Vierzehntes Hauptstück. Häusersteuern.

Es gibt auch noch andere Güter ausser Gold, welche nicht leicht in der Menge vermindert werden können; jede Abgabe von denselben wird daher auf den Eigenthümer fallen, wenn die Preiserhöhung die Nachfrage vermindern sollte.

Häusersteuern sind von dieser Art; wenn auch auf den Inhaber gelegt, so fallen sie dennoch häufig mittelst einer Verringerung der Rente auf den Grundherrn. Die Erzeugnisse des Bodens werden verzehrt und wieder hervorgebracht von Jahr zu Jahr, und so noch manche andere Güter; da sie nun deshalb leicht in Gleichstand mit der Nachfrage gebracht werden können, so können sie auch ihren natürlichen Preis nicht lange überschreiten. Allein da eine Häusersteuer in dem Lichte eines Rentezusatzes, den der Miether bezahlt, betrachtet werden kann, so wird sie eine Verringerung der Nachfrage nach Häusern von derselben jährlichen Rente veranlassen, ohne das Angebot von solchen herabzusetzen. Die Rente wird deshalb fallen, und ein Theil der Steuer indirect vom Grundherrn entrichtet werden.

»Die Hausrente,« sagt A. Smith , »kann in zwei Theile zerlegt werden, wovon der Eine ganz eigentlich Baurente genannt werden kann, der Andere aber gewöhnlich Grundrente genannt wird. Die Baurente ist der Zins oder Gewinnst von dem auf den Hausbau verwendeten Kapitale. Um das Geschäft des Erbauers in Gleichstand mit anderen Gewerben zu bringen, ist es erforderlich, dass diese Rente zureicht, erstens zur Zahlung des <172> nämlichen Zinses, welchen er für sein Kapital erlangt haben würde, wenn er es auf gute Versicherung ausgeliehen hätte; und zweitens zur beständigen Unterhaltung und Ausbesserung des Hauses, oder, was auf das Nämliche hinaus kommt, zur Erstattung des Kapitals, das er zu dessen Erbauung verwendet hat, in einer gewissen Reihe von Jahren.« »Wenn im Verhältnisse zum Geldzinse das Geschäft des Erbauers zu irgend einer, Zeit einen viel grösseren Gewinnst als jenen einbringt, so wird es alsbald anderen Gewerben so viel Kapital entziehen, dass dadurch der Gewinnst auf seinen eigentlichen Gleichstand herabgesetzt wird. Wenn es aber zu irgend einer Zeit viel weniger erträgt als jenen Zins, so werden alsbald andere Gewerbe diesem so viel Kapital entziehen, dass dieser Gewinnst dagegen wieder in die Höhe getrieben wird. Was auch immer für ein Theil der ganzen Hausrente über dem Satze steht, der hinreicht, um einen billigen Gewinnst zu geben, - er wird natürlich der Grundrente zugeschlagen; und wo der Eigenthümer des Hausplatzes und des Gebäudes zwei verschiedene Personen sind, wird er in den meisten Fällen vollständig an den Ersteren entrrichtet. Bei Häusern auf dem Lande, in einer Entfernung von irgend einer grossen Stadt, wo eine reiche Auswahl an Boden vorhanden ist, beträgt die Grundrente kaum so viel oder nicht mehr, als was der Raum, auf dem das Haus erbauet ist, bezahlen würde, wenn er zum Akkerbaue verwendet wäre. Bei Landsitzen, in der Nähe mancher grossen Stadt, ist sie manchmal einen guten Theil höher und es wird dabei häufig die Bequemlichkeit oder Schönheit der Lage sehr hoch bezahlt. Die Grundrenten sind allgemein am höchsten in der Hauptstadt, und in denjenigen Theilen derselben, wo es sich eben trifft, dass die grösste Nachfrage nach Häusern ist, was auch immer für ein Grund derselben vorhanden sein mag, ob Gewerbe und Geschäft, Vergnügen und Geselligkeit, oder Eitelkeit und Sitte«.1 Eine Auflage auf die Hausrente kann entweder auf den Inhaber des Hauses oder auf den Eigenthümer des Hausplatzes oder auf den Bauherrn fallen. In gewöhnlichen Fällen kann man annehmen, dass die ganze Steuer unmittelbar und am Ende vom Inhaber bezahlt wird.

Ist die Abgabe mässig und sind die Landesverhältnisse ent <173> weder im Stillstande oder Vorschreiten begriffen, dann dürfte wenig Grund für einen Hausinhaber sein, sich mit einem Hause schlechterer Gattung zu begnügen. Ist dieselbe aber hoch oder sollten irgend andere Umstände die Nachfrage nach Häusern vermindern, so würde das Einkommen des Grundherrn fallen, denn der Inhaber würde zum Theile für die Steuer durch Verminderung der Rente entschädigt werden. Es ist indessen schwer zu sagen, in welchen Verhältnissen dieser Theil der Steuer, deren sich der Inhaber durch ein Sinken der Rente enthoben hat, auf die Baurente und auf die Grundrente fallen werde. Es ist wahrscheinlich, dass im ersten Falle beide betroffen würden; allein da die Häuser, wenngleich nur langsam, doch sicherlich verfallen, und da nicht mehr gebauet würde, bis die Gewinnste des Erbauers wieder auf den allgemeinen Gleichstand gesetzt wären; so würde die Baurente, nach einer Zwischenzeit, wieder auf ihren natürlichen Preis gestellt werden. Da der Erbauer blos so lang Rente erhält, als das Gebände dauert, so könnte er auf längere Zeit unter den ungünstigsten Umständen keinen Theil der Auflage bezahlen.

Die Entrichtung dieser Abgabe würde alsdann zuletzt auf. den Inhaber des Hauses und auf den Eigenthümer des Bodens fallen; allein, »in welchem Verhältnisse diese endliche Zahlung unter denselben vertheilt werde,« sagt A. Smith , »ist wohl nicht sehr leicht zu bestimmen. Die Theilung würde vermuthlich unter verschiedenen Umständen sehr verschieden sein, und eine Abgabe dfeserArt könnte, diesen verschiedenen Umständen gemäss, beide, den Hausbewohner und den Bodeneigenthümer, sehr ungleich treffen.« 2

A. Smith betrachtet die Bodenrenten als für die Besteuerung besonders geeignete Gegenstände. »Beide, die Bodenrente wie die gewöhnliche Grundrente,« sagt er, »sind eine Einkommensart, welche der Eigenthümer in manchen Fällen ohne alle Sorge oder Aufmerksamkeit auf sein Eigenthum geniesst. Wenn auch von diesem Einkommen ein Theil hinweggenommen werden sollte, um die Staatsausgaben zu bestreiten, so wird dadurch keine Abschreckung von irgend einer Art Gewerb- und <174> Betriebsamkeit verursacht. Der jährliche Ertrag des Bodens und der Arbeit der Gesellschaft, der wirkliche Wohlstand und das Einkommen der grossen Masse des Volkes könnten nach der Umlage einer solchen Steuer die nämlichen bleiben, wie zuvor. Die Bodenrenten und die gewöhnliche Grundrente sind daher wohl die Einkommensarten, welche es am besten tragen können, wenn man eine Steuer auf sie umlegt.«3 Es ist zuzugeben, dass die Wirkungen dieser Steuern so sein würden, wie sie A. Smith beschrieben hat; allein es würde gewiss sehr ungerecht sein, ausschliesslich das Einkommen irgend einer besonderen Klasse der Mitglieder des Gemeinwesens zu besteuern. Die Staatslasten sollten von Allen im Verhältnisse ihrer Mittel getragen werden; dies ist Eine von den vier erwähnten Maximen A. Smith's welche jeder Besteuerung als Richtschnur dienen sollten. Die Rente geht öfters Denjenigen zu, welche nach manchen Jahren von Anstrengung ihre Gewinnste gemacht und ihr Vermögen auf den Ankauf von Boden oder Häusern verwendet haben; und es würde gewiss eine Verletzung der Sicherheit des Eigenthums, desjenigen Grundsatzes, der immer heilig gehalten werden sollte, sein, wenn man sie einer ungleichen Steuer unterwürfe. Es ist zu beklagen, dass die Stempelabgabe, womit die Uebertragung des Grundeigenthums belastet ist, der Sache nach den Uebergang desselben in solche Hände verhindert, in denen es wahrscheinlich am nutzbarsten gemacht würde. Und wenn man bedenkt, dass der Grund und Boden, als ein zur ausschliesslichen Besteuerung geeigneter Gegenstand betrachtet, nicht blos im Preise herabgehen würde,um für das Wagniss dieser Besteuerung zu entschädigen, sondern auch, im Verhältnisse zu der unbegrenzten Natur und zu dem unsicheren Tauschwerthe des Wagnisses, einen für Speculationen geeigneten Gegenstand abgäbe, die mehr die Natur verwegenen Spiels als besonnenen Geschäfts annehmen würden, so wird es wahrscheinlich sein, dass die Hände, in welche der Grund und Boden in diesem Falle zu kommen am geeignetsten wäre, die Hände derjenigen sein würden, welche mehr von den Eigenthümlichkeiten des Spielers, als von jenen des besonnenen Eigenthümers besitzen, der seinen Grund und Boden gern zum grössten Nutzen anwendet. <175>


1. Smith 5.2.185 - 187

2. Buch V. Hauptst. 2. (Smith 5.2.188 )

3. Smith 5.2.191