Philosophie

Die traditionelle Teilung der Philosophie in theoretische und praktische Wissenschaften heißt hier Archeologie und Humanologie. Beide Teile einschließlich ihrer Wissenschaften wurden fast ausschließlich von Aristoteles begründet. Zu den beiden haben sich seit dem Aufkommen des Bürgertums im 15. Jh. die empirischen Wissenschaften gesellt, die eigentlich den Namen praktische verdient hätten.

Die Neuvergabe wissenschaftlicher Termini muss mit äußerster Behutsamkeit und darf nur aus Notwendigkeit geschehen. Der Niedergang der archeologischen Wissenschaften seit 2.000 Jahren und der der humanologischen Wissenschaften seit 500 Jahren sind solche Notwendigkeiten.

Zwischen den theoretischen (archeologischen) und praktischen (humanologischen) Disziplinen und den empirischen konnte sich noch nicht das rechte Verhältnis einstellen. Entweder schauen die theoretischen vornehm auf die empirischen herab, oder die empirischen Wissenschaften verkommen zur Wurmphilosophie, die sich jeglichem Denken verweigert, das über die Sinne hinausgeht. Wen daran die Schuld trifft, ist einerseits schwer zu sagen. Die theoretischen und praktischen sind so auf den Hund gekommen, dass die Abwehr der Empiriker gegen sie verständlich wird. Die empirischen werfen sich der niedrigsten Sorte Philosophie an den Hals, dem gesunden Menschenverstand, der sein borniertes kleines Ich, wie es geht und steht, zum Maß der Dinge erhebt.

Andererseits ist es nicht schwer, denn die empirischen Wissenschaften sind heute das Reich der Patente und Lizenzen, dessen Herr nur das Denken zulässt, das er selbst eingekauft hat. Und dass es mit dessen Denken nicht weit her ist, hat er zur Genüge unter Beweis gestellt. Hier genügt ein Blick in die Wissenschaften der Humanologie.

Lothar Seidel, Frankfurt am Main im März 2021