Das Leben, allgemein

Die bewegte Materie teilt sich in den anorganischen und den organischen Teil. Der anorganische Teil gehört zur Seinswissenschaft, weil er das Sein von innen ausfüllt. Der organische Teil der Physis ist ein Teil der dicken trägen Materie. Er gehört nur in »unendlich« vermittelter Weise zur Seinswissenschaft, weil er nur einen winzigen Teil des Seins ausmacht. Gleichzeitig sind die Bewegungen, die hier untersucht werden, »unendlich« zusammengesetzt und nicht mehr mit den Kategorien der Seinswissenschaft zu begreifen. Es wäre lächerlich, die Gastritis mit der Bewegung der Atome im Leeren zu erklären. Selbst wenn die Gastritis letztlich auf die Bewegung der Atome im Leeren zurückführt, wird dadurch kein Mensch gesund.

Die organische Materie teilen wir gewöhnlich in drei Teile, Pflanzen, Tiere und Menschen. Hier lassen sich die Grenzen nicht mehr wie bei den drei Seinsteilen mit dem Rasiermesser ziehen, weil wir hier mit den zusammengesetztesten Bewegungen zu tun haben, die es gibt. Im Gegenteil sind die Zwischenstufen und Übergänge bei den kompliziertesten Bewegungen und Veränderungen sogar Voraussetzung für die Entwicklung. Aristoteles' »Dreiseelentheorie« in seiner wichtigsten Arbeit über das Leben im Allgemeinen ist eine originelle Idee, ein gemeinsames Prinzip des Lebens zu formulieren:

Wie stets das Ganze im Auge, betrachtet Aristoteles das Leben in Über die Seele als Einheit. Die Pflanzenseele, die für die Nahrungsaufnahme zuständig ist, ist die Seele, die Pflanzen, Tiere und Menschen gemeinsam haben. Die zugehörigen Bewegungen sind das Wachsen und Schwinden und das Werden und Vergehen. Die Empfindungsseele, die Sinneswahrnehmungen gibt es für die Tiere, die Menschen und die Wurmphilosophen. Bei den meisten Tieren kommt die Ortsbewegung hinzu.

Die Menschen schließlich haben als einzige Lebewesen die vernunftbegabte Seele. Die zugehörigen Bewegungen im Hirn des historischen, gesellschaftlichen und individuellen Menschen sind seit jeher das Gebiet des heftigsten Streits.

Zwar haben wir es mit unserer Vernunftseele noch nicht allzu weit gebracht, was im Teil über die Menschen besprochen werden muß, aber es ist so. Wir haben sie.

Im Bereich der belebten Materie tut sich schon bei den sammelnden, sichtenden und ordnenden Wissenschaften, die uns Aristoteles hinterlassen hat, etwas ähnliches wie in der Geometrie: Nirgendwo sonst haben wir eine so bunt schillernde Vielfalt von Formen, die wir in Gattung, Art und Individuen teilen können.

Und beiden Produkten des menschlichen Denkens schliesslich drängt sich die Analogie mit der Arithmetik auf: Das Kleinste wird zum Zahlreichsten.

Darwin

Darwins Ursprung der Arten ist für die organische Materie, was Aristoteles' Physik für die anorganische Materie ist. Hier hilft nur eines: Lesen. Lesen Lesen<-MEHR!

Darwins Abstammung des Menschen mit einer kritischen Einleitung von Christian Vogel zeigt, dass wir Darwin trotz aller Bewunderung nicht von der Miturheberschaft des sozialen »Darwinismus« freisprechen können. Zwar ist es gemessen an seinem Werk eine verschwindende Nebensache, aber es ist. Engels' Anteil der Arbeit an der Menschwerdung des Affen oder Morgan's Ancient Society hätten Darwin sicher geholfen, passendere Erklärungen für das Sozialverhalten des Menschen zu finden, als das Fressen und Gefressenwerden der Wurstphilosophen.

Aber so wenig wir Darwin auf die »Bevölkerungstheorie« von Malthus reduzieren dürfen (überflüssige Fresser gehören ausgemerzt), so wenig kann Malthus das Fressen und Gefressenwerden für sich beanspruchen. Schon in Platons Gorgias S.85f klagt der Sophist über die verweichlichten Demokraten, die den griechischen Staat zu Gunsten der Schwachen und Unfähigen plündern:

»Die Gesetzgeber aber sind, denke ich, die schwächlichen Menschen und die grosse Masse! In Rücksicht auf sich und ihren eigenen Vorteil geben sie die Gesetze, sprechen sie Lob und Tadel aus. Sie wollen die stärkeren Menschen, welche die Kraft haben, sich Vorteil anzumassen, einschüchtern, damit sie es nicht ihnen gegenüber tun, und sagen deshalb, es sei hässlich und ungerecht, sich Vorteile anzumassen, und das versteht man unter Unrechttun, sich Vorteile vor dem andern anzumassen suchen. Denn sie sind, denke ich, zufrieden, weil sie schwächer sind, wenn sie nur den gleichen Teil behalten. Daher also wird dies durch das Gesetz als ungerecht und hässlich bezeichnet: das Streben, mehr zu haben als die meisten; und dieses nennt man Unrechttun. Die Natur selbst aber beweist, dass es gerecht ist, dass der Stärkere mehr habe als der Schwächere und der Fähige mehr als der Unfähige. Unter vielen anderen Beweisen hierfür zeigt sie unter den Tieren überhaupt und unter den Menschen in ganzen Staaten und Geschlechtern; dass das anerkanntes Recht ist, dass der Stärkere über den Schwächeren herrsche und mehr habe als jener.«<-WENIGER!

Was hier noch fehlt,

lässt sich nicht beantworten, weil es hier zu viel gibt und weil das meiste davon nicht in die Philosophie gehört.