Humanologie

Die Humanologen der Neueren Philosophie wollen alle mit der Göttelei der Scholastik brechen, die mit der Ersatzarche Gott die Wissenschaft der archai über tausend Jahre verkorkst hat. Statt aber die Anfänge des Seins getrennt von den Menschenwissenschaften zu untersuchen und dort weiterzumachen, wo die alten Griechen aufhören mussten, drehen sie den Spieß um und verfrachten Teile der Humanologie, die Ethik, die Psychologie oder das ICH ins Sein und geben diese als Seinsprinzipien aus. Weil diese Lächerlichkeit jedem Vorschulkind einleuchtet, hängen sie die Göttelei an ihre Psychelei, Ethelei, Ichelei, die Auswalzung der Ethik, der Phychologie oder des ICH auf das Universum und machen so die Philosophie von der Königin der Wissenschaften zu einem Verblödungsapparat, über den nicht einmal mehr gelacht werden kann, was bei der scholoastischen Göttelei noch möglich war.

Zwei Teilen der Humanologie, der Íkonomie und der Politik, haben die Bourgeoisien der Welt tatsächlich zum globalen Ausmaß verholfen, auch wenn es sich dabei um globale Vernichtungsfeldzüge der Reichen gegen die Armen handelt.

Und da haben wir auch die Erklärung für die zählebige Ethelei, Psychelei, Ichelei. Sie sind, was früher das Opium fürs Volk war, der Feudalherren die Göttelei war, nämlich die nützlichen Idioten der Bourgeoiseie.

Aristoteles stellt sich in der Humanologie die Aufgabe, Íkonomie und Politik nach ethischen Grundsätzen zu gestalten.

Das wird gelingen, wenn einmal die materiellen Voraussetzungen dazu geschaffen sind, also in zweitausend Jahren von ihm aus gerechnet. Und wenn die humanologischen Wissenschaften nach der Wirbeltierstruktur gestaltet werden, bei der das Harte innen, das Weiche außen ist. Bei der zwar das Harte das Weiche trägt, aber das Weiche über das Harte die Herrschaft ausübt.

Lothar Seidel, Frankfurt am Main im März 2021