Kr.7.3.245b3-248a9 Qualität und Form - KrSc

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Im dritten Kapitel vertieft Ar seine Ansicht, dass »alle Qualitätsveränderung Wirkung der sinnlichen Qualitäten ... ist« [W196]

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Das wollen wir nicht verfolgen. Die Grenze zur Psychologie, zum Irrationalen und zur Mystik ist hier schnell überschritten. Was die Philosophie weiterverfolgen sollte, ist der Zusammenhang zwischen der Form und der Qualität. Viele Relationen ergeben eine Qualität. Viele einfache Bewegungen ergeben eine zusammengesetzte Bewegung. Oder nein, die Philosophie sollte sich damit begnügen, diesen Zusammenhang festzustellen. Sonst landen wir am Ende noch bei Aristoteles' Behauptung, das Unteilbare sei allein bei der Qualität. Die konkrete Lösung im jeweiligen Zusammenhang ist Aufgabe der Wissenschaften.

Sind zunächst nur die zusammengesetzte Bewegung oder die zusammengesetzte Form bekannt, und sind die Ausgangsstoffe bekannt, so können wir vom Umschlag der Quantität in die Qualität sprechen. In einigen Fällen wird sich nach langer Forschung der Umschlag in seine Bestandteile auflösen lassen. In vielen Fällen wird sich der Umschlag jedoch nicht auflösen lassen, wie wir bei Stoff und Form gefunden haben.

'Form' nimmt jedoch nun eine ähnliche Form an wie dx, wird Zeichen eines vielfach Zusammengesetzten oder gar eines aus der Not geborenen bewegten Stöffchens. Aristoteles kennt natürlich den qualitativen Umschlag: Aus vielen Sandkörnern wird ein Haufen. Viele Handlungen ergeben eine Haltung. Wasser gefriert mit einem Schlag zu Eis. Das Gute ist die Vollendung des Bösen. Das fallende Hirsekorn erzeugt keinen, der fallende Scheffel erzeugt einen Schall usw.

Sobald wir aber darangehen, aus der Not eine Tugend zu machen, wird es gefährlich. Die Brücke zwischen Quantität und Qualität sollten wir wirklich nur an ihren Grenzen schlagen und auch nur da, wo wir anders nicht weiterwissen. Da müssen wir es aber tun.