Kr.8.6.258b-260a Verteilung der Beweger im All - KrSc

KrK.8.6.258b10

Wie bringen Leeres, Volles und das Erste aus beidem Zusammengesetzte, der Raum, wie bringen die das Voneinander, das Zueinander und die aus beiden gemischten Bewegungen und deren ewiges Werden und Vergehen zustande?

Das Zueinander hier vor Ort oder aller Teile einer Weltinsel ist, soweit es die Naturphilosophie angeht, aus den Massen > 0 und ihrem Ziehen am Raum mit der betragsgleichen Masse < 0 geklärt. Die gemischten keplerschen Bewegungen sind von der mathematischen und kosmogonischen Seite her geklärt. Das Voneinander ist noch nicht geklärt. Ohne Beobachtungsmaterial müssen wir auf Denkbarkeiten zurückgeifen.

ewige unbewegte Beweger Kr.8.6.258b10-16

» 10 Da Bewegung immer und ohne Unterbrechung sein muss, so muss es ein Ewiges geben, das ursprünglich bewegt, sei es eines oder mehrere, und somit einen ersten unbewegten Beweger. Dass jeder unbewegte Beweger ewig sein muss, gehört nicht in diese Untersuchung hinein. Aber dass es überhaupt etwas geben muss, was von jeder äusseren Wandlung unberührt bleibt, 15 schlechthin wie nebenbei, das wird man folgendermassen einsehen.« [G280]

mehrere unbewegte Beweger KrK.8.6.258b16

Das ist schon die wichtigste Antwort. Wir sind nicht allein. Das Leere unserer Weltinsel ist genauso ewig wie das Leere unserer Nachbarweltinseln.1 Das Leere ist überall ein und dasselbe, ununterbrochen und ewig. Nur wenn es mehrere ähnliche Weltinseln wie unsere gibt, deren Stoffwechsel bei ihrem Werden und Vergehen sich die Waage hält, deren Materie- und Energiezufuhr beim Entstehen also genauso gross ist wie die Materie- und Energieabgabe ihrer vergehenden Nachbarn, werden wir eine Erklärung der ewigen Bewegung finden.

Sein ohne Werden Kr.8.6.258b16-18

»Es sei, wenn man so will, bei einigen Dingen möglich, dass sie zeitweise sein und nicht sein können, ohne zu werden und zu vergehen. Ja, vielleicht ist es sogar notwendig, wenn ein unteilbares Ding bald ist, bald nicht ist, dass ein solches dann ohne Wandlung im Ganzen auf einmal ist oder nicht ist.« [G280f]

KrK.8.6.258b18

Das Unteilbare, der Punkt oder die Formen als das in das Wirkliche hineingedachte Mögliche können sein, ohne zu werden - wenn auch nur als Relation. Sie tun nichts. Anders dagegen das Leere. Wird die Raummaterie einer Weltinsel örtlich vom Leeren getrennt, so ist plötzlich ein isoliertes Stück Leeres, ohne geworden zu sein. Es ist ja ewig. Dafür tut es dann aber allerhand.

Bewegtes hat Grösse Kr.8.6.258b20-26

»Und auch das soll möglich sein, dass einige von den unbewegten Ursachen der Bewegung bald 20 sind, bald nicht sind Aber keinesfalls ist dies bei allen möglich. Denn es muss ja offenbar für die Dinge, die sich selbst bewegen, eine Ursache dafür sein, dass sie bald sind, bald nicht sind. Alles nämlich, was sich bewegen kann, muss 25 Grösse haben, wenn nichts Unteilbares bewegbar ist. Für das Bewegende besteht hierfür kein Grund in unserer Lehre.« [G281]

Bewegendes hat Grösse KrK.8.6.258b26.a

Nach 'unserer' schon;2 ein Punkt tut gar nichts, so wenig wie die Form. Ar sagt das selbst oft genug, muss sich aber nun untreu werden oder schwindeln. Wie der Teil und das Ganze beim Vollen und Leeren, so haben auch das Werden und Vergehen beim Raum und beim Leeren eine völlig andere Bedeutung. Wenn die ersten unbewegten Beweger des Alls bald sind, bald nicht sind, so findet 'Werden und Vergehen' des Leeren statt. Das Sein und Nichtsein der unbewegten Beweger ist die örtliche Trennung der Raummaterie vom Leeren und die anschliessende Wiedervereinigung beider.

februar 2015 ar spricht oben vom werden des bewegten bewegers

Aristoteles muss nun schwindeln. Der erste unbewegte Beweger muss zwar immateriell sein, weil sich allein die Materie bewegt, darf aber keine Ausdehnung haben, weil das Leere vom Übel ist. Das einzige Immaterielle Unbewegte, das Ar uns noch zugesteht, ist der Punkt. Er ist konsequent. Finden wir uns damit ab.

KrK.8.6.258b26.b

Aber ein unbewegter Teil, der bald ist, bald nicht ist, der aber nicht ewig ist, der kann so wenig Ursache des ewigen Werdens und Vergehens des Ganzen sein wie ein ewig von einem anderen Bewegtes:

Unbewegtes ist ewig Kr.8.6.258b26-29

»Dafür nun, dass das eine 26 entsteht, das andere vergeht und dass dies unaufhörlich geschieht, kann nicht etwas den Grund abgeben, was unbewegt ist, aber nicht ewig ist, auch nicht etwas, was zwar ewig bewegt, aber wieder von anderem bewegt wird.« [G281]

Vergehen des Raums KrK.8.6.258b29.a

Ein Unbewegtes 'nicht Ewiges' ist ein Teil des Raums, der zeitweise von der Raummaterie getrennt ist, ein isoliertes Stück Leeres. Das eben geschilderte Sein ohne Werden. Wir wollen diese Scheidung dennoch das 'Werden' des Leeren oder das Vergehen des Raums nennen. Im Unterschied zum Leeren, das nicht wirklich vergeht oder wird, vergeht der Raum tatsächlich. Er ist ja das erste Zusammengesetzte, und alles Zusammengesetzte wird und vergeht.

Apokalypse und Schöpfung KrK.8.6.258b29.b

Das isolierte Stück Leeres nach dem Vergehen des Raums kann aber nicht die Ursache der ewigen Bewegung des Ganzen sein, weil es nur ein kleiner Teil des ganzen Leeren ist. Aber seine Bewegerfunktion hat dieser Teil des Leeren ewig. Er bewegt also nicht das Ganze, den Teil aber, der sich gerade auf seinem Territorium befindet, bewegt er ewig. Ein ewig Unveränderliches, das veränderlich ist, wäre ja auch absurd. Nur muss diese Bewegerfunktion anders aussehen beim vergehenden Raum als beim bestehenden oder beim werdenden Raum. Anders aussehen, nicht anders sein! Denn das Leere kann nur eine einzige Bewegung in einer einzigen Richtung zustande bringen. Für uns aber heisst dies einmal die Apokalypse, das andre Mal die Schöpfung.

Der Raum des Ganzen hat ebenso eine ewige Bewegerfunktion. Die ewige Bewegerfunktion des Raums muss aber ebenfalls differenziert werden. Hier müssen lokale Raumkollapse angenommen werden, also wirkliches Vergehen des Raums und damit die räumliche und zeitliche Endlichkeit dieses Raumteils. Tritt das Vergehen ein, so gilt in diesem Teil des vormaligen Raums die Bewegerfunktion des Raums nicht mehr. Dieser Teil des Alls ist ja dann kein Raum mehr, sondern ein Teil des Leeren. Dabei kann es sich aber nur um sehr kurze Momente handeln, weil die Natur das Leere 'fürchtet', so dass vom Raum gesagt werden muss, dass er als Ganzer zwar ewig bewegt, aber mit Unterbrechnungen. Und genau die Unterbrechungen, das Vergehen und Werden des Raums, werden das Rätsel der ewigen Bewegung, das Werden und Vergehen der Weltinseln lösen.

tausend unbewegte Beweger Kr.8.6.258b32-a8

» 32 Das aber ist sicher: wenn auch tausendmal 259a einige von den unbewegten Bewegungsursachen und die meisten sich selbst bewegenden Dinge vergehen und wieder nachwachsen, und wenn das eine unbewegte Wesen dieses bewegt, das andere jenes - aber nichtsdestoweniger ist etwas da, was sie zusammenhält und als solches neben jedem steht, etwas, das die Ursache dafür ist, dass dieses ist und 5 jenes nicht ist, und für den unaufhörlichen Wandel. Und dieses Wesen ist für jene, jene wieder für alles übrige die Ursache der Bewegung: So ewig also die Bewegung ist, so ewig ist auch der erste Beweger - wenn es einer ist; wenn es mehrere sind, sind sie alle ewig.« [G281f]

leere Inseln als Teilursachen KrK.8.6.259a8

Das Werden und Vergehen leerer Inseln im All ist die lokale Trennung der Materie vom Leeren.3 Die Trennung lässt sowohl die leeren Teile als auch das Leere als Ganzes unberührt. Ein Teil des Leeren im ganzen Leeren wird zur Geburtsstätte einer neuen Weltinsel.

Anzahl der Ursachen Kr.8.6.259a8-13

»Man sollte aber lieber einen, als viele, und lieber begrenzt viele, als unendlich viele annehmen, da man bei gleichem Erfolg 10 immer lieber das Begrenzte wählt. Denn in der Natur muss das Begrenzte auch als das Bessere wenn irgend möglich den Vorzug haben. Es reicht aber auch eines aus, das als das ewige Wesen für alle übrigen der Ursprung ihrer Bewegung ist.« [G282]

Auferstehung, Unversehrtheit KrK.8.6.259a13

Verstehst du den Teil nicht, verstehst du das Ganze nicht. Insofern reicht es zunächst aus, eine Weltinsel zu untersuchen. Aber dabei können wir mit unserem heutigen Beobachtungsmaterial nicht stehenbleiben. Denn gebieterisch verlangt das Voneinander nach einem vorherigen und einem nachherigen Zueinenander, wenn wir dem Satanskult des ewigen Voneinander und dem Aberglauben der Schöpfung aus dem Nichts entgehen wollen. Wenn viele leere Inseln im All werden und vergehen, dann müssen den leeren Inseln viele volle Inseln entsprechen, die alles Volle aus den leeren Inseln aufgesaugt haben! Nicht ein einziges Atom darf in der vergangenen Welt bleiben, und keine einziges Atom darf in den werdenden Welten fehlen. Die Auferstehung des Fleisches ist ohne die Unversehrtheit des Leibes nicht zu haben, wie unsere demokritischen Freunde in Rom sagen.

Ewigkeit und Stetigkeit Kr.8.6.259a13-20

»Auch aus folgender Überlegung wird deutlich, dass das erste Bewegende 15 eines und ewig ist. Es ist ja gezeigt worden, dass Bewegung ewig sein müsse. Wenn aber ewig, dann auch stetig,« »denn auch das, was zu aller Zeit besteht, ist kontinuierlich,« [W243] »während die unterbrochene Reihe nicht stetig ist. Ist die Bewegung aber stetig, dann ist es eine einzige, eine einzige wieder nur, wenn sie von einem verursacht und von einem ausgeführt wird; denn wenn bald dies bald jenes sich bewegen wird, wird 20 die Gesamtbewegung nicht stetig, sondern unterbrochen.« [G282]

Sprünge in der Natur KrK.8.6.259a20.a

Hier gewinnt die Stetigkeit eine Rolle, die ihr nicht zusteht, die ununterbrochene ewige Bewegung einer Art. Den zeitlichen oder überzeitlichen Aspekt der Stetigkeit haben wir bisher nicht betrachtet, weil wir die Stetigkeit immer nur im Punkt oder einer begrenzten Bewegung untersucht haben. Wir müssen auch nicht allzu lange bei dieser Frage verweilen, weil wir ja im Gegensatz zu Aristoteles nicht an eine endliche Welt gebunden sind, wo die ewige Bewegung numerisch Eine sein muss. Gibt es Brüche und Sprünge in der Natur, und unterbrechen die Sprünge die Stetigkeit, dann ist die Natur an den Grenzen nicht stetig. So what? (Na und?) Der vernünftige Kern der hegelschen Philosophie ist die Philosophie der Grenzübergänge, der Revolutionen an den Grenzen des Alten zum Neuen. »Wir« können aus naheliegenden Gründen damit noch nicht allzu viel anfangen.

Aristoteles wird zum Schluss so gegen die Sprünge argumentieren: Wenn an den Enden der Teilbewegungen absolute Nichtbewegung eintritt, Materie länger als 1 Jetzt mit ein und demselben ewig unbewegten Leeren zugleich wäre, dann müsste aus Nichtbewegung Bewegung erzeugt werden, was nicht möglich ist.

Ist aber das Werden des Einen zugleich das Vergehen des Andern, das Wachsen des Einen zugleich das Schwinden des Andern, dann scheint ununterbrochene ewige Bewegung möglich. Über die Jetzte wollen wir hier nicht nachdenken. Das käme uns angesichts der Aufgabe ein wenig popelig vor, zumal wir ja wissen dass das wirkliche Jetzt nur einem einzigen Ort entspricht. 2019: Die Zeitgleichheiten der ausgedehnten Welt in der Linie, der Fläche und im Raum werden in den Seinsgleichungen behandelt.

Leeres und Stetigkeit KrK.8.6.259a20.b

Wird ein leeres Loch in den Raum gerisssen, ist dann die Welt nicht mehr stetig? Im Gegenteil, das wirklich Stetige wird von dem löchrigen Störenfried Materie befreit, die uns im Raum Stetigkeit vorgaukelt, wie sie uns in der Wiege Mamas rundes Gesicht vorgaukelt. Ist doch das Leere, was wir in der Schule in der 'Raumlehre' als das schlechthin Stetige lern(t)en, das einzige, was in seiner ganzen Ausdehnung und ewig stetig ist. Nein, das ununterbrochen Bewegte bewegt sich weiterhin, und das unbewegte Leere ist weiterhin ununterbrochen. Die Stetigkeit der Materie ist ihre Bewegung durch das Leere oder durch den Raum und womöglich das Raummaterieteilchen. Die Stetigkeit des Leeren ist sein Sein. Wird es kurz von der Materie befreit, dann wird es nicht verändert, weil es im Leeren keine Veränderung gibt.

Zusammenfassung und Wiederholung

Ruhe Kr.8.6.259a20-27

»Und hieraus kann man nun die Überzeugung schöpfen, dass es ein erstes Unbewegtes gibt, ebenso, wenn man auf die Grundlagen aller Beweger achtet. Dass es nun also Dinge gibt, die sich bald bewegen, bald ruhen, ist jetzt einzusehen, und daraus ergibt sich, dass weder alles ruht noch alles in Bewegung ist, noch auch 25 zum Teil ewig ruht und zum Teil ewig in Bewegung ist. Denn alles, was an beidem Teil hat und befähigt ist, sich bald zu bewegen, bald zu ruhen, liefert hierfür einen hinreichenden Beweis ... «

gibt es nicht KrK.8.6.259a27

Die Materie bewegt sich immer, ruht nie. Etwas, das sich einmal bewegt, einmal ruht, gibt es nur im geozentrischen Weltbild, in der Wissenschaft und im alltäglichen Leben, wo wir ohne fixe Grössen durchdrehen müssten, wenn wir also unser s/t - Klappmesser aus der Tasche ziehen und an die Bewegung halten oder von den Gattungen und Arten der Dinge sprechen usw. Aber eine wirkliche Nichtbewegung des Bewegbaren (Ruhe) gibt es nicht.

bewegter und unbewegter Beweger Kr.8.6.259a27-b18

» ... Da aber diese Art der Dinge jedermann vor Augen steht, wir aber das Wesen auch der beiden andern klären und zeigen wollen, dass es ewig unbewegte und ewig bewegte Dinge gibt, so haben wir auf dem Wege 30 zu diesem unserm Ziel festgestellt , dass alles Bewegte von etwas bewegt wird (Bewegung durch ein Anderes, die Gewalt, Kap. 4) , dass dies entweder unbewegt oder bewegt ist (Kap. 6 Verteilung der Beweger im All und Kap.5, Bewegter Beweger und unbewegter Beweger), und bewegt entweder von sich selbst oder immer von einem andern, uns so sind wir darauf gekommen zu begreifen, dass es für alle Bewegungen einen Urheber geben muss, für die bewegten Dinge das sich selbst Bewegende, 259b für alles insgesamt das Unbewegte. Wir sehen ja auch mit aller Deutlichkeit die Dinge, die sich selbst bewegen, die Gattung der beseelten Wesen und der Geschöpfe. Diese sind es ja auch, die die Vorstellung begünstigen, es könne doch einmal Bewegung entstehen, die überhaupt noch nicht vorhanden war (Von Nichts kommt nichts, Kap. 2), 5 weil wir an ihnen diesen Vorgang beobachten können: sie sind zuzeiten unbewegt, und dann bewegen sie sich wieder, wie es scheint. Aber man muss dies so auffassen, dass sie nur eine einzige Bewegungsart selber zuwege bringen, und auch die nicht von Grund auf. Denn nicht aus ihnen stammt die Ursache, vielmehr gibt es in den Geschöpfen viele andere natürliche Bewegungen, die sie nicht aus sich veranlassen, z. B. Wachstum, Stoffwechsel, Atmen, Bewegungen, 10 die jedes Geschöpf ausführt, einerlei ob es ruht und die von ihm aus mögliche Bewegung unterlässt. Schuld daran ist die Umgebung und viele der in sie eingehenden Stoffe, z. B. in einigen Fällen die Nahrung. Während der Verdauung schlafen sie nämlich, ist sie zersetzt, dann wachen sie wieder auf und bewegen sich selber, doch so, dass immer der erste Anstoss von aussen kommt. Deshalb bewegen sie sich auch nicht ständig 15 von sich aus. Denn etwas anderes ist der Beweger, der selber in Bewegung ist und sich wandelt im Verhältnis zu jedem Geschöpf, das sich selbst bewegt. Und in ihnen allen bewegt sich mit der erste Beweger. und die Ursache ihrer Selbstbewegung, freilich nur unwesentlich.« [G282-84] 4

KrK.8.6.259b18

Man hält wieder den Atem an! Die materiellen Gegenstände bestehen in ihrer Ausdehnung zum weitaus überwiegenden Teil aus Raum, dem ersten bewegten Beweger! Soll ein erster Beweger mitbewegt sein, so kann das nur der erste bewegte Beweger sein.5 Blinde Passagiere sind hier, wo es um die Bewegung des Ganzen geht, nicht zugelassen. Vermutlich ist die atomare Materie nur zum geringen Teil fähig, die unendlich schnell bewegte Raummaterie an sich zu binden. Sondern der Raum ist umgekehrt von der Kernbindung bis hinauf zur chemischen Bindung und natürlich unserer Bindung an das Bettlaken verantwortlich. Zweifellos aber findet aber auch Stoffwechsel zwischen beiden statt, sie bestehen ja aus demselben Stoff.

unbewegter Beweger und das Ganze Kr.8.6.259b20-28

»Daraus kann man die Überzeugung schöpfen, dass unmöglich stetige Bewegung sein könnte, wenn es nur unbewegte Beweger gäbe, die selber, wenn auch nur unwesentlich, mitbewegt werden. Da es nun also unaufhörlich Bewegung geben muss, so muss es einen ersten unbewegten Beweger geben, und zwar wesentlich unbewegt, wenn es, 25 unserer Lehre entsprechend eine pausenlose und unaufhörliche Bewegung geben soll in den Dingen, und wenn 'das Sein selbst in sich und im gleichen Verhältnis bleiben soll'. Denn nur wenn der Urgrund nicht wankt, muss das Ganze erhalten bleiben, das auf ihm steht.« [G284]

KrK.8.6.259b20

Anaxagoras' Äusserungen und die Ontologie des Parmenides haben da Pate gestanden (Anaxagoras Kr.3.5.205b1-9, Parmenides KrK.1.2.185a6.a).

Ewigkeit des Raums Kr.8.6.259b32-a10

» 32 Wenn es nun aber ein solches Wesen gibt, einen Beweger, der selbst unbewegt und ewig ist, dann muss auch das erste von diesem 260a Bewegte ewig sein. Es ist dies deshalb einzusehen, weil es sonst kein Werden und Vergehen für die übrigen Dinge gäbe, wenn nicht etwas sie bewegte, das selber in Bewegung ist. Denn das Unbewegte veranlasst immer nur die eine Bewegung auf die gleiche Weise, 5 weil es sich im Verhältnis zum Bewegten nie wandelt. Was aber bewegt wird, sei es vom Unbewegten, sei es von einem selbst schon Bewegten, wird nicht immer nur dieselbe Bewegung veranlassen, weil es sich zu den Dingen immer wieder anders stellt. Nein, weil es zuzeiten an entgegengesetzten Orten sich befindet und in anderen Gestalten, wird es auch alles übrige in gegenläufiger Bewegung erhalten, 10 und auch bald in Ruhe, bald in Bewegung.« [G284f]

Vielfalt des Raums KrK.8.6.260a10

Der Raum muss ewig und nicht ewig zugleich sein. Der Raum als erster bewegter Beweger ist als Ganzer ewig. Denn als Ganzer ist er mit dem ewigen ganzen Leeren zugleich. Dagegen ist das lokale Vergehen des Raums, das 'Werden' des Leeren, ein tatsächliches Vergehen und nicht wie beim Leeren nur eine örtliche Trennung.

(Das Leere ist nur für ein einziges Seiendes verantwortlich, das Raummaterieteilchen, das faustische Klümpchen, das es im Innersten zusammenhält. Dieses Unausdenkbare steht hier nur an dieser einen Stelle. Denn denken wir diesen Gedanken, dann müssten wir über das Werden und Vergehen der Atome nachdenken (2019: und uns vom Materiestaub des Parmenides zermalmen lassen). Das tun wir nicht. Aber früher oder später werden wir es tun.)

Das Leere ruft nur eine einzige Bewegung hervor, die gradlinige unendliche Bewegung des Raummaterieteilchens durch allseitige Berührung und negativ unendlich grosse Masse. Alle nachfolgenden Bewegungen sind über den Raum durch zweiseitige Berührung vermittelt und somit notwendig endlich. Zum Beispiel Massenanziehung, der Zusammenhalt der atomaren und subatomaren Materie, die Bewegungen der Elektronen, des Lichts usw. Bereits die Vereinigung der Raummaterieteilchen zur atomaren Materie ist über den Raum vermittelt. Unzählige Naturerscheinungen lassen sich mit dem Raum erklären.

Einfalt des Leeren Kr.8.6.260a11-19

»Aus diesen Ausführungen ist auch die Frage klargestellt, die wir am Anfang aufwarfen, warum nicht alles entweder sich bewegt oder ruht, oder warum nicht alles teils ewig sich bewegt teils ewig ruht, sondern einige Dinge bald das eine, bald das andere (Kap. 3, Bewegung und Nicht-Bewegung im All). Der Grund ist jetzt klar, weil die Dinge nämlich teils von einem 15 unbewegten Ewigen bewegt werden und daher ewig sich wandeln, teils von einem bewegten und gewandelten, so dass sie notwendig auch selber <wandelnd> sich wandeln. Das Unbewegte führt, wie gesagt, weil es immer im gleichen Verhalten bleibt, nur eine einfache und einzige Bewegung herbei.« [G285]

KrK.8.6.260a19

Die Bewegung des Raummaterieteilchens in einer einzigen Richtung. Das Leere hat direkt nur mit den Materieelementen zu tun. Alles, was darüber hinausgeht, fällt nicht in seinen Zuständigkeitsbereich und ist vom ersten bewegten Beweger bewegt und verursacht. Sagte ich, Aristoteles hätte keine Raumtheorie? Da habe ich mich wohl geirrt.


1. Dort sitzen die Forscher und beobachten die Blauverschiebung der auf sie zukommenden Galaxien, rätseln darüber, ob die Blauverschiebung real oder nur eingebildet ist und verkünden dem Publikum, dass die Welt dereinst in ewigem Feuer enden wird.

2. Die Gänsefüsschen, weil ich alles, was ich vom Leeren weiss, von Aristoteles habe. Der alte Gauner sitzt nämlich da mit dem kleinen roten Buch des Genossen Demokrit und gibt uns den Unwissenden.

3. 2016: Im gedruckten Exemplar irrtümlich »Trennung des Leeren von der Materie«

4. Rupert Lay übersetzt: »Wir können (an Lebewesen beobachten, dass sie zu Zeiten unbewegt sind, sich dann aber wieder bewegen, wie es scheint. Das muss man aber so verstehen, dass sie nur eine Bewegungsart selbst zustande bringen und auch diese nicht ganz selbständig. Denn nicht aus ihnen stammt die Ursache, sondern es gibt in den Lebewesen viele natürliche Bewegungen, die sie nicht aus sich veranlassen, wie z. B. Wachstum, Stoffwechsel, Atmung; das sind Bewegungen, die jedes Lebewesen ausführt, auch wenn es ruht und die von ihm aus mögliche Bewegung unterlässt oder nicht ... Wenn die Lebewesen sich nach dem Schlaf bewegen, dann immer so, dass der erste Anstoss von aussen kommt ... in allen bewegt sich der erste Beweger und die Ursache ihrer Selbstbewegung«. Rupert Lay, Das Leben. Wesen und Werden, Aschaffenburg 1969, S.35 . 1984 hatte ich den Jesuitenpater Lay als unverdächtigen Zeugen gewählt, um zu zeigen, dass Gohlkes Übersetzung so schlecht nicht sein kann, wie es Gohlkes Kollegen seinerzeit einhellig beschnatterten (Ausnahme war die Zeitschrift 'Scholastik' der Jesuiten, die heute unverdächtig 'Theophil' heisst). Lay bekam später einen Maulkorb von seinen Chefs umgehängt.

5. Daher konnten die Theologen diesen Satz Aristoteles' nur so lange als schweres Geschütz für das Sein Gottes in den Dingen bei gleichzeitiger vollständiger Trennung von ihnen auffahren, so lange Vernunft und Wissenschaft keine Gefahr für die Theologie bedeutete. Denn Gott war nach ihrer Lehre das Leere, durfte sich weder wesentlich, noch unwesentlich mitbewegen. Da Thomas schlecht exkommuniziert werden konnte, wurden kurzerhand die Vernunft und Aristoteles exkommuniziert. So konnte es dazu kommen, dass die Schriften von Thomas heute wie die Blüte der Aufklärung erscheinen. Das zeigt allerdings nur, wie tief das Denken gesunken ist und ist nicht unbedingt ein Gütesigel für Thomas. Denn beim pneuma ist er keineswegs so lesenswert wie beim Leeren.