Platon und die Triebe

Das Recht ist die Inbeziehungsetzung und Gewichtung der obersten Güter des Menschen. Das Gesetz ist die möglichst präzise Formulierung, wie mit einem genau abgegrenzten Teil dieses Beziehungsgeflechts zu verfahren ist.

Die Bestimmung der obersten Rechtsgüter und ihre Beziehung zueinander ist die ausgesprochene, aber mehr noch die unausgesprochene Grundlage des Gesetzes einer bestimmten historischen Epoche.

Zwar haben auch die Wegbereiter der Französischen Revolution die Rolle der Triebe für die Bestimmung des Rechts erkannt (so Holbach in seine »System der Natur«), tun dies jedoch unsystematisch und unter dem stillschweigenden Anerkennen des Habentriebs als des Ersten.

In einer systematischeren Form finden wir die Bestimmung der obersten Rechtsgüter in Platons Gesetzen. Bei ihm nimmt der Habentrieb die letzte Stelle ein.

Das Handeln des Menschen wird von drei Trieben geleitet, dem Denktrieb, dem Esstrieb und dem Habentrieb, wobei dem Denktrieb der erste Rang gebührt, dem Esstrieb der zweite und dem Habentrieb der letzte. So Platon und Aristoteles, die diese Erkenntnis bereits als eine »Weisheit der Alten« referieren. Zwar hütet sich Platon, dem Essen die prominente Stelle zuzuweisen, die ich ihm gebe (und die auch Aristoteles in der Psychologie andeutet), sondern er spricht nur von den körperlichen Dingen wie Gesundheit, Kraft und Schönheit, aber letztlich sind alle anderen körperlichen Triebe einschließlich des die Art erhaltenden Geschlechtstriebs gegen das Essen sekundär, weil es keinen ohne das Essen gäbe. Denn der Esstrieb erhält den Einzelnen, der das Atom der Art ist1.

Welchen der Triebe wir aber auch als Stellvertreter der körperlichen Dinge nehmen, es bleibt eine schwierige Aufgabe für den Gesetzgeber, das Recht so zu formulieren, dass sich daraus das Gesetz nicht nur in der Absicht, sondern in der Tat ableiten lässt. Platon war er Erste, der dies in seinen »Gesetzen« versucht hat. Er soll daher ausführlich zu Wort kommen.

Buch I, 631b-c : Es gibt aber Güter von zwiefacher Art, menschliche und göttliche, und zwar hängen von den göttlichen die menschlichen ab, und wenn jemanden die größeren zuteil geworden sind, 631c so besitzt er eben damit auch die kleineren, wo aber nicht, so entbehrt er beider. Folgendes aber sind die kleineren: Obenan steht die Gesundheit, den zweiten Rang nimmt die Schönheit, den dritten die Stärke zum Laufen und zu allen anderen körperlichen D2 Bewegungen, den vierten endlich der Reichtum, und zwar nicht der blinde, sondern der scharfsehende ein, nämlich der, welcher sich der Leitung der Vernunft und ihrer Weisheit überläßt. Eben diese letztere nun steht wiederum unter den göttlichen Gütern an erster Stelle, das Zweite aber nach der Vernunft ist eine besonnene und maßhaltige Beschaffenheit der Seele,

Zuerst das Denken, dann das Essen bzw. stellvertretend für das Essen die Gesundheit und andere körperliche Dinge und zum Schluss das Haben, so Platon. Dass das Herrschen noch nicht als Trieb erscheint, hat historische und vielleicht auch persönliche Ursachen. Auch dass er nicht das Essen, sondern andere körperliche Dinge als Rechtsgut setzt hat historische Gründe: Der Essentrieb der Sklaven kommt nicht als Rechtsgut vor, weil die Sklaven keine Träger von Rechten sind, sondern nur Objekte des Rechts ihrer Besitzer. Also hat das Essen keinen Platz in Platons Gesetz. Der Gesetzgeber stellt es dem Sklavenhalter frei, seinen Sklaven verhungern zu lassen. Die Sklaverei hat sich überlebt, aber die ehrwürdige Tradition des Verhungernlassens wird heute mehr denn je gepflegt.

Buch III, 697a-c : So behaupten wir denn, daß nach unserer Ansicht ein Staat, der sich in gutem Stand 697b erhalten und, soweit es in menschlicher Macht liegt, glückselig sein will, notwendig auch Ehre und Unehre richtig verteilen müsse. Dies Richtig heißt aber doch, daß als die wertvollsten und höchsten Güter die der Seele gelten, in welcher Besonnenheit und Mäßigung wohnt, die zweite Stelle aber die Güter und Vorzüge des Körpers, und die dritte das, was man Vermögen und Glücksgüter nennt, einnimmt. Und wenn ein Gesetzgeber oder ein Staat diese Rangordnung überschreitet, indem er entweder den Reichtum in die oberste Stelle hinaufrückt 697c oder überhaupt Dinge einer niederen Klasse (ton hysteron) in die Ehre einer höheren (to prosthen) einsetzt, so dürfte er weder ein den Göttern (outh' hosion) gefälliges noch dem Staate (oute politikon) ersprießliches Werk (pragma) tun.

Nimmt der Habentrieb den ersten Rang unter den Rechtsgütern und damit in den Gesetzen ein, so begeht der Gesetzgeber »nicht nur eine Sünde, sondern auch einen politischen Fehler« (Eduard Eyth in der dreibändigen Platon-Ausgabe der WBG, Band III, S. 314). Aber was muss der Gesetzgeber tun, damit der Habentrieb nicht nur unter den Gütern, sondern auch in den geschriebenen Gesetzen die letzte Stelle einnimmt? Soll er überhaupt die letzte Stelle einnehmen?

Buch V, 728e-729a : Die gleiche Bewandtnis hat es auch mit dem Besitze von Geld und Gut, und es gilt auch von ihm das gleiche Maß der Schätzung. Denn das Übermaß aller 729a solcher äußeren Besitztümer zieht dem Staate wie dem Einzelnen Feindschaft von anderen und Zwist in sich selber zu, der Mangel an ihnen aber macht sie meistens zu Sklaven anderer Staaten oder Menschen. Darum möge keiner um seiner Kinder willen sich zu bereichern trachten, um D3 ihnen einst möglichst große Schätze zu hinterlassen, denn es wird dies weder ihnen noch dem Staate zum Heile sein. Vielmehr ist ein Vermögen, welches den jungen Leuten keine Schmeichler herbeilockt, aber doch hinreicht, um sie vor Mangel an dem Notwendigen zu schützen, für sie das Allerheilsamste und steht am besten mit allen ihren Bedürfnissen im Einklang,

Offenbar hat der niederste Trieb die höchste Einsicht. Der Habende, so Platon, ist gehalten, seinen Habentrieb zu mäßigen, um dem Staat zu nützen und nicht zu schaden. Obwohl als der niederste Trieb erkannt, bedarf er nach Platon nur der Ermahnung des Gesetzgebers und nicht der vom Gesetzgeber auferlegten Pflicht. Da zu Platons Zeit der Herrschende zugleich ein Habender ist, ist hier in den Gesetzen ein unlösbarer Konflikt. Aber selbst wenn Platon sich trauen würde und den Konflikt ausfechten würde: Wie soll ein Gesetz eine Einsicht erzwingen? Die Habgier lässt sich nicht köpfen, nur der Habgierige. Aber geköpft nützt er uns nichts.

Buch V, 743e- 744a : Deshalb bemerkten wir denn auch mehr als einmal, daß man der Sorge um das Vermögen die niedrigste Stelle anweisen müsse, und daß, wenn es insgesamt dreierlei Dinge gibt, auf welche das Streben jedes Menschen gerichtet ist, Hab und Gut bei einem richtigen Bemühen um dieselben erst das dritte und letzte, dagegen der Körper das zweite und die Seele das erste ist; und so ist denn auch die Verfassung, welche wir jetzt durchgehen, erst dann richtig durchgeführt, wenn sie diese Rangordnung festhält. Wenn sie dagegen irgendein Gesetz anordnen sollte, 744a von welchem sich zeigt, daß es der Gesundheit der Bürger den Vorrang vor der Besonnenheit oder dem Reichtum vor der Gesundheit und Besonnenheit gibt, so zeigt sich hierin eine mangelhafte Durchführung. Die Frage muß daher der Gesetzgeber sich öfters vorlegen: »Was ist mein Zweck?« und »ob ich wohl dies oder jenes erreiche oder vielmehr mein Ziel verfehle?« Denn nur so und nicht anders wird er selbst seine Gesetzgebung glücklich zu Ende zu führen und andere dieser Mühe zu überheben vermögen.

Nach der Feststellung der obersten Rechtsgüter und ihres Verhältnisses zueinander beginnt die eigentliche Arbeit des Gesetzgebers. Sie ist eine schwierige Aufgabe. Denn wie sollen die Rechtsgüter ihrem Rang gemäß in Gesetze gefasst werden, die für Alle gleichermaßen gelten und die dennoch alle Triebe befriedigen, ohne den vom Recht vorgegebenen Rang der Drei zu verletzen?

Die Gesetzgeber haben bei den Untaten der Reichen stets nur ihr »Sorry, aber die Umstände« im Mund und glauben sich so aus dem Schneider. Dass das Herrschen als der vierte Trieb neben dem Denken, dem Essen und dem Haben noch fehlt, ist schon gesagt worden. Aber seine Hineinnahme in die Güter ändert nichts an diesen Fragen. Platon untersucht nun den relativen Reichtum und die relative Armut.

Buch V, 744d-745b : Hieran möchte ich nun aber wieder folgenden Gesetzesentwurf als zunächst hiemit zusammenhängend anschließen. Es muß nämlich, wie ich meine, in einem Staate, welcher von der größten aller Krankheiten frei bleiben soll, welche man Aufruhr oder noch richtiger Spaltung nennt, weder der eine Teil der Bürger in drückender Armut, noch der andere in übermäßigem Reichtum leben, da dies beides jenes beides erzeugt, und so muß denn der Gesetzgeber nunmehr jedem von beiden, Armut und Reichtum, eine feste Grenze setzen. Die Grenze der Armut sei demnach der 744e Wert des erlosten Landesanteils, in dessen Besitz man sich erhalten muß, und dessen Verringerung weder irgendein Beamter noch auch sonst jemand, welcher Ehre und Tugend liebt, ruhig mit ansehen darf; und nachdem der Gesetzgeber so dies nach der einen Seite als Maß hingestellt hat, mag er nach der andern erlauben, seinen Besitz auf das Zwei-, Drei-, ja Vierfache hievon auszudehnen. Wenn aber jemand noch mehr im Besitz hat, so soll er den Überschuß, gleichviel ob er ihn durch einen Fund oder eine Schenkung oder durch Geschäftserwerb oder durch irgendsonst einen Glücksfall 745a sich erworben hat, an den Schatz des D4 Staates und seiner Schutzgötter abgeben, wenn er anders seinen guten Namen erhalten und sich vor Strafe bewahren will. Wenn aber jemand diesem Gesetze nicht Folge leistet, so soll es anzeigen, wer da will, und dafür die Hälfte der betreffenden Summe zur Belohnung empfangen, der Schuldige überdies den Betrag des Überschusses noch einmal als Strafe bezahlen, die andere Hälfte aber an die Götter fallen. Das gesamte Besitztum aller aber, mit Ausnahme des ihnen durch das Los zugewiesenen, soll aufgezeichnet und diese Aufzeichnungen an einem öffentlichen Orte bei der Behörde welcher das Gesetz die Überwachung dieser Verhältnisse übertragen hat, niedergelegt werden, um in allen Rechtsstreitigkeiten, 745b soweit sie sich auf Geldangelegenheiten beziehen, die Entscheidung recht leicht und klar zu machen.

Buch VIII, 831c-e : die Sucht nach Reichtum, ... raubt dem Menschen jederzeit alle Muße sich um etwas anderes als um die eigene Habe zu bekümmern, und wenn an diese ein jeder Bürger sein ganzes Herz hängt, so kann er für nichts anderes Sinn haben, als Tag für Tag Gewinn zu machen, und alle Kenntnisse und Fertigkeiten, welche hiezu förderlich sind, wird ein jeder auf eigene Hand zu erlernen und einzuüben höchst bereitwillig sein, 831d alle andern aber verlachen. Dies also wäre eins und die eine Ursache, und so kommt es, daß der Staat weder die eben besprochene noch irgendeine andere löbliche und gute Beschäftigung anzuordnen sich ernsthaft angelegen sein läßt, sondern, daß vielmehr jedermann in ihm auf eigene Hand aus unersättlicher Gier nach Geld und Gut kein Gewerbe und keine Handgriffe verschmäht, gleichviel ob sie mehr ehrenhafter oder mehr schimpflicher Art, wenn sie nur eben dazu geeignet sind ihn reich zu machen, und zu jeder Handlungsweise, gleichviel ob sie erlaubt ist oder unerlaubt, ja noch so schändlich, bereit ist und sich vor nichts scheut, wofern er nur imstande ist, seiner tierischen Lust 831e alles Mögliche zu essen und zu trinken und seinen tierischen Liebesgelüsten in jeder Weise Genüge zu tun.

Der Gesetzgeber muss das Mindesteinkommen und das Höchsteinkommen festlegen, sagt Platon. Das ist beim Mindesteinkommen unbestreitbar, das Platon hier - ähnlich wie Ricardo oder Marx als den Wert der Arbeitskraft (damals mit Acker, heute ohne) - als das zum Leben Notwendige bestimmt. Das lässt sich für eine gegebene Gesellschaft zu einer gegebenenen Entwicklungsstufe der produktiven Kräfte leicht ausrechnen und gesetzlich bestimmen. Aber wie soll eine Höchstgrenze gesetzlich festgelegt werden? Soll sie überhaupt festgelegt werden? Ist nicht der größere Reichtum des Kapitalisten die größere Lohnquelle und die größere Steuerquelle? Nützt somit der größere Reichtum des Reichen nicht Allen? Sollte da nicht der grenzenlose Reichtum des Kapitalisten das Ziel auch des Gesetzgebers sein, wie es bei den jetzigen Gesetzgebern der Fall ist?

Ein Gesetz zur Verhinderung übermäßigen Reichtums, das nur durch bezahlte Denuntiation eingehalten werden kann, ist ein Zeichen, dass der Gesetzgeber seine Aufgabe noch nicht erfüllt hat.

(Und die Publizitätspflicht wird erst in der mehrwertorientierten Ökonomie ihren Nutzen entfalten, weil sie für den Publizierenden dort keine Last, sondern eine Lust ist, weil er dort dafür gelobt und nicht verachtet wird, den Reichtum zu scheffeln.)

Die Klage ist berechtigt, hilft uns aber bei den Gesetzen keinen Schritt weiter. Der Gegenstand des Gesetzes muss vielmehr der Trieb sein, der nun einmal da ist. Lässt sich der niedere Trieb des Habens lenken, dass er der Gemeinschaft nicht schadet, sondern nützt?

Platons agrarischer Kastenstaat aus Soldaten, Herrschern und Denkern ist dazu nicht geeignet.

Der Habentrieb lässt sich erst auf der ökonomischen Entwicklungsstufe in vernünftige Bahnen lenken, die ein so Vielfaches der zum Leben Aller notwendigen Güter produziert, das nicht nur die rechtliche, sondern auch die D5 materielle Gleichstellung aller Bürger eines Staates erlaubt. Das ist der industrielle Kapitalismus.

Buch VIII, 842c-d :

Dies ist nun eine große Erleichterung für den Gesetzgeber, 842d denn es ist eben deshalb hier nicht bloß die Hälfte der Gesetze, sondern eine noch weit geringere Zahl ausreichend, und noch dazu Gesetze wie sie freier Männer würdiger sind. Denn er braucht fast gar keine Gesetze über das Seewesen, über Groß- und Kleinhandel, über Gasthäuser, über Zölle und Bergwerke, über Darlehen und Wucher zu geben, sondern kann dies alles ruhig von der Hand weisen und hat es nur mit den Ackerbauern, Hirten, Bienenzüchtern und überhaupt allen welche derartige Dinge in Obhut nehmen, sowie denen, welche ihnen die Werkzeuge zu liefern haben, zu tun,

Außenhandel, Wucher und Berwerksrente können in der physiokratischen Idylle im rechtsfreien Raum bleiben, träumt Platon, nur die produktive Arbeit auf dem Acker ist Sache des Gesetzgebers. Folglich muss nur das Grundeigentum aus dem rechtsfreien Raum herausgenommen werden.

842e-843a : Die ersten dieser Gesetze nun seien die sogenannten Ackergesetze, und von ihnen soll das oberste und erste das des Zeus, des Hüters der Grenzen (Dios horiou), sein und folgendermaßen lauten: Keiner verrücke die Grenzsteine zwischen seinem und des Nachbars Boden, gleichviel ob dieser letztere ein Mitbürger seines Staates ist, oder ob man sein Besitztum an der äußersten Grenze des Landes und daher einen Fremden zum Nachbarn hat. Jedermann denke vielmehr, daß 843a dies in Wahrheit das Unantastbare antasten heiße,

Eben war das Haben noch der niederste Trieb auf der untersten Stufe der Rechtsgüter. Und schon ist es ein unantastbares göttliches Gesetz.

Tatsächlich ist das Grundeigentum in einer agrarischen Sklavenhaltergesellschaft ein wichtiges Gut. Denn mit ihnen, den vielen Sklaven und dem großen Grundeigentum, wird weitaus mehr Essen hergestellt, als in der nur auf eigener Arbeit und dem kleinen Grundeigentum des Bauern beruhenden Landwirtschaft.

Die Reihenfolge 1. Denken, 2. Essen, 3. Haben kehrt sich bei Platon und bis auf den heutigen Tag um in 1. Haben, 2. Essen, 3. Denken, weil Platon mit dem Denken das Denken der Habenden meint, mit dem es bekanntlich nicht so weit her ist. Die Reihenfolge 1. Haben, 2. Essen, 3. Denken wird sich umkehren in 1. Denken, 2. Essen, 3. Haben, wenn das Haben das Haben der Essenden sein wird.

Wird der Habentrieb nicht »um seiner selbst willen« definiert, sondern um eines Anderen willen, so verteilt sich das oberste Rechtsgut (Haben) wie folgt auf die drei Träger der Güter:

Das Haben der Herrschenden und das Haben der Habenden dienen dem Haben der Essenden. Denn das Haben der Herrschenden das Haben der Habenden kommt von der Arbeit der Essenden. Die Habenden und die Herrschenden schulden daher ihren Ernährern die Resultate ihres Herrschtriebs und ihres Habentriebes. Nur dann lassen wir euch weiter herrschen und haben, wenn ihr uns von Nutzen seid. Beginnt ihr uns zu schaden, ist es aus mit dem Herrschen und dem Haben. D6


1. Die Inder gehen noch einen Schritt weiter und setzen das Atmen vor alle anderen Triebe, weil du wochelang ohne Essen aber keine drei Minuten ohne Atmen leben kannst. Sie verbinden damit eine wissenschaftliche Weisheit mit der tröstlichen Gewissheit für die Brahmanen und Maharadschas, dass die niederen Kasten niemals nach dem Essen fragen und sich mit dem Atmen begnügen. Der Jubelhindu Schopenhauer und die pangermanische Rassenseele Rosenbergs bedienen sich hier, um dem niederen Habentrieb der Preußen »philosophische« Weihen zu geben. Hitlers Leibphilosoph Rosenberg schreibt übrigens von Platon ab, der mit seinem Mythos von »Atlantis« die Ägypter belehrt, dass sie in Wahrheit von der giechisch-atlantischen Kultur zehren, die die griechischen Bewohner von Atlantis vor dem Untergang ihrer Insel in den Maghreb transportiert haben.