Sein

Physik, Ontologie (Seinslehre), Logik und Mathematik handeln von einem und demselben Gegenstand, dem Sein. Das Sein ist das, was ist. Das ist der Kern der Philosophie des Aristoteles in der hier vorliegenden Interpretation. Die vier Wissenschaften behandeln das Sein jede auf ihre Art.

Die Physik (Sein (A) Bewegt) erkennt das Sein als die Gleichzeitigkeit der beiden Stoffe der Welt, der Materie und dem Leeren.

Die Ontologie (Sein (a) und Sein (A)) interessiert an den beiden Stoffen der Physik nur das Stoffsein an sich. Dem Stoff gibt sie die Form und erhält so das Wesen, den geformten Stoff.

Die Wesen der Logik (Sein (A) Unbewegt) befassen sich nur mit den Grössen und den Grenzen der Stoffe aus Physik, Ontologie und Mathematik. Die Wesen der Logik sind also die begrenzten Grössen.

Die Wesen der Mathematik schliesslich (Sein (A) Unbewegt) abstrahieren als einzige vom Stoff und der Grösse überhaupt und befassen sich ausschliesslich mit den Grenzen der Grössen. Die Grenzen der Grösse Eins sind die 0 und die 1.

Das Wesen der Theologie, die stofflose Form oder der lebende Unkörper, taucht im Bild zwar nicht auf, wird aber ebenfalls unter Sein (A) Unbewegt untersucht.

Die Physik untersucht die Bewegungen der Teile des Ganzen. Die Ontologie klassifiziert die Teile des Ganzen als Gattungen und Arten. Die Logik untersucht die notwendigen Beziehungen zwischen den Ganzen und den Teilen. Die Mathematik schliesslich untersucht die Grenzen aller Ganzen, Teile, Stoffe und Grössen. Da der Übergang zwischen der Grenze=dem Diskreten und der Grösse=dem Stetigen unüberbrückbar ist, gibt es unüberbrückbare Bereiche zwischen der Mathematik und den drei anderen Wissenschaften. Da aber alle vier auch die Grenzen - jede in ihrer Art - behandeln, gibt es auch viele Gemeinsamkeiten. Und da die Mathematik letztlich aus der Geometrie, der Erdmesskunde herkommt, so wird sie auch eines Tages wieder zu ihren Wurzeln zurückfinden und neben der Mathematik der Grenzen eine Mathematik der Grössen etablieren. Heute hat man manchmal den Eindruck, als schäme sie sich ihrer Herkunft. Wie aber eine Mathematik der Grössen aussehen wird, ist heute noch nicht vorstellbar. Sicher ist nur, dass sie sich der Logik der Grössen bedienen muss. Am Stoff mangelte es der neuen Mathematik nicht. Der muss - wie in der Philosophie bei Aristoteles und anderen - nur noch bei Euklid, Euler, Gauss und und und aufgesammelt werden.

Woran es allen vier Wissenschaften mangelt, das sind die Köpfe, die den Stoff als das Primäre und die Form als das Sekundäre anerkennen. Denn die Niederungen des Stoffs gelten seit Demokrit bis auf den heutigen Tag als das Reich des Bösen. Um da Änderungen herbeizuführen, bedarf es gesellschaftlicher Umwälzungen ganz anderen Kalibers, als einige gutgemeinte aufklärerische Schriften.

Die hier wiedergegebene Gliederung des Seins stammt von einem kritischen aber treuen Aristoteles-Schüler. Sie ist ein Arbeitsplan, der bislang für zwei Teile, nämlich für das unbewegte Sein als Ganzes und das bewegte Sein als Ganzes, verwirklicht wurde, die Logik und die Physik. Ob es sinnvoll ist, denn Mittler zwischen dem unbewegten und dem bewegten Sein in der Physik unterzubringen oder ob es sinnvoller ist, die Metaphysik des Aristoteles neu zu lesen, wird sich weisen. In jedem Fall würde aus der Metaphysik die neue Raumlehre, weil der Raum der bewegte Mittler zwischen dem unbewegten und dem bewegten Sein ist.