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freedom

B4 Das zweite Semester

Mein Streik gegen die Wegsperrung der Arbeitslosen in die Arbeitshaeuser geht nun ins zweite Semester. Sie haben sich noch um keinen Millimeter in die richtige Richtung bewegt und noch keine der Forderungen erfuellt. Zeit, um dem Aussenstehenden, aber auch dem einen oder anderen Beteiligten in Erinnerung zu rufen, womit wir es zu tun haben.Der Arbeitslose, der zum Arbeitshaeusler werden will, unterschreibt zunaechst einen Vertrag mit dem Arbeitsamt, worin er sich verpflichtet, bei Strafe des Hungertods Gehorsam gegen den Armutsindustriellen zu ueben. Er bekommt dafuer in Aussicht gestellt, mit seiner Arbeit einer gemeinnuetzigen Sache zu dienen, etwas Gutes zu zu oder wenigstens »im oeffentlichen Interesse liegenden Arbeiten« zu verrichten.Guter Dinge geht er mit seinem Vertrag zum Armutsindustriellen. Dort muss er einen zweiten Vertrag unterschreiben. In dem steht, dass er fuer die Viertelstunde Fruehstueck 37 Cent vom Lohn abgezogen bekommt, fuer die halbe Stunde Mittagessen 75 Cent und dass er seinen unbezahlten Urlaub auch nur deswegen bekommt, weil so etwas gesetzlich vorgeschrieben ist. Dass ihm jede Minute, die er beim Arzt verbringt, vom Lohn abgezogen wird und so weiter.Der Arbeitslose, eben noch vollen Herzens Gutes zu tun (oder wenigstens oeffentlich Interessantes), faellt aus allen Wolken. Klein und mickrig durch die aufgehetzte »oeffentliche Meinung« hat er sich von der ersten Unterschrift zur zweiten ausgemalt, als ehrenamtlicher Helfer nicht nur Gutes zu tun, sondern auch die oeffentliche Anerkennung dafuer zu bekommen.
A0
A1
A2
A A3
B A4
C B1
B2
B3
B4
B5
C1
C2
C3
C4
C5
C6
C7
Anlagen
Hier eine Erklaerung, warum ich die »oeffentliche Meinung« in Gaensefuesschen setze: Man soll sich nicht ueber die Weisheit des Volkes taeuschen. Zur gleichen Zeit, in der die Lohnschreiber gegen die Arbeitlosen hetzen, bekommt die Partei des Dritten Standes vom Volk die Rechnung dafuer praesentiert, dass ihre Fuehrung eine zu dicke Lippe gegen die Armen des Volkes riskiert hat und das Leben der Arbeitslosen mit der Dekandenz der Sklavenhalter des niedergehenden roemischen Imperiums verglichen hat.
Und nun das. Er fuegt sich aber mit Zaehneknirschen, weil er sich in seinem ersten Vertrag zum Gehorsam gegenueber dem zweiten Vertrag verpflichtet hat.Das zeitliche und oertliche Auseinanderfallen der beiden Unterschriften unter die beiden Vertraege lassen ihn vermuten, er habe es mit zwei Verursachern zu tun, von denen der eine der Gute, der andere der Boese ist. Damit troestet er sich. Aber das ist ein Irrtum. Alle Bestimmungen von der unbezahlten Fruehstueckspause bis zur Lohnstreichung im Krankheitsfall schreibt der Armutsindustrielle in Ihrem Auftrag, liebe Frau Merkel, in den »Arbeitsvertrag«. Der Armutsindustrielle hat hier keinerlei Ermessensspielraum. Diese Information habe ich aus der Personalabteilung der EinEuroAnstalt, die ich letztes Jahr besuchen durfte. Die Information steht in keinem Kleingedruckten, sondern der arbeitslose Arbeiter ist hier auf Vermutungen und Geruechte angewiesen, weil er sich nicht traut zu fragen.Ueber die vertragsrechtliche Beurteilung, den Arbeitslosen zum Diener zweier Herren zu machen, kann ich mir kein Urteil erlauben. Menschlich und moralisch halte ich das jedoch fuer bedenklich.Daher werde ich ab heute die sich daraus ergebenden innerberieblichen und gewerkschaftlichen Forderungen als einen zweiten Block in den Forderungskatalog aufnehmenZwei Teile der Forderungen, die Gruendung der ALG I und die Erstreitung von Tarifvertraegen, betreffen Sie nicht, die anderen Teile, wie der Rettungsschirm der bezahlten Fruehstueckspause, lassen sich auf dem Verwaltungsweg relativ kurzfristig umsetzen.Aristoteles hat irgendwo in der Ethik sinngemaess gesagt, dass sich das Gute erst mit der Vollendung des Schlechten durchsetzen kann. Die Vollendung des Schlechten hatten wir. Es ist also Zeit fuer das Gute. Von daher will ich die Hoffnung nicht aufgeben, dass sich die VierEuroFuenfuenfundzwanzigJobs von einem Fluch fuer die Arbeitslosen zu einem Segen fuer die Gesellschaft umwandeln lassen.

strukturelle Forderungen Erledigt? gewerkschaftliche Forderungen Erledigt?
1. nach 40 Jahren Arbeitslosigkeit: Eingestaendnis Ihres Scheiterns. Nein Gruendung der ALG I Nein
2. Bedingungsloses Recht auf Leben fuer Arbeitslose Ja gleiche Rechte fuer Arbeiter und ALG II Arbeitslose Nein
Am 5. November 2019 hat das Bundesverfassungsgericht die Kürzung des ALG II um 60 % oder um 100 % für verfassungswidrig erklärt. Den Etappensieg hat ein thüringer Arbeiter erstritten und damit an die Tradition von Eisenach, Gotha und Erfurt angeknüpft.
3. Ende der Schikanen und Demuetigungen gegen Arbeitslose Nein Erstreitung von Tarifvertraegen. Jaehrliche Tarifverhandlungen ueber die Hoehe des ALG I und des ALG II Nein
4. Verbot der Zwangsarbeit Nein sechs Wochen Lohnfortzahlung im Krankheitsfall Nein
5. ALG II in Hoehe der Lebenshaltungskonsten Nein 30 Tage bezahlten Urlaub im Jahr Nein
6. Vertragsfreiheit statt einseitiger Diktate Nein bezahlte gesetzliche Feiertage Nein

Hier bricht der aus der Zwangsraeumung gerettete Text ab.