Die ganz Schlechten oder das Nachgeborene

Die Pöbelherrschaft ist nicht das Kind der Demokratie, wie Aristoteles, Rousseau und andere Verfassungsrechtler meinen, sondern die Pöbelherrschaft ist das Kind des Geldpöbels.

Der Faschismus ist ein Kind der ökonomischen Krise.

Die ökonomische Krise ist ein Kind der Reichen.

Der Faschismus ist ein Kind der Reichen.

Nicht eine Verfassung gebiert die andere, sondern alle Verfassungen sind Kinder ihrer herrschenden Produktionsweise, die Demokratie die des florierenden Kapitals, die Pöbelherrschaft die des krepierenden Kapitals, das die Völker der Welt mit in sein Grab reißen möchte.

Nur wenn dem Geldpöbel das Kinderkriegen untersagt wird, wird es keine Pöbelherrschaft mehr geben. Eher nicht, liebe Parlamentarier und liebe Kapitalisten, die ihr mal wieder aus allen Wolken fallt und Eure Brut dem Volk unterschieben wollt1.

Der Faschismus ist ein Kind der Reichen, ist ein vollkommener logischer Schluss, mögt Ihr reinen Herzens noch so sehr in Erinnerungskultur machen, Ihr seid die Ursache. Der Faschismus kann nur dann unterbunden werden, wenn den Reichen das Krisenmachen untersagt wird. Eher nicht.

Dabei ist das Bild, das Brecht nach dem zweiten Weltkrieg gebrauchte zu korrigieren in: »das Loch ist fruchtbar noch, aus dem dies kroch«. Der Mutterschoß, dem wir alle unser Dasein verdanken, ist ein zu wertvolles Gut, um so Wertloses auszustoßen. Außerdem findet an dem besagten Ort ein Kommen und Gehen statt, so dass eine andere Körperöffnung besser ins Bild passt.

Denn im Moment passiert zum dritten Mal in hundert Jahren: Die Schlechten scheißen die Dummen aus, weil für sie dort kein Platz mehr ist, wo sie sich nach der letzten Pöbelherrschaft 1945 behaglich warm eingerichtet haben. Der Platz wird jetzt wieder für die ganz Dummen freigemacht, wie ich es der SPD einmal in einem Genesungswunsch zu ihrem 140sten Geburtstag für sie selbst vorhergesagt habe.

Das deutsche Volk hat nach seiner letzten Pöbelherrschaft 1945 versäumt, die Quellen des Geldpöbel trockenzulegen. Es hätte die Gelegenheit, seine S7 Schuld aus dem vergangenen Jahrhundert gegenüber der Welt (insbesondere gegenüber Lenin und den russischen Revolutionären) abzutragen, indem es als erstes Volk der Welt verkündet,

Wir sind das Kapital.

Wir bezahlen euch.

Wegbegleitender Schatten der Schlechten und der Dummen, aber auch der Guten durch alle geschichtlichen Perioden hindurch sind die ganze Schlechten, die Wucherer. Ihnen ist die Verunendlichfachung ihres Reichtums und die vollständige Abkoppelung des Reichtums von der allen Reichtum zeugenden Arbeit gelungen, vor der die Nazis aus der IG Auschwitz vor Neid erblassen müssen. Das konnte ihnen gelingen, weil es die Menschen versäumt haben, die Lüftung des Geheimnis des Zinses zum Wohl der Menschheit anzuwenden.

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Die zweite große Entdeckung, die die Menschheit Karl Marx verdankt, ist viel weniger ins Bewusstsein der Massen gedrungen als die Enthüllung des Mehrwerts, dass nämlich der Zins ein Teil des Mehrwerts ist.

Die Welt hat ihre gerechte Strafe für das Versäumnis, ihre Lehren aus dieser Entdeckung zu ziehen, zweimal bitter bezahlt. Das lag zum Teil an der Geschichte des Sozialismus, die in zwei Ländern begonnen hat, in denen der Zins nur in seiner urwüchsigen Form des Wuchers eine Rolle gespielt hat und in Lenins Imperialismustheorie mit Schaudern und Staunen die Rolle der Masters of the Universe spielen darf, statt die Blindschleiche im Gewand der Königskobra zu entlarven. Aber auch die Marxisten in den entwickelten kapitalistischen Ländern haben die Schlussfogerungen aus dieser Entdeckung versäumt. Das wiederum lag daran, dass es ihnen nicht gelungen ist, Marx' Werk dort weiterzuentwickeln, wo er es durch seinen Tod bedingt nicht weiterentwickeln konnte, der Verwendung des Mehrwerts in einer sozialen Gesellschaft und an der Bestimmung des Zinses. Die erste Frage ist durch die Auszahlung des Kapitalistenlohns beantwortet. Der Zins ist dort zwar auch behandelt, soll aber hier anhand der Quellen gründlicher dargestellt werden, als es seine ökonomische Bedeutung erfordert. Das ist aber notwendig, um das Neue auch durch mehrmaliges Wiederholen fassbar zu machen. Glücklicherweise ist das Manuskript des dritten Bandes des Kapitals von Marx schon so weit ausgearbeitet, dass nur noch wenige Schlussfolgerungen über die noch fehlenden Teile gezogen werden müssen. Marx wird daher hier ausführlich selbst zu Wort kommen.

Nur so viel kann ich hier schon sagen: Ist erst die mehrwertorientierte Wirtschaft eingeführt, haben die Arbeiter die produktiven Kapitalisten mit ihrem Kapitalistenlohn entlohnt, und haben die produktiven Kapitalisten die Handelskapitalisten entlohnt, dann wird es ein Kinderspiel werden, die Wucherer an den Ort der Mehrwertabschöpfungskette zu versetzen, an den sie hingehören, ganz an den Schluss. Und es wird ein Kinderspiel, sie mit dem Lohn zu belohnen, der ihnen zusteht. Und diese Löhnung wird dann niemandem mehr schlaflose Nächte bereiten, mit Ausnahme von den Wucherern.

Was ist der Zins?

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»<351> ... Gesetzt, die jährliche Durchschnittsprofitrate sei 20%. Eine Maschine im Wert von 100 Pfd.St. würde dann, unter den Durchschnittsbedingungen und mit dem Durchschnittsverhältnis von Intelligenz und zweckmäßiger Tätigkeit als Kapital verwandt, einen Profit von 20 Pfd.St. abwerfen. Ein Mann also, der 100 Pfd.St. zur Verfügung hat, hält in seiner Hand die Macht, aus 100 Pfd.St. 120 zu machen oder einen Profit von 20 Pfd.St. zu produzieren. Er hält in seiner Hand ein mögliches Kapital von 100 Pfd.St. Überläßt dieser Mann für ein Jahr die 100 Pfd.St. einem andern, der sie wirklich als Kapital anwendet, so gibt er ihm die Macht, 20 Pfd.St. Profit zu produzieren, einen Mehrwert, der ihm nichts kostet, wofür er kein Äquivalent zahlt. Wenn S8 dieser Mann dem Eigner der 100 Pfd.St. am Jahresschluß vielleicht 5 Pfd.St. zahlt, d.h. einen Teil des produzierten Profits, so zahlt er damit den Gebrauchswert der 100 Pfd.St., den Gebrauchswert ihrer Kapitalfunktion, der Funktion, 20 Pfd.St. Profit zu produzieren. Der Teil des Profits, den er ihm zahlt, heißt Zins, was also nichts ist als ein besondrer Name, eine besondre Rubrik für einen Teil des Profits, den das fungierende Kapital, statt in die eigne Tasche zu stecken, an den Eigner des Kapitals wegzuzahlen hat.«2

Die Masse des Zinses besteht aus einem Teil des Mehrlohns der Arbeiter, den der industrielle Kapitalist als Kapitalistenlohn erhalten hat, also aus einem Teil des Teils des Mehrwerts, der zweiten Hälfte des primären Eigentums. Beim Handelskapitalisten, der seinen Lohn vom industriellen Kapitalisten erhält, ist der Zins demzufolge ein Teil des Teils des Teils des Mehrwerts. Richtig durchdekliniert wird diese Erkenntnis von Marx die Macht der Banken ins rechte Licht rükken.

Auch ihre vermeintliche Macht, über das Monopol des Geldeigentums zu verfügen, wird sich in der mehrwertgeleiteten Ökonomie relativieren, weil der Wucherer dort ein armer Schlucker ist wie du und ich.

Nachdem ihr dritter weltweit und über Jahrzehnte organisierter Kreditbetrug vor einigen Jahren aufgeflogen ist, haben sich die Wucherer von den Staaten der Welt fürstlich dafür mit den Hunderten von Milliarden belohnen lassen, um die sie die Welt betrogen haben. Im Anschluss fressen sie das Fleisch der Alten, Kranken, Kinder und der Staaten, nachdem die Staaten ihnen kein Geld mehr in den Rachen werfen können. Schließlich saufen sie das Blut der wehrfähigen Männer und Frauen, wenn ihnen nicht das Handwerk gelegt wird. Das ist viel einfacher und weniger martialisch, als es zunächst den Anschein hat.

Sowohl der Keim der Überwindung als auch der Keim der vermeintlichen Unüberwindlichkeit der Finanzkapitalisten stecken bereits in dem zitierten Absatz. Der Keim der Überwindung ist die Zahlung des Zinses im Nachhinein als Teil des Teils des mit dem Geld erwirtschafteten Mehrwerts. Die vermeintliche Unüberwindlichkeit ist die überkommene Vorstellung, der Wucherer könne im Vorhinein den Zins auf das gesamte ausgeliehene Geld erheben, den Pfand nicht nur auf die Plastikflasche, sondern auch auf deren Inhalt. Diese überkommene Vorstellung kommt daher, dass das Wesen des Zinses erst Jahrtausende nach seiner ersten Erhebung erkannt werden konnte. Denn ist das Ganze unbekannt, kann der Teil nicht erkannt werden.

vielleicht als Überleitung zu den ganz Schlechten: Um den Zusammenhang zwischen der allen Reichtum zeugenden Arbeit und den Wucherern zu verdeutlichen, muss ich etwas länger ausholen. Dass die Reichen die Schlechten und die Mächtigen die Dummen sind, ist bekannt. Das wussten schon Sokrates und Jesus. Ebenso, dass die Armen die Guten sind. S9

Es fehlt nicht an Analysen der Schlechtigkeit der Schlechten und der Dummheit der Dummen.

Sokrates war einer der ersten Vernünftigen, der für seine lebenslangen Vorwürfe an die Dummheit der Mächtigen und die Schlechtigkeit der Reichen in den Tod gegangen ist. Was ihn unbeirrt in den Tod hat gehen lassen, war sein unerschütterlicher Glaube an die Macht des Gesetzes, das dereinst den Armen, den Vernünftigen, den Mächtigen und den Reichen ihren gebührenden Ort im Volk zuweisen wird.

Da das Gesetz aber nur das gebieten kann, was ihm zu Gebote steht, die materiellen Voraussetzungen für die Macht des Gesetzes müssen da sein, mussten 2.000 Jahre vergehen, bis die materiellen Voraussetzungen für die Entfaltung der Macht des Gesetzes gegeben waren und sich in Karl Marx wieder ein Vernünftiger fand, der dazu die wissenschaftliche Grundlage legte.

Menschen wie Sokrates oder Marx zeichnet ihr Reichtum an Bildung aus. Die vielen Fehlschläge der Revolutionen zeichnet der Mangel an Bildung der Revolutionäre aus.

Die Französiche Revolution scheiterte an der Unkenntnis der Revolutionäre über die

Anleihen.

Die sowjetische Revolution ist gescheitert an der Unkenntnis der Revolutionäre über die

doppelte Buchführung.

Gorbatschow hat dies 60 Jahre zu spät erkannt. Die periodischen Zusammenbrüche des Kapitalismus werden bewirkt durch die Unkenntnis der Politiker über die (zum größten Teil idiotische)

Finanzmathematik.

Und alle vereint die Unkenntnis über das Wesen des

Zinses.

Die Unkenntnis über den Zins reicht vom Alten Reich der Ägypter über die Griechen und Römer und alle Perioden der Neuzeit bis auf den heutigen Tag. Und diese Unkenntnis hat wieder ihre Ursache in der alle Unkenntnis verursachenden Unkenntnis über

die Arbeit und den Überschuss,

der durch die Arbeit geschaffen wird. Das bedeutet, ist die Unkenntnis über die durch die Arbeit geschaffenen Überschüsse beseitigt, können der Zins, die Finanzmathematik, die doppelte Buchführung und die Anleihen dazu benutzt werden, der Menschheit zu nutzen und nicht zu schaden. Kein Völkerschlachten, kein Schreckensregime, keine Bürokratendiktatur sind erforderlich, wenn aus der Kenntnis der Arbeit und der durch sie geschaffenen Überschüsse die richtigen Schlussfolgerungen gezogen werden über den Zins, die Finanzmathematik, die doppelte Buchführung und die Anleihen. Mit der Aufteilung des Volkseinkommens an die Dummen, die Guten und die Schlechten ist der Jahresabschluss noch nicht beendet. Denn der Kapitalist muss aus seiner Kapitalistensteuer, die ihm seine Arbeiter gezahlt haben, noch die ganz Schlechten entlohnen. Denn die haben ihm Geld geliehen, damit er damit Überschüsse erwirtschaftet und wollen nun ihren Teil von den Überschüssen abhaben. Den sollen sie auch bekommen.

../sgmlwerke/me25/me25_350.html#S360

»Verleihen von Geld für eine gewisse Zeit und Rückempfang desselben mit Zins (Mehrwert) ist die ganze Form der Bewegung, die dem zinstragenden Kapital als solchem zukommt.«

Zurückfließen kann nur, was da ist. Nichtvorhandenen Mehrwert zurückzufordern ist daher absurd. Der Rückempfang mit Zins kommt diesem Kapital nicht als solchem zu, sondern nur, wenn der Mehrwert realisiert worden ist. Der Bankier der Zukunft wird ein Unternehmer mit unternehmerischem S10 Risiko sein. Kein Mehrwert, kein Zins.

../sgmlwerke/me25/me25_350.html#S363

Die Absurdität der bisherigen Zinserhebung besteht aus zwei Dingen. Zum einen darin, dass der Preis des Kredits vor der Existenz der ausgepreisten Ware erhoben wird und nicht nach deren Produktion und deren Verkauf. Der Preis des Kredits ist der Zins, und der wird wie der Preis jeder anderen Ware nach deren Produktion ermittelt und gezahlt. Zum anderen besteht die Absurdität des Zinses darin, dass er auf das gesamte Kapital erhoben wird und nicht nur auf das, was mit dessen Hilfe gezeugt worden ist, den Mehrwert. Der Zins ist nicht das Geborene, sondern das Nachgeborene, das nur anfällt, nachdem geboren wurde. Wenn nicht, nicht. Ohne Mehrwert kein Zins.

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Der produktive Kapitalist hat die Macht über die eigentlichen Produzenten.

Der Handelskapitalist hat die Macht über das produktive Kapital.

Die Banken haben die Macht über den Handel.

Je weiter jemand von der Produktion des Reichtums entfernt ist, desto größere Macht hat er.

Der alles Produzierende hat keine Macht. Der nichts Produzierende hat alle Macht. Wäre es nicht umgekehrt besser? Sollte nicht der alles Produzierende alle Macht haben und der nichts Produzierende keine?

Gott behüte uns vor denen, die »alle Macht den Arbeitern« fordern und die ihnen auch noch die Fabriken schenken wollen, die sie den Kapitalisten weggenommen haben. Denn würden diese beiden Vorhaben tatsächlich verwirklicht, dann müssten die Arbeiter nicht nur die Arbeit der Arbeiter, sondern auch noch die Arbeit der Politiker und die Arbeit der Kapitalisten verrichten. Die Guten müssten also im Nebenjob die Arbeit der Dummen und der Schlechten ausführen. Das ist nicht nur absurd, sondern wäre die Hölle auf Erden. So kann nur jemand denken, der selbst noch nie gearbeitet hat oder der Anderes im Schilde führt, nämlich ein Dummer, der das Kommando über die Schlechten und die Guten haben will. Diese Leute sind nicht weniger gefährlich als die, die heutigen Dummen, die alle Macht den Banken überlassen haben.

Trotz oder wegen seiner epochemachenden Entdeckung über das Wesen des Zinses kann Marx noch nicht alle Folgerungen sehen, die seine Entdekkung nach sich ziehen muss.

../sgmlwerke/me25/me25_350.html#S367

»Das Kapital manifestiert sich als Kapital durch seine Verwertung; der Grad seiner Verwertung drückt den quantitativen Grad aus, worin es sich als Kapital realisiert. Der von ihm erzeugte Mehrwert oder Profit - seine Rate oder Höhe - ist nur meßbar durch seine Vergleichung mit dem Wert des vorgeschoßnen Kapitals. Die größre oder geringre Verwertung des zinstragenden Kapitals ist daher auch nur meßbar durch Vergleichung des Zinsbetrags, des ihm zufallenden Teils des Gesamtprofits, mit dem Wert des vorgeschoßnen Kapitals. Wenn daher der Preis den Wert der Ware, so drückt der Zins die Verwertung des Geldkapitals aus und erscheint daher als der Preis, der dem Verleiher für dasselbe gezahlt wird.«

Marx versucht mit diesen Formulierungen, der Höhe des Zinses irgendwie beizukommen, gerät dabei aber auf den Irrweg, den Zins nicht mehr auf das zu erheben, dessen Teil er ist, sondern auf das Gesamtkapital. Dabei ist die Höhe leicht bestimmbar und bereits von Marx bestimmt: Der Zins ist der Betrag von x% des erwirtschafteten und realisierten Mehrwerts. Ist der Geldkapitalist auf seine Rolle als Mehrwertsparkasse reduziert, wird dies von selbst einleuchten. Jedoch, die Macht, den Wucherer mit dem Teil des Teils - und nur mit dem Teil des Teils - zu befriedigen, der ihm zusteht, liegt außerhalb der Gewalt des produktiven Kapitalisten. Der produktive S11 Kapitalist ist ja bereits mit Haut und Haar vom Wucherer gefressen. Vor dessen »Macht« staunt und zittert die Welt seither blöde. Der Teil des Teils kann nur von dem bestimmt und durchgesetzt werden, der das Ganze innehat.

In der Krise übernimmt nach dem bisher geltenden Fahrplan der ganze Schlechte das Ruder und übergibt das Politikgeschäft dem ganz Dummen. Der ganz Dumme ist der Faschist, und der ganze Schlechte ist der Wucherer, die natürlichen Bündnispartner für schwierige Fälle. Die Dummen und die Schlechten treten vorübergehend in den Hintergrund und waschen ihre Hände in Unschuld, nachdem die ganz Dummen und die ganz Schlechten ihren Job des großen Mordens und Zertrümmerns erledigt haben, damit das Spiel von vorne beginnen kann.

Die Sache hat jedoch diesmal einen Haken. Um morden zu können, benötigt der ganz Dumme das Volk, wenn er nur konventionell morden will und die Kernwaffen nicht einsetzt. Das von den Dummen (für) dumm gehaltene Volk muss das Morden wollen, wenn es darum geht, den normal Schlechten und den normal Dummen erneut das Fell zu retten. Gott und die Nation haben als Mordmotiv ausgedient, und die Endlösung der Moslemfrage hat sich trotz redlicher Mühe der Dummen seit über zwanzig Jahren als Rohrkrepierer erwiesen. Der aufkeimenden Hoffnung in die Endlösung der Flüchtlingsfrage wird es nicht viel besser ergehen. Das Schlimmste aber ist, dass die Dummen und die Schlechten beim anstehenden Morden selbst krepieren würden, wenn sie ihre richtigen Waffen zum Einsatz bringen würden. Was tun?

Die ganz Dummen können wir vernachlässigen. Sie sind nur noch Karikatur des Faschismus. Um den Kadaver der ganz Schlechten müssen wir uns jedoch kümmern, weil die ganz Schlechten wie die Schlechten auch im sozialen Kapitalismus gebraucht werden. Sie werden jedoch nur dann in die Gesellschaft wiedereingegliedert werden, wenn sie ihr Handwerk von Grund auf neu erlernen. So auch bei der Bestimmung des allgemeinen Zinsfußes.

../sgmlwerke/me25/me25_350.html#S369

»<369> Anders aber mit dem Zins vom Geldkapital. Die Konkurrenz bestimmt hier nicht die Abweichungen vom Gesetz, sondern es existiert kein Gesetz der Teilung außer dem von der Konkurrenz diktierten, weil, wie wir noch weiter sehn werden, keine »natürliche« Rate des Zinsfußes existiert. Unter der natürlichen Rate des Zinsfußes versteht man vielmehr die durch die freie Konkurrenz festgesetzte Rate. Es gibt keine »natürlichen« Grenzen der Rate des Zinsfußes. Wo die Konkurrenz nicht nur die Abweichungen und Schwankungen bestimmt, wo also beim Gleichgewicht ihrer gegeneinander wirkenden Kräfte überhaupt alle Bestimmung aufhört, ist das zu Bestimmende etwas an und für sich Gesetzloses und Willkürliches.«

Der Willkür, die der Geldkapitalist seit den Pharaonen bis auf den heutigen Tag bei der Festlegung der Zinsrate hat, kann leicht begegnet werden, wenn die Frage: die Rate worauf? neu gestellt wird. Die Rate auf das ausgeliehene Kapital, war die bisherige Antwort. Diese Antwort hat sich als Absurdität herausgestellt, weil nicht das Geld arbeitet, sondern der Arbeiter. Die Rate kann also nur auf das Erarbeitete, genauer auf den Überschuss des Erarbeiteten erhoben werden. Und da ist es schnell aus mit der Willkür. Wenn erst erkannt und dann anerkannt ist, dass der Zins nach der Realisierung des Mehrwerts erhoben wird als ein Teil des realisierten Mehrwerts zum allgemein festgelegten Leihzinssatz, wird das Geldverleihen mit Recht zu einem angesehenen Handwerk werden. Wird der Mehrwert realisiert, bekommt der produktive Kapitalist seinen Teil davon ab. Aus diesem Teil erfolgt danach die Zahlung des Zinses zum Satz x, wenn nicht, nicht. Versäumt der Schuldner nicht nur die Zahlung des Zinses, sondern auch die S12 Zahlung der Kreditraten, wird er wie bisher von der Bank enteignet. Wer seine Arbeiter nicht sattmacht, soll auch nicht essen. Was dann in die Hände der Bank übergeht, hat exakt den Wert der ausstehenden Kreditraten. Ob das enteignete Kapital nach wie vor das Eigentum der mehrwertproduzierenden Kapitalisten bleibt und nicht das Eigentum der Bank, oder ob es zum Eigentum der Bank wird, kann erst abschließend beurteilt werden, wenn wir die Banken in ihrer neuen Mutterrolle beim Arbeitersattmachen beobachten können. Solange soll es das Eigentum der produktiven Kapitalisten sein. Denn sie sind ja geprellt worden, nicht der Habenichts. Die Bank hat es vielmehr umgehend an fähigere Kapitalisten weiterzuveräußern. Dabei spielt es keine Rolle, dass der mehrwertproduzierende Kapitalist und der Geldkapitalist heute meist ein und dieselbe Person ist. Ob sich die Banken im sozialen Kapitalismus weiterhin darum reißen werden, die Macht in den produktiven Unternehmen auszuüben oder ob sich das Volk eine neue produktive Kapitalistenklasse züchten wird, kann vorab nicht gesagt werden.

Die ganz Schlechten wurden in der neueren Zeit zunächst von den Dummen benötigt, um ihre Kriege zu finanzieren. Da die Dummen und die Schlechten übereingekommen sind, nichts über die Herkunft des Geldes der ganz Schlechten wissen zu wollen, worüber sich die Wucherer genauso amüsieren wie die Schlechten über die ungebildeten Revolutionäre am »Tag danach«, ist ihnen eine Bedeutung teils zugewachsen, teils haben sie sie sich angemaßt, die nichts mehr mit dem am Rande der Gesellschaft stehenden Wucherer zu tun zu haben schien und die nun nicht mehr nur den Krieg, sondern auch den Frieden bestimmt. Und so kommt es, dass die ganz Dummen und die ganz Schlechten von Zeit zu Zeit über den Planeten herfallen und alles zerfleischen, was ihnen in den Weg kommt. Und dies allein, weil es die Vernünftigen versäumt haben, aus Marx' Erkenntnis über den Zins als Teil des Teils des Mehrwerts ihre Konsequenzen zu ziehen. Sowohl die Geldkapitalisten als auch die normalen Kapitalisten sind so vom Zinsfetisch beherrscht, der sie glauben macht, der Zins sei eine im Vorhinein auf das Ganze erhebbare Abgabe, statt eine im Nachinnein als Teil des Teils des Überschusses gewährte Gabe, also ein viel kleinerer Lohn als der Kapitalistenlohn.

../sgmlwerke/me25/me25_370.html#S378

»Was aber die beständig fluktuierende Marktrate des Zinses betrifft, so ist sie in jedem Moment als fixe Größe gegeben, wie der Marktpreis der Waren, weil auf dem Geldmarkt beständig alles leihbare Kapital als <379> Gesamtmasse dem fungierenden Kapital gegenübersteht, also das Verhältnis des Angebots von leihbarem Kapital auf der einen Seite, die Nachfrage darnach auf der andern den jedesmaligen Marktstand des Zinses entscheidet.

<380>

Es wird [für den Durschnittskapitalisten] ein allgemeines Vermögen jeder Geldsumme von 100 Pfd.St., 2, 3, 4, 5% abzuwerfen.«

Dieser Aberglaube des Durchschnittskapitalisten über die Macht und vor allem die Höhe des Zinses, der bei ihnen mit dem Mehrwert konfundiert ist, freut den Wucherer. Nur von den 100 Pfd.St. die als Mehrwert realisiert worden sind, wird es ein Vermögen, Zins abzuwerfen. Werden nur 50 Pfd.St. realisiert, ist die wirkliche Masse des Zinses entsprechend geringer. Werden 0 Pfd.St. realisiert, ist der wirkliche Zins 0, mag der Zinsfuß 5% oder 50% sein. Können die Raten nicht mehr beglichen werden, weil weder Tilgung, noch Zins realisiert wurden, muss sich der industrielle Kapitalist wie gehabt auf die Enteignung einstellen. Das Gute an dieser Form der Berechnung des Zinses ist, dass die Gesellschaft jederzeit einen genauen Überblick über das derzeit disponible Kreditkapital hat. Es genügt, wenn S13 der Zinssatz einmal pro Abrechnungsperiode berechnet wird. Die individuellen Unterschiede ergeben sich aus den verschiedenen individuellen Mehrwerten. So hat zwar jeder Kapitalist denselben Zinssatz, aber nicht auf das geliehene Kapital, sondern auf den erzielten Mehrwert. 12.11.2015 Das Geben und Nehmen wird auch beim Wucher in vernünftige Bahnen gelenkt.

../sgmlwerke/me25/me25_383.html#S389

<389>

»Die ganze Untersuchung, wie der Bruttoprofit sich in Zins und Unternehmergewinn differenziert, löst sich einfach auf in die Untersuchung, wie ein Teil des Bruttoprofits sich allgemein als Zins verknöchert und verselbständigt. Nun existiert aber historisch das zinstragende Kapital als eine fertige, überlieferte Form und daher der Zins als fertige Unterform des vom Kapital erzeugten Mehrwerts, lange bevor die kapitalistische Produktionsweise und die ihr entsprechenden Vorstellungen von Kapital und Profit existierten. Daher immer noch in der Volksvorstellung Geldkapital, zinstragendes Kapital als Kapital als solches, als Kapital par excellence gilt.«

Der Mehrwert wurde in Mesopotamien, Ägypten und Griechenland ebenso produziert, wie er im England des 19. Jahrhunderts produziert wurde und wie er in jeder auf der Arbeit beruhenden Gesellschaft produziert wird, die nicht nur von Wasser und Brot lebt. Denn die Gabe der Arbeitskraft, einen Überschuss zu erzeugen, ist eine Naturgabe und keine Gabe einer bestimmten Produktionsweise. Daher gab es in diesen Ländern die Wucherer, die ihren Zins aus dem Mehrwert erhoben. Nur fehlten die historischen Bedingungen, um den Zusammenhang zwischen Zins und Mehrwert zu erkennen, weil die Mehrwertproduktion eine noch untergeordnete Rolle spielte. Daher konnten die Wucherer ohne Schranken walten und waren mit Recht verhasst. Sobald die Mehrwertproduktion die Ausmaße des modernen Industriekapitalismus annimmt, wird der Jahrtausende alte Fehler korrigiert, dem Wucherer im Vorhinein eine Zinszahlung auf das geliehene Kapital zu versprechen, während er alle Versprechen bricht. Er wird sich schön hinten anstellen und bei der Jahrespressekonferenz erfahren, ob sich seine Investition in die Arbeit gelohnt hat, oder ob er leer ausgeht. Gibt es Mehrwert, gibt es Zins als Teil des Teils, wenn nicht, nicht. Das Zinsnehmen im Vorhinein und die Erhebung des Zinses auf das ganze Kapital, statt auf den Teil des Teils muss unter industriellen Bedingungen zur Katastrophe im industriellen Ausmaß führen.

../sgmlwerke/me25/me25_383.html#S391

<391>

»Es hat sich also gezeigt, daß der Teil des Profits, den der fungierende Kapitalist dem bloßen Eigentümer von geborgtem Kapital zu zahlen hat, sich verwandelt in die selbständige Form für einen Teil des Profits, den alles Kapital als solches, ob geborgt oder nicht, unter dem Namen Zins abwirft. Wie groß dieser Teil ist, hängt ab von der Höhe des Durchschnittszinsfußes ...

Unter Profit verstehn wir hier immer den Durchschnittsprofit, ... Es gilt dies überhaupt für die ganze vorliegende Untersuchung«

Den Zins an den Durchschnittsprofit zu binden und nicht an den individuellen Profit, macht es unmöglich, ihn als wirklichen Teil des Mehrwerts zu fixieren. Der Zinssatz ist an den Durchschnittsprofitsatz zu binden, aber der Zinsbetrag wird auf den aktuellen Profit (der hier der Einfachheit halber mit Marx dem Mehrwert gleichgesetzt sei) zum Zinssatz erhoben. Die erste Zinstheorie, die kein Unsinn ist, verdanken wir Marx. Der Zins ist Teil des S14 Mehrwerts. Aber wie es Marx nicht mehr vergönnt war herauszufinden, was mit dem Mehrwert als Ganzem in einer sozialen Gesellschaft zu tun ist, gelingt ihm auch beim Zins der entscheidende Schritt nicht: den Grundfehler des Zinsnehmens aufzuheben, die Bestimmung des Zinses im Vorhinein auf ein Fiktives und Ganzes. Genommen werden kann nur von einem Einzelnen und Konkreten. Der Idiotie, dass allein der Unternehmer kein unternehmerisches Risiko trägt, der nichts unternimmt, wird ein Ende bereitet, dadurch, das der Wucherer dorthin gestellt wird, wo er hingehört, ans Ende der Wertschöpfungskette.

../sgmlwerke/me25/me25_383.html#S393

»Auf Basis der kapitalistischen Produktion dirigiert der Kapitalist den Produktionsprozeß wie den Zirkulationsprozeß. Die Exploitation der produktiven Arbeit kostet Anstrengung, ob er sie selbst verrichte oder in seinem Namen von andern verrichten lasse. Im Gegensatz zum Zins stellt sich ihm also sein Unternehmergewinn dar als unabhängig vom Kapitaleigentum, vielmehr als Resultat seiner Funktionen als Nichteigentümer, als - Arbeiter.«

Das hat sich mit der Übertragung des konstanten toten und des konstanten lebendigen Kapitals in die Hände des Geldkapitalisten durch den Verkauf des Unernehmens in Form von Aktien geändert. Denn nun ist der vormals produktive Kapitalist zum Rentner geworden, der weder kommandiert, noch kommandieren lässt, und der vormals unproduktive Kapitalist zum produktiven und kommandierenden Arbeiter. Das muss nicht verkehrt sein, wenn er seine neue Rolle als produktiver Kapitalist zu spielen lernt. Er sollte sich daher schleunigst die Kenntnisse des produktiven Kapitalisten aneignen, wie ein Industriebetrieb zu führen ist und welchen Umgangston es gegenüber dem Personal anzuschlagen gilt. Sonst ist er die längste Zeit produktiver Kapitalist gewesen. Denn das Personal ist das Kapital. Das Personal bezahlt ihn. Pariert er nicht, fliegt er. Ich sehe schon vor mir die neue Kleiderordnung der Banken: den Blaumann. Aber es bleibt auch im sozialen Kapitalismus die Wahrheit bestehen:

../sgmlwerke/me25/me25_383.html#S396

»Der Zins ist ein Verhältnis zwischen zwei Kapitalisten, nicht zwischen Kapitalist und Arbeiter.«

Sind die Dummen und die Schlechten erst die Diener der Guten, so bekommt der fabrikbesitzende Geldkapitalist vom Arbeiter genau denselben Teil des von ihm erwirtschafteten Mehrwerts, der ihm zusteht, den zuvor der produktive Kapitalist bekommen hat. Und er bekommt zusätzlich noch den Teil des Teils, wenn er als Geldverleiher tätig wird. Den gibt er sich aber selbst. Dem Arbeiter ist es völlig egal, ob der Bankkapitalist durch die Übernahme der Aktienmehrheit an seinem Unternehmen zum produktiven Kapitalisten geworden ist und ob er Frack oder Blaumann trägt. Arbeitet er gut mit dem ihm Anvertrauten und mit dem von ihm Gekauften, füttert er also seine Arbeiter gut durch, kann er produktiver Kapitalist bleiben, wenn nicht, nicht. Die Teilung zwischen dem Teil des Mehrwerts und dem Teil des Teils des Mehrwerts muss er mit sich selbst abmachen. Sie interessiert den Arbeiter genausowenig, wie es ihn interessiert, welchen Teil der produktive Kapitalist von seinem Kapitalistenlohn an den Wucherer abzugeben hat. Oder anders gesagt, ob es zwei Personen sind, die den Teil und den Teil des Teils unter sich teilen oder ob eine Person den Teil und den Teil des Teils bekommmt, ist ihm wurst.

../sgmlwerke/me25/me25_383.html#S400

»Dem Geldkapitalisten gegenüber ist der industrielle Kapitalist <401> Arbeiter, aber Arbeiter als Kapitalist, d.h. als Exploiteur fremder Arbeit. Der Lohn, den er für diese Arbeit beansprucht und bezieht, ist genau gleich dem angeeigneten Quantum fremder Arbeit und hängt direkt ab, soweit er sich der notwendigen Mühe der Exploitation unterzieht, vom Ausbeutungsgrad S15 dieser Arbeit, nicht aber vom Grad der Anstrengung, die diese Exploitation ihm kostet und die er gegen mäßige Zahlung auf einen Dirigenten abwälzen kann.«

Für die Herren des sozialen Kapitalismus sind die Geldkapitalisten die Arbeiter der produktiven Kapitalisten. Sie selbst haben nichts zu melden, solange der produktive Kapitalist seine Rechte nicht an sie verkauft. Da sie im Besitz der Rechte am alle Klassen beherrschenden Wunsch nach dem Wohlergehen der neuen Herren teilhaben, werden sie in der Zukunft kein Interesse mehr daran haben, die Völker in ihrem eigenen Blut zu ersäufen, sondern in erlesenen Badewässerchen zu baden.

../sgmlwerke/me25/me25_404.html#S404

»<404> Im zinstragenden Kapital erreicht das Kapitalverhältnis seine äußerlichste und fetischartigste Form ... Das Kapital erscheint als mysteriöse und selbstschöpferische Quelle des Zinses, seiner eignen Vermehrung ... das Resultat des gesamten Reproduktionsprozesses erscheint als eine, einem Ding von selbst zukommende Eigenschaft; es hängt ab von dem Besitzer des Geldes ... <405> ... Im zinstragenden Kapital ist daher dieser automatische Fetisch rein herausgearbeitet, der sich selbst verwertende Wert, Geld heckendes Geld, und trägt es in dieser Form keine Narben seiner Entstehung mehr ... Das Geld als solches ist bereits potentiell sich verwertender Wert und wird als solcher verliehen, was die Form des Verkaufens für diese eigentümliche Ware ist. Es wird ganz so Eigenschaft des Geldes, Wert zu schaffen, Zins abzuwerfen, wie die eines Birnbaums, Birnen zu tragen ... Es verdreht sich auch dies: Während der Zins nur ein Teil des Profits ist, d.h. des Mehrwerts, den der fungierende Kapitalist dem Arbeiter auspreßt, erscheint jetzt umgekehrt der Zins als die eigentliche Frucht des Kapitals, als das Ursprüngliche, und der Profit, nun in die Form des Unternehmergewinns verwandelt, als bloßes im Reproduktionsprozeß hinzukommendes Accessorium und Zutat. Hier ist die Fetischgestalt des Kapitals und die Vorstellung vom Kapitalfetisch fertig. In G - G´3 haben wir die begriffslose Form des Kapitals, die Verkehrung und Versachlichung der Produktionsverhältnisse in der höchsten Potenz: zinstragende Gestalt, die einfache Gestalt des Kapitals, worin es seinem eignen Reproduktionsprozeß vorausgesetzt ist; Fähigkeit des Geldes, resp. der Ware, ihren eignen Wert zu verwerten, unabhängig von der Reproduktion - die Kapitalmystifikation in der grellsten Form.«

Die Mystik ist das Vorhinein. Im Nachhinein ist sie verschwunden. Wird der Zins an die Stelle des ökonomischen Kreislaufs gesetzt, wo er hingehört, verschwindet alle Mystik. Diese Stelle ist das Jahresende nach dem Jahresabschluss, nach der Feststellung des im vergangenenen Jahr realisierten Mehrwerts. Jetzt erfahren der produktive Kapitalist und der Geldkapitalist, ob sich ihre Investitionen in die Arbeiter rentiert haben oder nicht. Wenn ja, streichen sie zuerst den vollen Kapitalistenlohn der Arbeiter ein und danach den Zins, wenn nicht, nicht. Wer nicht Arbeiter versorgen kann, soll nicht essen. Ob sie dabei als eine Person auftreten oder als zwei oder als tausend, ist den Arbeitern gleich. Keine Mystik, sondern Geld gegen Leistung.

Die Kreditart, an der die Absurdität des bisherigen Kreditsystems am deutlichsten wird, ist der langfristige Kredit etwa auf Maschinen und Anlagen. Hier ist das Hauptbetätigungsfeld der Banker als der großen Enteigner. Das S16 wird auch im sozialen Kapitalismus der Fall sein. Nur werden die Enteigner dort die Kredite nicht mehr vergeben mit dem Ziel der Enteignung, sondern die Enteignung wird die Folge des Versagens der kreditnehmenden Kapitalisten sein. Diese Kreditart sieht heute so aus:

../sgmlwerke/me25/me25_404.html#S407

»Die Vorstellung vom Kapital als sich selbst reproduzierendem und in der Reproduktion vermehrendem Wert, kraft seiner eingebornen Eigenschaft als ewig währender und wachsender Wert - also kraft der verborgnen <408> Qualität der Scholastiker -, hat zu den fabelhaften Einfällen des Dr. Price geleitet, die bei weitem die Phantasien der Alchimisten hinter sich lassen; Einfällen, an die Pitt ernsthaft glaubte und die er in seinen Gesetzen über den sinking fund <Staatsschulden-Tilgungsfond>zu Säulen seiner Finanzwirtschaft machte.

»Geld, das Zinseszinsen trägt, wächst anfangs langsam; da aber die Rate des Wachstums sich fortwährend beschleunigt, wird sie nach einiger Zeit so rasch, daß sie jeder Einbildung spottet. Ein Penny, ausgeliehen bei der Geburt unsers Erlösers auf Zinseszinsen zu 5%, würde schon jetzt zu einer größren Summe herangewachsen sein, als enthalten wäre in 150 Millionen Erden, alle von gediegnem Gold. Aber ausgelegt auf einfache Zinsen, würde er in derselben Zeit nur angewachsen sein auf 7 sh. 4 1 / 2 d. Bis jetzt hat unsre Regierung vorgezogen, ihre Finanzen auf diesem letzteren, statt auf dem ersteren Weg zu verbessern.«(80)

Noch höher fliegt er in seinen »Observations on reversionary payments etc.«, London 1772:

»1 sh., ausgelegt bei der Geburt unsers Erlösers« (also wohl im Tempel von Jerusalem) »zu 6% Zinseszinsen, würde angewachsen sein zu einer größern Summe als das ganze Sonnensystem einbegreifen könnte, wenn in eine Kugel verwandelt von einem Durchmesser gleich dem der Bahn des Saturn.« - »Ein Staat braucht deswegen sich nie in Schwierigkeiten zu befinden; denn mit den kleinsten Ersparnissen kann er <409> die größte Schuld abzahlen in einer so kurzen Zeit wie sein Interesse erfordern mag.« (p. XIII, XIV.)

Welche hübsche theoretische Einleitung zur englischen Staatsschuld!«

25.06.2016 Eine der wenigen Stellen, an denen Marx auf die Vergabe langfristiger Kredite eingeht, ist diese Stelle über das exponentielle »Wachstum« einer auf »Zinseszins« ausgeliehenen Geldsumme. Sie erinnert an die Sage des Maharadscha mit dem Schachbrett, in der ein indischer Bauer sich 2 63 Reiskörner im Nebenerwerb hinzuverdient. Im größten Teil seiner Kredituntersuchungen handelt Marx von kurzfristigen Wechselkrediten, die als Handelsgeld der Kapitalisten dienen.

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»Price wurde einfach geblendet durch die Ungeheuerlichkeit der Zahl, die aus geometrischer Progression entsteht. Da er das Kapital, ohne Rücksicht auf die Bedingungen der Reproduktion und der Arbeit, als selbsttätigen Automaten betrachtete, als eine bloße, sich selbst vermehrende Zahl (ganz wie Malthus den Menschen in seiner geometrischen Progression), konnte er wähnen, das Gesetz seines Wachstums gefunden zu haben in der Formel s = c (1 + z) n , wo s = Summe von Kapital + Zinseszins, c = dem vorgeschoßnen Kapital, z = dem Zinsfuß (in aliquoten Teilen von 100 ausgedrückt) und n die S17 Reihe der Jahre, worin der Prozeß vorgeht.«

Es gibt ein geometrisches Wachstum im Kapitalismus, nämlich das Wachstum des pro Zeiteinheit produzierten Warenbergs. Sie ist begleitet von der gleichzeitigen Entwertung der einzelnen Ware, weil immer weniger Arbeit in ihr steckt. Der produktive Blutsauger macht die Entwertung der einzelnen Ware zu seinem Gesetz, und sagt »wie der Warenpreis, so der Preis der Arbeitskraft«. Der unproduktive Wucherer macht das Wachstum des Warenbergs zu seinem Gesetz und sagt, »wie der Warenberg, so mein Geldhaufen« . Produktiver wie unproduktiver Blutsauger werden von ihrer triebgeleiteten Mathematik befreit werden, wenn der Kapitalist seinen Teil und der Wucherer seinen Teil des Teils abbekommen.

Durch die rückwirkende Zahlung des Zinses auf die jährlich erwirtschafteten Überschüsse, kommt keine geometrische, sondern so etwas wie eine arithmetisch abnehmende Reihe zustande, weil die Kreditsumme in konstanten Schritten stets kleiner und wie der Zins schließlich Null wird, wenn der Zinsfuß gleich bleibt. Eine wirkliche arithmetische Reihe ist auch dies nicht. In s = a 1 ± (n-1)d ist d der konstante Faktor, um den s jedes der n Jahre zu- oder abnimmt. Da der Mehrwert von Jahr zu Jahr verschieden ist, gibt es im langfristigen Kredit hier keinen konstanten Faktor, selbst wenn der Zinsfuß in allen Jahren derselbe bliebe. Denn d=m.z, wobei m die Mehrwertrate und z der Zinsfuß ist. Was aber wie bei der arithmetischen Reihe bleibt, ist, dass sich der auf n Jahre vergebene Kredit in n Jahren zu Null aufgebraucht hat. Denn mit der in gleichen Schritten abnehmenden Restschuld nimmt auch der jährlich zu bezahlende Zins ab so dass im letzten Jahr beide zu Null geworden sind. Die Finanzmathematik wird sich im sozialen Kapitalismus wesentlich vereinfachen und mit den Kenntnissen der doppelten Buchführung und des Dreisatzes bewältigt werden können und nicht mehr in geometrischer Progression Windeier legen (Im Anhang zum Manifest der Kapitalistischen Partei (bei den Guten) habe ich das an einem Beispiel vorgerechnet.).

Auch die Dummen werden das Rechnen neu lernen müssen.

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409»In seiner Rede von 1792, worin Pitt die dem Tilgungsfonds gewidmete Summe zu vermehren vorschlug, führte er an unter den Ursachen des kommerziellen Übergewichts Englands: Maschinen, Kredit etc., aber als

»die ausgedehnteste und dauerhafteste Ursache die Akkumulation. Dies Prinzip sei nun vollständig entwickelt und hinreichend erklärt in dem Werk Smiths, dieses Genies ... diese Akkumulation der Kapitale bewirke sich, indem man mindestens einen Teil des jährlichen Profits zurücklege, um die Hauptsumme zu vermehren, die in derselben Weise im nächsten Jahr zu verwenden sei und so einen kontinuierlichen Profit gebe.«

Vermittelst des Dr. Price verwandelt Pitt so Smiths Akkumulationstheorie in die Bereicherung eines Volks durch Akkumulation von Schulden und kommt in den angenehmen Progreß ins Unendliche der Anleihen, Anleihen, um Anleihen zu zahlen.«

412»Durch die Identität des Mehrwerts mit der Mehrarbeit ist eine qualitative Grenze für die Akkumulation des Kapitals gesetzt: der Gesamtarbeitstag, die jedesmal vorhandne Entwicklung der Produktivkräfte und der Bevölkerung, welche die Anzahl der gleichzeitig exploitierbaren Arbeitstage begrenzt. Wird dagegen der Mehrwert in der begriffslosen Form des Zinses gefaßt, so ist die Grenze nur quantitativ und spottet jeder Phantasie.«

Der Spott gilt der geometrischen Berechnung des Zinses, die sich der S18 Herkunft des Zinses aus dem tatsächlich erwirtschafteten Überschuss widersetzt. Das logarithmische Wachstum des Warenbergs steht dem Sinken des anteiligen Mehrwerts in der einzelnen Ware beiseite. Der Zins berechnet sich nach dem Sinken des anteiligen Mehrwerts, nicht nach dem Haufen Scheiße den die Banker mit ihren durchgeknallten Phantasien in regelmäßigen Abständen hinterlassen. Beidemale handelt es sich jedoch um Quantitäten. Die Kategorie der Qualität ist in Geldsachen zu vermeiden. Solange der Glaube an das Geld gebärende Geld nicht ungebrochen war, mussten wir mit den Scheißhaufen leben, seien sie durch Staatsverschuldung, durch Bankanleihen oder Industrieanleihen verbrochen.

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»Soweit wir die eigentümliche Form der Akkumulation des Geldkapitals und Geldvermögens überhaupt bis jetzt betrachtet haben, hat sie sich aufgelöst in Akkumulation von Ansprüchen des Eigentums auf die Arbeit. Die Akkumulation des Kapitals der Staatsschuld heißt, wie sich gezeigt hat, weiter nichts als Vermehrung einer Klasse von Staatsgläubigern, die gewisse Summen auf den Betrag der Steuern für sich vorwegzunehmen berechtigt sind.(6)

(fn6) »Die Staatspapiere sind nichts anderes als das imaginäre Kapital, das der zur Bezahlung der Schulden bestimmte Teil des jährlichen Einkommens darstellt. Ein gleichgroßes Kapital ist vergeudet worden; dieses dient als Nenner für die Anleihe, aber es ist nicht das, was das Staatspapier darstellt; denn das Kapital existiert überhaupt nicht mehr. Mittlerweile müssen neue Reichtümer aus der Arbeit der Industrie entstehen; ein jährlicher Teil dieser Reichtümer wird im voraus denen angewiesen, die jene vergeudeten Reichtümer geliehen hatten; dieser Teil wird durch Steuern jenen abgenommen, die die Reichtümer hervorbringen, um an die Staatsgläubiger gegeben zu werden, und nach dem landesüblichen Verhältnis zwischen Kapital und Zins nimmt man ein imaginäres Kapital an, das ebenso groß ist wie das Kapital, woraus die jährliche Rente entstehen könnte, die die Gläubiger zu bekommen haben.« (Sismondi, »Nouveaux Principes«, II, p. 229, 230.)

In diesen Tatsachen, daß sogar eine Akkumulation von Schulden als <494> Akkumulation von Kapital erscheinen kann, zeigt sich die Vollendung der Verdrehung, die im Kreditsystem stattfindet. Diese Schuldscheine, die für das ursprünglich geliehene und längst verausgabte Kapital ausgestellt sind, diese papiernen Duplikate von vernichtetem Kapital fungieren für ihre Besitzer soweit als Kapital, als sie verkaufbare Waren sind, und daher in Kapital rückverwandelt werden können.«

26.06.2016 Sismondi zeigt, wie unsinnig es ist, die Entnahmen des Staates aus dem Überschuss-Fonds des Volkes als »Staatsschulden« zu bezeichnen. Hier bleibt nur die Alternative, dass der Staat außer den Steuern nichts mehr kriegt, oder dass die Nachtragssteuern als solche anerkannt werden. Da der Staat im sozialen Kapitalismus nur für den allgemeinen Konsumtionsfonds Entnahmen machen darf, werden diese als Steuern anerkannt sein. Denn für den Bau und die Erhaltung von Schulen und Krankenhäusern schuldet der Staat niemandem etwas. Vielmehr ist der Bau und die Erhaltung von Schulen und Krankenhäusern die Abtragung der Schuld des Staates gegenüber dem Volk, das ihm die Nachtragssteuern gewährt hat. Umso mehr werden ihm der neue Eigentümer und die Kapitalisten auf die Finger klopfen, wenn er sich nur selbst bedienen will. Mit den Scheißhaufen der Bank und der Industrie ist anders zu verfahren. Der jetzige Bankenkadaver ist in den Gully zu spülen, um dem mehrwertorientierten Bankier den Platz zu räumen. Wie mit den Industrieanleihen zu verfahren S19 ist, muss die Praxis zeigen. Hier wird wohl die richtige Mitte zu finden sein, die einerseits die Entwicklung der Produktivkraft der Arbeit, andrerseits die volkswirtschaftlich vertretbare Zeit, in der »unrentable« aber noch voll funktionsfähige Anlagen weiter benutzt werden, gegeneinander abwägt. Da sich die Banken als Miteigentümer in den Industrieanleihen selbst beleihen und das erste Ziel der Banken der satte Arbeiter sein wird, wird sich die richtige Mitte unter dem Zwang der Dinge von selbst einstellen.

Bankanleihen sowie Geschäfte »in eigener Sache« wird es natürlich nicht mehr geben, weil die Bank keine eigenen Sachen hat. <-kannst du so nicht lassen, weil die Banken bereits eigene Sachen haben <-besser! 07.04.2018: Vermutlich wird es auch keine Industrieanleihen mehr geben. Denn die Bevorzugung der Großen würde wieder das tatsächliche Bild der Leistungsfähigkeit der Gesamtwirtschaft zugunsten des Emporkömmlings verzerren und irreale Werte in Umlauf bringen.

../sgmlwerke/me25/me25_607.html#S611

»Das Wucherkapital besitzt die Exploitationsweise des Kapitals ohne seine Produktionsweise.«

sagt Marx im geschichtlichen Rückblick der Entwicklung des antiken und mittelalterlichen Wucherers hin zum modernen Bankier. Der Wucherer eignet sich wie der industrielle Kapitalist den ganzen Mehrwert an und unterscheidet sich dadurch vom modernen Bankier, der nur einen Teil des Mehrwerts nimmt, so Marx. Dabei hat Marx in den vergangenen Kapiteln fast auschließlich vom »Zins« auf Handelswechsel gehandelt, nicht vom Zins auf langfristig ausgeliehenes Geld, der eigentlichen Enteignungsmaschine der Banken, in der nicht nur die Sprache alles verkehrt, sondern in der auch die Unverkehrbaren, das Ganze und der Teil, verkehrt sind. Der langfristige Kredit zur Finanzierung von Maschinen und Anlagen macht den weitaus größten Teil der Bankkredite nahezu aller Kreditinstitut-Arten aus (Hagenmüller 5. Aufl. S. 26-28). Hier findet der moderne Wucherer mit seinem im Vorhinein und auf das Ganze ausgeliehenen Kapital erhobene Zins seine Opfer in einem Maß, das den antiken und mittelalterlichen Wucherer vor Neid erblassen lassen muss. Das ist vielleicht der Grund, warum man die Stellen über die langfristigen Kredite in den Büchern über den Wucher mit der Lupe suchen muss.

Die Bindung des Wucherkapitals z an die mehrwertorientierte Produktionsweise macht dem ein Ende. Sie ist nur in einer mehrwertorientierten Ökonomie möglich, in der die Arbeit m das Ganze, das Kapital k der Teil und der Wucher z der Teil des Teils ist, in der der produktive Kapitalist k von seinen Arbeitern einen Teil des Mehrwerts m als Lohn erhält. In der profitorientierten Ökonomie des Kapitalismus bedeutet sie die Vernichtung des Lebens auf dem Planeten oder, was die bessere Lösung ist, die letzte Ruinierung der alten Eigentümer und die Freimachung des Wegs für die neuen Eigentümer. Hier besteht kein Grund mehr, vor der »Allmacht« der Banken in einer Mischung von Bewunderung und Angst zu bibbern, auch wenn die Banken und Industriekapitalisten wie heute in Personalunion auftreten. Denn als produktiver Kapitalist bekommt die Bank den Teil und als Geldkapitalist den Teil des Teils, also niemals mehr als den Teil. Das Ganze bleibt ab nun das Ganze, das den Teil enthält, und der Teil bleibt der Teil, der im Ganzen enthalten ist, nenne er sich nun k oder z. Da es bei den neuen Herren die Zinserhebung im Vorhinein nicht mehr geben wird, wird dies der letzte allgemeine Ruin sein, den die Wucherer vollbringen konnten und Marx' Vision der »erfreulichen Vorarbeit« (quelle) hat ihre Erklärung gefunden. Ihr Enteignungsgeschäft werden die Zinsnehmer zwar weiterführen, aber sie werden nur noch die Unfähigen enteignen, die ihre Arbeiter nicht ernähren können, um den Weg für den Tüchtigeren freizumachen, der S20 seine Arbeiter ernähren kann. Ihre Schwindelgeschäfte müssen ihnen nicht verboten werden, weil ihnen nach ihrem letzten Fraß die Nahrungsquelle genommen sein wird. Marx als dem Entdecker des Wesens des Zinses war es wiegesagt nicht mehr vergönnt, die Konsequenzen aus seiner Entdekkung zu ziehen. Bei seinem historischen Rückblick fährt er fort:

../sgmlwerke/me25/me25_607.html#S613

»Die Entwicklung des Kreditwesens vollbringt sich als Reaktion gegen den Wucher. Man muß dies aber nicht mißverstehn und keineswegs im Sinn der antiken Schriftsteller, der Kirchenväter, Luthers oder der älteren Sozialisten nehmen. Es bedeutet nichts mehr und nichts weniger als die Unterordnung des zinstragenden Kapitals unter die Bedingungen und Bedürfnisse der kapitalistischen Produktionsweise.

...

Was das zinstragende Kapital, soweit es ein wesentliches Element der kapitalistischen Produktionsweise bildet, vom Wucherkapital unterscheidet, ist in keiner Weise die Natur oder der Charakter dieses Kapitals selbst. Es sind nur die veränderten Bedingungen, unter denen es fungiert, und daher auch die total verwandelte Gestalt des Borgers, der dem Geldverleiher gegenübertritt. Selbst wo ein vermögensloser Mann als Industrieller oder Kaufmann Kredit erhält, geschieht es in dem Vertrauen, daß er als Kapitalist fungieren, unbezahlte Arbeit aneignen wird mit dem geliehenen Kapital. Es wird ihm Kredit gegeben als potentiellem Kapitalisten. Und dieser Umstand, der so sehr bewundert wird von den ökonomischen Apologeten, daß ein Mann ohne Vermögen, aber mit Energie, Solidität, Fähigkeit und Geschäftskenntnis sich in dieser Weise in einen Kapitalisten verwandeln kann ... befestigt die Herrschaft des Kapitals selbst, erweitert ihre Basis und erlaubt ihr, sich mit stets neuen Kräften aus der gesellschaftlichen Unterlage zu rekrutieren. Ganz wie der Umstand, daß die katholische Kirche im Mittelalter ihre Hierarchie ohne Ansehn von Stand, Geburt, Vermögen aus den besten Köpfen im Volk bildete, ein Hauptbefestigungsmittel der Pfaffenherrschaft und der Unterdrückung der Laien war. Je mehr eine herrschende Klasse fähig ist, die bedeutendsten Männer der beherrschten Klassen in sich aufzunehmen, desto solider und gefährlicher ist ihre Herrschaft.«

Hier ist der Wendepunkt Kapitels, der Übergang vom Wucherer zum Bankier im industriellen Zeitalter. Wie wir heute wissen, irrt Marx, wenn er die Anpassung des Wucherers an die kapitalistische Produktion als Unterordnung unter sie darstellt. Das war nur eine vorbereitende Maßnahme. Denn da der Wucherer sein Wertvollstes mit in den Kapitalismus hinübergerettet hatte, die Bestimmung des Zinses im Vorhinein, und die Erhebung des Zinses auf das Ganze, hat er Wege gefunden, sich nicht nur die Kapitalisten, sondern auch die Staaten und deren Völker unterzuordnen und alle zusammen gründlicher zu ruinieren, als es die Wucherer im alten Rom tun konnten.

Keineswegs darf diese Entwicklung aber so interpretiert werden, wie es Schriftsteller wie Lenin (oder Hilferding) tun, der den organischen Zusammenhang zwischen dem Mehrwert und dem Zins völlig ignoriert und nicht der Arbeit die Macht zuweist, die sie hat, sondern den Wucherern die Macht zubilligt, die sie sich angemaßt haben und die sie nicht haben. Das ist letztlich Apologie des Wucherers. In dem mehrwertgeleiteten Kapitalismus, wo sich der Wucherer ganz hinten in der Reihe anzustellen hat und dort seinen Teil des Teils nur dann bekommt, wenn der Teil da ist, wenn nicht, nicht, wird über die vorgebliche »Macht der Banken« des profitorientierten S21 Kapitalismus nur noch herzhaft gelacht werden. Marx fährt fort:

../sgmlwerke/me25/me25_607.html#S617

»Diese gewaltsame Bekämpfung des Wuchers, diese Forderung der Unterordnung des zinstragenden unter das industrielle Kapital ist nur der Vorläufer der organischen Schöpfungen, die diese Bedingungen der kapitalistischen Produktion im modernen Bankwesen herstellen, das einerseits das Wucherkapital seines Monopols beraubt, indem es alle totliegenden Geldreserven konzentriert und auf den Geldmarkt wirft, andrerseits das Monopol der edlen Metalle selbst durch Schöpfung des Kreditgelds beschränkt.«

Die Unterwerfung des Wuchers z unter das produktive Kapital k kann erst nach der Unterwerfung des produktiven Kapitals k unter das arbeitende Kapital m gelingen, möge kz in Personalunion als Wucherer und Kapitalist auftreten oder nicht. Bis dahin wird k vom Wucherkapital z gefressen, wie die Arbeit m vom produktiven Kapital k gefressen wird. Das produktive Kapital bleibt in der Mitte, das arbeitende Kapital und das Wucherkapital tauschen die Plätze, so dass das arbeitende Kapital das Ganze, das produktive Kapital der Teil und das Geldkapital der Teil des Teils sind, was nun ein »vollkommener logischer Schluss« ist. Die industriellen Kapitalisten sind nicht in der Lage, die Banken in die Schranken zu weisen, selbst wenn sie anerkennen, dass der Zins Teil des Mehrwerts und im Nachhinein fällig ist. Das ist erst möglich, wenn die gebende Klasse nicht als Sklave, sondern als Herr gibt. Ab nun gilt, »aus Wahrem kann nichts Falsches folgen.« S22


1. Unter der Überschrift »Der weiße Arbeiter wählte Donald Trump« weiß die Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 19. November 2016 zu berichten, »Am 8. November ging erstmals der weiße Teil der amerikanischen Arbeiterklasse als organisierte Bewegung zur Wahl.« und »Scheitert die Arbeiterbewegung mit Trump, dürfte ... Amerikas weiterer Abstieg unter ihrer Führung stattfinden.« Im Mai 2018 sollte der deutsche Innenminister beizeiten tun, wozu ich seiner Kanzlerin vor einigen Jahren für den Tag x geraten habe, sich nach einem guten Anwalt umsehen. Denn dafür, dass er die Stapos zu AZ-Wärtern abrichten will, wird er eines Tages zur Verantwortung gezogen werden.

2. Anders als die Mehrwertrate v : m, die zur Grundlage die Beziehung der beiden Teile des Arbeitstages hat, die der Arbeiter für sich (v) und den Kapitalisten (m) verwendet (quelle), hat die Profitrate zur Grundlage die Beziehung des Gesamtkapitals zur Mehrarbeit (c + v) : m (quelle). Die »Durchschnittsprofitrate« ist eine betriebswirtschaftliche Rechengröße (quelle). Sie dient unter anderem zur Ermittlung des allgemeinen Zinssatzes. Ist der konstante Kapitalteil = 0, so ist Profit = Mehrwert. Die vielen sich teilsweise einander ausschließenden Zusatzannahmen, die Marx hier zur Erläuterung des Zinses impliziert, müssen alle nicht gemacht werden, wenn der Zins von dem berechnet wird, dessen Teil er ist, dem aktuellen Mehrwert. Allein die Durchschnittsprofitrate zur Ermittlung des allgemeinen Zinssatzes ist wichtig. Was hier noch nebulös klingen muss, wird noch ausführlich erläutert.

3. Geld, aus dem mehr Geld »wird« L. S.