Nehmen und Haben: das Eigentum

Es gibt fünf Formen des Eigentums.

  1. das Eigentum an den Produktionsmitteln
  2. das Eigentum an den Distributionsmitteln
  3. das Geldeigentum
  4. das Grundeigentum
  5. das Eigentum am Produkt der Arbeit

Aus dem Eigentum der Produktionsmittel und dem Eigentum der Distributionsmittel fließen die Gewinne des produktiven Kapitalisten und des Handelskapitalisten, wobei der produktive Kapitalist zweigeteilt ist in den industriellen Kapitalisten und den landwirtschaftlichen Kapitalisten.

Aus dem Geldeigentum fließt der Zins, und aus dem Grundeigentum fließt die Bodenrente.

Während die Gewinne der produktiven und der Handelskapitalisten nur aubeuterische Aneignungen sind, sind der Zins und die Bodenrente unter den heutigen Bedingungen parasitäre Aneignungen.

Denn der Bauer, der Fabrikant und der Händler geben die Produktionsmittel und die Distributionsmittel und nehmen ihre Gewinne aus den produzierten und verteilten Waren, während der Geldeigentümer und der Grundeigentümer aus dem Nehmen und Geben der Gewinne der anderen Kapitalisten ihren Zins ziehen, ohne je mit deren Waren in Berührung gekommen zu sein.

Was alle vier Kapitalistenarten, die produktiven (Bauer und Fabrikant), die Handelskapitalisten, die Geldkapitalisten und die Grundkapitalisten miteinander verbindet, ist die gemeinsame Quelle ihrer Einkünfte: das Eigentum am Produkt der Arbeit anderer, dass sie sich in unterschiedlichen Formen und Graden angeeignet haben.

Die Rückkehr des Eigentums am Produkt der Arbeit in die Hände seines Produzenten ist daher der erste Schritt hin zu einer sozialen Gesellschaft und ist der endgültige Schritt, mit dem sich die Menschheit aus dem Tierreich befreit haben wird, wie es Engels einmal ausdrückte.

26.01.2016 Dieses erste und ursprüngliche Eigentum ist nichts anderes als das Genommene, das D9 dem Nehmenden zum Verzehr dient. Dieses Eigentum, das in den kapitalistischen Ländern nur in den Armengesetzen an letzter Stelle des Eigentums rangiert, ist das primäre und unveräußerliche Eigentum, dem sich alle anderen Formen des Eigentums zu beugen haben, weil alle Formen des Eigentums aus ihm entstehen. Alle Formen des Eigentums, das Eigentum an den Produktionsmitteln, das Eigentum an den Distributionsmitteln, das Geldeigentum und das Grundeigentum können im sozialen Kapitalismus erhalten bleiben, wenn sie sich dem primären Eigentum unterordnen, wenn nicht, nicht.

Die Einschnitte, die die Kapitalisten dabei erfahren werden, sind verschieden. So werden die produktiven und die Handelskapitalisten im Vergleich zu den beiden parasitären Kapitalistenarten vergleichsweise moderate Einbußen hinnehmen müssen

Die weitere Untersuchung hat zwei Dinge zu beachten. Einmal muss sie das Recht so entwickeln, dass es die Rückkehr des primären Eigentums zu seinem Eigentümer für alle Zeiten sicherstellt. Ob Grundeigentum und das Geldeigentum im sozialen Kapitalismus als privates Eigentum auftreten werden oder nicht, muss der Eigentümer des primären Eigentums entscheiden, wenn er sein Eigentum wiederhat und es verwalten lässt. Das Land (der Staat) oder der Eigentümer des Bodens stellen dem Nutzer einer dauerhaft mit dem Boden verbundenen Sache wie einem Acker oder einem Haus den Boden für einen geringen Bodenzins als Besitz zur Verfügung, so lange der Boden als Acker oder als Träger von Wohnungen genutzt wird. Und der Zins aus verliehenem Geld wird im sozialen Kapitalismus so bemessen sein, dass er niemandem mehr schlaflose Nächte bereiten wird und der daher auch das Wuchergeschäft unattraktiver machen wird, so dass sich die Frage vielleicht von allein regeln wird.

Die gesetzgeberische Sprache zur Regelung der Eigentumsverhältnisse, die ich vorschlage, besteht nicht mehr nur aus den beiden Wörtern Soll und Haben, sondern aus den vier übergeordneten Wörtern Essen, Denken, Nehmen (Haben1) und Herrschen, deren Träger oben als die Guten, die Vernünftigen, die Schlechten und die Dummen bezeichnet wurden. Essen und Denken bestimmen Haben und Herrschen. Denn Essen und Denken tun Alle, Haben und Herrschen tun Wenige. Die Rollenverteilung der Vier wird in der Gesellschaft der nahen Zukunft also anders sein als heute. Ab dann sind die Dummen und die Schlechten die Diener der Guten und der Vernünftigen, und sie werden durch das Gesetz und einen Vertrag, den die Guten mit den Schlechten abschließen werden, so zur Ordnung gerufen werden, dass es aus ihm für sie nie mehr ein Entkommen geben wird. Zur Aufrechterhaltung dieser neuen Ordnung werden weder die Gesetzespeitsche, noch der Polizeiknüppel nötig sein, weil weder der Reiche, noch der Herrschende aus seinem Vertrag entkommen will. Um diesen Vertrag mit den Schlechten und den Guten so zu formulieren, dass es für den Schlechten kein Entkommen und für den Guten keine erneute Niederlage gibt, muss er beiden Vertragsparteien nutzen und nicht schaden. Das führt zu der letzten ökonomischen Antwort auf die Frage, wie es dazu kommen konnte, dass der reich Geborene in Armut lebt.

Die Frage nach dem verlorenen Reichtum ist leichter zu beantworten als die Frage nach der verlorenen Freiheit. Denn dem Menschen ist auf einer sehr frühen Kulturstufe das ursprüngliche und natürliche Eigentum genommen worden, das die Voraussetzung aller Freiheit ist, die Gaben der Natur, die er sich nimmt und von denen er sich ernährt. Viele Freunde der Freiheit vergessen dies, wenn sie geringschätzig auf das »bloße Essen« herabblicken. D10


1. 25.05.2018: »Nehmen« anstelle von »Haben« für die Gelegenheiten, wo die vier Rechtsgüter vier verschiedene Initialen haben müssen oder wo die Nehmer sich als Geber aufspielen.