Kr.8.4.254b-256a Bewegung durch ein Anderes, die Gewalt - KrSc

KrK.8.4.254b7

Diente die Ruhe der bewegbaren Gegenstände im dritten Kapitel als 'Beleg' für das Nicht-Bewegte in der Natur, so macht Aristoteles nun eine Kehrtwende um 180 Grad. Denn jetzt muss Aristoteles die Ruhe des Bewegbaren auf der Erde als den Fremdkörper aus der Physik beseitigen, der er ist: Gäbe es auf der Erde tatsächlich das Ruhende, das sich dann ohne eine äussere Einwirkung zu bewegen beginnt, dann entstünde Bewegung aus absoluter Nichtbewegung und widerspräche damit der Erkenntnis, dass die Bewegung ungeworden und unvergänglich ist. Ohne die geringste Ahnung von der tatsächlichen Bewegung der Himmelskörper, der atomaren und subatomaren Teilchen zu haben, erkennt Aristoteles, dass die Theorie in dieser wichtigen Angelegenheit dem Augenschein ins Gesicht schlägt. Aristoteles muss nun gegen den unwiderleglichen Augenschein jede Selbstbewegung als eine Bewegug durch ein Anderes deuten. Das ist ein schönes Beispiel, wie bei Ar die Vernunft oft stärker ist als alle Evidenz.

Die gesamten Bewegungen der sublunaren Welt, also alle vermeintlichen Selbstbewegungen der Lebewesen, von der einfachen Ortsbewegung bis hin zum Denken, aber auch die naturgesetzlichen Bewegungen der organischen und der anorganischen Materie, das sieht Aristoteles jetzt, müssen als Bewegungen durch ein Anderes nachgewiesen werden, wenn nicht Bewegung aus dem Nichts erschaffen werden kann. Wenn es aber natürliche Erzeugung der Bewegung aus absoluter Nichtbewegung nicht gibt, dann hilft nur noch eines, die Gewalt.

Gewalt Kr.8.4.254b12-14

»Von demjenigen aber, was an und für sich bewegt wird, wird das eine von sich selbst, das andere von einem Anderen, und zwar wieder das eine von Natur aus, das andere durch Vergewaltigung [bia, Gewalt] und wider seine Natur (para physin). « [P397]

KrK.8.4.254b14

Mit Hilfe der Gewalt und der naturwidrigen Einwirkung von aussen kann also ein auf der Erde ruhender Gegenstand bewegt werden. Da wir aber in der Physik nicht Naturwidrigkeitsgesetze untersuchen, muss sich das vermeintlich gegen die Natur Gerichtete mit einer Naturkraft erklären lassen, die über dem einzelnen Naturgesetz steht, etwa um einen der Zufälle aus Buch 2 oder um eine äussere Einwirkung in Newtons Trägheitssatz.

Wie verhält es sich aber mit Selbstbewegung der Tiere?

Kr.8.4.254b14-18

»Was sich nämlich aus sich selbst bewegt, das bewegt sich immer der 15 Natur gemäss, z. B. jedes Tier. Ein Tier bewegt sich ja aus sich selbst. Was aber den Ursprung der Bewegung in sich selbst trägt, das bewegt sich nach unserer Lehre naturgemäss. Daher bewegt sich das Tier als Ganzes naturgemäss.« [G267]

KrK.8.4.254b18

Das Ganze sagt nichts über die Ursache, sondern sagt etwas über die Grösse. Ob du sagst, das Tier bewegt sich, oder das Tier bewegt sich als Ganzes, ist dasselbe.

Kr.8.4.254b18-24

»Der Leib freilich kann sich gemäss und entgegen der Natur bewegen, das richtet sich nach der Bewegungsart 20 und nach den Elementen, aus denen er besteht. Was von einem andern bewegt wird, bewegt sich entweder gemäss oder entgegen der Natur, naturwidrig z. B. Erdiges nach oben, Feuer nach unten. Auch die Glieder der Tiere werden oft naturwidrig bewegt, entgegen ihrer Lagerung und Bewegungsweise.« [G267]

Gewalt oder Energie? KrK.8.4.254b24

Warum sich das Feuer der Natur gemäss nach oben und entgegen die Natur nach unten bewegt, ist keine Frage der Gewalt, sondern eine Frage nach unbekannten natürlichen Ursachen. So wie wir herausfinden müssen, warum das Voneinander die umfassende Bewegung zu sein scheint, wo wir doch die allgemeine Gravitation als die räumlich umfassendste Naturkraft betrachten.

Gewalt Kr.8.4.254b24-33

»Dass der Körper von einem andern bewegt wird, erkennt man 25 besonders deutlich bei naturwidrigen Bewegungen, da es hier selbstverständlich ist, dass die Bewegung von einem andern ausgeht; nächstdem bei denjenigen naturgemässen Bewegungen, die ein Körper, wie die Tiere, aus sich vollführt. Hier ist kein Zweifel, dass sie von irgendetwas bewegt werden, nur weiss man oft nicht, wie man bewegendes und bewegtes Glied abgrenzen soll. 30 Denn anscheinend ist doch, wie bei künstlichen Fahrzeugen, auch bei den Tieren der bewegende Teil vom bewegten verschieden und bewegen sie sich nur in diesem Sinne von selber.« [G267]

KrK.8.4.254b33

Der Teil bewegt das Ganze. Sicher ist die Ursache einer bestimmten Bewegung in irgendeinem Teil des Tieres. Die Frage nach dem bewegenden Teil im Tier hat viele Antworten. Einmal ist der bewegende Teil das zentrale Nervensystem und da an erster Stelle das Hirn mit allem Sehnen, Hoffen und Bangen, den Trieben und Reflexen, dann die Sehnen, die Muskeln, die Knochen. Der bewegte Teil bewegt den ganzen Körper oder Teile des Körpers. Die Beine bewegen den ganzen Menschen. Der Darm bewegt einen Teil des Körpers. Und auch hier kann untersucht werden, ob und wie Bewegungsursachen ausserhalb des Lebewesens für die Bewegungen mitverantwortlich sind. Das ist nicht der Gegenstand der Physik, sondern der Wissenschaften vom Leben und um das Leben. Was uns hier aber am Hoffen und Bangen, am Laufen und an der Verdauung allein interessiert, ist die Frage, ob diese Bewegungen zum Teil oder ganz von selbst oder durch ein anderes verursacht werden, aber vor allem welche Rolle bei diesen Bewegungen die Unzerstörbarkeit und der Unerzeugbarkeit der Bewegung spielen.

In beiden Fällen, bei der Gewalt und der Selbstbewegung eines Organismus, bewegt sich der Körper nicht durch sich selbst, sondern durch ein Anderes. Eine gewaltsame Bewegung ist beispielsweise die durch den Menschen verursachte Hebelbewegung. Hier sind bewegender und bewegter Teil leicht auseinanderzuhalten. Eine nicht naturwidrige Bewegung ist ebenfalls die Hebelbewegung oder eines dem Hebel und den Himmelskörpern gemeinsamen Gesetzes:

»Wenn Abrücken des Gestirnes von der Weltmitte Langsamkeit im Gefolge hat, Annäherung wiederum [grössere] Geschwindigkeit, so muss die Quelle der bewegenden Kraft notwendigerweise dem vorausgesetzten Weltmittelpunkte innewohnen. Steht das fest, so wird auch die Besonderheit der Ursache klar werden. Das erkennen wir daraus, dass die Gestirne genau nach den Bewegungsverhältnissen [ratione] einer Waage oder eines Hebebaumes bewegt werden.« Kepler, Zusammenklänge der Welten S. 258

Die von aussen einwirkende Gewalt oder die 'Naturwidrigkeit' benutzen wir ganz im Gegensatz zu Aristoteles, um eine natürliche Bewegung zu erklären oder selbst willentlich hervorzurufen. Das Experiment ist eine gewaltsam herbeigeführte natürliche Bewegung, bei der wir uns den Umstand zunutze machen, dass jede natürliche Bewegung eine gewalttätige äussere Ursache mit bewegender Energie hat. Die eigentliche Schwierigkeit ist daher die Frage: Was ist die Ursache der gewaltsamen Bewegung, die nicht künstlich herbeigeführt, sondern natürlich ist (Voneinander KrK.1.4.187b21.c)?

Gewalt Kr.8.4.254b33-a10

»Am meisten Schwierigkeit macht die letzte Möglichkeit unserer vorhin gegebenen Einteilung. Wir sagten ja, dass das von einem andern Bewegte teils 35 naturwidrig bewegt werde, teils - das bleibt als 255a Gegensatz noch übrig - naturgemäss. Und diese Fälle setzen uns in Verlegenheit, wenn wir ermitteln wollen, wer denn die Bewegung verursacht, z. B. beim Leichten und Schweren. Dieses wird mit Gewalt nach den entgegengesetzten Orten bewegt, aber nach den ihnen eigentümlichen Orten das leichte nach oben, das schwere nach unten - der Natur entsprechend. 5 Dabei ist der bewegende Körper nicht mehr so deutlich zu erkennen, wie bei den Bewegungen gegen die Natur. Man kann unmöglich sagen, solche Körper bewegten sich aus sich selbst, da dies den lebenden Körpern vorbehalten und eine Eigenart des Beseelten ist. Auch müssten sie ja von sich aus stehenbleiben können. Ich meine, was von sich aus spazierengehen kann, muss es auch lassen können. Wenn es daher beim Feuer steht, sich nach oben zu bewegen, 10 dann müsste es ihm natürlich auch freistehen, sich nach unten zu bewegen.« [G267f]

KrK.8.4.255a10

Jede Bewegung der anorganischen Materie, so Aristoteles' Hypothese, hat eine äussere (oder innere) Ursache. Jedes Bewegte wird von einem Anderen bewegt. Wenn Newton in der Einleitung der Principia gegen die Hypothesen mault, hat er sicher seinen Lehrer Kepler im Visier:

»Die absolute Kraft [ist die Kraft] auf das Centrum, welches mit einer Ursache begabt ist, ohne welche die bewegenden Kräfte sich nicht durch den umgebenden Raum fortpflanzen würden. Diese Ursache mag nun irgend ein Centralkörper (wie der Magnet im Centrum der magnetischen, die Erde im Centrum der Schwerkraft), oder irgendwie unsichtbar sein. Dies ist wenigstens der mathematische Begriff derselben, denn die physischen Ursachen und Sitze der Kräfte ziehe ich hier nicht in Betracht.« [Newton, S. 24].

Denn Kepler hat eine Hypothese über das Wesen der Anziehung: Den Wirbel, den die Sonne mit dem Äther veranstaltet und der die Planeten mit sich reisst. Aus dieser Überlegung hat er sogar schon auf die Rotation der Sonne geschlossen und richtig gefolgert, dass ihre Dauer kürzer sein müsse als die Rotationsdauer von Merkur um die Sonne. Dass aber der Wirbel nur ein Nebenprodukt der Gravitation sein kann, belegen die natürlichen und künstlichen Trabanten etwa um die Erde, die in allen möglichen Richtungen umlaufen können, während beim Wirbel als einziger Bewegungsursache die Richtung vorgegeben ist. Die Geschwindigkeit in Abhängigkeit von der Entfernung wäre ein guter Beleg für den Wirbel und den Hebel, wenn die Trabanten allein in Richtung der Erdumdrehung fliegen würden.

Einen weiteren Beleg, dass die Selbstbewegung der anorganischen zusammengesetzten Materie nicht möglich ist, liefert uns Aristoteles mit Demokrit:

Kr.8.4.255a12-18

»Und wie soll überhaupt etwas stetig Zusammenhängendes sich selbst bewegen? Insofern es stetig ist und sich nicht etwa nur berührt, hat es keine Einwirkungsmöglichkeit, die hat es nur in getrenntem Zustande, da kann der eine Teil wirken, der andere 15 leiden. Weder also diese Körper bewegen sich selbst, da sie ja zusammengewachsen sind, noch sonst etwas Stetiges, vielmehr muss sich bewegender und bewegter Teil absetzen, wie wir es bei leblosen Dingen sehen, die von einem lebendigen bewegt werden.« [G268]

Gewalt KrK.8.4.255a18

Wäre die Materie stetig, und gäbe es kein Leeres, so gäbe es keine Bewegung. Für die wirklich stetige Materie gibt es nur die eine einzige Bewegung. Demokrits Atom ist stetig. Wäre es ohne das Leere, so könnte es sich tatsächlich ohne Schubs von aussen nicht bewegen, weil innen keiner anfassen kann. Es ist aber nicht nur mit dem gleich grossen Leeren ortsidentisch, sondern da ist der Grösse nach unendlich viel mehr Leeres als Atome sind. Daher hat jedes Atom eine 'räumlich' unendliche äussere Bewegungsursache, die zugleich eine ursächlich unendliche Ursache ist, die negativ unendlich grosse Masse des Leeren.1 Die 'Selbstbewegung' des Atoms ist die Bewegung durch allseitige Berührung und durch die unendlich grosse negative Masse des Leeren ausserhalb des Atoms.

Kr.8.4.255a18-22

»Es ergibt sich jedoch, dass auch in diesen Fällen die Bewegung immer von einem anderen eingeleitet wird.« ... » 20 ... Man kann aber auch bei dem Bewegenden das vorhin Gesagte aufgreifen«. So gibt es Bewegungsursachen, »welche eine naturwidrige Auslösung bestimmter Prozesse besitzen; so ist beispielsweise die Fähigkeit des Hebels, Lasten zu heben, nicht in seiner Natur begründet« [G269,P401,W229]

Gewalt, Summe der Energie KrK.8.4.255a22.a

Der Mensch macht sich mit Gewalt die Wirkung des Hebels zunutze. Der Hebel selbst ist nur ein Stück Holz. Sein Dasein als Hebel verdankt er nicht seiner Natur, sondern der von aussen einwirkenden Gewalt. Aristoteles' Polemik gegen die Gewalt ist auch physikalisch bedingt. Müsste äussere Gewaltanwendung aufgewendet werden, um die Bewegung der Welt in Gang zu halten, dann wäre der Gewaltvorrat irgendwann aufgebaucht, und die Welt käme zum Stillstand. Die Bewegung wäre nicht ewig. Mit unseren Voraussetzungen, dass die Gewalt die Summe der Energie ist und dass die Summe der Energie oder der Bewegung in der Welt konstant ist, die Welt also ihre Bewegung aus sich selbst schöpfen muss, kommen wir sicher weiter. Energie, kurz zur Erinnerung, ist kein Atom-Name, so wenig wie Laufen der Name für Fleisch ist, sondern der Name einer Bewegung des Atoms.2

Gewalt KrK.8.4.255a22.b

Die nachfolgenden Überlegungen [255a25-255b24] zum Umschlag von der Quantität in die Qualität, der Umwandlung der Bewegungen in einander, wie etwa die Umwandlung des schweren Wassers in die leichte Luft oder des Kalten in das Warme begründet Aristoteles mit dem Möglichen, das wirklich wird und dem 'natürlichen Ort'. Noch einmal blitzt dann kurz in der Verkleidung der Gewaltkritik eine Ahnung des Naturgesetzes auf:

Kr.8.4.255b24-29

»Derjenige, der die Unterlage und das Hindernis wegnimmt, 25 ist in einem Sinne der Beweger, ist es auch wieder nicht, z. B. wer die Tragsäule wegzieht oder den Stein vom Schlauch im Wasser entfernt. Er löst die Bewegung nur nebenbei aus, so wie der Ball nicht von der Wand zurückgeworfen wird, sondern vom Werfenden bewegt wird.« [G271]

Gewalt KrK.8.4.255b29

Zum Abschluss noch einmal die Erkenntnis, dass es keine Bewegung ohne eine äussere Ursache gibt.

Kr.8.4.255b29-a3

»Dass demnach Nichts von diesem selbst sich selbst bewegt, ist klar; 30 aber einen Anfang einer Bewegung hat es in sich, nicht den des in Bewegung Setzens und den des Ausübens einer Einwirkung, wohl aber den des Erfahrens einer solchen. - Wenn demnach alles Bewegtwerdende entweder von Natur aus oder wider seine Natur und durch Vergewaltigung bewegt wird, und zwar sowohl das gewaltmässig als auch das naturwidrig Bewegtwerdende sämmtlich von einem Etwas und einem Anderen bewegt wird, und wiederum von dem naturgemäss Bewegtwerdenden sowohl das von sich selbst Bewegtwerdende von einem Etwas bewegt wird, 35 als auch das nicht von sich selbst Bewegtwerdende, wie z. B. das Leichte und das Schwere 256a « [dem man Gewalt angetan hat], ... »so möchte wohl sämmtliches Bewegtwerdende von einem Etwas bewegt werden.« [P405]

KrK.8.4.256a3

Wird tatsächlich sämtliches Bewegte von einem Etwas bewegt, dann muss dieses Etwas die ursächlich erste Bewegungsursache sein. Wenn es aber eine erste Bewegungsursache tatsächlich gibt, dann müssen alle Bewegungen an dieser ersten Bewegungsursache teilhaben.

Seien die Pfade noch so verschlungen, durch noch so viele, noch so verschiedenartige Bewegungen vermittelt, sei die Zeit zwischen erster Ursache und letzter Bewegung ein Jetzt, eine Sekunde oder ein paar Milliarden Jahre. - Wenn es eine ursächlich erste Bewegungsursache gibt und die Welt in Raum und Zeit eine stetige Einheit ist, so müssen alle Bewegungen an dieser ersten Ursache teilhaben! Die neue Frage lautet also, gibt es eine ursächlich erste Ursache aller Bewegungen, oder gibt es sie nicht? Aristoteles verblüfft mit der Antwort: Es gibt zwei ursächlich erste Ursachen! Den ersten bewegten Beweger und den ersten unbewegten Beweger.


1. 2006 Problem: Wenn wir sagen, die positive Masse entstehe erst durch die dicke träge Materie, die am Raum zieht, dann können wir dem Leeren nicht die negative Masse zuweisen, bevor die positive da ist. Oder doch? Dann müssten wir uns aber im Raum von der Äquivalenz von Schwere und Trägheit verabschieden und dem Leeren die negativ unendliche schwere Masse zuweisen. Denn das Raummaterieteilchen hätte die Trägheit und Geschwindigkeit unendlich, die Schwere Null. Das Leere hätte die Schwere minus unendlich und die Trägheit und Geschwindigkeit Null. Die Bewegungsgrösse oder der Impuls des RM-Teilchens wäre die Eins, die des gleichzeitigen leeren Teilchens minus Eins.

2. »Wir überzeugen uns, dass die Mannigfaltigkeit der wirklichen Welt grösser sein muss als die Mannigfaltigkeit der Welt, welche sich unseren Sinnen unmittelbar offenbart. Wollen wir ein abgerundetes, in sich geschlossenes, gesetzmässiges Weltbild erhalten, so müssen wir hinter den Dingen, welche wir sehen, noch andere, unsichtbare Dinge vermuten, hinter den Schranken unserer Sinne noch heimliche Mitspieler suchen ... [Sie dachten wir] uns als Wesen einer eigenen und besonderen Art, deshalb schufen wir zu ihrer Wiedergabe in unserem Bilde die Begriffe der Kraft und der Energie. Es steht uns aber noch ein anderer Weg offen. Wir können zugeben, dass ein verborgenes Etwas mitwirke, und doch leugnen, dass dieses Etwas einer besonderen Kategorie angehöre. Es steht uns frei anzunehmen, dass auch das Verborgene nichts anderes sei als wiederum Bewegung und Masse, und zwar solche Bewegung und Masse, welche sich von der sichtbaren nicht an sich unterscheidet, sondern nur in Beziehung auf uns und auf unsere gewöhnlichen Mittel der Wahrnehmung. Diese Auffassungsweise ist nun eben unsere Hypothese. Wir nehmen also an, dass es möglich sei, den sichtbaren Massen des Weltalls andere denselben Gesetzen gehorchende Massen hinzuzudichten von solcher Art, dass dadurch das Ganze Gesetzmässigkeit und Verständlichkeit gewinnt ... Was wir gewohnt sind, als Kraft und als Energie zu bezeichnen, ist dann für uns nichts weiter als eine Wirkung von Masse und Bewegung, nur braucht es nicht immer die Wirkung grobsinnlich nachweisbarer Masse und grobsinnlich nachweisbarer Bewegung zu sein.« Hertz (3), S. 95f