Ka.1.1a-1a

1a Gleichnamig (Homonyma) heißen Dinge, welche nur den Namen ( onoma ) gemein haben, bei denen aber der dem Namen zugehörige Begriff ( logos ) ihres Wesens ( ousia ) ein verschiedener ist. So heißt z. B. sowohl der wirkliche Mensch als das gemalte (gegrammenon) Geschöpf ein Geschöpf; beiden ist nur der Name gemeinsam, aber der dazu gehörige Begriff ihres Wesens ist verschieden1; denn wenn 5 man angeben wollte, was das »Geschöpf sein« (to zoo einai) bei jedem von beiden sei, so würde man für jedes einen besonderen Begriff angeben. Einnamig (synonyma) heißen Dinge, bei denen sowohl der Name gemeinsam, als auch der dazu gehörige Begriff ihres Wesens derselbe ist. So heißt der Mensch und der Stier ein Geschöpf, denn sowohl der Mensch wie der Stier werden mit dem gemeinsamen Namen »Geschöpf« bezeichnet und ebenso ist der Begriff ihres 10 Wesens derselbe (ho logos de tes ousias ho autos), und wenn man den Begriff von jedem derselben angeben und sagen wollte, was »Geschöpf sein« bei jedem von beiden sei, so würde man denselben Begriff angeben. Beinamig (paronyma) heißen Dinge, welche nach etwas anderen benannt werden und sich nur in der Beugung dessen Namens unterscheiden; so hat der Sprachgelehrte (grammatikos2) seinen Namen von der Sprachlehre (grammatikes) und der 15 Tapfere von der Tapferkeit.

KaK.1.1a15

Synonyma fallen unter dieselbe Definition ( logos, vgl. Me.7.10 ), während Homonyma unter verschiedene Definitionen fallen. Während bei den Homonyma Wort und Gegenstand auseinanderfallen, finden bei den Synonyma Definitionen und Gegenstände zusammen. Aristoteles nimmt in den Kategorien, der Hermeneutik und in der Analytik von Anfang an den allgemeinen Menschen und das allgemeine Tier als Seiende, während er das Allgemeine in der Metaphysik nicht vorschnell zulässt. Denn »der Mensch ist ein Tier«, oder »der Stier ist ein Tier« meint nicht diesen einen Menschen oder diesen einen Stier, sondern alle Menschen und alle Stiere.

24.12.2015 Die Kategorien beginnen mit der Bedeutung der Wörter. Die Hermeneutik beginnt mit den Wörtern selbst. Es geht im Anfang der beiden Schriften um die praktische Verbindung der Wörter mit den Dingen. Der logos kann in der Metaphysik sowohl als Definitionsformel als auch als Definitionsinhalt, als ideeller Stoff, gedeutet werden. In beiden Fällen ist er dort ein teilehabendes Ganzes. Als solcher wird er auch von mir in den Kategorien gedeutet.

Um die Dinge und das Denken theoretisch zusammenzubringen stehen Aristoteles der Stoff und die Form zur Verfügung. Für mich sind die Seinsrelationen a = b das Erste für diesen Zweck. Denn alle Teile der Seinsrelationen, das sein (einai3), die Teile, das Ganze, das Innere, das Äußere, sind sowohl in den Dingen als auch in der Seele, wo sie entweder ein genaues Abbild oder ein genaues Vorbild der Dinge sein können, ohne jedesmal an die Dinge gekettet sein zu müssen. In der Hermeneutik stehen die formalen Seinsrelationen im Vordergrund, in den Kategorien die stofflichen.


1. Das »Mensch« ist ein Wort. Der Mensch ist ein Tier.

2. Rolfes: der des Lesens und Schreibens Kundige

3. Das Verb sein übersetzen die Übersetzer unverdrossen als das Sein. Das macht es einigermaßen schwierig, es in die Birne zu bekommen, weil die dann ziemlich groß werden müsste.