Pa.13.142b-144a Das Sein ist nicht Eins, sondern Zwei

142b Willst du also, daß wir noch einmal von vorn auf unsere Voraussetzung zurückgehen, ob sich uns etwas verändert darstellen wird, wenn wir sie noch einmal durchgehen? -- Das will ich sehr gern. -- Also, wenn eins ist, sagen wir doch, was dann für dasselbe folge, was es auch sei; das müssen wir zugestehen. Nicht wahr? -- Ja. -- So sieh noch einmal von Anfang. Wenn das Eins ist, ist es dann wohl möglich, daß es zwar ist (einai), aber keine ousia an sich hat (ousias de me metechein)? -- Nicht möglich. -- Also gibt es doch eine ousia des Eins (ousia te enos), die nicht einerlei ist mit dem Eins: denn sonst wäre die ousia nicht dessen ousia, und 142c das Eins hätte nicht die ousia an sich, sondern es wäre ganz einerlei zu sagen: Eins ist (hen te einai) und Eins eins (hen hen). Das ist aber nicht unsere Voraussetzung, wenn Eins eins, was alsdann folgt, sondern wenn Eins ist (hen estin). Nicht so? -- Allerdings. -- So demnach, daß das Ist etwas anderes bedeutet als das Eins? -- Notwendig. -- Wird also wohl etwas anderes, als daß das Eins die ousia an sich hat, gemeint, wenn jemand zusammengefaßt sagt, Eins ist? -- Dieses freilich.

PaK.13.142c7 - »Eins ist« sind zwei, »Eins« und »ist«.

Das »Eins ist« sind Zwei, das Eins und das, was ihm seine Heimstatt gibt, das ist.

-- Noch einmal also laß uns sagen, wenn Eins ist, was daraus folgen wird. Sieh also zu, ob nicht notwendig diese Voraussetzung das Eins als ein solches zeigt, welches 142d Teile hat? -- Wie doch? -- So. Wenn das Ist dieses Seienden Eins (to esti tou enos ontos) genannt wird und das Eins, dieses einen Seienden (to hen tou ontos enos), es ist aber nicht dasselbe, die ousia und das Eins (hen), sondern nur desselben, eben jenes Vorausgesetzten, des seienden Eins (tou enos ontos), ist dann nicht notwendig das seiende Eins das Ganze (holon hen on einai auto)? Und werden nicht das Eins und das Sein (to hen kai to einai) hiervon Teile? -- Notwendig. -- Wollen wir nun jeden dieser Teile nur Teil nennen, oder müssen wir nicht den Teil, Teil des Ganzen (tou holon moriou) nennen? -- Des Ganzen. -- Und ein Ganzes ist doch, was Eins ist und was Teile hat? -- Allerdings. -- Wie nun? Wird wohl einer von diesen beiden Teilen 142e des seienden Eins (tou henos ontos), das Eins und das Seiende (to te hen kai to on), jemals ablassen, das Eins [einTeil] des Seienden (to hen tou einai moriou) zu sein oder das Seiende [ein Teil] des Eins (to on tou enos moriou)? -- Das wird nicht geschehen. -- Also hält auch wieder jeder von diesen Teilen das Eins fest und auch das Seiende (to on). Und so entsteht zum wenigsten der Teil wieder aus zwei Teilen. Und so immer auf dieselbe Art, welcher Teil gesetzt wird, hält immer diese beiden Teile. Denn das Eins hält immer das Seiende (on) und das Seiende (on) das Eins, so daß notwendig, 143a was immer zu zweien wird, niemals Eins ist. Auf alle Weise freilich. -- Ist also nicht auf diese Art das seiende Eins unendlich der Menge nach (apeiron an tou plethos)? -- So scheint es wenigstens. -

PaK.13.143a3.1 - Eins (E) und ist (S) sind die beiden Teile des Ganzen (SE). Daher muss Eins ist an sich haben. Und ist muss Eins an sich haben. Und so für den kleinsten Teil.

Der Anfang sind Zwei (S, E), die zusammen das Ganze sind (SE). Sowohl S ist ein Teil von SE, als auch E ist ein Teil von SE [+] S = (+) SE, [+] E = (+) SE. Aber wie [+] S ein Teil von E sein soll, oder wie [+] E ein Teil von S sein soll, ist (hier noch) nicht absehbar. Die beiden bisher untersuchten Gegenstände aus dem platonischen und dem ersten aristotelischen Durchgang, die Form und das ausgedehnte Eins, erlauben drei Möglichkeiten der Einheit Zweier. Entweder sind die beiden Teile des Ganzen örtlich getrennt (Rahmen1 oder Schere):

Dann gilt das ausgeschlossene Dritte,

die Verschiedenheit zweier Ganzer [+] S = [-] E.

Oder die beiden sind zugleich (Atom):

Dann gilt entweder die Identität, das Einerlei [+] S = [+] E zweier Ganzer oder im Falle des leukippisch/demokritischen Atommodells ebenfalls die Verschiedenheit zweier Ganzer ( PaK.16.147b8 ). Eine Beziehung des Ganzen zum Teil zwischen S und E gibt es in keinem der drei Fälle. Also müssen die Teile des Ganzen anders sein, wenn es eine Beziehung des Ganzen zum Teil zwischen S und E geben soll.

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Parmenides bestimmt das Sein als die Einheit Zweier. Das war eine der wirkungsmächtigsten Erkenntnisse der Philosophie. Sie hat ihr Ziel noch nicht erreicht, weil sie noch nicht zu Ende gedacht ist.

Die Gleichsetzung der ousia und des Eins versucht, einen neuen, noch nie gedachten Gedanken in Worte zu fassen, nämlich den der Gleichzeitigkeit Zweier als den Einen Anfang der Welt. Diesem Gedanken fehlen noch die zwei zugehörigen Gegenstände. Und so sind auch die ersten Versuche der griechischen Naturphilosophen, Platons und Aristoteles', noch ungelenke Generationen dieser beiden Gegenstände und lassen mehrere Auslegungen zu. So können wir die Form und den Stoff aus den beiden ersten Durchgängen oder das Eins und die »ousia« als Platzhalter nehmen, die noch ihre passenden Inhalte bekommen werden. Oder wir nehmen die beiden Platzhalter des Parmenides, das Eins (1) und das Ganze ([+]):

Das unbewegte allgroße Eins aus - Pa.9-12.136-142 - kann als das Eins bestehen bleiben. Die ousia muss noch durch ein Anderes ersetzt werden, etwa die Größe. Eine dritte Möglichkeit neben der »Schere« und dem »Atom«, das Sein als die Gleichzeitigkeit Zweier zu denken, ist die Größe mit Grenze, der »Rahmen«. Hier wären die beiden Teile der Größe des Seins das Eins und das Ganze. Aber das ist falsch. Denn die beiden sind nicht zwei Teile eines Ganzen, sondern sie sind beide das Ganze und treten (außer beim Maß!) nie gemeinsam auf. Hier gilt das strikte entweder - oder. Die beiden wirklichen Teile des Seins werden ab - Pa.16.146d-148d - untersucht.

Was Parmenides einzigartig macht, ist, dass er zwei Gegenstände als den Anfang oder die arche des Seins fordert. Den Fehler, das Eins und die als das Sein ausgelegte ousia zusammenzustellen, übernimmt Aristoteles. Und die Gleichzeitigkeit der Zwei im Anfang wird er in der Physik und auch in der Metaphysik mit Händen und Füßen bekämpfen, bes. - Me_12 - . Da sein Motiv dabei aber die Bewahrung der Logik vor dem Widerspruch ist und er die Gleichzeitigkeit zweier Ausgedehnter für den Widerspruch hält, wird sich der Fehler durch seine Bestimmung der ousia nur als eine Ungenauigkeit herausstellen.

PaK.13.143a3.2 - Die Verschiedenheit des Eins und der ousia

Je nachdem das allgroße unbewegte Eins, das allein nichts tut, als Körper oder als Form des Körpers aufgefasst wird, ergeben sich unterschiedliche Folgen für den allgroßen bewegten Inhalt des Ganzen. Ich untersuche zuerst das Eins als Form, weil sich aus dieser Auslegung des Eins die Mehrzahl der philosophischen Versuche entwickelt haben, den Anfang zu begreifen.

Ab K16 untersuche ich das Eins als allgroßen unbewegten Körper.

Sieh nun auch noch dieses. -- Welches? -- Das Eins, sagen wir, habe ousia an sich, weil es ist (estin). -- Ja. -- Und deshalb ist uns das seiende Eins als Vieles (to hen on polla) erschienen? -- So ist es. -- Wie nun? Das Eins selbst, welchem wir die ousia zuschrieben, wenn wir dies in unserm Verstande allein nehmen, ohne dasjenige, was es, wie wir sagen, an sich hat, wird es uns so wenigstens nur als eins erscheinen oder auch so an sich selbst als Vieles? -- Als Eins, glaube ich wenigstens. -- 143b Laß uns also sehen. Ist nicht notwendig die ousia desselben etwas anderes und es selbst auch etwas anderes, wenn doch das Eins nicht die ousia ist, sondern nur als Eins die ousia an sich hat (ousias metechein)? -- Notwendig. -- Ist nun das Eins etwas anderes und die ousia etwas anderes, so ist weder vermöge des Einsseins das Eins von der ousia verschieden (oute to hen to hen tes ousias heteron), noch vermöge der ousia das sein von dem Eins (oute to ousia einai he ousia tou enos allo), sondern vermöge des Verschiedenen und Anderen sind sie verschieden voneinander. -- Allerdings. -- So daß das Verschiedene weder mit dem Eins noch mit der ousia einerlei ist? -- Wie sollte es auch?

PaK.13.143b8 - Das Verschiedene und das Andere sind vom Eins und vom Sein zu unterscheiden. Oder: Die Beziehung ist von den Gegenständen der Beziehung zu unterscheiden.

Das Verschiedene kann bei Parmenides das ausgeschlossene Dritte oder die einfache Trennung sein, die wir Aristoteles folgend als allgemein verneinenden Satz bezeichnen. Ich benutze die Verschiedenheit nur für das ausgeschlossene Dritte und nenne den allgemein verneinenden Satz Parmenides' Terminologie folgend »Teilverschiedenheit« oder Aristoteles' Terminologie folgend mit Kirchmann »statthafte Verneinung«. Die Verschiedenheit zwischen der Eins und der ousia im Form-Stoff-Modell:

[+] Eins = [-] ousia Das ganze Eins ist identisch mit der ganzen Nicht-ousia.

[-] Eins = [+] ousia Das ganze nicht-Eins ist identisch mit der ganzen ousia.

Die Grenze des Alls, die Parmenides als einer der wenigen Denker zu denken wagt, ist identisch mit dem ganzen nicht-Inhalt des Alls. Die ganze nicht-Form des Alls ist identisch mit dem ganzen Stoff des Alls.

Das Besondere an dieser Beziehung ist das exklusive Oder:

Sein = Eins | Ousia

Das bedeutet zweierlei. Einmal, dass die beiden positiven Teile der Relation [+] Eins und [+] ousia absolut voneinander getrennt sind. Die Trennung ist unaufhebbar. Beides nimmt Aristoteles nicht in die Philosophie auf, die absolute Trennung und die Grenze des Alls. Zum anderen bedeutet es, dass das Ende der ousia und das Eins zugleich sein müssen. Denn das Ende der ousia, die [-] ousia, ist mit dem [+] Eins identisch. Und was identisch ist, ist zugleich! Das liegt daran, dass wir Menschen dem Ende des Stoffs, der eschate hyle , den Namen »Form« gegeben haben. Wir haben also zwei Gleichzeitige und Getrennte, aber wir haben kein Prinzip des Seins, weil der eine Teil der Zwei aus unserem Bewußtsein stammt. Die Gleichzeitigkeit der Form mit dem Ende des Stoffs nimmt Aristoteles in die Philosophie auf.

06.09.2016 nicht wegwerfen, aber woanders hin: Ein Problem der Auslegung von [-] Eins = [+] ousia als die »notwendige Verneinung« oder das »Verschieden« scheint eine gewisse Vorspiegelung falscher Tatsachen zu sein. Denn der Ausdruck [-] Eins = [+] ousia gibt sich den Anschein eines logischen Satzes, der er nicht ist. Aber das Interessante ist, dass sich bei ihm die Kontraposition [+] Eins = [-] ousia bilden lässt, die bei den meisten anderen Sätzen, die das Sein im Munde führen, unmöglich ist, weil es kein nicht-Sein gibt. Das liegt daran, dass in der Ersten Verneinung zweimal wirklich das Ganze steht und das nicht-sein des einen notwendig das andere ist. Der Fehler beschränkt sich hier darauf, dass das Größenlose als ein Ganzes bezeichnet wird. Dieser »Fehler« ist eine der Grundlagen der formalen Logik in des Wortes Bedeutung.

143c Wie nun, wenn wir aus diesen herausnehmen, wie du willst, die ousia und das Verschiedene (heteron), oder die ousia und das Eins, oder das Eins und das Verschiedene, haben wir nicht in jedem Falle herausgenommen, was wir mit Recht beides (amphotero) nennen können? -- Wie doch? -- So. Kann man sagen ousia? -- Ja. -- Und hernach auch wieder sagen Eins? -- Auch dieses. -- Ist nicht so jedes von ihnen besonders gesagt? -- Ja. -- Wie aber, wenn ich sage ousia und Eins, ist dann nicht beides gesagt? -- Freilich. -- Also auch, wenn ich ousia und Verschiedenes sage oder Verschiedenes und Eins, sage ich doch auch so gewiß jedesmal beides? -- Ja. --

PaK.13.143c9 - Es gibt das Verschiedene, [+]=[-] , das [+] Eins und die [+] ousia.

Es scheint, als habe Parmenides das Wort ousia bewusst gewählt, weil die Gleichung

[+] Eins = [-] Sein

unmöglich ist, da es kein nicht-Sein gibt, das Verschiedene aber ohne das [-] nicht ist.

Das Sein ist bei der jetzigen Betrachtung das Eins und die ousia oder der Stoff der Welt und die Form der Welt. Nur wenn es zwei Getrennte sind, ist das Verschieden

[+] Eins = [-] Ousia

oder [-] Eins = [+] Ousia

möglich. Ist die Ousia das Sein, ist das Verschieden nicht möglich, weil es dann nichts von der Ousia Verschiedenes gibt.

143d Was aber mit Recht beides (ampho) genannt wird, kann das wohl beides zwar sein, nicht aber zwei (dyo)? -- Unmöglich. -- Was aber Zwei war, muss davon nicht jedes für sich Eins sein? -- Das ist nicht zu vermeiden. -- Da also diese je zwei zusammen sind, so muss auch jedes für sich Eins sein. -- Offenbar. -- Wenn aber jedes Eins ist und wir dann zu irgendeiner von den vorigen Verbindungen (syntenthentos) irgendeins hinzusetzen, wird dann nicht das gesamte notwendig Drei (tria)? -- Ja. -- Und ist nicht Drei ungerade und Zwei gerade? -- Wie anders? -- Und wie wenn es Zwei gibt, muss es nicht 143e auch notwendig zweimal geben? Und wenn Drei dreimal? Wenn doch in Zwei zweimal Eins steckt und in Drei dreimal Eins? -- Notwendig. -- Wenn aber Zwei und zweimal ist, ist dann nicht auch notwendig zweimal zwei? Und wenn Drei und dreimal, dann nicht auch notwendig dreimal drei? -- Wie anders? -- Und wie wenn drei ist und zweimal und so auch zwei und dreimal, ist dann nicht notwendig auch zweimal drei und dreimal zwei? -- Gar sehr. -- Also ist auch Gerades gerademal und 144a Ungerades ungerademal und Gerades ungerademal und Ungerades gerademal. -- So ist es. -- Wenn es sich nun so verhält, glaubst du, daß irgendeine Zahl übrigbleibt, welche es nicht notwendig geben muss? -- Keine gewiß. -- Wenn also Eins ist, so ist notwendig auch Zahl. -- Notwendig. -- Und wenn Zahl ist, so ist auch Vieles und eine unendliche Menge Seiendes (plethos apeiron ton onton). Oder wird die Zahl nicht unendlich der Menge nach (apeiros arithmos plethei) und ousias an sich habend? -- Freilich gewiß. -- Wenn nun jede Zahl eine ousia an sich hat (ei pas arithmos ousias metechei), so muss es auch jeder einzelne Teil der Zahl an sich haben. -- Ja. -

PaK.13.144a9 - Ist jedes von Dreien Eins, so gibt es die Zahl drei. Gibt es die Zahl, so gibt es die Grundrechenarten, scheint Parmenides zu sagen. Und gibt es diese, so seien die Dinge unendlich der Menge nach. Die Herleitung ist nicht nachvollziehbar. Noch weniger, dass aus dem Sein der Zahl folge, die Zahl habe Teile. Dass Parmenides zu einem guten Teil pythagoreisch denkt, wird er im letzten Abschnitt der Untersuchung zeigen (Pa.22-28).

Der Begriff »Teil« ist bei der Zahl wiegesagt - PaK.3.129e4 - nur im übertragenen Sinn möglich, weil der Teil der Teil des Ganzen ist und ausgedehnt. Bei den Zahlen spricht man nicht von Verschiedenheit, sondern vom Getrenntsein oder der Trennung. Die Verschiedenheit ist die logische Relation [+]=[-] zweier Ganzer. Über das Sein der Zahlen können wir hier noch nichts aussagen. Nur Teile scheinen die Zahlen nicht zu haben, weil der Teil Größe ist, die Zahl aber größenlos. Das Verschiedene ist für alle zwei voneinander Verschiedenen eine von wenigen Relationen zweier Ganzer, die wir oben zwischen dem Rand der Welt und dem Inneren der Welt kennengelernt haben. Da auch das Eins und das Ganze keine Gegenstände sind, sondern nur deren mengenmäßige oder größenmäßige Bestimmungen, wollen wir mit der Zählung der Dinge warten, bis wir wissen, was ein Ding ist. Der Aufgabe, ein Ding (ousia) zu bestimmen, hat sich Aristoteles in der Metaphysik gestellt. Dort geht es zwar wirklich nur um den alltäglichen Gegenstand, den sich jeder als Gegenstand vorstellt, auch wenn er keine Zeile des Aristoteles studiert hat. Aber die wissenschaftliche Bestimmung eines alltäglichen Gegenstandes wie der ousia oder der Ware im ersten Band des » Kapital « von Karl Marx, ist eine der anspruchsvollsten Aufgaben, derer der menschliche Geist fähig ist.

Zusammenfassung

Die Definition von [+] Eins = [-] Ousia ist das Sein als exklusives Oder: S = (E | O) oder die Verschiedenheit. Von den drei in Auseinandersetzung mit Parmenides entstandenen Weltmodellen kommt das Modell des Anaxagoras mit der die Welt lenkenden Vernunft am nächsten, das auch Aristoteles in der Physik zu seinem Prinzip machen wird oder das man bei oberflächlicher Lektüre auch in die ousia aus Aristioteles' Metaphysik hineinlesen kann. Es ist zwar noch kein Prinzip, sondern nur eine Methode, ein Ding zu bestimmen, nämlich entweder durch die den Stoff begrenzende Form oder durch den durch die Form begrenzten Stoff. Aber die Gleichzeitigkeit vom Ende des Stoffs mit der Form wird sich als eine Form des Prinzips in der Mitte oder vielleicht auch des Endes herausstellen (Pa.19-21), wenn klar ist, was ein Prinzip ist.


1. Dass ich den Rahmen mit »Bild« hier als Einheit bezeichne, ist strenggenommen falsch, denn bei Form und Stoff gilt in der Regel das stikte »entweder - oder«. Da wir aber diesen Fehler im alltäglichen Denken ständig begehen, müssen wir ihn auch als einen Teil des Denkens respektieren. Was wäre ein Bild ohne Rahmen?