Kr.2.7.198a-198b Verdopplung der Form - KrSc

unbewegte Form am Anfang Kr.2.7.198a14-21

»Dass es aber Ursachen gibt und dass dieselben der Zahl nach so viele sind, als wir 15 angaben, ist klar, denn der Zahl nach ebenso vieles umfasst das Warum; entweder nämlich wird das letzte Warum auf das Was zurückgeführt - und zwar dies bei dem Unbewegten, wie z. B. in der Mathematik, denn auf die Definition z. B. des Geradlinigen oder des Commensurablen oder dergleichen wird da zurückgegangen -, oder auf das erste Bewegende ... 20 oder auf das um Wessen willen ... oder endlich bei dem Werdenden ist es der Stoff. Dass also nun die Ursachen diese und so viele sind, ist augenfällig.« [P85,87]

bewegte Form am Ende KrK.2.7.198a21

Die Form als Anfang ist unbewegt, der Stoff als Anfang ist bewegt.

Die Bewegungsursache bleibt in der Mitte.

Am Ende steht der Zweck als Ziel, die verwirklichte Form am Stoff.

Am Anfang ist die unbewegte ideelle Form, am Ende ist die reale Form am Stoff. Die Ursache bleibt in der Mitte. Der Stoff kann wohl auch am Anfang stehen, scheint aber mehr in die Mitte gerutscht zu sein. Er wäre dann von der unbewegten ideellen Form von seinem Platz verdrängt worden, so dass sich das Werden zwischen Form und Form und nicht zwischen Stoff und Form abspielte. Das vergessen wir ganz schnell.

drei Untersuchungen Kr.2.7.198a29-31

»darum auch sind der Untersuchungen 30 dreie, die eine über das selbst nicht mehr Bewegte, eine zweite über dasjenige, was zwar bewegt, aber unvergänglich ist, und eine dritte über das Vergängliche.« [P87]

Platons Formen als Anfang KrK.2.7.198a31

Darum?! Auch das wollen wir auch ganz schnell vergessen. Wir können schlecht an Platon herummäkeln und im gleichen Atemzug die ideellen Formen an den Anfang setzen. Wir werden Platon dort die gebührende Referenz erweisen, wo sie hingehört, nämlich bei der Form im fünften und im sechsten Buch. Da das Wort im Ende ist, werden wir dort auch nach den ideellen Formen suchen müssen.

Ich werde diesen Absatz so behandeln, als habe Aristoteles ihn nicht gesagt. Das Unbewegte im achten Buch ist von ganz anderem Kaliber als die Ideen und die geometrischen Formen. Aristoteles' Ankündigung in diesem Absatz hat nichts mit dem achten Buch zu tun.

Das Unbewegte ist das Leere, das unvergängliche erste Bewegte ist der Raum, die Ursachen sind je nach Gegenstand verschieden und dementsprechend die aus den Ursachen und dem zugrundeliegenden Stoff geformten Gegenstände.

Aristoteles meint natürlich drei andere Gegenstände als die Materie, das Leere und den Raum. Aber je länger ich die Physik studiere, desto mehr gerate ich in Zweifel. Man darf ja nicht vergessen, dass Demokrits Materialismus damals wie heute vom Übel war und Aristoteles sich seine Studien nur leisten konnte, weil er sich als Höfling bei Philipp verdingt hat.

Die ersten Anfänge und Ursachen sind das Leere, der Raum und die Materie. Nach dem Warum der Materie und des Leeren zu fragen, ist sinnlos. Das Warum kann nur in den nach den ersten Anfängen und Ursachen stattfindenden Dingen untersucht werden. Und das Warum der Formen naturgemäss am Ende der Bewegung des Ganzen, da, wo wir sind und sie uns ausdenken beziehungsweise von der Natur auf sie geschubst werden. Bei den ersten Anfängen können wir nur nach dem Was und dem ersten Warum fragen. Wir wissen noch nicht viel vom Leeren und dem Raum, aber drei Dinge müssen zutreffen, wenn unsere bisherigen Annahmen stimmen.

Das Leere ist ewig und ewig nicht bewegt.

Der Raum ist ewig und ewig bewegt.

Die 'sublunaren' Formen der Materie unterliegen dem ewigen Werden und Vergehen, wobei die sublunaren Bewegungen die Bewegungen innerhalb des Alls sind.

... Kr.2.7.198a35-b3 Unbewegtes ist höchstes Wesen,

»Es gibt jedoch zweierlei Ursachen, die natürlich bewegen. Davon gehört die eine nicht in die Physik, da sie nicht 198b den Ursprung der Bewegung in sich trägt. Von dieser Art ist etwas, das bewegt, ohne sich selbst zu bewegen, wie das völlig unbewegliche und ranghöchste Wesen« [G78] .

... KrK.2.7.199b3 sein Name ist aber nicht Zeus

Wir bitten den Vater der Götter und Menschen, im Olymp zu bleiben und gönnen ihm allenfalls seine kleinen Eskapaden auf der Erde. Das ist seine Privatsache, die muss er mit seiner Gattin abmachen. Aber in der Physik hat er nichts mehr verloren. Die Ursache der Bewegung ist physikalischer, nicht göttlicher Natur und wird daher auschliesslich in der Physik und sonst nirgendwo untersucht. Nicht die beiden Himmelspole und der göttliche Äther, sondern der Raum, die Materie und das Leere werden den Streit unter sich abmachen, wenn es zum Schwur kommt.