Kr.3.1.200b-201b Kapitel 1 bis 3: Bewegung - KrSc

Was ist Bewegung? Kr.3.1.200b12-25

»Da aber die Natur [physis] Princip der Bewegung [kinesis] und Veränderung [metabole] ist, unsere Erörterung aber die Natur betrifft, so darf nicht verborgen bleiben, was die Bewegung sei, denn aus der Unkenntniss dieser 15 würde nothwendig auch die Unkenntniss der Natur folgen.« »Wenn wir den Bewegungsbegriff bestimmt haben, müssen wir versuchen in derselben Weise auch uns mit den damit zusammenhängenden Begriffen zu befassen. Die Bewegung scheint zu den stetigen Dingen zu gehören, hierin wieder wird zum ersten Mal der Begriff des Unendlichen sichtbar. Daher kommt es auch, dass man so häufig sich des Begriffs des Unendlichen bedienen muss, wenn man 20 die Stetigkeit bestimmen will, etwa als das ins unendliche Teilbare«; »und ausserdem kann ohne den Ort [topos] und das Leere [kenon] und ohne die Zeit [chronos] unmöglich eine Bewegung sein«. »Es ist also verständlich, dass wir aus diesem Grunde und auch, weil diese drei1 allen Dingen gemeinsam sind und allgemein allen zukommen, gerade sie für unsere Betrachtung auswählen. Denn erst nach dem Allgemeinen 25 kann man das Einzelne untersuchen.« [P103,G86]

Gemeinsamkeiten aller Bewegungen KrK.3.1.200b12

Im ersten Buch haben wir als Anfänge des Seins und der Bewegung des Ganzen die drei Dinge gefunden, die zusammen das Ganze sind, die Materie, das Leere und der Raum. Im zweiten Buch haben wir gefunden, was die Gemeinsamkeiten aller Bewegungen sind, dass nämlich alle Bewegungen einen Anfang, ein Ende und sich selbst mittendrin haben und dass sich die Bewegungen einteilen in Ortsbewegung, Werden und Vergehen, Wachsen und Schwinden und die qualitative Änderung. Jetzt müssen wir herausfinden, was die Bewegung selbst ist. Ob dem Aristoteles das mit dem Leeren nur so herausgerutscht ist oder nicht, ist uns gleich.

Mögliches und Wirkliches Kr.3.1.200b25-28

»Zuerst also nun, wie gesagt, über die Bewegung: 26 es gibt nämlich etwas bloss der Verwirklichung [entelecheia oder energeia] nach Seiendes, und etwas bloss der Potenz [dynamis] nach Seiendes, und etwas sowohl der Potenz als auch der Verwirklichung nach Seiendes, und zwar alles dies einerseits bei dem bestimmten Etwas, andrerseits bei dem quantitativ Bestimmten, andrerseits bei dem qualitativ Bestimmten, und wieder andrerseits bei den übrigen Kategorien des Seienden«. [P103,105]

KrK.3.1.200b28

Hier nun zum ersten Mal das wohl berühmteste und berüchtigste Begriffspaar Aristoteles', die Möglichkeit - Wirklichkeit. Da wir vom Sein handeln, werden wir die Wirklichkeit zum Einen als gleichbedeutend mit dem Sein und die Möglichkeit als gleichbedeutend mit dem Noch - Nicht - Sein oder, wie es in der Scholastik heisst, mit der Realpotenz behandeln. Das heisst, das Nicht-Sein ist im Sinne von Noch - Nicht - Sein oder dem noch ungegliederten Zugrundeliegenden zu verstehen, da es das Nichtsein nicht gibt.

Bewegt sind nur die materiellen Dinge. Nach den Kategorien des Seienden2 gibt es Bewegung im Wesen, der Quantität, der Qualität und dem Ort, wobei die Quantität ganz sicher die Grösse und nicht die Menge ist.

Bewegung ist nur an Dingen Kr.3.1.200b32-34

»Die Bewegung existirt nicht ausserhalb der faktischen Dinge [pragmata], denn dasjenige, was sich verändert, verändert sich immer entweder an seinem Wesen oder an dem Quantitativen oder an dem Qualitativen oder an dem Raume [topos]. « [P105]

KrK.3.1.200b34.a

Ein Wesen wird oder vergeht, oder aus einem Wesen wird ein andres, etwas wächst oder schwindet, bekommt eine andere Eigenschaft oder wechselt den Ort.

Bewegung ist nicht ohne materiellen Gegenstand. Denn erst einmal muss etwas da sein, was sich von Ort zu Ort bewegt, sein Wesen erhält oder verliert, wächst oder schwindet, eine andre Qualität erhält.

KrK.3.1.200b34.b

'Bewegung' zu definieren, ist schwierig. Denn der allgemeine Begriff der Bewegung ist nur möglich als 'Summe', die Gesamtheit der vielen Einzelbewegungsarten. Aber was hat die elektromagnetische Wellenbewegung mit der Ortsbewegung, was hat der Zerfall des Atoms mit dem freien Fall zu tun? Eine Definition aller Bewegungen, die bisher bekannten und die noch nicht bekannten, die unter diese vier Kategorien Wesen (Werden und Vergehen), Quantität (Wachsen und Schwinden), Qualität (Veränderung) und Ort (Ortsbewegung) fallen, muss alles von der Erbauung der Brücke bis zur dichterischen Inspiration, der Zellteiling, der Planetenbewegungen, kurz alles, was sich im Sein tut, in sich fassen;

Was ist das Gemeinsame aller Bewegungen? Kr.3.1.200b34-a3

»ein gemeinsames aber, nämlich 201a was weder ein bestimmtes Etwas noch ein quantitativ Bestimmtes noch ein qualitativ Bestimmtes noch irgendeine derartige Kategorie wäre, lässt sich bei diesem, wie wir sagen, nicht erfassen [muss aber von allem diesen gelten]; so dass es auch von Nichts anderem ausser dem eben angegebenen eine Bewegung oder Veränderung gibt, da ja überhaupt ausser dem eben angegebenen es Nichts gibt«. [P105]

KrK.3.1.201a3.a

Bewegung darf von keinem bestimmten Gegenstand, sondern muss von allen Gegenständen gelten. Den gälte sie für eine bestimmte Gegenstandsgruppe, so müsste sie für jede andere Gruppe neu definiert werden und wenn sich keine Gruppe ausmachen lässt, müsste jeder bewegte Gegenstand neu untersucht werden.

Das heisst aber entweder, wir hätten vier verschiedene Bewegungsdefinitionen analog zu den vier Kategorien oder, zu Ende gedacht, 'Bewegung' könnte erst dann erkannt werden, wenn sämtliche Bewegungsarten und -unterarten bekannt und katalogisiert worden wären. Oder anders gesagt, wir könnten Wissenschaft erst betreiben, wenn sie nicht mehr nötig wäre. Wir sind wieder im Zirkel von Teil und Ganz, der jeder Erkenntnis zu Grunde liegt und müssen kraft unserer Vernunft das Ganze setzen.

( Kr.3.1.201a4-7 )

(die Nichtform steresis, nicht rein)

so einfach wie genial KrK.3.1.201a3.b

Wie bringt es da einer fertig, die wenigen vor über zweitausend Jahren bekannten Bewegungen einsschliesslich der noch zu entdeckenden allgemein zu definieren? So einfach wie genial. Aristoteles sagt: Bewegung ist - die jeweils stattfindende Bewegung. An die Stelle des Was tritt das Dass, und das gilt für alle Bewegungen.

Da sich nicht sagen lässt, was Unbekanntes und möglicherweise unendlich vieles und grosses ist und sich bewegt, so ist Aristoteles' Definition der Bewegung, dass sie ist: Der Bewegungsbeginn ist der Übergang vom Nicht-Sein der Bewegung zur Bewegung, das Ende der Bewegung ist der Übergang vom Sein der Bewegung zum Nicht-Sein der Bewegung. Was aber ist die Bewegung selbst? Folgen wir dem Gedanken, so müssen wir den kuriosen Satz sagen: Bewegung ist das Sein der Bewegung.

Demnach ist die Bewegung alles, was sich zwischen dem Sein und dem Nichtsein oder zwischen dem Nichtsein und dem Sein abspielt. Alles, was vorher nicht war und dann ist und alles, was jetzt ist und dann nicht mehr ist, muss sich bewegt haben. Die beiden Punkte A und B zwischen dem Nichtsein und dem Sein bzw. zwischen dem Sein und dem Nichtsein wird Ar später als die Bewegungen »gemäss Widerspruch«, nämlich das Werden und Vergehen bezeichnen, so dass das Werden und Vergehen an den Grenzen des Seins sich hier zur Bewegung wie die Form an den Grenzen zum Stoff verhalten und damit als Behälter jeder Bewegung dienen. Die Wesensbewegung Werden und Vergehen scheint also eng mit der Bewegung überhaupt verwandt zu sein.

Definition: Bewegung ist Verwirklichung des Möglichen Kr.3.1.201a8-19

»Daher gibt es soviel Arten von Bewegung und Wandlung, wie es Arten zu sein gibt.

Nachdem 10 für jede Seinsgattung der Unterschied nach Wirklichkeit und blosser Anlage getroffen worden ist, sei festgestellt, dass die Verwirklichung des in der Anlage Vorhandenen Bewegung ist, z. B. die des Veränderlichen, sofern es veränderlich ist, Veränderung, diejenige eines Gegenstandes, der wachsen und schwinden kann (leider gibt es keine gemeinschaftliche Bezeichnung), Wachsen und Schwinden, diejenige eines Gegenstandes, der werden und vergehen kann, Werden und 15 Vergehen, die eines beweglichen Körpers Ortsveränderung [phora] . Dass dies Bewegung ist, wird aus folgendem Beispiel klar. Wenn etwas, was gebaut werden kann, verwirklicht wird, erst da wird gebaut, und dies heisst »bauen«. Ähnlich ist es beim Lernen, Heilen, Drehen, Springen, Reifen, Altern.« [G87f]

Widerspruch und Bewegung KrK.3.1.201a19.a

'Die Bewegung ist das Sein der Bewegung' interpretiere ich. 'Verwirklichung ist Bewegung', sagt Ar. und zieht seinen Kopf so aus einer ontologischen Schlinge. 'Sein der Bewegung' ist ein Widerspruch in sich, wenn wir uns an den Gegensatz von Sein und Bewegung oder Sein und Werden erinnern, wie er in der Philosophie üblich ist. Wir stellen das Sein eines Gegenstandes als fixe unbewegte Grösse der Bewegung des Gegenstandes als variable Grösse gegenüber. Aber nicht nur das. An den Übergängen vom Nichtsein der Bewegung zum Sein in A und umgekehrt in B müsste gleichzeitige Bewegung und Nichtbewegung sein, wenn das Bild stimmt! Da uns aber diese Schlinge noch mehrfach um den Hals geworfen wird, bleiben wir von Anfang an bei ihr. Wir werden sie nur los, wenn wir sie anfassen und durchschneiden oder uns ein Schmuckstück daraus basteln.

alle Bewegungen zwischen Sein und Nichtsein KrK.3.1.201a19.b

Wir werden Aristoteles auch noch mehrfach daran erinnern müssen, dass er hier bei der Definition der Bewegung, dem Gegenstand der Physik, alle Bewegungsarten in die Wesensbewegung oder das Werden und Vergehen zwischen Sein und Nichtsein eingeschlossen hat.

Bewegung findet statt zwischen den Gegensätzen, haben wir im ersten Buch gelernt. As allgemeine Definition der Bewegung nun heisst Verwirklichung des Möglichen. Den Gegensatz haben wir nur für die Erklärung der ersten Bewegung benötigt. Bei den Einzelbewegungen suchen wir nach dem Naturgesetz und begnügen uns mit dem Anfang, dem Ende und der Bewegung zwischen Anfang und Ende.

Die Genialität seiner Bewegungsdefinition ist seine Inhaltsleere. Allein die Beraubung jeglichen Inhalts bis auf die Aussage, dass etwas nicht war - ist - nicht mehr ist, die nackte Hülse des Verlaufs irgend einer Sache (hier noch ohne Zeit!) vom Anfang bis zum Ende, ermöglicht die Füllung mit jeglichem Inhalt. Böse Zungen könnten die Definition für nutzlos halten, weil es die mögliche Bewegung ebensowenig wie die Nichtbewegung, den möglichen Sokrates oder den Nichtsokrates gibt. Aber ganz so einfach ist es nicht.

Was bedeutet 'möglich'? KrK.3.1.201a19.c

'Möglich' sagen wir in mehreren Bedeutungen: Zwei prinzipiell verschiedene Gruppen scheinen dabei das Naturmögliche und das Menschenmögliche zu sein.

Eine genau bestimmte endlich oder unendlich grosse3 Anzahl von Verbindungen zweier oder mehrerer Grössen oder Mengen in Logik und Mathematik ist möglich.

Es gibt eine unbestimmbare Anzahl möglicher Ursachen oder Verbindungsmöglichkeiten irgend eines Verursachten oder Verbundenen (vgl. Zufall).

Etwas, das sowohl eintreten kann, als auch nicht, kann möglicherweise eintreten (vgl. Zufall).

Etwas, das zunächst noch nicht ist, dann wird, jetzt ist, muss möglich, nicht unmöglich gewesen sein, sonst wäre es jetzt nicht.

Form als Möglichkeit der Natur KrK.3.1.201a19.d

Und hier zum ersten Mal: Eine zwar nicht in der Natur vorkommende, aber den Gesetzen der Natur nicht widersprechende Form ist möglich, weil es einen stetig ausgedehnten 3d-Stoff in der Natur gibt, das Leere. So ist beispielsweise eine ebene Fläche r 2 im Leeren möglich.

Hier widerspreche ich also einem wichtigen Dogma meines Lehrers und der Zunft: Form ist möglich, Stoff ist wirklich.

In den letzten beiden Formen werden wir uns hier mit hauptsächlich der Möglichkeit befassen.

Die Frage nach dem Möglichsein in der Physik ist immer auf die Natur bezogen, auch wenn wir 'nur' von einer Denkmöglichkeit sprechen. Ist es möglich? bedeutet also immer: Kann es wirklich sein oder werden? Kann es morgen schneien? Kann Materie stetig sein? sind Fragen dieser Art. Aber auch wenn wir fragen: Ist eine ebene Fläche im Raum möglich? Ist ein idealer Kreis im Leeren möglich? sprechen wir von den Möglichkeiten der Natur in dem Sinn, dass es im Raum ein Stetiges gibt, das Leere, das irrationale und transzendente Grössen aufnehmen kann. Die mehr theoretischen Möglichkeiten der zweiten Klasse werden von praktischer Bedeutung, wenn du einen 100-Meter-Lauf gewinnen willst, Büros vermietest oder eine Turbine justieren willst. Das kannst du ohne den Meter, den Quadratmeter und ohne Pi nicht tun.4

Um den Missverständnissen, teleologischen Zweideutigkeiten zu entgehen, werden wir auch weitgehend auf das Begriffspaar Möglichkeit - Wirklichkeit verzichten und stattdessen Nichtsein - Sein verwenden, wobei Nichtsein zeitlich als Noch-Nicht-Sein oder Nicht-Mehr-Sein zu verstehen ist. Die wirkliche Bewegung, z. B. die kinetische Energie, ist noch nicht, wird und ist jetzt, etwa beim freien Fall des aufgehängten Sandsacks und ist schliesslich beim Aufprall maximal. Die Betragsgleichheit der potentiellen und kinetischen Energie ist am Anfang, in der Mitte und am Ende der Bewegung. Fällt der um die Höhe h gehobene Sack, so ist die Summe von potentieller und kinetischer Energie in jedem Bahnpunkt dieselbe, beide sind zwar immer ungleich. Die 'Summen', die Integrale und der Anfang, die Mitte und das Ende beider sind aber betragsgleich:

'Ist die mögliche Verwirklichung maximal,

so ist die bewegte Verwirklichung Null', sagen wir, oder 'ist die potentielle Energie maximal, so ist die kinetische Energie Null'. Die beiden 'h-Achsen' bedeuten links die fixe Höhe und rechts die variable Höhe. In ht ist der Sack um die rote Strecke (nach oben) gefallen und hat noch die blaue Strecke vor sich. Rechts in h ist er angekommen und hat keine Strecke mehr vor sich. Die Summe von potentieller und kinetischer Energie ist von Anfang bis zum Schluss konstant. Die Möglichkeit in der Physik ist also genauso wirklich wie die Wirklichkeit.

Nach dem gebührenden Respekt vor Aristoteles' Bewegungsdefinition, werden wir uns sofort von ihr abwenden und ab jetzt allein die Bewegung von Ort zu Ort betrachten. Anders als zu Ars Zeiten stiftet die grenzüberschreitende Bewegungsdefinition, die alle Bewegungen umfasst, mehr Schaden als Nutzen, weil wir heute eine gewaltige Fülle an Beobachtungs- und Denkmaterial gesammelt, gesichtet und zum Teil geordnet haben, dem dieses Begriffspaar allein nicht mehr gerecht wird.

Was aber ist das Sein der Bewegung? Versuchen wir einmal eine Definition, die die schwammige Möglichkeit vermeidet, sich aber dennoch an der allgemeinen Definition des Aristoteles orientiert.

Definition: Bewegung ist das jetzt Zurückgelegte KrK.3.1.201a19.e

Bewegung ist das jetzt Zurückgelegte. Das ist der jetzt zurückgelegte Weg der Ortsbewegung, die jetzt erlangte Qualität der qualitativen Änderung, das jetzt gewordene oder vergangene Wesen beim Werden und Vergehen, die jetzt erreichte Grösse beim Wachsen und Schwinden.

Gibt es das Sein der Bewegung als fixe Grösse nur im Jetzt, weil nur im Jetzt kein Weg zurückgelegt wird? Nein, das abgeschlossene Sein der Bewegung ist auch zwischen zwei Jetzt. Denn in einem anderen Jetzt hat die Bewegung angefangen, die in diesem Jetzt zurückgelegt ist. Die Summe oder das Integral von kinetischer oder potentieller Energie zwischen t 1 und t 2 , die beiden Dreiecke oben, sind 2 fixe Grössen zwischen 2 Jetzt. Die gesamte Bewegung ist in zwei unbewegte Grenzen eingeschlossen, Anfang und Ende. Aber wenn die beiden Punkte zwei Jetzte sind, ist dann das Dazwischenliegende Zeit? Diese Frage wird in Buch 4 Kapitel 10 bis 14: Das aristotelische Raum-Zeit-Kontinuum untersucht. Da aber in den beiden Endpunkten oder in einem beliebigen Punkt dazwischen die gleiche Frage (nach dem Sein) gestellt werden kann, genügt es, die Frage nach der Bewegung 'in' einem beliebigen Punkt zu stellen.

Das ist natürlich noch nicht befriedigend, weil wir hier nur entweder einen oder zwei unbewegte Punkte betrachtet haben und nicht die Bewegung dazwischen, um die es uns ja geht. Und vom Jetzt oder der Zeit wissen wir überhaupt noch nichts. Auch sind der fixe Weg oder die beiden fixen Dreiecke zwischen den beiden fixen Punkten nicht Bewegung. Begnügen wir uns vorerst damit, dass die Bewegung auf dem Weg zwischen dem Anfang und dem Ende stattfindet.


1. 1. topos Buch 4.1 bis 4.5 Leeres: Buch 4.6 bis 4.9 Zeit: Buch 4.10 bis 4.14 Eine der beiden Stellen, an denen Aristoteles sagt, dass es ohne das Leere keine Bewegung gibt. Er bedient sich mit der gleichen Selbstverständlichkeit bei Demokrit, wie es die Theologen im Namen Jahwes, Allahs und Gottes tun, wenn sie sich bei Aristoteles bedienen.

2. Das Seiende sind die Teile des Seins. Die Kategorien des Seienden sind die allgemeinsten Begriffe des Seienden 'innerhalb' des Seins. In der Metaphysik zählt Aristoteles 10 oder besser 9, die der zehnten, dem Wesen anhängen, auf: Wesen, Quantität, Qualität, Relation, Wo, Wann, Lage, Haben, Tun, Leiden. In der Physik benutzt er nur das Wesen, die Quantität, Qualität und den Ort, weil nur mit diesen Bewegung ist. Den Ort im heutigen Sprachgebrauch wird er aber nicht bei der Untersuchung des topos finden, sondern bei der Untersuchung der Zeit, nämlich als eine Funktion des Jetzt. Ich spreche öfter vom Sein, wo eigentlich von einem einzelnen Ding oder einer Einzelbewegung die Rede ist, also von einem Seienden. Das Seiende klingt blöd, und kein Mensch redet so. Da das Sein und das Seiende hier nur die Bedeutung des Ganzen und des Teils haben, ist die jeweilige Bedeutung im Zusammenhang klar. Überhaupt ist der umfassendste philosophische Begriff, das Sein, hier überhaupt nichts Geheimnisvolles, sondern dasselbe wie die Welt oder das Wirklichsein.

3. Dass ich hier das falsche Wort »gross« statt »zahlreich« benutze, liegt daran, dass ich nicht den Sprachzensor bei Begriffen spielen will, die sich in den allgemeinen Sprachgebrauch eingeschlichen haben. Umgekehrt wird das Wort »gross« bei solchen Beispielen von allein aus dem Sprachgebrauch verschwinden, wenn der Schwindel mit den Grössen und den Mengen zum allgemeinen Bewusstsein, zum bewussten Sein vorgedrungen sein wird.

4. Wenn der Schiedsrichter zum siegenden Athleten sagen würde, »Da der Meter eine freie Schöpfung meines menschlichen Geistes ist, erkläre ich deine Meter zu 50 Zentimetern, und dein Kollege mit den 100 Zentimeter-Metern hat gewonnen«. Wenn der Mieter zum Makler dasselbe im Quadrat sagt und die Miete um 50% kürzen würde. Oder wenn der Kunde Pi um die Hälfte verkleinerte, um den Materialwert der Turbine ein wenig zu drücken, dann würden wir die drei Herren sicher in eine Anstalt einweisen ( vgl. Eulers Briefe ). Anders dagegen bei den Philosophen der Wurstfabrikanten. Da wird in die Anstalt eingewiesen oder geschlachtet, wer solches nicht sagt und das Sein über das Bewusstsein stellt.