Kr.4.8.214b-216b Nachweis des Leeren durch Aristoteles - KrSc

volle Erde als Zentrum der Welt kommt ohne das Leere aus Kr.4.8.214b12-16

»Aber gehen wir nochmals an den Nachweis, dass es ein Leeres in diesem (von mancher Seite vertretenen) Sinne einer selbständigen Realität nicht existiert! - Wenn jeder der Grundkörper seine natürliche Bewegung besitzt, das Feuer z. B. die natürliche 15 Aufwärtsbewegung, die Erde die natürliche Bewegung nach unten und zum Weltzentrum hin, dann ist es zweifelsfrei nicht das Leere, welches als Grund dieser Bewegung angesprochen werden könnte. Wofür also soll das Leere dann der Grund sein?« [W99f]

»natürlicher Ort« KrK.4.8.214b16

Eine der wenigen Stellen, wo Aristoteles zur unbewegten Erde in der Mitte Zuflucht nimmt. Das 'Oben' und das 'Unten' ist heute kein Streitthema mehr (»natürlicher Ort« KrK.4.1.208b13). Auch hier lag Platon näher an der Wahrheit:

»Der Begriff des Schweren und Leichten dürfte wohl am deutlichsten hervortreten, wenn man ihm in Verbindung mit dem, was man oben und unten nennt, nachforscht. Denn es ist keineswegs richtig, anzunehmen, dass es zwei von Natur entgegengesetzte Räume gebe, welche das Weltganze in zwei Teile scheiden, den einen das Unten, nach welchem alles, was irgendeine körperliche Masse hat, hinabfällt, und den andern das Oben, nach welchem alles durch Zwang getrieben werde«. Timaios, 62c

Der Körper des Leeren ist unbewegt. Und er ist zum andern die Grundlage aller Bewegung, weil es Bewegung ohne immateriellen und unbewegten Anfang nicht gibt.

Orientierung im Leeren Kr.4.8.214b18-19

» 18 Weiterhin: Wenn das Leere so etwas wie ein topos ohne Körper ist, wohin soll sich dann, wenn es ein solches Leeres gibt, ein in dieses Leere geratener Körper bewegen? Doch nicht nach allen Stellen in diesem Leeren!« [W100]

KrK.4.8.214b19

Das kann alles mögliche bedeuten. Deuten wir es als die diffuse Bewegung der Raummaterieteilchen im Leeren.

unbewegter Ort und Bewegung Kr.4.8.214b20-22

»Übrigens gilt dasselbe Argument [Bewegung nach allen Seiten] auch gegen jene Meinung, die den topos, zu dem sich ein Körper bewegt, zu einem selbständigen Gebilde machen möchte (und der man entgegnen muss mit der Frage): Wie soll es denn für den an einem solchen topos befindlichen Körper zur Bewegung oder Ruhe kommen können?« [W100]

bewegtes Volles und unbewegtes Leeres KrK.4.8.214b22

Das Leere ist der Motor der Bewegung1 beider, der Raummaterie und der Materie, direkt und indirekt. Die Bewegungsursache der Raummaterie ist das Leere selbst (durch Gleichzeitigkeit, negativ unendliche Masse und allseitige Berührung), die der andern Materie der Raum und die andere in ihm befindliche Materie (durch zweiseitige Berührung). Zur Ruhe kommt ein Körper im Raum tatsächlich nicht, wenn keine äussere Ursache da ist und nur der Widerstand Null des Raums, die Trägheit, die wir meist mit Widerstandslosigkeit verwechseln. Jedoch dürfen wir bei Ar natürlich nicht die Trägheit hineininterpretieren. Es gibt ja für Ar weder schwere noch träge Masse: Die 'Schwere' ist wie die 'Leichtheit' ein dem einzelnen Körper innewohnendes Prinzip, an seinen 'natürlichen Ort', zu gelangen, und ein einmal in Bewegung gesetzter Körper kommt immer zur Ruhe, sobald er seinen natürlichen Ort erreicht hat bzw. wenn er zum Beispiel beim freien Fall daran gehindert wird, an seinen natürlichen Ort, den Erdmittelpunkt zu gelangen. Was aber Aristoteles' Denkweise vor der Newtons und unserer auszeichnet, ist, dass er den Nullwiderstand und das Nichtwiderstehen unterscheiden wird. Unser Denken ist durch die Null ein wenig korrumpiert. Seit uns die Schöpfung aus dem Nichts ein wenig peinlich geworden ist, ist die Null zu unserem Ersatznichts mutiert.

TeilGanz-Verwirrung ( Kr.4.8.214b23-28 )

(Text scheint korrupt, nicht zitierenswert)

Schützenhilfe Platons Kr.4.8.214b28-a1

»Nun passiert es aber denjenigen, welche die Existenz eines Leeren für eine unerlässlichen Bedingung möglicher Bewegung halten möchten, 30 dass sie sich bei genauerer Betrachtung der Sachlage eher das Gegenteil sagen lassen müssen: auch nicht für ein einziges Ding gibt es eine Möglichkeit der Bewegung, wenn das Leere existiert. Denn wie es diejenigen meinen, welche sagen, die Erde müsse, da sie sich in einem völlig homogenen Medium befinde, im Ruhezustand verharren, so ist auch im Leeren nur Ruhezustand möglich. Denn hier gibt es wirklich keinen Grund, warum sich etwas dorthin statt dahin bewegen sollte. 215a Denn eben als Leeres hat das Leere ja gar keine Unterschiede an ihm.« [W100]

Platons Äther KrK.4.8.215a1

Hier irren Platon, der die Unbeweglichkeit der Erde mit der Homogenität des Äthers begründet2 und Aristoteles, der den Raum mit dem Leeren gleichsetzt. Der Raum ist nicht statisches, sondern dynamisches Medium, nicht allein immateriell, sondern materiell und immateriell. Er ist nicht unterschiedslos, sondern proportional zwischen den in ihm befindlichen Massen mehr oder weniger gespannt oder verdickt und verzögert, wenn er als em-Welle, Elektron usw. auftritt. Es ist sicher unpassend, das Photon oder das Elektron noch zum Raum zu rechnen; positive Teilchen gehören zur dicken trägen Materie. Hier muss vorher irgendwo die Grenze zur 'normalen' Materie gezogen werden, am besten bei der Null, die wie die 37 nach unten und nach oben die Gesundheit von der Krankheit scheidet. Aristoteles irrt, wenn er die Unterschiedslosigkeit des Leeren zur Ursache der Bewegungslosigkeit macht. Nur das Leere selbst ist unbewegt.

»naturwidrige« Bewegung ( Kr.4.8.215a1-14 )

(Ich wollte erst Auszüge daraus schreiben, um As Verwirrung mit dem Leeren zu dokumentieren, tue es doch nicht. Naturgemässe und naturwidrige Bewegung, das Oben, Unten usw. = Strapaze.)

Luft-Stoss ( Kr.4.8.215a14-19 )

(Die stossende Luft beim Werfen, auch nicht rein, Auseinandersetzung lohnt nicht.)

Bewegung der Atome im Leeren ist ewig Kr.4.8.215a19-22

»Und nochmals: Es wäre unerfindlich, wie (in einem Leeren) ein einmal in Bewegung gekommener Körper an irgendeiner Stelle wieder zur Ruhe kommen könnte. Denn welche Stelle sollte in einem Leeren eine solche Auszeichnung vor den übrigen Stellen besitzen können? Es bliebe nur die Alternative: entweder ständige Ruhe oder aber, falls nicht etwa eine überlegene Gegenkraft hemmend ins Spiel treten sollte, unendlich fortgehende Bewegung.« [W101]

Raum als bewegter Mittler KrK.4.8.215a22

Mehr wollen wir gar nicht hören. Die Nichtbewegung hat nur das Leere. Alle Materie ist ewig bewegt, aber der direkte Motor der ewigen Bewegung ist das Leere nur für das Raummaterieteilchen. Die darunterliegenden Bewegungen der Himmelskörper sind durch den Raum und nicht oder nur indirekt durch das Leere vermittelt.

3d-Körper im 2d-»Leeren« Kr.4.8.215a22-24

» 22 Und nochmals: Man arbeitet hier mit dem Anschein, dass die Bewegung eines Körpers eine solche in ein Leeres hinein sei; denn dieses eben gebe (einer Bewegungstendenz) nach. Aber im Leeren gälte diese Sachlage sofort in gleicher Weise nach allen Richtungen, so dass sich ein (im Leeren bewegender) Körper gleichzeitig nach allen Richtungen bewegen müsste.« [W101]

Atome und Wirbel KrK.4.8.215a24

Das klingt wie die diffuse Bewegung der Raummaterie. Ein Teilchen hat natürlich nur eine Richtung. Richtungsänderung wird sich durch Kollision und/oder Verdichtung/Verdünnung ergeben. Das Leere bringt nur an einem einzigen Vollen nur eine einzige Bewegung in nur einer einzigen Richtung zustande. Wenn wir daher im weiteren Verlauf auf Wirbelbewegungen im Mikrokosmos oder im Kosmos stossen werden, so kann es sich dabei nur um 'eingedickten' und verzögerten vormaligen Raum handeln, der jetzt dicke träge Materie ist. Bei der Verdünnung des Raums ist es anders, weil hier der Raum von der Masse Null bis hin zur Masse minus unendlich Raum bleibt, wie uns Aristoteles nun zeigen wird. Das bedeutet aber, dass die Wirbel, etwa in der Ekliptik unseres Sonnensystems oder in unserer Milchstrasse nicht Raumwirbel, sondern Materiewirbel sind, obwohl sie durch den dünnen Raum verursacht werden! Stellen wir uns die Ekliptik einfach wie die in das All ragenden Speichen eines Rades vor, die nur die Materie langsam auf eine gemeinsame Ebene zwingt, die sich lange genug in ihrer Nähe befindet. Dieses Rad ist der Sonnenäquator. Seine Speichen ragen genauso zentral vom Sonnenmittelpunkt ins All wie die unendlich vielen anderen Speichen, die vom Sonnenmittelpunkt in alle Richtungen des Himmels ragen. Bei der Rotation der Sonne verursachen aber die Äquatorspeichen neben der stärkeren zentralen zusätzlich eine schwächere tangentielle Wirkung, der sich die dicke träge Materie auf die Dauer nicht entziehen kann.

Aristoteles beweist das Leere Kr.4.8.215a24-31

»Weiterhin ergibt sich die behauptete (Unmöglichkeit eines Leeren) 25 zweifelsfrei auch aus folgender Sachlage. Wie wir es jederzeit sehen können, gibt es zwei Gründe dafür, warum eine und dieselbe Gewichtsgrösse [baros: Schwere, vgl. Barometer] und ein Körper eine höhere Bewegungsgeschwindigkeit erhalten kann: entweder weil das Medium der Bewegung ein anderes wird, z. B. Wasser-Erde oder Wasser-Luft, oder aber, weil der bewegte Gegenstand selbst (anderen gegenüber) einen Unterschied aufweist, nämlich - bei sonst gleichen Verhältnissen - eine grössere Schwere oder auch eine grössere Leichtheit.

Das Medium der Bewegung ist nun ein Grund (für geringere 30 Geschwindigkeit), weil es Widerstand leistet ... ; ein Medium, das schwer zu durchteilen ist, leistet dabei mehr Widerstand; es ist das Dichtere.« [W101f]

KrK.4.8.215a31.a

Aristoteles' unvollendeter Beweis für eine unendlich schnelle Bewegung, von ihm als schwerstes Geschütz gegen das Leere ins Feld gebracht, wird zu Ende gedacht die Grundlage der Raumtheorie im vorliegenden Buch:3

Dichte des Mediums und Geschwindigkeit Kr.4.8.215a31-b19

»Es möge nun das 215b A durch das Mittel B die Zeit C brauchen, durch das Mittel D aber, das feinere Teilchen hat, die Zeit E, falls die Weglänge in B und D dieselbe ist, nach dem Verhältnis der Zähigkeit des behindernden Körpers. Es mag etwa das B Wasser sein, das D Luft. Je feiner und 5 unkörperlicher die Luft ist als das Wasser, desto schneller wird das A durch das D hindurchfliegen als durch das B. Es soll nun eine Schnelligkeit zur andern dasselbe Verhältnis haben, wie der Abstand von Luft und Wasser in der Zähigkeit. Wenn also die Luft doppelt so fein ist, dann wird es für den Durchgang durch das B die doppelte Zeit brauchen wie für den durch das D, es wird die Zeit C doppelt so gross sein 10 wie die Zeit E. Und immer, je unkörperlicher und weniger hinderlich und leichter zu zerteilen das Mittel ist, umso schneller wird der Körper fliegen. Das Leere nun aber hat gar kein Verhältnis, in dem es von einem Körper übertroffen werden könnte«.»So ist ja 4 um eins grösser als 3, um mehr (als um eins) grösser als 2, um 15 mehr als um 2 grösser als 1, aber es gibt keinerlei Verhältnis, gemäss dem es grösser als Nichts wäre. Es muss sich ja der grössere Wert in den Differenzbetrag und den kleineren Wert zerlegen lassen, und dann wäre ja 4 das Resultat aus dem Differenzbetrag, vermehrt um Nichts. Darum ist ja auch eine Linie nicht auffassbar als etwas, das grösser sei als ein Punkt - es sei denn, man wolle sie aus Punkten bestehen lassen.«4 [G135f,W102]

KrK.4.8.215a31.b

Aristoteles unterliegt hier dem gleichen Irrtum wie wir im ersten Buch, wo wir das Schulbuchleere als die Null in m+0=m vermutet haben (Raum ist irgenwie Null KrK.1.6.189b10.c). Was er schildert, ist nicht der Übergang der Bewegung im Vollen zur Bewegung im Leeren, sondern der Übergang der Bewegung in zwei materiellen Medien mit Widerstand grösser Null in das materielle Medium Raum mit dem Widerstand Null. Der Widerstand Null ist der Normalzustand des Raums (F), was wieder zeigt: Wenn der Widerstand Null eine Eigenschaft des Raums ist, so muss er etwas anderes als 'kein' Widerstand sein. Seine Masse ist unendlich viel grösser als die Masse des Leeren. Also ist auch der Widerstand Null unendlich viel grösser als der Widerstand des Leeren.

In B und D finden verzögerte Bewegungen statt, die lineare Darstellung ist nur für die Bewegung in F, dem Raum richtig, wenn wir weit genug von der Erde und anderen Himmelskörpern weg sind. Dort bewegt sich der Körper nach einem Schubs mit gleichförmiger Geschwindigkeit, solange keine äusseren Kräfte auf ihn wirken. Wollen wir die lineare Darstellung für alle drei Fälle beibehalten, so müssen wir ein Geschwindigkeits-Zeit-Diagramm wählen. Die Gerade ist dann die gleichförmige negative Beschleunigung, also die Verzögerung a in den drei Medien Wasser, Luft, Raum, die immer geringer wird und im Raum = 0 ist5:

Geschwindigkeit im unendlich Dünnen Kr.4.8.215b19-22

»Und ganz genauso könnte 20 auch das Leere niemals in einem Verhältnis zum Vollen stehen, folglich auch die Bewegung in ihm niemals (ein Verhältnis zur Bewegung in einem Vollen haben), vielmehr müsste ein Körper, wenn er im denkbar dünnsten Medium in bestimmter Zeit eine bestimmte Strecke durchläuft, im Leeren eine Geschwindigkeit besitzen, die durch keinerlei Verhältnis (zu jener Geschwindigkeit) mehr ausdrückbar wäre.« [W102]

Volles im Vollen KrK.4.8.215b22.a

Die Geschwindigkeit des Vollen im Vollen kann in keinem Verhältnis zur Geschwindigkeit des Vollen im Leeren stehen, so Ar mit Epikur. Aber die Begründung muss anders lauten, denn wir sind ja noch lange nicht beim Leeren angelangt, sondern waren nur in drei verschieden dichten Vollen.

Der freie Fall im Leeren

Volles im Leeren KrK.4.8.215b22.b

Angenommen, es entstünde ein örtlich getrenntes Leeres, das wir bisher mit Aristoteles für unmöglich erklärt haben. Die Raummaterie würde also vom Leeren getrennt, so dass in einem bestimmten Bereich des Leeren weder Raummaterie, noch andere Materie ist. Dann lastete der Druck des Universums oder der Unterdruck des Leeren, was dasselbe ist, auf diesem getrennten Leeren. Die Verdünnung des Mediums bis hin zum Leeren ist aber nur durch eine unendliche Gewalt zu erreichen. Man denke an Guerickes Magdeburger Versuche, die 'nur' die Masse der Luft nachwiesen, die auf der Kugel lastet - so bekommt man eine Ahnung davon, 'was die Welt im Innersten zusammenhält'.

Überlegen wir, wie der 'freie Fall' im Leeren tatsächlich aussehen müsste! Wollen wir, angefangen vom freien Fall eines materiellen Körpers, also ohne reibendes Medium, oder besser mit der Reibung Null des Raums, die Zeit bestimmen, die er braucht, um im Leeren dieselbe Geschwindigkeit zu erreichen, so müssten die Anfangsbedingungen geändert werden. Je grösser die Masse eines materiellen Gegenstandes ist, so wurde in Buch 1 gefunden, desto grösser die Spannung auf den ihn umgebenden Raum, die negative Masse, desto grösser die Anziehungskraft auf einen zweiten Körper in seiner Nähe. Die Bewegung im Leeren könnte nur durch eine immer grösser werdende negative Masse zwischen den beiden Körpern erklärt werden, die schliesslich m=- , das Leere selbst wird.6 Angenommen, die Erde wäre ihrer Atmosphäre beraubt, so erreichte der Körper beim Fall die Geschwindigkeit gt, Erdbeschleunigung mal Zeit, etwas schneller als mit Luft. Die Geschwindigkeit, mit der die Erde ihm entgegenfällt, kann vernachlässigt werden. Wann hätte er in kürzerer Zeit die gleiche Geschwindigkeit? Wenn die Masse der Erde und damit die Erdbeschleunigung, die proportional zur Masse wächst, grösser wäre. Negative Masse, verdünnter Raum, den die Erde um sich herum erzeugt, wächst, je grösser ihre eigene Masse ist. Eine unendlich grosse Geschwindigkeit, wie sie Aristoteles durchklingen lässt, scheint demnach nur bei einer unendlich schweren Erde möglich zu sein. Das ist aber schwer vorstellbar, ein einzelner unendlich schwerer Gegenstand. Immerhin hätten wir in diesem Modell eine Erklärung der negativ unendlich grossen Masse des Leeren: Sie kommt von aussen und ist betragsgleich mit der der unendlich schweren Erde, wie in Buch 1 gefordert wurde. Aktio wäre gleich Reaktio. Buch 8 wird das Problem erneut angehen.

Die Massenanziehung ist die negative Masse des Raums oder der dünne Raum zwischen den beiden Körpern. Die ist für uns messbar ist in ihrer betragsgleichen positiv schweren Masse, weil wir das 'gespannte Bettlaken' nicht auf die Waage legen können. Eine Wellenausbreitung der Gravitation ist daher undenkbar. Wellen ziehen weder, noch drücken sie, sie schwingen auf und ab.

( Kr.4.8.215b22-a10 )

(Wagner S. 562 zu Recht: »Witz«)

Unverhältnismässigkeit der Bewegung im Leeren Kr.4.8.216a8-11

»Zusammenfassend: Der Grund für das Ergebnis liegt in dem Umstand, dass wir zwar ein Verhältnis zwischen allen Bewegungen vor uns haben 216a10 - denn jede verläuft in der Zeit; die Zeiten aber stehen, solange sie endliche Werte besitzen, zueinander in einem Verhältnis -, dass es ein Verhältnis zwischen einem Leeren und einem Vollen hingegen niemals geben kann.« [W103]

KrK.4.8.216a11

Dem ist nichts hinzuzufügen.

Polemik gegen das Leere Kr.4.8.216a26-b2

»Aber auch an sich selbst scheint die Behauptung vom Leeren in der Tat eine leere Behauptung zu sein.« »Wie ein in Wasser gelegter Würfel soviel Wasser verdrängt, wie seiner eigenen Grösse entspricht, so verdrängt er auch in der Luft (ebensoviel Luft) 30 ... Und das gilt notwendig bei jeglichem Körper, soweit er die Fähigkeit zum Ortswechsel besitzt; er muss, sofern er nicht eine Komprimierung erfährt ... , ausweichen ... Dies nun gerade ist aber in einem Leeren ausgeschlossen 35 - denn es ist kein Körper -, es müsste also genau das gleich grosse 216b Raumstück [diastema=Zwischenraum, Abstand] , das schon zuvor im Leeren vorhanden war, nunmehr sich durch den Würfel hindurchziehen, so wie wenn das Wasser (in das man den Würfel taucht) oder auch die Luft vom hölzernen Würfel nicht verdrängt würde, sondern sich allseitig durch ihn hindurchziehen würde«. [G138,W104]

zwei gleichzeitige Stoffe KrK.4.8.216b2

Der Vergleich zweier Würfel, Wasser und Holz, die sich gegenseitig durchziehen, ist etwas drastisch und aus seinem Interesse zu erklären, das Leere zu leugnen, trifft die Sache aber, wenn es sich in beiden Fällen um materiellen oder in beiden Fällen um leeren Stoff handelt. Das ist, noch einmal, der Grund, warum das Modell des starren Äthers scheitern musste, weil es zwei materielle Körper am selben Ort nach sich zog.7

Aristoteles geht sogar noch einen Schritt weiter und lässt die Grösse als Drittes neben Vollem und Leerem anklingen:

»dritter Stoff« Kr.4.8.216b2-9

»Aber der Würfel wird auch dieselbe Grösse haben, wie das Leere einnimmt ... ich meine die Ausdehnung des hölzernen Würfels. Sie wird daher ... dasselbe Leere einnehmen und im gleichen Raumteil sein, und in dem Teil des Leeren, der ihm gleich ist.« [G138f]

kein Unterschied im Leeren Kr.4.8.216b9-10

»Wo sollte alsdann aber noch ein Unterschied bestehen können zwischen dem 10 Würfelkörper und dem mit diesem völlig gleich grossen Stück Leeren und dem topos?« [W105]

KrK.4.8.216b10

Der beste Kommentar aus berufenem Munde.


1. Diese Formulierung dient hier der Bequemlichkeit. Bewegungsursache ist das gleichzeitige Volle und das Leere. Das Leere allein tut genausowenig, wie das Volle allein etwas tut.

2. »Zuerst also bin ich belehrt worden, dass, wenn sie [die Erde] als runde inmitten des Himmels steht, sie weder Luft brauche, um nicht zu fallen, noch irgendeinen anderen solchen Grund, sondern, um sie zu halten, sei hinreichend die durchgängige Einerleiheit des Himmels und das Gleichgewicht der Erde selbst...die Erde selbst aber liege rein in dem reinen Himmel, an welchem auch die Sterne sind und den die meisten, welche über dergleichen zu reden pflegen, Äther nennen, dessen Bodensatz nun eben dieses ist [Wasser, Nebel, Luft] und immer in den Höhlungen der Erde zusammenfliesst. Wir nun merkten es nicht, dass wir nur in diesen Höhlungen der Erde wohnten, und glaubten, oben auf der Erde zu wohnen, wie wenn ein mitten im Grunde der See Wohnender glaubte, oben an dem Meere zu wohnen, und, weil er durch das Wasser die Sonne und die andern Sterne sähe, das Meer für den Himmel hielte, aus Trägheit aber und Schwachheit niemals bis an den Saum des Meeres gekommen wäre, noch über das Meer aufgetaucht und hervorgekrochen, um diesen Ort zu schauen, wieviel reiner und schöner er ist als der bei ihm...geradeso erginge es auch uns. Denn wir wohnten in irgendeiner Höhlung der Erde und glaubten, oben darauf zu wohnen, und nennen die Luft Himmel, als ob diese der Himmel wäre, durch welchen die Sterne wandeln.« Phaidon 108e-109d

3. Die Zeichnungen stellen Aristoteles' gleichförmige Bewegungen dar, sehen also von der Verzögerung ab und stellen den bewegten Körper im dichteren Mittel nur langsamer dar als im dünneren.

4. Die Null hatten die Griechen noch nicht. Aristoteles sagt nicht-eins: meden, was auch mit Nichts übersetzt werden kann, was aber gedankenlos ist, weil der Widerstand Null ein Etwas ist und es das Nichts nicht gibt. As Überlegungen sind Vorarbeit zur Null, aber die Null als Zahl oder gar als Grösse gab es noch nicht in Griechenland, sondern erst in Babylon, Indien, China. Die Araber haben uns das indische Positionssystem und die indische Null gebracht. Aristoteles sagt, das Leere habe zum Vollen ebensowenig ein Verhältnis wie die Zahl zum Nichts. So überragt die 4 die 3 um 1, weil 1*3+1=4 4 die 2 um 2, weil 1*2+2=4 4 die 1 um 3, weil 1*1+3=4 Das nichts aber steht in keinem Verhältnis zur 4.Wir sagen heute,So überragt die 4 die 0 um 4, weil 1*0+4=4.

5. 2016: Die Luftkurve habe ich falsch gezeichnet. Sie darf nicht mehr geneigt sein als die Wasserkurve, sondern muss weniger geneigt sein als diese und ebenso weniger als die Raumkurve.

6. Man könnte einwenden, negative Masse, Entfernung von der Normalmasse des Raums, das ist nicht die Masse des vergehenden Raums, sondern des werdenden Leeren. Der vergehende Raum wird durch die Verdrängung nicht verdünnt, sondern verdickt (vgl. Descartes Prinzipien Tl. 4, § 23). Massenanziehung ist kein Ziehen, sondern ein Drücken, was da zieht ist nicht der Raum, sondern das Leere. Vergeht der Raum und wird das Leere, so wird die Raummaterie zu normaler Materie verdickt. Das ist eine Möglichkeit zu denken. Die andere ist die: Einmal ist das Vergehen des Raums und das Werden des Leeren, dasselbe. Zum andern ist es zwar richtig, dass Materie einander immer ausweicht, also Verdickung des Raums stattfinden muss. Das geschieht aber bei den grossen Materieverbänden wie Planeten und Sonnen nur in deren Nähe, genau wie beim Proton, das dem Raum das Elektron abringt. Es muss dann aber eine viel schwächere Verdickung sein, weil das Elektron nur einmal entsteht und die Materieverbände aus atomarer Materie nicht mehr die Kraft haben, die Raummaterie zu normaler Materie zu verzögern. Dennoch wurde dem Raum ausserhalb von m etwas weggenommen. Das fehlt ihm jetzt. Er ist verdünnt, je mehr, desto grösser die Masse ist. Der Raum reagiert, indem er versucht, seinen Normalzustand wiederherszustellen, daher das Ziehen. - Die Verdikkung, das Elektron usw. und demzufolge die Verdünnung, führt die bewegte Materie stets mit sich, so dass die Schwere zunächst notwendig materieimmanent zu sein scheint.

7. Ich weiss garnicht, ob das Modell des starren Äthers das vorherrschende war. Das habe ich von Einstein so übernommen, weil er ausschliesslich vom starren Äther spricht. Auch die diversen Versuche, die Windstärke der Ätherstürme zu messen, gehen ja davon aus, dass einem der Sturm um die Nase und nicht durch die Nase ins Hirn bläst. Vielleicht oder wahrscheinlich gab es auch eine Flüssige-Ätherfraktion? Bei Engels lese ich die dort leider nicht belegte Behauptung, dass der »Nachweis eines widerstehenden Mittels im Weltraum« (MEW20, S. 317) gelungen sei. Worauf bezieht sich das? März 2006: Ich lasse die Fussnote so stehen, obwohl ich mittlerweile ein wenig mehr über die verschiedenen Äthermodelle weiss.