Nachtrag 1: Die Guten und das Haben

Warum lassen sich die Armen der Welt seit Menschengedenken von ihren Dummen einreden, sie müssten die Schlechten mästen, damit es ihnen dereinst im Himmel oder auf Erden besser gehe? Sind die Völker der Welt wirklich so dumm, um die Arglist dieser Phrase nicht zu durchschauen?

Nein, die Völker der Welt haben die Weisheit der Praxis. Und die lehrt sie Tag für Tag, dass ihnen ein armer Reicher ebensowenig nützt wie ein toter Reicher. Denn nur dem, der hat, kann genommen werden. Ist keiner da, der hat, kann niemandem genommen werden.

Was aber den Freunden der Armen bis auf den heutigen Tag noch nicht gelungen ist, ist die Antwort auf die Frage, wie dem Reichen genommen wird, ohne dass uns der Reichtum abhanden kommt. Denn die Antwort auf den seit Jahrtausenden währenden Krieg der Reichen gegen die Armen war immer nur der Krieg der Armen gegen die Reichen mit dem stets gleichen Ergebnis, dass sich nach erfolgreichem Waffengang entweder die bisherigen Kampfesgenossen als die neuen Reichen entpuppten und das alte Lied unter neuer Flagge gesungen wurde oder dass der Reichtum, um den der Kampf ging, ganz verschwunden ist, weil keiner mehr zum Reichtum machen da war.

Eigentum

11.11.2015 Dabei ist die Anwort einfach. Nachdem dem Reichen untersagt worden ist, sich die Menschen zu nehmen und zu seinem Eigentum zu machen, nachdem ihm untersagt worden ist, sich den Leib der Menschen zu nehmen und zu seinem Eigentum zu machen, muss er nun lernen, dass er sich die Überschüsse aus der Arbeit nicht nehmen darf, sondern dass ihm der Eigentümer der Überschüsse seiner Arbeit den Teil davon abgibt, den er sich durch die Zurverfügungstellung der Produktionsmittel oder der Mittel des Handels verdient hat. Von einem Nehmenden wird der Reiche zu einem Empfangenden. Der schon immer Gebende bleibt der Gebende, gibt nun aber als der Herr und nicht als der Knecht. Und nebenher ist dies der einzige Weg, um das richtige Maß zu finden, den Wucherern in Land und in Geld den Teil D22 des Teils des Überschusses abzugeben, der ihnen zusteht, sofern ihnen ein Teil des Teils zusteht.

Die Klassen

11.11.2015 Die Klassengesellschaft ist keine zu zerschlagende Einrichtung, sondern die höchste Form der arbeitsteiligen Bildung einer Gemeinschaft, die der Mensch sich geschaffen hat. Die vier Klassen, deren Aufgaben das Denken, das Teilen (Geben), das Nehmen und das Herrschen sind, verkörpern die vier höchsten Rechtsgüter des Menschen. Allein die Verletzung der Aufgaben zwischen den Gebenden und den Nehmenden muss noch korrigiert werden, damit der Gebende wieder das hat, was er allein zu geben hat.

Dass Marx statt des Mehrwerts die Produktionsmittel zum Eigentum der arbeitenden Klasse machen wollte, ist bei ihm nur ein sekundärer Irrtum. Denn dass die Auseinandersetzung zwischen den Schlechten und den Guten sich um den Mehrwert dreht, müssen wird Marx nicht beibringen. Er hat es der Welt beigebracht, und sie sollte daraus ihre Schlüsse ziehen. Leider ist für die Meisten, die sich auf Marx berufen, der Begriff »Mehrwert« ein Fremdwort, so dass hier ein Neuanfang erforderlich ist.

Mit dem Produktionsmittel haben die Reichen den Reichtum entfesselt. Daher bleibt es ihr Eigentum. Sie sollen den Reichtum weiter entfesseln. Das können sie, und dafür braucht sie das Volk. Dass sie ihrem Trieb nur folgen können, wenn er befriedigt wird, erkennt das Volk an, wird ihm aber seine natürlichen Grenzen setzen, die im Essen der Armen bestehen. Dabei bedeutet »Essen« den bescheidenen und gesicherten Wohlstand der Arbeiter für sich und ihre Lieben. Die kapitalistische Produktionsweise bleibt also erhalten.

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Marx, Lenin und Mao

Der Konflikt um den Mehrwert ist bei Marx zwischen den Guten und den Schlechten eines reichen Landes und zwar von der ersten bis zur letzten Seite aller drei Bände des Kapital und nimmt man noch die drei Bände über die Theorien des Mehrwerts hinzu, aller sechs.

Band 1: Die Produktion des Mehrwerts

Band 2: Die Zirkulation des Mehrwerts unter den Kapitalistenklassen

Band 3: Die Verteilung des Mehrwerts unter die Kapitalistenklassen

Bände 4 bis 6: Die Theorien über den Mehrwert

Der leninistische und der maoistische Konflikt ist zwischen den Dummen der reichen Länder und den Dummen der armen Ländern (»Imperialismus«) ist ein rein militärischer Konflikt. Die Guten tauchen in den beiden Theorien über den Imperialismus und über die drei Welten1 nur als Soldaten auf. Beide Theorien sind nur politische oder militärische Theorien. Ob der Vertrag zwischen den Guten und den Schlechten in einem entwikkelten kapitalistischen Land ohne militärische Gewalt abgeschlossen werden kann oder nicht, wird sich zeigen. Theoretisch ist die Erringung der politischen Gewalt der Kapitalistischen Partei durch Parlamentswahlen nicht ausgeschlossen. Denn wenn sich die Idee der Aufteilung der vier Rechtsgüter erst einmal im Volksbewusstsein verankert haben wird, ist sie nicht mehr aufzuhalten. Und da die Kapitalistische Partei dann über die geistigen Mittel verfügt, dem Gesetz, das die Schlechten zwingt, Gutes zu tun, Nachdruck zu verleihen, ist die gewaltlose Übergabe der Macht vielleicht nicht ausgeschlossen. Zwar werden die Schlechten und die Dummen der anderen Länder nicht tatenlos zusehen, wie sich die Guten eines Landes zu den neuen Lohnherren machen, aber die Guten der anderen Länder werden auch nicht tatenlos zusehen, wenn sie sehen, das die Freunde eines Landes sich ihr Eigentum zurückgeholt haben.

Die Theorien über den Imperialismus taugen nicht für die Bewältigung der Aufgaben innerhalb einer Gesellschaft, weil die politischen und militärischen D23 Beziehungen Außenbeziehungen zwischen zwei oder mehr Ländern sind. Sie auf das Innere anzuwenden kommt daher einer Militarisierung der Gesellschaft gleich.

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Die Menschheit verdankt Karl Marx die Erkenntnis, wie sich dieser Plan verwirklichen lässt. Zwar ist es ihm nicht gelungen, diesen Plan zu formulieren, und seine Ausführungen über die Gesellschaft der Zukunft mussten im Vagen bleiben. Aber durch die Enthüllung des Geheimnisses der Überschussproduktion im Kapitalismus - von ihr handelt der erste Band des Kapital - dieser Voraussetzung und des Ziels allen wirtschaftlichen Handelns, hat er den Grundstein für den sozialen Kapitalismus so gründlich gelegt, dass ihn kein Sturm umstoßen kann, ist er erst einmal errichtet. Hier sei auf das Studium dieses Werks verwiesen und auf das Wort eines bürgerlichen Rezensenten nach Erscheinung des dritten Bandes, den Engels zitiert: »In Brauns "Archiv für soziale Gesetzgebung", VII, Heft 4, gibt Werner Sombart eine in ihrer Gesamtheit vortreffliche Darstellung der Umrisse des Marxschen Systems. Es ist das erstemal, daß ein deutscher Universitätsprofessor es fertigbringt, im ganzen und großen in Marx' Schriften das zu sehn, was Marx wirklich gesagt hat, daß er erklärt, die Kritik des Marxschen Systems könne nicht in einer Widerlegung bestehn "mit der mag sich der politische Streber befassen" -, sondern nur in einer Weiterentwicklung.« (MEW 25 Friedrich Engels Ergänzung und Nachtrag zum III. Buche des "Kapitals") .

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In der ganzen bisherigen Geschichte des Sozialismus hat sich jedoch noch niemand die Mühe gemacht, den Sozialismus an dem Ort weiterzuentwikkeln, wo Marx die Entwicklung abbrechen musste, sieht man einmal von den biederen Versuchen der Marxisten um Kautsky ab, die Zirkulation des agrarischen und des industriellen Mehrwerts in einer kapitalistischen Gesellschaft, wie sie Marx im zweiten Band des Kapital zu zkizzieren versucht, in Zahlen auszudrücken und sich darüber zu freuen, dass die Rechnung »aufgeht« (Ich habe bei meinem ersten Studium des zweiten Bandes des Kapital auch wochelang darüber gebrütet und mich darüber gefreut, als ich endlich die rechnerische Lösung der von Marx aufgeworfenen Aufgabe erkannte). D24 Die Frage, was geschieht mit dem Mehrwert in einer sozialen Gesellschaft? hat niemand gestellt. Dabei ist diese Frage, was mit dem von den Arbeitern erzeugten Überschuss passiert, für Alle die wichtigste Frage.

Marx stellt und beantwortet sie im dritten Band des Kapital, aber genau wie im ersten und im zweiten so, dass er die Verteilung des Mehrwerts unter die verschiedenen Teile der Kapitalistenklasse untersucht, den produktiven Kapitalisten, den Handelskapitalisten, den Grundkapitalisten und den Geldkapitalisten.

Verantwortlich für dieses Versäumnis sind also auch Marx und Engels, die die Enteignung der Kapitalisten von den Produktionsmitteln als ersten Schritt zum Sozialismus fordern. Aber was soll das bedeuten? Die Produktionsmittel würden dann entweder zum Eigentum des Staates, wie es Rodbertus fordert, oder zum Eigentum der Arbeiter. Das Handwerk des Politikers ist aber nicht die Wartung von Maschinen, und der Arbeiter hat nach einem Arbeitstag direktem Kontakt mit der Maschine die Nase voll von Maschinen. Er will sich am Feierabend nicht am Eigentum seiner Maschine erfreuen. Nein, einen Sinn ergibt das Eigentum an den Produktionsmitteln nur bei dem, der es versteht, aus ihnen so viel Reichtum wie möglich zu ziehen. Das ist der industrielle Kapitalist, trete er als Person, als Aktiengesellschaft oder als Bank auf, das bleibt sich gleich.

Was die Arbeiter haben wollen, sind die Überschüsse aus den Früchten ihrer Arbeit , das, wovon das ganze Kapital von der ersten bis zur letzten Seite handelt, den Mehrwert.

Sie wollen eine schöne Wohnung, Essen und Trinken, unentgeltliche Gesundheitsfürsorge, freien Personen-Nahverkehr, Urlaub, Theater, Schwimmbäder und was der Mensch sonst noch braucht, um glücklich zu sein. Die Maschinen und Anlagen können ihnen ebenso gestohlen bleiben wie die Macht. Die Maschinen gehören den Reichen, und die sollen sie auch behalten. In den Händen der Dummen, selbst wenn sie die Guten sind, sind sie ohne Nutzen, wie die Tragödie der Sowjetunion zeigt (nicht die Farce unter Stalin, sondern die Tragödie unter Lenin, Chruschtschow und Gorbatschow). Was die Guten haben wollen, ist die Frucht ihrer Arbeit, den Überschuss, nicht das Produktionmittel, das tote Kapital oder das konstante Kapital, wie es Marx nennt.

Genau diesen Überschuss will aber auch der Kapitalist haben. Hier - und sonst nirgendwo - kommt es also zum Konflikt, solange die Bilanzen das nicht-Haben der Arbeiter mit dem Haben der Kapitalisten belohnen und nicht das Haben der Arbeiter mit dem nicht-Haben der Kapitalisten bestrafen. Die Rückkehr des Eigentums am Überschuss in die Hände des ursprünglichen Eigentümers, der nicht nach der Differenz des Getrennten, sondern nach dem Ganzen und dem Teil teilt, nicht das Eigentum an den Produktionsmitteln, in die Hände der arbeitenden Klasse kennzeichnet die nächste Entwicklungsstufe der Menschheit.


1. Die kommunistischen Gruppen aus meiner Studentenzeit Mitte der siebziger, Anfang der achziger Jahre, die sich alle auf Mao und Stalin berufen haben, haben sich seinerzeit wie die Kesselflicker darüber gestritten ob die »Theorie der Drei Welten« von Mao stammt oder nicht und wenn ja, ob sie es ist, die den Sieg der Weltrevolution herbeiführt oder nicht. Darüber, dass Maos Taktik aus den Fehlern Lenins gegenüber den Bauern Russlands gelernt hat und im langjährigen Kampf gegen die japanischen Faschisten von der Einsicht geleitet war, sich auf das zu stützen, was ist, die kleinbürgerlichen Bauernmassen in dem agrarischen Feudalreich und nicht auf das Phantom eines nicht vorhandenes Proletariats, war bei ihnen kein Wort zu hören. Auch darüber nicht, dass Mao zigmal betont, dass dem chinesischen Volk nach dem Sieg über die japanischen und die chinesischen Faschisten eine jahrzehntelange Ochsentour im Aufbau kapitalistischer Strukturen bevorsteht. Denn die Schlussfolgerung aus diesen Einsichten hätte notwendig zu einer Neueinordnung der Theorie des »Imperialismus« und zur theoretischen Beantwortung der uns von Karl Marx hinterlassenen offenen Fragen führen müssen: Was tun mit dem Mehrwert, was tun mit der Bodenrente, was tun mit dem Zins in einer sozialen Gesellschaft? Da wohl aber die meisten, nachdem sie sich an der Uni die Hörner abgestoßen haben, in die väterliche Kanzlei, den Betrieb oder das Gut eingetreten sind, oder wenn kein Erbe da war, zu den Dummen gegangen sind, hat man von diesen lästigen Kleinigkeiten von ihnen nichts gehört. Um so mehr galt das natürlich von den »Linksradikalen« Anarchisten (in Frankfurt »Spontis«), denen das Lesen von vornherein ein Greuel war und die nach dem Motto »High sein, frei sein, Terror muss dabei sein« Politik gemacht haben.