Kr.6.3.233b-234b Jetzt, Ruhe, Bewegung - KrSc

Jetzt ist Zeit-Grenze Kr.6.3.233b33-a3

»Nothwendig aber auch muss das Jetzt insoferne es nicht in Bezug auf ein Anderes, sondern an und für sich genommen wird, untheilbar und ein derartiges 35 in jeder Zeit enthalten sein; denn es gibt ein Etwas, welches ein Aeusserstes ist der vergangenen Zeit, 234a über welches hinaus gar Nichts von der künftigen ist, und hinwiederum Aeusserstes der künftigen Zeit, über welches hinaus gar Nichts von der vergangenen ist, - dasjenige nämlich, wovon wir sag[t]en, es sei eine Gränze beider.« [P291]

Pseudo-Trinität KrK.6.3.234a3

Das Jetzt ist das Zwischen zwischen Vergangenheit und Zukunft. Ende der Vergangenheit, Anfang der Zukunft und Jetzt sind identisch, Jetzt zwischen zwei Zeiten KrK.4.10.218a3.c.

1 Jetzt zwischen 2 Zeiten Kr.6.3.234a3-6

»Wenn aber von diesem gezeigt sein wird, dass es an und für sich ein derartiges und dass es Ein und 5 dasselbe sei, so wird zugleich auch augenfällig sein, dass es untheilbar ist. Nothwendig denn nun muss das Jetzt als die äusserste Gränze beider Zeiten Ein und dasselbe sein.« [P293]

Ist die Vergangenheit blau? KrK.6.3.234a6.a

Die beiden Teile der Grössen Vergangenheit und Zukunft haben nicht wie der Apfel oder der Mensch je eine Haut, eine Grenze, die sich trennen oder berühren können, sondern die Zeit ist wie das Leere eine einzige ununterbrochene Grösse, die im Zwischen geteilt wird. Die Jetzt trennen die Vergangenheit von der Zukunft. Sie verbinden nicht. Die Zeit als rote ausgedehnte Grenze eines Blauen haben wir als Form der 2d-Bewegung und der 3d-Bewegung sowie der Ewigkeit gefunden (1d-Zeit, 2d-Bewegung KrK.4.12.220a32.a , Gleichzeitigkeit und Jetzt KrK.4.12.221a18.b). Da wir hier erneut das Jetzt untersuchen, fassen wir es wie im vierten Buch als Form einer 1d-Bewegung .

KrK.6.3.234a6.b

Die Aneinanderreihung oder Zerteilung des Jetzt ist absurd.

2 Jetzt folgen nicht auf einander Kr.6.3.234a6-11

»denn wären diese beiden Gränzen ein Verschiedenes, so könnte keinenfalls die eine auf die andere eine nächstfolgende sein, weil aus Theillosem kein Continuirliches besteht; sind sie hingegen beide von einander getrennt, so wird Zeit dazwischen liegen, denn alles Continuirliche ist derartig, dass ein Gleichnamiges zwischen den Gränzen liegt; aber nun, 10 wenn Zeit das Dazwischenliegende ist, dann wird das Ganze theilbar sein, denn es ist erwiesen [Cap. 2], dass jede Zeit theilbar ist; folglich wäre das Jetzt theilbar.« [P293]

KrK.6.3.234a11.a

Anders als im vierten Buch ist aber die Bewegung hier die Zeit selbst, nicht rot, sondern blau. Da das Jetzt die Zahl des Wegs ist, wollen wir 'Vergangenheit' und 'Zukunft' als die 1d-Bewegung Vergangenheit und die 1d-Bewegung Zukunft und damit als zwei Bewegungen zusammenfassen, die im Jetzt ihre gemeinsame Grenze haben. Zwei stetige Bewegungen können nur dann unmittelbar auf einander folgen, wenn nichts zwischen ihnen ist, oder wie wir sagen, wenn genau ein Zwischen zwischen ihnen ist. Verstreicht im Jetzt, das die Vergangenheit von der Zukunft trennt, auch nur die kleinste Zeit, muss eine stetige, unendlich teilbare Zeit zwischen Vergangenheit und Zukunft sein.

KrK.6.3.234a11.b

Und umgekehrt: Wenn das Jetzt Zeit wäre, zwischen Vergangenheit und Zukunft aber keine Lücke ist, dann schiebt das Jetzt Vergangenheit und Zukunft in einander.

1 Jetzt ist unteilbar Kr.6.3.234a11-13

» 11 Wäre aber das Jetzt theilbar, so würde etwas von dem Vergangenen in dem Künftigen und etwas von dem Künftigen in dem Vergangenen sein« [P293]

KrK.6.3.234a13

Das Jetzt zwischen Vergangenheit und Zukunft ist ohne Ausdehnung und kann nur dann gemeinsame Grenze sein, wenn es zu keiner der beiden Bewegungen gehört.

1 Jetzt begrenzt zwei Zeiten Kr.6.3.234a19-24

»Folglich, wenn alles dieses unmöglich dem Jetzt zukommen kann, so muss nothwendig 20 das in jeder der beiden Zeiten seiende Jetzt Ein und dasselbe sein. Aber nun, wenn es Ein und dasselbe ist, ist augenfällig, dass es auch untheilbar ist; denn wäre es theilbar, so würde wiederum das Nämliche wie oben sich ergeben. Dass es demnach ein Untheilbares in der Zeit gibt, von welchem wir sagen, dass es das Jetzt sei, ist in Folge des Gesagten klar.« [P293]

KrK.6.3.234a24

Bis jetzt ist das über das Jetzt Gesagte eigentlich nur Wiederholung von bereits Bekanntem. Und wir freuen uns, dass Aristoteles wieder einmal an das Diskrete denkt, das er im fünften Buch breitgequetscht hat. Bei der Behauptung der Zeit als ein Stetiges bleibe ich indifferent und traue mich immer noch nicht, komme mir aber ein bisschen komisch vor, Vergangenheit und Zukunft als blaue Bewegung und die Jetzt-Gerade als überall dichte Nicht-Bewegung zu bezeichnen.

1 Jetzt - keine Bewegung Kr.6.3.234a24-31

»Dass innerhalb des Jetztpunktes für eine Bewegung kein Spielraum da ist, macht 25 die folgende Überlegung gewiss. Denn gesetzt, es bestünde ein solcher, dann ist im Jetzt die Möglichkeit schnellerer und langsamerer Bewegung enthalten.«

»Das Jetzt heisse N, in ihm bewege sich der schnellere Gegenstand über die Strecke AB hinweg. Das Langsamere wird also im nämlichen N eine kleinere Strecke zurücklegen, sagen wir AC. Da das Langsamere im ganzen N die Strecke AC zurücklegt, muss das Schnellere 30 diese Strecke in einer Zeit, die kürzer als N ist, zurücklegen; das Ergebnis wäre also eine Teilung des Jetztpunktes. Aber es stand fest, dass er unteilbar ist. Folglich ist im Jetztpunkt kein Spielraum für eine Bewegung gegeben.« [W156]

KrK.6.3.234a31.a

Dass wir das N mit Worten oder mit dem Bleistift als Grösse zeichnen , bedeutet nicht, dass wir es teilen dürfen. Wir lassen verschiedene Geschwindigkeiten in einem unteibaren Jetzt nur zu, wenn die Bewegungspunkte geteilt und vervielfältigt werden, 3 Geschwindigkeiten in 1 Jetzt KrK.6.1.232a22. Allein der dicke blaue Bewegungspunkt, den wir gewaltsam und nur gedanklich in einen dünnen roten gezwängt haben, ist arithmetisch teilbar und vervielfältigbar, damit er zum Zeitpunkt passt. Wir haben uns sozusagen ein diskretes Stetiges gezimmert. Die Gedanken sind frei. Das Jetzt N ist weder physisch noch ideell teilbar. 'In' N legt also der schnelle Gegenstand zwei Zwischen AB, der langsame ein Zwischen AC zurück. Mit der arithmetischen Aufhäufung und Division der Nichtse können wir also relativ leicht diese Probleme des Stetigen umgehen.

<Widerspruch droht KrK.6.3.234a31.b >

Aber Aristoteles steuert auf ein neues Problem zu. Die Teilung und Vervielfältigung haben wir bis jetzt immer auf die Bewegung geschoben, damit die Orte/Jetzte nicht gestapelt oder geteilt werden. Beim Jetzt und beim Ort durften weder geometrische noch arithmetische Teilungen und Vervielfältigungen sein, weil der Ort das Jetzt ist und nur ein einziges Mal da ist, wo er ist. Aber so schön der Spruch mit dem Wo auch ist - wenn wir daran festhalten, dass die Proportionen bis hinab ins Jetzt gewahrt bleiben, dann treten Situationen auf, in denen wir vor der Alternative stehen, entweder das Jetzt zu teilen, oder den Widerspruch als wahr zu behaupten.

Bei der Berührung zweier Voller oder bei der Betrachtung zweier gleichförmiger Bewegungen in einem Zwischen war es relativ leicht, den Widerspruch zu vermeiden. Denn die 'Trinität' zwischen Vergangenheit und Zukunft oder der Berührungspunkt zweier Voller war in Wahrheit nur ein einziges Zwischen. Nachdem wir erkannt haben, dass die Formen der beiden Vollen ein Mögliches sind und wirklich als ein einziges Zwischen nur dort werden, wo das Ätherteilchen das dicke träge Volle berührt oder die beiden Vollen einander berühren oder wo wir unabhängig von realen Gegenständen die Form als ein Mögliches in das wirkliche Leere hineinschneiden, gab es hier keinen Widerspruch. Hier mussten wir nicht einmal lügen, denn 1 = 1, sieht man einmal von der Lüge ab, wir hätten den Schnitt zustande gebracht.

Schon schwieriger wurde es bei den unterschiedlichen Geschwindigkeiten. Da tauchte das Problem auf, dass der schnelle Gegenstand im Jetzt mehr Zwischen als der langsame zurücklegen muss, der langsame weniger als der schnelle. Also sind wir noch einen Schritt weiter gegangen als bei der unbewegten Form, die wir als ein unbewegtes Mögliches in das Wirkliche hineingeschnitten haben. Wir haben ein Unmögliches in das Wirkliche hineingeschwindelt, nämlich die Gleichzeitigkeit mehrerer verschiedener Formen oder Grenzen, 3 = 1. Die je nach Geschwindigkeit unterschiedlich vielen Bewegungspunkte sind verschiedene Punkte, die wir nur als identisch behaupten können, weil uns keiner das Gegenteil nachweisen kann, denn 3 × 0 = 1 × 0! Wir können das nur deswegen ungestraft tun, weil uns die Logik im Bereich der Form nichts anhaben kann, hiess es bisher. Das bedeutet aber nicht nur einen Segen, sondern auch einen Fluch. Denn wenn wir die Formen mit der Begründung im Jetzt stapeln, die Logik könne uns mal, führt das unweigerlich dazu, dass wir unser sicherstes Kriterium, das wahr von falsch scheidet, nicht mehr ohne weiteres benutzen können. Zur Freude der Sophisten. Ein Grund mehr, den Rechnenstoff, Logikstoff und Philosophiestoff zu lernen und die stofflosen Formschwindler in ihre Schranken zu verweisen. Aber zurück zum Jetzt des Aristoteles!

Ein stetiger Weg kann in einem diskreten Ort oder Jetzt nicht zurückgelegt werden, weil das Diskrete Grenze des Stetigen und nicht selbst Stetiges ist. Aber Aristoteles wäre nicht der, der er ist, bliebe er dabei stehen.

1 Jetzt = keine Ruhe Kr.6.3.234a31-34

» 31 Aber nun auch ruhen kann in demselben Nichts; denn von demjenigen sagten wir (Unbewegtes und Ruhendes Kr.5.2.226b8-16), dass es ruhe, was von Natur aus bestimmt ist, bewegt zu werden, gerade aber da eben, wann und wo und wie es von Natur aus dazu bestimmt wäre, nicht bewegt wird; folglich da Nichts von Natur aus bestimmt ist, in dem Jetzt bewegt zu werden, ist klar, dass auch Nichts in ihm ruhe.« [P295]

0Zwischen = 0Jetzt = 0Ort KrK.6.3.234a34.a

Die Behauptung, im Jetzt könne nichts ruhen, ist wahr. Die Begründung ist falsch und raffiniert zugleich. Sie ist raffiniert, weil Aristoteles' Weltbild einerseits die Erde und alles auf ihr Ruhende als absolut unbewegt bezeichnen müsste, seine ganze Physik dagegen aber rebelliert. Bewegung ist wie Ruhe ein stetig Ausgedehntes, Stoff, nicht Form. Bewegung ist stetig durch den Weg, durch die eigene Bewegung, Ruhe ist stetig durch die Zeit, durch die Bewegung oder die Grösse eines Anderen. Aber sowohl Bewegung als auch Ruhe haben einen diskreten Anfang und ein Ende und unendlich viele Ruhe- oder Bewegungs-Teile zwischen Anfang und Ende, an denen entweder die Bewegung oder Ruhe weitergeht oder eine andere Bewegung oder Ruhe eintritt.

Die wirkliche Nichtbewegung des Bewegbaren ist in der Zeit unmöglich, weil die Erzeugung von Bewegung nicht möglich ist. Im ewig unbewegten Ort, dem Jetzt, ist aber alles unbewegt, das Ruhende wie das Bewegte.

Alle Ruhe des Bewegbaren ist nur relative Ruhe in Bezug auf unseren aufgeklappten Zollstock. Absolute Nichtbewegung des Bewegbaren ist unmöglich, weil die Materie immer bewegt ist.

Die relative Ruhe (das 'relativ' bitte stets zur Ruhe dazudenken) ist ein Extrem der gleichförmigen Bewegung, der wir die Unwahrheit sofort an der Nasenspitze ansehen. Sie ist nämlich die Bewegung mit der konstanten Geschwindigkeit 0 Zwischen pro Jetzt, also dem Superlativ des einen Orts pro Jetzt (Komparativ wäre ein halber Ort)! Wie bei jeder anderen gleichförmigen Bewegung ist die Geschwindigkeit in jedem Jetzt und in jeder Zeit dieselbe. Das Besondere an der Ruhe ist, dass der unbewegte Gegenstand weder in einem Jetzt, noch in einer Zeit von der Stelle kommt, dass er aber im Gegensatz zum Jetzt und zum Ort von der Stelle kommen kann.

Null Zwischen! KrK.6.3.234a34.b

0 Zwischen gibt es nur arithmetisch, weil 1 Zwischen die Urnull ist. Wenn 1 Zwischen die kleinste 'Grösse' ist und das Jetzt der Ort und der Ort das Zwischen ist - wie soll es da eine Geschwindigkeit von 0 Zwischen pro Jetzt geben können? Wir haben hier entweder einen Fingerzeig der Natur, dass allein das Leere diese 'Geschwindigkeit' hat, der Stoff, bei dem weder von Bewegung, noch von Nichtbewegung gesprochen werden kann. Dennoch wir werden die 0 Zwischen nicht mit »gibt es nicht« abtun können. Es kann nämlich genauso ein Fingerzeig unseres Geistes sein, dass wir anfangen, uns in unseren Lügen zu verstricken. Sagen wir vorläufig: 1 Zwischen ist die 0.1

Nehmen wir mit Aristoteles ganz geozentrisch an, dass es die absolute Nichtbewegung eines Bewegbaren 0 Zwischen pro 1 Jetzt gibt.

Dann kommt sofort wieder die hochnotpeinliche Frage.

Jetzt und Bewegungsbeginn KrK.6.3.234a34.c

Was ist in dem einen Jetzt, in dem der Gegenstand sich aus der Ruhe heraus zu bewegen beginnt ?

Oder wo er umgekehrt aus der Bewegung heraus zur Ruhe kommt? Wo es zwei stetig aneinandergrenzende Zeiten gibt und die stetig aneinandergrenzende Ruhe und Bewegung dieses einen Gegenstandes?

Ruhe und Bewegung zugleich Kr.6.3.234a34-b5

»Ferner, 35 woferne das Jetzt in den beiden Zeiten Ein und dasselbe ist, 234b es aber möglich ist, dass in der einen ganzen (holon) Zeit Bewegung und in der anderen ganzen Zeit Ruhe stattfinde, dasjenige aber, was in einer ganzen Zeit bewegt wird, auch in jedwedem Theile derselben ... bewegt werden wird, und in gleicher Weise das Ruhende ruhen wird, so würde sich ergeben, dass Ein und dasselbe Ding zugleich ruhe und bewegt werde, denn das 5 äusserste Ende der beiden Zeiten ist eben Ein und dasselbe, nämlich das Jetzt.« [P295]

<Widerspruch KrK.6.3.234b5.a > Was nun?

Eine neue Situation. Jetzt haben wir zum ersten Mal konkret vor uns, was wir im fünften Buch angedacht haben, den Widerspruch (<Widerspruch Kr.5.1.224b26-32> Widerspruch und Gegensatz). Dort, wo wir die Folgen noch nicht so recht abschätzen konnten, haben wir unbekümmert gesagt, dass jeder Punkt jeder Bewegung als Widerspruch aufgefasst werden kann. Wenn wir jetzt aber konkret werden, dann sehen wir, dass wir nicht eine Bewegung in einem Jetzt betrachten, sondern zwei Bewegungen in einem Jetzt

Nach zwei Zeiteinheiten Ruhe im Ort s 2 fängt die Bewegung im Jetzt t 2 an.

Wir müssen die Ruhe und Bewegung eines einzigen Gegenstandes in einem einzigen Jetzt zum Bewegungsbeginn oder zum Ruheende behaupten! Wenn wir darauf beharren, dass Weg, Zeit, Bewegung und Ruhe stetig sind und das Ende der Ruhe lückenlos in den Anfang der Bewegung übergeht, dann tritt offenbar ein, wogegen wir uns bisher mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln - einschliesslich der Lüge - gewehrt haben, der Widerspruch!

Und wieder schnappt die Falle zu! Der Widerspruch, da ist er wieder und grinst uns hämisch an. Bewegung und Nichtbewegung in einem einzigen Jetzt. Gleichzeitiges Sein und Nichtsein der Bewegung ein und desselben Gegenstandes müssen als wahr behauptet werden.

Was nun?

Unsere Schwindeleien im Dienste der Wahrheit helfen uns nicht weiter, denn hier müssen wir als Wahrheit behaupten, was wir bisher unter den Mantel der erlaubten Unwahrheit gesteckt haben. Ein und derselbe Gegenstand in ein und demselben Jetzt bewegt und nicht bewegt. Wäre aber der Widerspruch wahr, dann gäbe es nicht nur keine Wissenschaft mehr, sondern keinen einzigen Gedanken.

Zwar besteht nach allem, was wir wissen, kein Grund zur Panik. Denn wir wissen, dass es den Widerspruch in der Natur nicht gibt. Und wenn wir tausend Zwischen in einem Bewegungspunkt unterbringen, dann sollten uns zwei Zwischen doch nicht allzu grosse Kopfschmerzen bereiten? Wir wissen, dass hinter dem Widerspruch in der Regel ein Sophist steckt und dass der Sophist nicht die Wahrheit sagt. Wir müssen aber erst einmal herausfinden, welchen Trick er sich diesmal hat einfallen lassen, um uns zu täuschen. Am Ende sind wir (ich) selbst der Sophist, weil wir ja auch seit einiger Zeit lügen?

Machen wir uns entweder an die 'Schadensbegrenzung', verdecken die eine Lüge durch eine zweite, oder finden wir zurück zur Wahrheit? Wir werden den Weg zur Wahrheit wieder finden, aber erst im achten Kapitel. Die Lügen sollten singulär und als solche kenntlich bleiben. Sie sollten nicht einen Rattenschwanz von Verdeckungslügen nach sich ziehen.

Rekapitulieren wir, was wir nicht einer Notlüge opfern dürfen.

<Widerspruch KrK.6.3.234b5.b > Vermeidung des W. durch Unwahrheit

Das Leere ist ewig unbewegt, die Materie ist ewig bewegt. Das sind die zwei Daten der Natur, nach denen wir uns als Physiker zu richten haben und an denen wir nicht rütteln können, weil es nicht in unserer Macht steht. Wollen wir das Diskrete im Stetigen (Ort) oder das 'Stetige im Diskreten' (Bewegungspunkt) betrachten, müssen wir die Unwahrheit sagen. Im ersten Fall machen wir aus dem leeren Stoff eine leere Form. Im zweiten Fall machen wir aus einem bewegten vollen Stoff einen unbewegte volle Form.

Die Bewegungspunkte einer bereits laufenden Bewegung können wir mit der Unwahrheit des 'diskreten Stetigen', der gestapelten Punkte bewältigen, wenn wir deutlich sagen, dass es eine Unwahrheit ist. Würden wir nicht deutlich sagen, dass die Geschwindigkeit 'drei Zwischen pro Jetzt' eine Unwahrheit ist und die Momentangeschwindigkeit als eine Wahrheit behaupten, dann wäre der Widerspruch wahr und damit die Lüge die Wahrheit. Denn bei 3dx haben wir getan, was wir bei der Zeit von uns weisen, die Orte (2021: Zwischen im Ort) gestapelt.

Unser Behelf, dass die Formen von der Logik ausgeschlossen sind, dass 3 × 0 = 0 ist ist in vielen Bereichen in Ordnung. Untersuchen wir aber die Grenze zweier verschiedener Bewegungen, geht es um unser vielleicht einziges Kriterium, wahr von falsch zu unterscheiden, den Widerspruch. Hier müssen wir bei der Wahrheit bleiben. Dort ist diese Notlüge nicht erlaubt, weil der Widerspruch das Jetzt zum Gegenstand hat, den Ort, die Urform aller Formen. Nur dann ist ein Widerspruch ein Widerspruch, wenn er sich 'in' einem einzigen Jetzt abspielt, nicht in eineinhalb Jetzt und nicht in einem halben Jetzt, sondern in einem Jetzt.

Denn wir beharren ja mit Aristoteles darauf, dass es den Widerspruch in der Natur nicht gibt. Eine ausweglose Situation?

<Widerspruch KrK.6.3.234b5.c > Vermeidung des W durch Unwahrheit

Ein Widerspruch ist, wenn zwei Dinge am selben Ort oder wenn ein Ding an zwei Orten zugleich behauptet werden (<Widerspruch KrK.5.1.224b32.f> Erklärung des Widerspruchs). Jetzt müssen wir hinzufügen: wenn das gleichzeitige Sein usw. als wahr behauptet wird. Das ist unmöglich und damit unwahr. Gegen die Forderung, ein Ding dürfe nicht in einem Jetzt an mehreren Orten sein, haben wir bereits mehrfach verstossen und das als eine zulässige Notlüge im Bereich der Bewegungspunkte bezeichnet, damit die Orte und damit die Jetzte der Zeit unangetatstet bleiben. Die Zwischen haben wir in den Ort gepackt, und unser »n Zwischen pro Jetzt« war ausgeschrieben »n Zwischen in 1 Ort pro 1 Jetzt«. Also nicht das Sein, sondern nur ein vorgegaukeltes Sein, mehrer oder geteilter Bewegungspunkte in einem Ort/Jetzt. Hier ist von vornherein klar, dass es unwahr ist. Denn in Wahrheit gibt es weder einen bewegten Ort, noch können sich die Orte stapeln oder teilen. Da wir die Unwahrheit deutlich benennen, haben wir den Widerspruch vermieden. Denn ein Widerspruch wäre es nur, wenn wir die Unwahrheit als Wahrheit behaupteten.

Aber wie sollen wir den Bewegungsbeginn erklären, die Grenze, den ganzen Prozess des Übergangs von der Nichtbewegung zur Bewegung? Hier müssen wir entweder den Widerspruch als wahr behaupten. Oder wir teilen das Jetzt! Im ersten Fall behaupten wir das Unwahre als wahr. Bei der Teilung des Jetzt aber machen wir den Gebrauch des Widerspruchs in der Logik für alle Zukunft unmöglich, weil der Gegenstand des Widerspruchs das Jetzt ist! Wenn wir die Teilung des Jetzt auch nur ein einziges Mal zulassen, können wir die Logik einpacken.

Wir können wie bei den drei Zwischen pro Jetzt sagen, dass die gleichzeitige Ruhe und Bewegung beim Bewegungsbeginn nicht nachweislich ein Widerspruch ist, weil die Form von der Logik ausgeschlossen ist. Letzte Ruheform und erste Bewegungsform, beide Null, also insgesamt Null. Also kein Widerspruch. Das mag vor Gericht eine übliche Praxis sein, aber hier geht es nicht darum, dass wir nicht erwischt werden.

Oder wir könnten sagen, dass es so einen Bewegungsbeginn wie in den Zeichnung überhaupt nicht gibt, weil da die Bewegung von Null auf Eins in null Sekunden beschleunigt, also eine unendlich grosse und damit unmögliche Beschleunigung stattfindet. Die Bewegungskurve müsste in Wahrheit genauso anfangen, wie die Ruhekurve aufhört, nämlich bei Null. Damit hätten wir das Problem aber nur auf die lange Bank geschoben, nicht gelöst. Selbst wenn wir die Anfangsbewegung unendlich klein machen, so ist sie eine von Null verschiedene Grösse und nicht keine Grösse. Also lügen wir uns nichts in die Tasche und lassen die Zeichnung, wie sie ist!

Als allerletzte Möglichkeit bliebe noch: Wir leugnen das Jetzt. Denn wenn die Zeit nur eingebildet ist, dann das Jetzt. Wo kein Jetzt, da kein Widerspruch. Und keine Wissenschaft und kein Denken. Also vergessen wir das ganz schnell!

Gern würde ich an Ihren Glauben appellieren, glaubte ich mir selbst!

Buch 6 Kapitel 3 ist die Falle, die seit über 20 Jahren immer wieder zuschnappt. Aristoteles' Beweisgang ist unerbittlich. Beharren wir auf der Proportionalität bis hinab ins Jetzt, dann müssen wir beim Bewegungsbeginn entweder das Jetzt teilen und haben unseren Massstab für die Logik verloren. Oder wir müssen das Unwahre als Wahrheit bezeichnen, das Sein des Widerspruchs.

Ausnahmsweise ein Wort zum Autor. Ich bin jetzt 53 Jahre alt (2005) und habe in den letzten 20 Jahren bestimmt 20 Mal meine Meinung über den Punkt geändert, ob der Bewegungsbeginn oder der Bewegungsabschluss oder allgemein die Änderung einer Bewegung ein Widerspruch ist oder nicht.

Angefangen habe ich mit einem verhegelten Kopf, der begeistert Aristoteles' Bewegung 'gemäss Widerspruch' als Beleg des Widerspruchs in der Natur gefeiert hat, wie ich es Ihnen im fünften Buch vorgeführt habe, musste mich dann aber nach und nach durch Aristoteles' Logik belehren lassen, dass es den Widerspruch in der Natur nicht gibt. Hier irren also auch meine beiden zweiten Lehrer, Marx und Engels in einer logischen Frage, worauf logisch zu antworten ist. Aus dem Nichtsein des Widerspruchs folgt nicht, dass der Sozialismus nichts taugt, wie der geniale sozialistische Denker Bernstein in seinen Voraussetzungen des Sozialismus' schlussfolgert. Jedesmal, wenn ich zu Buch 6 Kapitel 3 komme, bin ich erneut völlig ratlos und möchte wie Sophie losheulen, als sie sich als Bischof Berkeley's Hirngespinst wiederfindet.

Es lässt sich zwar vieles dahersagen, von Möglichkeit und Wirklichkeit und von gleichzeitigen Zwischen usw. Aber ob das die Wahrheit und damit die Liquidierung der Logik, eine zulässige Unwahrheit oder Unsinn ist oder nicht, ist nicht mehr entscheidbar, wenn das Jetzt an der Grenze zweier Bewegungen geteilt oder vervielfältigt wird. Dass wir die Bewegung blau gemacht haben, das Variable variabel, das Ausgedehnte zum Stoff und dass wir dessen Formen an ihn angepasst haben, ist völlig in Ordnung, weil es wahr ist. Wenn wir nun aber hergehen würden und im Jetzt herumfuhrwerken, ich wage nicht weiterzudenken!

Aber könnte man nicht sagen, dass der Bewegungsbeginn das Hineindenken eines Unmöglichen in das Wirkliche ist? Könnte man, aber was wäre damit gewonnen? Zum einen sagt der Satz von vornherein, dass das Gedachte absurd ist, zum andern beginnt ja die Bewegung und beginnt nicht nicht! Ausserdem haben wir ja bereits die ganze Zeit bei unseren gestapelten Bewegungszwischen das Unmögliche in das Wirkliche hineingedacht, um das Jetzt vor dieser Pein zu bewahren. Zudem wäre der Satz, das Unmögliche in das Wirkliche hineinzudenken, nur Prosa wie Hegels gegenseitige Durchdringung der Gegensätze, eine Koketterie mit der Unwahrheit und nicht eine von der Natur (unseres schwachen Verstandes) diktierte Notlüge. Und er wirkte nur unfreiwillig komisch, wo doch jeder Atemzug zeigt, dass das »Unmögliche« das Einfachste von der Welt ist.

Nein, wir müssen die Folgen unseres Hineindenkens der bewegten Form in den Stoff ausbaden und haben dabei dasselbe Ziel wie Aristoteles: Der Widerspruch in der Natur muss vermieden werden.

Versuchen wir es einmal arithmetisch.

Drei Bewegungen haben wir vorliegen. Die Bewegung > 0, die Bewegung = 0 und die abstrakte Bewegung y = x, an der die beiden konkreten Bewegungen Mass nehmen. Betrachten wir den Übergang von der Ruhe zur Bewegung allein von der Bewegung = 0 und der Bewegung > 0 aus, so ist er

Der Weg der Bewegung Ruhe ist in jedem Jetzt »Null« Zwischen und in jeder Zeit Null Meter, weil die Bewegung Ruhe die Geschwindigkeit Null hat. Die Ruhe ohne die Zeit, nur als Weg, ist also Form Null Meter, die Bewegung > 0 ist Stoff, x Meter. Der Übergang von der Ruhe zur Bewegung ist:

0 Zwischen + 1 Zwischen = 1 Zwischen, wenn die Anfangsgeschwindigkeit beispielsweise die Zeitgeschwindigkeit 1 Zwischen pro 1 Jetzt ist. Oder der Übergang ist

0 Zwischen + 0,1 Zwischen = 0,1 Zwischen

0 Zwischen + 1,5 Zwischen = 1,5 Zwischen

0 Zwischen + 10 -6 Zwischen = 10 -6 Zwischen usw.

Eine erlaubte Unwahrheit plus eine unmögliche Unwahrheit ist eine Unwahrheit und kein Widerspruch.

Die Beschleunigung von Null Zwischen pro Jetzt auf 10 -6 Zwischen pro Jetzt vernachlässigen wir, weil sie in einem Jetzt stattfindet.2

Dass die Materie ewig bewegt und die Ruhe stets nur relativ ist, ändert daran nichts. Ist etwa die absolute Bewegung gegen den Rand des Universums 20.000 Zwischen pro 1 Jetzt, so ist die relative Ruhe gegen einen gleichschnell mitbewegten Gegenstand, unseren aufgeklappten Zollstock, (20.000 Zwischen - 20.000 Zwischen) pro 1 Jetzt = 0 Zwischen pro 1 Jetzt. Und der Bewegungsbeginn entsprechend (20.000 Zwischen - 20.000 Zwischen + 1 Zwischen) pro 1 Jetzt = 1 Zwischen pro 1 Jetzt. Der Bewegungsbeginn ist

Ein Widerspruch? Formallogisch auf den ersten Blick nicht, weil die Form zwar der Indiaktor des Widerspruchs ist, aber selbst aber selbst vom logischen Formalismus ausgeschlossen ist. Zweimal Null ist Null. Ein Widerspruch in der Natur? Ich weiss es nicht. Wir könnten uns das jetzt zwar mit der in das Wirkliche hineingedachten Form schönreden. Aber wir haben uns wieder davor gedrückt, dass das Jetzt geteilt wird, wenn der Übergang von der Ruhe zur Bewegung in einem Jetzt stattfinden soll.

Ich habe das Hin und Her in meinem Kopf an diesem einen Beispiel dokumentiert, weil das Beispiel so wichtig ist. Die Lösung ist einfach.

Die Lösung ist die Wahrheit. KrK.6.3.234b5.d

Wir sagen die Wahrheit und nicht die Unwahrheit. So schnell gewöhnt man sich an die Unwahrheit, dass man vergisst, dass die einfachste Lösung immer die Wahrheit ist. Die Wahrheit ist, dass das Zwischen zwischen zwei sich Berührenden ein einziges Zwischen ist, das zwei Stetige trennt und weder zum einen noch zum andern Stetigen gehört. Die Unwahrheit ist, dass in einem Zwischen zwei oder drei Zwischen sind oder dass das Unteilbare teilbar ist. Die beiden Stoffe (hier Synonym für: Stetiges) Ruhe und Bewegung berühren sich in einer Form, dem Jetzt, das weder zur Ruhe, noch zur Bewegung gehört, so wenig, wie das Jetzt ein Teil der Zeit ist (Jetzt ist kein Teil Kr.4.10.218a6-8).

Sagen wir aber die Wahrheit, dann müssen wir auf unsere eigentliche Frage verzichten, wie denn nun der Übergang von der Ruhe zur Bewegung 'im Jetzt' vonstatten gehe! Das Jetzt gehört zu keiner der beiden Bewegungen. Das ist der Preis. Wir sitzen wie der Esel zwischen den Futtertrögen und lassen im ewig unbewegten Jetzt die Zeit der Ruhe und die Bewegung der Bewegung an uns vorüberziehen. Aber unsere Rückbesinnung auf die Wahrheit bietet auch die Chance, mit neuen Gedanken neu zu beginnen.

Da ist die Bewegung Ruhe und die Bewegung Bewegung . In der Bewegung Ruhe sind die stetig ausgedehnten Ruhepunkte. Einer wird nach dem anderen zurückgelegt. Ihre Ausdehnung muss von einer ausgedehnten Zeit genommen werden. Denn da die roten Jetzte unbewegt sind, muss es sich um dicke blaue Zeitpunkte handeln.3 Da ist der letzte Ruhepunkt. Auf ihn folgt der erste Bewegungspunkt. Das ist der Bewegungspunkt eines wirklich Bewegten, also ebenfalls ein dicker blauer Punkt. Es gibt keinen Widerspruch, nur eine neue Punktart, stetig ausgedehnte Punkte (blauer Punkt KrK.6.8.239a10.c). Unser Widerspruch bestand darin, dass wir ein rotes unbewegtes Jetzt genommen haben und ihm zwei dicke blaue Punkte der Bewegung Ruhe und der Bewegung Bewegung zugeordnet haben, also Zwei verschiedene Dicke als identisch mir einem grössenlosen Dünnen behauptet haben.

Wir basteln also erst den Widerspruch. Dann verschweigen und leugnen wir ihn. Denn wir können ihn nicht beim Namen nennen, wie es bei der laufenden Bewegung tun, wo wir 1 Million = 1 sagen. Und dann wundern wir uns, dass das ein Widerspruch ist. Wenn Ruhe und Bewegung tatsächlich nur ausgedehnte Stetige sind, dann haben im letzten Ruhepunkt wie im ersten Bewegungspunkt unendlich und mehr Jetzte Platz! Genau das aber verlangen wir ja von einem Stetigen. Wir hätten ein begrenzendes letztes und zugleich erstes Jetzt ohne Widerspruch. Mit diesem Bild wären wir den Widerspruch los, denn bei dieser Darstellung gehört das eine Jetzt zwischen Ruhe und Bewegung weder zur Ruhe, noch zur Bewegung. Ist dies schon der Beleg, dass der Bewegungsbeginn kein Widerspruch ist? Oder quetschen wir hier genau wie Aristoteles im fünften Buch die diskrete Ruhegrenze und die diskrete Bewegungsgrenze breit? Darauf können wir noch keine Antwort geben. Ob es wirklich so ist, wissen wir noch nicht. Die ganze Zeit vorher haben wir ja im Gegenteil von den Jetzten der Bewegung gehandelt, vom äussersten rechten Rand des dicken Ruhepunkts und vom äussersten linken Rand des dicken Bewegungspunkts! Es sieht auch ein wenig nach Klümpchen-Physik aus, die wir ja bis jetzt stets zurückgewiesen haben. Wenn aber an dieser Darstellung tatsächlich etwas Wahres ist, dann werden wir mit den Grenzen der Bewegungen anders als bisher umgehen müssen. Denn dann grenzen bei zwei Bewegungen stets zwei Stoffe aneinander. So ist beispielsweise bei der Aufstellung der Sätze der Grössenlogik deutlich zu sehen, dass wir überhaupt keine Formen brauchen. Die Grösse hört einfach auf und wird vom Reste der Welt begrenzt. Also löst sich die Grenze, die Form in Luft auf? Darauf lassen wir uns nicht ein, komme, was da wolle. Denn dann müssten wir, um beim Beispiel zu bleiben, alle Grössen in den logischen Schlüssen farbig ausmalen und auf die Kreise verzichten. Das wäre verrückt.

Auch Aristoteles, der gerade eben erst den Widerspruch aus den Klauen der Sophisten entrissen und die Logik zur Wissenschaft erhoben hat, wird nun auf der einen Seite kopflos. Er wird Punkt für Punkt den Punkt leugnen und damit zu genau denselben Absurditäten kommen, die er gerade noch brilliant geschildert hat. Und zwar wird er genau wie wir mit unseren Zwischen, die stets ein Diskretes und nie ein Stetiges sind, mit der Bewegung argumentieren, die stets ein Stetiges und nie ein Diskretes ist, wird also wie eben im Bild oder im fünften Buch das Diskrete ein wenig auseinanderrücken, damit es keinen Widerspruch erzeugt.

<Widerspruch63.10> 1 Jetzt - keine Ruhe Kr.6.3.234b7-9

» 234b7 in dem Jetzt aber gibt es ... kein Ruhen. Also muss nothwendig das Bewegtwerdende in einer Zeit bewegt werden, als auch das Ruhende in einer Zeit ruhen.« [P295]

Hilfe! KrK.6.3.234b9.a

Weder Ruhe, noch Bewegung sind in einem Jetzt möglich. Also ist in einem Jetzt überhaupt nichts möglich, was mit der Materie zu tun hat. Denn die Materie ist immer bewegt. Die relative Ruhe eines Bewegbaren gibt es auch nur bei der Materie, aber nur dann, wenn Zeit vergeht. Im Jetzt vergeht aber keine Zeit.

<Widerspruch KrK.6.3.234b9.b > 2 Bewegungen = 1 Bewegung!

Die Ruhe hört im Punkt 'Jetzt' auf, Bewegung fängt im Punkt 'Jetzt' an. Der Punkt zwischen Ruhe und Bewegung ist 'Jetzt'. Alle drei 'Jetzt' sind ein und dasselbe Jetzt. Wie bei der Berührung zweier Stoffe, so gehört das Zwischen der Berührung zweier Bewegungen weder zur einen, noch zur anderen Bewegung. Also kein Widerspruch in der Natur! Das ist die Wahrheit.

Betrachten wir die Grenze, so sehen wir auch eine Grenze, einen ewig unbewegten Ort. Betrachten wir dagegen einen Bewegungspunkt einer bereits stattfindenden Bewegung, so sind wir nur gezwungen, ihn mit einer Grenze in Eins zu setzen, weil der Ort uns das vorschreibt. Wollen wir dagegen den bewegten Punkt als etwas wirklich Bewegtes sehen, dann müssen wir aus der Form einen Stoff machen.

Was aber, wenn uns nicht die ewig unbewegte Grenze zwischen Ruhe und Bewegung oder die Grenze zwischen der langsamen und der schnellen Bewegung interessiert, nicht der unbewegte, sondern der bewegte Teil dieses Vorgangs? Sollen wir den nun nicht mehr betrachten, damit unser rotes Widerspruchsvermeidungsinstrumentarium nicht fleckig oder blau wird? Wir tun, was wir bisher auch getan haben. Wir packen endlich oder unendlich viele Zwischen aus zwei dicken blauen Punkten in zwei dünne rote Punkte und setzen noch einen dritten dünnen roten Punkt dazwischen. Das rechte Ende der Bewegung A sind 10 Zwischen. Der linke Anfang der Bewegung B sind 24,3 Zwischen. Wir haben einen letzten A - Bewegungspunkt und einen ersten B - Bewegungspunkt. Das mittlere Bewegungsänderungsjetzt ist die Differenz 14,3 Zwischen, die in diesem Jetzt zu den 10 Zwischen addiert werden, und so haben wir den Übergang von der Bewegung A in die Bewegung B in einem einzigen Jetzt. Also doch zwei Bewegungen zugleich!? Ja. Und damit der Widerspruch! Nein, eine Unwahrheit, denn

1 Zwischen =1 Zwischen=1Zwischen

ist die Wahrheit

10Zwischen+14,3Zwischen=24,3Zwischen=1Zwischen

ist die Unwahrheit. Die Unwahrheit im Dienste der Wahrheit. Aber das hört sich nach den Sprüchen an, die Armen sollen die Reichen mästen, damit es den Armen besser geht. Es ist im Grunde das gleiche Spiel. Die 'Gesetze des Marktes' oder welche Phrase auch immer werden ins unerkennbare Himmelreich entrückt, damit die Deuter dem Unwissenden erklären können, warum er hungern oder sich abschlachten lassen soll. Würde der Gläubige ein wenig Ökonomie studieren, dann liesse er die Priester des Kapitals schwatzen und begänne mit einer vernünftigen Ökonomie. Ebenso hier. Wir dürfen das vermeintlich Unerkennbare im Bereich des unendlich Kleinen nicht aus den Fingern lassen, so oft es uns auch mit seinen Mätzchen narrt. Wir vertrauen fest darauf, dass der Teil der Unwahrheit immer kleiner werden wird. Das funktioniert aber nur, wenn wir die Grenzpunkte wieder und wieder in Frage stellen und neu untersuchen.

Wo soll das hinführen?

Auf die Gefahr hin, dass wir bald nicht mehr wissen, wo die Wahrheit aufhört und anfängt: Obwohl es wohl so sein wird, dass das Stetige nur stetig und nicht diskret ist, beharren wir darauf, dass der Übergang von einem Stetigen in ein anderes Stetiges, der Nichtbewegung zur Bewegung in 1 Jetzt stattfindet. Die Unwahrheit neigt sich zur Lüge. Denn nun behaupten wir sogar, ein Widerspruch sei kein Widerspruch, zwei Bewegungen seien eine Bewegung. Wie wollen wir da noch die Grenze zur Sophistik ziehen? Mit keinem anderen Mittel als dem bisherigen: Indem wir die Unwahrheiten aus dem Bereich der Formen an den Stoffen messen, die ganze Ruhe und die ganze Bewegung einschliesslich ihren Anfängen und Enden. Wenn wir uns die Unwahrheit 2 Bewegungspunkte = 1 Bewegungspunkt zumuten, dann müssen wir nicht herumstottern, sondern sehen sofort, dass das ein erzwungener Widerspruch ist, der nicht in der Natur, sondern nur in unseren Köpfen ist, die für eine adäquate Wiedergabe einer Bewegung oder gar zweier Bewegungen in einem Jetzt nicht geschaffen sind. Genau hier steckt jedoch eine von Hegel, Marx und Engels angedachte Quelle neuer Erkenntnisse und praktischer Nutzanwendungen, von denen wir uns in unserer erzwungenen Geistesstarre noch kein rechtes Bild machen können.

Dialektik und Widerspruch KrK.6.3.234b9.c

Von dem Nutzen des Widerspruchs können wir erst dann Gebrauch machen, wenn wir ihn weder schamhaft unter den Teppich kehren, noch damit als wandelnder Widerspruch hausieren gehen und alles mit allem und in allem wabern und fluten lassen, sondern ihn da benennen und fixieren, wo er ist, oder richtig, wo wir gezwungen sind, ihn zu behaupten. Wer an dieser Arbeit gewinnbringend mitwirken will, muss die Logik studieren. Nicht um syllogistische disputationes zu führen, sondern als Orientierungs- und Entscheidungshilfe, um das Wahre vom Falschen unterscheiden zu können. Die häufigste Übung in der Wissenschaft ist der Neuanfang. Der verlangt Entscheidungen. Der ist am besten mit der Logik zu bewerkstelligen, mit der Gewissheit, auf die Fragen, 'Was kann richtig sein?', 'Was muss falsch sein?', im richtigen Moment die richtigen Antworten zu wissen.

In dieser Arbeit bleiben wir der Logik treu und tun alles oder fast alles, um den Widerspruch zu vermeiden. An die Dialektik werden wir uns erst wagen, wenn es um die Bewegung des Ganzen geht.


1. Die Null hat als ein Zwischen wie die Eins wie jede andere Zahl auf der Zahlen-Geraden die gleiche Größe, keine. Zwar bringen wir es in unserer Selbstverliebtheit fertig, die ganze Welt zu leugnen, wenn sie nicht zu unseren Vorurteilen paßt, aber hier, wo wir nachweislich mit einem Produkt unseres Geistes zu tun haben, müssen wir natürlich an seiner Existenz festhalten und ganz energisch bestreiten, daß die Null die Eins ist.

2. Oder können sie nicht vernachlässigen? Denn wenn die Proportionalität vom Stoff (10 -6 Meter pro Sekunde) in Richtung Form (10 -6 Zwischen pro Jetzt) gelten soll, muss sie dann nicht auch umgekehrt gelten? Gälte die Proportionalität aber wirklich in gleicher Weise, dann wäre die Beschleunigung unendlich gross, wie das Bild zeigt, weil die Geschwindigkeit von 10 -6 Metern pro Sekunde in einem Jetzt erreicht werden müsste! Nein, nicht nur der Meter, auch die Sekunde muss geteilt werden. Das Bild ist falsch. Die Bewegung fängt bei Null an und beschleunigt erst. Ebenso die Verzögerung von 10 Meter pro Sekunde auf Null Meter pro Sekunde. Aber so weit sind wir noch nicht. Wir sind immer noch bei der gleichförmigen Bewegung und noch nicht bei der Bewegungsänderung. Aber auch wenn wir sie hier vernachlässigen, um nicht durchzudrehen, Aristoteles wird uns daran erinnern (Kap. 8).

3. Hier wollen wir für den Zweck darüber hinwegsehen, dass die Zeit auch als 1d-Form ein rotes Ausgedehntes ist und wollen sie als die Bewegung y=x betrachten. Wir sagen also hier mit Aristoteles, die Zeit ist stetig ausgedehnt.