6. Kapitel. Die Zirkulationskosten | Inhalt | 8. Kapitel. Fixes Kapital und zirkulierendes Kapital

Seitenzahlen verweisen auf: Karl Marx - Friedrich Engels - Werke, Band 24, "Das Kapital", Bd. II, 2. Abschnitt, S. 154 - 157 Dietz Verlag, Berlin/DDR 1963

Zweiter Abschnitt Der Umschlag des Kapitals

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SIEBENTES KAPITEL Umschlagszeit und Umschlagszahl

<154> Man hat gesehn: Die gesamte Zirkulationszeit eines gegebnen Kapitals ist gleich der Summe seiner Umlaufszeit und seiner Produktionszeit. Es ist der Zeitabschnitt von dem Augenblick des Vorschusses des Kapitalwerts in einer bestimmten Form bis zur Rückkehr des prozessierenden Kapitalwerts in derselben Form.

Der bestimmende Zweck der kapitalistischen Produktion ist stets Verwertung des vorgeschoßnen Werts, ob dieser Wert nun in seiner selbständigen Form, d.h. in der Geldform vorgeschossen sei, oder in Ware, so daß seine Wertform im Preis der vorgeschoßnen Waren nur ideelle Selbständigkeit besitzt. In beiden Fällen durchläuft dieser Kapitalwert während seines Kreislaufs verschiedne Existenzformen. Seine Identität mit sich selbst wird konstatiert in den Büchern des Kapitalisten oder in der Form des Rechengelds.

Ob wir die Form G ... G´ nehmen oder die Form P ... P, beide Formen schließen ein, 1. daß der vorgeschoßne Wert als Kapitalwert fungiert und sich verwertet hat; 2. daß er zu der Form, worin er seinen Prozeß begann, nach Beschreibung desselben zurückgekehrt ist. Die Verwertung des vorgeschoßnen Werts G und zugleich die Rückkehr des Kapitals zu dieser Form (der Geldform) ist handgreiflich sichtbar in G ... G´. Aber dasselbe findet in der zweiten Form statt. Denn der Ausgangspunkt von P ist das Vorhandensein der Produktionselemente, Waren von gegebnem Wert. Die Form schließt die Verwertung dieses Werts ein (W´   und G´) und die Rückkehr zu der ursprünglichen Form, denn im zweiten P besitzt der vorgeschoßne Wert wieder die Form der Produktionselemente, worin er ursprünglich vorgeschossen war.

<155> Man hat früher gesehn: "Hat die Produktion kapitalistische Form, so die Reproduktion. Wie in der kapitalistischen Produktionsweise der Arbeitsprozeß nur als ein Mittel für den Verwertungsprozeß erscheint, so die Reproduktion nur als ein Mittel, den vorgeschoßnen Wert als Kapital zu reproduzieren, d.h. als sich verwertenden Wert." (Buch I, Kap. XXI, S. 588. <Siehe Band 23, S. 591>)

Die drei Formen I) G ... G´, II) P ... P und III) W´ ... W´  unterscheiden sich dadurch: In Form II (P ... P) ist die Wiedererneurung des Prozesses, der Reproduktionsprozeß, als wirklich, in Form I aber nur der Möglichkeit nach ausgedrückt. Aber beide unterscheiden sich dadurch von Form III, daß der vorgeschoßne Kapitalwert - sei es als Geld, sei es in der Gestalt der stofflichen Produktionselemente - den Ausgangspunkt bildet und daher auch den Punkt der Rückkehr. In G ... G´ ist die Rückkehr G´ = G + g. Wird der Prozeß auf derselben Stufenleiter erneuert, so bildet G wieder den Ausgangspunkt und g geht nicht in ihn ein, sondern zeigt uns nur, daß G sich als Kapital verwertet und daher einen Mehrwert g erzeugt, aber von sich abgestoßen hat. In der Form P ... P bildet der in der Form der Produktionselemente P vorgeschoßne Kapitalwert ebenfalls den Ausgangspunkt Die Form schließt seine Verwertung ein. Findet einfache Reproduktion statt, so fängt derselbe Kapitalwert, in derselben Form P, seinen Prozeß von neuem an. Findet Akkumulation statt, so eröffnet P´ (der Wertgröße nach W´) jetzt als vergrößerter Kapitalwert den Prozeß. Aber er beginnt wieder mit dem vorgeschoßnen Kapitalwert in der anfänglichen Form, wenn auch mit größrem Kapitalwert als vorher. Dagegen in Form III beginnt der Kapitalwert nicht als vorgeschoßner den Prozeß, sondern als bereits verwerteter, als der gesamte in der Form von Waren befindliche Reichtum, wovon der vorgeschoßne Kapitalwert nur ein Teil. Die letztre Form ist wichtig für den dritten Abschnitt, wo die Bewegung der Einzelkapitale im Zusammenhang mit der Bewegung des gesellschaftlichen Gesamtkapitals aufgefaßt wird. Sie ist dagegen nicht zu benutzen für den Umschlag des Kapitals, der stets beginnt mit dem Vorschuß von Kapitalwert, sei es in Form von Geld oder Ware, und stets die Rückkehr des kreisenden Kapitalwerts bedingt in der Form, worin er vorgeschossen war. Von den Kreisläufen I und II ist der erstre festzuhalten, soweit hauptsächlich der Einfluß des Umschlags auf Mehrwertbildung ins Auge gefaßt wird; der zweite, so weit sein Einfluß auf Produktbildung.

So wenig die Ökonomen die verschiednen Formen der Kreisläufe geschieden, so wenig haben sie dieselben mit Bezug auf den Umschlag des <156> Kapitals getrennt betrachtet. Gewöhnlich wird die Form G ... G´ genommen, weil sie den einzelnen Kapitalisten beherrscht und ihm bei seiner Rechnung dient, selbst wenn das Geld nur in der Gestalt des Rechengelds Ausgangspunkt bildet. Andre gehn von der Auslage in Form der Produktionselemente aus, bis Rückfluß erfolgt, wobei von der Form des Rückflusses, ob in Ware oder Geld, gar nicht die Rede. z. B.:

"Der ökonomische Zyklus, ... d.h. der ganze Verlauf der Produktion, von der Zeit, wo die Auslage gemacht wird, bis der Rückfluß erfolgt ist." (Economic Cycle, ... the whole course of production, from the time that outlays are made till returns are received. In agriculture seedtime is its commencement, and harvesting its ending. <... Im Ackerbau ist die Zeit der Aussaat sein Anfang und die Ernte sein Ende.> - S. P. Newman, "Elements of Pol. Econ.", Andover and New York, p. 81.)

Andre beginnen mit W´  (III. Form):

"Die Welt des Produktionsverkehrs kann angesehn werden als umlaufend in einem Kreise, den wir einen ökonomischen Zyklus nennen wollen, und worin sie je einen Umlauf vollbracht hat, sobald das Geschäft, nach Vollzug seiner sukzessiven Transaktionen, wieder ankommt bei dem Punkt, wovon es ausgegangen. Der Anfang kann datiert werden von dem Punkt, wo der Kapitalist die Eingänge erhalten hat, vermittelst deren ihm sein Kapital zurückfließt; von welchem Punkt an er von neuem dazu schreitet, seine Arbeiter anzuwerben und ihnen ihren Unterhalt, oder vielmehr die Macht, ihn anzuschaffen, in Arbeitslohn auszuteilen; von ihnen die Artikel fertiggestellt zu erhalten, in denen er macht; diese Artikel auf den Markt zu bringen und dort den Kreislauf dieser einen Reihe von Bewegungen zum Abschluß zu bringen, indem er verkauft und im Erlös der Ware eine Wiedererstattung seiner ganzen Kapitalauslage empfängt." Th. Chalmers, "On Pol. Econ.", 2nd ed., Glasgow 1832, p. 85.)

Sobald der gesamte Kapitalwert, den ein individueller Kapitalist in einem beliebigen Produktionszweig anlegt, den Kreislauf seiner Bewegung beschrieben hat, befindet er sich wieder in seiner Anfangsform und kann nun denselben Prozeß wiederholen. Er muß ihn wiederholen, soll der Wert sich als Kapitalwert verewigen und verwerten. Der einzelne Kreislauf bildet im Leben des Kapitals nur einen Abschnitt, der sich beständig wiederholt, also eine Periode. Am Abschluß der Periode G ... G´ befindet sich das Kapital wieder in der Form des Geldkapitals, das die Reihe der Formverwandlungen, worin sein Reproduktions- resp. Verwertungsprozeß einbegriffen ist, von neuem durchläuft. Beim Abschluß der Periode P ... P befindet das Kapital sich wieder in der Form der Produktionselemente, welche die Voraussetzung seines erneuerten Kreislaufs bilden. Der Kreislauf des Kapitals, nicht als vereinzelter Vorgang, sondern als periodischer Prozeß <157> bestimmt, heißt sein Umschlag. Die Dauer dieses Umschlags ist gegeben durch die Summe seiner Produktionszeit und seiner Umlaufszeit. Diese Zeitsumme bildet die Umschlagszeit des Kapitals. Sie mißt daher den Zwischenraum zwischen einer Kreislaufsperiode des gesamten Kapitalwerts und der nächstfolgenden; die Periodizität im Lebensprozeß des Kapitals, oder wenn man will, die Zeit der Erneuerung, Wiederholung des Verwertungs- resp. Produktionsprozesses desselben Kapitalwerts.

Abgesehn von den individuellen Abenteuern, die für ein einzelnes Kapital die Umschlagszeit beschleunigen oder abkürzen mögen, ist die Umschlagszeit der Kapitale verschieden je nach ihren verschiednen Anlagesphären.

Wie der Arbeitstag die natürliche Maßeinheit für die Funktion der Arbeitskraft, bildet das Jahr die natürliche Maßeinheit für die Umschläge des prozessierenden Kapitals. Die Naturbasis dieser Maßeinheit liegt darin, daß die wichtigsten Erdfrüchte der gemäßigten Zone, welche das Mutterland der kapitalistischen Produktion ist, jährliche Produkte sind.

Nennen wir das Jahr als Maßeinheit der Umschlagszeit U, die Umschlagszeit eines bestimmten Kapitals u, die Anzahl seiner Umschläge n, so ist n = U/ u. Beträgt also z. B. die Umschlagszeit u 3 Monate, so n = 12/4; das Kapital vollzieht 4 Umschläge im Jahr oder schlägt viermal um. Ist u = 18 Monate, so n 12/18 = 2/3 oder das Kapital legt in einem Jahr nur 2/ 3 seiner Umschlagszeit zurück. Beträgt seine Umschlagszeit mehrere Jahre, so wird sie also nach Vielfachen eines Jahres berechnet.

Für den Kapitalisten ist die Umschlagszeit seines Kapitals die Zeit, wahrend deren er sein Kapital vorschießen muß, um es zu verwerten und in der ursprünglichen Gestalt zurückzuerhalten.

Bevor wir den Einfluß des Umschlags auf den Produktions- und Verwertungsprozeß näher untersuchen, sind zwei neue Formen zu betrachten, die dem Kapital aus dem Zirkulationsprozeß anschießen und auf die Form seines Umschlags einwirken.