Siebenzehntes Hauptstück. Auflagen von anderen Gütern als Roherzeugnissen.

Nach demselben Grundgesetze, nach welchem eine Auflage auf Getreide den Preis des Getreides steigert, würde anch eine Auflage auf irgend ein anderes Gut den Preis dieses Gutes erhöhen. Stiege das Gut nicht im Preise um eine der Steuer gleich kommende Summe, so würde es auch dem Hervorbrmger nicht einen gleichen Gewinn wie vorher geben und er würde sein Kapital in ein anderes Geschäft übertragen.

Die Besteuerung aller Güter, seien sie Bedürfnisse oder Luxusgegenstände, wird, so lange das Geld bei unverändertem Tauschvverthe bleibt, ihre Preise um eine der Steuer wenigstens gleiche Summe steigern1. Eine Auflage auf Bedürfnisse der <213> Arbeiter an Gewerkswaaren würde auf den Arbeitslohn dieselbe Wirkung äussern, wie eine Auflage auf Getreide, welches sich von anderen Bedürfnissen blos dadurch unterscheidet, dass es das Erste undAllerwichtigste auf der Liste ist; und sie würde genau die nämlichen Wirkungen auf die Kapitalgewinnste und auf den auswärtigen Handel hervorbringen. Allein eine Auflage auf Luxusgegensiände würde keine andere Wirkung haben, als eine Erhöhung ihres Preises. Sie würde gänzlich auf den Zehrer fallen und könnte weder den Arbeitslohn erhöhen noch den Gewinnst erniedrigen.

Steuern, welche einem Lande zum Behufe der Führung eines Krieges oder zur Deckung der ordentlichen Staatsausgaben aufgelegt und hauptsächlich zum Unterhalte nicht hervorbringender Arbeiter verwendet werden, werden von der hervorbringenden Gewerb- und Betriebsamkeit des Landes erhoben; und jedes Erspamiss, das an solchen Ausgaben gemacht werden kann, wird allgemein dem Einkommen zuwachsen, wenn nicht dem Kapitale der Steuerpflichtigen. Wenn für die Ausgaben eines Kriegsjahres mittelst eines Anleihens zwanzig Millionen erhoben werden, so werden zwanzig Millionen vom hervorbringenden Kapitale des Volkes weggenommen. Die Million, welche jährlich Behufs der Verzinsung dieses Anleihens erhoben wird, wird eigentlich nur von den Zahlern auf die Empfänger, von den Steuerzahlern auf die Staatsgläubiger übertragen. Die wirkliche Ausgabe sind die zwanzig Millionen, und nicht die Zinsen, welche dafür bezahlt werden müssen2. Ob die Zinsen entrichtet werden oder <214> nicht, das Land wird weder reicher noch ärmer sein. Die Regirung hätte die zwanzig Millionen mit einem Male in der Gestalt von Steuern einziehen können: in welchem Falle es nicht nothwendig gewesen wäre, jährliche Abgaben zum Betrage von einer Million zu erheben. Indessen, dies würde die Natur der Verhandlung nicht verändert haben. Ein Einzelner hätte, anstatt jährlich zu einer Zahlung von 100 £ aufgefordert zu werden, angehalten werden können, 2000 £ ein für alle Mal zu zahlen. Es hätte auch seinem Vortheile ansemessener sein können, diese 2000 £ zu borgen und dem Darleiher jährlich 100 £ Zinsen zu bezahlen, als eine grössere Summe aus eigenen Mitteln zu nehmen. In dem einen Falle ist es eine Privatverhandlung zwischen A. und B., im anderen versichert die Regirung dem B. die Zahlung der Zinsen, die von A. gleichfalls bezahlt werden müssen. Wäre die Verhandlung von der Natur eines Privatgeschäftes gewesen, so würde keine öffentliche Urkunde darüber ausgestellt, und es wäre dem Lande vergleichsweise im Ganzen gleichgiltig, ob A. seinen Vertrag mit B. getreulich erfülle oder die 100 £ jährlich ungerechter Weise im eigenen Besitze behalte. Das Land würde ein allgemeines Interesse an der getreulichen Erfüllung eines Vertrages haben, allein in Betreff des Volksvermögens kein anderes, als ob A. oder B. diese 100 £ am hervorbringendsten verwende; jedoch über diese Frage zu entscheiden, würde es weder ein Recht noch Geschick haben. Es könnte möglich sein, dass A., wenn er sie für eigenen Gebrauch behielte, sie nutzlos. verschwendete, und dass B., wenn sie ihm bezahlt worden wären, sie zu seinem Kapitale schlüge und hervorbringend anwendete. Und das Umgekehrte wäre ebenfalls möglich, B. könnte sie verschwenden, und A. sie hervorbringend <215> verwenden. Mit Hinsicht auf das Volksvermögen allein könnte es gleich oder mehr wünschenswerth sein, dass A. sie bezahle oder nicht; allein die Forderungen der Gerechtigkeit und von Treu und Glauben, ein grösserer Vortheil, dürfen denjenigen eines kleineren Vortheils nicht nachstehen; und demgemäss würden die Gerichtshöfe, sobald der Staat zur Dazwischenkunft aufgefordert würde, den A. zwingen, seinen Vertrag zu erfüllen. Eine vom Staate versicherte Schuld unterscheidet sich in keiner Beziehung von der obigen Verhandlung. Gerechtigkeit und Treu und Glauben verlangen, dass der Zins der Staatsschuld fortwährend bezahlt werde und dass diejenigen, welche ihre Kapitalien zum allgemeinen Besten vorgeschossen haben, nicht genöthigt werden, auf ihre billigen Forderungen unter dem Verwande des Staatsvortheils zu verzichten.

Allein abgesehen von dieser Betrachtung, es ist durchaus nicht gewiss, dass der Staatsvortheil etwas durch die Aufopferung der Rechtlichkeit des Staats gewinnt; es folgt durchaus nicht, dass der von der Zahlung der Staatsschuldzinsen befreite Theil der Gesellschaft sie hervorbringender anwenden würde, als diejenigen, denen sie unstreitig der Staat schuldet. Bei einer Vernichtung der Staatsschuld könnte das Einkommen des Einen von 1000 auf 1500 £ erhöhet, aber jenes eines Anderen von 1500 £ auf 1000 £ herabgesetzt werden. Dieser zwei Leute Einkommen betragen jetzt zusammen 2500 £, es würde hernach nicht mehr betragen. Würde die Regirung die Abgaben erhöhen, so bestände genau das nämliche steuerbare Kapital und Einkommen in dem einen wie in dem anderen Falle. Also nicht die Zahlung der Zinsen der Staatsschuld ist es, wodurch das Land in Noth versetzt wird, auch ist es nicht die Befreiung von dieser Zahlung, wodurch abgeholfen werden kann. Nur durch Ersparnisse am Einkommen und durch Einschränkung der Ausgaben kann das Volkskapital vergrössert werden; und durch die Vernichtung der Staatsschuld würde weder das Einkommen erhöhet, noch die Ausgabe vermindert. Die verschwenderischen Ausgaben der Regirung und der Einzelnen, und die Anleihen sind es, wodurch ein Land verarmt; jede Maassregel also, welche auf eine Beförderung der öffentlichen und Privat-Wirthschaftlichkeit berechnet ist, wird die öffentliche Noth erleichtem; aber <216> es ist Irrthum und Täuschnng, anzunehmen, dass man eine wirkliche Volkslast heben könne, indem man sie von den Schultern der einen Klasse des Gemeinwesens, welche sie von Rechts wegen zu tragen hätte, auf die Schultern einer anderan wälzt, welche nach allen Grundsätzen der Billigkeit nicht mehr als ihren Antheil zu tragen haben sollte.

Von dem Gesagten darf nicht abgeleitet werden, ich betrachte das Borgsystem als das am besten berechnete, um die ausserordentlichen Staatsausgaben zu decken. Es ist ein System, das uns weniger haushälterisch zu machen, uns über unsere wirkliche Lage zu verblenden sucht. Sind die Ausgaben eines Krieges 40 Mill. jährlich, und wäre der Theil, welchen Einer zu diesen Ausgaben jährlich beizusteuern haben würde, 100 £, so würde dieser, wenn er seinen Antheil auf einmal zu entrichten aufgefordert würde, suchen, dieselben baldigst von seinem Einkommen zu ersparen. Bei dem Anleihenssysteme hat er nur die Zinsen von jenen 100 £ zu zahlen, oder 5 £ jährlich und hält es für genug gethan, an seinen Ausgaben diese 5 £ zu sparen und dann täuscht er sich mit dem Glauben, er sei so reich als wie vorher. Das ganze Volk denkt und handelt so und erspart blos die Zinsen von 40 Mill., oder zwei Millionen; und so verliert es nicht nur all den Zins oder Gewinnst, welchen 40 Mill. Kapital, hervorbringend angelegt, geben würden, sondern auch 38 Mill., den Unterschied zwischen seinen Ersparnissen und Ausgaben. Hätte, wie ich vorhin bemerkte, Jedermann sein eigenes Anleihen aufzunehmen und seinen vollen verhältnissmässigen Antheil zu den Staatsbedürfnissen beizusteuern, so würde, sobald der Krieg beendigt wäre, auch diese Besteuerung aufhören und wir müssten dann unmittelbar auf den natürlichen Stand der Preise zurückkommen. A. würde aus seinen Privatmitteln an B. die Zinsen für das Geld zu entrichten haben, welches er von ihm während des Krieges geborgt hatte, um seinen Antheil an den Staatsausgaben bezahlen zu können; allein damit hätte das Volk nichts zu schaffen.

Ein Land, das eine grosse Schuld angehäuft hat, befindet sich in einer sehr verkünstelten (artificial) Lage; und wenn es auch der Belauf der Abgaben und der gestiegene Arbeitspreis im Vergleiche mit dem Auslande in keinen anderen Nachtheil setzen <217> mag, und, ich glaube, wirklich nicht setzt, ausgenommen in jenen unabweislichen der Bezahlung dieser Abgaben, so wird es dennoch das Interesse jedes Steuerpflichtigen werden, seine Schultern den Lasten zu entziehen und seine Zahlung von sich selber auf einen Anderen abzuwälzen; und die Versuchung, sich und sein Kapital in ein anderes Land überzusiedeln, wo er von solchen Lasten frei sein wird, wird am £nde unwiderstehlich und überflügelt die natürliche Abneigung, welche Jedermann hat, den Ort seiner Geburt und die Scenen seiner Jugendgenossenschaften zu verlassen. Ein Land, welches sich selbst in die mit diesem künstlichen Systeme verbundenen Schwierigkeiten verwickelt hat, würde klug handeln, wenn es sich mit Aufopferung eines Theils von seinem Eigenthume, der zur Rückzahlung der Schuld von Nöthen würde, aus denselben heraus wände. Was bei einem Einzelnen klug, ist es auch für das Volk. Wer 10,000 £ hat, die ihm ein Einkommen von 500 £ geben, von denen er zur Zahlung der Schuldzinsen jährlich 100 £ aufzuwenden hat, besitzt in Wirklichkeit nur 8000 £ und würde gleich reich sein, ob er nun fortführe, jährlich 100 £ zu zahlen, oder ein für alle Mal 2000 £ aufopferte. Allein wo, fragt man, würde der Käufer des Eigenthumes sein, das er veräussern müsste, um jene 2000 £ zu bekommen? Die Antwort ist klar: Der Staatsgläubiger, der diese 2000 £ zu empfangen hat, wird eine Anlage für sein Geld entbehren, und geneigt sein, entweder es einem Grundeigenthümer oder einem Gewerbsunternehmer zu leiben, oder ihnen einen Theil ihres Eigenthums abzukaufen, worüber sie zu verfügen haben. Zu solch' einer Zahlung würden die Inhaber der Staatspapiere einen grossen Theil beitragen. Dieser Plan ist schon öfters vorgeschlagen worden, allein ich fürchte, wir haben weder Klugheit genug noch hinreichende Kraft, ihn anzunehmen. Man muss indessen eingestehen, dass unsere unablässigen Anstrengungen während des Friedens auf die Abzahlung desjenigen Theiles der Schuld gerichtet sein sollten, den wir während des Krieges gemacht haben, und dass keine Versuchung zur Erleichterung, kein Wunsch, gegenwärtigen, und ich hoffe, blos vorübergehenden Nöthen zu entkommen, uns verleiten sollte, in unserer Aufmerksamkeit auf diesen grossen Gegenstand zu erschlaffen. <218>

Kein Tilgfond kann zum Behufe der Verminderung der Schuld wirksam sein, wenn er nicht vom Ueberschusse der Staatseinnahmen über die Staatsausgaben herrührt. Es ist zu bedauern, dass der Tilgfond in diesem Lande nur dem Namen nach ein solcher ist; denn es besteht kein Ueberschuss der Einnahmen über die Ausgaben. Er sollte durch Sparsamkeit zu demjenigen, wofür er ausgegeben wird, zu einem wahrhaft wirksamen Fond für die Abzahlung der Schuld gemacht werden. Wenn wir bei dem künftigen Ausbruche irgend eines Krieges unsere Schuld nicht sehr beträchtlich verringert haben werden, so muss sich von zwei Dingen Eines einstellen, entweder müssen sämmtliche Ausgaben dieses Krieges durch, von Jahr zu Jahr erhobene, Auflagen gedeckt werden, oder wir müssen am Ende des Kriegs, wenn nicht schon vorher, uns einem Staatsbankbruche (national bankruptcy) unterwerfen; nicht, dass wir ausser Stande wären, starke Vergrösserungen unserer Schuld zu ertragen; es würde schwer sein, den Kräften eines grossen Volkes Grenzen zu setzen; aber es gibt sicherlich Grenzen für die Aufopferung, welcher, in Gestalt unaufhörlicher Besteuerung, sich die Einzelnen um das Vorrecht, nur in ihrem Vaterlande leben zu dürfen, unterwerfen.

Steht eine Waare auf einem Monopolpreise, so ist dies der allerhöchste Preis, zu dem sie die Verbraucher zu kaufen Willens sind. Waaren stehen aber nur dann auf einem Monopolpreise, wann ihre Menge mittelst gar keiner Erfindung vermehrt werden kann, und deshalb der Mitbewerb ganz auf einer Seite, unter den Käufern, stattfindet. Der Monopolpreis der einen Zeit kann um vieles niedriger oder höher sein, als jener einer anderen, weil der Mitbewerb unter den Käufern von Wohlstand, Geschmack und Launen derselben abhängen muss. Diejenigen ausgezeichneten Weine, welche in sehr beschränkter Menge gewonnen werden, und diejenigen Kunstwerke, welche wiegen ihrer Vortrefflichkeit oder Seltenheit einen eingebildeten Tauschwerth erreicht haben, werden gegen eine sehr verschiedene Menge von Erzeugnissen gemeiner Arbeit vertauscht werden, je nachdem die Gesellschaft reich oder arm ist, solche Erzeugnisse in Ueberfluss besitzt oder nicht, oder sich in einem ungebildeten oder gebildeten Zustande befindet. Der Tauschwerth einer <219> Waare, welche auf einem Monopolpreise steht, wird daher nirgend durch die Hervorbringungskosten bestimmt.

Roherzeugnisse stehen nicht auf einem Monopolpreise, weil der Marktpreis der Gerste und des Weizens eben so sehr durch ihre Hervorbringungskosten bestimmt wird, wie der Marktpreis von Tuch und Leinewand. Der einzige Unterschied ist der, dass ein Theil des landwirthschaftlichen Kapitals, nämlich derjenige, welcher keine Rente bezahlt, den Preis des Getreides bestimmt, während hingegen bei der Hervorbringung von Gewerkswaaren jeder Kapitaltheil mit demselben Erfolge angewendet wird; und da keiner derselben Rente bezahlt, so ist jeder in gleichem Grade Bestimmgrund des Preises: Getreide und andere Roherzeugnisse können zudem, durch Anwendung von mehr Kapital auf den Boden, der Menge nach vermehrt werden und stehen darum auch nicht auf einem Monopolpreise. Da besteht Mitbewerb unter den Verkäufern so gut wie unter den Käufern. Dies ist aber nicht der Fall bei der Hervorbringung derjenigen seltenen Weine und derjenigen werthvollen Kunstwerke, von denen wir gesprochen haben; ihre Menge kann nicht vermehrt werden und ihr Preis ist nur durch die Stärke des Vermögens und Willens der Käufer beschränkt. Die Rente dieser Weinberge kann tlber jede mit Maass und Ziel angebliche Grenze hinaus steigen, weil, da kein anderes Gelände zur Gewinnung solcher Weine geeignet ist, auch kein anderer mit ihnen in Mitbewerb gesetzt werden kann.

Das Getreide und die Roherzeugnisse eines Landes können wohl allerdings für einige Zeit zu einem Monopolpreise verkauft werden; aber sie können es fortwährend nur dann, wann nicht mehr Kapital mit Gewinn auf die Ländereien angewendet und darum ihr Erzeugniss nicht vermehrt werden kann. Zu solchen Zeiten wird jedes Stück angebauten Bodens und jeder Theil landwirthschaftlichen Kapitals eine Rente geben, die aber in Wirklichkeit nach der Verschiedenheit des Ertrages verschieden ist. Zudem wird in solchen Zeiten jede dem Pachter aufgelegte Steuer auf die Rente fallen und nicht auf den Zehrer. Er kann den Preis seines Getreides nicht erhöhen, weil es, der Annahme gemäss, bereits auf dem höchsten Preise steht, zu welchem es die Käufer nehmen wollen oder können. Er wird <220> aber nicht mit einem niedrigeren Gewinnstsatze, als welchen andere Kapitalisten beziehen, zufrieden sein und deshalb hat er nur die Wahl, entweder eine Herabsetzung der Rente zu erlangen oder sein Geschäft zu verlassen.

Buchanan betrachtet das Getreide und die Roherzeugnisse als auf einem Monopolpreise stehend, weil sie eine Rente geben: alle Güter, welche eine Rente geben, - nimmt er an - müssen auf einem Monopolpreise stehen; und daraus folgert er, alle Auflagen auf Roherzeugnisse fielen auf den Grundherrn und nicht auf den Zehrer. »Der Preis des Getreides,« sagt er, »welcher stets eine Rente abwirft, steht in keiner Beziehung unter dem Einflusse der Auslagen für die Hervorbringung, folglich müssen diese Auslagen aus der Rente bestritten werden; und deshalb ist die Folge, wenn sie zu- oder abnehmen, nicht ein höherer oder niedrigerer Preis, sondern eine größere oder geringere Rente. Von diesem Gesichtspunkte aus betrachtet sind alle Auflagen auf Dienstboten, Pferde oder Ackergeräthe eines Landgutes, in Wirklichkeit Grundsteuern; Lasten, welche während der Pachtzeit auf den Pachter, aber wenn die Pachtung erneuert wird, auf den Grundherrn fallen. Auf gleiche Weise setzen alle diejenigen verbesserten Ackergeräthe, welche dem Pachter Auslagen ersparen, wie z. B. Dresch- und Mähemaschinen, solche, welche ihm den Bezug des Marktes erleichtern, wie z. B. gute Strassen, Kanäle und Brücken, obgleich sie die ursprünglichen Kosten des Getreides verringern, dessen Marktpreis nicht herab. Was durch solche Verbesserungen immer erspart wird, fällt deshalb dem Grundherrn als Bestandtheil seiner Rente zu.

Es ist einleuchtend, dass, wenn wir Buchanan die Grundlage zugestehen, auf welche seine Gedankenfolge gebaut ist, nämlich der Getreidepreis werfe immer eine Rente ab, auch alle Folgerungen, welche er behauptet, ohne Zweifel sich als richtig ergeben würden. Auflagen auf den Pachter würden alsdann nicht auf den Zehrer, sondern auf die Rente fallen, und alle landwirthschaftlichen Verbesserungen würden die Rente erhöhen: allein ich hoffe, ich habe zur Genüge klar gemacht, dass, bis ein Land in allen seinen Theilen bebauet ist und zwar im höchsten Grade, immer ein Theil des Kapitals auf Boden <221> verwendet ist, der keine Rente abwirft, und dass es dieser Theil des Kapitals ist, dessen Ergebnisse, wie in den Gewerken, zwischen Gewinnst nnd Arbeitslohn vertheilt werden, was den Getreidepreis bestimmt. Der Getreidepreis, welcher keine Rente abwirft, steht demnach allerdings unter dem Einflusse der Auslagen bei der Hervorbringnng, folglich können diese nicht ans der Rente bestritten werden. Die Folge des Steigens dieser Auslagen ist deshalb ein höherer Preis, und nicht eine geringere Rente.3

Es ist bemerkenswerth, dass Beide, A. Smith und Buchanan, welche vollständig zugeben, dass Auflagen auf Roherzeugnisse, Grundsteuern, und Zehnten sätnmtlich auf die Grundrente fallen, und nicht auf die Verzehrer der Roherzeugnisse, nichts desto weniger annehmen, die Malzsteuer falle auf die Verzehrer des Biers und nicht auf die Rente des Grundherrn. A. Smith's Beweisführung ist eine so treffende Darstellung der Ansicht, welche ich in Betreff der Malzsteuer und jeder anderen Auflage auf Roherzeugnisse habe, dass ich mich nicht enthalten kann, dieselbe der Aufmerksamkeit des Lesers zu empfehlen.

»Die Rente und Gewinnste vom Gerstenfelde müssen immer denjenigen anderer gleich fruchtbarer und gleich gut bebaueter Bodenarten ziemlich gleich kommen. Wären sie geringer, so würde alsbald ein Theil des Gerstenfeldes zu einem anderen Zwecke verwendet werden; und wären sie grösser, so würde alsbald mehr Boden zum Gerstenbaue verwendet werden. Wann der gewöhnliche Preis irgend eines besonderen Bodenerzeugnisses auf einem, was man so nennt, Monopolpreise steht, so setzt eine Auflage auf denselben nothwendiger Weise die Rente und den Gewinnst4 von dem Boden herab, welcher dasselbe trägt. <222> Eine Auflage auf das Erzeugniss derjenigen köstlichen Weinberge, deren Wein der Menge nach so weit hinter dem wirksamen Begehre zurückbleibt, dass sein Preis immer ausser dem natürlichen Verhältnisse zu demjenigen anderer gleich fruchtbarerer und gleich gut bebaueter Bodenarten steht, würde nothwendiger Weise die Rente und Gewinnste5 dieser Weinberge herabsetzen. Da der Preis der Weine bereits der höchste ist, welchen man für eine gewöhnlich zum Markte gebrachte Menge erlangen kann, so vermöchte man ihn ohne Verringerung seiner Menge auch nicht höher zu treiben; und die Menge desselben könnte ohne noch grösseren Verlust nicht vermindert werden, weil man die Gelände nicht zur Hervorbringung irgend eines anderen gleich werth vollen Erzeugnisses zu verwenden vermöchte. Das ganze Gewicht der Auflage wird darum auf die Rente und Gewinnste 1 fallen; eigentlich auf die Rente der Weinberge.« »Allein der gewöhnliche Preis der Gerste ist noch nie ein Monopolpreis gewesen; und die Rente und der Gewinnst vom Gerstenfelde hat noch nie ausser dem natürlichen Verhältnisse zu jenen anderer gleich fruchtbaren und gleich gut bebaueten Bodenarten gestanden. Die verschiedenen auf Malz, Bier und Ael gelegten Abgaben haben den Preis der Gerste noch nie erniedrigt; haben noch nie die Rente und den Gewinnst 1 vom Gerstenfelde herabgesetzt. Der Preis des Malzes ist für den Brauer beständig im Verhältnisse zu den auf dasselbe gelegten Steuern in die Höhe gegangen; und diese Steuern zusammen mit den verschiedenen Abgaben von Bier und Ael haben beständig entweder den Preis dieser Waaren erhöhet oder, was auf dasselbe hinaus kommt, die Güte derselben für den Verzehrer vermindert. Die Zahlung dieser Steuern ist am Ende beständig auf den Verzehrer gefallen, und nicht auf den Hervorbringer.«6 Ueber diese Stelle bemerkt Buchanan : »Eine Auflage auf Malz könnte nie den Preis der Gerste herabsetzen, weil, so lange man durch das Malzen der Gerste nicht so viel <223> verdienen könnte als wie durch ihren Verkauf im ungemalzten Zustande, die erforderliche Menge nicht auf den Markt gebracht würde. Es ist darum klar, dass der Preis des Malzes im Verhältnisse der auf dasselbe gelegten Steuer steigen muss, da die Nachfrage sonst nicht befriedigt werden könnte. Der Preis der Gerste ist übrigens gerade eben so ein Monopolpreis als der des Zuckers; Beide werfen eine Rente ab und der Marktpreis beider hat gleichmässig alle Verbindung mit ihren ursprünglichen Kosten verloren.«

Es scheint denn nun Buchanan's Meinung zu. sein, eine Malzsteuer würde den Malzpreis, aber nicht eine Auflage auf Gerste, aus welcher das Malz bereitet wird, den Gerstenpreis erhöhen; und deshalb werde, wenn das Malz besteuert sei, diese Abgabe vom Zehrer, wenn aber die Gerste besteuert sei, diese Steuer vom Grundherrn, indem er eine geringere Rente einnehme, entrichtet. Nach Buchanan steht denn also die Gerste auf einem Monopolpreise, auf dem höchsten Preise, welchen die Käufer dafür zu geben Willens sind; dagegen aber steht das aus Gerste bereitete Malz nicht auf einem Monopolpreise und kann deshalb gesteigert werden im Verhältnisse zu den Steuern, welche auf dasselbe gelegt werden. Diese Meinung Buchanan's über die Wirkungen einer Malzsteuer scheint mir in geradem Widerspruche zu stehen mit der Meinung, die er über eine ähnliche Steuer, nämlich über jene vom Brode geäussert hat. »Eine Auflage auf Brod wird am Ende nicht in einer Erhöhung seines Preises, sondern in einer Verringerung der Rente entrichtet.«7 Wenn eine Malzsteuer den Preis des Bieres erhöhen würde, so müsste auch eine Brodsteuer den Preis des Brodes steigern.

Der folgende Gedankengang Say's ist auf die nämlichen Ansichten wie die von Buchanan gegründet: »Die Menge Weines oder Getreides; welche ein Stück Land hervorbringt, wird so ziemlich dieselbe bleiben, welches auch immer die Auflage sein mag, womit es belastet ist. Die Auflage mag die Hälfte oder selbst auch drei Viertheile des Reinertrages oder der Rente, wenn man so will, hinwegnehmen, und der Boden würde nichts <224> desto weniger doch um die Hälfte oder das Viertheil, was die Auflage nicht verschlang, bebaut werden. Die Rente, d. i. der Antheil des Grundherrn, würde nur um Einiges niedriger sein. Den Grund hievon wird man einsehen, wenn man erwägt, dass, im angenommenen Falle, die Menge der vom Boden gewonnenen und auf den Markt gebrachten Erzeugnisse dessen unerachtet dieselbe bleibt. Auf der anderen Seite bleiben die Beweggründe, auf denen die Nachfrage nach den Erzeugnissen beruht, ebenfalls dieselben.«

»Wenn nun aber die angebotene und die begehrte Erzeugnissmenge nothwendig dieselbe bleibt, trotz der Umlage oder Erhöhung der Steuer, so wird sich auch der Preis dieser Erzeugnisse nicht verändern; und wenn sich ihr Preis nicht verändert, so wird der Zehrer auch nicht den geringsten Theil von dieser Steuer bezahlen.«

»Wird man sagen, der Pachter, welcher Arbeit und Kapital liefert, werde, im Vereine mit dem Grundherrn, die Last dieser Steuer tragen? gewiss nicht; denn der Umstand der Steuerumlage hat weder die Zahl der zu verpachtenden Landgüter vermindert, noch die Zahl der Pächter vermehrt. Da nun in diesem Falle Angebot und Nachfrage ebenfalls dieselben bleiben, so muss auch die Pachtrente sich gleich bleiben. Das Beispiel vom Salzsieder, der die Verzehrer nur einen Theil der Auflage bezahlen lassen kann, und jenes vom Grundherrn, der sich nicht im geringsten bezahlt machen kann, beweist den Irrünum Derjenigen, welche, im Widerspruche mit den Volkswirthen, behaupten, dass alle Steuern zuletzt auf die Zehrer fallen.«8

Wenn die Auflage »die Hälfte oder selbst auch drei Viertheile vom Reinertrage des Bodens wegnähme« und der Preis der Erzeugnisse nicht in die Höhe ginge, wie könnten denn diejenigen Pächter, welche sehr mässige Renten entrichten, die üblichen Kapitalgewinnste beziehen, da sie diejenige Bodenklasse haben, welche zur Erlangung eines gegebenen Erfolges eine viel grössere verhältnissmässige Arbeitsmenge erheischte, als Boden von grösserer Fruchtbarkeit? Wenn ihnen die ganze Rente erlassen würde, so würden sie doch immer noch ge <225> ringere Gewinnste machen, als sich in anderen Gewerben ergeben, und also nicht fortfahren, ihr Feld zu bebauen, so lange sie den Preis ihrer Erzeugnisse nicht erhöhen könnten. Fiele die Steuer auf die Pächter, so würden weniger Pächter geneigt sein, Landgüter zu pachten; fiele sie auf den Grundherrn, so würden viele Landgüter gar nicht zu verpachten sein, denn sie gäben keine Rente. Aber mit was für Mitteln würden Diejenigen, welche Getreide bauen, ohne eine Rente zu bezahlen, die Steuer entrichten? Es ist ganz klar, dass die Steuer auf die Zehrer fallen muss. Wie möchte wohl solch' ein Boden, wie Say einen an folgender Stelle beschreibt, eine Abgabe von der Hälfte oder drei Viertheilen des Reinertrags zahlen?

»Wir sehen so in Schottland armen Boden vom Eigenthümer bebauet, der von Niemandem sonst bebaut werden könnte. So erblicken wir in den inneren Theilen der Vereinigten Staaten ungeheuere unfruchtbare Ländereien, deren Ertrag allein nicht hinreichend wäre zum Unterhalte des Eigenthümers. Diese Ländereien werden jedoch nichts desto weniger angebaut, allein es muss durch den Eigenthümer selbst geschehen, oder mit anderen Worten, er muss zu der Rente, die wenig oder gar nichts beträgt, den Kapital- und GewerbsGewinnst hinzufügen, um mit Noth leben zn können. Es ist wohl bekannt, dass Boden, wenngleich angebaut, dem Grundherrn keinen Ertrag gibt, so lange kein Pachter geneigt ist, eine Rente für ihn zu bezahlen: was ein sicherer Beweis ist, dass solcher Boden blos den Gewinnst für die Kapitalien und Gewerb- und Betriebsamkeit gibt, welche zu dessen Anbau nothwendig sind.«9 <226>


1. Es wird von Say bemerkt, »dass ein Gewerksmann nicht im Stande ist, den Zehrer zur Zahlung der ganzen, auf die Waare gelegten, Abgabe zu vermögen, weil das Steigen ihres Preises ihre Verzehrung verringert.« Sollte dies der Fall sein, sollte die Verzehrung abnehmen, wird dann nicht auch das Angebot eben so schnell verringert werden? Aus was für einem Grunde sollte der Gewerksmann das Gewerbe noch forttreiben, wenn seine Gewinnst unter dem allgemeinen Gleichstande stehen? Say scheint hier ebenfalls die Lehre vergessen zu haben, welche er anderwärts unterhält, »dass die Hervorbringungskosten den Preis bestimmen, unter welchen die Waaren auf eine Zeit lang nicht sinken können, weil alsdann die Hervorbringung entweder eingestellt oder ermässigt würde.« Buch II. Hptst. 4.
»Die Abgabe fällt dann in diesem Falle theils auf den Zehrer, welcher für die besteuerte Waare mehr geben muss, und theils auf den Hervorbringer, welcher, nach Abzug der Steuer, weniger einnimmt. Der Staatskasse wird dann zu Gute kommen, was der Käufer mehr bezahlt, und was der Hervorbringer von seinen Gewinnsten aufopfern muss. Dies ist die Gewalt des Schiesspulvers, welche zu gleicher Zeit auf die Kugel, die es fortschleudert, und auf das Geschütz wirkt, welches es zurückstösst.« Buch III. Hptst. 8.

2. Melon sagt: Staatsschulden seien Schulden der rechten an die linke Hand, durch welche der Körper nicht geschwächt werde. Es ist wahr, das allgemeine Vermögen wird durch Zahlung der Zinsen für Schuldrückstände nicht verringert: die Zinsen sind ein Tauschwerth, welcher von der Hand des Steuerpflichtijgen zum Staatsgläubiger übergeht: Ob es der Staatsgläubiger oder der Steuerzahler ist, der ansammelt oder verbraucht, ist, ich gebe es zu, für die Gesellschaft von wenig Wichtigkeit; allein der Hauptbetrag der Schuld, - was ist aus diesem geworden? Er ist nicht mehr. Der Verbrauch, welcher auf das Anleihen folgte, hat ein Kapital vernichtet, welches nimmermehr ein weiteres Einkommen gibt. Die Gesellschaft ist nicht um den Betrag der Zinsen gebracht, da dieser von einer Hand in die andere läuft, sondern um das Einkommen aus einem zerstörten Kapitale. Dieses Kapital würde, wenn es von demjenigen, der es dem Staate vorgeschossen, hervorbringend angewendet worden wäre, ihm gleichfalls ein Einkommen gegeben haben, aber dies Einkommen würde von einer wirklichen Hervorbringung entsprungen und nicht aus der Tasche eines Mitbürgers dargereicht worden sein.« Say Buch III. Hptst. 9. Dieses ist im wahren Geiste der Wissenschaft gedacht und ausgedrückt.

3. »Die Gewerb- und Betriebsamkeit in den Gewerken liefert Erzeugnisse im Verhältniss zur Nachfrage und der Preis sinkt; allein die Erzeugnisse des Bodens können nicht so vermehrt werden; und ein hoher Preis ist immer nothwendig, um die Verzehrung von einer Ueberschreitung des Angebotes abzuhalten.« Buchanan, A. Smith's Wealth of Nations IV. p. 40. Ist es möglich, dass Buchanan im Ernste behaupten kann, die Bodenerzeugnisse könnten nicht vermehrt werden, wenn die Nachfrage steigt? -

4. Ich wünschte, das Wort »Gewinnst« "wäre hin weggelassen. Dr. Smith muss annehmen, die Gewinnste der Pächter von so köstlichen Weinbergen seien über dem allgemeinen Gewinnstsatze. Wären sie es nicht, so würden sie auch die Steuer nicht zahlen, es sei denn, dass sie dieselbe entweder auf den Grundherrn oder auf den Zehrer überwälzen könnten

5.

S. die vorhergehende Anmerkung.

6. Smith 5.2.254-256

7. Dessen A. Smith s Wealth of Nations III. 355

8. Buch III. Hptst. 8.

9. Buch II. Hptst. 9.