]> Das Kapital II - I. Die Metamorphosen des Kapitals und ihr Kreislauf

[Vorwort zur zweiten Auflage] | Inhalt | 2. Kapitel. Der Kreislauf des produktiven Kapitals

Seitenzahlen verweisen auf: Karl Marx - Friedrich Engels - Werke, Band 24, "Das Kapital", Bd. II, 1. Abschnitt, S. 31 - 68 Dietz Verlag, Berlin/DDR 1963

Zweites Buch Der Zirkulationsprozeß des Kapitals

Erster Abschnitt Die Metamorphosen des Kapitals und ihr Kreislauf

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ERSTES KAPITEL Der Kreislauf des Geldkapitals

<31> Der Kreislaufsprozeß (1) des Kapitals geht vor sich in drei Stadien, welche, nach der Darstellung des ersten Bandes, folgende Reihe bilden:

Erstes Stadium: Der Kapitalist erscheint auf dem Warenmarkt und Arbeitsmarkt als Käufer; sein Geld wird in Ware umgesetzt oder macht den Zirkulationsakt G - W durch.

Zweites Stadium: Produktive Konsumtion der gekauften Waren durch den Kapitalisten. Er wirkt als kapitalistischer Warenproduzent; sein Kapital macht den Produktionsprozeß durch. Das Resultat ist: Ware von mehr Wert als dem ihrer Produktionselemente.

Drittes Stadium: Der Kapitalist kehrt zum Markt zurück als Verkäufer; seine Ware wird in Geld umgesetzt oder macht den Zirkulationsakt W G durch.

Die Formel für den Kreislauf des Geldkapitals ist also:
G - W ... P ... W´ - G´, wo die Punkte andeuten, daß der Zirkulationsprozeß unterbrochen ist, und W´  wie G´  ein durch Mehrwert vermehrtes W und G bezeichnen.

Das erste und dritte Stadium wurden im ersten Buch nur erörtert, soweit dies nötig für das Verständnis des zweiten Stadiums, den Produktionsprozeß des Kapitals. Die verschiednen Formen, worin das Kapital in seinen verschiednen Stadien sich kleidet, und die es bei wiederholtem Kreislauf bald annimmt, bald abstreift, blieben daher unberücksichtigt. Sie bilden jetzt den nächsten Gegenstand der Untersuchung.

<32> Um die Formen rein aufzufassen, ist zunächst von allen Momenten zu abstrahieren, die mit dem Formwechsel und der Formbildung als solchen nichts zu tun haben. Daher wird hier angenommen, nicht nur, daß die Waren zu ihren Werten verkauft werden, sondern auch, daß dies unter gleichbleibenden Umständen geschieht. Es wird also auch abgesehn von den Wertveränderungen, die während des Kreislaufsprozesses eintreten können.

I. Erstes Stadium. G - W(2)

G - W stellt den Umsatz einer Geldsumme in eine Summe von Waren dar; für den Käufer Verwandlung seines Geldes in Ware, für die Verkäufer Verwandlung ihrer Waren in Geld. Was aus diesem Vorgang der allgemeinen Warenzirkulation zugleich einen funktionell bestimmten Abschnitt im selbständigen Kreislauf eines individuellen Kapitals macht, ist zunächst nicht die Form des Vorgangs, sondern sein stofflicher Gehalt, der spezifische Gebrauchscharakter der Waren, welche den Platz mit dem Gelde wechseln. Es sind einerseits Produktionsmittel, andrerseits Arbeitskraft, sachliche und persönliche Faktoren der Warenproduktion, deren besondre Art natürlich der Sorte des herzustellenden Artikels entsprechen muß. Nennen wir die Arbeitskraft A, die Produktionsmittel Pm, so ist die zu kaufende Warensumme W = A + Pm, oder kürzer W <APm. G - W, seinem Inhalt nach betrachtet, stellt sich also dar als G - W <APm; d.h. G - W zerfällt in G - A und G - Pm; die Geldsumme G spaltet sich in zwei Teile, wovon der eine Arbeitskraft, der andre Produktionsmittel kauft. Diese beiden Reihen von Käufen gehören ganz und gar verschiednen Märkten an, die eine dem eigentlichen Warenmarkt, die andre dem Arbeitsmarkt.

Aus der Sicht des Kapitalisten müssen die auf den beiden Märkten eingekauften Waren in einer bestimmten Proportion zueinander stehen, die ihrer späteren Funktion im hier als täglich 8stündig angedeuteten Produktionsprozess so genau wie möglich entspricht.

Außer dieser qualitativen Spaltung der Warensumme, worin G umgesetzt wird, stellt G - W <APmaber noch ein höchst charakteristisches quantitatives Verhältnis dar.

Wir wissen, daß der Wert, resp. Preis der Arbeitskraft ihrem Inhaber, der sie als Ware feilhält, in der Form von Arbeitslohn bezahlt wird, d.h. als Preis einer Arbeitssumme, die Mehrarbeit enthält; so daß, wenn z. B. der Tageswert der Arbeitskraft = 3 Mark, dem Produkt fünfstündiger Arbeit, diese Summe in dem Kontrakt zwischen Käufer und Verkäufer figuriert als der Preis oder Lohn, sage für zehnstündige Arbeit. Wurde ein solcher Kontrakt z. B. mit 50 Arbeitern geschlossen, so haben sie zusammen dem Käufer <33> während eines Tages 500 Arbeitsstunden zu liefern, wovon die Hälfte, 250 Arbeitsstunden = 25 zehnstündigen Arbeitstagen, bloß aus Mehrarbeit besteht. Quantum wie Umfang der zu kaufenden Produktionsmittel müssen hinreichen zur Anwendung dieser Arbeitsmasse.

Aus der Sicht des Arbeiters wird die Lücke oben rechts von v in den Märkten von v und c geschlossen, indem der Arbeiter v + m in Zeit gibt und dafür v in Geld erhält. Dafür hat nun die Gleichung Zeit = Geld für den Arbeiter dieselbe Lücke, die im obigen Bild der Kapitalist über c hat. Diese beiden Lücken sind der Motor des asozialen und des sozialen Kapitalismus. Denn ebenso wie die Natur das Leere, so fürchten Arbeiter und Kapitalist die Lücke. Und ebenso wie die Natur ohne das Leere nicht ist, so der soziale oder der asoziale Kapitalismus nicht ohne den Mehrwert.

G - W <APm drückt also nicht nur das qualitative Verhältnis aus, daß eine bestimmte Geldsumme, z. B. 422 Pfd.St., in einander entsprechende Produktionsmittel und Arbeitskraft umgesetzt wird, sondern auch ein quantitatives Verhältnis zwischen den in Arbeitskraft A und den in Produktionsmitteln Pm ausgelegten Teilen des Geldes, ein Verhältnis, von vornherein bestimmt durch die Summe der von einer bestimmten Arbeiterzahl zu verausgabenden überschüssigen Mehrarbeit.

Wenn also z. B. in einer Spinnerei der Wochenlohn der 50 Arbeiter 50 Pfd.St. beträgt, müssen 372 Pfd.St. in Produktionsmitteln verausgabt werden, falls dies der Wert der Produktionsmittel, welche die Wochenarbeit von 3.000 Stunden, wovon 1.500 Stunden Mehrarbeit, in Garn verwandelt.

Wieweit in verschiednen Industriezweigen die Anwendung zuschüssiger Arbeit einen Wertzuschuß in der Form von Produktionsmitteln bedingt, ist hier ganz gleichgültig. Es handelt sich nur darum, daß unter allen Umständen der in Produktionsmitteln verausgabte Teil des Geldes - die in G - Pm gekauften Produktionsmittel - hinreichen, also von vornherein darauf berechnet, in entsprechender Proportion beschafft sein müssen. Oder die Masse der Produktionsmittel muß hinreichen, um die Arbeitsmasse zu absorbieren, um durch sie in Produkt verwandelt zu werden. Wären nicht hinreichend Produktionsmittel vorhanden, so wäre die überschüssige Arbeit, über die der Käufer verfügt, nicht verwendbar; sein Verfügungsrecht darüber führte zu nichts. Wären mehr Produktionsmittel vorhanden als verfügbare Arbeit, so blieben sie ungesättigt mit Arbeit, würden nicht in Produkt verwandelt.

Sobald G - W <APmvollzogen, verfügt der Käufer nicht nur über die zur Produktion eines nützlichen Artikels nötigen Produktionsmittel und Arbeitskraft. Er verfügt über eine größere Flüssigmachung der Arbeitskraft, oder größeres Quantum Arbeit, als zum Ersatz des Werts der Arbeitskraft nötig, und zugleich über die Produktionsmittel, erheischt zur Verwirklichung oder Vergegenständlichung dieser Arbeitssumme: er verfügt also über die Faktoren der Produktion von Artikeln von größerem Wert als dem ihrer Produktionselemente, oder einer Mehrwert enthaltenden Warenmasse. Der von ihm in Geldform vorgeschoßne Wert befindet sich also jetzt in einer Naturalform, worin er als Mehrwert (in Gestalt von Waren) heckender Wert verwirklicht werden kann. In andern Worten: er befindet sich in dem <34> Zustand oder der Form von produktivem Kapital, welches die Fähigkeit hat, als Wert und Mehrwert schaffend zu fungieren. Kapital in dieser Form heiße P.

Das produktive Kapital P = v + c in Geld schließt seine Lücke m im Arbeitsmarkt, indem es für v + m nur v bezahlt. Denn v + m ist keine Ware im üblichen Sinn, sondern ein Kredit, den der Arbeiter seinem Kapitalisten gewährt. Dessen monatliche Tilgungsrate ist v. Die jährliche Zinsabrechnung ist der Gegenstand des zweiten Bandes des »Kapital«. Dass hier die Begriffe Kredit, Zins und Tilgung benutzt werden, die Marx erst im dritten Band des »Kapital« untersuchen wird, wird dort seine Berechtigung erfahren. Sie können hier im umgangssprachlichen (nicht im finanzmathematischen) Sinn genommen werden, dass der Geber das wieder zurückhaben will, was er dem Nehmer gegeben hat.

Der Wert von P ist aber = Wert von A + Pm, = dem in A und Pm umgesetzten G. G ist derselbe Kapitalwert wie P, nur in verschiedner Existenzweise, nämlich Kapitalwert in Geldzustand oder Geldform - Geldkapital.

G - W <APmoder seiner allgemeinen Form nach G - W, Summe von Warenkäufen, dieser Vorgang der allgemeinen Warenzirkulation ist daher zugleich, als Stadium im selbständigen Kreislaufsprozeß des Kapitals, Verwandlung des Kapitalwerts aus seiner Geldform in seine produktive Form, oder kürzer Verwandlung von Geldkapital in produktives Kapital. In der hier zunächst betrachteten Figur des Kreislaufs erscheint also Geld als der erste Träger des Kapitalwerts, daher Geldkapital als die Form, worin das Kapital vorgeschossen wird.

Als Geldkapital befindet es sich in einem Zustand, worin es Geldfunktionen vollziehen kann, wie im vorliegenden Fall die Funktionen des allgemeinen Kaufmittels und des allgemeinen Zahlungsmittels. (Letztres, sofern die Arbeitskraft zwar zuerst gekauft, aber erst gezahlt wird, nachdem sie gewirkt hat. Soweit die Produktionsmittel nicht fertig auf dem Markt vorhanden, sondern erst zu bestellen sind, wirkt das Geld bei G - Pm ebenfalls als Zahlungsmittel.) Diese Fähigkeit entspringt nicht daraus, daß das Geldkapital Kapital, sondern daraus, daß es Geld ist.

Andrerseits kann der Kapitalwert im Geldzustand auch nur Geldfunktionen, und keine andern, verrichten. Was diese letztren zu Kapitalfunktionen macht, ist ihre bestimmte Rolle in der Bewegung des Kapitals, daher auch der Zusammenhang des Stadiums, worin sie erscheinen, mit den andern Stadien seines Kreislaufs. z. B. im Fall, der uns zunächst vorliegt, wird Geld umgesetzt in Waren, deren Verbindung die Naturalform des produktiven Kapitals bildet, die also latent, der Möglichkeit nach, bereits das Resultat des kapitalistischen Produktionsprozesses in sich birgt.

Ein Teil des Geldes, welches in G - W <APmdie Funktion von Geldkapital verrichtet, geht durch die Vollziehung dieser Zirkulation selbst in eine Funktion über, worin sein Kapitalcharakter verschwindet und sein Geldcharakter bleibt. Die Zirkulation des Geldkapitals G zerfällt in G - Pm und G - A, Kauf von Produktionsmitteln und Kauf von Arbeitskraft. Betrachten wir den letztem Vorgang für sich. G - A ist Kauf von Arbeitskraft seitens des Kapitalisten; es ist Verkauf der Arbeitskraft - wir können hier sagen der Arbeit, da die Form des Arbeitslohns vorausgesetzt - von seiten des Arbeiters, des Inhabers der Arbeitskraft. Was für den Käufer G - W (= G - A), ist hier, wie bei jedem Kauf, für den Verkäufer (den Arbeiter) A - G (= W - G), <35> Verkauf seiner Arbeitskraft. Dies ist das erste Zirkulationsstadium oder die erste Metamorphose der Ware (Buch I, Kap. III, 2a); es ist, seitens des Verkäufers der Arbeit, Verwandlung seiner Ware in ihre Geldform. Das so erhaltne Geld verausgabt der Arbeiter nach und nach in einer Summe von Waren, die seine Bedürfnisse befriedigen, in Konsumtionsartikeln. Die Gesamtzirkulation seiner Ware stellt sich also dar als A - G - W, d.h. erstens A - G (= W - G) und zweitens G - W, also in der allgemeinen Form der einfachen Warenzirkulation W - G - W, wo das Geld als bloßes verschwinden des Zirkulationsmittel, als bloßer Vermittler des Umsatzes von Ware gegen Ware figuriert.

Der Arbeiter setzt das in seinem Besitz befindliche v in Geld in einen gleichwertigen Waren-Berg aus c+v+m um, den er den Kapitalisten abkauft. Da v am Ende des Monats aufgebraucht ist, beginnt die gleiche Prozedur im nächsten Monat nach Erhalt des Mindestlohns v von vorn. Hier werden Äquivalente ausgetauscht (../me23/me23_331.html#S335).

G - A ist das charakteristische Moment der Verwandlung von Geldkapital in produktives Kapital, weil es die wesentliche Bedingung, damit der in Geldform vorgeschoßne Wert sich wirklich in Kapital, in Mehrwert produzierenden Wert verwandle. G - Pm ist nur notwendig, um die durch G - A gekaufte Arbeitsmasse zu realisieren. G - A wurde daher von diesem Gesichtspunkt aus dargestellt in Buch I, Abschn. II, Verwandlung von Geld in Kapital. Die Sache ist hier noch von einem andern Gesichtspunkt aus zu betrachten, mit speziellem Bezug auf das Geldkapital als Erscheinungsform des Kapitals.

G - A wird allgemein als charakteristisch angesehn für die kapitalistische Produktionsweise. Aber keineswegs aus dem angegebnen Grund, weil der Kauf der Arbeitskraft ein Kaufkontrakt ist, worin die Lieferung eines größern Quantums Arbeit bedungen wird, als zum Ersatz des Preises der Arbeitskraft, des Arbeitslohns, nötig ist; also Lieferung von Mehrarbeit, die Grundbedingung für die Kapitalisation des vorgeschoßnen Werts, oder was dasselbe, für Produktion von Mehrwert. Sondern vielmehr seiner Form halber, weil in der Form des Arbeitslohns mit Geld Arbeit gekauft wird, und dies gilt als Merkmal der Geldwirtschaft.

Hier ist es wieder nicht das Irrationelle der Form, welches für charakteristisch gilt. Dies Irrationelle wird vielmehr übersehn. Das Irrationelle besteht darin, daß die Arbeit als wertbildendes Element selbst keinen Wert besitzen, also auch ein bestimmtes Quantum Arbeit keinen Wert haben kann, der sich in ihrem Preise ausdrückt, in ihrer Äquivalenz mit einem bestimmten Quantum Geld. Aber wir wissen, daß der Arbeitslohn bloß eine verkleidete Form ist, eine Form, worin z. B. der Tagespreis der Arbeitskraft sich als Preis der während eines Tages von dieser Arbeitskraft flüssig gemachten Arbeit darstellt, so daß also etwa der in 6 Stunden Arbeit von dieser Arbeitskraft produzierte Wert als Wert ihrer zwölfstündigen Funktion oder Arbeit ausgedrückt wird.

Ist die Arbeit das Maß, so ist sie wie jedes Maß vom zu Messenden ausgenommen. Daher muss, was der Kapitalist auf dem Arbeitsmarkt einkauft, etwas Anderes sein als Arbeit. Er kauft Zeit. Er kauft 12 Stunden, bezahlt aber nur 6 Stunden. Das Irrationelle ist, dass zwölf Stunden in Zeit mit nur sechs Stunden in Geld entlohnt werden. Der Wert der zwölfstündigen Arbeit ist ihr zwölfstündiges Äquivalent in Geld (nicht das sechsstündige, das durch 12 geteilt wird, der sog. Stundenlohn). Bei dieser Bestimmung spielt die Zweiteilung der zwöfstündigen Arbeit in Tilgung und Zins keine Rolle.

<36> G - A gilt als das Charakteristische, als die Signatur der sog. Geldwirtschaft, weil die Arbeit hier als Ware ihres Besitzers erscheint, das Geld daher als Käufer - also wegen des Geldverhältnisses (d.h. Kauf und Verkauf von menschlicher Tätigkeit). Nun aber erscheint das Geld schon sehr früh als Käufer sogenannter Dienste, ohne daß G sich in Geldkapital verwandelte oder der allgemeine Charakter der Wirtschaft umgewälzt würde.

Dem Geld ist es durchaus gleichgültig, in welche Sorte von Waren es verwandelt wird. Es ist die allgemeine Äquivalentform aller Waren, die in ihren Preisen schon zeigen, daß sie ideell eine bestimmte Geldsumme darstellen, ihre Verwandlung in Geld erwarten, und nur durch ihren Stellenwechsel mit Geld die Form erhalten, worin sie in Gebrauchswerte für ihre Besitzer umsetzbar sind. Findet sich also auf dem Markt die Arbeitskraft einmal als Ware ihres Besitzers vor, deren Verkauf unter der Form der Zahlung für Arbeit geschieht, in Gestalt des Arbeitslohns, so stellt ihr Kauf und Verkauf nichts Auffallenderes dar als der Kauf und Verkauf jeder andern Ware. Nicht, daß die Ware Arbeitskraft käuflich ist, sondern daß die Arbeitskraft als Ware erscheint, ist das Charakteristische.

Durch G - W<APm, die Verwandlung von Geldkapital in produktives Kapital, bewirkt der Kapitalist die Verbindung der gegenständlichen und persönlichen Faktoren der Produktion, soweit diese Faktoren aus Waren bestehn. Wird Geld zum ersten Mal in produktives Kapital verwandelt, oder fungiert es für seinen Besitzer zum ersten Mal als Geldkapital, so muß er erst die Produktionsmittel kaufen, Arbeitsgebäude, Maschinen etc., ehe er die Arbeitskraft kauft; denn sobald letztre in seine Botmäßigkeit übergeht, müssen die Produktionsmittel da sein, um sie als Arbeitskraft anwenden zu können.

So stellt sich die Sache von seiten des Kapitalisten dar.

Von seiten des Arbeiters: Die produktive Betätigung seiner Arbeitskraft wird erst möglich von dem Augenblick, wo sie infolge ihres Verkaufs in Verbindung mit den Produktionsmitteln gesetzt wird. Sie existiert also vor dem Verkauf getrennt von den Produktionsmitteln, von den gegenständlichen Bedingungen ihrer Betätigung. In diesem Zustand der Trennung kann sie weder direkt verwandt werden zur Produktion von Gebrauchswerten für ihren Besitzer, noch zur Produktion von Waren, von deren Verkauf dieser leben könnte. Sobald sie aber durch ihren Verkauf in Verbindung mit den Produktionsmitteln gesetzt ist, bildet sie einen Bestandteil des produktiven Kapitals ihres Käufers, ebensogut wie die Produktionsmittel.

Obgleich daher in dem Akt G - A Geldbesitzer und Arbeitskraftbesitzer sich nur als Käufer und Verkäufer zueinander verhalten, als Geldbesitzer <37> und Warenbesitzer einander gegenübertreten, sich also nach dieser Seite hin in bloßem Geldverhältnis zueinander befinden, - so tritt doch der Käufer von vornherein zugleich als Besitzer der Produktionsmittel auf, welche die gegenständlichen Bedingungen der produktiven Verausgabung der Arbeitskraft durch ihren Besitzer bilden. Mit andern Worten: diese Produktionsmittel treten dem Besitzer der Arbeitskraft gegenüber als fremdes Eigentum. Andrerseits steht der Verkäufer der Arbeit ihrem Käufer gegenüber als fremde Arbeitskraft, die in seine Botmäßigkeit übergehn, seinem Kapital einverleibt werden muß, damit dies wirklich als produktives Kapital sich betätige. Das Klassenverhältnis zwischen Kapitalist und Lohnarbeiter ist also schon vorhanden, schon vorausgesetzt, in dem Augenblick, wo beide in dem Akt G - A (A - G von Seiten des Arbeiters) sich gegenübertreten. Es ist Kauf und Verkauf, Geldverhältnis, aber ein Kauf und Verkauf, wo der Käufer als Kapitalist und der Verkäufer als Lohnarbeiter vorausgesetzt wird, und dies Verhältnis ist damit gegeben, daß die Bedingungen zur Verwirklichung der Arbeitskraft - Lebensmittel und Produktionsmittel - getrennt sind als fremdes Eigentum von dem Besitzer der Arbeitskraft.

Dagegen ist nichts einzuwenden, wenn das Volkseinkommen das Einkommen des Volkes ist, der Kapitalist also bei achtstündigem Arbeitstag statt vier Stunden acht Stunden zahlt. Aber ist das nicht dasselbe wie der Lassalle'sche »volle Arbeitsertrag«? Nein, denn das Volk vergisst nicht, dass es die Dummen und die Schlechten entlohnen muss, um in den Genuss ihrer Dienste zu gelangen. Der Kapitalist zahlt nicht, sondern er wird bezahlt.

Wie diese Trennung entsteht, beschäftigt uns hier nicht. Sie existiert, sobald G - A vollzogen wird. Was uns hier interessiert, ist: Wenn G - A als eine Funktion des Geldkapitals erscheint, oder Geld hier als Existenzform des Kapitals, so keineswegs bloß, weil das Geld hier auftritt als Zahlungsmittel für eine menschliche Tätigkeit, die einen Nutzeffekt hat, für einen Dienst; also keineswegs durch die Funktion des Geldes als Zahlungsmittel. Das Geld kann in dieser Form nur verausgabt werden, weil die Arbeitskraft im Zustand der Trennung von ihren Produktionsmitteln (einschließlich der Lebensmittel als Produktionsmittel der Arbeitskraft selbst) sich befindet; und weil diese Trennung nur dadurch aufgehoben wird, daß die Arbeitskraft an den Inhaber der Produktionsmittel verkauft wird; daß also auch die Flüssigmachung der Arbeitskraft, deren Grenzen keineswegs mit den Grenzen der zur Reproduktion ihres eignen Preises nötigen Arbeitsmasse zusammenfallen, dem Käufer gehört. Das Kapitalverhältnis während des Produktionsprozesses kommt nur heraus, weil es an sich im Zirkulationsakt existiert, in den unterschiednen ökonomischen Grundbedingungen, worin Käufer und Verkäufer sich gegenübertreten, in ihrem Klassenverhältnis. Es ist nicht das Geld, mit dessen Natur das Verhältnis gegeben ist; es ist vielmehr das Dasein dieses Verhältnisses, das eine bloße Geldfunktion in eine Kapitalfunktion verwandeln kann.

Bei Auffassung des Geldkapitals (wir haben mit diesem einstweilen nur zu tun innerhalb der bestimmten Funktion, in der es uns hier gegenüber- <38> tritt) laufen gewöhnlich zwei Irrtümer neben- oder durcheinander. Erstens: Die Funktionen, die der Kapitalwert als Geldkapital verrichtet, und die er eben verrichten kann, weil er sich in Geldform befindet, werden irrtümlich aus seinem Kapitalcharakter abgeleitet, während sie nur dem Geldzustand des Kapitalwerts geschuldet sind, seiner Erscheinungsform als Geld. Und zweitens umgekehrt: Der spezifische Gehalt der Geldfunktion, der sie zugleich zu einer Kapitalfunktion macht, wird aus der Natur des Geldes hergeleitet (Geld daher mit Kapital verwechselt), während sie gesellschaftliche Bedingungen voraussetzt, wie hier in Vollziehung von G - A, die in bloßer Waren- und entsprechender Geldzirkulation keineswegs gegeben sind.

Auch der Kauf und Verkauf von Sklaven ist seiner Form nach Warenkauf und -verkauf. Ohne Existenz der Sklaverei kann Geld aber nicht diese Funktion vollziehn. Ist Sklaverei da, so kann Geld im Ankauf von Sklaven ausgelegt werden. Umgekehrt reicht Geld in der Hand des Käufers keineswegs hin, um Sklaverei zu ermöglichen.

Daß der Verkauf der eignen Arbeitskraft (in der Form des Verkaufs der eignen Arbeit oder des Arbeitslohns) nicht als isolierte Erscheinung, sondern als gesellschaftlich maßgebende Voraussetzung der Produktion von Waren sich darstelle, daß also das Geldkapital auf gesellschaftlicher Stufenleiter die hier betrachtete Funktion G - W <APmvollziehe, - dies unterstellt historische Prozesse, durch welche die ursprüngliche Verbindung der Produktionsmittel mit der Arbeitskraft aufgelöst wurde; Prozesse, infolge deren die Masse des Volks, die Arbeiter, als Nichteigentümer und die Nichtarbeiter als Eigentümer dieser Produktionsmittel sich gegenüberstehn. Wobei es nichts zur Sache tut, ob die Verbindung vor ihrer Zersetzung die Form besaß, daß der Arbeiter selbst als Produktionsmittel zu den andern Produktionsmitteln gehörte, oder ob er deren Eigner war.

Der Tatbestand, der hier also dem Akt G - W <APm zugrunde liegt, ist die Verteilung; nicht die Verteilung im gewöhnlichen Sinn als Verteilung der Konsumtionsmittel, sondern die Verteilung der Elemente der Produktion selbst, von denen die gegenständlichen Faktoren auf der einen Seite konzentriert sind, die Arbeitskraft davon isoliert auf der andern.

Die Produktionsmittel, der gegenständliche Teil des produktiven Kapitals, müssen also dem Arbeiter schon als solche, als Kapital gegenüberstehn, bevor der Akt G - A ein allgemein gesellschaftlicher Akt werden kann.

Das Problem ist nicht die Trennung der Produktionsmittel vom eigentlichen Produzenten, das Problem ist, dass der Produzent Lohn empfängt, statt ihn zu zahlen. Das Eigentum an den Produktionsmitteln ist in den richtigen Händen, nämlich in denen des Kapitalisten. Er versteht, mit diesem Eigentum umzugehen. Dazu ist er da. Was nicht sein Eigentum ist, ist das Volkseinkommen. Das Volkseinkommen ist das Einkommen des Volkes. Es allein versteht, mit ihm umzugehen.

Wir haben früher <Siehe Band 23, 7. Abschnitt, S. 589-802> gesehn, daß die kapitalistische Produktion, einmal etabliert, in ihrer Entwicklung nicht nur diese Trennung reproduziert, <39> sondern sie auf stets größern Umfang erweitert, bis sie der allgemein herrschende gesellschaftliche Zustand geworden. Die Sache bietet aber noch eine andre Seite dar. Damit das Kapital sich bilden und sich der Produktion bemächtigen kann, ist eine gewisse Entwicklungsstufe des Handels vorausgesetzt, also auch der Warenzirkulation und damit der Warenproduktion; denn es können nicht Artikel als Waren in die Zirkulation eingehn, sofern sie nicht für den Verkauf, also als Waren, produziert werden. Als normaler, herrschender Charakter der Produktion erscheint die Warenproduktion aber erst auf Grundlage der kapitalistischen Produktion.

Die russischen Grundeigentümer, die infolge der sog. Bauernemanzipation ihre Landwirtschaft jetzt mit Lohnarbeitern statt mit leibeignen Zwangsarbeitern betreiben, klagen über zweierlei: Erstens über Mangel an Geldkapital. So heißt es z. B.: Bevor man die Ernte verkauft, habe man Lohnarbeitern in größerem Umfang zu zahlen, und da fehle es an der ersten Bedingung, an Barem. Kapital in der Form von Geld muß gerade zur Zahlung des Arbeitslohns beständig vorhanden sein, um die Produktion kapitalistisch zu betreiben. Doch darüber mögen sich die Grundbesitzer trösten. Mit der Zeit pflückt man Rosen, und verfügt der industrielle Kapitalist nicht nur über sein eignes Geld, sondern auch über l´argent des autres <das Geld der anderen>.

Charakteristischer aber ist die zweite Klage, nämlich: daß, wenn man auch Geld habe, man nicht in hinreichendem Umfang und zu beliebiger Zeit die zu kaufenden Arbeitskräfte disponibel finde, indem der russische Landarbeiter infolge des Gemeineigentums der Dorfgemeinde an Grund und Boden noch nicht völlig von seinen Produktionsmitteln getrennt, daher noch kein "freier Lohnarbeiter" im vollen Sinne des Worts ist. Aber das Vorhandensein des letztren auf gesellschaftlicher Stufenleiter ist unerläßliche Bedingung, damit G - W, Verwandlung von Geld in Ware, als Verwandlung von Geldkapital in produktives Kapital, darstellbar sei.

Es versteht sich daher von selbst, daß die Formel für den Kreislauf des Geldkapitals: G - W ... P ... W´ - G´  selbstverständliche Form des Kapitalkreislaufs nur auf Grundlage schon entwickelter kapitalistischer Produktion ist, weil sie das Vorhandensein der Lohnarbeiterklasse auf gesellschaftlicher Stufe voraussetzt. Die kapitalistische Produktion, wie wir gesehn, produziert nicht nur Ware und Mehrwert; sie reproduziert, und in stets erweitertem Umfang, die Klasse der Lohnarbeiter und verwandelt die ungeheure Majorität der unmittelbaren Produzenten in Lohnarbeiter. G - W ... P ... W´ - G´, da die erste Voraussetzung seines Verlaufs das beständige Vor- <40> handensein der Lohnarbeiterklasse, unterstellt daher schon das Kapital in der Form des produktiven Kapitals, und daher die Form des Kreislaufs des produktiven Kapitals.

II. Zweites Stadium. Funktion des produktiven Kapitals

Der hier betrachtete Kreislauf des Kapitals beginnt mit dem Zirkulationsakt G - W, der Verwandlung von Geld in Ware, Kauf. Die Zirkulation muß also ergänzt werden durch die entgegengesetzte Metamorphose W - G, Verwandlung von Ware in Geld, Verkauf. Aber das unmittelbare Resultat von G - W <APmist die Unterbrechung der Zirkulation des in Geldform vorgeschoßnen Kapitalwerts. Durch die Verwandlung von Geldkapital in produktives Kapital hat der Kapitalwert eine Naturalform erhalten, worin er nicht fortzirkulieren kann, sondern in die Konsumtion, nämlich in die produktive Konsumtion, eingehn muß. Der Gebrauch der Arbeitskraft, die Arbeit, kann nur im Arbeitsprozeß realisiert werden. Der Kapitalist kann den Arbeiter nicht wieder als Ware verkaufen, da dieser nicht sein Sklave ist, und jener weiter nichts gekauft hat, als die Vernutzung seiner Arbeitskraft auf bestimmte Zeit. Er kann andrerseits die Arbeitskraft nur vernutzen, indem er durch sie die Produktionsmittel als Warenbildner vernutzen läßt. Das Resultat des ersten Stadiums ist also der Eintritt in das zweite, das produktive Stadium des Kapitals.

Die Bewegung stellt sich dar als G - W <APm ... P, wo die Punkte andeuten, daß die Zirkulation des Kapitals unterbrochen ist, sein Kreislaufsprozeß aber fortdauert, indem es aus der Sphäre der Warenzirkulation in die Produktionssphäre eintritt. Das erste Stadium, die Verwandlung von Geldkapital in produktives Kapital, erscheint also nur als Vorläufer und Einleitungsphase des zweiten Stadiums, der Funktion des produktiven Kapitals.

G - W <APm setzt voraus, daß das Individuum, welches diesen Akt vollzieht, nicht nur über Werte in beliebiger Gebrauchsform verfügt, sondern daß es diese Werte in Geldform besitzt, daß es Geldbesitzer ist. Der Akt besteht aber gerade in der Weggabe des Geldes, und jener kann nur Geldbesitzer bleiben, soweit ihm das Geld implizite durch den Akt der Weggabe selbst zurückströmt. Geld kann ihm aber nur zurückfließen durch den Verkauf von Waren. Der Akt setzt ihn also voraus als Warenproduzenten.

G - A. Der Lohnarbeiter lebt nur vom Verkauf der Arbeitskraft. Ihre Erhaltung - seine Selbsterhaltung - erfordert tägliche Konsumtion. Seine <41>Zahlung muß also beständig in kürzern Terminen wiederholt werden, damit er die zu seiner Selbsterhaltung nötigen Einkäufe - den Akt A - G - W oder W - G - W - wiederholen kann. Der Kapitalist muß ihm daher beständig als Geldkapitalist (Kreditnehmer) und sein Kapital als Geldkapital (Tilgungsrate) gegenübertreten. Andrerseits aber, damit die Masse der unmittelbaren Produzenten, der Lohnarbeiter, den Akt A - G - W vollziehn könne, müssen ihr die notwendigen Lebensmittel in käuflicher, d.h. in Warenform, beständig gegenübertreten. Dieser Zustand erheischt also schon einen hohen Grad der Zirkulation der Produkte als Waren, also auch des Umfangs der Warenproduktion. Sobald die Produktion vermittelst Lohnarbeit allgemein, muß die Warenproduktion die allgemeine Form der Produktion sein. Diese als allgemein vorausgesetzt, bedingt ihrerseits eine stetig wachsende Teilung der gesellschaftlichen Arbeit, d.h. stets größre Besondrung des Produkts, das als Ware von einem bestimmten Kapitalisten produziert wird, stets größre Spaltung sich ergänzender Produktionsprozesse in verselbständigte. In demselben Grad wie G - A entwickelt sich daher G - Pm; d.h. in demselben Umfang trennt sich die Produktion der Produktionsmittel von der der Ware, deren Produktionsmittel sie sind, und treten diese jedem Warenproduzenten selbst als Waren gegenüber, die er nicht produziert, sondern zum Behuf seines bestimmten Produktionsprozesses kauft. Sie kommen her aus, von dem seinen vollständig getrennten, selbständig betriebnen Produktionszweigen, und gehn ein in seinen Produktionszweig als Waren, müssen daher gekauft werden. Die sachlichen Bedingungen der Warenproduktion treten ihm in immer größrem Umfang als Produkte andrer Warenproduzenten, als Waren, gegenüber. In demselben Umfang muß der Kapitalist als Geldkapitalist auftreten, oder erweitert sich der Maßstab, worauf sein Kapital als Geldkapital fungieren muß.

Andrerseits: Dieselben Umstände, welche die Grundbedingung der kapitalistischen Produktion produzieren - das Dasein einer Lohnarbeiterklasse -, sollizitieren den Übergang aller Warenproduktion in kapitalistische Warenproduktion. Im Umfang wie diese sich entwickelt, wirkt sie zersetzend und auflösend auf jede ältre Form der Produktion, die, vorzugsweis auf unmittelbaren Selbstbedarf gerichtet, nur den Überschuß des Produkts in Ware verwandelt. Sie macht den Verkauf des Produkts zum Hauptinteresse, zunächst ohne scheinbar die Produktionsweise selbst anzugreifen, wie dies z. B. die erste Wirkung des kapitalistischen Welthandels auf solche Völker war, wie Chinesen, Indier, Araber etc. Zweitens aber, wo sie Wurzel gegriffen, zerstört sie alle Formen der Warenproduktion, die entweder auf Selbstarbeit der Produzenten gegründet, oder bloß auf den Verkauf des <42> überschüssigen Produkts als Ware. Sie verallgemeinert zuerst die Warenproduktion und verwandelt dann stufenweise alle Warenproduktion in kapitalistische. (3)

Welches immer die gesellschaftlichen Formen der Produktion, Arbeiter und Produktionsmittel bleiben stets ihre Faktoren. Aber die einen und die andern sind dies nur der Möglichkeit nach im Zustand ihrer Trennung voneinander. Damit überhaupt produziert werde, müssen sie sich verbinden. Die besondre Art und Weise, worin diese Verbindung bewerkstelligt wird, unterscheidet die verschiednen ökonomischen Epochen der Gesellschaftsstruktur. Im vorliegenden Fall ist die Trennung des freien Arbeiters von seinen Produktionsmitteln der gegebne Ausgangspunkt, und wir haben gesehn, wie und unter welchen Bedingungen beide in der Hand des Kapitalisten vereint werden - nämlich als produktive Daseinsweise seines Kapitals. Der wirkliche Prozeß, den die so zusammengebrachten persönlichen und sachlichen Warenbildner miteinander eingehn, der Produktionsprozeß, wird daher selbst eine Funktion des Kapitals - kapitalistischer Produktionsprozeß, dessen Natur ausführlich im ersten Buch dieser Schrift entwickelt worden. Jeder Betrieb der Warenproduktion wird zugleich Betrieb der Ausbeutung der Arbeitskraft; aber erst die kapitalistische Warenproduktion wird zu einer epochemachenden Ausbeutungsweise, die in ihrer geschichtlichen Fortentwicklung durch die Organisation des Arbeitsprozesses und die riesenhafte Ausbildung der Technik die ganze ökonomische Struktur der Gesellschaft umwälzt und alle früheren Epochen unvergleichbar übergipfelt.

Durch die verschiednen Rollen, die sie während des Produktionsprozesses bei der Wertbildung, also auch in der Erzeugung von Mehrwert spielen, unterscheiden sich Produktionsmittel und Arbeitskraft, soweit sie Existenzformen des vorgeschoßnen Kapitalwerts, als konstantes und variables Kapital. Als verschiedne Bestandteile des produktiven Kapitals unterscheiden sie sich ferner dadurch, daß die erstern, im Besitz des Kapitalisten, sein Kapital bleiben auch außerhalb des Produktionsprozesses, während bloß innerhalb desselben die Arbeitskraft Daseinsform eines individuellen Kapitals wird. Wenn die Arbeitskraft nur in der Hand ihres Verkäufers, des Lohnarbeiters, Ware ist, so wird sie dagegen Kapital nur in der Hand ihres Käufers, des Kapitalisten, dem ihr zeitweiser Gebrauch zufällt.

Hat das Volk erst erkannt, dass es das Kapital ist, so bleibt seine Kapitaleigenschaft in seiner Hand, wenn es in den Arbeitsprozess eintritt. Denn es erwirtschaftet dann den Lohn für sich selbst, für den Staat und den Lohn für den Kapitalisten. Nichts anderes als das, was es schon immer tut, kann man spotten; aber es tut es nun nicht als Diener, sondern als Herr. Denn Staat und Kapitalisten wissen, dass ihr Lohn nur steigt, wenn der Lohn des Volkes steigt. Das ist ein nur kleiner, aber nicht unerheblicher Unterschied.

Die Produktionsmittel selbst werden nur gegenständliche Gestalten des produktiven Kapitals, oder produktives Kapital, von dem Augenblick, wo ihnen die <43> Arbeitskraft, als persönliche Daseinsform desselben, einverleibbar geworden ist. So wenig also menschliche Arbeitskraft von Natur Kapital, sowenig sind es die Produktionsmittel. Sie erhalten diesen spezifischen gesellschaftlichen Charakter nur unter bestimmten, geschichtlich entwickelten Bedingungen, wie nur unter solchen den edlen Metallen der des Geldes, oder gar dem Geld der des Geldkapitals aufgeprägt wird.

Indem es fungiert, verbraucht das produktive Kapital seine eignen Bestandteile, um sie in eine höherwertige Produktenmasse umzusetzen. Da die Arbeitskraft nur als eins seiner Organe wirkt, ist auch der durch ihre Mehrarbeit erzeugte Überschuß des Produktwerts über den Wert seiner Bildungselemente die Frucht des Kapitals. Die Mehrarbeit der Arbeitskraft ist die Gratisarbeit des Kapitals und bildet daher für den Kapitalisten Mehrwert, einen Wert, der ihm kein Äquivalent kostet. Das Produkt ist daher nicht nur Ware, sondern mit Mehrwert befruchtete Ware. Ihr Wert ist = P + M, gleich dem Wert des in ihrer Herstellung verzehrten produktiven Kapitals P plus dem von ihm erzeugten Mehrwert M. Unterstellen wir, diese Ware bestehe aus 10.000 Pfund Garn, in deren Herstellung Produktionsmittel zum Wert von 372 Pfd.St. und Arbeitskraft zum Wert von 50 Pfd.St. verbraucht worden. Während des Spinnprozesses übertrugen die Spinner den Wert der durch ihre Arbeit verzehrten Produktionsmittel im Belauf von 372 Pfd.St. auf das Garn, wie sie zugleich, entsprechend ihrer Arbeitsausgabe, einen Neuwert von, sage 128 Pfd.St. darstellten. Die 10.000 Pfund Garn sind daher Träger eines Werts von 500 Pfd.St.

III. Drittes Stadium. W´  - G´

Ware wird Warenkapital als unmittelbar aus dem Produktionsprozeß selbst entsprungene funktionelle Daseinsform des bereits verwerteten Kapitalwerts. Würde die Warenproduktion in ihrem ganzen gesellschaftlichen Umfang kapitalistisch betrieben, so wäre alle Ware von Haus aus Element eines Warenkapitals, bestehe sie nun aus Roheisen oder Brüsseler Spitzen, Schwefelsäure oder Zigarren. Das Problem, welche Sorten des Warenheeres durch ihre Beschaffenheit zum Kapitalrang bestimmt, welche andere zum gemeinen Warendienst, ist eins der selbstgeschaffnen holden Drangsale der scholastischen Ökonomie.

In einer Warenform muß das Kapital Warenfunktion verrichten. Die Artikel, woraus es besteht, von Haus aus für den Markt produziert, müssen verkauft, in Geld verwandelt werden, also die Bewegung W - G durchlaufen.

<44> Die Ware des Kapitalisten bestehe aus 10.000 Pfund Baumwollengarn. Wurden im Spinnprozeß Produktionsmittel zum Wert von 372 Pfd.St. verzehrt und ein Neuwert von 128 Pfd.St. geschaffen, so hat das Garn einen Wert von 500 Pfd.St., welchen es ausdrückt in seinem gleichnamigen Preise. Dieser Preis werde realisiert durch den Verkauf W - G. Was macht diesen einfachen Vorgang aller Warenzirkulation gleichzeitig zu einer Kapitalfunktion? Keine Veränderung, die sich innerhalb desselben ereignet, sei es mit Bezug auf ihren Gebrauchscharakter, denn als Gebrauchsgegenstand geht die Ware an den Käufer über, sei es mit Bezug auf ihren Wert, denn dieser erleidet keinen Größenwechsel, sondern nur einen Formwechsel. Erst existierte er in Garn, jetzt existiert er in Geld. So tritt ein wesentlicher Unterschied hervor zwischen dem ersten Stadium G - W <1. und 2. Auflage: W - G; geändert nach der Druckvorlage von Engels.> und dem letzten Stadium W - G. Dort fungiert das vorgeschoßne Geld als Geldkapital, weil es sich vermittelst der Zirkulation in Waren von spezifischem Gebrauchswert umsetzt. Hier kann die Ware nur als Kapital fungieren, sofern sie diesen Charakter schon fertig aus dem Produktionsprozeß mitbringt, bevor ihre Zirkulation beginnt. Während des Spinnprozesses schufen die Spinner Garnwert zum Belauf von 128 Pfd.St. Davon bilden, sage 50 Pfd.St., dem Kapitalisten bloß ein Äquivalent für seine Auslage in Arbeitskraft, und 78 Pfd.St. - bei einem Exploitationsgrad der Arbeitskraft von 156% - bilden Mehrwert. Der Wert der 10.000 Pfund Garn enthält also erstens den Wert des aufgezehrten produktiven Kapitals P, wovon der konstante Teil = 372 Pfd.St., der variable = 50 Pfd.St., ihre Summe = 422 Pfd.St., = 8.440 Pfund Garn. Der Wert des produktiven Kapitals P ist aber = W, dem Wert seiner Bildungselemente, die in dem Stadium G - W dem Kapitalisten als Waren in den Händen ihrer Verkäufer gegenüberstanden. - Zweitens aber enthält der Wert des Garns einen Mehrwert von 78 Pfd.St. = 1560 Pfund Garn. W als Wertausdruck der 10.000 Pfund Garn ist also = W + ΔW, W plus einem Inkrement von W (= 78 Pfd.St.), welches wir w nennen wollen, da es in derselben Warenform existiert wie jetzt der ursprüngliche Wert W. Der Wert der 10.000 Pfund Garn = 500 Pfd.St. ist also = W + w = W´. Was W, als Wertausdruck der 10.000 Pfund Garn, zu W´  macht, ist nicht seine absolute Wertgröße (500 Pfd.St.), denn sie ist wie bei allen andern W als Wertausdruck irgendeiner andern Warensumme bestimmt durch die Größe der in ihr vergegenständlichten Arbeit. Es ist seine relative Wertgröße, seine Wertgröße verglichen mit dein Wert des in seiner Produktion aufgezehrten Kapitals P. Dieser Wert ist in ihr enthalten, <45> plus dem vom produktiven Kapital gelieferten Mehrwert. Sein Wert ist größer, überschüssig über diesen Kapitalwert, um diesen Mehrwert w. Die 10.000 Pfund Garn sind Träger des verwerteten, mit einem Mehrwert bereicherten Kapitalwerts, und sind dies als Produkt des kapitalistischen Produktionsprozesses. W´  drückt ein Wertverhältnis aus, das Verhältnis des Werts des Warenprodukts zu dem des in seiner Produktion verausgabten Kapitals, also die Zusammensetzung seines Werts aus Kapitalwert und Mehrwert. Die 10.000 Pfund Garn sind Warenkapital, W´, nur als verwandelte Form des produktiven Kapitals P, also in einem Zusammenhang, der zunächst nur im Kreislauf dieses individuellen Kapitals existiert, oder für den Kapitalisten, der mit seinem Kapital Garn produziert hat. Es ist sozusagen nur ein inneres, kein auswärtiges Verhältnis, das die 10.000 Pfund Garn als Wertträger zu Warenkapital macht; sie tragen ihr kapitalistisches Muttermal nicht in der absoluten Größe ihres Werts, sondern in seiner relativen Größe, in ihrer Wertgröße verglichen mit der, die das in ihnen enthaltene produktive Kapital besaß, ehe es sich in Ware verwandelt. Werden daher die 10.000 Pfund Garn zu ihrem Wert von 500 Pfd.St. verkauft, so ist dieser Zirkulationsakt, für sich betrachtet, = W - G, bloße Verwandlung eines gleichbleibenden Werts aus Warenform in Geldform. Aber als besonderes Stadium im Kreislauf eines individuellen Kapitals ist derselbe Akt Realisierung des von der Ware getragnen Kapitalwerts von 422 Pfd.St. + dem von ihr getragnen Mehrwert von 78 Pfd.St., also W´  - G´, Verwandlung des Warenkapitals aus seiner Warenform in Geldform.(4)

Die Funktion von W´  ist nun die alles Warenprodukts: sich in Geld zu erwandeln, verkauft zu werden, die Zirkulationsphase W - G durchzumachen. Solange das jetzt verwertete Kapital in der Form des Warenkapitals verharrt, auf dem Markt festliegt, steht der Produktionsprozeß still. Es wirkt weder als Produkt- noch als Wertbildner. Je nach dem verschiednen Grad der Geschwindigkeit, womit das Kapital seine Warenform abstößt und seine Geldform annimmt, oder je nach der Raschheit des Verkaufs, wird derselbe Kapitalwert in sehr ungleichem Grad als Produkt- und Wertbildner dienen und die Stufenleiter der Reproduktion sich ausdehnen oder verkürzen. Es wurde im ersten Buch gezeigt, daß der Wirkungsgrad eines gegebnen Kapitals durch Potenzen des Produktionsprozesses bedingt ist, die von seiner eignen Wertgröße in gewissem Grad unabhängig sind. < Siehe Band 23, S. 629 -631>

<46> Hier zeigt sich, daß der Zirkulationsprozeß neue, von der Wertgröße des Kapitals unabhängige Potenzen seines Wirkungsgrads, seiner Expansion und Kontraktion in Bewegung setzt.

Die Warenmasse W´, als Träger des verwerteten Kapitals, muß ferner in ihrem ganzen Umfang die Metamorphose W´  - G´  durchmachen. Die Quantität des Verkauften wird hier wesentliche Bestimmung. Die einzelne Ware figuriert nur noch als integrierender Teil der Gesamtmasse. Die 500 Pfd.St. Wert existieren in 10.000 Pfund Garn. Gelingt es dem Kapitalisten, nur 7.440 Pfund zu ihrem Wert von 372 Pfd.St. zu verkaufen, so hat er nur den Wert seines konstanten Kapitals, den Wert der verausgabten Produktionsmittel, ersetzt; wenn 8.440 Pfund, so nur die Wertgröße des vorgeschoßnen Gesamtkapitals. Er muß mehr verkaufen, um Mehrwert zu realisieren, und er muß alle 10.000 Pfund Garn verkaufen, um den ganzen Mehrwert von 78 Pfd.St. (= 1.560 Pfund Garn) zu realisieren. Er erhält also in 500 Pfd.St. Geld nur einen Gleichwert für die verkaufte Ware; seine Transaktion innerhalb der Zirkulation ist einfaches W - G. Hätte er seinen Arbeitern 64 Pfd.St. statt 50 Pfd.St. Lohn gezahlt, so wäre sein Mehrwert nur 64 Pfd.St. statt 78 Pfd.St., und der Exploitationsgrad nur 100% statt 156%; aber nach wie vor bliebe der Wert seines Garns unverändert; nur das Verhältnis seiner verschiednen Teile wäre ein andres; der Zirkulationsakt W - G wäre nach wie vor Verkauf von 10.000 Pfund Garn für 500 Pfd.St., ihren Wert.

W´  = W + w (= 422 Pfd.St. + 78 Pfd.St.). - W ist gleich dem Wert von P oder dem produktiven Kapital, und dies gleich dem Wert von G, das in G - W, dem Kauf der Produktionselemente, vorgeschossen wurde; in unserm Beispiel = 422 Pfd.St. Wird die Warenmasse zu ihrem Wert verkauft, so W = 422 Pfd.St. und w = 78 Pfd.St.; dem Wert des Mehrprodukts von 1.560 Pfund Garn. Nennen wir w, in Geld ausgedrückt, g, so ist W´ - G´  = (W + w) - (G + g), und der Kreislauf G - W ... P ... W´ - G´  in seiner expliziten Form also G - W <APm... P ... (W + w) - (G + g).

Der Kapitalistenvorschuss c und der Arbeiterkredit v + m tun sich zusammen und erzeugen Waren im Wert von 500. Nach gelungener Versilberung der 500 geht es an die Verteilung der 78. Zwar bleibt der Streit um die Anteile an den 78 auch im sozialen Kapitalismus, kann nun aber aller Geheimnisse entkleidet werden, die ihn heute umgeben und kann im folgenden Jahr wieder in I. anfangen.

Im ersten Stadium entzieht der Kapitalist Gebrauchsartikel dem eigentlichen Warenmarkt und dem Arbeitsmarkt; im dritten Stadium wirft er Ware zurück, aber nur in einen Markt, den eigentlichen Warenmarkt. Wenn er aber durch seine Ware dem Markt mehr Wert wieder entzieht, als er ursprünglich hineinwarf, so nur, weil er größern Warenwert hineinwirft, als er ursprünglich entzog. Er warf den Wert G hinein und entzog den Gleichwert W; er wirft W + w hinein und entzieht den Gleichwert G + g. - G war in unserm Beispiel gleich dem Wert von 8.440 Pfund Garn; er wirft aber 10.000 Pfund in den Markt, gibt ihm also größern Wert, als er ihm nahm. <47> Andrerseits hat er diesen gewachsnen Wert nur hineingeworfen, weil er im Produktionsprozeß Mehrwert (als aliquoter Teil des Produkts, ausgedrückt in Mehrprodukt) durch Exploitation der Arbeitskraft produzierte. Nur als Produkt dieses Prozesses ist die Warenmasse Warenkapital, Träger des verwerteten Kapitalwerts. Durch Vollziehung von W´ - G´  wird sowohl der vorgeschoßne Kapitalwert realisiert wie der Mehrwert. Die Realisation beider fällt zusammen in der Reihe von Verkäufen, oder auch in dem Verkauf auf einen Schlag, der gesamten Warenmasse, die W´ - G´  ausdrückt. Aber derselbe Zirkulationsvorgang W´ - G´  ist verschieden für Kapitalwert und Mehrwert insofern, als er für jeden von beiden ein verschiednes Stadium ihrer Zirkulation, einen verschiednen Abschnitt in der von ihnen innerhalb der Zirkulation zu durchlaufenden Metamorphosenreihe ausdrückt. w, der Mehrwert, kam erst zur Welt innerhalb des Produktionsprozesses. Er tritt also zum ersten Mal auf den Warenmarkt, und zwar in Warenform; sie ist seine erste Zirkulationsform, daher auch der Akt w - g sein erster Zirkulationsakt oder seine erste Metamorphose, die also noch zu ergänzen bleibt durch den entgegengesetzten Zirkulationsakt oder die umgekehrte Metamorphose g - w.(5)

Anders verhält es sich mit der Zirkulation, die der Kapitalwert W im selben Zirkulationsakt W´ - G´  vollzieht, welches für ihn der Zirkulationsakt W - G ist, wo W = P, gleich dem ursprünglich vorgeschoßnen G. Es hat seinen ersten Zirkulationsakt als G, als Geldkapital, eröffnet und kehrt durch den Akt W - G zur selben Form zurück; es hat also die beiden entgegengesetzten Phasen der Zirkulation 1) G - W und 2) W - G durchlaufen und befindet sich wieder in der Form, in der es denselben Kreislaufsprozeß von neuem beginnen kann. Was für den Mehrwert erste Verwandlung der Warenform in Geldform, ist für den Kapitalwert Rückkehr oder Rückverwandlung in seine ursprüngliche Geldform.

Durch G - W <APmwurde das Geldkapital in eine gleichwertige Summe Waren, A und Pm, umgesetzt. Diese Waren funktionieren nicht wieder als Waren, als Verkaufsartikel. Ihr Wert existiert jetzt in der Hand ihres Käufers, des Kapitalisten, als Wert seines produktiven Kapitals P. Und in der Funktion von P, der produktiven Konsumtion, werden sie verwandelt in eine von den Produktionsmitteln stofflich verschiedne Warensorte, in Garn, worin ihr Wert nicht nur erhalten, sondern vergrößert wird, von 422 Pfd.St. <48> auf 500 Pfd.St. Durch diese reale Metamorphose werden die im ersten Stadium G - W dem Markt entzognen Waren ersetzt durch stofflich und wertlich verschiedne Ware, die nun als Ware fungieren, in Geld verwandelt und verkauft werden muß. Der Produktionsprozeß erscheint daher nur als Unterbrechung des Zirkulationsprozesses des Kapitalwerts, wovon bis dahin nur die erste Phase G - W durchlaufen ist. Er durchläuft die zweite und abschließende Phase W - G nachdem W stofflich und wertlich verändert. Soweit aber der Kapitalwert, für sich genommen, in Betracht kommt, hat er nur eine Veränderung seiner Gebrauchsform im Produktionsprozeß erlitten. Er existierte als 422 Pfd.St. Wert in A und Pm, er existiert jetzt als 422 Pfd.St. Wert von 8.440 Pfund Garn. Betrachten wir also bloß die beiden Phasen des Zirkulationsprozesses des, von seinem Mehrwert getrennt gedachten, Kapitalwerts, so durchläuft er 1) G - W und 2) W - G, wo das zweite W eine veränderte Gebrauchsform, aber denselben Wert hat wie das erste W; also G - W - G, eine Zirkulationsform, die durch den doppelten Stellenwechsel der Ware in entgegengesetzter Richtung, Verwandlung aus Geld in Ware, Verwandlung aus Ware in Geld, notwendig die Rückkehr des als Geld vorgeschoßnen Werts zu seiner Geldform bedingt; seine Rückverwandlung in Geld.

Derselbe Zirkulationsakt W´ - G´, der für den in Geld vorgeschoßnen Kapitalwert zweite abschließende Metamorphose, Rückkehr zur Geldform, ist für den gleichzeitig vom Warenkapital mitgetragnen und durch sein Umsatz in Geldform mitrealisierten Mehrwert erste Metamorphose, Verwandlung aus Warenform in Geldform, W - G, erste Zirkulationsphase.

Es ist hier also zweierlei zu bemerken. Erstens: Die schließliche Rückverwandlung des Kapitalwerts in seine ursprüngliche Geldform ist eine Funktion des Warenkapitals. Zweitens: Diese Funktion schließt ein die erste Formverwandlung des Mehrwerts aus seiner ursprünglichen Warenform in Geldform. Die Geldform spielt also hier doppelte Rolle; sie ist einerseits rückkehrende Form eines ursprünglich in Geld vorgeschoßnen Werts, also Rückkehr zur Wertform, die den Prozeß eröffnete; sie ist andrerseits erste verwandelte Form eines Werts, der ursprünglich in Warenform in die Zirkulation tritt. Werden die Waren, woraus das Warenkapital besteht, ihrem Wert verkauft, wie hier vorausgesetzt, so wird W + w verwandelt in das gleichwertige G + g; in dieser Form G + g (422 Pfd.St. + 78 Pfd.St. = 500 Pfd.St.) existiert das realisierte Warenkapital jetzt in der Hand des Kapitalisten. Kapitalwert und Mehrwert sind jetzt als Geld vorhanden, also in der allgemeinen Äquivalentform.

Am Schluß des Prozesses befindet sich der Kapitalwert also wieder in derselben Form, worin er in ihn eintrat, kann ihn also wieder von neuem <49> als Geldkapital eröffnen und durchlaufen. Eben weil die Ausgangs und Schlußform des Prozesses die des Geldkapitals (G), wird diese Form des Kreislaufsprozesses von uns als Kreislauf des Geldkapitals bezeichnet. Nicht die Form, sondern nur die Größe des vorgeschoßnen Werts ist am Schluß verändert.

G + g sind nichts als eine Geldsumme von einer bestimmten Größe, in unserm Fall 500 Pfd.St. Aber als Resultat des Kreislaufs des Kapitals, als realisiertes Warenkapital, enthält diese Geldsumme den Kapitalwert und den Mehrwert; und zwar sind diese nun nicht mehr miteinander verwachsen, wie im Garn; sie liegen jetzt nebeneinander. Ihre Realisation hat jedem der beiden selbständige Geldform gegeben. 211/250 davon sind der Kapitalwert, 422 Pfd.St., und 39/ 250 davon der Mehrwert von 78 Pfd.St. Diese durch Realisation des Warenkapitals bewirkte Trennung hat nicht nur den formellen Gehalt, wovon wir gleich sprechen werden; sie wird wichtig im Reproduktionsprozeß des Kapitals, je nachdem g ganz, teilweise oder gar nicht zu G geschlagen wird, also je nachdem es als Bestandteil des vorgeschoßnen Kapitalwerts fortfungiert oder nicht. g und G können auch ganz verschiedne Zirkulation durchlaufen.

In G´  ist das Kapital wieder zu seiner ursprünglichen Form G zurückgekehrt, zu seiner Geldform; aber in einer Form, worin es als Kapital verwirklicht ist.

Erstens ist eine quantitative Differenz da. Es war G, 422 Pfd.St.; es ist jetzt G´, 500 Pfd.St., und diese Differenz ausgedrückt in G ... G´, den quantitativ verschiednen Extremen des Kreislaufs, dessen Bewegung selbst nur durch die Punkte ... angedeutet ist. G´  ist > G, G´ - G = M, dem Mehrwert. Aber als Resultat dieses Kreislaufs G ... G´  existiert jetzt nur noch G´, es ist das Produkt, worin sein Bildungsprozeß erloschen ist. G´  existiert jetzt selbständig für sich, unabhängig von der Bewegung, die s hervorbrachte. Sie ist vergangen, es ist da an ihrer Stelle.

Aber G´  als G + g, 500 Pfd.St. als 422 Pfd.St. vorgeschoßnes Kapital plus einem Inkrement desselben von 78 Pfd.St., stellt zugleich ein qualitatives Verhältnis dar, obgleich dies qualitative Verhältnis selbst nur als Verhältnis der Teile einer gleichnamigen Summe, also als quantitatives Verhältnis existiert. G, das vorgeschoßne Kapital, das jetzt wieder in seiner ursprünglichen Form (422 Pfd.St.) vorhanden ist, existiert jetzt als realisiertes Kapital. Es hat sich nicht nur erhalten, es hat sich auch als Kapital realisiert, indem es sich als solches unterscheidet von g (78 Pfd.St.), worauf es bezogen ist als auf seinen Zuwachs, seine Frucht, auf ein durch es selbst gehecktes Inkrement. Es ist als Kapital realisiert, weil als Wert, der einen <50> Wert geheckt hat. G´  existiert als Kapitalverhältnis; G erscheint nicht mehr als bloßes Geld, sondern es ist ausdrücklich als Geldkapital gesetzt, ausgedrückt als Wert, der sich verwertet hat, also auch die Eigenschaft besitzt, sich zu verwerten, mehr Wert zu hecken als er selbst hat. G ist als Kapital gesetzt durch sein Verhältnis zu einem andern Teil von G´, als dem durch es Gesetzten, aus ihm als Ursache Bewirktem; als der Folge, wovon es der Grund. So erscheint G´  als in sich differenzierte, sich funktionell (begrifflich) in sich selbst unterscheidende, das Kapitalverhältnis ausdrückende Wertsumme.

Aber dies ist nur ausgedrückt als Resultat, ohne die Vermittlung des Prozesses, dessen Resultat es ist.

Wertteile unterscheiden sich als solche qualitativ nicht voneinander, außer soweit sie als Werte verschiedner Artikel, konkreter Dinge auftreten, also in verschiednen Gebrauchsformen, daher als Werte verschiedner Warenkörper - ein Unterschied, der nicht aus ihnen selbst als bloßen Wertteilen entspringt. Im Geld ist alle Verschiedenheit der Waren ausgelöscht, weil es eben die ihnen allen gemeinsame Äquivalentform ist. Eine Geldsumme von 500 Pfd.St. besteht aus lauter gleichnamigen Elementen von 1 Pfd.St. Da in dem einfachen Dasein dieser Geldsumme die Vermittlung ihrer Herkunft ausgelöscht und von der spezifischen Differenz, welche die verschiednen Kapitalbestandteile im Produktionsprozeß besitzen, jede Spur verschwunden ist, so existiert der Unterschied nur noch in der begrifflichen Form einer Hauptsumme (englisch principal) = dem vorgeschoßnen Kapital von 422 Pfd.St. und einer überschüssigen Wertsumme von 78 Pfd.St. G´  sei z. B. = 110 Pfd.St., wovon 100 = G, Hauptsumme, und 10 = M, Mehrwert. Es herrscht absolute Gleichartigkeit, also begriffliche Unterschiedslosigkeit, zwischen den beiden konstituierenden Teilen der Summe von 110 Pfd.St. Beliebige 10 Pfd.St. sind immer 1/11 der Gesamtsumme von 110 Pfd.St., ob sie nun 1/10 der vorgeschoßnen Hauptsumme von 100 Pfd.St. oder der Überschuß von 10 Pfd.St. über dieselbe. Hauptsumme und Zuwachssumme, Kapital und Mehrsumme sind daher ausdrückbar als Bruchteile der Gesamtsumme; in unserm Beispiel bilden 10/11 die Hauptsumme oder das Kapital, 1/11 die Mehrsumme. Es ist daher begriffsloser Ausdruck des Kapitalverhältnisses, worin hier am Schluß seines Prozesses das realisierte Kapital in seinem Geldausdruck erscheint.

Allerdings gilt dies auch für W´  (= W + w). Aber mit dem Unterschied, daß W´, worin W und w auch nur proportionelle Wertteile derselben homogenen Warenmasse, hinweist auf seinen Ursprung P, dessen unmittelbares <51> Produkt es ist, während in G´, einer unmittelbar aus der Zirkulation herstammenden Form, direkte Beziehung zu P verschwunden ist.

Der begriffslose Unterschied zwischen Haupt- und Zuwachssumme, der in G´  enthalten ist, soweit es das Resultat der Bewegung G ... G´  ausdrückt, verschwindet sofort, sobald es aktiv als Geldkapital wieder fungiert, also nicht umgekehrt als Geldausdruck des verwerteten industriellen Kapitals fixiert wird. Der Kreislauf des Geldkapitals kann nie mit G´  beginnen (obgleich G´   jetzt als G fungiert), sondern nur mit G; d.h. nie als Ausdruck des Kapitalverhältnisses, sondern nur als Vorschußform des Kapitalwerts. Sobald die 500 Pfd.St. von neuem als Kapital vorgeschossen werden, um sich von neuem zu verwerten, sind sie Ausgangspunkt statt Rückkehrpunkt. Statt eines Kapitals von 422 Pfd.St. ist jetzt eins von 500 Pfd.St. vorgeschossen, mehr Geld als früher, mehr Kapitalwert, aber das Verhältnis zwischen den zwei Bestandteilen ist weggefallen, ganz wie ursprünglich die Summe von 500 Pfd.St. statt der von 422 Pfd.St. hätte als Kapital fungieren können.

Es ist keine aktive Funktion des Geldkapitals, sich als G´  darzustellen; seine eigne Darstellung als G´  ist vielmehr eine Funktion von W´. Schon in der einfachen Warenzirkulation, 1) W1 - G, 2) G - W2, fungiert G erst aktiv im zweiten Akt G - W2; seine Darstellung als G ist nur Resultat des ersten Akts, kraft dessen es erst als verwandelte Form von W1 auftritt. Das in G´  enthaltene Kapitalverhältnis, die Beziehung eines seiner Teile als des Kapitalwerts auf den andern als dessen Wertinkrement, bekommt allerdings funktionelle Bedeutung, soweit, bei beständiger Wiederholung des Kreislaufs G ... G´, G´  sich in zwei Zirkulationen spaltet, Kapitalzirkulation und Mehrwertzirkulation, also die beiden Teile nicht bloß quantitativ, sondern auch qualitativ verschiedne Funktionen vollziehn, G andre als g. Aber an sich betrachtet, schließt die Form G ... G´  die Konsumtion des Kapitalisten nicht ein, sondern ausdrücklich nur die Selbstverwertung und die Akkumulation, soweit letztre zunächst in periodischem Anwachs des stets von neuem vorgeschoßnen Geldkapitals sich ausdrückt.

Obgleich begriffslose Form des Kapitals, ist G´  = G + g zugleich erst das Geldkapital in seiner realisierten Form, als Geld, welches Geld geheckt hat. Hier ist aber zu unterscheiden von der Funktion des Geldkapitals im ersten Stadium G - W <APm. G in diesem ersten Stadium zirkuliert als Geld. Es fungiert als Geldkapital nur deshalb, weil es nur in seinem Geldzustand eine Geldfunktion verrichten, sich in die ihm als Waren gegenüberstehenden Elemente von P, in A und Pm umsetzen kann. In diesem Zirkulationsakt fungiert es nur als Geld; aber weil dieser Akt das erste Stadium des <52> prozessierenden Kapitalwerts, ist er zugleich Funktion des Geldkapitals, kraft der spezifischen Gebrauchsform der Waren A und Pm, die gekauft werden. G´  dagegen, zusammengesetzt aus G, dem Kapitalwert, und g, dem durch diesen erzeugten Mehrwert, drückt verwerteten Kapitalwert aus, den Zweck und das Resultat, die Funktion des gesamten Kreislaufsprozesses des Kapitals. Daß es dies Resultat in Geldform, als realisiertes Geldkapital ausdrückt, entspringt nicht daraus, daß es Geldform des Kapitals, Geldkapital ist, sondern umgekehrt daraus, daß es Geldkapital, Kapital in Geldform ist, daß das Kapital in dieser Form den Prozeß eröffnet hat, in Geldform vorgeschossen worden ist. Die Rückverwandlung in die Geldform ist eine Funktion des Warenkapitals W´, wie wir gesehn, nicht des Geldkapitals. Was aber die Differenz von G´  gegenüber G betrifft, so ist sie (g) nur Geldform von w, dem Inkrement von W; G´  ist nur = G + g, weil W´  = W + w war. In W´  ist also diese Differenz und das Verhältnis des Kapitalwerts zu dem von ihm geheckten Mehrwert vorhanden und ausgedrückt, bevor beide in G´  verwandelt, in eine Geldsumme, worin beide Wertteile selbständig einander gegenübertreten und daher auch zu selbständigen und voneinander verschiednen Funktionen verwendbar sind.

G´  ist nur Resultat der Realisierung von W´. Beide, W´  wie G´, sind nur verschiedne Formen, Warenform und Geldform, des verwerteten Kapitalwerts, beide haben dies gemein, daß sie verwerteter Kapitalwert. Beide sind verwirklichtes Kapital, weil hier der Kapitalwert als solcher mitsamt dem Mehrwert als von ihm verschiedner, durch ihn erhaltner Frucht existiert, obgleich dies Verhältnis nur ausgedrückt ist in der begriffslosen Form des Verhältnisses zweier Teile einer Geldsumme oder eines Warenwerts. Aber als Ausdrücke des Kapitals in Beziehung zu und im Unterschied von dem durch es erzeugten Mehrwert, also als Ausdrücke von verwertetem Wert, sind G´  und W´  dasselbe und drücken dasselbe aus, nur in verschiedner Form; sie unterscheiden sich nicht als Geldkapital und Warenkapital, sondern als Geld und Ware. Sofern sie verwerteten Wert, als Kapital betätigtes Kapital darstellen, drücken sie nur das Resultat der Funktion des produktiven Kapitals aus, der einzigen Funktion, worin der Kapitalwert Wert heckt. Ihr Gemeinsames ist, daß sie beide, Geldkapital und Warenkapital, Existenzweisen des Kapitals sind. Das eine ist Kapital in Geldform, das andre in Warenform. Die sie unterscheidenden spezifischen Funktionen können daher nichts andres sein, als Unterschiede zwischen Geldfunktion und Warenfunktion. Das Warenkapital, als direktes Produkt des kapitalistischen Produktionsprozesses, erinnert an diesen seinen Ursprung und ist daher in seiner Form rationeller, minder begriffslos als das Geldkapital, <55> in dem jede Spur dieses Prozesses erloschen ist, wie überhaupt im Geld alle besondre Gebrauchsform der Ware erlischt. Es ist daher nur, wo G´  selbst als Warenkapital fungiert, wo es unmittelbares Produkt eines Produktionsprozesses und nicht verwandelte Form dieses Produkts ist, daß seine bizarre Form verschwindet - also in der Produktion des Geldmaterials selbst. Für Goldproduktion z. B. wäre die Formel: G - W <APm... P ... G´ (G + g), wo G´  als Warenprodukt figuriert, weil P mehr Gold liefert als für die Produktionselemente des Goldes im ersten G, dem Geldkapital, vorgeschossen war. Hier verschwindet also das Irrationelle des Ausdrucks G ... G´ (G + g), wo ein Teil einer Geldsumme als Mutter eines andern Teils derselben Geldsumme erscheint.

IV. Der Gesamt-Kreislauf

Wir haben gesehn, daß der Zirkulationsprozeß nach Ablauf seiner ersten Phase G - W <APmunterbrochen wird durch P, wo die auf dem Markt gekauften Waren A und Pm nun als stoffliche und wertliche Bestandteile des produktiven Kapitals konsumiert werden; das Produkt dieser Konsumtion ist eine neue Ware, W´, stofflich und wertlich verändert. Der unterbrochene Zirkulationsprozeß, G - W, muß ergänzt werden durch W - G. Aber als Träger dieser zweiten und abschließenden Phase der Zirkulation erscheint W´, eine stofflich und wertlich von dem ersten W verschiedne Ware. Die Zirkulationsreihe stellt sich also dar als 1) G - W1; 2) W´2- G´, wo in der zweiten Phase der ersten Ware W1 eine andre von höherem Wert und verschiedner Gebrauchsform, W´2, untergeschoben ist während der durch die Funktion von P verursachten Unterbrechung, der Produktion von W´  aus den Elementen von W, den Daseinsformen des produktiven Kapitals P. Die erste Erscheinungsform dagegen, worin uns das Kapital (Buch I, Kap. IV, 1) gegenübertrat, G - W - G´  (aufgelöst: 1) G - W1; 2) W1- G´) zeigt dieselbe Ware zweimal. Es ist beidemal dieselbe Ware, worin sich das Geld in der ersten Phase verwandelt, und welche sich in der zweiten Phase in mehr Geld rückverwandelt. Trotz dieser wesentlichen Verschiedenheit haben beide Zirkulationen das gemein, daß in ihrer ersten Phase Geld in Ware und in ihrer zweiten Ware in Geld verwandelt wird, das in der ersten Phase verausgabte Geld also in der zweiten wieder zurückfließt. Einerseits haben sie diesen Rückstrom des Geldes zu seinem Ausgangspunkt gemein, andrerseits aber auch den Überschuß des rückströmenden Geldes über das vorgeschoßne. Insofern erscheint auch G - W ... W´ - G´  in der allgemeinen Formel G - W - G´  enthalten.

In den beiden Märkten I. erscheint m in Zeit. Bei der Produktion II. erscheint m in natura. Im eigentlichen Warenmarkt III. wird aus dem potentiellen m in Zeit/Arbeit der aktuelle m in Geld. Ohne die Versilberung kann die Rückkehr von III. nach I. nicht stattfinden. Die Werte sind in allen drei Phasen dieselben, nur in verschiedenen Formen, weil die unterjährige monatliche Lücke von m in Geld in I. am Jahresende geschlossen wird. Daher stelle ich sie so dar, als sei sie bereits geschlossen.

<56> Es ergibt sich hier ferner, daß in den beiden der Zirkulation angehörigen Metamorphosen G - W und W´ - G´  sich jedesmal gleich große, gleichzeitig vorhandne Wertexistenzen gegenüberstehn und einander ersetzen. Die Wertveränderung gehört lediglich der Metamorphose P, dem Produktionsprozeß, der so als reale Metamorphose des Kapitals, gegenüber den bloß formellen Metamorphosen der Zirkulation, erscheint.

Betrachten wir nun die Gesamtbewegung G - W ... P ... W´ - G´, oder ihre explizite Form G - W <APm... P ... W´  (W + w) - G´ (G + g) Das Kapital erscheint hier als ein Wert, der eine Reihenfolge zusammenhängender, durch einander bedingter Verwandlungen durchläuft, eine Reihe von Metamorphosen, die ebensoviele Phasen oder Stadien eines Gesamtprozesses bilden. Zwei dieser Phasen gehören der Zirkulationssphäre an, eine der Produktionssphäre. In jeder dieser Phasen befindet sich der Kapitalwert in verschiedner Gestalt, der eine verschiedne, spezielle Funktion entspricht. Innerhalb dieser Bewegung erhält sich nicht nur der vorgeschoßne Wert, sondern er wächst, vermehrt seine Größe. Endlich, im Schlußstadium, kehrt er zur selben Form zurück, worin er beim Ausgang des Gesamtprozesses erschien. Dieser Gesamtprozeß ist daher Kreislaufsprozeß.

Die beiden Formen, die der Kapitalwert innerhalb seiner Zirkulationsstadien annimmt, sind die von Geldkapital und Warenkapital; seine dem Produktionsstadium angehörige Form ist die von produktivem Kapital. Das Kapital, welches im Verlauf seines Gesamtkreislaufs diese Formen annimmt und wieder abstreift und in jeder die ihr entsprechende Funktion vollzieht, ist industrielles Kapital - industriell hier in dem Sinn, daß es jeden kapitalistisch betriebnen Produktionszweig umfaßt.

Geldkapital, Warenkapital, produktives Kapital bezeichnen hier also nicht selbständige Kapitalsorten, deren Funktionen den Inhalt gleichfalls selbständiger und voneinander getrennter Geschäftszweige bilden. Sie bezeichnen hier nur besondre Funktionsformen des industriellen Kapitals, das sie alle drei nacheinander annimmt.

Der Kreislauf des Kapitals geht nur normal vonstatten, solange seine verschiednen Phasen ohne Stockung ineinander übergehn. Stockt das Kapital in der ersten Phase G - W, so erstarrt das Geldkapital zum Schatz; wenn in der Produktionsphase, so liegen die Produktionsmittel funktionslos auf der einen Seite, während die Arbeitskraft auf der andern unbeschäftigt bleibt; wenn in der letzten Phase W´ - G´, so versperren unverkäuflich aufgehäufte Waren den Zirkulationsfluß.

Andrerseits liegt es in der Natur der Sache, daß der Kreislauf selbst die Fixierung des Kapitals, während bestimmter Fristen, in den einzelnen <59> Kreisabschnitten bedingt. In jeder seiner Phasen ist das industrielle Kapital an eine bestimmte Form gebunden, als Geldkapital, produktives Kapital, Warenkapital. Nur nachdem es die seiner jedesmaligen Form entsprechende Funktion vollzogen hat, erhält es die Form, worin es eine neue Verwandlungsphase eingehn kann. Um dies klarzulegen, haben wir in unserm Beispiel angenommen, daß der Kapitalwert der im Produktionsstadium erzeugten Warenmasse gleich sei der Gesamtsumme des ursprünglich als Geld vorgeschoßnen Werts, mit andern Worten, daß der ganze als Geld vorgeschoßne Kapitalwert auf einmal aus dem einen Stadium in das jedesmal nächstfolgende tritt. Wir haben aber gesehn (Buch I, Kap. VI), daß ein Teil des konstanten Kapitals, die eigentlichen Arbeitsmittel (z. B. Maschinen) in einer größern oder geringem Anzahl von Wiederholungen derselben Produktionsprozesse stets von neuem dienen, ihren Wert daher auch nur stückweis an das Produkt abgeben. Wieweit dieser Umstand den Kreislaufsprozeß des Kapitals modifiziert, wird sich später zeigen. Hier genügt folgendes: In unserm Beispiel enthielt der Wert des produktiven Kapitals = 422 Pfd.St. nur den durchschnittlich berechneten Verschleiß der Fabrikgebäude, Maschinerie etc., also nur den Wertteil, den sie bei Verwandlung von 10.600 Pfund Baumwolle in 10.000 Pfund Garn auf letztres übertragen, auf das Produkt eines wöchentlichen Spinnprozesses von 60 Stunden. In den Produktionsmitteln, in welche sich das vorgeschoßne konstante Kapital von 372 Pfd.St. verwandelt, figurierten daher auch die Arbeitsmittel, Gebäude, Maschinerie etc. so, als ob sie auf dem Markt gegen wöchentliche Ratenzahlung nur gemietet wären. Dies ändert jedoch absolut nichts am Sachverhalt. Wir brauchen das in der Woche produzierte Garnquantum von 10.000 Pfund nur mit der Anzahl der auf eine gewisse Reihe von Jahren berechneten Wochen zu multiplizieren, damit der ganze Wert der gekauften und in dieser Zeit aufgebrauchten Arbeitsmittel auf es übertragen wird. Es ist dann klar, daß das vorgeschoßne Geldkapital erst in diese Mittel verwandelt, also aus dem ersten Stadium G - W herausgetreten sein muß, bevor es als produktives Kapital P fungieren kann. Ebenso klar ist es in unserm Beispiel, daß die dem Garn während des Produktionsprozesses einverleibte Kapitalwertsumme von 422 Pfd.St. nicht als Wertbestandteil der 10.000 Pfund Garn in die Zirkulationsphase W - G´  eingehn kann, ehe es fertig ist. Das Garn kann nicht verkauft werden, ehe es gesponnen.

In der allgemeinen Formel wird das Produkt von P betrachtet als ein von den Elementen des produktiven Kapitals verschiednes materielles Ding, als ein Gegenstand, der eine vom Produktionsprozeß abgesonderte Existenz, eine von der der Produktionselemente verschiedne Gebrauchs- <60> form besitzt. Und wenn das Resultat des Produktionsprozesses als Ding auftritt, ist dies stets der Fall, selbst wo ein Teil des Produkts wieder als Element in die erneuerte Produktion eingeht. So dient Getreide als Aussaat zu seiner eignen Produktion; aber das Produkt besteht nur aus Getreide, hat also eine von den mitverwandten Elementen, der Arbeitskraft, den Instrumenten, dem Dünger, verschiedne Gestalt. Es gibt aber selbständige Industriezweige, wo das Produkt des Produktionsprozesses kein neues gegenständliches Produkt, keine Ware ist. Ökonomisch wichtig davon ist nur die Kommunikationsindustrie, sei sie eigentliche Transportindustrie für Waren und Menschen, sei sie Übertragung bloß von Mitteilungen, Briefen, Telegrammen etc.

A. Tschuprow sagt darüber:

"Der Fabrikant kann zuerst Artikel produzieren und dann Konsumenten dafür suchen"

{sein Produkt, nachdem es als fertig aus dem Produktionsprozeß ausgestoßen, geht als von demselben getrennte Ware in die Zirkulation über}.

"Produktion und Konsumtion erscheinen so als zwei, dem Raum und der Zeit nach getrennte Akte. In der Transportindustrie, die keine neuen Produkte schafft, sondern nur Menschen und Dinge versetzt, fallen diese beiden Akte zusammen; die Dienste" {die Qrtsveränderung} "müssen in demselben Augenblick konsumiert werden, in dem sie produziert werden. Deshalb erstreckt sich der Rayon, aus dem die Eisenbahnen Kundschaft suchen können, auf höchstens 50 Werst" {53 km} "auf beiden Seiten."

Das Resultat - ob Menschen oder Waren transportiert werden - ist ihr verändertes örtliches Dasein, z. B. daß das Garn sich jetzt in Indien befindet statt in England, wo es produziert worden.

Was aber die Transportindustrie verkauft, ist die Ortsveränderung selbst. Der hervorgebrachte Nutzeffekt ist untrennbar verbunden mit dem Transportprozeß, d.h. dem Produktionsprozeß der Transportindustrie. Menschen und Ware reisen mit dein Transportmittel, und sein Reisen, seine örtliche Bewegung, ist eben der durch es bewirkte Produktionsprozeß. Der Nutzeffekt ist nur konsumierbar während des Produktionsprozesses; er existiert nicht als ein von diesem Prozeß verschiednes Gebrauchsding, das erst nach seiner Produktion als Handelsartikel fungiert, als Ware zirkuliert. Der Tauschwert dieses Nutzeffekts ist aber bestimmt, wie der jeder andern Ware, durch den Wert der in ihm verbrauchten Produktionselemente (Arbeitskraft und Produktionsmittel) plus dem Mehrwert, den die Mehr- <61> arbeit der in der Transportindustrie beschäftigten Arbeiter geschaffen hat.

Der Wert ist c+v+m. »Der Kapitalist müsste so glücklich sein, eine Ware auf dem Markt zu finden, für die er keinen Mehrwert zahlen muss«, können wir von unserer jetzigen Warte aus zu MEW23 S. xy sagen, » und er findet diese Ware. Es ist die Arbeitskraft, die einzige Ware, die kein c und kein m kostet, sondern nur v.« Die nicht-Äquivalenz des Arbeiterkredits auf dem Markt I. ist die Bedingung dafür, dass sich in der Produktion II. und dem Warenmarkt III. Äquivalente gegenüberstehen. Die Lücke zwischen Mehrwert in Zeit (I.) und Mehrwert in Geld (III.) wird am Jahresende geschlossen.

Auch in Beziehung auf seine Konsumtion verhält sich dieser Nutzeffekt ganz wie andre Waren. Wird er individuell konsumiert, so verschwindet sein Wert mit der Konsumtion; wird er produktiv konsumiert, so daß er selbst ein Produktionsstadium der im Transport befindlichen Ware, so wird sein Wert als Zuschußwert auf die Ware selbst übertragen. Die Formel für die Transportindustrie wäre also G - W <APm... P - G´, da der Produktionsprozeß selbst, nicht ein von ihm trennbares Produkt, gezahlt und konsumiert wird. Sie hat also fast genau dieselbe Form wie die für die Produktion der edlen Metalle, nur daß G´  hier verwandelte Form des während des Produktionsprozesses hervorgebrachten Nutzeffekts, nicht Naturalform des während dieses Prozesses hervorgebrachten und aus ihm ausgestoßnen Goldes oder Silbers ist.

Das industrielle Kapital ist die einzige Daseinsweise des Kapitals, worin nicht nur Aneignung von Mehrwert, resp. Mehrprodukt, sondern zugleich dessen Schöpfung Funktion des Kapitals ist. Es bedingt daher den kapitalistischen Charakter der Produktion; sein Dasein schließt das des Klassengegensatzes von Kapitalisten und Lohnarbeitern ein. Im Maß wie es sich der gesellschaftlichen Produktion bemächtigt, werden Technik und gesellschaftliche Organisation des Arbeitsprozesses umgewälzt, und damit der ökonomisch-geschichtliche Typus der Gesellschaft. Die andern Arten von Kapital, die vor ihm inmitten vergangner oder untergehender gesellschaftlicher Produktionszustände erschienen, werden ihm nicht nur untergeordnet und im Mechanismus ihrer Funktionen ihm entsprechend verändert, sondern bewegen sich nur noch auf seiner Grundlage, leben und sterben, stehen und fallen daher mit dieser ihrer Grundlage. Geldkapital und Warenkapital, soweit sie mit ihren Funktionen als Träger eigner Geschäftszweige neben dem industriellen Kapital auftreten, sind nur noch durch die gesellschaftliche Teilung der Arbeit verselbständigte und einseitig ausgebildete Existenzweisen der verschiednen Funktionsformen, die das industrielle Kapital innerhalb der Zirkulationssphäre bald annimmt, bald abstreift.

Der Kreislauf G ... G´  verschlingt sich einerseits mit der allgemeinen Warenzirkulation, geht aus ihr hervor und in sie ein, und bildet einen Teil von ihr. Andrerseits bildet er eine eigne selbständige Bewegung des Kapitalwerts für den individuellen Kapitalisten, eine Bewegung, die teils innerhalb der allgemeinen Warenzirkulation vorgeht, teils außerhalb derselben, die aber stets ihren selbständigen Charakter bewahrt. Erstens dadurch, daß ihre beiden in der Zirkulationssphäre vorgehenden Phasen G - W und W´ - G´  als Phasen der Kapitalbewegung funktionell bestimmte Charaktere <62> besitzen; in G - W ist W stofflich bestimmt als Arbeitskraft und Produktionsmittel; in W´ - G´  wird der Kapitalwert realisiert + dem Mehrwert. Zweitens umschließt P, der Produktionsprozeß, die produktive Konsumtion. Drittens macht die Rückkehr des Geldes zu ihrem Ausgangspunkt die Bewegung G ... G´  zu einer sich in sich selbst abschließenden Kreislaufbewegung.

Einerseits bildet also jedes individuelle Kapital in seinen beiden Zirkulationshälften G - W und W´ - G´  ein Agens der allgemeinen Warenzirkulation, worin es entweder als Geld oder als Ware fungiert oder verkettet ist, und so selbst ein Glied bildet in der allgemeinen Metamorphosenreihe der Warenwelt. Andrerseits beschreibt es innerhalb der allgemeinen Zirkulation seinen eignen selbständigen Kreislauf, worin die Produktionssphäre ein Durchgangsstadium bildet, und worin es zu seinem Ausgangspunkt in derselben Form zurückkehrt, in der es ihn verließ. Innerhalb seines eignen Kreislaufs, der seine reale Metamorphose im Produktionsprozeß einschließt, verändert es zugleich seine Wertgröße. Es kehrt zurück, nicht nur als Geldwert, sondern als vergrößerter, gewachsener Geldwert.

Betrachten wir schließlich G - W ... P ... W´ - G´  als spezielle Form des Kreislaufsprozesses des Kapitals neben den andern später zu untersuchenden Formen, so zeichnet es sich durch folgendes aus.

1. Es erscheint als Kreislauf des Geldkapitals, weil das industrielle Kapital in seiner Geldform, als Geldkapital, den Ausgangspunkt und den Rückkehrpunkt seines Gesamtprozesses bildet. Die Formel selbst drückt aus, daß das Geld hier nicht als Geld verausgabt, sondern nur vorgeschossen wird, also nur Geldform des Kapitals, Geldkapital ist. Sie drückt ferner aus, daß der Tauschwert, nicht der Gebrauchswert, der bestimmende Selbstzweck der Bewegung ist. Eben weil die Geldgestalt des Werts seine selbständige, handgreifliche Erscheinungsform ist, drückt die Zirkulationsform G ... G´, deren Ausgangspunkt und Schlußpunkt wirkliches Geld, das Geldmachen, das treibende Motiv der kapitalistischen Produktion, am handgreiflichsten aus. Der Produktionsprozeß erscheint nur als unvermeidliches Mittelglied, als notwendiges Übel zum Behuf des Geldmachens. {Alle Nationen kapitalistischer Produktionsweise werden daher periodisch von einem Schwindel ergriffen, worin sie ohne Vermittlung des Produktionsprozesses das Geldmachen vollziehen wollen.}

2. Das Produktionsstadium, die Funktion von P, bildet in diesem Kreislauf die Unterbrechung der zwei Phasen der Zirkulation G - W ... W´ - G´, die wieder nur Vermittlung der einfachen Zirkulation G - W - G´. Der Produktionsprozeß erscheint in der Form des Kreislaufsprozesses selbst, <63> formell und ausdrücklich als das, was er in der kapitalistischen Produktionsweise ist, als bloßes Mittel zur Verwertung des vorgeschoßnen Werts, also die Bereicherung als solche als Selbstzweck der Produktion.

3. Weil die Reihenfolge der Phasen durch G - W eröffnet wird, ist das zweite Glied der Zirkulation W´ - G´; also Ausgangspunkt G, das zu verwertende Geldkapital, Schlußpunkt G´, das verwertete Geldkapital G + g, worin G als realisiertes Kapital neben seinem Sprößling g figuriert. Dies unterscheidet den Kreislauf G von den beiden andern Kreisläufen P und W´, und zwar in doppelter Weise. Einerseits durch die Geldform der beiden Extreme; Geld ist aber die selbständige handgreifliche Existenzform des Werts, der Wert des Produkts in seiner selbständigen Wertform, worin alle Spur des Gebrauchswerts der Waren ausgelöscht ist. Andrerseits wird die Form P ... P nicht notwendig zu P ... P´ (P + p), und in der Form W´ ... W´  ist überhaupt keine Wertdifferenz zwischen beiden Extremen sichtbar. - Der Formel G ... G´  ist es also charakteristisch, einerseits, daß der Kapitalwert den Ausgangspunkt und der verwertete Kapitalwert den Rückkehrpunkt bildet, so daß der Vorschuß des Kapitalwerts als Mittel, der verwertete Kapitalwert als Zweck der ganzen Operation erscheint; andrerseits, daß dies Verhältnis in Geldform ausgedrückt ist, der selbständigen Wertform, daher das Geldkapital als Geld heckendes Geld. Die Erzeugung von Mehrwert durch den Wert ist nicht nur als Alpha und Omega des Prozesses ausgedrückt, sondern ausdrücklich in der blinkenden Geldform.

In G - G’ bewahrheitet sich »Zeit ist Geld«, wenn sich des Arbeiters Zeitkredit in Geld realisiert hat.

4. Da G´, das realisierte Geldkapital als Resultat von W´ - G´, der ergänzenden und abschließenden Phase von G - W, sich absolut in derselben Form befindet, worin es seinen ersten Kreislauf eröffnet hat, kann es, sowie es aus demselben hervorgeht, denselben Kreislauf wieder eröffnen als vergrößertes (akkumuliertes) Geldkapital: G´  = G + g; und es ist wenigstens nicht in der Form von G ... G´  ausgedrückt, daß bei Wiederholung des Kreislaufs die Zirkulation von g sich von der von G trennt. In seiner einmaligen Gestalt betrachtet, formell, drückt der Kreislauf des Geldkapitals daher nur den Verwertungs- und Akkumulationsprozeß aus. Die Konsumtion ist darin nur als produktive Konsumtion ausgedrückt durch G - W <APm, nur diese ist eingeschlossen in diesen Kreislauf des individuellen Kapitals, G - A ist A - G oder W - G von seiten des Arbeiters; ist also die erste Phase der Zirkulation, die seine individuelle Konsumtion vermittelt: A - G - W (Lebensmittel). Die zweite Phase G - W fällt nicht mehr in den Kreislauf des individuellen Kapitals; aber sie ist durch ihn eingeleitet, von ihm vorausgesetzt, da der Arbeiter, um sich stets als exploitierbarer Stoff des <64> Kapitalisten auf dem Markt zu befinden, vor allen Dingen leben, also sich durch individuelle Konsumtion erhalten muß. Aber diese Konsumtion selbst ist hier nur vorausgesetzt als Bedingung der produktiven Konsumtion der Arbeitskraft durch das Kapital, also auch nur, soweit sich der Arbeiter durch seine individuelle Konsumtion als Arbeitskraft erhält und reproduziert. Die Pm, die eigentlichen Waren aber, die in den Kreislauf eingehn, bilden nur Speisematerial der produktiven Konsumtion. Der Akt A - G vermittelt die individuelle Konsumtion des Arbeiters, Verwandlung der Lebensmittel in sein Fleisch und Blut. Allerdings muß auch der Kapitalist da sein, also auch leben und konsumieren, um als Kapitalist zu fungieren. Dazu brauchte er in der Tat nur als Arbeiter zu konsumieren, und mehr ist daher in dieser Form des Zirkulationsprozesses nicht vorausgesetzt. Formell ausgedrückt ist selbst das nicht, da die Formel schließt mit G´, also einem Resultat, das sofort wieder als vergrößertes Geldkapital fungieren kann.

In W´ - G´  ist der Verkauf von W´  direkt enthalten; aber W´ - G´, Verkauf von der einen Seite, ist G - W, Kauf von der andern, und die Ware wird endgültig nur ihres Gebrauchswerts wegen gekauft, um (von Zwischenverkäufen abgesehn) in den Konsumtionsprozeß einzugehn, sei dieser nun individuell oder produktiv, je nach der Natur des gekauften Artikels. Aber diese Konsumtion geht nicht ein in den Kreislauf des individuellen Kapitals, dessen Produkt W´  ist; dies Produkt wird eben als zu verkaufende Ware aus dem Kreislauf abgestoßen. Das W´  ist ausdrücklich bestimmt zu fremder Konsumtion. Wir finden daher bei Dolmetschern des Merkantilsystems (dem die Formel G - W ... P ... W´ - G´  zugrunde liegt) sehr weitläufige Predigten darüber, daß der einzelne Kapitalist nur als Arbeiter konsumieren muß, wie die Kapitalistennation den andern dümmern Nationen das Verzehren ihrer Waren und überhaupt den Konsumtionsprozeß überlassen, dagegen die produktive Konsumtion zu ihrer Lebensaufgabe machen muß. Diese Predigten erinnern oft der Form und dem Inhalt nach an analoge asketische Ermahnungen der Kirchenväter.

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Der Kreislaufsprozeß des Kapitals ist also Einheit von Zirkulation und Produktion, schließt beide ein. Sofern die beiden Phasen G - W, W´ - G´  Zirkulationsvorgänge, bildet die Zirkulation des Kapitals Teil der allgemeinen Warenzirkulation. Aber als funktionell bestimmte Abschnitte, Stadien im Kreislauf des Kapitals, der nicht nur der Zirkulationssphäre, <65> sondern auch der Produktionssphäre angehört, vollzieht das Kapital innerhalb der allgemeinen Warenzirkulation seinen eignen Kreislauf. Die allgemeine Warenzirkulation dient ihm im ersten Stadium dazu, die Gestalt anzunehmen, worin es als produktives Kapital fungieren kann; im Zweiten, die Warenfunktion <1. Auflage: Warenform> abzustoßen, worin es seinen Kreislauf nicht erneuern kann; und zugleich ihm die Möglichkeit zu eröffnen, seinen eignen Kapitalkreislauf zu trennen von der Zirkulation des ihm angewachsnen Mehrwerts.

Der Kreislauf des Geldkapitals ist daher die einseitigste, darum schlagendste und charakteristischste Erscheinungsform des Kreislaufs des industriellen Kapitals, dessen Ziel und treibendes Motiv: Verwertung des Werts, Geldmachen und Akkumulation, in die Augen springend dargestellt wird (kaufen, um teurer zu verkaufen). Dadurch, daß die erste Phase G - W ist, tritt auch hervor die Herkunft der Bestandteile des produktiven Kapitals aus dem Warenmarkt, wie überhaupt die Bedingtheit des kapitalistischen Produktionsprozesses durch die Zirkulation, den Handel. Der Kreislauf des Geldkapitals ist nicht nur Warenproduktion; er kommt selbst nur durch die Zirkulation zustande, er setzt sie voraus. Es liegt dies schon darin, daß die der Zirkulation angehörige Form G als erste und reine Form des vorgeschoßnen Kapitalwerts erscheint, was in den beiden andern Kreislaufsformen nicht der Fall.

Der Kreislauf des Geldkapitals bleibt insofern stets der allgemeine Ausdruck des industriellen Kapitals, als er stets Verwertung des vorgeschossenen Werts einschließt. In P ... P tritt der Geldausdruck des Kapitals nur als Preis der Produktionselemente hervor, also nur als in Rechengeld ausgedrückter Wert, und wird in dieser Form festgehalten in der Buchhaltung.

Besondere Form des Kreislaufs des industriellen Kapitals wird G ... G´, soweit neu auftretendes Kapital zuerst als Geld vorgeschossen und in derselben Form zurückgezogen wird, sei es beim Übertritt aus einem Geschäftszweig in den andern, sei es beim Rücktritt des industriellen Kapitals aus dem Geschäft. Es schließt dies ein die Kapitalfunktion des zuerst in Geldform vorgeschoßnen Mehrwerts, und tritt am schlagendsten hervor, wenn dieser in einem andern Geschäft fungiert als dem, woraus er herkommt. G ... G´  kann erster Kreislauf eines Kapitals sein; es kann letzter sein; es kann als Form des gesellschaftlichen Gesamtkapitals gelten; es ist die Form von Kapital, das neu angelegt wird, sei es als in Geldform neu akkumuliertes Kapital, sei es als altes Kapital, das ganz in Geld verwandelt wird zur Übertragung aus einem Produktionszweig in den andern.

<66>Als stets in allen Kreisläufen einbegriffne Form vollzieht das Geldkapital diesen Kreislauf gerade für den Teil des Kapitals, der den Mehrwert erzeugt, das variable Kapital. Die normale Form des Vorschusses des Arbeitslohns ist Zahlung in Geld; dieser Prozeß muß in kürzeren Terminen stets erneuert werden, weil der Arbeiter von der Hand in den Mund lebt. Dem Arbeiter muß der Kapitalist daher beständig als Geldkapitalist, und sein Kapital als Geldkapital gegenübertreten. Es kann hier nicht, wie beim Kauf der Produktionsmittel und Verkauf der produktiven Waren, direkte oder indirekte Ausgleichung stattfinden (so daß die größere Masse des Geldkapitals tatsächlich nur in Form von Waren, das Geld nur in der Form des Rechengelds, und schließlich bar nur für Ausgleichung der Bilanzen figuriert). Andrerseits wird ein Teil des aus dem variablen Kapital entspringenden Mehrwerts vom Kapitalisten verausgabt für seine Privatkonsumtion, die dem Kleinhandel angehört und, auf welchen Umwegen immer, bar, in der Geldform des Mehrwerts verausgabt wird. Wie groß oder klein dieser Teil des Mehrwerts sei, ändert nichts an der Sache. Fortwährend erscheint von neuem das variable Kapital als im Arbeitslohn angelegtes Geldkapital (G - A) und g als Mehrwert, der zur Bestreitung der Privatbedürfnisse des Kapitalisten verausgabt wird. Also G als vorgeschoßner variabler Kapitalwert und g als sein Zuwachs, beide in Geldform notwendig festgehalten, um in solcher verausgabt zu werden.

Die Formel G - W ... P ... W´ - G´, mit dem Resultat G´  = G + g, schließt in ihrer Form eine Täuschung ein, trägt einen illusorischen Charakter, der aus dem Dasein des vorgeschoßnen und verwerteten Werts in seiner Äquivalentform, dem Geld, entspringt. Der Akzent liegt nicht auf Verwertung des Werts, sondern auf der Geldform dieses Prozesses, darauf, daß mehr Wert in Geldform schließlich aus der Zirkulation gezogen wird, als ihr ursprünglich vorgeschossen ward, also auf Vermehrung der dem Kapitalisten gehörigen Gold- und Silbermasse. Das sogenannte Monetärsystem ist bloß Ausdruck der begriffslosen Form G - W - G´, einer Bewegung, die ausschließlich in der Zirkulation verläuft und daher die beiden Akte: 1) G - W, 2) W - G´  nur dadurch erklären kann, daß W im zweiten Akt über seinen Wert verkauft wird, daher mehr Geld der Zirkulation entzieht, als durch seinen Kauf in sie hineingeworfen ward. Dagegen G - W ... P ... W´ - G´, als ausschließliche Form fixiert, liegt dem entwickelteren Merkantilsystem zugrund, wo nicht nur Warenzirkulation, sondern auch Warenproduktion als notwendiges Element erscheint.

Die noch nicht als solche erkannte zwölfmalige jährliche Kreditvergabe des Arbeiters an den Kapitelisten (../me23/me23_589.html#S594) ist die Ursache der Täuschung.

Der illusorische Charakter von G - W ... P ... W´ - G´, und die ihr entsprechende illusorische Deutung ist da, sobald diese Form als einmalige <67> fixiert wird, nicht als fließende, beständig sich erneuernde; sobald sie daher nicht als eine der Formen des Kreislaufs, sondern als seine ausschließliche gilt. Sie weist aber selbst auf andre Formen hin.

Erstens setzt dieser ganze Kreislauf den kapitalistischen Charakter des Produktionsprozesses selbst voraus, und als Basis daher diesen Produktionsprozeß nebst dem spezifischen, durch ihn bedingten Gesellschaftszustand. G - W = G - W <APm; aber G - A unterstellt den Lohnarbeiter, und daher die Produktionsmittel als Teil des produktiven Kapitals, daher den Arbeits- und Verwertungsprozeß, den Produktionsprozeß schon als Funktion des Kapitals.

Zweitens: Wird G ... G´  wiederholt, so erscheint die Rückkehr zur Geldform ebenso verschwindend, wie die Geldform im ersten Stadium. G - W verschwindet, um P Platz zu machen. Der beständige Wiedervorschuß in Geld, ebensosehr wie seine beständige Rückkehr als Geld, erscheinen selbst als nur im Kreislauf verschwindende Momente.

Drittens:

S067.jpg

Schon bei der zweiten Wiederholung des Kreislaufs erscheint der Kreislauf P ... W´ - G´. G - W ... P, bevor der zweite Kreislauf von G vollendet ist, und alle ferneren Kreisläufe können so unter der Form P ... W´ - G - W ... P betrachtet werden, so daß G - W als erste Phase des ersten Kreislaufs nur die verschwindende Vorbereitung des sich stets wiederholenden Kreislaufs des produktiven Kapitals bildet, wie dies in der Tat der Fall bei zum ersten Mal in der Form von Geldkapital angelegtem, industriellem Kapital.

Andrerseits, bevor der zweite Kreislauf von P vollendet, ist der erste Kreislauf W´ - G´. G - W ... P ... W´  (abgekürzt W´ ... W´) beschrieben, der Kreislauf des Warenkapitals. So enthält die erste Form schon die beiden andern und es verschwindet so die Geldform, soweit sie nicht bloßer Wertausdruck, sondern Wertausdruck in der Äquivalentform, in Geld.

Endlich: Nehmen wir ein neu auftretendes einzelnes Kapital, welches zum ersten Mal den Kreislauf G - W ... P ... W´ - G' beschreibt, so ist G - W die Vorbereitungsphase, der Vorläufer des ersten Produktionsprozesses, den dies einzelne Kapital durchmacht. Diese Phase G - W ist daher nicht vorausgesetzt, sondern wird vielmehr durch den Produktionsprozeß gesetzt oder bedingt. Aber dies gilt nur für dies einzelne Kapital. Allgemeine Form des Kreislaufs des industriellen Kapitals ist der Kreislauf des Geldkapitals, soweit die kapitalistische Produktionsweise vorausgesetzt ist, also innerhalb <68> eines durch die kapitalistische Produktion bestimmten Gesellschaftszustandes. Der kapitalistische Produktionsprozeß ist daher als ein prius vorausgesetzt, wenn nicht in dem ersten Kreislauf des Geldkapitals eines neu angelegten industriellen Kapitals, so außerhalb desselben; das beständige Dasein dieses Produktionsprozesses unterstellt den beständig erneuerten Kreislauf von P ... P. Innerhalb des ersten Stadiums G - W <APmtritt diese Voraussetzung selbst schon auf, indem dies einerseits das Dasein der Lohnarbeiterklasse voraussetzt; indem andrerseits das, was erstes Stadium G - W für den Käufer der Produktionsmittel, W´ - G´  für ihren Verkäufer ist, also in W´  das Warenkapital, somit die Ware selbst als Resultat der kapitalistischen Produktion, und damit die Funktion des produktiven Kapitals voraussetzt.

Nicht die Hinzufügung von m in II. oder in III. kennzeichnet den sich 12 mal jährlich verwertenden Wert, sondern die 12malige Wegnahme von m in I. macht II. und III. größer, so dass am Jahresende der Ausgleich vorgenommen werden kann.


Fußnoten

(1) Aus Ms. II. <=

(2) Von hier an Ms. VII, angefangen 2. Juli 1878. <=

(3) Bis hierher Manuskript VIl. Von hier an Manuskript VI. <=

(4) Bis hierher Manuskript VI. Von hier an Manuskript V. <=

(5) Dies gilt, einerlei in welcher Weise wir Kapitalwert und Mehrwert trennen. In 10.000 Pfund Garn steckt 1.560 Pfund = 78 Pfd.St. Mehrwert, aber in 1 Pfund Garn = 1 Shilling steckt ebenfalls 2.496 Unzen = 1,872 Penny Mehrwert. <=