Die Vernünftigen

Die Vernünftigen stehen entweder im Dienst einer der drei Klassen, oder sie sind allein. Wenn sie für die Dummen oder die Schlechten als Wissenschaftler, Techniker, Programmierer, Organisatoren usw. arbeiten, zählen sie zu den Guten.

Arbeiten sie für die Dummen, um die Weisheit der Dummen zu preisen, gehören sie zu den Dummen. Ebenso gehören sie zu den Schlechten, wenn sie für die Schlechten arbeiten, um deren Güte zu preisen.

Die Vernünftigen, die für die Guten arbeiten, arbeiten zugleich auch meist für die Wahrheit, wie die Forscher der Dummen und der Schlechten, die zu den Guten gehören.

Wenige Vernünftige wie Aristoteles, Marx oder Rousseau, die für die Wahrheit oder die Guten arbeiten, stehen allein, weil sie ihre Arbeit rund um die Uhr in Anspruch nimmt und sie ihre Zeit daher mit keinem anderen teilen können.

Über sie sind die wenigsten Bestimmungen zu treffen, weil sie die Vorlagen der Bestimmungen erarbeiten, wie es Aristoteles für die Philosophie einfordert. V1

Das revolutionäre Subjekt

Die Ausrottung der revolutionären Organisationen durch Bismarck, die Wilhelms, Hitler, Adenauer, Brandt, Ulbricht, Honnecker, die Selbstenmannung der Sozialdemokratie seit Lassalle und Bernstein, das Aufsaugen der kleinbürgerliechen Ideologie bis tief in die Arbeiterklasse haben das revolutionäre Subjekt in Deutschland verschwinden lassen. Die Furie des Habens konnte sich dadurch bei uns zweimal austollen, wie es in keinem anderen Land der Erde möglich gewesen wäre.

Und nun sind wir machtlos dem bevorstehenden dritten Schlachtfest des Kapitals, dem ekligsten Produkt der Reichen ausgeliefert, das die Reichen immer dann absondern, wenn es unserer idyllischen Produktionsweise, dem Kapitalismus, wieder einmal weltweit an den Kragen geht: dem Faschismus.

Von den Faschisten erhoffen sich die Reichen, dass sie ihnen ihr lausiges Fell vor der Empörung des Volkes retten werden, wenn es aus seinem Dämmerschlaf erwacht und erkennt, dass seine Feinde nicht in den Flüchlingsbooten, den Altenheimen, den Moscheen und Synagogen, sondern in den Aufsichtsräten, den Parlamenten, den Redaktionen und den Universitäten sitzen.

Wir Deutschen sind dabei noch einmal in einer besonderen Lage. Denn alle Gelegenheiten, uns aus eigener Kraft von den Mächtigen und den Reichen zu befreien, haben wir gründlich in den Sand gesetzt, so dass wir viel weniger Erfahrung im Umgang mit der Freiheit haben, als beispielsweise die Franzosen oder die Engländer. Weder haben sich 1524 die Bauern, 1848 die Bürger, noch haben sich 1919 die Proletarier emanzipiert, so dass bei uns unter der Decke stets noch der preußische Kadavergehorsam schlummert, den Heinrich Mann im „Untertan” oder Ludwig Börne in den „Briefen aus Paris” schildern.

Auf der anderen Seite haben unsere mutigen Freunde in Leipzig und in der ganzen DDR es geschafft, eine demokratische Revolution unter dem Motto

auf die Beine zu stellen.

Da sollte es uns doch auch gelingen, die sozialistische Revolution unter dem Motto

folgen zu lassen.

Die Voraussetzungen dafür haben wir. Das ist nicht nur eine hochentwikkelte Industrie, unsere Gründlichkeit, sondern das ist unser Landsmann Karl Marx, der ebenfalls mit deutscher Gründlichkeit und mit den Klassikern aus der englischen und französichen Ökonomie und der griechischen und deutschen Philosophie im Gepäck ein neues Weltbild angedacht hat, das bisher noch in keinem Land der Erde verwirklicht worden ist.

Wir müssen uns nur noch dazu entscheiden, bei der bevorstehenden Alternative „Sozialismus oder Barbarei” nicht „Barbarei”, sondern „Sozialismus” zu antworten.

Das Ziel der Revolution muss sein, die Klasse der Reichen so in ihre Schranken zu verweisen, dass sie den armen Klassen nicht mehr schaden, sondern nur noch nützen.

Wer ist das revolutionäre Subjekt? Jeder, der will. Jeder Arbeiter, der die Früchte seiner Arbeit genießen will und sie nicht zu verschenken hat, jeder Kapitalist, der bereit ist, sich den Bedingungen des „Kapitalistischen Manifests” zu fügen, jeder Politiker, der die Gesetze aus dem Programm der Kapitalistischen Partei erlassen will, deren beiden ersten und einzigen Paragraphen lauten

Weiter jeder Professor, der die rechtlichen Grundlagen des Sozialen Kapitalismus ausarbeitet, ist das revolutionäre Subjekt. Gemeinsames Ziel des revolutionären Subjekts ist die Rückeroberung des Mehrwerts in die Hände seines ursprünglichen Eigentümers.

Die Kapitalistenklasse als Ganze arbeitet auf den Faschismus hin. Sie ist der Gegner, der als Ganzes in seine Schranken verwiesen werden muss, aus denen es für ihn kein Entkommen mehr geben wird.

Die Kleinbürger und das Lumpenproletariat haben sich in der letzten großen Krise vor dem zweiten Schlachtfest des Kapitals im letzten Jahrhundert zu den nützlichen Idioten der Reichen gemacht. Die jetzigen Möchtegern-Faschisten sind auch die Gegner.

Die Kleinbürger in der Zwischenkriegsphase haben in den drei letzten Jahrzehnten ihr soziales Gewissen auf dem Scheißhaus, an der Mülltonne und beim PersonalpronomInnen entsorgt und sind mit „Nie wieder Auschwitz” in den Krieg gezogen und haben sich, als die Krise mit ihren Begleiterscheinungen unübersehbar wurde, wie immer auf die falsche Seite geschlagen. Sie sind auch solange der Gegner, bis sie die Rückeroberung des Mehrwerts unterstützen.

Die jetzige Krise trägt einen finalen Charakter, weil die Mittel dazu vorhanden sind, die Menschheit zu vernichten. Trump oder Putin, die beiden ausführenden Trottel der Reichen, müssen ihren Generälen nur den Auftrag dazu erteilen. Die Krise wird entweder eine Allianz aus Arbeitern und Kleinbürgern gegen das Kapital gebären oder wieder die Faschisten für das Kapital ausscheißen. Das wird dann aber ihr letzter Schiss gewesen sein, weil sie selbst dabei krepieren werden.

Die Klasse zwischen den Schlechten und den Guten

Die Einteilung der Menschen nach ethischen Begriffen wie gut, schlecht, dumm und vernünftig mag den einen oder anderen Marxisten befremden. Denn unser idyllisches System wird nicht durch ethische Grundsätze, sondern durch Klasseninteressen geleitet. Es bekämpfen sich nicht die Guten und die Schlechten, sondern die Klasse der Kapitalisten und die Klasse der Arbeitenden.

Die ethischen Begriffe waren jedoch für die Unterwerfung der Interessen unter das Recht und das Gesetz erforderlich. Denn das Recht ist (und bleibt) zwar ein Klassenrecht, weil sich die Habenden, die Herrschenden und die Denkenden den Essenden zu unterwerfen haben, aber das Gesetz betrifft nicht das Allgemeine, sondern das Einzelne, das sich vom einen oder anderen Trieb leiten lässt.

Die Schritte des Klassenkampfs der Kapitalistischen Partei Deutschlands haben mit der ethischen Lesart des Kapitalistischen Manifests einen rechtlichen Wegweiser gewonnen, die die marxistischen Parteien bisher nicht hatten.

Und für die Klassenanalyse sorgen die Bourgeois schon selbst, mehr als dies Marx und Engels vorhergesehen haben.

Marx und Engels ahnten nicht, wie recht sie damit behalten sollten, dass sich die Bourgeoisie ihre eigenen Totengräber züchtet, nicht nur bei den Arbeitern, sondern auch im Kleinbürgertum, der Klasse, die beständig zwischen den Kapitalisten und den Arbeitern hin- und herschwankt und in der Krise bisher immer der sicherste Kandidat für die Grobarbeit war, um die Armen vom Tisch der Reichen fernzuhalten.

So ist in der EDV eine neue Klasse von Mehrwertproduzenten entstanden, die den Mehrwert nicht mit der Hand, sondern mit dem Kopf produziert, die lohnabhängigen Programmierer. Viele Programmierer haben ihren Beruf noch vor wenigen Jahren als Berufung empfunden, an der neuen Bibliothek von Alexandria in der DV mitzuwirken, wie die unzähligen Programme und Systeme in der public domain bezeugen. Sie müssen heute im Sekundentakt Schund für die Furie des Habens programmieren, die im Begriff ist, den weltweiten öffentlichen Raum in Besitz zu nehmen. Diese Klasse wird leicht davon zu überzeugen sein, dass es eine wirkliche sharing economy nur unter der Bedingung geben kann, dass die Klasse die die Kunst des gerechten Teilens seit Jahrtausenden eingeübt hat, die Verteilung übernimmt.

Die Waren, die die Lohnprogrammierer erzeugen, weisen einige Besonderheiten auf.

Die Ware hat zwei fatale Nebeneffekte für die Aneigner des Mehrwerts. Der erste: sie bringt die Wahrheit ans Licht, wie es keine Ware vor ihr konnte, auch nicht das Buch, die gefährlichste Ware vor ihr.

Der zweite: die Programmierer haben dasselbe Interesse wie die Arbeiter, das aus dem gleichen Sein der Ausbeutung resultiert. Sie sind die erste produktive Klasse, die das Studium der Werke zur Überwindung der Ausbeutung des Menschen durch den Menschen nicht von außen empfangen muss, wie dies noch Kautsky und Lenin annehmen mussten, sondern von sich aus studieren kann.

So wird es der Kapitalistischen Partei leicht gelingen, diese neue Klasse davon zu überzeugen, dass sie ihre Interessen allein dadurch verwirklichen kann, dass sie die Rückeroberung des Mehrwerts durch die Arbeiter unterstützt. Da sie selbst eine mehrwertproduzierende Klasse, die oft ein Hochschulstudium absolviert hat, wird es ihr leichter fallen, sich die theoretischen Grundlagen zur Überwindung der Klassenherrschaft anzueignen. Die wichtigste theoretische Erkenntnis ist die Erkenntnis des Mehrwerts selbst, dessen Produktion Karl Marx im ersten Band des „Kapital” enthüllt hat. Der von den Fabrikarbeitern und den Landarbeitern erzeugte Mehrwert ist der Reichtum, von dem wir alle zehren, auch die durch geistige Arbeit erzeugten Mehrwert produzierenden Arbeiter der Intelligenz, seien es Programierer, Ingenieure, Forscher oder Erfinder. Will der Programmierer seinen Mehrwert genießen und will er in Zukunft wieder an Alexandria statt an Schund arbeiten, so muss er die Rückeroberung des Mehrwerts der Kapitalistischen Partei Deutschlands unterstützen.

Dadurch wird auch die Kapitalistenklasse in ihre Schranken verwiesen, von der im Vorstehenden noch nicht die Rede war, die Lizenzaufkäufer geistigen Eigentums, die derzeit am Überschnappen sind. Dass denen auf die Finger gehauen werden muss, seit sie den neuen weltweiten öffentlichen Raum in Beschlag genommen haben, ist unbestritten. Nur herrscht hier eine noch größere Ratlosigkeit als bei den Wucherern in Geld und in Grund, wie das zu geschehen hat, ohne auf die Vorzüge des Internet zu verzichten. Die Lösung ist keine andere als die im restlichen Kapitalismus, die Orientierung dieses Raums an den obersten vier Gütern. Ob die Programmierer dann ihre Kapitalisten genauso bezahlen werden wie die Fabrik- und Landarbeiter ihre, wird sich weisen.

Die Einheit der Guten, Schlechten, Dummen und Vernünftigen


1. Der Traum des kritischen Herrn Habermaß, der die Frankfurter Universitätsprofessoren als die eigentlichen Mehrwertproduzenten angesehen hat, scheint sich bei den Programmierern zu verwirklichen. Aber das ist ein Irrtum. Denn anders als die gelehrten Abhandlungen des Instituts für Sozialforschung haben die Produkte der Programmierer nicht nur einen Tauschwert, sondern einen Gebrauchswert, der weltweit von allen Menschen aller Klassen konsumiert wird. Und der Gebrauchswert ist die Voraussetzung des Tauschwerts. Was kein Mensch braucht, ist ein Ladenhüter.