Sechszehntes Hauptstück. Auflagen auf den Arbeitslohn.

Auflagen auf den Arbeitslohn werden den Arbeitslohn erhöhen und darum den Kapitalgewinnstsatz erniedrigen. Wir haben bereits gesehen, dass eine Abgabe von den Bedürfnissen die Preise der Letzteren erhöht, und ein Steigen des Arbeitslohnes zur Folge hat. Der einzige Unterschied zwischen einer Auflage auf Bedürfnisse und einer solchen auf den Arbeitslohn besteht darin, dass die Erstere nothwendig von einer Erhöhung des Preises der Bedürfnisse begleitet sein wird, dagegen die Letztere nicht; zu einer Abgabe vom Arbeitslohne wird folglich weder der Kapitalist, noch der Grundeigenthümer, noch irgend eine andere Klasse, als die Beschäftiger der Arbeit etwas beitragen. Eine Auflage auf den Arbeitslohn ist ganz und gar eine Abgabe vom Gewinnste (A tax on wages is wholly a tax on profits), eine Auflage auf Bedürfnisse ist dies nur zum Theile und zum Theile eine Steuer reicher Zehrer. Die letzten Wirkungen, welche aus solchen Steuern entspringen, sind genau dieselben, welche aus einer direkten Besteuerung der Gewinnste hervorgehen.

»Der Arbeitslohn der unteren Klassen der Arbeiter,« sagt A. Smith , »wird, wie ich im ersten Buche zu zeigen gesucht habe, allenthalben nothwendig durch zwei verschiedene Umstände bestimmt, durch die Nachfrage nach Arbeit und durch den gewöhnlichen oder Durchschnittspreis der Lebensmittel. Die Nachfrage nach Arbeit, je nachdem sie eben im Steigen, Stillstehen oder Fallen ist, oder eine zunehmende, stetige oder ab <186> nehmende Bevölkerung erheischt, bestimmt den Unterhalt der Arbeiter und setzt fest, in welchem Grade derselbe reichlich, mässig oder kärglich sein solle. Der gewöhnliche oder Durchschnittspreis der Lebensmittel bestimmt die Geldmenge, welche dem Arbeiter bezahlt werden muss, um ihn in Stand zu setzen, sich ein Jahr ins andere diesen reichlichen, mässigen oder kärglichen Unterhalt zu kaufen. Während die Nachfrage nach Arbeit und der Preis der Lebensmittel also dieselben bleiben, kann eine direkte Auflage auf den Arbeitslohn keine andere Wirkung haben, als den Arbeitslohn noch um etwas höher zu steigern als die Steuer.« 1

Der Behauptung, wie sie hier von Dr. Smith aufgestellt wurde, setzt Buchanan zwei Einwurfe entgegen. Erstens leugnet derselbe, dass der Geldlohn durch den Preis der Lebensmittel bestimmt werde, und zweitens leugnet er, dass eine Auflage auf den Arbeitslohn den Preis der Arbeit erhöhen werde. In Betreff des ersten Punktes ist Hrn. Buchanan's Beweisführung S. 59 folgende: »Der Arbeitslohn besteht, so ist bereits bemerkt, nicht in Geld, sondern in demjenigen, was man mit Geld kauft, nämlich in Nahrungsmitteln und anderen Bedürfnissen; und der dem Arbeiter aus dem gemeinsamen Vermögensstamme bezahlte Lohn wird stets zum Angebote im Verhältnisse stehen. Wo die Lebensmittel wohlfeil und reichlich vorhanden sind, da wird sein Antheil um so grösser sein; und wo sie theuer und spärlich vorhanden sind, da wird derselbe um so kleiner sein. Sein Arbeitslohn wird ihm stets seinen richtigen Antheil und kann ihm nicht mehr geben. Es besteht wirklich eine Meinung, welche von Dr. Smith und den meisten anderen Schriftstellern angenommen ist, dass der Geldpreis der Arbeit vom Geldpreise der Lebensmittel bestimmt werde und der Arbeitslohn verhältnissmässig steige, wann die Lebensmittel im Preise in die Höhe gehen. Allein es ist klar, dass der Preis der Arbeit keinen nothwendigen Zusammenhang mit dem Preise der Nahrung hat, da er ganz und gar von dem Angebote an Arbeitern, verglichen mit der Nachfrage nach solchen, abhängt. Zudem ist zu bemerken, dass der hohe Preis der Lebensmittel ein sicheres Anzeichen eines mangelhaften Angebotes ist und sich im natürlichen Laufe der Dinge einstellt, zum Zwecke einer <187> Aufhaltung der Verzehrung. Ein kleineres Angebot an Nahrung unter dieselbe Zehrerzahl vertheilt, wird offenbar einem Jeden einen kleineren Antheil geben, und der Arbeiter muss seinen Antheil am allgemeinen Mangel tragen. Um diese Last gleichmässig zu vertheilen, und den Arbeiter von einer so ungehinderten Verzehrung seines Unterhaltes, wie zuvor, abzuhalten, steigt der Preis. Allein es scheint, der Arbeitslohn muss zugleich mit ihm in die Höhe gehen, damit der Arbeiter noch fortan die nämliche Menge von einem seltener gewordenen Gute geniessen könne; und so erscheint die Natur als ihren eigenen Zwecken entgegen wirkend: erstens, indem sie den Preis der Nahrung steigert, um die Verzehrung zu vermindern, und dann, indem sie den Arbeitslohn erhöhet, um dem Arbeiter denselben Vorrath, wie vorher, zu verschaffen.«

In dieser Beweisführung von Buchanan scheint mir eine arge Mischung von Wahrheit und Irrthum zu sein. Weil ein hoher Preis der Lebensmittel zuweilen eine Wirkung mangelhaften Angebotes ist, so nimmt ihn Buchanan als sichere Anzeige des mangelhaften Angebotes an. Er schreibt einer Ursache allein zu, was von mehreren herrühren kann. Es ist ohne Zweifel wahr, dass bei mangelhaftem Angebote unter die gleiche Anzahl von Zehrern eine kleinere Menge ausgetheilt wird und auf jeden ein kleinerer Theil fällt. Um nun diese Verkürzung gleichmässig zu vertheilen und den Arbeiter von einer so freien Verzehrung seines Unterhaltes, wie sie vorher war, abzuhalten, steigt der Preis. Man muss deshalb Buchanan zugeben, dass ein durch mangelhaftes Angebot verursachtes Steigen des Preises der Lebensmittel nicht nothwendig den Geldlohn in die Höhe treibt, da die Verzehrung eingesdiränkt werden muss, was einzig und allein durch eine Verringerung des Kaufvermögens der Zehrer geschehen kann. Allein weil der Preis der Lebensmittel zufolge mangelhaften Angebotes steigt, so sind wir noch nicht zu dem Schlüsse berechtigt, den Buchanan zu machen scheint, nämlich dass ein reichliches Angebot nicht mit einem hohen Preise zusammen bestehen könne, mit einem hohen Preise nicht blos mit Bezug auf Geld, sondern mit Bezug auf alle anderen Dinge.

Der natürliche Preis der Güter, welcher zuletzt immer ihren <188> Marktpreis beherrscht, hängt von der Leichtigkeit der Hervorbringung ab; allein die hervorgebrachte Menge steht nicht im Verhältnisse zu dieser Leichtigkeit. Obschon die Ländereien, welche jetzt in Anbau genommen sind, um vieles schlechter sind, als diejenigen, welche vor drei Jahrhunderten in Anbau waren, und deshalb die Schwierigkeit der Hervorbringung zugenommen hat, wer könnte dessen ungeachtet noch einen Zweifel hegen, dass die Menge, welche jetzt hervorgebracht wird, diejenige, welche damals hervorgebracht wurde, sehr weit übersteigt? Nicht blos ist ein hoher Preis vereinbar mit einem vermehrten Angebote, sondern selten ermangelt er sogar, dasselbe zu begleiten. Wenn denn nun in Folge der Besteuerung oder Schwierigkeit der Hervorbringung der Preis der Lebensmittel gestiegen ist, und sich die Menge derselben nicht vermindert hat, so wird der Geldlohn steigen; denn, wie Buchanan richtig bemerkt hat, »der Arbeitslohn besteht nicht in Geld, sondern in demjenigen, was man mit Geld kauft, nämlich, in Nahrungsmitteln und anderen Bedürfnissgegenständen; und der dem Arbeiter aus dem gemeinsamen Vermögensstamme bezahlte Lohn wird stets zum Angebote im Verhältnisse stehen.«

Mit Bezug auf den zweiten Punkt, ob eine Auflage auf den Arbeitslohn den Preis der Arbeit erhöhen würde, sagt Buchanan : »Nachdem der Arbeiter seine gebührende Belohnung für seine Arbeit eingenommen hat, wie kann er dann noch Rückgriff an seinen Herrn für dasjenige haben, was er hinterher noch davon zu Steuern herzugeben gezwungen ist? Es gibt kein Gesetz oder keinen Grundsatz in den menschlichen Angelegenheiten, wodurch ein solcher Schluss begründet wäre. Sobald der Arbeiter seinen Lohn empfangen hat, so ist derselbe in seinem eigenen Gewahrsam, und er muss, in so weit er es vermag, die Lasten aller Erpressungen tragen, denen er später immerhin ausgesetzt sein mag: denn er hat offenbar kein Mittel, um diejenigen zur Wiedererstattung zu zwingen, welche ihm bereits den gerechten Lohn für seine Arbeit gegeben haben.« Buchanan hat unter Zustimmung folgende passende Stelle aus Malthus' Werke über Bevölkerung angeführt, welche mir auf seinen Einwurf vollständig zu antworten scheint. »Der Preis der Arbeit, wenn man ihn seinen natürlichen Gleichstand suchen lässt, ist <189> ein sehr wichtiges politisches Barometer, welches das Verhältniss zwischen dem Angebote an Lebensmitteln und der Nachfrage danach, zwischen der zu verzehrenden Menge und der Zehrerzahl ausdrückt; und, nach dem mittleren Stande genommen, unabhängig von zufälligen Umständen, drückt dasselbe klar die Bedürfnisse der Gesellschaft hinsichtlich der Bevölkerung aus, d. h. wie gross auch immer die Kinderzahl in einer Ehe, welche zur genauen Erhaltung der gegenwärtigen Bevölkerung erforderlich ist, sein mag, der Preis der Arbeit wird zum Unterhalte dieser Zahl gerade hinreichend oder grösser oder kleiner sein, je nachdem der Stand der wirklichen Mittel zur Erhaltung der Arbeit im Stillstande, Fortschritte oder Rückschritte begriffen ist. Indessen sehen wir ihn, anstatt ihn in diesem Lichte zu betrachten, für etwas an, was wir nach Gefallen erhöhen oder herabdrücken können, für etwas, was hauptsächlich von Seiner Majestät Friedensrichtern abhänge. Wann eine Erhöhung des Preises der Lebensmittel schon anzeigt, dass die Nachfrage für das Angebot zu gross ist, um den Arbeiter in die nämliche Lage zu versetzen, in welcher er vorher war, so steigern wir den Preis der Arbeit, d. h. wir vermehren die Nachfrage und sind alsdann sehr erstaunt darüber, dass der Preis der Lebensmittel zu steigen fortfährt. Hiebei verfahren wir ungefähr so, als wie wenn wir, wann das Quecksilber im gewöhnlichen Wetterglase auf stürmisch steht, dasselbe durch einen gewaltsamen Druck auf beständig schön zu steigern suchen, und dann uns doch wundern, dass es zu regnen fortfährt.«

»Der Preis der Arbeit wird klar die Bedürfnisse der Gesellschaft hinsichtlich der Bevölkerung ausdrücken;« er wird gerade zur Unterhaltung der Bevölkerung hinreichen, welche zu dieser Zeit der Stand der Mittel zur Erhaltung der Arbeiter erfordert. War vorher der Arbeitslohn blos angemessen, um die erforderliche Bevölkerung zu erhalten, so wird er nach der Steuerumlage dazu nicht mehr angemessen sein, denn der Arbeiter wird alsdann nicht mehr die nämlichen Mittel zurBesorgung der Ausgaben für seine Familie haben. Die Arbeit wird daher steigen, weil die Nachfrage fortdauert, und blos die Erhöhung des Preises ist es, wodurch das Angebot nicht aufgehalten wird. <190>

Nichts ist gewöhnlicher, als Hüte oder Malz steigen zu sehen, wenn sie besteuert sind; sie steigen, weil das erforderliche Angebot nicht herbeigeschafft würde. wenn sie nicht stiegen: so auch mit der Arbeit: wenn der Arbeitslohn besteuert wird, so steigt ihr Preis, weil, wenn er dies nicht thäte, die erforderliche Bevölkerung nicht erhalten würde. Gibt Buchanan nicht Alles zu, was behauptet wurde, wann er sagt, dass, »wäre derselbe (der Arbeiter) in der That auf das blosse Zugeständniss seiner Bedürfnisse herabgebracht, derselbe auch keine fernere Herabsetzung seines Lohnes erdulden werde, weil er unter solchen Bedingungen sein Geschlecht nicht fortpflanzen könnte?« Gesetzt, die Landesverhältnisse seien von der Art, dass die gemeinsten Arbeiter veranlasst wären, ihr Geschlecht nicht blos fortzupflanzen, sondern auch zu vergrössem; so würde ihr Arbeitslohn danach bestimmt sein. Können sie sich vermehren, wenn ihnen die Steuer einen Theil ihres Lohnes entzieht und denselben auf die blossen Bedürfnisse herabbringt?

Fügt die Steuer dem Wert etwas hinzu, oder nimmt sie etwas von ihm weg? ist die zu beantwortende Frage. Dem Wert Wert hinzufügen kann nur die Arbeit. Also fügt die Steuer keinen Wert hinzu, sondern nimmt dem vorhandenen Wert etwas weg. Da sich der Arbeiter nach Zahlung der Steuer dennoch ernähren und fortpflanzen kann, muss es sich bei der Steuer um einen Wertbestandteil handeln. Ist der Staat auf seine Rolle als Verwalter des öffentlichen Konsumtionsfonds verwiesen, wird dies von selbst einleuchten.

Es hat ohne Zweifel seine Richtigkeit, dass ein besteuertes Gut nicht im Verhältnisse zur Steuer steigt, wenn die Nachfrage danach abnimmt und seine Menge nicht verringert werden kann. Ist Metallgeld allgemein im Gebrauche, so wird sein Tauschwerth durch eine Steuer nicht für eine beträchtliche Zeit im Verhältnisse zum Steuerbetrage erhöhet werden, weil bei einem höheren Preise die Nachfrage danach abnehmen und seine Menge nicht verringert wird; und unstreitig wirkt die nämliche Ursache häufig auf den Arbeitslohn; die Zahl der Arbeiter kann nicht schnell im Verhältnisse zur Vermehrung oder Verminderung der Mittel, welche zu ihrer Beschäftigung bestimmt sind, vergrössert oder verringert werden; allein in dem angenommenen Falle gibt es keine nothwendige Abnahme der Nachfrage nach Arbeit, und nimmt dieselbe auch ab, so sinkt die Nachfrage nicht im Verhältnisse zur Steuer. Buchanan vergisst, dass die durch die Steuer hinweggenommenen Vermögensmittel vom Staate zum Unterhalte von Arbeitern verwendet werden, zwar nicht für hervorbringende, aber doch für Arbeiter. Müsste der Preis der Arbeit nicht steigen, sobald der Arbeitslohn besteuert ist, so würde eine grosse Zunahme in dem Mitbewerbe um Arbeit stattfinden, weil die Eigenthümer des Kapitals, welche zu <191> dieser Steuer nichts beizutragen hätten, noch die nämlichen Mittel zur Beschäftigung von Arbeit haben würden; während der Staat, welcher die Steuer einnimmt, mehr Mittel zu demselben Zwecke besässe. Staat und Volk werden alsdann Mitbewerber und die Folge dieses Mitbewerbs ist eine Erhöhung des Preises der Arbeit. Nur die gleiche Menschenzahl wird zwar beschäftigt, aber sie wird zu höherem Lohne angestellt werden. Wäre die Steuer gleichzeitig auf die Klasse der Kapitalisten auferlegt worden, so würde ihr auf Erhaltung der Arbeit zu verwendender Fond gerade in demselben Maasse verringert worden sein, als der des Staats zu demselben Zwecke bestimmte zugenommen hätte; und deshalb würde auch kein Steigen des Arbeitslohnes stattgefunden haben; denn, obscbon dann noch dieselbe Nachfrage wäre, so würde doch nicht der nämliche Mitbewerb Vorhandensein. Schickte die Regirung den Ertrag der Steuer, sobald sie erhoben wäre, mit einem Male einem anderen Staate als Hilfsgelder zu, und würden daher diese Mittel der Unterhaltung ausländischer, und nicht englischer Arbeiter, als da sind Soldaten, Matrosen u. s. w., gewidmet; dann fände in der That eine Verminderung der Nachfrage nach Arbeit statt und der Arbeitslohn könnte nicht in die Höhe gehen, trotz seiner Besteuerung; aber dasselbe würde sich einstellen, wenn die Steuer auf verzehrbare Gegenstände, auf die Kapitalgewinnste, gelegt väre oder wenn die nämliche Summe auf irgend eine andere Weise erhoben würde, um die Hilfsgelder zu gewähren: weniger Arbeit könnte im Inlande beschäftigt werden. In dem einen Falle wird das Steigen des Lohnes verhütet, in dem anderen muss derselbe unumgänglich fallen. Allein gesetzt, der Betrag der Lohnsteuer werde, nachdem er von den Arbeitern erhoben ist, unentgeltlich an ihre Lohnherren bezahlt, so würde derselbe ihren Geldvorrath, der zur Erhaltung von Arbeit bestimmt ist, vermehren, aber den Preis weder der Güter noch der Arbeit erhöhen. Er würde folglich den Mitbewerb unter den Beschäftigern der Arbeit vermehren und die Steuer würde zuletzt weder für die Meister noch für die Arbeiter einen Verlust zur Folge haben. Der Meister würde für die Arbeit einen erhöheten Preis bezahlen; die Zugabe, welche der Arbeiter empfinge, würde an den Staat als Abgabe bezahlt und alsdann den <192> Meistern wieder erstattet werden. Es darf jedoch nicht vergessen werden, dass der Ertrag der Steuern allgemeinhin verzehrend verausgabt wird, dass man sie stets auf Kosten der Behaglichkeit und Genüsse des Volkes erhebt, und dass sie gewöhnlich entweder das Kapital vermindern oder dessen Ansammlung verzögern. Durch die Verminderung des Kapitals bewirken sie eine Verringerung der wirklichen zur Erhaltung von Arbeit bestimmten Vorräthe; und deshalb auch eine Herabsetzung der wirksamen Nachfrage nach Arbeit. Die Steuern vermindern also im Allgemeinen, in so fern sie das wirkliche Kapital des Landes verkleinem, die Nachfrage nach Arbeit; und es ist deshalb eine wahrscheinliche, jedoch keine nothwendige, noch eine besonders eigenthümliche Folge einer Auflage auf den Arbeitslohn, dass der Letztere, wenn er auch stiege, doch nicht um eine der Steuer genau gleichkommende Summe steigen würde.

A. Smith hat, wie wir gesehen haben, völlig eingeräumt, dass die Wirkung einer Lohnsteuer die Erhöhung des Arbeitslohnes um eine der Steuer wenigstens gleichkommende Summe sein, und, wenn nicht unmittelbar, doch am Ende von dem Lohnherrn bezahlt werden würde. In so weit stimmen wir völlig mit ihm überein; aber wir weichen wesentlich in den Ansichten über die späteren Wirkungen einer solchen Steuer ab.

»Von einer direkten Auflage auf den Arbeitslohn könnte man daher,« sagt A. Smith , »wenn sie auch der Arbeiter vielleicht aus seiner eigenen Hand bezahlen würde, nicht eigentlich sagen, dass sie von ihm gerade vorgeschossen werde; zum wenigsten wenn die Nachfrage nach Arbeit und der mittlere Preis der Lebensmittel nach der Steuerumlage die nämlichen blieben, wie vor derselben. In allen solchen Fällen würde nicht blos die Steuer, sondern noch etwas mehr wirklich von der Person vorgeschossen werden, welche den Arbeiter beschäftigte. . Die endliche Zahlung würde in verschiedenen Fällen auf verschiedene Personen fallen. Die Erhöhung des Lohnes für Gewerksarbeit, welche solch' eine Steuer veranlassen könnte, würde von dem Gewerksmeister vorausbezahlt, welcher berechtigt und genöthigt wäre, dieselbe nebst einem Gewinnste auf den Preis seiner Güter zu schlagen. <193>

Die Erhöhung des Lohnes für ländliche Arbeil, welche solch' eine Steuer veranlassen könnte, würde vom Pachter vorausgelegt werden, welcher, um die nämliche Arbeiterzahl wie vorher halten zu können, genöthigt wäre, ein grösseres Kapital anzuwenden. Um nun aber dies grössere Kapital nebst dem gewöhnlichen Kapitalgewinnste wieder herauszuschlagen, würde es für ihn nothwendig sein, einen grösseren Theil, oder was auf dasselbe hinauskommt, den Preis eines grösseren Theils der Bodenerzeugnisse für sich zurück zu behalten und folglich dem Grundherrn weniger Rente zu bezahlen. Die endliche Zahlung dieser Erhöhung des Lohnes würde in diesem Falle auf den Grundherrn fallen, nebst dem Gewinnstzusatze für den Pachter, welcher dieselbe vorgeschossen hatte. In allen Fällen muss eine direkte Auflage auf den Arbeitslohn für die Länge beides, sowohl eine grössere Herabsetzung der Grundrente, als auch eine grössere Erhöhung des Preises der Gewerksgüter veranlassen, als aus der besonderen Umlage einer dem Steuerertrage gleichkommenden Summe theils auf die Grundrente theils auf verzehrbare Waaren erfolgt sein würde.«2 In dieser Stelle ist behauptet, der Lohnzusatz, welchen der Pachter befahlt habe, werde zuletzt auf die Grundherren fallen, die eine kleinere Rente einnehmen würden; aber der Lohnzusatz, welchen die Gewerksunternehmer bezahlen, werde eine Erhöhung im Preise der Gewerksgüter veranlassen und deshalb auf die Verbraucher dieser Güter fallen.

Nun denn angenommen, die Gesellschaft bestehe aus Grndherren, Gewerksuntemehmern, Pächtern und Arbeitern. Die Arbeiter, dies gibt man zu, werden für die Steuer entschädigt; - allein durch wen? - wer würde den Theil bezahlen, welcher nicht auf die Grundherren fiele? - Die Gewerksunternehmer könnten nichts davon tragen; denn, sollte der Preis ihrer. Waaren im Verhältnisse des Lohnzusatzes, den sie bezahlten, steigen, so würden sie sich nach der Steuerumlage in einer besseren Lage als vor derselben befinden. Sollte der Tuchmacher, Hutmacher, Schuhmacher u. s. w., ein jeder, im Stande sein, den Preis ihrer Güter um 1 % zu erhöhen, - ange <194> nommen, 10 % entschädigten sie vollständig für den Lohnzusatz, den sie bezahlten, - »wären sie,« wie A. Smith sagt, »berechtigt und genöthigt, den Lohnzusatz sammt einem Gewinnste auf die Preise ihrer Güter zu schlagen;« so könnte ein Jeder von den Gütern jedes Anderen so viel verbrauchen, als vorher, und würde also nichts zu der Steuer beitragen. Bezahlte der Tuchmacher mehr für seine Hüte und Schuhe, so würde er auch mehr für sein Tuch bekommen, und gäbe der Hutmacher mehr für sein Tuch und seine Schuhe, so würde er auch mehr für seine Hüte empfangen. Alle Gewerkswaaren würden alsdann von ihnen mit so viel Vortheil als vorher abgesetzt und, in so weit das Getreide nicht im Preise stiege, wie A. Smith annimmt, während sie mehr für seinen Ankauf auszulegen hätten, würden sie auch von einer solchen Steuer Vortheile, und keine Nachtheile ziehen.

Wenn denn nun weder die Arbeiter noch die Gewerksunternehmer zu solch' einer Steuer beitragen, wenn die Pächter ebenfalls durch das Sinken der Rente entschädiget würden, so müssten die Grundherren allein nicht blos ihr ganzes Gewicht tragen, sondern auch noch zu dem erhöheten Gewinnste der Gewerksunternehmer beitragen. Jedoch müssten sie, um dies zu thun, alle Gewerkswaaren des Landes verbrauchen, denn der Preiszusatz, wie er auf die ganze Masse fällt, beträgt wenig mehr, als die Steuer, welche ursprünglich auf die Gewerksarbeiter gelegt wurde.

Nun wird man nicht bestreiten, dass der Tuchmacher, der Hutmacher und alle anderen Gewerksmänner gegenseitig Verbraucher der Güter eines jeden Anderen sind; man wird auch nicht bestreiten, dass Arbeiter jeder Gattung Seife, Tuch, Schuhe, Lichter und andere Waaren brauchen; daher ist es unmöglich, dass das ganze Gewicht dieser Abgaben auf die Grundherren allein fallen sollte.

Allein, wenn die Arbeiter keinen Theil der Auflage bezahlen, und die Gewerkswaaren dennoch im Preise steigen, so muss der Arbeitslohn in die Höhe gehen, nicht allein um dieselben für die Steuer zu entschädigen, sondern auch für den erhöheten Preis der Bedürfnisse an Gewerkswaaren, was, in so weit es die landwirthschaftliche Arbeit betrifft, noch eine neue <195> Ursache für das Fallen der Rente, und, in so weit es die Gewerksarbeit berührt, für eine fernere Erhöhung des Preises der Güter sein wird. Diese Preiserhöhung der Güter wird dagegen wieder auf den Arbeitslohn wirken, und diese Wirkung und Gegenwirkung, zuerst von Seiten des Lohnes auf die Güter und dann von Seiten der Güter auf den Lohn, wird ohne bezeichenbare Grenzen ausgedehnt werden. Die Vordersätze, auf welchen diese Theorie fusst, leiten zu solchen abgeschmackten Schlussfolgerungen, dass man auf den ersten Blick einsehen kann, wie der Grundsatz ganz und gar nicht vertheidigt zu werden vermag.

Alle die Wirkungen, welche beim natürlichen Fortschreiten der Gesellschaft und bei zunehmender Schwierigkeit der Hervorbringung durch ein Steigen der Rente und der Bedürfnisse auf den Kapitalgewinnst und Arbeitslohn hervorgebracht werden, werden auch durch ein Steigen des Lohnes in Folge der Besteuerung veranlasst; und deshalb werden die Genüsse der Arbeiter, so gut als jene ihrer Beschäftiger, durch die Steuer verkürzt; und zwar nicht gerade besonders durch diese Steuer allein, sondern durch jede andere, durch welche ein gleicher Betrag erhoben werden sollte, da sämmtliche Steuern den zur Haltung von Arbeit bestimmten Vorrath zu verringern streben möchten.

Der Irrthum A. Smith's rührt vor Allem von der Annahme her, dass alle vom Pachter bezahlten Steuern nothwendig auf den Grundherrn fallen müssten, in Gestalt eines Abzugs von der Rente. Ueber diesen Gegenstand habe ich mich vollständig erklärt und ich glaube zur Zufriedenheit des Lesers gezeigt zu haben, dass, so lange viel Kapital auf den Boden, der keine Rente bezahlt, angelegt wird, und so lange das durch dies Kapital erlangte Ergebniss es ist, was den Preis der Roherzeugnisse bestimmt, an der Rente kein Abzug gemacht werden kann; und folglich wird entweder dem Pachter keine Vergütung für eine Lohnsteuer gegeben, oder wenn auch, so muss sie ihm durch einen Zusatz zum Preise der Roherzeugnisse zukommen.

Drücken die Steuern ungleich auf den Pachter, so wird er in der Lage sein, den Preis der Roherzeugnisse zu erhöhen, um sich auf einen Gleichstand mit Denjenigen zu stellen, welche <196> andere Gewerbe betreiben; allein eine Lohnsteuer, welche ihn nicht mehr als jedes andere Gewerbe treffen würde, könnte nicht abgewälzt oder durch einen hohen Preis der Roherzeugnisse vergütet werden; denn derselbe Grund, welcher ihn zur Steigerung seines Getreidepreises bestimmen würde, nämlich sich für die Steuer zu entschädigen, würde auch den Tuchmacher vermögen, seinen Tuchpreis zu erhöhen, den Schuster, Hutmacher und Möbelmacher, die Preise der Schuhe, Hüte und Möbel zu steigern.

Wenn sie nun so sämmtlich den Preis ihrer Güter erhöhen können, um sich nebst einem Gewinnste für die Steuer zu entschädigen; so ist es doch einleuchtend, dass die Steuer niemals bezahlt werden könnte, da sie alle einander gegenseitig Verbraucher ihrer Waaren sind; denn wer würde der Steuerträger sein, wenn Alle entschädigt würden?

Ich hoffe denn also, dass es mir gelungen ist darzuthun, dass eine jede Steuer, welche eine Erhöhung des Lohnes bewirkt, mittelst einer Verringerung des Gewinnstes entrichtet wird, und deshalb eine Lohnsteuer in Wirklichkeit eine Auflage auf den Gewinnst ist.

Ist der ursprüngliche Eigentümer des Mehrprodukts wieder der Eigentümer, so wird auch diese Behauptung Ricardos ihre Bestätigung finden. Denn der Staat erhält seinen Staatslohn aus dem gemeinsam von Arbeitern und Kapitalisten erwirtschafteten Überschusses aus den Händen des alten neuen Eigentümers, so dass die Steuer von dem einen immer zugleich die Steuer von dem anderen ist.

Dieses Grundgesetz der Vertheilung des Erzeugnisses von Arbeit und Kapital unter den Arbeitslohn und Gewinnst, welches ich aufzustellen versucht habe, scheint mir so zuverlässig zu sein, dass ich denken sollte, es sei, ausgenommen in Betreff der unmittelbaren Wirkungen, von wenig Wichtigkeit, ob der Kapitalgewinnst oder der Arbeitslohn besteuert werde. Durch Besteuerung der Kapitalgewinnste würde man vermuthlich das Verhältniss, nach welchem die Vorräthe für Haltung der Arbeit zunehmen, verändern, und der Lohn würde, indem er zu hoch würde, zu dem, Stande dieser Vorräthe in ein Missverhältniss gerathen. Durch Besteuerung des Lohnes würde auch die dem Arbeiter gegebene Vergütigung, indem sie zu niedrig würde, zu diesen Vorräthen in ein Missverhältniss gerathen. Das natürliche Gleichgewicht zwischen Gewinnst und Arbeitslohn würde in dem einen Falle durch ein Sinken, und in dem anderen durch ein Steigen des Geldlohnes wieder hergestellt werden. Eine Lohnsteuer fällt demgemäss nicht auf den Grundherrn, sondern auf den Kapitalgewinnst: sie »berechtigt und nöthigt <197> den Gewerksmeister nicht, sie sammt einem Gewinnste auf die Preise der Güter zu schlagen,« denn er wird ausser Stand sein, ihre Preise zu steigern, und muss also solch' eine Steuer selber ganz und ohne Entschädigung bezahlen.3

Ist nun die Wirkung der Lohnsteuern von der Art, wie ich sie beschrieben habe, so verdienen sie auch den Tadel nicht, welchen A. Smith auf sie wirft. Er bemerkt über solche Steuern: »Diese und einige andere Steuern derselben Art, sagt man, hätten den grösseren Theil der Gewerke Hollands vernichtet, indem sie den Preis der Arbeit steigerten. Aehnliche Steuern, obgleich bei Weitem nicht so drückend finden im Mailändischen, in den Staaten von Genua, im Herzogthume Modena, in den Herzogthümern Parma, Piacenza und Guastalla und im Kirchenstaate statt. Ein französischer Schriftsteller von einigem Namen hat den Vorschlag gemacht, die Finanzen seines Landes umzuändern, dadurch, dass man an die Stelle der anderen Steuern diese verderblichste aller Auflagen setze. Es gibt nichts so Abgeschmacktes, sagt Cicero, was nicht »dann und wann von Philosophen behauptet worden wäre.«4 Und an einer anderen Stelle sagt er: »Auflagen auf Bedürfnisse streben nothwendig, indem sie den Arbeitslohn erhöhen, den Preis aller Gewerkserzeugnisse zu steigern und folglich die Ausdehnung ihres Absatzes und ihres Verbrauches zu beengen.«5 Sie würden diesen Tadel nicht verdienen, selbst wenn Dr. Smith's Grundsatz, dass solche Steuern die Preise der Gewerkswaaren steigerten, wahr wäre; denn solch' eine Wirkung könnte nur vorübergehend sein und würde uns im auswärtigen Handel keinem Schaden unterziehen. Steigerte irgend eine Ursache den Preis weniger Gewerkswaaren, so würde sie deren Ausfuhr verhindern oder hemmen; wirkte aber dieselbe Ursache allgemein bei <198> Allen, so würde die Wirkung blos dem Namen nach eintreten, und weder ihren gegenseitigen Tauschwerth berühren, noch um irgend etwas den Anreiz zum Tauschhandel vermindern, was doch aller Handel, der auswärtige und der Binnenhandel, in Wirklichkeit ist.

Ich habe bereits versucht, darzuthun, dass, wann irgend eine Ursache die Preise der Güter erhöhet, die Wirkungen davon fast denen des Sinkens des Tauschwerthes des Geldes gleich sind. Sinkt das Geld im Tauschwerthe, so steigen alle Güter im Preise; und ist die Wirkung auf ein einziges Land beschränkt, so wird es den auswärtigen Handel auf die nämliche Weise berühren, wie ein hoher Güterpreis, der durch allgemeine Besteuerung hervorgerufen ist; und indem wir also die Wirkungen eines niedrigen Tauschwerthes des Geldes, wie er auf ein einziges Land beschränkt ist, untersuchen, so untersuchen wir auch die Wirkungen eines hohen Güterpreises, wie sie auf ein einziges Land beschränkt sind. Wirklich, A. Smith war auch von der Aehnlichkeit dieser zwei Fälle völlig überzeugt und behauptete in Uebereinstimmung damit, dass der niedrige Tauschwerth des Geldes, oder, wie er es nennt, des Silbers in Spanien, zufolge des Ausfuhrverbotes, den Gewerken und dem auswärtigen Handel Spaniens in sehr hohem Grade nachtheilig war. »Aber diejenige Werthsverringerung des Silbers, welche, als Wirkung entweder der besonderen Lage oder Staatseinrichtungen eines besonderen Landes, blos in diesem Lande sich einstellt, ist ein Gegenstand von sehr wichtigen Folgen, der, weit entfernt, irgend Jemanden reicher zu machen, vielmehr Jedermann nur wirklich ärmer zu machen strebt. Das Steigen des Geldpreises aller Güter, welches in diesem Falle diesem Lande eigenthümlich ist, veranlasst mehr oder weniger Entmuthigung in jeder Gattung von Gewerb- und Betriebsamkeit, welche in demselben stattfindet, und setzt fremde Völker in Stand, dadurch, dass sie fast alle Arten von Gütern um eine kleinere Silbermenge geben, als seine eigenen Werkleute sie liefern können, diese nicht blos auf dem auswärtigen, sondern auch auf dem einheimischen Markte aus dem Felde zu schlagen.«6 <199>

Ein, und ich denke, der Einzige von den Nachtheilen eines niedrigen Tauschwerthes des Silbers in einem Lande, welche aus einer erzwungenen Uebermenge von Silber hervorgehen, ist von Dr. Smith trefflich auseinandergesetzt. Wäre der Handel mit Gold und Silber frei, »so würde das Gold und Silber, welches in die Fremde ginge, nicht für nichts hinaus gehen, sondern einen gleichen Tauschwerth an Gütern einer oder der anderen Art zurück bringen. Dabei würden diese Güter nicht sämmtlich Gegenstände blossen Luxus und blosser Ausgaben zum Verbrauche für müssiges Volk sein, das nichts zum Ersatze für seine Verzehrung hervorbringt. Da der wirkliche Wohlstand und das Einkommen müssigen Volkes durch diese ausserordentliche Gold- und Silberausfuhr gar nicht vermehrt würden, so würde durch dieselbe auch ihre Verzehrung keineswegs vermehrt. Diese Güter würden, wahrscheinlich zum grössten Theile und sicherlich zum Theile, in Rohstoffen, Werkzeugen und Lebensmitteln für die Beschäftigung und Unterhaltung gewerbsamen Volkes bestehen, welches den vollen Tauschwerth seiner Verzehrung sammt Gewinnst wieder hervorbrächte. Ein Theil des todten Vermögensstammes der Gesellschaft würde so in Erwerbsstamm umgewandelt werden, und mehr Gewerb- und Betriebsamkeit in Bewegung setzen, als vorher in Beschäftigung war.«7

Erlaubt man, wann die Güterpreise entweder durch Besteuerung oder durch Einfluss der Edelmetalle gesteigert sind, den freien Handel mit Edelmetall nicht, so verhindert man, dass ein Theil des todten Vermögensstammes der Gesellschaft in Erwerbsstamm umgewandelt werde, - so verhindert man, dass mehr Gewerb- und Betriebsamkeit inThätigkeit komme. Allein dies ist das Uebel in seiner ganzen Höhe, ein Uebel, welches niemals von denjenigen Ländern empfunden wird, wo die Silberausfuhr entweder geradezu erlaubt oder doch nachgesehen wird.

Der Wechselcurs steht zwischen zwei Ländern nur al Pari, so lange sie genau die nämliche Menge Umlaufsmittel besitzen, welche sie nach dem wirklichen Stande der Dinge brauchen, um den Umlauf ihrer Güter zu unterhalten. Wäre der Edelmetallhandel vollkommen frei und könnte ohne irgend eine Ausgabe Geld ausgeführt werden, so könnte auch in keinem Lande <200> der Wechselcurs anders, als al Pari stehen. Wäre der Edelmetallhandel vollkommen frei, wäre das Edelmetall allgemein für den Umlauf in Gebrauch, so könnte, selbst bei seinen Versendungskosten, der Wechselcurs niemals in irgend einem derselben um mehr vom Pari abweichen, als um diese Versendungskosten. Diese Grundgesetze, glaub' ich, sind jetzt nirgend, mehr bestritten. Hätte ein Land ein Papiergeld in Gebrauch, das nicht gegen Baarschaft eintauschbar und desshalb nicht nach einem festen Tauschwerthsmaasse eingerichtet wäre, so könnte in demselben der Wechselcurs vom Pari im nämlichen Verhältnisse abweichen, als sein Geld über diejenige Menge hinaus vermehrt werden könnte, welche ihm durch den allgemeinen Verkehr zugewiesen worden wäre, wenn der Geldhandel frei und das Edelmetall entweder zu Geld oder zum Tauschwerthsmaasse des Geldes in Gebrauch gewesen wäre.

Wäre nach den allgemeinen Verkehrsgeschäften Englands Geldantheil 4 Millionen Pfund Sterling von bekanntem Gewichte und Feingehalte an Metall, und würden an deren Stelle 10 Millionen Pfund Sterling Papiergeld gesetzt, so würde dadurch auf den Wechselcurs kein Einfluss hervorgebracht; allein,, würden durch Missbrauch der Gewalt, Papier auszugeben, 11 Millionen Pfund Sterling in Umlauf gesetzt, so würde der Wechselcurs um 9 % gegen England stehen; würden 12 Millionen in Umlauf gebracht, um 16 %; und würden 20 Millionen in Umlauf geworfen, um 50 %, .Um diese Wirkung hervorzubringen, ist indessen keineswegs die Anwendung von Papiergeld nöthig: jede Ursache, welche eine grössere Menge Pfund Sterling in Umlauf hielte, als umgelaufen sein würden, wenn der Handel frei gewesen und das Edelmetall von bekanntem Gewichte und Feingehalte, sei's zu Geld oder zum Tauschwerthsmaasse des Geldes, gebraucht worden wäre, würde gerade die nämlichen Wirkungen hervorbringen. Gesetzt, jedes Pfund Sterling enthalte zufolge des Geldkippens (des Beschneidens) nicht die Gold- oder Silbermenge, welche es nach dem Gesetze enthalten sollte, so würde eine grössere Zahl solcher Pfund in dem Umlaufe angewendet werden, als wenn sie nicht gekippt worden wären. Wäre von jedem Pfund ein Zehnttheil hinweg gekommen, so wurden 11 Millionen solcher Pfund anstatt 4 in Gebrauch sein; wären <201> zwei Zehnttheile hinweg genommen, so würden es 12 Millionen sein, und wäre die Hälfte hinweg gekommen, so würden 20 Millionen nicht überflüssig gefunden werden. War die letztere Summe anstatt 10 Millionen in Gebrauch, so würde jede Waare in England auf das Doppelte ihres früheren Preises steigen und der Wechselcurs mit 50 % gegen England stehen; allein dies würde keine Störung im auswärtigen Handel veranlassen, nocb von der Verfertigung irgend eines Gutes abhalten. Stiege z. B. in England das Stück Tuch von 20 auf 40 £, so würden wir es just eben so frei ausführen, als vor diesem Steigen, denn der ausländiscbe Käufer würde im W echselcurse eine Entschädigung von 50 % beziehen; so dass er mit 20 £ von seinem Gelde einen Wecbsel kaufen könnte, der ihn in Stand setzte, in Eng land eine Schuld von 40 £ zu tilgen. Auf dieselbe Weise würde er, wenn er eine Waare ausführte, welcbe ihm zu Hause 20 £ kostete und in England um 40 £ verkauft würde, dafür nur 20 £ bekommen, denn mit 40 £ würde man in England nur einen Wechsel von 20 £ auf ein auswärtiges Land kaufen. Die nämlichen Wirkungen würden sich ergeben, aus was immer für einer Ursache 20 Millionen in England die Umlaufegeschäfte besorgen müssten, wenn eigentlich blos 10 Millionen erforderlich wären. Wenn ein so abgeschmacktes Gesetz, wie das Verbot der Ausfuhr der Edelmetalle, mit Zwang durchgeführt werden könnte, und die Folge eines solchen Verbotes die wäre, dass 14 Millionen gute Pfund Sterling, wie sie frisch aus der Münze kommen, anstatt nur 10 Millionen, in den Umlauf gezwängt würden, so würde der Wechselcurs gegen England 9 % sein; bei 12 Millionen aber 16 %; bei 20 Millionen endlich 50 %. Es würde daraus indessen keine Entmuthigung in den Gewerken Englands entstehen; ständen in England die inländischen Waaren hoch, so würden auch die ausländischen daselbst so stehen; und ob sie hoch oder niedrig ständen,. würde für den ausländischen Aus- und Einfiihrer von wenig Bedeutung sein, weil er auf der einen Seite, wann er seine Waaren theuer verkaufte, im Wechselcurse eine Entschädigung gestatten müsste, und dieselbe Ausgleichung erhielte, wann er gezwungen wäre, die englischen Waaren theuer zu bezahlen. Der einzige Nachtheil, welcher für ein Land daraus, dass es durch Sperrgesetze mehr Gold und <202> Silber in Umlauf behält, als sonst im Lande verbleiben würde, hervorgehen könnte, würde denn also der Verlust sein, den es aus der nichthervorbringenden Anlage eines Theiles seines Kapitals erleiden würde, den es sonst hervorbringend anwenden könnte. In der Geldgestalt bringt dies Kapital keinen Gewinnst hervor; in der Form von Rohstoffen, Maschinen und Nahrungsmitteln, gegen welche es umgetauscht werden könnte, würde es ein Einkommen liefern und den Wohlstand und die Hilfsquellen des Staates vermehren. So hoffe ich denn, ich werde zur Genüge bewiesen haben, dass ein im Vergleiche niedriger Preis der Edelmetalle zufolge der Besteuerung, oder mit anderen Worten, ein allgemein hoher Preis der Güter, nicht von Nachtheil für den Staat sei, indem ein Theil der Metalle ausgeführt werde, was vermittelst der Erhöhung ihres Tauschwerthes dagegen die Preise der Güter wieder herabsetzen werde. Und ferner, dass, wenn sie nicht ausgeführt würden, wenn sie durch Ausfuhrverbote in einem Lande zurückgehalten werden könnten, die Wirkung auf den Wechselcurs den Einfluss hoher Preise aufheben würde. Wenn denn nun Auflagen auf Bedürfnisse und Arbeitslohn nicht die Preise aller Waaren, auf welche die Arbeit verwendet wurde, erhöhen, so können sie aus solchen Gründen auch nicht verworfen werden; und noch mehr, selbst wenn auch die Meinung A. Smith' s, dass sie solch' eine Wirkung haben würden, wohl begründet wäre, so würden sie von dieser Seite durchaus nicht nachtheilig sein. Sie könnten aus keinen anderen Gründen bestritten werden, als solchen, welche gegen Auflagen anderer Art mit Recht geltend zu machen wären.

Die Grundherren als solche werden von der Auflage ausgenommen, aber in wie weit sie direkt Arbeit durch Verausgabung ihrer Einkünfte verwendeten z. B. für Gärtner, Dienerschaft u. s. w., so werden sie ihrer Wirkung unterworfen sein.

Es ist ausser Zweifel, dass »Auflagen auf Luxusgegenstände keine Steigerung des Preises irgend anderer Waaren veranlassen, ausgenommen der besteuerten Waaren«; allein es ist nicht wahr, »dass Auflagen auf Bedürfnisse vermittelst Erhöhung des Arbeitslohnes nothwendig eine Steigerung des Preises aller Gewerkswaaren verursachen.« Es ist wahr, dass »Auflagen auf Luxusgegenstände am Ende von den Verbrauchern der besteuerten <203> Waaren ohne eine Wiedervertheilung bezahlt werden. Sie fallen ohne Unterschied auf alle Arten von Einkommen, den Arbeitslohn, Kapitalgewinnst und die Grundrente«; allein es ist nicht wahr, »dass Auflagen auf Bedürfnisse, in so weit sie die arbeitenden Armen betreffen, am Ende zum Theile von den Grundherren vermittelst der Verminderung der Grundrente, und zum Theile von reichen Zehrern, seien sie nun Grundherren oder Andere, in dem erhöheten Preise der Gewerkswaaren bezahlt werden«8; denn in wie weit diese Auflagen die arbeitenden Armen betreffen, werden sie fast gänzlich vermittelst einer Verringerung der Kapilalgewinnste bezahlt, indem nur ein kleiner Theil davon von den Arbeitern selbst zufolge der verringerten Nachfrage nach Arbeit getragen wird, welche jederlei Besteuerung hervorzubringen . geeignet ist.

Dr. Smith ist von seiner irrigen Ansicht über die Wirkung dieser Steuern zu dem Schlüsse verleitet worden, dass »die mittleren und oberen Klassen des Volkes, wenn sie ihren eigenen Vortheil verständen, sich stets allen Auflagen auf die Lebensbedürfnisse, so wie auch allen direkten Auflagen auf den Arbeitslohn widersetzen müssten.« Dieser Schluss folgtaus seinen folgenden Ansichten: »die endliche Zahlung beider Auflagen, der Einen wie der Anderen, zusammen, fällt auf dieselben und stets mit beträchtlicher Ueberlastung. Sie fallen am schwersten auf die Grundherren9, welche immer in doppelter Eigenschaft bezahlen, in der als Grundherren vermittelst einer Herabsetzung ihrer Rente, und in jener als reiche Zehrer vermittelst der Erhöhung ihrer Ausgaben. Die Bemerkung des Sir Matthias Decker, dass gewisse Steuern im Preise gewisser Güter oft vier- oder fünfmal bezahlt und aufgeschlagen werden, ist vollkommen richtig in Betreff der Auflagen auf die Lebensbedürfnisse. Im Preise des Leders z. B. muss man bezahlen nicht blos die Auflage auf das Leder zu den eigenen Schuhen, sondern auch einen Theil der Auflage auf das Leder für die Schuhe des Schusters und Gerbers. Man muss auch an der Auflage auf das Salz, auf die Seife, und auf die Lichter mit bezahlen, welche diese Arbeiter, während sie in Diensten sind, brauchen, und an der Auflage <204> auf das Leder, welches der Salzbereiter, Seifensieder und Lichlerzieber verbrauchen, während sie zu Diensten beschäftigt sind.«10

Da nun Dr. Smith nicht behauptet, dass der Gerber, Salzsieder, Seifensieder und Lichterzieher, ein jeder, aus der Leder-, Salz-, Seife- und Lichtersteuer einen Vortheil ziehe; und da es ganz gewiss ist, dass die Regirung nicht mehr als die aufgelegte Steuer empfängt, so ist es unmöglich zu begreifen, wie vom Volke, auf welche Klasse desselben die Steuer auch immer fallen mag, mehr bezahlt werden kann. Die reichen Zehrer können und werden wirklich für die armen Zehrer zahlen, allein sie werden nicht mehr als den vollen Steuerbetrag bezahlen; und es liegt nicht in der Natur der Dinge, dass »die Steuer vieroder fünfmal bezahlt und aufgeschlagen werde.«

Ein Steuersystem kann mangelhaft sein; es kann vom Volke mehr erhoben werden, als seinen Weg in die Kassen des Staats findet, indem ein Theil, zufolge seines Einflusses auf die Preise, möglicher Weise von denjenigen in Empfang genommen wird, welche bei der besonderen Steuerumlagsmethode Vortheile geniessen. Solche Steuern sind verderblich und sollten nie begünstigt werden; denn es kann als Grundsatz aufgestellt werden, dass, wann die Steuern gerecht wirken, dieselben auch mit Dr. Smith's erster Maxime übereinstimmen, und dem Volke möglichst wenig mehr entziehen; als in die öffentliche Staatskasse fliesst. Say sagt: »Andere bieten Finanzpläne an und schlagen Mittel zur Füllung der Kassen des Fürsten, ohne irgend eine Belastung seiner Unterthanen, vor. Allein, wenn ein Finanzplan nicht von der Natur einer Handelsunternehmung ist, so kann er dem Staate auch nicht mehr geben, als er entweder den Einzelnen oder dem Staate selbst unter irgend einer anderen Gestalt nimmt. Mit dem Schlage eines Zauberstabes kann man aus Nichts nie Etwas machen. Wie auch immer eine Unternehmung verkappt sein mag, was auch immer für Gestalten man einen Tauschwerth anzunehmen zwingen mag, was auch immer für einer Verwandlung wir ihn unterwerfen mögen: wir können einen Tauschwerth nur haben, wenn wir ihn selbst schaffen oder von Anderen nehmen. Der Allerbeste der Finanzpläne ist, wenig auszugeben, und die Allerbeste der Steuern diejenige, welche dem Betrage nach die geringste ist.« <205>

Dr. Smith behauptet durchweg und ich denke, mit Rechte dass die Arbeiterklassen der Sache nach nicht zu den Staatslasten beitragen können. Eine Auflage auf Bedürfnisse oder auf den Arbeitslohn wird daher von den Armen auf die Reichen übergewälzt werden: ist nun die Meinung von Dr. Smith, »dass gewisse Auflagen im Preise gewisser Güter vier- oder fünfmal bezahlt und aufgeschlagen werden«, blos zum Behufe der Erreichung dieses Ziels, nämlich zum Behufe der Uebertragung der Steuer vom Armen auf den Reichen, so verdienen sie von dieser Seite keinen Tadel.

Gesetzt, der gerechte Steuerantheil eines reichen Zehrers sei 100 £, und er bezahle ihn direkt, wenn die Steuer auf das Einkommen, auf Wein oder irgend einen anderen Luxusgegenstand gelegt sei; so würde derselbe kein Unrecht erleiden, wenn er durch die Besteuerung der Bedürfhisse, in so fern sein eigener Verbrauch an Bedürfnissen und der seiner Familie beigezogen würde, blos zur Zahlung von 25 £ herangezogen würde, dagegen aber diese Steuer dreimal wiederholt bezahlen müsste, indem er einen erhöheten Preis für andere Waaren bezahlte, um die Arbeiter oder ihre Lohnherren für die Steuer zu entschädigen, welche sie zum Voraus zu entrichten gehabt hatten. Selbst in diesem Falle ist der Schluss nicht beweiskräftig: denn wird dabei nicht mehr bezahlt, als die Regirung fordert, was verschlägt es dem reichen Zehrer, ob er die Steuer direkt im erhöheten Preise eines Luxusgegenstandes, oder indirekt im erhöheten Preise der Bedürfnisse und anderer Waaren bezahlt, die er verbraucht? Wird vom Volke nicht mehr bezahlt, als die Regirung einnimmt, so zahlt der reiche Zehrer auch nur seinen billigen Antheil; wird aber mehr bezahlt, so hätte A. Smith angeben sollen, wer es empfängt; allein seine ganze Beweisführung ist irrig, denn die Preise der Waaren würden durch solche Steuern nicht erhöhet.

Say scheint mir nicht fest an dem einleuchtenden Grundsatze gehangen zu haben, welchen ich aus seinem trefflichen Werke angeführt habe; denn auf der nächsten Seite, wo er voft der Besteuerung spricht, sagt er: »Wenn sie zu weit getrieben wird, so bringt sie beklagenswerthe Wirkung hervor, sie beraubt den Steuerpflichtigen um einen Theil seines Vermögens, <206> ohne den Staat zu bereichern. Dies können wir begreifen, wenn wir erwägen, dass Jedermanns Macht, zu verzehren, hervorbringend oder nicht, durch sein Einkommen begrenzt ist. Er kann also nicht um einen Theil seines Einkommens beraubt werden, ohne gezwungen zu sein, seine Verzehrung verhältnissmässig einzuschränken. Daher rührt eine Verringerung der Nachfrage nach denjenigen Gütern, welche er nicht mehr länger verbraucht, und besonders nach denjenigen, auf welche die Steuer gelegt ist. Aus dieser Verringerung der Nachfrage geht eine Abnahme der Hervorbringung und folglich der Menge steuerbarer Waaren hervor. Der Steuerzahler wird dann einen Theil seiner Genüsse einbüssen; der Hervorbringer einen Theil seiner Gewinnste; und die Staatskasse einen Theil ihrer Einnahmen.« Say zieht die französische Salzsteuer vor der Revolution herbei, welche, wie er behauptet, die Salzgewinnung um die Hälfte verminderte. Wenn indessen weniger Salz verbraucht wurde, so ward weniger Kapital auf dessen Gewinnung verwendet; und der Hervorbringer würde folglich, wenn er auch bei der Salzgewinnung weniger Gewinn machte, mehr aus der Hervorbringung anderer Dinge ziehen. Fällt eine Steuer, mag sie auch noch so lästig sein, auf das Einkommen und nicht auf das Kapital, so vermindert sie die Nachfrage nicht, sie verändert nur die Natur derselben. Sie setzt die Regirung in Stand, so viel von dem Erzeugnisse des Bodens und der Arbeit des Landes zu verbrauchen, als vorher von den Einzelnen verzehrt wurde, welche zur Steuer beitragen, ein Uebel, das hinlänglich gross ist, ohne es zu überlasten. Ist mein Einkommen 1000 £ jährlich, und bin ich jährlich zu 100 £ Steuer verpflichtet, so vermag ich mir neun Zehnttheile der Menge von Gütern zu begehren, welche ich vorher verbrauchte, aber ich befähige die Regirung, das andere Zehnttheil zu begehren. Ist Getreide das besteuerte Gut, so ist es nicht gerade nothwendig, dass ich meine Nachfrage nach Getreide einschränke, da ich ja für mein Getreide lieber 100 £ jährlich mehr bezahlen und meine Nachfrage nach Wein, Hausrath und anderen Luxusgegenständen um denselben Retrag einschränken kann11. Demzufolge wird dann <207> weniger Kapital im Wein- oder Möbelhandel angewendet werden, dagegen aber mehr auf die Verfertigung solcher Waaren, für welche die von der Regirung erhobene Steuer ausgegeben wird.

Say erzählt, Turgot habe den Ertrag der Marktrechte auf Fische (les droits d'entrée et de halle sur la marée), durch ihre Herabsetzung auf die Hälfte, nicht vermindert, und die Fischverzehrung müsse sich folglich verdoppelt haben. Er folgert daraus, die Gewinnste der Fischer und Derjenigen, die in dies Geschäft verwickelt seien, müssten sich ebenfalls verdoppelt haben, das Einkommen des Landes müsste um den ganzen Betrag dieser Gewinnsterhöhung gestiegen, und die Hilfsquellen des Staates dadurch vermehrt worden sein, dass die Kapitalansammlung einen Anreiz bekommen habe.12

Ohne die Staatsklugheit, welche diese Veränderung der Steuer gebot, in Untersuchung zu nehmen, habe ich meine Zweifel, ob dieselbe der Kapitalansammlung grosse Aufmunterung gegeben hat. Hätten sich die Gewinnste der Fischer und Anderer, die in das Geschäft verwickelt waren, in Folge der grösseren Fischverzehrung, verdoppelt, so hätte Kapital und Arbeit aus anderen Beschäftigungen herausgezogen werden müssen, um in diesem besonderen Gewerbszweige angewendet zu werden. Allein in diesen Beschäftigungen lieferten Kapital und Arbeit Gewinnste, welche hätten aufgegeben werden müssen, sobald man jene aus denselben herausgezogen hätte. Die Fähig <208> keit des Landes zur Kapitalansammlung ward blos erhöhet durch den Unterschied zwischen den Gewinnsten, die man in dem Geschäfte machte, in welchem das Kapital neuerdings angelegt, und denjenigen, die man in dem anderen machte, aus welchem es herausgezogen worden ist.

Mögen die Steuern vom Einkommen oder Kapitale erhoben werden, sie verringern die Zahl der steuerbaren Gegenstände des Staates. Wenn ich aufhöre, 100 £ für Wein auszugeben, weil ich durch eine Steuerzahlung von diesem Betrage die Regirung befähigt habe, 100 £ auszugeben, anstatt sie selber ans- zugeben, so sind nothwendig für 100 £ Güter von der Liste der steuerbaren Waaren gestrichen. Ist das Einkommen der einzelnen Einwohner eines Landes 10 Millionen, so haben sie wenigstens für 10 Millionen steuerbare Güter. Wird nun durch Besteuerung einiger davon eine Million zur Verfügung der Regirung gestellt, so wird das Einkommen der Einwohner immer noch dem Stamme nach 10 Millionen sein, aber sie werden nur noch für neun Millionen steuerbare Güter übrig behalten. Es gibt keine Verhältnisse, unter welchen die Besteuerung nicht die Genüsse Derjenigen beschneidet, auf welche am Ende die Steuern fallen, und keine Mittel, wodurch diese Genüsse wieder vermehrt werden können, als die Ansammlung neuen Einkommens.

Die Besteuerung kann niemals so gleichmässig ausgeführt werden, dass sie auf den Tauschwerth aller Güter in gleichem Verhältnisse wirkte, und dieselben fortan noch in demselben gegenseitigen Tauschwerthe liesse. Sie wirkt häufig sehr abweichend von der Absicht der Gesetzgebung durich ihre indirekten Einflüsse. Wir haben bereits gesehen, dass die Wirkung einer direkten Besteuerung des Getreides und der Roherzeugnisse darin besteht, dass sie, wenn das Geld ebenfalls im Lande hervorgebracht wird, die Preise aller Waaren, im Verhältnisse als Roherzeugnisse bei ihrer Verfertigung mit einfliessen, erhöht und dadurch das natürliche Verhältniss zerstört, welches vorher zwischen ihnen bestand. Eine andere indirekte Wirkung ist die, dass sie den Arbeitslohn erhöht und den Gewinnstsatz erniedrigt; und wir haben ebenfalls gesehen, in einem anderen Theile dieses Werkes, dass die Wirkung einer Erhöhung des <209> Arbeitslohns, und einer Erniedrigung der Gewinnste eine Herabsetzung der Geldpreise derjenigen Güter ist, welche in höherem Grade durch Anwendung stehenden Kapitals hervorgebracht werden.

Dass eine Waare, wenn sie besteuert ist; nicht länger mit so viel Vortheil ausgeführt werden kann, hat man so gut eingesehen, dass häufig für ihre Ausfuhr ein Steuerersatz gestattet und auf die Einfuhr ein Zoll gelegt wird. Sind diese Ersätze uud Zölle genau umgelegt, nicht blos auf die Waaren selbst, sondern auf Alles, womit sie indirekt in Berührung stehen, dann wird in der That keine Störung im Tauschwerthe der Edelmetalle stattfinden. So lange wir eine Waare nach der Besteuerung so leicht ausführen könnten, als vor derselben, und so lange der Einfuhr keine besondere Erleichterung gewährt würde, würden auch die Edehnetalle nicht mehr als vorher auf die Liste der ausführbaren Waaren kommen.

Von allen Gütern sind vielleicht keine für die Besteuerung so geeignet, als diejenigen, welche entweder mit Hilfe der Natur oder der der Kunst besonders leicht hervorgebracht werden. Mit Hinblick auf fremde Länder können solche Wahren in die Klasse derjenigen gesetzt werden, deren Preis nicht durch die auf sie verwandte Menge Arbeit, sondern eher von der Laune, dem Geschmacke und dem Vermögen der Käufer bestimmt wird. Hätte England mehr ergiebige Zinngruben, als andere Länder, oder hätte es wegen seines besseren Maschinenwesens oder Brennmaterials besondere Erleichterungen in der Verfertigung von Baumwollenwaaren; so würden fortan daselbst die Preise des Zinnes und der Baumwollen waaren durch die verglichene Menge von Arbeit und Kapital bestimmt werden, welche zur Hervorbringung derselben erfordert werden, und der Mitbewerb unserer Kaufleute würde sie für die auswärtigen Verbraucher um sehr wenig theurer halten. Unser Vortheil in der Hervorbringung dieser Güter könnte so entschieden sein, dass sie wahrscheinlich auf dem ausländischen Markte einen sehr erhöheten Preis haben könnten, ohne dass derselbe ihren Verbrauch wirklich sehr verminderte. Diesen Preis könnten sie aber, so lange in der Heimath der Mitbewerb frei wäre, nie durch andere Mittel erreichen, als durch eine Auflage auf ihre <210> Ausfuhr. Diese Auflage würde gänzlich auf ausländische Zehrer fallen, und ein Theil der Ausgaben der englischen Regirung würde mittelst einer Auflage auf Boden und Arbeit anderer Länder gedeckt werden. Die Theesteuer. welche das englische Volk gegenwärtig bezahlt, und welche die Ausgaben der englischen Regirung bestreiten hilft, könnte, wenn sie in China auf die Theeausfuhr gelegt wäre, zur Deckung der Ausgaben der chinesischen Resirung verwendet werden.

Auflagen auf Luxusgegenstände haben einige Vortheile vor Auflagen auf Bedürfnisse. Sie werden gemeiniglich vom Einkommen bezahlt, und verringern daher das hervorbringende Kapital des Landes nicht. Wenn der Wein zufolge der Besteuerung im Preise sehr stiege, so ist wahrscheinlich, dass man sich eher des Weingenusses entschlüge, als dass man irgend beträchtliche Eingriffe in sein Kapital machte, um Wein kaufen zu können. Diese Steuern sind mit dem Preise dermaassen Eins, dass der Steuerbeiträger schwerlich merkt, dass er eben eine Steuer entrichtet. Indessen sie haben auch ihre Nachtheile. Erstens, sie erreichen nie das Kapital und doch kann es bei ausserordentlichen Gelegenheiten forderlich sein, dass gerade das Kapital zu den öffentlichen Bedürfnissen beitrage: und zweitens, es ist keine Gewissheit über den Betrag der Steuer vorhanden, denn sie kann auch gerade das Einkommen nicht treffen. Ein der Sparsamkeit ergebener Mensch wird sich von der Weinsteuer befreien, indem er dessen Gebrauch aufgibt. Das Einkommen des Landes kann unvermindert sein, und doch der Staat keinen Schilling durch die Steuer zu erheben vermögen.

Eine jede Gewohnheit, die Einem ergötzlich geworden, wird man mit Widerwillen verlassen und man wird sie fort befriedigen, trotz einer hohen Steuer; allein dieser Widerwille hat seine Grenzen und die Erfahrung lehrt jeden Tag, dass eine Erhöhung des Betrages der Besteuerung dem Namen nach, öfters ihren Ertrag vermindert. Jemand wird fortfahren, dieselbe Menge Wein zu trinken, wenn auch der Preis der Flasche um drei Schillinge erhöhet werden sollte, während er lieber den Genuss des Weines aufgeben, als vier Schillinge dafür bezahlen würde. Ein Anderer wird gern vier Schillinge bezahlen, aber sich weigern, <211> fünf zu geben. Dasselbe kann man auch von anderen Auflagen auf Luxusgegenstände sagen: Mancher würde eine Auflage von 5 £ für das Vergnügen bezahlen, das ein Pferd verschafft, der keine 4 oder 20 £ dafür geben würde. Nicht, weil sie nicht mehr bezahlen können, geben sie den Gebrauch des Weines und der Pferde auf, sondern weil sie nicht mehr bezahlen wollen. Jedermann hat in seinem Gemüthe einen Maassstab, nach dem er den Werth seiner Genüsse schätzt, allein dieser Maassstab ist so verschieden, als der menschliche Charakter. Ein Land, dessen finanzielle Lage äusserst künstlich geworden, durch die heillose Maassregel der Anhäufung einer grossen Staatsschuld und daraus hervorgehende erstaunliche Besteuerung, ist der Unbequemlichkeit, die mit dieser Art der Steuererhebung verbunden ist, besonders ausgesetzt. Nach Aufsuchung der ganzen Runde von Luxusgegenständen mit einer Steuer; nach der Besteuerung der Pferde, Kutschen, Weine, Bedienten und aller anderen Genüsse der Reichen wird ein Minister verleitet, seine Zuflucht zu mehr direkten Steuern zu nehmen, wie die Einkommen- und Vermögensteuer sind, unter Vernachlässigung der goldenen Maxime Say's, »dass der allerbeste der Finanzpläne der ist, wenig auszugeben, und die allerbeste unter den Steuern diejenige, welche dem Betrage nach die geringste ist.« <212>


1. (Smith 5.2.218)

2. Bd. III. S. 337. (Smith 5.2.219, 220)

3. Say scheint sich die allgemeine Meinung über diesen Gegenstand auch angeeignet zu haben. Vom Getreide redend, sagt er: »Daher kommt es, dass dessen Preis auf die Preise aller anderen Waaren Einfluss hat. Ein Pachter, ein Gewerksunternehmer oder ein Handelsmann beschäftigt eine gewisse Anzahl Arbeiter, die sämmtlich Gelegenheit haben, eine gewisse Menge Getreides zu verzehren. Wenn der Getreidepreis steigt, so ist er genöthigt, den Preis seiner Erzeugnisse in einem gleichen Verhältnisse zu erhöhen.« Bd. I. Hptst. 17.

4. Smith 5.2.233

5. Smith 5.2.229

6. Bd. II. S. 278. (Smith 4.5.8, 9)

7. (Smith 4.5.11, 12)

8. Smith 5.2.229

9. Weit entfernt hievon, - sie werden die Grundherren und Kapitalbesitzer kaum berühren.

10. Smith 5.2.230

11. Say behauptet, »die Steuer, zu dem Preise einer Waare geschlagen, erhöhe ihren Preis. Jede Preiserhöhung einer Waare verringere nothwendig die Zahl Derjenigen, welche sie zu kaufen im Stande sind, oder zum wenigsten die Menge, Welche sie davon verzehren werden.« Dies ist durchaus keine nothwendige Folge. Ich glaube nicht, dass, wenn das Brod besteuert wäre, die Brodverzehrung mehr abnehmen würde, als wenn Tuch, Wein oder Seife besteuert würden.

12. Folgende Bemerkung desselben Schriftstellers scheint mir gleichfalls irrig zu sein: »Wann ein hoher Zoll auf Baumwolle gelegt ist, so wird die Hervorbringung aller derjenigen Güter, deren Grundstoff die Baumwolle ist, vermindert. Betrüge der gesammte Tauschwerth, welcher in einem bestimmten Lande durch die verschiedenen Gewerke der Baumwolle zugefügt wird, 100 Millionen Franken jährlich, und wäre die Wirkung der Steuer eine Verbrauchsverminderung um die Hälfte, alsdann würde diese Steuer das Land jedes Jahr um 50 Millionen Franken bringen, ausser der von der Regirung erhobenen Summe.« Buch III. Hptst. 8.