Grunde, aus dem der Pachter unter ähnlichen Umständen den Preis der Roherzeugnisse erhöhen könnte. In einer Gesellschaft, welche in der Ausdehnung ihres Ackerbaues begriffen ist, werden deshalb die Armensteuern, wenn sie mit besonderem Gewichte auf den Boden fallen, theils von den Anwendern des Kapitals mittelst der Verminderung des Kapitalgewinnstes, theils von den Verzehrern der Roherzeugnisse in dem erhöheten Preise derselben bezahlt werden. In einem solchen Zustande der Dinge <230> kann die Steuer unter gewissen Umständen dem Grundherrn sogar eher zum Nutzen als zum Schaden gereichen; denn, wenn die vom Anbauer des schlechteren Bodens entrichtete Steuer im Verhältnisse zur erlangten Erzeugnissmenge höher ist, als die vom Pachter des fruchtbareren Bodens bezahlte, so wird das Steigen des Getreidepreises, das sich auf alles Getreide erstrecken wird, den Letzteren für seine Steuer mehr als blos entschädigen. Dieser Vortheil wird ihnen verbleiben während des Verlaufes ihret Pachtzeiten, aber hinterher wird er auf die Grundherren übergehen. Dies denn wird die Wirkung der Armensteuern in einer fortschreitenden Gesellschaft sein; aber in einem stillstehenden oder rückwärts schreitenden Lande würde, in so fern als vom Boden nicht Kapital zurückgezogen werden könnte, wenn eine fernere Umlage für Armenunterstützung gemacht würde, derjenige Theil derselben, welcher auf den Ackerbau fiele, während des Pachtverlaufes von den Pächtern bezahlt werden, hingegen nach Beendigung der Pachtzeiten beinahe ganz auf die Grundherren fallen. Der Pachter, welcher während seiner vorherigen Pachtung sein Kapital zur Verbesserung seines Bodens verwendet hatte, würde, wenn es noch in seinen eigenen Händen wäre, zu dieser neuen Auflage im Verhältnisse zu dem neuen Werthe beigezogen werden, welchen der Boden durch seine Verbesserungen erlangt hatte, und diesen Betrag würde er während seiner Pachtzeit bezahlen müssen, wenn auch dadurch sein Gewinnst unter den allgemeinen Gewinnstsatz herabgesetzt werden sollte; denn das Kapital, welches er ausgelegt hat, kann mit dem Boden so verkörpert sein, dass es ihm nicht mehr entzogen werden kann. Vermöchte er oder sein Grundherr (wenn dieser es ausgelegt haben sollte) wirklich das Kapital hinwegzuziehen, und dadurch den jährlichen Werth des Bodens zu verringern, so würde der ihn treffende Antheil der Anlage verhältnissmässig kleiner werden, und, da das Erzeugniss sich zu gleicher Zeit verringern würde, der Preis desselben steigen; er würde für seine Steuer durch die Uebertragung derselben auf den Zehrer entschädigt werden und es würde nichts von derselben auf die Rente fallen; allein dies ist unmöglich, wenigstens in Betreff eines Theiles vom Kapitale, und folglich wird die Steuer in diesem Verhältnisse während <231> der Pachtzeiten von den Pächtern und nach deren Ablauf von den Grundherren getragen werden. Diese Steuererhöhung würde, in so fern sie mit besonderer Schwere auf die Gewerksunternehmer fiele, was sie nicht thut, unter solchen Umständen dem Preise ihrer Güter zugeschlagen werden; denn es kann kein Grund vorhanden sein, weshalb ihre Gewinnste unter den allgemeinen Gewinnstsatz herabgehen sollten, wann ihre Kapitalien mit Leichtigkeit dem Ackerbaue zugewendet werden könnten.1 <232>


1. In einem früheren Theile dieses Werkes habe ich den Unterschied zwischen der eigentlich so genannten Rente und der Vergütigung bezeichnet, welche unter jenem Namen an den Grundherrn für die Vortheile entrichtet wird, welche seine Kapitalanlage dem Pachter verschafft hat; aber ich habe vielleicht den Unterschied nicht hinreichend dargethan, welcher sich aus den verschiedenen möglichen Arten der Kapitalanlage ergibt. Da ein Theil dieses Kapitals, wann einmal auf die Gutsverbesserung verwendet, mit dem Boden unzertrennlich vermischt ist und dessen hervorbringende Kräfte zu erhöhen strebt, so hat die an den Grundherrn für dessen Benutzung gegebene Vergütigung ganz die Natur der Rente und unterliegt allen Gesetzen der Rente. Mag nun die Verbesserung auf Kosten des Grundherrn oder des Pachters gemacht werden, sie wird im Voraus nicht unternommen werden, ohne dass eine grosse Wahrscheinlichkeit vorhanden ist, der Ertrag werde zum wenigsten dem Gewinnste gleich sein, den man mit der Verfügung über jedes andere gleiche Kapital machen kann; ist sie aber einmal gemacht, so wird der gewonnene Ertrag hinterher immer die Rentennatur haben und allen Veränderungen der Rente unterworfen sein. Manche von diesen Auslagen geben dem Boden indessen nur für bestimmte Zeit Vortheile und vermehren seine hervorbringenden Kräfte nicht fortwährend; sind sie nämlich an Gebäude angebracht und andere vergängliche Verbesserungen; so müssen sie immer wieder erneuert werden und verschaffen dem Grundherrn nicht auf immer einen Zusatz zu seiner wirkliehen Rente.