Kr.5.5.229a-229b Entgegengesetzte Bewegungen - KrSc

Kr.5.5.229a7-17

»Ferner aber ist festzustellen, welche Bewegung einer Bewegung entgegengesetzt sei, und dann auch in Betreff des Ruhigbleibens in gleicher Weise. Zuerst aber ist zu zerlegen, ob entgegengesetzte [enantion] Bewegungen seien die aus dem Nämlichen und die in das Nämliche, wie z. B. die aus der 10 Gesundheit und die in die Gesundheit (1), welcher Art auch das Entstehen und Vergehen zu sein scheint [Werden und Vergehen scheinen Bewegung] , - oder ob die beiden aus den Gegensätzen (2), wie z. B. die aus der Gesundheit und die aus der Krankheit, - oder ob die beiden in die Gegensätze (3), - wie z. B. die in die Gesundheit und die in die Krankheit, - oder ob die aus dem Gegensatze und in den Gegensatz (4), - wie z. B. die aus der Gesundheit und die in die Krankheit, - oder ob die aus dem einem Gegensatze in den andern und die aus dem andern in den einen Gegensatz (5), wie z. B. die aus der Gesundheit in die Krankheit und 15 die aus der Krankheit in die Gesundheit; nothwendig nämlich muss es entweder Eine oder mehrere von diesen Wendungen sein, denn in anderer Weise kann man nicht gegenüberstellen.« [P263]

KrK.5.5.229a17

(1) Werden und Vergehen, was Bewegung zu sein »scheint«, vorausgesetzt links kommt nach G das K und rechts vor G ebenfalls das K, denn die Bewegung von der Gesundheit in die Gesundheit wird Ar nicht meinen. Also (1) = (5). Wozu der Aufwand? Dass das Werden und Vergehen in jedem Punkt jeder Bewegung ist, wissen wir schon.

Welche Bewegung ist welcher Bewegung entgegengesetzt? Warum soll man das untersuchen? Ist doch die Untersuchung, wie eine Bewegung zwischen Anfang und Ende, ja wie sie überhaupt abläuft, noch nicht erfolgt?

Aristoteles flieht nicht nur wieder in die qualitative Bewegung, wo es doch um die Untersuchung der (Grenze der) Quantität geht, sondern er nimmt der Bewegung zwischen Gesundheit und Krankheit zusätzlich noch den einen Gegensatz weg und sagt nun, das ist ja keine Bewegung, 'sondern' Veränderung, weil auf der einen Seite ein Nicht-Etwas steht! Also nicht von der Gesundheit in die Krankheit, sondern nur in die Krankheit, keiner weiss woher, das eine Bewegung, das andre Veränderung.

Er will mit allen Mitteln die vermeintliche Gleichzeitigkeit Zweier und damit den Widerspruch verhindern. Er will den Gegensatz, der sich bei jeder Bewegung in jedem Moment der Bewegung als vermeintlicher Widerspruch aufdrängt irgendwie zum Verschwinden bringen, ohne seine Definition des Werdens als Bewegung zwischen widersprechenden Gliedern, völlig aufgeben zu müssen. Das gerät jedoch hier zur Farce.

Mit der Frage, welche zwei qualitativen Bewegungen einander entgegengesetzt sind, bei denen wir wie hier die Orte nur als Grade der Gesundheit und Krankheit und den bewegten Gegenstand im Raum Gesundheit als Punkt auf der Fieberkurve schrumpfen müssen, vermeidet Aristoteles weder den Widerspruch, noch fügt er unseren Erkenntnissen etwas hinzu.

Das Kapitel wird daher ausgelassen.