Pa.27.165e-166c Die Welt ohne das Eins

Noch einmal also laß uns nun wiederum zu dem Anfange zurückkehrend sagen: Wenn Eins nicht ist, die Anderen aber als das Eins sind, was dann sein muss. -- Laß es uns also sagen. -- Also, Eins werden die Anderen nicht sein? -- Wie sollten sie auch? -- Also auch nicht Vieles.

PaK.27.165e5 - Die Anderen sind nicht eins und nicht vieles, wenn ihr Eins nicht ist.

Denn unter vielem Seienden wäre allemal auch Eins. Denn wenn keins von ihnen Eins ist, so sind sie auch alle zusammen nichts, so daß sie auch nicht Viele sein können. -- Richtig. -- Ist also das Eins nicht in den Anderen, so ist auch dieses weder Vieles noch Eins. -- Freilich nicht. -- Und 166a scheint auch weder Eins noch Vieles. -- Wie das? -- Weil die Anderen nicht mit irgendeinem Nichtseienden irgendwo, irgendwie, irgendeine Gemeinschaft haben können, noch auch irgend etwas von dem nicht Seienden (me onton) bei irgend etwas von den Anderen sein, denn das nicht Seiende hat ja nichts (ouden gar meros esti) 1. -- Richtig. -- Also auch keine Vorstellung des Nichtseienden ist bei den Anderen, noch irgendein Schein davon, und das Nichtseiende wird also auf keine Art irgendwo an den Anderen vorgestellt. -- Freilich nicht. -- Wenn also Eins nicht ist, so wird auch nicht irgend etwas von den 166b Anderen weder Eins zu sein vorgestellt noch Vieles. Denn ohne Eins Vieles vorstellen, ist unmöglich. -- Unmöglich freilich.

PaK.27.166b2 - Wenn kein Eins ist, sind alle Anderen nichts. Die Anderen können mit keinem eine Gemeinschaft haben. Es gib auch keine Vorstellung von ihnen.

-- Wenn also Eins nicht ist, so sind auch die Anderen weder, noch werden sie vorgestellt als Eins oder Vieles. -- Es scheint nicht. -- Also auch weder ähnlich noch unähnlich. -- Freilich nicht. -- Ebensowenig nun einerlei und verschieden, berührend oder getrennt, noch was wir sonst alles im Vorigen als dessen Schein aufgezeigt haben, von dem allen sind die Anderen weder etwas noch scheinen sie etwas, wenn das Eins nicht ist. -- Wahr. -- Also auch 166c zusammengefaßt, wenn Eins nicht ist, so ist nichts (hen ei me estin oude estin), würden wir das mit Recht sagen? -- Mit dem größten freilich. --

PaK.27.166c2 - »Wenn Eins nicht ist, so ist nichts.«

Die Welt ohne das Eins aber mit der Eins ist wieder die Form allein, nur nun nicht mehr in der Abstraktion aus dem ersten Durchgang, sondern als Zahlen, Massenpunkte, Formen, metaxy in allen bunten Zusammenhängen der Welt.

P 1 : Wenn der Raum nicht ist, so sind auch die Dinge in ihm nicht, noch können sie vorgestellt werden, können sich weder bewegen, noch nicht bewegen. Denn die gewordenen Dinge einschließlich der denkenden Dinge verdanken ihr Werden dem Werden des Raums. Mit einem Wort: Wenn der Raum nicht ist, so ist nichts.

M: Ist der Stoff nicht, so können keine zwei Zahlen nebeneinander sein, ohne in Eins zu fallen. Es gibt keinen Abstand zwischen den Zahlen und keine Ordnung unter ihnen. Ausnahmslos jede Zahl fällt mit jeder zusammen. Mit einem Wort, wenn der Stoff nicht ist, ist Alles 1.

P2: Zwar würde keine Bewegung der Anderen angehalten, gäbe es die parmenidisch-pythagoreische Massen-Menge nicht, kein Werden und Vergehen der Anderen unterbunden, kein Sein der Anderen verhindert, wenn es das metaxy nicht gäbe. Die Welt zöge weiter ihre analogen Bahnen auch ohne den nichtseienden Zahlenaufpasser, den der große Euler als ein Nichts bezeichnet.

Aber die Folgen für die Wissenschaft wären katastrophal, wenn es das metaxy nicht gäbe.

Ohne die in den Stoff geschnittenen Formen, ohne die in den Stoff gesähten Einsen, Mengen und Zahlen wäre die Wissenschaft mit dem Satz umschrieben: »Die Gedanken sind Brei.«


1. rororo: denn das nicht Seiende hat ja keine Teile