Elftes Hauptstück. Zehnten.

Der Zehnte ist eine Abgabe vom Roherzeugnisse des Bodens, und fällt, gleich den Auflagen auf Roherzeugnisse, gänzlich auf den Zehrer. Er unterscheidet sich von einer Steuer von der Rente in so fern, als er auch Boden trifft, welchen solch' eine Steuer nicht treffen würde; und steigert den Preis der Roherzeugnisse, welchen diese Steuer nicht verändern würde. Boden der schlechtesten Beschaffenheit, so gut als wie solcher von der besten, entrichtet Zehnten und genau im Verhältnisse zu der auf ihm gewonnenen Erzeugnissmenge; der Zehnte ist daher eine gleiche Steuer.

Wenn Boden der letzten Klasse oder derjenige, welcher keine Rente gibt und den Getreidepreis bestimmt, genug erträgt, um dem Pachter den üblichen Kapitalgewinnst zu liefern, wann der Weizenpreis 4 £ p. Quarter ist, so muss der Preis auf 4 £ 8 sh. steigen, ehe der nämliche Gewinnst nach Auflage des Zehntens erlangt werden kann, weil der Bauer von jedem Quarter Weizen an die Kirche 8 sh. entrichten muss; und wenn er den nämlichen Gewinnst nicht erhält, so ist kein Grund vorhanden, warum er sein Geschäft nicht verlassen sollte, wann er ihn in einem anderen Gewerbe erschwingen kann.

Der alleinige Unterschied zwischen dem Zehnten und den Auflagen auf Roherzeugnisse ist der, dass der Eine eine veränderliche und die Anderen unveränderliche Geld-Abgaben sind. Bei einem Stillstande der Gesellschaft, wo weder eine erhöhte, <148> noch eine verringerte Leichtigkeit der Hervorbringung von Getreide stattfindet, werden beide in der Wirkung genau dieselben sein; denn bei einem solchen Zustande wird das Getreide auf einem unveränderlichen Preise stehen und die Steuer eben deshalb auch unveränderlich sein. In einem entweder rückgängigen oder solchen Zustande des Ackerbaues, wo grosse Verbesseningen eingeführt werden, und wo also die Roherzeugnisse verhältnissmässig gegen andere Dinge im Tauschwerthe fallen werden, wird der Zehnte eine leichtere Abgabe sein als eine ständige Geldsteuer; denn, sollte der Getreidepreis von 4 auf 3£ fallen, dann würde die Steuer von 8 auf 6 sh. sinken. In einem vorschreitenden Zustande der Gesellschaft, jedoch ohne merkliche landwirthschaftliche Verbesserungen, würde der Getreidepreis steigen, und der Zehnte eine drückendere Abgabe sein, als eine ständige Geldsteuer. Stiege das Getreide von 4 auf 5 £, so würde der Zehnte von demselben Boden von 8 auf 10 sh. in die Höhe gehen.

Weder der Zehnte noch eine Geldsteuer wird die Geldrente der Grundherren berühren, aber beide werden der Sache nach die Getreiderenten treffen. Wir haben bereits bemerkt, wie eine Geldsteuer auf die Getreiderenten wirkt, und es ist gleichfalls einleuchtend, dass eine gleiche Wirkung durch den Zehnten veranlasst wird. Wenn Boden No. 1, 2, 3, entsprechend 180, 170 und 160 Quarter lieferten, so könnten die Renten von No. 1 zwanzig und von No. 2 zehn Quarter sein; allein sie würden nicht mehr länger dies Verhältniss nach Entrichtung des Zehnten behalten; denn wenn ein Zehnttheil von jedem Erzeugniss hinweg genommen wird, so wird der Rest 162, 453, 144 sein und demgemäss die Getreiderente von No. 1 auf 18 und von No: 2 auf 9 Quarter herabgesetzt werden. Allein der Getreidepreis würde von 4 £ auf 4 £ 8 sh. 10 2 / 3 d. steigen; denn 144 Quarter verhalten sich zu 4 £, wie 160 zu 4 £ 8 sh. 10 2 / 3 d. und folglich würde die Geldrente unverändert bleiben; denn von No. 1 würde sie 801 und von No. 2 40 £ sein.2

Der Hauptvorwurf gegen den Zehnten ist der, dass er keine <149> ständige und feste Steuer ist, sondern im Tauschwerthe steigt, im Verhältnisse als die Schwierigkeit der Hervorbringung des Getreide wächst. Wenn diese Schwierigkeiten den Getreidepreis auf 4 £ stellen, so ist die Steuer 8 sh.; wenn sie ihn auf 5£ erhöhen, so ist sie 10 sh.; wenn auf 6 £, dann ist sie 12 sh. Der Zehnte steigt nicht blos im Tauschwerthe, sondern nimmt auch dem Betrage nach zu; so wurde, da No. 1 angepflanzt wurde, die Steuer blos von 180 Quarter, da No. 2 in Anbau kam, ward sie von 180 + 170 oder 350 Quarter, und da No. 3 zur Pflanzung genommen wurde, von 180 + 170 + 160 = 510 Quarter erhoben. Es wird nicht blos der Steuerbetrag von 100,000 auf 200,000 Quarter erhöht, wann das Erseugniss von einer auf zwei Millionen Quart er gestiegen ist; sondern es wird auch, in Folge der zur Hervorbringung der zweiten Million erforderlichen grösseren Arbeit, der verglichene Tauschwerth der Roherzeugnisse dermaassen gesteigert, dass die 200,000 Quarter, obschon der Menge nach nur das Doppelte, dem Tauschwerthe nach dennoch dreimal so viel betragen können, als die 100,000 Quarter, welche vorher entrichtet worden waren.

Würde ein gleicher Tauschwerth für die Kirche in irgend anderen Mitteln erhoben, die auf dieselbe Weise wie der Zehnte verhältnissmässig mit der Schwierigkeit des Anbaues zunähmen, so würde die Wirkung die nämliche sein, und deshalb ist es ein Missgriff, anzunehmen, dass er, weil er von dem Boden erhoben wird, von dem Bodenanbaue mehr entmuthige, als es ein gleicher Betrag thäte, wenn derselbe auf irgend eine andere Art erhoben würde. Die Kirche würde in beiden Fällen beständig einen vergrösserten Theil vom Reinertrage des Bodens und der Arbeit des Landes bekommen. Bei einem sich verbessernden Zustande der Gesellschaft nimmt der Reinertrag des Bodens fortwährend, im Verhältnisse zu dessen Rohertrage, ab; allein das reine Einkommen des Landes ist es, wovon zuletzt alle Steuern bezahlt werden, sei es in einem vorschreitenden oder in einem stillstehenden Lande. Eine Steuer, welche mit dem rohen Einkommen zunimmt und auf das reine Einkommen fällt, muss nothwendig eine sehr lästige und eine sehr unerträgliche Steuer sein. Der Zehnte ist ein Zehnttheil vom rohen <150> und nicht vom reinen Ertrage des Bodens, und deshalb muss derselbe, so wie die Gesellschaft an Wohlstand zunimmt, dennoch, obgleich der nämliche verhältnissmässige Antheil vom Rohertrage, fortan ein grösserer und immer grösserer Aniheil vom Reinertrage werden.

Indessen, der Zehnte kann für die Grundherren als nachtheilig betrachtet werden, in so fem als er gleich wie eine Einfuhrprämie wirkt; da durch ihn der inländische Getreideerwachs besteuert wird, während die Einfuhr ausländischen Getreides unbelastet bleibt. Und wenn in der Absicht, um die Grundherren vor den Wirkungen der verringerten Nachfrage nach Boden zu bewahren, welche solch' eine Prämie veranlassen muss, das eingeführte Getreide ebenfalls und in gleichem Maasse wie das im Inlande erwachsene besteuert, und der Ertrag dieser Steuer an den Staat bezahlt würde, so könnte keine Maassregel offener und billiger sein; denn was mittelst dieser Steuer an den Staat bezahlt wird, würde eine Verminderung der anderen Steuern verursachen, welche die Ausgaben der Regirung nothwendig erheischen; allein wenn solch' eine Steuer blos dazu gewidmet würde, die an die Kirche bezahlten Vermögensmittel zu vergrössern, so könnte sie in der That zwar im Ganzen die allgemeine Erzeugnissmasse vermehren, aber sie würde den, den hervorbringenden Klassen zufallenden, Theil jener Masse verringern.

Würde der Handel mit Tuch vollkommen frei gelassen, so könnten unsere Tuchmacher in Stand kommen, das Tuch wohlfeiler zu geben, als wir es einzuführen vermöchten. Würde eine Steuer den inländischen Tuchmachern und nicht den Einführern von Tuch auferlegt, so würde Kapital mit Nachtheil von der Tuchmacherei hinweg und der Verfertigung irgend anderer Güter zugetrieben werden, da es alsdann wohlfeiler eingeführt, als im Inlande gemacht werden könnte. Würde nun auch noch das eingeführte Tuch besteuert werden, so würde hingegen wieder im Inlande Tuch verfertigt werden. Der Verbraucher kaufte zuerst Tuch im Inlande, weil es wohlfeiler als das ausländische wäre; darauf kaufte er ausländisches Tuch, weil es steuerfrei wohlfeiler, als das besteuerte inländische wäre; zuletzt kaufte er es wieder im Inlande, weil es wohlfeiler wäre, <151> da beides, das aus- und inländische Tuch, besteuert wäre. Der letzte Fall ist es, wo er für sein Tuch den höchsten Preis bezahlt, allein seine ganze Mehrzahlung kommt dem Staate zu Gute. Im zweiten Falle zahlt er mehr als im ersten, allein Alles, was er weiter bezahlt, empfängt nicht der Staat; dies ist eine Preiserhöhung, verursacht durch die Schwierigkeit der Hervorbringung, welche hinzugetreten ist, weil uns durch die Steuerumlage die leichtesten Mittel der Hervorbringung entzogen worden sind, da sie durch eine Steuer eingeschränkt worden ist. <152>


1. 18 Quarter zu 4 £ 8 sh. 10 2 / 3 d.

2. 9 Quarter zu 4 £ 8 sh. 10 2 / 3 d.