Johann Gottlieb Fichte’s sämmtliche Werke. Herausgegeben von J. H. Fichte. ... Erste Abtheilung. Zur theoretischen Philosophie. Erster Band. Berlin, 1845. Vorrede des Herausgebers V-XXVI Ankündigung. Johann Gottlieb Fichte’s sämmtliche Werke. Herausgegeben von J. H. Fichte. XXVII-XXXII Inhaltsanzeige der sämmtlichen Werke. XXIX-XXXII Inhaltsanzeige des ersten Bandes. XXXIII 1) Recension des Aenesidemus oder über die Fundanmente der vom Herrn Prof. Reinhold in Jena gelieferten Elementarphilosophie. Nebst einer Vertheidigung des Skepticismus gegen die Anmaassungen der Vernunftkritik. 1792. 1-25

Wenn es unläugbar ist, dass die philosophirende Vernunft jeden menschlichen Fortschritt, den sie von jeher gemacht, den Bemerkungen des Skepticismus über die Unsicherheit ihres jedesmaligen Ruhepunctes verdankt, ... so war nichts wünschenswerther, als dass der Skepticismus sein Werk krönen, und die forschende Vernunft bis an ihr erhabenes Ziel vortreiben möchte; dass derselbe, nachdem man lange gemeint hat, dass seine noch übrigen richtigen Ansprüche an die Philosophie bisher nur nicht recht deutlich zur Sprache gekommen, endlich einen Sprecher erhalten möchte, der jenen Ansprüchen nichts vergebe, und dabei die Gabe habe, sie deutlich darzustellen. 3

Das absolute Subject, das Ich, wird nicht durch empirische Anschauung gegeben, sondern durch intellectuelle gesetzt; das absolute Object, das Nicht-Ich, ist das ihm entgegengesetzte. 10

Nach Kant machte Reinhold sich das unsterbliche Verdienst, die philosophirende Vernunft ... darauf aufmerksam zu machen, dass die gesammte Philosophie auf einen einzigen Grundsatz zurückgeführt werden müsse, 20

Ueber den Begriff der Wissenschaftslehre oder der sogenannten Philosophie. Erste Ausgabe Weimar 1794, Zweite verbesserte und vermehrte Ausgabe Jena und Leipzig 1798 27-81 Vorrede zur ersten Ausgabe. 29

Der Verfasser ist bis jetzt innig überzeugt, dass kein menschlicher Verstand weiter als bis zu der Grenze vordringen könne, an der Kant, besonders in seiner Kritik der Urtheilskraft, gestanden, 30

Vorrede zur zweiten Ausgabe. 32

Er [Fichte] wird nemlich in der systematischen Ausführung des Systems vor jetzt nicht weiter fortschreiten, sondern erst das bis jetzt Erfundene vielseitiger darstellen, und vollkommen klar und jedem Unbefangenen ecident zu machen suchen. 36

Erster Abschnitt. Ueber den Begriff der Wissenschaftslehre überhaupt. 38-54 §. 1. Hypothetisch aufgestellter Begriff der Wissenschaftslehre. 38

Eine Wissenschaft soll Eins, ein Ganzes seyn ... Wie und wodurch werden nun eine Menge an sich höchst verschiedener Sätze zu Einer Wissenschaft, zu Einem und eben demselben Ganzen?

...

Wenn gar kein Satz unter den verbundenen Sätzen Gewissheit hätte, so würde auch das durch die Verbindung entstandene Ganze keine haben.

Mithin müsste wenigstens Ein Satz gewiss seyn, der etwa den übrigen seine Gewissheit mittheilte; so dass, wenn, und in- 41 wiefern dieser Eine gewiss seyn soll, auch ein Zweiter, und wenn, und inwiefern dieser Zweite gewiss seyn soll, auch ein Dritter u. s. f gewiss seyn muss. Und so würden mehrere, und an sich vielleicht sehr verschiedene Sätze, eben dadurch, dass sie alle – Gewissheit, und die gleiche Gewissheit hätten, nur Eine Gewissheit gemein haben, und dadurch nur Eine Wissenschaft werden. 40-41

Das gilt für die archeologischen Wissenschaften, etwa die Mitte. Der eine gewisse Satz, dass die Welt aus [+]A und [-]A besteht, dem ganzen A und dem ganzen non-A, erlaubt es, alle in ihr geltenden Sätze über das Ganze und den Teil, das Positive und das Negative, mit derselben Gewissheit aufzustellen, mit der er gewiss ist. In den empirischen oder humanologischen Wissenschaften gelten deren historische Gewissheiten nicht in dieser Art.

Ein solcher Satz heisst ein Grundsatz. Jede Wissenschaft muss einen Grundsatz haben; ja sie könnte ihrem inneren Charakter42 nach wohl gar aus einem einzigen an sich gewissen Satze bestehen, – der aber dann feilich nicht Grundsatz heissen könnte, weil er nichts begründete. 41-42

Einen solchen Satz gibt es im Anfang. Er lautet, die Welt besteht aus der mit dem unbewegten Leeren gleichzeitigen bewegten Materie. Außer diesem Satz ist über den Anfang keine weitere Aussage möglich. Es sei denn Verdeutlichungen wie: Das Leere ist der Ort der Welt, die Materie nimmt ihn ein.

Welches sind die Bedingungen diess Zusammenhangs; und woher wissen wir, dass sie die Bedingungen und die ausschliessenden Bedingungen und die einzigen Bedingungen desselben sind? und wie kommen wir überhaupt dazu, einen nothwendigen Zusammenhang zwischen verschiedenen Sätzen, und ausschliessende, aber erschöpfende Bedingungen dieses Zusammenhanges anzunehmen?43

Das können wir nur tun, wenn der Bereich der Wissenschaft alles überhaupt Mögliche umfasst. Ist dies der Fall, so hat jeder einzelne Fall zu seinem Komplement den Rest der Welt. Das ist bei der Materie und dem Leeren der Fall oder bei dem A und dem non-A. Fichte sagt, der innere Gehalt und die Form des Grundsatzes müssen bestimmt werden, also das etwas umformulierte Schulbuchwesen aus Stoff-und-Form. Von den Anfängen des Seins wären wir auf das Ding geplumpst, auf den Gegenstand der empirischen Wissenschaften.

Die aufgegebene Frage ist mithin die: Wie ist Gehalt und Form einer Wissenschaft, d. h. wie ist die Wissenschaft selbst möglich?

§. 2. Entwickelung des Begriffs der Wissenschaftslehre. 45

unsere eben beschriebene Wissenschaft ... ist, als solche, nicht etwas, das unabhängig von uns, und ohne unser Zuthun existirte, sondern vielmehr etwas, das erst durch die Freiheit unseres nach einer bestimmten Richtung hin wirkenden Geistes hervorgebracht werden soll 46

Die Erkenntnisse der Wisssenschaften der Anfänge des Seins sind nur durch das Denken aufstellbar, weil das Sein sinnlich nicht wahrnehmbar ist. Um es sinnlich wahrzunehmen, müssten wir uns außerhalb der Welt befinden und auf sie schauen können. Dass uns das nicht hindert, dies in den archeologischen Wissenschaften zu tun (von außen auf die Welt zu schauen), ist eine andere Frage.

Mithin könnte es auch nicht mehrere Grundsätze geben, als drei; einen absolut und schlechthin durch sich selbst, sowohl der Form, als dem Gehalte nach bestimmten; einen der Form nach durch sich selbst bestimmten, und einen dem Gehalte nach durch sich selbst bestimmten. 50

Es gibt drei Prinzipien des Seins, Anfang, Mitte und Ende. Der Anfang ist rein stofflich, die beiden gleichzeitigen Körper der Welt. Sein Sein wird untersucht. Die Mitte kann stofflich oder formal betrachtet werden. Sie ist derselbe Körper wie der Anfang, nur nicht als Gleichzeitigkeit Zweier, sondern als das teilehabende Ganze betrachtet. Sein Geteiltsein wird untersucht. Im Ende gibt es nur Formen. Das Ende selbst ist ebenso derselbe Körper wie Anfang und Mitte. Nur tritt der Körper in der Wissenschaft des Endes, der Mathematik, nicht auf, sondern dient nur den größenlosen mathematischen Gegenständen als Grenze und Halt. Sein Grenzsein wird untersucht.

Die Wissenschaftslehre soll aber nicht nur sich selbst, sondern auch allen möglichen übrigen Wissenschaften ihre Form geben, und die Gültigkeit dieser Form für alle sicher stellen. 51

Sätze, die von Allem gelten, gelten für jeden Teil, weil sich der Teil wie das Ganze verhält. Da aber der Teil so gut wie nie von sich sagt, dass er aus Materie und Leerem besteht, obwohl dies die Wahrheit ist, sondern sagt, er bestehe aus Fleisch und Knochen oder aus Luft und Liebe, und da er auch nie von sich sagt, dass er Teil und Ganzes ist, obwohl auch dies wahr ist, ist zu sehen, dass die Aussagen, die für Alles gelten, nur für bestimmte Zwecke eingesetzt werden. Die ersten Sätze bestimmen nicht den Inhalt der anderen Wissenschaften, sondern die anderen Wissenschaften bedienen sich ihrer, wenn Fragen des Anfangs, der Mitte oder des Endes gestellt werden. Nur leider: Fichte sucht nicht nach den Anfängen des Seins, sondern nach dem Anfang des Bewusstseins.
Zweiter Abschnitt. Erörterung des Begriffs der Wissenschaftslehre. 55-81 §. 3.

Die letzteren [die anderen Wissenschaften] verhalten sich zu der ersteren [der Wissenschaftslehre], die das Begründete zu seinem Grunde; sie weisen derselben ihre Stelle nicht an, aber jene weiset ihnen allen ihre Stellen in sich selbst und durch sich selbst an. 55

Ursache und Wirkung besteht zwischen den Dingen im Anfang, zwischen den Dingen in der Mitte oder zwischen denen des Endes, aber nicht zwischen dem Anfang, der Mitte oder dem Ende und den Dingen in ihnen. Anweisungen geben ist nicht die Sache eines Seinsprinzips. Was die Dinge in ihm tun, ist ihm egal. Mehr noch, es hat keine Möglichkeit, den Dingen Vorschriften zu machen. Wohl aber werden die Dinge in ihm scheitern, wenn sie meinen, sie könnten sich dem Ganzen entziehen, dessen Teile sie sind.
§. 4. Inwiefern kann die Wissenschaftslehre sicher seyn, das menschliche Wissen überhaupt erschöpft zu haben? 57

Wir bedürfen eines positiven Merkmals zum Beweise, dass schlechthin und unbedingt nichts weiter gefolgert werden könne; und das könnte kein anderes seyn, als das, dass der Grundsatz selbst, von welchem wir ausgegangen wären, zugleich auch das letzte Resultat sey ... Es wird sich bei einstiger Aufstellung der Wissenschaft zeigen, dass sie diesen Kreislauf wirklich vollendet ... Die Wissenschaftslehre hat also absolute Totalität. In ihr führt Eins zum Allem, und Alles zu Einem. Sie ist aber die einzige Wissenschaft, welche vollendet werden kann; Vollendung ist demnach ihr auszeichnender Cahrakter ... (Marg. d. Verf.)59

so dass, wenn der erstere z. B. der wäre: Ich bin Ich, – der zweite sein müsste: Ich bin nicht Ich. 61

Mit einem z. B. tritt er schüchtern ans Licht, um gleich darauf als Beleg für das unmittelbar Gewisse aufzutreten.

Wer Lust dazu hat, mag immer untersuchen, was er wissen würde, wenn sein Ich nicht Ich, d. i. wenn er nicht existirte, und kein Nicht-Ich von seinem Ich unterscheiden könnte. 62

Aristoteles hat die Variablen A, B, C in die Wissenschaft eingeführt, die später auch in der Mathematik verwendet werden sollten. Mit diesen Variablen hat er die Wissenschaft der Mitte, die er die Analytik nennt, nahezu vollkommen aufgestellt. Was er noch nicht in dem Formalismus des Ganzen und des Teils unterbringen konnte, waren die negativen Ganzen und Teile. Nicht, weil er sie nicht kennt, sondern weil er noch kein abschließendes Urteil über sie hat, schließt er sie daher von der Logik aus.Dass er besser als wir alle zusammen mit dem non-a umgehen kann belegt er am Ende des ersten Buchs der Ersten Analytik. Er hat in diesem Kapitel die Zweiteilung der Welt in nahezu allen Möglichkeiten durchgespielt. Es mussten zweitausend Jahre vergehen, bis sich in Augustus de Morgan ein Denker fand, der die Skizze des Aristoteles für die Logik entwickelt hat. Fichtes Nicht-Ich und Ich stellen so etwas wie das in der Logik noch Fehlende auf. Aber sie haben einen Fehler, den Kant, Fichte, Schelling und Hegel teilen. Sie machen aus den Variablen Konstanten. Sie versehen das jede Bedeutung annehmen Könnende, selbst aber keine Bedeutung Habende, mit einer Bedeutung und zerstören damit diesen Grundbaustein der Logik, die Variable.
§. 5. Welches ist die Grenze, die die allgemeine Wissenschaftslehre von der besonderen, durch sie begründeten Wissenschaft scheidet? 62

Die Wissenschaftslehre giebt als nothwendig den Raum und den Punct als absolute Grenze; aber sie lässt der Einbildungskraft die völlige Freiheit den Punct zu setzen, wohin es ihr beliebt. Sobald diese Freiheit bestimmt wird ... sind wir nicht mehr auf dem Gebiete der Wissenschaftslehre, sondern auf dem Boden einer besonderen Wissenschaft, welche Geometrie heisst. 64

“Raum” nennt Fichte den logischen Körper der Welt, der in der Mitte untersucht wird. Punkt ist eines der metaxy (Zwischen), die die Gegenstände des Endes sind. Der Archeologe hat nicht die Vollmacht, den Wissenschaften Freiheiten zu erteilen oder zu versagen, sondern er hat die Anfänge des Seins so zu liefern, dass die Wissenschaften einen Nutzen davon haben. Der wirkliche Raum wird im Anfang, der Physik, untersucht. Er ist von einem anderen Kaliber als der geometrische Raum.

Die Aufgabe überhaupt, jeden in der Erfahrung gegebenen Gegenstand an jedes in unserem Geiste gegebenes Naturgesetz zu halten, ist Grundsatz der Naturwissenschaft: sie besteht durchgängig aus Experimenten, ... die man sich willkürlich aufgiebt, und denen die Natur entsprechen kann oder nicht: und dadurch ist denn die Naturwissenschaft genugsam von der Wissenschaftslehre geschieden. 65

Die Wissenschaftslehre enthält bloss das Nothwendige; ist dies in jeder Betrachtung nothwendig, so ist es dasselbe auch in Absicht der Quantität, d. h. es ist nothwendig begrenzt (!). Alle übrigen Wissenschaften gehen auf die Freiheit, ... Ihr Wirkungskreis ist demnach unendlich. 66

Die archeologischen Wissenschaften gehen auf das Ganze. Die empirischen Wissenschaften gehen auf die Teile des Ganzen. Die Freiheit eines Christen-, eines Arbeits- oder eines Kapitalistenmenschen wird in den humanologischen Wissenschaften untersucht. Fichte macht die Freiheit zum Unendlichen und die Archeologie zum Endlichen, die Erbse zum All und das All zur Erbse.
§. 6. Wie verhält sich die allgemeine Wissenschaftslehre insbesondere zur Logik? 66

Sobald man sich erinnert, dass die Logik allen möglichen Wissenschaften bloss die Form allein, die Wissenschaftslehre aber nicht die Form allein, sondern auch den Gehalt geben solle, so ist ein leichter Weg eröffnet, um in diese höchst wichtige Untersuchchung einzudringen. In der Wissenschaftslehre ist die Form vom Gehalte, oder der Gehalt von der Form nie getrennt; in jedem ihrer Sätze ist beides auf das innigste vereinigt. 66

Da die Logik sowohl stofflich, als auch förmlich behandelt werden kann, wäre nach dieser Aussage die Logik die Wissenschaftslehre. Tatsächlich vertreten viele Wissenschaftler die Ansicht, dass die Logik die Grundwissenschaft aller Wissenschaften ist. Aber sie ist neben der Physik und der Mathematik nur eine von den drei archeologischen Wissenschaften. Aber eine innige Vereinigung der Größe und der Grenze gibt es in der Logik nicht, sondern entweder das eine, oder das andere.

Die erstere [die Logik] begründet nicht die letztere [die Wissenschaftslehre], sondern die letztere begründet die erstere: die Wissenschaftslehre kann schlechterdings nicht aus der Logik bewiesen werden, und man darf ihr keinen einzigen logischen Satz, auch den des Widerspruchs nicht, als gültig vorausschicken; hingegen muss jeder logische Satz, und die ganze Logik aus der Wissenschaftslehre bewiesen werden; 68

Der Anfang, die mit dem Leeren gleichzeitige Materie, ist in Allem, und Alles ist im Anfang, und Nichts ist außer dem Anfang. Also ist auch die Mitte im Anfang. So ungefähr könnte man Fichtes Behauptung lesen. Tatsächlich kann der teilehabende Körper der Welt nur sein, wenn der Körper der Welt selbst ist, er kann nicht ohne ihn sein. Aber keiner der beiden ist “aus” dem anderen, beide sind für sich und gehen den anderen nichts an.

Nemlich der Satz: A = A gilt ursprünglich nur vom Ich; er ist von dem Satze der Wissen- 70 schaftslehre: Ich bin Ich, abgezogen; aller Gehalt also worauf er anwendbar seyn soll, muss im Ich liegen und unter ihm enthalten seyn. Kein A also kann etwas Anderes seyn, als ein im Ich gesetztes, 69-70

Den Steit zwischen A und Ich möge Fichte mit Schelling austragen. Nur ist es endlich heraus. Das Ich = Ich ist Fichtes gesuchter, bereits feststehender Satz. später: Das Ich spielt in den humanologischen Wissenschaften eine Rolle, also in den Wissenschaften, die auf der Oberfläche einer Erbse im All für keine Sekunde der Ewigkeit sind.
§. 7. Wie verhält sich die Wissenschaftslehre, als Wissenschaft, zu ihrem Gegenstande? 70Es ist zu merken, dass von dieser Frage bis jetzt völlig abstrahirt worden, dass also alles Vorhergehende nach der Beantwortung derselben zu modificiren ist. (Marg. d. V.)

Jeder Satz in der Wissenschaftslehre hat Form und Gehalt: man weiss etwas; und es ist etwas, wovon man weiss.

“A” = B. “A” weiß man, B ist. Das alte Problem des Aristoteles, bei dem ein Ausgesagtes mit einem Seienden identifiziert werden soll, aber nicht identifiziert werden kann, weil das A im Kopf, das B im Wald und auf der Heide ist. Während Aristoteles unzählige male verzweifelt ausruft, wie die beiden Eins sein können, wo es doch Zwei sind, nehmen die Späteren das Problem für die Lösung und nennen es Subjekt und Prädikat, Subjekt und Objekt oder Form und Gehalt. Über diese Anfangsgründe der Logik ist die Logik nicht hinaus, weil sie die offene Frage unter den Teppich kehrt und so tut, als sei alles bereits gelöst.

Das Object der Wissenschaftslehre ist nach allem das System des menschlichen Wissens. Dieses ist unabhängig von der Wissenschaft vorhanden, wird aber durch sie in systematischer Form aufgestellt. 70

Erst sind wir vom All auf das Ding geplumpst und nun auf den Teil der Psychologie, den Aristoteles dem Menschen vorbehält, das Denken. Allerdings spielt die Psychologie als die Mittlerin zwischen Archeologie, Empirie und Humanologie für den Menschen eine wichtige Rolle. Nur muss man dann auch sagen, dass man sich mit der Psychologie beschäftigt. Das z.B.-Ich kommt wieder wie von ungefähr angeschlichen.

Z. B. die höchste Handlung der Intelligenz sey die, sich selbst zu setzen ...

Hierin liegt nun der ganze Stoff einer möglichen Wissenschaftslehre, aber nicht diese Wissenschaft selbst. 71

Beruhigend, dass noch mehr als Ich sein soll. Soll ich noch weiterlesen? Offenbar hat Fichte sein archeologisches Pulver verschossen. Wenn er das Ich auch wie eine Hundertpfünderkanone aufprotzt, so sind wir jetzt in Nebenfragen der Humanologie und nicht mehr in der Archeologie. Folgen konfuse Äußerungen über logisches Denken.

Das Vorstellen ist die höchste und absolut-erste Handlung des Philosophen als solchen; 80

Wieder eine Frage der Psychologie. Allerdings eine wichtige, wenn es um die archai geht. Denn hier müssen wird die Antwort geben, wie ein Stubkorn auf einer Erbse im All das All in sein Denkorgan hineinkriegt, ohne dass ihm der Schädel platzt.
3) Grundlage der gesammten Wissenschaftslehre 1. Aufl. 1794, 2. und 3. 1802, 83-328 Vorbericht zur zweiten Auflage. 85 Vorbericht zur ersten Auflage. 86

Gehen die die letztere Schrift betreffenden Klagen insbesondere auf §. 8. derselben

Die hier vorliegende hat nur 7 §§. Aber sicher ist der 7. gemeint, weil der nichts Zitierenswertes enthält.

Habe dieses Nichtverstehen einen Grund, welchen es wolle, es liegt in der Wissenschaftslehre selbst ein Grund, warum sie gewissen Lesern immer unverständlich bleiben muss: der, dass sie das Vermögen der Freiheit der inneren Anschauung voraussetzt. 88

Die archeologischen Wissenschaften unterscheiden sich sowohl von ihrem Gegenstand als auch von ihrer Erkenntnis von den empirischen oder humanologischen Wissenschaften. Sie sind allein durch das Denken möglich, weil ihre Gegenstände entweder das All, das unendlich Kleine oder das Größenlose sind, die nicht mit den Sinnen wahrgenommen werden können. Dass Fichte statt vom Sein vom Ich handelt, hindert ihn nicht, auch archeologische Gedanken zu denken.
Erster Theil. Grundsätze der gesammten Wissenschaftslehre. 91-123 §. 1. Erster, schlechthin unbedingter Grundsatz. 91

Da er [ein Zirkel] nun unvermeidlich, und frei zugestanden ist, so darf man auch bei Aufstellung des höchsten Grundsatzes auf alle Gesetze der allgemeinen Logik sich berufen. 92

Nicht im Anfang, nicht bei der Aufstellung der Mitte, sondern in der fertigen Mitte befinden wir uns bei der Aufstellung des höchsten Satzes. Da Fichte nur vom höchsten Satz des menschlichen Denkens spricht, mag dies durchgehen. Dann waren aber die bisherigen Ankündigungen geflunkert. Ich mache es wie bei Schelling und zitiere die Teile, die man in den archeologischen Wissenschaften verwenden kann.

Aber der Satz: Ich bin Ich, hat eine ganz andere Bedeutung als der Satz A ist A. - Nemlich der letztere hat nur unter einer gewissen Bedingung einen Gehalt. Wenn A ge- 95 setzt ist, so ist es freilich als A, mit dem Prädicate A gesetzt. Es ist aber durch jenen Satz noch gar nicht ausgemacht, ob es überhaupt gesetzt, mithin, ob es mit irgend einem Prädicate gesetzt sey. Der Satz: Ich bin Ich, aber gilt unbedingt und schlechthin, ... er gilt nicht nur der Form, er gilt auch seinem Gehalte nach. 94-95

Fichte versteht als Nachteil, was der größte Vorzug der Variablen ist, seine Bedeutungslosigkeit. Der gehaltvollen Unbedingtheit des Ich werde ich im weiteren nicht meine Aufmerksamkeit zuwenden.

Das Ich setzt ursprünglich nothwendig sein eigenes SeynDies Alles heisst nun mit anderen Worten, mit denen ich es seitdem ausgedrückt habe: Ich ist nothwendig Identität des Subjects und Objects: Subject-Object; und dies ist es schlechthin ohne weitere Vermittelung... (Anm. zur 2ten Ausg.)98

Weil Fichte und Schelling die Frage nicht beantworten können, wie das Sein ins Bewusstsein kommt, erklärt der eine die Welt zum Ich, der andere das Ich zur Welt. Davor muss man keinen Respekt haben, das ist Nichtdenken, das sich als Denken gibt.
§. 2. Zweiter, seinem Gehalten nach bedingter Grundsatz. 101

Der Satz: -A nicht = A, wird ohne Zweifel von Jedem völlig gewiss und ausgemacht anerkannt, und es ist kaum zu erwarten, dass Jemand den Beweis desselben fordre. 101

[-]A, ganz nicht-A, ist alles außer [+]A, ganz A. Ein Beweis ist nicht möglich, wohl aber ein unwiderlegbarer und notwendig wahrer Nachweis. [+]A und [‐]A füllen das All restlos aus. Wo [+]A ist, ist nicht [-]A und umgekehrt, weil [‐][‐]A = [+]A ist, das ganze nicht nicht-A ist ist das ganze A. Weil es außer nicht-A und A nichts gibt, muss das ganze nicht nicht-A das ganze A sein.

Die Form von -A wird bestimmt durch die Handlung schlechthin; es ist ein Gegentheil, weil es Product eines Gegensetzens ist: die Materie durch A; es ist nicht, was A ist; – Ich weiss von -A, dass es von irgend einem A das Gegentheils sey. Was aber dasjenige sey, von welchem ich jenes weiss, kann ich nur unter der Bedingung wissen, dass ich A kenne. 104

Gerade dadurch, dass ich A nicht kenne, habe ich die Möglichkeit, für A jedes Beliebige zu setzen. Wieder der Fehler der vier deutschen Idealisten. Dabei muss man aber sagen, dass das ABE (Allgemeines, Besonderes, Einzelnes) von Kant, Schelling, Hegel zwar auch Semantik in die Variablen bringen, dass man aber in sie das Ganze und den Teil hineinlesen kann, die beiden Maßzahlen der Logik. [+]A und [-]A können beide entweder als Stoff oder als Form gefasst werden, als Kreisperipherie oder als Kreisscheibe, wenn wir in der Fläche bleiben. Bei [‐]A als Form haben wir bildlich vor uns, wie das Sein ins Bewusstsein kommt. Wenn nämlich [+]A & [-]A das All sind, und wir zeichnen [-]A als den größeren Kreis um [+]A als den kleineren, dann schauen wir auf das ganze All, auch wenn es nur einige Quadratzentimeter groß ist.

So gewiss das unbedingte Zugestehen der absoluten Gewissheit des Satzes: -A nicht = A, unter den Thatsachen des empirischen Bewusstseyns vorkommt: so gewiss wird dem Ich schlechthin entgegengesetzt ein Nicht-Ich ... Und so wäre denn auch der zweite Grundsatz alles menschlichen Wissens gefunden. 104

A und non-A stehen nicht für alles menschliche Wissen, sondern nur für das logische. Da die Variable A für alles stehen kann, kann sie auch für dein Ich stehen. Nur wirst du mit dem non-Ich keine Wissenschaft basteln können, wohl aber mit dem non-A.

Aus dem materialen Satze: Ich bin, entstand durch Abstraction von seinem Gehalte der bloss formale und logische: A = A.105

Fichte ist der zweite Erfinder der Variablen. Die Konstante Ich generiert die Variable A mit der Vorgabe, an die Konstante gebunden zu sein. Originell.
§. 3. Dritter, seiner Form nach bedingter Grundsatz 105

Insofern das Nicht-Ich gesetzt ist, ist das Ich nicht gesetzt; denn durch das Nicht-Ich wird es völlig aufghoben. 106

Ist das non-A gesetzt, muss das A sein, weil andernfalls ein Stück von der Welt fehlen würde. Das steht nicht in unserer Macht. Also eine logische Leuchte ist er nicht.

wie lassen A und -A, Seyn und Nicht-Seyn, Realität und Negation sich zusammendenken, ohne dass sie sich vernichten und aufheben?108

Als erstes muss das Nichtsein aus der Aufzählung wegfallen. Das non-A ist genauso ein Seiendes wie das A, die Negation des A ist der Rest der Welt außer dem A, also alles andere als ein Nichtseiendes, abgesehen davon das es das Nichtsein nicht gibt. Fichte zählt nun die Eigenschaften der beiden entgegengesetzten Größen auf, beide sind Seiende, beide sind teilbar (109, 110), und lässt das Ganze unter Ich firmieren.

Ich setze im Ich dem theilbaren Ich ein theilbares Nicht-Ich entgegen.

Ueber diese Erkenntniss hinaus geht keine Philosophie: aber bis zu ihr zurückgehen soll jede gründliche Philosophie; und so wie sie es thut, wird sie Wissenschaftslehre. Alles was von nun an im Systeme des menschlichen Geistes vormpmmen soll, muss sich aus dem Aufgestellten ableiten lassen.110

Fichte hat das Prinzip der Logik erkannt, das teilehabende aus zwei Entgegengesetzen bestehende Ganze. Es handelt sich dabei um eines der drei Seinsprinzipien, die in der Archeologie behandelt werden. Es ist nicht das Prinzip aller Erkenntnis, sondern “nur” das Prinzip logischer Erkenntnis. Er ist also doch eine logische Leuchte. Wir wollen uns diese Erkenntnis nicht durch seine Ichelei verderben lassen.

Die berühmte Frage, welche Kant an die Spitze der Kritik der reinen Vernunft stellte: wie sind synthetische Urtheile a priori möglich? – ist jetzt auf die allgemeinste und befriedigendste Art beantwortet. Wir haben im dritten Grundsatze eine Synthesis zwischen dem entgegengesetzten Ich und Nicht-Ich, vermittelst der gesetzten Theilbarkeit beider, vorgenommen, über deren Möglichkeit sich nicht weiter fragen, noch ein Grund derselben anführen lässt; sie ist schlechthin möglich, man ist zu ihr ohne weiteren Grund befugt. Alle übrigen Synthesen, welche gültig seyn sollen, müssen in dieser liegen; 114

Zu der Annahme, dass die Welt aus A und non-A besteht, ist man nicht befugt, sondern wird man durch die Welt gezwungen. Mit derselben Notwendigkeit folgen aus dieser Annahme alle weiteren Teilungen und Trennungen in Ganze und Teile, positive und negative. Über einen logischen Satz A=B sagt Fichte:

Dennoch sollen laut der logischen Form des Urtheil, welches positiv ist, beide Begriffe vereinigt werden; sie sind aber in gar keinem Begriffe zu vereinigen, sondern bloss in der Idee eines Ich, dessen Bewusstseyn durch gar nichts ausser ihm bestimmt würde, sondern vielmehr selbst alles ausser ihm durch sein blosses Bewusstseyn bestimmte: welche Idee aber selbst nicht denkbar ist, indem sie für uns einen Widerspruch enthält. 117

Der Widerspruch löst sich für alle Sätze auf dieselbe Art, nämlich dadurch, dass es keinen Satz auf der Welt gibt, bei dem A und B in A = B nicht identisch wären. Fichtes Beispiel des Menschen und der Freiheit: [+]F =(+)M Die ganze Freiheit ist mit einem Teil des Menschen identisch. Teil und Ganzes müssen mit oder ohne unser Bewusstsein identisch sein, weil das Ganze sonst Teile haben müsste, die keine Teile von ihm sind, und weil es sonst Teile gäbe, die nicht die Teile ihres Ganzen wären.

(Welche Bestimmungen allgemeinere oder speciellere, und mithin welche Begriffe höhere oder niedere seyen, wird durch die Wissenschaftslehre bestimmt. Durch je weniger Mittelbegriffe überhaupt ein Begriff von dem höchsten, dem der Realität, abgeleitet ist, desto höher; durch 119 je mehrere, desto niedriger ist er. Bestimmt ist Y ein niederer Begriff als X, wenn in der Reihe seiner Ableitung vom höchsten Begriffe X vorkommt: und so umgekehrt).

Mit dem schlechthin gesetzten, dem Ich, verhält es sich ganz anders. Es wird demselben ein Nicht-Ich gleichgesetzt, zugleich, indem es ihm entgegengesetzt wird, aber nicht in einem höheren Begriffe, ... sondern in einem niederen. Das Ich wird selbt in einen niederen Begriff, den der Theilbarkeit, herabgesetzt, damit es dem Nicht-Ich gleichgesetzt werden könne; und in demselbe Begriffe wird es ihm auch entgegengesetzt. 118-119

Es gibt zwei Arten der Teilung, die teilende Teilung eines Ganzen in Teile und Unterteile und die Trennung der Teile eines Ganzen voneinander. So ist das Kapitel als Teil des Buchs, der Abschnit als Teil des Kapitels ein Beispiel einer teilenden Teilung. Die zwölf Stückchen einer Torte sind Beispiele der trenndenden Teilung, bei der jedes Stückchen sagt, die Torte besteht aus mir und non-mir. Obwohl diese beiden Arten der Teilung mehr Gemeinsames als Trennendes haben, lohnt sich die genaue Untersuchung beider Teilungsarten. Fichte macht nun seiner Abneigung gegen die teilende Teilung als “dogmatisch” und seiner Vorliebe für die trennende als “kritische” Luft. Die Abneigung gegen die teilende Teilung ist durchaus nichts Neues, sondern hat seit der Entsorgung des Ganzen und des Teils aus der Logik des Ganzen und des Teils eine vielhundertjährige Tradition.
Zweiter Theil. Grundlage des theoretischen Wissens. 123-245 §, 4. Erster Lehrsatz. 123

Das Ich setzt das Nicht-Ich als beschränkt durch das Ich. Von diesem Satze, der in der Zukunft, und zwar im praktischen Theile unserer Wissenschaft eine grosse Rolle spielen wird, lässt, wie es wenigstens scheint, vor der Hand sich noch gar kein Gebrauch machen. Denn bis jetzt ist das Nicht-Ich Nichts; es hat keine Realität, und es lässt demnach sich gar nicht denken, wie in ihm durch das Ich eine Realität aufgehoben werden könne, die es nicht hat; wie es eingeschränkt werden könne, da es nichts ist. 125

Aristoteles lehnt das non-A in der Analytik ab, weil es unbestimmt sei: aoriston. Er lehnt es nicht ab, weil er es nicht kennt. Das belegen sowohl die Hermeneutik, in der er viele Experimente mit dem non-A macht, als auch der Abschluss des ersten Buchs der Ersten Analytik, wo er mit dem A und dem non-A alle denkbaren Seinsgleichungen, das sind universell gültige Beziehungen A = B zwischen Zweien, durchspielt. Fichte verspricht, das non-A aus der Unbestimmtheit herauszuholen. Zunächst aber muss das non-Ich wieder verschwinden, weil das non-Ich das Ich bestimmen würde. Also geht er aufs Ganze und sagt,

das Ich bestimmt die Realität und vermittelst derselben sich selbst. Es setzt alle Realität als ein absolutes Quantum. Ausser dieser Realität giebt es keine. Diese Realität ist gesetzt ins Ich. Das Ich ist demnach bestimmt, insofern die Realität bestimmt ist.

Jedes A ist ein Teil des logischen Körpers der Welt, [+]A=(+)W, ganz A ist mit einem Teil des W identisch. Der Satz ist wahr, weil es nichts Außerweltliches gibt, aber er hat genau darin einen logischen Haken. Er darf in der Logik nicht gebraucht werden, weil dort jedes A ein non-A hat, es aber keine nicht-Welt gibt.

Theilet z. B. 130 die Totalität der Realität in 10 Theile; setzt deren 5 in das Ich; so sind nothwendig 5 Teile der Negation in das Ich gesetzt. 129-130

Der Satz, der sich daraus bilden lässt, ist genauso wahr, hat aber keinen logischen Haken [+]A =[-][-]A, das ganze A ist ist das ganze nicht nicht-A, den wir bereits oben gefunden haben. Auch hier misst das negierte non-A die ganze Welt außer dem A aus, ist aber logisch zulässig, weil es nur ein Teil der Welt ist und nicht die ganze. Aber in das A, auch wenn es sich Ich nennt, ist das non-A nicht gesetzt, sondern die beiden sind absolut voneinander getrennt. Nie und unter keinen Umständen ist ein Teil des A mit einem Teil des non-A identisch. Hier zeigt sich, wie wichtig die Unterscheidung zwischen der trennenden Teilung und der teilenden Teilung ist. Fichte will das non-Ich irgendwie zum Teil des Ich machen und lehnt im gleichen Atem die teilende Teilung als “dogmatisch” ab.

Es ist in das Ich schlechthin Realität gesetzt. Im dritten Grundsatze, und soeben ganz bestimmt wurde das Nicht-Ich als ein Quantum gesetzt: aber jedes Quantum ist Etwas, mithin auch Realität. Demnach soll das Nicht-Ich Negation; – also gleichsam eine reale Negation, (eine negative Größe) seyn. 133

Gut gesprochen. Statt aber mit archeologischem A und non-A weiterzumachen, gerät Fichte auf Abwege und macht einige Seiten mit humanologischem Tun und Leiden weiter.

Ziehet eine Cirkellinie = A, so ist die ganze durch sie eingeschlossene Fläche = X entgegengesetzt der unendlichen Fläche im unendlichen Raume, welche ausgeschlossen ist. Ziehet innerhalb des Umkreises von A eine andere Cirkellinie = B, so ist die durch dieselbe eingeschlossene Fläche = Y zuvörderst in dem Umkreise von A eingeschlossen, und zugleich mit ihm entgegengesetzt der unendlichen, durch A ausgeschlossenen Fläche; und insofern der Fläche X völlig gleich. Insofern ihr sie aber betrachtet als eingeschlossen durch B, ist sie der ausgeschlossenen unendlichen Fläche, mithin auch demjenigen Theile der Fläche X, der nicht in ihr liegt, entgegengesetzt. 140

So großzügig die Logik des Geteilten im Vergleich zur Arithmetik ist, weil sie nur die beiden “Zahlen” Teil und Ganz kennt, so pingelig ist sie bei den beiden. Das unendliche non-Y ist um genau die Größe größer, die außerhalb von Y und innerhalb von X liegt, als das unendliche non-X. Der Größenunterschied bleibt zwischen den beiden unendlichen Größen non-Y und non-X derselbe wie der zwischen den beiden endlichen Y und X, nämlich (‐)Y = (+)X, der Teil von non‐Y, der mit einem Teil von X identisch ist. Fichte zeigt logisches Feingefühl, wenn er zwischen der Kreisperipherie und dem Kreisinhalt unterscheidet. Die Nichtunterscheidung sorgt bei den eulerschen Kreisen für Verwirrung.

Die eigentliche, höchste, alle andere Aufgaben unter sich enthaltende Aufgabe ist die: wie das Ich auf das Nicht-Ich, oder das Nicht-Ich auf das Ich unmittelbar einwirken könne, da sie beide einander völlig entgegengesetzt seyn sollen. Man schiebt zwischen beide hinein irgend ein X, auf welches beide wirken, wodurch sie denn auch zugleich mittelbar auf einander selbst wirken. 143

Die archeologische Mitte oder die Logik ist eine rein deskriptive Wissenschaft, die zeigt und sagt, was ist. Eine Einwirkung eines Einen auf ein Anderes gibt es, wenn wir in den archeologischen Wissenschaften bleiben, nur im Anfang oder der Physik. Dort heißen die beiden Entgegengesetzten nicht A und non-A, sondern die Materie und das Leere. Das zwischen die beiden Eingeschobene ist der Raum als das erste im Anfang Gewordene. Bis zur Untersuchung seines Werdens und Vergehens sind aber erst die acht Bücher der Physik zu lesen. Die Wirkungen des bestehenden Raums auf die andere Materie im All und die Rolle des Leeren dabei werden durch alle acht Bücher hindurch untersucht. Fichte macht weiter in Tun und Leiden. Redet viel über Materie und “hiatus”, macht aber keine Anstalten, das Leere und die Materie zu untersuchen. Es fällt schwer weiterzulesen.

Ideal- und Real-Grund sind im Begriffe der Wirksamkeit ... Eins und Ebendasselbe. Dieser Satz, der den kritischen Idealismus begründet, und durch ihn Idealismus und Realismus vereinigt, will den Menschen nicht eingehen; und dass er ihnen nicht eingehen will, liegt am Mangel der Abstraction. 175

Mit der Identifikation des Seins und des Bewusstseins sind Fichte, Schelling und Hegel schnell bei der Hand. Aber von keinem hören wir, wie es das Sein schafft, ins Bewusstsein hineinzukommen. Wir hören nur, dass das Bewusstsein das Sein ist, dass das Sein das Bewusstsein ist oder dass die absolute Idee das Sein ist, also das Eingeständnis des Nichtwissens, wie das Sein ins Bewusstsein kommt.

Und so ist denn der kritische Idealismus, der in unserer Theorie herrscht, bestimmt aufgestellt, Er ist dogmatisch gegen den dogmatischen Idealismus und Realismus, indem er beweist, dass weder die blosse Thätigkeit des Ich der Grund der Realität des Nicht-Ich, noch die blosse Thätigkeit des Nicht-Ich der Grund des Leidens im Ich sey; in Absicht der Frage aber, deren Beantwortung ihm aufgelegt wird, welches denn der Grund des zwischen beiden angenommenen Wechsels sey, bescheidet er sich seiner Unwissenheit, und zeigt, dass die Untersuchung hierüber ausserhalb der Grenzen der Theorie liege. 178

Materialist und Idealist liegen falsch, was aber das Wahre ist, liegt außerhalb der Grenzen der neuen kritischen Philosophie. Nun ja. Jetzt bestimmt er noch ein paar neue Idealismen und Realismen. Zu Kant sagt er richtig in einer Fußnote:

Dass er in seinen Kritiken die Wissenschaft nicht, sondern nur die Propädeutik derselben aufstellen wollte, hat er einige Mal gesagt; und es ist schwer zu begreifen, warum seine Nachbeter nur dieses ihm nicht haben glauben wollen. (Anm. der 1. Ausg.) 186

Um 190ff wieder ein paar Seiten über a und non-a, ohne etwas neues.

Die Totalität besteht in der Vollständigkeit eines Verhältnisses, nicht aber einer Realität. 204

Die das All ausmessende Relation nenne ich die Seinsgleichung A = B. Jede Seinsgleichung teilt das All in zwei, in drei oder in vier Teile restlos auf, die ebenfalls die Form A = B haben, nur andere Vor- und Größenzeichen als die Grundgleichung. Obwohl die Variablen in ihnen keine bestimmte Bedeutung außer der der Größe haben, ist ihr Gegenstand der bestimmteste der Welt, die Welt selbst. Eine ähnliche Aussage hätten wir uns oben bei den Variablen gewünscht.

A und B sind entgegengesetzt, und wenn das eine gesetzt ist, kann das andere nicht gesetzt seyn: und dennoch sollen sie, und zwar nicht etwa nur zum Theil, wie bisher gefordert worden ist, sondern ganz, und als entgegengesetzte, beisammen stehen, ohne sich gegenseitig aufzuheben; und die Aufgabe ist, dies zu denken. 207

Hier gilt in der Physik und in der Logik der prinzipielle Satz mit zwei entgegengesetzten Ganzen: [+]Stoff=[-]Form in der Logik. [+]Materie=[-]Leeres in der Physik. In der Logik bedeutet der Satz, dass Stoff und Form exklusiv alternativ auftreten, dass die logischen Größen, Sätze und Schlüsse entweder stofflich oder förmlich zu betrachten sind, dass also Stoff und Form nie gemeinsam auftreten. In der Physik bedeutet der Satz, dass die Materie vollständig vom Leeren getrennt ist, Materie nie Leeres und Leeres nie Materie sein kann. Aber trotz ihrer vollständigen Trennung nehmen beide einen und denselben Ort ein, das heißt, das Leere ist der Ort der Welt, die Materie nimmt ihn ein. In der Mathematik, der dritten archeologischen Wissenschaft, gilt eine ähnliche Beziehung wie in der Logik. Nur ist hier der Stoff nicht alternativ zur Form da, sondern er ist vollständig von den mathematischen Gegenständen ausgeschlossen.

Wir suchen uns mit dem höchst wichtigen und End-Resultate, das wir hier gefunden haben, bekannter zu machen. Die Thätigkeit (des Ich) im Zusammenfassen Entgegengesetzter, und das Zusammentreffen (an sich, und abstrahirt von der Thätigkeit des Ich) dieses Entgegengesetzten sollen vereinigt, sie sollen Eins und ebendasselbe seyn. 212

Vier verschiedene Dinge: 1. die Identität von Gedachtem und Seiendem. 2. die Identität von Materie und nicht-Leerem, 3. die exklusive Alternative von logischem Stoff und logischer Form, 4. die Identität von A und non-B, müssen getrennt untersucht werden. Die erste Frage treibt alle neueren Philosophen um und ist die nicht gelöste Frage aus der Psychologie, wie das Sein ins Bewusstsein kommt, so, dass wir beide mit Wahrheit identifizieren können. Die logische Identität von Materie und nicht-Leerem ist die physikalische nicht-Identität der beiden gleichzeitigen Körper der Welt. Die exklusive Alternative in der Logik muss beachtet werden, um keine logischen Fehler zu machen. Das gilt zwar auch für die Mathematik, aber dort ist der Stoff von vornherein ausgeschlossen, dass der Fehler wie in der Logik nicht vorkommt. Das logische A und non-B kommt nach dem nächsten Zitat.

Wie das Zusammentreffen an sich unter der Bedingung eines Zusammenfassens stehe und stehen müsse, lässt sich leicht einsehen. Die Entgegengesetzten an sich sind völlig entgegengesetzt; sie haben gar nichts gemeinschaftliches ... Zusammentreffende sind sie nur, inwiefern die Grenze zwischen ihnen gesetzt wird ... Aber diese Grenze ist dann auch weiter nichts, als das beiden gemeinschaftliche; mithin ihre Grenzen setzen – heisst, sie zusammenfassen, aber dieses Zusammenfassen beider ist auch nicht anders möglich, als durch das Setzen ihrer Grenze. 213

Ein kniffeliger Fall für die Logik. Gehörte die Grenze zu A und zu B gemeinsam, so wäre die Grenze A und B zugleich, und der Satz, den das Bild darstellt [+]A=(-)B, das ganze A ist mit einem Teil des non-B identisch, wäre nicht wahr. Oder Wenn A & B zusammen das All sind, wäre der prinzipielle Satz [+]A=[-]B, das ganze A ist mit dem ganzen non-B identisch, falsch. Dies ist ein Beispiel aus der Logik, wo die Form ausgeschlossen sein muss wie in der Mathematik der Stoff und allein die Größen von A und B und deren Negationen betrachtet werden dürfen wie in der Mathematik allein die die Formen.

Der an die Spitze der gesammten Wisenschaftslehre gestellte Satz: das Ich setzt sich als bestimmt durch das Nicht-Ich – ist vollkommen erschöpft, und alle Widersprüche, die in demselben lagen, gehoben. ... Dadurch ist denn zugleich er- 219 wiesen, dass der theoretische Theil der Wissenschaftslehre vollkommen beschlossen ist; denn jede Wissenschaft ist beschlossen, deren Grundsatz erschöpft ist; der Grundsatz aber ist erschöpft, wenn man im Gange der Untersuchung auf ihn zurückkommt ... und wir haben demnach von nun an nichts weiter zu thun, als das bis jetzt erwiesene anzuwenden und zu verbinden. 218-219

Die drei prinzipiellen Sätze [+]A=[-]B in Physik, Logik und Mathematik beschließen nur im Anfang, der Physik, die Wissenschaft. In der Physik kann außer dem Sein der beiden gleichzeitigen Körper der Welt nichts weiter über das Prinzip gesagt werden. In der Logik können noch eine Reihe anderer Beziehungen außer der zwischen [+]A und [-]B aufgestellt werden. In der Mathematik schließlich ist die Unendlichkeit in jeder Hinsicht gegeben, sowohl was die mathematischen Mengen betrifft, die mathematischen Beziehungen und die mathematischen Disziplinen.

Zugleich wird hier völliges Licht über eine schon oben geschehene, aber noch nicht völlig aufgeklärte Aeusserung verbreitet: wie nemlich Idealität und Realität Eins und Ebendasselbe seyn können ... So wie sie durch das Denkvermögen vereinigt werden sollen, und nicht können, bekommen sie durch das Schweben des Gemüths, welches in dieser Function Einbildungskraft genannt wird, Realität, weil sie dadurch anschaubar werden: d. i. sie bekommen Realität überhaupt; denn es giebt keine andere Realität, die die vermittelst der Anschauung und kann keine andere geben. 226

Diese Ausführung kann man auf die Erkenntnis der Prinzipien anwenden, denn sie sind nur durch das Denken (Anschauen) und nicht durch die Sinne erkennbar. Aber die Frage, wie das Sein ins Bewusstsein kommt, so, dass beide identifiziert werden können, ist damit nicht beantwortet. Die Antwort folgt unmittelbar im Anschluss:

Es wird demnach hier gelehrt, dass alle Realität – es versteht sich für uns, wie es denn in einem System der Transcendental-Philosophie nicht anders verstanden werden soll – bloss durch die Einbildungskraft hervorgebracht werde. 227

Damit bist du die Frage zwar los, machst dich aber lächerlich.
Deduction der Vorstellung. 227

Reflektirt das Ich auf sich selbst, und bestimmt sich dadurch, so ist das Nicht-Ich unendlich und unbegrenzt. Reflektirt dagegen das Ich auf das Nicht-Ich überhaupt (auf das Universum) und bestimmt es dadurch, so ist es selbst unendlich. In der Vorstellung stehen demnach Ich und Nicht-Ich in Wechselwirkung; ist das eine endlich, so ist das andere unendlich, 246 und umgekehrt; eins von beiden ist aber immer unendlich. – (Hier liegt der Grund der von Kant aufgestellten Antinomien.) 245-246

Das nicht-Ich ist das Universum abzüglich des Ich, also kleiner als das Universum. Daher ist hier der Grund nicht von Antinomien, sondern der Grund der Logik.
Dritter Theil. Grundlage der Wissenschaft des Praktischen. 246- Ich denkt, also ist. Tischlein deck’ dich. §. 5. Zweiter Lehrsatz . 246

Und so ist denn die Wissenschaftslehre a priori möglich, ob sie gleich auf Objecte gehen soll. Das Object ist nicht a priori, sondern es wird ihr erst in der Erfahrung gegeben; die objective Gültigkeit liefert jedem sein eigenes Bewusstseyn de Objects, welches Bewusstseyn sich a priori nur postuliren, nicht aber deduciren lässt. 253

Nichts mehr bleibt von den weltenerobernden Gedanken außer der unmittelbaren Sinnesreizung, die Fichte mit jedem Wurm teilt und seiner Versicherung, dass er sie wirklich habe.

Jene Forderung, dass alles mit dem Ich übereinstimmen, alle Realität durch das Ich schlechthin gegetzt seyn solle, ist die Forderung dessen, was man praktische Vernunft nennt, 264 und mit Recht so nennt. 263-264

Da ist er wieder der welterobernde Gedanke, Fichtes Ichlein walzt sich auf das Universum aus. Die Humanologie schluckt die Empirie und die Archeologie. Mahlzeit. Wieso schreibst du einen solchen Unsinn als Zitat ab?

Es bestimmt nicht die wirkliche ... Welt, 269 sondern eine Welt, wie sie seyn würde, wenn durch das Ich schlechthin alle Realität gesetzt wäre; mithin eine ideale, bloss durch das Ich, und schlechthin durch kein Nicht-Ich gesetzte Welt. 268-269

Ach so, nur im Konjunktiv. Das ändert natürlich alles. Ich glaub, ich höre auf zu lesen.