Kr.1.6.189a-189b Kapitel 6 bis 8: Der dritte Anfang, der Raum - KrSc

Anfang, drei Anfänge Kr.1.6.189a11-12

»Hieran aber dürfte sich anreihen, anzugeben, ob der Principien zwei oder drei oder mehrere seien; denn dass bloss Eines sei, ist nicht möglich, weil es keinen Einen Gegensatz gibt«.

KrK.1.6.189a12

Das Volle hat nicht das Volle zum Gegensatz, ebensowenig die Liebe die Liebe. Unbegrenzt viele Gegensätze müssen ebenso verworfen werden, weil das Zusammengesetzte aus Einfachem wird.

Kr.1.6.189a14-26

»Und es 15 ist auch besser, mit einer begrenzten Zahl zu arbeiten, wie Empedokles, als mit unbegrenzt vielen. Jener glaubt, alles erklären zu können, was auch Anaxagoras mit seinen unendlich vielen Urdingen ableitet ... 20 Dass es also weder eine noch unendlich viele Grundlagen geben kann, ist einzusehen.

Da es also begrenzt viele sein müssen, hat es eine gewisse Berechtigung, nicht bei zweien stehen zu bleiben. Denn man könnte sogleich fragen, wieso denn von seinem Wesen aus Dichtes auf Dünnes wirken könne oder umgekehrt, und ebenso bei jedem andern Gegensatzpaar. Nicht die Eintracht bringt ja die Zwietracht zueinander 25 und macht etwas aus ihr noch umgekehrt, sondern beide wirken auf ein Drittes.« [P33,G46]

KrK.1.6.189a26

Uns stellt sich nicht die Frage, wie die Materieatome und das Leere auf ein Drittes wirken, sondern wie aus der Bewegung der Atome im Leeren eben das Dritte wird. Denn aus den beiden muss es ja werden, weil sonst nichts da ist. Das Dritte ist der Anfang der Bewegung der makroskopischen Materie. Dieser Anfang kann nicht allein das Leere sein, weil die Himmelskörper und alles auf ihnen sich mit endlichen Geschwindigkeiten und nicht auf gradlinigen Bahnen bewegen. Dieser Anfang muss also dichter sein als das Leere, eine grössere Masse als - haben.

Anfang, der dritte Kr.1.6.189a34-b10

»Wenn also jemand unsern 35 früheren Gedankengang für richtig hält und den jetzigen, dann muss er, um sie beide vereinigen zu können, 189b ein Drittes als Grundlage annehmen, nach der Art jener Lehren, die im Weltall nur einen Grundstoff anerkennen, z. B. das Wasser oder Feuer oder ein Zwischending. Das Zwischending leuchtet eigentlich mehr ein, denn Feuer, Erde, Luft und Wasser sind schon mit Gegensätzen 5 verknüpft. Deswegen haben diejenigen garnicht so unrecht, die als Grundlage etwas hiervon verschiedenes annehmen, und von den anderen kommen die der Sache am nächsten, die die Luft wählten, weil die Luft von allen Elementen am wenigsten wahrnehmbare Unterschiede aufweist ... Aber sie alle gestalten den einen Grundstoff durch die (ersten) Gegensätze, etwa Dichte und Dünnheit überhaupt 10 durch Grade.« [G47]

Raum als dritter Anfang KrK.1.6.189b10.a

Eine von zwei oder drei Stellen in der Physik, wo Aristoteles die Existenz des Raums vorsichtig andeutet, weil er keine Raumtheorie hat.1 Er hat keine Raumtheorie, weil der Raum ohne das Leere nicht möglich ist, Aristoteles aber das Leere ablehnt.

Was ist der Raum? KrK.1.6.189b10.b

Der Raum ist der dritte Anfang. Aber was ist der Raum? Wir haben allein die Atome, deren Bewegung und das Leere. Wir wissen, dass der Raum im Gegensatz zur makroskopischen Materie nicht widersteht, oder besser, den Widerstand Null hat. Leer ist er nicht, weil er so etwas wie der Behälter der Gegenstände mit endlichen Geschwindigkeiten ist, die Bewegung im Leeren aber nur unendlich schnell ist. Weiter wissen wir, dass der Raum wie das Leere und die Materie ausgedehnt ist.

Raum ist irgenwie Null KrK.1.6.189b10.c

Der Nullwiderstand gegen die sinnlich wahrnehmbare Materie M ist also ein Charakteristikum des Raumaggregats. M + 0 = M, der 'leere Raum', der immer noch durch die Schulbücher geistert. Dass Nullwiderstand und kein Widerstand unendlich verschieden sind, genau wie Null Masse und Null Materie, werden wir noch oft sehen. Wenn mir dennoch hin und wieder der Ausdruck 'kein Widerstand' herausrutscht, wo eigentlich Nullwiderstand stehen müsste, so ist das die Macht der Gewohnheit.

Aber wie soll die Null für die Bewegung der makroskopischen Materie verantwortlich sein oder mitverantwortlich?

Vielleicht ist der Gegensatz zu +M die negative Masse -M, so dass die Summe +M - M = 0. Das Leere würde also das Volle »verschlucken«, wäre wie der oben geschilderte Nullsaldo beim Atom. Das kann also so auch nicht stimmen. Oder doch?

Raum, Masse kleiner Null KrK.1.6.189b10.d

Nehmen wir an, um etwas vorzugreifen, dass es im Raum unendlich viele Grade des Vollen gibt, die kleiner als Null sind, entfernen uns also von der gewohnten Vorstellung, dass eine Wirkung des Vollen, nämlich die Masse nur ist, was auf der Waage liegt und gewöhnen uns daran, sie als die Spannung zwischen zwei Körpern zu sehen, nämlich zwischen der Masse und dem sie umgebenden Medium, so müsste hier gelten, was sonst auch in der Physik gilt: actio = reactio. Der Spannungszustand des Mediums -M müsste demnach negativ betragsgleich der Masse des Körpers +M sein.

Masse des materiellen Körpers = negative Masse des Mediums. Je grösser die Masse des materiellen Körpers +M, desto grösser die negative Masse des Mediums -M. Erst wenn das Medium die Masse - erreichen würde, gäbe es keine Materie mehr. Denn Masse ohne Materie ist allein das Leere. Null Materie ist kein Widerstand, ist Masse - . Begriffe wie 'Antimaterie' sind daher Unsinn, weil sie ein Leereres als das Leere behaupten.

Raum, Masse gleich Null KrK.1.6.189b10.e

Die Masse eines Gegenstandes in der Schwerelosigkeit ist nicht 'keine Masse', sondern die Masse Null, eine unendlich grosse Masse im Vergleich zum Leeren. Sie saldiert sich mit der umgebenden Masse des Mediums zu Null und bringt daher nichts auf die Waage. Das Medium -M setzt sich zusammen aus unendlich vielen ± μ . Ebenso das +M. Nur sind die ± μ in -M unendlich schnell bewegt, in +M sind sie irgendwie zusammengeklebt. Das gleiche gilt für den Widerstand. Der Widerstand Null des Raums ist unendlich viel größer als der Nichtwiderstand des Leeren. Daher sind die Bewegungen im Raum unendlich viel langsamer als die im Leeren.

Leeres, eine einzige Aufgabe KrK.1.6.189b10.f

Die einzige Aufgabe des Leeren ist die unendlich schnelle gradlinige Bewegung der Atome.2 Denn das Einfache und Ewige kann nur ein Einfaches und Ewiges bewirken.

Aber woher kommt dann die Bewegung oberhalb der Atome, also die normale Ortsbewegung der Erde etwa, die bei einer ihrer Bewegungen nur 30 Sekundenkilometer schnell ist oder die Wellenausbreitung des Lichts, die, gemessen am Materieatom, auch nicht viel schneller als die Erde ist?

Raum, dritter bewegter Anfang KrK.1.6.189b10.g

Es muss zwischen der widerstehenden Materie M und dem Leeren noch eine besondere bewegte Materieform geben. Sie ist der Mittler zwischen dem Leeren und dem makroskopischen und mikroskopischen Vollen und verursacht die Bewegung durch Berührung.

Das Mittlere zwischen dem Vollen und dem Leeren ist der Raum. Und der Raum ist nichts anderes als ein flotter Zweier unserer beiden Anfänge, der Atome und des Leeren.

Demokrits Atome sind die materiellen Elemente des Raums, das Leere das immaterielle Element des Raums, das Grösste und das Kleinste, das Einfache und das Zweifache zusammen ergeben das erste bewegte Materieaggregat, den Raum. So wie wir viele bewegte Gasmoleküle 'Luft' nennen, so nennen wir unendlich viele unendlich schnelle Raummaterieteilchen oder Atome zusammen mit dem Leeren den Raum.

»Demokrit meint, dass die Atome ... im unendlichen Leeren, in dem es kein Oben und Unten, keine Mitte und keine äusserste Grenze gibt, sich so bewegten, dass sie infolge von Zusammenstössen untereinander zusammenhingen, woraus dann alle Dinge hervorgingen, die es in der sichtbaren Welt gibt, und diese Bewegung der Atome erfolge von keinem Anfang aus, sondern von Ewigkeit her.« Cicero, Von den Lebenszielen I 17, in: Vorsokratiker, S. 405

Das Werden der Dinge aus den Raumatomen wird uns erst zum Schluss der Arbeit beschäftigen. Dort werden wir auch die erste Bewegung in der Zeit untersuchen, das Werden des Raums. Mit allen durch den Raum vermittelten Bewegungen befassen wir uns im Rest des Buches, also notgedrungen in der verkehrten Reihenfolge, vor dem Werden des Raums mit den im Raum Gewordenen. Das Materieelement ist mit den Sinnen, auch mit den verlängerten Sinnen, nicht wahrnehmbar.3 Aber wir lassen uns darüber keine grauen Haare wachsen, sowenig wir uns darüber grämen, dass wir die Wassermoleküle beim Plantschen in der Badewanne nicht sinnlich wahrnehmen.

Raum, bewegter Mittler KrK.1.6.189b10.h

Der Raum ist neben der Materie und dem Leeren der dritte Anfang. Er ist der bewegte Mittler zwischen dem unbewegten Leeren und der bewegten Materie. Mit dem Raum lassen sich unendlich viele physikalische Phänomene ohne Not und für jedermann verständlich erklären: Die Massenanzieheung, die verschiedenen Bindungskräfte zwischen der atomaren Materie, die nach aussen zunehmende Geschwindigkeit der Galaxien, der Massendefekt, die Zusammensetzung des Elektrons, das mal als stehende Welle aus vielen noch kleineren Teilchen auf der Stelle tritt, mal als kompakte Vereinigung dieser Teilchen eine Ortsbewegung ausführt und und und. Aber wo kämem wir da hin. Das Einfache als Einfach benennen. Also weg mit ihm! 4

drei Anfänge, Notwendigkeit der KrK.1.6.189b10.i

Das Volle und das Leere sind ewig. Sie sind nicht von etwas anderem verursacht. Andernfalls gäbe es Anfänge der Anfänge, sie wären also keine Anfänge mehr. Aus einander können sie auch nicht sein, weil dann die Materie immateriell, das Leere materiell wäre. Beide wären nicht mehr einfach, sondern bereits gemischt, mithin geworden. Materie könnte nicht durch Berührung auf entfernte Materie wirken, gäbe es kein bewegtes Mittleres, das beide berührt. Gäbe es nur das Volle und das Leere, so höben sich entweder beide zu Null auf, es gäbe gar keine Bewegung. Das Universum wäre ein unendlich dichter Klumpen, das gleichgrosse Leere und sonst Nichts. Oder aber die Bewegung aller Materie wäre unendlich schnell.

Äther ist bewegt KrK.1.6.189b10.j

Neben der widerstehenden Materie, wie wir sie einmal nennen wollen, da der Raum nicht merklich widersteht oder den Nullwiderstand hat, gibt es den endlich oder unendlich grossen Raum. Der Raum oder der Äther oder der Ersatzraum 'Feld' oder wie immer man den Gegenstand nennen will, muss bewegt sein. Andernfalls könnte er nicht Mittler der Bewegung zwischen den zusammengesetzten Materieteilen sein. Denn nur was selbst bewegt ist, kann auch bewegen. Bewegung der Materie erfordert zweiseitige Berührung . Einzige Ausnahme ist die Bewegung durch allseitige Berührung des Materieatoms durch das Leere. Der von Einstein immer wieder bemühte starre Äther ist schon aus dem Grund absurd, weil es sonst nichts ausser dem Raum gäbe. Denn eine stetige starre Materie, sei sie noch so dünn, widersteht anderer Materie. Zwei materielle Gegenstände können nicht zugleich am selben Ort sein. Wenn alle Orte mit starrem Äther gefüllt sind, gibt es keine Bewegung und keinen Platz für nicht ätherische Materie. Da war das Äthermodell der feinteiligen Flüssigkeit bei Descartes schon besser, weil da wenigstens Verdrängung des Äthers durch die dicke träge5 Materie möglich ist, hat aber den Sprung von der rein quantitativen Verdünnung hin zu einem qualitativ völlig anderen Materieaggregat nicht geschafft, 2006-> ja, hat sogar dem feinteiligen Raum die Attribute der dicken trägen Materie zugeschrieben und die Himmelskörper mit ihrem Äther zu einer dicken Sosse mit Klumpen verrührt. Sein Verdienst, als Erster seit Jahrhunderten, die genesis der Welt aus sich selbst zu erklären, muss an anderer Stelle gewürdigt werden. Der Raum ist weder fest, flüssig oder gasförmig. Diese und andere Aggregate wie das em-Wellenaggregat sind der dicken trägen Materie vorbehalten und werden wie die dicke träge Materie selbst erst durch den Raum erzeugt:

»Und unmittelbar ... erhebt sich die gewaltige Hauptfrage nach dem Wesen, nach den Eigenschaften des raumerfüllenden Mittels, des Äthers, nach seiner Struktur, seiner Ruhe oder Bewegung, seiner Unendlichkeit oder Begrenztheit. Immer mehr gewinnt es den Anschein, als überrage diese Frage alle übrigen, als müsse die Kenntnis des Äthers uns nicht allein das Wesen der ehemaligen Imponderabilien offenbaren, sondern auch das Wesen der alten Materie selbst und ihrer innersten Eigenschaften, der Schwere und der Trägheit Die Quintessenz uralter physikalischer Lehrgebäude ist uns in den Worten aufbewahrt, dass alles, was ist, aus dem Wasser, aus dem Feuer geschaffen sei. Der heutigen Physik liegt die Frage nicht mehr fern, ob nicht etwa alles, was ist, aus dem Äther geschaffen sei? Diese Dinge sind die äussersten Ziele unserer Wissenschaft, der Physik« ( Hertz (1), S. 113 ).

Hertz orientiert sich im vorletzten Satz der damaligen Mode folgend an der Dialektik Heraklits. Wir bleiben bis zum letzten Buch beim materialistischen Modell Demokrits und werden uns erst zum Schluss der Dialektik zuwenden.<-2006

Raum bewegt Materie durch Berührung KrK.1.6.189b10.k

Die unendlich kleinen, unendlich schnellen Raummaterieteilchen erfüllen in ihrer Gesamtheit alle Voraussetzungen des Raums. Er widersteht nicht, oder richtiger, er hat den Widerstand Null. Dennoch bewegt er die andere Materie durch Berührung. Gleichzeitig lässt er genügend, nämlich unendlich viel Platz für die Bewegung der Materie im Raum. Und er bildet ein unendliches Reservoir zum Werden und Vergehen von Materieformen und -bewegungen. Und 'obwohl' nicht sinnlich wahrnehmbar, muß im Raum eine ungeheure Energie stecken, wenn unendlich viele unendlich dichte Materieteile durch die unendlich große negative Masse des Leeren unendlich schnell bewegt werden. Wenn wir im weiteren die mechanistischen Begriffe 'Verdichtung' und 'Verdünnung' nehmen, um das Werden der dicken trägen Materie aus dem Raum, oder der Massenanziehung, der Elektrizität oder anderer Raumerscheinungen zu deuten, so ist das mit ähnlich gutem Willen zu nehmen wie die Haken und Ösen Demokrits, denen wir heute Namen wie »chemische Valenz«, »starke Kraft«, »Antigravitation« usw. geben. Bei der 'Verdichtung' und 'Verdünnung' des Raums werden wir noch unendlich viele Dinge entdecken.

Stetigkeit des Atoms, Verdrängung KrK.1.6.189b10.l

Wenn μ das letzte Element ist, ist es ewig. Dann trifft für dieses Element zu, was für Ar noch für alle Materie gilt, es ist stetig. Dann muss es aber unendlich klein sein, weil es sonst eine unendlich grosse Masse hätte. Wenn aber der Raum materiell ist, dann muss er tun, was alle Materie tut - ausweichen, wenn er auf andere Materie trifft.

Die mit den verlängerten Sinnen wahrnehmbare Materie +m, etwa ein Atomkern eines chemischen Atoms ist zusammengesetzt, also geworden. Sie verdünnt bei ihrem Werden, also ihrem Zusammentreten aus unendlich vielen + μ den Raum nicht nur, sondern nimmt dem Raum auch Raummaterie weg, und erzeugt aus dem Weggenommenen (Verdrängten) in ihrer unmittelbaren Nähe Verdichtungen oder Störungen von Raummaterie um sich herum, die vier kleinen Punkte um +m. Was das +m dem Raum weggenommen hat, das fehlt ihm. Er will es wiederhaben und zieht wie bereits beschrieben mit -m an +m. Allerdings muss nun -m wegen der kleinen Punkte etwas kleiner als +m sein. So ähnlich könnten Schwere, Schwerelosigkeit, Massendefekt, Elektron und vieles andere erklärt werden. Bei der Enthüllung dieser and vieler anderer Geheimnisse der Natur halten wir uns an die Annahme, dass alle Materie einschliesslich stehender und sich ausbreitender Wellen verdickter und verzögerter Raum ist.

Ob wir das Elektron als stehende Welle oder als Teilchen auffassen? Wenn als stehende Welle, dann ist klar, dass es kleinere Teilchen als das Elektron gibt, weil jede Welle aus Teilchen besteht. Das können aber nicht die Raummaterieteilchen sein, weil die unendlich schnell sind und nur eine Bewegung kennen. Da das Elektron aber auch die Ortsbewegung kennt (Nebelkammerversuch), müssen sich sämtliche Teilchen der stehenden Welle vor ihrem Spaziergang zu einer einzigen Grösse vereinigen.

'ruhender' Raum KrK.1.6.189b10.m

Das Raumaggregat der Materie hat einen bestimmten Normalwiderstand gegen die makroskopische Materie, nämlich Null. Die Masse des Raums ist ebenfalls Null. Ebenso sind Widerstand und Masse des Leeren - . Im Leeren können Ursache und Wirkung nicht lokalisiert werden. Denn die Wirkung des Leeren ist überall dieselbe und auf kein bestimmtes Materieteilchen mit keiner bestimmten Richtung gerichtet. Überall im Leeren ist Ursache und überall Wirkung. Was sich in einem bestimmten Bereich, etwa 10 cm 3 mit unendlich grosser Geschwindigkeit 'diffus', also hin und her, in alle möglichen Richtungen bewegt, das legt seine Wege in unangebbar kleiner Zeit zurück oder ist 'überall zugleich'. Wessen Bewegung aber überall unendlich gross und sinnlich nicht wahrnehmbar ist, dessen Bewegung kann bei der Betrachtung der besonderen sinnlich wahrnehmbaren Bewegungen vernachlässigt und als ruhender und stetiger Bezugsraum genommen werden. So kann der Raum als 'leer' im umgangssprachlichen Sinn genommen werden. Der Raum, obwohl 'stetig' ('stetig' im Sinne von 'überall zugleich'), kann gedehnt und geknautscht werden, wenn seine materiellen Elemente unendlich kleine Teilchen sind und sein immaterielles Element das Leere ist.

starrer Äther ist absurd KrK.1.6.189b10.n

Der starre Äther, in dem es keine Bewegung geben kann und die hinderliche Äthersuppe oder das Äthergas, die Orkane verursachen, sind damit genauso überflüssig wie ein Raum, der nur ein geometrischer Raum ist, der bei Kant noch dazu nur eingebildet ist. Da es endlich grosse Teilchen gibt, die durch die Erde fliegen, ohne anzuecken, sollte es kein Problem sein, diesen Gedanken zu denken. Das einzige kleine Problem dabei ist, dass die Denkerzunft den Materialismus als wahr anerkennen müsste. Und da sei nicht nur Gott vor - der ist relativ zahm und flexibel geworden und macht alles mit, was man ihm befiehlt, sondern der Frankenstein mit seinen ungebildeten Schreibern, der Gott in der Grossen Französichen Revolution entthront hat und sich seither 'die Gesellschaft' nennt und der hier im Weiteren 'der Wurstfabrikant' heissen soll.

Raumverdünnung KrK.1.6.189b10.o

Erzeugt die makroskopische Materie Störungen um sich herum, die aus der Raummaterie stammen, so hat sie dem Raum etwas 'weggenommen' und ihn dadurch verdünnt, die oben geschilderte negative Masse -M, was in der allgemeinen Relativitätstheorie glaube ich als negative Potentialdifferenz bezeichnet wird.

Raum allein ohne widerstehende Materie gibt es nicht, so wenig, wie es die Welt ohne sich selbst gibt. Die Masse des Raums wird kleiner Null, sobald ein Stück Materie da ist, das an ihm zieht. Sobald ein zweites hinzutritt, wird er wie ein Bettlaken zwischen den beiden widerstehenden Stücken gespannt. Das zentrale Zueinander oder die Massenanziehung. 2006: Wie kommt das Ziehen aber zu Stande? Wie schon oben gesagt. Wenn die makroskopische Materie aus den Raumatomen besteht, dann haben wir in jedem von uns den handgreiflichen Beleg, dass die normale Materie aus der Verdickung der Raummaterie wird. Da wir aber wissen, dass die vermeintlich 'stetige' Materie unserer Körper zum grössten Teil aus Löchern besteht, ist anzunehmen, dass diese Löcher bei unserem Durchstreifen des Raums durch den Raum gefüllt werden. Weiter ist anzunehmen, dass unser Körper versuchen wird, den Raum in sich zu verdicken, wie er ja selbst auch verdickter Raum ist. Die Verdickung wird proportional zur Masse unseres Körpers sein. Das bedeutet aber, dass unser Körper dem Raum ausser ihm etwas wegnimmt und ihn verdünnt. Das will der Raum aber wiederhaben. Daher das Ziehen.6

Wenn die Null nur der Scheidepunkt zwischen m > 0 und m < 0 ist, so müssen wir den Begriff 'wägbar' erweitern. Unter wägbar muss alle Masse bis hin zum Leeren verstanden werden, also auch Massen <= 0. »Scheiss Schwerkraft!«, habe ich einmal als Jugendlicher ausgerufen, als ich beim Laufen auf die Nase gefallen bin. Da sage einer, der Raum sei mit unseren Sinnen nicht wahrnehmbar. Wenn es eine Wahrnehmung gibt, der wir auf der Erde nie und nirgenwo entgehen können, dann ist es die Schwere, die negative Masse des Raums zwischen uns und der Erde.

Raummasse ist - < m <= 0 KrK.1.6.189b10.p

Ob die Massen der an der em-Wellenbewegung beteiligten Teilchen dem Raum zuzuordnen sind oder nicht, ist vielleicht Definitionssache. Wenn ja, dann wäre die Masse des Raums hier nicht kleiner Null, sondern grösser. Daher ist es das beste, die Wellen als ein eigenes Aggregat der Materie zu sehen, weil ja auch die Geschwindigkeiten bei der Wellenausbreitung endlich sind. Andererseits gibt es verdünnte und verdickte Zustände des Raums wie die beiden entgegengesetzten Elektrizitäten, bei denen die dünne negativ energiereichere weh tut und die dicke energieärmere nicht, so dass es wohl doch positive Masse im Raum geben sollte. Hier ist noch unendlich viel zu entdecken. Diese und andere noch relativ neue Entdeckungen im subatomaren Bereich bilden derzeit noch einen eigenen Teil der Physik, die dem neuentdeckten Atomismus nun wieder manchmal die Stetigkeit opfert und als Folge weder das Diskrete, noch das Stetige behält, denn das eine kriegst du nicht ohne das andere. Was da bei vielen unter dem Begriff »Atomismus« gehandelt wird, ist kurios und erinnert ein wenig an den katholischen 'Atomismus' des braven Cassendi (der jedoch unendlich fortschrittlicher war, als das heutige Gestammel, weil er endlich wieder den Atomismus Epikurs würdigte). Das Wort »Atom« wird kurz in den Mund genommen, dann aber werden ellenlange Vorträge über die Form des Atoms gehalten, und die Grenze der Grösse wird munter mit der Grösse selbst in einen Topf geworfen, als liege es in unserem Belieben, den Stoff und die Form des Stoffes zu vermantschen. Das wird in der vorliegenden Arbeit nicht geschehen. Der Stoff wird stets als das Ausgedehnte, die Form stets als das in wenigstens einer Richtung nicht Ausgedehnte behandelt.

Die negative Masse des verdünnten Raums ist der der widerstehenden Materie betragsgleich. Der Unterschied zwischen der normalen Materie und dem Raum-Materieteilchen ist nicht die schwere Masse Null, die ist ja Null für alle Materiestücke, solange sie allein im Raum sind. Der Unterschied ist einmal, dass der Nullsaldo des RM-Teilchens innerhalb des Teilchens gebildet wird und der Nullsaldo zwischen wägbarer Materie und Raum sich in den Raum erstreckt, dass der Raum negative Masse hat, wenn er mit anderer Materie in Berührung kommt. Raum ist sinnlich nicht wahrnehmbar, weil er 'nicht' widersteht, heißt es. Hüpf hoch. Kommst du wieder runter, dann nimmst du sinnlich wahr, daß der Widerstand des Raums negativ betragsgleich deiner eigenen Masse ist. Er ist zwar nicht wägbar im herkömmlichen Sinn, weil es noch keine sphärischen Waagen für negative Massen gibt. Die brauchen wir aber garnicht. Es genügt zu wissen, wie schwer wir sind. Die Masse 'unseres' Raums oder unser Schwerefeld ist negativ betragsgleich. Wir müssen denken, wollen wir mehr über den Raum wissen. Die Fragen werden später ausführlich behandelt.

Wie kann der Raum, dessen Teilchen unendlich klein sind, mit dem Leeren zusammen einen endlich oder unendlich grossen stetigen Körper ergeben? Bei dem Materieelement selbst haben wir die unendliche Dichte als Erklärung der Stetigkeit.7

Stetigkeit, dynamische KrK.1.6.189b10.q

Der Raum ist aber alles andere als unendlich dicht! Er kann nur stetig sein, wenn seine Materie-Teile unendlich schnell bewegt sind. Stetigkeit hat so eine zweite Bedeutung, nämlich die dynamische Stetigkeit , 'Lückenlosigkeit' aufgrund der Bewegung. Der Makel, der dieser dynamischen Stetigkeit von Anfang an anhaftet, nämlich in Wahrheit voller Lücken zu sein, ist nur aus mathematischer, nicht aus physikalischer Sicht ein Makel.

Masse und Materie KrK.1.6.189b10.r

Masse = Null oder schwerelos kann jede beliebige Masse sein, wenn sie mit dem Raum allein ist. Materie = 0 ist allein das Leere. Dessen Masse ist - . Die Masse des Raums ist 0, wenn er selbst allein ist, sie ist kleiner Null, sobald ein m > 0 dazutritt und an ihm zieht. m > 0 gibt es für uns nur, wenn mindestens 2 Materiestücke da sind, die sich über den Raum an einander messen, also wir beim Hochhüpfen oder die Erde an der Sonne.

Womit sich die Befürworter wie die Gegner des Leeren über die Jahrhunderte gleichermassen gequält haben, ist damit hinfällig. Die Befürworter hatten zwar eine Erklärung der Bewegung; denn wenn alles bereits voll ist und zwei Volle nicht am selben Ort sein können, so kann es keine Bewegung geben. Sie luden aber die Absurdität des 'leeren Raums' auf sich. Die Gegner kamen entweder zum starren oder zum flüssigen Äther. Der starre Äther erlaubt keine Bewegung. Die 'Mitbewegung' Descartes' oder Aristoteles' oder Tychos wird nicht diskutiert, weil sie bei den einen der Heiligen Inquisition, bei dem anderen dem makedonischen Hof zuzurechnen ist. Im Zusammenhang mit Kepler müssen wir jedoch auf die Mitbewegung zurückkommen. In der Mythologie der Inder spielt der Raum seit Jahrtausenden eine wichtige Rolle, kommt aber im Streit der Philosophen über das wahre Brahman über 'vorsokratische' Ahnungen nicht hinaus. Streifst du allen Geheimiskram der Veden, Brahmanas und Upanishaden und der bunten indischen Schulen ab, so lässt sich die Weisheit der Inder in zwei Sätzen der Physik ausdrücken: Das Atman ist der Raum, in dem du gerade bist, bzw. der du gerade bist (weil du zum allergrössten Teil aus Raum bestehst). Das Brahman ist der Weltraum. Demokrit hatte, soweit Aristoteles mit der Sprache rausrückt, keine Raumtheorie. Erst Platon traut sich als 'Erster' (so Ar irrtümlich) in der griechischen Welt, den Raum als Weltenbewahrer und -gestalter zu bezeichnen. Weil der Raum nicht ohne das Atom und das Leere zu haben ist, wird uns Aristoteles auch keine Raumtheorie liefern. Aber so, wie wir ihm neben Parmenides und Zenon den Demokrit als dritten Co-Autor entlocken werden, so werden wir auch Stück für Stück eine aristotelische Raumtheorie zusammenbasteln. Wir werden erkennen, dass die scheinbar widersprüchlichen Eigenschaften des Raums:

Der Raum ist materiell, und der Raum ist immateriell. KrK.1.6.189b10.s

Der Raum ist voll, und der Raum ist leer.

Der Raum ist bewegt, und der Raum ist unbewegt.

Der Raum ist 'fest', und der Raum ist 'flüssig'.

Der Raum ist stetig mit Materie erfüllt, leistet aber der in ihm befindlichen dicken trägen Materie 'keinen' Widerstand.

Trinität KrK.1.6.189b10.t

Dass alle diese und viele andere Dinge sich aufs Schönste und ohne Widerspruch zusammenfügen, wenn wir die eine Annahme der unendlich schnellen gradlinigen Bewegung der Atome im Leeren zulassen.

Damit haben wir also drei Anfänge: Die Materie, den Raum und das Leere. Sie sind sowohl Einheit, Gegensatz, als auch Ursache der Bewegung. Bewegungsursache und Anfang sind eins, da in der ersten Bewegung die Raummaterie vom Leeren bewegt wird, in allen darauf folgenden Bewegungen der Raum der Mittler der Bewegung der Materie ist und die Gesamt-Materie und das Leere ein und denselben Ort einnehmen. Das ewig unbewegte Ganze des Parmenides ist das Leere. Der Raum ist der ewig Bewegte Mittler zwischen dem Leeren und der ewig bewegten Materie. Parmenides und Heraklit haben recht. Das Leere ist ewig unbewegt, und die Materie ist ewig bewegt. Ewige Unverändertheit im Sein und ewiges Werden und Vergehen sind zugleich. Die Grössen der Drei sind die Grössen des Alls. Die Materie teilt sich den Platz mit der Raummaterie. Das Eine ist das Ganze.

Im Lichte dieser Trinität möchte fast man Mitleid mit Fleisch, Pneuma und dem leeren Gott der christlichen Theologen bekommen.8 Bei pneuma und Fleisch würfeln die Theologen Immaterialität und Idealität im Lauf der Jahrhunderte so durcheinander, dass die Entwirrung der daraus entstehendenen Geheimnisse nur durch göttliche Offenbarung funktioniert.

Den Denkern der neuen Herren Wurstfabrikanten fällt nach der Grossen Französischen Revolution bis heute die schwierige Aufgabe zu, sowohl gegen die Theologie als auch den Materialismus anzudenken. Aber ausser der Expansion der Wurstfabrikantenseele auf die Grösse des Alls haben sie nicht viel zu bieten. Wir bleiben beim Raum, beim Atom und dem Leeren.

Gegensatz und »das Eine« Kr.1.6.189b11-16

»und es scheint auch diese Meinung uralt zu sein, dass das Eine und das Zuviel und Zuwenig Principien des Seienden seien, nur nehmen es nicht Alle in derselben Weise, sondern die Aelteren nahmen das Paar des Gegensatzes als thätig und das Eine dazu als leidend, 15 die Späteren aber sagen im Gegentheile mehr, dass das Eine thätig sei, das Gegensatz-Paar aber leidend.« [P37]

Raum und die Bewegung des Ganzen KrK.1.6.189b16.a

Wie der Raum als die tätige 'Ursuppe' der Galaxien, wie das Zueinander und Voneinander im Ganzen funktionieren, wird am Ende der Arbeit untersucht. Wie der Raum an der Bewegung der Dinge im All beteiligt ist, im restlichen Buch.

Dass Aristoteles mit dem vorstehenden garnicht einverstanden ist und ich ihn oft wohlwollend zu meinen Gunsten zitiere, ist klar. Das ist im Fach so der Brauch.

Werden und Vergehen KrK.1.6.189b16.b

»Nämlich Entstehen und Vergehen kömmt sämmtlichen von Natur aus bestehenden Wesenheiten nicht ohne die sinnlich wahrnehmbaren Körper zu ... Diejenigen, welche einen einheitlichen Stoff ausser den eben genannten (Feuer, Wassser, Erde, Luft oder eine Mischung), und zwar dabei einen körperlichen und trennbaren, aufstellen, sind im Irrthum, denn es ist unmöglich, dass jener Körper, während er ein sinnlich wahrnehmbarer ist, ohne Gegensätzlichkeit sei; entweder nämlich leicht oder schwer oder kalt oder warm muss nothwendig jenes Unbegrenzte sein, welches einige als das Princip bezeichnen. Aber in jener Weise, in welcher es im Timäus geschrieben steht, enthält es gar keine bestimmte Feststellung«. Ueber Entstehen und Vergehen, II,1, dt. Prantl, Scientia Verlag 1978, S437/439=328b32-329a14 Dass Aristoteles hier das neuzeitliche Dogma Messen = Sein übernimmt, hat nichts weiter zu bedeuten. Er stellt sich dumm.

Platon zum Raum KrK.1.6.189b16.c

Hören wir Platon zum Raum:

»Demnach wollen wir die Mutter und Aufnehmerin alles gewordenen sichtbaren und durchaus sinnlich Wahrnehmbaren weder Erde, noch Luft, noch Feuer, noch Wasser nennen, noch mit dem Namen dessen [bezeichnen], was aus diesem [entsteht] und woraus diese entstanden; sondern wenn wir behaupten, es sei ein unsichtbares, gestaltloses allempfängliches Wesen, so werden wir keine irrige Behauptung aussprechen.« »Nimmt sie doch stets alles in sich auf und hat sich nie und in keiner Weise irgendeinem der Eintretenden ähnlich gestaltet; denn ihrer Natur nach ist sie für alles der Ausprägungsstoff, der durch das Eintretende in Bewegung gesetzt und umgestaltet wird und durch dieses bald so, bald anders erscheint. Das Eintretende und Austretende aber sind Nachbilder des ständig Seienden [der Formen oder Ideen], diesem auf eine schwer auszusprechende, wundersame Weise nachgebildet...

Im Augenblick aber müssen wir uns drei Gattungen denken, das Werdende, das, worin es wird, und das, woher nachgebildet das Werdende geboren wird. Und wirklich kann man auch in angemessener Weise das Aufnehmende der Mutter, das Woher dem Vater, die zwischen diesen liegende Natur aber dem Geborenen vergleichen« Timaios,51a/b, 50 b-d

Platon liegt hier richtiger als Aristoteles. Im vierten Buch wird Ar Platons Raum auch mit den Worten würdigen: »Alle nämlich sagen, dass der topos etwas sei; was er aber sei, hat Plato zuerst gewagt anzugeben.« ( Buch 4.2 ) Es stimmt aber nicht, dass Platon der erste war. Hesiods Chaos war zwar noch Dichtung, hatte aber schon eine Ahnung des Raums (topos und Raum Kr.4.1.208b27-33). Anaximandros' Buch über die Welt dagegen, in dem er »als erster unter allen Menschen eine rein physikalische Kosmogonie« (Vorsokratiker, S. 74) entwirft hat Aristoteles noch vorgelegen. »Anaximandros ... hat als Urgrund und Element der Dinge das Unendliche angenommen ... Er bezeichnete aber als Urgrund weder das Wasser noch ein anderes der sogenannten Elemente, sondern eine andere unendliche Substanz, aus der sämtliche Himmel entstanden seien und die Welten in ihnen. 'Woraus aber die Dinge ihre Entstehung haben, darein finde auch ihr Untergang statt' ...«, zitiert Simplicios in seinem Physikkommentar das einzige uns erhaltene Fragment des Anaximandros und fährt fort »Offenbar hat Anaximandros, der den Wandel der vier Elemente ineinander beobachtet hatte, nicht eins von diesen als Grundlage ... annehmen wollen, sondern ein anderes neben ihnen«. Capelle, Wilhelm: Die Vorsokratiker, Stuttgart 1968, S. 82

In der indischen Mythologie finden sich Stellen wie diese:

»Alle Gottheiten, die stritten, jede sei die beste, traten aus diesem Leibe heraus ... die Rede ... das Sehen ... das Hören ... das Denken ... Dann trat der Atem in ihn ein; unmittelbar danach stand dieser auf. Dann traten alle Götter, nachdem sie die Oberhoheit im Atem gefunden hatten ... zusammen mit allen diesen aus dieser Welt heraus. Sie gingen, auf den Wind gestützt, das Selbst des Raum-Äthers annehmend, in den Himmel.

Ganz ebenso geht der, der dies weiss, nachdem er den Atem, der aller Wesen Erkenntnis-Selbst ist, erreicht hat, mit all diesen aus diesem Leibe heraus, Auf den Wind gestützt, das Selbst des Raum-Äthers annehmend, in den Himmel.« Ruben, Beginn der Philosophie in Indien, S. 148f

Oder:

»Er soll so das Selbst verehren: Verstand ist sein Stoff, der Hauch sein Leib, Glanz seine Erscheinungsform, der Äther [der Raum] sein Selbst. Es wandelt nach Belieben seine Gestalt, ist schnell wie der Geist, ist wahrhaften Entschlusses, wahrhaften Verhaltens, voll jeglichen Geruches und voll jeglichen Geschmackes, nach allen Himmelsrichtungen sich weitend, alles erfüllend, wortlos, achtlos. Wie ein Reis- oder Gersten- oder Hirsekorn oder eines Hirsekorns Korn, ist im Innern der Purusha [das Selbst], golden wie ein rauchloses Licht, grösser als der Himmel, grösser als der Luftraum, grösser als die Erde, grösser als alle Wesen. Es ist das Selbst des Hauches, es ist mein Selbst.« Upanishaden, München 2003, S. 40

Die Naivität ist zugleich geniale Ahnung der Einheit der Natur. Das 'Geist-Atom' (purusha bedeutet Geist und Mann), das zugleich das Raum-Atom ist, ist kleiner als das Kleinste und grösser als das Grösste. Mensch und Natur sind Eins. Aber genau diese geniale Naivität, wie wir sie auch bei Thales oder Hesiod finden, hat eine Entwicklung der indischen Philosophie verhindert. Erst die Trennung von Form und Stoff, Geist und Materie, konnte einen Platon und Aristoteles hervorbringen.

Kr.1.6.189b16-29

»Also drei Grundprinzipien anzunehmen, dürfte bei dieser und anderer derartiger Erwägung einen Grund für sich zu haben scheinen ... 27 Dass es also weder bloss ein Grundwesen ist, noch mehr als zwei oder drei, ist augenfällig; eben aber, ob zwei oder drei, bietet, wie wir sagten, viele Schwierigkeiten dar.« [P37]


1. bzw. eine schlechte über den Äther in der Ar zugeschriebenen Schrift Über die Welt oder in den drei Büchern Über den Himmel. In der vorliegenden Arbeit untersucht Aristoteles den Raum in zwei Nebensätzen bei seiner Untersuchung des topos im vierten Buch

2. Geschähe das Unvorstellbare, aber rein theoretisch Mögliche, und die Materie würde in einem bestimmten Bereich vom Leeren getrennt, so, dass nur das Leere ohne Materie übrigbliebe, dann müssten, um das Bild von Descartes zu gebrauchen: In einem Gefäss, in dem ein Leeres hergestellt würde »die Wände des Gefässes sich dann berühren« (Prinzipien der Philosophie 2,18). Denn die Materie des Universums lastete auf einem dergestalt getrennten Stück Leeren und würde die Lücke sofort wieder schliessen, mit unendlicher Gewalt von aussen drücken. So dumm waren die Alten mit ihrem horror vacui nicht.

3. Wenn es endlich grosse Materieteilchen gibt, die mühelos durch den ganzen Erdball fliegen, wie wollen wir da das unendlich Kleine messen? Ich traue mich zwar nicht, mein Seelchen auf die ganze Welt zu erstrecken, um mir meiner Bedeutung gewiss zu sein, aber ich traue mich, zu denken, dass es Dinge gibt, die meine Sinne nicht wahrnehmen.

4. 2006: Der »Atomismsus« vieler Physikideologen ist so geistreich wie die Auslassungen vieler »Evolutions-Theoretiker«, denen es stets wieder gelingt, hinter den bewusstlos wirkenden Naturgesetzen ein »geistiges« Prinzip zu finden. Da wird zwar oft das Wort »Atom« in den Mund genommen, aber im selben Atemzug wird das Atom, der Stoff, munter mit der Grenze des Atoms, der Form, konfundiert, als sei es völlig unerheblich, das Ausgedehnte als nicht ausgedeht, oder das Nicht-Ausgedehnte als ausgedehnt zu betrachten. Das ist im besten Fall Dummheit, im schlechtesten Arglist, im Normalfall die Verhimmelung der Form gegen den Stoff, Auftragsdenken.

5. »träge« hier im umgangssprachlichen Sinn als »behäbig, langsam«

6. 2006: »... Dagegen sieht die Lehre von der Vermittlung der Kraft die Sache in folgender Weise an: Die Planeten werden gegen die Sonne gezogen, weil sie sich in einem Raum befinden, der vermöge eines eigenthümlichen Zustandes, in den er versetzt ist, sie gegen die Sonne treibt. Welcher Art dieser Zustand ist, ob eine Störung, eine Spannung, was sonst herrscht, bleibt vorläufig offen ... Der Raum wird in diesen Zustand geworfen durch die Sonne, nicht durch Fernwirkung, sondern durch Wirkung von Theilchen zu Theilchen. Und zwar bringt danach die Sonne nicht bloss denjenigen Raum in diesen Zustand, in welchem Planenten sich befinden, sondern allen Raum, und zwar nicht nur dann, wenn überhaupt Planenten vorhanden sind, sondern wenn es gar keine gäbe, so wäre die Gravitationswirkung der Sonne nicht anders als sie gegenwärtig ist.« Hertz (2), S. 61f

7. In der Naturphilosophie ist Wohltat, was in der Physik zur Plage wird: Die unendlich kleinen Teilchen und Wege und die unendlich grosse Geschwindigkeit oder der unendlich grosse Raum erleichtern die gedankliche Bewältigung des Stoffs, entziehen sich aber (noch?) der experimentellen Prüfung.

8. Die Trinität, der dreieinige Gott, ist das zentrale Dogma der christlichen Theologie. Vater, Sohn und Heiliger Geist sind die drei Personen Gottes in Personalunion (vgl. Thomas I, Fr. 27-43 ). 'Fleisch' ist der Name Jesu bei den Theologen. Fleisch ist der Beleg, dass Gott oder das Leere die Materie kraft seines Pneuma bewegen kann. Heiliger Geist ist das Pneuma, griech. der Hauch, sanskrit atman, der Atem oder die Seele bzw. brahman, die Weltseele, ein energetisch-pantheistisches Prinzip, das als Mittler zwischen Geist und Fleisch die ganze Welt durchwirkt. Die Griechen nahmen das etwas lockerer als wir, aber nicht ganz so locker wie die Inder. Bei den Griechen ist der Vater der Götter und Menschen ein sinnenfroher und sinnhafter Gott, der hin und wieder das häusliche Schlafgemach verlässt und auf der Erde mit dem dafür vorgesehenen Organ hübsche Mädchen schwängert, die ihm dann Halbgötter gebären. Wieder im Olymp angekommen, setzt es für jede Eskapade eine gehörige Gardinenpredigt seiner Gemahlin Hera mit Ehekrach und allem, was dazugehört. Der sinn-lose und leere Gott der Theologen dagegen zeugt mit seinem Pneuma das Fleisch. Dafür ist Fleisch nun kein Halbgott, sondern ein Ganzgott. Aber ab nun hatten die Hüter des Glaubens mit der Fleischfrage zu tun. Fleisch ist Materie, und Materie ist vom Übel. Alles, was im entferntesten nach Materie riecht, kommt nun entweder direkt auf den Scheiterhaufen oder auf den Index. Demokrit nimmt nochmal eine Sonderstellung ein. Er wird jeden Tag erneut hingerichtet, damit das Plagiat nicht auffliegt. Da das mit der Zeit peinlich wird, versucht Thomas, mit der Vernunft zu schlichten und macht gegen Aristoteles aus dem göttlichen Wesen aus Stoff und Form einen Gott, der nur Form ist. Folglich muss Jesus zum Formfleisch werden. Da diesem Fleisch aber immer noch ein Rest Materie anhaftet, wird es zum Geistfleisch ausgebeint. Der Stoff wird zur Form. Das 3d-Ausgedehnte wird zum 2d-Ausgedehnten. Und da die Gleichung 2d-Ausgedehnt = Immateriell = Ideell bei der Form so gut funktioniert, wird sie auf 3d-Immateriell = Ideell verkürzt, in der Hoffnung, dass niemand den Schwindel bemerkt, dass ein 3d-Immaterielles Stoff und Stoff nicht ideell ist.
Bei Thomas bereitet es noch ein gewisses intellektuelles Vergnügen zu studieren, wie einer Gott mit der Vernunft erklären will. Der Stoff-Frage entzieht sich Thomas jedoch auch, indem er Gott zwar sämtliche Attribute des Leeren beimisst, aber seine Ausdehnung negiert und ihn zur Form macht.